Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jean-Luc Godard
deadflowers
12.02.2004, 13:55
Le Mepris/Die Verachtung
Ein Film über den Film und die Menschen die daran arbeiten.
Wie immer verarbeitet Godard mehrere Themen parallel und nebeneinander.
So haben wir hier ein Ehepaar (Piccoli/Bardot) das nach einer sinnlichen Eröffnungssequenz am Ende seiner Beziehung angekommen ist. Ob der Unterwürfigkeit vor seinem Geldgeber beginnt die Frau ihren Mann zu Verachten. Bald merken sie nach banalen kurzen Gesprächen, das sie sich einfach nichts mehr zu sagen haben und begegnen sich schweigend mit einer Mischung aus Erleichterung, Trauer aber auch Mitleid und Schuldgefühlen gegenüber dem anderen, was besonders von Piccoli sehr gut getragen wird und ich sehr bewegend finde. Bewegend weil wahr.
Wann immer die beiden an diesem toten Punkt angelangt sind, wird der Score einspielt, den ich sofort mit ihrer Situation identifiziere. Wann immer er eingespielt wird, ob die beiden nun zusammen sind oder nicht: Es erzeugt immer den Moment der Zerrissenheit und ich leide mit ihnen.
Vielleicht wird er zu oft eingespielt aber ich finde es schön „radikal“.
Godard der unterschätzte Feminist. Godard und seine Sicht der Frau. Alleine dafür liebe ich ihn.
Fritz Lang spielt sich selbst. Lang musste in Hollywood viele Kompromisse eingehen. Im Film redet er am Beginn vom Standpunkt des Films an sich, ist jedoch ansonsten das zynische aber willige ausführende Organ des Produzenten. Als der Produzent stirbt, dreht Lang einfach weiter. Ich mag Lang sehr und finde das bewegend.
Es wird über die unbeantwortbare Frage reflektiert, in wie weit Kunst und Kommerz Hand in Hand gehen können oder sogar müssen. In wie weit man sein Gesicht dabei wahren kann. Finde ich sehr interessant.
Es ist ein Versuch die Odysee in die Gegenwart zu übertragen, wobei der Film im Film mit dem Film selbst verschwimmt, was dem ganzen einen mediteranen Touch und einen Post Modernen Ausdruck gibt, den ich sehr mag.
Zitiert: In „The Big Kife“ von Robert Aldrich spielt Jack Palance einen Schauspieler, der von einem Produzenten in den Selbstmord getrieben wird. Hier spielt er den Produzenten. Kein Zufall.
Vincente Minnelli’s Musical „The Band Wagon/Vorhang auf“, in dem Fred Astaire einen alternden Musicalstar spielt, dem zum Comeback verholfen werden soll, was zum Konflikt ausartet, da der Produzent es als „Faust“ inszenieren möchte, wird hier an mehreren Stellen zitiert, was ich äußerst Liebenswert finde.
Als ganzes sehe ich den Film als einen Schiffbruch der Moderne oder besser des gesamten Filmischen Abendlandes. Und dieser Gesamtzusammenhang haut mich um.
Das kann sicher jeder anders sehen oder auch gar nicht. Keine Ahnung. Ich liebe diesen Film.
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 13:55
Als ganzes sehe ich den Film als einen Schiffbruch der Moderne oder besser des gesamten Filmischen Abendlandes. Und dieser Gesamtzusammenhang haut mich um.
Das kann sicher jeder anders sehen oder auch gar nicht. Keine Ahnung. Ich liebe diesen Film.
Das ist in der Tat ein umwerfender Film. Viel mehr kann ich momentan aber nicht dazu schreiben, außer das man ihn im Original schauen muß.
Er gehört für mich zu meinen 10 liebsten Filmen.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 16:21
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 13:55
Godard der unterschätzte Feminist. Godard und seine Sicht der Frau. Alleine dafür liebe ich ihn.
das ist für mich die hauptaussage der frühen godard filme. er war der erste, der die frau erst richtig im film positioniert hat. misogynität war das einzige was er nicht von seinen helden übernahm (ausnahme war ford. der hatte auch sehr schöne frauenrollen). deswegen will mir auch nicht in den kopf wieso man so etwas bei "le mepris" übersehen kann.
mensch, habe schon selber im geheimen an nem godard thread geabeitet... :(
(viel mehr bald)
deadflowers
12.02.2004, 16:25
Katharine Hepburn trug bei Hawks aber auch Hosen.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 16:29
so meinte ich das nicht. war ja nicht so, dass davor das frauenbild rein regressiv war. damit würde man vielen unrecht tun.bespielsweise renoir, oder sternberg.
aber godard hat das plötzlich thematisiert, oder sagen wir die stellung der frau in seinen filmen mit einem grossen ausrufezeichen gefilmt.
deadflowers
12.02.2004, 16:31
Ja weiß ich doch und meine ich auch so. Ausser atem hätte nicht funtioniert hätte Jean S. lange haare gehabt und Röcke getragen und nicht über Literatur geredet.
Die Godard Frau ist doch meist DAS IDEAL.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 16:33
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:31
Ausser atem hätte nicht funtioniert hätte Jean S. lange haare gehabt
hi hi, hab dir mal erzählt wieso seberg hier kurze haare tragen muss, nicht?
candycolouredclown
12.02.2004, 16:41
Ich empfinde es als einen absoluten Trugschluß, die Verachtung der Bardot einzig und allein daran festzumachen, dass sich Piccoli dem Kommerz unterwirft. Damit beginnt es vielleicht. Aber die eigentliche, tiefe Verachtung hat viel mehr mit einer einzigen Geste Piccolis zu tun. Nämlich wenn er sie im Auto mit Palance mitfahren lässt. DAS ist es!
Ob sie sich schon vorher nicht mehr lieben ist dabei egal.
Wer das nicht sieht, hat den Film nicht verstanden.
Das oberflächliche "Kunst-Kommerz" Thema mag für Filmstudenten die einzig sichtbare Interpretation hinsichtlich der Verachtung sein (das der Film mehr zu sagen hat, ist auch mir klar), geht diese aber nicht besonders tief.
deadflowers
12.02.2004, 16:44
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:41
Nämlich wenn er sie im Auto mit Palance mitfahren lässt. DAS ist es!
Tut er doch aus unterwürfigkeit oder?
candycolouredclown
12.02.2004, 16:46
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:44
Tut er doch aus unterwürfigkeit oder?
Empfinde ich nicht so. Ihm ist es egal.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 16:48
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:41
für Filmstudenten
-_-
deadflowers
12.02.2004, 16:48
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:46
Empfinde ich nicht so. Ihm ist es egal.
Aber sie empfindet es als unterwürfigkeit und verachtet ihn.
deadflowers
12.02.2004, 16:49
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:41
Ich empfinde es als einen absoluten Trugschluß, die Verachtung der Bardot einzig und allein daran festzumachen, dass sich Piccoli dem Kommerz unterwirft.
behauptet keiner.
candycolouredclown
12.02.2004, 16:50
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:49
behauptet keiner.
Doch, 99% aller Kritiken zu dem Film.
deadflowers
12.02.2004, 16:51
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:50
Doch, 99% aller Kritiken zu dem Film.
dann ist das hiermit wiederlegt.
candycolouredclown
12.02.2004, 16:52
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:48
Aber sie empfindet es als unterwürfigkeit und verachtet ihn.
Nein, sehe ich nicht so. Eher als Desinteresse an ihrer Person, was nichts mit seiner Unterwürfigkeit zu tun hat.
deadflowers
12.02.2004, 16:52
Übrigens wen interessieren hier Kritiker?
deadflowers
12.02.2004, 16:53
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:52
Nein, sehe ich nicht so. Eher als Desinteresse an ihrer Person, was nichts mit seiner Unterwürfigkeit zu tun hat.
Sehe ich nicht so. Sie hält den Produzenten für den Stärkeren. Und das hat was von Griechischer Tragödie, die ja auch thematisiert wird.
candycolouredclown
12.02.2004, 16:55
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:51
dann ist das hiermit wiederlegt.
Wenn ich hier im Forum Meinungen zu dem Film lese, ist aber nur von der Verachtung aufgrund der kommerziellen Unterwürfigkeit die Rede.
Ach so:
@ Napoleon: Das mit den Filmstudenten bezog sich auf niemanden hier.
deadflowers
12.02.2004, 16:57
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 16:55
Wenn ich hier im Forum Meinungen zu dem Film lese, ist aber nur von der Verachtung aufgrund der kommerziellen Unterwürfigkeit die Rede.
Nein er unterwirft sich dem Produzenten. Sie hält ihn für ein Weichei.
Dem Kommerz unterwirft er sich dem ganzen Film über nicht. Im gegenteil er kündigt im letzten Drittel.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 16:58
zunächst sollte mal klar sein, dass die verachtung bardots für piccoli beileibe nicht das einzige thema des filmes ist. le mepris dans godard, ja? der film ist ein einziger grosser turm aus zitaten und filmischen brechungen. eine grosse (selbst)reflexion.
deadflowers
12.02.2004, 16:59
Originally posted by Napoleon Dynamite@12 Feb 2004, 16:58
zunächst sollte mal klar sein, dass die verachtung bardots für piccoli beileibe nicht das einzige thema des filmes ist.
Wollte ich auch gerade schreiben.
candycolouredclown
12.02.2004, 17:01
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 16:57
Nein er unterwirft sich dem Produzenten. Sie hält ihn für ein Weichei.
Wie schon gesagt, sehe ich das anders.
Jetzt ist dann auch der Punkt erreicht, wo die Diskussion ins Leere läuft, weil allein diese beiden Grundauffassungen total unterschiedlich sind, und wir dann so nicht mehr zusammenkommen.
candycolouredclown
12.02.2004, 17:03
Originally posted by Napoleon Dynamite@12 Feb 2004, 16:58
zunächst sollte mal klar sein, dass die verachtung bardots für piccoli beileibe nicht das einzige thema des filmes ist.
Und genau das habe ich schon vorher geschrieben.
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 17:05
dann treffen wir uns also morgen wieder hier, und reden über cronenberg und das kino des fleisches. bis dann!
deadflowers
12.02.2004, 17:07
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 17:01
Jetzt ist dann auch der Punkt erreicht, wo die Diskussion ins Leere läuft, weil allein diese beiden Grundauffassungen total unterschiedlich sind, und wir dann so nicht mehr zusammenkommen.
Wobei es für den Film selbst auch irrelevant ist, warum sie ihn verachtet. Wichtig ist nur das sie es tut, um dann mit dem Produzenten anzubandeln oder?
candycolouredclown
12.02.2004, 17:07
Originally posted by Napoleon Dynamite@12 Feb 2004, 16:58
der film ist ein einziger grosser turm aus zitaten und filmischen brechungen. eine grosse (selbst)reflexion.
Und eben das ist der Grund, warum ich den Film für keinen Deut besser, wichtiger whatever als "8 1/2" halte.
Eine einzige stocksteife, unbewegliche Selbstreflexion. Wie die Kamerafahrt am Anfang, wenn man die Kamera sieht.
candycolouredclown
12.02.2004, 17:08
Originally posted by Napoleon Dynamite@12 Feb 2004, 17:05
dann treffen wir uns also morgen wieder hier, und reden über cronenberg und das kino des fleisches.
Und des Stahls! ;)
Napoleon Dynamite
12.02.2004, 17:10
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 17:08
Und des Stahls! ;)
ganz zu schweigen von der synthese.... :lol:
deadflowers
12.02.2004, 17:11
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 17:07
Und eben das ist der Grund, warum ich den Film für keinen Deut besser, wichtiger whatever als "8 1/2" halte.
Eine einzige stocksteife, unbewegliche Selbstreflexion. Wie die Kamerafahrt am Anfang, wenn man die Kamera sieht.
Hab den Film nie als Selbstreflexion empfunden. Erzählt mal.
Ich weiß das Godard sich bei den Dreharbeiten selbst dem Produzenten beugen musste. zB mussten die Nacktszenen mit der Bardot rein.
Aber eine Wiederspiegelung aller 8 1/2 sehe ich hier nicht.
candycolouredclown
12.02.2004, 17:15
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 17:11
Aber eine Wiederspiegelung aller 8 1/2 sehe ich hier nicht.
Siehst Du. :lol:
deadflowers
12.02.2004, 17:18
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 17:15
Siehst Du. :lol:
Nein ich sehe es nicht. Kurz: ich sehe einen Film über das Filmemachen. Wo ist die Person Godard als Thema?
candycolouredclown
12.02.2004, 17:32
Na das ist doch alles verschlüsselt... :rolleyes: ;)
Um das jetzt genau an Szenen fest zu machen, müsste ich den Film noch mal sehen. Und allein wegen der Übersetzerin (ich vergesse immer den Namen), und nur wegen der, würde ich das vielleicht sogar noch mal machen. Aber vielleicht hat es ja auch so, wie Du es sagtest, also dass ihm der Produzent im Nacken lag.
Vielelicht sollte Napoleon sagen, wie er das meint, er kennt sich mit der Person Godard viel besser aus als ich.
Und wegen Euch lasse ich mich schon die ganze Zeit vom Tennisschauen ablenken, um über französische Filme zu diskutieren. UNVERZEIHLICH!
deadflowers
12.02.2004, 17:40
Originally posted by candycolouredclown@12 Feb 2004, 17:32
Na das ist doch alles verschlüsselt... :rolleyes: ;)
Und für diese Erklärung mache ich überstunden? Angelesen.
candycolouredclown
12.02.2004, 17:45
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 17:40
Und für diese Erklärung mache ich überstunden? Angelesen.
HA! Das sagt der Richtige!
deadflowers
13.02.2004, 09:33
War ein wink mit dem Zaunpfahl um dich vom Tennis abzuhalten. *kuss*
Hab selbst nie was zu Godard gelesen und sehe somit nicht wo Le Mepris eine schlimme schlimme schlimme "einzige" Selbstreflexion darstellt.
Hätte ich gerne schon etwas genauer erklärt. Wenn du es so schlimm findest, musst du es doch an irgendetwas festmachen können oder??
(Widerspreche auch nicht, wenn es nachvollziehbar ist)
Auch wo Godard mal irgendetwas "verschlüsselt" hat. Ich finde seine Themen zwar manchmal abstrakt aber er trägt sie immer recht weit drausen vor sich hin.
(Hatte Nihil mal ganz schön beschrieben)
Zur Selbstrefelexion selbst:
Stört mich selten. Stört mich wenn es etwas ins selbstgerechte abgleitet. (Limelight, den ich aber auch schon mag.). Aber Truffauts selbstreflexiven Einblick ins Filmemachen bei "Die amerikanische Nacht" liebe ich. Pasolinis Positionssuche in Uccellacci e Uccellini finde ich klasse. 8 1/2 als oder wegen Selbstreflexion zu kritisieren finde ich entweder sehr einfach oder gar unmöglich. In diesem Spiel aus falschen Fährten, Lügen und Autobiographie Fellini tatsächlich zu finden....
An sich finde ich die Idee sogar SEHR gut. Hab mit dem Film andere Probleme.
Interessieren muss es einen natürlich nicht und das ist dann ok.
Was immer Selbstreflexion ist und wie sich das in Le Mepris äussert keine Ahnung. Nicht das es an meiner Meinung zu dem Film irgendetwas ändert.
Ich spüre schon, dass er bei diesem etwas "bockig" war. Doch ist das was anderes.
Er verweigent der Produzenten den großen Film (den den sie wollten), den der Revolutionär Godard der Filmindustrie schenken/einbringen sollte.
Aber man sieht doch den FILM und nicht sowas oder?
deadflowers
13.02.2004, 10:26
Gestern habe ich wieder "Alphaville" gesehen.
Klassischer Eddie Constantine Film, moderne Frau, Überwachungsstaat, Science Fiction und Polit Thriller.
Was mich beim wiedersehen wundert/freut ist, dass ich erwartet habe, dass mir die Filme einfach weniger sagen werden. Doch ich finde sie zunehmend unterhaltend und liebenswert und das finde ich sehr schön. :wub:
Truffaut wusste was er sagt, als er meinte, man solle sein Verhältnis zu den Filmen gelegentlich überprüfen.
Wir irren :wub:
candycolouredclown
13.02.2004, 12:11
Ich verspreche, ich schau ihn mir noch mal an, und dann kommt was zu der Selbstreflexion.
Aber was anderes, was mich auch stört: Ich erwähnte diese Anfangsszene, dort wo man diese Kamera fahren sieht. Und eigentlich hatte der Film da für mich schon verloren. Denn das schreit: ACHTUNG! JETZT KOMMT KUNST! Und zwar nicht Kunst um des Inhalts Willen (was ja o.k. wär), sondern um der Kritik Willen. Und das stört mich!
Und auch diese Einspielungen der "Odyssee"-Szenen empfinde ich als lästig. Wird in anderen Threads immer von "Kunstkacke" gesprochen, so sind diese Szenen für mich ein Beispiel dafür.
So, man nehme dann noch ein französisches Paar, dass seine Beziehung zerredet, ("Findest Du mich attraktiv?"-Oh mein Gott, wie tiefgründig, poetisch, symbolisch!), einen österr. Regisseur, der mit amerik. Geld dreht, einen bösen amerik. Produzenten (Hilfe, was für Klischees!) und eine Dolmetscherin (war sie Schweizerin?) und genau wie diese vielen Gegensätze aufeinanderprallen so bleibt auch der Film für mich nur ein Sammelsummarium an Einfällen, die kein Ganzes ergeben.
Und wie Deady schon sagte: Godard war da wohl schon bockig. Das finde ich sehr passend. Und weil man das merkt, mag ich es nicht: Ich bin bockig und kritisiere jetzt.
Diese ganze "Kunst und Kommerz" Thematik empfinde ich als überzogen. Sowas ist in dieser künstlichen Form betont intelektuell. Hat der Mann doch gar nicht nötig.
Immerhin hat der Film einen sehr schönen Score und hübsche Landschaftsaufnahmen. So wie "Grün ist die Heide".
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 12:30
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 17:18
Nein ich sehe es nicht. Kurz: ich sehe einen Film über das Filmemachen. Wo ist die Person Godard als Thema?
ich sehe das so dass godard in dem film AUCH seine eigene position als regisseur und in der industrie durchdenkt. le mepris ist kein film, der etwas sagt, sondern einer der überlegt und zögert. so wie viele godard filme.
dieser kniff, dass am anfang an der kamera entlanggefilmt wird, ist eben diese dziga wertow sache, dass der zuschauer merkt und überlegt wie er etwas wahrnimmt, wie es ihm gezeigt wird. das ist godard der zeigen will: da ist jemand hinter der kamera, der die bilder selektiert.
würde gerne was über godard lesen, finde aber nichts.
candycolouredclown
13.02.2004, 12:45
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 12:30
dieser kniff, dass am anfang an der kamera entlanggefilmt wird, ist eben diese dziga wertow sache, dass der zuschauer merkt und überlegt wie er etwas wahrnimmt, wie es ihm gezeigt wird. das ist godard der zeigen will: da ist jemand hinter der kamera, der die bilder selektiert.
O.k.
Nur will das Publikum das? Willst du das?
Brauch ich das für einen FILM?
DR.Nihil
13.02.2004, 12:49
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 12:30
dieser kniff, dass am anfang an der kamera entlanggefilmt wird, ist eben diese dziga wertow sache, dass der zuschauer merkt und überlegt wie er etwas wahrnimmt, wie es ihm gezeigt wird. das ist godard der zeigen will: da ist jemand hinter der kamera, der die bilder selektiert.
Kann mich an "Le Mepris" nicht mehr so gut erinnern (fand ihn nicht gut, aber werde ihn mir irgendwann nochmal angucken), aber das, ws du hier beshcreibst, ist, denke ich, schlicht typisch Godard. Dieses Deutlichmachen, dass hier Kunst gemacht wird, ist schon bei "Außer Atem" sehr deutlich erkennbar (die Schnitte - egal, wie sie zustande kamen -, der oft deplatziert wirkende Einsatz des Scores, als Beispiele). Nur Im Falle von "Außer Atem" macht dieses Mittel auch bezogen auf den Inhalt sehr viel Sinn, es unterstreicht gewissermaßen das, was der Film sowieso schon zeigt. Ob so ein Effekt in "Le Mepris" auch eintritt, weiß ich nicht.
candycolouredclown
13.02.2004, 13:13
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 12:30
ich sehe das so dass godard in dem film AUCH seine eigene position als regisseur und in der industrie durchdenkt.
So sehe ich das auch.
Und das ist doch sehr wohl Selbstreflexion, oder Deady?
deadflowers
13.02.2004, 13:57
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 12:30
ich sehe das so dass godard in dem film AUCH seine eigene position als regisseur und in der industrie durchdenkt. le mepris ist kein film, der etwas sagt, sondern einer der überlegt und zögert. so wie viele godard filme.
Natürlich tut er das. Der Film kommt zu keinen konkreten standpunkten. Er philosophiert. Ich würde sagen das tut der gesamte Autorenfilm dieser Zeit und irgendwo überhaupt. Für eine Wiederspiegelung seiner Selbst halte ich das nicht.
Zum "Hier kommt die Kunst". Ich halte Godard für einen eigenwilligen Ästheten und radikalen Modernisten. Ich glaube nicht das er damit gleich die Kunst sucht (ist Kino überhaupt Kunst?), sondern neue filmische Ausdrucksformen.
Das einen das provozieren kann da er das radikal und sehr direkt tut, kann ich nachvollziehen und das ist kein Problem das nicht zu mögen.
Das er gleich KUNST machen WILL, glaube ich nicht.
deadflowers
13.02.2004, 14:00
sondern um der Kritik Willen. Und das stört mich!
Und das Godard etwas der Kritik willen tut glaube ich nicht.
DR.Nihil
13.02.2004, 14:02
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 13:57
Zum "Hier kommt die Kunst". Ich halte Godard für einen eigenwilligen Ästheten und radikalen Modernisten. Ich glaube nicht das er damit gleich die Kunst sucht (ist Kino überhaupt Kunst?), sondern neue filmische Ausdrucksformen.
Das einen das provozieren kann da er das radikal und sehr direkt tut, kann ich nachvollziehen und das ist kein Problem das nicht zu mögen.
Das er gleich KUNST machen WILL, glaube ich nicht.
Was heißt die "Kunst sucht"?
Er macht im von mir genannten Beispiel deutlich, dass da jemand hinter dem allen steckt, der das macht. Er verdeutlicht die Unnatürlichkeit des Ganzens (und damit doch auch die Kunst - die ist doch selbstverständlich, die muss man nicht suchen).
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 14:03
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 13:57
ist Kino überhaupt Kunst?
ja.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 14:10
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 13:57
Für eine Wiederspiegelung seiner Selbst halte ich das nicht.
ich weiss nicht. sicherlich ist godard kein spassvogel, der seinem hauptdarsteller eine hornbrille aufsetzt, damit man an godard selber denkt. aber ich halte in doch für einen der allerpersönlichsten. godard hat in seinen filmen die eigenen gedankengänge aufgezeichnet und nachverfolgt. alles ein grosses experimentierfeld. selbst wenn man nur seine filmischen gestaltungsmittel anschaut: ich wüsste nicht von wem sonst das beeinflusst sein könnte. und er hat ja im verlauf immer wieder seine eigenen filme revidiert, und später die art wie er bsw. "vivre sa vie" gedreht hatte, als überholt und bürgerlich bezeichnet.
deadflowers
13.02.2004, 14:11
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 14:02
Was heißt die "Kunst sucht"?
Er macht im von mir genannten Beispiel deutlich, dass da jemand hinter dem allen steckt, der das macht. Er verdeutlicht die Unnatürlichkeit des Ganzens (und damit doch auch die Kunst - die ist doch selbstverständlich, die muss man nicht suchen).
ja. Aber man merkt immer das jemand dahinter steckt. Er tut es anders und fällt deshalb aus dem Rahmen. Das ist anders dadurch fällt es mehr auf.
dadurch wird alles unnatürlicher (wobei Film nie natürlich ist).
Und so Film Kunst ist verstärkt er auch diese.
Aber ich glaube nicht das es sein primäres anliegen ist diese Kunst zu "betonen".
Sondern der radikale Ausdruck.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 14:14
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:11
wobei Film nie natürlich ist
ozu.
deadflowers
13.02.2004, 14:16
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 14:10
aber ich halte ihn doch für einen der allerpersönlichsten. godard hat in seinen filmen die eigenen gedankengänge aufgezeichnet und nachverfolgt. alles ein grosses experimentierfeld. selbst wenn man nur seine filmischen gestaltungsmittel anschaut: ich wüsste nicht von wem sonst das beeinflusst sein könnte. und er hat ja im verlauf immer wieder seine eigenen filme revidiert, und später die art wie er bsw. "vivre sa vie" gedreht hatte, als überholt und bürgerlich bezeichnet.
Das sehe ich nicht anders. Film ist für Godard ein sehr persönliches Medium und Privatspielplatz. Dann ziehe ich zurück und behaupte das Gegenteil.
Nur gefällt mir die bezeichnung selbstreflexion nicht.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 14:17
und im übrigen ist kunst für mich einfach die suche nach einer ausdrucksform.
deadflowers
13.02.2004, 14:19
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 14:14
ozu.
Wenn du etwas abildest, bildest du es ab wie du es einfangen willst. Somit ist es nie natürlich. Sondern ein festes Bild. Und Ozu macht sich schon viele Gedanken wie er was zeigt oder? Tut jeder.
Die Abbildung der Wirklichkeit gibt es im Film nicht.
deadflowers
13.02.2004, 14:20
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 14:17
und im übrigen ist kunst für mich einfach die suche nach einer ausdrucksform.
Etwas auszudrücken ist immer ein künstlerischer Akt. So ist es.
Kunst ist was ganz anderes.
DR.Nihil
13.02.2004, 14:27
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:11
ja. Aber man merkt immer das jemand dahinter steckt. Er tut es anders und fällt deshalb aus dem Rahmen. Das ist anders dadurch fällt es mehr auf.
dadurch wird alles unnatürlicher (wobei Film nie natürlich ist).
Und so Film Kunst ist verstärkt er auch diese.
Das habe ich doch gesagt.
Und ich halte Godard nicht für so radikal. Dafür ist er zu verfremdend.
DR.Nihil
13.02.2004, 14:29
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:20
Etwas auszudrücken ist immer ein künstlerischer Akt. So ist es.
Kunst ist was ganz anderes.
Ich denke, es ist sehr mühselig zu streiten, was der Begriff Kunst alles umfasst. Doch meine ich, dass dabei nicht grundsätzlich um das Ausdrücken gehen muss. Impressionismus kann genauso Kunst sein.
deadflowers
13.02.2004, 14:30
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 14:02
Er verdeutlicht die Unnatürlichkeit des Ganzens (und damit doch auch die Kunst
Kunst halte ich für undefinierbar und unerklärbar. Könnte man sie erklären, so wäre sie überflüssig. Dann hätten wir nur die Liebe.
Wenn sich Kunst dadurch äussert, das man filmische Mittel verstärkt, dann wäre sie nicht was sie ist. Finde ich.
Und jedes Wort das auf Jean-Luc Godard folgt ist schön :wub:
deadflowers
13.02.2004, 14:32
erg
deadflowers
13.02.2004, 14:34
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 14:29
Ich denke, es ist sehr mühselig zu streiten, was der Begriff Kunst alles umfasst. Doch meine ich, dass dabei nicht grundsätzlich um das Ausdrücken gehen muss. Impressionismus kann genauso Kunst sein.
Nein es muss nicht grundsätzlich um Ausdrücke gehen. Habe nicht gesagt, das "künstlerisch" gleich "Kunst" ist.
DR.Nihil
13.02.2004, 14:36
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:30
Kunst halte ich für undefinierbar und unerklärbar. Könnte man sie erklären, so wäre sie überflüssig. Dann hätten wir nur die Liebe.
Wenn sich Kunst dadurch äussert, das man filmische Mittel verstärkt, dann wäre sie nicht was sie ist. Finde ich.
Du kannst es auch gerne einfach Film nennen, was ich meine. (das ändert allerdings nichts daran, dass Film Kunst ist)
Und den ersten teil der Aussage verstehe ich nicht. Ich weiß nicht, ob du da von Kunst im allgemeinen oder von Kunstwerken, also speziellen (wenn jetzt auch nicht von einem speziellen), sprichst.
Auf jeden Fall besteht ein Unterschied zwischen definieren und erklären.
deadflowers
13.02.2004, 14:43
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 14:36
Du kannst es auch gerne einfach Film nennen, was ich meine. (das ändert allerdings nichts daran, dass Film Kunst ist)
Und den ersten teil der Aussage verstehe ich nicht. Ich weiß nicht, ob du da von Kunst im allgemeinen oder von Kunstwerken, also speziellen (wenn jetzt auch nicht von einem speziellen), sprichst.
Auf jeden Fall besteht ein Unterschied zwischen definieren und erklären.
Ich habe keine Lust auf eine "Kunstdefinitions" Debatte. Da redet man viel tot.
Und mir ist Kunst bei Film unwichtig. Ich weiß was ich mag. Das langt mir.
In meinen Augen geht es Godard nicht darum primär den Eindruck von "Kunst" zu erzeugen. Er ist nur anderes. Darauf wollte ich hinaus.
"Künstlerisch" isser aber der JLG. Daran besteht kein zweifel.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 14:46
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:19
Wenn du etwas abildest, bildest du es ab wie du es einfangen willst. Somit ist es nie natürlich. Sondern ein festes Bild. Und Ozu macht sich schon viele Gedanken wie er was zeigt oder? Tut jeder.
Die Abbildung der Wirklichkeit gibt es im Film nicht.
ach,geht es dir um den guten alten realismus. mir nicht. so viel kontrolle über sein bild wie ozu hatte höchstens vielleicht noch kubrick. aber das meine ich nicht. so wie er ein bild zeigt, hat das etwas sehr reines, klares. so wird zwar nicht etwas abgebildet, aber er fasst dinge nur durch einen blick.
ozu hat seit seinem ersten film genau eine höhe des stativs und eine brennschärfe sowie linse eingestellt. das wurde in allen seinen 50 filmen niemals geändert. auch keine kamerabewegung. das meine ich mit dem einen, unverfälschten blick. dem von ozu.
deadflowers
13.02.2004, 14:49
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 14:46
ach,geht es dir um den guten alten realismus. mir nicht. so viel kontrolle über sein bild wie ozu hatte höchstens vielleicht noch kubrick. aber das meine ich nicht. so wie er ein bild zeigt, hat das etwas sehr reines, klares. so wird zwar nicht etwas abgebildet, aber er fasst dinge nur durch einen blick.
ozu hat seit seinem ersten film genau eine höhe des stativs und eine brennschärfe sowie linse eingestellt. das wurde in allen seinen 50 filmen niemals geändert. auch keine kamerabewegung. das meine ich mit dem einen, unverfälschten blick. dem von ozu.
Es ist nie unverfälscht. Du verfälschst schon die Perspektive wenn du die Kamera aufstellst.
Es gibt keine natürlichkeit.
Und das was Ozu gemacht hat ist: "EIn künstlerisches Konzept". Sowas sollte es geben.
Woher das künsterliche beim Konzept habe ich erklät. Es soll etwas ausdrücken.
deadflowers
13.02.2004, 15:12
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 14:27
Und ich halte Godard nicht für so radikal. Dafür ist er zu verfremdend.
Ok. Und das ist gut.
candycolouredclown
13.02.2004, 15:35
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:11
Aber man merkt immer das jemand dahinter steckt.
Genau das mag ich nicht. Und umso mehr man das merkt, umso mehr schadet das dem Film.
Ich will nicht den Menschen hinter dem Film sehen. Dann kann ich mir auch eine Doku über ihn ansehen.
Ich will (weitesgehend) fiktive, UNBEDINGT wahrhaftige Figuren, Handlungsstränge und Inhalte, so weit vom Regisseur entfernt, wie nur irgend möglich. Natürlich bringt der Autor/Regisseur immer was von sich selbst mit ein, das ist klar. Aber dass das Publikum nicht sehen und fühlen zu lassen, das ist das Großartige. Und zumindest bei "Le Mépris" sehe ich das nicht. Ansonsten kenne ich zu wenig von Godard; nur noch "Außer Atem". Einiges habe ich hier noch zu liegen, und das wird auch noch angesehen.
deadflowers
13.02.2004, 15:43
Originally posted by candycolouredclown@13 Feb 2004, 15:35
Genau das mag ich nicht. Und umso mehr man das merkt, umso mehr schadet das dem Film.
Ich will nicht den Menschen hinter dem Film sehen. Dann kann ich mir auch eine Doku über ihn ansehen.
Ich will (weitesgehend) fiktive, UNBEDINGT wahrhaftige Figuren, Handlungsstränge und Inhalte, so weit vom Regisseur entfernt, wie nur irgend möglich.
kann ich auch sehr gut nachvollziehen und finde ich ok.
Und ich mag auch viele solcher Filme. Das fängt bei Doris Day an und hört bei Austin Powers (ok nicht wahrhaftig die Figur) auf. Aber du weiß was ich meine.
Nur ich mag auch den intellektuellen Hirnfick.
Ich mag eingentlich alles.
:wub:
deadflowers
13.02.2004, 15:49
Wobei ich noch sagen möchte, das ich beim sehen nur den Film sehe. Der Mann dahinter wird für mich erst im Gesamtwerk interessant.
Also bitte nicht denken ich suche immer nur den MACHER. Das ist doof sowas zu tun finde ich.
Sicher ist Godard da ein Extrem und man muss ihn nicht mögen.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 15:52
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:49
Es ist nie unverfälscht. Du verfälschst schon die Perspektive wenn du die Kamera aufstellst.
Es gibt keine natürlichkeit.
Und das was Ozu gemacht hat ist: "EIn künstlerisches Konzept". Sowas sollte es geben.
Woher das künsterliche beim Konzept habe ich erklät. Es soll etwas ausdrücken.
nö. aber was solls. alter.
deadflowers
13.02.2004, 15:54
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 15:52
nö. aber was solls. alter.
Verfremdenter radikaler(bien+)
DR.Nihil
13.02.2004, 15:57
Originally posted by candycolouredclown@13 Feb 2004, 15:35
Genau das mag ich nicht. Und umso mehr man das merkt, umso mehr schadet das dem Film.
Ich will nicht den Menschen hinter dem Film sehen. Dann kann ich mir auch eine Doku über ihn ansehen.
Ich will (weitesgehend) fiktive, UNBEDINGT wahrhaftige Figuren, Handlungsstränge und Inhalte, so weit vom Regisseur entfernt, wie nur irgend möglich.
Wenn du null Vorwissen hättest (also wirklich keins) und dir beispielsweise "8 1/2" angucken würdest, würdest du doch gar nicht merken, dass es Parallelen zwichen Anselmi und Fellini gibt oder dass es Anspielungen auf die Person Fellini gibt. Also ich bin in der Lage dann so ein Film auch immer als Film über halt irgendeine Person zu sehen. Dass diese Person Ähnlichkeit hat mit der des Regisseurs, dass fällt vielleicht auf, aber es ändert doch nichts am Film. Wäre "8 1/2" oder "Le Mepris" wirklich besser oder schlechter, wenn er nicht von Fellini bzw. Godard wäre, sondern von jemandem, der autobiographisch nichts mit dem Inhalt des Films zu tun hat (und die Filme wären trotzdem die gleichen)? Ich denke kaum.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 15:59
natürlich nicht. aber man hat schon gerne so eine vorstellung, oder?
deadflowers
13.02.2004, 15:59
Originally posted by DR.Nihil@13 Feb 2004, 15:57
Wäre "8 1/2" oder "Le Mepris" wirklich besser oder schlechter, wenn er nicht von Fellini bzw. Godard wäre, sondern von jemandem, der autobiographisch nichts mit dem Inhalt des Films zu tun hat (und die Filme wären trotzdem die gleichen)? Ich denke kaum.
Ein Film der nicht von Godard ist, ist anders. Dito Fellini.
Hier halte ich zu Candy.
Er fühlt sich bei den "Geschichtslosen"(nicht negativ gemeint) besser aufgehoben und ich finde das ok.
deadflowers
13.02.2004, 16:01
Wenn ihr sagt ein Fellini Film wäre nicht anders hätte ihn nicht Fellini gedreht heißt: fellini ist austauschbar
deadflowers
13.02.2004, 16:02
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:01
Wenn ihr sagt ein Fellini Film wäre nicht anders hätte ihn nicht Fellini gedreht heißt: fellini ist austauchbar
Und das ist er nicht. nichtmal für mich. Er hat schon seinen Platz in der Filmgeschichte, den ich ihm nicht absprechen möchte.
Verachtet meine Unterwürfigkeit.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 16:03
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:01
Wenn ihr sagt ein Fellini Film wäre nicht anders hätte ihn nicht Fellini gedreht heißt: fellini ist austauchbar
q.e.d.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 16:03
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:02
Verachtet meine Unterwürfigkeit.
*peitschenknall*
deadflowers
13.02.2004, 16:08
Schönes Wochenende.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 16:10
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:08
Schönes Wochenende.
ozu ist toll.
deadflowers
13.02.2004, 16:11
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 16:10
ozu ist toll.
Manches. Mizoguchi ist feiner. Die Einheit einer Szene. Von Farbzeichnung über Choreographie bis bla bla bal
EINHEIT
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 16:13
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:11
Manches. Mizoguchi ist feiner. Die Einheit einer Szene. Von Farbzeichnung über Choreographie bis bla bla bal
EINHEIT
aber untedrückst du so nicht die zerrissenheit der welt,bla bla bla emotional rescue.
bis dann!
deadflowers
13.02.2004, 16:15
Im Grunde sehe ich mich nach dem Kommerz.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 16:16
open range?
deadflowers
13.02.2004, 16:18
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 16:16
open range?
Ist sicher keiner. Der wird Prima.
candycolouredclown
13.02.2004, 16:20
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 16:18
Ist sicher keiner. Der wird Prima.
Kommerz=nicht prima?
deadflowers
13.02.2004, 16:22
Originally posted by candycolouredclown@13 Feb 2004, 16:20
Kommerz=nicht prima?
Nein. Ich hatte mich verlesen. Kommerz ist toll. Bei Hawks und Ford war die Welt noch in Ordnung. Da war nur FILM!
candycolouredclown
13.02.2004, 16:25
Die 80er hatten prima Kommerzkino.
Ich möchte wieder "Zurück in die Zukunft" sehen!
DR.Nihil
13.02.2004, 17:33
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 15:59
Ein Film der nicht von Godard ist, ist anders. Dito Fellini.
Von dieser Unmöglichkeit bin ich aber einfach dreister Weiser ausgegangen.
DR.Nihil
13.02.2004, 17:34
Originally posted by Napoleon Dynamite@13 Feb 2004, 15:59
natürlich nicht. aber man hat schon gerne so eine vorstellung, oder?
Mich störts ja auch nicht, wenn es aber auch nicht entscheidend für mich ist.
Napoleon Dynamite
13.02.2004, 22:26
mein längerer eintrag ist bald fertig. "la conception de cinemarxisme dans les films de jean-luc godard,mise en scene par kamil moll". natürlich samt und sonders auf französisch verfasst.
candycolouredclown
14.02.2004, 00:40
Est-ce qu´il y a des accénts? ;)
Zût! Je ne trouve pas mes dictionaires! C´est triste. Plus des sept anées pour le chat.
(Aus der Erinnerung von vor über 4 Jahren)
DR.Nihil
14.02.2004, 00:54
Originally posted by deadflowers@13 Feb 2004, 14:11
ja. Aber man merkt immer das jemand dahinter steckt. Er tut es anders und fällt deshalb aus dem Rahmen. Das ist anders dadurch fällt es mehr auf.
Hab nochmal überlegt:
ja, er mag insofern auffallen, als dass er zweifellos so etwas wie einen eigenen Stil hat, eigenständig ist. Aber ich denke, es gibt bei ihm (wie ich meine vor allem in seinem Debüt) Momente, die aber selbst innerhalb dieses eigenen Stils auffallen, den üblichen Sehgewohnheiten widersprechen (nein, grundsätzlich und ständig tut dies auch Godard nicht) und von daher für mich interpretationswürdig sind. Das alles auch unter "ist halt sein Stil" fallen zu lassen, halte ich für nicht richtig und wird ihm vermutlich auch gar nicht gerecht.
Originally posted by candycolouredclown@14 Feb 2004, 00:40
Est-ce qu´il y a des accénts? ;)
Zût! Je ne trouve pas mes dictionaires! C´est triste. Plus des sept anées pour le chat.
(Aus der Erinnerung von vor über 4 Jahren)
...pas mal, tigre.
(Brigitte Bardot klingt übrigens im Original, als wäre sie keine Französin. Fand ich affig.)
deadflowers
16.02.2004, 09:46
Originally posted by DR.Nihil@14 Feb 2004, 00:54
Das alles auch unter "ist halt sein Stil" fallen zu lassen, halte ich für nicht richtig und wird ihm vermutlich auch gar nicht gerecht.
Ich habe versucht einen Text über Godard zu lesen. Der erste Satz lautete "Godard bereitet zuweilen selbst einem akademischen Publikum schwierigkeiten". Dann hab Ich's gelassen.
Und was alles unter "sein Stil" zusammengesfasst werden kann...
Also gerade SO wird man doch erst jedem oder nur gerecht,oder?
Aber egal. Ich rede nurnoch mit Leuten die was genauso sehen wie ich.:wub:
Und freue mich einfach an Piccolis Hut.
Originally posted by deadflowers@16 Feb 2004, 09:46
Aber egal. Ich rede nurnoch mit Leuten die was genauso sehen wie ich.:wub:
Und freue mich einfach an Piccolis Hut.
..oh je. Dann sollte ich wohl besser den Mund halten, wie?
Denn ich muss leider, was Le Mépris angeht, Candy in vielen Punkten zustimmen. Leider, weil ich ihn wirklich mögen wollte, den Film. Und weil es mir nicht recht gelingt. Ich bin enttäuscht.
Bof..., wie ich schon sagte (..ein wunderbarer nicht zu übersetzender französischer Ausdruck mangelnder Begeisterung. Denkt Euch das Achselzucken mit.)
Wobei das, was mich stört, nicht mal die Szenen mit der Kamera sind - die zeigen mir halt, dass in diesem Film ein Film gedreht wird, warum nicht (gut, die Kamera müsste nicht auch noch direkt auf den Zuschauer gerichtet werden, das ist schon ein bisschen zu viel, aber sonst stört mich das wie gesagt nicht so.)
Nein... was mich in erster Linie genervt hat, war die Darstellung des Paares. Schon die erste Szene zwischen den beiden (Liebst Du meine Haare? Ja. Und meine Fesseln? Ja. Und meinen Mund auch? Ja. undsoweiter...) ...Hilfe! An der Beziehung kann man nicht mehr viel kaputtmachen, dachte ich. Wobei... eine Beziehung, selbst eine vergangene, abgekühlte, für mich in keinem Moment wirklich spürbar wurde, so bemüht und hölzern agieren die beiden. Gut, Piccoli wirkt hauptsächlich hilflos, und das macht er gut. Aber sie? Als würde sie lustlos auswendig gelernte Sätze runterleiern, weil man sie dazu gezwungen hat. Mag sein dass das von Godard so gewollt war, ich fand es unglaublich nervend und vor allem unüberzeugend. Würde mich schon interessieren, ob sie das besser kann, dazu müsste ich allerdings noch einen Film mit ihr ansehen..
Originally posted by deadflowers@12 Feb 2004, 13:55
Godard der unterschätzte Feminist. Godard und seine Sicht der Frau. Alleine dafür liebe ich ihn.
..und das verstehe ich nun gar nicht. Was bitte ist an dieser Darstellung dieser Frau liebenswert?
Vor allem, wenn man wie Du davon ausgeht, dass ihre Verachtung ihren Ursprung in seiner Unterwerfung unter den mächtigen Produzenten hat, was ich allerdings nicht glaube.
Nein... ich glaube, dass sie ihn verachtet, weil er sie zwar liebt, aber nicht richtig. Nicht so wie sie es bräuchte. Candy hat Recht, als er sie mit dem Produzenten wegfahren lässt, das ist ein Schlüsselmoment. Allerdings denke ich nicht, dass sie glaubt, es (sie) wäre ihm gleichgültig. Sie weiß dass er sie liebt - aber er lässt sie trotzdem fahren, drängt sie geradezu. Warum, ist mir ein Rätsel. Aber ich würde es auch verachten.
Und wenn das überzeugend dargestellt wäre, wäre es ein interessanter und berührender, weil wahrer Aspekt.
Aber allein schon die Tatsache, dass Du und Napoleon die Ursache der Verachtung woanders seht, zeigt ja, dass es eben nicht überzeugend ist.
Ist es eigentlich moralisch, dass sie am Ende umkommt?
deadflowers
17.02.2004, 10:54
Mag sein dass das von Godard so gewollt war, ich fand es unglaublich nervend und vor allem unüberzeugend. Würde mich schon interessieren, ob sie das besser kann, dazu müsste ich allerdings noch einen Film mit ihr ansehen..
Diese Szene wurde auf Grund des Drangs der Produzenten "Bardot müsse nackt sein" nachträglich eingefügt. Ihren Körper hatte er deshalb bis zum geht nicht mehr "entmenschlicht". Vielleicht erklärt sich so auch das etwas "plakative" daran (ist etwas her das ich's sah. Habs anders in erinnerung). Das ganze muss ich "für mich" aber auch gar nicht damit entschuldigen, dass es unter Zwang entstand.
Bitte nicht falsch verstehen.
Ich finde es ganz ganz ganz toll, dass sich das Bild manchmal kurz "blau" färbt.
Die Kameras am Anfang finde ich unglaublich cool. (Es ist Raoul Coutard an der Kamera, den ich sehr sehr sehr cool finde)
Botschaft wohl: So stellt man sich die Arbeit beim Film vor. der Film zeigt die Figuren dahinter. Es wird privat blablabla.
Dann kommt die Szene mit den beiden. Noch bevor ich übersehen habe, was da los ist hatte es mich schon. Ich sitze da und bin erschlagen. Es ist nicht mehr lang bis Piccoli auf diesen Bergen vor der Küste rumsteigt. Und dann lässt Fritz Lang schon die Kamera auf Odyseus fahren.
Ich mache befriedigt einen Haken in mein filmtagebuch und fange ca 90 Minuten später langsam wieder an zu denken. Alltag und sowas...
Ich hab die Tage wirklich sehr oft über den Film nachgedacht. Er lässt sich nicht erklären oder vermitteln. Leider. Ich würde es gerne tun.
..und das verstehe ich nun gar nicht. Was bitte ist an dieser Darstellung dieser Frau liebenswert?
Die schwarze Perücke....
Vor allem, wenn man wie Du davon ausgeht, dass ihre Verachtung ihren Ursprung in seiner Unterwerfung unter den mächtigen Produzenten hat, was ich allerdings nicht glaube.
Nein... ich glaube, dass sie ihn verachtet, weil er sie zwar liebt, aber nicht richtig. Nicht so wie sie es bräuchte. Candy hat Recht, als er sie mit dem Produzenten wegfahren lässt, das ist ein Schlüsselmoment. Allerdings denke ich nicht, dass sie glaubt, es (sie) wäre ihm gleichgültig. Sie weiß dass er sie liebt - aber er lässt sie trotzdem fahren, drängt sie geradezu. Warum, ist mir ein Rätsel. Aber ich würde es auch verachten.
Hier haben wir wohl alle irgendwie irgendwo und zum Teil recht. Meintwegen mehr ihr als ich. Warum sie ihn nun verachtet ist in meinen Augen aber am Ende egal. Und zumindest mir nicht wichtig. Das Auto ist "rot". YES! Halte ich HIER schon für wichtiger als Gründe. Ist mein Ernst.
Im nachhinein ist es für mich mehr ein Vehikel (die Verachtung der Frau nicht das rote Auto) zu etwas anderem, denn überhaupt ein Thema des Films.
Und wenn das überzeugend dargestellt wäre, wäre es ein interessanter und berührender, weil wahrer Aspekt.
Subjektiv: MICH hat es überzeugt und WIE! Ich litt und leide noch immer, wenn ich nur an diese Musik denke. Kommt mir wieder dieses Bild wo die beiden in der Wohnung (die Wände waren "weiß") sind er im einen Raum sie im Anderen und dann setzt es wieder ein. Die Szenen mit der Badewanne finde ich unglaublich schön (wie die gesammte Farbzeichnung des Films) und wie gesagt erst Piccolis Hut, den ich so toll finde (das ist DER Hut. Dagegen kann nur Melville anstinken!!!).
Wenn etwas "wahres" zu vermitteln eine realistische Darstellung verlangt (die Godard nie hatte), nehme ich "wahr" zurück und schreibe etwas anderes. Noch tolleres.
Wenn ich im Park sitze und mir in Gedanken einen Baum ansehe habe ich dieses Gefühl.
HIGHLIGHT des Films ist für mich letztendlich die Szene in der Villa als Piccoli kündigt. So was nenne ich explizit filmisch.
Lang finde ich SEHR rührend.
Dann haben wir die Griechischen Statuen mit den blauen Haaren, auf die ich so abfahre. (ist irgendwo dieses Post Modern feeling....)
Diese "Pfeil und Bogen Szene" finde ich toll.
Wie Palance (den ich sehr liebe) beim Anblick der nackten Frau lacht oder seine Rede wo er auf der Mauer steht.
Die gesamte Szene und Gespräche während der Probevorführung finde ich unglaublich.
Bardot mit der schwarzen Perücke... hach... (da isse die Godard'sche Frauensicht... das meine und liebe ich)
und ich könnte jetzte noch locker 30 sachen aufzählen, die ich hier mag ach... liebe.
(Einzig die Sekräterin ist mir entgangen)
Ich muss den Film also nicht mal ob seines Inhaltes sehen.
Umwerfend finde ich den Gesamtzusammenhang. Das gesamte filmische Abendland. Abendländische Kultur. Schiffbruch der Moderne. Von extremer Tiefe und Hintergrund...
Ist aber nur meine Deutung.
Ich war überzeugt es hier mit etwas ganz großem zu tun zu haben. Und das wird sich nicht ändern.
Ich liebe den Film und habe keine Lust mehr irgendetwas daran tot zu reden oder zu interpretieren. Ich hab ihn verstanden.
Mit Sicherheit ist Le Mepris keiner der Filme wo ich mir denke: Na den müsste man mögen.
Überhaupt nicht. Ich vollziehe euch sogar ein bischen nach.
deadflowers
17.02.2004, 10:56
Originally posted by Aimee@17 Feb 2004, 00:21
Ist es eigentlich moralisch, dass sie am Ende umkommt?
In Godardfilmen starben so viele Menschen im Verkehr, dass es mir auf diese beiden nicht mehr ankommt.
candycolouredclown
18.02.2004, 00:48
Originally posted by deadflowers@17 Feb 2004, 10:54
Ich liebe den Film und habe keine Lust mehr irgendetwas daran tot zu reden oder zu interpretieren.
Du meinst, erst dann hast Du keine Lust mehr, wenn jemand kommt, und nicht Deiner Meinung ist. ;)
Ist doch fast immer so: Kennt keiner den Film, bzw. findens die Leute, die es kennen, alle toll, dann wird (gerade im Filmforum, und nicht nur da!, und gerade von Euch) an den Film mind-jerking betrieben bis zum geht-nicht-mehr!
Ich mein: Komm, für was hast du den Thread aufgemacht? ;)
Dabei bin ich ja auch nicht dafür, Filme zu zerreden. Im Gegenteil!
Aber mir kommts so vor, als ob hier nur so lang diskutiert wird (obwohls ja eher Verehren ist) so lang, bis jemand kommt, und das ganze etwas anders, nüchterner (realistischer?) sieht. Und das auch noch kompetent begründen kann.
candycolouredclown
18.02.2004, 00:53
Originally posted by deadflowers@17 Feb 2004, 10:56
In Godardfilmen starben so viele Menschen im Verkehr, dass es mir auf diese beiden nicht mehr ankommt.
Und das ist auch wieder typisch.
Wenn Sachen in den geliebten Filmen nicht so hinhauen und der Fan sich dessen bewusst ist, dann ist es immer "so gewollt" und "muss so sein". Oder es wird sich hinter dem Gesamtwerk versteckt. Diesen Satz würde doch niemand (und gerade Du nicht!) sagen, wenn er den Film wirklich lieben würde und ihm die Charaktere doch ACH-SO-AM-HERZEN-LIEGEN.
Napoleon Dynamite
18.02.2004, 13:45
Originally posted by candycolouredclown@18 Feb 2004, 00:48
Aber mir kommts so vor, als ob hier nur so lang diskutiert wird (obwohls ja eher Verehren ist) so lang, bis jemand kommt, und das ganze etwas anders, nüchterner (realistischer?) sieht. Und das auch noch kompetent begründen kann.
machst du anders, ja?
candycolouredclown
18.02.2004, 13:49
Ich mache ja zu Filmen keine Threads auf.
Napoleon Dynamite
18.02.2004, 13:55
gut. dann höre das unglaubliche: threads mache ich tatsächlich deswegen auf, weil ich zustimmung hören will, wenn ich etwas sehr mag. wenn ich es hasse, ist es mir egal.
candycolouredclown
18.02.2004, 13:59
Ich hasse es ja nicht.
Und wenn Ihr etwas nicht mögt, könnt Ihr ganz schön ausufernd werden.
Aber ich lasse Euch den Spaß. :wub:
deadflowers
19.02.2004, 09:47
Originally posted by candycolouredclown@18 Feb 2004, 00:48
Aber mir kommts so vor, als ob hier nur so lang diskutiert wird (obwohls ja eher Verehren ist) so lang, bis jemand kommt, und das ganze etwas anders, nüchterner (realistischer?) sieht. Und das auch noch kompetent begründen kann.
Nein. Da sehen sie was falsch. :wub:
Der Beitrag enthält meine Meinung. Und wenn meine Meinung noch wen interessiert, dann lest den Beitrag. Ich sage aber nichts mehr, da von meiner Seite aus alles gesagt ist, was meiner meinung nach Sinn macht. Schwärmen werde ich aber noch.
Mehr kann man nicht tun und mehr macht nicht Sinn,oder? Zumal ich auf die Begründungen ja auch mit meiner Meinung eingegangen bin,oder????? Eigentlich wollte ich ja schon vorher nichts mehr sagen. Aber wenn noch jemand kommt werde ich wieder drauf eingehen (WEIßT DU DOCH!!!!) Ich bin doch egal was ich schreibe der letzte, der "den feigen Rückzieher" macht.
Bis dahin schreibe ich zB von dem weißen Handtuch, das Piccoli wie eine Toga trägt. Und BB das rote. süß
oder cool, dass Palance mit Sonnenbrille aussieht wie Pasolini.:wub:
deadflowers
19.02.2004, 09:52
Originally posted by candycolouredclown@18 Feb 2004, 00:53
Und das ist auch wieder typisch.
Wenn Sachen in den geliebten Filmen nicht so hinhauen und der Fan sich dessen bewusst ist, dann ist es immer "so gewollt" und "muss so sein". Oder es wird sich hinter dem Gesamtwerk versteckt. Diesen Satz würde doch niemand (und gerade Du nicht!) sagen, wenn er den Film wirklich lieben würde und ihm die Charaktere doch ACH-SO-AM-HERZEN-LIEGEN.
Aber es haut doch hin. (ich finde sogar sehr sehr gut - ohne jeden Gesamtwerk zusammenhang) Ich finde nur die Frage nach der Moral komisch und wüsste nicht, wie ich dem sonst begegnen sollte. Ausser mit Ironie, die ohne Smileys nicht mehr funktioniert.... ;)
candycolouredclown
19.02.2004, 11:28
Wann kriege ich denn endlich den Evil Clown?
deadflowers
19.02.2004, 11:32
Originally posted by candycolouredclown@19 Feb 2004, 11:28
Wann kriege ich denn endlich den Evil Clown?
Wenn du ihn verdient hast. Hier war es mir zu "deutlich", dass es dir nur um ihn gimg.
ich mag maria und josef (toll, vor allem maria und die beiden durchgeknalten engel) und masculine feminine.
keiner raucht cooler als der junge jean pierre leaud ..und schon allein die szene in wo er den zucker vom nachbartisch borgt (im cafe).. oder wo sie den amischlitten beschmieren und wie er flirtet oder als plötzlich nebenan ein streit ausbricht mit tödlichem ausgang und und und.. lol. ich dachte bislang immer der film sei von truffaut.
Napoleon Dynamite
23.02.2004, 19:41
Originally posted by matis@23 Feb 2004, 17:26
keiner raucht cooler als der junge jean pierre leaud ..
ha, dann schau dir erstmal mit ihm "la maman et la putain" an.
DR.Nihil
24.02.2004, 03:29
Originally posted by Napoleon Dynamite@23 Feb 2004, 19:41
ha, dann schau dir erstmal mit ihm "la maman et la putain" an.
Aber - tut mir ja Leid - die Art zu Rauchen von irgendjemanden in einem Film halte ich immer noch für eine recht armselige Begründigung, warum eine Film gut sein soll.
deadflowers
24.02.2004, 09:27
Originally posted by DR.Nihil@24 Feb 2004, 03:29
Aber - tut mir ja Leid - die Art zu Rauchen von irgendjemanden in einem Film halte ich immer noch für eine recht armselige Begründigung, warum eine Film gut sein soll.
Sieh dir La Ronde von Ophüls an. Diese Etuis.....
Originally posted by deadflowers@24 Feb 2004, 09:27
Sieh dir La Ronde von Ophüls an. Diese Etuis.....
..oder elodie bouchez in "liebe das leben". da raucht sie diese selbstgedrehten, die beim rauchen so braungelb werden. sie macht das trotzdem mit stil.
DR.Nihil
24.02.2004, 12:25
Vielleicht muss man für sowas auch einfach Raucher sein.
Napoleon Dynamite
24.02.2004, 14:18
Originally posted by DR.Nihil@24 Feb 2004, 03:29
Aber - tut mir ja Leid - die Art zu Rauchen von irgendjemanden in einem Film halte ich immer noch für eine recht armselige Begründigung, warum eine Film gut sein soll.
ist nicht der einzige grund wieso ich den film toll finde. leaud trägt noch ein halstuch, und manchmal eine sonnenbrille. ;)
DR.Nihil
24.02.2004, 14:21
Originally posted by Napoleon Dynamite@24 Feb 2004, 14:18
ist nicht der einzige grund wieso ich den film toll finde. leaud trägt noch ein halstuch, und manchmal eine sonnenbrille. ;)
Welchen meinst du jetzt? "Masculin..."?
Ich find den ganz gut. Nicht mehr, aber auf keinen Fall auch weniger.
Napoleon Dynamite
24.02.2004, 14:32
meinte den la maman...masculin feminin ist mir etwas zu sehr zerhackt und bewusst fragmentarisch. mehr theorie als film. aber trotz allem noch sehr schön.
Wie sagte Billy Wilder so schön über Godard:
"Ein Dilletant !"
Originally posted by Realman@7 Mar 2004, 12:22
Wie sagte Billy Wilder so schön über Godard:
"Ein Dilletant !"
ähnliches hat Wilder über fast jeden mal behauptet, sich selbst eingeschlossen....
ähnliches hat Wilder über fast jeden mal behauptet, sich selbst eingeschlossen....
aber bei Godard hat er es, glaube ich mal, richtig ernst gemeint !!!
Also mal keine Koketerie !!
deadflowers
08.03.2004, 12:48
Glaube ich nicht. Und wenn, dann hat er Godards wunderschöne Hommage an "Some Like it hot" nicht verdient. der alte Zyniker !!
deadflowers
08.03.2004, 13:10
Originally posted by otis@8 Mar 2004, 12:54
ist godard vu? :o
sie haben das prinzip verstanden B)
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 16:13
truffaut ist der sänger der tindersticks
bunuel ist luke haines, mit delphine seyrig als sarah nixey
cassavetes ist will oldham
leonard cohen ist ein jüdischer ingmar bergman
the kinks sind peter bogdanovich
van morrison federico fellini (la strada! ancient highway!)
deadflowers
08.03.2004, 16:17
Truffaut ist wie wenn Mozart in den 60ern nochmal da gewesen wäre....
Bergman ist Beethoven... bei der 7ten
wer die anderen sind weiß ich nicht.
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 16:20
Originally posted by deadflowers@8 Mar 2004, 16:17
Bergman ist Beethoven... bei der 7ten
und was ist dann fanny und alexander?
(mache mir notizen, um quasi umgekehrt zu otis, über den film zur klassik zu finden)
deadflowers
08.03.2004, 16:22
Originally posted by Napoleon Dynamite@8 Mar 2004, 16:20
und was ist dann fanny und alexander?
Das Werk eines blinden Regiesseurs, der in Erinnerungen schwelgt....
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 16:29
nein. das ist "die sehnsucht der veronica voss". :P
deadflowers
08.03.2004, 16:31
Ach so. Letzten donnerstag hatte ich Satansbraten gesehen.
deadflowers
08.03.2004, 16:42
Jetzt ist Napoleon weg und ich wollte ihm noch sagen wie abstossend und widerlich ich den Film fand.
Das er sich da von seiner "masochistischen" Seite (wo man im Grunde immer wusste, dass er sie schon hat) hat gehen lassen und ich nicht weiß ob ich jemals wieder was von ihm sehen möchte. Und wenn muss man sich erst ganz langsam mit den liebsten Favoriten wieder ranarbeitet....vielleicht.
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 17:08
Originally posted by deadflowers@8 Mar 2004, 16:42
Das er sich da von seiner "masochistischen" Seite (wo man im Grunde immer wusste, dass er sie schon hat) hat gehen lassen
fand ich nach "mutter küsters fahrt zum himmel" nur folgerichtig. nach satansbraten begann dann langsam die zäsur und der umstieg vom improvisierten antitheater zum bewussten, grossen kino. muss man sicherlich nicht mögen, den film, aber im gesamtwerk fassbinders hat er seine richtigkeit. hatte auch etwas von einem guten didi hallervorden film....
candycolouredclown
08.03.2004, 17:10
Originally posted by Napoleon Dynamite@8 Mar 2004, 17:08
hatte auch etwas von einem guten didi hallervorden film....
Eigentlich "Top Secret", aber bald kommt u.a. "Didi und die Doppelgänger" auf DVD raus!!!
deadflowers
08.03.2004, 17:11
wenn du meinst. trotzdem übertreibt er's.
candycolouredclown
08.03.2004, 17:13
Originally posted by deadflowers@8 Mar 2004, 17:11
wenn du meinst. trotzdem übertreibt er's.
Hat Hanneke etwa Didi Filme gemacht???? Das wär cool!
Bitte, klär mich auf!
;)
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 17:13
halte "didi und die rache der enterbten" für das hauptwerk. didi als dieter dödel und die böllemann familie....
candycolouredclown
08.03.2004, 17:13
@Didiflowers
Arrgghhh...hättest Du noch ein paar Sekunden mit dem Editieren gewartet.
candycolouredclown
08.03.2004, 17:16
Originally posted by Napoleon Dynamite@8 Mar 2004, 17:13
halte "didi und die rache der enterbten" für das hauptwerk. didi als dieter dödel und die böllemann familie....
Den kenne ich leider noch nicht. :(
deadflowers
08.03.2004, 17:16
Originally posted by candycolouredclown@8 Mar 2004, 17:13
Hat Hanneke etwa Didi Filme gemacht???? Das wär cool!
Diddi legt mit so einer Schweinekeule seine Erben um.
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 17:21
Originally posted by candycolouredclown@8 Mar 2004, 17:16
Den kenne ich leider noch nicht. :(
das spätwerk "alles lüge" ist aber reichlich merkwürdig. habe mir den damals wirklich zweimal hintereinander angeschaut, weil ich verstört war...
deadflowers
08.03.2004, 17:47
Welcher Didi war das in Afrika? Mit dem LKW? (nein nicht der von Wenders)
Napoleon Dynamite
08.03.2004, 17:55
didi auf vollen touren.
deadflowers
09.03.2004, 09:43
Ja!
deadflowers
09.03.2004, 11:09
Kennen sie das Millionenspiel, Herr Napoleon? Mit Hallervorden und DT Heck?
Napoleon Dynamite
09.03.2004, 12:19
Originally posted by deadflowers@9 Mar 2004, 11:09
Kennen sie das Millionenspiel, Herr Napoleon? Mit Hallervorden und DT Heck?
freilich. two thumbs up.
deadflowers
09.03.2004, 12:21
Neben "welt am draht" der Beweis, das die besten Sci Fi Filme deutsche Tv Produktionen waren.
Napoleon Dynamite
09.03.2004, 12:22
gut. heute ist "welt am draht" dran. muss ja.
deadflowers
09.03.2004, 12:24
Originally posted by Napoleon Dynamite@9 Mar 2004, 12:22
gut. heute ist "welt am draht" dran. muss ja.
Das ist auch der beste Sci Fi Film, in dem DER Strauss walzer gespielt wird.... :D
Napoleon Dynamite
03.05.2004, 22:32
nur eine sache, die mich bei der nouvelle vague nervt, und die ich wieder bei varda gesehen habe:ein unfall passiert, schnitt weg vom auto, irgendetwas anderes im bild, während man klirren und quietschen hört, dann wieder schnitt auf das auto, das an etwas rangefahren ist.
aber auch wirklich in jedem film das gleiche. müsste das mal bei godard nachzählen.
deadflowers
04.05.2004, 09:41
Ja ein paar harte schnitte mit denen man in langen Planaufnahmen kurz das Raum/Zeit Verhältnis bricht erzeugen Lebendigkeit.
Daran haben die alle geglaubt.
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:27
ich glaube nicht ganz das, worauf ich hinauswollte.
deadflowers
04.05.2004, 12:29
Ich weiß schon was du meinst.
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:33
dann lass das mit der fortwährenden erwähnung von plansequenzen. oder mach einen kaurismäki thread auf. :lol:
deadflowers
04.05.2004, 12:35
Bei Kaurismäki gibt es keine Sequenzen. Da gibt es nur schlichte Einstellungen. Und das ist gut so. :ph34r:
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:37
blödsinn.
deadflowers
04.05.2004, 12:39
ja
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:39
fassbinder.
deadflowers
04.05.2004, 12:41
Junge was tust du den ganzen tag? :rolleyes:
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:42
schwärmen. und selbst?
deadflowers
04.05.2004, 12:43
akademisch denken.
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:45
so könnte es jetzt eigentlich stundenlang weitergehen.
deadflowers
04.05.2004, 12:48
oder es endet hier (das leben)
Napoleon Dynamite
04.05.2004, 12:50
und verflüchtigt sich im zitat.
deadflowers
28.08.2004, 02:29
interessant
Napoleon Dynamite
28.08.2004, 14:54
vor zwei wochen nach langer zeit wieder "masculin-feminin" angeschaut, bei dem ich bisher nie so recht wusste. godard schlittert langsam, er folgt mit der kamera mal leaud, mal seine freundin, mal menschen in der umgebung. es läuft musik, dann wieder nicht, dann redet jemand. es ist godards schönster film. kein bemühtes, oder selbst gewolltes zeitporträt, sondern eine fahrt durch die stadt.
observer
31.08.2004, 08:50
Lt. André Heller Interview im Spiegel ist es geplant, dass Godard bei der WM 2006 die Regie einiger Live-Übertragungen übernehmen soll / will. Das läuft dann parallel zur herkömmlichen Übertragung auf ARTE.
candycolouredclown
31.08.2004, 11:40
Stimmt, das ist ja schon lange angedacht.
Vielleicht, kommt ja auch noch sein geplanter Tennisfilm. Andererseits ist Godard nicht wirklich mehr von Belang.
DR.Nihil
15.09.2004, 00:39
Originally posted by deadflowers@16 Feb 2004, 10:46
Ich habe versucht einen Text über Godard zu lesen. Der erste Satz lautete "Godard bereitet zuweilen selbst einem akademischen Publikum schwierigkeiten".
Das könnte erklären, warum heute für mich (Student) ein zweiter Versuch so etwas wie einen Zugang zu "Die Verachtung" zu finden, gescheitert ist. Ich kann einfach nicht viel mit dem Film anfangen. Mit der Beziehungssache kann ich was anfangen, aber diese Frau ist nervig und von vornherein eigentlich auch die ganze Beziehung.
Ansonsten könnte ich natürlich sagen, ich weiß nicht was Godard will (in den Filmen, die ich von ihm mag, teilweise sogar liebe, aber auch in beispielsweise "Weekend", den ich nicht leiden kann, will er ja schon etwas), aber vermutlich will er gar nichts, er will nichts sagen oder bestimmtes zum Ausdruck bringen. Vermutlich ist das alles wirklich als eine große Reflexion anzusehen. Aber ob ich mich für sowas begeistern kann...
Das Schönste und Sympathsichste am Film ist Fritz Lang!
Bei Godards wichtigsten oder berühmtesten Filmen gibt es für mich wohl nur größte Begeisterung ("Außer Atem", "Pierrot Le Fou") und größte Enttäuschung ("Die Verachtung", "Weekend").
Napoleon Dynamite
28.10.2004, 02:11
http://www.gonemovies.com/WWW/MyWebFilms/Drama/BoutSoufleGodard.jpg
Tolles Bild.
Los, gib' doch mal eine Empfehlung für Neulinge ab: was man sehen? Le mépris wohl ziemlich sicher, oder?
Napoleon Dynamite
28.10.2004, 15:00
Die Filme zwischen "A bout de souffle" und "Weekend" komplett alle. Die schwächsten dieser Periode sind "Made in USA" und "La Chinoise" (beide ***).
gypsy tail wind
28.04.2010, 09:46
Gestern abend nach Godard gesucht und diesen alten Thread gefunden (sowie einen alten Sterne-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=14652) und einen anderen über eine DVD-Box (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=23425)).
Hoffe, es stört niemanden, wenn ich hier Wiederbelebungsversuche unternehme statt eine neue Diskussion zu starten!
Bis zu Post #95 fand ich das übrigens ziemlich... ärgerlich ist übertrieben, sagen wir unbefriedigend, dieses hin und her über "Le mépris"... aber na ja, in #95 kam dann soviel Enthusiasmus zum Vorschein, wie das bei mir seit 10 Jahren oder so immer wieder geschieht, wenn ich mit Godard in Kontakt komme!
Eine kleine Nebenbemerkung zu Le mépris sei mir erlaubt: hat niemand sonst den Film auch als eine Art Demontage des "Mythos BB" gesehen? Ich will ihn keineswegs darauf reduzieren (und es ist mir im übrigen auch ziemlich egal, wer wen verachtet und weswegen - und ja: das Auto ist rot! Und ja, die Villa von Malaparte (http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Malaparte) ist unglaublich toll! :-) ), aber ich fand das durchaus eine interessante Facette. Es geschieht weniger auf der Handlungsebene als im Filmischen... diese Nacktszene (na ja, nackt...) - von der ich nicht wusste, dass die nachträglich gemacht werden musste - die gehört da wohl mit rein und ist insofern ein starkes Stück Kino!
Und zu den Referenzen und dem Film im Film... ich liebe das alles, als intellektuelle Spielerei, als schelmischen Spass, als Anregung zum Nachdenken etc etc - für mich ist das Unterhaltung im besten Sinne, die nicht nur Zeit vertreibt sondern zum weiterdenken anregt.
Vielleicht sind auch die Zitate und Referenzen, bzw. deren Erschliessung und Zuordnung, gar nicht so wichtig - was mich am meisten fasziniert ist die Reflexion über das eigene Tun, dass im Film, den wir sehen, ein Film gemacht wird - wohl nicht der, den wir sehen, aber so ganz trennen lässt sich das alles ja nicht. Bemüht und steif finde ich da jedenfalls gar nichts!
Allerdings sei noch angemerkt, dass es ziemlich lange her ist, dass ich den Film im Kino gesehen habe (ich schau mir solche Filme fast nie auf DVD an, und das auch nur bei solchen, die zuvor schon im Kino gesehen habe - will mir ja den ersten Eindruck nicht verderben...)
Habe neulich Une femme est une femme wiedergesehen - eine Collage, ein Geschnipsel, ein grosser Spass! Wie die Musik nicht synchron geschnitten ist und noch heute am Anfang des Filmes einige Leute grad unruhig werden, wenn der Ton zum ersten Mal ausfällt... überhaupt, wie schon der erste Schnitt fehlerhaft ist... und dann der Kurzauftritt der grossen Jeanne Moreau, wie sie über "Jules et Jim" (Tschim!) spricht.
Ein wunderbarer Spass!
Im Mai (bzw. ab morgen schon) werde ich ca. 3 Wochen mit Godard und Truffaut beschäftigt sein, v.a. mit ihren frühen Filmen. Ich kenne wohl mehr als die Hälfte des Programmes (http://www.xenix.ch/5_vorschau/vorschau.php?zyklusID=338) bereits, freue mich aber darauf, auch die meisten mir schon bekannten Filme erneut zu sehen!
Und zum Ende nochmal JLG, über "Le mépris" (neben "Week End" - für mich der Film aller Filme, das Ende des Kinos... oder so ähnlich :lol: ):
«Le mépris», so Godard, «ist ein einfacher Film ohne Geheimnisse, ein aristotelischer Film des äusseren Scheins, der in 149 Einstellungen beweist, dass im Kino wie im Leben nichts Geheimnisvolles ist, nichts, was es zu erläutern gäbe, man braucht nur zu leben – und zu filmen.» (Quelle (http://www.filmpodium.ch/Archiv/FilmDetails.aspx?f=2122))
Angenehme Wiederbelegung, gypsy! Habe den Thread nun auch gelesen, stimmt schon, manches gehörte wohl eher in einen Chat oder wie das heißt – ich habe mir fürs erste davon einmal notiert: Enthusiasmus vs. Godard existiert ohnehin heute nicht mehr. Jenen kann ich teilen, wenn da sicher auch Auseinandersetzungen möglich sind, diesen – Godard sei heute nicht mehr relevant – halte ich für ein Missverständnis. Ich bin kein Cineast, gucke mir Godard-Filme ebenso auf einem 30 x 40 cm-Bildschirm an wie ich historische Knacksaufnahmen höre, lasse also irgendwelche Darstellungsfeinheiten einmal beiseite, obwohl ich sie ja auch schätze.
Die Filme aus den 60ern, die hier und im Sterne-Thread, von Ausnahmen abgesehen, so überwiegen, habe ich erst gesehen, nachdem ich Feuer bei »Hélas pour moi« gefangen hatte, also einem der Filme, der landläufig zu den »Film-Essays« gezählt wird und mit 1993 aus einer Zeit stammt, in der Godard schon abgewirtschaftet habe. Wenn man bei dem »Essay« Brecht mit meint, soll es mir recht sein – den hat Godard spätestens in »Le mépris« aufs Trapez gehoben – was in den Meinungen zur anfänglichen Kamerafahrt gar nicht erwähnt wurde. Das mag allenfalls noch eine schlichte Form der Verfremdung gewesen sein – später hat es Godard ordentlich radikalisiert. Aber was heißt schlicht: das ist wohl eher von Zeit und Alter abhängig.
Aber wo nun konkret einsetzen, für den Anfang: Ich sehe es nicht wirklich, dass der Mythos BB in »Le Mépris« zerstört werden soll – glaube aber sofort, dass das Godard intendiert haben könnte. Müsste man mal mit »Nouvelle Vague« und der »Zerstörung« Delons vergleichen. Oder der Depardieus. Mir fällt bei dem Auftauchen dieser Starschauspieler bei Godard zunächst einmal dies auf: sie sind keine Stars mehr. (Ähnlich Piccoli bei Rivette, oder amerikanischen Schauspielern beim späten Tarkowskij). Aber das eher, weil der Film als solcher sie untergehen lässt - was den Sternchenbetrieb angeht -, als dass sie wirklich zerstört würden. Aber gut, auch das ist eine Form der Zerstörung. Meintest Du die?
Zitate. Scheint mir sehr wesentlich für den Impetus von Godard zu sein – wenn auch nicht erforderlich, um einen seiner Filme zu »lieben«. Dennoch: Da ist etwas, dass nur in der variierenden, aufdeckenden, entlarvenden Wiederholung erkennbar wird – wir Zuschauer täuschen uns sicher oft darüber, ob eine Einstellung bei Godard Hommage an Schönheit etc. oder ihre Entlarvung sein soll. Da scheint mir Godards Meinung zu sein, dass jede Lebensregung darauf hin befragt werden kann, ob sie entfremdet – und am ehesten geschieht dies eben durch Arbeit, so verstehe ich sein Insistieren auf diesem Zusammenhang – ist oder zumindest werden könnte. Die simpelste Art der Entfremdung in der Kunst ist die der »Erzählung«, das »und dann geschah das und dann das usw.«: so sehe ich jedenfalls heute und jetzt die Zuspitzung in den jüngsten Filmen: das Überlagern von Ton und Bild und Inserts, das überdies noch asynchron ist. Das hattest Du ja schon zu »Une femme est une femme« bemerkt, dort ist es noch sehr einfach gehalten – dass dort die Leute schon staunten, wunderlich. Sie wollen halt Geschichten. Übrigens ist die nachträglich auf Produzentenwunsch eingefügte »Nacktszene« in »Le mépris«, zumindest was die Wortelogen betrifft, aus »Une femme est une femme«. Das ist die andere Ebene des Zitats, die ich bei Godard immer wieder finde: er zitiert sich selbst, konsequent – auch die eigenen Geschichten müssen aufgegriffen, diskutiert und daraufhin befragt werden, ob sie bloße Geschichten sind. Oder: ob sie bloße Füllsel sind, technische Beliebigkeiten. War das in JLG sur JLG, als er einen Kameramann zurechtredet, der sich nach neuer Mode auf den Boden legt, um Godard von dort im Schnickschnackwinkel aufzunehmen? Godard, ungefähr:»Sie machen das nur, weil sie bezahlt werden. Es gibt keinen Grund dafür, das zu tun.« Und trotzdem ist das Rot wichtig und die Villa und was alles noch – das Gelb zum Beispiel, das er, na ja, auch immer zitiert und irgendwann auch einmal als das Gelb von Van Gogh identifiziert. Ich habe den link gerade nicht parat, werde ihn aber heraussuchen zu den »Histoire(s) du cinéma«: dort findet sich eine penible Szenenanalyse mit allen Zitaten: eine Enzyklopädie.
Ich hatte nur »Hélas pour moi« als weiteren Film erwähnt, der mich in den Bann geschlagen hat – Godard selbst übrigens hält ihn für schlecht. Dasselbe hat er über »Le mépris« gesagt. Über etliche, wenn nicht alle seiner Filme. Der Mann arbeitet eben, da lobt man sich nicht geradewegs. Trotzdem: den Spaß gibt es allerdings ...
[...] sie sind keine Stars mehr. [...]
Oder jeder ist es.
Was BBs Nacktszene angeht: soweit ich das überblicke war ab Et Dieu ... in so ziemlich jedem BB-Film eine. Da kam Godard wohl nicht drum herum.
gypsy tail wind
30.04.2010, 19:03
[...]
Aber wo nun konkret einsetzen, für den Anfang: Ich sehe es nicht wirklich, dass der Mythos BB in »Le Mépris« zerstört werden soll – glaube aber sofort, dass das Godard intendiert haben könnte. Müsste man mal mit »Nouvelle Vague« und der »Zerstörung« Delons vergleichen. Oder der Depardieus. Mir fällt bei dem Auftauchen dieser Starschauspieler bei Godard zunächst einmal dies auf: sie sind keine Stars mehr. (Ähnlich Piccoli bei Rivette, oder amerikanischen Schauspielern beim späten Tarkowskij). Aber das eher, weil der Film als solcher sie untergehen lässt - was den Sternchenbetrieb angeht -, als dass sie wirklich zerstört würden. Aber gut, auch das ist eine Form der Zerstörung. Meintest Du die?
[...]
Schöner Post, danke! Ich kenn wie gesagt, v.a. die frühen Filme, sowie einige der späteren Spielfilme, aber erst wenig von den "Experimenten", "Essays" oderwieauchimmer.
Habe weder "Le mépris" präsent genug noch "Nouvelle Vague" (noch den späten Tarkovskij, von dem ich "Offret" ohnehin bisher nur aus dem Dok-Film von Chris Marker kenne, "Une journee d'Andrei Arsenevitch", und "Nostalghia" auch erst einmal und vor Jahren sah).
Doch eine kleine Anmerkung zur Demontage Delons: das erledigte Antonioni endgültig (und mit stillem Humor) in "L'eclisse", dem Film den ich gegenwärtig für seinen grössten halte. Delon neben Vitti... inszeniert als unreifer Grünschnabel mit glatter Oberfläche und glatter Visage, dann auch noch die Einstellung, in der er wie gelähmt in Zombie-Pose im Fauteuil versinkt - wunderbar! Vitti daneben als vibrierende, präsente Frau, die zwar vielleicht nicht weiss, wo's lang geht oder was sie will, aber doch spürt, dass etwas geschieht und dass man sich darauf einlassen muss, die zumindest zu verstehen versucht... - ähnlich übrigens wie in "L'avventura", dem Film, den ich lange für den grössten Antonionis gehalten habe.
Was ich zu der ganzen Sache einmal anmerken möchte. Ich finde es immer wieder interessant wie sehr die Leute Godards Spätwerk mit seinem Frühwerk trennen, was ja auch völlig zurecht geschieht. Aber, meine ich dass er nur eine konsequente Weiterentwicklung erlebt hat. Ich meine, ich würde ihn mit einem lebenden Leone vergleichen. Damit will ich sagen. Hätte Leone weiter gelebt und noch viel mehr Filme gemacht, dann wäre auch in diesen Wechsel gekommen, wo die Technik, die filmische Ästhetik ihn einholt und er trotzdem versucht seiner Art treu zu bleiben. Ich glaube, dass die rasanten Fortschritte von den 70er Jahren bis in die 90er Jahre kein Regisseur wegstecken hätte können, weil sie einfach zu gravierend waren. Das gilt noch nicht einmal unbedingt für die Machart der Filme sondern eher für den Zuschauer, der plötzlich von heute auf morgen vom 2ten Gang in den 5ten geschaltet hat und wie in einer rasanten Achterbahnfahrt jeden Moment eine Neuheit erwartet. Das hat die ganze Entwicklung des Films zerstört, und somit auch Kultregisseure der 60er und 70er, die nach den Weltkriegsjahren den Film neu aufbauen durften. Godard war in den 60ern ohne Frage eine Neuheit. Er ist lange seiner Linie treu geblieben, und zu Recht, das wird jeder sagen, hat er seine besten Film in den 60ern gemacht. Aber er wollte weitermachen. Er wollte neue Ästhetik mit seinen Ideen verbinden. Nur das seine Ideen nicht mehr mit der neuen Ästhetik funktioniert haben, rein zuschauertechnisch. Das ist schade, aber irgendwie macht es ihn auch interessant, weil man mit seinem Spätwerk seine alten Sachen noch einmal neu durchleuchten kann und vielleicht einen neuen Godard entdecken kann, wenn man will. Jean Luc ist vor allem einer jener die nicht an ihre früheren Erfolge anknüpfen konnte.. was andere in dieser Zeit vielleicht besser geschafft haben, aber nur deswegen weil sie sich selbst verraten haben. Da gibt es den altbackenen Spielberg der seit Jahrzehnten sich "neu" erfindet und es seltsamerweise immer wieder schafft als bald gefühlt 100jähriger Trends zu setzen. Oder den schrecklichen Cameron, der in 30 Jahren mit 5 filmen mehr Kohle einnimmt, als andere mit 100 niemals schaffen könnten. Aber wie dem auch sei. Man muss dem alten Godard, übrigens mein Liebling unter allen Regisseuren, zu Gute halten. Er hat uns mindestens 3 Filme geschenkt die unter, was mich angeht, den 100 tollsten aller Zeiten liegen.....!
gypsy tail wind
12.05.2010, 09:46
nur 3?
Top 10:
Week End
Le mépris
Top 20:
Alphaville
Pierrot le fou
A bout de souffle
Masculin-Féminin
Top 100:
Vivre sa vie
Bande à part
Une femme est une femme
(und wohl auch noch 2 ou 3 choses, den ich nächstens sehen werde... Une femme mariée kenn ich noch nicht)
Ich geb's zu, mit deinem Kommentar kann ich nicht allzu viel anfangen.
Godard und die "Kult" (ich hasse dieses Etikett, soll meinetwegen Tarantino "Kult" sein, je m'en fous!) Regisseure der 60er waren eine neue und ganz andere Generation als jene, die nach dem Krieg das Kino neu erfanden (die waren wohl eher in Italien anzutreffen: Rossellini, Visconti, de Sica... in Frankreich gab's ja noch immer Clouzot, obgleich mit kurzem Berufsverbot).
Bei Godard sehe ich das eher so, dass mit "Week End" alles gemacht wurde - fini le cinéma. Danach konnte eigentlich gar nichts mehr folgen, ausser Variation und Repetition.
Allerdings würde ich sehr sehr gerne Filme wie "Sauve qui peut", "Prénom Carmen" und "Nouvelle Vague" mal wieder sehen!
: : . : : . : :
Gestern hab ich zum ersten Mal eine richtig saftige Kopie von "Le mépris" gesehen - hat mich ganz enorm beeindruckt, obwohls das vierte Mal war, dass ich den Film im Kino gesehen habe (zur DVD konnte ich mich noch nie überwinden, trotz der bisherigen alten rotstichigen Verleihkopie).
Die ganze Farbgebung ist extrem toll gemacht!
Wie Godard das 2.21x1-Format beherrscht ist absolut meisterlich! Das hat Klasse, wie sie wenige Europäer erreicht haben (Jancso kommt da in den Sinn!), wie man sie sonst eher aus Japan kennt, diese Perfekte Bild-Dramaturgie, die Tiefe auch wenn's nur Michel Piccolis Gesicht vor der weissen Wand in der Römer Wohnung ist - unglaublich!
Dazu natürlich einmal mehr die Dialoge... Godard hat ja unglaublich viel Ironie und Witz, auch wenn das von den Verächtern wohl nicht bemerkt wird.
Bardot... ja, ich halte an meiner These der Demontage fest. Natürlich ist es an der Oberfläche die (Ballade der armen :lol:) BB, die ihn verachtet, die Dialoge stammen wohl teilweise zeimlich direkt von Morvia? Überhaupt schien mir einiges am Film ziemlich "romanhaft".
gypsy tail wind
12.05.2010, 10:01
Noch was: dieser Song: 24000 Baci (oder "venti quatro mille baci"?), den diese grottige Sängerin zum besten gibt (vor sie wieder mal Nicholas Ray verehren... wie in Truffauts "La sirène du Mississippi" wo sie "Johnny Guitar" ansehen)... dieser Song (Celentano hat ihn anscheinend bekannt gemacht?), der kommt doch noch in einem anderen Film aus den 60ern vor, nicht? Antonioni? Irgendwo... aber ich kann mich nicht erinnern, kann mir jemand auf die Sprünge helfen?
Rock 'n' Roll Star
12.05.2010, 12:28
Ich möchte mal kurz einen Nebenschauplatz eröffnen. Godard scheint mir in vielen seiner Filme auch oft die menschliche Kommunikation, bzw. ihre Codierung und Decodierung des Sprechers und Rezipienten zu thematisieren. Das fängt bei Außer Atem aufgrund der unterschiedlichen Muttersprachen der Protagonisten noch recht harmlos an ("Was ist das... zum kotzen?), steigert sich hin zu Alphaville, wo der poetische Aspekt der Sprache aufgrund des totalitären und computergesteurten Staates komplett verloren geht. Jedenfalls kommt es auch hier zwischen den Protagonisten immer wieder zu Verständnisschwierigkeiten und endet - wenn ich das richtig in Erinnerung habe - in der langsamen Wiedererlangung der emotionalen Sprache bei der Protagonistin.
Auch bei Die Verachtung (der ja hier im Thread besonders thematisiert wird) halte ich das nicht für unwichtig. Auch wenn es sich um so ein scheinbar banales Thema wie Liebe/Beziehung dreht. Besonders auffalend in den Szenen, in denen Camille versucht ihren Partner klar zu machen, dass sie ihn nicht mehr liebt und dieser das zunächst nicht versteht oder wahrhaben will. Was schließlich in dem radikalen wie beinahe absurden Umkehrschluss endet: "Ich liebe dich nicht.... also verachte ich dich."
gypsy tail wind
12.05.2010, 12:59
Guter Punkt, ja!
Die Dialoge sind ja tatsächlich oft fast so, als seien sie einem absurden Theaterstück entnommen, dysfunktionale Kommunikation, Leute, die aneinander vorbeireden etc.
Sehr schön in dem Zusammenhang auch die zwei Szenen in "Une femme est une femme", in der das Paar beim nächtlichen Ehestreit über Buchtitel miteinander kommuniziert! Und natürlich auch die Wortspiele und Kalauer (eben das schöne "tu es infâme - non, je suis une femme" aus demselben Film als mein Lieblingsbeispiel).
In "Le mépris" ist es ja eher die Unmöglichkeit, über die Gründe sich sprachlich zu äussern. Obgleich: sie könnte es wohl formulieren, tut es aber nicht.
Und der Schluss ist ja ein allerliebster Ausblick auf "Week End", das hatte ich gar nicht mehr präsent - sehr schön! Den werd ich auch bald wiedersehen, worauf ich mich auch sehr freue!
tolomoquinkolom
12.05.2010, 13:18
Wie Godard das 2.21x1-Format beherrscht ist absolut meisterlich! Das hat Klasse, wie sie wenige Europäer erreicht haben (Jancso kommt da in den Sinn!), wie man sie sonst eher aus Japan kennt, diese Perfekte Bild-Dramaturgie, die Tiefe auch wenn's nur Michel Piccolis Gesicht vor der weissen Wand in der Römer Wohnung ist - unglaublich!
Dazu natürlich einmal mehr die Dialoge... Godard hat ja unglaublich viel Ironie und Witz, auch wenn das von den Verächtern wohl nicht bemerkt wird. Bardot... ja, ich halte an meiner These der Demontage fest. Natürlich ist es an der Oberfläche die (Ballade der armen BB, die ihn verachtet, die Dialoge stammen wohl teilweise zeimlich direkt von Morvia? Überhaupt schien mir einiges am Film ziemlich "romanhaft".
Bei der Nennung europäischer “Formatmeister” fehlt mir Michelangelo Antonioni.
Ja, bei LE MEPRIS gehen die Dialoge zu großen Teilen auf den Roman “Il Disprezzo” von Alberto Moravia zurück.
gypsy tail wind
12.05.2010, 13:45
Ja klar, Antonioni! Da könnte man so ca. 25 Mal pro Sekunde ein Still machen und jedes davon an die Wand hängen! Der grosse Meister der schönen Bilder - aber eben doch auch noch viel mehr als das!
Aber Godard ist einfach der grosse Tausendsassa, der alles beherrscht, sich alles erlauben kann - für mich wohl der totalste aller Kinokünstler!
tolomoquinkolom
12.05.2010, 17:15
Ja klar, Antonioni! Da könnte man so ca. 25 Mal pro Sekunde ein Still machen und jedes davon an die Wand hängen! Der grosse Meister der schönen Bilder - aber eben doch auch noch viel mehr als das!
Aber Godard ist einfach der grosse Tausendsassa, der alles beherrscht, sich alles erlauben kann - für mich wohl der totalste aller Kinokünstler!
Magier Antonioni, Tausendsassa Godard, das ginge für mich in Ordnung. :-)
Ich sehe Jean-Luc Godard als den großen Essayisten unter den Filmemachern. In vielen seiner “Thesen-Filme” wird ausgiebig diskutiert und geredet (Rohmer nicht unähnlich). Dies und der oft politisch/gesellschaftspolitische Anspruch seiner Werke rührt mit Sicherheit auch von Godards Texten her, die seinerzeit für Les cahiers du cinéma entstanden.
Bei vielen Godard-Filmen finde ich die thematischen Ansätze und Gedanken sehr beachtlich, die Filme sehenswert, aber manchmal fehlt mir doch deren ästhetische Entsprechung. Meine beiden Lieblingsfilme von Godard sind UNE FEMME MARIEE (sein schönster Schwarzweißfilm) und PIERROT LE FOU (der ein bisschen wie eine Variation von A BOUT DE SOUFFLE wirkt).
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Rock 'n' Roll Star
12.05.2010, 17:31
Guter Punkt, ja!
Und der Schluss ist ja ein allerliebster Ausblick auf "Week End", das hatte ich gar nicht mehr präsent - sehr schön! Den werd ich auch bald wiedersehen, worauf ich mich auch sehr freue!
Inwiefern ein Ausblick auf Week End? Ich hab den Schluss jetzt gerade nicht mehr so ganz auf dem Schirm.
Aber in Week End gibt es auch ein paar schöne Szenen dysfunktionaler Kommunikation wie der Typ, der auf dem verarmten Bauernhof einen akademischen Vortrag über Mozart hält oder der Typ in der Telefonzelle, der nur singend erzählt. Natürlich mit starken surrealistischen Tendenzen.
Übrigens gab es kurz nach Inglourios Basterds Gerüchte, dass Tarantinos nächster Film Weekend heißen soll und von einem apokalyptischen Höllenritt des Protagonisten handelt, der sich auf dem Weg zu seinem Vater befindet, um ihn umzubringen und das Erbe zu kassieren. Tarantino würde also einen unterhaltungsfähigen Godard liefern, fände ich ehrlich gesagt auch ziemlich spannend, auch wenn es dem Altmeister wahrsceinlich gar nicht schmecken würde.
Stimmt es eigentlich, dass Godard und Bunuel einen kleinen Wettstreit darum ausgefochten haben, wer den "surrealistischeren" Film drehe und daraus dann Week End entstanden ist? Wäre gar nicht so abwegig, zumal ich meine in Bunuels Endwerk (Der diskrete Charme der Bourgoisie und Das Gespenst der Freiheit) einige Godard Zitate zu finden, nur leider fällt mir gerad spontan keins ein :roll:
Edit: Ich seh gerade, die Story von Tarantino ist doch etwas anders (http://www.moviepilot.de/news/tarantino-dreht-weekend-mit-sharon-stone-102971), aber immer noch sehr Week End bezogen.
gypsy tail wind
12.05.2010, 21:14
Na, ich dachte viel... figürlicher: wie Bardot und der unsägliche Produzent mit dessen rotem (ja, es ist ROT!) Cabrio in den Lastwagen rasen und hübsch drapiert und bemalt (ROT, klar!) daliegen...
Tarantino kann zwar handwerklich zweifellos sehr viel, kommt darin möglicherweise auch von den gegenwärtigen Regisseuren Godard am nahesten, aber ich halte ihn für unendlich überschätzt. "Jackie Brown" halte ich für seinen einzigen wirklich guten Film, das einzige Mal, dass er gezeigt hat, dass er auch eine Geschichte erzählen kann (das tut auch Godard ja zumindest in den Spielfilmen, egal wie essaysistisch/thesenhaft sie geraten, doch immer). Daher ist es mir ziemlich egal, wenn der sich jetzt noch an Godard vergreifen will... na ja, ansehen würd ich mir das wohl schon, aber ohne grosse Erwartungen. "Inglorious Basterds" war ja ne hübsche Fingerübung mit einigen sehr sehr tollen Momenten und hat auch gezeigt, dass Tarantino sich in einem Ausmass alles erlauben kann, wie ich das in der Tat sonst nur von Godard kenne - aber eben: letzlich lassen mich seine Filme meist ziemlich kalt bzw. gehen mir komplett am Allerwertesten vorbei (wie "Kill Bill" und den grottigen danach).
Na, ich dachte viel... figürlicher: wie Bardot und der unsägliche Produzent mit dessen rotem (ja, es ist ROT!) Cabrio in den Lastwagen rasen und hübsch drapiert und bemalt (ROT, klar!) daliegen...
Habe ich geahnt, dass Du so dachtest ... :-) Und da gerade wieder Cannes ist, hier (http://archives.tsr.ch/player/personnalite-godard) geht es zu einer kleinen Vitrine. Schätze sein Lachen, dass über die Jahrzehnte sich gehalten hat. Aber er lacht ja gar nicht.
Da ich sonst zu nichts komme: wenigstens die erwähnte Zitatecollagengigantomachia (http://cri-image.univ-paris1.fr/celine/celine.html) der Histoire(s).
gypsy tail wind
19.05.2010, 00:43
Habe ich geahnt, dass Du so dachtest ... :-) Und da gerade wieder Cannes ist, hier (http://archives.tsr.ch/player/personnalite-godard) geht es zu einer kleinen Vitrine. Schätze sein Lachen, dass über die Jahrzehnte sich gehalten hat. Aber er lacht ja gar nicht.
Da ich sonst zu nichts komme: wenigstens die erwähnte Zitatecollagengigantomachia (http://cri-image.univ-paris1.fr/celine/celine.html) der Histoire(s).
Tausend Dank für den Link zu den "Histoire(s)"!
Und für das kurze Interview mit dem schelmischen... Gesichtsausdruck!
Masculin féminin (Godard, 1965)
Den Film hab ich vor Jahren schon mal gesehen - grossartig, dieser cinéma vérité-Stil, einmal mehr! Toll auch Doinel (ja, als er sich als General ausgibt und den Wagen bestellt fällt er mal kurz in die Doinel-Rolle... aber ehrlich: ist ja schwierig, ihn überhaupt NICHT als Doinel zu sehen!). Also sehr schön die wieder vorhandenen diversen Bezüge zum Werk Truffauts/Léauds/Godards, inklusive Brigitte Bardots Kurzauftritt! (Was ist das, was sie da einstudieren soll?).
Wunderbar auch die Szene im Café, in der die Frau plötzlich ihren Mann abknallt (quel salopard! He had it coming!), und die drei Frauen... zwei Highlights: die lange Szene, in der Léaud/Paul/Doinel zum ersten mal lange mit Goya/Zimmer spricht (in der Toilette, nicht die im Café), und dann auch die wunderbare Catherine-Isabelle Duport, Apfel-essend, sich den Antworten verweigernd und die Liebe zu Léaud bestreitend... Bach als barbarische Musik war auch hübsch (und anscheinend gab's mal noch rasch Françoise Hardy zu sehen - das ging mir aber zu schnell). Duport hat mit Skolimowski 1967 noch einen Film gemacht, erneut an der Seite von Léaud, "Le départ" - kennt den jemand? Den würd ich jetzt gerne sehen!
Und noch was: wieder mal ein Kino-Besuch, und was für ein seltsamer Film im Film... der grunzende Mann liess mich unweigerlich an Michel Piccoli denken in Faraldos anarchischem Film "Themroc" von 1973...
Nur kurz, Gypsy - habe jetzt meinen zweiten Film in diesem Jahr gesehen: Weekend, angespornt durch Dein Zitat, das sei das Ende des Kinos. Das wollte ich wissen ... Glaube ich nicht, Godard ist noch besser geworden, noch verschachtelter. Außerdem gibt es da noch die andere Linie, von Bergman her, die zu Tarkowskij führte. Aber sieh Dir mal die Umarmung in Hélas pour moi (das Ganze ist eine Amphitryon-Geschichte, Du weißt schon) an oder wirklich, denn da gibt es etliche Reminiszenzen, Nouvelle Vague (auch Le Mépris gibts da erneut zu sehen). Aber also Weekend. Werde dazu noch ausführlich schreiben (Uhrzeit jetzt!), am liebsten hätte ich jetzt sofort drei Wochen Urlaub für das Textchen. Im Kino hätte ich diese Gewalt wahrscheinlich kaum ausgehalten, die Cadrages haben ja außerdem noch Inhalt (weiß nicht, wie das bei Antonioni ist, muss das nachsehen, er schien mir aber schon schlichter, oder gut: magischer. Hab nur den letzten Film vor Augen, aber da hat der Wenders reingepfuscht.) Mir fällt übrigens mehr das Gelb als das Rot ins Auge. Ernsthaft: Weekend ist phantastisch, noch nicht der Godard, der er heute ist, aber das wäre wohl auch zu viel verlangt. Die Gleichzeitigkeit von Bild, Text und Musik hatte er da noch nicht.
Und wie das, da hast Du heute Fahrenheit von Truffaut gesehen, und den parodiert er in Weekend ja nun reichlich! Selbst Doinel aka Léaud taucht in der Telefonzelle auf. (Godard war ohnehin auf Truffaut nicht sonderlich gut zu sprechen, oder? ;-)) Und worauf ich beharre: Auch in Weekend wieder, wie in Le Mépris, die Tristan-Musik, dritter Akt. Hat noch Schule gemacht, z. B. in der "Nachtblende" mit Romy Schneider.
Wirklich - muss mich mit Godard wieder füllen. Danke Dir, dass Du das angetrieben hast.
gypsy tail wind
19.05.2010, 08:33
Da ich keine DVDs schaue (keine Zeit und kein Geld - beides geht fürs Kino drauf... und für Jazz-CDs :-) ), wird's wohl dauern, bis ich "Nouvelle Vague" mal wieder zu Gesicht bekomme. "Hélas pour moi" hab ich überhaupt noch nie gesehen, leider.
Danke für all die Details zu "Week End", werde ihn am Samstag wiedersehen!
Ich glaub Godard und Truffaut waren eng befreundet aber irgendwann (1971?) haben sie sich zerstritten.
Léaud spielt den Saint-Just in "Week End" - Klasse! War mir nicht bewusst, ist schon länger her, dass ich "Week End" gesehen habe.
Das neue Werk von Godard "Film Socialisme" dürfte sich lohnen:
http://derstandard.at/1271376948143/Bilderraetsel-mit-verdutztem-Lama
Das neue Werk von Godard "Film Socialisme" dürfte sich lohnen:
http://derstandard.at/1271376948143/Bilderraetsel-mit-verdutztem-Lama
natürlich, welcher Godard lohnt nicht?
Rock 'n' Roll Star
19.05.2010, 11:08
Neuer Film über Godard und Truffaut (http://www.youtube.com/watch?v=DlhmZuIsEho). Ich befürchte, dass man den in D aber in nächster Zeit nicht zu sehen bekommen wird.
natürlich, welcher Godard lohnt nicht?
Godard ist zwar nach Bergman mein Lieblingsregisseur, aber es gibt da schon ein paar "durchschnittliche" Werke. Besonders mit "Je vous salue, Marie (Maria und Joseph)" kann ich wenig anfangen...
Paar Zeilen, zunächst zu phryx: Das Zuschauer-Argument verstehe ich nicht wirklich – sicher spielen die eine enorme Rolle für die Präsenz der Filme, aber genau das ist doch der Fehler. Mal abgesehen von den idyllischen Zuständen in gypsy's town wird Godard inzwischen nur noch im Fernsehen geliefert – im Dezember ist es wieder soweit –, wunderlich, da er das Fernsehen permanent kritisiert. Wunderlich nicht die Kritik, sondern wunderlich, dass da dann doch einige Redakteure noch sitzen müssen, die einen Godard-Film um 1 Uhr morgens durchsetzen können. – Auch würde ich den späten Godard durchaus nicht vom frühen trennen wollen, ich sehe da nichts als Verdichtung, die schon halsbrecherisch ist, und das schätze ich sehr. Na ja, und dass es Spielberge und Cameronen gibt – so ist es, und ihre beloved spectators sind eben auch so. Ist doch das Übliche. Und dann auch gefragt: warum nur drei Filme, die er gegeben hat? Godard, habe ich mir irgendwann vorgesagt, zeigt auch, dass Aufzählungen weder ästhetisch und folglich auch sozial keinen Sinn machen.
Deshalb auch, vigo und vega, hole ich noch einmal den alten Schmarren hervor: Ab der Kunstbaumgrenze ist ohnehin alles strahlend öde. Es gibt nichts zu unterscheiden. Ich habe »Maria und Joseph« als einen der rührenderen Filme in Erinnerung, darum aber nicht minder befriedigend. Bei einigen Regisseuren kommt mir einfach nicht in den Sinn, um es so zu sagen, eine Einschätzung en détail zu geben. (Gypsy, ich meine die Ethos-Punkte im Jazz.) Dazu zählt auch Bergman – auch so ein Arbeiter im Bergwerk des Herrn. Was soll man da, außer aus einer Laune heraus, kritisieren? Nebenbei, vega, kennst Du Bergmans Schubert-(Fernseh-) Film »Dabei: Ein Clown«?)
Und ja, rock 'n' roll, (De-) Codierungen sind da überall – ich würde es zwar schlichter formulieren: Geschichten sind tückisch. Das Kino hinkt da einige Jahrzehnte der Literatur hinterher, warum auch nicht, die mussten erst einmal die Bilder ordnen (und das haben sie in den Stummfilmen enthusiastisch getan, und die Neuerer heute wissen nicht einmal mehr, wen sie abkupfern). Woran erinnern wir uns bei einer Geschichte? An irgendein Bild – sagt Godard, die Geschichte spielt keine Rolle, es ist das Bild, die Erinnerung ist dort, nicht im Erzählen. (Klar, gewöhnlich wird das Bild in die Geschichte übersetzt. »Ach, als ich damals ... und dann ... und dann ...)
Tolomoquinkolom, ich sehe nicht, dass Godard ein Tausendsassa (was ist das überhaupt?) sei – das würde ich wenn überhaupt einem Mann wie Wenders oder Antinioni attestieren, also Tausendsassa, das trifft es für mich nicht. Ich nehme an, darauf kam es Dir auch nicht an, sondern auf Antonioni, ihn irgendwie herauszustellen? – Abseits davon, kann ich nicht die geringste Verbindung zu Rohmer sehen – der Geschichten erzählt und das ja wohl will (und weil er es will, gefällt er mir auch manchmal – aber, wenn ich entscheiden müsste, das ginge flux. Godard gehört da nicht hin.)
Aber er war da. Die ganze Cahiers du cinéma-Geschichte. Rohmer, Rivette, Truffaut, Godard und wen es sonst noch gab: sie haben sich alle auf ihre Weise entfernt. Habe gerade nur das zu Godard und Truffaut parat, gypsy, tippe es einmal hin (Godard, Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos, S. 86f.):
»Le Mépris kann keine Vorstellung vom Kino geben, es kann, jedenfalls habe ich das versucht, eine Vorstellung von Leuten im Kino geben, und das finde ich weniger unehrlich als eben zum Beispiel den Film von Truffaut, der den Leuten zu sagen versucht: So läuft es beim Film. Und die Leute verstehen zwar nichts von alledem, aber sie sind zufrieden, in ihrer Vorstellung bestärkt worden zu sein, daß man davon sowieso nichts verstehen kann und daß es eben so läuft. Während, wie der Film »La Nuit Américaine« entstanden ist, gar nicht so gelaufen ist. [Jaja, die Übersetzung ist schlecht.] Ich habe mich endgültig mit Truffaut überworfen – einmal wegen einer Geldgeschichte, aber als ich ihn an die Geldgeschichte erinnerte, die es zwischen uns gab, habe ich ihm auch gesagt, daß ich seinen letzten Film gesehen hätte und daß eine Einstellung darin fehlte, nämlich die, wie ich ihn während der Dreharbeiten am Arm von Jacqueline Bisset in ein Pariser Restaurant habe hereinkommen sehen. So wie er den Film gemacht hat, wäre das wohl das wenigste gewesen, weil er den Film nämlich nur deshalb gemacht hat. Die Einstellungen von ihm mit Jacqueline Bisset fehlen ganz in dem Film, während er sich nicht gescheut hat, Geschichten mit anderen Leuten zu erfinden.
Er hat mir nicht geantwortet. Wir reden nicht mehr miteinander. Aber es ist eben kein Zufall, dass »La Nuit Américaine« dann irgendwann den Oscar für den besten ausländischen Film bekommen hat, er ist eben ein typischer amerikanischer Film. »La Nuit Américaine« ist ein technischer Terminus, für einen Trick. Die Amerikaner filmen Nachtszenen oft am hellichten Tag, mit einem Filter, der den Himmel dann tiefblau erscheinen läßt – das nennt man »la Nuit Américaine« – statt daß man nachts dreht. Es ist ein technischer Vorgang. Aber ich denke, man hat diesen Film auch ausgezeichnet, weil er so gut verdeckt, gerade weil er so tut, als decke er etwas auf, was das Kino sein kann, etwas Magisches, das einem völlig über den Horizont geht und zugleich eine Menge angenehmer und unangenehmer Leute anzieht. Woraus folgt, daß die Leute gleichzeitig zufrieden sind, daß sie nicht dazugehören, und doch nichts lieber tun als regelmäßig fünf Dollar auszugeben, um einen Film zu sehen.«
gypsy tail wind
19.05.2010, 23:50
Danke für diesen schönen Post!
Ich werde ja morgen "La nuit américaine" hoffentlich wiedersehen!
Zum Sehen/Denken/Erinnern in Bildern: ich kann mich meist bei Filmen eher an gewisse Bilder, Farben erinnern als an den Plot.... oft sehe ich auch Filme, die eigentlich schon kenne wieder und vergesse völlig auf die Handlung überhaupt zu achten. Film ist Rausch, n'est-ce pas? Und Augenblick!
Film ist Rausch, n'est-ce pas? Und Augenblick!
Vierundzwanzigmal ja! Aber - der Rausch stellt sich mir nur ein, wenn er, ogottogott, vernünftig gemacht ist: that said: Godard, Tarkowskij. (Die, die ich nicht kenne, nenne ich nicht ...) - Berichte mal von der amerikanischen Nacht, wenn Du Laune hast.
gypsy tail wind
20.05.2010, 07:53
Vierundzwanzigmal ja! Aber - der Rausch stellt sich mir nur ein, wenn er, ogottogott, vernünftig gemacht ist: that said: Godard, Tarkowskij. (Die, die ich nicht kenne, nenne ich nicht ...) - Berichte mal von der amerikanischen Nacht, wenn Du Laune hast.
Den kenn ich ja schon... fand ihn letztes Mal sehr schön - aber lass mich gerne auch von einer guten Novelle berauschen ;-)
tolomoquinkolom
20.05.2010, 11:15
Tolomoquinkolom, ich sehe nicht, dass Godard ein Tausendsassa (was ist das überhaupt?) sei – das würde ich wenn überhaupt einem Mann wie Wenders oder Antonioni attestieren, also Tausendsassa, das trifft es für mich nicht. Ich nehme an, darauf kam es Dir auch nicht an, sondern auf Antonioni, ihn irgendwie herauszustellen? – Abseits davon, kann ich nicht die geringste Verbindung zu Rohmer sehen – der Geschichten erzählt und das ja wohl will (und weil er es will, gefällt er mir auch manchmal – aber, wenn ich entscheiden müsste, das ginge flux. Godard gehört da nicht hin.)
Aber er war da. Die ganze Cahiers du cinéma-Geschichte. Rohmer, Rivette, Truffaut, Godard und wen es sonst noch gab: sie haben sich alle auf ihre Weise entfernt.
Der “1000sassa Godard” kam eigentlich von gypsy (#180). Ich kann aber mit dieser Umschreibung auch leben. :-)
Godard und Rohmer sind meiner Meinung nach Thesenregisseure. Hier sehe ich die Gemeinsamkeit.
Bei der Cahiers du Cinéma Geschichte fehlt mir Chabrol. Was meinst Du mit “sie haben sich ... entfernt”?
Wenders wird überschätzt. Antonioni kann man nicht hoch genug schätzen.
gypsy tail wind
20.05.2010, 13:21
Wenders wird überschätzt. Antonioni kann man nicht hoch genug schätzen.
Das unterschreib ich (allerdings mit grossen Löchern im Wenders-Werk, aber ich hatte nie gross das Bedürfnis, sie zu stopfen...)
Chabrols erste beiden Filme, "Le beau serge" und "Les cousins" fand ich wunderbar, die passen auch irgendwie in diese Zeit und zu den Filmen von Godard oder Truffaut aus dieser Zeit. Aber danach hat er sich ja schon sehr anders entwickelt als die andern.
D'ailleurs ist wohl neben JLG für mich Resnais mit Abstand der faszinierendste französische Regisseur jener Zeit (und wohl auch noch dieser Zeit...)
(Rivette kenn ich wie schon erwähnt erst sehr lückenhaft, und diese Löcher würd ich sofort stopfen, wenn's mal irgendwo wieder eine Retro gäbe... hoffe, dass das in gypsy's town mal stattfinden wird, früher oder später!)
Tausendsassa kam von mir, richtig... ist vielleicht nicht der beste Begriff. Alleskönner wäre ein anderer, der klingt aber ähnlich abgedroschen - es geht bei Godard ja nie um Beliebigkeit oder das blosse virtuose Zurschaustellen seines Könnens... aber genau dieses, sein Können, übertrifft meiner Meinung nach fast alle anderen unter der Sonne. Was immer ihm nötig oder angebracht schien, er konnte es umsetzen und durchziehen, dafür bewundere ich ihn, das wollte ich eigentlich mit diesem ungelenken Attribut beschreiben.
tolomoquinkolom
20.05.2010, 17:50
Chabrols erste beiden Filme, "Le beau serge" und "Les cousins" fand ich wunderbar, die passen auch irgendwie in diese Zeit und zu den Filmen von Godard oder Truffaut aus dieser Zeit. Aber danach hat er sich ja schon sehr anders entwickelt als die andern.
D'ailleurs ist wohl neben JLG für mich Resnais mit Abstand der faszinierendste französische Regisseur jener Zeit (und wohl auch noch dieser Zeit...)
(Rivette kenn ich wie schon erwähnt erst sehr lückenhaft, und diese Löcher würd ich sofort stopfen, wenn's mal irgendwo wieder eine Retro gäbe... hoffe, dass das in gypsy's town mal stattfinden wird, früher oder später!).
Von Alain Resnais kenne ich nur HIROSHIMA MON AMOUR, PROVIDENCE und L’ANNEE DERNIERE A MARIENBAD. Bei Jacques Rivette stehen Dir noch wundervolle Kinozeiten bevor (und Du wirst Dich vermutlich entweder in Bulle Ogier oder in Juliet Berto verlieben :-)). An Claude Chabrol schätze ich den schwarzen Humor und dessen zielsichere Stiche in die Fassaden bürgerlicher Behaglichkeit. Wenn ich überlege, ist mir allerdings Eric Rohmer doch am liebsten.
gypsy tail wind
20.05.2010, 21:16
Chabrol kenn ich auch erst wenig (aber ich denke genug um ein Urteil zu haben... "La cérémonie" fand ich übirgens von den jüngeren grandios!)
Von Resnais sind neben "Hiroshima" und "L'année dernière" auch "La guerre est fini" und "Muriel" höchst empfehlenswert! Ich werde nächste Woche endlich mal "La vie est un roman" sehen... freu ich mich. "Providence" ist sehr seltsam, aber schlecht nicht grad. "Smoking" und "No Smoking" und andere aus dieser Zeit sind sehr seltsam, Theater auf der Leinwand... "La vie est un chanson" ist wunderbar. Den neuen muss ich erst noch sehen (hat mal wieder einen depperten deutschen Titel)
Von Rivette kenn ich "La réligieuse", "La belle noiseuse", "Secret défense" (Sandrine Bonnaire ist darin grandios!) und "Histoire de Marie et Julien". Da steht mir noch grosses bevor...
Rohmer kenn ich noch gar nicht.
Und wenn wir grad dabei sind, von Téchiné hab ich bisher nur einen neueren gesehen (auch mit Béart und ihren Operationen - ich steh trotzdem auf sie...), aber der war höchstens mittelprächtig gelungen, fand ich.
Sorry für diese off-topic posts... ein Godard-Thread, der zuerst nur um "Le mépris" geht und dann grad um das ganze französische Kino seit der "nouvelle vague"... :-)
Der “1000sassa Godard” kam eigentlich von gypsy (#180). Ich kann aber mit dieser Umschreibung auch leben. :-)
Godard und Rohmer sind meiner Meinung nach Thesenregisseure. Hier sehe ich die Gemeinsamkeit.
Bei der Cahiers du Cinéma Geschichte fehlt mir Chabrol. Was meinst Du mit “sie haben sich ... entfernt”?
Habe ich also durcheinander gebracht, den Tausendsassa, tut mir leid.
Zwar kann ich mir etwas unter "Thesenregisseur" vorstellen, aber nicht genug, um darunter Rohmer zu sortieren. Vielleicht fehlt mir auch der Überblick über Rohmer; jedenfalls kann ich z.B. in den Jahreszeiten- oder Sprichwörterzyklen als einzige "These" eben das Programm dieser Filme entdecken. Also so gesagt: Ich verstehe noch nicht, dass diese Gemeinsamkeit - wenn Du die überhaupt meintest - eine echte Gemeinsamkeit ist; da kommen mir die handgreiflichen Unterschiede in den Bildern zu kurz.
Das waren nur hingeworfene Namen zu den Cahiers, sicher fehlt da Chabrol, und wohl auch Doniol-Valcroze. Und mit der Entfernung meinte ich nichts weiter, dass sie trotz des gemeinsamen bilderstürmerischen Anfangs sehr verschieden weiter gemacht haben - "am verschiedensten" JLG, wohl deshalb, weil er die Form des Kinos (ob man dem folgen will oder nicht) am entschiedensten (ich meine jetzt nur im Vergleich zu den paar Genannten) reflektiert hat; auch dadurch, dass er sie in alle möglichen Bezüge stellt (Literatur, Musik, Arbeitsbedingungen überhaupt und was nicht alles). Chabrol z. B. - klar, der Angriff auf die Bourgeoisie, aber die Filme reizen mich inzwischen nicht sehr viel mehr als irgendein Fernsehfilm, also kaum.
... aber genau dieses, sein Können, übertrifft meiner Meinung nach fast alle anderen unter der Sonne. Was immer ihm nötig oder angebracht schien, er konnte es umsetzen und durchziehen, dafür bewundere ich ihn, das wollte ich eigentlich mit diesem ungelenken Attribut beschreiben.
Weil ich ja gerade manchmal in dieser "Einführung in die wahre Geschichte des Kinos" herumblättere: Da geht es auch darum, dass man mit dem "schlichten" (Godard) Freiheitsverständnis, d.h. "Man macht, was man will." nicht weiterkommt. Dagegen hält als Maxime für die Produktion seiner Filme: "Man muss wollen, was man kann." Also eine Idee mit den vorhandenen Mitteln umsetzen, auch wenn andere Mittel (das können das Geld, die vorhandenen Schauspieler usw. sein) wünschenswerter wären. Also, ich finde, das illustriert den "Tausendsassa" ganz gut.
gypsy tail wind
20.05.2010, 22:08
Weil ich ja gerade manchmal in dieser "Einführung in die wahre Geschichte des Kinos" herumblättere: Da geht es auch darum, dass man mit dem "schlichten" (Godard) Freiheitsverständnis, d.h. "Man macht, was man will." nicht weiterkommt. Dagegen hält als Maxime für die Produktion seiner Filme: "Man muss wollen, was man kann." Also eine Idee mit den vorhandenen Mitteln umsetzen, auch wenn andere Mittel (das können das Geld, die vorhandenen Schauspieler usw. sein) wünschenswerter wären. Also, ich finde, das illustriert den "Tausendsassa" ganz gut.
C'est quoi, ça? Un livre de Jean-Luc? Comment s'appelle-t-il l'edition originale?
"man muss wollen, was man kann"... grandios=verkehrte Maxime (=wie bei Arno Sch., nicht als "gleich" zu lesen bitte!)
Natürlich gehört das Anpassen an die vorhandenen Mittel jeglicher Art dazu, das macht die Meisterschaft umso eindrücklicher! Plus impressionante? Oui, c'est ça!
C'est quoi, ça? Un livre de Jean-Luc? Comment s'appelle-t-il l'edition originale?
Wenn's also der Originaltitel sein soll: Introduction à une véritable histoire du cinéma, und zwar tome I (1980), Editions Albatros. Ob der zweite Band erschienen ist, weiß ich nicht. Gibt aber übrigens gar nicht so wenig von Godard, ziemlich gut ist auch das Bändchen im merve-Verlag zu Rette sich wer kann (Das Leben), pardon: Sauve qui peut (la vie): "Liebe Arbeit Kino". Enthält Drehbuchkonzepte, ein Interview aus den Cahiers u.ä. Aber wie gesagt, in Frankreich dürfte mehr erschienen sein.
gypsy tail wind
20.05.2010, 22:52
Wenn's also der Originaltitel sein soll: Introduction à une véritable histoire du cinéma, und zwar tome I (1980), Editions Albatros. Ob der zweite Band erschienen ist, weiß ich nicht. Gibt aber übrigens gar nicht so wenig von Godard, ziemlich gut ist auch das Bändchen im merve-Verlag zu Rette sich wer kann (Das Leben), pardon: Sauve qui peut (la vie): "Liebe Arbeit Kino". Enthält Drehbuchkonzepte, ein Interview aus den Cahiers u.ä. Aber wie gesagt, in Frankreich dürfte mehr erschienen sein.
Als Erklärter Fan und Liebhaber les ich eigentlich wenig (über Kino und Jazz - meine beiden grossen passions - bitte en français!), aber danke, irgendwann muss ich mich auch auf diesem Weg mal JLG annähern!
In "Sauve qui peut (la vie)" fahren ja Autos mit Schweizer Nummern im Hinterland des Léman herum...
tolomoquinkolom
21.05.2010, 10:14
Von Resnais sind neben "Hiroshima" und "L'année dernière" auch "La guerre est fini" und "Muriel" höchst empfehlenswert! Ich werde nächste Woche endlich mal "La vie est un roman" sehen... freu ich mich. "Providence" ist sehr seltsam, aber schlecht nicht grad. "Smoking" und "No Smoking" und andere aus dieser Zeit sind sehr seltsam, Theater auf der Leinwand... "La vie est un chanson" ist wunderbar. Den neuen muss ich erst noch sehen (hat mal wieder einen depperten deutschen Titel)
Dankeschön für die Resnais-Tipps.
PROVIDENCE ist ein sehr komplexer Film über Realität, Literatur und Illusion. Sehr beeindruckende Story und ebensolche Darsteller.
Rohmer kenn ich noch gar nicht.
Wenn das irgendwann mal anders ist, bin ich auf Deine Reaktion gespannt.
Und wenn wir grad dabei sind, von Téchiné hab ich bisher nur einen neueren gesehen (auch mit Béart und ihren Operationen - ich steh trotzdem auf sie...), aber der war höchstens mittelprächtig gelungen, fand ich.
Von Andre Techine kenne ich bisher nur drei ältere Werke: BAROCCO (nicht gerade gelungen), LES SOEURS BRONTE (sehr schön) und RENDEZ-VOUS (den würde ich gerne nochmal sehen).
gypsy tail wind
21.05.2010, 10:27
"Providence"... Mann klar, der ist grosse Klasse!
Hab ihn aus unerklärlichen Gründen mit der Hochstapler-Frace "Stavisky" velwechsert!
tolomoquinkolom
21.05.2010, 11:12
Das waren nur hingeworfene Namen zu den Cahiers, sicher fehlt da Chabrol, und wohl auch Doniol-Valcroze. Und mit der Entfernung meinte ich nichts weiter, dass sie trotz des gemeinsamen bilderstürmerischen Anfangs sehr verschieden weiter gemacht haben - "am verschiedensten" JLG, wohl deshalb, weil er die Form des Kinos (ob man dem folgen will oder nicht) am entschiedensten (ich meine jetzt nur im Vergleich zu den paar Genannten) reflektiert hat; auch dadurch, dass er sie in alle möglichen Bezüge stellt (Literatur, Musik, Arbeitsbedingungen überhaupt und was nicht alles). Chabrol z. B. - klar, der Angriff auf die Bourgeoisie, aber die Filme reizen mich inzwischen nicht sehr viel mehr als irgendein Fernsehfilm, also kaum.
Ach so. Jetzt verstehe ich das mit dem “Entfernen”. Du hast Recht, Godard war und ist in dieser Beziehung der Regisseur, der sich am wenigsten hat ablenken lassen. Da passt dann wunderbar ein Satz aus einem Film Alain Tanners: “Nicht die Uhr läuft verkehrt, sondern die Welt”.
Ich glaube, aus der “Cahiers-Ecke” ist Chabrol derjenige Regisseur mit den meisten unbefriedigenden Filmen und es ist nicht zu leugnen, dass er gelegentlich ziemlichen Käse gedreht hat. Allerdings eben auch beeindruckende Werke, wie BETTY, MASQUES, POULET AU VINAIGRE, ALICE OU LA DERNIERE FUGUE, und in den Siebzigern JUSTE AVANT LA NUIT, LA RUPTURE, LE BOUCHER, NADA oder LES NOCES ROUGES.
Zwar kann ich mir etwas unter "Thesenregisseur" vorstellen, aber nicht genug, um darunter Rohmer zu sortieren. Vielleicht fehlt mir auch der Überblick über Rohmer; jedenfalls kann ich z.B. in den Jahreszeiten- oder Sprichwörterzyklen als einzige "These" eben das Programm dieser Filme entdecken. Also so gesagt: Ich verstehe noch nicht, dass diese Gemeinsamkeit - wenn Du die überhaupt meintest - eine echte Gemeinsamkeit ist; da kommen mir die handgreiflichen Unterschiede in den Bildern zu kurz.
Ja, richtig. Die handwerklichen Herangehensweisen von Godard und Rohmer sind unterschiedlich. Beide experimentieren allerdings gerne mit semi-dokumentarischen Aspekten und in ihren Filmen wird oft diskutiert; Dialoge, Kommentare und Statements haben eine entscheidende Bedeutung. Beide sind Theoretiker: Godard der des Kinos, Rohmer der der Liebe. Daher meine “Thesen-These”. Bei Godard zielen diese oft auf gesellschafts- oder arbeitspolitische, auch auf revolutionäre “Formeln” (der Godard der Sechziger und 68-er, aber z.B. auch in SAUVE QUI PEUT (LA VIE)), bei Rohmer zielen diese auf den zwischenmenschlichen Kosmos der Protagonisten (von den CONTES MOREAUX bis zu COMEDIES ET PROVERBS).
Rohmer hat einmal gesagt: “Die Wahrheit liegt nicht in dem was die Personen im Film über sich selbst sagen, auch nicht in ihrem bloßen Verhalten, sondern in der Gegenüberstellung dieser beiden Aspekte.” Sowohl bei Rohmer, als auch bei Godard wird viel erklärt, und es besteht häufig ein Widerspruch zwischen dem was geredet und dem was getan wird. Dieser Widerspruch entspricht auch dem Unterschied zwischen dem was sich die Personen wünschen und dem, was sie erreichen. Da sehe ich Gemeinsamkeiten von Rohmer und Godard.
... [Ich merke gerade, dass das mehr und mehr zu einem Exkurs über Rohmer wird, also gar nicht hierhin gehört. Ich werde mal nach einem Rohmer-Thread suchen.]
Mark Kermode meint: "Film Socialisme" ist "by far the worst film at Cannes this year with days left to go..."
http://www.bbc.co.uk/blogs/markkermode/2010/05/cannes_2010_day_6_the_worst_fi.html
;-)
Ich glaube, aus der “Cahiers-Ecke” ist Chabrol derjenige Regisseur ...
Chabrol. Ja, ich kenne nicht allzuviel von ihm und erinnere mich nicht einmal an alle Filme, die ich gesehen habe. Doch »A double tour«, »Les Biches« und »La Rupture« würde ich auch noch einmal sehen. »Les Biches« kam wohl nicht sehr gut an – wo auch immer –, aber mir gefiel schon ausnehmend das »reiche« Herumstapfen der reichen Dame um die schlichte Malerin auf der Seine-Brücke. Solche Bilder behalte ich mir gerne. Habe auch von den späteren Filmen etwas gesehen, aber mir nichts gemerkt. Huppert übrigens, na ja, scheint mir auch so in ihre Berühmtheit hineingerutscht, so wie die Soundso zum Kinde geraten ist. Will darauf jetzt auch gar nicht herumtrampeln, nur so dahingesagt: dass sie mit Chabrol immer noch so gut kann, obwohl sie mal bei Godard war ... Das war ein Scherz.
Beide sind Theoretiker: Godard der des Kinos, Rohmer der der Liebe.
So habe ich das bisher nicht sehen können. Godard denkt sich sicher auch etwas bei dem Love-Ding, aber ich sage mir im Augenblick immer vor, er frage sich: Wie denn kann ich mir da überhaupt etwas denken, in welcher Form? – die dann das Kino oder die fixierten beweglichen Bilder wären. Für einen Theoretiker der Liebe würde ich eher die Figur Ulrich aus Musils »Mann ohne Eigenschaften« halten. (Bei dieser Abschweifung: Ich glaube auch, dass es hier einen Rohmer-Thread geben sollte, aber man kommt eben immer von einem zum andern, da sind doch immer Brücken abzulaufen; um es mit gypsy zu sagen, dem Vertreter der »Alles-hängt-mit-allem-zusammen-Theorie«: So darf es doch sein.)
Rohmer hat einmal gesagt: “Die Wahrheit liegt nicht in dem was die Personen im Film über sich selbst sagen, auch nicht in ihrem bloßen Verhalten, sondern in der Gegenüberstellung dieser beiden Aspekte.”
Das ist leider allzu klar, oder nicht? Das ist zu kühl kalkuliert, was Rohmer da sagt. Oder zu natürlich. Ich gehe auch manchmal morgens zum Bäcker und sage: »Ich hätte gerne zwei Brötchen«, dabei will ich diesen Satz überhaupt nicht sagen, sondern im Bett liegen oder meinen ganz persönlichen Ausblick auf das Mittelmeer genießen. Übrigens war ich einmal sehr begeistert von Rohmers »Jahreszeiten« – jaja, entschuldigt, wenn ich nicht immer die Originaltitel parat habe, manchmal ist es mir einfach zu lästig, das nachzusehen. Kann mich schon an einen Varda-Film erinnern, in dem es hieß: »Nur Originaltitel bitte!« Aber es gibt Wichtigeres, wenn man sich zunächst einmal einfach nur unterhält.
Tanner? Ich wünschte, ich kennte zehntausend Filme mehr von ihm, auch wenn er ein Ekstatiker des Geschichtenerzählens ist. Leider habe ich außer den Jonas-Filmen und dem Diary nichts weiter sehen können.
Resnais: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sich Godards Freundschaft zur Duras mit »Hiroshima mon amour« verträgt – aber sie werden schon wissen, was sie tun. Smoking/No Smoking müsste ich mir wieder ansehen, stimmt, das war Theater auf der Leinwand. Ein Experiment wahrscheinlich, da geht die Azéma hin und nimmt eine Zigarette vom Tisch und dann passiert etwas, und dann geht sie nach zwei Stunden hin und nimmt die Zigarette nicht, und dann passiert etwas anderes. Na gut. »Nuit et Brouillard« aber, bon oder vielmehr gar nicht bon, denn da sind schreckliche Bilder mit Musik von Eisler.
gypsy tail wind
21.05.2010, 23:21
Tanner? Ich wünschte, ich kennte zehntausend Filme mehr von ihm, auch wenn er ein Ekstatiker des Geschichtenerzählens ist. Leider habe ich außer den Jonas-Filmen und dem Diary nichts weiter sehen können.
Tanner! Jawoll, Tanner! Der urbanste, modernste, witzigste aller Schweizer Filmregisseure? Wohl schon! Höchst empfohlen sei v.a. "La salamandre", aber auch "Le retour de l'Afrique" (über ein paar, das alle Möbel verkauft, die Wohnung aufgibt, nach Algerien auswandern will, Abschiedsparty feiert... und dann in einer Neubauwohnung im Beton-Vorort landet... "Afrika" eben :lol: )
Resnais: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sich Godards Freundschaft zur Duras mit »Hiroshima mon amour« verträgt – aber sie werden schon wissen, was sie tun. Smoking/No Smoking müsste ich mir wieder ansehen, stimmt, das war Theater auf der Leinwand. Ein Experiment wahrscheinlich, da geht die Azéma hin und nimmt eine Zigarette vom Tisch und dann passiert etwas, und dann geht sie nach zwei Stunden hin und nimmt die Zigarette nicht, und dann passiert etwas anderes. Na gut. »Nuit et Brouillard« aber, bon oder vielmehr gar nicht bon, denn da sind schreckliche Bilder mit Musik von Eisler.
"Nuit et brouillard" ist (neben "Shoah") wohl der beste KZ-Film... die Leere, das war's gerade, was mich in Birkenau (weniger im Arbeitslager Auschwitz) so betroffen gemacht hat. Die Abwesenheit von Bildern, die einen auf das eigene Wissen zurückfallen lässt... unheimlich viel stärker als all der Betroffenheitskitsch (von "Schindler's List" bis zur Israelischen Multimedia-Show in Auschwitz).
Von Tanner werde ich nach Meinung der Kino- und Fernsehhäuptlinge einstweilen wohl nicht mehr sehen können. Es gibt ihn hier nicht. Ich finde schon, ab 23.00 Uhr sollten die Öffentlich-Rechtlichen (Rechtenden :lol:) Platz haben für diese Leute. Tant pis.
Zum anderen dies, dass Szondi mal an Den-Namen-des-Professors-habe-ich-vergessen geschrieben hat, Celan verteidigend: die Ermordung der Juden ist kein "Thema". Tja, hätte Spielberg mal mehr gelesen.
gypsy tail wind
25.05.2010, 23:59
Na der gute Szondi soll mir bloss den Glauben nicht nehmen, dass Delphine S. eine "apparition" ist, dann soll ich's glücklich sein :-)
Hat eigentlich jemand hier eine der beiden grösseren Godard-Boxen, oder was von den kleineren? Hab mir einen kleinen Überblick zusammengestellt:
gypsy tail wind
26.05.2010, 00:02
Also insgesamt wäre wohl die UK-Box und dazu diese kleine 60s Collection mal ein guter Anfang. Und die beiden DE-Collection Doppel-DVDs noch, allerdings hab ich "Week End" schon und weiss gar nichts über "Maria & Joseph" (bzw. eigentlich scheint der ja "Je vous salue, Marie" zu heissen).
Die DE-Box hat allerdings den Vorteil, dass sie "Prénom Carmen" enthält (dass keine der Boxen "Sauve qui peut" und "Tout va bien" enthält is zudem sowieso ein Skandal, nicht? Und "Nouvelle Vague" fehlt auch...)
tolomoquinkolom
26.05.2010, 12:08
So habe ich das bisher nicht sehen können. Godard denkt sich sicher auch etwas bei dem Love-Ding, aber ich sage mir im Augenblick immer vor, er frage sich: Wie denn kann ich mir da überhaupt etwas denken, in welcher Form? – die dann das Kino oder die fixierten beweglichen Bilder wären. Für einen Theoretiker der Liebe würde ich eher die Figur Ulrich aus Musils »Mann ohne Eigenschaften« halten. (Bei dieser Abschweifung: Ich glaube auch, dass es hier einen Rohmer-Thread geben sollte, aber man kommt eben immer von einem zum andern, da sind doch immer Brücken abzulaufen; um es mit gypsy zu sagen, dem Vertreter der »Alles-hängt-mit-allem-zusammen-Theorie«: So darf es doch sein.)
Ja, richtig. Godard fragt nach der Form filmischer Darstellung und einer wie Rohmer fragt nach der Wahrheit filmischer Darstellung. Beide sind Freigeister; der eine widersetzt sich der Banalisierung des Kinos, der andere der Banalisierung der Liebe.
Von Tanner werde ich nach Meinung der Kino- und Fernsehhäuptlinge einstweilen wohl nicht mehr sehen können. Es gibt ihn hier nicht.
Alain Tanner n'existe pas? :-) Hier schon:
artfilm (http://www.artfilm.ch/salamandre.php) hat derzeit 19 Filme von Alain Tanner auf DVD im Programm.
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Ja, richtig. Godard fragt nach der Form filmischer Darstellung und einer wie Rohmer fragt nach der Wahrheit filmischer Darstellung. Beide sind Freigeister; der eine widersetzt sich der Banalisierung des Kinos, der andere der Banalisierung der Liebe.
Gut - so werde ich das für mich einmal festhalten für den nächsten Rohmer-Film. Obwohl ich finde, dass man diesen Parallelismus (Form/Wahrheit; Banalisierung des Kinos/der Liebe) noch ein bisschen "schütteln" könnte: gehört die Wahrheit auf die Seite der Liebe oder die Seite der Form? Wahrscheinlich lässt sich das nur durch die "Mentalität" der beiden halbwegs klären; ich habe zurzeit noch die Vermutung, dass Godard mehr Fragen einfallen als Rohmer und deshalb die Form so betont. Wie gesagt: im Augenblick.
Alain Tanner n'existe pas? :-) Hier schon:
artfilm (http://www.artfilm.ch/salamandre.php) hat derzeit 19 Filme von Alain Tanner auf DVD im Programm.
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An DVDs hatte ich gar nicht gedacht, eher an kleine Filmreihen zu Ehren von Tanner ... Aber das ist wunderbar, da werde ich jetzt einmal genauer sehen müssen, welcher Film von Tanner der nächste sein soll. Schöne Seite, beruhigend. Vielen Dank!
tolomoquinkolom
27.05.2010, 13:27
An DVDs hatte ich gar nicht gedacht, eher an kleine Filmreihen zu Ehren von Tanner ... Aber das ist wunderbar, da werde ich jetzt einmal genauer sehen müssen, welcher Film von Tanner der nächste sein soll. Schöne Seite, beruhigend. Vielen Dank!
Keine Frage, Leinwand ist immer vorzuziehen! Allerdings: Lieber einen Tanner auf DVD sehen, als gar nicht. :-)
Auf film-zeit.de findet man einen Pressespiegel zum letzten Godard FILM SOCIALISME, der letzte Woche in Cannes Premiere feierte: http://www.film-zeit.de/Film/21435/FILM-SOCIALISME/Kritik/
Ich bin seeehr gespannt auf das Ding, insbesondere, wenn der Spiegel das hier schreibt:
"FILM SOCIALISME ist weder gut noch schlecht, man kann versuchen zu begreifen, was gemeint ist mit diesem willkürlich scheinenden Strom von Assoziationen, und wenn man nicht versteht, was der Meister sagen möchte, dann ist auch das kein Problem: Jeder nimmt mit, was er sieht oder fühlt, Jean-Luc Godard stellt lediglich das Material zur Verfügung."
...klingt das nach genau dem Film, den ich zwar erwarte, aber auch nach genau dem, was ich so gerne von ihm sehe...
gypsy tail wind
29.05.2010, 19:19
Jeder nimmt mit, was er sieht oder fühlt
Oje oje... ist das denn nicht immer so?
Lenkt mich auch eher in die Melancholie ... In dem von texture verlinkten Pressespiegel liest man an erster Stelle auch solche Höhenflüge: "Anscheinend sind viele der Sätze aus Büchern anderer Autoren entlehnt." Das nennt man wohl Chuzpe.
Rock 'n' Roll Star
09.08.2010, 22:42
Ich schreibe im Moment eine Hausarbeit in Soziologie zu dem Verhältnis von Kunst und Kommerz. Da dachte ich mir, dass ich dies doch am Beispiel von Le Mépris machen könnte. Da Godard ja bekanntlich seine Filme gerne dekonstruiert und auch gleich mehrere Themen behandelt, bin ich immer noch auf der Suche nach Literatur oder Aufsätzen, die speziell diese Thematik in Le Mépris ein bisschen näher beleuchten. Habt ihr da ein paar Empfehlungen?
gypsy tail wind
09.08.2010, 23:52
Ich schreibe im Moment eine Hausarbeit in Soziologie zu dem Verhältnis von Kunst und Kommerz. Da dachte ich mir, dass ich dies doch am Beispiel von Le Mépris machen könnte. Da Godard ja bekanntlich seine Filme gerne dekonstruiert und auch gleich mehrere Themen behandelt, bin ich immer noch auf der Suche nach Literatur oder Aufsätzen, die speziell diese Thematik in Le Mépris ein bisschen näher beleuchten. Habt ihr da ein paar Empfehlungen?
Kann ich leider nicht helfen.
Aber die "Dialoge" auf der Party zu Beginn von "Pierrot le fou" müsstest Du Dir unbegingt mal anhören! Sind wohl ziemlich direkt aus damaligen Werbungen entliehen und funktionieren natürlich gar nicht als Dialoge, sind aber für mich irgendwie die perfekte Versinnbildlichung dessen, das die meisten Leute unter einer "Party" zu verstehen scheinen... hélas!
scorechaser
09.08.2010, 23:58
Kann es sein, das nach und nach jetzt die DVDs aus dieser Box (http://www.amazon.de/Jean-Luc-Godard-DVDs-Jean-Paul-Belmondo/dp/B002NJ9ASE/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1281391072&sr=8-1) einzeln veröffentlicht werden?
Rock 'n' Roll Star
10.08.2010, 00:38
Kann ich leider nicht helfen.
Aber die "Dialoge" auf der Party zu Beginn von "Pierrot le fou" müsstest Du Dir unbegingt mal anhören! Sind wohl ziemlich direkt aus damaligen Werbungen entliehen und funktionieren natürlich gar nicht als Dialoge, sind aber für mich irgendwie die perfekte Versinnbildlichung dessen, das die meisten Leute unter einer "Party" zu verstehen scheinen... hélas!
Hab mir die Szene gerade nochmal angeschaut. Die ist natürlich spitze, aber ich bekomme die gerade mit dem Spannungsfeld von Kunst und Kommerz nicht unter einen Hut. Ich dachte mehr an den Konflikt, den Lang/Prokosch und Paul/Prokosch/Camille austragen. Der ja auch wieder auf die Situation von Godard und den Produzenten des Films übertragbar ist.
Dabei fällt mir noch ein: was bedeutet es, wenn Godard seine Bilder in bestimmten Szenen in den den Farben der Trikolore einfärbt? Deutet das auf irgendeine Form von Entfremdung der Protagonisten von was auch immer an (ist mir gerade bei der Partyszene wieder aufgefallen und taucht ja auch in Le Mépris in der Anfangsszene von Camille und Paul auf).
Auch dachte ich gerade bei dem amerikanischen Regisseur mit der Sonnenbrille und der Zigarre an Godard selbst. War wahrscheinlich ein Scherz von ihm :)
Kann es sein, das nach und nach jetzt die DVDs aus dieser Box (http://www.amazon.de/Jean-Luc-Godard-DVDs-Jean-Paul-Belmondo/dp/B002NJ9ASE/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1281391072&sr=8-1) einzeln veröffentlicht werden?
Das kann gut sein, bei der Bunuel-Box war (oder ist) es glaube ich auch so.
gypsy tail wind
03.12.2010, 01:38
http://img192.imageshack.us/img192/5962/jlg0.jpg
Joyeux anniversaire, maître!
Godard wird für mich immer zu den zehn wichtigsten Regisseuren zählen...
...die Frisur Jean Sebergs in "A bout de souffle"... und wie sie "New York Herald Tribune" ruft... die Gesten von Bebel...
...ebendieser, wie er sich in "Pierrot le fou" am Ende dann gerne doch nicht in die Luft jagen würde... davor die grossartige Kino-Definition von Sam Fuller... die nächtliche Autofahrt mit den Farben in der Windschutzscheibe...
...die Farben überhaupt: eine frische Kopie von "Le mépris" ist diesbezüglich schon fast eine Orgie... Piccolis Hut, Palances rotes Cabrio...
...die Herès-Handtasche in "Weekend"... überhaupt alles in Weekend, die Hup-Fahrt entlang der blockierten Landstrasse, die Bataille'sche Anfangssequenz, Saint-Just...
...die schönsten Aufnahmen der Stones in "Sympathy for the Devil"...
...die unglaubliche Schönheit von Anna Karina in "Alphaville"...
...die SS/Napalm-Tankstelle in "La chinoise"...
...der Tanz zur Jukebox im Bistro in "Bande à part"
...tu es infâme - non, je suis une femme... in "Une femme est une femme" natürlich...
...das Geschnipsel in den jüngeren Filmen, zuletzt im berückenden "Film Socialisme"...das thesenhafte, skizzenhafte, hingerotzte, das jeglicher Zufälligkeit aber doch entbehrt...
...das Thema von Georges Delerue für "Le mépris", die perfide Nacktszene mit der schmollmündigen BB ebenda... und natürlich Fritz Lang!...
...und immer wieder die aus kunstvoll gestapelten Autowracks aufsteigenden Rauchschwaden in "Week End"... Nemesis Europas, des Abendlandes (des sogenannten...), der Antike, des Dramas...
Danke zu sagen für all das schiene schon schnöde und trivial... und jetzt wird der Meister 80 und behält seine jugendliche Schnoddrigkeit hoffentlich noch für eine ganze Weile bei!
Félicitations an den Léman!
Hier eine kleine Huldigung im Profil (http://www.profil.at/articles/1046/560/282353/jean-luc-godard-portraet-giganten) und hier das wohl jüngste Interview, das vor ein paar Tagen im heimischen Tagesanzeiger (http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/Das-Kino-ist-heute-wie-eine-aegyptische-Mumie-/story/17930831) erschienen ist.
Schön, gypsy!
Auch hier nochmal Glückwunsch an JLG.
Und ergänzend:
Der Anfang von Le mépris, Godards raunende Stimme über Delerues Musik.
Anna Karina geht durch die Strassen von Paris, diskutiert im Café und wird die elegischste Prostituierte aller Filmzeiten.
Der Tanz in Bande à part.
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