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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gibt es eine Geschmackspolizei?



Mikko
19.09.2004, 12:54
Durch den Thread zu den überschätzten Bands/Platten bin ich auf die Idee gekommen, hier mal die Frage nach einer "Geschmackspolizei" zu stellen.

Mir geht es hier gar nicht so sehr darum, inwieweit Kritikermeinungen unser Kauf- und Rezeptionsverhalten beeinflussen. Das aber auch.
Ich meine mehr die Tatsache, dass bestimmte Bands und Platten allgemein sehr hoch bewertet werden, als wegweisend, herausragend, unvergleichlich etc.
"Pet Sounds" gilt vielen als die beste LP aller Zeiten.
"Exile On Mainstream" gilt als das beste Album der Stones.
"Revolver" oder wahlweise "Sgt. Pepper" als bestes Album der Beatles.
Ihr wisst was ich meine, hoffe ich.

Umgekehrt gelten bestimmte Bands als nicht so "cool" oder von mir aus auch "künstlerisch wertvoll". Das reicht von Queen über Deep Purple bis zu AC/DC und aktuell vielleicht so Bands wie The Darkness oder Velvet Revolver.

Bestimmte andere Bands gelten als Hype (auch ein Thema für einen eigenen Thread). So z.B. Franz Ferdinand, The White Stripes, alle "The" Bands überhaupt.

Worauf ich hinaus will: Gibt es bestimmte Meinungsmacher? Obergurus der Kritikergilde, die wiederum die Meinung anderer Rezensenten und Berichterstatterinnen beeinflussen. So nach em Motto: Wenn der XY die Band toll findet, dann ist die bestimmt auch toll. Oder wenn YZ diese Scheibe in Grund und Boden schreibt, dann muss die einfach Scheiße sein.

Hand auf's Herz. Habt Ihr Euch nicht auch schon bis zu einem gewissen Grad von den Meinungen solcher "Gurus" bezirzen lassen.
Oder anders gefragt. Wenn viele Kritiker/innen die gleiche oder eine ähnliche Meinung vertreten, denkt Ihr dann nicht auch, da muss was dran sein?

Und um auf die Bestenlisten zurück zu kommen, gibt es nicht eine Art Automatismus der gängigen Meinung, der dafür sorgt, dass bestimmte Platten und Bands immer wieder unter den TOP 10-20 solcher Listen auftauchen?

marcos valle
19.09.2004, 13:02
es gibt diese geschmackspolizei.
einmal nur PET SOUNDS nicht erwähnt und schon.......
schau nur mal in diesen thread in dem jemandem ein paar hunderttausend platten weggenommen wurden!

Amadeus
19.09.2004, 13:05
Ganz ehrlich: ich lasse mich beeinflussen. Eine sehr gute Kritik macht mich neugierig, eine sehr schlechte signalisiert "Hände weg". Ich habe damit allerdings eher gute Erfahrungen gemacht, d.h. es kommt selten vor, dass mir hochgelobte Platten gar nicht gefallen. Zumindest stimmt die Tendenz, wenn es auch Ausnahmen gibt.

Ich glaube schon, dass Kritiken das Kaufverhalten beinflussen, zumindest im Unterbewußtsein. Ebenso wie die Charts. Der Mensch ist nun mal ein Herdentier.... :D

Prodigal Son
19.09.2004, 13:10
Originally posted by Mikko@19 Sep 2004, 11:54
"Exile On Mainstream"
Aus Versehen verschrieben?

Mikko
19.09.2004, 13:17
Originally posted by Sebastian Frank@19 Sep 2004, 13:10
Aus Versehen verschrieben?
Ne typische Freud'sche Fehlleistung. :lol: :lol: :lol:

Jetzt lass ich's aber so stehen. ;)

Amadeus
19.09.2004, 13:18
Anmerkung: wenn mir aber ein Gruppe richtig gut gefällt, bin ich gegen Kritik ziemlich immun, z.B. bei Pink Floyd, Dire Straits oder die alten Genesis. Es gibt mir dann schon zu denken, wenn diese Bands bei den Kritikern sehr schlecht wegkommen. Vor allem, wennn es sich dogmatisch anhört. i

Trotzdem: wichtig für mich ist, neue Musik kennenzulernen, die mir sehr gut gefällt. Ohne Kritiken, ohne den RS, ohne das Internet oder ohne Usercharts würde mir manches entgehen, dass ich nicht missen möchte. So würde ich weder Adam Green noch Zante oder Nick Drake kennen. Wäre definitiv schade.

beatlebum
19.09.2004, 13:19
Originally posted by Mikko@19 Sep 2004, 12:54


Mir geht es hier gar nicht so sehr darum, inwieweit Kritikermeinungen unser Kauf- und Rezeptionsverhalten beeinflussen. Das aber auch.

Und um auf die Bestenlisten zurück zu kommen, gibt es nicht eine Art Automatismus der gängigen Meinung, der dafür sorgt, dass bestimmte Platten und Bands immer wieder unter den TOP 10-20 solcher Listen auftauchen?
zum ersten Abschnitt:

Die "Meinungsmacher" tragen für mich dazu bei, auf Bands und Platten aufmerksam zu werden. Wie ich diese Platten dann einschätze und einstufe, bleibt aber letzendlich mir vorbehalten.

zum zweiten Abschnitt:

Das könnte natürlich daran liegen, dass sich der gemeine Musikhörer an den "Meinungsmachern" orientiert und diese Platten und Bands dann seiner kritischen Auseinandersetzung standhalten können.


Für "ultimative" Listen ist es natürlich von Vorteil, diese aus einer möglichst großen Auswahl erstellen zu können. Der "Anfänger" wird sich dabei wahrscheinlich eher an Kritikerlisten orientieren. "Fortgeschrittene" könnten wiederum eher ihre eigenen Ohren benutzen. Letztendlich müssen aber die bestimmten Platten und Bands, die immer wieder unter den TOP 10-20 solcher Listen auftauchen auch bestimmte "Qualitäten" aufweisen, die sie für so viele wählbar machen.

Für mich ist es eine wichtige Frage, wie gut kennt man die Platten wenn man sie in so eine Liste setzt und aus welchem Kosmos hat man sie ausgewählt.

Prodigal Son
19.09.2004, 13:20
Originally posted by Amadeus@19 Sep 2004, 12:18
Zante
Wer ist das?

Amadeus
19.09.2004, 13:25
Originally posted by Sebastian Frank@19 Sep 2004, 12:20
Wer ist das?
Kante. An den Namen muss ich mich noch gewöhnen. :lol:


Sebastian, dir entgeht aber heute kein Schreibfehler.

Prodigal Son
19.09.2004, 13:31
Originally posted by Amadeus@19 Sep 2004, 12:25
Sebastian, dir entgeht aber heute kein Schreibfehler.
Tut mir leid, Armadeuss :lol:

Mikko
19.09.2004, 13:33
Originally posted by beatlebum@19 Sep 2004, 13:19
Für mich ist es eine wichtige Frage, wie gut kennt man die Platten wenn man sie in so eine Liste setzt und aus welchem Kosmos hat man sie ausgewählt.
Das ist m.E. eben so ein Knackpunkt.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass manche Platten in "Bestenlisten" gelistet werden, weil sie schon von anderen (Meinungsmachern) gelistet wurden, oder weil man ja diese oder jene allgemein hoch geschätzte Band auch in der eigenen Bestenliste nicht unerwähnt lassen will.

ZUFO
19.09.2004, 13:38
Durch positive Kritiken lass ich mich öfters dazu "überreden" etwas unbekanntes zu kaufen. Hab aber auch kein Problem damit die Platte des Monats über Ebay wieder abzugeben da Sie bei mir überhaupt nicht ins Ohr will (Zuletzt Lambchop Aw..).

Und das ein Teil meiner musikalischen Faves derzeit (oder vieleicht allzeit) uncool, out und was weiss ich nicht alles sind macht mir auch nix aus.

Gruß,
ZUFO

Jan Dark
19.09.2004, 13:46
also ich verlass mich immer noch am liebsten auf meine eigenen ohren. könnte dutzende von hochgejubelten acts aufzählen die mir völlig gleichgültig sind und mich nicht im geringsten anmachen. aus jüngerer zeit wären das zb franz ferdinand oder kings of leon. da find ich es aber schon immer frappant wie gleichgeschaltet die schreiberlinge bei solchen hypes sind. da scheint wirklich der eine vom anderen abzuschreiben. ansonsten ist man auf information natürtlich schon angewiesen. ich glaub ich hab da im lauf der jahre so ne art persönliches radarsystem entwickelt das auch ziemlich zuverlässig erkennt was was für mich sein könnte und was eher nicht.. im zweifel erstmal rein hören. geht ja mittlerweile auch online meistens irgendwie und für einen ersten eindruck reicht das auch..

otis
19.09.2004, 13:48
Mikko, wieso Geschmackspolizei? Sie kontrolliert doch nicht den Geschmack der anderen.
Sicher gibt es Kritiker, deren "Geschmack", besser: deren musikalisches Verständnis eine Art Vorbild darstellen kann. Warum denn nicht? Das gab es immer schon in der Kunst, denke ich. Und das ist auch wichtig, daran ist ganz und gar nichts Schlechtes; nur Gutes, wenn es gute Kritiker sind. Helfen sie doch der musikalischen Bildung nach.

HBM
19.09.2004, 13:57
Gäbe es keinen "Kritiker des Vertrauens" (mit dem man nicht 100%ig übereinstimmen muss, der aber über Wissen und Geschmackssicherheit verfügt), wäre die Lektüre z.B. des RS und insbesondere der Reviews eigentlich überflüssig. Oder?
Der Sinn dabei ist doch, dass man sich als junger und vergleichsweise ahnungsloser Mensch an etwas orientiert. Und da macht man sich gern den Erfahrungsschatz bestimmter Kritiker zu eigen. Wie gesagt, wäre es nicht so, dann müsste man im Laden ja darum würfeln, was man sich holt.
Eine hohe Ausfallrate beim Plattenkauf könnte ich mir einfach nicht leisten.

Mikko
19.09.2004, 13:59
Das stimmt natürlich, Otis.

Wenn es solche Kritiker sind, wie Du sie beschreibst, lass ich mir auch gerne mal was empfehlen oder den einen oder anderen Rat geben.

Meine Formulierung sollte ja auch ein bisschen provokant sein.
Und auch der belesendste, informierteste und gewöhnlich geschmackssichere Kritiker hat manchmal so einen leicht belehrenden oder gar dogmatischen Duktus. Du weißt, was ich meine?

otis
19.09.2004, 14:06
Originally posted by Mikko@19 Sep 2004, 13:59

Und auch der belesendste, informierteste und gewöhnlich geschmackssichere Kritiker hat manchmal so einen leicht belehrenden oder gar dogmatischen Duktus. Du weißt, was ich meine?
"was" oder "wen", Mikko? :lol:

Ich ahne, aber eigentlich weiß ich es nicht richtig.

Gegen einen dogmatischen Duktus in ästethischen Dingen habe ich gar nichts. Gegen Belehrung eher.
Es steht doch jedem frei, sich darauf einzulassen oder nicht. Und es fordert doch heraus, Stellung zu beziehen, was ja auch etwas Wertvolles sein mag.

Skraggy
19.09.2004, 14:11
Im großen und ganzen bin ich gegen Hype recht immung. Alleridings kommt es alle jubeljahre mal vor, dass auch ich vom Hype eingefangen und dann meistens enttäuscht werde. Das letzte Beispiel dieser Art ist Ryan Adams. Vor etwa einem Jahr konnte man sich hier im Forum kaum einen Thread durchlesen, ohne auf die Brillianz von Ryan Adams hingewiesen zu werden. Ryan hier, Ryan da, Ryan überall. Nun, irgendwann dachte ich mir, dass an dem Kerl ja was dran sein muss. Also Love Is Hell Pt. 1 gekauft. Nun ja, war nicht so begeistert, aber es war ja immer wieder zu lesen, dass Heartbreaker und Gold die besten regulären Alben von ihm wären. Gut, dann habe ich die auch noch gekauft und wurde wieder enttäuscht. Sicherlich enthalten alle Adams-Werke gute Songs, aber diese Brillianz, die ihm zur damaligen Zeit von vielen hier bescheinigt wurde, konnte ich nie für mich entdecken. Seitdem gibts Blindkäufe bei mir nur noch bei Bands, von denen ich ungefähr weiß, was mich auf ihren Scheiben erwartet.
Ansonsten rufen Hypes bei mir immer wieder Lachattacken hervor. Gott, wieviele Bands wurden in den letzten zwei, drei Jahren als die Retter des Rock gefeiert wurden. Hey, diese Sparte muss überhaupt nicht gerettet werden, da viele der alten Säcke noch immer wissen, wie es geht.

Mikko
19.09.2004, 14:18
Was oder wen - lassen wir's dabei, Otis. ;)

Aber mir ging es ja noch um etwas Anderes. Ich meine, viele Menschen (und ich schließe mich da teilweise durchaus ein) lassen sich - zum Teil unbewusst - von Kritikermeinungen beinflussen. Undzwar in der von mir weiter oben skizzierten Weise. Wenn die Platte / Band XYZ so großartig sein soll, dann wird da wohl was dran sein. Wenn sich mir das dann nicht gleich erschließen will beim Hören, bin ich in so einem Fall eher geneigt, XYZ eine zweite und dritte Chance zu geben.

Und selbst wenn ich eine Platte / Band persönlich eigentlich gar nicht mag, gestehe ich ihr womöglich "objektiv" Qualitäten zu, weil bestimmte Leute sie hoch halten.

otis
19.09.2004, 14:24
Originally posted by Mikko@19 Sep 2004, 14:18
Wenn die Platte / Band XYZ so großartig sein soll, dann wird da wohl was dran sein. Wenn sich mir das dann nicht gleich erschließen will beim Hören, bin ich in so einem Fall eher geneigt, XYZ eine zweite und dritte Chance zu geben.

Und selbst wenn ich eine Platte / Band persönlich eigentlich gar nicht mag, gestehe ich ihr womöglich "objektiv" Qualitäten zu, weil bestimmte Leute sie hoch halten.
ad1: Dagegen kann man doch gar nichts haben, dass du der Platte eine zweite oder dritte Chance gibst. Umgekehrt würde ich höchstens bedauern, dass manche Platten, die es verdient hätten, keine solche bekommen.

ad2: Das ist genau der Punkt, den ich wirklich nicht ganz verstehe. Mir persönlich bedeutet Exile z.B. nicht sonderlich viel. Dass die Platte aber dennoch ihre Riesenqualitäten hat, sehe ich allemal. Wo ist das Problem? Es wird garantiert nicht in meiner Top 100 auftauchen. Und dennoch kann ich die Meinung teilen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Album der Pop-Geschichte ist.

Prodigal Son
19.09.2004, 14:24
Originally posted by Skraggy@19 Sep 2004, 13:11
Hey, diese Sparte muss überhaupt nicht gerettet werden, da viele der alten Säcke noch immer wissen, wie es geht.
Na ja, ein wenig frischer Wind hat schon so manches Mal dafür gesorgt, dass die ´alten Säcke´ sich wieder auf alte Tugenden besinnen. Gutes Beispiel: "Some Girls" (1978) von den Glimmer Twins.

Mikko
19.09.2004, 14:25
@Skraggy

mit dem Begriff "Hype" wäre ich vorsichtig.
Ich hab's ja schon weiter oben gesagt, dazu sollte man mal einen eigenen Thread aufmachen, um erstmal zu klären, was ein Hype überhaupt ist.
Ich weiß was Du meinst, würde das aber nicht unbedingt Hype nennen.

Mikko
19.09.2004, 14:31
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 14:24
ad2: Das ist genau der Punkt, den ich wirklich nicht ganz verstehe. Mir persönlich bedeutet Exile z.B. nicht sonderlich viel. Dass die Platte aber dennoch ihre Riesenqualitäten hat, sehe ich allemal. Wo ist das Problem? Es wird garantiert nicht in meiner Top 100 auftauchen. Und dennoch kann ich die Meinung teilen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Album der Pop-Geschichte ist.
Alles richtig, was Du sagst!

So lange wir uns dessen immer bewusst sind, ist auch alles in Ordnung.

Ich glaube nur einfach, dass z.B. beim Erstellen von Bestenlisten von einigen (vielen?) Teilnehmern den allgemeinen Erwartungen ganz gerne mal entsprochen wird.

mr.wicked
19.09.2004, 14:35
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 13:24
Mir persönlich bedeutet Exile z.B. nicht sonderlich viel. Dass die Platte aber dennoch ihre Riesenqualitäten hat, sehe ich allemal. Wo ist das Problem? Es wird garantiert nicht in meiner Top 100 auftauchen. Und dennoch kann ich die Meinung teilen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Album der Pop-Geschichte ist.
Das alte subjektiv/objektiv-Argument. Wenn mir aber subjektiv eine Platte partout nix sagen will, mein Guru aber davon restlos begeistert ist, versuche ich doch immer wieder das nachzuvollziehen. Frage: ist das vertretbar? Oder bin ich Opfer meiner selbstgewählten "Abhängigkeit"? Ist das also gut oder schlecht? Wie sind da deine Erfahrungen, otis???

otis
19.09.2004, 14:37
Du meinst also, es sollte eine Listen-Polizei geben!! :lol: :lol:



btw: Habe Exile jetzt mal wieder aufgelegt. Und ... ein kleines Wunder könnte seinen Anfang nehmen! :D

Prodigal Son
19.09.2004, 14:39
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 13:37
btw: Habe Exile jetzt mal wieder aufgelegt. Und ... ein kleines Wunder könnte seinen Anfang nehmen! :D
In welche Richtung?

otis
19.09.2004, 14:42
Obiges bezog sich auf Mikko.

Wicked, wieso Guru?
Ich lese unglaublich gern Texte über Musik, die meinen Horizont erweitern, in denen was steht, was ich nicht weiß, bisher nicht so gesehen/gehört habe....
Dazu braucht es keinen Guru. Das müssen nur Texte von Leuten sein, die wirkliche Ahnung haben und eine gelebtes Verhältnis zur Musik. Ich bin doch nicht abhängig davon, sondern profitiere von denen unglaublich.
Viel schlimmer ist, wenn man nur von seinem "Geschmack" abhängig ist!

otis
19.09.2004, 14:43
Originally posted by Sebastian Frank@19 Sep 2004, 14:39
In welche Richtung?
in die Kritiker-Richtung. :lol:
Ich bemühe mich um diese Platte immerhin seit 30 oder so viel Jahren!

Mikko
19.09.2004, 14:48
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 14:37
btw: Habe Exile jetzt mal wieder aufgelegt. Und ... ein kleines Wunder könnte seinen Anfang nehmen! :D
Wieso Wunder?

Unsere Hörgewohnheiten und -erfahrungen ändern sich doch auch mit den Jahren.
Da ist es ganz normal, dass sich die Auswahl und Reihenfolge unserer Lieblingsplatten verändert.
Ich fand sowieso dieses Auflisten von 1-100 schon immer ziemlich suspekt. Es ist doch nur eine Momentaufnahme.
Natürlich hat man eine absolute Lieblings-LP oder-single, die sich auch so ohne weiteres nicht ändert. Aber was auf Platz 3 oder 4 ist oder auf 10 oder 12, das kann sich von Stimmung zu Stimmung, von Woche zu Woche ändern. Platten, die mal unter den TOP 20 waren, können tief abrutschen mit den Jahren.

otis
19.09.2004, 14:49
Musikkritiker, die mich beeinflusst haben und denen ich zu großem Dank verpflichtet bin, in chronologischer Reihenfolge:
Salzinger, Cohn, Peel, Adorno, Metzger, Diederichsen, Doebeling, Marcus

mr.wicked
19.09.2004, 14:52
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 13:42
Wicked, wieso Guru?


Na ja, eine gewisse "Gläubigkeit" ist schon dabei, oder etwa nicht? <_<

Mikko
19.09.2004, 14:56
"Gläubigkeit" passt ganz gut.
Nicht im religiösen Sinn, und auch nicht unbedingt negativ gemeint.
Man glaubt eben gerne, was der Kritiker des Vertrauens schreibt.

mr.wicked
19.09.2004, 14:56
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 13:42
Viel schlimmer ist, wenn man nur von seinem "Geschmack" abhängig ist&#33;
Vollste Zustimmung&#33;&#33;&#33;&#33;

otis
19.09.2004, 14:56
Originally posted by mr.wicked@19 Sep 2004, 14:52

Na ja, eine gewisse "Gläubigkeit" ist schon dabei, oder etwa nicht? <_<
Nein, nicht mehr als beim Hören und Gut-Finden von Musik.
Ein guter Kritiker schafft es, Musik ein stückweit in Worte zu fassen. Was hat das mit Gläubigkeit zu tun?

Hank Williams
19.09.2004, 16:32
Originally posted by Amadeus@19 Sep 2004, 13:18
Zante
Und die neue Platte von denen heißt dann "Kombi". Wie passend.

Hank Williams
19.09.2004, 16:38
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 14:49
Musikkritiker, die mich beeinflusst haben und denen ich zu großem Dank verpflichtet bin, in chronologischer Reihenfolge:
Salzinger, Cohn, Peel, Adorno, Metzger, Diederichsen, Doebeling, Marcus
Sorry, aber mit Adorno kannst Du mich jagen... und als Soziologie-Student habe ich schon mehr als einmal die Bekanntschaft mit seinen Schriften gemacht, das kannst Du mir glauben&#33; Außerdem hat Adorno vehement alles abgelehnt, was aus den USA kam - darunter auch die "Dschungelmusik" (Achtung&#33; Keine direktes Adorno-Zitat - nicht daß es wieder böse Kommentare der Frankfurter Schule hagelt, ich würde Theodor Wiesengrund hier in eine Rassismus-Ecke drängen wollen&#33;) des Jazz... und mit so &#39;ner hochmütig-europäischen Sichtweise kann ich mich nun gar nicht anfreuen&#33; (Desweiteren funktioniert Musik für mich auch ohne theoretischen Unter- bzw. Überbau. Das aber nur mal am Rande.)

[edit] Nur noch mal zum besseren Verständnis: Bei Adorno vs. Jazz ging es im Grunde um den "Hoheitsanspruch der Partitur", der vollkommen diametral entgegengesetzt ist zur "improvisierten Musik" (die Adorno zeitlebens nie so recht verstanden hat).

Prodigal Son
19.09.2004, 16:38
Originally posted by Hank Williams@19 Sep 2004, 15:32
Und die neue Platte von denen heißt dann "Kombi". Wie passend.
Lustig, dieser kleine Witz ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Nicht schlecht: Spaß durch ein Anagramm

Declan MacManus
19.09.2004, 16:40
Originally posted by Hank Williams@19 Sep 2004, 16:32
Und die neue Platte von denen heißt dann "Kombi". Wie passend.
He, Hank, was hast Du eigentlich? Das geht ja doch mit Dir und dem Humor. ;)

Hank Williams
19.09.2004, 16:41
Originally posted by muffkimuffki@19 Sep 2004, 16:40
He, Hank, was hast Du eigentlich? Das geht ja doch mit Dir und dem Humor. ;)
Kommt immer auf die Tagesform an. Heute geht&#39;s mir wieder einigermaßen.

otis
19.09.2004, 16:50
Originally posted by Hank Williams@19 Sep 2004, 16:38
Sorry, aber mit Adorno kannst Du mich jagen... und als Soziologie-Student habe ich schon mehr als einmal die Bekanntschaft mit seinen Schriften gemacht, das kannst Du mir glauben&#33; Außerdem hat Adorno vehement alles abgelehnt, was aus den USA kam - darunter auch die "Dschungelmusik" (Achtung&#33; Keine direktes Adorno-Zitat - nicht daß es wieder böse Kommentare der Frankfurter Schule hagelt, ich würde Theodor Wiesengrund hier in eine Rassismus-Ecke drängen wollen&#33;) des Jazz... und mit so &#39;ner hochmütig-europäischen Sichtweise kann ich mich nun gar nicht anfreuen&#33; (Desweiteren funktioniert Musik für mich auch ohne theoretischen Unter- bzw. Überbau. Das aber nur mal am Rande.)

Ist Adornos Sicht wirklich "hochmütig-europäische Denkweise"? Sie ist gebildet an der klassischen Musik. Ja. Dogmatiker halt war er. Ist doch gut so&#33;
Jaja ich weiß, dass er Riesenprobleme mit all diesem neumodischen Zeug hatte. Wenn er angetrunken war, hat er aber, als einziges Zugeständnis an den Massengeschmack, sich ans Klavier gesetzt und 20s-Schlager gespielt und gesungen.
Für mich funktioniert Musik auch ohne Über- oder Unterbau&#33;
Will hier aber nicht über Adorno diskutieren, dafür ist meine Beschäftigung mit ihm zu lange her. Einflussreich war er in jedem Fall im positiven Sinne für mich. Vieles, was man sich damals mühsam aneignen musste, ist heute eher banales Allgemeingut.

Und schon gar nicht sollten die Namen oben eine Anregung sein. Nur die Offenlegung meiner Einflüsse, über die ich, wie gesagt, nicht böse bin.

mr.wicked
19.09.2004, 17:13
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 13:49
Musikkritiker, die mich beeinflusst haben und denen ich zu großem Dank verpflichtet bin, in chronologischer Reihenfolge:
Salzinger, Cohn, Peel, Adorno, Metzger, Diederichsen, Doebeling, Marcus
Was mir dabei auffällt: Das sind alle Dogmatiker und mehr oder weniger hochmütige Rigoristen mit besserwisserischer Attitüde. Außer Peel vielleicht, aber selbst der hat solche Tendenzen.

Otis, willst du erzogen werden?

PS: War Adorno nicht VOR Salzinger (chronologisch, meine ich)?

Prodigal Son
19.09.2004, 17:19
Originally posted by mr.wicked@19 Sep 2004, 16:13
Was mir dabei auffällt: Das sind alle Dogmatiker und mehr oder weniger hochmütige Rigoristen mit besserwisserischer Attitüde. Außer Peel vielleicht, aber selbst der hat solche Tendenzen.

Dogmatiker, Rigoristen, Besserwisser...habe ihnen einiges zu verdanken.

azathoth
19.09.2004, 17:50
bitte löaschen&#33; doppeltpost&#33;

azathoth
19.09.2004, 17:55
Also ich finde mann sollte sich nicht nur auf Kritiken verlassen&#33;
Ich habe manchmal auch den Eindruck dass manche mittelmässigen bis schlechten Platten von bekannten Bands von der Presse recht hoch bewertet werden&#33;
(bestes Beispiel hierfür [meine Meinung&#33;]: ST.Anger von Metallica,welches von den Musikzeitungen als härtestes/bestes Album von Metallica bezeichnet wurde&#33;
..Hab da nochn paar andre Beispiele parat, aber ihr wisst sicher was ich damit sagen will&#33;)
Mann könnte gar soweit gehen den Medien eine Art Unobjektivität vorzuwerfen&#33;
So nach dem Motto: Wenn ihr uns gut bewertet bekommt ihr jede Menge Backstagepässe und Exklusivinterviews&#33;

Ford Prefect
19.09.2004, 18:41
Es ist natürlich alles eine Frage des (persönlichen) Geschmacks, und seit jeher geht jegliche Kunstrezeption durch den subjektiven Filter. Für die einen ist Picasso ein Genie, für andere ein Kleckser; manche könnten Stockhausen die Füße küssen, andere würden ihn lieber würgen. In erster Linie waltet daher das ureigene Empfinden des Kritikers, drum schreibt die eine Gazette höchstes Lob über ein neues Klang-Opus, die nächste Postille verreißt’s in Grund und Boden.

In Wahrheit unterscheiden sich Rezensenten von Normalsterblichen bloß dadurch, dass ihre Meinung gedruckt (und bezahlt) wird. Nicht wenige darunter sind Aufschneider und Angeber, Besserwisser und Blender, die mit respektgebietender Eloquenz auch das exakte Gegenteil schreiben könnten.

Bei einer Kritik kommt es häufig gar nicht mal so sehr darauf an, was man sagt, sondern wie. Und am meisten kommt es darauf an, dass man überhaupt ein Urteil abgibt: Es ist beispielsweise wahr, dass der deutsche Buchhandel in der Belletristik deutliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen hat, seit es das "Literarische Quartett" von und mit Marcel Reich-Ranicki nicht mehr gibt.

Man sollte sich auf jeden Fall nicht allzu sehr von Kritiken beeinflussen lassen, ob jetzt in der Musik, in der Literatur oder aber auch im Film.

24HourBlues
19.09.2004, 18:57
Originally posted by Ford Prefect@19 Sep 2004, 18:41
Es ist natürlich alles eine Frage des (persönlichen) Geschmacks.

In Wahrheit unterscheiden sich Rezensenten von Normalsterblichen bloß dadurch, dass ihre Meinung gedruckt (und bezahlt) wird. Nicht wenige darunter sind Aufschneider und Angeber, Besserwisser und Blender, die mit respektgebietender Eloquenz auch das exakte Gegenteil schreiben könnten.

Man sollte sich auf jeden Fall nicht allzu sehr von Kritiken beeinflussen lassen.
Falsch, falsch und falsch.

Das übliche populistische Geplapper, das immer in der tautologischen und trotzigen Aussge gipfelt: mir gefällt was mir gefällt.

Na toll, ist dir wohl zugefallen, dein "Musikgeschmack". Aus den Wolken?

Fakt ist: jeder braucht Peer Groups, aber auch "Vorbilder" (Kritiker), was die Entwicklung von Kunstverständnis betrifft. Aus sich selbst heraus vermehrt sich nur das Hohle, Dumme und Bedeutungslose.

Jan Dark
19.09.2004, 19:05
Originally posted by 24HourBlues@19 Sep 2004, 18:57
Aus sich selbst heraus vermehrt sich nur das Hohle, Dumme und Bedeutungslose.
was nun auch wieder dummes und hohles geschwafel ist..

azathoth
19.09.2004, 19:25
ich finde in unsrer heutigen medienbestimmten Gesellschaft grenzt es schon fast an Zufall/Glück wenn einer zur "guten" Musik findet&#33;

MitchRyder
19.09.2004, 19:34
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 14:49
Musikkritiker, die mich beeinflusst haben und denen ich zu großem Dank verpflichtet bin, in chronologischer Reihenfolge:
Salzinger, Cohn, Peel, Adorno, Metzger, Diederichsen, Doebeling, Marcus
Heidkamp

PELO_Ponnes
19.09.2004, 19:40
Ich denke, es ist von Typ zu Typ unterschiedlich, wie stark man sich von der Meinung anderer beeinflussen lässt. Jeder wird in irgendeiner Art beeinflusst, aber es gibt doch Unterschiede, die auch mit dem persönlichen Selbstbild und Selbstbewusstsein zusammenhängen.

Um für mich persönlich zu sprechen: bei mir war es schon immer so, dass ich nie der Cliquentyp war, der irgendwas macht, um "dazuzugehören". Ich habe ein gesundes Selbstbewusstsein und weiss in der Regel, was ich will. Wenn ich von was überzeugt bin, präsentiere ich es mit Stolz. Und wenn die anderen lachen, na dann sollen sie halt lachen. Ich versuche mir somit immer, selbst ein Bild zu machen, und eine Komponente dazu ist die Kritikermeinung. Wenn ich in verschiedenen Magazinen lese, dass eine Platte gut ist, kaufe ich sie mir nicht gleich, aber ich höre mir im Plattenladen dann vielleicht eher die Platte mal an. Andererseits ist auch eine extrem negative Kritik oft Anlass, mal in die Platte reinzuhören. Die Kritikermeinung ist also schon wichtig für mich als eine Art Mosaiksteinchen, um mir dann selbst ein Gesamtbild zu machen (wobei mir es generell lieber ist, wenn mehr die Art der Musik beschrieben wird als nur verrrissen oder gehypt). Manchmal merkt man auch richtig, dass ein Kritiker die Platte sich kaum angehört hat oder dass er einfach schreibt, was er schreiben muss, weil er ja ein "cooler" Musikkritiker ist. Für mich allerdings ist der cool, der zu dem steht, was er empfindet.


Was andere betrifft, kann ich natürlich nur meine subjektiven Eindrücke schildern. Ich habe schon das Gefühl, dass viele Mitläufer sind und sich nicht trauen, gegen die gängige Meinung anzugehen. Jeder kennt sie doch, die Typen, die eine offizielle Plattensammlung haben, bestückt mit dem, was halt so angesagt ist (bzw. bei Musikfreaks: was die sog. Rock Intelligentia für gut befindet) und dann einige Platten irgendwo verschämt versteckt haben. Dieser ganze Quatsch a la "Guilty Pleasure". Ich finde es schade, dass manche Leute sich nicht trauen, zu sich selbst zu stehen. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens. In meinem Freundeskreis gibt es auch solche Leute. Mich macht das manchmal ganz "wild", wenn ich sehe, dass jemand, der eigentlich eine tolle Persönlichkeit ist, die ganze Zeit nur mit der Frage beschäftigt ist, wie er auf andere wirkt und sich für sich selbst - ja fast- schämt. Sicher ist Selbstvertrauen auch eine Frage des Charakters. Doch kann man aber zumindest bis zu einem gewissen Grade daran arbeiten. Leute, traut Euch&#33;

shady
19.09.2004, 19:43
Originally posted by MitchRyder@19 Sep 2004, 18:34
Heidkamp
Den kenn ich nicht. Metzger übrigens auch nicht. Die anderen sind gebongt.

MitchRyder
19.09.2004, 19:44
Originally posted by 24HourBlues@19 Sep 2004, 18:57
Aus sich selbst heraus vermehrt sich nur das Hohle, Dumme und Bedeutungslose.

Das nenne ich dumm. Auch ohne Kritiker, Vorbilder u.ä. entwickelt man sich. Learning by hearing. Inwieweit der Horizont dabei geht sollte Privileg jeden Einzelnen sein.

Ich bediene mich gerne mal einem Kritiker, bin aber auf seine Sicht nicht angewiesen. Der Dialog findet bei jedem selbst statt, ob und inwieweit er das gelesene nachvollziehen kann und will.

azathoth
19.09.2004, 19:46
Originally posted by PELO_Ponnes@19 Sep 2004, 19:40
Ich denke, es ist von Typ zu Typ unterschiedlich, wie stark man sich von der Meinung anderer beeinflussen lässt. Jeder wird in irgendeiner Art beeinflusst, aber es gibt doch Unterschiede, die auch mit dem persönlichen Selbstbild und Selbstbewusstsein zusammenhängen.

Um für mich persönlich zu sprechen: bei mir war es schon immer so, dass ich nie der Cliquentyp war, der irgendwas macht, um "dazuzugehören". Ich habe ein gesundes Selbstbewusstsein und weiss in der Regel, was ich will. Wenn ich von was überzeugt bin, präsentiere ich es mit Stolz. Und wenn die anderen lachen, na dann sollen sie halt lachen. Ich versuche mir somit immer, selbst ein Bild zu machen, und eine Komponente dazu ist die Kritikermeinung. Wenn ich in verschiedenen Magazinen lese, dass eine Platte gut ist, kaufe ich sie mir nicht gleich, aber ich höre mir im Plattenladen dann vielleicht eher die Platte mal an. Andererseits ist auch eine extrem negative Kritik oft Anlass, mal in die Platte reinzuhören. Die Kritikermeinung ist also schon wichtig für mich als eine Art Mosaiksteinchen, um mir dann selbst ein Gesamtbild zu machen (wobei mir es generell lieber ist, wenn mehr die Art der Musik beschrieben wird als nur verrrissen oder gehypt). Manchmal merkt man auch richtig, dass ein Kritiker die Platte sich kaum angehört hat oder dass er einfach schreibt, was er schreiben muss, weil er ja ein "cooler" Musikkritiker ist. Für mich allerdings ist der cool, der zu dem steht, was er empfindet.


Was andere betrifft, kann ich natürlich nur meine subjektiven Eindrücke schildern. Ich habe schon das Gefühl, dass viele Mitläufer sind und sich nicht trauen, gegen die gängige Meinung anzugehen. Jeder kennt sie doch, die Typen, die eine offizielle Plattensammlung haben, bestückt mit dem, was halt so angesagt ist (bzw. bei Musikfreaks: was die sog. Rock Intelligentia für gut befindet) und dann einige Platten irgendwo verschämt versteckt haben. Dieser ganze Quatsch a la "Guilty Pleasure". Ich finde es schade, dass manche Leute sich nicht trauen, zu sich selbst zu stehen. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens. In meinem Freundeskreis gibt es auch solche Leute. Mich macht das manchmal ganz "wild", wenn ich sehe, dass jemand, der eigentlich eine tolle Persönlichkeit ist, die ganze Zeit nur mit der Frage beschäftigt ist, wie er auf andere wirkt und sich für sich selbst - ja fast- schämt. Sicher ist Selbstvertrauen auch eine Frage des Charakters. Doch kann man aber zumindest bis zu einem gewissen Grade daran arbeiten. Leute, traut Euch&#33;
Musikalischer GEschmack (oder Generell Kunstgeschmack) lässt halt doch Einblick in die Persönlichkeit&#33;

MitchRyder
19.09.2004, 19:47
Konrad Heidkamp ist ein angesehener Journalist. Er schreibt jedoch nicht nur für die Presse, sondern hat auch einige eigene Bücher geschrieben. Für mich ein Standardwerk ist "It´s all over now".

24HourBlues
19.09.2004, 21:12
Originally posted by MitchRyder@19 Sep 2004, 19:44
Das nenne ich dumm. Auch ohne Kritiker, Vorbilder u.ä. entwickelt man sich. Learning by hearing. Inwieweit der Horizont dabei geht sollte Privileg jeden Einzelnen sein.


Das hast du sicher aus dem Bauch geschrieben. Denk lieber mal drüber nach. Es ist doch so:

1. Dumm werden wir geboren und kulturlos.
2. Ob sich daran wesentlich etwas ändert, liegt am Lernen. Also daran, ob wir das Glück haben, dass uns jemand (z.B. ein Kritiker) etwas erklärt bzw. vorlebt.
3. Learning by hearing, also voraussetzungsloses Hören funktioniert nur auf unterstem Niveau. Für die Polonaise Blankenese braucht&#39;s kein Vorwissen.
4. Für alles Bedeutsame allerdings schon. Ohne eine gewisse Vorbildung versteht niemand John Coltrane, ja nicht einmal Franz Ferdinand oder U2.

Blues übrigens schon gar nicht.

Recht hast du natürlich insofern, dass jeder so musikalisch ungebildet bleiben darf wie er will.

otis
19.09.2004, 22:26
Originally posted by mr.wicked@19 Sep 2004, 17:13
Was mir dabei auffällt: Das sind alle Dogmatiker und mehr oder weniger hochmütige Rigoristen mit besserwisserischer Attitüde. Außer Peel vielleicht, aber selbst der hat solche Tendenzen.

Otis, willst du erzogen werden?

PS: War Adorno nicht VOR Salzinger (chronologisch, meine ich)?
Es geht nicht ohne Dogma. Sonst kannst du es als Kritiker ganz bleiben lassen.
Heißt Dogma im Griechischen nicht einfach nur "Meinung"?
Ich habe es oben schon gesagt/gemeint: Eine gute Kritik ist genauso bedingungslos, rigoros und besserwisserisch wie ein gutes Kunstwerk&#33; Wie auch anders? Alles andere ist doch Wischiwaschi&#33;

Und natürlich war Adorno vor Salzinger, aber nicht für mich&#33;&#33;

Heidkamp?&#33;? Nein&#33;&#33;&#33; Selbst, wenn ich ihn früher kennengelernt hätte.

Was sind eure Erzieher des guten Geschmacks? ;)

beatlebum
19.09.2004, 22:37
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 22:26
Was sind eure Erzieher des guten Geschmacks? ;)
Mir fällt da ganz spontan Alan Bangs ein.

Ford Prefect
19.09.2004, 23:03
Originally posted by MitchRyder@19 Sep 2004, 17:47
Konrad Heidkamp ist ein angesehener Journalist. Er schreibt jedoch nicht nur für die Presse, sondern hat auch einige eigene Bücher geschrieben. Für mich ein Standardwerk ist "It´s all over now".
Das Buch hab ich sogar. Hab&#39;s mir im Juni in einem Second Hand-Plattenladen in Karlsruhe gekauft

Aquarius
20.09.2004, 09:05
Originally posted by 24HourBlues@19 Sep 2004, 20:12

1. Dumm werden wir geboren und kulturlos.
2. Ob sich daran wesentlich etwas ändert, liegt am Lernen. Also daran, ob wir das Glück haben, dass uns jemand (z.B. ein Kritiker) etwas erklärt bzw. vorlebt.

Ja. "Erklären" oder "vorleben" bedeutet allerdings nicht, sich in einem eitlen Rockbildungsbürgerdünkel gefallen zu müssen.

KritikersLiebling
20.09.2004, 09:41
Originally posted by otis@19 Sep 2004, 22:26
Was sind eure Erzieher des guten Geschmacks? ;)
Moin. Das kommt meiner Meinung nach auf die Definition von "guter Geschmack" an. Nicht mal der eigenen Definition, sondern auch die der anderen.

Aber, um mal ein anderes Beispiel zu nennen, ist es nicht durchweg chic, über vergangene und kommende Alben der Toten Hosen zu lästern, ohne überhaupt einen Ton gehört zu haben. Außerdem wird der/die leidlich geplagte Rezensent/in getröstet, ob solch hartem Fall.

Mikko, meinst du etwa das Nachplappern journalistischer Standadsätze, um sie als Eigenleistung auszugeben? Ja, das ist provokant.

Mikko
20.09.2004, 10:52
Originally posted by KritikersLiebling@20 Sep 2004, 09:41
Mikko, meinst du etwa das Nachplappern journalistischer Standardsätze, um sie als Eigenleistung auszugeben? Ja, das ist provokant.
Daran hatte ich gar nicht gedacht.
Aber den schlechten Kritiker zeichnet auch das aus.

Was Du zu den Toten Hosen gesagt hast, gilt übrigens auch für viele andere Bands, die von der "öffentlichen Meinung" bereits einer Schublade zugeordnet wurden.

marcos valle
20.09.2004, 16:11
musikkritik ist mir schon wichtig, hilft/half mir über den tellerrand hinaus zu sehen. das es da draußen noch vieles mehr gibt das es wert ist entdeckt zu werden.
das ich mich immer wieder an bestimmten musiken/stilen versuche, immer wieder scheitere aber davon überzeugt bin das es sich lohnt weiter zu versuchen.

das gilt eher allgemein, im tagesgeschäft traue ich dem reviewenden musikkritiker nur so weit über den weg als ich ihn auch schmeissen könnte..........

rocketgirl
21.09.2004, 01:28
Originally posted by KritikersLiebling@20 Sep 2004, 09:41
Aber, um mal ein anderes Beispiel zu nennen, ist es nicht durchweg chic, über vergangene und kommende Alben der Toten Hosen zu lästern, ohne überhaupt einen Ton gehört zu haben.
Stimmt. Und so ist das immer, gerade bei den Hosen. Würden sie englisch singen, wäre das bestimmt anders.

Amadeus
21.09.2004, 17:30
Originally posted by PELO_Ponnes@19 Sep 2004, 18:40

Was andere betrifft, kann ich natürlich nur meine subjektiven Eindrücke schildern. Ich habe schon das Gefühl, dass viele Mitläufer sind und sich nicht trauen, gegen die gängige Meinung anzugehen. Jeder kennt sie doch, die Typen, die eine offizielle Plattensammlung haben, bestückt mit dem, was halt so angesagt ist (bzw. bei Musikfreaks: was die sog. Rock Intelligentia für gut befindet) und dann einige Platten irgendwo verschämt versteckt haben. Dieser ganze Quatsch a la "Guilty Pleasure". Ich finde es schade, dass manche Leute sich nicht trauen, zu sich selbst zu stehen. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens. In meinem Freundeskreis gibt es auch solche Leute. Mich macht das manchmal ganz "wild", wenn ich sehe, dass jemand, der eigentlich eine tolle Persönlichkeit ist, die ganze Zeit nur mit der Frage beschäftigt ist, wie er auf andere wirkt und sich für sich selbst - ja fast- schämt. Sicher ist Selbstvertrauen auch eine Frage des Charakters. Doch kann man aber zumindest bis zu einem gewissen Grade daran arbeiten. Leute, traut Euch&#33;
Es ist nicht leicht, diesbezüglich andere einzuschätzen. Ich lasse mich zwar beeinflussen (sagte ich schon), aber stehe zu meinem Geschmack. Dies gilt auch für die meisten Leute, die ich kenne. Wenn mir z.B. eine "Kritikerplatte" gut gefällt, kann also zwar ein Einfluss von aussen vorliegen, aber meine Meinung ist deswegen nicht weniger meine Meinung.

Dieses Thema wurde hier schon recht kontrovers diskutiert. Einige reagieren ziemlich sensibel darauf.... :lol:

Was ich sagen will: unsere Meinungen werden vielfältig geprägt und beinflusst (Medien, Kollegen, Familie, Freunde, Foren, Erfahrungen). Bei der Weitergabe der eigenen Meinung wollen manche nicht unbedingt kontrovers zu einer "hochwertigen" Meinung eines Experten stehen. Dies hat sicher was mit den persönlichen Präferenzen zu tun, läuft aber kaum bewusst ab. Ich würde es nicht unbedingt auf mangelndes Selbstvertrauen schieben, wenn jemand etwas konfliktscheu ist.

Aquarius
21.09.2004, 19:42
Originally posted by voidoid@21 Sep 2004, 17:19
...
ich mein, wer kritiken liest und sich in einem gewissen grad in seinem kaufverhalten dadurch beeinflussen lässt, handelt doch nicht unrecht.

Natürlich nicht. Möglicherweise entgeht ihm aber einiges an Sachen die ihm vielleicht gefallen würden, auf die er aber durch eine zu starre Anlehnung an Plattenrezensionen und Kritikerlisten nie stoßen wird. Einer Plattensammlung die nur aus zugekauften, abgesegneten 5-Sterne-Alben besteht, fehlt es an Seele und Individualität.

dagobert
21.09.2004, 22:14
die besten kritiker, finde ich, sind gute freunde. man kennt sich gegenseitig und weiss, was der andere mag. man stellt sich gegenseitig neuigkeiten vor und redet darüber. auf diese weise lernt man doppelt so viel kennen, als wenn man sich alleine auf die suche machen müsste. auf eine suche allerdings, bei der auch musikmagazine mit ihren kritikermeinungen ein wichtiger bestandteil sind. bei mir zumindest. allerdings beschränke ich mich nicht auf einzelne kritiker. oder besser: ich habe keinen lieblingskritiker. vielleicht wäre es anders, wenn ich john peel mal gehört hätte. habe ich aber nicht. vielleicht melde ich mich hier wieder, wenn ich es nachgeholt habe. ;)

dagobert
21.09.2004, 22:24
is natürlich übel. bei mir hat sich die situation auch ein wenig geändert. jetzt ist es nicht mehr nur eine person, mit der ich mich musikalisch zusammentue, sondern eine ganze handvoll. aber ich verstehe das. als notlösung ist so ein RS-fatzke auch ganz ok.

Stillstand
21.09.2004, 22:28
....

dagobert
21.09.2004, 22:58
Originally posted by voidoid@21 Sep 2004, 22:35
ich glaub, ich bin mittlerweile alt genug um zu wissen, was gut und was schlecht ist.
du meinst, ob das, worüber du liest, gut ist oder nicht? ;)

und ich glaube auch zu wissen, dass du alt genug bist, um zu wissen, was gut ist und was nicht. naja, zumindest bist du bestimmt älter, als noch vor... sagen wir.. zwei jahren :blink: :lol: klar also, dass du besser weisst, was ... aber ob du GENAU weisst, stelle ich in frage. ich denke in drei jahren könntest du mal wieder darüber lachen, was du bezüglich deines musikgeschmas verzapft hast. bei mir wars und ist es ja auch ähnlich. wenn ich überlege, was ich vor ein paar jahren noch gut fand. huiuiui. zum glück schreibe ich ein musikalisches tagebuch, das ich später meinen enkeln zum lachen vorlesen kann. zu finden unter www.rollingstone.de/board.

Etienne Leonard
21.09.2004, 22:59
Levis vor Mustang.
Mercedes vor BMW.
Warschau vor Moskau.
Yeti vor Loch Ness.
Blau vor Grün.
Kanadische Ahorn vor Buche.
Kirschen vor Blaubeeren.
Sonnenblumen und Rosen vor Marboro und HB.

"Ganz gut kommt es", wenn man die vermeintlichen Übeltäter, die mit dem falschen Geschmack, in eine Ecke stellt.
Abstempelt. Schublade auf.
Das gilt auch für die Musik.

dagobert
21.09.2004, 23:16
Originally posted by voidoid@21 Sep 2004, 23:12

das ich heute tom waits, leonard cohen, miles davis oder johnny cash favorisiere, dafür brauch ich mich in 10 jahren nicht schämen.

sagt wer? dafür dass du einen egomanen, eine heulsuse, eine marketingpuppe und einen zitterigen cowboy mochtest, meinst du dich später nicht schämen zu müssen? gewagt, gewagt. ;)

wo, vor allem, liegt der unterschied zwischen all denen und queen?

dagobert
21.09.2004, 23:23
Originally posted by voidoid@21 Sep 2004, 23:20
ich habe kein einziges schlechtes album in meiner plattensammlung, weil ich so unglaublich klug, gebildet und smart bin.
darauf wollte ich hinaus&#33;&#33; ;)

otis
22.09.2004, 11:58
da habe ich doch gerade einen schönen Satz von Rochefoucauld gefunden:

Die Eigenliebe lässt uns eine Verurteilung unseres Geschmacks schwerer ertragen als eine Verurteilung unserer Ansichten&#33;

Hank Williams
22.09.2004, 21:14
Originally posted by otis@22 Sep 2004, 11:58
da habe ich doch gerade einen schönen Satz von Rochefoucauld gefunden:

Die Eigenliebe lässt uns eine Verurteilung unseres Geschmacks schwerer ertragen als eine Verurteilung unserer Ansichten&#33;
Äußert sich der Mann auch zum Phänomen des Selbsthasses? Würde mich mal interessieren, was er da (falls überhaupt) zu geschrieben hat.

Amadeus
22.09.2004, 21:38
@Otis, weisse Worte. So mancher Konflikt hier hatte darin seinen Ursprung.

dagobert
22.09.2004, 21:44
(oller rassist&#33; ;))

McFly
22.09.2004, 22:16
Die Geschmapo?

Gibt&#39;s demnächst auch die Musik-SS?


Es gibt keine Geschmackspolizei - jeder kriegt was er verdient.

Ford Prefect
27.09.2004, 02:50
Ermitteln-Beschlagnahmen-Aufklären

Bitte helfen sie der Geschmackspolizei bei der Aufklärung von musikalischen Verbrechen und künstlerischen Vergehen. Die Fahnder der Geschmackspolizei sind häufig auf Konzerten anzutreffen, in der Regel in Zivilkleidung und von der fünften Reihe aus operierend.

http://www.stauff.de/paedagogik/bilder/geschmackspolizei.jpg

Ford Prefect
27.09.2004, 02:57
Zögern sie nicht, uns sachdienliche Hinweise zu geben, wenn sie vermuten, dass in ihrer Nachbarschaft Platten von Trickbetrügern wie Britney Spears, Patrick Lindner oder Dieter Bohlen gehört werden. Denn nur so ist die Geschmackspolizei in der Lage, international agierende Vertriebe von Kitsch-Musik zu zerschlagen und das Ende des Format-Radios einzuläuten. Die kooperative Haltung der Bürger ermöglicht uns zudem, die akustische Umweltverschmutzung von Straßenmusikern aus Südamerika, Rumänien, Osnabrück oder Hamburg zu stoppen und ihnen das Handwerk zu legen. Für eine bessere und gerechtere Welt.

Wir wollen, dass Sie sicher leben.

Ihr Ford "Eduard Zimmermann" Prefect

http://www.geschpo-freiburg.de/Photo-Geschpo.jpg

Ford Prefect
27.09.2004, 03:05
http://www.geschpo-freiburg.de/geschpo.jpg

Aquarius
27.09.2004, 09:42
Das sind doch Fakes, Ford Prefect&#33; Normalerweise müßte bei den beschlagnahmten Platten mindestens eine Dire Straits, Sting oder Pink Floyd zu sehen sein.

BlackJack
27.09.2004, 09:48
Nicht zu vergessen eine Scheibe von Queen.

Elwood
27.09.2004, 13:54
Ich bin auch sehr froh, auf Kritikermeinungen zurück greifen zu können, um auf Platten oder Künstler aufmerksam zu werden. Schließlich betätigt man sich ja auch selbst im Freundeskreis als zuweilen bissiger Kritiker. Dass dabei mehr oder weniger beeinflußt wird, ist mir egal. Logisch ist es allemal, denn auch Rezensenten sind Menschen mit persönlichem Geschmack, der meinem nicht entsprechen muß aber kann. Im Laufe der Zeit kennt man seine Pappenheimer und hat auch einen Liebling bei der schreibenden Zunft, auf dessen Geschmack man sich im Bezug auf seinen eigenen verlassen kann. Ich finde so etwas durchaus förderlich, ohne dabei ausser acht lassen zu wollen, dass es oftmals auch nicht schaden kann, sich missionieren zu lassen. Zumindest finde ich grundsätzliche Ablehnung eines anderen Geschmacks / einer anderen Meinung gegenüber abstoßend, so lange man sich nicht wirklich einmal respektvoll damit beschäftigt hat. Denn nur sowas erweitert den geistigen Horizont.

Es soll von mir aus also jeder hören was er will. Solange ich damit nicht belästigt werde. Gottseidank habe ich die freie Wahl, z.B. suffgestützte Holzmichel-Mitgröhl-Parties verlassen zu können. Dennoch macht es natürlich einen Riesenspaß, vermeintlich armselige "Künstler" durch den Kakao zu ziehen. Wer also sein Geld für eine musikalische Halbwertzeit von manchmal weniger als 14 Tagen wegwerfen will, bitteschön.

Die letzte echte Geschmackspolizei gab es im Dritten Reich, als die damals sogenannte "Neger-Kike-Musik" verboten war. Ich bin mir sicher, diese Zustände sind nicht wirklich erwünscht. Eine Deutschquote im Radio würde ein erster kleiner Schritt dahin sein, wobei ich es natürlich auch schade finde, dass gute deutschsprachige Musik oftmals gar nicht die Chance auf Aufmerksamkeit bekommt. Im Endeffekt entscheidet ja doch immer der Musikliebhaber. Und das ist auch gut so.

Edit: Ohne den RS und dieses Forum würde ich wohl kaum noch Musik hören. Erst hiedurch entwickelte sich mein Musikverständnis bzw. mein Geschmack weiter. Ich bin dadurch glücklicher als vorher und dankbar dafür. Das darf hier auch mal gesagt werden (nein, ich will nicht auf die Leserbriefseite&#33;)

Hype ist mir egal und völlig irrelevant. Eine gute Platte wird durch Medienhysterie nicht schlechter, aber auch nicht besser. Umgekehrt gilts ebenso.

j.w.
27.09.2004, 14:32
Zum 10. Geburtstag des deutschen RS soll ja wieder mal so eine Liste-der-Listen mit den 500 besten Alben erscheinen. Dass die Top-100 wohl zu großen Teilen mit denen der besten 100 Alben von 1997 übereinstimmen werden, ist wohl abzusehen. Dass auch eine hohe Übereinstimmung mit der ultimativen Liste-aller-Listen des Norwegers herrschen wird auch.
Ich habe (ähnlich wie oben auch bereits in verschiedenen Posts ausgeführt) dazu zwei Perspektiven:
Einerseits zeugt es objektiv (&#33;) von der Aggregation vieler Meinungsäußerungen von Musikliebhabern, die ein klares Bild über die immer wieder genannten großen Alben der Musikgeschichte dokumentiert. Das ist für alle, die noch nicht alle dieser Alben kennen, eine Empfehlung, die man als vielstimmigen Rat von Experten ansehen kann und dadurch Horizonte erweitert und interessierte Hörer zu interessanten Werken führt.
Anderseits bin ich auch davon überzeugt, dass dieser Konsens-Kanon auch zu einer Verblendung, zum Nachbeten dieser Qualitätsbezeugung der erwähnten Klassiker und in letzter Konsequenz auch zu einer Reduktion der Wahrnehmung von Musik führt. Die Musikgeschichte wird auf die 10/25/50/100/500 oder gar 1000 größten Alben reduziert und wenn man einen Großteil dieser kennt, gilt man als gebildet, kann überall mitreden, kommt nicht in Situationen, in denen man als Kulturbanause darsteht etc.
Dieser Umstand verhindert jedoch, dass Geschmäcker, die davon abweichen, als akzeptabel gelten. Und in sofern sehe ich auch diesen "Geschmackspolizei"-Effekt, der beschneidend wirkt.

Ich schlage vor, wir führen über das Forum, nachdem die RS-Top-500 veröffentlicht wurden, eine Wahl der Top-500-Alben, die in diesen offiziellen Top-500 NICHT auftauchen, durch&#33; Diese Liste interessiert mich nämlich wesentlich mehr als die Frage, welches Dylan/Stones/Beatles-Album auf 1 ist oder gar Pet Sounds oder VU & Nico&#33;

MasOyama
27.09.2004, 14:38
Originally posted by Elwood@27 Sep 2004, 13:54
Ich bin auch sehr froh, auf Kritikermeinungen zurück greifen zu können, um auf Platten oder Künstler aufmerksam zu werden. Schließlich betätigt man sich ja auch selbst im Freundeskreis als zuweilen bissiger Kritiker. Dass dabei mehr oder weniger beeinflußt wird, ist mir egal. Logisch ist es allemal, denn auch Rezensenten sind Menschen mit persönlichem Geschmack, der meinem nicht entsprechen muß aber kann. Im Laufe der Zeit kennt man seine Pappenheimer und hat auch einen Liebling bei der schreibenden Zunft, auf dessen Geschmack man sich im Bezug auf seinen eigenen verlassen kann. Ich finde so etwas durchaus förderlich, ohne dabei ausser acht lassen zu wollen, dass es oftmals auch nicht schaden kann, sich missionieren zu lassen. Zumindest finde ich grundsätzliche Ablehnung eines anderen Geschmacks / einer anderen Meinung gegenüber abstoßend, so lange man sich nicht wirklich einmal respektvoll damit beschäftigt hat. Denn nur sowas erweitert den geistigen Horizont.

Es soll von mir aus also jeder hören was er will. Solange ich damit nicht belästigt werde. Gottseidank habe ich die freie Wahl, z.B. suffgestützte Holzmichel-Mitgröhl-Parties verlassen zu können. Dennoch macht es natürlich einen Riesenspaß, vermeintlich armselige "Künstler" durch den Kakao zu ziehen. Wer also sein Geld für eine musikalische Halbwertzeit von manchmal weniger als 14 Tagen wegwerfen will, bitteschön.

Die letzte echte Geschmackspolizei gab es im Dritten Reich, als die damals sogenannte "Neger-Kike-Musik" verboten war. Ich bin mir sicher, diese Zustände sind nicht wirklich erwünscht. Eine Deutschquote im Radio würde ein erster kleiner Schritt dahin sein, wobei ich es natürlich auch schade finde, dass gute deutschsprachige Musik oftmals gar nicht die Chance auf Aufmerksamkeit bekommt. Im Endeffekt entscheidet ja doch immer der Musikliebhaber. Und das ist auch gut so.

Edit: Ohne den RS und dieses Forum würde ich wohl kaum noch Musik hören. Erst hiedurch entwickelte sich mein Musikverständnis bzw. mein Geschmack weiter. Ich bin dadurch glücklicher als vorher und dankbar dafür. Das darf hier auch mal gesagt werden (nein, ich will nicht auf die Leserbriefseite&#33;)

Hype ist mir egal und völlig irrelevant. Eine gute Platte wird durch Medienhysterie nicht schlechter, aber auch nicht besser. Umgekehrt gilts ebenso.
Ich glaube, dieses Post ist das erste von dir, welches ich bedenkenlos unterschreiben würde.... ;) :D

...vielleicht mit Ausnahme des 1. Absatzes, der nach dem "edit" kam... <_<

Elwood
27.09.2004, 14:47
Originally posted by MasOyama@27 Sep 2004, 13:38
Ich glaube, dieses Post ist das erste von dir, welches ich bedenkenlos unterschreiben würde.... ;) :D

...vielleicht mit Ausnahme des 1. Absatzes, der nach dem "edit" kam... <_<
Du unterschreibst etwas bedenkenlos? Das wird sicherlich mit Vertrauen zu haben, das Du insbesondere bei Musik etwas leichter hergeben kannst, oder? Deine Bedenken gegenüber meinen anderen Posts habe ich ja leider nicht erfahren dürfen.

Ich wüßte auch nicht, warum man nicht auch ein Magazin oder eine Diskussionsrunde genauso mögen darf, wie die besprochenen Künstler und deren Werke.

MasOyama
27.09.2004, 14:57
Originally posted by Elwood@27 Sep 2004, 14:47
Du unterschreibst etwas bedenkenlos? Das wird sicherlich mit Vertrauen zu haben, das Du insbesondere bei Musik etwas leichter hergeben kannst, oder? Deine Bedenken gegenüber meinen anderen Posts habe ich ja leider nicht erfahren dürfen.
Wenn ich alle meine Bedenken gegenüber deinen anderen Posts auflisten sollte, ich würde zu nichts anderem mehr kommen und der Tag bräuchte 25 Stunden... ;)

Okay, das war ein "Choke".....

Ich unterschreibe gelegentlich etwas bedenkenlos...allerdings keine Verträge und keine einseitig bindenden Rechtsgeschäfte. :rolleyes:

Ansonsten habe ich ein gewisses Grundvertrauen in die Meinung oder Auffassung bestimmter Rezensenten (oder manchmal auch Forumianer) und gebe in dieser Hinsicht tatsächlich ein Vertrauen, was Musik angeht, etwas leichter her.

Aquarius
27.09.2004, 19:55
Originally posted by Jan Wölfer@27 Sep 2004, 13:32
Ich schlage vor, wir führen über das Forum, nachdem die RS-Top-500 veröffentlicht wurden, eine Wahl der Top-500-Alben, die in diesen offiziellen Top-500 NICHT auftauchen, durch&#33; Diese Liste interessiert mich nämlich wesentlich mehr als die Frage, welches Dylan/Stones/Beatles-Album auf 1 ist oder gar Pet Sounds oder VU & Nico&#33;
Eine sehr gute Idee (auch wenn 500 persönliche "Geheimtipps" vielleicht etwas viel sind).

MasOyama
27.09.2004, 20:05
Nicht nur vielleicht.....ich besitze noch nicht mal 500 CDs.

Und ab "Best 50" aufwärts wird mir sowieso schwindelig.....Leute, die Top 100 oder gar Top 500 (und dann noch die persönlichen) Bestenlisten oder was immer kreieren, sind mir ein wenig unheimlich.

Es soll sogar Menschen geben, die eine halbe Stunde überlegen, ob sie ein Album nun auf Platz 67 oder doch eher auf Platz 65 setzen.... :rolleyes: ....ohne irgend jemanden der Anwesenden persönlich ansprechen zu wollen... ;)

dagobert
27.09.2004, 20:10
mir gefällt diese idee. ich würde es wahrscheinlich auch nicht schaffen, eine top500 liste zu erstellen, besonders unter dem kriterium des nicht-auftauchens in der RS top100. aber ich denke, es werden sich auch einige teilnehmer einfinden, sodass es kein problem sein sollte, auf 500 zu kommen.
die gefahr besteht jedoch, dass einzelnennungen genügen, um schon in der liste aufgenommen zu werden.

j.w.
27.09.2004, 22:47
Um Gottes willen, Ihr müsst keine 500 Alben nennen&#33; Mir schwebt vor, dass jeder maximal 25 nennt, oder nur 10, sonst wird&#39;s von der Auswertung her nur riesig&#33; Ich überlege gerade einen Modus, wie man das möglichst elegant umsetzen könnte um den Auswertungsaufwand zu minimieren&#33;

dagobert
27.09.2004, 23:14
frag doch pipe-bowl, der macht sowas gerne :lol:

(sorry pipe-bowl&#33; war nicht ernst gemeint)

Nes
28.09.2004, 17:41
Originally posted by Aquarius@27 Sep 2004, 09:42
Das sind doch Fakes, Ford Prefect&#33; Normalerweise müßte bei den beschlagnahmten Platten mindestens eine Dire Straits, Sting oder Pink Floyd zu sehen sein.
Was hast Du denn gegen Floyd&#33;&#33;
Ich mag die gerne&#33;&#33; :angry:

Jörg König
28.09.2004, 21:16
Womöglich wird die Liste etwas bizarr werden; man muss ja erstmal 10 Alben finden, die nicht zu den 500 angeblich besten gehören. Also wird jeder seine allgemein unverstandenen Lieblingsplatten zweiter Wahl rauskramen, und plötzlich ist wieder z. B. Dylan ganz vorne mit dabei; nur diesmal nicht mit Blonde On Blonde oder Blood The Tracks, sondern mit New Morning, Self Portrait oder vermutlich sogar beiden.

Und hier schon mal vorab meine Top 3 der Platten, die nicht zu den 500 gehören werden:

1. Nova Mob: The Last Days Of Pompeii
2. M. Walking On The Water: Pluto
3. Ferryboat Bill: Liquors And Telescopes