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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Horace Silver



dougsahm
24.06.2004, 00:19
Was Cannonball Adderley am Sax für den Hard Bop war, das war und ist Horace Silver an den schwarz-weissen Tasten.

Sie sind sogar beide im gleichen Jahr 1928 geboren. Genau wie Cannoball ging Horace Anfang der 50 er nach New York. Und genau wie Cannonball erhielt Horace Silver einen Teil seiner initialen höheren Weihen durch die Zusammenarbeit mit Miles Davis Anfang der 50er.

Bereits 54 gründete er die Jazz Messengers, die viele viele Jahrzehnte als Art Blakey's Jazz Messengers in wechselnder Formation beste Alben ablieferten. Das erste Album 1954 – das ich nicht kenne – kam heraus als Horace Silver & The Jazz Messengers. Das zeigt, das er in New York durch das Umfeld von Miles Davis sehr schnell Fuss fasste und seine Name bereits 1954 etwas Wert war.
Die Bedeutung von Horace Silver ist sehr hoch einzuschätzen. Er ist praktisch Mitbegründer des Hardbop, der in den Folgejahre zunächst den Stempel Souljazz und später dann funky Jazz aufgedrückt bekam.

In Gegensatz zu der teilweise privaten skurrilen Witzigkeit seines Piano-Zeitgenossen Thelonius Monk, ist Horace Silver eher optimistisch ausgeglichen in seinen Darbietungen. Ernste Hornbrillenjazzhörer werden bei Horace im Vergleich zu Thelonius weniger häufig die Stirn verständnisschwanger runzeln, dafür geht der Horace stärker in die Beine.

Da er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war, kann man hier gar nicht aufzählen, mit wem er alles zusammengearbeitet hat im Lauf der Zeit.
Ich verdichte es mal auf die Sachen, die ich kenne ....

1956: SIX PIECES OF SILVER incl. einem Klassiker von ihm Senor Blues (Quintet).Vielleicht die hochkarätigste Hardbop-Besetzung seiner Quintette: Donald Byrd (tp), Hank Mobley (ts), Horace Silver (p), Doug Watkins (bass) Louis Hayes (dr) Meine Empfehlung Nr. 1

1958: THE STYLINGS OF SILVER ebenfalls in Quintett-Besetzung

1959: FINGER POPPIN' – ebenfalls Quintett.

1959: BLOWIN THE BLUES AWAY incl. meinem Lieblingstrack von ihm "Sister Sadie". Weiterhin Quintett Besetzung, aber bis auf den Drummer Louis Hayes wiederum neue Sidemen. Meine Empfehlung Nr. 2.

1962: THE TOKYO BLUES immer noch Quintett

1963: SILVER'S SERENADE (Quintett)

1963: A SONG FOR MY FATHER. Mitte 63 tauchten in seinem Quintett nun völlig neue Sidemen auf. Zuvor hat er ja nur sehr oft den Drummer ausgewechselt. Jetzt Carmell Jones (tp) , Joe Henderson (ts), Horace Silver (p), Teddy Smith (bass), Roger Humphries (dr). Insbesondere das Titelstück ist Hardbop vom Feinsten.

1965: THE CAPE VERDEAN BLUES:Zur klassischen Quintett Besetzung kommt JJ Johnson (tb) bei 3 von 6 Stücken dazu. Nach 10 Jahren Quintet-Hard-Bop in unterschiedlichster Besetzung aber jeweils gleicher Instrumentierung ein scheuer erfolgreicher Versuch frischen Wind reinzubekommen.

1993: IT'S GOT TO BE FUNKY: Grössere Besetzung mit teilweise bis zu 8 Horns. Der Titel ist programmatisch. Er will die Früchte seine Images ernten. Und wird unterstützt von u.a. Branford Marsalis und Eddie Harris. Ist fast schon kleiner Bigband-Sound. Bei 4 von 12 Titeln sind auch vocals dabei.

1994: PENCIL PACKIN' PAPA: Ähnliches Konzept wie 1993.
Keines der Alben zwischen 56 und 65 ist schwach. Für mich persönlich auch die 90er nicht. Aber die 90 wird nur mögen wer die alten mag. Und wer die alten nicht mag, der braucht sich auch nicht mit den 90ern zu beschäftigen.

Horace Silver als Sideman muss ich später irgendwann mal nachschieben.

Er ist ein Grosser !

otis
24.06.2004, 00:34
1. doug, danke für die informationen. obwohl ich nicht glaube, dass ich mit jazz auf dem piano noch mal so richtig meinen frieden schließe.
2. seit wann gibt es den begriff "hardbop" eigentlich? aus den 60s und frühen 70s ist er mir (was nicht unbedingt was heißen muss) nicht bekannt. zumal du noch souljazz und junky jazz ins spiel bringst.
nicht, dass ich von solchen schubladen allzuviel halten würde, hier interessiert es mich aber. ich bin ziemlich sicher, dass das neue testament der dt. jazz-kritik, behrendts buch halt, diesen begriff bis in die mitte der 70s zumindest nicht kannte. was international nichts heißen muss, weshalb ich mich also gern eines besseren belehren lasse. allerdings war das buch auch nicht schlecht.
3. was muss ich mir jetzt konkret unter hard-bopping-piano-jazz vorstellen? oder kann man das nicht sagen? ahne mittlerweile, was mit hard-bop verstanden sein könnte. aber da wäre das piano dann immer noch das falscheste instrument.

dougsahm
24.06.2004, 00:58
Originally posted by otis@24 Jun 2004, 00:34
1. doug, danke für die informationen. obwohl ich nicht glaube, dass ich mit jazz auf dem piano noch mal so richtig meinen frieden schließe.
2. seit wann gibt es den begriff "hardbop" eigentlich? aus den 60s und frühen 70s ist er mir (was nicht unbedingt was heißen muss) nicht bekannt. zumal du noch souljazz und junky jazz ins spiel bringst.
nicht, dass ich von solchen schubladen allzuviel halten würde, hier interessiert es mich aber. ich bin ziemlich sicher, dass das neue testament der dt. jazz-kritik, behrendts buch halt, diesen begriff bis in die mitte der 70s zumindest nicht kannte. was international nichts heißen muss, weshalb ich mich also gern eines besseren belehren lasse. allerdings war das buch auch nicht schlecht.
3. was muss ich mir jetzt konkret unter hard-bopping-piano-jazz vorstellen? oder kann man das nicht sagen? ahne mittlerweile, was mit hard-bop verstanden sein könnte. aber da wäre das piano dann immer noch das falscheste instrument.
Das gibts wieder viel anzumerken. Kurzform.

zu 1: Das Piano im Hardbop ist nicht dominierend, so wie man es sonst kennt. Es ordnet sich dem Gesamtgefüge unter. Also kein Ausschlusskriterium per se.

zu 2: Seit wann es den Begriff gibt weiss ich nicht. Ich hab ihn das erstemal so ca. 1986 in Radiosendungen (Jazzwelle Privatradio-München) gehört und seitdem kann ich so in etwa differenzieren. Schubladen mag ich auch nicht so gern. Deshalb hab ich 3 Begriffe in den Ring geworfen, die mit Horace Silver immer wieder verknüpft werden. Hardbop - Souljazz - Funky Jazz. Entscheidend ist, dass gegenüber dem Bebop der Rhythmus wieder Oberhand gewinnt gegenüber der freieren Improvisation eines Charlie Parkers, der Anfang der 50er alles beeinflusste.

zu 3: wie unter 1 geschrieben. Der Pianist ist nur der Leader, aber nicht der Dominator einer Combo, in diesem Fall Quintett. Er schreibt sich natürlich die eigenen Nummern auf den Leib. Ist aber nicht vergleichbar mit dem Piano von Bill Evans oder Oscar Peterson oder oder ... Es funktioniert.

PS das falscheste Instrument ist das Piano keineswegs. Irgendwann schreib ich auch noch was zu Art Blakey (drums) :)

gypsy tail wind
18.09.2010, 01:52
Horace who? Schon lange keine Aktivität mehr hier... hab eben meine Silver (und auch gleich die Blakey) CDs zusammengesucht und geordnet... immerhin 23 (und das nur bis 1972, von später hab ich nichts).

Einer der ersten grossen Jobs von Silver war mit Stan Getz - für Roost entstanden im Dezember 1950 und im Januar 1951 wunderbare Quartett- und im August einige Quintett-Aufnahmen, die auf dem hervorragenden 3CD Sets mit Stan Getz' kompletten Roost Aufnahmen zu finden sind.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg000/g002/g00286gvo26.jpg

Die ersten Sessions als Leader folgten dann 1952 auf Blue Note, sie sind auf der CD "Horace Silver Trio" zu finden, die CD enthält sowohl BN 5018 "New Faces New Sounds", als auch das zweite Trio-Album BN 5034 "Horace Silver Trio Vol. 2 / Art Blakey-Sabu - Spotlight on the Drums" - die Blakey/Sabu-Stücke sind der erste (?) von wenigen Latin-Ausflügen, die Lion gewagt hat (Sabu hat später ein ganzes Album machen können, "Palo Congo", 1561).
Silver spielte weiter mit Getz, nahm 1952 u.a. mit Lou Donaldson für Blue Note auf, 1953 dann mit Lester Young (dessen working band er angehörte, neben dem dieses Jahr verstorbenen Trompeter Jesse Drakes und Drummer Connie Kay), Sonny Stitt und Al Cohn, sowie auch auf einem weiteren tollen Blue Note Album unter Leitung von Howard McGhee.
1954 war dann das Jahr des grossen Durchbruches. Im Februar war Silver mit Clifford Brown, Donaldson und Curly Russell teil des Art Blakey Quintetts, das im Birdland eine der grossen Live-Aufnahmen des Jazz machte (ursprünglich auf drei 10-inch-Alben, "A Night at Birdland with the Art Blakey Quintet" Vols. 1-3). Im März entstanden die ersten Aufnahmen unter Leitung von Miles Davis. Silver gehörte bis zur Gründung von Miles' erstem Quintett Ende 1955 zur bevorzugten Rhythmusgruppe für Studio-Aufnahmen (neben Percy Heath und Kenny Clarke bzw. Art Blakey).

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1954 erschien Silver zudem auf Aufnahmen von Art Farmer/Gigi Gryce und Milt Jackson, und im Dezember enstand die erste "Horace Silver and the Jazz Messengers" Session: mit Kenny Dorham, Hank Mobbley, Silver, Doug Watkins und Blakey fand sich eine der grossen Gruppen der Jazzgeschichte, die leider nur etwas länger als die Dauer eines Lidschlages bestand hatte. Das zweite 10-inch-Album entstand im Februar 1955, im März versammelten sich alle ausser Dorham für Hank Mobleys Debut-Album noch einmal in Rudy Van Gelders Studio und im November folgte mit "The Jazz Messengers at Cafe Bohemia" der Schlusspunkt dieser genialen Band, die alles verkörpert, was guten Hardbop ausmacht: harter swingende Rhythmen, tolles Blues-Feeling, quirlige und doch oft einfache Eigenkompositionen, Reduktion aufs Wesentliche... und mit Doug Watkins war auch ein Bassist dabei, der zu den besten der kommenden Jahre zählte und gegenüber den Bebop-Bassisten wie Curly Russell oder Tommy Potter einen nächsten Entwicklungsschritt anbahnte (Paul Chambers und ein paar andere halfen dann mit, den neuen Ansatz weiterzuentwickeln und etablierten den Bass endgültig auch als Solo-Instrument).

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1955 war Silver schon ein gesuchter Begleiter, er erschien auf Clark Terrys Debut-Album und Sessions von Kenny Dorham, Milt Jackson, J.J. Johnson, Kenny Clarke (die ersten Aufnahmen der sensationellen Neuentdeckung aus Florida: Cannonball Adderley!), Nat Adderleys Debut-Album, einem Album von Gigi Gryce, sowie dem Transition-Album von Donald Byrd, das bereits die nächste Version der Jazz Messengers präsentierte (Byrd, Mobley, Silver, Watkins, Blakey, sowie Joe Gordon als zweiten Trompeter für das Album). Dieses Quintett nahm 1956 ein letztes Album für Columbia auf, das schlicht "Art Blakey & The Jazz Messengers" hiess. Zwischen den beiden Sessions für Columbia spielte die Band auf vier Stücken eines Albums der Sängerin Rita Reyes.

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Danach trennten sich die Wege von Blakey und Silver. Das erste Album des neuen "Horace Silver Quintet" entstand im Sommer 1956 für Epic. Mobley und Watkins waren Teil seiner Band, Trompete spielten Joe Gordon und Donald Byrd, Schlagzeug Kenny Clarke und Art Taylor. In diesem Jahr nahm Silver zudem mit Kenny Clarke, Paul Chambers, J.R. Monterose, Lee Morgan und Hank Mobley auf, und im November enstand sein nächstes eigenes Album, das erste einer langen Reihe von Blue Note Alben des Horace Silver Quintets
...hievon später mehr

gypsy tail wind
18.09.2010, 16:01
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Nachtrag... hab zwei Sessions vergessen: unter der Leitung von Hank Mobley und mit Milt Jackson bzw. Art Farmer nahmen die Messengers im Januar bzw. März 1957 zwei weitere tolle Alben auf. Das erste, "Hank Mobley And His All-Stars", gehört zu den grossen Hardbop-Alben, das zweite hiess "Hank Mobley Quintet" und ist auch sehr schön - wie überhaupt all die Blue Note Sessions, die Mobley in den fünfzigern aufnahm.

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gypsy tail wind
19.09.2010, 12:18
In den zwei ersten Jahren des Horace Silver Quintets entstanden vier tolle Alben - ich glaub man könnte erfolgreich argumentieren, dass diese zu den besten von Silver überhaupt zählen, aber dazu später mehr.

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Die ersten beiden Sessions entstanden im Juli 1966 für Epic; mit einer leicht variierten Jazz Messengers Besetzung nahm Silver am 17. Juli den grösseren Teil des Albums auf: Art Taylor sass am Schlagzeug und natürlich war nicht mehr Dorham sondern Donald Byrd an der Trompete. Die Richtung wird schon deutlich hörbar - groovig-einfache Stücke, aber auch wunderbare Balladen (die "walking ballad" sollte eine Spezialität Silvers werden) wie "I'll Know" von Frank Loesser, die mitreissenden Grooves von "To Beat or Not to Beat" und die Latin Rhythmen im Thema von "The Night Has a Thousand Eyes". Das langsame titelgebende "Silver's Blue" dagegen scheint eher von einem Mobley-Album zu stammen... dieses Stück, "To Beat..." und die Gershwin-Ballade "How Long Has This Been Goin' On?" (auch das zog sich noch durch ein paar Alben: eine Standard-Ballade, sorgfältig ausgewählt und arrangiert) enstanden am 2. Juli mit Joe Gordon und Kenny Clarke anstelle von Byrd und Taylor. Gordon zu hören ist natürlich wie immer eine Freude, es gibt ja viel zu wenig Aufnahmen von ihm!

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Mit "Six Pieces of Silver" entstand dann - wie im ersten Post erwähnt - der erste Klassiker. Noch immer in der Messengers-Besetzung aber schon mit dem neuen Drummer Louis Hayes, der einen grossen Unterschied macht! Stücke wie "Cool Eyes" und besonders "Señor Blues" demonstrieren perfekt die ausgefeilte Kunst von Silver: mitreissende, oft nur auf den ersten Blick einfache Grooves, durch die Arrangements gegebene Strukturen (etwa arrangierte Interludes zwischen den Soli oder sich wiederholende rhythmische Motive) - diese Mischung aus Organisation bei trotzdem maximaler Funkiness, die macht Silvers Musik so herausragend. Wunderbar auch die beiden Piano-Features "Shirl" und der einzige Standard des Albums, das abschliessende "For Heaven's Sake"! In Silvers eigenem Spiel erkennt man denselben Sinn für Struktur und Organisation, wie z.B. John Lewis ist er in der Lage, den scheinbaren Widerspruch zwischen "free blowing" und stark strukturiertem Spiel mühelos zu überbrücken.

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Dieses Album war schon ästhetisch ein Schock: in ganzer Grösse ein farbiges Bild von Francis Wolff auf dem Cover, sowas hatte es bei Blue Note noch nicht gegeben! Silver war ein Star! Die Band hatte sich personell etwas verändert: Art Farmer und Teddy Kotick übernahmen von Byrd und Watkins. Farmer und Mobley bildeten ja auch auf "Hank Mobley Quintet" ein tolles paar, und auch hier passen sie perfekt. Farmers Lyrizismus ist wohl genauso satt und perfektioniert wie der von Byrd, aber sein Ton ist doch nuancenreicher, seine Soli spannender. Die Musik wird zunehmend spannender, was die Strukturen betrifft: 16-taktige Form mit 8-taktiger Bridge in "The Back Beat", Blues mit Bridge in "Soulsville" (eins meiner Lieblingsstücke von Silver), 15-taktige Form mit 16-taktiger Bridge in "Metamorphosis"... dazu wieder ein wunderschöner Standard zum Ende: "My One and Only Love" (dasselbe Arrangement übrigens, das die Messengers auf der Session mit Rita Reyes gespielt haben). Zentral für den Erfolg der oft vertrackten Musik ist Louis Hayes, der "on top of the game" agiert, die Rhythmische Komplexität scheinbar mühelos beherrscht - das machte ihm bei Silver keiner nach!
Leider ist dies die letzte Zusammenarbeit von Silver und Mobley.

gypsy tail wind
19.09.2010, 14:48
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Mit Clifford Jordan am Tenorsax spielt die Gruppe ein noch vertrackteres Set von Originals - schon in "The Outlaw" hören wir eine typische Silver-Komposition, streckenweise mit Bass-Ostinato, Latin-Rhythmen, vertrackten Wechseln... und einem tollen Solo von Jordan. Er bringt eine muskulösere Spielweise rein, der Kontrast zu Farmer ist grösser als bei Mobley... gar nicht so unähnlich wie wenig später Blue Mitchell/Junior Cook, aber mit Farmer/Jordan stehen Silver hier zwei spannendere Solisten zur Verfügung, die viel zu einem von Silvers tollsten Alben beitragen. Dies gilt natürlich auch wieder für Louis Hayes, dem es selbst in der 7-taktigen Form der Trio-Ballade "Melancholy Mood" (eine der schönsten Aufnahmen von Silver überhaupt!) nicht langeilig geworden sein dürfte... Silver glänzt mit einm knackigen Solo, weniger rollend also sonst, aber der Balladencharakter bleibt trotz stellenweise schneller, kurzer Phrasen, immer erhalten. Mit "Moon Rays" folgt dann eine weitere von Silvers "walking ballads" - für einmal mit Latin-Rhythmen von Hayes. Zum Ende folgt der obligate Standard, Arlens "Ill Wind".
Nochmal zu Hayes: in dieser Musik kann man nie auf Autopilot schalten und durchswingen - jedes Stück hat seine kleinen Wechsel und Pausen, der Drummer muss stets auf der Hut sein, mitdenken... und Hayes erfüllt diese Aufgabe perfekt und - wie bei Silver selbst - ohne je eingeschränkt oder gedämpft zu wirken.

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Diese Single - mit dem Sänger Bill Henderson auf "Señor Blues" und dem Instrumental "Tippin'" - ist die erste Session mit Junior Cook am Tenor und Gene Taylor am Bass - beide gehörten für mehrere Jahre zu Silvers beständigstem Quintett. Trompete spielt der Rückkehrer Donald Byrd, am Schlagzeug ist weiterhin Hayes. Die Session wurde als Bonus auf die CD "Six Pieces of Silver" gepappt.

Aus Michael Cuscunas Liner Notes zur unten abgebildeten "Live at Newport '58" (CD, 2008):


That November [1956], he returned to Blue Note to record Six Pieces of Silver with Byrd, Mobley, Watkins and Louis Hayes. One of Horace'snew pieces was "Señor Blues"; never had anyone in jazz come up with a tune that was so Latin, so funky, and so unyieldingly hip. Silver and producer Alfred Lion must have known the potent commercial power of this tune at the session because they cut a shorter 45-single version at the date [auch als Bonus-Track auf der CD zu hören]. The album was rushed out within weeks of recording and met with great reviews. "Señor Blues" received unrelenting airplay in every major city in the United States. In 1979, Horace told me about its origin, "I have always been turned on by Latin music as well as blues and gospel. I used to listen to Tito Puente at Birdland and other bands of that type. I was always fond of Latin rhythm."

As airplay of "Señor Blues" spread, offers from clubs around the country came in and suddenly, a ubiquitous New York freelance musician became a bandleader. The Horace Silver Quintet was born as a working enterprise, as an outlet for Horace's brilliant compositions, and as an influential and shaping force in hard bop. Horace hit the road with Art Farmer, Mobley, Teddy Kotick, and Hayes, his first real working band. In May 1957, they cut The Stylings of Silver. But by late-summer, Clifford Jordan replaced Hank Mobley who leave to join Max Roach's group.

When Further Explorations was cut on January 13, 1958, the group with Farmer, Jordan, Kotick, and Hayes was intact. Five months later, Horace would make the first of many group changes in his career with Louis Hayes as the only holdover. Junior Cook, whom Horace hat met in Washington D.C. when they both sat in with Lou Donaldson, came in on tenor, Gene Taylor was the new bassist. By the time they went into the studio on June 15 to cut a vocal version of "Señor Blues" with Bill Henderson, the trumpet chair had yet to be filled and Donald Byrd came in for the record date.

By the time of this Newport appearance, Louis Smith was hired as trumpeter.

[...]

Wile auditioning tapes at the Library of Congress recently, I came upon this Newport performance and was struck by the fact that a full performance during Louis Smith's brief tenure with the group existed and that they actually performed "Tippin'," a little-known Silver original that was recorded three weeks earlier as the flip side of the vocal version of "Señor Blues." [...]

Having known that George Avakian supervised the recording of the entire Newport Festival that year for Columbia, I scoured their vaults and found a pristine three-track master of Horace's 44-minute performance which closed the Sunday afternoon program that year. It is a testament to the popularity of this young bandleader that he was afforded over 40 minutes of stage time when most bands were held to 20.

Willis Connover vergleicht Silver in seiner Einführung übrigens mit Duke Ellington und Thelonious Monk... ziemlich hoch gegriffen, aber am Ende bleibt Silver ja doch DER grosse Komponist der Hardbop-Ära und hat dutzende tolle Originals geschrieben, von denen manche zu Klassikern geworden sind.

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Erst 2008 erschien dieser Mitschnitt vom Newport Jazz Festival (als Teil einer leider klein gebliebenen Reihe von neu-entdeckten/veröffentlichten Live-Aufnahmen, neben Mingus' "Cornell 1964" und Freddie Hubbards "Without a Song: Live in Europe 1969"). Die CD ist eine tolle Ergänzung von Silvers Diskographie, besonders weil Louis Smith an der Trompete zu hören ist. Und nochmal ein Set mit Louis Hayes am Schlagzeug hören zu können freut mich natürlich auch! Die Gruppe spielt als Opener "Tippin'", dann folgt "The Outlaw", das erste Stück von "Further Explorations", und darauf zwei Klassiker von "Six Pieces": "Señor Blues" und "Cool Eyes". Ein ganz auf Funk (und Fun!) ausgelegtes Set also, ohne Ballade oder Trio-Feature.

gypsy tail wind
19.09.2010, 18:30
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Mit "Finger Poppin'" hatte Silver die Band zusammen, die - abgesehen vom Drummer Louis Hayes, der nach zwei weiteren Alben zu Cannonball Adderley wechselte und von Roy Brooks ersetzt wurde - für fast fünf Jahre bestand hatte. Die Frontline bestand aus Blue Mitchell und Junior Cook, die einen guten Kontrast ergeben - die lyrische Trompete mit dem schönen Sound und das harte Tenorsax mit dem muskulösen Ton und der trockenen "delivery".
Im Januar 1959 nahm diese Gruppe das erste Album auf, eine Tour de Force für Silver und die Band, acht Originals, die wieder alles umfassen, hartem Swing zu funky und souligen Stücken, Latin Rhythmen, die üblichen vertrackten Intros, Interludes, Rhythmuswechsel, Shout Chorusse... alles da. Ein brillantes Album - der einzige Wehmutstropfen bleibt, dass es vielleicht mit etwas spannenderen Solisten (eben z.B. Farmer/Jordan) vielleicht noch ein Spur toller geworden wäre... aber wenn man von Silvers Vorgeschichte absieht, dann sind wohl dieses und das folgende Album seine allerbesten!

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"Blowin' the Blues Away" war das erste Silver-Album, das ich besass und besser kannte, und ich halte es nach wie vor für eins der drei, vier allerbesten. Es ist das letzte Album mit Louis Hayes und er ist wieder zentral für die erfolgreiche Präsentation von Silvers tollen Stücken. Die grossen Klassiker sind "Sister Sadie" sowie zwei Balladen, "Peace" und "Melancholy Mood" (das schon auf "Further Explorations" zu hören war).
Das Album enstand im Gegensatz zu fast allen Silver-Alben nicht sorgfältig geplant in einem Tag sondern an drei Sessions im August und September 1959, wobei auch noch ein Outtake liegenblieb, Don Neweys "How Did It Happen" (Newey steuerte fürs nächste Album "Horace-Scope" dann wieder ein Stück bei). Die Band ist aber mittlerweile schon so gut eingespielt, dass man dem Album keineswegs anhört, dass es nicht geplant und aus einem Guss entstanden ist! Mit "The St. Vitus Dance" findet sich überdies auch mal ein Trio-Stück, das nicht balladesk ist, es erinnert an die frühen Blue Note Trios, aber Silver ist auch als Pianist einen weiten Weg gegangen seit damals. Der Kracher des Albums ist natürlich "Sister Sadie" - Ira Gitler in den Liner Notes:


Sister Sadie is from down home. Horace relates that Coltrane, when he heard the group play it in Philly, said to him, "What's the name of that 'amen' number you're playing?"

Auch in "Break City" - der Titel bezieht sich auf die Charleston-artigen Breaks, die die Rhythmusgruppe im Thema spielt - werden die Tugenden dieser eingespielten Band gut hörbar. "Peace" schafft eine besinnliche, ruhige Stimmung, Blue Mitchell spielt das Thema reduziert und gradaus mit etwas brüchigerem Ton als sonst - wunderbar! Die zweite Version von "Melancholy Mood" wird im Tempo gespielt, mit gezupftem Bass (die erste war im Rubato mit Teddy Kotick am gestrichenen Bass), für mich eine der schönsten Aufnahmen von Silver!

Über das Quintett schreibt Ira Gitler in seinen Liner Notes:


Horace Silver not only projects a distinct, immediately recognizable talent with his playing but in the way he writes for and guides his group, he again affirmatively expresses his unique personality, In this day of conformity, when many groups are only concerned with "getting a sound," often through gimmickry, Silver's quintet has established their own identity without the aid of spurious devices.
Horace does not merely write beginning and endings for the soloists to fill; he makes his compositions grow by introducing interludes and variations on the opening themes; his ballads have power and yet they are tender: these are some of the reasons that the Silver group does not paint in a monochrome.
Then there is the spirit, the group's emblem which they wear most boldly on the "swingers." "This group has a lot of fire and that's what I want." These words were spoken by leader Silver, one of the fieriest players in jazz. A mild-mannered, sincerely affable young man who dresses with a hip neatness, Horace becomes a perspiring demon when pouring out his musical soul at the piano. I remember Cannonball Adderley, newly arrived in New York, commenting on Horace's off-stand appearance: "How can a cat look one way and then play so funky?"
To build a harmony of feeling in a group, you must have musicians who really want to play but the spark must come from the leader. Horace has the unflagging zest which acts as a strong unifying force. In referring to the group's performance level on any given night, he says, "Sometimes we have it, sometimes we don't... but nobody ever lays down on the job."

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Bei diesem Album kommen bei mir stets die ersten Ermüdungserscheinungen - ist auch heute wieder so. Don Neweys "Without You" ist zwar eine weitere wunderbare "walking ballad" (mit sanftem Doubletime vom neuen Drummer Roy Brooks), aber das meiste hier scheint mir "more of the same" zu sein. Allerdings folgen am Ende eine schöne "amen"-Nummer ("Me and My Baby" - in den Liner Notes wird die Nummer als "one of those groovy, pulsating, black dirt kind of blues for which Silver is most popular") und dann zum Schluss ein Highlight mit Silvers erster eigener Aufnahme von "Nica's Dream", einem seiner grossen Klassiker (er hatte das Stück zuvor schon mit den Jazz Messengers für Columbia sowie mit Kenny Burrell für Blue Note aufgenommen und es gab auch schon Interpretationen auf Alben ohne seine Beteiligung).

Aus Barbara J. Gardners Liner Notes:


Occaionally he will re-record a tune, as he as done here with "Horace-scope" and "Yeah!," because the years, experience and instrumentation changes have wrought new ideas of presentation.
"Record dates are pretty important to me," Horace admits. "Once they put it down there, you can't change it. So it has to be right. I only do two albums a year, and that's enough. It keeps me scuffling to write that much material and try it out so that it comes off as something to be proud of."

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Im Mai 1961 entstand dann die erste damals erschienen Live-Aufnahme der Gruppe - und um auf Silvers Zitat aus den Gitlers Notes oben zurückzukommen: they had it that night!

Das Album sprüht von Energie, in langen Versionen spielt das Quintett eine Reihe neuer Stücke, sowie "Cool Eyes" als kurzen Theme-Song am Ende. Hier kommt wieder alles zusammen, Cook bläst ein tolles Solo auf "Filthy McNasty", die Musik hat Zeit, sich zu entfalten. Die CD enthält zudem ein weiteres neues Silver-Original, "It Ain't S'posed to Be Like That", sowie eine lange Version von "Cool Eyes". Ein kraftvolles Set, das gut rüberkommt und viel Spass macht!

redbeansandrice
19.09.2010, 19:18
2. seit wann gibt es den begriff "hardbop" eigentlich? aus den 60s und frühen 70s ist er mir (was nicht unbedingt was heißen muss) nicht bekannt. zumal du noch souljazz und junky jazz ins spiel bringst.
nicht, dass ich von solchen schubladen allzuviel halten würde, hier interessiert es mich aber. ich bin ziemlich sicher, dass das neue testament der dt. jazz-kritik, behrendts buch halt, diesen begriff bis in die mitte der 70s zumindest nicht kannte. was international nichts heißen muss, weshalb ich mich also gern eines besseren belehren lasse. allerdings war das buch auch nicht schlecht.

hatte gestern ein Jazz-Podium Heft von 1960 in der Hand, da wird der Begriff großflächig angewandt (Hard Bop aus Polen, Hard Bop von der Westküste, gibt eine Doppelseite über Lenny McBrowne...), und soweit ich das beurteilen kann auch schon in der heutigen Bedeutung... witzigerweise taucht auch der Begriff Neo-Bop schon auf (für Miles zweites Quintett), der bezeichnet heutzutage wohl eher Musik aus den 70ern... sind aber interessante Fragen - bei Free Jazz und Bebop scheint es ja ein gutes Stück so gewesen zu sein, dass die Genrebezeichnung/Abgrenzung von den Musikern selber kam... bei Cool Jazz und Hard Bop, den Stilen dazwischen also, ist das willkürlicher...

on-topic, Further Explorations läuft, ... Farmer fügt sich in der Tat besser als ich das gehofft hätte, war halt wirklich flexibel... mit Farmer und Jordan sind halt irgendwie gleich zwei so Schlauberger im Bläsersatz, kleiner Abzug, irgendwie ist es immer ganz schön, wenigstens einen Solisten haben, der nicht ein feinziseliertes Juwel neben das nächste setzt... letztlich ist es glaub ich das, was mich an Silver Bands schnell nervt, trotz der tollen Grundstimmung und den Arrangements/Kompositionen... so richtig ziehen das ALbum hier die Balladen hoch, Moon Rays und Melancholy Mood - schön...

gypsy tail wind
19.09.2010, 19:35
Miles zweites Quintett 1960? Was ist denn damit gemeint? Coltrane-Kelly-Chambers-Cobb?

Und ja, die Balladen :sonne:
Die sind wirklich wunderbar!

Jordan empfinde ich keineswegs als Schlauberger, im Gegenteil - ich halte ihn für einen sehr stark geerdeten Musiker, mit solidem wunderschönen Ton (die Schönheit erkennt man manchmal aber erst beim zweiten, dritten Hinhören) und einer sehr soliden "delivery".

katharsis
19.09.2010, 20:08
Schöne Fortsetzung des doch etwas verstaubten Threads.
Von Silver habe ich dann doch auch einiges, so dass ich demnächst gerne meine two cents dazugeben werde. Kann noch etwa dauern, aber ich freue mich, die Musik mit den oben abgegebenen Kommentaren wieder etwas neu zu entdecken. Wie gesagt wächst Silver für mich etwas mit der Zeit...
Auch wenn ich den Hinweis auf die Monotonie (oben ja nur bei "Horace-Scope") durchaus immer wieder bedrohlich über Silver schweben sehe. :roll:

redbeansandrice
19.09.2010, 20:18
Jordan empfinde ich keineswegs als Schlauberger, im Gegenteil - ich halte ihn für einen sehr stark geerdeten Musiker, mit solidem wunderschönen Ton (die Schönheit erkennt man manchmal aber erst beim zweiten, dritten Hinhören) und einer sehr soliden "delivery".

erstes Quintet hätt es natürlich heißen sollen... hmmm, der Ton reisst es bei Jordan schon irgendwie raus, aber ich find die Phrasen haben doch eine leichte Tendenz Richtung wohlüberlegt/clever/ziseliert/statisch (Coltrane als der ultimative Kontrast hierzu, George Coleman als jemand über den ich ähnliches sagen würde)... hat Jordan in späteren Jahren ein bißchen wegbekommen, find ich auch nicht nur schlecht, passt ja auch zu Silver wie die Faust aufs Auge, aber...

nail75
19.09.2010, 20:40
Ich kann den Vorwurf der übermäßigen Stilisierung durchaus nachvollziehen, vermutlich ist das der Grund, warum ich mich mit vier Alben und der Blue Note 4-CD Box ausreichend versorgt fühle. Aber natürlich ist das unheimlich solider Hard-Bob auf sehr hohem Niveau, was man besonders dann bemerkt, wenn man sich mal Silvers Aufnahmen aus den 1970er Jahren anhört ("United States Of Mind" und die ganzen "Silver and..." Alben). Grauenhaft.

alexischicke
19.09.2010, 22:20
Da rennst bei mir offene Türen ein,Gypsy

Es ist Hardpop aber auch ein kräftige Portion Swing.Das 58er Konzert macht richtig Spass zuzuhören wird nie langweillig.

Dann gibt noch eine spätere Aufnahme mit Stanley Turrentine,das spielt mehr Funkjazz aber nicht schlecht.
Dann habe ich noch von ihm "Grandpop" von 1996,die ich auch noch solide finde.

Schade,dass er wohl jetzt endgültig an Alzheimer erkrankt ist.

gypsy tail wind
19.09.2010, 22:21
Zu den "United States of Mind" komm ich dann auch noch - die hab ich noch gar nie gehört. Neben der "Doin' the Thing" meine neuste Silver-Anschaffung.
Die "Silver 'n ..." Alben hab ich mal auf den ipod geworfen (die gabs mal im filesharingland), aber ob ich die ganzen vier Stunden davon anhören mag weiss ich noch nicht, hab bisher noch nichts davon angehört.

Live war Silver ja noch eine ganze Weile länger mit tollen Bands unterwegs, da gibt's ein paar europäische Radio-Aufnahmen:

Herbst 1968 / Sommer 1969: Randy Brecker (t), Bennie Maupin (ts), Horace Silver (p), John B. Williams (b), Billy Cobham (d)

Frühling 1973: Randy Brecker (t), Michael Brecker (ts), Horace Silver (p), Bob Cranshaw (b), Mickey Roker (d) [bzw. Will Lee (elb) und Alvin Queen (d)]

Sommer 1977: Tom Harrell (t,flh), Larry Schneider (ts), Horace Silver (p), Chip Jackson (b), Eddie Gladden (d)

In den 80ern tauchen Leute wie Bryan Lynch, Ralph Moore, Dave Douglas, Carl Burnett oder Vincent Herring auf Live-Mitschnitten auf.

Den Studio-Output kenne ich bisher aber nur bis 1972 ("United States of Mind" und "In Pursuit of the 27th Man"), bis dahin aber soweit ich weiss lückenlos.

Bin am Post zu den nächsten drei Alben und die Gleichmässigkeit stellt sich eigentlich nur gelgentlich als negative Hörerfahrung ein - im ganzen überwiegt der Spass an der gut gemachten Musik und dem konzentrierten Spiel Silvers, Mitchells und Cooks!

gypsy tail wind
19.09.2010, 22:25
Dann gibt noch eine spätere Aufnahme mit Stanley Turrentine,das spielt mehr Funkjazz aber nicht schlecht.
Dann habe ich noch von ihm "Grandpop" von 1996,die ich auch noch solide finde.

Schade,dass er wohl jetzt endgültig an Alzheimer erkrankt ist.

Oh, das ist traurig, wusste ich gar nicht!

Turrentine taucht auf "Serenade to a Soul Sister" von 1968 im Quintett mit Charles Tolliver auf. Der Rest des Albums ist mit der Band, mit der er auf Tour war (siehe oben) enstanden.

alexischicke
19.09.2010, 22:27
Ja die finde ich recht gut Gypsy.Die geht aber schon in den Funk rein.

Silver Kompostion sind mittlerweise Jazzstandards!! Sogar Bing Crosby nahm eine Stück von ihm auf.

Alex

gypsy tail wind
19.09.2010, 22:33
Was ich übrigens sehr, sehr gerne mal hören würde sind die beiden Emeral LPs von 1964. Die dritte habe ich als 32 Jazz CD unter dem Titel "Re-Entry", da sind auch noch zwei Stücke von 1966 drauf, als die Band aus Woody Shaw (t), Joe Henderson (ts), Larry Ridley (b) und Roger Humphries (d) bestand. Der Rest (von 1965) ist mit derselben Band wie die 1964er Aufahmen: Carmell Jones (t), Henderson (ts), Teddy Smith (b), Humphries (d).

Da ich Carmell Jones sehr schätze, stelle ich mir das toll vor... muss mich da mal auf die Suche machen.

gypsy tail wind
19.09.2010, 22:33
Bing who? Jetzt sag bloss nicht, Silver habe "White Christmas" komponiert! ;-)

alexischicke
19.09.2010, 22:39
"The Preacher" Bing und Satchmo:-)

gypsy tail wind
19.09.2010, 22:54
erstes Quintet hätt es natürlich heißen sollen... hmmm, der Ton reisst es bei Jordan schon irgendwie raus, aber ich find die Phrasen haben doch eine leichte Tendenz Richtung wohlüberlegt/clever/ziseliert/statisch (Coltrane als der ultimative Kontrast hierzu, George Coleman als jemand über den ich ähnliches sagen würde)... hat Jordan in späteren Jahren ein bißchen wegbekommen, find ich auch nicht nur schlecht, passt ja auch zu Silver wie die Faust aufs Auge, aber...

Das hör ich ganz anders!
Jordan und Coleman sind für mich zwei ziemlich unterschiedliche Tenoristen!

Ach, und was findest Du denn zu den Silver-Alben mit Junior Cook? Cook ist irgendwie eine Mischung aus Mobley und Coltrane, solider, harter als Mobley und geerdet wie Coltrane, mit robustem Sound und einem Spiel, bei dem ich nie denke: "Wow, das war jetzt aber raffiniert" oder so, sondern wo alles einfach scheint und Sinn ergibt. (Eben soweit, dass er nicht der aufregendste Spieler ist...)

gypsy tail wind
19.09.2010, 23:09
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf500/f573/f57399n3u6o.jpg

Um die Jahreswende 1961/62 verbrachte das Horace Silver Quintet zwei Wochen auf Tour in Japan. Mit diesem Album verarbeitete Silver das Erlebte - eine lyrische Grundstimmung zieht sich durch die fünf Stücke, besonders das zwölfminütige "Sayonara Blues", das durchgängig über einen reduzierten Latin-Beat mit Bass-Ostinato gespielt wird. Mitchell und Cook liefern tolle Soli ab.
Auf diesem Album gefällt mir die verhalten-lyrische Grundstimmung enorm gut - von den Alben mit Roy Brooks ist es mein liebstes (wobei ich "Doin' the Thing" noch nicht lange kenne). Die repetitiven Grooves erzeugen streckenweise eine fast hypnotische Stimmung, auf "The Tokyoe Blues" steigert sich Mitchell über einen solchen Ostinato-Groove in eine Solo, das mit rauhen "cries" einen intensiven Höhepunkt ansteuert, wie man es sich von ihm nicht gewohnt ist.
Roy Brooks wurde für diese Aufnahmen wie es in den Liner Notes steht krankheitshalber von Joe Harris (als John Harris Jr. aufgeführt) vertreten.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf500/f577/f57743feyik.jpg

2002 erschien ein weiterer zuvor unveröffentlichter Mitschnitt, aufgenommen in Paris im Herbst 1962 wohl im Rahmen einer Norman Granz Tournee. Die Band spielt je zwei Stücke von "Toyko Serenade" ("Tokyo Blues" und "Sayonara Blues") und "Doin' the Thing" (das Titelstück und "Filthy McNasty") sowie eins von Horace-Scope ("Where You At?"). Ich mag natürlich die beiden Toyko-Stücke sehr gerne, sie dauern hier beinahe 13 respektive über 16 Minuten... der hypnotische Groove kommt auch live schnell auf und es macht Freude, das zu hören! Roy Brooks spielt eine Spur harter, zupackender als Joe Harris, dünkt mich (dabei war Harris ja bei Dizzy in den 40ern einer dieser unsubtilen Hämmerer).
Eine lustige kleine Episode, erzählt von Babs Gonzales, gibt Bob Bernotas in seinen Liner Notes wieder:


In his wonderfully bizarre, eccentrically punctuated autobiography, I, Paid My Dues, jazz singer-gadfly Babs Gonzales recalled how he "ran into a genius named Horace Silver" during a gig in Stamford, Connecticut sometime in the late 1940s. "He walked up to me and said 'Babs, I play piano. May I sit in?' I said 'sure, c'mon whale [sic] some.' He not only astounded us but broke up the audience too. Later on he asked 'Big Nick' [Nicholas] if he could borrow his tenor. He also blew the keys off the tenor. I just said, 'Man, you better come to New York.'" Silver was not even 21 years old at the time.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd000/d054/d05481670pa.jpg

Das letzte Album, das ganz mit dem Mitchell/Cook/Taylor/Brooks-Quintett entstand, wurde im Mai 1963 aufgenommen. Das eröffnende Titelstück ist von der Atmosphäre her sehr ähnlich wie das "Tokyo Blues"-Album, ein 16-taktiger Blues im walking-Tempo mit lyrischen Soli der beiden Bläser und von Silver selbst, sorgfältig konstruiert und doch nie übermässig kontrolliert wirkend. Es folgen dann die beiden Soul-Nummern des Albums, "Let's Get to the Nitty Gritty" und "Sweet Sweetie Dee" - auf beiden ist wieder die perfekt geölte Rhythmusgruppe zu bewundern. Brooks - ich hab das oben angetönt - überzeugt mich zwar weniger als Hayes, er spielt viel weniger nuanciert und raffiniert, aber er hat Power und kann Druck machen, ohne alles zu übertönen.
"The Dragon Lady" ist wieder ein lyrisches Stück mit typischen Stoptime-Rhythmen und sehr schönen Soli.

gypsy tail wind
20.09.2010, 09:53
Etwas allgemeineres, was mir beim Wiederhören der Musik von Silver immer wieder aufgefallen ist: sein "comping" ist äusserst eigenwillig und stark, es gibt der Musik auch während der Soli eine Struktur. Besonders auffällig ist etwa, dass Silver immer wieder auf alle vier Schläge spielt, das gibt zusammen mit der Rhythmusgruppe einen guten Effekt, irgendwie stotternd aber auch sehr swingend, und die Musik erhält einen fetten Boden, was ja auch mit Solisten wie Mitchell und Cook gut ist (da sie ja beide nicht gerade vor Charakter und Persönlichkeit strotzen). Dieses "comping" mag bei weniger genauem Hinhören auch zur Gleichartigkeit vieler Silver-Alben beitragen, aber mir gefällt es beim genaun Hinhören sehr gut! Es zeigt einmal mehr Silvers Bewusstsein für musikalische Organisation, die ja im Hardbop sonst sehr oft viel zu kurz gekommen ist.

redbeansandrice
20.09.2010, 12:57
Das hör ich ganz anders!
Jordan und Coleman sind für mich zwei ziemlich unterschiedliche Tenoristen!

Ach, und was findest Du denn zu den Silver-Alben mit Junior Cook? Cook ist irgendwie eine Mischung aus Mobley und Coltrane, solider, harter als Mobley und geerdet wie Coltrane, mit robustem Sound und einem Spiel, bei dem ich nie denke: "Wow, das war jetzt aber raffiniert" oder so, sondern wo alles einfach scheint und Sinn ergibt. (Eben soweit, dass er nicht der aufregendste Spieler ist...)

meinen Eindruck von Cook muss ich nochmal auffrischen, hab ihn vor allem von diesen Kenny Burrell Sessions präsent, wo er neben Tina Brooks steht und eine ganz passable und ziemlich ähnliche Figur macht (wobei Brooks anderswo viel toller ist...)

was nun Jordan betrifft, so bin ich definitiv ein großer Fan, aber wenn ich mir das Solo auf The Outlaw (http://www.youtube.com/watch?v=ST6PKMv5ONU) anhöre, dann find ich schon, dass das ein tolles Solo ist, aber eben auch, dass das durchaus auskomponiert sein könnte - was durchaus in Silvers Sinne gewesen sein mag, aber nicht ganz so sehr in meinem... wenn ich jetzt Cooks Solo über das gleiche Stück (http://www.youtube.com/watch?v=ubGxDhWs88M) von der Newport 58 danebenhalte, dann spricht mich das schon mehr an, auch wenn es weniger clever ist... spätere Aufnahmen von Jordan find ich toller, da hat er sich mehr frei gespielt (zB (http://www.youtube.com/watch?v=-KdqcATwJ2Q)) [vielleicht kann man die Entwicklung von Jordan durchaus parallel zu der von JR Monterose sehen - bei allen Unterschieden?]

wo ich grad dabei bin, Louis Smith auf der Newport Version von The Outlaw find ich große Klasse, sehr guter Fit, für mich genau die richtige Balance von allem, schade, dass der nicht blieb, das ist ziemlich die Mitte zwischen Farmer und Mitchell, irgendwie...

gypsy tail wind
20.09.2010, 13:21
Ja, Smith ist super!
Ich hab seine beiden Blue Notes auf dem Stapel der demnächst zu hörenden CDs...

Ich finde eben gerade das strukturierte, komponierte, arrangierte einen grossen Pluspunkt. Das spricht mich beispielsweise auch beim Jazztet oder bei den Small Groups von J.J. Johnson sehr an, dieser Sinn für Form.
Und es ist ja nicht so bei Silver, dass die ganze Musik so ist - das gefiele mir dann auch nicht mehr, aber zwischendurch als Abwechslung finde ich das super!

redbeansandrice
20.09.2010, 13:26
Und es ist ja nicht so bei Silver, dass die ganze Musik so ist - das gefiele mir dann auch nicht mehr, aber zwischendurch als Abwechslung finde ich das super!

was mich immer irritiert hat, war diese Sache, dass Silver diesen großartigem Bläsersatz um Woody Shaw angeblich weggeschickt hat, weil die ihm zu "wild" waren - weiß nicht genau, wieviel da dran ist... mit Silver geht es mir letztlich ähnlich wie mit den Beatles, während die Musik läuft ist sie super, aber so schlecht ich das erklären kann, hält der Nachgeschmack mich davon ab, die Musik öfter zu hören...

wo wir von "Silver Covers" in der populären Musik reden, darf natürlich auch Rikki don't Lose that Number (http://www.youtube.com/watch?v=UfZWp-hGCdA) nicht fehlen... (also, natürlich nicht das Stück als ganzes, aber trotzdem (http://www.youtube.com/watch?v=FLdm1yuoU_Q))

redbeansandrice
20.09.2010, 13:45
mal gespannt, was du zu Capeverdean Blues schreibst, die läuft hier grad wieder, mittlerweile neben Song For My Father mein liebstes Silver-Album, klar sind auch hier die Silver-Klischees zu spüren, aber insgesamt sind die grooves ein gutes Stück, nun, abgehangener, als auf den Alben aus den frühen 60er Jahren, und die Solisten sind unvergleichbar souveräner und mutiger, Henderson (der übrigens mächtig stolz war, als erstes Bandmitglied Kompositionen zum Bandbook beitragen zu dürfen) passt prima, traut sich was, er ist auch clever, aber er benutzt seine Cleverness, um nicht aufzufallen/so zu spielen als würd er ablesen... und Woody Shaw war selten besser als hier, da hat man ausnahmsweise das Gefühl in einer Silverband mal verschiedene unabhängige Stimmen zu hören - ohne dass die Silver-Identität verloren ginge...

und weils so schön ist, hier ein Blind Fold Test (http://www.jazzprofessional.com/blindfold_tests/Horace%20Silver%20Quintet.htm) der Silver Band zwischen Capeverdean Blues und Jody Grind (Quintet mit Woody Shaw und Tyrone Washington)... grad Washington, Silver und Shaw schlagen sich so gut, wie ich es selten gelesen hab...

gypsy tail wind
20.09.2010, 14:06
Ich hab auch keine Ahnung über die Geschichte mit dem Bläsersatz um Shaw und dessen Abgang, aber ich kann mir schon vorstellen, dass die in eine andere Richtung zogen als Silver das wünschte - also sie mehr in so eine Blue Note Free/Avant-Richtung (Wayne Shorter oder so?) und er halt mehr in so eine Soul/Black Music/Spiritual Jazz Richtung? Da passten dann Stanley Turrentine und später die Breckers eine Spur besser rein, und danach kamen ja die Alben mit Gesang etc.

Bin auch gespannt auf die späteren Alben, zu denen ich in den nächsten Tagen komme. Ich kenne sie allesamt (inkl. "Song for My Father") schlechter als die Alben bis ca. 1961 (und "Tokyo Blues" kenn ich auch schon lange).
"The Jody Grind" hatte ich kürzlich mal angehört als ich die paar Tyrone Washington Aufnahmen ausgrub, die ich habe, aber das hat mich damals beim unaufmerksamen Hinhören nicht grad umgehauen.

gypsy tail wind
20.09.2010, 14:09
Ach ja, und ich finde auch J.R. Monterose einen schlechten Vergleich. Mit seiner Stotter-Phrasierung und dem stark rhythmisierten Spiel finde ich ihn von Beginn an einen der eigenständigsten Solisten! Ich glaub für mich büsst er mit der Zeit eher etwas an Individualität ein - das ist aber etwas ins Blaue geschrieben, muss mich mal mit seinen späteren Sachen beschäftigen.

All diese Tenorsaxer, die neben/zwischen/trotz Coltrane und Rollins in jener Zeit eine eigenständige Spielweise entwickelt haben, wurden schon ganz früh in meiner Zeit als Jazzhörer zu einem Hauptbeschäftigungsfeld (also etwa: Shorter, Lateef, Heath, Golson, Mobley, Jordan, Monterose und diverse andere). Da bin ich wohl noch stärker als bei anderen Sachen gewillt, endlos zu differenzieren ;-)

gypsy tail wind
20.09.2010, 23:48
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc400/c468/c46860i05ak.jpg

Nun denn also, das opus magnum: "Song for My Father"! Schon das Cover eine grosse Überraschung: John Tavares Silver, der Vater von Horace, mit Hut und Zigarre in herbstlicher Parklandschaft. Ein wohl einzigartiges Cover in der Geschichte von Blue Note. Der "Song for My Father" eröffnet das Album, und selten wird man derart unvermittelt reingezogen, eingesogen... der Groove ist unglaublich infectious - mitreissend wäre falsch, er ist verführerisch, sexy, sophisticated und suave... Die neue Bläserfrontline, bestehend aus Carmell Jones und Joe Henderson, präsentiert das Thema, dann übernimmt Silver mit einem tollen Solo. Die Begleitung ist ein Mix aus stop and go und flüssigem Latin-Beat, der (was ja relativ selten, bei Silver hingegen häufig ist) auch während der Soli weiterläuft. Der Bass von Teddy Smith ist auf einfachste Halfbeat-Latin-Muster beschränkt und liefert das Fundament, der neue Drummer Roger Humphries spielt reduziert, dreht aber mit Fills und Auschmückungen mit der Zeit auf und als Joe Henderson sein absolut umwerfendes Tenorsolo bläst kocht die Musik!
Vielleicht DIE grösste Aufnahme von Silver, und nach all den Jahren ein mehr als würdiger Nachfolger von "Señor Blues"!
Aus Leonard Feathers Liner Notes:


Of the title number, Horace says: "This tune in an original of mine, but it has a flavor to it that makes me think of my childhood days. Some of the family, including my father and my uncle, used to have musical parties with three or four stringed instruments; my father played violin and guitar. Those were happy, informal sessions.
"Then of course last February I was in Brazil and I was very much impressed by the authentic bossa nova beat. Not just the monotonous tick-tick-tick, tick-tick, the way it's usually done, but the real bossa nova feeling, which I've tried to incorporate into this number."
The theme has an even, placid quality. It is in F minor and its mood is plaintive rather than mournful. Horace's piano solo is restrained, with a touch of the blues in the chordal work, and Joe's solo swings effortlessly.

Das zweite Stück, "The Natives Are Restless Tonight", stellt dann auch das flüssige Spiel Carmell Jones vor, der mit einem satten, vollen Ton spielt und viel Drive hat - er erinnert (von den anderen Silver Quintet Trompetern) am ehesten an Louis Smith. Auf dem nächsten Stück, "Calcutta Cutie", einem weiteren herausragenden Silver-Original, spielt die vorhergehende Besetzung mit Blue Mitchell, Junior Cook, Gene Taylor und Roy Brooks. Die Bläser sind alelrdings nur in der Präsentation des Themas zu hören, Silver steht voll und ganz im Zentrum und spielt über einem repetitiven Groove, unterbrochen von der Bridge in Swing mit Walking Bass, eine sehr stimmungsvolles Solo. Die Rhythmusgruppe des alten Quintetts ist auch auf dem letzten Stück des originalen Albums zu hören, Silvers "Lonely Woman" - wie so oft zum Abschluss eine Ballade und zwar eine der schönsten von Silver. Dazwischen gibt's nochmal zwei Nummern mit Jones/Henderson: "Que Pasa?", ein weiteres sehr stimmungsvolles Stück, das u.a. von der Spannung lebt, die erzeugt wird dadurch, dass der Bass nur zwei Skalen spielt, während die Akkorde des Stückes sich stärker bewegen. Der Latin-Rhythmus hier hat etwas rollendes (ich finde rollend irgendwie sowieso eine sehr passende Beschreibung für Silvers Spiel und Kompositions-Stil). Silver und Henderson spielen wieder sanfte und zugleich starke, verhaltene aber doch emotional reiche Soli.
Dann folgt "The Kicker" von Joe Henderson, das redbeans oben schon erwähnt hat. Ein nervöses Stück mit einem Thema, das Jones und Henderson gewissermassen hektisch ausspucken... und Jones setzt dann zu einem weiteren tollen Solo an. Schade, dass man ihn nicht etwas ausgiebiger hören kann! Andererseits ist auch das wieder ein schöner arranger's touch, dass eben nicht jeder auf jedem Stück solieren muss.

Als Bonus auf der RVG Edition des Albums gibt's "Sanctimonious Sam" von Musa Kaleem und eine Trio-Version von "Que Pasa", die an derselben Session am 31. Oktober 1963 aufgenommen wurden wie "Calcutta Cutie" und "Lonely Woman". Sie waren beide ursprünglich für das Album vorgesehen. Das "alte" Quintett besuchte zum allerletzten Mal am 28. Januar 1964 das Studio von Rudy Van Gelder und nahm "Sighin' and Cryin'" und "Silver Treads Among My Soul" auf, zwei weitere Silver-Originals. Diese Session war nicht besonders erfolgreich, es enstand nur noch ein drittes Stück, "Revlis", das im Kasten blieb. Anscheinend - so Bob Blumenthal in seinen Notes zur RVG CD - habe Lion da die Bemerkung gemacht, dass es an der Zeit sei für Silver, sich neue Leute zu suchen... das warf dann den ganzen Plan über den Haufen und liess das klassische und grossartige Album entstehen.
Die Bonus-Tracks der CD sind aber dennoch schön zu haben, auch wenn man Mitchell und Cook auch auf ihnen nicht solistisch hören kann. Kaleems Stück, ein Walzer, ist zwar wieder ein Silver-Feature, in dem die Bläser nur im Thema spielen. Ein sehr hübsches, grooviges Stück mit Gene Taylors riesigem Sound als Anker. "Que Pasa" funktioniert auch im Trio ganz gut, aber Hendersons tolles Solo macht die Quintett-Aufnahme dann doch überlegen. "Sighin' and Cryin'" ist von einem träge-schleppenden Beat geprägt, über den Silver sehr laid back improvisiert. Auch hier ist Taylor am Bass enorm stark zu spüren... sein Sound ist umwerfend gut aufgenommen und seine Präsenz ist stets zu spüren. Für Silvers Musik war er wohl der ideale Bassist! "Silver Treads..." ist ein weiteres kurzes Stück zum Abschluss.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc900/c933/c933902f5mf.jpg

Weiter geht's mit Live-Aufnahmen vom Half Note - Mitschnitte von Alan Grants "Portraits in Jazz". Die drei Stücke mit Jones/Henderson sind zwar nicht der ganze Rest, aber alles, was sonst noch auf CD greifbar scheint - es gab zudem eine oder zwei LPs mit Aufnahmen von 1964 - siehe oben, allerdings ist mir unklar ob's wirklich zwei Alben gab oder doch nur eins? Kennt sie jemand hier? Jedenfalls ist auf Emerald eine Session vom 6. Juni 1964 erschienen und eine Blue Note Live-Aufnahme im August blieb dann leider im Kasten (und wird wohl auch nicht erscheinen, da Silver das anscheinend nicht will).
Aufgenommen am 16. April 1965 spielt das Quintett drei Stücke von "Song for My Father": das Titelstück, "The Natives Are Restless Tonight" und "Que Pasa". Die Stücke sind live einiges länger als auf dem Album, zusammen dauern sie fast 37 Minuten. Hendersons Solo auf dem 10:32 langen "Song for My Father" ist vielleicht nicht ganz so zwingend, aber die atmosphärische Live-Aufnahme (über die leichten Mängel der Tonqualität ist man - bin ich - nach höchstens einer Minute hinweg, alles halb so schlimm!) trägt das ihre bei... ach ja, und Henderson spielt streckenweise sehr frei, fast oder ganz atonal während kurzer Passagen, auch schon auf den Studio-Aufnahmen (dort v.a. auf "The Natives..."). Und trotz der Länge gibt's kein Solo von Jones - Silver und Henderson nehmen sich einfach mehr Zeit, was keineswegs zu bedauern ist, auch wenn die Aufnahme nicht die Geschlossenheit der Studio-Version erreicht. "The Natives" dauert noch eine Minute länger und hier hat Jones auch live das erste Solo. Sein Ton kommt nicht so satt rüber, aber es bereitet dennoch grosses Vergnügen, ihm zuzuhören! Henderson stiehlt aber auch hier wieder die Show! Dann folgen Silver und zuletzt Smith mit einem Walking-Bass-Solo - man wünscht sich sofort den solistisch scheuen Gene Taylor zurück, der unenglich viel mehr Soul hatte als Smith... nach dem intensiven Stück ist "Que Pasa" eine Wohltat - diesen sanften Bossa-Groove bringen Smith/Humphries perfekt, auch wenn sie sonst nicht meine erste Wahl sind. Das Stück dauert fast eine Viertelstunde und Henderson ist wieder der beeindruckendste Solist - kein Wunder, dass er sich in diesen Jahren bei Blue Note so schnell als zentraler Musiker durchsetzen konnte!

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Woody Shaw löste dann 1965 Jones an der Trompete ab. Der Platz des Bassisten was zum Zeitpunkt der nächsten Aufnahmen im Oktober 1966 noch vakant - Bob Cranshaw sprang ein. Was dieses Album auszeichnet ist nicht bloss die tolle Frontline von Shaw/Henderson oder das groovende Titelstück (wohl wieder dem Vater gewidmet, der von den Kapverden stammte), sondern die Tatsache, dass für die zweite Hälfte des Albums mit J.J. Johnson ein weiterer Bläser zur Gruppe stiess. Johnson ist ja seinerseits ein Bandleader mit enormem Talent als Arrangeur - passt also perfekt zu Silver!
Das Titelstück mit seinem schnellen Latin-Beat, der durch das ganze Stück gehalten wird, stellt wieder Joe Henderson ins Zentrum - und der liefert ein weiteres Kleinod ab! Humphries spielt stärker und wirkt sicherer auf seinem zweiten Album - er war erst 21! Silver prägt das Stück stark mit seiner Belgeitung.
"The African Queen" ist ein Stück mit swingendem Bass-Ostinato, einem sanften Latin-Beat und darüber einer komplett graden - und grad deswegen zickigen! - absteigenden Bläserlinie... ein weiterer Klassiker aus Silvers Feder! Und das Solo-Highlight stammt hier eindeutig von Woody Shaw! Auch Leonard Feather (anscheinend der grösste Förderer von Silver? Er hat viele der Liner Notes beigesteuert, stets mit viel Enthusiasmus) ist angetan: "Woody Shaw's solo offers strong justificaction of Horace's enthusiasm. You feel almost immediately that it will not be long before Shaw's solos on records will be immediately recognizable, so potent is the evidence here of the maturing of a new personality."
"Pretty Eyes" ist ein Walzer - der erste von Silver selbst geschriebene, den er je aufnahm, laut Feather. Auch hier spielt Shaw ein wunderbares Solo - mit blechigem Ton aber doch enorm lyrisch, schnell aber nie übermässig virtuos, mit Trillern und schon mit einigen Eigenheiten, die seinen reifen Stil auszeichnen sollten.
Es folgen die drei Stücke mit Johnson - er gibt schon dem Ensemble in "Nutville", einer weiteren schnellen Latin-Nummer, ein Gewicht, wie sie sonst bisher kein Silver-Ensemble je hatte. Das erste Solo gehört ihm und er beweist, dass er auch 1965 noch einer der allerbesten Posaunisten war - kaum einer hat je diesen Fluss erreicht und bei Johnson werden die überragenden technischen Fähigkeiten nie zum Selbstzweck. Johnson glänzt in der Folge auch auf "Bonita", dem längsten der drei Sextett-Stücke, und auf dem Henderson-Stück "Mo' Joe" löste er diese (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2269710#post2269710) hübsche Betrachtung Leonard Feathers aus - mit einem nahezu pefekten Solo.
Mit dem Stück endet eins von Silvers speziellsten Alben - mit Shaw und Henderson hielt hier ein frischer Wind Einzug. Man merkt dem Album an, dass sich zwischen 1956 und 1965 - Silver konnte kurz danach sein zehnjähriges Jubiläum als Bandleader feiern! - einiges getan hatte, Shaw und Henderson verkörpern eine neu Generation, die zwar noch deutlich im Bop und Hardbop verwurzelt, mit der Tradition vertraut war (siehe auch der Blindfold-Test, den redbeans oben verlinkt hat - zwar mit Tyrone Washington, aber ein gutes Indiz für die Vertrautheit zumindest mit der jüngeren Jazzgeschichte), die aber auch nach vorne schauten, eine, nennen wir es neue Sensibilität entwickelten, die Musik offener gestalten wollten - so advanced klang Silver jedenfalls bisher noch nie!

Weiter geht's mit den beiden letzten Stücken von "Re-Entry" - zwei Takes von "The African Queen", nun mit dem neuen Bassisten, Larry Ridley, aufgenommen in zwei weiteren Alan Grant Sendungen im Februar 1966 (11. und 18., um genau zu sein). Das Stück gefällt mir ausserordentlich gut und es macht auch Spass, ein letztes Mal Joe Henderson in Silvers Band zu hören!

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Auf dem nächsten Album, aufgenommen im November 1966, hat sich Silvers Band bereits wieder verändert: Shaw, Ridley und Humphrey sind weiterhin dabei, aber Tenor spielt Tyrone Washington und erneut entsand die Hälfte es Albums im Sextett: James Spaulding spielt auf drei Stücken Altsax und Flöte. Die Musik klingt trotz der drei Bläser weniger offen und frei, weniger nach dieser speziellen lyrischen Blue Note Avantgarde, die oft etwas so bezauberndes hat. Nein, das Titelstück "The Jody Grind", mit dem das Album beginnt, ist beinahe eine Bogaloo-Nummer. Ridley am Bass ist grossartig, wie Taylor hat er einen riesigen Sound, der die Musik trägt und erdet und perfekt zum rollenden Groove von Silver passt. Auf dem zweiten Stück taucht Spaulding unerwartet nach dem Thema als erster Solist an der Flöte auf - ein sehr schöner Effekt! Das Stück ist im 3/4-Takt und hat eine 15-taktige Form, es wirkt aber nie bemüht. Feather zitiert Silver in seinen Liner Notes wie folgt: "I was just playing this record back [...] and I noticed that the theme is 15 bars long." - Ein schöner Zufall!
Washington spielt konventioneller als Henderson, näher an Coltrane und auch an Rollins, muskulöser und härter. Das ergibt einen stärkeren Kontrast zu Shaw, der auch hier wieder mit seinen Soli zu glänzen vermag.
"Mexican Hip Dance" ist in der Art vom Titelstück der letzten beiden Bue Note Alben, aber weniger eingängig geraten. Die Soli von Shaw und Washington allerdings sind sehr schön! Es folgt "Blue Silver", eine sehr melodiöses Stück, das zugleich von der Rhythmisierung des Themas und der Begleitung lebt. Es ist wohl eine Art Update der "walking ballads" aus den fünfzigern, ohne jedoch deren für mich so starken Zauber zu entwickeln. Spaulding ist im Thema als Lead-Stimme zu hören, sonst aber gehört das Stück ganz Silver. Dessen Soli habe ich schon beim letzten Album viel zu wenig erwähnt, weil durch die Neuzugänge in der Band plötzlich so viel aufregendes zu hören ist - aber Silver bleibt die starke Präsenz, der stets spürbare, lenkende Leader, und er steuert auch stets hervorragende Soli bei!
"Grease Piece" ist dann die letzte Sextett-Nummer, eine schnelles Stück, in dem Humphries glänzt. Shaw bläst ein erstes nervöses Solo, es folgt Washington, muskulös, geerdet, das Highlight kommt dann aber von Spaulding, der ein tolles Altsax-Solo beisteuert. Zum Ende folgt mit "Dimples" nochmal eine - fas!t - typische mittelschnelle Silver-Nummer: typisch, ausser dass es sich nochmal um einen 3/4-Takt handelt, aber das ist mittlerweilse wohl auch schon fast typisch. Shaw erinnert anfangs fast eine wenig an Blue Mitchell, auch Washingtons Solo hat in seiner erdigen Simplizität etwas von Cook - bevor er dann in schnellere Linien ausbricht, die an Coltrane erinnern. Mit einem schönen Solo von Silver sowie einem Bass-Solo von Ridley endet dann dieses Album und mit ihm wohl die "klassische" Ära des Horace Silver Quintetts.

Erst im Frühjahr 1968 nahm Silver sein nächstes Blue Note Album auf, "Serenade to a Soul Sister", zwar noch ein letztes Mal von Alfred Lion produziert, aber doch schon anders... was schon beim Cover anfängt: das Foto stammt vom Drummer der zweiten Seite des Albums, Billy Cobham. Von da an, so kann man wohl mit Fug und Recht sagen, ging's mit Silver's Musik bergab, oder im besten Fall noch gradaus... ich will hier nicht übermässig voreingenommen klingen, aber nach Charles Tolliver, Bennie Maupin und Stanley Turrentine (die auf "Serenade" zu hören sind), nimmt die Qualität der Silver-Bands ein klein wenig ab. Bis zum 27. Mann (also inkl. "United States of Mind") werde ich in den nächsten Tagen noch weiterhören, ob ich mich danach überwinden kann, die "Silver 'n..." Alben auch noch zu hören, weiss ich noch nicht... on verra.

tejazz
21.09.2010, 11:58
Zu den Blakey-/Silver-Beiträgen fällt mir einfach nur ein: Klasse!

Ich hatte diesen Gedanken schon bei der Coltrane-Sache hier, aber da ich kein ausgesprochener Coltrane-Fan bin, fand ich einen Beitrag von mir dazu etwas übertrieben.

Blakey/Silver:
Ich kann da nichts hinzufügen, mag beide über weite Strecken sehr gern hören und kann gut mein Wissen auffrischen bzw. erweitern.

Meine letzte Blakey-LP ist die KYOTO von 1964, danach kommt noch ein NDR Jazzworkshop von 1978, den ich mal versehentlich bekam.

Bei Silver hört es mit SONG FOR MY FATHER auf. Ich habe da den Rat eines erfahrenen Jazzfreund befolgt und es dabei belassen. Er fand, Silver würde danach kaum noch besser werden und es gäbe noch mehr, was man entdecken könne. Ich werde mich aber mal umschauen, ob die EMAERALD-Sachen in seinem Fundus sind…

Es gibt noch ein fünf Titel vom 24.03.1954 von Blakey mit Silver auf EmArcy. Drei davon sind auf einem EmArcy-Schlagzeug-Sampler enthalten. Auf dem Japan-reissue der EmArcy-10‘ sind vier Titel aus dieser Session als Bonus versammelt. Also nicht ganz komplett.

Das nur, falls es irgendwie von Interesse sein sollte - vielleicht habe ich das auch überlesen.

Teja

gypsy tail wind
21.09.2010, 23:43
Von Silver möchte ich Dir noch "Cape Verdean Blues" allerwärmstens empfehlen! Find ich wohl beinahe so gut wie "Song for My Father"! Und musikalisch ein ganzes Stück spannender, weil die Musik etwas mehr... "advanced" ist!
Wenn Du Silver wirklich gerne magst, dann lohnen sich bestimmt auch noch "The Jody Grind" und mindestens das folgende Album (siehe unten). Ob sich dasjenige danach ("You Gotta Take a Little Love") auch noch lohnt kannst Du später dann aus meinem Kommentar rauslesen... hoffe ich zumindest! :-)

Zu Blakey komm ich dann später noch im Blakey-Thread... aber von den EmArcy Sessions kenn ich nur die mit grösserer Band und mit Joe Gordon und Gigi Gryce - eher atypisch für das, was danach folgte.

Von Jazzdisco:


Clark Terry Quintet
Clark Terry (tp) unknown (tb) unknown (as) unknown (b) Art Blakey (d)
Fine Sound Studios, NYC, February, 1954
10321-7 Money In The Bank (take 7) Mercury (J) 25PJ 58/61; EmArcy (J) 195J 10107
10321-12 Money In The Bank (take 12) -
10322 Moonstone unissued
10323 Don't Worry About Me -
10324 The Lip Blew -

* Various Artists - Mercury 40th Anniversary V.S.O.P. Album (Mercury (J) 25PJ 58/61)
* Clark Terry + 5 (EmArcy (J) 195J 10107)


Art Blakey Quartet
Henry Durant (ts) Horace Silver (p) Percy Heath (b) Art Blakey (d)
NYC, March 24, 1954
10397 In The Basement EmArcy 16007, (J) 195J 10085, (J) EJD 3075
10398 Try A Little Tenderness EmArcy (J) 195J 10085, (J) EJD 3075
10399 Little Girl Blue EmArcy 16007, (J) 195J 10085, (J) EJD 3075
10400 On The Roof EmArcy (J) 195J 10085, (J) EJD 3075

* The Complete Art Blakey On EmArcy (EmArcy (J) 195J 10085)
* The Complete Art Blakey On EmArcy (EmArcy (J) EJD 3075)
* Art Blakey - In The Basement c/w Little Girl Blue (EmArcy 16007, 16007x45)


Art Blakey Quintet
Joe Gordon (tp) Gigi Gryce (ts) Walter Bishop Jr. (p) Bernie Griggs (b) Art Blakey (d)
Fine Sound Studios, NYC, May 20, 1954
10542 Minority EmArcy MG 26030, EP 1-6051
10543 Salute To Birdland -
10544 Eleanor -
10545 Futurity -
10546 Simplicity EmArcy MG 26030, EP 1-6050
10547 Strictly Romantic -
10548 Hello -
10549 May Rah -

* Blakey Featuring Art Blakey (EmArcy MG 26030; Verve 314 538 634-2)
= The Complete Art Blakey On EmArcy (EmArcy (J) 195J 10085, (J) EJD 3075)
* Art Blakey - Salute To Birdland (EmArcy EP 1-6051)
* Blakey Featuring Art Blakey (EmArcy EP 1-6050)


Joe Gordon Quintet
Joe Gordon (tp) Charlie Rouse (ts) Junior Mance (p) Jimmy Schenck (b) Art Blakey (d)
Fine Sound Studios, NYC, September 3, 1954
10952 Grasshopper EmArcy MG 26046, EP 1-6090, MG 36025
10953 Flash Gordon -
W249 | 10954 Evening Lights Wing MGW 60002; EmArcy (J) EJD 3071; Verve 314 538 634-2
11086 Xochimilco EmArcy MG 36025

* Introducing Joe Gordon (EmArcy MG 36025, (J) EJD 3071; Universal (J) UCCM 9106)
= Blakey Featuring Art Blakey (Verve 314 538 634-2)
* Various Artists - The Jazz School (Wing MGW 60002; EmArcy MG 36093)
* Introducing Joe Gordon (EmArcy MG 26046)
* Joe Gordon - Gordon's Way (EmArcy EP 1-6090)


Joe Gordon Quintet
same personnel
Fine Sound Studios, NYC, September 8, 1954
10948 Boos Bier EmArcy MG 36025
10949 Toll Bridge EmArcy MG 26046, EP 1-6089, MG 36025
10950 Lady Bob -
W254 | 10951 Body And Soul Wing MGW 60002; EmArcy (J) EJD 3071; Verve 314 538 634-2

* Introducing Joe Gordon (EmArcy MG 36025, (J) EJD 3071; Universal (J) UCCM 9106)
= Blakey Featuring Art Blakey (Verve 314 538 634-2)
* Various Artists - The Jazz School (Wing MGW 60002; EmArcy MG 36093)
* Introducing Joe Gordon (EmArcy MG 26046)
* Introducing Joe Gordon (EmArcy EP 1-6089)

Das sind wohl so in etwa die unbekannteren Sessions von Blakey von 1954. Die ganze von und mit Gordon gab's auf einer tollen Verve Elite Edition CD:

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd600/d606/d60605by94f.jpg

Das war sowieso eine tolle CD-Reihe! Die andere Blakey Session (die mit Henry Dunant, der mir überhaupt nicht bekannt ist) gab's anscheinend zusammen mit der Gordon/Gryce-Session auch mal auf CD (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:jvfrxz9kld6e) - kann das aber auf die Schnelle nur als MP3-Download bei amazon.com finden.


Aber jetzt zurück zu Silver:

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg300/g397/g39761nqxa6.jpg

Jetzt läuft grad "Serenade to a Soul Sister" - mit Charles Tolliver und Stanley Turrentine bzw. Bennie Maupin. Das Album beginnt mit "Psychedelic Sally", einem neuen Silver-Kracher. Man hört schon, dass wir hier in den Sixties sind (und nicht in den avancierten Free/Fusion/Miles Second Quintet, sondern eben einfach in den Sixties), allerdings gefällt mir die Musik noch immer sehr! Sie ist feiner, sanfter... Silver hat alles gemacht, von den Kompositionen über die Produktion (auf der RVG-CD steht zwar da Lion - war der 1968 nicht schon raus?), die Liner Notes und auch das Cover (gewählt oder fotografiert? Auf der CD steht das Foto sei von Billy Cobham, der auf der zweiten Session, jener mit Maupin, Schlagzeug spielt). Das Thema des Albums, so Silver, sei die Liebe. Das mag die etwas sanftere Gangart erklären.
Die erste Session mit "Psychedelic Sally", dem Titelstück und "Rain Dance", enstand eben mit Tolliver, Turrentine, sowie den beiden Pros Bob Cranshaw und Mickey Roker, die ihren Job gut machen. Sally ist ein tolles, eingängiges Stück in der Tradition von "Señor Blues" und "Song for My Father" etc. Turrentine spielt ein tolles Solo, Tolliver folgt mit einem flächigen, lyrischeren Solo. Es gibt wieder üblichen leicht exotischen Anstriche, im zweiten Stück bläst Tolliver ein sehr schönes Solo, das dritte Stück ist hat ein zickiges Thema, und Silver ist der erste Solist. Silver schreibt dazu: "'Rain Dance' is my interpretation of some American Indians doing a tribal dance around the campfire praying for rain." - der Exotismus ist sanft und harmlos wie immer bei Silver, aber Turrentine spielt hier fast so toll und vokal wie in der Band von Max Roach! Wunderbar, wie er in seinem Solo eine Geschichte erzählt!
Die zweite Session entstand mit der neuen Working Band: Tolliver, Bennie Maupin (nur am Tenor), John Williams und eben Cobham. Maupin bläst im ersten Stück, "Jungle Juice", gleich ein tolles Solo, das gar nicht so anders klingt als Maupin, muskulös, selbstsicher, mit festem Ton. Tolliver dann spielt grossartig, diese fliessend-lyrische Qualität, die Gesanglichkeit, die er hinkriegt, das gefällt mir sehr gut! Das Stück wechselt zwischen 5/4 und der Bridge in 6/4 - Silvers Musik wird zugleich erdiger, aber auch rhythmisch komplexer. "Rain Dance" und das Titelstück sind im 3/4 Takt. Auch "Kindred Spirits", das zweite Stück mit Tolliver/Maupin ist stark rhythmisiert, aber sehr lyrisch im Charakter - und Tolliver bläst ein weitere schönes Solo. Die eigentliche Ballade folgt dann zum Abschluss - man könnte von einer Silver-Tradition reden: einige seiner Alben klingen mit einer Ballade aus. Silvers eigenes Spiel nimmt hier mehr Raum ein - aber er prägt wie üblich das ganze Album ziemlich stark mit seiner speziellen Art, zu begleiten.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dri300/i370/i37031tpcmi.jpg

Bei "You Gotta Take a Little Love", 1969 mit Randy Brecker, Maupin, Williams und Cobham aufgenommen, geht die Tendenz des 60er Zeitkolorits weiter. Die Grooves werden satter (Williams spielt teilweise wohl E-Bass? Schwierig zu hören, finde ich, könnte auch ein übel aufgenommener Kontrabass sein - wohl eine Mischung aus beidem). Silver schreibt wieder seine eigenen Liners mit üblen Lyrics zu den Stücken (das fängt schon auf dem vorhergehenden Album an), und die Liebe steht diesmal ja schon im Titel... zum Stück "It's Time" (dessen Titel ja auch schon in ganz anderen Kontexten zu hören war, siehe Jackie McLean) schreibt er: "'It's Time' means it's time for the realization of the spirit within, and its connection with the One and its all encompassing parts. The young people of today, I'm happy to say, are coming to that realization. Those who sincerely participate in love-ins and demonstrations for peace and human rights, and those practice meditation and study the various sciences that help one to know one's self better, are among the many who are realizing. Those who ask themselves the question Why, and go within for the answer, have found it." - Das klingt wirklich allerübelst... Hippiekacke halt... aber man kann die Musik auch geniessen, ohne Silvers Ergüsse und confessions allzu viel Bedeutung beizumessen.
Brecker ist leider ein viel weniger toller Solist als Tolliver, die Musik wirkt insgesamt konventioneller, verfestigter. Eine Ausnahme ist Maupins Ballade "Lovely's Daugher", auf der er mit der Flöte im Zentrum steht - ein sehr lyrisches Stück, das die langsam erstarrenden Grooves etwas auflockert.
Auf Silvers "The Belly Dancer" - es klingt streckenweise ein wenig jiddisch... Silver zitiert mal haarscharf nicht "Hava Nagila" - spielt Maupin erneut Flöte. Brecker ist nicht völlig unlyrisch, eigentlich, und das hört man grad auf diesem Stück mit einem "Spanish tinge" sehr gut - die Mischung aus suchender Harmonik und lyrischer Melodik ist reizvoll, was mich bei ihm einfach ein wenig stört, ist dass die Umsetzung nicht lyrisch ist, sonder zu oft zu muskulös daherkommt, ohne aber die Bravura zu haben, die etwa Freddie Hubbard besass. Zum Abschluss gibt's dann nochmal ein etwas vertrackteres Silver-Thema, "Brain Watch", und damit endet die Ära des Horace Silver Quintett nach über dreizehn Jahren endgültig.

alexischicke
22.09.2010, 10:05
Brecker ist leider ein viel weniger toller Solist als

Nicht so hart sein,Richter Gypsy.Er war da noch ein junger Mann.:-) Hab ihn mal in New York gesehen und da war er super drauf.

gypsy tail wind
22.09.2010, 10:10
Als junger Mann war er noch viel tolerierbarer als heute... in Benny Golsons Clifford Brown-Homage-Package, die vorletzes Jahr durch die Lande tingelte war er schlicht unerträglich. Selbst sein Balladenfeature blies er mit Stahlgewittern in Grund und Boden... ich war mir absolut sicher, dass er unter seinem Jackett einen Kompressor versteckt hatte. Unerträglich!

tejazz
22.09.2010, 12:46
Ja, die ELITE-EDITION war damals für mich fast durchgängig interessant. Zwar habe ich eine ziemliche Anzahl der CDs später weitergegeben (nachdem ich die LPs bekommen konnte), aber die Sorgfalt der Zusammenstellung und die liebevolle Gestaltung können mich immer noch beeindrucken. Einzig die fehlenden Innenhüllen für die CDs fand/finde ich befremdlich. Das wäre bei einer solchen Ausgabe durchaus sinnvoll gewesen.
In den 90-ern hatte Universal generell schon nette Sachen im Angebot. Auch die Box-sets der frühen JATP-Konzerte, die Hampton-, Young-, Powell- und Jazz-Scene-Sets waren nicht nur optisch interessant. Es gab natürlich noch einiges mehr in der Richtung.

Die CAPE VERDEAN BLUES und THE JODY GRIND sind vorgemerkt. Vielleicht beschaffe ich sie mir noch in den nächsten 2,3 Wochen.

gypsy tail wind
23.09.2010, 12:50
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg400/g493/g49364ligot.jpg

Ganz so schlimm wie befürchtet find ich diese Doppel CD dann doch nicht, zum Glück.
Die enthaltenen drei Alben der United States of Mind Trilogie sind:
That Healin' Feelin (BST 84352, rec. 1970-04-08 mit Randy Brecker, Geroge Coleman, Bob Cranshaw, Mickey Roker und 1970-06-18 mit Brecker, Houston Person, Jimmy Lewis und Idris Muhammad, es singen auf beiden Sessions: Andy Bey, Gail Nelson & Jackie Verdell)
Total Response (BST 84368, rec. 1970-11-15 und 1971-01-29 mit Cecil Bridgewater, Harold Vick, Richie Resnicoff, Cranshaw, Roker + Salome und Andy Bey)
All (BST 84420, rec. 1972-01-17 und 1972-02-14 mit derselben Band und den Beys, Gail Nelson und auf zwei Stücken auch Silver als Sänger)

Die Texte werden immer schlimmer, auf "All" sind sie zugegenermassen kaum mehr zu ertragen. Leider nehmen im selben Masse, wie die Texte sich verschlimmern auch die Soli ab - zu Beginn gibt's grad von Coleman und Person einige schöne Momente, aber später nimmt der Gesang immer mehr Platz ein. Mich dünkt auch, dass man besonders bei Cranshaw/Roker merkt, dass die halt einfach die angstellte "crack"-Rhythm-Section sind, dass aber keine richtige Band am Werke ist.
Aber ein gutes Wort muss ich für Andy (und auch Salome) Bey einlegen: er gehört für mich - auch wenn er solche Kacke singen muss - zu den tollsten männlichen Jazz-Sängern überhaupt, seine Stimme hat ein Timbre, das ich immer wieder gerne höre.

gypsy tail wind
23.09.2010, 18:32
Die Lust auf mehr 70er Silver ist mir momentan dann mal doch eher vergangen... also jetzt nicht "In Pursuit of the 27th Man" sondern ein paar Bootlegs...

1953-09-14 NYC - Im Quartett mit Lou Donaldson, Jimmy Schenk und Lloyd Turner spielt Silver Standards und Bop-Klassiker (Rifftide, Billie's Bounce) sowie den über 18 Minuten langen "Lou's Blues". Silver hat ja auf einer frühen Blue Note Session von Donaldson gespielt (1952-06-20 (http://www.jazzdisco.org/lou-donaldson/discography/#520620)) und es gibt auch ein paar Stücke im Quintett mit den Messengers (mit Donaldson statt Mobley und Gene Ramey am Bass - 1953-10-31 (http://www.jazzdisco.org/lou-donaldson/discography/#531031)), die ich leider nicht kenne.
Die lange Session vom 14. September 1954 ist nicht besonders aufregend, die langen Soli und nicht besonders spezielle Zusammenstellung der Stücke (bei den Standards handelt es sich um "You Go to My Head", "The Things We Did Last Summer", "I'll Remember April" und "The Way You Look Tonight") macht, dass ich hier eher den Eindruck habe, den vieren einfach bei der Arbeit zuzuhören, als dass ich da etwas besonders Spannendes hören würde. Allerdings gibt's von Donaldson aus diesem Zeitraum keine Aufnahmen und Radio-Mitschnitte aus den 50ern sind ja nicht gerade häufig...

1960-07-02 Newport Jazz Festival, Newport, RI - Mit dem klassischen Quintett (Mitchell, Cook, Taylor, Brooks) spielte Silver zwei Jahre nach dem mittlerweile veröffentlichten 1958er Konzert (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2268641#post2268641) ein tolles Set in Newport. Auf dem Programm stehen auch dieses Mal wieder keine Balladen: Señor Blues, Blowin' the Blues Away, Me and My Baby und Sister Sadie (in dieser Reihenfolge) bieten allerdings doch etwas mehr Abwechslung als im 1958er Set zu hören war, Latin, schneller Blues (auch hier wieder toll am Ende die Mischung aus Shout-Chorus und Schlagzeug-Solo), eine schöne "amen"-Nummer (mit supertollem Solo von Cook! - er spielt hier Phrasen, die an die Grenze des Tenors und der Tonalität gehen, wie vier Jahre später dann Joe Henderson, aber Cook tat dies wohl nur live, nicht im Studio - zum Schluss gibt's auch noch ein rares Solo von Taylor - am Bogen!), und am Ende der Knaller "Sister Sadie".

1962-10-18 Zürich - mit dem klassischen Quintett und einer ähnlichen Setlist wie auf der Pablo-CD mit dem Konzert aus Paris: "Sayonara Blues", "Sister Sadie", "Tokyo Blues" und "Doin' the Thing" und zwischen den ersten beiden eine überraschende Trio-Nummer mit "walking ballad"-Charakter: das neue "Lonely Woman", das erst ein Jahr später im Studio aufgenommen wurde (für "Song for My Father"). Auf der Aufnahme fehlt am Ende noch "To Beat or Not to Beat". Grossartig! Für mic16 h als Fan von "Saynara Blues" sowieso... auch hier dauern die Stücke zwischen 8 und 16 Minuten, es gibt viel Raum für die Solisten. Und die Qualität der Aufnahme ist wunderbar (im Gegensatz zu Newport... das hier kommt von einer jüngeren Radio-Austrahlung von DRS).

alexischicke
23.09.2010, 18:48
Ich melde mich erst wenn du im Jahr 1996 angekommen bist:wave:

gypsy tail wind
23.09.2010, 19:02
Habe keins von den Impulse-Alben aus den 90ern... kannst Du die empfehlen? Oder eins davon speziell? Hab zwar Kaufstopp, aber für später mal...

alexischicke
23.09.2010, 19:23
hab selber nur eines "Grandpop" von 1996,muss es mir mal genauer anhören mit Micheal Brecker,Steve Turre und vielen anderen.Ist mir beim ersten Hören nicht so besonders Erinnerung geblieben.

Aber ich hörs mir mall an und schreibe dann hier!
Alex

gypsy tail wind
23.09.2010, 21:56
1965 & 1966 Half Note, NYC - vermutlich Alan Grant "Portrait in Jazz" Mitschnitte... mit dem Quintett mit Joe Henderson und Woody Shaw (1966) bzw. Carmell Jones (1965), Roger Humphries und Larry Ridley (1966) bzw. Teddy Smith (1965). Sehr, sehr schön! Insgesamt über 80 Minuten Musik (dazwischen die üblichen Live-Ansagen vom Radio-Moderator, der im Klub sitzt, sowie von Silver selber). Henderson und Shaw sind grossartig auf den ersten beiden Titeln, "Mo' Joe" und "The African Queen", die Musik bewegt sich irgendwo zwischen "Song for My Father" und "The Cape Verdean Blues". Der Lyrizismus von beiden bei zugleich grösserer rhythmischer und harmonischer Wagemut als man sie sonst je bei Silvers Sidemen antraf, gefällt mir sehr, sehr gut. Der Groove auf "Cape Verdean Blues" kommt live fast noch loser und fröhlicher rüber... Humphries und Ridley sind eingespielt, Horace ist "poised" (er streut live auch immer gerne Zitate ein und zwar keineswegs plumpe offensichtliche... irgendwo auf dem Newport Set spielt er z.B. "Boulevard of Broken Dreams" - manche seiner Anspielungen sind wohl so obskur, dass man sie heute eh nicht mehr erkennt...)
Die 1965er Aufnahmen bestehen aus drei Stücken: "Que Pasa", "The Kicker" und "Song for My Father". Henderson ist auch hier toll, leider ist die Aufnahmequalität bedeutend schlechter als die 1966er Aufnahme.

alexischicke
24.09.2010, 19:12
Hab heute Grandpop Hardpop gehört.

Es bestenfalls Durchschnitt und ich bin doch etwas entäuscht.Die Musik plätschert dahin und Silver bringt seine bekannten Klavier Akkorde.Aber nur ein billiger Abklatsch vom Glanz der vergangenen Tage.
Brecker und Turre spielen auch vertrauete Riffs setzen aber im ihren Spiel keine besonderen Aktzente.

1998 hat Silver sein letztes Album aufgenommen und es wurde auch Zeit.

Fazit:Nette Hintergrundmusik,aber kein Album das man unbendingt haben muss.

gypsy tail wind
24.09.2010, 21:49
Hab heute Grandpop Hardpop gehört.

Es bestenfalls Durchschnitt und ich bin doch etwas entäuscht.Die Musik plätschert dahin und Silver bringt seine bekannten Klavier Akkorde.Aber nur ein billiger Abklatsch vom Glanz der vergangenen Tage.
Brecker und Turre spielen auch vertrauete Riffs setzen aber im ihren Spiel keine besonderen Aktzente.

1998 hat Silver sein letztes Album aufgenommen und es wurde auch Zeit.

Fazit:Nette Hintergrundmusik,aber kein Album das man unbendingt haben muss.

Hartes Fazit... grad von einem Fan von "Saloonjazz" und seichter Sänger ;-)

Mal sehen, ich hab irgendwo ein Konzert von 2004 rumliegen, soweit ich weiss die letzte zirkulierende Aufnahme von Silver überhaupt.

Brecker ist ist für mich (egal ob Randy oder Michael) sowieso ein Grund, fernzubleiben... die Bands davor waren ja spannender, mit Leuten wie Dave Douglas oder Tom Harrell, aber davon scheint's keine offiziellen Aufnahmen zu geben leider.

alexischicke
24.09.2010, 22:43
Sorry Gypsy wollte jetzt deinen Thread nicht kaputt machen.:krank:

hey ich mag auch Coltrane und Tyner.:wave:

Hmmh,das mit den seichten Sängern habe ich jetzt überhört:roll:.

Konzert von 2004 würde mich intressieren? Aber wahrscheinlich nichts gutes mehr.


Alex

gypsy tail wind
24.09.2010, 23:17
Du machst doch nichts kaputt! Freut mich, wenn Du Dich mal etwas ausführlicher und mit dezidierter Meinung zu Wort meldest!

Ich schreibe dann was übers 2004er Konzert, aber das wird noch eine Weile dauern.

gypsy tail wind
26.09.2010, 13:09
Jetzt läuft noch "The Pursuit of the 27th Man" (1972), damit endet dann meine Reise durch Silvers Alben mal vorübergehen - an die "Silver 'n..." Serie mach ich mich später mal und melde mich dann wieder.
Auch mehr Live-Sessions werde ich noch kurz ansprechen später...

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf900/f901/f90168ligot.jpg

Das Album entstand an zwei Sessions im Oktober und November 1972, die eine im Quartett mit dem Vibraphonisten David Friedman und die zweite in klassischer Quintett-Besetzung mit den Brecker Brothers. Das Album beginnt mit einem Quintett-Stück, einer Weldon Irvine Komposition namens "Liberated Brother" und auch das folgende Stück, "Kathy", stammt nicht von Silver sondern aus der Feder von Moacir Santos. Die Besetzung mit Vibraphon ist für Silver völlig neu und funktioniert sehr gut - die lyrische Seite der Musik drängt sich noch stärker in den Vordergrund und das gefällt mir sehr. Lyrisch ist auch die Quintett-Session, die zwar mit einer weiteren Latin-Bogaloo-à-la-Silver-Nummer beginnt, "Liberated Brother" (wohl der Bruder der Soul Sister, der ja schon eine Serenade dargeboten wurde...). Michael Brecker hat mich bisher nie überzeugen können, aber Randy spielt hier sehr schöne lyrische Soli, ganz besonders auf "Gregory Is Here" (da passt auch Michaels Spiel ganz schön). "Summer in Central Park" ist ein Walzer, der irgendwie an John Lewis erinnert (nicht nur wegen dem Titel).
Als Rhythmusgruppe hat Silver übrigens wieder die beiden Pros Bob Cranshaw (durchgängig am elektrischen Bass) und Mickey Roker angestellt. Sie erledigen den Job vorzüglich aber ohne je allzu aufregend zu werden.

Nach den durchzogenen "United States of Mind"-Alben ist das aber doch nochmal ein ganz schönes Silver-Album geworden, eins das quer in seiner Diskographie jener Jahre steht, schnörkellos, lyrisch - wohl das in dieser Zeit perfekte Album von ihm!

THELONICA
22.09.2011, 01:24
Eigentlich suche ich gerade ein Essay (aus der Zeit 60-62) von Martin Williams.
Unten ist ein kleiner Ausschnitt daraus zu sehen.
Martin Williams hat einiges zu Horace Silver geschrieben.

Hier eine weitere Quelle: Articles & Interviews (http://hardbop.tripod.com/articles.html)


"One striking effect of Silver's career is how many trumpeters have found themselves
while they were associated with him. His current horn, Blue Mitchell, is discovering himself while working with Silver." Martin Williams

katharsis
07.10.2011, 15:16
Eigentlich suche ich gerade ein Essay (aus der Zeit 60-62) von Martin Williams.
Unten ist ein kleiner Ausschnitt daraus zu sehen.
Martin Williams hat einiges zu Horace Silver geschrieben.

Hier eine weitere Quelle: Articles & Interviews (http://hardbop.tripod.com/articles.html)

Da bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich das so hinnehmen möchte. Blue Mitchell ist für mich klar, da er über lange Zeit fest in der Gruppe verankert war und sich bis zu den "Song for my father"-Sessions stark entwickeln konnte. Danach löste ihn Carmell Jones ab, den ich zu diesem Zeitpunkt schon als gefestigt empfinde. Daher bin ich mir nicht sicher, inwieweit er durch Silver profitieren konnte.

Vor Mitchell hat Silver in Bands gespielt, in denen Kenny Dorham, Miles Davis, Clifford Brown, Art Farmer, usw. durchgereicht wurden, alles Musiker, die ziemlich am Anfang standen, aber das war Silver ja auch. Die ersten Horace Silver Quintet Einspielungen fanden dann mit Joe Gordon und Donald Byrd statt und ich würde nicht behaupten wollen, dass die kurze Zeit besonders für Byrd derart prägend war. Der Artikel suggeriert mir zu sehr, dass Silver sehr stark an der persönlichen Entwicklung jener Musiker beteiligt war und das bestreite ich - mit der Ausnahme Blue Mitchell.
Sieht das jemand ähnlich, oder anders?

gypsy tail wind
07.10.2011, 16:43
Ich hab schon eine Antwort hier verworfen. Ich finde Williams' Aussage verwunderlich, gar nicht wahr oder falsch sondern einfach irgendwie egal.
Und ich würde durchaus die Frage aufwerfen, Mitchell sich in den langen Jahren bei Silver (oder überhaupt in den Jahren von ca. 1960-68 oder so, aus denen ich diverse Aufnahmen von und mit ihm kenne) gross entwickelt hat?
Klar, Donald Byrd klingt in frühen Jahren kaum je so gut wie auf "Art Blakey & The Jazz Messengers" (Columbia), aber so viel mit Silver gibt's ja wirklich nicht. Williams schreibt ja noch zu einer frühen Zeit, über Carmell Jones, Woody Shaw oder Charles Tolliver (und später Musiker wie Brian Lynch oder Dave Douglas) brauchen wir also gar nicht gross zu diskutieren. Neben Joe Gordon gab's noch Louis Smith, ein leider viel zu vergessener Trompeter, der erst seit ein paar Jahren mit Silver zu hören ist (auf der Archiv-Veröffentlichung des Konzerts von Newport 1958 - sehr schöne CD!).

Ich finde die Aussage derart irrelevant, dass ich sie gar nicht erst widerlegen (oder lange drüber nachdenken) mag.

katharsis
07.10.2011, 20:01
Das geht mir ähnlich und ich habe ein Statement durchaus etwas hinausgezögert. Trotzdem wollte ich das nicht einfach so stehen lassen, zumal Thelonica das ja bestimmt vor einem gewissen Hintergrund gepostet hat.

Ich gebe Dir Recht und Carmell habe ich auch nur angeführt, um zu zeigen, dass das in der Folge noch weniger zutrifft, als es vorher bereits der Fall war. Mich hat am ehesten überrascht, dass Silver bis auf Mitchell eigentlich keinen Stamm-Trompeter hatte, den er über einen längeren Zeitraum hätte begleiten können. Daher würde ich auch Donald Byrd ausklammern wollen, der sich vielleicht mehr für sich genommen entwickelt hat. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass Byrd bei Nadia Boulanger studiert hat, deren Musik aus meiner Sicht aber nie wirklich absorbiert hat, was ich schade finde. Auch was Louis Smith betrifft, hält sich der Einfluss Silver's wahrscheinlich sehr in Grenzen.
Ich müsste mir das Set an Aufnahmen noch einmal chronologisch anhören, um zu beurteilen, ob sich Mitchell so stark während dieser Zeit verändert hat (oder vielleicht auch Junior Cook?), aber ganz sicher bin ich mir, dass Mitchell einen Sprung gemacht hat, nachdem er von Silver geschasst wurde. Das wirft vielleicht auch die Frage auf, ob Silver's Band tatsächlich müde geworden ist, so wie es kolportiert wurde, oder ob Mitchell nicht einfach in dieser Band auf einer Stufe stehen geblieben ist und sich nicht mehr weiterentwickeln konnte.

Wir sind uns über die Unsinnigkeit der Aussage wohl einig und es kommt mir fast wie eine Übermäßige Glorifizierung vor.

THELONICA
07.10.2011, 21:01
Mich hätte das gesamte Essay mal interessiert, leider ist sowas schwer zu finden. In den Notes von der "A Sure Thing" findet man nur diese kleinen Fetzen mit dem Hinweis, dass Williams noch Miles, Kenny, Donald Byrd und Art Farmer erwähnt hat. In den Notes von Joe Goldberg steht dieses Zitat. Dass Goldberg aus einem Essay für seine Notes zitierte, machte mich neugierig, nicht die Ausssage, die ich erstmal ganz neutral betrachtet habe. Dann wurde klar, dass Williams noch mehr über Silver geschrieben hatte. Es dürfte wohl kaum ein ähnliches Essay geben, denn es geht wohl um die Trompeter (bis Mitchell), die mit Silver "verbunden" waren. Aber danke für eure Antworten.


"his trumpeters always seem to gain greatly as melodists, even as Silver bounces and chops his way around behind them." Martin Williams

gypsy tail wind
07.10.2011, 21:56
Der Fokus liegt also nicht auf den Trompetern, die seine Sidemen waren... gut. Das ändert die Ausgangslage ein wenig. (Dass Du auf der Suche nach dem ganze Essay bist war mir übrigens schon klar, aber auf den Post, dass ich nicht weiterhelfen kann, hab ich verzichtet, weil der ja auch nicht weitergeholfen hätte.)

Farmer weiss ich jetzt spontan nicht, was ich da sagen soll, bei Miles würd ich sagen: Das lässt sich durchaus vertreten, aber die Gegenmeinung ebenso. Man kann schon in den späteren Savoy-Sessions mit Charlie Parker manche Eigenheiten von Miles' späterem Stil (jenem, wie er ihn von ca. 1955-1960 wohl am typischsten pflegte) ganz deutlich hören: das enorm lyrische, lineare, dichte Spielt im mittleren Register. Dass Miles ein technisch zweit- oder drittklassiger Trompeter war trifft höchstens auf die ganz frühen Aufnahmen zu, in den späten 40ern war das schon nicht mehr der Fall. In seinen Suchtjahren in den frühen 50ern folgten allerdings diverse äussert inkonstante Prestige-Sessions - wenn man ihnen die Live-Aufnahmen - etwa jene von 1951, die auf einer sehr tollen Blue Note CD veröffentlicht wurden - gegenüberstellt, dann merkt man aber auch schnell, dass die Prestige Sessions allerhöchstens die halbe Wahrheit darstellen.
Was sich kaum verleugnen lässt ist allerdings, dass in den Jahren vor der working group, die Miles 1955 gründete (Coltrane, Garland, Chambers, Philly Joe), die Sessions mit Silver im Quartett - stets mit Percy Heath, dazu Art Blakey oder Kenny Clark - oder im Quintett (mit Sonny Rollins, Dave Schildkraut) einspielte, zu den feinsten und konstantesten seiner frühen Jahre zählen. Da kann man durchaus sagen "he found himself"... aber er hatte eben auch schon seit Jahren eine einigermassen klare Vorstellung dessen, was sich da denn finden liesse.