(25) Jazz-Faves

Ansicht von 15 Beiträgen - 16 bis 30 (von insgesamt 339)
  • Autor
    Beiträge
  • #5138069  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Kein Künstler von Rang lässt sich mit einem einzigen Schlagwort beschreiben. Aber bestimmte Stilbegriffe sind unumgänglich, wenn man über Musik reden will.

    @ Napoleon Dynamite:
    Ich denke, ich verstehe, was du in Bezug auf Coltrane sagen willst. Ich sehe aber nicht, dass er sich damit so grundsätzlich von den meisten anderen unterscheidet, die typischerweise unter dem Label „Free Jazz“ geführt werden. Gibt es noch andere Beispiele für „Free Jazz“, der nach deiner Definition eigentlich keiner ist?

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    Highlights von Rolling-Stone.de
    Werbung
    #5138071  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

    Registriert seit: 09.11.2002

    Beiträge: 21,722

    @Ah Um:
    Für mich bezeichnet Free Jazz wie ich ihn verstehe eben jenen proklamierten Bruch mit der Tradition, in Hand gehend mit einer Orientierung nach neuen theoretischen Bezugspunkten. Bei Coleman ist es die Erfindung eines neuen (für mich, wie oft geschrieben, eines vollkommen diffusen) musiktheoretischen Verständnisses durch ein eigenes Notensystem, bei Taylor die Verbindung zu atonaler Theorie. Als grobe Beispiele. Woran sich die beiden nun detailliert orientiert haben sei dahin gestellt, jedoch ist hörbar (und nachlesbar), daß für sie das Grundverständnis von Swing und Blues keine Bedeutung hat. Daraus entstand die europäische Form des Free Jazz. Zwar sicherlich nicht uninteressant, für mich aber zu anstrengend und angestrengt. Sowie im eigentlichen Sinne kein Jazz.

    --

    I'm making jokes for single digits now.
    #5138073  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Ich denke mal, man kann beim Free Jazz zwei Grundströmungen unterscheiden:
    Zum Einen die „Expressiven“ wie Coltrane, Shepp, Sanders oder Ayler. Und zum Anderen die „Intellektuellen“ wie Taylor, Braxton, Guiffre oder Tristano. Mit Letzteren hat Ornette Coleman zwar eine hochfahrende musikalische Theorie (die ich nicht studiert habe) gemeinsam; im praktischen Ergebnis empfinde ich seine Harmolodics aber als recht fest in der Tradition stehend.
    Wenn ich dich recht verstehe, gehört deine Sympathie den Ersteren, während du bei letzteren bestreitest, dass es sich überhaupt um Jazz handelt. Ich habe bei allen Genannten kein Problem damit, sie ins Jazz-Regal zu stellen, weil bei aller Renitenz eben doch immer noch genügend Swing oder Jazz-Harmonik durchscheint. Die Grenze ist dann überschritten zB bei Joe Maneri oder Derek Bailey.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #5138075  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

    Registriert seit: 09.11.2002

    Beiträge: 21,722

    Ah Umwährend du bei letzteren bestreitest, dass es sich überhaupt um Jazz handelt.

    Das ist zu strikt. Ich bezweifle eher, daß hier noch eine Akzentuierung auf grundlegende Elemente des Jazz besteht (zu denen eine festgefügte Harmonik sicherlich nicht gehört, siehe Dolphy, Coltrane etc). Ohne Wertung, denn es gibt auch gute Platten von Cecil Taylor für mich. Nur erkenne ich in ihnen nicht die Nähe zu Coltrane, die der gemeinsame Begriff „Free Jazz“ suggeriert.

    --

    I'm making jokes for single digits now.
    #5138077  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,331

    Ah UmVergleichen kann man selbstverständlich alles, auch die Ramones mit Richard Wagner oder eine Amöbe mit dem Universum. Es könnte halt sein, dass der Vergleich ergibt, dass die verglichenen Gegenstände zu wenige Gemeinsamkeiten haben, als dass sie sinnvoll in eine qualitative Reihenfolge zu bringen sind. Dann sollte man sie in Ihrer Verschiedenheit einfach nebeneinander stehen lassen. Auch mich beschleicht das Gefühl, dass dies bei vielen der Künstler in meiner Liste eigentlich angebracht wäre. Miles Davis ist kein besserer oder schlechterer Trompeter als Dizzy Gillespie, sondern ein anderer. Gerade bei einer so auf Individualtiät fixierten Stilrichtung wie dem Jazz scheint mir dies oft die sinnvollere Herangehensweise.

    Eigentlich hat es Napoleon bereits auf den Punkt gebracht, was ich mit der etwas verkürzten Aussage der Vergleichbarkeit andeuten wollte. Coltrane oder Mingus befinden sich in einer gewissen musikalischen Tradition, so daß Vergleiche mit Morton, F. Henderson oder Ellington durchaus möglich und ergiebig sind. Man muß diese Vergleiche ja nicht unbedingt qualitativ anstellen, so daß das von dir angesprochene Nebeneinanderstellen nicht so verkehrt ist.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #5138079  | PERMALINK

    vega4

    Registriert seit: 29.01.2003

    Beiträge: 8,667

    @atom: Na klar kenne ich das erste Quintett. „Workin, Steamin, Relaxin und Cookin“ sind wunderschön. Nur gefällt mir tatsächlich das 2. Quintett besser. Es wirkt frischer und ist abwechslungsreicher. Aber keine Angst bei meine Top 333 wird das erste Quintett noch gewürdigt…. :-)

    P.s.: Die Idee mit den Sessions finde ich sehr gut und erstrebenswert!

    --

    Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann. "Fackel" - Karl Kraus
    #5138081  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    „Free Jazz“ ist in meiner Terminologie nur ein recht weiter Sammelbegriff für Stile, die, vom Jazz ausgehend, einzelne oder mehrere seiner typischen Determinanten in Frage stellen. Natürlich erreicht man damit irgendwann die Grenze, wo man nicht mehr sinnvoll von Jazz sprechen kann; meist bleibt als einzige Gemeinsamkeit noch die Improvisation. Wo genau die Grenze verläuft ist im Einzelfall sehr schwer festzustellen.
    Aber es ist unbestritten, dass die Herangehensweise und der Bezug zur Tradition bei Coltrane und Mingus andere sind als zB bei Cecil Taylor.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #5138083  | PERMALINK

    uncle-meat

    Registriert seit: 27.06.2005

    Beiträge: 596

    ”Ich habe zweifellos im schwarzen Ghetto mehr gelernt als auf dem Konservatorium. Warum sollen wir eigentlich Jahre und Jahre damit verbringen, die Traditionen der europäischen Musik zu studieren, wo doch kein einziger unter den Professoren und Musikern über Harlem und die Tradition der schwarzen Amerikaner nur ein bißchen Bescheid weiß? Die Kriterien, die angewendet werden, sind schließlich die Kriterien ihrer Musik! Was mag Schönheit dagegen für Louis Armstrong heißen? Kümmert sie das? Aber selbst wenn sie sich dafür interessieren würden: ihre Ansicht ist mir gleichgültig, ganz einfach, weil sie sich nicht einmal vorstellen, daß wir unsere eigenen Kriterien haben könnten.”

    Cecil Taylor in den frühen 60er als seine Musik von sogenannten Musikkritikern zerredet wurde.

    --

    Nous vivons médiocres, aujourd'hui, quand de telles leçons musicales nous sont données par les jeunes gens du passé. Merci Frank!!
    #5138085  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,331

    Hier mal einige großartige Sessions oder Sammlungen der Prä-LP-Ära, die mir besonders wichtig sind (in chronologischer Reihenfolge):

    Louis Armstrong with King Oliver’s Creole Jazz Band (1923)
    Sidney Bechet Memorial (1923-1925)
    Jelly Roll Morton – The Incomparable Jelly Roll Morton (1924)
    Fletcher Henderson – A Study In Frustration (1923-1938)
    Bix Beiderbecke And The Wolverines (Prestige, 1924)
    Bessie Smith – The Empress (1924-1928)
    Louis Armstrong – The Complete Hot Five And Hot Seven Recordings (1925-1929)
    Jelly Roll Morton – The Red Hot Peppers Sessions (1926-1927)
    Fats Waller – Piano & Organ Solos (1927-1929)
    Duke Ellington – The Okeh Sessions (1927-1930)
    Earl Hines – Complete 1929 Recordings
    Fats Waller & His Buddies (1930-1935)
    Benny Moten’s Great Bands (1930-1932)
    Don Redman And His Orchestra (1932/33 Sessions)
    Billie Holiday – The Golden Years (1933-1941)
    Art Tatum – Classic Early Solos (MCA, 1934-37)
    Earl Hines And His Orchestra – The 1934/44 Sessions
    Jimmie Lunceford – Harlem Shout (1935/36)
    Billie Holiday with Teddy Wilson Orchestra (1935-1939)
    Benny Goodman – The RCA Victor Small Group Recordings (1935-1939)
    Lester Young – Memorial (1936-1940)
    Count Basie – The Count Swings Out (1937-1939)
    Lester Young And The Kansas City Five (1939)
    Artie Shaw – Bluebird Recordings (1938/39)
    Lionel Hampton And His Orchestra (1938-1940s Sessions)
    Coleman Hawkins – Kelley’s Stables Recordings (1939)
    Earl Hines – The Indispensable Earl Hines (1939/40)
    Duke Ellington – The Jimmy Blanton/Ben Webster Sessions for RCA-Victor (1940-1942)
    Lester Young – The Complete Savoy Recordings (1944)
    Charie Parker – The Complete Savoy Studio Sessions (1944-1948)
    Charie Parker – The Complete Dial Studio Sessions (1946-1948)
    Thelonious Monk – Genius Of Modern Modern Music, Volume 1 (1947)
    Fats Navarro/Tadd Dameron – Memorial Album/The Fabulous (1947-1948)
    Django Reinhardt – The 1949 Sessions
    Miles Davis – Capitol Sessions [Birth Of The Cool] (1949-1950)
    Bud Powell – Blue Note Sessions [Amazing Bud Powell] (1949 & 1951)
    Wardell Gray – Prestige Sessions (1949, 1950 & 1952)

    (Eine Top 25 meiner liebsten Jazz-LPs liste ich zu einem späteren Zeitpunkt)

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #5138087  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    @ atom:
    Die Liste dürfte annähernd konsensfähig sein.
    Ich vermisse allerdings die Reinhardt/Grappelli-Sachen aus den 30ern sowie die „Swing To Bop“-Sessions mit Christian, Gillespie, Monk etc von 1941.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #5138089  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,331

    @ Ah Um:
    Das von dir erwähnte Material besitze ich leider nicht, so daß es keine Berücksichtigung bei mir gefunden hat.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #5138091  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    atom@ Ah Um:
    Das von dir erwähnte Material besitze ich leider nicht

    Das überrascht mich jetzt! Ich kenne allerdings manches von deiner Liste zugegebenermaßen auch nur vom Hörensagen.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #5138093  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,331

    Ah UmDas überrascht mich jetzt! Ich kenne allerdings manches von deiner Liste zugegebenermaßen auch nur vom Hörensagen.

    Das liegt hauptsächlich daran, daß mir manche dieser Einspielungen bislang noch nicht in guten LP-Editionen begegnet sind. So kommt es dann auch, daß mir beispielsweise auch wichtige Einspielungen von Ted Lewis, Chick Webb, Wilbur DeParis, Spike Hughes, Andy Kirk, Al Cooper, Charlie Barnet oder Harry James fehlen, wenn ich nur mal an den Swing der 30er Jahre denke.
    Das Kennen- und Schätzenlernen von Einspielungen wird also glücklicherweise so schnell kein Ende haben bei mir.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #5138095  | PERMALINK

    vega4

    Registriert seit: 29.01.2003

    Beiträge: 8,667

    Ein Update ist angebracht:

    1. Max Roach – We insist! Freedom now suite
    2. John Coltrane – My favorite things
    3. Eric Dolphy – Out to lunch
    4. Miles Davis – Complete Live at the Nickel plugged
    5. Charles Mingus – Charles Mingus presents Charles Mingus
    6. Andrew Hill – Point of departure
    7. Cannonball Adderley – Somethin´ else
    8. Cecil Taylor – Conquistador!
    9. Don Ellis – Electric bath
    10. John Coltrane – Ole
    11. Charles Mingus – Ah um
    12. Archie Shepp – Fire music
    13. Ornette Coleman – The shape of jazz to come
    14. Duke Ellington – At Newport
    15. John Coltrane – Live at the village vanguard
    16. Bobby Hutcherson – Dialogue
    17. Jimmy Giuffre – Free fall
    18. Thelonious Monk – Brilliant corners
    19. Miles Davis – Kind of blue
    20. Charles Mingus – At Antibes
    21. Ella Fitzgerald – Ella in Berlin: Mack the knife
    22. Miles Davis – E.S.P.
    23. Jim Hall – Textures
    24. The Quintet – Jazz at Massey hall
    25. Kenny Dorham – Whistle stop

    7 Neuzugänge und einige Verschiebungen waren notwendig.

    --

    Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann. "Fackel" - Karl Kraus
    #5138097  | PERMALINK

    dagobert

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 8,566

    dich schickt der himmel. ich habe gestern noch darüber nachgedacht, mir als nächstes eine platte von max roach zu kaufen, den ich von „money jungle“ mit ellington und mingus her kenne, sonst aber nichts von ihm besitze. die entscheidung hast du mir mit deiner liste leicht gemacht. danke, vega.

    --

Ansicht von 15 Beiträgen - 16 bis 30 (von insgesamt 339)

Schlagwörter: ,

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.