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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Big Band Thread



dougsahm
28.02.2004, 12:07
Es wurde ein Big Band Thread gewünscht. Hier ist er.

Vorausschicken möchte ich, dass ich kein Bigband-Spezialist bin. Trotzdem habe ich einen gewissen Zugang dazu gefunden. Der Auslöser war an sich banal: So um 1980 rum hatte ich meine erste Hifi-Anlage, die dieses Wort auch verdient. Zeitgleich bin ich auf einige aktuelle Count-Basie LP’s gestossen. Und es ist schon ein Erlebnis eine sauber im Studio produzierte Bigband mit ausschliesslich natürlichen Instrumenten über eine feine Anlage zu hören. Gibt’s mit klassischer Musik ebenso. Aber ich bin nun mal bei der Bigband als Referenz für die Anlagenqualität gelandet.

Die Folgejahre habe ich mich sowohl mit den Wurzeln der Bigbands immer wieder mal beschäftigt als auch aktuelle Entwicklungen punktuell (ich betone punktuell) verfolgt.

Allgemein wird eine Bigband eine größere Besetzung von mindestens 10 Musikern gesehen. Als die Musiker noch billiger und die Zeiten noch schlechter waren konnten es auch schon mal 30 werden. Sehr oft wird der Bigband ausschliesslich mit grossen Orchestern der 20er bis 50er assoziiert, was natürlich oberflächlich ist. Ich möchte mal folgende Schubladen einrichten, die meiner eigenen Kategorisierung entspringen und natürlich diskutierenswert sind.

1. Der Ursprung – die 20er bis 50er

Dies Zeit als der Bigband-Swing noch als DIE Variante des Swing galt, hat mich nie gepackt. Das liegt zum einen daran, dass die Aufnahmequalität meist nur historischen Charakter hat und mir der musikalische Bezug zu dieser weit zurückliegenden Zeit fehlt. Prominente Beispiele wären z.B. Fletcher Henderson, Benny Goodman, Duke Ellington (mit alten Aufnahmen) oder Jimmie Lunceford.

2. Typische Bigband-Alben in der zweiten Jahrhunderthälfte

Als der Bebop auf der Matte stand und später sich dann Blues und Rock bereits weiterentwickelt hatten UND eine superbe Aufnahmequalität erreicht werden konnte, beginnt für mich der Reiz von Bigbands. Ich mach einfach mal Namedropping von einigen Scheiben, die ich wirklich für zeitlos und perfekt halte. Dabei versuche ich mich auf Studioalben zu konzentrieren, weil diese eben meist perfekter klingen als Live-Aufnahmen. Ganz ohne Live-Aufnahmen kommt man aber nicht aus, weil doch zunehmend Usus wurde aus finanziellen Gründen eher ein Live-Album innerhalb 2 Stunden aufzunehmen als aufwendige Studio-Sessions zu entlohnen.

Die Nahtstelle zwischen den 40er/50ern und der Neuzeit:

Count Basie
Beispiele:
88 Basie Street (1984)
Prime Time (1977)
Farmers Market Barbecue (1982; war meine Erste frisch nach Erscheinen und Liebste)
Basie’s Beatle Bag (1966; ausschliesslich Beatles-Titel; für Denjenigen, der gewohnte „Melodien“ zum Einstieg braucht)

Duke Ellington (ohne die klassischen Aufnahmen in mässiger Aufnahmequalität)
Duke Ellington Meets Count Basie (1962) incl. den BEIDEN Orchestern. Duke Ellington Orchestra im rechten Kanal. Count Basie Orchestra im linken Kanal. Bigbandiger geht es nicht.
Ella And Duke At The Cote D’Azur (Live 1966 2CD)

Max Greger (jaaa!)
European Jazz Sounds (1963)
Maximum (1965)

Peter Herbolzheimer
Z.B. Fat Man 2, Fatman Boogie, Bigband Bebop oder irgendwelche Zusammenstellungen, die es inzwischen geben dürfte.

The United Jazz & Rock Ensemble (finde ich aber zu technisch und seelenlos – zumindest meistens)

Buddy Rich: z.b. Swinging New Band (1966)

The Ernie Wilkins Almost Bigband: z.B. Montreux, On The Roll, Selftitled

Jeannie & Jimmy Cheatham: Bei uns sooo unbekannt und dabei soooo gut an der Nahtstelle zwische Bigband Jazz und Blues, aber wesentlich näher am Bigband-Jazz. Meist 10 Personen. Ab und zu nur 8 Personen, ab und zu 14 oder mehr. Folgende CD’s habe ich und die sind alle perfekt: Back To The Neighborhood, Basket Full Of Blues, Blues And Boogie Masters, Homeward Bound, Luv In The Afternoon (mein Tip)

Dizzy Gillespie:
One Night In Washington
Dizzy Gillespie Y Machito: Afro Cuban Jazz Moods

3. Bigband-Aufnahmen mit südamerikanischen Elementen

Letztgenanntes Album gehört bereits dazu, aber auch folgende Interpreten sind mit ihren Bigband-Aufnahmen nahezu uneingeschränkt hörenswert und kaufenswert:

Machito (z.B. And His Salsa Big Band 1982)

Tito Puente (z.B. El Rey, Mambo Diablo, Royal T)

Stan Getz – Big Band Bossa Nova (1962)

Conexion Latina (z.B. Calorcito); Exil Südamerikaner aus München, bei denen man musikalisch aber nichts europäisches erkennen kann. Hierzu muss ich glatt eines der besten Cover-Fotos einstellen, die ich kenne.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000005C7J.03.LZZZZZZZ.jpg

4. Bigband-Aufnahmen mit Vokalisten im Vordergrund

Jon Hendricks And Friends – Freddie Freeloader (absolute Empfehlung !!! )

Ella Fitzgerald, z.b.
Ella And Duke (Ellington) At The Cote D’Azur (Live 1966 2CD)
Ella swings brightly with Nelson (Riddel and his Orchestra)

Sarah Vaughn – Sings The Mancini Songbook
Nancy Wilson – Welcome To My Love
Nancy Wilson - Sings The Hits



5. Innovative ungewohnte Bigband-Klänge

Sowohl Bengt Berger & His Bitter Funeral Beer Band (Skandinavier der afrikanische Einflüsse verarbeitet – so was mag ich an sich überhaupt nicht – aber er schafft es grandios) als auch das Willem Breuker Kollektief (z.B. Bob’s Gallery) verbinden neue Ideen geglückt mit Humor.
Die Carla Bley Band schätze ich mehr, wenn sie knapp unter Bigband-Besetzung bleibt, wie auf der formidablen Social Studies.
Unbedingt genannt werden müssen auch noch das Vienna Art Orchestra mit Matthias Ruegg und das Sun Ra Orchestra. Mit diesen beiden kann ich jedoch aufgrund der starken Experimentierfreude wenig anfangen. Vielleicht habe ich auch von Sun Ra noch nicht das Passende gehört.

Alle genannten Alben stehen entweder als LP oder CD in meinen Regalen. Alle sind uneingeschränkt empfehlenswert. Vieles davon ist als Reissue auch heute zu vernünftigen Preisen zu erhalten.

So. Das dürfte mal fürs Erste reichen.

Jan Dark
28.02.2004, 12:37
sehr schön aufgemacht doug. aus der latino ecke kann ich den inzwischen leider auch schon verstorbenen *mambo king* mario bauza and his afro cuban jazz orchestra sehr empfehlen. hab ich 1992 auf dem berliner heimatklänge festival im tempodrom kennengelernt und war dermassen begeistert dass ich gleich alle fünf tage hingegangen bin. über zwanzig musiker und sänger auf der bühne. allein die bläser sektion bestand aus ca zehn leuten und wenn die losgelegt haben hat die luft gebrannt. es gibt wohl insgesamt nur drei studio alben. die zwei hab ich:

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf300/f349/f34993e9yd5.jpg http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd100/d156/d156143e782.jpg
the tanga suite ........... & .......... my time is now

dagobert
28.02.2004, 13:21
ich möchte schon lange mal was von francy borland in die finger krigen. habe mal eine sehr schöne sendung in der wdr-jazznacht über ihn gesehen.

atom
28.02.2004, 14:04
Vielen Dank an dougsahm für den wunderbaren Eingangspost. Ich werde gern in nächster Zeit Ergänzungen beisteuern.

@ dagobert: Sehr zu empfehlen sind ein paar Aufnahmen der Clarke-Boland Big Band, die sie für das MPS Label gemacht haben. Allerdings ist die Grenze zwischen Innovation und Stagnation hauchdünn, so daß ich in nächster Zeit mal ein paar Plattentipps nennen werde.
Ich muß mal nachschauen, denn ich habe irgendwo eine Dokumentation über Francy Boland und Kenny Clarke, die könnte ich Dir dann zur Verfügung stellen.

dagobert
28.02.2004, 14:18
@atom
hört sich gut an. würde mich freuen.
ist dir "faces suit" ein begriff?

Ford Prefect
28.02.2004, 23:08
Im letzten August war ich auf nem Konzert von einer ungarischen Big Band namens "Budapest Ragtime Band", die New Orleans-Jazz gespielt hat, Open Air im Hof eines Weinguts.

War sehr schön, nur verdammt heiß...

BlackJack
01.03.2004, 10:01
Ist Maynard Ferguson auch Big Band? (lyncht mich nicht, ich habe von Jazz keine Ahnung ;) )

dougsahm
01.03.2004, 20:26
Originally posted by BlackJack@1 Mar 2004, 10:01
Ist Maynard Ferguson auch Big Band? (lyncht mich nicht, ich habe von Jazz keine Ahnung ;) )
Diese Frage kann man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Kommt darauf an um welche Periode und um welches Album es sich handelt.

In den 50ern sowie in den letzten Jahren gibt es wohl Bigband-Aufnahmen mit Ferguson als Leader. In den 80ern liess er sich wohl aus finanziellen Gründen zu grausamen Fusion-Jazz hinreissen.

Ich habe höchstens zufällig mal was von ihm gehört, kann mich aber nicht erinnern und somit die Qualität nicht beurteilen.

otis
01.03.2004, 23:04
ich bin letztens auf die african waltz von cannonball gestoßen. und sie kam mir sehr schön daher. aber habe keine/kaum vergleichsmöglichkeiten.

jimmyjazz
01.12.2005, 16:19
buddy rich war ja auch bekannt dafür, seine bandkollegen im bus niederzumachen, wenn ihm was nicht gepasst hat. irgendjemand aus der band ließ dann einfach mal ein tape laufen und so entstanden die bootlegs mit buddy richs tiraden. sehr lustig, ein paar zeilen wurden auch in "seinfeld" verwendet. ein paar auszüge (mit transkripten, die ausioqualität ist nicht besonders) gibt es hier (http://www.cis.rit.edu/~ejipci/buddy_rich.htm).

moody
01.12.2005, 23:59
gelöscht

Radiowecker
09.12.2005, 18:29
brass machine von maynard ferguson is für mich das beste bigband lied das es gibt.. obwohl mir auch mercy mercy mercy von buddy rich bigband gut gefällt... ich spiel selber inner bigband und jaaa bigband musik is klasse ^^

Litti
12.12.2005, 17:03
Oooh, ein Big Band Threat. Dann hört mal da rein:

Bob Curnow & L.A. Big Band - the Songs of Pat Metheny and Lyle Mays.
Gitte Haenning meets Kenny Clarke / Francy Boland BB.
Joe Pass & die NDR Big Band - (Name der Platte fällt mir grad nicht ein, sind aber die letzten Studioaufnamen, die er vor seinem Ableben gemacht hat meines Wissens)

Und lieber Doughsam: Wo hast du denn Glen Miller, Art Blakeys Jazz Messengers und Gene Kruppa gelassen? Gehören da auf jeden Fall dazu wie ich finde. Gruß. Litti

dougsahm
12.12.2005, 19:36
Litti, schön Dich wieder mal zu lesen !
Nach meiner ganz persönlichen Kategorisierung (siehe Eingangspost) sind mir Miller und Krupa schlichtweg zu "alt". Kategorie 1. Das darf natürlich jeder anders hören - ganz wie es beliebt.
Und Blakey's Combos sind für mich immer Quintette bis Oktette, aber keine Bigbands, zumindest nicht typischerweise.
Aber das wichtigste: Einen Anspruch auf Vollständigkeit hab ich ja nicht ausgedrückt und klar gibt es noch viel viel mehr Interessantes. Aber großes Feedback hat dieser verschlafene Thread eh nicht gefunden ....

dengel
12.12.2005, 19:48
und ich vermisse hier die Dutch Swing College Band, oder ist das nach eurem Verständnis keine Big Band?

dougsahm
12.12.2005, 19:55
Ich kenn die zu wenig dengel, weil ich mit Dixie nicht viel anfangen kann. Jedenfalls sollten die zentralen Blasinstrumente mehrfach = mindestens 2-fach besetzt sein - meine ich.

Den Thread eröffnete ich damals, weil ich hin und wieder von Einzelnen gelesen habe, das sie an Bigbands interessiert aber gleichzeitig orientierunglos sind. Wie gesagt - er fiel auf kargen Boden.

dagobert
12.12.2005, 22:00
da dengel jetzt auch schon davon sprach, muss ich mal fragen. weiss jemand von euch um die dixieland tradition in holland? ich wohne in grenznähe, und hier trifft man auf vielen volksfesten oder einkaufsstrassen auf kleinere dixieland bands. bisher habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. (die holländer fahren schliesslich auch fahrrad...)

Litti
13.12.2005, 14:19
@Dougsahm: Oki, wenn Du es so siehst, hast Du natürlich recht. Mal rein stilistisch betrachtet sind das natürlich auch zwei paar Schuhe. Allerdings ist der BigBand Sound eines Duke Ellington oder Fletcher Henderson deutlich eine Weiterentwicklung dieses klassischen Arrangementspiels, welches vor allem mit der späteren harmonischen Entwicklung nichts mehr zu tun hat, aber die Grundlage dafür war. Daher sind Glen Miller und Konsorten zumindest eine Erwähnung wert, finde ich. By the Way, Glen Miller war z.B. weitaus später am Start wie z.B. Louis Armstrong oder Duke Ellington. Bitteschön:


"Within twenty years this syncopated, polyphonic music had spread far beyond its birthplace. Traveling musicians transported jazz across the South and north to Indianapolis, St. Louis, Chicago, and other river cities. By the early 1920s seminal figures such as trumpeters Joe "King" Oliver and Louis Armstrong had migrated from New Orleans to Chicago. Their music was captured on the early "race records," which were marketed to a black audience, and by the late 1920s jazz could be heard anywhere in the United States. The Gennet recordings by King Oliver's Creole Jazz Band and the OKeh sessions of Louis Armstrong's Hot Five and Hot Seven are acknowledged masterpieces of early jazz. These and similar bands often accompanied the "classic" blues singers like Gertrude "Ma" Rainey, Bessie Smith, and Ida Cox on their live stage shows and recordings.

In 1927 Edward "Duke" Ellington moved from Washington, D.C., to New York City and shortly thereafter began his famous stand at Harlem's Cotton Club. He quickly emerged as a major innovator in jazz, and his large ensembles of twelve to fourteen pieces foreshadowed the swing craze of the middle 1930s. Ellington was distinguished by his ability to compose creative pieces, such as "East St. Louis Toodle-oo," "Black and Tan Fantasy," and "Take the A Train," with individual members of his orchestra in mind. Many of these compositions have become jazz standards that are performed all over the world. Other important orchestras, including those organized by Fletcher Henderson and Cab Calloway, emerged in the light of Ellington's work and performed in the sophisticated clubs of northern cities. From the Southwest came the rowdier, bluesier territory bands of Benny Moten and Count Basie.

In the middle 1930s jazz began to reach the masses as a result of the swing craze that made the Casa Loma Orchestra and the bands of Glenn Miller and Jimmy Dorsey household favorites. These white bands reduced the music of the more innovative black bandleaders to a formula that appealed to millions because of its swinging 4/4 beat, well-blended saxophone sections, and pleasant singers. The popularity of swing helped boost the careers of black bandleaders, too, but it also led to a creative slump that disheartened many of the musicians who were tiring of swing's predictability."

Gruß vom Litti.

Litti
13.12.2005, 14:22
Ach und wegen Art Blakey: Den hab ich halt immer noch als Drummer und eigentlichen Macher der Fletcher Henderson BB im Kopf. Die Jazz Messengers waren ja ehr Pioniere der Hardbop Ära. Mein Fehler....

bopkid
14.08.2006, 00:06
1. Der Ursprung – die 20er bis 50er

Dies Zeit als der Bigband-Swing noch als DIE Variante des Swing galt, hat mich nie gepackt. Das liegt zum einen daran, dass die Aufnahmequalität meist nur historischen Charakter hat und mir der musikalische Bezug zu dieser weit zurückliegenden Zeit fehlt. Prominente Beispiele wären z.B. Fletcher Henderson, Benny Goodman, Duke Ellington (mit alten Aufnahmen) oder Jimmie Lunceford.

sehr schade, daß dich diese zeit nicht gepackt hat, denn für mich ist in dieser zeit die essenz in sachen big band swing entstanden.

gypsy tail wind
12.04.2010, 09:43
Der Mann mit dem Kugelbauch, Peter Herbolzheimer, ist ja kürzlich von uns gegangen... konnte mich bisher nicht durchringen und die MPS-Box kaufen - die Musik klang mir beim anspielen im CD-Laden zu... generisch? Rock-Beats, die leider nicht organisch mit dem Rest der Arrangements verschmelzen. Gibt's was besseres, um ihn mal irgendwo anzuhören? Oder soll ich mit der Box nochmal einen Versuch machen, ist ja nicht allzu teuer.

gypsy tail wind
10.05.2010, 10:31
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drk300/k358/k35863g9eqg.jpg

Höre grad das Lester Young Mosaic Set (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:0nfrxzujldhe), mit dem der Pöstler mich heute noch vor 8 aus meiner Lethargie gerissen hat. Sehr schön! Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1936-40 und umfassen alle Columbia, OKeh und Vocalion Stücke, auf denen Young als Solist zu hören ist.
Die meisten Stücke stammen von Basie big band session, zum Auftakt gibt's die grandiose Jones-Smith Inc Session vom November 1936, eine der schönsten Swing Small Group Sessions überhaupt, mit Carl "Tatti" Smith (t), Pres (ts), Basie (p), Walter Page (b), Jo Jones (d), sowie auf zwei Stücken Jimmy Rushing (voc). Dann springt das Set in den Februar 1939 (dazwischen lagen die Decca Sessions), erneut mit einer Small Group, Basie's Bad Boys (mit Basie teilweise äusserst schwerfällig an der Orgel), und vom September 1939 gibt's dann auch die Kansas City Seven (mit Buck Clayton, Dickie Wells, Green, Page, Jones), auf der vierten und letzten CD findet sich dann auch noch die Session mit dem (ebenfalls äusserst schwerfälligen) Organisten Glenn Hardman, die nur wegen Pres überhaupt geniessbar ist, sowie die grandiose Benny Goodman Session vom Oktober 1940 mit Clayton, Young, Basie, Charlie Christian, Green, Page und Jones.
Dazwischen findet man alle Big Band Stücke von 39/40, auf denen Young solistisch zu hören ist. Leider gab's ja zum Basie Centennial (das zugleich auch das 20. Todesjahr war, er lebte 1904-1984) keine grosse Sammlung seiner ganzen Columbia/OKeh/Vocalion Sessions, aber die Musik auf diesem Mosaic Set gehört zweifellos zum besten, was es von Basie gibt!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd700/d773/d77377tk3vp.jpg

Überdies sei aber auch das Complete Decca Recordings (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:azfixqrgld6e) 3CD set wärmstens empfohlen - dort kriegt man die ersten Basie Big Band Sessions zu hören, anfangs auch noch mit Youngs Freund und Antipoden Herschel Evans.
Eine andere Auswahl aus den Columbia-Sessions hat Sony 2004 (zum Centennial) veröffentlicht, America's #1 Band (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:kcfrxqualdke). Auch dieses Set ist wärmstens zu empfehlen, es überschneidet sich allerdings ein wenig mit dem Mosaic Lester Young Set (v.a. was die Small Group Sessions betrifft), was mich wenig stört, da es überdies die kompletten 1950/51 Small Group Sessions enthält, die u.a. mit Clark Terry, Buddy De Franco, Wardell Gray und Charlie Rouse entstanden in den zwei Jahren, während denen Basie keine Big Band leitete. (Die gab's auch bei Ocium (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:djfyxqe0ld6e) auf einer separaten CD, sowie bei Saga Jazz (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:azfpxqwrldke) mit Verve Small Group Sessions - hab nicht überprüft, was diese beiden CDs sonst noch enthalten, die Saga hatte ich mal aber da ich alles sonstwo schon hatte gab ich sie weg. Als Ergänzung dazu muss man noch die Radio & Film Sessions haben, die auf einer Billig-CD von Saga Jazz (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:wbftxqqald0e) herauskamen.)

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg000/g047/g04704evw40.jpg

Das America's Band #1 Set ist überdies v.a. wegen der vierten CD zu empfehlen - es unterteilt sich in etwa so: CD1: 30/40s Small Groups, CD1/2: 40s Big Band, CD3: 51/52 Small Groups, CD4: live sessions. Auf der vierten CD gibt's einige Raritäten (Billie Holiday taucht auch mal noch auf), v.a. eine lange live Session der Basie Big Band mit Pres in allerbester Form. Wie er über die Band schwebt, mit seinem anscheinend so kleinen, dünnen Sound sich erhebt und über alle anderen hinweg... diese Projektionskraft ist unglaublich, und die Freude, die sein Spiel ausdrückt, mich reisst das jedesmal wieder von neuem mit!

Und als kleine persönliche Extravaganz sei der Link zu einem Blog von yours truly erlaubt - geplant war eigentlich 2004 eine Website, aber uns wuchs die Arbeit gründlich über den Kopf. Ganz auf Eis ist das Projekt noch nicht, aber momentan gibt's davon nur, was ich hier zusammengestellt habe (und schon seit Urzeiten nicht mehr ergänzt habe):
Count Basie Corner (http://count-basie.blogspot.com/)

Sehr zum empfehlen ist auch diese Website hier, die zum Centennial erstellt wurde:
One More Once - A Centennial Celebration of the Life and Music of Count Basie (http://newarkwww.rutgers.edu/ijs/cb/)

Über die Basie New Testament Band äussere ich mich gerne später auch mal, aber das gehört dann in einen separaten Post, ist ja auch musikalisch ziemlich anders geartet!

gypsy tail wind
28.06.2010, 17:03
Im Coltrane Thread ging es neulich mal kurz um Woody Herman.
Ich bin keineswegs in der Lage, Hermans ganze Karriere und all seine Verdienste hier in kürze zu schildern, dazu kenn ich ihn noch zu wenig.

Woody Herman - Woodchopper's Ball (1939) (http://www.youtube.com/watch?v=sWIhSU1mXDs)

Die frühen Aufnahmen (mit dem ganz bezaubernden "teenage Getz", v.a. auf Radio-Mitschnitten zu hören) sind ganz toll und gehören wohl in den Big Band Kanon. Das entsprechende Mosaic-Set (http://www.mosaicrecords.com/prodinfo.asp?number=223-MD-CD) ist noch greifbar (ich hab's noch nicht). Eine Alternative bietet die Sony/Columbia 2CD Compilation Blowin' Up a Storm: The Columbia Years, 1945-1947 (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:dzfoxqy0ldae), oder die Verve Master Edition (2CD) von At Carnegie Hall, 1946 (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:3xfpxqekldfe) (da werden u.a. Ralph Burns "Bijou", Neal Heftis "Blowin' Up a Storm" und Stravinskys "Ebony Concerto" - leider nur teilweise auf der CD - gespielt). In diesen frühen Bands sind zu hören: Sonny Berman, Conte Candoli, Shorty Rogers (t), Bill Harris (tb), John La Porta (as), Stan Getz [nicht auf "Carnegie Hall"], Flip Phillips (ts), Billy Bauer (g), Red Norvo (vib), Chubby Jackson (b, arr), Don Lamond (d), Ralph Burns, Neal Hefti (arr) und viele andere.

Woody Herman - Appley Honey (1945) (http://www.youtube.com/watch?v=HCK0EmpgIgo)
Woody Herman - Early Autumn (1948 - feat. Stan Getz) (http://www.youtube.com/watch?v=29VVabTj4Wk)

Die obige Aufnahme mit Getz entstammt einer Capitol-CD, die die Aufnahmen der Four Brothers Band für dieses Label gesammelt hat: Keeper of the Flame: The Complete Capitol Recordings of the Four Brothers Band (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:3xftxq9gldse).
Zu hören gibt's da u.a.: Red Rodney, Shorty Rogers (t), Bill Harris (tb), Al Cohn, Zoot Sims, Stan Getz und Gene Ammons (ts), Terry Gibbs (vib), Lou Levy (p) und Shelly Manne (d).

Toll sind überdies auch von Hep die beiden 2CD Sets The V-Disc Years 1944-46 (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:dvftxqygldfe) und The Road Band 1948 (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:fjfrxq9aldae).

Bis 1957 nahm Herman dann für Capitol auf, die Herds wurden numeriert... third, fourth... die Band näherte sich in der Ausrichtung Basies New Testament Band an, behielt aber - schon nur wegen Herman und seinen Soli (Klarinette und Hodges-getränktes Altsax, sowie fröhliche und keineswegs zu verachtende Vocals) - einen eigenen Charakter. In der Band waren in diesen Jahren z.B. Dick Collins (t), Cy Touff (bass-t), Dick Hafer, Bill Perkins, Richie Kamuca, Eddie Miller (ts), Jack Nimitz (bari), Dave McKenna, Nat Pierce, Vince Guaraldi (p), Milt Jackson, Victor Feldman (vib), Billy Bauer (g), Chuck Flores (d) und viele andere.

1957 enstand für Verve dann das schöne Album Woody Herman Sings Songs for Hip Lovers (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:dcfuxqegldae), u.a. mit Charlie Shavers, "Sweets" Edison und Ben Webster - Hörprobe:
Woody Herman - I Won't Dance (1957) (http://www.youtube.com/watch?v=oFv2ShXESR8)

Live at Monterey (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:jxftxq9gldse) wurde im Rahmen des 1959er Festival aufgezeichnet und erschien im Jahr darauf auf Atlantic. Es gehört zu den Highlights in Hermans Schaffen. Solisten sind: Conte Candoli und Ray Linn (t), Urbie Green (tb), Zoot Sims, Don Lanphere, Bill Berkins und Richie Kamuca (ts), Med Flory (bari), Victor Feldman (p,vib), Charlie Byrd (g), Monty Budwig (b) und Mel Lewis (d). Eins der grossen Big Band Alben!

Ab 1963 nahm Herman dann eine Reihe exzellenter Alben für Philips auf, die dankenswerterweise von Mosaic in einer Select-Box (http://www.mosaicrecords.com/prodinfo.asp?number=MS-031) gesammelt wurden. Die Band und Herman sind verjüngt, der zentrale Mann ist Pianist Nat Pierce (der schon in den 50ern mal dabei war), die wichtigsten Solisten: Bill Chase (t), Phil Wilson (tb), und besonders Sal Nistico (ts). Die Spielfreude dieser Band sucht seinesgleichen, Jake Hanna am Schlagzeug leistet dazu einen wichtigen Beitrag (A Celebration of Jake Hanna (http://www.youtube.com/watch?v=LQn7tgQDfXE) - unbedingt anschauen!).
Als kleine Ergänzung dazu gibt's bei Mosaic in der Singles-Reihe auch noch Woody's Winners (http://www.mosaicrecords.com/prodinfo.asp?number=1013), ein 1965er Columbia-Album, das schön an die Philips-Aufnahmen anschliesst.

So weit mein bisheriges Halbwissen über Woody Herman...

Videos von der 60er Band sind auf YouTube zahlreich zu finden, ein paar seien hier doch noch erwähnt:
Woody Herman - Sister Sadie (1964 - feat. Sal Nistico) (http://www.youtube.com/watch?v=vbjK9TZ3vnQ)
Woody Herman - Molasses (1963 - feat. Sal Nistico-ts, Bill Chase?-t, Herman-cl) (http://www.youtube.com/watch?v=vIfFvgax8yM)
Woody Herman - Cousins (1964 - feat. Phil Wilson-tb, sax section, tb section, Herman-cl, Bill Chase?-t) (http://www.youtube.com/watch?v=TKIJEzl1CP0)
Woody Herman - That's Where It Is (1964 - feat. Nat Pierce) (http://www.youtube.com/watch?v=-qwiNO3wSLg)
Woody Herman - Days of Wine and Roses (1964 - feat. Bill Chase?-t) (http://www.youtube.com/watch?v=VMWdJpU9t5Q)
(Nehme schon an, dass das Bill Chase ist, aber die auf die Schnelle über Google gefundenen Fotos stammen alle aus der Dekade der Koteletten :lol:)

gypsy tail wind
14.07.2010, 14:47
http://www.vao.at/v2/data/images/1981-2.jpg

Es scheint das Vienna Art Orchester ist nicht mehr... game over (http://www.vao.at/v2/display.php?id=332).

http://www.vao.at/v2/data/images/1978-1.jpg

Schade, nach 33 Jahren, über 1000 Konzerten und über drei Dutzend Alben.
Allerdings fand ich die jüngeren Sachen, die ich hörte (u.a. besitze ich die 3CD Box, die zum 30. Jubiläum erschienen ist) nicht mehr so anregend wie die frühen oder mittleren Sachen ("Minimalism of Erik Satie", "Original Charts", die grossartige Dolphy-CD). Live hab ich die Band nur einmal gesehen, am jazznojazz in Zürich, am 25.10.2000 mit dem "A Centenary Journey"-Programm, das teilweise grandios war, teilweise (gegen Ende mit der elektrischen Rhythmusgruppe) auf mich ein wenig chaotisch und orientierungslos gewirkt hat.
Wenn man sich die alten Projekte (http://vao.at/v2/display.php?id=32) so ansieht, wird man (das war natürlich alles vor meiner Zeit, bzw. in meinen ersten Jahren als Erdenbürger, oder -wurm) schon nostalgisch... der zunehmende Erfolg der Band hat sie von einem zumindest äusserlich anarchischen Haufen zu einer geformten und kompetenten Show-Truppe gemacht, die manchmal durchaus noch ausbrechen konnte, aber für meinen Geschmack eben dann doch zu wenig, am Ende.

Wie auch immer, Rüegg und seinen Mannen (und Frauen) alles Gute für ihre Zukunft nach dem VAO, und grossen, grossen Dank für all die tolle Musik!

http://www.vao.at/v2/data/images/1995-2.jpg

gypsy tail wind
24.10.2010, 18:27
Erwähne das mal hier - hätte hier genauso gut gepasst, was ich über Jimmy Mundy hier (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2299125#post2299125) grad gepostet habe.

Die dort abgebildeten CDs, also das Hindsight 3CD-Set und die beiden Hep-CDs von 1945/46 geben eine tolle Einführung in diverse Big Bands, darunter bekannte Namen wie Basie, Ellington, Lunceford, Henderson, Hampton, Benny Carter oder Hines, aber auch weniger bekannte wie eben Jimmy Mundy, Wilbert Baranco, Cootie Williams, Lucky Millinder, Tiny Bradshaw, Erskine Hawkins, Claude Hopkins, Johnny Otis, Gerald Wilson und ein paar weitere.

Die Hep-CDs habe ich mir zuerst v.a. gekauft als Ergänzung zu den beiden Chronolocigal Classics von Gerald Wilson - auf den beiden CDs finden sich viele hervorragende Stücke, die Heps sind eine schöne Ergänzung dazu, ebenso wie diese - ausnahmsweise hervorragende - Definitive/Jazz Factory-CD (http://www.freshsoundrecords.com/big_band_modern-cd-4445.html), auf der die letzte längere Session von der zweiten Classics-CD sowie eine unveröffentlichte, grossartige Live-Session u.a. mit Wardell Gray, Stan Getz, Zoot Sims und Sonny Criss zu hören ist.

gypsy tail wind
22.01.2011, 09:31
Clarke/Boland Big Band - Sax No End (http://www.youtube.com/watch?v=LzBhGTbkxAI)

alexischicke
29.04.2011, 23:09
netter clip von der Glenn Miller Band.Die bauen den Song recht gut auf.

http://www.youtube.com/watch?v=fFv_PoZ2iP0

ferry
30.04.2011, 21:21
in den letzten Wochen habe ich mir auch so einiges aus der BigBand- Ära der 30er und 40er Jahre angehört.
Grösstenteils verbuche ich das allerdings auch unter "historische Aufnahmen", die aber durchaus hörenswert sind.
Mein Favorit bisher: Count Basie !
Sein Pianospiel ist zeitlos, und ich denke ebenso wie z.B. die Klarinette von Benny Goodman oder die Kompositionen von Duke Ellington.

gypsy tail wind
01.05.2011, 02:57
in den letzten Wochen habe ich mir auch so einiges aus der BigBand- Ära der 30er und 40er Jahre angehört.
Grösstenteils verbuche ich das allerdings auch unter "historische Aufnahmen", die aber durchaus hörenswert sind.
Mein Favorit bisher: Count Basie !

smack dab in the middle! :sonne:

Du findest wohl das meiste auf deezer - die Jahre von 1936-38 mit Lester Young am Tenorsax sind unschlagbar! Die Band war ein loser Haufen, die meisten Stücke waren sogenannte "head arrangements", also Arrangements, die spontan erarbeitet und Nacht für Nacht erprobt und weiterentwickelt worden sind.

Lady Be Good (Jones-Smith Inc 1936) (http://www.youtube.com/watch?v=SeqwPX4T4E0) *
Honeysuckle Rose (1937) (http://www.youtube.com/watch?v=cinDtwNILiU)
I Got Rhythm (Randall's Island, NYC 1938) (http://www.youtube.com/watch?v=cbubFSgUTlM)
Broadway (1940) (http://www.youtube.com/watch?v=JhdQplixgrI)

*) das ist eine Small Group, aber Basie und Young sind in allerbester Form zu hören und der lose Swing ist derselbe wie in der Big Band (getragen von der "all american rhythm section": Basie-p, Freddie Green-g; Walter Page-d; Jo Jones-d)

Das 4CD-Set "America's #1 Band" war leider 2004 alles, was Columbia zum 100. Geburtstag von Basie herausbrachte (eine komplette Box ist seit Jahrzehnten überfällig, wird leider aber nie mehr kommen). Das ist aber trotz allem eine sehr tolle Box, sie enthält einen (viel zu knappen) Überblick über die Big Band in den Columbia-Jahren (ab 1938), die meisten frühen Small Group Stücke (z.B. die oben verlinkten Jones-Smith Inc), alle Columbia Studio-Aufnahmen des Oktetts der Jahre 1950/51 (die einzigen, in denen Basie zwischen 1936 und 1984 keine Big Band leitete), sowie - ganz besonders toll - auf CD4 grossartige Live-Aufnahmen, darunter zwei Stücke mit Billie Holiday und ein langer Mitschnitt aus dem New Yorker Famous Door mit Lester Young in grossartiger Form.

alexischicke
01.05.2011, 09:10
Ja die Big Bands aus der Zeit mag ich sehr gern freue mich schon auf das Artie Shaw und Jimmy Lunceford Set.

ferry
01.05.2011, 22:23
smack dab ? den Spruch kannte ich noch gar nicht :lol:

Habe eben mal in den "Count Basie Corner" Blog reingeschaut. Du hast Dich ja schon sehr intensiv mit dem Count auseinandergesetzt!

Besten Dank auch für die CD-Tipps hier im Thread.
Mittelfristig werde ich mir eine der von Dir genannten Compilations anschaffen (also eine bessere als die ich jetzt habe).

gypsy tail wind
02.05.2011, 00:18
DIE Basie Compilation bleibt wohl das Decca 3CD-Set, z.B. hier (http://www.amazon.de/Complete-Decca-Recordings-1937-1939-Count/dp/B000003N3G/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1304287490&sr=1-1).

"Smack Dab in the Middle" ist ein Song... mit Basie hat ihn v.a. Joe Williams gesungen, ein grossartiger Blues-Sänger (der auch grossartig Balladen singen konnte, hier (http://www.allmusic.com/album/man-aint-supposed-to-cry-r150211) etwa). Hier seine Version des Songs mit der Thad Jones-Mel Lewis Big Band (http://www.youtube.com/watch?v=kXobO2UgEuo).
Hier noch die Version von Ry Cooder (http://www.youtube.com/watch?v=4uLrbodN-9A).
Und hier noch einer der grossen Hits von Williams mit Basie: Alright, Okay, You Win (http://www.youtube.com/watch?v=aYVEdPy8gQY) (bei einer späten Reunion)

asdfjklö
02.05.2011, 08:16
ich erlaube mir, den Namen GIL EVANS ergänzend in die Runde zu werfen.

Selbst habe ich ihn einst in einer Bigband-Formation erleben dürfen...

ferry
02.05.2011, 08:28
was erlaube asdfjklö .....!

Nein, mal im Ernst: in welches Album von Gil Evans sollte man denn mal reinhören ?

gypsy tail wind
02.05.2011, 09:18
"Out of the Cool" und "The Individualism of Gil Evans" - beide absolut grossartig!
Zudem die Aufnahmen mit Miles Davis, da resultierten drei hervorragende Alben: "Miles Ahead", "Porgy & Bess" und "Sketches of Spain" - es gibt seit den 90ern eine enorm faszinierende 6CD-Box mit den ganzen Sessions (es ist noch das Album "Quiet Nights" enthalten, sowie die ehedem verschollenen 60er Sessions und viel, viel Bonusmaterial, das teils höchst faszinierend ist und als ganzes, zusammen mit der hervorragenden Dokumentation eben enorm faszinieren ist). Die Box gibt's in einer neuen Version spottbillig (http://www.amazon.de/Complete-Columbia-Studio-Recordings/dp/B0041PIJOO/ref=sr_1_4?s=music&ie=UTF8&qid=1304320442&sr=1-4).

Das ist nochmal ein ganz anderer Big Band Sound... viel filigraner, verspielter, auf Klänge aus, die mit ungewöhnlichen Instrumentierungen erzeugt werden.

La Nevada (http://www.youtube.com/watch?v=mjQyuualA6Y) (von "Out of the Cool")
The Time of the Barracudas (http://www.youtube.com/watch?v=JGoFjl_8Pbw) (von "The Individualism")
Las Vegas Tango (http://www.youtube.com/watch?v=zrr9YPYJONo) (von "The Individualism")

Der "Las Vegas Tango" bleibt wohl meine liebste Aufnahme von Evans, wenn ich EIN Stück wählen müsste!

tejazz
02.05.2011, 11:40
Ich kann mit seinen frühen Platten gut was anfangen. Das ist alles recht spannend, zumal Evans auf seinen ersten Platten nicht interessiert war/schien, übermäßig im Vordergrund zu agieren sondern dem Orchester und anderen Solisten viel Raum zu lassen. Unglaublich interessante Arrangements, wobei das Arrangeurs-„Korsett“ auf mich sehr leicht wirkt. Da steckte sicher viel Köpfchen drin, daß das am Ende so improvisiert ‘rüberkommt.
GUITAR FORMS von Burrell und LOOK TO THE RAINBOW von Astrud Gilberto fallen mir auch noch, neben den Davis-Einspielungen, spontan ein.
Seine Hendrix-LP und SVENGALI fand ich gut, als ich noch nahezu ausschließlich Rock hörte. Die haben für mich nachgelassen, was an E-Bass, E-Piano usw. liegt. Daher auch mein Desinteresse an den späteren, keyboardlastigen/“elektrischen“ Platten.

gypsy tail wind
02.05.2011, 11:48
GUITAR FORMS von Burrell und LOOK TO THE RAINBOW von Astrud Gilberto fallen mir auch noch, neben den Davis-Einspielungen, spontan ein.

Oh ja, Evans und Gilberto! Das passt in der Tat wunderbar!
Das Album mit Kenny Burrell kenn ich immer noch nicht...

Wunderbar sind auch die Aufnahmen mit Helen Merrill, sowohl die ersten aus den 50ern wie auch das 1987er "Collaboration"!



Seine Hendrix-LP und SVENGALI fand ich gut, als ich noch nahezu ausschließlich Rock hörte. Die haben für mich nachgelassen, was an E-Bass, E-Piano usw. liegt. Daher auch mein Desinteresse an den späteren, keyboardlastigen/“elektrischen“ Platten.

Ich hab die "Svengali" als CD, sowie die LP "Where Flamingos Fly" (Artists House, von 1971, also zwei Jahre vor "Svengali"). Kann mich damit auch noch nicht so recht anfreunden.

Sehr toll sind auch Evans' beide Pacific Jazz Alben, die vor ein paar Jahren noch mit den allerletzten Blue Note Connoisseur CDs als Twofer erschienen (und jetzt auch von einem der vielen Bootleg-Label nachgelegt wurden).

tejazz
02.05.2011, 12:28
Also für mich empfehlenswert:

GIL EVANS & TEN (Prestige 1957), u.a. mit Lee Konitz, Steve Lacy, Louis Mucci, Jimmy Cleveland, Paul Chambers, Jo Jones
NEW BOTTLE, OLD WINE (World Pacific 1958), u.a. mit Johnny Coles, Mucci, Ernie Royal, Julius Watkins, Cannonball Adderley, Chuck Wayne, Chambers, Art Blakey oder Jones
GREAT JAZZ STANDARDS (World Pacific 1959), u.a. mit Coles, Mucci, Cleveland, Curtis Fuller, Rod Levitt, Lacy, Wayne, Tommy Potter, Elvin Jones
OUT OF THE COOL (Impulse 1960), u.a. mit Coles, Phil Sunkel, Jimmy Knepper, Ron Carter, Charlie Persip, Elvin Jones
THE INDIVIDUALISM OF GIL EVANS (Verve 1964), u.a. mit Coles, Mucci, Cleveland, Watkins, Dolphy, Jerome Richardson, Barry Galbraith, Chambers, Milt Hinton, Osie Johnson, Elvin Jones
Und noch eine Raritäten-LP, die sich z.T. mit der INDIVIDUALISM-CD (bonus-tracks) überschneidet. Ich meine, zwei Titel sind dann nur auf dieser LP erhältlich.

Die INTO THE HOT (Impulse 1961) ist ja ein „Mogelpackung“ mit sessions von John Carisi und Cecil Taylor.

gypsy tail wind
02.05.2011, 12:47
"Into the Hot" hätte ich enorm gern!
Die Taylor-Session gab's auf der CD "Mixed" (gepaart mit Roswell Rudds Impulse-Album "Everywhere") - sehr lohnenswert.
Aber die Carisi/Evans-Tracks sind schwierig zu finden (ich hab sie, hätte sie aber gerne offiziell... ein Freund hat die LP). Wenn ich da was zu sagen gehabt hätte, wären sie als Bonus mit "Out of the Cool" auf CD gelandet.

Die "Individualism"-CD enthält in der Tat einiges an Bonusmaterial. Ich nehme an, Du beziehst Dich auf diese LP: Gil Evans/Kenny Burrell/Phil Woods - Previously Unreleased Recordings (Verve V6 8838) (http://www.jazzdisco.org/verve-records/catalog-8800-series/#v6-8838)?
"Spoonful" (in der zuvor unveröffentlichten, ungekürzten Fassung, 13:46 lang), "Concorde" und "Time of the Barracudas" (aka "Barracuda" aka "General Assembly") sind auf der CD von "The Individualism" als Bonustracks enthalten (ebenso "Proclamation" und "Nothing Like You", die zuvor nicht erhältlich waren).
Gemäss den Angaben von Bruyninckx war Evans not amused über die Veröffentlichung von "Blues In Orbit" (aka "Cheryl" aka "Original, No. 1") und "Isabel" (aka "The Underdog" aka "Original, No. 2"), da beides nur Rehearsals seien.
Bruyninckx listet noch weitere unveröffentlichte Stücke von den Sessions: "Shakes" und "Intro Bong" von 1963-12-04 und "Punjab" von poss. 1964-05 sowie "Johmpa-Bokuis-Shay-I's Par (?)" und nochmal "Punjab" von 1964-05-25.

1966 spielte Evans am Monterey Jazz Festival, 1967 nahm er mit Johnny Coles, Jimmy Cleveland, Steve Lacy, Lee Konitz, Ron Carter, Elvin Jones und anderen einen Film-Soundtrack auf, 1968 spielte er am Berkeley Jazz Festival - all das ist unveröffentlicht und anscheinend nicht mal richtig dokumentiert (Bruyninckx gibt für Monterey zwei, für Berkeley einen Titel und ergänzt "a number of unknown titles recorded at the same festival", für den Film-Soundtrack hat er gar keine Angaben).
Da wären wohl noch Schätze zu heben...

Die nächste offizielle Aufnahme ist dann "Blues in Orbit", das Ampex-Album, das später auf Enja (auch auf CD) wieder erschienen ist. Kenne ich bisher noch nicht, geht aber wohl schon in die jazz-rockige Richtung - die Band sieht aber toll aus, u.a. mit Billy Harper, Snooky Young, Jimmy Cleveland, Julius Watkins, Elvin Jones und Howard Johnson.

asdfjklö
02.05.2011, 13:18
eine weitere Empfehlung spreche ich hiermit aus:

Aus Finnland stammt das UMO JAZZ ORCHESTRA, eine modern ausgerichtete Big Band:

http://www.umo.fi/

Persönliche Empfehlungen:

UMO JAZZ ORCHESTRA (1997)

One More Time (2002)

Sky Is Ruby (2007)

ODER: wie wäre es mit den JAPANERN: Soil & Pimp Sessions
Ich empfehle:

Pimpoint (2007)

katharsis
02.05.2011, 13:22
mit Basie hat ihn v.a. Joe Williams gesungen, ein grossartiger Blues-Sänger (der auch grossartig Balladen singen konnte, hier (http://www.allmusic.com/album/man-aint-supposed-to-cry-r150211) etwa).

Das Stück hatte ich mir als Closer für meinen bft überlegt :lol:
Großartige Stimme, großartiges Album (also das Roulette-Album) und wunderbare Arrangements!

gypsy tail wind
02.05.2011, 13:27
Das Stück hatte ich mir als Closer für meinen bft überlegt :lol:
Großartige Stimme, großartiges Album (also das Roulette-Album) und wunderbare Arrangements!

Lass Dich nicht abhalten, die Leute sollen es ruhig 20 Mal hören!

http://www.1000recordings.com/images/artist-w/williams-joe-count-basie-orchestra-972-l.jpg

Ich glaub ich find das erste Verve-Album das beste, was Basie/Williams betrifft. Das zweite Verve-Album ist dann etwas schwächer, das Roulette-Album sehe ich dazwischen (hab ich aber noch am wenigsten lang).

katharsis
02.05.2011, 13:40
Ja, das stimmt. Das kann man gerne häufiger hören!
Ich bin mit seinem übrigen Output nicht besonders bewandert, da ich zudem kein großer Big Band-Freund bin. Mich zieht das Kammermusikalische im Jazz besonders an und ich mag mich nicht an groß besetzter und arrangierter Musik erfreuen.
Da gibt es natürlich auch Unterschiede und es ist sehr interessant zu sehen, wie intim Big Band Jazz sein kann. Trotzdem, not my cup o' tea yet.

gypsy tail wind
05.05.2011, 23:33
für alex, aus dem allerersten Playboy (Dezember 1953):

http://img850.imageshack.us/img850/9886/dorseybrotherspb1195312.jpg
http://img220.imageshack.us/img220/9886/dorseybrotherspb1195312.jpg

alexischicke
07.05.2011, 08:04
Das ist sehr nett Gypsy! Ja sie haben richtige Weltstars entdeckt.

gypsy tail wind
07.05.2011, 10:25
Ja, über die Liste der Sidemen vor allem von Tommy war ich dann doch erstaunt! Muss mal das Quadromania-Set wieder etwas anhören, vielleicht ist da für mich ja doch noch mehr zu holen als ich dachte!

alexischicke
07.05.2011, 10:50
Sinatra,Bunny Bernigan,Charlie shavers,Sy oliver,Buddy Rich,Buddy Defranco kann sich doch sehen lassen?

gypsy tail wind
07.05.2011, 11:06
Sinatra,Bunny Bernigan,Charlie shavers,Sy oliver,Buddy Rich,Buddy Defranco kann sich doch sehen lassen?

Ja, bloss war's bisher stets mein Empfinden, dass diese tollen Leute zu wenig Raum kriegen und dass die Musik insgesamt zu sehr in ein Korsett gezwängt ist. Das geht mir auch mit Goodman und anderen Tanz-Orchestern der Swing-Ära immer ein wenig so (weniger mit Artie Shaw). Das ist dann wohl irgendwie auch der Unterschied zwischen diesen Bands auf der einen und jenen von Basie, Ellington, Lunceford... auf der anderen, in denen das Korsett weniger eng geschnürt und individueller den Musikern angepasst ist - ohne dass darunter der Swing leiden müsste (im Gegenteil... Basie und Lunceford sind doch wohl die swingendsten Big Bands überhaupt!)

alexischicke
07.05.2011, 11:34
in drei Minuten hast ja nicht soviel Platz bekommen.Goodman hat dazu noch selber gespielt.

Ich denke schon,dass Dorsey großartige Musiker entdeckt hat .Auch der Aufbau von den Arrangements kann sich sehen lassen.

gypsy tail wind
07.05.2011, 12:13
Basie und Ellington und Lunceford hatten auch bloss drei Minuten.

ferry
12.07.2011, 19:21
Im Moment läuft bei mir eine Compliation mit Aufnahmen der Charlie Barnet Big- Band aus 1939.

Musikalisch wohl nicht die höchste Jazz- Kunst, aber handwerklich auf hohem Niveau und vor allem, unterhaltsam und kurzweilig. Ein weiterer Pluspunkt: Sehr wenig Gesang. ;-) Auf einem Stück singt der Chef persönlich (Sweet) und auf einem weiteren Stück eine Dame mit dem schönen Namen Del Casino.

Die Suchfunktion ergeben, dass es hier fast gar keine Beiträge über Charlie Barnet gibt. Ist diese Big-Band hier jemand bekannt?

ferry
12.07.2011, 19:58
Das mit "sweet" war wohl ein Missverständnis:

"Throughout his career he was an opponent of syrupy arrangements. In the song "The Wrong Idea", he lampooned the "sweet" Big Band sound of the era.
...
Barnet's was a notorious party band where drinking and vandalism were not uncommon."

Quelle:wikipedia.org

gypsy tail wind
13.07.2011, 00:49
Barnets Orchester ist keine Band, die mich bisher sehr angezogen hat... ich hab eine mal zufällig gekaufte Chronological Classics CD, die ich noch nie gehört habe, und zudem diese sehr lohnenswerte Capitol-Compilation:

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd300/d323/d32398qp256.jpg

Nach meinem derzeitigen Wissenstand, ist The Capitol Big Band Sessions (http://www.allmusic.com/album/the-capitol-big-band-sessions-r371980) möglicherweise die einzige Barnet-CD, die man haben muss. Wir hören die wohl beste Band, die er geleitet hat, mit Solisten wie Dodo Marmarosa (p), Dick Hafer (ts - taucht später auf Mingus' "The Black Saint and the Sinner Lady" wieder auf!), Vinnie Dean (as), Herbie Harper (tb).

Eine sehr gute CD, aber anscheinend eben auch die einige, die es von seiner Bop-geprägten Big Band jener Zeit gibt - mehr Musik scheint da nicht eingespielt worden zu sein.

ferry
13.07.2011, 09:02
Dann wird es aber mal Zeit, dass Du Dir die Chronological Classics- CD anhörst !
Welcher Zeitraum wird denn mit dieser CD abgedeckt ?
Und was ist eigentlich generell von der Chronological Classics- Reihe zu halten ?

Auf der "The Capitol Big Band Sessions" sind also die späteren, BeBop- geprägten Aufnahmen enthalten. Danke erstmal für diesen Tipp.

gypsy tail wind
13.07.2011, 09:43
Es gibt von Barnet einige, ich weiss nicht mal grad, welche dass ich habe, ev. 1947?

Was von den CDs zu halten ist... die Transfers sind von sehr schwankender Qualität, aber für vieles waren sie lange Zeit die einzige Möglichkeit, heranzukommen, der Umfang dessen, was das Label erreichte, ist riesig!

Alternate Takes fehlen, ebenso auch fast alle V-Discs und Transcriptions. Die Transfers wurden selber angefertigt, manche CDs klingen gut, manche klingen recht übel, aber ich hab da keinen Überblick.
Die Dokumentation ist in Ordnung, immer nach demselben Schema: erste Doppelseite: Trackliste mit Composer Credits, zweite Doppelseite: links ein Auszug aus dem Katalog, rechts eine Seite Liner Notes von Anatol Schenker, jeweils ca. das letzte Drittel (also sehr wenig) über die vorliegende Musik, die oberen zwei Drittel allgemeiner über den Musiker und oft auch etwas über die in der CD enthaltene Phase seines Werkes. Auf der dritten Doppelseite gibt's dann die komplette Diskographie (Line-Ups, Aufnahmeort und -datum, Titel, originale Veröffentlichungen, falls vorhanden Take-Nummern vom Label oder Studio - was es nicht gibt, und grad bei Big Bands fehlt mir das manchmal, sind Auflistungen der Solisten).

Für die Alternate Takes gibt's ein österreichisches Label (Neatwork), das den Classics hinterher die Ergänzungen nachgereicht hat, von denen hab ich aber nur drei oder so zufällig gefundene.

ferry
13.07.2011, 10:46
Danke erstmal für die Info's, gypsy.

Die Chronological Classics- CDs sind ja nur noch gebraucht zu bekommen, und auch relativ teuer.
Die Membran- CDs z.B. sind dagegen günstig zu bekommen (die CD, die ich habe ist auch von Membran). Die Dokumentation ist spartanisch, nur Aufnahmedatum/-ort und beteiligte Musiker. Der Klang ist in Ordnung, aber mir fehlt da natürlich die Erfahrung und eine Vergleichsmöglichkeit.

V-Discs und Transcriptions (musste ich erst mal nachschlagen) wird es von Barnet vermutlich nicht geben:
"He was also a champion of racial equality, hiring many black singers and musicians at a time when other bands were segregated. His use of African-American performers kept his orchestra out of several hotels and ballrooms and was also probably the reason why he was never picked for any big commercial radio series."

Quelle:parabrisas.com

gypsy tail wind
13.07.2011, 10:54
Ja, und ich würde sagen mehr als 15€ ist kaum eine ChronoClassics wert. Manchmal muss man eine allerdings einfach haben... aber mehr als 25€ hab ich wohl noch nie für eine Classics-CD ausgegeben.

Aber Membran, das ist dann die unterste Sorte... Classics war kein Billig-Label, es existierte schon lange vor diese sich so pestartig ausgebreitet haben. Von Membran gibt's allerdings eine schöne Artie Shaw 10CD-Box (Infos gibt's darin keine, Diskographie kann ich gerne liefern bei Bedarf), die sehr umfassend ist für die frühen Jahre, und die Quadromania-Sets sind zum Kennenlernen natürlich nicht schlecht - aber die Auswahl ist oft überaus chaotisch, wenig sinnvoll, CDs sind nicht gefüllt, z.B. werden drei Classics auf vier CDs ausgebreitet und ähnlich unsinniges... aber wenn man sich darüber nicht aufregt, gibt's schon ein paar schöne Sachen, grad auch zum Einstieg in den alten Jazz (aber in Sachen Big Bands kann ich wenig sagen, habe da nichts... und es gibt immer auch gut gemachte Compilations, wie die schon mehrfach erwähnten "Essentiel"-Doppel-CDs von Frémeaux), nach denen muss man halt einfach auch mal suchen und natürlich etwas mehr bezahlen, aber dafür kriegt man da auch Liner Notes, komplette und korrekte diskographische Infos etc.

Bei Jimmie Lunceford etwa - den ich Dir ans Herz legen möchte - damals die neben Ellington und Basie wichtigste Big Band, ist "L'Essentiel" von Frémeaux bestimmt ein super Einstieg (ein Quadromania-Set gäb's auch soweit ich weiss).

ferry
13.07.2011, 11:28
Ja, Membran ist natürlich billigst.
Aber die Frage ist halt auch, wie man einen Einstieg zum Kennenlernen bekommt. Streams z.B. höre ich mir ja nicht so häufig an.
Bei den Sachen, die dann sehr gut gefallen kann man sich ja dann auch qualitativ hochwertige Compilations nachkaufen. Problem ist halt nur, woher die Informationen bekommen ob sich die Investition in bessere Qualität auch lohnt (also Fehlkäufe auszuschliessen).
Aber da kann ich ja auch mal auf Deine Erfahrungen zurückgreifen :-)

gypsy tail wind
13.07.2011, 11:50
Ja, Membran ist natürlich billigst.
Aber die Frage ist halt auch, wie man einen Einstieg zum Kennenlernen bekommt. Streams z.B. höre ich mir ja nicht so häufig an.
Bei den Sachen, die dann sehr gut gefallen kann man sich ja dann auch qualitativ hochwertige Compilations nachkaufen. Problem ist halt nur, woher die Informationen bekommen ob sich die Investition in bessere Qualität auch lohnt (also Fehlkäufe auszuschliessen).
Aber da kann ich ja auch mal auf Deine Erfahrungen zurückgreifen :-)

Ja klar, ich berate gerne ein wenig... allerdings kenn ich auch nicht alles und hab ab ca. 2000 viele, viele CDs gekauft - und damals war noch sehr vieles aus den 90ern erhältlich und bis 2004 oder 2005 hielt der Boom mit Jazz CD-Reissues noch etwa an... und vieles davon ist heute halt schon wieder vergriffen.

Aber die Frémeaux-Releases kann ich jedenfalls empfehlen, habe von den "Essentiels" zwar selber keine, kenne aber die Lunceford und anderes vom Label (die Django und Satchmo Intégrales) und das sind wohl in manchen Fällen mehr als nur Einstiegs-Compilations - so gemeint, dass die Lunceford 2CD-Compilation vielen Leuten als gute repräsentative Auswahl etwa reichen dürfte (das Gesamtwerk könnte man wohl etwa auf 15CDs haben - ohne Airchecks, V-Discs und was es da sonst noch so gibt - da ist eine gut gemachte Doppel-CD schon ganz ok).

alexischicke
13.07.2011, 14:42
Bei lunceford werde ich wohl auf Mosaic zurückgreifen.Ich nehme mal an,dass auch Armstrong und Ellington schon durch Mosaic recht gut abgedeckt sind.

gypsy tail wind
13.07.2011, 15:01
Bei Lunceford hast Du mit dem Mosaic das wichtigste, ja - aber es gibt eine Lücke bei den Columbia-Aufnahmen (gab's als 4LP-Box, die ich mal recht günstig gefunden habe). Und es fehlen ein paar spätere Sachen, die ich auf den letzten beiden Chronological Classics kürzlich angeschafft habe (die letzte ist allerdings nur noch die ghost band).

Bei Armstrong ist der Fall schon anders... da braucht man mindestens noch die kompletten Hot Five und Hot Seven Aufnahmen (drei einzelne Sony/Legacy-CDs, die Sony/Legacy 4CD-Box oder die JSP 4CD-Box... oder aber die betreffenden Volumes der Frémeaux "Intégrale") und wohl auch noch die RCA-Aufnahmen (ein 4CD-Set). Und dann von den späteren Aufnahmen unbedingt noch "Louis Armstrong Plays W.C. Handy", ein absolut grossartiges Album!

Ellington... ja, mit den beiden Columbia-Boxen hat man den (ge)wichtigsten Teil der 30er-Aufnahmen, und mit der RCA-Box hat man grosse Teile der Jahre davor und danach (für die Jahre davor braucht man noch die 2CD "Okeh Ellington" und die 3CD "Early Ellington" mit den Vocalion/Brunswick Sessions der Jahre bis 1931 - die gehören wie gesagt bis heute zu Universal, während die Aufnahmen derselben Label danach zur Sony-Gruppe gehören).

Die grosse Ellington Big Band Box bestell ich mir wohl als nächstes, von den Small Group Sessions (hab die Box gestern und vorgestern ganz gehört bzw. im Hintergrund laufen gehabt) bin ich sehr begeistert (war ja nicht anders zu erwarten). Die fast zwei Dutzend Chronological Classics sind damit zwar zum grössten Teil obsolet geworden, aber was soll's... bei Ellington muss man mit Doubletten und Tripletten leben lernen, wenn man eine dreistellige Anzahl seiner CDs hat, das scheint schwer vermeidbar zu sein.

alexischicke
13.07.2011, 23:48
CD Tipp zu Charlie Barnet:
http://www.amazon.de/Cherokee-Charlie-Barnet/dp/B0000014KG/ref=tag_dpp_lp_edpp_img_in

Neueinspielungen seiner alten Hits.Ich mag sein "Skyliner" schöne Saxophonstaffetten.Billy May der spätere Pianist von Sinatra,fing bei Barnett ein.

Danke Gypsy,dann bin ja bei Ellington und Armstrong gut gerüstet.Auf die Jimmy Lunceford freue ich mich schon!

redbeansandrice
13.07.2011, 23:50
warum Lunceford so unterschätzt ist, ist mir echt nicht ganz klar - an sich ist seine Musik mit die eingängigste und sooo früh ist er nun auch nicht gestorben...

alexischicke
13.07.2011, 23:52
es kennen halt nur Spezialisten,den ganz großen Durchbruch hat er wohl nicht geschafft...

gypsy tail wind
14.07.2011, 00:24
Kann nichts genaueres dazu sagen... aber was Alex meint ist mit Sicherheit falsch - zu Lebzeiten war er nicht unterschätzt und wohl geradeso bekannt wie Ellington oder Basie (die weissen Big Bands waren allerdings in der Swing-Ära und auch danach ungerechterweise oft sehr viel bekannter... ungerechterweise, weil etwa Goodman einen nicht geringen Teil seines ursprünglichen Erfolges auf Charts von Fletcher Henderson begründet hat... dieser kam einfach nicht über die Runden und musste sich verdingen).

Die Lunceford-Band hat halt nie diese mystique gehabt wie Ellington und Basies alte Big Band... sie war die professionellste, jene mit den besten readers... der letzte survivor der Band nach dem Tod von Snooky Young ist jetzt wohl Gerald Wilson.
Und doch, Lunceford starb 1947 - das spielt gewiss auch eine zentrale Rolle, Basie lebte bis 1984, Ellington immerhin bis 1974. Man vergisst so schnell... und die Musik wurde damals ja oft nicht als "Hörmusik", als Kunst, sondern als Gebrauchs-, als Tanzmusik wahrgenommen, sowas gerät viel schneller in Vergessenheit (oder soll ich Euch mal an Ace of Base erinnern? Ja, ich bin traumatisiert...)

ferry
14.07.2011, 08:24
CD Tipp zu Charlie Barnet:
http://www.amazon.de/Cherokee-Charlie-Barnet/dp/B0000014KG/ref=tag_dpp_lp_edpp_img_in

Neueinspielungen seiner alten Hits.Ich mag sein "Skyliner" schöne Saxophonstaffetten.Billy May der spätere Pianist von Sinatra,fing bei Barnett ein.


Danke für den Tipp, alexischicke.
Kennst Du auch seine früheren Aufnahmen ? Seine beste Phase war ja anscheinend von 1939 bis 1941.

katharsis
14.07.2011, 15:10
Man vergisst so schnell... und die Musik wurde damals ja oft nicht als "Hörmusik", als Kunst, sondern als Gebrauchs-, als Tanzmusik wahrgenommen, sowas gerät viel schneller in Vergessenheit (oder soll ich Euch mal an Ace of Base erinnern? Ja, ich bin traumatisiert...)

Interessant, dass Du das in einen Zusammenhang setzt, denn gerade Ace of Base kennt doch JEDER! :lol:

ferry
14.07.2011, 15:31
Der Zusammenhang ist wirklich interessant, Luncefords Big- Band war also die Ace of Base der 30er ?

All that she wants, is another baby........ BUM BUM BUM

HILFE !!!

gypsy tail wind
14.07.2011, 15:58
Der Zusammenhang ist wirklich interessant, Luncefords Big- Band war also die Ace of Base der 30er ?

All that she wants, is another baby........ BUM BUM BUM

HILFE !!!

Nein nein, so einfach ist das wohl schon nicht... die ganze Unterhaltungsindrustrie hat sich ja stark verändert. Aber die Big Bands spielten üblicherweise in Ballrooms oder grossen Hotelhallen, zum Essen, zum Tanz... erst mit dem Bebop wurde Jazz zu einer Musik, die sitzend und hörend konsumiert wurde, in der Big Band Musik gab's diese Entwicklung auch, Kenton etwa streute schon früh "schwierige" Musik in seine Auftritte ein, Musik, die die Leute innehalten und aufhorchen liess...

Aber das ist alles nur grob vereinfacht, viel mehr weiss ich zu diesem Thema bisher auch selber noch nicht.

Für den Ace of Base-Vergleich entschuldige ich mich tunlichst und verbeube mich vor dem Genius Lunceford, dessen Musik ich überaus verehre.

katharsis
14.07.2011, 16:04
Für den Ace of Base-Vergleich entschuldige ich mich tunlichst und verbeube mich vor dem Genius Lunceford, dessen Musik ich überaus verehre.

So war das von mir gar nicht gemeint. Vielmehr wollte ich darauf anspielen, dass gerade Ace of Base trotz der vergangenen Zeit immer noch schnell ins Gedächtnis zurückkommt und daher nicht ganz zu Deinem Beispiel passte, dass Gebrauchsmusik schneller in Vergessenheit gerät.
Das fällt mir gerade bei AoB immer wieder auf, dass die immer noch sehr präsent sind. Aber das führt jetzt vom Thema weg.

ferry
14.07.2011, 16:28
In #68 habe ich den ;-) vergessen.

;-) ;-)

alexischicke
14.07.2011, 18:45
ich sollte mir mal das tolle Buch von George T.Simon über Big Bands holen, in der Sinatra ein schönes Vorwort geschrieben haben.

Ich denke mal,dass Lunceford heute ziemlich vergessen.Er ist ja kurz nach dem zweiten Weltkrieg geschrieben.Ellington und Basie haben ja bis zum Tod gespielt und sind daher viel präsenter.Ihre Musik wird ja immer wieder aufgenommen.

Ich freue mich schon die Musik von Lunceford kennenzulernen.

gypsy tail wind
14.07.2011, 21:53
So war das von mir gar nicht gemeint. Vielmehr wollte ich darauf anspielen, dass gerade Ace of Base trotz der vergangenen Zeit immer noch schnell ins Gedächtnis zurückkommt und daher nicht ganz zu Deinem Beispiel passte, dass Gebrauchsmusik schneller in Vergessenheit gerät.
Das fällt mir gerade bei AoB immer wieder auf, dass die immer noch sehr präsent sind. Aber das führt jetzt vom Thema weg.

Hm... Ohrwürmer, ja. Nach ferry's Post (aber erst da) hatte ich's auch wieder im Ohr (verdammt sei ma soeur, in alle Ewigkeit, amen... :lol: )

Das sind halt Ohrwürmer... ich bin überzeugt, dass manche Leute auch in den 50ern und 60ern "Margie" oder "Lunceford Special" grad wieder gehört haben, wenn sie nur die Titel lasen!

Aber das ist kein richtiges "Erinnern", glaube ich.



In #68 habe ich den ;-) vergessen.

Macht nichts, ich hab ihn trotzdem gesehen! :-)



ich sollte mir mal das tolle Buch von George T.Simon über Big Bands holen, in der Sinatra ein schönes Vorwort geschrieben haben.

Ich rate dringend zur englischen Ausgabe... ich hab die deutsche (Hannibal Verlag) und in der fehlt das Kapitel über Elliot Lawrence! Ob sonst noch was fehlt weiss ich nicht... es steht aber nichts dazu. Hannibal macht zwar "schöne" Bücher, aber na ja... editorisch sind die nicht auf der Höhe.



Ich denke mal,dass Lunceford heute ziemlich vergessen.Er ist ja kurz nach dem zweiten Weltkrieg geschrieben.Ellington und Basie haben ja bis zum Tod gespielt und sind daher viel präsenter.Ihre Musik wird ja immer wieder aufgenommen.

Ich freue mich schon die Musik von Lunceford kennenzulernen.

Freu Dich, ja! Du wirst tanzen, ich versprech's! Selbst wenn Du zwei Holzbeine hast! :dance:

ferry
14.07.2011, 21:56
Sorry gypsy, meine Bemerkung hatte ich eigentlich als Witz gemeint. War mir schon klar, dass Du nicht die Musik vergleichen wolltest, sondern nur dass die Big Band- Musik damals Unterhaltungsmusik war.
Ace of Base war aber auch ein schlechtes Beispiel. Wahrscheinlich gibt es auch gar kein passendes Beispiel, weil unsrere heutige Multimedia- Gesellschaft überhaupt nicht mit der damaligen Gesellschaft vergleichbar ist.

Was hat eigentlich damals zum Sterben der Big- Bands beigetragen ?

Soweit ich weiss, war es zum einen der BeBop, aber auch die Schallplatte. Die Radiostationen legten immer mehr Schallplatten auf, statt teure Big- Bands zu engagieren. Aber wohl auch der Krieg, weil die Menschen nur wenig Geld übrig hatten um sich die Big- Bands anzuschauen. die Big- Bands waren einfach zu teuer bei den vielen beteiligten Musikern.

gypsy tail wind
14.07.2011, 22:14
Sorry gypsy, meine Bemerkung hatte ich eigentlich als Witz gemeint. War mir schon klar, dass Du nicht die Musik vergleichen wolltest, sondern nur dass die Big Band- Musik damals Unterhaltungsmusik war.
Ace of Base war aber auch ein schlechtes Beispiel. Wahrscheinlich gibt es auch gar kein passendes Beispiel, weil unsrere heutige Multimedia- Gesellschaft überhaupt nicht mit der damaligen Gesellschaft vergleichbar ist.¨

Ich sag ja: ich hab den Smiley bemerkt, auch wenn er nicht da war! Kein Grund zum Entschuldigen!



Was hat eigentlich damals zum Sterben der Big- Bands beigetragen ?

Soweit ich weiss, war es zum einen der BeBop, aber auch die Schallplatte. Die Radiostationen legten immer mehr Schallplatten auf, statt teure Big- Bands zu engagieren. Aber wohl auch der Krieg, weil die Menschen nur wenig Geld übrig hatten um sich die Big- Bands anzuschauen. die Big- Bands waren einfach zu teuer bei den vielen beteiligten Musikern.

Bebop glaub ich nicht... primär war's der Krieg (die jungen Männer wurden gedraftet) und die Wirtschaftskrise bzw. Umstellung auf Kriegswirtschaft. Vinyl war ein rares Gut, Gigs wurden weniger, Kundschaft blieb aus, ausser den erfolgreichsten (Ellington, Kenton, Herman und ein paar andere) mussten fast alle Leader wenigstens vorübergehend ihre Bands aufgeben. Nicht einmal Basie konnte sich halten und reduzierte für ca. eineinhalb Jahre 1950/51 seine Gruppe auf ein Oktett, bevor er 1952 mit der sogenannten new testament Band wieder für Furore sorgte (diese Band ist übrigens sehr, sehr anders als die old testament Band, deren Beste Jahre etwa 1936-41 waren... danach wurde die Band geschwächt durch den Abgang einiger Solisten - und diese waren fürs Konzept der Band absolut essentiell und tragend, eigentlich war's gar keine richtige Big Band sondern ein chaotischer Haufen grossartiger Solisten, die Basie irgendwie erfolgreich domptieren konnte. Besonders die Jahre bei RCA waren dann eher schwach (Paul Gonsalves - ein wunderbarer Tenorist! -, der später lange, lange Zeit bei Ellington spielen sollte und auch dessen "Comeback" in Newport 1956 besiegelte, spielte in der Zeit in Basies Band). Im Oktett orientierte sich Basie ein klein wenig am Bop, Musiker der Gruppe waren u.a. Clark Terry, Buddy De Franco, Wardell Gray und Charlie Rouse... das blieb aber ein eher kurzes Intermezzo, und später in der NT-Band liefen Basie die eher modernern Leute (Thad Jones und Frank Foster fallen mir als erstes ein) dann auch nach ein paar Jahren oft wieder davon, weil er nicht willens war, wagemutigere Arrangements zu spielen und generell scheinbar Angst vor Neuerungen hatte (siehe dazu die Passagen aus ein paar Artikeln, die ich im Basie-Thread zitiert habe).
Es gab allerdings auch ein paar Musiker - besonders Joe Newman - die Basie über lange Zeit die Treue hielten und sowohl in der OT- als auch der NT-Band mitwirkten. In der NT-Zeit war Eddie "Lockjaw" Davis einer der treuesten Weggefährten, er spielte in den 50ern und 60ern mehrere Male in der Band und kehrte auch später immer wieder zurück (auf dem tollen Bond-Album für Roulette ist er in toller Form zu hören, aber auch auf frühen Clef/Verve Sessions im entsprechenden Basie-Mosaic, das noch immer greifbar ist, aber nur auf CD).

alexischicke
14.07.2011, 22:33
Freut mich du hast sicherlich bei Simon gleich das Vowort von Sinatra gelesen.Er war mit einigen Bandleadern persönlich gut befreundet.

Man darf nicht die Petrillo Streiks vergessen in den 40ern,die auch maßgeblich zum Untergang der Bands beigetragen haben.Die sog. Recordings Bans.Bands waren alle kostspielig.

ferry
14.07.2011, 22:33
Soweit ich weiss wurden die Schwarzen aber damals nur wenig zu Kriegseinsatz eingezogen, und wenn dann nicht für den Kampfeinsatz sondern zum support.
Die verbreitung der Schallplatte wird aber doch sicher dazu beigetragen haben, dass halt die Live- Musik nicht mehr so gefragt war bzw. nicht mehr in dem Maß benötigt wurde ?

gypsy tail wind
14.07.2011, 22:37
Das kann ich nicht beantworten... hat aber vermutlich schon eine Rolle gespielt, ja.

Was die Recording Bans betrifft, die hatten wohl auch ihre negativen Auswirkungen (ach wenn sie als gewerkschaftliche Kampfmassnahmen gegen die schlechte Behandlung der Musiker durch die Plattenlabels intendiert waren).

Da kenn ich mich jetzt aber wirklich zu schlecht aus, um mehr dazu zu sagen.

alexischicke
14.07.2011, 22:42
kann jetzt nicht ins Detail gehen.Die Gründe waren sicherlich vielfältig.

Musik ist immer Moden unterworfen.Die Big Bands gab es schon seit Anfang der 30ern,ihren großen Durchbruch feierten sie 1934-35.Das hat sich vielleicht ein bisschen totgelaufen.

ferry
14.07.2011, 22:51
Morgen gehe ich in die Bibliothek, dann werde ich mal sehen ob ich dort ein schönes Buch zu Big- Bands ausleihen kann.

Dann bringe ich auch die ausgeliehene Biografie von Art Blakey zurück (Oreos).
Wirklich ein sehr gutes Buch, habe schon mehrere aus der Oreos- Reihe gelesen, aber das war das Beste !

alexischicke
15.07.2011, 11:04
hab mal eine Biographie über Tommy Dorsey gelesen und da steht vieles drin zu diesem Thema.

Ich glaube nicht,dass der Bepop der Hauptgrund war für den Niedergang der Big Bands.Es war damals nur eine Minderheitenmusik,gut viele junge Musiker spielten Bepop.Die Verschmelzung zwischen Bepop und Big Band kommt ja erst später mit Dizzy Gillespie.Für mich gehören Bepop und Swing untrennbar zusammen,genauso wie ein Haus ohne Fundament nicht stehen kann.

Der Krieg und die Kombination mit den Recording ban welche knapp zwei Jahre dauerte war ein schwerer Einschnitt für die Big Bands.Es wurden in der Zeit keine neuen Busse produziert und man musste z.B viel für Ersatzteile ausgeben.Lange Tourneen waren kaum möglich.

Man wählte dann ein festes langes Engagement,was z.B Tommy Dorsey perfekt gelungen ist.Dann sind die Aufnahmen durch das Plattengeschäft wegefallen,auch ein schwerer Einschnitt.

Die Problematik war damals,dass halt viel Musik für wenig Geld in Jukeboxen gespielt wurde.Da ging es Petrillo um die Aufteilung der Gelder.Das Problem haben wir ja heute auch,bloß in viel größeren Rahmen.

Damals war die Musikgewerkschaf noch mächtig.

redbeansandrice
20.07.2011, 21:59
Marc Myers hat fürs Wall Street Journal einen Artikel (http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304070104576399633446787082.html) über das Lunceford Mosaic geschrieben, und war so nett, das was er an Gerald Wilson Interview zu viel hatte auf seinen Blog (http://www.jazzwax.com/2011/07/interview-gerald-wilson.html) zu stellen...

alexischicke
14.08.2011, 09:45
Was sind eure 10 Lieblings Big Band Platten?

gypsy tail wind
14.08.2011, 11:14
Wenn Du spezifisch auf Alben aus bist, müsste ich ne Weile überlegen... die beste Big Band Musik - jene auch, als die Musik neu und relevant war, stammt ja bekanntlich aus den 30ern und frühen 40er - da gab's noch keine Alben.

Bei Basie und Ellington könnte man da auf Archiv-Releases zurückgreifen, bei Lunceford, Artie Shaw und anderen ist das schwieriger.

Ich kann momentan wirklich nicht mit einer Liste dienen, sondern verweise mal wieder auf meine grosse Liste hier (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=43519).

alexischicke
14.08.2011, 15:02
Du machst es dir ziemlich einfach,Gypsy.Du verweist auf Listen unter den Motto,"such dir selber was raus..".

Mich intressiert aber eine spezielle Big Band Liste.Also streng dich mal an,Gypsy.:-)

gypsy tail wind
14.08.2011, 16:05
Solche Listen zusammenzustellen braucht viele Stunden und Tage - wenn Du erwartest, dass ich hier eine fix-fertige innert Stunden ausspucke, dann machst Du's Dir einfach. Meine lange Liste durchzuschauen auf Big Band Einspielungen dauert jedenfalls nur einen Bruchteil der Zeit, die eine seriöse Big Band Faves Liste von mir benötigen würde.

auf die Schnelle:

Fletcher Henderson - z.B. "The Indispensable" (RCA 2LP/2CD, 1927-36) oder die Fremeaux-Compilation oder "A Study in Frustration"

Duke Ellington: 1927-1946 (RCA, OKeh, Vocalion, Brunswick etc.)
Duke Ellington - At Fargo 1940 (Storyville 2CD)
Duke Ellington - Ellington Uptown
Duke Ellington - Newport 1956 (Complete, 2CD)
Duke Ellington - Black, Brown & Beige

Louis Armstrong - z.B. die RCA Big Band Sessions

Count Basie: 1936-1941 (Decca, Columbia)
"Album": Famous Door 1937, auf CD4 von "America's #1 Band
Count Basie - The Complete Atomic Basie
Count Basie - die Dance Sessions (Clef/Verve, 1953/54)

Jimmie Lunceford: 1934-37 (Decca)

Benny Carter: z.B. die Capitol Sessions, ca. 1943 (nein, das Jahr hab ich nicht überprüft, kann jeder selber machen!)

Benny Goodman - At Carnegie Hall 1938 (Complete, 2CD)

Artie Shaw - 1944-45 (Hep 3CD)

Red Norvo / Mildred Bailey - wasweissichwas, z.B. das Mildred Bailey Mosaic...

Woody Herman - At Carnegie Hall 1946 (Verve Master Edition 2CD)
Woody Herman - 1963 (Philips) (oder gleich das Mosaic Select!)

Dizzy Gillespie - RCA & Savoy Sessions, Paris und Carnegie Hall Konzerte, Spotlite Broadcasts (1946-49)
Dizzy Gillespie - 1957er Big Band (At Newport, World Statesman, Dizzy in Greece, Birk's Works etc - letztere drei auf einer Verve 2CD)

Stan Kenton - City of Glass: Stan Kenton Plays Bob Graettinger (Capitol CD, 1947-53)
Stan Kenton - The Innovations Orchestra (Capitol 2CD, 1950/51)

Shorty Rogers - Cool and Crazy (RCA ,1953)

Chubby Jackson Big Band featuring Gerry Mulligan

Terry Gibbs - Dream Band (Fantasy, Verve)

Oscar Pettiford - The Oscar Pettiford Orchestra in Hi-Fi
Oscar Pettiford - The Oscar Pettiford Orchestra in Hi-Fi Vol. 2

Johnny Griffin - The Big Soul-Band

Quincy Jones - This Is How I Feel About Jazz

Miles Davis & Gil Evans - Miles Ahead
Miles Davis & Gil Evans - Porgy & Bess
Miles Davis & Gil Evans - Sketches of Spain

George Russell - Jazz in the Space Age

Don Ellis Orchestra 'Live' at Monterey!

Randy Weston - Uhuru Afrika

John Coltrane - (Complete) Africa/Brass (Sessions)

Gil Evans - Out of the Cool
Gil Evans - The Individualism of Gil Evans

Oliver Nelson - Live from Los Angeles
(sowie die Hälfte von Jimmy Smiths "Bashin'")

Gerry Mulligan Concert Jazz Band (keine Ahnung, am besten die Mosaic-Box - zur Einzel-Empfehlung müsste ich alles erstmal wieder hören)

Thad Jones/Mel Lewis - irgendwas von den Solid State Aufnahmen, am besten die kompletten ersten Village Vanguard Mitschnitte (wie sie im Mosaic zu finden sind - oder halt "Live at the Village Vanguard" und "Monday Night!"), zudem "Basle 1969" (TCB)

Kenny Clarke/Francy Boland - Volcano / Rue Chaptal (The Complete Live Recordings at Ronnie Scott's, February 28th 1969)
(2 Alben, die kürzlich von Rearward auf einem CD-Twofer neu aufgelegt worden sind)

Sun Ra - The Heliocentric Worlds of Sun Ra (ESP 3CD-Set)

Chris McGregor's Brotherhood of Breath - Brotherhood
Chris McGregor's Brotherhood of Breath - Eclipse at Dawn

Chitinous Ensemble - Chitinous (Deram/Vocalion)

Martial Solal - Martial Solal Big Band (Verve/Gaumont Musique, 1981)
Martial Solal - Big Band (Dreyfus, 1983/84)
Martial Solal - Solal et Son Orchestre Jouent Hodeir (Carlyne, 1984)

Maria Schneider - Concert in the Garden

Italian Instabile Orchestra - Italian Instabile Festival – Pisa, Teatro Verdi 1997 (2CD)
Italian Instabile Orchestra - Live in Noci & Rive de Gier

Archie Shepp - Attica Blues Big Band

ICP Orchestra - live hören gehen!

Barry Guy New Orchestra - live hören gehen!
(vom London Jazz Composer's Orchestra kann ich nichts empfehlen, da ich zuwenig kenne)


zudem: Bunny Berigan, Chick Webb, Globe Unity Orchestra, Willem Breuker Kollektief, George Gruntz, Vienna Art Orchestra, Charlie Hadens Liberation Music Orchestra, Lionel Hampton, Andrew Hill, Charles Tolliver, Earl Hines, Andy Kirk, Gene Krupa, Boyd Raeburn, Claude Thornhill, Buddy Rich, Gerald Wilson


Disclaimer: für allfällige Lücken und Fehler übernehme ich keinerlei Verantwortung, für Folgeschäden durch unter- oder übermässigen Genuss der Musik erst recht nicht... Einzahlungen bitte mit Vermerk "De par ma chandelle verte" an mein Konto, Nr. XXXX-XXXX-XXXX-XX)

alexischicke
14.08.2011, 17:22
Gypsy habe von dir auch nicht verlangt,dass du eine Liste innerhalb weniger Stunden machen solltest.:-)

gypsy tail wind
14.08.2011, 17:36
Gypsy habe von dir auch nicht verlangt,dass du eine Liste innerhalb weniger Stunden machen solltest.:-)

Ja, ok - aber leg doch erst mal selber eine Liste vor, bevor Du von anderen die Arbeit verlangst! Mir Faulheit vorzuwerfen ist wirklich nicht angebracht.

alexischicke
14.08.2011, 17:59
Bitte den Ball flach halten,Gypsy.

Müssen muss hier niemand was,dass soll hier in erster Linie Spass machen.Stress haben wir unseren Alltagsleben schon eh genug,Gypsy.Wenn du eine Liste machen willst ist es schön,wenn nicht dann nicht okay? Was verlangen tut von dir keiner was,Gypsy.

Hier mal meine alte Big Band Liste:

1. Artie Shaw Self Potrait
2. Harry James plays Neal Hefti arrangments
3. The new Glenn Miller orchestra Glenn Miller time/Great songs of the 60
4. Tommy Dorsey the faboulus Dorsey´s in Hifi 1955
5. Count Basie live at Newport 1957
6. Duke Ellington live at Newport 1956
7. Charlie Barnet the everst Years
8. Ray Anthony plays Steve Allen
9. Benny Goodman live in Brüssel 1958
10.Quincy Jones This is how I fell about jazz

redbeansandrice
14.08.2011, 18:20
Müssen muss hier niemand was,dass soll hier in erster Linie Spass machen.Stress haben wir unseren Alltagsleben schon eh genug,Gypsy.Wenn du eine Liste machen willst ist es schön,wenn nicht dann nicht okay? Was verlangen tut von dir keiner was,Gypsy.

eben, und wenn er keine machen will, dann ist er halt ein bißchen faul, und das darf man dann auch mal sagen ;-)

@gypsy, danke! die Empfehlung bei Clarke/Boland hat mich ein kleines bißchen überascht, da ist ja anderes bekannter... interessant, dass du die Terry Gibbs listest, mit der bin ich irgendwie nie so richtig warm geworden... (größte Lücken auf den ersten Blick vielleicht Dick Collins und Charles Tolliver... aber auch nicht richtig nachgedacht); die Griffin wollt ich sowieso nachher zum ersten Mal hören, bin mal sehr gespannt...

gypsy tail wind
14.08.2011, 18:30
@alex - entschuldige, aber das hier:


Du machst es dir ziemlich einfach,Gypsy.Du verweist auf Listen unter den Motto,"such dir selber was raus..".

Mich intressiert aber eine spezielle Big Band Liste.Also streng dich mal an,Gypsy.:-)

war auch nicht grad mit flachem Ball gespielt!

Und klar sag ich "such Dir selber was raus", wir haben eine Suchfunktion, ich habe überall schon Big Band Tipps gepostet, naturgemäss auch im Thread hier. Da liegt es doch nahe (und sollte völlig in Ordnung sein, wenn ich das mache), dass ich auch mal sage: "ich hab schon einiges dazu geschrieben, geh und such es raus".

gypsy tail wind
14.08.2011, 18:37
@gypsy, danke! die Empfehlung bei Clarke/Boland hat mich ein kleines bißchen überascht, da ist ja anderes bekannter... interessant, dass du die Terry Gibbs listest, mit der bin ich irgendwie nie so richtig warm geworden... (größte Lücken auf den ersten Blick vielleicht Dick Collins und Charles Tolliver... aber auch nicht richtig nachgedacht); die Griffin wollt ich sowieso nachher zum ersten Mal hören, bin mal sehr gespannt...

Hm, ich kenn noch längst nicht alles von der CBBB und hab auch noch Lücken, die vielleicht zum bekannteren zählen ("Handle with Care" etwa). Die Live-Aufnahmen aus dem Ronnie Scott's sind für mich seit ich sie kenne (es gab sie auch auf Blogs bevor endlich ein offizielles Reissue kam) zum besten der Band.

Woran hättest Du denn etwa gedacht sonst? "Fellini 712" und "Latin Kaleidscope", "All Blues", "Sax No End" oder "Her Majesty's Pleasure" wären etwa meine nächsten Listungen, oder das Pariser Konzert "TNP – Oct. 29th, 1969".

Die Griffin ist gewachsen - ist bestimmt nichts grosses aber eins der ganz wenigen genuinen Hardbop Big Band Alben.

Tolliver hab ich am Ende in die Reste-Liste geworfen... "With Love" ist schön, aber so richtig grossartig mag ich's bisher nicht finden (schon lange nicht mehr gehört). Aufs neue Mosaic Select bin ich gespannt.

Was die Faulheit betrifft: an sich ist's auch eine Frage des Anstands, selber wenigstens Rudimente einer Liste einzustellen wenn man über ein Thema spricht, bei dem man selber was weiss (was ja bei Alex und Big Bands der Fall ist!) und von anderen was wissen will... aber egal.

alexischicke
14.08.2011, 18:51
Gypsy,das war ein ironischer Einwurf von mir.Wenn du dich durch diese Aussage beleidigt fühlst,dann mus mich bei dir entschuldigen.

Ich schätze deine Postings hier sehr und lese jeden deiner Beiträge mit Genuss.Ich habe jetzt eine kleine Liste vorgelegt, bin aber mehr auf andere Listen gespannt,denn ich will ja immer was neues kennenlernen.

weiteres bitte per PM..

Wie man aus meiner Liste erkennen kann mag ich den Big Band Sound der 30-50er Jahre.Ich höre jetzt Woody Herman "The first herd- 1944-1946"(Mosaic Box).Schon wunderbar wie sie über die Passagen improviersieren können.Woody Herman legt über den Bläsersatz of ein schönes Solo hin über drei/vier Bars.

Eine andere Band die musikalisch auf dem gleichen Niveau war meiner Meinung die Band von Artie Shaw.

Hast jemand die Radioaufnahmen von Artie Shaw von hep Records? Die Herman Aufnahmen muss ich mir mal holen.

gypsy tail wind
14.08.2011, 18:59
Alex, danke für Deine Liste!

Dass Dein Einwurf ironisch war hab ich schon gemerkt - aber mich dennoch darüber geärgert. Entschuldige, wenn meine Reaktion etwas heftig ausfiel.

Von den Shaw Hep-Sets hab ich oben ja eins drin (1944/45, 3CD). Ich habe auch "The Complete Spotlight Band 1945 Broadcasts" (2CD), "King of the Clarinet. Live: 1938-39" (Hindsight, 3CD) und die Fresh Sound CD "The Artistry of Artie Shaw and His Bop Band 1949", auf der Shaws vom Bop angehauchte Band zu hören ist. Die Studio-Sessions hab ich bisher nur auf dem billigen Membran 10CD-Set, das aber sehr hilfreich und ziemlich umfassend ist (es enthält dasselbe wie eine ganze Reihe Chronological Classics CDs und ist anders als gewisse Membran 10CD-Sets für den abgedeckten Zeitraum ziemlich vollständig).
Am besten gefallen mir insgesamt die beiden 3CD-Sets, 1944/45 vor 1938/39.

alexischicke
14.08.2011, 19:14
wie ist das remastering auf den Hep Sets.Steht da auch viel drin über die Band Geschichte.?

Das drei CD Set ist mir leider zu teuer.

gypsy tail wind
14.08.2011, 19:32
Remasterings sind nach meiner Erfahrung bei Hep stets sehr gut.
Welches meinst Du denn? Das 2CD oder das 3CD-Set? Muss die mal wieder hervorsuchen, hab schon länger keine Musik von Shaw mehr gehört.

redbeansandrice
14.08.2011, 19:40
Hm, ich kenn noch längst nicht alles von der CBBB und hab auch noch Lücken, die vielleicht zum bekannteren zählen ("Handle with Care" etwa). Die Live-Aufnahmen aus dem Ronnie Scott's sind für mich seit ich sie kenne (es gab sie auch auf Blogs bevor endlich ein offizielles Reissue kam) zum besten der Band.

Woran hättest Du denn etwa gedacht sonst? "Fellini 712" und "Latin Kaleidscope", "All Blues", "Sax No End" oder "Her Majesty's Pleasure" wären etwa meine nächsten Listungen, oder das Pariser Konzert "TNP – Oct. 29th, 1969".

Tolliver hab ich am Ende in die Reste-Liste geworfen... "With Love" ist schön, aber so richtig grossartig mag ich's bisher nicht finden (schon lange nicht mehr gehört). Aufs neue Mosaic Select bin ich gespannt.


bei CBBB hatt ich mit All Smiles gerechnet, hab aber im Grunde keine Ahnung... Tolliver hätt ich mehr wegen Impact auf Strata East gelistet, oder wegen Live in New York (weiß gar nicht mehr, woher ich das kenne), With Love hat mich auch noch nicht ganz überzeugt...

gypsy tail wind
14.08.2011, 19:42
Das dacht ich mir bei Tolliver - aber die kenn ich noch kaum (Impact mal gehört, Live in NY noch gar nicht).

"All Smiles" und "More Smiles" sind hübsch aber das ist nicht die eigene Musik von Boland und daher für mich eine Spur weniger spannend.

alexischicke
14.08.2011, 23:02
ich meinte das 2 CD Set,ja wenn du mal Zeit hast,kannst mir vielleicht sagen wie die Aufnahmen klingen.

Habe ja neulich die großartige Mosaic Box von Artie Shaw gekauft,das reicht mir erstmal.

Die hindsight Aufnahmen sind auch Radiosachen?

gypsy tail wind
16.08.2011, 11:59
Hier ist ein Auszug aus einer Amazon-Rezension (http://www.amazon.com/King-Clarinet-1938-39-Artie-Shaw/dp/B000001813) des Hindsight-Sets (übrigens ist die Musik - wie bei Ellingtons Hindsight-Set auch - zuvor auf fünf LPs erschienen):


Here's the straight deal: these are recordings of live radio broadcasts of Artie Shaw and his Orchestra that were performed between November 1938 and November 1939. The broadcasts came from The Blue Room in the Hotel Lincoln in New York City, the Summer Terrace at the Ritz-Carlton Hotel Roof in Boston, and the Café Rouge at the Hotel Pennsylvania in New York. (Trivia note: this is the hotel that hosted Glenn Miller's Orchestra for years, and lead to using the hotel's phone number, Pennsylvania 6-5000, as a name for one of their pieces.) Although recordings of live radio are sometimes inferior, this collection has superb sound and captures the Shaw band at its peak: relaxed, creative, and swingin'. You'll hear many classics in new versions, as well as some wonderful rarities. There are a couple of duds, as Artie Shaw himself admits, but even these are interesting!

The Artie Shaw Orchestra of 1938-1939 was the best band he ever assembled, and the most popular. This is the orchestra that recorded "Begin and Beguine," Shaw's best-selling record, and contained a line-up of astonishing musicians: Buddy Rich on drums, Tony Pastor on tenor sax and vocals, Georgie Auld on tenor sax, Helen Forrest on lead female vocals, and of course Shaw himself playing the most brilliant clarinet music you'll ever hear. The music on these recordings shows them powering at their best, and you can see why they became America's most popular band of the time.

Es gab von BMG auch eine Doppel-CD (zuvor Doppel-LP) mit dem Titel At the Blue Room/At Café Rouge (http://www.amazon.de/Blue-Room-Cafe-02-Cds/dp/B0000DEMTW/), auf der einiges vom selben Material enthalten ist. Alles vom BMG-Release ist im Hindsight-Set, dieses ist aber wesentlich umfangreicher.

Ich melde mich gerne mal wieder zu Shaw und den Hep-Sets, wenn ich mir die Musik wieder mal anhöre. Kann aber dauern.

gypsy tail wind
26.10.2011, 14:10
Gestern hab ich mal wieder die rare Chance gehabt, eine tolle Big Band live zu hören, nämlich die George Gruntz Concert Jazz Band, die nächstes Jahr ihr 40jähriges Jubiläum feiern kann (Gruntz selbst feiert heuer seinen 80.).

Zum ersten Mal trat Gruntz mit seiner grossen Band im Zürcher Jazzklub Moods auf - zuvor gab er dort schon einige Konzerte mit Franco Ambrosetti oder mit seinem Trio und auch mit einem Oktett. Gestern drängte sich die grosse Band auf der kleinen Bühne: vier Trompeter (darunter eine tolle Lead-Trompeterin namens Tanya Darby), zwei Posaunen, Tuba, fünf Saxophone, Akkordeon und die von Gruntz geleitete Rhythmusgruppe.

Die Band spielte zwei Sets, alle Musiker kamen solistisch mehrfach zum Einsatz, besonders herausragend: Gary Smulyan am Barisax, Howard Johnson an der Tuba, Neuzugang Alex Norris an der Trompete, Trompeter Jeff Stockham mit seinem Waldhorn-Feature über Horace Silvers "Nutville", Luciano Biondini und David Bargeron (die auch zusammen in Erscheinung traten), sowie eigentlich die ganze Sax-Section, die neben Smulyan aus Chris Hunter (as,ss,fl), Sal Giorganni (as,ts,fl), Larry Schneider (ts) und dem langjährigen Mitglied des Vienna Art Orchestra (r.i.p.) Andy Scherrer (ts) bestand. Gruntz selbst gläntzte besonders im Intro seines Arrangements über "My Favorite Things" mit einem tollen Solo, aber sein Spielwitz blitzte immer wieder auf. Neben ihm sass an der Bassgitarre Arie Volinez, ein israelischer Musiker von grosser Virtuosität und noch grösserer Musikalität. Am Schlagzeug sass François Laizeau, der eines Abends kurzfristig für Adam Nussbaum einspringen musste und seither in der Band spielt, auch er wusste zu überzeugen.

Die Trompeter waren mir im allegemeinen etwas zu virtuos und hochtönig in ihren Soli, aber Norris gelang es, eine Brücke zu schlagen zwischen Technik und Lyrik, während Darby in ihren Soli eher als eine Art gestählte (aber durchaus hippe) Lee Morgan-Erbin rüberkam. Joe Magnarelli und Jeff Stockham bliesen ebenfalls ein paar gute Soli, aber Stockham hat wie gesagt vor allem mit seinem Feature am Horn überzeugt. Posaunist René Mosele war der Lokalmatador und glänzte mit ein paar schönen Soli, aber neben Dave Bargeron ist es nicht ganz einfach... dessen Trichter wies genau in meine Richtung und ich konnte ihn immer raushören, mit einem unglaublich starken, knackigen Sound. Seine Soli waren von unglaublicher Leichtigkeit (die seine irdische Erscheinung Lügen straft), und besonders das erwähnte Duett mit Luciano Biondinis Akkordeon war eins der Highlights des Abends. Am äusseren Rand in der mittleren Reihe sass Howard Johnson mit seiner Tuba, einer der altgedienten Männer in Gruntz' Band. Er spielte ein tolles Soli-Intro zu "Matterhorn Matters", einer Art Gospel/Funk-Nummer, in der Gruntz auch Motive von schweizer Volksliedern eingeflochten hat. Ganz am Ende des Konzertes spielte Johnson dann mit Gary Smulyan einen tollen Blues, in dem die Tieftöner sich nochmals präsentieren konnten - was nichts als gerecht war, denn sie bilden eine wichtige Stütze der Band.
Die Saxophonisten überzeugten wie erwähnt alle. Andy Scherrer ist der Doyen des modernen Jazz in der Schweiz, er spielte mit einer grossen Gelassenheit. Und genau das war es, was manchmal etwas fehlte. Die Soli verkamen hie und da etwas zu einer Nummern-Revue, in der jeder zeigen wollte, was er alles kann. Nur die älteren Musiker - Gruntz, Scherrer, Schneider, Bargeron, Johnson und Smulyan - konnten manchmal auch einen Schritt zurücktreten und etwas weniger virtuos aber musikalisch sinnvoller blasen. Sal Giorganni war sowohl am Tenor wie am Alt zu hören, auf beiden Instrumenten mit intensiven, verwinkelten Soli. Schneider spielte wie Scherrer nur Tenor und trug ebenfalls einige schöne Soli bei. Chris Hunter schliesslich, der Konzertmeister der Gruppe, war am Alt, am Sopran und an der Flöte mit schönen Soli zu hören.
Volinez und Laizeau drängten immer wieder an die Oberfläche der Musik, die beiden bilden ein sehr tolles Gespann, das die Band trägt aber auch treibt, das mit dem Beat spielt und für eine abwechslungsreiche, spannende Begleitung der Solisten besorgt war. Mittendrin sass Luciano Biondini mit seiner Lockenpracht und verzerrte das Gesicht zu seinem Akkordeonspiel. Ein toller Musiker, sein Temperament schien mir oft das eines Musikanten... jedenfalls ein wahres Vergnügen, ihn live zu erleben! Gerne möchte ich ihn auch mal mit Gabriele Mirabassi oder Michel Godard erleben!

Das Repertoire bestand aus Standards, Balladen (Gruntz verfolgt seit vielen Jahren eine Art Projekt, in dem er alte Standards neu arrangiert und seinen Leuten auf den Leib schneidert), ein Original von Gruntz' altem Freund Franco Ambrosetti (der mit Vater Flavio und Drummer Daniel Humair 1972 an der Gründung von "The Band" beteiligt war, so hiess die Gruppe ursprünglich), Originals von Bandmitgliedern, besonders zwei (eins eine Ballade, das andere eine brasilianische Nummer) von Biondini, sowie natürlich Originale von Gruntz.

Jedenfalls ein grossartiges und intensives Erlebnis (ich sass in der ersten Reihe, direkt vor den bieden Altsaxophonen, zwischen denen hindurch Dave Bargeron blies). Big Bands muss man ja an sich eh live hören, und in einem so kleinen Rahmen wie dem Moods ist das natürlich perfekt, da kommt auch der nötige Druck auf, den diese Musik haben sollte. Bisher habe ich von den einigermassen konventionellen modernen Big Bands das Vienna Art Orchester und die Mingus Big Band gehört, erstere leider in einem falschen Rahmen und mit dem nicht ganz so tollen "A Centenary Journey"-Programm, letztere ebenfalls im Moods, was ebenso eindrücklich war.

Schönstes Haarband: Arie Volinez
Schönste schmale schwarze Krawatte: Sal Giorganni *
Schönster Mini-Ziegenbart: Gary Smulyan
Schönste Cowboy-Stiefel: Arie Volinez
Schönste Lackschuhe: Sal Giorganni
Bester "nutty professor": Larry Schneider
Beste desinteressierte Miene: Andy Scherrer
Enthusiastischster Kommentar zu anderen Solisten: Chris Hunter, Gary Smulyan, Sal Giorganni - ex aequo
Schönster Tuba-Tanz: Howard Johnson
Beste Kommentare zum verfehlten staatlichen Kultursponsoring: George Gruntz
Schönste Glatze: Andy Scherrer
Schönste Gel-Frisur: René Mosele

:-)

*) einzige Krawatte des Abends... aber trotzdem toll!