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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Blindfold Test



gypsy tail wind
19.01.2011, 20:12
Ich führe auf einem anderen Forum (hier (http://www.organissimo.org/forum/index.php?/topic/62846-bft-%2383-sign-up/)) einen Blindfold-Test durch und habe beschlossen (und von atom das OK gekriegt, danke!), ihn auch hier durchzuführen.

Es geht mir dabei weniger darum, dass Ihr die Musiker und die Stücke zu erraten versucht - lieber möchte ich etwas über Eure Gedanken zur Musik lesen, was Euch gefällt und was nicht, und weshalb dem so ist... aber am Ende ist jedeR frei, zu schreiben was er/sie will (auch gar nichts zu schreiben, natürlich). Wenn Ihr wollt, dürft Ihr die Musik auch besternen.

Musikalisch will ich natürlich nicht zuviel verraten, bloss, dass es für (und wohl auch gegen) jeden Geschmack etwas dabei hat, dass die Musik ein halbes Dutzend Dekaden umfasst... und dass alles Stücke sind von Musikern, die mir am Herzen liegen, die mich besonders bewegen, oder die ich in der letzten Zeit entdeckt habe und ein bisschen bekannter machen möchte (oder beides zusammen).



Die Spielregeln sind folgendermassen:

1) Anmeldung per PN an mich, bitte mit Betreff "BFT", damit's nicht allzu unübersichtlich wird.

2) Ich schicke Euch in ein paar Tagen dann einen DL-Link (auch per PN).

3) Ich gebe hier dann das Start-Signal, ein paar Tage, nachdem ich die PNs verschickt habe. Bis dahin bitte ich Euch aber, hier nichts zu posten, damit der Thread einigermassen schlank bleibt! Bitte jegliche Kommunikation per PN (auch falls technische Hilfe benötigt wird mit dem Download etc - mit Macs kenn ich mich allerdings nicht aus, das vornweg).

4) Ihr postet dann Eure Reaktionen hier im Thread... und versucht möglichst, vorher nicht zu lesen, was die anderen schon geschrieben haben (fällt mir jedenfalls sehr leicht in solchen Situationen, hoffe, das klappt!) - damit möglichst alle ihre eigenen Gedanken (und durchaus auch die Namen der Musiker und Stücke) niederschreiben.

5) Ich werde hier gerne regelmässig Antworten auf Eure Posts (auch sagen, ob allfällige IDs korrekt sind oder nicht, oder ob die Richtung stimmt oder nicht).

Alles klar? Sonst wie gesagt: mehr gerne via PN!


Ich kann hier auch gerne eine Art Index erstellen mit Links zu den Antworten der Teilnehmenden und am Ende auch mit Link zu meinen Auflösungen.

Vorerst hoffe ich mal auf rege Aktivität in meinem Posteingang... :-)

gypsy tail wind
24.01.2011, 11:47
:: bump ::

Angebot gilt noch immer!
PNs mit dem Link gehen wohl Ende Woche raus, die Diskussion soll dann ab dem 1. Februar eröffnet sein (ohne Zeitdruck - einfach hier nicht lesen, bevor man nicht selber seine Kommentare abgegeben hat).

gypsy tail wind
29.01.2011, 01:08
:: bump ::

PN mit Link ist raus - ich schicke aber gerne nochmal eine Runde raus, wenn noch irgendwer mitmachen will! Freue mich natürlich über möglichst viel Echo!

Die Diskussion soll in den nächsten Tage beginnen... genauer ab 1. Februar!

gypsy tail wind
30.01.2011, 14:32
Update: falls jemand Probleme mit dem verschickten Link hat oder mit dem File-Typ - schickt mir eine PN für Alternativ-Download-Möglichkeit!

Und auch weitere Neugierige und potentielle TeilnehmerInnen dürfen mir gerne eine PN senden!

gypsy tail wind
01.02.2011, 13:18
So sei denn die Diskussion offiziell eröffnet!
Ich freue mich über jede Meldung hier - hoffe, die Musik gefällt Euch, eckt mal an, überrascht hie und da, und regt auch mal ein wenig zum Nachdenken an!

Ein Thema hab ich mir bei der Auswahl nicht gegeben - es handelt sich ganz einfach um Musik, die ich toll finde, die mir wichtig ist oder einfach nur gefällt... und in den meisten Fällen um Aufnahmen, die eine weitere Verbreitung und grössere Bekanntheit verdienen würde, wie ich finde (auch darum ist das reine Rätselraten wohl eher schwierig... Miles, Coltrane, Ornette oder Mingus werdet Ihr jedenfalls hier nicht finden!)

Danke Euch schon im Voraus für Eure Meldungen!

vorgarten
01.02.2011, 14:03
na, dann fang ich doch mal an. war von vielen dingen ziemlich begeistert und bin gespannt, wer sich dahinter verbirgt. habe aber quasi mein erstes durchhören protokolliert.

1) altsaxophon solo. suchend, fragil und wenig rampensauig. klingt vertraut, nach jemandem, den ich sehr mag. marion brown vielleicht? sehr stimmige improvisation in sich. fängt klar und entschieden an. nach dem thema (nichts bekanntes) kommen so feine schattierungen, dann wieder das thema, dann sind dessen töne nur noch brücken, zwischendurch ein paar blues-zitate. tolles anspielen des raums auch, alles leise kommt sehr direkt, bei lauten sachen öffnet sich der raum. keine sekunde langweilig, redundant, orientierungslos. berührendes ende – der fragile ton, der sich aber behauptet. sehr schön.
2) abgefahrenes klavier. ganz kurzes monk-zitat im thema. ist das monk? mit den soli wird’s langweilig. mag die blockakkord-begleitung nicht (könnte auch für monk sprechen). die verqueere stimmung des themas wird nicht beibehalten. schade. netter sketch.
3) klingt nach mal waldron. thema ist irgendwas nicht-afroamerikanisches (europäisches volkslied, jazzig arrangiert?). schöner trompetenton, viel luft, sehr durchdachtes spiel. art farmer vielleicht? schön insgesamt, schade, das fadeout.
4) gefällt mir gar nicht. street of dreams. sängerin kenne ich nicht, könnte die version von lee wiley sein. im netzt nachgesehen – ja, sie ist es. aus NIGHT IN MANHATTAN (1950 oder 51). oberflächlich gesungen, keine interpretation, bisschen auf schummerig-sexy, dafür aber ein äußerst braves vibrato. trompete auch sehr handwerk. klavierbegleitung ganz schön. nichts besonderes.
5) oh, harfe. aber das ist ja nebensächlich. eigenartiger posaunenton. sänger ist mir völlig unbekannt. der song ist schön, aber zu süßlich arrangiert. würde ich gerne mal instrumental und doppelt so schnell hören.
6) sonny rollins. live. ballade. die ganze spannung kommt vom drummer. toll, wie er double-time andeutet und die betonungen wechselt. bassist macht auch ein ziemlich freies ding. schönes sax-solo. kann das zeitlich gar nicht einordnen. pianist könnte hancock sein, wäre aber ziemlich ideenlos für ihn. da kommen ja plötzlich noch andere bläser dazu. tolles stück.
7) das kommt mir sehr bekannt vor. nach 1980, aufnahmetechnisch. großartiges trio. ganz dicht und doch frei. ein großer bogen. komme nicht darauf. alle primärtugenden beisammen. alle 2 sekunden eine tolle idee. braxton vielleicht? mein favorit bisher.
8) das ist auch toll, vom ersten ton an. harry beckett? wunderschöner ton, tief bewegendes spiel. großartig.
9) das wiederum gefällt mir gar nicht. kein schönes arrangement. bei bass & schlagzeug schlafe ich ein. altsaxophonist ist klasse, er lädt aber nur auf. trompeter identifiziere ich als lester bowie, der kriegt es hier ziemlich gut hin. ansonsten ist mir das zu sehr postmoderne zitatensuppe, mit etwas verzweiflung und witz aufgeladen.
10) das könnte jetzt das art ensemble sein. hebt nicht richtig ab. der bass nervt.
11) wow, toller schlagzeug-einstieg. altsaxophonisten finde ich immer so schwer auseinanderzuhalten. brown? tchicai? threadgill (air vielleicht?)? der schlagzeuger gefällt mir unheimlich gut, auch das solo. noch ein höhepunkt hier. ein einfaches, kraftvolles thema, fantastisch unter spannung gesetzt.
12) hier setze ich aus. habe keinerlei sinnlichen zugang zu dieser musik. einzelne details fallen trotzdem positiv auf – z.b. wie sich trompete und altsax umspielen (vor dem posaunensolo). was mir völlig widerstrebt ist das staccato-stampfen von bass, banjo und drums.

gypsy tail wind
01.02.2011, 14:27
na, dann fang ich doch mal an. war von vielen dingen ziemlich begeistert und bin gespannt, wer sich dahinter verbirgt. habe aber quasi mein erstes durchhören protokolliert.

Danke! Das ging ja schnell ;-)

Ich schreib meine Kommentare mal Stück für Stück rein...


1) altsaxophon solo. suchend, fragil und wenig rampensauig. klingt vertraut, nach jemandem, den ich sehr mag. marion brown vielleicht? sehr stimmige improvisation in sich. fängt klar und entschieden an. nach dem thema (nichts bekanntes) kommen so feine schattierungen, dann wieder das thema, dann sind dessen töne nur noch brücken, zwischendurch ein paar blues-zitate. tolles anspielen des raums auch, alles leise kommt sehr direkt, bei lauten sachen öffnet sich der raum. keine sekunde langweilig, redundant, orientierungslos. berührendes ende – der fragile ton, der sich aber behauptet. sehr schön.

Voll ins Schwarze getroffen! Das Thema ist was sehr bekanntes, datiert aber einige Dekaden vor Brown zurück... wie er am Ende das Thema ausdünnt, quasi auf die Essenz beschränkt, finde ich toll.
Schön, dass Dir das Stück so gut gefällt!


2) abgefahrenes klavier. ganz kurzes monk-zitat im thema. ist das monk? mit den soli wird’s langweilig. mag die blockakkord-begleitung nicht (könnte auch für monk sprechen). die verqueere stimmung des themas wird nicht beibehalten. schade. netter sketch.

Nicht Monk - aber zeitgenössisch (obwohl stilistisch gerade so schwierig festzumachen wie Monk)


3) klingt nach mal waldron. thema ist irgendwas nicht-afroamerikanisches (europäisches volkslied, jazzig arrangiert?). schöner trompetenton, viel luft, sehr durchdachtes spiel. art farmer vielleicht? schön insgesamt, schade, das fadeout.

Nicht Waldron, nicht Farmer... aber ja: wunderschöner Trompetenton... viel luftiger als alles, was ich von Farmer kenne. Das Thema ist übrigens ein Blues EDIT: nein, ein AABA-Stück mit 32 Takten aber soweit ich das hören kann Blues-ähnlichen Changes in den A-Teilen.
Und enorm traurig... eine doppelte Hommage, aber mehr will ich jetzt mal nicht verraten!


4) gefällt mir gar nicht. street of dreams. sängerin kenne ich nicht, könnte die version von lee wiley sein. im netzt nachgesehen – ja, sie ist es. aus NIGHT IN MANHATTAN (1950 oder 51). oberflächlich gesungen, keine interpretation, bisschen auf schummerig-sexy, dafür aber ein äußerst braves vibrato. trompete auch sehr handwerk. klavierbegleitung ganz schön. nichts besonderes.

Ja, die ist es... oberflächlich? Keine Interpretation - da halte ich mal dagegen: keine geht gar nicht (oder wäre - wenn's denn ginge - auch eine). Da werden wir uns wohl nie einig werden! Ich verehre Lee Wiley - ihre Stimme berührt mich wie wenige Sängerinnen. Und dass ich den grossartigen Trompeter auch noch reinbekam hat mich ebenso gefreut!


5) oh, harfe. aber das ist ja nebensächlich. eigenartiger posaunenton. sänger ist mir völlig unbekannt. der song ist schön, aber zu süßlich arrangiert. würde ich gerne mal instrumental und doppelt so schnell hören.

Auch das hier ist Geschmackssache... klar ist das süsslich, aber der darf das! Die Songs auf dem betreffenden Album sind erstklassig! Auch hier will ich nicht zuviel verraten...


6) sonny rollins. live. ballade. die ganze spannung kommt vom drummer. toll, wie er double-time andeutet und die betonungen wechselt. bassist macht auch ein ziemlich freies ding. schönes sax-solo. kann das zeitlich gar nicht einordnen. pianist könnte hancock sein, wäre aber ziemlich ideenlos für ihn. da kommen ja plötzlich noch andere bläser dazu. tolles stück.

Nein, nicht Sonny Rollins! Auch nicht Hancock... der Drummer ist Spitzenklasse, ebenso wie meiner Meinung nach die ganze Band (von der man allerdings wenig hört), aber der Pianist ist hier in der Tat nicht sonderlich inspiriert, aber das Tenorsolo ist grossartig und der Musiker völlig unbekannt und vergessen - das war von Anfang an gesetzt!


7) das kommt mir sehr bekannt vor. nach 1980, aufnahmetechnisch. großartiges trio. ganz dicht und doch frei. ein großer bogen. komme nicht darauf. alle primärtugenden beisammen. alle 2 sekunden eine tolle idee. braxton vielleicht? mein favorit bisher.

Rec. 1985. Nicht Braxton... hör ich ganz ähnlich wie Du!


8) das ist auch toll, vom ersten ton an. harry beckett? wunderschöner ton, tief bewegendes spiel. großartig.

Schon der dritte Treffer (wobei Wiley ja eigentlich zu einfach ist... mit Hilfe von Google kriegt das ja jeder raus!)! Der grosse, verstorbene Harry Beckett mit seinem singenden Ton... redbeans wird sich über den Komponisten/Arrangeur freuen...


9) das wiederum gefällt mir gar nicht. kein schönes arrangement. bei bass & schlagzeug schlafe ich ein. altsaxophonist ist klasse, er lädt aber nur auf. trompeter identifiziere ich als lester bowie, der kriegt es hier ziemlich gut hin. ansonsten ist mir das zu sehr postmoderne zitatensuppe, mit etwas verzweiflung und witz aufgeladen.

Aber nein, das ist eines der lebendigsten und für mich groovendsten und liebsten Bass/Drums-Gespanne!
Bowie ist das nicht, kommt aus einer anderen Ecke!
Altsax gefällt auch nicht? Für mich einer der Grossen!


10) das könnte jetzt das art ensemble sein. hebt nicht richtig ab. der bass nervt.

Nein, ist es nicht... das hier ist eine Obskurität!


11) wow, toller schlagzeug-einstieg. altsaxophonisten finde ich immer so schwer auseinanderzuhalten. brown? tchicai? threadgill (air vielleicht?)? der schlagzeuger gefällt mir unheimlich gut, auch das solo. noch ein höhepunkt hier. ein einfaches, kraftvolles thema, fantastisch unter spannung gesetzt.

Ja, wow! Mit #7 und #11 hab ich gleich zwei völlig unbekannte aber grossartige Altsaxer drin. Nicht Brown, Tchicai oder Threadgill/Air...


12) hier setze ich aus. habe keinerlei sinnlichen zugang zu dieser musik. einzelne details fallen trotzdem positiv auf – z.b. wie sich trompete und altsax umspielen (vor dem posaunensolo). was mir völlig widerstrebt ist das staccato-stampfen von bass, banjo und drums.

Ja, das Zusammenspiel und der rhythmische Drive dieser Band sind ziemlich einzigartig... auch der Übermut, mit dem der Trompeter zur Sache geht...

Kommt noch was zu #13-15 (also #15 ist ja nur ein kurzer Closer) oder haben die nicht mehr gefallen?

newk
01.02.2011, 14:57
01 - Das ist entweder Anthony Braxton oder jemand der stark von Braxton beeinflußt ist. Vor allem dieser wiederkehrende
lange Ton trägt stark seine Handschrift.

02 - Hier habe ich keine wirkliche Idee. Ich tippe mal auf Teddy Wilson. Die Melodie bei 2:17 glaube ich mal von Miles Davis
in einem Solo gehört zu haben, könnte ein Zitat sein.

03 - Das Thema kommt mir bekannt vor. Der Pianist könnte Mal Waldron sein, an der Trompete Kenny Dorham??

04 - Hier muss ich leider passen, mit Jazzsängerinnen habe ich mich, von Billie Holiday und Sarah Vaughan abgesehen, bisher
kaum beschäftigt.

05 - Ich dachte jetzt fängt jemand an zu singen dann kam die Posaune. Ach jetzt fängt's an. Leider kenn ich mich mit
männlichen Jazzsängern noch weniger aus als mit den Damen.

06 - Mein erster Gedanke war Dexter Gordon am Saxophon. Keine Ahnung wer der Pianist ist.

07 - Klingt nach 70er Loft Jazz. Ich tippe mal auf Dave Holland und Barry Altschul als Rhythmusgruppe. Aber wer ist der
Saxophonist? Sam Rivers?

08 - Oder ist das jetzt Kenny Dorham?

09 - Seltsames Stück. Die Soli passen kaum zum backing. Der Trompeter gefällt mir sehr gut, der Saxophonist weniger.

10 - Diese tiefen Töne auf der Trompete lassen mich an Bill Dixon denken, da würde auch der gestrichene Bass zu passen.

11 - Ist das von einem ESP Album? Andererseits klingt das doch etwas zu straight. Vielleicht Julius Hemphill oder Oliver Lake.

12 - Wahrscheinlich eine Aufnahme, die man kennen muss. King Oliver?

13 - Jazzgitarre ist für mich ein rotes Tuch. Ich passe.

14 - Ein Pianist der von Monk beeinflußt ist. Ich tippe einfach mal auf Dollar Brand.

15 - Jetzt bin ich mir endlich mal sicher: Willem Breuker Kollektief.

gypsy tail wind
01.02.2011, 15:12
Danke auch Dir, newk! Ist sehr spannend, Eure Antworten zu lesen!


01 - Das ist entweder Anthony Braxton oder jemand der stark von Braxton beeinflußt ist. Vor allem dieser wiederkehrende lange Ton trägt stark seine Handschrift.

Ob er mal von Braxton beeinflusst war (vielleicht grad in seinem Solo-Spiel) kann ich nicht sagen. vorgarten hat jedenfalls korrekt auf Marion Brown getippt!


02 - Hier habe ich keine wirkliche Idee. Ich tippe mal auf Teddy Wilson. Die Melodie bei 2:17 glaube ich mal von Miles Davis in einem Solo gehört zu haben, könnte ein Zitat sein.

Nicht Wilson, aber mit Monk und Wilson ist die Umgebung mal abgesteckt... das mit dem möglichen Miles-Zitat (bzw. Miles könnte es auch von hier haben) muss ich mal nachhören, ist mir noch nicht aufgefallen!


03 - Das Thema kommt mir bekannt vor. Der Pianist könnte Mal Waldron sein, an der Trompete Kenny Dorham??

Dass ihr an Waldron denkt überrascht mit ein wenig, aber muss ja wohl was dran sein... den Experten redbeans kann ich hier nicht um seine Meinung bitten, da er diese Aufnahme kennt.


06 - Mein erster Gedanke war Dexter Gordon am Saxophon. Keine Ahnung wer der Pianist ist.

Nicht Gordon, nein - hör ich auch nicht so in der Nähe.


07 - Klingt nach 70er Loft Jazz. Ich tippe mal auf Dave Holland und Barry Altschul als Rhythmusgruppe. Aber wer ist der Saxophonist? Sam Rivers?

Ist ein Altsax hier, die Aufnahme aus den 80ern - aber die Richtung stimmt jedenfalls vom Einfluss her schon (sind aber keine Amerikaner!)


08 - Oder ist das jetzt Kenny Dorham?

Nein, sowas modernes (70er) hat KD leider nicht mehr machen können. Auch hier hat vorgarten richtig geraten!


09 - Seltsames Stück. Die Soli passen kaum zum backing. Der Trompeter gefällt mir sehr gut, der Saxophonist weniger.

Hm... nun ja, bisher steh ich mit meiner Liebe für diesen Saxer ziemlich alleine da :-)


10 - Diese tiefen Töne auf der Trompete lassen mich an Bill Dixon denken, da würde auch der gestrichene Bass zu passen.

Wie gesagt, das hier wird wohl niemand erraten... nun ja, redbeans vielleicht...


11 - Ist das von einem ESP Album? Andererseits klingt das doch etwas zu straight. Vielleicht Julius Hemphill oder Oliver Lake.

Nicht ESP, nicht Hemphill oder Lake - aber wohl in etwa aus derselben Generation.


12 - Wahrscheinlich eine Aufnahme, die man kennen muss. King Oliver?

Wenn man sich eingehend mit dem Jazz der 20er und 30er beschäftigt, stolpert man wohl früher oder später über diese Band... nicht King Oliver, nein. Das hier ist ein ganzes Stück avancierter als Oliver.


14 - Ein Pianist der von Monk beeinflußt ist. Ich tippe einfach mal auf Dollar Brand.

Das hier ist fies... der Pianist ist viel älter, aber kann schon sein, dass er unterwegs mal von Monk ein wenig beeinflusst wurde... jedenfalls hatte dieser Herr hier schon fast sein halbes Leben hinter sich, als Monk auftrat und dieses - auch irreführende - Stück geschrieben wurde. Die Häufung von Anachronismen gefällt mir hier ganz besonders.


15 - Jetzt bin ich mir endlich mal sicher: Willem Breuker Kollektief.

Leider nein...

vorgarten
01.02.2011, 15:19
Voll ins Schwarze getroffen! Das Thema ist was sehr bekanntes, datiert aber einige Dekaden vor Brown zurück... wie er am Ende das Thema ausdünnt, quasi auf die Essenz beschränkt, finde ich toll.
Schön, dass Dir das Stück so gut gefällt!

marion brown ist einfach eine klasse für sich. jetzt bin ich natürlich noch sehr gespannt, was für ein thema das ist...



Ja, die ist es... oberflächlich? Keine Interpretation - da halte ich mal dagegen: keine geht gar nicht (oder wäre - wenn's denn ginge - auch eine). Da werden wir uns wohl nie einig werden! Ich verehre Lee Wiley - ihre Stimme berührt mich wie wenige Sängerinnen. Und dass ich den grossartigen Trompeter auch noch reinbekam hat mich ebenso gefreut!

ich finde ja, dass man gesang noch individueller wahrnimmt als instrumentale sachen. tut mir leid, wenn ich das jetzt hier so abfällig kommentiert habe. ich weiß ja, dass du wiederum meine heldin abbey lincoln nicht so magst. so ist das halt...




Nein, nicht Sonny Rollins! Auch nicht Hancock... der Drummer ist Spitzenklasse, ebenso wie meiner Meinung nach die ganze Band (von der man allerdings wenig hört), aber der Pianist ist hier in der Tat nicht sonderlich inspiriert, aber das Tenorsolo ist grossartig und der Musiker völlig unbekannt und vergessen - das war von Anfang an gesetzt!

das ist ja unglaublich. auch wenn's nicht rollins ist - wie kann jemand, der ein solches solo spielen kann, "völlig unbekannt und vergessen" sein? bin sehr gespannt.



Aber nein, das ist eines der lebendigsten und für mich groovendsten und liebsten Bass/Drums-Gespanne!
Bowie ist das nicht, kommt aus einer anderen Ecke!
Altsax gefällt auch nicht? Für mich einer der Grossen!

altsax hatte ich ja positiv hervorgehoben - finde aber, dass er hier nichts mit der struktur macht, "nur" energetisch aufladen.




Kommt noch was zu #13-15 (also #15 ist ja nur ein kurzer Closer) oder haben die nicht mehr gefallen?

hoppla, war beim reinkopieren nicht mitgekommen. also nachgeschoben:

13) mag grundsätzlich keine klavier-gitarren-duette. poinciana.
14) merkwürdige mischung aus stützenden klischees und originellen ideen. vielleicht jemand, der sonst eher ein anderes instrument spielt?
15) naja. was witziges, trotzdem konservatoriumtauglich. europäisch?

gypsy tail wind
01.02.2011, 15:27
ich finde ja, dass man gesang noch individueller wahrnimmt als instrumentale sachen. tut mir leid, wenn ich das jetzt hier so abfällig kommentiert habe. ich weiß ja, dass du wiederum meine heldin abbey lincoln nicht so magst. so ist das halt...

Kam keineswegs abschätzig rüber - ja, so ist das halt!
Musste mich nur für die grosse Lee Wiley ein wenig wehren :liebe:

http://3.bp.blogspot.com/_3o9FUDlJrSw/TMI7fqTm9-I/AAAAAAAABEQ/r-8vJvBKHs0/s640/A1kZgo1vWaL._SL600_.jpg



altsax hatte ich ja positiv hervorgehoben - finde aber, dass er hier nichts mit der struktur macht, "nur" energetisch aufladen.

Entschuldige, den ganze Satz hab ich übersehen!


13) mag grundsätzlich keine klavier-gitarren-duette. poinciana.

Mir gefällt die Kombination immer besser, Duos sind ja selten, aber ich war noch vor ein paar Jahren auch bei Quartetten (und oft im modernen Jazz auch bei vierköpfigen Rhythmusgruppen) generell skeptisch... das hat sich geändert. "Poinciana" stimmt natürlich. Den Gitarristen wird wohl auch niemand erraten (den Pianisten sowieso nicht).


14) merkwürdige mischung aus stützenden klischees und originellen ideen. vielleicht jemand, der sonst eher ein anderes instrument spielt?

Nein, der Herr spielte über viele Jahrzehnte Piano... ich finde das Stück enorm reizsam - die Mischung aus Tönen und Pausen, der Groove... ein Relikt aus ganz anderer Zeit, schon als die Aufnahme gemacht wurde.


15) naja. was witziges, trotzdem konservatoriumtauglich. europäisch?

Jein... war auch nur als kleines Outro gedacht.

Danke Dir nochmal!

newk
01.02.2011, 15:31
Puh, da lag ich ja teilweise arg daneben.
Verbergen sich unter 15 denn wenigstens Europäer?
Wegen der Trompete bei 02: Ich meine es mal auf einer frühen Aufnahme von Davis gehört zu haben. Vielleicht einfach ein Standard Bop-lick.

Mir fällt übrigens auf, daß ich das Wichtigste vergessen habe:
Vielen Dank für das Zusammenstellen des Blindfold Test, ich hatte viel Spaß beim Hören bzw. Raten.

gypsy tail wind
01.02.2011, 15:56
Puh, da lag ich ja teilweise arg daneben.
Verbergen sich unter 15 denn wenigstens Europäer?
Wegen der Trompete bei 02: Ich meine es mal auf einer frühen Aufnahme von Davis gehört zu haben. Vielleicht einfach ein Standard Bop-lick.

Muss mich auf dieses Lick mal achten... müsste sehr früh in Miles' Karriere sein, dass das hier ein Miles-Zitat ist und nicht anders herum. Aber gekannt haben die beiden sich damals schon, das steht fest.

Zu #15: wie oben (zu vorgarten) gesagt: jein ;-)



Mir fällt übrigens auf, daß ich das Wichtigste vergessen habe:
Vielen Dank für das Zusammenstellen des Blindfold Test, ich hatte viel Spaß beim Hören bzw. Raten.

Aber klar doch! Deine Antworten sind der Dank! Macht echt Spass, das zu lesen!

Und allfällige Nachahmer wären natürlich auch willkommen - ich würde mit Sicherheit mitmachen wenn's irgendwie ginge!

alexischicke
01.02.2011, 16:10
und ich dachte,man sollt erst einen song hören?

katharsis
01.02.2011, 16:12
Ich werde erstmal nur meine Eindrücke zu denjenigen Files posten, die als mp3 im Paket enthalten waren. Die anderen habe ich auf einem anderen Rechner und noch nicht oft gehört, folgen aber.
Daher Teil 1:

2. Klar, der erste Gedanke geht in Richtung Monk, aber das wäre zu einfach. Das vorgestellte Motiv erinnert sehr an diese kindliche Naivität Monk’s und sein scheinbares Danebengreifen. Wenn sich das Thema dann aber weiter entwickelt, ist es zu klar und straight für Monk. Die Gitarre verschmelzt recht schön mit der Trompete, so dass ich mir in den ersten Sekunden gar nicht sicher war, ob das nicht der Soundqualität geschuldet ist und nur die Trompete spielt. Das Thema erinnert mich ein bißchen an „What a difference a day makes“, zumindest könnte das eine interessante Variation sein.
Die Soli sind ja leider recht kurz geraten, aber den Trompeter finde ich ganz gut. Trotzdem wäre das kein Stück, welches ich unbedingt öfter hören müsste, dazu passiert mir zu wenig, bleibt die Umsetzung des Themas fast zu bieder.
Ein wilder Rateversuch wäre Art Tatum.

4. Irgendwie lässt die Bläserfanfare schon vermuten, dass Gesang folgen wird. Das Stück kenne ich zumindest ohne Denkanstoß nicht, die Sängerin auch nicht. Die Musik bewegt sich fast in sehr zahmen Swing-Gefilden und ich mag diese Fill-ins des Trompeters. Auch diese schattierenden Griffe des Pianisten finde ich sehr gelungen. Fast unnötig erscheinen mir die Streicher, die das Stück etwas mehr auf Hochglanz polieren; hätte nicht sein müssen.
Zu Beginn erinnert mich die Sängerin an eine gesättigtere Billie Holiday, je mehr sie singt, desto reiner wird ihr Klang. Ich finde das Vibrato recht schön eingesetzt, sehr dezent.
Der Text wird insgesamt recht schön umgesetzt, erweckt in mir aber ein bißchen Hochglanz-Hollywood-Assoziationen an ein tanzendes Paar im Abendkleid auf einer Terrasse eines schicken Hauses in der Upper East Side.

5. Die mäandernden Streicher zu Beginn sind toll, da hätte es die Harfe nicht gebraucht. Die Posaune schmiegt sich sehr schön an die irgendwie schillernd-dunkle Spielweise der Streicher an. Bis der Sänger anfängt ist alles gut, sehr schick, sehr teuer. Doch der Sänger klingt wie jemand, der zu viel intus hat und in einer Düne am Hafen von San Francisco hängend den Mond besingt. Ich konnte mich auch nicht der Assoziation erwehren, dass sein Gebiss irgendwie locker sitzt, das finde ich alles zu betont locker aus dem Ärmel geschüttelt, gerade weil die übrigen Musiker (bis auf den Posaunisten vielleicht) sich bemühen, gerade nicht so zu klingen. Die Musik wäre ein tolles Vehikel für Frank Sinatra gewesen, dann hätte alles nur noch geglitzert. So klingt mir das zu sehr gewollt locker.

6. Der Hall erweckt gleich unzählige Assoziationen und während des ganzen Stückes sorgt er auch dafür, dass die Töne sich irgendwie ganz toll verschlucken und biegen. Klasse finde ich, dass der Drummer erst mal auf die Base haut, bevor der Saxophonist beginnt. Keine Ahnung, wer das sein könnte. Referenzpunkt wäre Dexter Gordon, dafür klingt es aber zu wenig technisch perfekt, was manche Läufe und Ideen betrifft. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er ein klein wenig daneben spielt, was dem Ganzen aber nicht abträglich ist. Toll finde ich auch, wenn der Drummer langsam das Tempo anzieht und damit dem Saxophonisten ein wenig Feuer macht. Ab da werden die Läufe flüssiger, die Wendungen interessanter und man groovt sich schön ein. Während des ganzen Stückes lässt mich die Frage nicht los, wie es da wohl aussieht, wo die Vier spielen. Club, Aula, Tunnel, alles drin. Schade finde ich, dass der Bassist ein bisschen untergraben wird, da er nämlich ganz tolle Sachen macht, gerade wenn er gleiche Noten kurz hintereinander wiederholt greift. Das Solo des Pianisten ist wunderschön. Keine technisch anspruchsvollen Läufe oder waghalsige Tricks, sondern einfach wunderbar aus dem Ärmel geschüttelter Lyrismus, der vom Bassisten gut gespiegelt wird. Das Klaviersolo könnte ich gerne länger hören. Erinnert mich an Barry Harris oder Hank Jones, ist aber wahrscheinlich später. Mit dem zweiten Solo des Saxophonisten wird es insgesamt dissonant und er selbst spielt ziemlich schräg, was ich persönlich schade finde, da die Musik sich bis dahin wunderbar eingependelt hat.

8. Das Stück fängt ganz toll an, irgendwie ganz feinsinnig gewebt und zutiefst emotional. Der Trompeter ist irgendwie eine muskulösere Variante von Miles Davis und/oder Art Farmer. Im weiteren Verlauf bleibt der Trompeter dann auch der erfindungsreichste Spieler der Band, eigentlich fast nur unterstützt vom Saxophonisten, während ich die Rhyhtmusgruppe ein wenig unspannend empfinde. Schönes Stück, würde mich mal mehr interessieren, gerne auch ohne das Saxophon.

9. Auch dieses Stück fängt ganz toll an und macht Lust auf mehr. Das Alt-Saxophon macht dann alles zunichte. Ich hab’s einmal ganz angehört, öfter werde ich’s nicht schaffen. Es ist schade, weil der Saxophonist ganz gute Ideen hat, mich stört aber dieses fast zwanghaft auf Big Band-Swing getrimmte Ensemblespiel, dem der Solist dann so richtig mit Absicht in die Quere kommen kann.
Stellenweise ähnelt das hier den Schwierigkeiten welche ich zuweilen mit Dolphy habe, da er zwar irgendwo ganz toll und virtuos in einem Wahnsinnstempo auf dem Saxophon spielt, aber letztlich nur nervige Kraftmeierei dabei herauskommt.

11. Ich mag das, wenn der Bass als erstes zu hören ist und einen tollen Groove vorgibt. Das Schlagzeug, das danach kommt erinnert mich sehr an Roy Haynes, in der Art, wie die ganzen Becken bearbeitet werden. Dieses nervöse Suchen auf einem absolut erdigen Groove ist unheimlich spannend. Das Thema, welches der Saxophonist dann als Angelpunkt nimmt ist toll und die davon ausgehenden Exkursionen ebenso. Irgendwie passiert da immer was Neues und ich finde es klasse, wie er zum Thema zurückfindet. Das Schlagzeug-Solo erinnert mich an das von Haynes auf „Just us“. Sehr toll, wie da verschiedene Klangfarben auftauchen und trotzdem der Groove nicht vernachlässigt wird. Insgesamt habe ich diesen Track wohl am häufigsten gehört. Übrigens auch ganz schwer zu sagen, ob das noch 60er sind, wenn dann aber 68/69. Irgendwie muss die Band aber noch im Bop/Avantgardismus verwurzelt sind, das klingt nicht nach Musikern, die in den 70ern erst angefangen haben, aufzunehmen. Sonny Simmons oder Roscoe Mitchell?

15. Was soll man sagen, fällt aus dem Rahmen. Keine Ahnung wer diesen Humor haben könnte. Swingt irgendwie wie die Hölle, hat ein tolles Thema und unheimlich viel Agilität und hintersinnigen Humor. Vor allem wenn man denkt es ist schon vorbei und der Pianist dann noch einmal den schlussendlichen Abgesang vorgibt. Ich musste laut lachen, beim ersten Mal!

gypsy tail wind
01.02.2011, 16:14
und ich dachte,man sollt erst einen song hören?

Nein, alles hören, in irgendeiner Form kommentieren...

gypsy tail wind
01.02.2011, 16:31
Ich werde erstmal nur meine Eindrücke zu denjenigen Files posten, die als mp3 im Paket enthalten waren. Die anderen habe ich auf einem anderen Rechner und noch nicht oft gehört, folgen aber.
Daher Teil 1:

Entschuldige, ich war mir um die MP3 und M4A bewusst, aber dachte nicht, dass das Probleme bereiten würde... iTunes oder WinAmp, um zwei zu nennen, spielen ja beides ab. Die Musik war jedenfalls schon als "Album" konzipiert, mit einem gewissen dramatischen Aufbau etc.

Aber ist nicht weiter tragisch, ich warte umso gespannter auf Teil 2, nachdem der erste Teil schon so ausführlich geraten ist!


2. Klar, der erste Gedanke geht in Richtung Monk, aber das wäre zu einfach. Das vorgestellte Motiv erinnert sehr an diese kindliche Naivität Monk’s und sein scheinbares Danebengreifen. Wenn sich das Thema dann aber weiter entwickelt, ist es zu klar und straight für Monk. Die Gitarre verschmelzt recht schön mit der Trompete, so dass ich mir in den ersten Sekunden gar nicht sicher war, ob das nicht der Soundqualität geschuldet ist und nur die Trompete spielt. Das Thema erinnert mich ein bißchen an „What a difference a day makes“, zumindest könnte das eine interessante Variation sein.
Die Soli sind ja leider recht kurz geraten, aber den Trompeter finde ich ganz gut. Trotzdem wäre das kein Stück, welches ich unbedingt öfter hören müsste, dazu passiert mir zu wenig, bleibt die Umsetzung des Themas fast zu bieder.
Ein wilder Rateversuch wäre Art Tatum.

Ja ja, die Trompete... ;-)
Tatum ist das nicht, nein. Ob das Stück einen Bezug zu "What a Diff'rence a Day Makes" hat weiss ich nicht, muss es ja eh nochmal nachhören später!


4. Irgendwie lässt die Bläserfanfare schon vermuten, dass Gesang folgen wird. Das Stück kenne ich zumindest ohne Denkanstoß nicht, die Sängerin auch nicht. Die Musik bewegt sich fast in sehr zahmen Swing-Gefilden und ich mag diese Fill-ins des Trompeters. Auch diese schattierenden Griffe des Pianisten finde ich sehr gelungen. Fast unnötig erscheinen mir die Streicher, die das Stück etwas mehr auf Hochglanz polieren; hätte nicht sein müssen.
Zu Beginn erinnert mich die Sängerin an eine gesättigtere Billie Holiday, je mehr sie singt, desto reiner wird ihr Klang. Ich finde das Vibrato recht schön eingesetzt, sehr dezent.
Der Text wird insgesamt recht schön umgesetzt, erweckt in mir aber ein bißchen Hochglanz-Hollywood-Assoziationen an ein tanzendes Paar im Abendkleid auf einer Terrasse eines schicken Hauses in der Upper East Side.

Eine gesättigtere Holiday - kein schlechter Vergleich.
Hochglanz ist das ja...


5. Die mäandernden Streicher zu Beginn sind toll, da hätte es die Harfe nicht gebraucht. Die Posaune schmiegt sich sehr schön an die irgendwie schillernd-dunkle Spielweise der Streicher an. Bis der Sänger anfängt ist alles gut, sehr schick, sehr teuer. Doch der Sänger klingt wie jemand, der zu viel intus hat und in einer Düne am Hafen von San Francisco hängend den Mond besingt. Ich konnte mich auch nicht der Assoziation erwehren, dass sein Gebiss irgendwie locker sitzt, das finde ich alles zu betont locker aus dem Ärmel geschüttelt, gerade weil die übrigen Musiker (bis auf den Posaunisten vielleicht) sich bemühen, gerade nicht so zu klingen. Die Musik wäre ein tolles Vehikel für Frank Sinatra gewesen, dann hätte alles nur noch geglitzert. So klingt mir das zu sehr gewollt locker.

Der Sänger war wenige Jahre später tot... hatte wohl insgesamt einfach soviel intus, wie man über ein hartes Leben so intus haben kann - und genau das ist es wohl, was mich hier so anspricht. Dieses bei allem Glanz so kaputte. Aber der Song ist schon toll, nicht?


6. Der Hall erweckt gleich unzählige Assoziationen und während des ganzen Stückes sorgt er auch dafür, dass die Töne sich irgendwie ganz toll verschlucken und biegen. Klasse finde ich, dass der Drummer erst mal auf die Base haut, bevor der Saxophonist beginnt. Keine Ahnung, wer das sein könnte. Referenzpunkt wäre Dexter Gordon, dafür klingt es aber zu wenig technisch perfekt, was manche Läufe und Ideen betrifft. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er ein klein wenig daneben spielt, was dem Ganzen aber nicht abträglich ist. Toll finde ich auch, wenn der Drummer langsam das Tempo anzieht und damit dem Saxophonisten ein wenig Feuer macht. Ab da werden die Läufe flüssiger, die Wendungen interessanter und man groovt sich schön ein. Während des ganzen Stückes lässt mich die Frage nicht los, wie es da wohl aussieht, wo die Vier spielen. Club, Aula, Tunnel, alles drin. Schade finde ich, dass der Bassist ein bisschen untergraben wird, da er nämlich ganz tolle Sachen macht, gerade wenn er gleiche Noten kurz hintereinander wiederholt greift. Das Solo des Pianisten ist wunderschön. Keine technisch anspruchsvollen Läufe oder waghalsige Tricks, sondern einfach wunderbar aus dem Ärmel geschüttelter Lyrismus, der vom Bassisten gut gespiegelt wird. Das Klaviersolo könnte ich gerne länger hören. Erinnert mich an Barry Harris oder Hank Jones, ist aber wahrscheinlich später. Mit dem zweiten Solo des Saxophonisten wird es insgesamt dissonant und er selbst spielt ziemlich schräg, was ich persönlich schade finde, da die Musik sich bis dahin wunderbar eingependelt hat.

Hm, ich hab ja oben vorgarten recht gegeben, dass das Piano-Solo auch nicht so inspiriert fände... jetzt muss ich es mir gleich nochmal anhören! Der Bassist ist toll, und weil er so toll und hier so begraben ist im Hall (der wohl auch nur ein Versuch ist, das ganze noch ein wenig aufzupolieren) kommt er auch nachher nochmal ;-)


8. Das Stück fängt ganz toll an, irgendwie ganz feinsinnig gewebt und zutiefst emotional. Der Trompeter ist irgendwie eine muskulösere Variante von Miles Davis und/oder Art Farmer. Im weiteren Verlauf bleibt der Trompeter dann auch der erfindungsreichste Spieler der Band, eigentlich fast nur unterstützt vom Saxophonisten, während ich die Rhyhtmusgruppe ein wenig unspannend empfinde. Schönes Stück, würde mich mal mehr interessieren, gerne auch ohne das Saxophon.

Den Saxophonisten hier hätte ich gerne auch noch mit was eigenem dringehabt, aber ab ich hatte ja schon zwei andere (mit dem Intro und dem Solisten in #7 vier andere) drin... der Trompeter ist der Leader, der Saxophonist hält sich für seine Verhältnisse recht zurück.


9. Auch dieses Stück fängt ganz toll an und macht Lust auf mehr. Das Alt-Saxophon macht dann alles zunichte. Ich hab’s einmal ganz angehört, öfter werde ich’s nicht schaffen. Es ist schade, weil der Saxophonist ganz gute Ideen hat, mich stört aber dieses fast zwanghaft auf Big Band-Swing getrimmte Ensemblespiel, dem der Solist dann so richtig mit Absicht in die Quere kommen kann.
Stellenweise ähnelt das hier den Schwierigkeiten welche ich zuweilen mit Dolphy habe, da er zwar irgendwo ganz toll und virtuos in einem Wahnsinnstempo auf dem Saxophon spielt, aber letztlich nur nervige Kraftmeierei dabei herauskommt.

Für mich ist das einer der emotionalsten, offensten Saxophonisten, ein Lieblingsmusiker jedenfalls!
Aber ich kann verstehen, wo Du herkommst .


11. Ich mag das, wenn der Bass als erstes zu hören ist und einen tollen Groove vorgibt. Das Schlagzeug, das danach kommt erinnert mich sehr an Roy Haynes, in der Art, wie die ganzen Becken bearbeitet werden. Dieses nervöse Suchen auf einem absolut erdigen Groove ist unheimlich spannend. Das Thema, welches der Saxophonist dann als Angelpunkt nimmt ist toll und die davon ausgehenden Exkursionen ebenso. Irgendwie passiert da immer was Neues und ich finde es klasse, wie er zum Thema zurückfindet. Das Schlagzeug-Solo erinnert mich an das von Haynes auf „Just us“. Sehr toll, wie da verschiedene Klangfarben auftauchen und trotzdem der Groove nicht vernachlässigt wird. Insgesamt habe ich diesen Track wohl am häufigsten gehört. Übrigens auch ganz schwer zu sagen, ob das noch 60er sind, wenn dann aber 68/69. Irgendwie muss die Band aber noch im Bop/Avantgardismus verwurzelt sind, das klingt nicht nach Musikern, die in den 70ern erst angefangen haben, aufzunehmen. Sonny Simmons?

Freut mich zu hören, dass Dir das hier so gut gefällt! Hatte hier nämlich auch Zweifel, ob das etwas für Dich ist! Die zeitliche Einordnung ist gut... über die drei Musiker weiss ich wenig, aber ja, sie waren Ende der 60er schon mitten drin im Geschehen.
Nicht Simmons übrigens.


15. Was soll man sagen, fällt aus dem Rahmen. Keine Ahnung wer diesen Humor haben könnte. Swingt irgendwie wie die Hölle, hat ein tolles Thema und unheimlich viel Agilität und hintersinnigen Humor. Vor allem wenn man denkt es ist schon vorbei und der Pianist dann noch einmal den schlussendlichen Abgesang vorgibt. Ich musste laut lachen, beim ersten Mal!

Ja, so hör ich das auch!

katharsis
01.02.2011, 16:47
Keine Sorge, den dramatischen Aufbau habe ich insofern schon gehört, als dass ich die Files auf meinem Rechner abgespielt habe. An dem PC, an dem ich momentan sitze, um meine Sketches auszuformulieren ist allerdings nur der Media Player drauf. Daher dauern die anderen noch ein klein wenig.

Daher auch noch einmal vielen Dank, gerade auch weil Du Dir die Mühe gemacht hast, alles ineinander zu verweben und das irgendwie auch thematisch zu verschachteln.

zu 2. Mir ist die Trompete zu kurz, um da so etwas wie einen Personalstil herauszuhören; gut, da bin ich eh ziemlich schlecht drin. Auch wegen dem Pianisten habe ich sonst keine Idee, es sei denn ich fange jetzt wild zu suchen an. ;)

zu 5. Der Song an sich ist toll, ja. Nur nehme ich persönlich der Kontrast nicht so wahr, als dass daraus etwas ganz spannendes entstehen würde. Vielmehr empfinde ich den Sänger als Fremdkörper. Böse könnte ich sagen, dass ich mich als Hörer nicht ernst genommen fühle, aber so weit geht's dann auch nicht. Ich denke aber, dass das viel mit dem zu tun hat, was man über diesen Sänger und sein Leben weiß. Aus der Perspektive heraus betrachtet, hat er womöglich einen ganz anderen Esprit und Drive, kann ich mir gut vorstellen!

zu 9. Offen ist ein ganz guter Ausdruck, aber offen ist ja auch der Herr von #11. Das ist für mich etwas vollkommen unterschiedliches. Bei dem einen erkenne ich ein Ziel, ein Fundament und eine gewisse Ästhetik. Beim anderen erschließt sich mir das überhaupt nicht, das ist für mich einfach kraftstrotzendes Spiel, ohne sich um irgendwas zu scheren. Zu schnell, zu laut, zu narzisstisch. Irgendwie halte ich es da doch mit Alfred Lion, "It must schwing" und das höre ich da einfach nicht. Dazu muss ich auch wieder sagen, dass ich viele Referenzen, oder auch die tonale Entwicklung nicht nachvollziehen kann. Das trifft mich auch immer wieder im Spannungsfeld Parker - Dolphy. Dazu höre ich so einen Musiker zu isoliert.
Irgendwie klar geworden, wie ich das meine?

Bei 11 hatte ich oben übrigens noch Roscoe Mitchell ergänzt, was aber hinfällig ist.

gypsy tail wind
01.02.2011, 17:22
Nun ja, ich will zu #5 die Katze nicht aus dem Sack lassen, aber der Sänger IST die Band und IST die Musik hier...

Den Altsaxer in #6 hören wir einfach anders - ich höre ihn nicht als kraftmeiernd, mich spricht sein Spiel im Innersten an, so blöd das jetzt klingt.

katharsis
01.02.2011, 17:48
Nein, auf keinen Fall schon aufklären, ich will da auch nochmal nachgrübeln.

Bei Nr. 9 (meintest Du wohl?) wollte ich Deinen Höreindruck natürlich nicht diskreditieren, ich habe ja selbst meine Schwierigkeiten damit. Dadurch kann ich das natürlich verstehen. Vielleicht versuche ich das mal genauer aufzuschlüsseln.

gypsy tail wind
01.02.2011, 17:54
Bei Nr. 9 (meintest Du wohl?) wollte ich Deinen Höreindruck natürlich nicht diskreditieren, ich habe ja selbst meine Schwierigkeiten damit. Dadurch kann ich das natürlich verstehen. Vielleicht versuche ich das mal genauer aufzuschlüsseln.

Ja - entschuldige, ich wurde abgelenkt... wir hören das einfach ganz anders - mir geht's ja mit Freddie Hubbard etwa genau umgekehrt (aber auf "Dialogue" und "Compulsion" ist er wunderbar, siehe Hill-Thread!)

gypsy tail wind
01.02.2011, 18:30
#2 bei 2:17: das klingt für mich nach einem Standard Bebop Lick, das wohl viele Leute verwendet haben!

Zu #3: das ist kein Blues sondern ein Stück über der üblichen AABA-Form in 32 Takten - aber bluesig ist die Stimmung und soweit ich das höre die Changs in den A-Teilen. Entschuldigung für die Fehl-Info oben!

redbeansandrice
02.02.2011, 00:33
1) Ellington's Black and Tan Fantasy, offensichtlich ein Soloaltsaxophonist, und offensichtlich einer aus der Avantgarde... (merkt man natürlich allein schon am Verzicht auf eine Rhythmusgruppe) so allein vom Saxophonspielen her find ich ihn schon gut, aber als ganzes zieht die Aufnahme ein bißchen an mir vorbei, das Ellington Thema, eins seiner schönsten, ist schon das was mir hier am besten gefällt... ja, ist nett, wie er mit dem Rhythmus spielt, und ja, die Atmosphäre ist hübsch... aber letztlich wohl nichts was ich mir aus eigenem Antrieb anhören würde...

2) früher Bop, oder "SwingToBop", wobei das modernste fast das Thema selbst ist; bin mir überaschend sicher, das hier noch nicht gehört zu haben, ganz klar eins meiner Lieblingsgenres... der Trompeter ist offensichtlich noch nicht ganz im Bop angekommen, aber auf die beste Art, toller Ton, der Gitarrist ist ein früher Modernist, macht es schwer das ganze einzuordnen, denn so ein kluger Gitarrist in solch bluesbasierter Musik, und so früh... ich weiß wenig über Sachen wie die Keynote Aufnahmen von Joe Thomas - aber so stell ich sie mir im besten Fall vor... oder Bobby Hackett...

3) setzt die bluesige, late night Atmosphäre perfekt fort, auch ein ähnlich lyrischer Trompeter.. hätt jetzt naiv gedacht, wenn das nicht das gleiche ist, dann wenige Jahre später, ist ein viel modernerer Trompeter auf einem weniger modernen Thema.. aber natürlich genau mein Ding... irritiert mich, wie wenig ich das zuordnen kann... toll!

4) gut, wenn die beiden letzten Stücke die Atmosphäre nicht perfekt hierher geleitet hätten, würd ich das wohl nicht so gerne mögen... was die Sängerin betrifft, die komische Aussprache kann ich wohl tolerieren, abgesehen davon ist sie sehr prima, diesmal ein eindeutigerer Swingtrompeter dahinter...

5) komisches Leadinstrument, sollte es sich hier etwa um einen begabten Posaunisten handeln... und man kann viel jammern über sanfte Streicherteppiche und Harfen.. aber für eine Posaune sind sie eine perfekte Untermalung, viel eher als eine zackigere Rhythmusgruppe... der Sänger ist vielleicht zwei Prozent zu unflexibel und verhuscht, aber passt...

6) endlich ein Tenorist, ziemlich im Zentrum, Hawkins Schule, aber keiner von den ausladenden, wenn ich es nicht besser wüsst, würd ich vielleicht Coleman Hawkins persönlich raten... dafür ist er aber eigentlich zu sentimental, zu wenig linienorientiert (im Sinne von clevere Linien, die die Harmonie voll ausloten)... Gene Ammons ist angeberischer, Don Byas... vielleicht... jedenfalls wieder eine grandiose Liveatmosphäre... ja, vielleicht wirklich Don Byas...

7) so, jetzt sind wir zurück in der Gegenwart, jedenfalls näher dran... von der Art wie die Rhythmusgruppe wummert ist das vielleicht echt die Gegenwart, Thema klingt wie ein etwas unfokussiertes Monk Thema, den Saxophonthon mag ich sehr, aber auch hier ist mir alles ein bißchen einförmig, der endgültige sparkle fehlt mir ein bißchen... wenn John Coltrane so geklungen hätte, dann würd ich das mit dem Earl Bostic Einfluss besser verstehen... dürfte irgendwas modernes sein, vielleicht aus Europa... dafür sicherlich gelungen, da ich Bass-taub bin, ist in der zweiten Hälfte dann für mich vergleichsweise weniger zu holen, auch wenn es kompetent ausgeführt ist.. eher nicht aus Europa

8) wieder ein toller Trompetenton, näher am echten, leicht geglätteten Bop... im krassesten Fall ist das Clark Terry, glaub jedenfalls an diese Schule am ehesten Joe Wilder, vielleicht Art Farmer... für Terry vieleicht ein bißchen viel Bop drin.. toller Altist, bei dem es mich wundern würd, wenn ich ihn gut kenne, schöner samtiger und dabei hymnischer Sound, dabei ein gutes Stück nervös... der Bass spricht für eine Aufnahme aus jüngeren Jahren, das Klavier bis zu einem gewissen Grad auch... klingt so ein Howard McGhee Storyville Album?

9) Big Band, der Ensemblesound erinnert diffus an Ellington, der Saxophonist hat aber offensichtlich Dolphy und Coltrane gleichermaßen gehört, ist dabei nicht stehengeblieben... hier wüsst ich mal echt gern, was das ist, gefällt mir ausgesprochen gut... ähnliches für den Trompeter, lyrisch, technisch ein großer Könner, keine Angst, das Publikum zu überfordern...ich rat mal Randy Sandke...

10) so stell ich mit das Norman Howard ESP Album vor... zum Beispiel... sehr sehr schön, die tolle verhangene Atmosphäre wieder, aber mit anderen mitteln, am Bass darf man richtig mitmachen, der Altist erinnert auch fast an eine Violine, ich mag Free Jazz, der nicht so sehr auf Tempo gespielt ist, und gestrichene Basssoli sind ohnehin eine große Leidenschaft hier...

11) das ist jetzt ein verbindlicherer, traditionsbewussterer Altist, natürlich trotzdem ein freier, ich glaub in anderer Stimmung fänd ich das ziemlich grandios, so ist es mir ein bißchen karg, wenn man schon auf den Bass hören muss, um sicher zu sein, dass was passiert, läuft irgendwas schief... ne, das ist in dieser Form was monoton...

12) wüsst ja gern was das ist, für Ellington alles ein bißchen sauber, kein jungle sound, ist das vielleicht Bix... aber gabs da ein Altsaxophon so prominent dabei... ist vielleicht ein bißchen viel Ordnung dafür... ne, das ist mir vielleicht die meiste Zeit zu zickig, aber es hat seine Momente...

13) ja, das ist schön, natürlich vor allem wegen der (ich nehm mal an frühen) elektrischen Gitarre, das King Cole Trio Format... gesungen wird nicht, aber ist das vielleicht echt King Cole... bester Pianist bisher, und wenn es Peterson persönlich ist, tolles Hin und her zwischen Gitarre und Klavier, Gitarre hat einen richtig interessanten SOund, wenn auch nicht den schönst möglichen, und der Pianist ist bluesig und dabei flexibel...

14) zweifellos gemütlich - aber warum tut man diesen Track hierher...

15) kann ich in jeder Hinsicht mehr mit anfangen als mit 14), schwer zuzuordnen, aber was soll man hiergegen sagen.. Klavier klingt allerdings erstaunlich ähnlich...

gypsy tail wind
02.02.2011, 01:07
1) Ellington's Black and Tan Fantasy, offensichtlich ein Soloaltsaxophonist, und offensichtlich einer aus der Avantgarde... (merkt man natürlich allein schon am Verzicht auf eine Rhythmusgruppe) so allein vom Saxophonspielen her find ich ihn schon gut, aber als ganzes zieht die Aufnahme ein bißchen an mir vorbei, das Ellington Thema, eins seiner schönsten, ist schon das was mir hier am besten gefällt... ja, ist nett, wie er mit dem Rhythmus spielt, und ja, die Atmosphäre ist hübsch... aber letztlich wohl nichts was ich mir aus eigenem Antrieb anhören würde...

Kann ich nachvollziehen, was Du hierzu sagst, ja... ich wollte den Herrn unbedingt dabei haben und für mich hat diese Aufnahme schon einen gewissen Zauber. Aber eben auch dieses "auf der Kippe" sein, wo man sich fragen kann, ob das ein Dilletant ist... wie bei Braxton (der ja auch schon genannt wurde).


2) früher Bop, oder "SwingToBop", wobei das modernste fast das Thema selbst ist; bin mir überaschend sicher, das hier noch nicht gehört zu haben, ganz klar eins meiner Lieblingsgenres... der Trompeter ist offensichtlich noch nicht ganz im Bop angekommen, aber auf die beste Art, toller Ton, der Gitarrist ist ein früher Modernist, macht es schwer das ganze einzuordnen, denn so ein kluger Gitarrist in solch bluesbasierter Musik, und so früh... ich weiß wenig über Sachen wie die Keynote Aufnahmen von Joe Thomas - aber so stell ich sie mir im besten Fall vor... oder Bobby Hackett...

Hackett, Thomas, Keynote... falsche Fährte! Über den Gitarristen kann ich überigens (ausser dem Namen) gar nichts sagen. Hör Dir den Trompeter nochmal an ;-)


3) setzt die bluesige, late night Atmosphäre perfekt vor, auch ein ähnlich lyrischer Trompeter.. hätt jetzt naiv gedacht, wenn das nicht das gleiche ist, dann wenige Jahre später, ist ein viel modernerer Trompeter auf einem weniger modernen Thema.. aber natürlich genau mein Ding... irritiert mich, wie wenig ich das zuordnen kann... toll!

Was jetzt?! Wiederhören, korrekt indentifizieren!
Alles andere lass ich nicht gelten hier! :roll:


4) gut, wenn die beiden letzten Stücke die Atmosphäre nicht perfekt hierher geleitet hätten, würd ich das wohl nicht so gerne mögen... was die Sängerin betrifft, die komische Aussprache kann ich wohl tolerieren, abgesehen davon ist sie sehr prima, diesmal ein eindeutigerer Swingtrompeter dahinter...

Ja, einer der grossen Swingtrompeter... das Album und die Sängerin wurden ja bereits identifiziert (und damit eigentlich auch der Trompeter und der PIanist).


5) komisches Leadinstrument, sollte es sich hier etwa um einen begabten Posaunisten handeln... und man kann viel jammern über sanfte Streicherteppiche und Harfen.. aber für eine Posaune sind sie eine perfekte Untermalung, viel eher als eine zackigere Rhythmusgruppe... der Sänger ist vielleicht zwei Prozent zu unflexibel und verhuscht, aber passt...

Ein begabter Posaunist? Ja klar! Einer der grossen, nicht nur auf der Posaune sondern überhaupt!
Freut mich, dass Dir das Stück gefällt!


6) endlich ein Tenorist, ziemlich im Zentrum, Hawkins Schule, aber keiner von den ausladenden, wenn ich es nicht besser wüsst, würd ich vielleicht Coleman Hawkins persönlich raten... dafür ist er aber eigentlich zu sentimental, zu wenig linienorientiert (im Sinne von clevere Linien, die die Harmonie voll ausloten)... Gene Ammons ist angeberischer, Don Byas... vielleicht... jedenfalls wieder eine grandiose Liveatmosphäre... ja, vielleicht wirklich Don Byas...

Siehe Kommentare oben... Hawkins find ich jedenfalls näher als den zweimal vorgeschlagenen Dexter Gordon.


7) so, jetzt sind wir zurück in der Gegenwart, jedenfalls näher dran... von der Art wie die Rhythmusgruppe wummert ist das vielleicht echt die Gegenwart, Thema klingt wie ein etwas unfokussiertes Monk Thema, den Saxophonthon mag ich sehr, aber auch hier ist mir alles ein bißchen einförmig, der endgültige sparkle fehlt mir ein bißchen... wenn John Coltrane so geklungen hätte, dann würd ich das mit dem Earl Bostic Einfluss besser verstehen... dürfte irgendwas modernes sein, vielleicht aus Europa... dafür sicherlich gelungen, da ich Bass-taub bin, ist in der zweiten Hälfte dann für mich vergleichsweise weniger zu holen, auch wenn es kompetent ausgeführt ist.. eher nicht aus Europa

Das mit dem Bass ist schade, gerade weil das hier ein so wunderbarer Bassist ist! Aber da lässt sich wohl vorderhand nichts ändern... aus den USA ist das hier übrigens auch nicht...


8) wieder ein toller Trompetenton, näher am echten, leicht geglätteten Bop... im krassesten Fall ist das Clark Terry, glaub jedenfalls an diese Schule am ehesten Joe Wilder, vielleicht Art Farmer... für Terry vieleicht ein bißchen viel Bop drin.. toller Altist, bei dem es mich wundern würd, wenn ich ihn gut kenne, schöner samtiger und dabei hymnischer Sound, dabei ein gutes Stück nervös... der Bass spricht für eine Aufnahme aus jüngeren Jahren, das Klavier bis zu einem gewissen Grad auch... klingt so ein Howard McGhee Storyville Album?

Aber nein! Der Kommentar zum Altisten stimmt allerdings genau! :sonne:


9) Big Band, der Ensemblesound erinnert diffus an Ellington, der Saxophonist hat aber offensichtlich Dolphy und Coltrane gleichermaßen gehört, ist dabei nicht stehengeblieben... hier wüsst ich mal echt gern, was das ist, gefällt mir ausgesprochen gut... ähnliches für den Trompeter, lyrisch, technisch ein großer Könner, keine Angst, das Publikum zu überfordern...ich rat mal Randy Sandke...

Nicht Sandke, nicht USA - und das freut mich wirklich sehr, dass Dir dieses Stück gefällt!


10) so stell ich mit das Norman Howard ESP Album vor... zum Beispiel... sehr sehr schön, die tolle verhangene Atmosphäre wieder, aber mit anderen mitteln, am Bass darf man richtig mitmachen, der Altist erinnert auch fast an eine Violine, ich mag Free Jazz, der nicht so sehr auf Tempo gespielt ist, und gestrichene Basssoli sind ohnehin eine große Leidenschaft hier...

Da stellst Du Dir genau das Richtige vor (nur dass das hier nicht auf der CD zu finden ist) :party:


11) das ist jetzt ein verbindlicherer, traditionsbewussterer Altist, natürlich trotzdem ein freier, ich glaub in anderer Stimmung fänd ich das ziemlich grandios, so ist es mir ein bißchen karg, wenn man schon auf den Bass hören muss, um sicher zu sein, dass was passiert, läuft irgendwas schief... ne, das ist in dieser Form was monoton...

Dann wart ich mal auf die andere Stimmung...


12) wüsst ja gern was das ist, für Ellington alles ein bißchen sauber, kein jungle sound, ist das vielleicht Bix... aber gabs da ein Altsaxophon so prominent dabei... ist vielleicht ein bißchen viel Ordnung dafür... ne, das ist mir vielleicht die meiste Zeit zu zickig, aber es hat seine Momente...

Nicht Ellington, nicht Bix... nicht auf die doch etwas einfach gestrickten (aber zugegenermassen wunderbaren) Jungle Sounds aus, und sehr viel lebendiger als Bix!
Was mich hier - neben dem unbändigen Trompetenspiel - so umhaut ist der unglaubliche Drive, den man hier antrifft... das kenn ich aus jener Zeit kaum und erst recht nicht mit einem so tollen Kontrabass!


13) ja, das ist schön, natürlich vor allem wegen der (ich nehm mal an frühen) elektrischen Gitarre, das King Cole Trio Format... gesungen wird nicht, aber ist das vielleicht echt King Cole... bester Pianist bisher, und wenn es Peterson persönlich ist, tolles Hin und her zwischen Gitarre und Klavier, Gitarre hat einen richtig interessanten SOund, wenn auch nicht den schönst möglichen, und der Pianist ist bluesig und dabei flexibel...

Nicht Cole... nicht Peterson, kein Bass, daher auch nicht ganz das Cole-Format.
Ich weiss leider nicht einmal, von wann diese Aufnahme stammt, nur wer die beiden sind.


14) zweifellos gemütlich - aber warum tut man diesen Track hierher...

Weil man einen schönen Abschluss will...


15) kann ich in jeder Hinsicht mehr mit anfangen als mit 14), schwer zuzuordnen, aber was soll man hiergegen sagen.. Klavier klingt allerdings erstaunlich ähnlich...

... den man dann nochmal rasch ironisch bricht? (Gebe allerdings zu, dass ich mit dem Abschluss der Abfolge nicht ganz so zufrieden bin wie mit dem Anfang, der bewusst so gehalten ist, dass es erst nach einigen Stücken mal so richtig kracht... und auch der endlich ein Tenorsaxophonist ist noch verhältnismässig ruhig...)

Danke Dir für die spannenden Rückmeldungen! #3 muss aber schon noch werden...

redbeansandrice
02.02.2011, 01:12
Ist #3 Fruscella in Brooklyn 1952? (Platte erst zweimal gehört, könnt natürlich passen, aber irgendwas hielt mich ab, muss nochmal nachhören...)

gypsy tail wind
02.02.2011, 01:18
Ist #3 Fruscella in Brooklyn 1952? (Platte erst zweimal gehört, könnt natürlich passen, aber irgendwas hielt mich ab, muss nochmal nachhören...)

;-)

redbeansandrice
02.02.2011, 11:18
;-)

:-) gute Gelegenheit sie wieder auszupacken... keine Ahnung ob Gene DiNovi ähnlich wie Mal Waldron klingt... weiß gar nicht, gibt ja fast keine "richtigen" Jazz-Sessions von ihm sonst, oder? (außer einer mit Lester Young, sowas...) wär aber geneigt, vorgarten zuzustimmen, dass Blue Lester eine diffuse Ähnlichkeit mit Dear Old Stockholm hat, definitiv etwas volksliedhaftes, zumindest in dieser Version... ist wirklich eine tolle CD, eine von denen, wo es genau richtig ist, wenn im Hintergrund der Hund bellt...

vorgarten
02.02.2011, 11:46
ist wirklich eine tolle CD, eine von denen, wo es genau richtig ist, wenn im Hintergrund der Hund bellt...

das ist ja echt eine überraschung - ich habe vor kurzem überhaupt zum ersten mal was von fruscella gehört, nämlich I'LL BE SEEING YOU auf diesem gilles-peterson-mix (http://www.gillespetersonworldwide.com/2010/08/gilles-peterson-worldwide-vol-3-no-10-gilles-summer-jazz-mix/). hat sofort gezündet und hier gleich wieder. könnt ihr mir eine schnelle cd-empfehlung aussprechen, bei dem etwas undurchsichtigen zeug, was ich im netz so finde?

redbeansandrice
02.02.2011, 11:59
die sinnvollste Anschaffung ist wohl diese 4CD Box (http://www.amazon.de/Complete-Works-Tony-Fruscella/dp/B00004LMQY/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1296643916&sr=8-1), die sein Atlantic Album (I'll be seeing you), eine CD mit diversen kurzen Studio Sessions, eine CD Live at the Open Door und eine CD mit diversen Live Sessions enthält. (Jeweils inklusive Sideman Sachen mit Stan Getz.) Dort hat man dann alles, was irgendwie veröffentlicht wurde, mit zwei Ausnahmen:
- Die "Brooklyn Jam 1952" CD, von der #3 stammt, die verkauft (http://4npc.com/genedinovi/page6/page6.html) unter anderem Gene DiNovi persönlich...
- Ein Charlie Parker Bootleg (auf dem Parker selbst nicht spielt, sondern stattdessen Dave Schildkraut...), von der ich nicht weiß, wie man sie im Moment findet...

wenn du kleiner anfangen willst, kannst du auch erstmal nur das Atlantic Album kaufen (link (http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Dpopular&field-keywords=tony+fruscella&x=0&y=0)), der Rest des Sets ist auch einzeln bei Jazz Factory erschienen (Pernod, Tony's Blues und (am besten) At The Open Door), wenn man sie so kauft, sollt es keine Überschneidungen geben...

Daneben gibt es offenbar noch bis zu fünf Tapes, nämlich sein zweites unveröffentlichtes Atlantic Album, einen Livemitschnitt mit Stan Getz, einer mit Don Joseph, einer mit Gerry Mulligan aus Newport 1954 und irgendwas aus Eugene W Smith's Jazzloft Project Tapes - aber die hab ich leider alle noch nicht gehört... und hab keine Ahnung, wo man sie findet... ein längerer post zu Fruscella ist seit Jahren in Arbeit... ;-)
Diskografie (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Fruscella/tf-disc.htm)

gypsy tail wind
02.02.2011, 12:16
Ja, grosse Empfehlung für die 4CD-Box - schon wegen dem Atlantic-Album (das sonst einzeln als CD in der "Atlantic Original Sound" Reihe greifbar ist) und den Open Door-Aufnahmen (die wären glaub ich bei Spotlite in UK zu finden - ich hab jedenfalls die LP von dem Teil mit Brew Moore).

vorgarten
02.02.2011, 12:23
Ja, grosse Empfehlung für die 4CD-Box
bestellt. vielen dank.

redbeansandrice
02.02.2011, 12:23
Ja, grosse Empfehlung für die 4CD-Box - schon wegen dem Atlantic-Album (das sonst einzeln als CD in der "Atlantic Original Sound" Reihe greifbar ist) und den Open Door-Aufnahmen (die wären glaub ich bei Spotlite in UK zu finden - ich hab jedenfalls die LP von dem Teil mit Brew Moore).

auf Vinyl gibt es das Atlantic Album und dann zwei Alben von Spotlite, "Debut", das die erste Session mit Chick Maures und den Teil der Open Door Aufnahmen ohne Moore enthält und "Fru'n'Brew", das den Rest der Open Door Sessions enthält... der Rest ist auf diverse Compilations verteilt... (oder halt bloß auf CD erschienen)

redbeansandrice
02.02.2011, 15:23
hab jetzt das Album hinter #5 zweimal durchgehört - ganz ganz große Klasse, nichts was ich normalerweise gesucht hätte - schon einmal besten Dank dafür...

gypsy tail wind
02.02.2011, 15:54
hab jetzt das Album hinter #5 zweimal durchgehört - ganz ganz große Klasse, nichts was ich normalerweise gesucht hätte - schon einmal besten Dank dafür...

Fruscellas "Brooklyn Jam 1952" meinst Du?

redbeansandrice
02.02.2011, 16:37
Fruscellas "Brooklyn Jam 1952" meinst Du?

ne, ..... .... .. .. von .... ......... (lass das mal offen, da nicht richtig erraten...)

lotterlotta
02.02.2011, 18:27
die fruscella box dürfte ausverkauft sein, der preis bei amzon.de deutet auf karteileiche, in den usa gibts das teil nur noch über marketplace für um die 70$, bei ebay im direktkauf für 45$ bei 12 $ versand, ebenso die at the open door bei amzon.com, lange lieferzeiten und teilweise überzogene preise.......

das atlantic album hab ich bei jpc bestellt, die pernod und tony's blues sind dort ebenfalls noch gelistet, ebenso die the unique tonySblues live die auch bestandteil der box ist. preise 9,99-18,99€.....

redbeansandrice
02.02.2011, 18:37
die fruscella box dürfte ausverkauft sein, der preis bei amzon.de deutet auf karteileiche, in den usa gibts das teil nur noch über marketplace für um die 70$, bei ebay im direktkauf für 45$ bei 12 $ versand, ebenso die at the open door bei amzon.com, lange lieferzeiten und teilweise überzogene preise.......

das atlantic album hab ich bei jpc bestellt, die pernod und tony's blues sind dort ebenfalls noch gelistet, ebenso die the unique tonySblues live die auch bestandteil der box ist. preise 9,99-18,99€.....

sieht wohl leider aus, als hättest du recht.. dann ist der Weg wohl erst das Atlantic Album, dann Pernod (http://www.amazon.de/Pernod-Tony-Fruscella/dp/B00003L26W/ref=sr_1_9?s=music&ie=UTF8&qid=1296668008&sr=1-9) und Tony's Blues (http://www.amazon.de/TonyS-Blues-Tony-Fruscella/dp/B00003L26X/ref=sr_1_8?s=music&ie=UTF8&qid=1296668008&sr=1-8) (gibt noch diese hier (http://www.amazon.de/TonyS-Blues-Tony-Fruscella/dp/B000050RQ0/ref=sr_1_6?s=music&ie=UTF8&qid=1296668008&sr=1-6), die enthält eine Teilmenge der beiden und es gibt keine passende Ergänzung) und die Live At The Open Door irgendwann, wenn sie mal günstig auftaucht... vielleicht gibt es ja auch irgendwann die vor vielen Jahren aufgegebene erweiterte Ausgabe von Live At The Open Door von Uptown - wurde auf Eis gelegt, nachdem diese Bootlegs herauskamen... aufgenommen hat die Session übrigens der junge Paul Haines (of Escalator Over The Hill fame)

wann lesen wir denn deine Einschätzungen?

katharsis
02.02.2011, 19:07
Oh ja, das Atlantic-Album habe ich schon seit einiger Zeit auf der Liste, da bin ich sehr gespannt. Die "Open Door" Sessions sind wirklich sehr toll, auch wenn ich mir immer noch schwer tue, Fruscella irgendwo einzusortieren. allmusic legt ja Chet Baker nahe, was ich aber nicht unbedingt immer auch so finde.
Schade ist, dass er schon recht bald zu spielen aufgehört hatte. Bis zu seinem Tod hätte da noch einiges tolles kommen dürfen!

gypsy tail wind
02.02.2011, 19:13
Oh ja, das Atlantic-Album habe ich schon seit einiger Zeit auf der Liste, da bin ich sehr gespannt. Die "Open Door" Sessions sind wirklich sehr toll, auch wenn ich mir immer noch schwer tue, Fruscella irgendwo einzusortieren. allmusic legt ja Chet Baker nahe, was ich aber nicht unbedingt immer auch so finde.
Schade ist, dass er schon recht bald zu spielen aufgehört hatte. Bis zu seinem Tod hätte da noch einiges tolles kommen dürfen!

Fruscella gehört halt zu diesen NY Cool Trompetern (Don Joseph, Don Ferrara und so wären andere).
Die gehören nirgendwo dazu, das war vielleicht so eine Art lokale Szene aus NYC (wie diejenige von Tina Brooks und Oliver Beener auch eine lokale NYC Szene war, aber eine völlig andere). Ferrara taucht ja bei Mulligan und Konitz auf, Mulligan ist auch gar keine schlechte Referenz finde ich, der kommt ja auch von der Ostküste. Ich hab das im Trompeten-Thread entsprechend zu gruppieren versucht (und das redbeans'sche Gütesiegel dafür gekriegt).

lotterlotta
02.02.2011, 19:36
zur compi

tolle idee, schöner mix, brown ist klasse, auf welchem album ist das ?

zu 2. aufnahmequalität verleidet mir das doch interessante stück, könnte der pianist fats waller sein?

zu 3. trompete hat mich zum kauf von fruscella bewegt, sollte morgen ankommen....

zu 4. anfangs auch assoziation zu holiday gehabt wohlwissend das sie es nicht ist.... sängerinnen und sänger bin ich noch nicht so bewandert daher kann ich mit

5. auch nicht wirklich etwas anfangen, zu beginn des stückes gesangmäßig auf frank sinatra gewartet, der hätte das stück für mich packender gemacht

zu 6. hier hatte ich sofort eine assoziation zu einem europäer, klingt wie ein illegaler mitschnitt eines livekonzertes von Stefano di Battista, lieg aber bestimmt meilenweit und jahrzehnte daneben soll ja ein vergessener saxist sein, bunky green wär ne idee

zu7. passt mir nicht zusammen, zu gewollt, erinnert mich von der struktur her stark an steve coleman

zu8. toller einstieg mit der trompete....feines zusammenspiel wobei mir der bass etwas zu stark untergeht

zu9. zu bigband- mäßig, das sax passt nicht wirklich dazu mir teilweise zu dissonant, würd ich gern mal ohne das dahinter hören

10+11 bei beiden assoziationen zum aec gehabt, bin gespannt wer das nun tatsächlich ist, gefallen mir beide, wobei der bass auf 11 und das sax lust auf mehr machen, 11 kommt mir bekannt vor, kann es aber nicht unterbringen...... mit der stärkste track

12.......keine idee, Ellington-Umfeld, Williams,Stewart, Bigard &Hodges vielleicht.......

13. der einzige ausfall für mich klavier und gitarre zusammen now way...... skip

14. tolles äußerst gefühlvolles durch pausen geprägtes stück, könnte count basie oder sonstwer aus der richtung sein, wirklich null ahnung, hätt ich gern...... und passt sehr wohl hier hin damit es dann in der

15. nochmals richtig kracht, super finale furioso, kommt mir auch bekannt vor.......

vorgarten
02.02.2011, 19:46
zu7. passt mir nicht zusammen, zu gewollt, erinnert mich von der struktur her stark an steve coleman

???
wofür der arme steve coleman immer herhalten muss, nur weil er einen konzeptionellen zugang hat (der er dann meist gar nicht konzeptionell einlöst)... solche postbop-nummern hat er höchstselten mal (mit dave holland zusammen) gespielt.

gypsy tail wind
02.02.2011, 19:47
zur compi

tolle idee, schöner mix, brown ist klasse, auf welchem album ist das ?

Danke für Deine Rückmeldungen! Das Stück von Brown ist unveröffentlicht...


zu 2. aufnahmequalität verleidet mir das doch interessante stück, könnte der pianist fats waller sein?

An die Aufnahmequalität gewöhnt man sich schnell, wenn man frühen Jazz (und Bootlegs) hört... nicht Waller, nein - so alt ist das hier nicht, die Einordnung zwischen Swing und Bop wurde oben ja schon gemacht!


zu 3. trompete hat mich zum kauf von fruscella bewegt, sollte morgen ankommen....

:sonne:


5. auch nicht wirklich etwas anfangen, zu beginn des stückes gesangmäßig auf frank sinatra gewartet, der hätte das stück für mich packender gemacht

Aber nein! Mit Sinatra wäre das nie so abgehangen rausgekommen... dass man stets denkt, der Herr hier verliere gleich sein Gebiss gehört für mich zur Faszination dazu ;-)


zu 6. hier hatte ich sofort eine assoziation zu einem europäer, klingt wie ein illegaler mitschnitt eines livekonzertes von Stefano di Battista, lieg aber bestimmt meilenweit und jahrzehnte daneben soll ja ein vergessener saxist sein, bunky green wär ne idee

Aber aber, das hier ist doch ein Tenorsax!
Meilenweit, naja, aber Jahrzehnte daneben schon, ja... der Battista war noch nicht mal angedacht, als das hier aufgenommen wurde ;-)


zu7. passt mir nicht zusammen, zu gewollt, erinnert mich von der struktur her stark an steve coleman

Interessant... höre ich überhaupt keinen Bezug (und gefällt mir natürlich enorm, das Stück, sonst wär's ja nicht hier drauf).


zu8. toller einstieg mit der trompete....feines zusammenspiel wobei mir der bass etwas zu stark untergeht

Ja, ganz feine Sache!


zu9. zu bigband- mäßig, das sax passt nicht wirklich dazu mir teilweise zu dissonant, würd ich gern mal ohne das dahinter hören

Kriegst Du dann einen Tip dazu, wenn die Auflösung kommt (oder jemand hier den richtigen Tip abgibt!)


10+11 bei beiden assoziationen zum aec gehabt, bin gespannt wer das nun tatsächlich ist, gefallen mir beide, wobei der bass auf 11 und das sax lust auf mehr machen, 11 kommt mir bekannt vor, kann es aber nicht unterbringen...... mit der stärkste track

Ja, beide sind in etwa zeitgleich wie die frühen AEC-Sachen entstanden - interessant, dass Dir #7 nicht gefällt und #11 schon - ich finde die beiden eigentlich gar nicht so unähnlich.


12.......keine idee, Ellington-Umfeld, Williams,Stewart, Bigard &Hodges vielleicht.......

Nö... :-)


13. der einzige ausfall für mich klavier und gitarre zusammen now way...... skip

Hab ich mittlerweile gerne, diese Kombination (ob mit oder ohne Bass/Drums dazu) - musste aber auch heranreifen (abgesehen von Nat "King" Cole Trio und den frühen Ahmad Jamal Sessions, die ich schon immer mochte).


14. tolles äußerst gefühlvolles durch pausen geprägtes stück, könnte count basie oder sonstwer aus der richtung sein, wirklich null ahnung, hätt ich gern...... und passt sehr wohl hier hin damit es dann in der

15. nochmals richtig kracht, super finale furioso, kommt mir auch bekannt vor.......

Ja... würde mich nicht wundern, wenn Du #15 auch irgendwo hättest... wer weiss.
#14 ist nicht Basie übrigens, aber ein Zeitgenosse von ihm...

redbeansandrice
02.02.2011, 20:17
Oh ja, das Atlantic-Album habe ich schon seit einiger Zeit auf der Liste, da bin ich sehr gespannt. Die "Open Door" Sessions sind wirklich sehr toll, auch wenn ich mir immer noch schwer tue, Fruscella irgendwo einzusortieren. allmusic legt ja Chet Baker nahe, was ich aber nicht unbedingt immer auch so finde.
Schade ist, dass er schon recht bald zu spielen aufgehört hatte. Bis zu seinem Tod hätte da noch einiges tolles kommen dürfen!

Fruscella hat als seine Lieblingstrompeter Phil Sunkel, Don Joseph und Joe Thomas angegeben... desweiteren "I have no influences whatsoever and if you ever say bebop i'll kill you." (von hier (http://news.google.com/newspapers?id=6m8QAAAAIBAJ&sjid=LIwDAAAAIBAJ&pg=7155,2302968&dq=tony-fruscella&hl=en))

gypsy tail wind
02.02.2011, 20:20
Fruscella hat als seine Lieblingstrompeter Phil Sunkel, Don Joseph und Joe Thomas angegeben... desweiteren "I have no influences whatsoever and if you ever say bebop i'll kill you." (von hier (http://news.google.com/newspapers?id=6m8QAAAAIBAJ&sjid=LIwDAAAAIBAJ&pg=7155,2302968&dq=tony-fruscella&hl=en))

Sunkel gehört ja auch in die NYC-Cool-Gruppe, oder?
Wie steht's denn um Dick Collins? Werd nachher die neu angekomene "Horn of Plenty" mal anhören.

Joe Thomas ist eine interessante Nennung... ein toller aber eher unbekannter Trompeter aus der Swing-Ära, der u.a. mit Coleman Hawkins oder auf mehreren HRS Sessions (auch einer als Leader) zu hören ist, und auf dessen zwei Dritteln des Atlantic-Albums "Mainstream" (vier Stücke von Joe Thomas, zwei von Vic Dickenson) auch Herbie Nichols am Piano sitzt.

Und wieder mal als Beweis dafür, dass alles mit allem zusammenhängt: habe heute für einen Kollegen bei Priceminister das einzige bezahlbare gebrauchte Exemplar von Nichols' Blue Note 3CD-Set bestellt und höre das auch grad derzeit!

redbeansandrice
02.02.2011, 20:37
Sunkel gehört ja auch in die NYC-Cool-Gruppe, oder?


ja, der dritte im Bunde von Joseph und Fruscella, aber offenbar etwas weniger der verlorene Trompetenheld, hat als einziger der drei gleich zwei Alben aufgenommen, regelmäßiger in irgendwelchen Trompetensätzen gesessen (zB bei Gil Evans) und auch viel arrangiert (zB das Fruscella Atlantic Album...); ist auch nicht ganz soo originell wie Fruscella (samples (http://www.amazon.de/Phil-Sunkels-Jazz-Band/dp/B002G0ZYBC/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1296675126&sr=8-1))



Wie steht's denn um Dick Collins? Werd nachher die neu angekomene "Horn of Plenty" mal anhören.


der ist natürlich aus San Francisco... aber ein guter Mann, die Alben sind dir vermutlich zu glatt, ich mag sie sehr... ich hab mir zum Thema übrigens grad das hier (http://www.freshsoundrecords.com/cool_gabriels-cd-3843.html) bestellt...

vorgarten
02.02.2011, 20:41
noch so eine idee - könnte unter den vielen nicht erratenen altsaxophonisten noah howard gewesen sein?

gypsy tail wind
02.02.2011, 20:52
ja, der dritte im Bunde von Joseph und Fruscella, aber offenbar etwas weniger der verlorene Trompetenheld, hat als einziger der drei gleich zwei Alben aufgenommen, regelmäßiger in irgendwelchen Trompetensätzen gesessen (zB bei Gil Evans) und auch viel arrangiert (zB das Fruscella Atlantic Album...); ist auch nicht ganz soo originell wie Fruscella (samples (http://www.amazon.de/Phil-Sunkels-Jazz-Band/dp/B002G0ZYBC/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1296675126&sr=8-1))

der ist natürlich aus San Francisco... aber ein guter Mann, die Alben sind dir vermutlich zu glatt, ich mag sie sehr... ich hab mir zum Thema übrigens grad das hier (http://www.freshsoundrecords.com/cool_gabriels-cd-3843.html) bestellt...

Ach ja, klar - San Francisco!
Das Album, das unter Nat Pierce's Namen erschienen ist, hab ich gleich doppelt (auf dem Vogue und dem Fantasy Twofer)... wieso meinst Du, das könnte mir zu glatt sein? Bin jetzt bei "Angel Eyes" - und wer immer dieses tolle Stück spielt hat bei mir schon mal einen gut ;-)

Bei den Gabriels überrascht mich Conte Candoli ein wenig... hätte wenn, dann eher Jack Sheldon erwartet!
Hab heute beide auf den GNP Sessions von Frank Morgan gehört... Candoli hatte ja schon recht krasse Big Band Chops, gefällt mir aber gut... Sheldon halte ich wohl neben Baker für den tollsten West Coast Trompeter (kann aber sein, dass mir grad jemand anderes entfallen ist... Dupree Bolton oder Gerald Wilson gehören aber nicht in die Kategorie sondern in die "Black California", wo man - bei Bedarf - auch Joe Gordon, der aus Boston stammte, einordnen könnte).



noch so eine idee - könnte unter den vielen nicht erratenen altsaxophonisten noah howard gewesen sein?

Gute Idee... wie den ebenso kürzlich verstorbenen Marion Brown wollte ich ihn ursprünglich drinhaben (mit einem Stück von Ric Colbecks Album), ist dann aber am Ende bei der letzten Auswahl rausgefallen.

redbeansandrice
02.02.2011, 21:19
Ach ja, klar - San Francisco!
Das Album, das unter Nat Pierce's Namen erschienen ist, hab ich gleich doppelt (auf dem Vogue und dem Fantasy Twofer)... wieso meinst Du, das könnte mir zu glatt sein? Bin jetzt bei "Angel Eyes" - und wer immer dieses tolle Stück spielt hat bei mir schon mal einen gut ;-)

Bei den Gabriels überrascht mich Conte Candoli ein wenig... hätte wenn, dann eher Jack Sheldon erwartet!
Hab heute beide auf den GNP Sessions von Frank Morgan gehört... Candoli hatte ja schon recht krasse Big Band Chops, gefällt mir aber gut... Sheldon halte ich wohl neben Baker für den tollsten West Coast Trompeter (kann aber sein, dass mir grad jemand anderes entfallen ist... Dupree Bolton oder Gerald Wilson gehören aber nicht in die Kategorie sondern in die "Black California", wo man - bei Bedarf - auch Joe Gordon, der aus Boston stammte, einordnen könnte).


Nick Travis ist ein ähnlicher Fall wie Candoli... an der Westküste könnt man noch Don Fagerquist, Stu Williamson oder Shorty Rogers mögen, ich würd wohl auch Sheldon an Nr 2 setzen... ich dachte wegen der etwas glatten RCA Produktion könntest du die Nase rümpfen, ist halt kein Zufall, dass Jack Kerouac Fruscella und Joseph erwähnt und nicht Collins... (also, das liegt nicht nur an NY vs SF), die beiden Alben auf dem Fantasy Twofer sind schon etwas anders (aber ich find sie eher schlechter)

gypsy tail wind
02.02.2011, 21:29
Nick Travis ist ein ähnlicher Fall wie Candoli... an der Westküste könnt man noch Don Fagerquist, Stu Williamson oder Shorty Rogers mögen, ich würd wohl auch Sheldon an Nr 2 setzen... ich dachte wegen der etwas glatten RCA Produktion könntest du die Nase rümpfen, ist halt kein Zufall, dass Jack Kerouac Fruscella und Joseph erwähnt und nicht Collins... (also, das liegt nicht nur an NY vs SF), die beiden Alben auf dem Fantasy Twofer sind schon etwas anders (aber ich find sie eher schlechter)

Travis mit Mulligan ist sehr toll!

Rogers hab ich vergessen ja, kenn ich aber noch nicht so gut, und bisher bleibt Sheldon #2 (#3 wäre dann wohl Candoli oder Williamson, vielleicht auch Fagerquist... das ist wohl dann stimmungsabhängig).

Die glatte RCA-Produktion... glaub die kommt bei Basie/NYC/Studio-Bands mehr zum tragen als hier, wo ja doch eine Band extra zusammengestellt wurde (na ja, eine Teilmenge von Woody Hermans Band gezielt ausgewählt trifft's wohl eher). Die sind zu gut, als dass sie sich von der Produktion zu stark einengen liessen! Hab mich jetzt gar nicht recht auf die Tenorsoli geachtet... wechseln sich Perkins, Cohn und Hafer ab oder übernimmt einer von ihnen die Soli?

Ich leg jetzt die "Mainstream" auf (bzw schieb sie rein)... Thomas wegen.

redbeansandrice
02.02.2011, 21:42
bei King Richard the Swinghearted wechseln sich die Solisten sehr paritätisch ab und es steht alles genau im Booklet - die Horn of Plenty hab ich nicht richtig...

gypsy tail wind
02.02.2011, 21:47
bei King Richard the Swinghearted wechseln sich die Solisten sehr paritätisch ab und es steht alles genau im Booklet - die Horn of Plenty hab ich nicht richtig...

Ok, dann muss ich wohl selber mal die Liner Notes anschauen ;-)
Mir ist momentan nicht so nach lesen, nur nach hören... Thomas läuft jetzt, aber der zweite Trompeter, Johnny Letman, kriegt ja die Hälfte der Solos! War mir gar nicht mehr bewusst... ebensowenig, wie mir noch bewusst war, dass Hal Singer auf den beiden Dickenson Stücken mitspielt (sein buddy Buck Clayton ebenso).

redbeansandrice
02.02.2011, 21:55
Ok, dann muss ich wohl selber mal die Liner Notes anschauen ;-)
Mir ist momentan nicht so nach lesen, nur nach hören...


während andere immer noch im Büro sitzen und drauf warten, dass sie endlich Lust haben zu arbeiten... in diesem Sinne, schöner Text über Fruscella (http://www.pennilesspress.co.uk/prose/names_of_the_forgotten.htm), wollt auch eigentlich den Blindfoldtest nochmal nacharbeiten, aber der ist zu Hause...

lotterlotta
03.02.2011, 19:33
zu 6.
ist der vergessene tenorsax-spieler ein europäer?

zu1.
wie kommt man an unveröffentliche solos die so toll sind?????? mir ein rätsel

zu 12.
deinem smile entnehm ich, dass ich mit dem gedanken "band in a band" nicht so daneben liege.......

zu 2.
mit dem sound hab ich echt ein problem. hab von meinem sohn zu weihnachten eine swingbox mit 10 stunden musik bekommen wo etliche perlen drin schlummern, woody herman, fletcher henderson , lionel hampton, coleman hawkins, count basie und vieles mehr, bin noch nicht über cd2 hinaus gekommen...... ist der track vielleicht von einem der drei zuerst genannten?

redbeansandrice
03.02.2011, 20:51
zu 6.
ist der vergessene tenorsax-spieler ein europäer?


an sich denk ich, die Strategie müsst sein, es über den Schlagzeuger einzugrenzen - da ich solche Feinheiten nicht höre: mag wer sich versuchen? ich stell mal Kenny Clarke in den Raum (das würd dann auch für viele Europäer Platz schaffen, auch wenn ich das irgendwie nicht so ganz glaube...)

redbeansandrice
03.02.2011, 21:20
ach so, was 1. betrifft, nehm ich mal an gypsy hat sie von dimeadozen, aber wenn man ein bißchen nach Marion Brown und Black And Tan Fantasy sucht...

redbeansandrice
03.02.2011, 22:52
so lange gegoogelt, bis ich die nr 6 hatte... (gefühlt) nie gehört den Namen des Saxophonisten, und New York 1952 war völlig falsch... trotzdem keine Europäer... hatte das Ding irgendwo in dem Teil meiner imaginären EInkaufsliste, den ich ohnehin nie erreiche... (anders gesagt, der Tenorist ist nicht der Chef...), aber dass es das ist hätt ich in hundert Jahren nicht erwartet...

gypsy tail wind
04.02.2011, 01:03
zu1.
wie kommt man an unveröffentliche solos die so toll sind?????? mir ein rätsel


ach so, was 1. betrifft, nehm ich mal an gypsy hat sie von dimeadozen, aber wenn man ein bißchen nach Marion Brown und Black And Tan Fantasy sucht...

Nein, in diesem Fall ein ganz altmodischer Trade... :-)
Aus einer ehrwürdigen amerikanischen Universitätsstadt stammt diese Aufnahme, wie Herr Andrice mittlerweile wohl weiss!


zu 12.
deinem smile entnehm ich, dass ich mit dem gedanken "band in a band" nicht so daneben liege.......

Doch! Entschuldige - der Smiley war für einmal nicht als Sprachersatz gedacht sondern bloss als Zeichen, dass ich nicht etwa spöttisch rüberkommen wollte!


zu 2.
mit dem sound hab ich echt ein problem. hab von meinem sohn zu weihnachten eine swingbox mit 10 stunden musik bekommen wo etliche perlen drin schlummern, woody herman, fletcher henderson , lionel hampton, coleman hawkins, count basie und vieles mehr, bin noch nicht über cd2 hinaus gekommen...... ist der track vielleicht von einem der drei zuerst genannten?

Nein, wobei der viertgenannte sich hie und da in ähnlichen Swing-to-Bop Gefilden bewegt hat, aber Tenorsax gibt's hier ja nicht (und auch keinen direkten Bezug von ihm zu den Leuten in #2)



zu 6.
ist der vergessene tenorsax-spieler ein europäer?


an sich denk ich, die Strategie müsst sein, es über den Schlagzeuger einzugrenzen - da ich solche Feinheiten nicht höre: mag wer sich versuchen? ich stell mal Kenny Clarke in den Raum (das würd dann auch für viele Europäer Platz schaffen, auch wenn ich das irgendwie nicht so ganz glaube...)


so lange gegoogelt, bis ich die nr 6 hatte... (gefühlt) nie gehört den Namen des Saxophonisten, und New York 1952 war völlig falsch... trotzdem keine Europäer... hatte das Ding irgendwo in dem Teil meiner imaginären EInkaufsliste, den ich ohnehin nie erreiche... (anders gesagt, der Tenorist ist nicht der Chef...), aber dass es das ist hätt ich in hundert Jahren nicht erwartet...

Genau - kein Europäer!
Und bitte nicht verraten, redbeans!

vorgarten
04.02.2011, 03:12
Und bitte nicht verraten, redbeans!
wieso denn nicht? bzw. was soll denn hier noch kommen? ich für meinen teil warten sehnlichst auf die auflösung von 6, 7 und 11. und werfe mal den namen johnny dyani in den raum...?

gypsy tail wind
04.02.2011, 09:05
wieso denn nicht? bzw. was soll denn hier noch kommen? ich für meinen teil warten sehnlichst auf die auflösung von 6, 7 und 11. und werfe mal den namen johnny dyani in den raum...?

Ich hoffe noch auf ein paar weitere Rückmeldungen!

Und ja, Dyani ist hier zu hören... :sonne:

Light of Love
06.02.2011, 19:24
Danke, gypsy, für die Durchführung dieses Tests und für die Zusammenstellung. Es sind ein paar schöne Anregungen für mich dabei, was mir, da ich jetzt nach einer Pause wieder etwas mehr Jazz höre, sehr gelegen kommt. Erkannt habe ich natürlich nichts.

1. Nur ein Saxophon und der beste Track. Das ist eine schöne Entdeckung!
(edit: Marion Brown also. Den kenne ich bislang nur von seinem Beitrag auf "Ascension".)
4. Weiß nicht. Fängt gut an mit der Trompete, aber der Gesang tangiert mich recht wenig. Vokal-Jazz bzw. Jazz-Sängerinnen müssten mich eigentlich interessieren, aber bislang habe ich da keinen Draht zu gefunden und es auch nicht wirklich versucht (vielleicht ist die Schlagerkonkurrenz zu groß). Song gegoogelt: "Street Of Dreams", könnte mir in einer anderen Version vielleicht besser gefallen.
5. Nein. Das Genuschel des Sängers geht mir auf den Keks, und ich glaube, ich mag auch die ohrwurmig-nervige Melodie nicht.
6. Das ist wieder sehr schön. Atmosphärisch, entspannend, ohne einzulullen, die 9 Minuten vergehen im Flug.
7. Einige Dolphy-Aufnahmen fangen ähnlich an, aber er ist es nicht. Sehr gut, trotz des Bass-Solos.
8. Schön.
9. Klingt auf den ersten Eindruck, als ob zwei Welten aufainanderprallen, das Saxophonspiel scheint so gar nicht zum Hintergrund zu passen. Passt aber doch, ich finde den Track großartig.
10. Das ist mir zu schwer. Hatte kurz eine Assoziation zu einem Stück auf "Evolution" von Grachan Moncur III, aber ist wohl doch andes gelagert.
11. Schön.
12. Macht Spaß und ist mitreißend. Ob ich diesen Stil (Dixieland? jedenfalls uralt) in größeren Dosen ertragen könnte, weiß ich nicht, bin hier völlig unbewandert.
14. Die Melodie kenne ich. Mit Piano-Jazz habe ich nicht viel Hörerfahrung, ich finde ihn meistens schön, aber mehr so bei ***1/2 oder etwas drüber, so richtig packt er mich nicht. Ebenso dieser Track.

(Einige Tracks habe ich beiseite gelassen, das heißt nicht, dass sie schlecht sind, sondern dass mir dazu nichts eingefallen ist und sich auch keine Wertung aufgedrängt hat)

redbeansandrice
06.02.2011, 19:40
5. Nein. Das Genuschel des Sängers geht mir auf den Keks, und ich glaube, ich mag auch die ohrwurmig-nervige Melodie nicht.

was immer es heißt, aber das Stück muss ich schon zwanzig, dreißig mal gehört haben, seit der Test rauskam...:-)



12. Macht Spaß und ist mitreißend. Ob ich diesen Stil (Dixieland? jedenfalls uralt) in größeren Dosen ertragen könnte, weiß ich nicht, bin hier völlig unbewandert.

aus dieser Zeit gibt es ja nur Singles, ich für meinen Teil hör selten mehr als fünf, sechs Tracks bei Musik aus diesen Jahren... (und in diesen Dosen ist die Musik oft großartig)

gypsy tail wind
06.02.2011, 20:14
Danke, gypsy, für die Durchführung dieses Tests und für die Zusammenstellung. Es sind ein paar schöne Anregungen für mich dabei, was mir, da ich jetzt nach einer Pause wieder etwas mehr Jazz höre, sehr gelegen kommt. Erkannt habe ich natürlich nichts.
Freut mich natürlich, wenn ich ein paar Anregungen geben konnte!


1. Nur ein Saxophon und der beste Track. Das ist eine schöne Entdeckung!
(edit: Marion Brown also. Den kenne ich bislang nur von seinem Beitrag auf "Ascension".)
Leider nicht kommerziell zu haben, von einem Solo-Konzert in Yale... ich werd's dann mal "veröffentlichen", Link folgt dann auch...


5. Nein. Das Genuschel des Sängers geht mir auf den Keks, und ich glaube, ich mag auch die ohrwurmig-nervige Melodie nicht.
Der Komponist, Willard Robison (Texter und Komponist, um genau zu sein) hat ein paar Songs geschrieben, die mir enorm gut gefallen. Das ist natürlich Pop-Musik jener Zeit... eingängig darf das schon auch sein! Vielleicht ist "A Cottage for Sale" oder "Don't Smoke in Bed" bekannt? Das sind andere seiner Stücke.


6. Das ist wieder sehr schön. Atmosphärisch, entspannend, ohne einzulullen, die 9 Minuten vergehen im Flug.
Freut mich zu hören!


7. Einige Dolphy-Aufnahmen fangen ähnlich an, aber er ist es nicht. Sehr gut, trotz des Bass-Solos.
Ja, Dolphy dürfte hier schon eine Referenz gewesen sein... was heisst denn "trotz des Bass-Solos"? Du und redbeans, ihr müsstet mal ein wenig eingesperrt werden und nur Kontrabass-Musik zu hören kriegen! :lol:


9. Klingt auf den ersten Eindruck, als ob zwei Welten aufainanderprallen, das Saxophonspiel scheint so gar nicht zum Hintergrund zu passen. Passt aber doch, ich finde den Track großartig.
Jawoll! :-)


10. Das ist mir zu schwer. Hatte kurz eine Assoziation zu einem Stück auf "Evolution" von Grachan Moncur III, aber ist wohl doch andes gelagert.
Ja, das ist wohl unter all den melancholischen Stücken hier das weitaus düsterste... mir gefallen die Texturen, die Sounds, die sich entwickeln.


12. Macht Spaß und ist mitreißend. Ob ich diesen Stil (Dixieland? jedenfalls uralt) in größeren Dosen ertragen könnte, weiß ich nicht, bin hier völlig unbewandert.
Direkt aus New Awlins... das ist noch vor (bzw. parallel wohl) der Dixieland Stil in Chicago ausgeprägt wurde.


14. Die Melodie kenne ich. Mit Piano-Jazz habe ich nicht viel Hörerfahrung, ich finde ihn meistens schön, aber mehr so bei ***1/2 oder etwas drüber, so richtig packt er mich nicht. Ebenso dieser Track.
Kann ich nachvollziehen, geht mir aber mittlerweile sehr anders (höre ja seit 15 Jahren oder so 95% Jazz, da ändert sich sowas dann mal mit der Zeit, auch wenn's mir anfangs auch manchmal so ging mit Piano-Jazz).

Light of Love
06.02.2011, 22:45
Der Komponist, Willard Robison (Texter und Komponist, um genau zu sein) hat ein paar Songs geschrieben, die mir enorm gut gefallen. Das ist natürlich Pop-Musik jener Zeit... eingängig darf das schon auch sein! Vielleicht ist "A Cottage for Sale" oder "Don't Smoke in Bed" bekannt? Das sind andere seiner Stücke.


Ich habe natürlich nichts gegen eingängige Melodien. Die Robison-Lieder waren mir nicht bekannt, aber ich habe sie gerade angehört (Nina Simone, Peggy Lee) und sie gefallen mir wesentlich besser.

(Vielleicht überdenke ich nochmal mein obiges Statement zu Jazz-Sängerinnen...)

gypsy tail wind
06.02.2011, 22:50
Ich habe natürlich nichts gegen eingängige Melodien. Die Robison-Lieder waren mir nicht bekannt, aber ich habe sie gerade angehört (Nina Simone, Peggy Lee) und sie gefallen mir wesentlich besser.

(Vielleicht überdenke ich nochmal mein obiges Statement zu Jazz-Sängerinnen...)

Kein Grund, etwas zu überstürzen! ;-)
Sonst findest Du hier diverse Tips:
25 feine Damenstimmen (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=21537)

katharsis
07.02.2011, 13:55
Ich bin zur Zeit mit einigem im Verzug, aber meine übrigen Anmerkungen folgen noch!

gypsy tail wind
07.02.2011, 14:52
Ich bin zur Zeit mit einigem im Verzug, aber meine übrigen Anmerkungen folgen noch!

Kein Problem! Ich hoffe auch sonst noch auf ein paar weitere Rückmeldungen!

lotterlotta
08.02.2011, 08:18
Ja, Dolphy dürfte hier schon eine Referenz gewesen sein... was heisst denn "trotz des Bass-Solos"? Du und redbeans, ihr müsstet mal ein wenig eingesperrt werden und nur Kontrabass-Musik zu hören kriegen! :lol:.

banausen, hätte da so ein paar vorschläge für moderne bassisten mit denen wir sie malträtieren könnten:lol:

finde gerade das bassspiel ganz vorzüglich......

gypsy tail wind
08.02.2011, 08:42
banausen, hätte da so ein paar vorschläge für moderne bassisten mit denen wir sie malträtieren könnten:lol:

finde gerade das bassspiel ganz vorzüglich......

:bier:

Es ist zwar noch früh am Tage, aber dennoch: darauf stossen wir an!

Light of Love
08.02.2011, 09:45
Sinnloses Gezupfe! Einsperren und malträtieren macht mir nichts aus, solange es eine Schlafgelegenheit gibt.

gypsy tail wind
08.02.2011, 09:49
Jetzt mal im Ernst: ich finde den Kontrabass ein grossartiges Instrument mit unglaublichen klanglichen Möglichkeiten - in Begleitung und Solo, von Jimmy Blanton über Ray Brown, Oscar Pettiford und Charles Mingus zu Wilbur Ware, Paul Chambers, Doug Watkins, Richard Davis, Charles Izenzon, Alan Silva, Malachi Favors, Dave Holland, Barry Guy, Barre Phillips... Ich kann das einfach überhaupt nicht nachvollziehen, dass man den Bass nicht mögen kann!

Light of Love
08.02.2011, 14:34
In meinem Fall steckt da keine große Überzeugung hinter, ich (Jazz-Anfänger) weiß einfach den Bass als Solo-Instrument nicht zu würdigen. Und im Zusammenspiel weiß ich zwar um seine Unentbehrlichkeit bzw. der gesamten Rhythmus-Gruppe, höre aber nicht gezielt dahin, sondern auf die Bläser und den Gesamtsound (wobei ich es wiederum mag, wenn dieser von der Rhythmusgruppe stark geprägt wird...).

Das Bass-Solo in unserer #7 ist übrigens gar nicht so schlimm, es tut sich ja was, und ich finde den Track durchaus als Ganzes toll. Es gibt kürzere Bass-Solos, die mehr langweilen, glücklicherweise sind sie nicht allzu häufig.

redbeansandrice
08.02.2011, 14:38
gegen überschaubare gestrichene Basssoli hab ich ja nichts gesagt... und ja, die anderen haben auch ihren Platz, bin bloß nicht oft dort...

katharsis
08.02.2011, 17:36
Seltsam, ich habe für mich entdeckt, dass der Bläser noch so tolle Soli spielen kann - sofort vergessen, wenn danach ein kleines Basssolo kommt. Ob pizzicato oder con arco ist dabei vollkommen gleich. Durch die Nähe zur menschlichen Stimme und dem organischen Ton mag ich beides sehr gerne (übrigens auch das Cello im Jazz). Großartig bspw. das wunderbare Garrison-Solo auf der "Crescent".
Toll ist bspw., wenn der Bass im Hintergrund richtig rumort und ein fettes Fundament entsteht, oder fretless gezupft wird, so dass dadurch ein richtig roher und dicker Sound klingt.
Der Produzent von Pacific Jazz macht das übrigens besonders gut, ist mir vor einiger Zeit mal aufgefallen.

katharsis
16.02.2011, 12:50
Mit den übrigen Stücken bin ich leider immer noch nicht weitergekommen, aber gestern habe ich zufällig etwas über Jack Teagarden gelesen und war dann nachmittags in der Stadt, so dass ich nochmals zufällig in eine LP hineingehört habe. Und zack, Nr. 5 (war es wohl, oder?) dürfte Mr. Teagarden gewesen sein!

gypsy tail wind
16.02.2011, 13:34
Ja genau! :-)

dougsahm
16.02.2011, 15:07
Kein Problem! Ich hoffe auch sonst noch auf ein paar weitere Rückmeldungen!
[[bei mir schauts schlecht aus. Haben noch meine 50 Jazz-Alben zu listen, die 10 Soul-Alben, die nächste StoneFM-Sendung vorzubereiten, einen eigenen Thread zu strukturieren ....... Allein das schlechte Gewissen fehlt mir; ich wurde ja unbeantragt einbezogen ...... soviel nur mal dazwischendurch. Als Wasserstandsmeldung.]]

gypsy tail wind
16.02.2011, 16:12
Danke für die Rückmeldung, dougsahm - und natürlich kein Problem!

gypsy tail wind
26.02.2011, 17:37
http://3.bp.blogspot.com/_nE9qutbUcqE/TMMFzOvcajI/AAAAAAAAA4Q/n_12UiJDCJg/s1600/MarionBrown1.jpg

1 - MARION BROWN: Black & Tan Fantasy (Bubber Miley & Duke Ellington) 5:36
Marion Brown (as)
Yale University, Yale, Ohio (USA) - 1982
Unreleased live recording (soundboard) (http://ubu-space.blogspot.com/2011/02/marion-brown-yale-1982.html)


Marion Brown zum Auftakt, solo, unverfälscht, ungefiltert - mit seiner manchmal entgleitenden (ob bewusst oder ungewollt weiss ich nicht) Intonation... eine ikonoklastische Ellington-Interpretation, die dennoch grossen Respekt vor der Musik beweist. Für mich ist Brown einer der grossen des new thing, sein Tod im vergangenen Jahr stimmte mich traurig und ich wollte ihm hiermit meine Referenz erweisen. Wie er gegen Ende das Thema langsam ausdünnt, Töne weglässt, sich auf die Essenz beschränkt, das finde ich auch heute beim Wiederhören sehr schön.
Ich habe ihm schon letzten Herbst auf meinem Blog (http://ubu-space.blogspot.com/search?q=marion+brown) Tribut gezollt, falls Ihr weiterhören möchtet! Wer offizielle Releases bevorzugt, dem sei der ESP-Disk' CD-Reissue von Marion Brown Quartet (http://www.allmusic.com/album/marion-brown-r794909) (mit allen Stücken der Session!) oder Three for Shepp (http://www.allmusic.com/album/three-for-shepp-r135912) auf Impulse zum Einstieg wärmstens empfohlen!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dre700/e791/e791040kp8h.jpg

2 - MARY LOU WILLIAMS: Kool (Mary Lou Williams) 2:45
Kenny Dorham (t), Mary Lou Williams (p), John H. Smith, Jr. (g), Grachan Moncur (b)
New York City - 1947
Disc 5033 / taken from CD: Chronological Classics 1050 ("Mary Lou Williams 1945-1947")


Dieses Stück hat anscheinend gar niemand richtig erraten können. Über den tollen Gitarristen (nicht Remo Palmieri, Bill de Arango oder Arv Garrison...) weiss ich leider überhaupt nichts. Mary Lou Williams verkehrte in den 40ern in der Szene um das Minton's, kannte Monk und all die frühen Bebopper, obgleich ihre Musik nie dem Bop zugerechnet werden konnte. Eigentlich habe ich das Stück aber ausgewählt, um Kenny Dorham drinzuhaben, einer meiner liebsten Trompeter. Sein Spiel hier bewegt sich wie die ganze Musik irgendwo zwischen Swing und Bop und das finde ich wohl gerade das Spannende. Der Bassist ist übrigens der Vater des heute bekannteren Grachan Moncur III, der als Posaunist u.a. mit Jackie McLean gearbeitet hat und auf Blue Note zwei tolle Alben gemacht hat.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dri500/i535/i53568v69jx.jpg

3 - TONY FRUSCELLA: Blue Lester (Lester Young) 3:42
Tony Fruscella (t), Gene DiNovi (p)
Gene DiNovi's house, Brooklyn - 1952
taken from CD: Marshmallow Classics MYCJ-30124 ("Booklyn Jam 1952")


Das hier war einfacher... Tony Fruscella, der unbekannteste unter meinen Lieblingstrompetern und überhaupt Lieblinsgmusikern - musste einfach rein! Ich hab die "Brooklyn Jam" CD auf und ab gehört, sie ist voll von abgehangener Musik - wohl nicht immer im guten Sinn abgehangen (falls man überhaupt so disponiert ist, dass man das gut finden kann), aber für mich ist das enorm stimmungsvolle Musik, die ich fast immer gerne höre. Sein Spiel hier ist so unglaublich lyrisch, so brüchig und doch so flüssig, fast wie ein Saxophon...

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc400/c429/c42902t854b.jpg

4 - LEE WILEY and BOBBY HACKETT with JOE BUSHKIN: Street of Dreams (S. Lewis & V. Young) 3:14
Lee Wiley (voc), Bobby Hackett (cor), with Joe Bushkin and his Swinging Strings: Joe Bushkin (p), Bill Goodall (b), Charlie Smith (d), Herb Baumel (vl), Gabriel Banat (vl), Dick Dickler (vla), George Koutzem (vc)
New York City - December 14, 1950
Col 39201 / CL 6169 ("Night in Manhattan") / taken from CD: Mosaic MD8-206 ("Classic Columbia Condon Mob Sessions", 8CD)


Lee Wiley - eine meiner Lieblingssängerinnen, neben Billie Holiday, Anita O'Day, Helen Merrill, Sheila Jordan, Chris Connor, June Christy... Wileys Phrasierung, ihre Stimme - abgehangen passt da wohl auch ganz gut als Beschreibung. Bushkins Begleitung ist natürlich professionell und üppig-sanft, aber Bobby Hacketts Trompete bringt schon im Intro eine Stimmung rein, die sich durch das Stück zieht. Das "Night in Manhattan"-Album gehört für mich jedenfalls neben den Gershwin-Sessions mit Bunny Berigan zum schönsten, was es von Lee Wiley gibt. Und über sie ist mindestens entfernt auch die Condon Gang noch mit einem Fuss in meinem BFT drin - eine Musikszene für sich, die parallel zum blühenden Small Group Swing und dem aufkeimenden Bebop in New York über viele Jahre bestand hatte, und zu der Wiley gehörte.

gypsy tail wind
26.02.2011, 17:38
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd200/d273/d2732779o55.jpg

5 - JACK TEAGARDEN: In a Little Waterfront Cafe (Willard Robison) 3:57
Jack Teagarden (tb, voc), Don Goldie (t), prob. Bernie Leighton (p), prob. Barry Galbraith (g), Art Davis (b), others unknown
Verve V6-8465 ("Think Well of Me") / taken from CD: Polygram 314 557 101-2 (Verve Elite Edition)


Jack Teagarden! Dass die Posaune und der Gesang vom selben Mann stammen, darauf kam wohl erst redbeans, als er dem Stück dann doch noch auf die Schliche kam... ich verehre Teagarden, vor allem den späten, den wir hier zu hören kriegen. Er war eine unglaublich starke musikalische Persönlichkeit. Die Streicher mögen generisch sein, die Harfe gibt dem Arrangement aber einen eigenen Touch... gefällt mir jedenfalls unglaublich gut, nicht nur dieses Stück sondern das ganze Album. Das in derselben Zeit entstandene Mis'ry and the Blues (http://www.allmusic.com/album/misry-and-the-blues-r148681) dürfe einfacher zu finden sein, hat mich nie derart umgehauen, muss es aber demnächst mal wieder hervorsuchen. Und wie ich gesagt habe, mag ich Willard Robisons Songs auch sehr, sehr gerne!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dre800/e802/e80282x72ox.jpg

6 - BLUE NOTES: I Cover the Waterfront (Johnny Green & Edward Hayman) 9:13 (feat. Nick Moyake)
Mongezi Feza (t), Dudu Pukwana (as), Nick Moyake (ts), Chris McGregor (p), Johnny Dyani (b), Louis Moholo (d)
Durban, South Africa - first half of 1964 (prior to the Blue Note's departure to appear in Juan-les-Pins)
Ogun (E)OGCD007 ("Live in South Africa 1964") / taken from CD: Ogun OGCD024 ("Legacy - Live in South Afrika 1964", part of "The Ogun Collection", OGCD 024-028)


Nick Moyake... er hat mit seinen Jazz Giants 1962 den ersten Preis des Jazzfestivals Johannesburg gewonnen, im folgenden Jahr mit Chris McGregors Castle Lager Big Band gespielt. Dann ging er 1964 als Mitglied von McGregors Blue Notes nach Europa, verliess die Band aber und kehrte nach Südafrika zurück, wo er schon 1969 verstarb.
Sein Spiel hier ist von einer rohen Kraft, ungeschliffen, direkt, mit schönem starken Ton - ein Stück, das ich mir endlos anhören könnte, auch wenn McGregors kurzes Pianosolo nicht so grossartig ist und Moholo offensichtlich keine Ahnung hatte, wie man eine solche Jazzballade hätte begleiten können... aber all das macht nichts, Johnny Dyani hält die Begleitung am Leben und Moyake lässt sich von alle dem nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Sein Solo gewinnt mit der Zeit ziemlich an Fahrt.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf900/f991/f99104wr7xh.jpg

7 - ANDERS GAHNOLD: Jagad (Anders Gahnold) 10:11
Anders Gahnold (as), Johnny Dyani (b), Gilbert Matthews (d)
Jazz Club Fasching, Stockholm, Sweden - September 12, 1985 (live)
taken from CD: Ayler Records aylCD-017/018 ("Flowers for Johnny", 2CD)
Note: deleted tune announcement by Gahnold at the end


Anders Gahnold lief anscheinend eines Tages nach einem Konzert zu Dyani hin und sagte diesem, er wolle ihn in seiner Band (die damals gar noch nicht bestan). Wie die bieden Live-Mitschnitte auf der Ayler-Doppel-CD zeigen, hat das wunderbar geklappt. Wie Dyani stammte auch Drummer Gilbert Matthews aus Südafrika. Im Bass-Solo arbeiten die beiden sehr schön zusammen. Gahnold hat dieses brennende Feuer, einen schweren tiefen Sound - genau so mag ich Altsax am allerliebsten!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drl300/l324/l32432hv7de.jpg

8 - HARRY BECKETT: The Other Side (Graham Collier) 4:02
Harry Beckett (flh), Mike Osborne (as), John Taylor (p), Chris Lawrence (b), John Webb (d); arr. by Graham Collier
London - July 15 & 16, 1970
Philips (E)6308026 ("Flare Up") / taken from CD: Jazzprint JPVP124CD
Note: absent on this title: Alan Skidmore (ts, ss), John Surman (bari, ss), Frank Ricotti (vib, cga)


Noch ein lyrischer Trompeter... und noch ein kürzlich verstorbener Musiker, dem ich Tribut zollen wollte. Harry Beckett spielte lange Zeit in Chris McGregors Brotherhood of Breath (zu hören ist er besonders gut auf Eclipse at Dawn (http://www.cuneiformrecords.com/bandshtml/brotherhood.html), dem Live-Mtischnitt der 1971er Berliner Jazztage, als der sonst wichtigste Trompetensolist Mongezi Feza abwesend war). Das Stück und das Arrangement stammen von Graham Collier, dessen Musik ich noch immer nicht wirklich kenne, obwohl redbeans mir schon seit langem vorschwärmt... das wird eines Tages nachgeholt!
Beckett kam aus der Karibik nach England (und hat sein Geburtsjahr frisiert), mit Mike Osborne ist auch hier neben seiner Trompete ein brennender, schwerer Altsaxer anwesend, der auch Becketts Kollege in der Brotherhood of Breath war... falls Euch die CD Flare Up (http://allmusic.com/album/flare-up-r778973) mal begegnet, greift zu, sie ist schwierig zu finden! In der Zwischenzeit rate ich auch wärmstens, den Dutton Vocalion Reissue der beiden Alben Warm Smiles / Themes for Fega (http://allmusic.com/album/warm-smiles-themes-for-fega-r936594) anzuschaffen, den es auch nicht mehr allzu lange geben dürfte.

gypsy tail wind
26.02.2011, 17:39
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drn200/n255/n25527yby0s.jpg

9 - CHRIS McGREGOR's BROTHERHOOD OF BREATH: Davashe's Dream (Mackay Davashe) 7:34
Chris McGregor (p), Mongezi Feza (pocket t), Mark Charig (cor), Harry Beckett (t), Malcolm Griffiths (tb), Nick Evans (tb), Dudu Pukwana (as), Mike Osborne (as), Ronnie Beer (ts), Alan Skidmore (ts, ss), John Surman (bari, ss), Harry Miller (b), Louis Moholo (d, perc)
Soloists: Dudu Pukwana (as), Mongezi Feza (pocket t)
London - January 9, 1971
RCA (E)Neon NE2 ("Brotherhood of Breath") / taken from CD: Fledg'ling FLED 3062


Und hier ist sie dann... die glorreiche Brotherhood of Breath, Chris McGregors Big Band, in der exilierte Südafrikaner auf Engländerr (und Beckett aus den West Indies) trafen... eine der allertollsten Big Bands, Free Bands, Bands überhaupt - mit unglaublichen Solisten wie Dudu Pukwana, Mongezi Feza, Mike Osborne, Alan Skidmore... und der grossartigen Rhythmugruppe Miller/Moholo.
Das Arrangement hier ist klassisch, umso schöner können Pukwana und Feza dagegen anspielen, ihre Spielchen treiben... Pukwana ist natürlich noch einer der tollen Altsaxer mit dem schweren Sound und der rohen Emotionalität, dem cry - für mich einer der ganz grossen! Feza ist verspielter, nervöser... und Pukwanas erste Phrase, mit der er wieder einsteigt ist pure Magie! Sehr schön auch, wie die Posaunen gesetzt sind.
Der Komponist des Stückes, Makwenkwe "Mackay" Davashe lebte von 1920 bis 1972 und gehörte einer älteren Generation von südafrikanischen Jazzmusikern an. Er war schon in den 40ern aktiv, leitete u.a. die Jazz Dazzlers und spielte auch mit dem Urvater aller Modern Jazzer aus Südafrika, mit Kippie Moeketsi.
Für weitere Infos in Sachen Blue Notes und Anverwandtes möchte ich die wunderbare Seite von Matt Fowler empfehlen: http://www.mfowler.myzen.co.uk

http://img828.imageshack.us/img828/6339/homeboy2small.jpg

10 - NORMAN HOWARD: Soul Resurrection (8:04)
Norman Howard (t), Joe Phillips (as), Walter Cliff (b), Corney Milsap (d)
Cleveland, OH - October 1968
taken from K7: Homeboy Music 2 (http://ubu-space.blogspot.com/2011/02/norman-howard-burn-baby-burn.html) ("Burn, Baby, Burn" - includes tracks from Homeboy Music 1, "Signals")


Norman Howard ist eine dieser Gestalten, die kurz auftauchen (auf Albert Aylers Wiches and Devils (http://ayler.org/html/witches___devils.html)), um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden... die Sessions mit Joe Phillips von 1968 waren schon damals für einen Release auf ESP-Disk' vorgesehen, der dann aber erst 2007 auf der CD Burn Baby Burn (http://allmusic.com/album/burn-baby-burn-r1183480) auch wirklich stattfand. Clifford Allen erzählt in den Liner Notes einiges dazu - mehr Infos und Musik auch beim obigen Link.
Das Stück ist statisch, einfach, wirkt aber geschlossen, "fertig" gewissermassen, im Gegensatz zu anderen Stücken von diesen Sessions, die etwas unfertiges haben, manchmal eher nach Probe klingen als nach fertigen Aufnahmen. Joe Phillips spielte später unter dem Namen Yusuf Mumin auf dem tollen Album (und gewissermassen Blog-Underground-Klassiker) "Al-Fatihah" des Black Unity Trios - mit Abdul Wadud (cello, bass) und Hasaan-Al-Hut (perc) (Hörprobe (http://www.youtube.com/watch?v=sSdbzZXNsrg)). Hoffentlich gelingt eines Tages ein Reissue davon!

http://1.bp.blogspot.com/_LnUGkvjGcTM/Si0i34GKnII/AAAAAAAAAHY/FX9T1rpWbcI/s320/Scorpio_Front.jpg

11 - ARTHUR JONES: B.T. (Arthur Jones) 8:06
Arthur Jones (as), Beb Guérin (b), Claude Delcloo (d)
Paris - August 1969
Actuel (F)529350 / taken from: vinyl rip


Mit Arthur Jones sind wir wieder zurück im Trio-Setting von Anders Gahnold. Auch das Feuer, das er am brennen hält, ist demjenigen Gahnolds nicht unähnlich. Sein Sound ist zwar geschmeidiger, schwerer greifbar und einiges leichter, anders ist jedoch vor allem die konventionellere Begleitung durch Beb Guérin und Claude Delcloo, die mir allerdings ausgezeichnet gefällt und die ein tolles Fundament liefert für Jones' intensiven solistischen Flug. Das Stück stammt von einem der weniger bekannten Alben des berüchtigten BYG-Labels (da diese aufgrund ihrer Geschäftspraktiken eigentlich als Bootleg-Label zu gelten haben, erlaube ich mir hier (http://ninegreychairs.blogspot.com/2009/06/scorpio-arthur-jones.html) einen Link). Sehr gut gefällt mir, dass bei Jones' schönem Ton klar wird, dass er zu jenen Freejazzern gehört, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und im Bewusstsein der ganzen Jazzgeschichte spielen.
Jones war in der hohen Zeit von BYG kurz sehr aktiv, nahm mit Delcloo als Co-Leader auch noch das Album "Africanasia" auf und spielte als Sideman mit Burton Greene ("Aquariana"), Archie Shepp ("Yasmina"), Sunny Murray ("Sunshine"), Dave Burrell ("Echo"), Clifford Thornton ("Ketchaoua"), Frank Wright ("Your Prayer") und auf zwei Alben von Jacques Coursil ("Black Suite" und "Way Ahead").

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drh200/h241/h24197z6234.jpg

12 - LUIS RUSSELL: Doctor Blues (Luis Russell & Paul Barbarin) 3:15
Luis Russell (p, dir), Henry "Red" Allen (t), Otis Johnson (t), J.C. Higginbotham (tb), Albert Nicholas (cl, as), Charlie Holmes (ss, as), Teddy Hill (ts), Will Johnson (bjo, g), George "Pops" Foster (b), Paul Barbarin (d, vib)
Soloists:
New York - December 17, 1929
Okeh 8766, Voc 3840 / taken from CD: Retrieval RTR 79023 ("The Luis Russell Story 1929-1934", 2CD)


Ein kleiner change of pace... "Red" Allen, J.C. Higginbotham, Albert Nicholas, Charlie Holmes (hier als Altsolist zu hören)... ein paar der allerbsten Solisten der späten 20er spielten in der Band von Luis Russell, der dank eines Lottogewinns aus seiner Heimat Panama in die USA emigrieren konnte. Die Band wird vom unglaublichen Drive von Pops Foster und den Drums von Paul Barbarin angetrieben... ein der besten Bands jener Zeit - kein Wunder übernahm Louis Armstrong sie später vollständig!
In den Soli, besonders in jenem von Allen, wir auch klar, dass Freiheit etwas sehr relatives ist... die gewagte Unbekümmertheit, mit der er hier drauflosbläst (und auch ein paar Fehler, die bei seiner Waghalsigkeit immer wieder passierten, problemlos so einbauen kann, dass sie nicht stören), die finde ich unglaublich, wenn ich mir vor Augen halte, dass diese Musik von 1929 stammt!
Das 2CD-Set, von dem dieses Stück stammt, sei jedenfalls allen Leuten mit offenen Ohren wärmstens empfohlen!

gypsy tail wind
26.02.2011, 17:40
http://www.oneworld.co.za/images/medium/SSCD112.jpg

13 - ALLEN KWELA & PAT MATSHIKIZA: Poinciana (Nat Simon & Buddy Bernier) 2:28
Allen Kwela (g), Pat Matshikiza (p)
unknown location & date
taken from CD: Sheer Sound SSCD 112 ("The Best of Allen Kwela")


Dieses Stück fand wohl die wenigsten Freunde von allen... ich wollte Allen Kwela drinhaben, den 2003 verstorbenen grossen Gitarristen aus Südafrika, der auf selbstgebauten Instrumenten zu spielen begann und bald zur Sensation der Musikszene in Johannesburg wurde. Mit Spokes Mashiyane prägte er die Kwela-Musik (nicht nach ihm benannt), Mashiyane wurde später (mit viel eigenen Zutuns) oft als Vater des Kwela beschrieben, Allen Kwela geriet in Vergessenheit... und begann, Jazz zu spielen, etwa mit Kippie Moeketsi, Barney Rachabane und Duke Makasi. Er hat viele schöne Kompositionen und Arrangements geschrieben und 1972 erschien sein schönes Album "Allen's Soul Bag" (Hörprobe (http://www.youtube.com/watch?v=-uygyyF5P1E)). Nach langen Jahren der Inaktivität tauchte er in den 90ern wieder auf und gab noch einmal ein Album heraus, "Broken Strings" (1998, oft als sein Debut beschrieben).
Das Stück hier ist zugegenermassen keine grosse Sternstunde (oder um mit KT zu reden, kein Kairos), aber es hat den Charme einer Musik, die wohl in Abgeschlossenheit und in Unvertrautheit mit den Originalen (Ahmad Jamal, dem US-Jazz generell) entstanden ist.
Pianist Pat Matshikiza gehört ebenso zu den wichtigen Stützen des südafrikanischen Jazz, spielte seinen ersten tollen Jazz-Job mit Mackay Davashes Jazz Dazzlers, u.a. mit Kippie Moeketsi, Dennis Mpale, Letta Mbulu. Mit Kippie und Makasi (sowie Drummer Gilbert Mathtews, den wir mit Anders Gahnold hörten) entstand auch sein schönes As-Shams-Album "Sikiza Matshikiza". Eins seiner tollsten Stücke ist aber zweifellos das auf verschiedenen Compilations zu findende "Tshona" mit Kippie (zum Proberhören hier (http://www.youtube.com/watch?v=cFgJ0GZ0CrY)).

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drl800/l802/l80272utdmf.jpg

14 - ART HODES: Tennessee Waltz (Redd Stewart & Pee Wee King) 4:09
Art Hodes (p)
Matt Ross Studio, London - November 3 & 4, 1988
taken from CD: Candid CCD79537 ("Keepin' Out of Mischief Now")


Art Hodes wurde 1904 noch im zaristischen Russland geboren, kam aber im Alter von einigen Monaten mit seinen Eltern nach Chicago. Ab den 20ern spielte er dort regelmässig, trat etwa mit Wingy Manone oder Gene Krupa auf. Ende der 30er ging er dann nach New York, nahm dort u.a. eine tolle Reihe von Blue Note Sessions auf und gab auch eine Musik-Zeitschrift heraus.
Die Spezialität dies russischen Chicagoers war immer der Blues, und nach Blues lässt er hier auch den Oldie "Tennessee Waltz" klingen, der 1946 geschrieben wurde. Einen Überblick über seine viele Jahrzehnte währende Karriere habe ich nicht, aber die CD, von dem das Stück stammt, ist höchst empfehlenswert! Zehn Tage vor seinem 84. Geburtstag nahm Hodes solo in London auf und spielte Standards, Blues und mehr ein. Hodes starb 1993 im Alter von 88 Jahren.
Auf do the math (http://thebadplus.typepad.com/dothemath/2008/05/art-hodesjazz-c.html) findet sich ein interessanter Eintrag zu Hodes.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drn200/n255/n25527yby0s.jpg

15 - CHRIS McGREGOR's BROTHERHOOD OF BREATH: Union Special (Chris McGregor) 1:44
details same as #9


Nach dem ruhigen noch das stürmische Ende... ein kleiner Romp von McGregor und seiner BoB.

gypsy tail wind
26.02.2011, 17:41
Nochmals vielen herzlichen Dank Euch allen für die tollen Rückmeldungen und interessanten Kommentare!

gypsy tail wind
27.02.2011, 01:35
Anscheinend ist das DER Johnny Smith, der auf dem Mary Lou Williams Stück "Kool" an der Gitarre zu hören ist!
http://www.classicjazzguitar.com/articles/article.jsp?article=1

vorgarten
27.02.2011, 13:49
vielen dank für die vielen anregungen dieses bfts!
über die peinlichkeit, die black & tan fantasy nicht zu erkennen, sieht man hier hoffentlich hinweg.

sehr dankbar bin ich für den hinweis auf den mir völlig unbekannten arthur jones und mein jetzt definitives anfixen, was fruscella angeht.
dorham habe ich als großer fan auch nicht erkannt, ich finde aber nach wie vor, dass er hier seine sache nicht gut macht und die atmosphäre dieses tollen stücks in seinem solo nicht aufgegriffen kriegt.
anders gahnold kenne ich durch die platte mit william parker und hamid drake, habe ich aber nicht wiedererkannt. er scheint zumindest ein gutes gefühl für rhythm sections zu haben.
und noch ein dank - habe gerade die beckett-doppel-cd bestellt. ich persönlich mag ja die PASSION & POSESSION sehr gerne, die aus duetten mit drei unterschiedlichen pianisten besteht - darunter zwar der fürchterliche joachim kühn, aber die stücke mit django bates und keith tippett sind großartig, sehr intim und verletzlich.

schade finde ich, dass hier so wenig leute mitgemacht haben. mir hat es großen spaß gemacht, mich ohne die kontexte von titeln, namen und daten auf die musik einzulassen.

gypsy tail wind
27.02.2011, 14:04
sehr dankbar bin ich für den hinweis auf den mir völlig unbekannten arthur jones und mein jetzt definitives anfixen, was fruscella angeht.
dorham habe ich als großer fan auch nicht erkannt, ich finde aber nach wie vor, dass er hier seine sache nicht gut macht und die atmosphäre dieses tollen stücks in seinem solo nicht aufgegriffen kriegt.
anders gahnold kenne ich durch die platte mit william parker und hamid drake, habe ich aber nicht wiedererkannt. er scheint zumindest ein gutes gefühl für rhythm sections zu haben.
und noch ein dank - habe gerade die beckett-doppel-cd bestellt. ich persönlich mag ja die PASSION & POSESSION sehr gerne, die aus duetten mit drei unterschiedlichen pianisten besteht - darunter zwar der fürchterliche joachim kühn, aber die stücke mit django bates und keith tippett sind großartig, sehr intim und verletzlich.

Was KD betrifft werden wir hier wohl nicht einig.

Von Jones hätte ich mal die LP kaufen können, aber in so schlechtem Zustand, dass ich wohl keine Freude dran gehabt hätte. Da bin ich auch noch auf der Suche (nicht aktiv, aber wenn ich mal an Vinyl vorbeikomme schaue ich halt).

Das Gahnold mit Parker (den ich ja bekanntlich nur als Sideman etwa bei Cecil Taylor mag, seine eigenen Bands haben mich nie recht überzeugt) was gemacht hat, wusste ich nicht einmal. Ich kenne nur die tolle Doppel-CD von Ayler Records.

Die Beckett-CD, die Du erwähnst, ist mir auch unbekannt. Was findest Du denn an Kühn so schlimm? Anschauen müsst ich ihn mir auch nicht unbedingt, aber er hat ja doch tolle Musik gemacht und macht immer noch welche... das Trio mit Daniel Humair und Jean-François Jenny-Clark, das Duo mit Ornette Coleman oder das aktuelle Kühn-Bekkas-Lopez Trio kommen mir spontan in den Sinn.
Hoffe, die Dutton Vocalion CD weiss Dich zu überzeugen! Tolles Label - alle Garrick-CDs sind wärmstens empfohlen! Manches ist leider schon vergriffen und wir auf der Website auch nicht mehr aufgeführt.


schade finde ich, dass hier so wenig leute mitgemacht haben. mir hat es großen spaß gemacht, mich ohne die kontexte von titeln, namen und daten auf die musik einzulassen.

Och, ich hatte ehrlich gesagt mit noch weniger Echo gerechnet! Insgesamt bin ich zufrieden und hatte grossen Spass an der Sache!
Hier nochmal der Hinweis auf die parallele Diskussion auf dem Organissimo-Forum:
Diskussion (http://www.organissimo.org/forum/index.php?/topic/63346-bft-%2383-discussion/) und Auflösung (http://www.organissimo.org/forum/index.php?/topic/63759-bft-83-reveal/) (wobei letztere dort aus verschiedenen Gründen wesentlich kürzer gehalten ist, was die Kommentare betrifft... man sucht ja in jedem Forum den richtigen Ton).

vorgarten
27.02.2011, 14:28
Das Gahnold mit Parker (den ich ja bekanntlich nur als Sideman etwa bei Cecil Taylor mag, seine eigenen Bands haben mich nie recht überzeugt) was gemacht hat, wusste ich nicht einmal. Ich kenne nur die tolle Doppel-CD von Ayler Records.


dann werden wir uns bei WP auch nicht einig ;-)
THE LAST DANCES (http://www.amazon.com/Last-Dances-Drake-Gahnold-Parker/dp/B004LP2288) ist 2007 ebenfalls bei ayler records erschienen und ich kann sie sehr empfehlen.




Die Beckett-CD, die Du erwähnst, ist mir auch unbekannt. Was findest Du denn an Kühn so schlimm? Anschauen müsst ich ihn mir auch nicht unbedingt, aber er hat ja doch tolle Musik gemacht und macht immer noch welche... das Trio mit Daniel Humair und Jean-François Jenny-Clark, das Duo mit Ornette Coleman oder das aktuelle Kühn-Bekkas-Lopez Trio kommen mir spontan in den Sinn.


ich finde kühn einen unerträglichen poser und zukleisterer von musikalischem raum, völlig unsensibel und überschätzt - ob er mit joe henderson oder ornette oder eben harry beckett zusammenspielt, ich ärgere mich da immer. vielleicht ist das eine völlig subjektive abneigung gegen diese art des spiels, ich habe aber immer wieder menschen getroffen, denen das auch so geht. der vergleich zu den anderen beiden pianisten auf PASSION & POSESSION ist entlarvend, weil alle drei im gleichen kontext (akustisches duo & der schon etwas zerbrechliche ton von beckett) spielen.
naja.

gypsy tail wind
27.02.2011, 19:21
dann werden wir uns bei WP auch nicht einig ;-)
THE LAST DANCES (http://www.amazon.com/Last-Dances-Drake-Gahnold-Parker/dp/B004LP2288) ist 2007 ebenfalls bei ayler records erschienen und ich kann sie sehr empfehlen.

Ich hab mir vor ein paar Wochen die "Petit Oiseau" (auf CD) gekauft - war ein Angebot in der Wühlkiste, dachte, ich mache mal wieder einen Versuch. Ist schon in Ordnung, aber da ist einfach nichts in der Musik, was mich packt, nichts, wo ich etwas Spezielles, Eigenes raushören könnte. Für mich ist das sowas wie der Mainstream der Unangepassten, der Loft-Szene, Shipp... da gibt's anderes, das ich sehr viel spannender finde.
Aber Parker mit Gahnold ist sicher einen Versuch wert. Allerdings seh ich das nur als CDR bzw MP3 - gab's die mal auf CD und die ist vergriffen oder ist das ein DL-only-Ding? CDR on demand geht mir ganz enorm auf die Nerven, hab auch schon zweimal aus Versehen solche Dinger gekauft (für 17$ oder so, plus 5 oder 6$ für Versand, das ist Wucher für eine CDR, bei der man nicht mal weiss, ob sie wenigstens vorsichtig gebrannt wurde und auf einem sauberen EAC-Rip beruht!)
Muss mich da mal etwas ausführlicher im Netz umsehen.



ich finde kühn einen unerträglichen poser und zukleisterer von musikalischem raum, völlig unsensibel und überschätzt - ob er mit joe henderson oder ornette oder eben harry beckett zusammenspielt, ich ärgere mich da immer. vielleicht ist das eine völlig subjektive abneigung gegen diese art des spiels, ich habe aber immer wieder menschen getroffen, denen das auch so geht. der vergleich zu den anderen beiden pianisten auf PASSION & POSESSION ist entlarvend, weil alle drei im gleichen kontext (akustisches duo & der schon etwas zerbrechliche ton von beckett) spielen.
naja.

Hm... muss mal wieder was hören, wo er mitspielt. Dieses Gefühl hatte ich nie. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit seinem Stil einfach nicht zurecht kommen kann, aber dass er ein Poser ist, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber ich kenn auch noch nicht sehr viel von und mit ihm (von all den Gruppen, die ich erwähnt habe, je eine CD, dazu noch seine eigene "Poison" und die Solo-CD aus der ACT "Piano Works"-Reihe).

gypsy tail wind
27.02.2011, 19:38
Grad gesehen: die CD "...and William Danced" (aylCD-044) und der Download "The Last Dances" (aylDL-075) enthalten Musik vom selben Tag aber unterschiedliche Stücke.

aylDL-075:
01 - Oh Shit (12:50)
02 - Slow Dance (11:52)
03 - Bow Dance (23:11)
04 - Dusk (12:37)

aylCD-044:
01 - First Dance (17:07)
02 - The Undertaker's Dance (18:47)
03 - ... And William Danced (30:26)

Nur die CD ist bisher in der William Parker Sessionography (http://www.bb10k.com/PARKER.disc.html#02.04.15) vermerkt.

Hab mir die CD gebraucht bestellt - für über 20€... mal sehen ob sie das Wert ist, zumal ich mit Hamid Drake auch hie und da meine liebe Mühe habe... er groovt manchmal sehr toll, fraglos, auch "The Rat-Dried Dog" mit Brözzimann ist grossartig, aber hie und da kommt er mir... wie ein Poser vor.
Von Gahnold hätt's ja noch eine dritte CD bei Ayler gegeben... hab das irgendwie verschlafen, hab schon seit Jahren nichts mehr dort bestellt und der ganze Wandel zum MP3-Label macht sie für mich auch mehr und mehr zur quantité négligeable.

clasjaz
27.02.2011, 20:00
ich finde kühn einen unerträglichen poser und zukleisterer von musikalischem raum, völlig unsensibel und überschätzt - ob er mit joe henderson oder ornette oder eben harry beckett zusammenspielt, ich ärgere mich da immer. vielleicht ist das eine völlig subjektive abneigung gegen diese art des spiels, ich habe aber immer wieder menschen getroffen, denen das auch so geht. der vergleich zu den anderen beiden pianisten auf PASSION & POSESSION ist entlarvend, weil alle drei im gleichen kontext (akustisches duo & der schon etwas zerbrechliche ton von beckett) spielen.
naja.

Ja, das würde mich jetzt auch interessieren, "Poser" wäre mir bei ihm auch nicht eingefallen, und "unsensibel" ist jeder mal, ich kenne leider diese ganzen Duette nicht von Kühn, und leider auch die Passion & Posession nicht; solo, Distance oder die Sache auf act mit den Ausflügen in die Klassik, die zugegeben "naja" sind, aber auch nicht schnöde; sonst nur, auch auf act, mit Wollny. Ist das Zukleisterung des musikalischen Raums oder Verdichtung? Ein deutscher McCoy Tyner (mir fallen die Echoes for a Friend ein)? Mit Humair und Jenny-Klark kann ich gar keine Zukleisterung hören.

gypsy tail wind
27.02.2011, 20:05
Tyner sehe ich auch als einen den zentralen Referenzpunkte von Kühn, ja.

redbeansandrice
28.02.2011, 11:10
da hast du uns mit "diesmal kein Südafrika-Schwerpunkt" ja ziemlich reingelegt/es geschafft uns einen Haufen Südafrikaner als Nicht-Südafrikaner unterzujubeln... und vorgartens Tip vonwegen Johnny Dyani irgendwo auf 6,7,11 war ziemlich treffend... den Mary-Lou Williams Track muss ich gleich nochmal hören... dass der Arthur Jones Track wirklich direkt aus den großen Tagen des Free Jazz stammt find ich doch überaschend, muss ich auch nochmal testen... die große Entdeckung für mich war definitiv das Jack Teagarden Album, läuft auch grad wieder!

Vielen Dank nochmal, ich fand das hier sehr spannend, und bin auch mit der Anzahl Teilnehmer sehr zufrieden soweit... wie schonmal locker mit vorgarten angedacht - wir sollten solche tests jetzt regelmäßig wiederholen, meiner ist in Arbeit allerdings noch nicht ganz fertig, ich lass auch gern jemandem den Vortritt!

was Kühn betrifft: ich hätt ihn jetzt eher mit Chick Corea oder so verglichen als direkt mit Tyner... er hat bisweilen sehr hässliche Sachen gemacht, aber ich find er kann schon eine ziemlich Intensität aufbauen ohne dabei so plump daherzukommen wie manche unmittelbareren Tyner-Schüler...

gypsy tail wind
28.02.2011, 11:17
Oh, das freut mich, wenn's weitere BFTs geben wird hier! Könnt auch gerne die "Regeln" aus meinem verwenden und anpassen, wie es Euch gefällt!

Ich wollte ehrlich niemanden täuschen... das doch wieder unterschwellige Südafrika-Thema wurde mir erst beim Schreiben meiner Kommentare bewusst... aber Gahnold ist ja Däne, McGregor Sohn schottischer Missionare, Beckett kommt aus der Karibik... #6, 9, 13 und 15 sind allerdinsgs schon klar südafrikanisch, daran gibt's wenig zu rütteln.
Tut mir jedenfalls Leid, ich wollte Euch nicht geziehlt auf eine falsche Fährte locken. (Und dass es nicht ganz ohne Südafrika gehen könnte, hättest Du Dir ja eh denken können ;-) )

vorgarten
28.02.2011, 11:19
Ich hab mir vor ein paar Wochen die "Petit Oiseau" (auf CD) gekauft - war ein Angebot in der Wühlkiste, dachte, ich mache mal wieder einen Versuch. Ist schon in Ordnung, aber da ist einfach nichts in der Musik, was mich packt, nichts, wo ich etwas Spezielles, Eigenes raushören könnte. Für mich ist das sowas wie der Mainstream der Unangepassten, der Loft-Szene, Shipp... da gibt's anderes, das ich sehr viel spannender finde.
Aber Parker mit Gahnold ist sicher einen Versuch wert.

tja, da das ja auch eher 'konventioneller' postbop ist, klingt parker hier nicht so anders als auf PETIT OISEAU. deine generaleinschätzung parkers ist mir ziemlich fremd, kann weder was mit "mainstream", noch was mit "unangepasst" anfangen, dafür ist mir die tradition zu klar, in die er sich stellt und die prinzipielle offenheit zu groß, mit der er unterwegs ist.
ganz persönlich mag ich seine haltung, seinen ton, seine kompositionen, seine texte - die musikalischen kontexte und formationen mal mehr, mal weniger, aber das liegt in der natur der sache.
was ich aber ganz klar sagen kann: gäbe es william parker nicht mit seiner so ganz unenzyklopädischen traditionsliebe nicht, hätte ich echt ein problem, denn ich kann mir jazz einfach nicht nur als historisches phänomen vorstellen. interessanterweise magst du ja ein anderes 'energiezentrum' eines jazz', der noch zuckt, auch nicht (steve coleman). bei mir wiederum bleiben wahrscheinlich andere vitale stimmen ungehört. aber das ist jetzt wirklich off topic...

redbeansandrice
28.02.2011, 11:21
bei mir wiederum bleiben wahrscheinlich andere vitale stimmen ungehört. aber das ist jetzt wirklich off topic...

Colin Vallon ist nie off-topic ;-)

gypsy tail wind
28.02.2011, 11:28
Colin Vallon ist nie off-topic ;-)

Wollte ich auch grad sagen :bier:

Was Parker betrifft: ich höre schon, wo er sich einordnet, mag auch manches aus demselben oder einem ähnlichen Umfeld (Moondoc, Murray, Roy Campbell), aber wenn ich Musik hören will, die sich bewusst in der Tradition bewegt, dann zieht's mich eben doch öfter zu Leuten wie George Adams und Don Pullen, die mit ihrem Traditionsbezug noch weiter zurückgreifen und dennoch nicht langweiligere Musik oder weniger freie Musik gemacht haben.
Dass Parker verdienstvolles leistet will ich auch nicht leugnen - für mich ist es einfach nicht besonders relevant, gefällt mir nicht sonderlich. In dem Sinne würd ich auch sagen: ja, wir hören andere "noch zuckende" Ecken, aber ich würde mich auch dagegen verwahren, wolltest Du mir unterstellen, dass ich nichts mehr höre(n will), was noch zuckt.
Vallon ist ein Beispiel, Malcom Braff ein weiteres... Ingrid Laubrock wäre vielleicht noch erwähnenswert... von den "survivors" (die mir eben auch lieber und näher sind als die jüngeren) gäb's dann Leo Smith zu nennen, Roscoe Mitchell... Parker ist ja gar nicht so viel jünger, aber ich höre ihn einfach in einem ziemlich anderen Umfeld.

Ach, und es entpuppte sich, dass der Verkäufer der "... and William Danced" CD Stéphane von Ayler Records selbst ist... hatte gestern einen kurzen Email-Austausch mit ihm - habe auch noch drei Ayler-CDs bestellt, aufgrund der Diskussion hier - John Stevens "Live at the Plough", Jemeel Moondoc Tentet "Live at Vision Festival" und Fred Anderson & Harrison Bankhead "The Great Vision" - und er schrieb mir, dass er das alles zusammen versenden werde... habe den BFT erwähnt und gesagt, wie toll ich Gahnold fände, er hat mir am Ende dann noch einen DL-Link fürs Gahnold/Parkker/Drake-Album offeriert, den ich dann einlösen kann, wenn ich die CD gehört habe - sehr toller Service!

vorgarten
28.02.2011, 16:48
http://www.youtube.com/watch?v=d-Y9YZPS_YY

vorgarten
01.03.2011, 12:37
wie schonmal locker mit vorgarten angedacht - wir sollten solche tests jetzt regelmäßig wiederholen, meiner ist in Arbeit allerdings noch nicht ganz fertig, ich lass auch gern jemandem den Vortritt

na, wenn das so ist, biete ich einen zweiten BFT an, ohne die diskussion über den vorgänger abwürgen zu wollen. ab jetzt im eigenen thread.

gypsy tail wind
01.03.2011, 13:14
na, wenn das so ist, biete ich einen zweiten BFT an, ohne die diskussion über den vorgänger abwürgen zu wollen, der die latte sehr hoch gehängt hat.
ich trau mich trotzdem.

das verfahren fand ich gut und würde es gerne beibehalten, also

- anmeldungen mit betreff "bft" per PN an mich
- danach geht der DL-link von mir raus
- ab dem 15.3. diskussion: was auch immer euch in den sinn kommt, was auch immer in den posts davor steht.

da für mich alles vor 1950 ein blinder fleck ist, ich mir aber auch nicht zutraue, aus den beiden folgejahrzehnten hier überraschungen zu präsentieren, ist meine auswahl relativ zeitgenössisch geraten - aber auch nicht nur. wie gypsy geht es mir vor allem um zu unrecht ignorierte persönliche heldInnen, um musiker, die man fälschlicherweise nur auf bestimmte kontexte reduziert, und um ein paar persönliche hits.

freue mich also auf nachrichten.

Mach doch einen neuen Thread auf, "Blindfold Test #2 - vorgarten", und ich bitte einen Moderator, diesen hier in "Blindfold Test #1 - gypsy..." umzubenennen. Sonst wird das sehr unübersichtlich, und es wäre ja auch schön, wenn man später noch über die betreffende Musik reden könnte und den richtigen Ort gleich findet!

vorgarten
01.03.2011, 13:27
Mach doch einen neuen Thread auf, "Blindfold Test #2 - vorgarten", und ich bitte einen Moderator, diesen hier in "Blindfold Test #1 - gypsy..." umzubenennen. Sonst wird das sehr unübersichtlich, und es wäre ja auch schön, wenn man später noch über die betreffende Musik reden könnte und den richtigen Ort gleich findet!

guter vorschlag.

gypsy tail wind
10.05.2011, 16:47
Die Doppel CD Warm Smiles / Themes for Fega (http://www.duttonvocalion.co.uk/proddetail.asp?prod=2CDSML8430) von Harry Beckett ist derzeit sehr billig bei discplus.ch (http://discplus.ch/search.asp?smod_skat1=4&shst_id=336&) zu finden (falls Ihr an den anderen Vocalion-CDs nicht interessiert seid, es gibt bei discplus auch die besten Preise für ältere hatOLOGY (http://discplus.ch/1650/HATOLOGY/?spd=91627_4) CDs).

Disclaimer: Es hat in diesem Post drei Links, man sieht sie derzeit bloss nicht.

vorgarten
17.11.2011, 21:59
gypsy hatte ja mal angeregt, rückzumelden, was man denn mit den entdeckungen der bfts so erlebt hat und mir ist dann aufgefallen, wie sehr mich vor allem sein erster zu weiteren reisen angespornt hat.

vor allem das album SCORPIO von arthur jones wird mehr und mehr zu einem meiner allerliebsten, ich finde das vom ersten bis zum letzten ton total aufregend. nicht nur, dass es sehr traditionsbewusste fire music ist, die einem bestimmten konzept wilder schönheit entspricht; es ist in sich sehr spannend und abwechslungsreich - eine wirklich (für die zeit und das label ungewöhnlich) perfekte produktion. so richtig weiter bin ich da noch nicht vorgedrungen - man müsste jetzt jacques coursil vertiefen oder die sachen des drummers delcloo, aber da hat mich aufs erste hören nichts angemacht. vielleicht ist SCORPIO ja einfach ein juwel, ein völlig einzigartiges album. ich wäre jedenfalls ohne diesen bft nie darauf gestoßen.

die beiden trompeter fruscella und beckett habe ich seitdem fast komplett zusammengesammelt. bei fruscella fremdel ich noch ein wenig, abgesehen vom atlantic-album, das seinen namen trägt - der rest ist mir konzeptionell einfach zu formatiert. aber sein ton und einzelne momente lassen mich da immer wieder hinhören. und er ist natürlich eine wahnsinnig aufregende figur, in vielerlei hinsicht. bei beckett, dessen PASSION & POSESSION ja eins meiner alltime favorites ist, hatte ich immer angst, dass andere aufnahmen mein bild etwas schmälern - aber das ist nicht der fall. zum teil sind mir die bands zu dicht und hektisch, aber sein ton schimmert in seiner einzigartigkeit immer durch, selbst in der reggae/dub-platte. ich kann bisher wirklich alles empfehlen, viel mehr als das, was ich habe, dürfte es auch nicht mehr geben.

von mary lou williams habe ich kurz nach dem bft einen sampler auf vinyl auf einem flohmarkt gefunden, den ich aber nicht wirklich anhören kann. ist aus der italienischen "giants of jazz" reihe erschienen (das label heißt "sarabandas") und versammelt aufnahmen von 1936 bis 1953, u.a. das bft-stück "kool". an mir rauscht das rein auftnahmetechnisch vorbei, kann aber auch an der pressung liegen.

http://ring.cdandlp.com/soulexp1/photo_grande/114670000.jpg

merkwürdigerweise habe ich mich bisher nicht mit anders gahnold beschäftigt, obwohl der eigentlich genau auf meiner linie liegt. komme aber bestimmt noch dazu.

zu den anderen bfts später. es würde mich interessieren, was die anderen teilnehmer hier (und bei den anderen) aufgegriffen und vertieft haben.

THELONICA
18.11.2011, 01:35
von mary lou williams habe ich kurz nach dem bft einen sampler auf vinyl auf einem flohmarkt gefunden, den ich aber nicht wirklich anhören kann.

http://ring.cdandlp.com/soulexp1/photo_grande/114670000.jpg
Die LP habe ich auch, finde die ganz gut. Sich mit Mary Lou Williams zu beschäftigen kann nicht verkehrt sein. Eigentlich wollte ich noch ein paar mehr Andy Kirk-Aufnahmen haben, aber das muss erstmal warten. Von Williams gibt es außerdem nicht so viele Aufnahmen aus den 40ern (u. frühen 50ern). Aber in der Zeit hat sie sich entwickeln können, hat andere (Monk) beeinflusst. In den 50ern hat sie sich dann eine Auszeit genommen, danach ging es dann weiter...




zu den anderen bfts später. es würde mich interessieren, was die anderen teilnehmer hier (und bei den anderen) aufgegriffen und vertieft haben.

Noch nicht viel vertieft, kann aber sein, dass das noch kommt. Lange vor den BFTs habe ich immer einige Anregungen von redbeansandrice bekommen, das ging in verschiedene Richtungen. Trotzdem mögen wir oft sehr unterschiedliche Sachen. Organisten werde ich wohl nicht vertiefen, eigentlich gar nicht. Wer meine Beiträge gründlich liest, kann sich schon denken, was mir sehr gut gefällt. Faszinierend fand ich den Ansatz von katharsis, der sich mehr den fast vergessenen Sessions widmete. Da gäbe es einiges zum kennenlernen und vertiefen, wenn manche Alben nicht so selten wären. Abseits dieser Präsentation hat katharsis aber schon Vorarbeit geleistet (s. Jazzland, Nat, Ronnie Mathews, Les Spann), ähnlich wie redbeans. Noch ganz anders ist der Ansatz von Gypsy, aber auch von dort habe ich Anregungen bekommen (Moody, Terry, Billy Bang, Richard Gene Williams). Moody habe ich dann auch vertieft. Trompeter habe ich stark vernachlässigt, ganz im Gegensatz zu katharsis. Viele, viele Eindrücke, die man erstmal verarbeiten muss. Da ändern sich dann auch die Ansprüche mit der Zeit. Man lernt bestimmte Dinge mehr zu schätzen oder achtet auf "Zwischentöne", die man vorher eher nicht bemerkt hätte.

redbeansandrice
18.11.2011, 02:13
hab wenig jazz gehört die letzten monate und nur sehr vereinzelt vertieft, ned goold/harry connick jr, ein bißchen chicago underground duo... (da alle, denen man es erzählt, immer so schockiert gucken, die letzten zwei wochen hab ich 160 mal An English Lady of a Certain Age von Divine Comedy gehört)

des weiteren hat alexischike glaub ich seinen ersten test bald fertig, ansonsten bin ich seit eben mit meinem zweiten praktisch fertig und kann jederzeit einspringen...

alexischicke
18.11.2011, 10:16
ja werde noch ein bisschen brauchen, mal sehen ob alles klappt.

vorgarten
18.11.2011, 10:20
des weiteren hat alexischike glaub ich seinen ersten test bald fertig, ansonsten bin ich seit eben mit meinem zweiten praktisch fertig und kann jederzeit einspringen...

das sind gute neuigkeiten. es gäbe also folgende reihenfolge:

bft#7: alexischicke
bft#8: redbeansandrice (#2)
bft#9: friedrich
bft#10: vorgarten (#3)

wobei ich natürlich jedem bft-debütanten gerne den vortritt lassen würde.

Friedrich
20.11.2011, 12:49
bft#7: alexischicke
bft#8: redbeansandrice (#2)
bft#9: friedrich
bft#10: vorgarten (#3)


Damit wäre der Fahrplan wohl verabschiedet.

Zwei Kandidaten sind noch vor mir dran, also habe ich also noch ein wenig Zeit. Erste musikalische Kostproben habe ich schon mal in Betracht und aus dem Regal gezogen.

Also bis dann!

THELONICA
24.01.2012, 01:25
zu den anderen bfts später. es würde mich interessieren, was die anderen teilnehmer hier (und bei den anderen) aufgegriffen und vertieft haben.

Deinen letzten Bft müsste ich mal wieder genauer betrachten. Durch Deine Beiträge bin ich jetzt auf John Hicks gestossen, den ich bisher nur über 2 BN-Alben (Mobley, Morgan) kannte. Gefällt mir aber sehr gut, was Hicks so gemacht hat. Das Mobley-Album hatte mich auch wegen Hicks interessiert, hatte die Spur aber nicht weiter verfolgt. Und Andy Bey höre ich mir gerade an (Ballads, Blues & Bey).

gypsy tail wind
24.01.2012, 01:39
Und Andy Bey höre ich mir gerade an (Ballads, Blues & Bey).

:sonne:

Hol Dir auch was frühes von Andy & The Bey Sisters (auf CD gibt's einen Twofer von Fantasy, das eine der Alben auch in der RVG-Remasters-Reihe).

THELONICA
24.01.2012, 01:54
Ich weiß, das wäre dann wohl auch der Tipp von katharsis. Ich war übrigens fast ein bißchen enttäuscht, dass seine Alben nicht im Penguin Guide besprochen wurden. Zu Hicks habe ich da einiges durchlesen können.

vorgarten
24.01.2012, 08:22
Deinen letzten Bft müsste ich mal wieder genauer betrachten. Durch Deine Beiträge bin ich jetzt auf John Hicks gestossen, den ich bisher nur über 2 BN-Alben (Mobley, Morgan) kannte. Gefällt mir aber sehr gut, was Hicks so gemacht hat. Das Mobley-Album hatte mich auch wegen Hicks interessiert, hatte die Spur aber nicht weiter verfolgt. Und Andy Bey höre ich mir gerade an (Ballads, Blues & Bey).

eigenartigerweise ist mir durch diese beiträge selbst aufgefallen, dass ich hicks nur schlaglichtartig in allen möglichen kontexten (von lester bowies erstem album bis zu betty carter) wahrgenommen habe. das herumwühlen in seinen eigenen sachen war danach nicht allzu erfolgreich. am tollsten finde ich ihn wohl bei david murray, dessen musik er gleichzeitig eleganz und modale offenheit gegeben hat. FAST LIFE und LIKE A KISS THAT NEVER ENDS wären meine anspieltipps.