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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 16. Juni 1904



scorechaser
16.06.2004, 19:04
Heute vor hundert Jahren erlebte Leopold Bloom seine Abenteuer in James Joyce´s gewaltigen Romanwerk ULYSSES. Ich habe mal angefangen es zu lesen, aber das Werk ist wirklich verdammt kompliziert...aber ich werde es jetzt nochmal angehen.... :D

Declan MacManus
17.06.2004, 10:20
Ich habe die alte Übersetzung versucht, ich habe die neue Übersetzung versucht, ich habe das Original versucht - es hat nicht funktioniert bei mir. Dann doch lieber die "Dubliners" oder "Portrait of the Artist as a Young Man".

Wenn ich alt bin und mit meiner Zeit nichts anderes anzufangen weiß, werde ich es bestimmt noch mal versuchen.

Dennoch: herzlichen Glückwunsch nachträglich, Herr Bloom!

otis
17.06.2004, 10:39
das irre an dem buch ist in meinen augen, dass es nicht etwa um hohe anspruchsvolle dinge (wie etwa im dr faustus oder im zauberberg), sondern ganz im gegenteil um banalstes alltagsleben darin geht.
und dennoch ist es so anspruchsvoll zu lesen durch seine anspielungen, seine verkürzungen und undeutlichkeiten, dass die meisten leser einfach kapitulieren. habe es selber (dafür zweimal) auch nur zur hälfte bis zweidritteln gelesen (die zum teil mit viel freude)
könnte man einen film parallel sehen, der das äußere geschehen zeigt, was gerade wirklich passiert, dann wäre es wohl wesentlich einfacher.

aber es ist gut zu wissen, dass es dieses unglaubliche buch gibt.

Popmuseum
06.10.2007, 19:55
Apropos Bloomsday: Wie erst in jüngster Zeit bekannt wurde, war James Joyce 1928 im bayerischen Raitenhaslach zu Besuch, was kunsthistorisch nicht ohne Folgen geblieben ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Fluviana .

http://members.aon.at/andreas.weigel/images/Salzachmuseum.jpg

Foto: Hans Pinzinger (Burghausen) (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Raitenhaslacher Ortsheimatpflegers Wolfgang Hopfgartner. Fotoarchiv Raitenhaslach, Kulnikweg 4, 84489 Burghausen)

Popmuseum
24.11.2007, 14:37
Der jüngste "Messekatalog 2007 (http://www.abooks.de/TF07/)" der "Frankfurter Antiquariatsmesse" hat das folgende interessante, aber kostspielige Angebot (http://www.abooks.de/TF07/deu/Ant/Truppe26881.shtml) enthalten: Joyce, James - Liste betreffend hochverräterischer Umtriebe von Österr. Cechen im Auslande. Hg. v. Präsidium der k. k. Polizeidirektion (Hauptstelle) Prag. Mit zahlreichen Portraitphotos. Prag: 1916, [4], 198, [1] Ss. Gr.-8°. Graue, neutrale Broschur. 250,00 EUR.

http://members.aon.at/digitaleleseecke/images/Polizeidirektion-Prag-Vorschau.jpg

Schwarzliste von ca. 1400 wegen "Vaterlandsverrat" zur Verhaftung ausgeschriebenen und mehrheitlich emigrierten Personen österreichischer Nationalität u. v. a. tschechischer Herkunft, darunter die Politiker Benes und Masaryk, die Künstler Josef Capek und Frantisek Kupka, der Schriftsteller Jaroslav Hasek und kurioserweise auch James Joyce, der zwischen 1905 und 1915 in Pula und Triest gelebt hatte und hier als "politisch verdächtig" eingestuft wird. Jeder Eintrag umfasst Angaben zur Person, zum gegenwärtigen Aufenthaltsort und zum Straftatbestand. - Umschlag stellenweise tintenfleckig, Rücken an den Enden eingerissen, Papier gebräunt, einige handschriftliche Anmerkungen.

http://members.aon.at/digitaleleseecke/images/Joyce-Fahnung-1916.jpg

Popmuseum
05.12.2007, 13:20
1968 hat Joan Baez ihr Album "Baptism (http://www.amazon.com/gp/product/B000V9GY1O/ref=dm_sp_alb)" veröffentlicht, das im Jahr 2003 mit Bonustracks wiederveröffentlicht wurde und 3 vertonte Arbeiten von James Joyce enthält:

1.) Track 6: Of The Dark Past (Ecce Puer) (http://www.amazon.com/gp/product/B000V9K60E/ref=dm_dp_trk6) (James Joyce)
2.) Track 12: from Portrait Of The Artist As A Young Man (http://www.amazon.com/gp/product/B000V9GZM2/ref=dm_dp_trk12) (James Joyce)
3.) Track 25: When The Shy Star Goes Forth In Heaven (Chamber Music) (http://www.amazon.com/gp/product/B000V9K6DG/ref=dm_dp_trk25) (James
Joyce)

Nähere Infos bietet Peter Schickeles Homepage (http://www.schickele.com/shoppe/psrec/baptism2.htm).

Popmuseum
03.02.2008, 06:14
http://members.aon.at/digitaleleseecke/images/Joyce-Fahnung-1916.jpg

Wer will, kann für dieses amtliche Dokument mit James Joyce-Nennung bei einem Wiener Antiquar 450.- Euros ausgeben :lol:


Präsidium der k. k. Polizeidirektion (Hauptstelle) Prag. (http://www.inlibris.at/content/deutsch/shortlist.php#18463)

Präsidium der k. k. Polizeidirektion (Hauptstelle) Prag. Hochverräterische Umtriebe (http://www.inlibris.at/content/deutsch/shortlist.php?expand=18463#18463) von österr. Cechen im Auslande. Prag, Statthalterei-Buchdruckerei, 1917. (2), 198 Bll. Mit zahlr. gedr. Porträts im Text. Broschur. Gr.-4to.

Popmuseum
23.04.2008, 14:14
Es gibt eine Menge mehr oder weniger interessanter Lieder, die sich ausführlicher mit James Joyces Leben und Werk beschäftigen. Anspielungen und Namedropping findet man und frau ja auch bei Van Morrison, den Pogues, Lou Reed und vielen anderen mehr (http://www.themodernword.com/joyce/music/pomes_penyeach.html) (Siehe auch: The influence of James Joyce on Popular Music... (http://www.cluas.com/music/features/james_joyce.htm)).

Amber: Yes (Naked). *
Andy White: Looking for James Joyce's Grave [Demo-Version] (Andywhite.compilation). ****
Andy White: Looking for James Joyce's Grave [Studio-Version] (Out There). ***
Andy White: Looking for James Joyce's Grave [Live-Version] (Speechless). ***
Black 47: I Got Laid On James Joyce's Grave (Trouble In the Land). *****
Black 47: I Got Laid On James Joyce's Grave (On Fire).
Bloom's Days (http://www.sra.at/record/10895): 18x (18+x). Ulysses (18-teiliger „Liederzyklus für Saxofonquartett und Stimme“).
Jefferson Airplane: Rejoyce (After Bathing At Baxter's). ****
Joan Baez: Of The Dark Past (Baptism). ****
Kate Bush: Sensual World (Sensual World). *
Larry Kirwan: Molly (Kilroy was here). *****
Robert Wyatt: John Cages "The Wonderful Widow of 18 Springs" (Voices and instruments). ****
Robin Williamson (von der Incredible String Band): Strings In The Earth And Air (Myrrh). ****
Scullion: The Fruit Smelling Shop (Eyelids Into Snow). *****
Syd Barrett: Golden Hair [Offizielle Studio-Version] (Crazy Diamond). ****
Syd Barrett: Golden Hair [Barrett allein mit Gitarre] (Crazy Diamond). ****
Syd Barrett: Golden Hair [Take 5, Barrett als Gesangsduo] (Crazy Diamond). ****
Syd Barrett: Golden Hair [Instrumental] (Crazy Diamond). ***1/2
Therapy: Potato Junkie (Pleasure Death).

P.S.: Aktualisierte Zusammenstellung: James Joyces Leben und Werk in der Folk-, Jazz-, Pop- und Rockmusik (http://members.aon.at/andreas.weigel/James-Joyce-Vertonungen.htm)

grandandt
23.04.2008, 14:18
Heute vor hundert Jahren erlebte Leopold Bloom seine Abenteuer in James Joyce´s gewaltigen Romanwerk ULYSSES. Ich habe mal angefangen es zu lesen, aber das Werk ist wirklich verdammt kompliziert...aber ich werde es jetzt nochmal angehen.... :D

Probier es mal mit einer kommentierten Ausgabe (http://www.amazon.de/Ulysses-Kommentierte-Ausgabe-James-Joyce/dp/3518415859/ref=sr_1_7?ie=UTF8&s=books&qid=1208953010&sr=8-7). Die gab's vor vier Jahren hier in D zu kaufen. Lohnt sich!

Popmuseum
23.04.2008, 16:13
Es gibt eine Menge mehr oder weniger interessanter Lieder, die sich ausführlicher mit James Joyces Leben und Werk beschäftigen.

Jürgen Schneider hat mich informiert, dass zum heurigen Bloomsday folgende James Joyce-Tribute-DoCD sowie DoLp erscheinen wird, bei der sich Peter Buck (REM), Steve Shelley, Lee Ranaldo (Sonic Youth), Mike Watt, Jessica Bailiff, Willy Mason, Bardo Pond, Mary Lorson und Jeff Kelly Joyces "Chamber Music"-Gedichten widmen: Various Artists: James Joyce's Chamber Music (2008) (http://www.firerecords.com/site/index.php?page=release&releaseid=00000000300).

Popmuseum
28.04.2008, 14:58
Slowdive - Golden Hair (Syd Barrett-Cover)

Das kannte ich nicht, klingt sehr interessant, aber Barretts Original ist wesentlich besser.

Das mit dem Barrett-Cover stimmt aber nicht vollständig, weil der Liedtext von James Joyce und zumindest das Lied-Arrangement der Studio-Version von David Gilmour und Roger Waters stammen (Aber von Syd Barretts "Golden Hair" gibt es ja zahlreiche Einspielungen (http://www.sydbarrett.net/subpages/making%20madcap/sessions.htm), allein vier auf "Crazy Diamond").

Weitere "Finnegans Wake"-Vertonung

Jürgen Schneider hat mich informiert, dass Takayuki Nakano (wer immer der Herr oder die Dame ist) sich Joyces Finnegans Wake angenähert hat, was meines Erachtens entbehrlich war. Nachzuhören unter: comes sabotag (http://ubu.artmob.ca/sound/nakano_takayuki/Nakano-Takayuki_Comes-Sabotag.mp3), 2000 (48'47").

Ich bevorzuge jedenfalls weiterhin Robert Wyatts Interpretation (http://cyberinsekt.livejournal.com/96748.html) von John Cages "The Wonderful Widow of Eighteen Springs".

Popmuseum
01.05.2008, 09:37
Heute vor hundert Jahren erlebte Leopold Bloom seine Abenteuer in James Joyce´s gewaltigen Romanwerk ULYSSES. Ich habe mal angefangen es zu lesen, aber das Werk ist wirklich verdammt kompliziert.

Das schwierige Buch ist aber auch sehr vergnüglich und unterhaltsam. Hans Wollschläger hat etwa 1982 am Bloomsday in Wien das "Hades"-Kapitel (123ff.) vorgelesen und vorgeführt, wie lustig der "Ulysses" auch ist.

Für den Ersteinstieg bzw. Zweiteinstieg sind auch das "Zyklopen"-Kapitel (404ff.) mit dem räsonierenden "Bürger" und das "Nausikaa"-Kapitel (481ff.) besonders geeignet.

Auf Kassette gibt's (antiquarisch) einen Mitschnitt einer Mainzer Wollschläger-Lesung (1979) bei der er nach einigen einführenden Worten das die Sprachentwicklung (literarhistorisch) nachahmende Kapitel "Rinder des Sonnengottes" (S.537ff.) vorträgt: "Und waren schuezzelen da und geschirre und waren gemacht durch den zawber Mahounds us mers sant und us luft von eim hecsemeister mit sin odem welchen er in sie eineschnobt daz sie werden als wie groze blazen. Und es lag spise uf dere tavel so lecker lieplich unde rich als niht iemant sihs kœnt herrelicher noch lieplicher erdenken. Und es war da ein vaz von silber swelchs kont geoffent werden uf listriche art und lagen dar inne seltsæne visch sonder hawbt und dis zeugschaft ist war obe schon ungleubic leut wol mœhten bestriten daz es ein mœgelich dinc biz daz sie es saehen."

Auch Arno Schmidts stets vergnügliche Ausführungen zu und über Joyces Spätwerk sind geeignet, Verständnis von und Zugang zu Joyces Jahrhundertbüchern (Ulysses und Finnegans Wake) deutlich zu erleichtern.

Popmuseum
01.05.2008, 16:43
Kennt hier jemand eine der folgenden "Golden Hair"-Coverversion (außer Alices und Slowdives Golden Hair)?


Aether: Golden Hair (1996)
Alice: Golden Hair (2003)
Ric Menck: Golden Hair (2004)
Russell Mills & Undark (2000)
Slowdive: Golden Hair (1991)
The Paint Set: Golden Hair
The Shamen: Golden Hair (1988)

Schon interessant, wie oft Syd Barretts Joyce-Vertonung gecovert wurde. Offenbar eine echte Herausforderung.

Popmuseum
03.05.2008, 10:00
Probier es mal mit einer kommentierten Ausgabe (http://www.amazon.de/Ulysses-Kommentierte-Ausgabe-James-Joyce/dp/3518415859/ref=sr_1_7?ie=UTF8&s=books&qid=1208953010&sr=8-7).

Die Lektüre der kommentierten Ausgabe stört den Lesefluss vermutlich extrem, weil der Kommentar den Leser ständig von der Handlung ablenkt. Aber einen Versuch ist es sicher wert: Hilft's nix, schad's nix. ;-)

Popmuseum
07.05.2008, 21:46
Die auf der Homepage angebotenen Hörproben (http://www.firerecords.com/site/index.php?page=release&releaseid=00000000300) des James Joyce-Tribute-Albums klingen sehr vielversprechend: Nr. V, "Venture Lifts" "Golden Hair", ist übrigens eine weitere Cover-Version von Barretts Joyce-Vertonung.

Aus der Ankündigung: "It's been a long running project co-ordinated by James here at Fire, and we are ecstatic to announce that we just yesterday received the freshly pressed double CDs of Chamber Music. The beautiful gatefold double vinyl is also on its's way.

Featuring a staggering array of artists, including Mercury Rev, Peter Buck, Lee Renaldo, Gravenhurst, Ed Harcourt, Puerto Muerto and no less than 30 other others, we are proud to announce a release date of 5th May (22nd July U.S.). Each artist has done their own interpretation of one of Joyce's 36 love-themed poems, moving from innocence to experince, and the result is surprisingly constant mood considering what a wide variety of artists took part.

Order your advance copies and listen to samples of all the songs "here" (and you might even get it a little early!) and look out for some equally special activities promoting the album around its release. We're thinking of a beautiful North London church...."

nerea87
09.05.2008, 14:47
Die Lektüre der kommentierten Ausgabe stört den Lesefluss vermutlich extrem, weil der Kommentar den Leser ständig von der Handlung ablenkt. Aber einen Versuch ist es sicher wert: Hilft's nix, schad's nix. ;-)
Genau das Buch habe ich jetzt bekommen. Bisher hatte ich Ulysses eher als vielfältiges und v.a. auch spaßiges Buch gelesen. Die kommentierte Ausgabe erleichtert es sehr, die Bezüge und Anspielungen besser zu verstehen, v.a. wenn die Kenntnisse zu Irland/Dublin nicht auf dem besten Stand sind. Da sind die Satdtpläne mit den Wegen der figuren eine tolle Bereicherung in der kommentierten Ausgabe.
Wenn es jemanden stört, muss er die Kommentare ja nicht lesen, sie stellen eher eine Bereicherung dar. Ich kann die Ausgabe nur empfehlen.

Popmuseum
16.05.2008, 11:02
Eine laufend aktualisierte Zusammenstellung von Liedern, die sich ausführlicher mit James Joyces Leben und Werk beschäftigen, gibt es unter: James Joyces Leben und Werk in der Folk-, Jazz-, Pop- und Rockmusik (http://members.aon.at/andreas.weigel/James-Joyce-Vertonungen.htm)

Popmuseum
22.05.2008, 16:26
Syd Barretts einnehmende Vertonung von James Joyces "Golden Hair" ist auf der Gitarre so einfach zu spielen, dass sogar Joyce selbst damit einen großen Auftritt gehabt hätte, obwohl er wirklich kein guter Gitarrist war:

Golden Hair

Main Riff
|--0-----0----0---------0-------0---0--0---------|
|--5--\--3----1--/--6---5-------0---2--2---------|
|--4--\--2----0--/--5---4-------1---2--2---------|
|-------------------------------2---2--2---------|
|-------------------------------2---0--0---------|
|-------------------------------0----------------|

Lean out your window, golden hair
I heard you singing in the midnight air
My book is closed, I read no more
Watching the fire dance, on the floor

I've left my book, I've left my room
For I heard you singing through the gloom
Singing and singing, a merry air
Lean out of the window, golden hair

Intro

E D C C E E D C C E E E/A
0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---
5---3---1---1---6---5---5---5---3---1---6---5---5---0---2---2---
4---2---0---0---5---4---4---4---2---0---5---4---4---1---2---2---
------------------------------------------------------2---2---2---
------------------------------------------------------2---0---0---
------------------------------------------------------0---0---0---

Verse
E D C C E E E/A
0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---
5---3---1---6---5---5---0---2---2---2---
4---2---0---5---4---4---1---2---2---2---
-------------------------2---2---2---2---
-------------------------2---0---0---0---
-------------------------0---0---0---0---

E D C C E E E/A
0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---
5---3---1---6---5---5---0---2---2---2---
4---2---0---5---4---4---1---2---2---2---
-------------------------2---2---2---2---
-------------------------2---0---0---0---
-------------------------0---0---0---0---

D/E D D/C C E E E/A
0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---
5---3---1---6---5---5---0---2---2---2---
4---2---0---5---4---4---1---2---2---2---
0---0---0---------------2---2---2---2---
-------------------------2---0---0---0---
-------------------------0---0---0---0---

Verse
E D C C E E E/A
0---0---0---0---0---0---0---0---0---0---
5---3---1---6---5---5---0---2---2---2---
4---2---0---5---4---4---1---2---2---2---
-------------------------2---2---2---2---
-------------------------2---0---0---0---
-------------------------0---0---0---0---

0---0---0---0---
2---2---2---2---
2---2---2---2---
2---2---2---2---
0---0---0---0---
0---0---0---0---

Popmuseum
23.05.2008, 18:43
Pissoirhaft gedachte Wassermusik (http://spex.de/427/artikel.html)

"Anfang des letzten Jahrhunderts veröffentlichte der irische Schriftsteller und Dichter James Joyce seinen ersten Gedichtband »Chamber Music« – das Werk wurde seitdem immer wieder von zeitgenössischen Künstlern neu interpretiert, aktuell auf einer 36 Stücke umfassenden Compilation. Thomas Hübener über das Werk des 1941 in Zürich verstorbenen Joyce, der mit seinen Werken Denkanstösse für unter anderem John Cage, Syd Barrett, Lee Ranaldo und Nick Talbot gab." Mehr ... (http://spex.de/427/artikel.html)

Popmuseum
29.05.2008, 21:13
Genau das Buch habe ich jetzt bekommen. Bisher hatte ich Ulysses eher als vielfältiges und v.a. auch spaßiges Buch gelesen. Die kommentierte Ausgabe erleichtert es sehr, die Bezüge und Anspielungen besser zu verstehen, v.a. wenn die Kenntnisse zu Irland/Dublin nicht auf dem besten Stand sind. Da sind die Satdtpläne mit den Wegen der figuren eine tolle Bereicherung in der kommentierten Ausgabe.
Wenn es jemanden stört, muss er die Kommentare ja nicht lesen, sie stellen eher eine Bereicherung dar. Ich kann die Ausgabe nur empfehlen.

Zum Lesen ist die "Kommentierte Ausgabe" zumindest für mich (und einige, die ich kenne) nicht geeignet. Aber es ist durchaus hilfreich nachdem man/frau ein Kapitel in der "Standard-Ausgabe" gelesen hat, zum besseren Verständnis die Anmerkungen in der "Kommentierten Ausgabe" nachzulesen (Wer will, kann natürlich auch zuerst die Anmerkungen und dann das Kapitel lesen ;-)). - Ich halt's halt bei meiner aktuellen "Ulysses"-Lektüre, wie oben beschrieben.

Popmuseum
31.05.2008, 21:16
Zum Lesen ist die "Kommentierte Ausgabe" zumindest für mich [...] nicht geeignet. Aber es ist durchaus hilfreich nachdem man/frau ein Kapitel in der "Standard-Ausgabe" gelesen hat, zum besseren Verständnis die Anmerkungen in der "Kommentierten Ausgabe" nachzulesen.

Vor allem die Übersetzungen der französischen, griechischen, italienischen und lateinischen Textpassagen und Zitate sind doch äußerst hilfreich. :-)

Popmuseum
06.06.2008, 08:13
Robert Sommer: Hammel- oder Schweinsniere? (http://www.augustin.or.at/artikel.php?art_id=1061) Kurz vor dem Bloomsday 2008 mit Bloomsday-Wallfahrern geplaudert (In: Augustin, 6/08).

Wer übrigens einige Bilder der im Artikel erwähnten korsischen Vorbilder der Martello-Türme sehen will, kann dieses Bedürfnis - Friedhelm Rathjen sei für seinen raschen Hinweis und Link bedankt - unter Punta Mortella (http://corsica.forhikers.com/photos/places/punta-mortella) befriedigen.

Popmuseum
07.06.2008, 20:53
Kiran Acharya: James Joyce revolutionized writing and died half-blind in poverty. Now he's a rock star. (http://www.culturenorthernireland.org/article.aspx?art_id=129)

Popmuseum
13.06.2008, 19:57
Anläßlich des kommenden Bloomsdays sind am Sonntag, den 15. Juni 2008, zwischen 17:30 und 17:56 Uhr in den Spielräumen (ORF, Ö1) folgende ausgewählte Lieder zur hören, die sich mit James Joyces Leben und Werk beschäftigen:

*) Imperfect Art von Bloom's Days
*) Looking For James Joyce's Grave von Andy White
*) I Got Laid On James Joye's Grave von Black 47
*) The Fruit Smelling Shop von Scullion
*) Rejoyce von Jefferson Airplane
*) Golden Hair von Syd Barrett

Spielräume: Leopold Bloom und der Pop (http://oe1.orf.at/programm/200806152201.html) (Sonntag, 15. Juni 2008, 17:30 -17:56 Uhr).

http://members.aon.at/digitaleleseecke/images/Bloomsday-Aviso.jpg

Wer Ö1 nicht über's Kabelradio hören kann, kann den Sender weltweit via Web-Radio konsumieren: Entweder den folgenden URL http://oe1.orf.at/konsole/live oder das folgende Icon anklicken.

http://oe1.orf.at/img/oe1_webradio.gif (http://oe1.orf.at/konsole/live)

nerea87
16.06.2008, 12:31
Heute ist Bloomsday.

... yes and his heart was going like mad and yes I said yes I will Yes.

Popmuseum
16.06.2008, 12:45
Heute ist Bloomsday. ... yes and his heart was going like mad and yes I said yes I will Yes.

:dance: :party: Happy Bloomsday :party: :dance:

Popmuseum
16.06.2008, 16:58
Ein paar Worte zum Anlass: »Der Bogen des Odysseus«. In deutscher Sprache gespannt. (http://members.aon.at/andreas.weigel/Ulysses-Uebersetzung). James Joyces "Ulysses" in Hans Wollschlägers Übersetzung. Mehr ... (http://members.aon.at/andreas.weigel/Ulysses-Uebersetzung)

Popmuseum
25.06.2008, 15:01
Nachfolgend der Link zu einer ausführlichen und interessanten Radio-Besprechung mit Interviews und Musik-Kostproben: James Joyce's Poems Get a Musical Facelift (http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=91757715).

nerea87
08.07.2008, 13:39
Hallo Popmuseum, ich freue mich sehr, wie du hier Joyce behandelst. Welche Geschichte aus den Dubliners findest du eigentlich am besten?

Popmuseum
08.07.2008, 13:50
Hallo Popmuseum, ich freue mich sehr, wie du hier Joyce behandelst. Welche Geschichte aus den Dubliners findest du eigentlich am besten?

Danke für Bloomen. - Eindeutig "Die Toten", die zudem von John Huston (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Huston) großartig verfilmt wurden. Huston war ein großartiger Schauspieler (Noah Cross in Polanskis Chinatown) und Regisseur (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Huston#Filmografie) (Die Spur des Falken, Der Schatz der Sierra Madre, Gangster in Key Largo, African Queen, Misfits – Nicht gesellschaftsfähig, Die Nacht des Leguan etc.).

nerea87
10.07.2008, 19:15
Danke für Bloomen. - Eindeutig "Die Toten", die zudem von John Huston (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Huston) großartig verfilmt wurden. Huston war ein großartiger Schauspieler (Noah Cross in Polanskis Chinatown) und Regisseur (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Huston#Filmografie) (Die Spur des Falken, Der Schatz der Sierra Madre, Gangster in Key Largo, African Queen, Misfits – Nicht gesellschaftsfähig, Die Nacht des Leguan etc.).

Ja, "Die Toten" ist auch meine klare Lieblingsgeschichte. Vielleicht auch ein wenig wegen der tollen John Huston Verfilmung. Ich liebe diesen kühlen Ton in der Geschichte. Dabei ist mir übrigens neulich aufgefallen, das in dem Film "Intime Fremde" von Patrice Leconte ein ähnlich kühler, distanzierter Ton angeschlagen wird, hat mich sehr an Joyce erinnert.

Popmuseum
10.07.2008, 19:21
Ja, "Die Toten" ist auch meine klare Lieblingsgeschichte. Vielleicht auch ein wenig wegen der tollen John Huston Verfilmung. Ich liebe diesen kühlen Ton in der Geschichte.

Allein für den Schlussabsatz gebe ich Bücherberge her:

... A few light taps upon the pane made him turn to the window. It had begun to snow again. He watched sleepily the flakes, silver and dark, falling obliquely against the lamplight. The time had come for him to set out on his journey westward. Yes, the newspapers were right: snow was general all over Ireland. It was falling on every part of the dark central plain, on the treeless hills, falling softly upon the Bog of Allen and, farther westward, softly falling into the dark mutinous Shannon waves. It was falling, too, upon every part of the lonely churchyard on the hill where Michael Furey lay buried. It lay thickly drifted on the crooked crosses and headstones, on the spears of the little gate, on the barren thorns. His soul swooned slowly as he heard the snow falling faintly through the universe and faintly falling, like the descent of their last end, upon all the living and the dead. (Quelle: James Joyce: The Dead (http://www.online-literature.com/james_joyce/958/)).


Dabei ist mir übrigens neulich aufgefallen, das in dem Film "Intime Fremde" von Patrice Leconte ein ähnlich kühler, distanzierter Ton angeschlagen wird, hat mich sehr an Joyce erinnert.

Kenne ich bislang nicht. Aber gestern habe ich erneut John Hustons Die Totenliste (The List of Adrian Messenger) gesehen. Gelungen (- auf eine andere Art).

nerea87
10.07.2008, 21:06
[QUOTE=Popmuseum;1601269]Allein für den Schlussabsatz gebe ich Bücherberge her:

... A few light taps upon the pane made him turn to the window. It had begun to snow again. He watched sleepily the flakes, silver and dark, falling obliquely against the lamplight. The time had come for him to set out on his journey westward. Yes, the newspapers were right: snow was general all over Ireland. It was falling on every part of the dark central plain, on the treeless hills, falling softly upon the Bog of Allen and, farther westward, softly falling into the dark mutinous Shannon waves. It was falling, too, upon every part of the lonely churchyard on the hill where Michael Furey lay buried. It lay thickly drifted on the crooked crosses and headstones, on the spears of the little gate, on the barren thorns. His soul swooned slowly as he heard the snow falling faintly through the universe and faintly falling, like the descent of their last end, upon all the living and the dead. (Quelle: James Joyce: The Dead (http://www.online-literature.com/james_joyce/958/)).

Diese Schlussszene ist bei Huston auch grandios geraten, der Flug durch den Schnee. Und die Wendung ins Allgemeine, Umfassende "...as he heard the snow falling faintly through the universe ... upon all the living and the dead". Ein wunderschöner Abschluss einer so bieder beginnenden Geschichte, die so scheinbar ereignislos dahin plätschert. Du hast recht, dafür kann man Bücherberge hergeben.

By the way: Hast du die Dubliners auch auf englisch gelesen? Kennst du die deutsche Übersetzung? Wenn ja, wie ist die denn? Die Dubliners kenne ich bisher nur auf englisch, während ich den Ulysses nur auf deutsch kenne. Die Übersetzung finde ich aber sehr gelungen. Auf englisch wäre der für mich zumindest teilweise unlesbar (z.B. das Kapitel mit der Entwicklung der Sprache, auch das Penelope-Kapitel scheint mir auf englisch schwer lesbar.)

nerea87
10.07.2008, 21:13
Nochmal zu dem Leconte Film: Der Film ist natürlich kein Joyce-Film, sondern ein typisch französischer Film der besseren Art (Leconte finde ich da besonders herausragend). Wie im Mann der Friseuse hat Leconte auch bei Intime Fremde eine Schlusseinstellung gedreht, bei der die Kamrea nach oben weggeht und die Schlussszene aus der Ferne betrachtet. Ziemlich ähnlich zu der Schlussszene bei Hustons The Dead.

Aber was mich so an Joyce erinnert dabei ist eben der distanzierte, kühle Ton. Ich finde das ist eine der Sachen bei Joyce, die mich besonders faszinieren, wie kühl er schreibt. Da ist wenig Action, Herzschmerz und was es sonst noch an Elementen gibt, die einen sonst zum weiterlesen treiben. Aber es ist auch nicht (immer) einfach nur ein sachlicher Bericht, was anders ist, ist die Perspektive aus der er schreibt. Und gerade durch diese Distanz ist Joyce für mich oft viel klarer, da ist all der sonst ablenkende Kram weg und man schaut den Menschen selbst zu. (na ja, so ähnlich. das muss ich, glaube ich, nochmal in Ruhe durchdenken und dann mal versuchen klarer zu formulieren).

Popmuseum
10.07.2008, 21:20
By the way: Hast du die Dubliners auch auf englisch gelesen? Kennst du die deutsche Übersetzung? Wenn ja, wie ist die denn? Die Dubliners kenne ich bisher nur auf englisch, während ich den Ulysses nur auf deutsch kenne. Die Übersetzung finde ich aber sehr gelungen. Auf englisch wäre der für mich zumindest teilweise unlesbar (z.B. das Kapitel mit der Entwicklung der Sprache, auch das Penelope-Kapitel scheint mir auf englisch schwer lesbar.)

Ich habe alles nur auf Deutsch gelesen. Bei der Lektüre im Original gingen mir mit meinen Schulenglischkenntnissen denn doch zu viele Feinheiten verloren. Da verstünde ich viel zu oft nur den berühmten Bahnhof eines spanischen Dorfes.

Ja, das Kapitel mit der Entwicklung der Sprache war die Stelle bei der ich 1980 (sogar in der deutschen Übersetzung) die erste Lektüre des "Ulysses" abgebrochen - und diese erst 1984 - wieder fortgesetzt habe, nachdem Wollschläger in Wien das Hades-Kapitel vorgelesen hat.

Keine wirkliche Wahl hat man bei Finnegans Wake, weshalb einem nur das Original bleibt. Denn Stündels sogenannte Übersetzung von Finnegans Wake ist völlig indiskutabel, weil sie unverständlicher als das Original ist, da er außer Kalauern nichts bietet.

Hildesheimers und Wollschlägers Übersetzung von Anna Livia Plurabelle sind sehr gelungen und nach der Lektüre ihrer Üb-Ersetzungen schafft man die Anna Livia Plurabelle-Episode auch im Original.

Andere Finnegans Wake-Abschnitte sind wesentlich schwieriger zu lesen, nach ein, zwei Seiten schwirrt mir der Kopf, weshalb ich nur Mal hier ein paar Absätze, dann dort ein paar Zeilen lese.

Aber es gibt ja so viele lesenwerte Texte über Finnegans Wake, die einem immer wieder Appetit auf dieses Monstrum machen. ;-)

Bei Suhrkamp gibt's ja auch ein Buch mit ausgewählten Finnegans Wake-Übersetzungen.

Popmuseum
10.07.2008, 21:31
Ich finde das ist eine der Sachen bei Joyce, die mich besonders faszinieren, wie kühl er schreibt. Da ist wenig Action, Herzschmerz und was es sonst noch an Elementen gibt, die einen sonst zum weiterlesen treiben. Aber es ist auch nicht (immer) einfach nur ein sachlicher Bericht, was anders ist, ist die Perspektive aus der er schreibt. Und gerade durch diese Distanz ist Joyce für mich oft viel klarer, da ist all der sonst ablenkende Kram weg und man schaut den Menschen selbst zu. (na ja, so ähnlich. das muss ich, glaube ich, nochmal in Ruhe durchdenken und dann mal versuchen klarer zu formulieren).

Deine Beschreibung trifft den Sachverhalt sehr gut. Joyce beschreibt es im "Porträt" ähnlich: "Der Künstler, wie der Gott der Schöpfung, bleibt in oder hinter oder jenseits oder über dem Werk seiner Hände, unsichtbar, aus der Existenz hinaussublimiert, gleichgültig, und manikürt sich die Fingernägel."

nerea87
17.07.2008, 10:21
Deine Beschreibung trifft den Sachverhalt sehr gut. Joyce beschreibt es im "Porträt" ähnlich: "Der Künstler, wie der Gott der Schöpfung, bleibt in oder hinter oder jenseits oder über dem Werk seiner Hände, unsichtbar, aus der Existenz hinaussublimiert, gleichgültig, und manikürt sich die Fingernägel."


Hast du auch Sekundär-Literatur zu Joyce gelesen? Ich such noch eine gute Biografie, die beiden von Rowohlt-Monografien habe ich schon und die neue von Suhrkamp wärmt das alles nur nochmal auf. Ansonsten halte ich mich meist an "Joyce für Jedermann", das ist echt klasse (aiuf englisch hört sich das noch besser an: Here Comes Everybody [in Anspielung an HCE aus Finnegans Wake]).

Popmuseum
17.07.2008, 14:02
Ich such noch eine gute Biografie, die beiden Rowohlt-Monografien habe ich schon und die neue von Suhrkamp wärmt das alles nur nochmal auf. Ansonsten halte ich mich meist an "Joyce für Jedermann", das ist echt klasse (auf englisch hört sich das noch besser an: Here Comes Everybody [in Anspielung an HCE aus Finnegans Wake]).

Die maßgebliche Biografie ist und bleibt trotz aller im Lauf der Jahrzehnte vorgebrachten Mängel:

*) Richard Ellmann: James Joyce. Revidierte und ergänzte Ausgabe. Suhrkamp 1994.

Aber wenn Du sozusagen Joyces "Autobiografie" lesen willst, empfehle ich Dir die Lektüre seiner Briefbände: Sowohl die deutschsprachige Ausgabe als auch die englischsprachige Ausgabe hat jeweils drei Bände, sie weichen aber bei der Briefauswahl stark voneinander ab, weshalb es sinnvoll ist, die einander ergänzenden Ausgaben zu lesen.

Darüber hinaus kann ich die folgende Sekundärliteratur besonders empfehlen:

*) Wilhelm Füger: James Joyce: Epoche. Werk. Wirkung.
*) Hugh Kenner: Ulysses.
*) Jane Lidderdale: Liebe Miss Weaver. Ein Leben für James Joyce.
*) Fritz Senn: Nichts gegen Joyce. Joyce versus Nothing. Aufsätze 1959-1983.
*) Fritz Senn: Nicht nur Nichts gegen Joyce. Aufsätze über Joyce und die Welt. 1969-1999.

schussrichtung
17.07.2008, 15:52
Deine Beschreibung trifft den Sachverhalt sehr gut. Joyce beschreibt es im "Porträt" ähnlich: "Der Künstler, wie der Gott der Schöpfung, bleibt in oder hinter oder jenseits oder über dem Werk seiner Hände, unsichtbar, aus der Existenz hinaussublimiert, gleichgültig, und manikürt sich die Fingernägel."

Meinst Du das "Portrait des Künstlers als junger Hund"? Und wenn ja, magst Du angeben wo ungefähr das vorkommt?
Finde das Zitat sehr inspirierend.

Popmuseum
17.07.2008, 17:51
Meinst Du das "Portrait des Künstlers als junger Hund"? Und wenn ja, magst Du angeben wo ungefähr das vorkommt? Finde das Zitat sehr inspirierend.

Nein, ich meine das "Porträt des wasserkochenden Schussrichtung als inspirierter Kater". ;-)

In der deutschen Übersetzung: "... Der Künstler, wie der Gott der Schöpfung, bleibt in oder hinter oder jenseits oder über dem Werk seiner Hände, unsichtbar, aus der Existenz hinaussublimiert, gleichgültig, und manikürt sich die Fingernägel. ..."
(James Joyce: Ein Porträt des Künstlers als junger Mann, Bibliothek Suhrkamp, Band 350, S. 242).

Im Original: "... The artist, like the God of creation, remains within or behind or beyond or above his handiwork, invisible, refined out of existence, indifferent, paring his fingernails. ..."
(James Joyce: A Portrait of the Artist as a Young Man, Chapter 5)

schussrichtung
18.07.2008, 10:35
Danke, wertes Popmuseum! Den Aspekt der (Un-)Autorschaft finde ich sehr interessant. Ist wahrscheinlich ein weites Feld, mich stieß das auf die Herangehensweise des Direct Cinema der 1960er Jahre.
(Da habe dich doch glatt den Titel (http://www.amazon.com/Portrait-Artist-As-Young-Dog/dp/0811202070) vom Buch verwechselt.)

Popmuseum
18.07.2008, 11:45
Danke, wertes Popmuseum!

Gerne geschehen.


(Da habe dich doch glatt den Titel (http://www.amazon.com/Portrait-Artist-As-Young-Dog/dp/0811202070) vom Buch verwechselt.)

So etwas und ähnliches soll im Leben immer wieder vorkommen. ;-)

Aber jetzt heißt's "Auf zum Hundeaufguss!" :wave: (& wenn ich dann abends wieder in diesen Thread schaue, hat er vermutlich schon über 2.000 Hits). :sonne:

nerea87
25.07.2008, 12:59
Die maßgebliche Biografie ist und bleibt trotz aller im Lauf der Jahrzehnte vorgebrachten Mängel:

*) Richard Ellmann: James Joyce. Revidierte und ergänzte Ausgabe. Suhrkamp 1994.

Aber wenn Du sozusagen Joyces "Autobiografie" lesen willst, empfehle ich Dir die Lektüre seiner Briefbände: Sowohl die deutschsprachige Ausgabe als auch die englischsprachige Ausgabe hat jeweils drei Bände, sie weichen aber bei der Briefauswahl stark voneinander ab, weshalb es sinnvoll ist, die einander ergänzenden Ausgaben zu lesen.

Darüber hinaus kann ich die folgende Sekundärliteratur besonders empfehlen:

*) Wilhelm Füger: James Joyce: Epoche. Werk. Wirkung.
*) Hugh Kenner: Ulysses.
*) Jane Lidderdale: Liebe Miss Weaver. Ein Leben für James Joyce.
*) Fritz Senn: Nichts gegen Joyce. Joyce versus Nothing. Aufsätze 1959-1983.
*) Fritz Senn: Nicht nur Nichts gegen Joyce. Aufsätze über Joyce und die Welt. 1969-1999.

Besten Dank.
Muss mal schauen, was da erhältlich ist. In der Tat interessiert mich derzeit v.a. die biografische Seite. Ich frage mich, was man für ein Mensch gewesen sein muss, wenn man solche Bücher schreibt.

Was ich noch gelesen habe ist von Gilbert " Das Rätsel Ulysses". Das ist sehr informativ und gibt eine gute Übersicht. Nicht zuletzt wegen des "Gilbert-Schemas" zu den Themen und Aspekten der einzelnen Kapitel.

Popmuseum
26.07.2008, 07:19
Auf der Homepage der Plattenfirma gibt es Links zu weiteren Besprechungen des Doppel-Albums: Fire Records. News (http://www.firerecords.com/site/index.php), etwa den folgenden Radiobeitrag: James Joyce's Poems Get a Musical Facelift (NPR Music) (http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=91757715) und Tim Martin thinks James Joyce may be this summer's most exciting rock lyricist. Why Bloomsday rocks (http://www.telegraph.co.uk/arts/main.jhtml?xml=/arts/2008/06/28/boend128.xml)

Popmuseum
31.07.2008, 21:42
Die folgende Ulysses-Verfilmung aus dem Jahr 2004 gibt's bislang leider nur auf Englisch (mit spanischen Untertiteln), weshalb sie hierzulande noch nicht zu sehen war, weshalb ich inzwischen die DVD doch gekauft habe: Bloom - A screen adaptation of James Joyce's Ulysses (http://www.ulysses.ie/home/default.asp)

http://www.ulysses.ie/images/homenew/3c.jpg

Popmuseum
10.08.2008, 12:51
Die folgende Ulysses-Verfilmung aus dem Jahr 2004 gibt's bislang leider nur auf Englisch (mit spanischen Untertiteln), weshalb sie hierzulande noch nicht zu sehen war, weshalb ich inzwischen die DVD doch gekauft habe: Bloom - A screen adaptation of James Joyce's Ulysses (http://www.ulysses.ie/home/default.asp)

Diese Verfilmung heißt als Ganzes nichts, obwohl einzelne Momente durchaus gelungen sind. Joyces Ulysses bleibt auf der Strecke. Schade.

Popmuseum
09.09.2008, 22:29
Nick Joyce: Auf dem Doppelalbum «Chamber Music» vertonen Musiker aus Rock, Folk und Electronica frühe Gedichte des irischen Schriftstellers James Joyce. Weiterlesen unter: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/pop-und-jazz/James-Joyces-Gedichte-an-Laptop-und-Gitarre/story/16798705

Popmuseum
19.10.2008, 14:45
Bob Dylan trägt in der 28. Folge der ersten Staffel seiner "Theme Time Radio Hour" James Joyces Gedicht "Sleep now" aus "Chamber Music" vor.

Wer will, kann die Sendung unter der folgenden Adresse downloaden:

"Theme Time Radio Hour"-Archiv
http://croz.fm/pages/ttrh.html

nerea87
20.10.2008, 13:06
Bob Dylan trägt in der 28. Folge der ersten Staffel seiner "Theme Time Radio Hour" James Joyces Gedicht "Sleep now" aus "Chamber Music" vor.

Wer will, kann die Sendung unter der folgenden Adresse downloaden:

"Theme Time Radio Hour"-Archiv
http://croz.fm/pages/ttrh.htmlDanke für den Tipp. Ich verfolge die TTRH so nach und nach, bin aber erst bei Folge 7 der 1. Staffel angelangt. Da muss ich doch die 28. mal vorziehen.

Bei der Gelegenheit: Habe ich das richtig gesehen, du kanntest Wollschläger und hast eine Biografie über ihn geschrieben?

Popmuseum
20.10.2008, 13:18
Bei der Gelegenheit: Habe ich das richtig gesehen, du kanntest Wollschläger und hast eine Biografie über ihn geschrieben?

Einmal "Ja", einmal "Nein". ;-)

*) Ja, ich kannte Wollschläger und war seit 1989 in Bamberg und Königsberg öfters sein Gast.
*) Nein, ich habe keine Biografie über Wollschläger, sondern eine zweibändige Monografie über seinen Roman »Herzgewächse oder Der Fall Adams« geschrieben, bei deren Präsentation (in Wien) Wollschläger am Podium teilgenommen hat: »ruckworts gegen den Strom der Zeilen«. Lese-Notizen zu Hans Wollschlägers »Herzgewächse oder Der Fall Adams«.

Sein leider (unvollendeter) Roman »Herzgewächse«, den ich zwischen 1984 und 1989 zehn Mal komplett gelesen habe, was so gut wie kein Roman aushält, ohne langweilig zu werden, ist mein absolutes Lieblingsbuch, weil es immer wieder Neues zu entdecken gibt (Dagegen fallen »Ulysses« und Schmidts »Abend mit Goldrand« deutlich ab).

nerea87
20.10.2008, 13:25
Einmal "Ja", einmal "Nein". ;-)

*) Ja, ich kannte Wollschläger und war öfters in Bamberg und Königsberg sein Gast.
*) Nein, ich habe keine Biografie über Wollschläger, sondern eine zweibändige Monografie über seinen Roman »Herzgewächse oder Der Fall Adams« geschrieben, bei deren Präsentation (in Wien) Wollschläger am Podium teilgenommen hat: »ruckworts gegen den Strom der Zeilen«. Lese-Notizen zu Hans Wollschlägers »Herzgewächse oder Der Fall Adams«.

Sein leider (unvollendeter) Roman »Herzgewächse«, den ich zwischen 1984 und 1989 zehn Mal komplett gelesen habe, was so gut wie kein Roman aushält, ohne langweilig zu werden, ist mein absolutes Lieblingsbuch, weil es immer wieder Neues zu entdecken gibt.
Ich habe Wollschläger bisher nur als den Übersetzer wahrgenommen, seine eigenen werke waren mir gar nicht bewußt. Wie meist in solchen Fällen, ist sein Buch nur noch antiquarisch erhältlich, ich habe gerade ein Angebot für dezente 120 Euro gesehen.

Ich werde heute abend mal auf deiner Webseite stöbern, da brauche ich ein wenig Muße. hört sich ja hochinteressant an.

Popmuseum
20.10.2008, 13:35
Wie meist in solchen Fällen, ist sein Buch nur noch antiquarisch erhältlich, ich habe gerade ein Angebot für dezente 120 Euro gesehen.

Bei www.abebooks.de (Suchbegriff nach Titel: Herzgewächse) gibt's derzeit 14 Exemplare. - Die gebundene (Erst)Ausgabe von 1982 gibt's ab 40.- Euro (1982 hat der Roman 120.- DM gekostet).

nerea87
20.10.2008, 13:36
Einmal "Ja", einmal "Nein". ;-)

*) Ja, ich kannte Wollschläger und war seit 1989 in Bamberg und Königsberg öfters sein Gast.

Mal ganz blöd gefragt: Wie war er denn?

nerea87
20.10.2008, 13:39
Bei www.abebooks.de (Suchbegriff nach Titel: Herzgewächse) gibt's derzeit 14 Exemplare. - Die gebundene (Erst)Ausgabe von 1982 gibt's ab 40.- Euro (1982 hat der Roman 120.- DM gekostet).

Herzgewächse oder Der Fall Adams.: Fragmentarische Biographik in unzufälligen Makulaturblättern. Erstes Buch [= alles Erschienene].
Anbieter: Antiquariat am Dom (Trier, Germany) Preis: EUR 40.00
Buchbeschreibung: Zürich, Haffmans 1982., 1982. Erste Ausgabe. Gr.-8°. 362, (1) SS. OHalbleinen. Deckel minimal aufgebogen. Schönes, nahezu frisches Exemplar.

Herzgewächse oder Der Fall Adams. Fragmentarische Biographik in unzufälligen Makulaturblättern. Erstes Buch.
Anbieter: Sinnenrausch (Solingen, NRW, Germany) Preis: EUR 49.69
Buchbeschreibung: Haffmans Verlag, Zürich, CH, 1982. Halbleinen. Buchzustand: Zufriedenstellend. Zustand des Schutzumschlags: Kein Schutzumschlag. Erstausgabe. 4°; 25.5cm. Rarität! 1.-3. Tsd. 1982.
Ehemaliges Bibliotheksexemplar, leicht berieben/bestossen/beschabt, Schnitt angeschmutzt - dennoch ordentlicher Zustand. Bibliotheksexemplar.
Besten Dank.

Popmuseum
20.10.2008, 13:53
Mal ganz blöd gefragt: Wie war er denn?

Ein Mensch mit vielen guten und schlechten Eigenschaften. :-) Aber vor allem äußerst intelligent, belesen und bei Formulierungen stilistisch versiert, wie ich keinen zweiten Schriftsteller kenne. Mehr kann ich in der Kürze, die immer auch entstellt, nicht schreiben.

Popmuseum
27.10.2008, 14:57
... Wie meist in solchen Fällen, ist sein Buch nur noch antiquarisch erhältlich, ich habe gerade ein Angebot für dezente 120 Euro gesehen. ...

Bis Samstag gibt's bei Ebay die Taschenbuchausgabe um 30.- Euro.

Hans Wollschläger: Herzgewächse oder der Fall Adams.
http://cgi.ebay.de/Hans-Wollschlaeger-Herzgewaechse-oder-der-Fall-Adams_W0QQitemZ290269631240QQihZ019QQcategoryZ2567 8QQssPageNameZWDVWQQrdZ1QQcmdZViewItem

Zur Preisinfo: Die(se) Taschenbuchausgabe hat 1997 nur 13.- Euro gekostet, während die gebundene Erstausgabe fast 70.- Euro gekostet hat.

Gut erhaltene, gebundene Ausgaben sind derzeit antiquarisch schon um rund 50.- Euro zu haben (oft sogar Exemplare, die von Wollschläger signiert wurden).

Popmuseum
04.11.2008, 14:15
Seit kurzem gibt es mit „The Austrian Joyce: Joyce und Österreich (http://de.groups.yahoo.com/group/James-Joyce-Austriaca/)“ ein deutschsprachiges Online-Medium, das alles, was mit Joyce und Österreich zusammenhängt, sammeln, thematisieren, bekannt und bekannter machen will.

Denn anders als Joyces Aufenthalte in Pola und Triest, zwei Städte, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zum österreichischen Staatsgebiet gehörten, wurden Joyces Aufenthalte in Innsbruck (1928), Salzburg (1928) und Feldkirch (1915, 1932), seine überraschende Unterstützung des Aufrufes zur Gründung einer „Adolf Loos“-Schule (1930) sowie seine unerwartete Unterstützung der Glückwunschadresse zu Sigmund Freuds 80. Geburtstag (1936) von der Joyce-Forschung lange vernachlässigt.

Thema der deutschsprachigen „James Joyce“-Mailingliste ist daher alles, was mit Joyces Leben, Werk und Wirkung in Österreich zusammenhängt: seien es Adolph Johannes Fischers „Fluviana“-Fotografien (1928), Ferry Radax’ Film „Wer sind Sie Mr. Joyce?“ (1980), Gerald Raunigs „Bloom’s Days“ genannter „Liederzyklus für Saxofonquartett und Stimme“ (1995) oder aktuelle österreichische Joyce-Veranstaltungen.

Interessierte, die an der deutschsprachigen Joyce-Mailingliste teilnehmen wollen, senden einfach eine E-Mail an die folgende Anmeldeadresse: James-Joyce-Austriaca-subscribe(at)yahoogroups.de (James-Joyce-Austriaca-subscribe@yahoogroups.de)

The Austrian Joyce: Joyce und Österreich
http://de.groups.yahoo.com/group/James-Joyce-Austriaca/

Popmuseum
27.11.2008, 19:24
Friedhelm Rathjen hat ein "James Joyce"-Lied von einer Band ausgegraben, deren Name zudem auf Joyces "Ulysses" anspielt.

Friedhelm Rathjen: if you happen to be into Joyce or if you happen to be into pop music or if unbelievably you happen to be into both, here's something you should know:

Do you remember that just before the "Penelope" episode of Ulysses begins, Molly is "in the attitude of Gea-Tellus, fulfilled, recumbent, big with seed"? Well, there's a Pittsburgh band which calls itself "Big With Seed". Coincidence? I think not. One of their songs is entitled "James Joyce". If you don't believe it click http://www.bigwithseed.com/pages/music.shtml and listen to that song. And if this is not enough for you, check out http://www.archive.org/details/bws2006-07-21 where you can find (and download) "Big With Seed Live at Sunshine Daydream Music Park on 2006-07-21"

Das Lied "James Joyce", das unter den obigen Links zu hören und kostenlos downzuloaden ist, enthält unter anderem die folgende Zeile: "... You read James James Joyce, could drive a Rolls Royce ..." ;-)
Lyrics: http://www.rockerie.com/jamroom/members/315/792_lyrics.php

Popmuseum
29.11.2008, 08:57
Franz Ferdinand: Jetzt mit Odysseus!
http://diepresse.com/home/kultur/popco/433858/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

Ulysses - Franz Ferdinand with lyrics
http://www.youtube.com/watch?v=4vWdP-7O0vo

Franz Ferdinand "Ulysses" (MP3)
http://www.savefile.com/files/1878558

Na, ja, wem's gefällt, dem gefällt's, mir nicht. :roll:

P.S.: Den üblen Nachklang von Franz Ferdinands "Ulysses" werde ich jetzt mit Gavin Bryars' "Jesus' Blood Never Failed Me Yet" (http://www.youtube.com/watch?v=byAGDVu4sC4) aus den Ohren spülen.

Gavin Bryars: Jesus Blood Never Failed Me Yet
http://www.gavinbryars.com/Pages/jesus_blood_never_failed_m.html

Popmuseum
30.11.2008, 16:25
Your chance to bang the drum with Franz Ferdinand - to the rhythm of James Joyce. Music-making with a difference: playing along to Ulysses in the name of art http://www.guardian.co.uk/uk/2007/nov/10/rock.artnews

Popmuseum
01.12.2008, 14:01
Franz Ferdinand: Jetzt mit Odysseus!
http://diepresse.com/home/kultur/popco/433858/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

Franz Ferdinand – Ulysses
... And despite the highbrow demeanour of the band, Kapranos has already revealed that Ulysses was not exactly inspired by Joyce’s masterpiece of the same name. “Somebody said it was about James Joyce. It's absolutely nothing to do with that, it's about being too stoned," he has said. ...
http://news.q4music.com/2008/11/franz_ferdinand.html

Dacht' ich mir's doch, dass FF nichts mit Joyce zu tun haben. :roll:

Popmuseum
04.12.2008, 22:21
Ein Jazz-Album mit vier Joyce-Vertonungen (Hörproben im Netz):

Susanne Abbuehl: "Compass"
http://www.jazzecho.de/susanne_abbuehl_compass_105923.jsp

... "Sea! Sea!" ist eine freie Vertonung von Auszügen aus James Joyces fabelhaftem epischen Meisterwerk "Finnegan's Wake". Drei weitere Joyce-Stücke - "The Twilight Turns From Amethyst", "Bright Cap And Streamers" und "In The Dark Pine_Wood" - stammen aus der 1907 herausgegebenen Vers-Kollektion "Chamber Music" und sind so simpel und klar wie "Finnegan's Wake" undurchsichtig ist. ...

Popmuseum
08.12.2008, 16:55
Norma Winstone: Chamber Music
Chamber Music (MP3-Hörprobe): http://www.normawinstone.com/audio/U986%20596-0/01.mp3

Printed at Bismarck´s Death: Chamber Music V.1
http://www.printedatbismarcksdeath.de/

Popmuseum
09.12.2008, 19:10
James Joyce: «Chamber Music»
«Ulysses» auf der Tanzfläche.
http://www.the-title.com/ausgabe-112008/literatur/james-joyce.html

Popmuseum
12.12.2008, 12:46
Franz Ferdinand – Ulysses
... And despite the highbrow demeanour of the band, Kapranos has already revealed that Ulysses was not exactly inspired by Joyce’s masterpiece of the same name. “Somebody said it was about James Joyce. It's absolutely nothing to do with that, it's about being too stoned," he has said. ...: http://news.q4music.com/2008/11/franz_ferdinand.html

Dacht' ich mir's doch, dass FF nichts mit Joyce zu tun haben. :roll:

Dennoch betet der deutsche Rolling Stone mit tagelanger Verspätung das haltlose Gerücht auf seiner Startseite als Tatsache nach:

Hedonismus zum Tanzen
... Das Album beginnt mit dem vielteiligen "Ulysses", das einen geshuffleten digitalen Beat mit einer Referenz an James Joyce verknüpft (der Roman "Ulysses" schildert wie das Album einen Tag im Leben seines Protagonisten). "I'm bored/ Come on, let's get high", singt Kapranos. "Live Alone" ist purer Disco, "Send Him Away" Byrds, halb Afropop, und "What She Came For" flammender Gitarrenrock ...
Siehe: http://www.rollingstone.de/news/article.php?article_file=1229080817.txt&showtopic=Features

Popmuseum
17.12.2008, 18:58
Noch ein weiteres "James Joyce"-Konzept-Album (diesmal aus Italien):

All My Faith Lost: As you're vanishing in silence
Hörproben: http://www.amazon.com/Youre-Vanishing-Silence-Faith-Lost/dp/B0007Y3TJI

"Das Debütalbum Chamber Music ist 2003 produziert worden, bloß leider nie auf einem Label veröffentlicht worden. Die Stücke waren Vertonungen von Gedichten des Autors James Joyce. Nach der Produktion von Chamber Music hat Francis die Band verlassen und das neue Line Up ist Viola und Federico, die auch in dieser Konstellation ihre Liveauftritte bestreiten. Die Grundlage für das neue Werk “As you’re vanishing in silence” waren die unveröffentlichten Stücke der letzten CD “Chamber Music”, alle Gesangparts wurden komplett neu eingesungen und einige Textpassagen umgeschrieben, obwohl der letztere Anteil sehr gering ausfällt." (Quelle: http://kulturterrorismus.de/rezensionen/all-my-faith-lost-as-youre-vanishing-in-silence.html)

Laut Band-Homepage durfte die Band Joyces Texte aus Copyright-Gründen nicht verwenden, weshalb sie die vertonten Lieder eigens umschreiben musste: "Also deeply inspired by poetry and literature - Keats for 'La belle dame sans merci', James Joyce for 'Chamber music', the previous unreleased first album due to copyright problems that compelled the band to re-write the lyrics of their finally out first lp 'As you're vanishing in silence'" (Quelle: Bandhomepage: http://www.allmyfaithlost.com/)

Aus der Presseinfo: "... In 2003 the band recorded a full-length cd called Chamber Music, a collection of song-settings of James Joyce poems. The music of this album (unreleased due to copyright problems) was the basis of the first official full-length CD of the band released in 2005 by the Swedish label Cold Meat Industry. Entitled As you’re vanishing in silence, the work was acclaimed by national and international press and audience. ..."

Popmuseum
20.01.2009, 15:30
Theres no one as Irish as Barack OBama

*) http://www.mahalo.com/Theres_no_one_as_Irish_as_Barack_Obama
*) http://www.youtube.com/watch?v=4Xkw8ip43Vk

"No one as Irish as Barack OBama O'Leary, O'Reilly, O'Hare and O'Hara There's no one as Irish as Barack O'Bama ..." :lol:

:dance: :party: :dance:

Popmuseum
21.02.2009, 16:46
"... Here Comes Everybody, which, like the Glasgow quartet's name, is derived from James Joyce's Finnegans Wake, is a lost treasure of mid-'80s U.K. indie pop. ..."

Tracklist: http://www.answers.com/topic/here-comes-everybody-1985-album-by-the-wake
Lyrics: http://theheresiarch.blogspot.com/2008/01/here-comes-everybody-wake.html
Youtube: the wake: here comes everybody
http://www.youtube.com/watch?v=AWtyYRA-htE

nerea87
22.02.2009, 19:39
"... Here Comes Everybody, which, like the Glasgow quartet's name, is derived from James Joyce's Finnegans Wake, is a lost treasure of mid-'80s U.K. indie pop. ..."

Tracklist: http://www.answers.com/topic/here-comes-everybody-1985-album-by-the-wake
Lyrics: http://theheresiarch.blogspot.com/2008/01/here-comes-everybody-wake.html
Youtube: the wake: here comes everybody
http://www.youtube.com/watch?v=AWtyYRA-htEVielen Dank für den Tipp. Mir hat sich allerdings nicht erschlossen, wo bei dem Track "Here Comes Everybody" der Bezug zu Joyce liegen soll, außer dem Titel und den ersten 3 Zeilen ist das doch ziemlich fern von ihm, oder habe ich da was übersehen?

Popmuseum
22.02.2009, 21:25
Vielen Dank für den Tipp. Mir hat sich allerdings nicht erschlossen, wo bei dem Track "Here Comes Everybody" der Bezug zu Joyce liegen soll, außer dem Titel und den ersten 3 Zeilen ist das doch ziemlich fern von ihm, oder habe ich da was übersehen?

Ja, hast Recht: Der Bandname ("The Wake"), der Albumtitel ("Here Comes Everybody"), der gleichlautende Lied-Titel sowie die ersten 3 Zeilen des Liedes - Mehr nicht. Aber alles sind bewußte gewählte Anspielungen.

Die Musik klingt interessant, weshalb ich mir auch das restliche Album (http://afluor.blogspot.com/2009/01/wake-here-comes-everybody-singles.html) in den kommenden Tagen anhören werde.

Popmuseum
10.03.2009, 07:37
Jill Zimmerli: "Wenn du willst, weine ich jetzt gleich"
...

Der Titel "If you see kay" ist eine Zeile aus dem Buch von James Joyce "Ulysses". Vieles in euren Song bezieht sich auf Irland und Dublin. Inspiriert euch euer Heimatland?

Mark: Sagen wir es so, es hilft (grinst).

Danny: Darf ich noch kurz was sagen: Du bist die erste die das herausgefunden hat. Wir hören sonst immer nur: "If you see Kay", dies ist der Song in welchem ihr "Fuck" singt. (Anm.: Im Song hört sich "If you see Kay" wie F.U.C.K. an)

Mark: Songschreiber im Allgemeinen texten über ihre Erfahrungen. Da wir in Dublin aufgewachsen sind, neigen wir dazu, unsere Erinnerungen aufzuschreiben. Wir verbrachten aber auch eine grosse Zeit unseres Lebens in Amerika und es kann gut sein, dass auch Eindrücke von dort in unsere Songs eingeflossen sind.

Zudem ist dieser Song der einzige, der nicht so ernst ist.

Danny: Stimmt, aber das wussten wir am Anfang noch nicht so wirklich. Uns war bewusst, dass es ein guter Song ist, doch als wir ihn immer wieder spielten, merkten wir, wie gut er beim Publikum ankommt. Alle sangen mit und hatten eine gute Zeit. Es ist eine gute Möglichkeit, einfach mal Pause zu machen während dem Konzert, weil jeder für dich den Text singt. ...

Quelle: http://www.tink.ch/schweiz/new/article/2009/03/09/wenn-du-willst-weine-ich-jetzt-gleich/

If You See Kay
http://www.youtube.com/watch?v=fsaBIbs0iZE

"THE PRISON GATE GIRLS: If you see kay / Tell him he may / See you in tea / Tell him from me." (James Joyce: Ulysses p.405 der Gabler Edition)

"If you see kay" und "See you in tea" aus Ulysses sind ähnlich obszön (siehe Martin Gardner, "The Puzzles in Ulysses", Gardners Whys & Wherefores, Oxford: Oxford University Press 1990, S. 113f.)

Popmuseum
10.03.2009, 08:49
... Der Titel "If you see kay" ist eine Zeile aus dem Buch von James Joyce "Ulysses". ...

Diesen obszönen Gag haben vor "The Script" schon Britney Spears und andere angewandt:

Spears reprimanded for playground pun

-- "Britney Spears was forced to return to the studio last week to rerecord a song from her new album after some radio stations banned the track for a coded obscene message, said the London Sun. The chorus to 'If You Seek Amy' contains the lines, 'All of the boys and all of the girls are beggin' to, if you seek Amy.' The last four words serve as a pun on the spelling of a common obscenity, and it dates back at least to James Joyce's Ulysses, which includes a poem with the lines 'If you see kay/Tell him he may.' In the new version of the song, Spears sings, 'If you see Amy.'"

Quelle: If You See Kay.... Best celebrity-musician gossip, as provided by U.S. news magazine The Week.
http://mog.com/Honeydoll/blog/1205470

April Wine - If You See Kay (1982 video single)
http://www.youtube.com/watch?v=MjmxUSsL-qk

In der deutschen Übersetzung singen Joyces Prison Gate Girls natürlich ein anderes Liedchen (S.663).

Popmuseum
10.03.2009, 10:03
... I'm listening to Billy Joe Shaver / And I'm reading James Joyce / Some people tell me I got the blood of the land in my voice," Bob Dylan sings in a leathery growl, capturing the essence of his forthcoming studio album - raw-country love songs, sly wordplay and the wounded state of the nation - in "I Feel a Change Coming On," one of the record's 10 new originals. ... http://www.rollingstone.com/news/story/26445175/dylan_records_surprise_modern_times_followup

:-)

Popmuseum
06.04.2009, 22:10
... I'm reading James Joyce ...

Diese Passage des Liedes "Feel A Change Comin' On" von Dylans neuem Album kann man sich ab sofort exklusiv bei Newsweek anhören:

"Feel A Change Comin' On"
http://video.newsweek.com/#?t=18540585001&l=25152707

Mehr unter: An Exclusive Early Listen to Bob Dylan's New Album, 'Together Through Life'
http://blog.newsweek.com/blogs/popvox/archive/2009/04/06/an-exclusive-early-listen-to-bob-dylan-s-new-album-together-through-life.aspx?utm_medium=columbia-email&utm_source=bobdylancom&utm_campaign=columbia-email|bobdylancom|20090406

Popmuseum
16.04.2009, 16:52
Ich bevorzuge jedenfalls weiterhin Robert Wyatts Interpretation (http://cyberinsekt.livejournal.com/96748.html) von John Cages "The Wonderful Widow of Eighteen Springs".

Soeben habe ich im Netz eine MP3-Version jener beiden Joyce-Vertonungen gefunden, die auf Brian Enos Obscure-Label erschienen sind:

*) Jan Steeles Vertonung von "All Day" (lyrics by James Joyce, vocals by Janet Sherbourne)
*) All Day (mp3): http://blogfiles.wfmu.org/LG/SteeleCage/01_-_Jan_Steele_-_All_Day.mp3

Bass [Guitar]: Steve Beresford
Guitar: Fred Frith
Guitar [Solo]: Stuart Jones
Lyrics By [Text]: James Joyce
Percussion: Phil Buckle
Vibraphone: Kevin Edwards
Voice: Janet Sherbourne

* John Cage "The Wonderful Widow of Eighteen Springs" (lyrics by James Joyce, vocals by Robert Wyatt)
*) "The Wonderful Widow of Eighteen Springs" (mp3): http://blogfiles.wfmu.org/LG/SteeleCage/06_-_John_Cage_-_The_Wonderful_Widow_of_Eighteen_Springs.mp3

Lyrics By [Text]: James Joyce
Percussion: Richard Bernas
Voice: Robert Wyatt


Auch der Rest dieses Albums ist sehr hörenswert.

Näheres unter:
*) http://blog.wfmu.org/freeform/2008/11/jan-steele-john.html
*) http://outlawpoetry.com/2009/02/09/james-joyce-the-wonderful-widow-of-eighteen-springs/

Popmuseum
14.06.2009, 13:15
Anläßlich des Bloomsdays gibt's unter anderem folgende Artikel:

Leopold Bloom - ein echter Österreicher
Hat der vielleicht berühmteste Romanheld der Moderne Wurzeln hierzulande? Eine Suche aus Anlass des Bloomsday am 16. Juni.
Mehr unter: http://derstandard.at/fs/1244460501590/James-Joyce-Leopold-Bloom---ein-echter-Oesterreicher

Meteorit trifft Zweig
James Joyce sei ein „Verkehrtpuritaner mit quäkerischen Ahnen“, sein „Ulysses“ enthalte „keine zehn Seiten Herzlichkeit, alle sind sie zynisch, höhnisch“. So weit Stefan Zweig. Über Joyce und Zweig und Salzburg noch dazu: Anmerkungen zu einem disparaten Verhältnis.
Mehr unter: http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/486712/index.do?_vl_backlink=/home/spectrum/zeichenderzeit/index.do

Popmuseum
16.06.2009, 06:26
Fundstück zum Bloomsday

"Wenn ich gross bin
Ich bin nur ein kleiner Blindtext. Wenn ich gross bin, will ich Ulysses von James Joyce werden. Aber jetzt lohnt es sich noch nicht, mich weiterzulesen. Denn vorerst bin ich nur ein kleiner Blindtext." (Quelle: http://www.kurier.at/interaktiv/blog/sexinderfreizeit/)

Happy Bloomsday

:party: :dance: :party:

nerea87
16.06.2009, 07:36
Fundstück zum Bloomsday

"Wenn ich gross bin
Ich bin nur ein kleiner Blindtext. Wenn ich gross bin, will ich Ulysses von James Joyce werden. Aber jetzt lohnt es sich noch nicht, mich weiterzulesen. Denn vorerst bin ich nur ein kleiner Blindtext." (Quelle: http://www.kurier.at/interaktiv/blog/sexinderfreizeit/)

Happy Bloomsday

:party: :dance: :party:Klasse das Fundstück.

Ich habe schon Burgunder und Gorgonzola besorgt, der Bloomsday kann begangen werden.

Popmuseum
16.06.2009, 07:52
Klasse das Fundstück.

:-)


Ich habe schon Burgunder und Gorgonzola besorgt, der Bloomsday kann begangen werden.

Viel Vergnügen - auch mit dem Folgenden (Poem Animation Movie):

James Joyce reading "Anna Livia Plurabelle" from "Finnegans Wake"
http://www.youtube.com/watch?v=TUS7HgyouSI&feature=related

;-)

Popmuseum
02.02.2010, 14:12
Das Album "Too Much Thinking Sinks Ships" der Indie-Band Binary Dolls enthält ein sehr interessant klingendes Lied namens "Lucia Joyce": http://www.amazon.de/gp/dmusic/media/sample.m3u/ref=dm_dp_trk7_smpl?ie=UTF8&catalogItemType=track&ASIN=B002H19VFU&CustomerID=A10TZX43PIANP1&qid=1265113889&sr=8-3

Popmuseum
10.02.2010, 16:09
Jürgen Schneider (Berlin) hat mich soeben informiert, dass es eine neue Coverversion von Syd Barrets "Golden Hair" gibt:

"Hope Sandoval & The Warm Inventions haben für die Märzausgabe von Mojo (UK) Golden Hair von Syd Barrett (Pink Floyd) gecovered. Golden Hair stammt von Barretts 1970er Album The Madcap Laughs und basiert auf einem Gedicht von James Joyce."

http://images.q4music.com/content/mojo/covermounts/The_Madcap_Laughs_Again_MOJO_196.jpg

http://www.lieinthesound.de/2010/02/free-mp3-massive-attack-paradise-circus-feat-hope-sandoval/

SYD BARRETT: Four decades after recording his dark solo masterpiece The Madcap Laughs, those who knew psychedelia’s lost boy best join MOJO to tell the inside story of his mythical descent into madness.

Mojo: http://www.mojo4music.com/blog/2010/01/listen_to_syd_barretts_best_tr.html

http://cover.mojo4music.com/uploads/Images/399x567/633997510185934485.Jpeg

Popmuseum
22.03.2010, 19:17
A) Bloomsday (-Revue) 2010 in Wien

robert sommer (vom aktionsradius wien, http://www.aktionsradius.at) weist auf folgende Veranstaltung(svorbereitung) hin:

am mittwoch, 31. märz 2010, findet in 1200 wien, gaußplatz 11, ein treffen zur vorbereitung des bloomsday statt: beginn 19 uhr. es gibt schon einige fixpunkte und noch mehr ideen. vorgesehen ist eine bunte bloomsday-revue am 16. juni etwa ab 18 uhr, kann bis 23 uhr dauern (indoor und outdoor).

das engültige programm der bloomsdayrevue steht noch nicht fest. fix ist ein vortrag von robert streibel (direktor der vhs hietzing, wo übrigens am bloomsday auch magdalena steiners originale der ulysses-comics auf der augustin-rückseite ausgestellt werden), eine lesung mit eugen bartmer ("der nachmittag eines schriftstellers", 20 jahre alter text über die wiener kaffeehausliteraten mit ulysses-bezügen), und eine performance der tänzerin sibylle starkbaum. 2, 3 weitere programmpunkte sind noch zu vergeben.

die vorbereitungsbesprechung des bloomsdays ist für alle interessierte offen: mittwoch, 31. märz, 19 uhr, 1200 wien, gaußplatz 11. - wer etwas beitragen möchte und am 31. 3. nicht dabei sein kann: bitte vorschläge mailen! (http://www.aktionsradius.at/)

B) Wiener "Finnegans Wake Reading Group"

auch dieses Semester ist die Wiener "Finnegans Wake Reading Group", die unter http://www.facebook.com/group.php?v=wall&gid=160170100697 nunmehr auch Mitglied der vielerorts beliebten "Facebook"-Gemeinde ist, aktiv.

Die Wiener "Finnegans Wake"-Lesegruppe trifft sich jeweils am Donnerstag Abend zwischen 20:00 und 22:00, im "Institut für Anglistik und Amerikanistik" der "Universität Wien" (9. Spitalgasse 2-4, Hof 8.3, Raum 1, http://anglistik.univie.ac.at/).

http://p
hotos-d.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash1/hs478.ash1/26203_385080715888_654725888_3784084_4660751_n.jpg

Popmuseum
23.03.2010, 11:14
Die Hörfunksender DLF / ORF / rbb / SWR werden anläßlich des heurigen Bloomsdays Mitte Juni folgende Gemeinschaftsproduktion über "Lucia Joyce" ausstrahlen.

Lucia Joyce. Eine Geschichte, die eigentlich nicht erzählt werden sollte.
kulturradio rbb-Sendetermin: So 13.6., 14.04–15 Uhr.
Regie: Grace Yoon (die Autorin). Produktion: rbb/DLF/SWR/ORF 2010.

Aus der Ankündigung: Sie war das begabte Kind eines der größten Schriftsteller der literarischen Moderne, und sie endete in der Psychiatrie. Lucia war eine vielversprechende Künstlerin, die in Paris eine Karriere als Tänzerin begann. Ihre Geschichte ist das Drama, das Kind eines Genies zu sein, in dessen Familie kein Platz für eine zweite Künstlerin war. Sie war eine Inspiration für ihren Vater, der in „Finnegans Wake“ Wörter und Sprachen kreuzte, um den Gedankenstrudel eines Träumenden darzustellen. Doch ihre eigenen Träume blieben unerfüllt. 1932 kam sie zum ersten Mal in ein Sanatorium, der Krieg trennte sie von ihrer Familie, die in der Schweiz Zuflucht fand. Der Vater versuchte alles, sie zu sich zu holen, doch ihre Mutter, und ihr älterer Bruder Giorgio ließen sie im Stich. Nach James Joyce‘ Tod im Januar [1941] kümmerte sich eine Freundin der Familie um sie. Sie lässt Lucia nach England bringen, wo sie im St. Andrew‘s Hospital in Northampton nach langer Einsamkeit 1982 im Alter von 75 Jahren stirbt.

Programmaviso
http://www.kulturradio.de/download/feature/featuredok_04_10_06.file.pdf

Grace Yoon
http://graceyoon.de

Popmuseum
15.04.2010, 09:10
Matt Satterfield: A Portrait of Bob Dylan as the Artist – Dylan and James Joyce: http://leadingusabsurd.wordpress.com/2010/03/31/a-portrait-of-bob-dylan-as-the-artist-dylan-and-james-joyce/

Popmuseum
25.04.2010, 18:27
Die deutsche Band Despairation hat 2004 mit dem 78minütigen Konzept-Album "Music For The Night" 18 Lieder aufgenommen, die "den spirituellen Ideen von James Joyce, Arthur Rimbaud und William Blake folgen".

Hörproben: http://www.amazon.com/gp/product/B0035518EO/ref=dm_sp_alb?ie=UTF8&qid=1272212097&sr=8-1

"... Erst als ich das Buch „Ulysses“ von James Joyce gelesen hatte, dachte ich, es wäre interessant, sich strukturell daran zu orientieren. Wir haben also die Einteilung in 18 Kapitel übernommen und es war das Ziel, ebenso eine kurzen Zeitraum in ein ausladendes Konzept zu fassen. Wo bei 'Ulysses' über fast 1.000 Seiten ein einziger Tag im Dublin des Jahres 1904 erzählt wird, ist es bei uns die Geschichte von Elias, der seine Geliebte Melissa verloren hat und im Wunsche ihr nachzusterben in einer einzigen Nacht der Erkenntnis eine Reise durch sein Selbst antritt und dabei auch mit diversen Philosophien, Absichten und Erfahrungen konfrontiert wird. Letztlich haben die beiden Geschichten also außer der inspirativen Wirkung von 'Ulysses' auf 'Music For The Night' kaum mehr Gemeinsamkeiten. Von da an ist die ganze Sache intuitiv in sich gewachsen und die textlichen und musikalischen Fragmente sind mehr und mehr zu einem Ganzen geworden. Die entgültige Reihenfolge von Musik und den Stationen von Elias’ Reise wurden dabei jedoch erst recht spät festgelegt. Aber natürlich war von Beginn an eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Schreiben von Musik und Texten nötig, damit sich die Elemente gegenseitig ergänzen können und unterstreichen. ...

Mehr: http://www.metal.de/stories.php4?was=story&id=393

Popmuseum
29.04.2010, 08:57
http://www.aktionsradius.at/gaussplatzelf/2010/06/bloomsday2010.jpg

Link: http://www.aktionsradius.at/gaussplatzelf/2010/06/bloomsday2010.jpg

Popmuseum
29.04.2010, 09:47
In den vergangenen Jahren habe ich in diesem Thread zum "100. Bloomsday" (16. Juni 2004) zwar immer wieder Vertonungen von James Joyces Leben und Werk gepostet, aber sinnvollerweise gehörten diese in einen eigenen Thread, weshalb ich dieser Tage einen eigenen Thread zu "Liedern über James Joyces Leben und Werk" gestartet habe, damit der Threadtitel auch hält, was er verspricht:

Lieder über James Joyces Leben und Werk (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=40835)
Link: http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=40835

Auch die folgende Aufstellung hat ein Update erfahren:

James Joyces Leben und Werk in der Jazz-, Folk-, Pop- und Rockmusik (http://members.aon.at/andreas.weigel/James-Joyce-Vertonungen)
Link: http://members.aon.at/andreas.weigel/James-Joyce-Vertonungen

- - -


James Joyce wäre ein sehr ergiebiges Thema für eine bunt gemischte Rolling Stone Rare Trax-CD. Schließlich gibt es eine Menge mehr oder weniger interessanter Lieder, die sich ausführlicher mit James Joyces Leben und Werk beschäftigen. Anspielungen und Namedropping findet man und frau ja auch bei Van Morrison, den Pogues, Lou Reed und vielen anderen mehr (http://www.themodernword.com/joyce/music/pomes_penyeach.html) (Siehe auch: The influence of James Joyce on Popular Music... (http://www.cluas.com/music/features/james_joyce.htm)).

Rollingstone-Chef Bernd Gockel hat im Februar 2009 an einer Rolling Stone Rare Trax-CD zum Bloomsday übrigens durchaus Interesse gezeigt, aber der zuständige Jürgen Ziemer hat sich leider nie gemeldet:


vielen Dank für die Anregung, die ich hiermit an unseren Compilator Jürgen Ziemer weiterleite. Zweifel habe ich allerdings, weil a) uns die großen Konzerne kein kostenloses Repertoire geben (Kate Bush, Syd Barrett etc. werden also entfallen) - und b) ich mich frage, ob es musikalisch zu sehr durch den Gemüsegarten geht. Aber vielleicht kann Jürgen Ziemer ja mal ein Ohr auf Ihre versteckte Festplatte werfen. Herzlichen Dank. Tschüs, Bernd Gockel

nerea87
29.04.2010, 11:43
[
Rollingstone-Chef Bernd Gockel hat im Februar 2009 an einer Rolling Stone Rare Trax-CD zum Bloomsday übrigens durchaus Interesse gezeigt, aber der zuständige Jürgen Ziemer hat sich leider nie gemeldet:Das wäre doch eine tolle Idee.

Vielen Dank übrigens für deine vielen Anregungen rund um Joyce. Sehr bereichernd.

Popmuseum
29.04.2010, 14:05
Das wäre doch eine tolle Idee.

:bier:


Vielen Dank übrigens für deine vielen Anregungen rund um Joyce. Sehr bereichernd.

Gerne geschehen. Dein Benutzertitel verpflichtet Dich ja aber auch dazu: ... Der Haensli ist ein Butterbrot, mein Butterbrot! Und Koebi iss dein Schtinkenkot! Ja! Ja! Ja! (Finnegans Wake 163) :-)

nerea87
29.04.2010, 14:35
:bier:



Gerne geschehen. Dein Benutzertitel verpflichtet Dich ja aber auch dazu: ... Der Haensli ist ein Butterbrot, mein Butterbrot! Und Koebi iss dein Schtinkenkot! Ja! Ja! Ja! (Finnegans Wake 163) :-)Finnegans Wake kenne ich bisher nur in einigen kleinen Auszügen, da bin ich bisher so gar nicht mit klar gekommen.

An Ostern habe ich mal die deutsche Übersetzung der Dubliners gelesen und das Original danebengelegt (nur The Dead). Das hat viel Spass gemacht und gezeigt, wie Joyce schon da jedes Komma genau überlegt hat. Und seine recht nüchtern erzählende Sprache funkelt dann auf einmal immer mehr.

Popmuseum
29.04.2010, 14:43
Finnegans Wake kenne ich bisher nur in einigen kleinen Auszügen, da bin ich bisher so gar nicht mit klar gekommen.

Da bist Du nicht (ganz) allein. :lol:

Ich habe es in den vergangenen Monaten Wort für Wort gelesen - verstanden eher nicht, wenn man davon absieht, was ich darüber schon vor der Lektüre durch die umfangreiche Sekundärliteratur wusste. - Aber jetzt weiß ich wenigstens, welche Wörter darin vorkommen und welche nicht - und das ist schon etwas (Ich habe mir jeden Tag ein Pensum von rund zehn Seiten - mal mehr, mal weniger -vorgenommen und mich mühsam durch das Werk gelesen. So viel ist sicher: Die Freude war groß als ich's nach rund einem Vierteljahr endlich absolviert hatte).

nerea87
03.05.2010, 23:20
Da bist Du nicht (ganz) allein. :lol:

Ich habe es in den vergangenen Monaten Wort für Wort gelesen - verstanden eher nicht, wenn man davon absieht, was ich darüber schon vor der Lektüre durch die umfangreiche Sekundärliteratur wusste. - Aber jetzt weiß ich wenigstens, welche Wörter darin vorkommen und welche nicht - und das ist schon etwas (Ich habe mir jeden Tag ein Pensum von rund zehn Seiten - mal mehr, mal weniger -vorgenommen und mich mühsam durch das Werk gelesen. So viel ist sicher: Die Freude war groß als ich's nach rund einem Vierteljahr endlich absolviert hatte).Du sprichst da etwas an, was mich schon lange beschäftigt: Joyce wird ja oft als "Muß"-Autor gesehen, den man sich erarbeiten muss, um literarisch mithalten zu können. Und dann geht man, gerüstet mit viel Sekundärlitertur und vorher noch mal schnell "Homer für Eilige" ans Lesen des Ulysses, und langweilt sich.

Vielleicht hatte ich Glück, mir ist der Ulysses, als erstes Joyce-Buch, in die Hand gefallen, ohne dass mir der Autor allzuviel gesagt hatte. Ich hab es gelesen, beim ersten Kapitel im Martelloturm fand ichs öde, aber dann war es oft so totwitzig, dass ich einfach weiter und weiter las, ok, bis auf die Reise in die englische Sprache, die habe ich mehr so überblättert. Erst später wurde mir bewußt, dass ich eines der heiligen Bücher gelesen hatte, und das es da soviele Bezüge gibt, die man einfach wissen muss, um es verstehen zu können. Ich glaube, das hätte mir den Spaß gründlich verdorben.

Deswegen finde ich dein Vorgehen einfach toll: Das quasi unlesbare einfach lesen, und dann stolz zu sein, wenn man durch ist. Dein kleines Zitat zeigt, welche Perlen einem beim Lesen über den Weg laufen, die schon als Zitat, als Stelle, funktionieren. Auch wenn man das Werk so gar nicht wirklich versteht. Diese Vielschichtigkeit finde ich bei Joyce so überragend, da ist schon beim ersten Lesen ganz viel, das klasse ist, aber da ist noch viel mehr zu entdecken.

Deshalb habe ich auch so viel Freude an meiner kommentierten Ausgabe des Ulysses, die ich immer wieder irgendwo aufschlage und mich dann festlese. Es ist faszinierend.

Popmuseum
05.05.2010, 17:34
Dein von jedweder Vorbelastung unverbauter Zugang war vermutlich der allerbeste, den man/frau haben kann.

Canzione
12.05.2010, 22:44
Hallo Popmuseum, ich habe irgendwo gelesen, dass es eine Art WorldWideWeb, eine Verschwörergemeinde von Joyceianern in aller Welt gäbe, die einander kennten und sich die Ergebnisse ihrer Dechiffrierungen überkomplexer Wake-Wörter auf hektographierten Blättern zuschickten. Diese Art von Geheimbündlerei, mutet in meinen Augen schon ein wenig merkwürdig und abgehoben an.

Popmuseum
13.05.2010, 12:53
Hallo Popmuseum, ich habe irgendwo gelesen, dass es eine Art WorldWideWeb, eine Verschwörergemeinde von Joyceianern in aller Welt gäbe, die einander kennten und sich die Ergebnisse ihrer Dechiffrierungen überkomplexer Wake-Wörter auf hektographierten Blättern zuschickten. Diese Art von Geheimbündlerei, mutet in meinen Augen schon ein wenig merkwürdig und abgehoben an.

Hallo Canzione, das hat(te) nichts mit Geheimbündlerei zu tun. Als die ersten - über die ganze Welt verstreuten - Joyceaner ihre Leseeindrücke und Funde austauschen wollten, gab's weder E-Mail noch Internetforen, ja nicht einmal Telefax oder Kopierer, weshalb die Texte hektografiert und der Post anvertraut wurden. Bei Arno Schmidt war's bis zur Gründung des Bargfelder Boten dann wohl ähnlich. - Heute ist dank des Internetz' der Informationsaustausch unvergleichlich einfacher. - Ja, der Fortschritt hat oft 'was Gutes!

Das RS-Forum, wo in manchen Threads ein ähnlicher Infoaustausch erfolgt, ist ja auch keine Geheimbündlerei.

Canzione
13.05.2010, 14:51
Da war die Joyce-Welt noch überschaubar, ihre Bewohner zählbar. Das war vor den Zeiten der Joyce-Industrie. Verstehe.


@ Wake

Finnegans Wake wird im allgemeinen als eine glänzende literarische Sackgasse betrachtet. Reich-Ranicki hat sogar behauptet, Joyce werde maßlos überschätzt, weil niemand ihn lese. Seiner Ansicht nach führt Joyce´ Spätwerk exemplarisch vor Augen, in welche Falle experimentelles Schreiben geraten kann, wenn es rein experimentell wird. Und auch Arno Schmidt verurteilt das Buch als in seiner Form mißglückt, als literarische Sackgasse, als "gezwungensten Stelzengang" und "Wortgeknorple" und gibt kund: "Wohl möchten die Joyce-Fans uns gerne glauben machen, daß während der Arbeit an ´Finnegans Wake´ seine Meisterschaft ins Unbegreifliche wuchs: In Wirklichkeit ist ziemlich viel DADA drin."

Popmuseum
13.05.2010, 20:40
... Reich-Ranicki hat sogar behauptet, ...

"behauptet" schon - aber ohne Kopf. :-) - Reich-Ranickis Satz habe ich erstmals Anfang Mai bei meinem jüngsten Besuch in der "Zürcher James Joyce Stiftung" gelesen, wo er (ungerahmt) über einer Türe hängt.

http://members.aon.at/andreas.weigel/images/Ranicki.jpg

Popmuseum
15.06.2010, 20:09
Der kommende Bloomsday, der in Wien seit einigen Jahren teils mit mehreren Veranstaltungen, teils mit Verunstaltungen begangen wird, findet auch in der morgigen "Presse" Beachtung:

Franz K. Stanzel: Bloomsday-Feiern und kein Ende?
Der Gedenktag zu Ehren von James Joyces herausragendem Roman "Ulysses", der am 16. Juni spielt, wird weltweit sowohl mit Symposien wie mit Straßenfesten begangen: die Geschichte eines Phänomens.
http://diepresse.com/home/kultur/news/573958/index.do

Wiener Bloomsday-Veranstaltungen - June 16: Bloomsday 2010 in Vienna
http://www.ernesto.cc/bloomsday.html
http://www.ernesto.cc/bloomsday-ernst.html

Ich werde morgen jedenfalls Franz K. Stanzels Bloomsday Lecture: „The Irishing of Joyce's Austrian Years“ (http://anglistik.univie.ac.at/news/singleview/article/28343/bloomsday-lecture-the-irishing-of-joyces-austri/) besuchen und gehe dann zur "Book presentation and 'Bloomsday' celebration" der Irischen Botschaft, wo irische Lieder gesungen und Joyce-Gedichte vorgetragen werden. - Gastvortrag Stanzel 160610 (http://anglistik.univie.ac.at/uploads/media/Gastvortrag_Stanzel_160610.doc)

Popmuseum
24.06.2010, 22:19
Gerald Grassl oder Unredlichkeiten in Sachen James Joyce
http://members.aon.at/andreas.weigel/Grassl.htm

http://members.aon.at/andreas.weigel/images/Tarantel-A.jpg

[...]

http://members.aon.at/andreas.weigel/images/Tarantel-B.jpg

Selbstverständlich existiert „Joyces Engagement für die Nazis“ nur in Gerald Grassls verworrenem Kopf und Artikel, da Grassl eine im ersten Kapitel von Burgess' „Joyce für Jedermann“ wiedergegebene Anekdote restlos missverstanden hat, indem er James Joyce mit William Joyce (http://de.wikipedia.org/wiki/William_Joyce) (aka „Lord Haw-haw (http://de.wikipedia.org/wiki/Lord_Haw-Haw)“) verwechselt.

Burgess schreibt im ersten Kapitel des Buches: „Damals war der Ulysses vom Hörensagen auch den sogenannten Nichtintellektuellen allgemein bekannt, wenngleich für sie der Name Joyce nichts anderes bedeutete als einen englischen Verräter, der im Propagandafunk der Nazis sprach.“

Canzione
25.06.2010, 00:19
@ Joyce´Begeisterung für Wagner

Klaus Reichert:


Nietzsche widmete seine Schrift ("Die Geburt der Tragödie") Richard Wagner, in dem er den "erhabenen Vorkämpfer auf dieser Bahn" sah, nämlich der Überzeugung "von der Kunst als der höchsten Aufgabe und der eigentlichen metaphysischen Tätigkeit dieses Lebens." In seiner Schrift analysiert Nietzsche zunächst die Geburt der Tragödie "aus dem Geist der Musik", wie der Untertitel der ersten Ausgabe lautete, sodann ihren Niedergang im Zusammenhang mit der sokratischen Philosophie. Dann fährt er aber fort mit einer Beschreibung der Wiedergeburt der Tragödie, die für ihn im Musikdrama Wagners Gestalt angenommen hatte. Und es ist Wagner, der ebenfalls für die Entwicklung des Joyceschen Denkens zentral ist. Im Unterschied zu Nietzsche, über den Joyce sich ausschweigt, nimmt er immer wieder auf Wagner Bezug, und in der Triestiner Bibliothek finden sich nicht nur Klavierauszüge und Libretti, sondern auch Briefausgaben und eine englische Ausgabe der Prosaschriften von 1892, worin er Wagners berühmten Essay über "Die Kunst und die Revolution" (1849) lesen konnte.
[...]

Der Künstler, jedenfalls so, wie Wagner ihn in seinen frühen Schriften begriff (etwa in "Das Künstlertum der Zukunft" von 1849), ist nichts weiter als Vermittler: der wirkliche, der einzige Künstler ist das Volk. Eine solche Auffassung war der von Ibsens vom einsamen Künstler-Aristokraten entgegengesetzt. Im "Tag des Pöbels" hatte Joyce noch die Partei Ibsens ergriffen. Doch in seinem Vortrag über "Drama und Leben" vertrat er die Ansicht, das Drama habe eine soziale Funktion. Der Künstler als Mittler: er sollte durch das "ungeschaffene Bewußtsein seines Volkes" hinunterreichen, die schlummernden Kräfte befreien und in seinen Schöpfungen ans Licht ziehen. Joyce sagt in "Drama und Leben": "Jedes Volk hat seine eigenen Mythen geschaffen, und in ihnen findet das frühe Drama oft einen Ausdruck. Der Autor des Parsifal hat das begriffen, und daher ist sein Werk so unerschütterlich wie ein Felsblock".

Diese Beobachtung ist etwas schief. Gewiß schöpfte Wagner aus dem Mythenbestand, zumeist dem germanischen oder was er dafür hielt, aber der springende Punkt ist, wie er sie umschuf. Mythen waren für ihn Rohmaterial, Steinbrüche, aus denen er sich bediente, um seine eigenen Mythen zu bauen. Wagners Gründe dafür sind vielschichtig. Er glaubte, daß die Mythen, denen das Mittelalter literarische Form gegeben hatte, noch ein Teil des kollektiven Unbewußten seines Volkes waren und das Fühlen und das Handeln der Menschen mitbedingten. Oder umgekehrt: Unter den verschiedenen Gestalten der äußeren Erscheinung ließen sich immer noch die alten Formen und Motivationen entdecken.

Es ist leicht zu sehen, was Joyce aus dieser Art von Annäherung an den Mythos machen würde. Er hatte ein Gespür für das, was er "universale Bedeutung" nannte, wenn er, wieder in "Drama und Leben", sagte: "Lohengrin, dessen Drama sich in einer Szenerie der Abgeschiedenheit, im Halblicht, entfaltet, ist keine antwerpische Legende, sondern ein Weltdrama." Aber Wagner hatte kaum eine solche universale Applizierbarkeit seiner Mythen im Sinn. Er wollte sein Volk mit dessen eigenem Mythos konfrontieren, in der klaren Absicht einer kritischen Zurschaustellung gesellschaftlicher Kräfte. Sein Siegfried ist ein recht offensichtliches Beispiel für den neuen, den ersehnten Heldentypus - ein Träumer, der etwas von einem Toren hat und mehr im amorphen Reich seines Unbewußten lebt als im Licht der Vernunft, kurz, ein deutscher Prototyp, der aber die Verlockungen des jüdischen Intellektualismus oder des bürgerlichen Kapitalismus (der Nibelungenhort) verächtlich zurückweist und sich eigensinnig durchkämpft, auch auf die Gefahr hin, daß er dabei selber oder daß die ganze Welt zugrunde geht.

Joyce sah nicht immer die Komplexität der Sigfried-Figur, als er seinen Stephen sich partiell mit ihr identifizieren ließ. Auch Stephen wischt kurzerhand die Ansprüche seiner Familie, seines Landes und seiner Kirche beiseite. Bevor er sich in diesem Sinne (im Gespräch mit Cranly) äußert, hört er das Waldvogel-Motiv aus dem SIEGFRIED als eine Art Auslöser. Obwohl er nicht das neue Schwert, Nothung, wie Siegfried in der Schmiede Mimes schmiedet, zieht er am Ende aus, um "in der Schmiede meiner Seele das ungeschaffene Gewissen meines Volkes zu schmieden", nimmt sich also auf seine Weise gewissermaßen vor, was Sigfried erstrebte. Doch im "Circe"-Kapitel des ULYSSES schwingt Stephen seinen Eschenstock und zertrümmert mit dem Schrei "Nothung" den Kronleuchter des Bordells, in einem Akt, der den "Untergang allen Raums" auslöst. Das schaurige Pathos wird hier in seiner Lächerlichkeit vorgeführt.




Es war jedoch Wagners Technik, von der Joyce am meisten lernte. Wagner arbeitete mit relativ kleinen musikalischen Einheiten - der Melodie, der Akkorde, des Rhythmus, der Instrumente - , die er verschiedenen Themen und Figuren (Figurengruppen) zuordnete. Sie werden so eingeführt, daß der Hörer von ihnen her sofort die Themen oder Figuren erkennen kann; der Hörer weiß, wenn ein bestimmtes Hornsignal ertönt, wird ein bestimmter Charakter gleich auftreten. Es ist das, was Wagner die "Leitmotiv"-Technik nannte.
[...]

Als Joyce den Ulysses komponierte, hatte auch er eine Art Gesamtkunstwerk im Sinn. Er benutzte nicht nur die literarischen Gattungen - Lyrik und Drama, Satire und Parodie, unterschiedliche Erzählstile -, er machte zugleich Sprache hörbar, indem er ihren Materialcharakter - Laute, Klänge, Rhythmen - thematisierte und nach musikalischen Regeln komponierte (wie im "Sirenen"-Kapitel). Er wollte ferner die Totalität der Sinneseindrücke gestalten, und darum spielen Gerüche und Geschmacksempfindungen eine so große Rolle, die niederen Körperfunktionen, die physiologischen Auswirkungen der Trunkenheit, doch nicht, indem sie beschrieben werden, sondern indem Joyce sie vollständig in Sprachformen - etwa auf der Ebene der Syntax im Falle der Trunkenheit - transformiert.


Wie Wagner wollte Joyce zum kollektiven Unbewußten seiner Charaktere vorstoßen: Bloom sollte der Jedermann sein, Molly alle Frauen. Wagners Leitmotiv-Technik lehrte ihn, vergleichsweise kleine sprachliche Einheiten in den Text einzuführen, mit denen er arbeiten, die er erweitern konnte, um das stets komplexer werdende System der Bezüge und Überkreuzungen zu etablieren. Das ist deutlich von dem Moment an, wo Joyce voll über seine künstlerischen Mittel verfügt, also seit der ersten Seite der Dubliner und des Porträt. Für den Ulysses lernte er von Wagners Technik, wie die vielschichtigen Facetten der Charaktere anzulegen wären, wie eine simultane Präsentation des Charakters - bewußte, vorbewußte, unbewußte Schichten gleichzeitig im Blick - auf den verschiedenen Sprachebenen möglich sein könnte. Unter dem Gesichtspunkt der Technik oder der unerhörten Kombinationsmöglichkeiten, die die Grenzen der Künste so maßlos erweiterten, war es gewiß Wagner, der den tiefsten und beständigsten Einfluß auf die Kunst von Joyce ausübte.

Popmuseum
22.12.2010, 16:42
http://members.aon.at/andreas.weigel/images/VHS-Bloomsday.JPG

Popmuseum
27.12.2011, 21:03
Hinweis auf zwei interessante Neuerscheinungen zu James Joyce:

Fritz Senn: Noch mehr über Joyce. Streiflichter.

Aus der Verlagsankündigung: "Joyce, heißt es, sei schwierig. Fritz Senn, der Doyen der Joyce-Forschung und Leiter der James Joyce Stiftung Zürich, hat das nie geglaubt. Mit seinen eleganten, unaufdringlich witzigen Essays zu den großen Themen des kosmopolitischen Iren und den Details seiner Texte gibt er jetzt allen neugierigen und abenteuerlustigen Lesern eine einzigartige Einführung in das Werk des wohl berühmtesten Autors der literarischen Moderne. Senn betreibt eine fröhliche Wissenschaft, die ohne gelehrten Apparat auskommt. Geduldig dröselt er knifflige Passagen auf und spürt den mehrsprachigen Assoziationen nach, die der zwischen Dublin, Triest, Paris und Zürich umher getriebene Joyce mit seinen Sprachexperimenten weckt. Er nimmt auch Leser ohne Vorbildung an die Hand und erhellt durch detaillierte Erörterungen des Originals sowie einiger Übersetzungen die Eigenheiten des Joyceschen Kosmos. Indem Senn ohne zu belehren den Facettenreichtum, die kunstvolle Bauart und abgründige Komik der Joyceschen Werke erschließt, macht er das Selberlesen zum Erlebnis."
http://www.weltbild.at/3/17156795-1/buch/noch-mehr-ueber-joyce.html

James Joyce: Geschichten von Shem und Shaun Tales Told of Shem and Shaun
Englisch und deutsch Herausgegeben, übertragen und mit einem Nachwort versehen von Friedhelm Rathjen.

Aus der Verlagsankündigung: "Lange vor der Veröffentlichung von Finnegans Wake (1939) wurden bereits einige Teile daraus separat in Buchform veröffentlicht – darunter nicht nur das berühmte Kapitel Anna Livia Plurabelle (1928), sondern auch Tales Told of Shem and Shaun (1929).
Der Keim der Entstehung dieser drei Geschichten liegt in einer Fehde zwischen den Schriftstellern James Joyce und Wyndham Lewis, die sich bei gemeinsamen Zechtouren durch Paris kennengelernt hatten. Joyce beantwortet eine heftige Attacke Lewis’ auf den Ulysses (»ein Monument wie ein Rekorddurchfall«) und auf das entstehende Finnegans Wake (»Kinderspielchen à la Gertrude Stein«).
Es gibt in Finnegans Wake bekanntlich keinen ›eigentlich gemeinten‹ Sinn, sondern ein Geflecht aus vielen fragmentarischen Sinnebenen, die sich gegenseitig ergänzen, durchdringen und auch aufheben; eben dies ist die besondere Qualität des Buches. Ziel des Übersetzers Friedhelm Rathjen war es, so viele der im Original vorhandenen Bedeutungen wie irgend möglich wiederzugeben, und zwar in eben der Abfolge und Verschränkung, in der sie im Original erschienen: »Finnegans Wake ist ein kühnes Buch für kühne Leser, und das Amt des Übersetzers kann es nur sein, dafür zu sorgen, daß beide zusammenfinden.« "
http://www.suhrkamp.de/buecher/geschichten_von_shem_und_shaun_tales_told_of_shem_ and_shaun-james_joyce_22468.html

http://www.weltbild.at/media/ab/2/040/398/040.398.856.jpg

Popmuseum
07.02.2012, 14:54
Kommenden Sonntag, den 12.2.2012, wird um 13.30 Uhr im Deutschlandfunk
ein Interview mit dem Joyce-Fachmann Fritz Senn ausgestrahlt.

In der Sendung "Zwischentöne - Musik und Fragen zur Person" spricht Fritz Senn mit Michael Langer über Leben, Werk und Wirken von James Joyce, unter anderem auch über das neueste Buch aus seiner Feder, das soeben im Schöffling Verlag erschienene "Noch mehr über Joyce: Streiflichter".

Sendungsinformationen unter: http://www.dradio.de/dlf/playlist/dlf_zwischentoene/1671080/

Die Sendung ist zur Sendezeit auf der Website des Deutschlandfunks http://www.dradio.de/dlf/ als Live-Stream zu hören.

Popmuseum
12.02.2012, 10:58
Kommenden Sonntag, den 12.2.2012, wird um 13.30 Uhr im Deutschlandfunk ein Interview mit dem Joyce-Fachmann Fritz Senn ausgestrahlt. [...] Sendungsinformationen unter: http://www.dradio.de/dlf/playlist/dlf_zwischentoene/1671080/

Die Sendung ist zur Sendezeit auf der Website des Deutschlandfunks http://www.dradio.de/dlf/ als Live-Stream zu hören.

Das ist heute. :-)

nerea87
17.02.2012, 12:40
Das ist heute. :-)Oh, danke, sehe ich ja jetzt erst. Die Sendung ist (ohne die Zwischenmusik) noch online:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/02/12/dlf_20120212_1330_79becae9.mp3

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/02/12/dlf_20120212_1410_c9ceed90.mp3

Popmuseum
20.02.2012, 17:23
Oh, danke, sehe ich ja jetzt erst. Die Sendung ist (ohne die Zwischenmusik) noch online:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/02/12/dlf_20120212_1330_79becae9.mp3

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/02/12/dlf_20120212_1410_c9ceed90.mp3

Danke für die beiden MP3-Links, deren Inhalt ich eben downgeloadet habe, damit ich mir die Sendung bei Bedarf erneut anhören kann.

Popmuseum
15.04.2012, 18:27
TERENCE KILLEEN: Joyce collection published free on web
http://www.irishtimes.com/newspaper/ireland/2012/0412/1224314641103_pf.html