Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dexter Gordon
gypsy tail wind
02.10.2010, 10:26
http://img716.imageshack.us/img716/6827/dextergordon2.jpg
LTD - Long Tall Dexter... für mich einer der ganz grossen!
Schon auf seinen frühen Dial und Savoy Sessions in den 40ern zeigt sein Spiel eine grosse Reife, seine Balladen waren schon als 20jähriger von einer grossen Gelassenheit... daneben hat er mit Wardell Gray und Teddy Edwards Tenor-Battles aufgenommen, seine Sidemen umfassten auch Fats Navarro, Bud Powell und Tadd Dameron - in Tadds "Big 10" spielte er auch eine kurze Zeit (es gibt ein paar Aufnahmen bei Capitol, zu finden auf der grosssartigen Blue Note Doppel-CD der kompletten Fats Navarro/Tadd Dameron Sessions für Blue Note/Capitol). Die Dials gibt's komplett auf einer Spotlite CD, den grossen Teil der Savoys findet man auch auf der CD "Settin' the Pace" in der Savoy Originals Serie (Digipacks, Ende ca. 90er) gesammelt.
Dexter verschwand für lange Zeit von der Bildfläche - mitte der 50er nimmt er für Dootone und Bethlehem je ein Album auf und spielt auf Stan Leveys Bethlehem Album "This Time the Drum’s On Me" (an der Seite von West Coastern wie Conte Candoli und Frank Rosolino - Gordon kam ja auch aus dem Westen, auch wenn er stilistisch dort nicht hinpasst). Dann taucht er erst Anfang der 60er wieder auf, im Rahmen einer Blue Note "Rettungsaktion", in der auch die Veteranen Ike Quebec und Leo Parker wieder ausgegraben wurden und bei Blue Note ihre letzten Alben machen konnten, vor sie viel zu früh verstarben (Parker schon 1962, Quebec 1963, drei Tage nach Sonny Clark, der für Dexter zumindest im Studio kurzzeitig eine wichtige Präsenz war).
Die Blue Notes sind für mich irgendwie der "klassische" Dexter Gordon - "Doin' Alright", "Dexter Calling", "Go", "A Swingin' Affair", "Our Man in Paris", "One Flight Up", "Gettin' Around", "Clubhouse" und auch "Landslide" - was für eine tolle Reihe von Alben! Blue Note buchte Gordon auch für das Debut-Album des jungen Pianisten Herbie Hancock - Gordons letzter Chorus auf "Watermelon Man" ist eine eigene Komposition!
Dexter nahm danach eine lange Reihe von Alben für Prestige auf (die Box umfasst 14CDs!) - viele davon ähnlich schön wie die Blue Notes. Er war schon zu Ende der Blue Note Jahre nach Europa gegangen, lebte Paris und Copenhagen, nahm auch für MPS auf ("A Day in Copenhagen" mit Co-Leader Slide Hampton sowie Dizzy Reece, und natürlich entstanden unzählige Live-Aufnahmen im Jazzhus Montmartre, die auf Steeplechase und Black Lion Alben landeten. Die Aufnahme vom 20. & 21. Juli 1967 mit Kenny Drew, NHOP und Albert Heath gehören auch zum schönsten von Gordon! Ein paar Wochen davor wurde schon ein Konzert mit Art Taylor und Bo Stief anstelle Heaths und NHOPs mitgeschnitten, das Blue Note auf der tollen CD "The Squirrel" in den 90er Jahren teilweise veröffentlichte.
Zudem nahm er Alben mit den Sängerinne Karin Krog und Miriam Klein auf, traf sich 1970 in Chicago mit Gene Ammons ("The Chase!" Prestige), spielte auch in grösseren Bands u.a. von George Gruntz, Palle Mikkelborg und Joe Haider/Slide Hampton (die MPS-Alben dieser Band sind auf Haiders eigenem Label JHM auf einer tollen Doppel-CD greifbar!). 1973 traf er in Copenhagen auf Jackie McLean - zwei Steeplechase Alben zeugen von dieser Begegnung.
1976 folgte dann die Rückkehr nach New York - wohl ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Revival des (Mainstream) Jazz mit den Young Lions, das in den folgenden Jahren einsetzte. Mit der Band von Louis Hayes und Woody Shaw nahm er im Village Vanguard für Columbia das Doppel-Album "Homecoming" auf, unter der Ägide Hampton folgte "The Sophisticated Giant". Und auch Blue Note trat wieder auf den Plan und nahm 1978/1979 im Keystone Korner in San Francisco Musik für mehrere Alben auf ("Nights at the Keystone"). Gordon spielte auf einem Album von Philly Joe Jones mit und trat mit Johnny Griffin in der Carnegie Hall auf ("Great Encounters" zeugt davon, später erschien eine CD mit dem Konzert, auch mit den Stücken ohne Griffin).
Schliesslich folgte sein Film-Auftritt in Taverniers "Round Midnight" (den habe ich noch immer nicht gesehen, in den letzten Jahren schon dreimal im Kino verpasst). Die Musik davon erschien auf Columbia (dem Label von Herbie Hancock, der zuständig war), die Reste erschienen unter Gordons Namen auf Blue Note ("The Other Side of Round Midnight").
Dexter tourte zudem unermüdlich mit seiner Working Band durch die Lande - dutzende Radio- und Amateuraufnahmen zeugen davon. George Cables, Kirk Lightsy, Cedar Walton, Bobby Hutcherson, Tete Montoliu, Eddie Gladden, Rufus Reid, Victor Lewis, Buster Williams und David Eubanks sind Leute, die oft dabei waren.
Was Gordon für mich besonders auszeichnet ist seine enorme Gelassenheit - er kann unglaublich schnell spielen und dabei den Schein erzeugen, er blase in aller Ruhe einfach mal so ein paar Töne vor sich hin. Sein Spiel wirkt auf mich irgendwie statisch, er selbst als ruhender Pol, der die Töne richtiggehend setzt - da ist keine Hektik, kein Drang zu spüren. Das alles hängt natürlich stark von seiner speziellen Phrasierung ab. Zudem hat er einen wunderschönen Ton und es gelang ihm, fast ganz von Coltrane unbeeindruckt sein Ding durchzuziehen. Er war ja seinerseits über seine frühen Aufnahmen u.a. mit Billy Eckstine ein wichtiger Einfluss in der Entwicklung von Coltrane.
Gestern und heute habe ich zum ersten Mal das Mosaic Select angehört, in dem die drei CDs der "Nights at Keystone" gesammelt neuaufgelegt wurden und bin sofort wieder mitten drin in der Musik dieses Riesen!
http://img440.imageshack.us/img440/8088/dextergordon3.jpg
Danke für die schöne Beschreibung!
Mir ist Dexter Gordon erstmals im Kino in "Round Midnight" begegnet und war einer der Gründe, mich überhaupt mal mit Jazz zu beschäftigen. Auch wenn ich inzwischen viele andere, erheblich spannendere Musiker kennengelernt habe, schätze ich auch insbesondere den speziellen Klang seines Spiels - und den hast du in deiner Beschreibung gut getroffen.
Meine Lieblingsplatte ist "Go" - die nebenbei auch ein fantastisches Cover besitzt. Blue Note at its best!
Hat mich gleich zu DEXTER BLOWS HOT & COOL (Dootone) verführt. Nicht seine größte Aufnahme, aber da Carl Perkins die Tasten drückt, gewinnt die Platte für mich dazu.
Von seinen Blue Note-Alben habe ich nur vier, die mir aber ausnahmslos gut gefallen. Aber ab der Blue Note-Zeit kommen dann die Lücken. Gelegentlich will ich mir bald die eine oder andere Steeplechase-Platte zulegen.
Die LP mit Karin Krog gehört nach Billie Holiday, Anita O'Day und (ein wenig) Ella zu meinem wenigen Vokal-Favoriten. Sonst bin ich da eher zurückhaltend.
A DAY IN COPENHAGEN gefällt mir wegen der Hampton-Arrangements besonders gut. Der Mann hat aus kleinen Besetzungen eine Fülle herausgeholt!
redbeansandrice
02.10.2010, 21:08
schöner Text! ich glaub mit dieser "lässigen" Schule des Bop-Tenorsaxophons hab ich alles in allem einfach Probleme, also, ich hab Schwierigkeiten, Lässigkeit so sehr zu honorieren, wie andere das tun - nehme an bei Leuten wie Gordon oder Mobley verpass ich damit was... entsprechend hör ich von Gordon am liebsten die Sachen aus den 40ern und 50ern, die so ein bißchen mehr lyrischen Bebop-Charme und/oder troubled-Charme haben - auch wenn ich irgendwie schon merke, dass Doin Allright und die anderen Blue Notes (vor allem aber Doin' Allright) tolle Alben sind... das Dootone Album hab ich viel gehört, genau wie "The Resurgence of Dexter Gordon", ein paar Monate vor dem ersten Blue Note Album für Riverside an der Westküste enstanden (eine Cannonball Adderley Produktion), auch ein Sextett mit Arrangements und Klavier von Dolo Coker... ein bißchen melacholischer und weniger lässig... [erinner ich vielleicht falsch, aber ich bild mir ein, dass Album sei als "Kuckucksei" mit in die Prestigebox geraten]; dass ich Day in Copenhagen auch super find hab ich schon öfters gepostet...
gypsy tail wind
03.10.2010, 13:02
Ja, "Resurgence" ist in der Prestige-Box - was ja auch Sinn macht, da das ja eine Fantasy-Box war und dort Riverside/Jazzland ja auch dazugehört. Denke wenn's noch zwei, drei weitere Alben gegeben hätte, hätten sie wohl den Titel geändert, aber bei einem Album in dieser grossen Menge kommt's ja nicht so drauf an.
Das Dootone-Album ist wohl eines der Alben mit dem meisten troubled Charme überhaupt! Das fängt ja schon beim Cover-Photo an:
http://lpcoverlover.com/wp-content/uploads/2006/11/dex1.jpg
Ich bin zwar auch immer wieder von Carl Perkins begeistert und höre gerne all die Alben, auf denen er mitspielt, aber von Dexters 1955er Kurz-Comeback gefällt mir "Daddy Plays the Horn" doch deutlich besser - ich glaub ich finde das überhaupt eins der schönsten Hardbop-Alben, wenn man das denn als Hardbop bezeichnen darf (ich denke man darf, obwohl Gordon selber ja durch und durch Bebopper war und blieb).
alexischicke
03.10.2010, 15:58
Zu meiner Schade muss ich gestehen,dass ich nur drei CDS von Gordon habe und eine DVD.
katharsis
08.10.2010, 22:32
Sehr schöner Thread. Vielleicht komme ich heute abend dazu, noch ein paar Höreindrücke zu posten.
gypsy tail wind
08.10.2010, 22:47
Zu meiner Schade muss ich gestehen,dass ich nur drei CDS von Gordon habe und eine DVD.
Welche denn?
Könnte Dir sehr gut gefallen, denke ich! Hör Dich mal durch die Blue Notes (so ungefähr in der Reihenfolge: Go, A Swingin' Affair, Doin' Alright, Dexter Calling, Our Man in Paris und dann der Rest...)
Wie Gordon Balladen spielt dürfte Dir gefallen, er macht das grossspurig und selbstbewusst wie Sinatra, mit einer Selbstverständlichkeit, die selten anzutreffen ist, einer unglaublichen Gelassenheit, und wie Sinatra mit perfektem Timing und grossartiger Phrasierung!
Auch empfehlen würd ich Dir "The Panther" und vielleicht was späteres wie "Sophisticated Giant"?
katharsis
08.10.2010, 22:54
Jetzt lässt Du auch "Gettin' around" aus. Warum mag die keiner?
gypsy tail wind
08.10.2010, 23:07
Jetzt lässt Du auch "Gettin' around" aus. Warum mag die keiner?
Ich lass noch ein paar andere aus... ich geb nicht mal die vier genannten in meiner Lieblingsreihenfolge wieder, weil ich "Go" für einen perfekten Einstieg halte.
katharsis
08.10.2010, 23:13
Stimmt, die "One flight up" fehlt ja ebenfalls. Ich hatte eh nur auf die seinerzeit veröffentlichten, also klassischen Blue Notes abgezielt.
alexischicke
08.10.2010, 23:43
Seine Blue Note Box und die Prestige stehen schon seit Jahren auf meiner Wunschliste.
Ich habe GO
dann ein Konzert mit Dusko Goykovich von 74
und live at Montreux von 74?
Go liebe ich,besonders wenn er so tief in die Balladen eintaucht und sie so lyrisch spielt.Genau mein Nerv!
Alex
gypsy tail wind
08.10.2010, 23:49
Seine Blue Note Box und die Prestige stehen schon seit Jahren auf meiner Wunschliste.
Ich habe GO
dann ein Konzert mit Dusko Goykovich von 74
und live at Montreux von 74?
Go liebe ich,besonders wenn er so tief in die Balladen eintaucht und sie so lyrisch spielt.Genau mein Nerv!
Alex
Ok, dann hab ich das ja genau richtig eingeschätzt!
"Homecoming" wär auch noch ein Anspieltipp!
alexischicke
08.10.2010, 23:53
Ah du meinst sein erstes Konzert in Village Vanguard nach seiner Rückkehr aus Europa!:-)
gypsy tail wind
08.10.2010, 23:55
Stimmt, die "One flight up" fehlt ja ebenfalls. Ich hatte eh nur auf die seinerzeit veröffentlichten, also klassischen Blue Notes abgezielt.
Für mich ist das mit "damals erschienen" nicht immer ein Kriterium. Im Fall von "Landslide" irgendwie schon, aber im Fall von "Clubhouse" weniger... oftmals ging es ja nicht um die Qualität der Musik, sondern um irgendwelche Markt-Bedingungen, die eine weitere Veröffentlichung unklug schienen liessen, und als dann Zeit war für ein neues Album gab's eben schon wieder die nächsten zwei Sessions mit neuerer Musik...
katharsis
09.10.2010, 00:04
Naja, was heißt Kriterium. Da ich mich hauptsächlich auf Vinyl beziehe sind das bei mir dann immer die Alben, die zum Veröffentlichungszeitpunkt (wann eigentlich sonst ;)) erhältlich waren. Also eine eher spezielle Betrachtungsweise.
gypsy tail wind
09.10.2010, 00:49
Ja, klar - da unterscheiden wir uns halt. Ich bin CD-Hörer und habe vieles auch in Boxen, so auch die Dexter Blue Notes, von denen ich davor nur "Our Man in Paris" auf einer einzelnen CD besass. Das führt natürlich schon zu einer anderen Sichtweise!
Das Album mit Hutcherson finde ich schön, aber im Vergleich zu den anderen eher etwas verschlafen. Werde es aber in nächster Zeit mal hören (hab ja überhaupt Lust auf Dexter momentan, aber ich hab so viel von ihm... dachte ich mach mich eher mal hinter die Prestige-Box und die paar 1955er Sachen und die 1966er Black Lions, aber vielleicht nehm ich halt doch wieder die Blue Note Box raus...)
alexischicke
10.10.2010, 16:24
Heute habe endlich Zeit gefunden mir nochmals GO anzuhören.
Ich muss euch sagen ich bin begeistert!
Wenn er spielt,dann meine im Hintergrund die Stimme von Sinatra zu hören. Sein "I guess I´ll hang my tears out to dry" klingt gleichzeitig traurig und er spielt die Melodie mit viel Nachdruck aus. Ein weiteres Higlight ist das Swingstück "There o clock in the morning" wo er zwar improvisiert, aber dann immer wieder zu den gleichen swingingen Riff zurückkehrt.
Bei "Where are you" hält er sich schön zurück und gibt somit dem Stück einen ganzen besonderen Glanz
Fazit:5 Sterne Album mit einer Mischung aus Swing/Bepob.Er wäre der ideale Begleiter für Sinatra gewesen.:sonne:
Was bietet denn die Blue Note Box von Dexter?
katharsis
13.10.2010, 04:46
Mensch, bis zu diesem Zeitpunkt wollte ich all meine "mitgeführten" Dexter Gordon Alben durchgehört haben, gekommen bin ich aber nur zur "Resurgence". Ich hoffe mal, dass ich morgen noch etwas dazu und mindestens zur ersten Blue Note schreiben kann...
gypsy tail wind
13.10.2010, 15:50
Was bietet denn die Blue Note Box von Dexter?
Na, die Blue Note Alben eben ;-)
(Ohne das späte "The Other Side of Round Midnight")
http://img835.imageshack.us/img835/4602/dexterbn.jpg
Wenn Dir "Go" so sehr gefällt solltest Du Dir unbedingt das "companion album" A Swingin' Affair (http://www.allmusic.com/album/a-swingin-affair-r139685) mit derselben Band besorgen! Dexter spielt da u.a. "Don't Explain" und eine tolle Eigenkomposition namens "Soy Califa". Aufgenommen wurde das Album zwei Tage nach "Go".
Ich hab's anderswo schon erwähnt, dass ich das erste der Blue Notes wohl das beste finde: Doin' Alright (http://www.allmusic.com/album/doin-allright-r139658) mit dem Trio von Horace Parlan und dem jungen, ungestümen Freddie Hubbard (Hubbard-Gordon waren auch die Frontline von Herbie Hancocks Debut-Album Takin' Off (http://www.allmusic.com/album/takin-off-r140178)).
Das zweite Blue Note Album Dexter Calling (http://www.allmusic.com/album/dexter-calling-r139656) ist im Quartett mit Kenny Drew entstanden. Mit Philly Joe Jones und Paul Chambers hat es einen härteren Groove, der mir sehr gefällt, für Dexter aber insgesamt eine Spur weniger ideal ist.
Dann folgten die Sessions für das "odds & ends" Album Landslide (http://www.allmusic.com/album/dexter-calling-r139656) (dessen Titelstück stammt noch von der Session mit Drew), zwei kurze (abgebrochene) Sessions, die erste mit Tommy Turrentine, Sir Charles Thompson, Al Lucas und Willie Bobo, die zweite mit Dave Burns, Sonny Clark, Ron Carter und Philly Joe (je drei Stücke). Dazwischen fand auch eine Dexter/Sonny Stitt Session statt, von der nur ein Stück erhalten ist. Die Band hier ist das Trio von Stitt mit Don Patterson, Paul Weeden und Billy James - eine Session, die wohl (wie Stitts Einstellung gegenüber Aufnahmen/Alben) der Auffassung von Alfred Lion diametral entgegenlief. Stitt nahm danach nie wieder für Blue Note auf.
Dann folgen die Sessions mit Clark/Warren/Higgins, Go (http://www.allmusic.com/album/go-r139661) und A Swingin' Affair (http://www.allmusic.com/album/a-swingin-affair-r139685). Danach ging Dexter nach Paris - in der Box sind ausführlich die Korrespondenzen von Lion/Wolff und Dexter zitiert! - und dort entstand dann 1963 Our Man in Paris (http://www.allmusic.com/album/our-man-in-paris-r139677) (mit den "Three Bosses": Bud Powell, Pierre Michelot & Kenny Clarke) und im folgenden Jahr mit Donald Byrd, Drew, NHOP und Art Taylor One Flight Up (http://www.allmusic.com/album/our-man-in-paris-r139677) - ersteres zählt für mich zu den grossen Klassikern, letzteres macht grossen Spass, besonders mit dem für Dexter atypischen 18-minütigen "Tanya"... Byrd schlägt sich wacker, aber Taylor lässt die Tempi wie so oft wanken. Kein grosses Album aber doch eins, das ich immer mal wieder gern höre.
Im Mai 1965 entstanden dann an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die letzen Blue Note Alben von Gordon, Clubhouse (http://www.allmusic.com/album/clubhouse-r139652) und Gettin' Around (http://www.allmusic.com/album/gettin-around-r139660). Ersteres blieb lange in the can. Die Band besteht bei beiden aus Barry Harris, Bob Cranshaw und Billy Higgins, auf dem ersten Freddie Hubbard und auf dem zweiten Bobby Hutcherson. katharsis ist ein grosser Fan des Albums mit Hutcherson, für mich sind beide eher ein hübscher Ausklang dieser Jahre als Highlights. Es gibt aber manche guten Momente, etwa Ben Tucker, der auf seinem "Devilette" Bass spielt (Hubbard-Session), eine ganz wunderebare Version von "Manha de Carnaval" und ein schönes "Shiny Stockings" (Hutcherson-Session) und natürlich weitere grossartige Balladen: "I'm a Fool to Want You" (Hubbard-Session) und "Who Can I Turn To" (Hutcherson-Session).
Auf Blue Note erschien übrigens später auch noch ein Live-Mitschnitt aus dem Jazzhus Montmartre mit Drew, NHOP und Taylor, unter dem Titel The Squirrel (http://www.allmusic.com/album/squirrel-live-at-montmartre-r310175) - kein grossartiges Album, aber ein schönes Dokument, und Taylor gibt für einmal im besten Sinne richtig Gas!
Mit den Steeplechase-Alben hab ich mich überdies noch gar nicht beschäftigt, die Studio Trios/Quartette-Box hab ich bisher noch nie zu einem guten Preis angetroffen und zögere sowieso, und Live-Alben gibt's so viele, dass ich gar nicht wüsste, wo anfangen mit denen!
alexischicke
13.10.2010, 16:00
Ach so dann bietet die Box wohl keine Extras.
gypsy tail wind
13.10.2010, 16:02
Ach so dann bietet die Box wohl keine Extras.
Nein, nur das Stück mit Stitt (das auch auf der Various Artists "Lost Sessions" Connoisseur-CD landete) und die Briefe von und an Dexter.
Extras sind bei Blue Note ja sowieso höchst selten, die wurden alle in den vergangenen Jahrzehnten schon ausgeschlachtet...
redbeansandrice
13.10.2010, 16:51
Wenn er spielt,dann meine im Hintergrund die Stimme von Sinatra zu hören. Sein "I guess I´ll hang my tears out to dry" klingt gleichzeitig traurig und er spielt die Melodie mit viel Nachdruck aus.
Sinatra hör ich nicht, aber ich stimme zu, dass die Balladen oft das beste an Gordon Alben sind, so auch diese...
hab jetzt grad die Resurgence of Dexter Gordon durch, fünf Sterne sind das nicht, aber ich mags definitiv sehr gerne... noch zwei weitere Bläser dabei, Dolo Coker spielt Klavier und hat sich als Arrangeur sehr verdient gemacht, abwechslungsreiches Programm, das trotzdem eine einheitlich leicht angedüsterte Grundstimmung hat (verglichen mit den Blue Notes, find ich jedenfalls), Gordon klingt grandios, manche Stücke sind besser als andere ("Dolo" etwa ist großartig, auch die Ballade "Jodi"), leichte Abzüge gibt es für die Soli des Posaunisten (Richard Boone), der allerdings in den Ensembles eher positiv auffällt - gute Sache insgesamt...
redbeansandrice
13.10.2010, 17:29
grad zum ersten Mal Settin' the Pace mit Booker Ervin gehört - ziemlich überwältigend, nur zwei Stücke um die zwanzig Minuten, aber was für welche, vielleicht das intensivste Tenor-Battle das ich kenne, Gordon zeigt, dass er auch mit einer etwas provokanteren (?) Rhythmusgruppe ganz ausgezeichnet klarkommt, eine tolle Linie nach der anderen, Booker Ervin gelingt es tatsächlich noch einen draufzusetzen (Einschätzung nach dem ersten Durchgang), jedenfalls glaubt man hier echt die Luft brennen zu hören... ist die Sorte Album, wo sich Fours wirklich lohnen... wie gesagt, die Rhythmusgruppe um Jaki Byard ist auch in Hochform, grad Byard hinter den Solisten ist mir immer wieder mit tollen Ideen aufgefallen, so sehr ich die Bud-Powell Schule der Pianisten mag, es ist auch super mal jemand flexibleres zu hören, der keine Angst hat in die Tasten zu Hauen, Blöcke zu spielen, was weiß ich, vielleicht ist es auch einfach eine große Portion Sense of Drama die er den meisten anderen Pianisten voraus hatte...
und noch ein Link, Jim Sangrey fasst das Gordon Prestige Set ausführlich zusammen (http://www.bagatellen.com/archives/reviews/000887.html)
gypsy tail wind
13.10.2010, 23:04
grad zum ersten Mal Settin' the Pace mit Booker Ervin gehört - ziemlich überwältigend, nur zwei Stücke um die zwanzig Minuten, aber was für welche, vielleicht das intensivste Tenor-Battle das ich kenne, Gordon zeigt, dass er auch mit einer etwas provokanteren (?) Rhythmusgruppe ganz ausgezeichnet klarkommt, eine tolle Linie nach der anderen, Booker Ervin gelingt es tatsächlich noch einen draufzusetzen (Einschätzung nach dem ersten Durchgang), jedenfalls glaubt man hier echt die Luft brennen zu hören... ist die Sorte Album, wo sich Fours wirklich lohnen... wie gesagt, die Rhythmusgruppe um Jaki Byard ist auch in Hochform, grad Byard hinter den Solisten ist mir immer wieder mit tollen Ideen aufgefallen, so sehr ich die Bud-Powell Schule der Pianisten mag, es ist auch super mal jemand flexibleres zu hören, der keine Angst hat in die Tasten zu Hauen, Blöcke zu spielen, was weiß ich, vielleicht ist es auch einfach eine große Portion Sense of Drama die er den meisten anderen Pianisten voraus hatte...
JA! :sonne:
Byard passt für Dexter - klar ist er abenteuerlicher, aber er ist eben abenteuerlicher "von innen", mit seinem tiefen Wissen um die Tradition von Waller bis zum Free... er war ja nie einer, der sich von Traditionen gelöst hätte - drum hat er ja letztlich auch zu Mingus so gut gepasst (wo's auch die Linie zurück bis zu Jelly Roll gibt). Insofern leuchtet mir das sofort ein, dass Gordon mit ihm sehr gut leben konnte!
und noch ein Link, Jim Sangrey fasst das Gordon Prestige Set ausführlich zusammen (http://www.bagatellen.com/archives/reviews/000887.html)
Danke, werd ich auch mal lesen, wusst ich nicht, dass der sich darüber mal ergossen hat ;-)
alexischicke
13.10.2010, 23:19
Danke dann werde ich mir wohl die Einzelcds holen.Ist ja auch eine Ecke billiger als die große Blue Note Box.
Ja ich mag romantische Balladen von Gordon und Sinatra.:wave:
Alex
katharsis
17.10.2010, 02:20
Sinatra hör ich nicht, aber ich stimme zu, dass die Balladen oft das beste an Gordon Alben sind, so auch diese...
hab jetzt grad die Resurgence of Dexter Gordon durch, fünf Sterne sind das nicht, aber ich mags definitiv sehr gerne... noch zwei weitere Bläser dabei, Dolo Coker spielt Klavier und hat sich als Arrangeur sehr verdient gemacht, abwechslungsreiches Programm, das trotzdem eine einheitlich leicht angedüsterte Grundstimmung hat (verglichen mit den Blue Notes, find ich jedenfalls), Gordon klingt grandios, manche Stücke sind besser als andere ("Dolo" etwa ist großartig, auch die Ballade "Jodi"), leichte Abzüge gibt es für die Soli des Posaunisten (Richard Boone), der allerdings in den Ensembles eher positiv auffällt - gute Sache insgesamt...
Ich bin hauptsächlich die Blue Note-Aufnahmen gewohnt, daher habe ich so meine Probleme mit "Resurgence". Im besten Sinne ist die Session eine Blowing-Session, in der Gordon weniger in Balladen eintaucht, sondern vielmehr schnell durch die Kompositionen fegt. Mir fehlt dadurch sein großer, warmer Ton. In Anlehnung an das Dootone-Album spielt Gordon hier eher cool als hot, damit meine ich tatsächlicher kälter und schärfer. Martin Banks hat ja nicht auf jedem Stück so viel zu tun, aber er unterstützt Gordon in diesem "härteren" Ansatz durchaus, so bspw. durch die schneidenden und spitzen Töne in "Affair in Havana". Boone ist meines Erachtens vernachlässigenswert, wenngleich er auf dem gerade genannten Stück ganz gut soliert. Insgesamt "blockiert" er das Album aber durchaus durch seine grummelnden Töne im Hintergrund. Da gibt es inspiriertere und flüssigere Kollegen. Dolo Coker lockert das Ensemblespiel dann aber wieder durch seine relaxten und freundlichen Töne wieder auf. Ein sehr schöner Kontrast zum bereits genannten düsteren Grundton der Session.
"Jodi" ist dann eines der Stücke, die Gordon in den darauffolgenden Jahren vertiefen wird.
Insgesamt ein interessantes Album, das gut den Grundstein für die spätere Entwicklung aufzeigt und überraschenderweise alles andere als ein sonniges Westcoast-Album ist. Es zieht aber doch ein wenig an meinem Geschmack vorbei.
alexischicke
17.10.2010, 12:08
Ihr schwärmt immer so von den frühen Alben von Dexter Gordon.Die späten Alben sind ihn wohl nich mehr so gut gelungen?
gypsy tail wind
17.10.2010, 12:10
Ihr schwärmt immer so von den frühen Alben von Dexter Gordon.Die späten Alben sind ihn wohl nich mehr so gut gelungen?
Ich schwärme auch für "Homecoming" und hab Dir speziell "The Sophisticated Giant" empfohlen...
Aber Gordon hat unglaublich viele Alben veröffentlicht, da ist es schwierig, alles zu kennen.
alexischicke
17.10.2010, 13:15
Er spielt auch auf einen Tony Bennett Album mit von 1987.
Wie ist denn sein Carnegie hall Concert?
Alex
gypsy tail wind
17.10.2010, 13:26
Wie ist denn sein Carnegie hall Concert?
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc000/c079/c079223lppc.jpg
Schön, aber nicht essentiell... ein paar Stücke im Quartett im George Calbes (die vor der CD soweit ich weiss nicht zu haben waren) und dazu zwei lange Jams mit Johnny Griffin, die davor auf dem Album Great Encounters (http://www.jazzdisco.org/dexter-gordon/catalog/#columbia-jc-35978) zu finden waren, ein drittes davon, "Ruby My Dear", fand den Weg auf den CD Reissue von Manhattan Symphonie (http://www.jazzdisco.org/dexter-gordon/catalog/#columbia-jc-35608), die beiden Stücke verbleibenden Stücke - mit Woody Shaw und Eddie Jefferson - finden sich auf dem CD Reissue von The Sophisticated Giant (http://www.jazzdisco.org/dexter-gordon/catalog/#columbia-jc-34989) - wer doch noch das originale Album will oder nur dieses sucht, findet bei Wounded Bird auch einen CD Reissue (http://www.woundedbird.com/gordon_dexter/5978.htm) davon.
Insgesamt sind diese Columbia Sessions recht schön, finde ich. Noch nicht kenne tu ich Gotham City (http://www.jazzdisco.org/dexter-gordon/catalog/#columbia-jc-36853) (glaub die LP gäb's im Antiquariat hier in den Nähe). Sieht auch ganz interessant aus, mit Blakey und auf einem Stück Woody Shaw (was George Benson da sucht kann ich mir allerdings weniger gut vorstellen).
katharsis
17.10.2010, 18:32
@Alex: Warum hörst Du Dich nicht mal durch ein paar Soundschnipsel, bei youtube bspw., oder gehst in einen CD/Plattenladen?
Am besten ist es doch eh, wenn man sich selbst ein Bild macht.
alexischicke
17.10.2010, 18:38
Das mache ich sowieso!
Mich intressiert nur eure Meinung zu dem Thema,daher frag ich ab und zu nach.
katharsis
17.10.2010, 18:45
Ist ja auch nicht verboten, so meinte ich das nicht.
Den eigenen Höreindruck kann nur keine andere Meinung ersetzen, wie gypsy in einem anderen Thread schön geschrieben hat.
redbeans würde Dir wahrscheinlich die "Resurgence" empfehlen, ich dagegen eher nicht. Daher ist das anhören eben wichtig.
alexischicke
17.10.2010, 18:47
Ja klaro!
Aber die Empfehlungen können durchaus hilfreich sein eine eigene Meinung über Dexter Gordon zu bilden.
Alex
redbeansandrice
18.10.2010, 12:16
Ich bin hauptsächlich die Blue Note-Aufnahmen gewohnt, daher habe ich so meine Probleme mit "Resurgence". Im besten Sinne ist die Session eine Blowing-Session, in der Gordon weniger in Balladen eintaucht, sondern vielmehr schnell durch die Kompositionen fegt. Mir fehlt dadurch sein großer, warmer Ton. In Anlehnung an das Dootone-Album spielt Gordon hier eher cool als hot, damit meine ich tatsächlicher kälter und schärfer. Martin Banks hat ja nicht auf jedem Stück so viel zu tun, aber er unterstützt Gordon in diesem "härteren" Ansatz durchaus, so bspw. durch die schneidenden und spitzen Töne in "Affair in Havana". Boone ist meines Erachtens vernachlässigenswert, wenngleich er auf dem gerade genannten Stück ganz gut soliert. Insgesamt "blockiert" er das Album aber durchaus durch seine grummelnden Töne im Hintergrund. Da gibt es inspiriertere und flüssigere Kollegen. Dolo Coker lockert das Ensemblespiel dann aber wieder durch seine relaxten und freundlichen Töne wieder auf. Ein sehr schöner Kontrast zum bereits genannten düsteren Grundton der Session.
"Jodi" ist dann eines der Stücke, die Gordon in den darauffolgenden Jahren vertiefen wird.
Insgesamt ein interessantes Album, das gut den Grundstein für die spätere Entwicklung aufzeigt und überraschenderweise alles andere als ein sonniges Westcoast-Album ist. Es zieht aber doch ein wenig an meinem Geschmack vorbei.
zwei Sachen...
das mit der Blowing-Session ist eine interessante Beobachtung: Von der Anlage her ist das Album ja überhaupt keine Blowing Session, viel weniger als zB Dexters Blue Note Alben... es liegt an Gordon, dass die Session sich nicht voll entfalten kann/sie ihren Blowing Charakter behält und dadurch irgendwie nicht ganz stimmig ist.... man stellt sich vor, dass Lion die Sache vielleicht gerettet hätte, indem er Gordon einfach eine Woche in ein Hotelzimmer gesteckt hätte - hier hat man offensichtlich Dolo Coker sowas gesagt wie "du weißt, Dexter fehlt die Ruhe sich selber um seine Musik zu kümmern, sei doch bitte so nett und bereite alles vor, als wär es dein Album, Dexter kommt dann am 13.10 vorbei und nimmt es auf..." (ha, das Album ist grad 60 geworden); die Art von gut-gemeinter und durchaus geschmackvoller Überproduktion, die wir neulich schon bei Blue Mitchells Riverside Alben beklagt hatten (während Johnny Griffin mit diesen Methoden prima zurecht kam und eine tolle Serie aufgenommen hat... kleine Ausnahme hier ist, dass die Produktion von Cannonball Adderley ist...) die zweite Seite find ich übrigens spürbar stärker als die erste...
was die Düsterniss betrifft: die ist aus meiner Sicht ein Charakteristikum von weiten Teilen des kalifornischen Hard Bop, die Alben, die ich immer runterbete, Earl Anderza's Outa Sight, Jimmy Woods Awakening, Art Peppers Intensity und Smack Up, Harold Lands The Fox.... sind alle düsterer als der Hard Bop der Ostküste... (und sollten sie dir begegnen, lass sie nicht stehen!)
@alexischke: klar empfehl ich Resurgence mehr als Katharsis, fast mehr allerdings als Fan des düsteren kalifornischen Hard Bop, als als Dexter Gordon Fan... da alexischke ja ein weniger düsteres Gemüt ist: die Gordon Alben die ich im Moment empfehlen würde sind Doin' Alright, A Day in Copenhagen und Our Man in Paris... und natürlich die wirklich frühen Aufnahmen aus den 40ern... Resurgence kann man hier (http://www.simfy.de/#/artists/1450-Dexter-Gordon/albums/643335-The-Resurgence-Of-Dexter-Gordon) hören (die anderen auch)...
katharsis
18.10.2010, 15:48
Das ist eine sehr wertvolle und wahrscheinlich auch korrekte Beschreibung/Vermutung. Das würde dann auch den programmatischen Titel erklären, da man gezielt Gordon pushen und aus dem Sumpf holen wollte.
Da Du Alfred Lion erwähnst: Ich würde mal vermuten, dass diese Session unter seiner Ägide im Giftschrank geblieben wäre. Eigentlich sehr interessant, dass mal unter diesem Gesichtspunkt zu hören.
Mit der Düsternis hast Du auch Recht. Ich kenne von den genannten nur Woods und "The Fox". Letztere finde ich ja nicht so gelungen (habe ich irgendwo schon mal geschrieben), wie bspw. "Eastward Ho" oder "Westcoast Blues", die beide von der Anlage aber auch anders sind.
Ich neige immer dazu, Westcoast-Jazz tendenziell alssonniger anzusehen, aber das stimmt ja nicht unbedingt.
redbeansandrice
18.10.2010, 17:48
enorm düster und ziemlich toll sind auch die Alben, die Elmo Hope nach seiner Rückkehr aus Kalifornien aufgenommen hat,
Adderley hat in seiner Serie bei Riverside einige Künstler gezielt fördern wollen, Leute die ein paar Jahre aus dem Blickfeld verschwunden waren wie Gordon oder Clifford Jordan, und auch talentierte lokale Musiker wie Lenny McBrowne's Four Souls aus San Diego, das JFK Jazz Quintet aus Washington, die Manigone Brüder aus Rochester, das Paul Serrano Quintet aus Chicago, den Tenoristen Joe Alexander aus Cleveland (das Album ist kurioserweise als einziges auf Jazzland erschienen...), die sonst niemals "nationwide" gehört worden wären... (hab ich im Strozier Post im Chicago Sound Thread schon mal mehr zu geschrieben...) das war ziemlich nobel von ihm :-) er hat offenbar auch regelmäßig Kompositionen von unbekannten Musikern, die er gut fand, aufgenommen, [spontan fallen mir House of Marcel vom obskuren Sänger Marcel(le) Daniels aus Chicago und die Daniel Jackson Kompositionen auf dem James Clay Album DD of Soul ein...]
in Sachen "What Would Alfred Lion Do" und Dexter Gordon sind die Erinnerungen (http://www.xs4all.nl/~sjw/paulweedeninterview.html) von Paul Weeden an die Session von Gordon und Sonny Stitt für Blue Note ganz interessant - klingt nicht nach den ganz hohen Weihen der Professionalität ;-)
katharsis
18.10.2010, 17:55
Oh ja, Elmo Hope habe ich schon lange auf meiner Vertiefungsliste.
Die Adderley-Protége-Serie ist auch größtenteils bei Riverside erschienen, wenn mich nicht alles täuscht. Von den genannten kenne ich nur die Mangiones näher. "Spring fever" mag ich sehr gerne, vor allem wegen Nistico, der eh zu den most underrated Tenorsaxern gehört. Die spätere "Diana in the autumn wind" von Gap Mangione ist auch hervorragend. Im Endeffekt ein großer Verdienst von Adderley, ich bin aber gar nicht so informiert, welche Künstler alle in diesen Dunstkreis fallen..
Weeden's Erinnerungen decken sich ja mit dem Textim Lost Session Booklet. Nur wird hier Dexter Gordon noch etwas mit einbezogen, als Grund für den vorzeitigen Abbruch. Wenn man sich die ganzen unveröffentlichten Schätze auf Blue Note ansieht, dann hatte Lion wirklich einen sehr hohen Standard. Ich kann mir gut vorstellen, dass die zwei Kerle dam nicht gerecht geworden sind, wenn sie einfach für eine Blowing Session im Studio aufgelaufen sind...
redbeansandrice
18.10.2010, 18:08
Adderleys Riverside Produktionen (wie gesagt, ein Ausrutscher nach Jazzland) sind (Liste von organissimo, gibt dort mehrere Threads zum Thema)
Joe Alexander - Blue Jubilee - Jazzland JLP 23/JLPS 923; recorded June 20, 1960.
CLAY JAMES The sound of the Wide Open Space Apr 26,1960 Riverside 327
GORDON DEXTER The Resurgence of Dexter Oct 13,1960 ? 929
JFK Quintet New Jazz Frontiers from Washington July 17 1961 Riverside 396
JOHNSON BUD The Four Brass Giants Aug 22 ,1960 Riverside 343
JONES SAM Down Home Aug 15,1962 Riverside 432
JORDAN CLIFFORD Spellbound Aug 10,1960 Riverside 340
MANGIONE CAP The jazz Brother Aug 29,1960 Riverside 335
MORGAN DICK At the Showboat May 04,1960 Riverside 1183
McBROWN LENNIE Eastern Lights Oct 13 ,1960 Riverside 346
SERRANO PAUL Blues Holiday Nov 8 ,1960 Riverside 359
Eddie "Cleanhead" Vinson: Cleanhead and Cannonball - Riverside 3502
WILKERSON DON The Texas Twister May 19 ,1960 Riverside 1186
dann gibt es Nachfolge Alben wie das von Don Sleet oder eben Mangione/Nistico, Wes Montgomery hat offenbar auch Adderley an Riverside vermittelt, ein anderes Album, dass so eine Handschrift trägt ist das Nat Adderley Album "In the Bag" mit Ellis Marsalis, James Black und Nat Periliat (also, 2/3 der reportedly besten lokalen Hard Bop Band, des Ellis Marsalis Quartets..)
katharsis
11.12.2010, 23:45
Ich habe mir neulich mal wieder "Doin' allright" von Gordon angehört und war dann doch ziemlich überrascht, wie wenig mir das Album eigentlich gefällt.
Erstmal kann der Unterschied zum Vorgängeralbum nicht größer sein. Auf "Resurgence" wirkt vieles hektisch, weniger ausgearbeitet und Gordon scheint seinen ganzen in der letzten Zeit erlebten Frust wegblasen zu wollen. Auf "Doin' allright" ist der Tenor des Albums dagegen ruhig, entspannt, zuweilen fast kontemplativ. Und genau da liegt mein Problem. Die Musik klingt viel zu behäbig und stellenweise geradezu einschläfernd. Dabei macht Gordon an und für sich alles richtig und bläst stilvoll und schön. Hubbard unterstützt ihn dabei, zeigt sich aber nicht unbedingt von seiner besten Seite. Ebenso unaufdringlich hält sich die Begleitung im Hintergrund, ohne je etwas falsch zu machen und ohne wirklich aufzufallen. Kein Schlagzeugsolo und auch kein Bass-Solo, wenn ich mich recht entsinne.
Die Trackauswahl erscheint mir dann auch sehr eintönig, da fast ausschließlich Balladen gegeben werden. Nicht zuletzt dadurch klingt die Musik einfach zu "safe" und bleibt zu sehr im sauberen Wohlklang.
Zudem fehlt mir die spröde Schönheit und die etwas rauer klingende Spielfreude, wie sie auf seinen späteren Blue Notes zu hören sind - wie auf "Cheese Cake" oder "Modal Mood".
Für mich ist das eine typische Session, die den Weg ins Archiv hätte finden können.
alexischicke
16.04.2011, 00:04
Hab heute eher durch Zufall günstig seine Prestige Box bekommen 11 CDS! Da bin ich gut beschäftigt mit hören.
gypsy tail wind
16.04.2011, 00:10
Hab heute eher durch Zufall günstig seine Prestige Box bekommen 11 CDS! Da bin ich gut beschäftigt mit hören.
Viel Vergnügen!
In der Tat eine riesige Box... da gibt's viel wunderbares zu entdecken!
Das grösste Highlight ist vielleicht das Album "The Panther".
alexischicke
16.04.2011, 00:12
ich freue mich schon drauf!
redbeansandrice
16.04.2011, 00:16
Viel Vergnügen!
In der Tat eine riesige Box... da gibt's viel wunderbares zu entdecken!
Das grösste Highlight ist vielleicht das Album "The Panther".
nein, das größte highlight ist das battle mit Booker Ervin!
gypsy tail wind
16.04.2011, 00:18
nein, das größte highlight ist das battle mit Booker Ervin!
Stimmt!
An die hatte ich gar nicht gedacht, weil ich die auf der einzelnen CD habe, auf der noch mehr (ohne Gordon) zu finden ist.
alexischicke
24.04.2011, 16:59
So ich bin jetzt bei CD 11 meiner Dexter Gordon Prestige Box die ich vor Wochen sehr günstig erstanden habe.
Gerade spielt Hampton Hawes ein soulastiges Orgel gibt der Musik bisschen einen modernen Touch.Dexter Gordon spielt sehr lange Nummen und zitiert oft mehrere Songs in eimem Lied. Aber er kehrt immer wieder zurück zu Bridge.Seine ungeheure Kraft am Saxophon war bemerkenswert.Er konnte hart spielen aber auch sehr weich bei den Balladen.
Mein Favouriten sind eindeutig die Sessions mit Freddie Hubbard und Thad Jones, denn die beiden Trompete ergänzen den Sound von Gordon perfekt.Aber auch Hawes fordert Dexter Gordon immer wieder zu kleinen Duellen auf.
Ach ja paar der Aufnahmen wurden in München aufgenommen.
katharsis
24.04.2011, 18:12
Kennst Du denn seine Sessions für Blue Note? "Doin' alright" wird von gypsy sehr hoch gehalten und hat Hubbard aufzuweisen, ebenso wie Herbie Hancocks "Takin' off", bei dem Hub und Dex die Frontline bestreiten. "Clubhouse" gibt es ausserdem noch als RVG-CD.
alexischicke
24.04.2011, 18:38
Nein außer Go kenne ich da nichts und Go gefällt mir sehr gut!
katharsis
24.04.2011, 18:46
Dann solltest Du die drei bei Gelegenheit nachkaufen. "Doin' alright" ist da vielleicht am zwingendsten. In irgendeinem Thread (Ich glaube es war dieser, oder der Blue Note-Thread) steht ein bißchen mehr über die Sessions.
gypsy tail wind
24.04.2011, 23:11
Alex, Du solltest Dir mal diese Doppel-CD besorgen:
http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drl100/l152/l15278uzunl.jpg
Slide Hampton - Joe Haider Jazz Orchestra - Give Me a Double (http://www.jhmrecords.ch/de/katalog/detailseite.php?CD_Nr=3627)
Die Live-Aufnahmen aus dem Domicil im Januar 1974 wurden mit einer grossartigen Band aufgenommen, in der neben Haider, Hampton und Dexter Gordon auch Idrees Sulieman, Benny Bailey, Andy Scherrer, Ferdinand Povel, Erik van Lier, Ack van Rooyen, Isla Eckinger und Billy Brooks spielten.
Die Musik erschien ursprünglich 1975 bei MPS (Discogs-Infos (http://www.discogs.com/Slide-Hampton-Joe-Haider-Orchestra-Give-Me-A-Double/release/2566860)), Joe Haider hat sie 2002 auf seinem eigenen Label JHM-Music neu aufgelegt.
Sehr lohnenswert!
THELONICA
08.07.2012, 12:35
http://www.dextergordon.com/demos/gallery/galleries/dexter/Dexter_Photos_1947/Dex_Bird_Miles.jpg
Dieses Foto dürfte schon bekannt sein.
Interview (http://www.dextergordon.com/blog/2011/12/16/family-legacy-interview-with-maxine-gordon-and-son-woody-shaw-iii/) mit Maxine Gordon und Sohn Woody Shaw III.
http://www.dextergordon.com/blog/2011/09/21/complete-columbia-albums-collection/
Plus "Sophisticated Giant" wurde von Music on Vinyl im Juni neu rausgebracht.
THELONICA
31.07.2012, 01:49
Neuigkeiten
AAJ: Do you know when your biography of Dexter will be released?
Maxine Gordon: I hope to complete it this year and published next year, 2013, which will be the occasion of Dexter's 90th birthday. My agent is currently talking with various publishers.
... I'm also planning my next book, which will be on Shirley Scott, Melba Liston, and Maxine Sullivan, a social history of three prominent women in jazz. They're three very important figures in jazz, and I'll include a fictive conversation on what they would say to each other now. Melba was very close to Dexter, who felt he learned so much from her. When he was a student in L.A., she did all the band arrangements. He loved her. He always called her "Mischievous Lady," and they hung out together until the end.
http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=41600&pg=1
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