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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Art Blakey & The Jazz Messengers



gypsy tail wind
18.09.2010, 18:28
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Art Blakey, 11. Oktober 1919 - 16. Oktober 1990

Durch den Hardbop-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=14530&page=10) bin ich mal wieder auf Horace Silver (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=8491) gekommen... und Silver ohne Blakey (und ohne KD, Mobley und Watkins) ist eigentlich nicht denkbar. Einen Thread zu Art Blakey, einem der explosivsten Drummer der 50er und 60er Jahre, der seine Anfänge allerdings schon im vorangegangenen Jahrzehnt, als er mit Mary Lou Williams, Fletcher Henderson, Billy Eckstine, aber auch mit Monk, Miles, Moody und vielen anderen spielte.

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Er trat schon früh als Leader in Erscheinung, der zündende Moment war dabei die Session Ende 1954 mit Horace Silver, Kenny Dorham, Hank Mobley und Doug Watkins, die unter dem Titel "Horace Silver Quintet, Vol. 1" (Blue Note 5058) und dann später mit Vol. 2 (BN 5062) zusammen unter dem Titel "Horace Silver & The Jazz Messengers" (BN 1518) erschien. Die Gruppe trat als Kollektiv auf, nahm im November 1955 "Live at the Cafe Bohemia" auf (zwei LPs, eine dritte in Japan, heute alles auf zwei CDs zu finden), eine der besten Sessions des Hardbop. Auch auf Sessions von Kenny Dorham und J.J. Johnson spielten die meisten Jazz Messengers mit, aber Dorham war Ende 1955 der erste, der die Band verliess (um seine "Jazz Prophets" mit J.R. Monterose zu starten). Donald Byrd nahm seinen Platz ein, in dieser Besetzung entstand dann "The Jazz Messengers" für Columbia und einige weitere Sessions unter Leitung von Hank Mobley (eine im Quartett, sowie zwei Quintette mit Milt Jackson bzw. Art Farmer an Byrds Stelle) aber auch von Donald Byrd (mit Joe Gordon als Gast, Transition 4 "Byrd's Eye View").

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Dann trennten sich die Wege von Silver und Blakey - Silver behielt vorläufig die Band, mit Joe Gordon und Kenny Clarke bzw. mit Art Taylor und Byrd nahm er ein Epic-Album auf ("Silver's Blue", Mobley und Watkins waren auf beiden Sessions), mit den Messengers mit Byrd und Louis Hayes and Blakeys Stelle dann im November 1956 das erste einer langen Reihe von Blue Note-Alben des Horace Silver Quintets, "Six Pieces of Silver".

Blakey behielt den Namen der Band aber musste sich neue Leute suchen, 1956/57 bestand seine Band - man spricht gemeinhin von der "second edition" - aus Bill Hardman, Jackie McLean, Sam Dockery und Spanky DeBrest, ab und zu stiess Johnny Griffin (teils als sechster Mann, teils anstelle von McLean) dazu. Es entstanden aber auch erste Drum-Sessions ("Drum Suite" für Columbia, "Orgy in Rhythm" in zwei Volumes für Blue Note) und ein tolles Album mit Thelonious Monk (für Atlantic). Zudem erschien auf der 2005er CD von "Drum Suite" eine faszinierende frühe Session (vor der "second edition") mit Donald Byrd, Ira Sullivan, Kenny Drew und Wilbur Ware, und für Vik nahm Blakey (neben Quintett und Sextett-Alben, darunter vielleicht das beste jener Jahre, "A Night in Tunisia") auch eine Session mit grösserer Besetzung auf: Lee Morgan, Melba Liston, Sahib Shihab und Cecil Payne stiessen zum Kern-Quartett (mit Griffin und mit Wynton Kelly an Dockerys Platz).
1957 war ein arbeitsreiches Jahr, die Gruppe nahm eine ganze Reihe von Alben für verschiedene Labels auf, u.a. Vik, Savoy, Pacific Jazz, Columbia und im Herbst als letztes Album der "second edition" "Hard Drive" mit Junior Mance am Piano. Ende des Jahres entstand zudem für Bethlehem ein Big Band Album, auf dem u.a. John Coltrane mitwirkte. Ihn präsentierte Blakey auch an der Seite von Donald Byrd in einigen Quintett-Nummern (ein wenig mehr Infos hier (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2172486#post2172486) und folgende Posts).

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Mit "Moanin'" kam 1958 dann der künstlerische Durchbruch für Blakey. Die neuen Messengers bestanden aus dem jungen Trompetenstar Lee Morgan, dem hart-swingenden Pianisten Bobby Timmons (der neben dem Titelstück auch "Dat Dere" beisteuerte), den Bassisten Jymie Merritt, sowie den vielleicht wichtigsten Mann und musikalischen Direktor am Tenor: Benny Golson. Golson steuerte für das Album eine ganze Reihe toller Stücke bei: "Along Came Betty", "Blues March", und "Are You Real". Er war es wohl, der die Messengers auf Kurs brachte, auch wenn er sie nach einer Europa-Tournee im Herbst 1958 (einige Konzerte wurden mitgeschnitten, v.a. die Konzerte aus Paris sind toll, es entstand überdies der Soundtrack für "Les femmes disparaissent") schon wieder verliess.

Das führte 1959 schon wieder zur ersten kleinen Krise... eine Blue Note Session mit Rückkehrer Mobley wurde zurückgehalten (bis heute, 1959-03-08), eine Reihe derselben Stücke wurden dann aber live aufgenommen und doch veröffentlicht, auf dem Album "At The Jazz Corner Of The World" (2 Volumes BLP 4015/16) - eine wunderbar dreckige Live-Session mit tollen Soli von Morgan und Mobley - sie gehört zu meinen allerliebsten von Blakey!
Im Juli nahm Blakey einen weiteren Soundtrack auf "Les liaisons dangereuses" - für diese Sessions spielte Barney Wilen Tenorsax (sowie auf einem Stück ganz wunderbar Sopransax... eine ganze Weile vor Coltrane!). Zudem nahm Blakey als Sideman an verschiedenen Sessions teil, bevor er Ende Jahr wieder in Europa war (eine Live-Aufnahme aus Kopenhagen mit dem neuen Tenoristen Wayne Shorter und Walter Bishop am Piano ist erhalten).

Mit Lee Morgan, Wayne Shorter, Bobby Timmons und Jymie Merritt hatte Blakey dann die nächste tolle Band beisammen, die für Blue Note eine grosse Menge toller Aufnahmen machte.

Ich habe vor, in den nächsten Wochen und Monaten die Alben anzuhören und ab und zu dazu was zu schreiben... hab aber noch nicht alles gefunden, was ich habe und höre jetzt zuerst mal Horace Silver.

Ach ja, zu den Aufnahmen, die Blakey vor den Messengers gemacht hat (u.a. die faszinierende Blue Note Session vom 22. Dezember 1947) komme ich dann auch noch.

Diskographien gibt's mehrere, allerdings haben die wohl alle gegenseitig abgeschrieben und scheinen alle den einen oder anderen Fehler zu enthalten:

http://www.jazzdisco.org/art-blakey/discography/
http://home.ica.net/~blooms/Art1.html
http://www.duke.edu/~aks2/jazz/dis.htm

gypsy tail wind
18.09.2010, 18:29
Ergänzend zu den Messengers Posts #4 und #5 hier (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2267211#post2267211).

gypsy tail wind
18.09.2010, 18:37
Und allgemeiner zu Blakey: ich denke explosiv ist eine recht gute Beschreibung für sein Spiel. Solange er sich nicht an Latin-Rhythmen versucht (die er selten richtig sauber hinkriegte) ist er einer der treibendsten, swingendsten Drummer des Hardbop. Was ihm an Subtilität fehlt macht er locker durch sein Feeling wett. Zudem waren seine Messengers eine Art inoffizielle Hochschule des Jazz - es lässt sich kaum messen, wie wichtig er für eine grosse Zahl junger Musiker war... Alumni waren nicht nur all die schon genannten sondern auch Walter Davis Jr., Gary Bartz, Curtis Fuller, Cedar Walton, Reggie Workman und später auch Musiker wie Terence Blanchard, Wynton Marsalis (yuck, bei ihm hat's nichts genutzt), Wallace Roney, Donald Harrison, Jean Toussaint, Robin Eubanks, Javon Jackson, Benny Green, Lonnie Plaxico, Peter Washington, Carlos Garnett, George Cables, Valery Ponomarev, Bobby Watson, David Schnitter, Billy Pierce, James Williams, Billy Harper, Julian Priester, John Gilmore, John Hicks, Mulgrew Miller, Ronnie Mathews...

alexischicke
18.09.2010, 18:47
und er begleitete auch Tony Bennett,Gypsy:-)

gypsy tail wind
18.09.2010, 18:51
und er begleitete auch Tony Bennett,Gypsy:-)
... und wenn er richtig losgelegt hätte, hätte er Bennett grad weggepustet :party:

gypsy tail wind
18.09.2010, 18:52
Hier ist auch gleich der Blakey-Sterne-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2267529)

gypsy tail wind
18.09.2010, 19:00
Ach ja, und trotz allem Bombast: Blakey war auch ein hervorragender Trio-Schlagzeuger. Ganz toll ist er natürlich auf den ersten Blue Note Sessions mit dem Horace Silver Trio (auf dem zweiten Album hatte er zudem mit Sabu zwei Stücke als Leader drauf - also das Silver Trio + Sabu aber Blakey/Sabu als Leader). Er spielte zudem auf grossartigen Sessions mit Thelonious Monk und Herbie Nichols.

gypsy tail wind
26.09.2010, 15:16
Blakeys erste Aufnahmen entstanden mit der Big Band von Billy Eckstine (1944-46), im Oktober 1946 nahm er an einer Session Teil, bei der Earl Coleman bzw. Ann Baker sangen, die Band bestand aus Miles Davis, Gene Ammons, Linton Garner, Connie Wainwright, Tommy Potter und eben Blakey - kenne ich nicht, gibt's bei Black Lion auf CD und soweit ich weiss auch auf einigen Bootlegs (einen davon hat glaub ich mein Vater mal irgendwoher nach Hause gebracht, muss ich mir mal ansehen wenn ich das nächste mal dort bin).

1947 begann Blakey dann, auf klassichen Bop-Sessions zu spielen: mit Thelonious Monk war er im Oktober sowohl mit einem Sextett als auch im Trio an Blue Note Sessions beteiligt, die für Monk den Grundstein legten. Im November folgte eine dritte Session im Quintett, im Dezember folgten dann Savoy-Sessions mit Fats Navarro (Charlie Rouse spielte da mit - der war ja schon längst ein Veteran, als Monk ihn Ende der 50er ausgegraben und angstellt hat) und mit Dexter Gordon (mit Leo Parker, Tadd Dameron spielte auf beiden Sessions Piano).

Im Dezember nahm Blakey dann für Blue Note seine erste Session als Leader auf - mit einem Oktett, das aus Kenny Dorham (t), Howard Bowe (tb), Sahib Shihab (as), Orlando Wright (aka Musa Kaleem) (ts), Ernie Thompson (bari), Walter Bishop, Jr. (p) und LaVerne Baker (b) bestand. Vier Bop-Stücke mit arranger's touch entstanden, Shihab, Dorham und Kaleem steuerten schöne Soli bei. Die Stücke stammten von Dorham ("The Thin Man"), Talib Dawud ("Bop Alley" - Dawud spielte Trompete, u.a. in der Big Band von Dizzy Gillespie) und Musa Kaleem ("Groove Street" und "Musa's Vision").
Dorham klingt noch etwas mehr nach Dizzy und Navarro als später, sein Ton ist satter, flächiger. Die Überraschung ist jedoch Shihab, der in bester Parker-Manier schöne Altsoli bläst - er hat ja später auf dem Barisax, der Flöte und auch dem Sopransax zu einer eigenen Persönlichkeit gefunden, aber wenn man ihn hier hört, ist es doch zu bedauern, dass er nicht länger beim Altsax geblieben ist!

Es folgten Sessions mit Ida Hunt, James Moody (die 1948-10-25 Blue Note Session in grösserer Besetzung, die ich noch nie gehört habe - mal nachschauen ob ich die irgendwo habe... Quadromania?), Lucky Millinder (mit Annisteen Allen übrigens, zwei Stücke, 1949-02-15 - kenn ich auch nicht), Big John Greer, Gil Fuller (eine Savoy-Session mit Big Band, die spannend aussieht, 1949-06-11 u.a. mit Dave Burns, Jimmy Heath, Shihab, Billy Mitchell, Cecil Payne, Milt Jackson und Percy Heath).

Im Februar 1950 geht's dann weiter mit Bop-Sessions: Mit Kenny Drew und Tommy Potter begleitete Blakey Sonny Stitt auf einer seiner schönsten Prestige-Sessions, im April nahm er mit Sonny Stitt/Gene Ammons auf und in derselben Zeit spielte er live mit Miles Davis und Charlie Parker (es gibt einige Airchecks auf Boris Roses Labels). Das Jahr endete wieder im Quartett mit Stitt, diesmal mit Junior Mance und Gene Wright.

1951 spielte Blakey im Sextett von Dizzy Gillespie (mit Coltrane, Jackson, Billy Taylor und Percy Heath). Zudem entstnden Aufnahmen mit Dinah Washington, Gene Ammons, Sonny Stitt, Illinois Jacquet, Zoot Sims, Bennie Green und wieder mit Monk. Im Oktober nahm Miles Davis sein Prestige-Album "Dig" auf - mit Jackie McLean, Sonny Rollins, Bishop, Potter und Blakey. Einige Elemente, die den Hardbop prägten tauchen möglicherweise hier zum ersten Mal überhaupt auf. Im November folgte noch eine Session mit Rollins.

1952 spielte Blakey im Quartett von Buddy De Franco - seine Bandbreite wird langsam beängstigend! Aufnahmen entstanden auch mit Sims, Annie Ross und wieder mit Monk. Im Oktober entstanden die ersten Blue Note Sessions von Horace Silver - mit Blakey und Gene Ramey bzw. Curly Russell. Blakey sollte fortan fest zum inneren Zirkel von Blue Note gehören. Im November spielte er mit Silver, Blue Mitchell und Percy Heath auf einer Quintett-Session von Lou Donaldson. Im Jahr darauf entstanden weitere Aufnahme mit Buddy De Franco, ein 10-Inch-Album mit Kenny Drew (Blue Note) sowie die erste von drei Miles Davis Sessions für Blue Note. Im August nahm Blakey an einer Session von Clifford Brown teil, neben Gigi Gryce und Charlie Rouse sowie John Lewis und Percy Heath vom Modern Jazz Quartet. Das Album hiess "New Star on the Horizon" (Blue Note 5032). Leider sollte der neue Stern nur wenige Jahre leuchten.
Im November entstand ein weiteres Album des Horace Silver Trios - Blakeys Name erschien hier auch auf dem Cover, gemeinsam mit Sabu mit dem Zusatz "and spotlight on drums". Sabu spielte auf "Message from Kenya", wo er auch in einem Mischmasch aus Spanisch und Suaheli einen "chant" zum besten gibt. Das zweite Stück, "Nothing But the Soul", präsentiert Blakey als Solisten.
Für Charles Mingus und Max Roachs Label Debut spielte Blakey neben Mingus auf dem Debut-Album von Paul Bley.

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Das Jahr 1954 wurde für Blakey zu einem Scheidejahr. Im Februar wurde im Birdland ein Quintett unter seiner Leitung aufgenommen, drei Alben erschienen mit dem Titel "A Night at Birdland with Art Blakey" auf Blue Note. Die Band umfasste Clifford Brown, Lou Donaldson, Horace Silver und Curly Russell, die Aufnahmen gehören zum Kanon des modernen Jazz. Das Repertoire setzt sich aus Bop-Klassikern ("A Night in Tunisia", "Now's the Time", "Wee Dot", "Confirmation"), Silver-Originals ("Split Kick", "Mayreh", "Quicksilver"), Blues (der themenlose "Blues" sowie "Lou's Blues" von Donaldson) und Standards zusammen. Letzere dienen vor allem der Präsentation der Bläser: Brownie wählte "Once in a While", Donaldson "If I Had You", Jerome Kerns "The Way You Look Tonight", das manche Modern Jazzer mochten (Cannonball, Griffin und viele andere haben es auch aufgenommen) wird im Quintett und wie üblich in halsbrecherischem Tempo präsentiert.

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Blakey, Silver und Russell schnurren wie ein perfekt eingespielter Motor, treiben die Musik wo nötig intensiv an, swingen wo angebracht relaxt und locker... Donaldson spielt noch nicht mit diesem leicht ätzenden, beissenden Ton, den er später haben sollte, die grossen Highlights kommen allerdings zumeist von Clifford Brown. Sein satter, grosser Sound, der sich nicht scheut, auch mal blechern zu klingen, seine schnellen Läufe, quirligen Ideen... das alles mit der grössten Selbstverständlichkeit vorgetragen - und stets ein alles übergreifender, wunderbarer Lyrizismus, selbst in den schnellsten rhythmisierten Passagen noch - unglaublich eindrücklich!

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Es folgten 1954 noch einige weitere Sessions, darunter die zweite von Miles auf Blue Note - im Quartett mit Silver, Heath und Blakey. Dieselbe Gruppe nahm auch für Prestige ein paar Stücke auf und sollte (teilweise mit Kenny Clarke an Blakeys Stelle) die bevorzugte Rhythmusgruppe von Miles bleiben, bis dieser seine Working Band mit Garland, Coltrane etc gründen sollte. Für EmArcy stand Blakey im Februar mit Clark Terry, im März als Leader eines Quartetts mit Henry Dunant (ts), Silver und Heath im Studio. Leider kenne ich beide Sessions nicht, muss ich mal sehen, ob die irgendwo greifbar sind!
Weitere Sessions mit Monk, Rollins und Donaldson folgten, ebenso wie das zweite Blue Note Album von Elmo Hope (der neben Dorham und Heath auch auf der tollen Rollins-Session im August war - das 25cm-Album hiess zuerst "Sonny Rollins Quintet", landete dann auf der 33er "Moving Out").

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Für EmArcy entstand dann im Mai 1954 das nächste Album Blakeys - mit komplett anderem Personal: Joe Gordon (t), Gigi Gryce (as), Walter Bishop Jr. (p) und Bernie Griggs (b). Neben Silvers "Mayreh" (auf der LP als "Mirah") stammten alle Stücke aus der Feder von Gigi Gryce, darunter sein Klassiker "Minority", mit dem das Album beginnt. Gryce (http://www.gigigryce.com/ggrecords.htm) hatte im Rahmen der Europa-Tournee der Lionel Hampton Big Band im Herbst 1953 in Paris ausgiebig mit Clifford Brown aufgenommen, 1954/55 spielte er mit Art Farmer, 1957 leitete er mit Donald Byrd das "Jazz Lab Quintet" und 1960 nahm er schliesslich als Leader mit Richard Williams für Prestige drei weitere Quintett-Alben auf. Als Altsaxophonist ist er ziemlich unterrepräsentiert, er hat einen leicht bitteren aber sehr attraktiven Sound - es gelang ihm, aus der Konkursmasse von Charlie Parker etwas eigenständiges zu schaffen. Umso schöner ist es, dass Blakey ihm das 25cm-Album für EmArcy fast völlig überliess - es hätte wohl ebenso gut "Gryce" heissen können!

Im August folgte eine weitere Session mit Lou Donaldsons (Lou Donaldson Sextet Vol. 2, Blue Note BLP 5055) - Kenny Dorham, Elmo Hope und Percy Heath waren wieder dabei, Matthew Gee spielte Posaune. Im September dann enstand für EmArcy Joe Gordons erstes von nur zwei Alben, "Introducing Joe Gordon" (es findet sich auf dem CD-Reissue von "Blakey"), wieder einmal taucht Charlie Rouse aus, die Rhythmusgruppe besteht aus Junior Mance, Jimmy Schenk und Blakey. Die 25cm-Ausgabe umfasste vier längere Stücke: Coleman Hawkins' "Rifftide" (als "Toll Bridge"), "Lady Bob" und "Grasshopper" von Quincy Jones, sowie "The Theme" von Kenny Dorham (als "Flash Gordon"). Für die 33cm-Version kamen Q's "Bous Bier" und Gordons "Xochimilco" dazu. Überdies entstanden noch Aufnahmen von Gordons "Evening Lights" und des Standards "Body and Soul", die zuerst auf dem Sampler "The Jazz School" anzutreffen waren.

Nach einer weiteren Trio-Session mit Monk (sie ist sehr schön, ein kleines lustiges Detail ist Percy Heaths 13-taktiger letzter Solo-Chorus in "Blue Monk") folgten im November dann die ersten Aufnahmen mit den Messengers - dazu siehe Post #1 bzw im Silver-Thread hier (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2267211#post2267211))

gypsy tail wind
26.09.2010, 16:58
Im nächsten Jahr war Blakey am Debut-Album von Clark Terry beteiligt, erneut mit Quincy Jones als Mastermind, erneut bei EmArcy. Für Verve nahm er Trio-Sessions mit Bud Powell auf und für Prestige war er an einer der frühesten Sessions von Randy Weston beteiligt.

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Bei Blue Note ging's am 30. Januar weiter mit Kenny Dorhams beinahe "Jazz Messengers"-Session: Cecil Payne stiess als sechster Mann dazu, Percy Heath spielte Bass. Eine Woche später enstand Vol. 2 des "Horace Silver Quintet", in der 33cm-Version dann die zweite Hälfte von "Horace Silver & The Jazz Messengers". Im März nahmen Blakey und Mobley an der zweiten 25cm-LP von Julius Watkins Teil, eine Woche später enstand dann Mobleys erste Blue Note Sessions, die Messengers ohne Dorham, und zwei Tage später wurde Dorhams "Afro Cuban" vollendet, diesmal war Oscar Pettiford am Bass und es stiessen zusätzlich zu Payne noch J.J. Johnson und die Perkussionisten Carlos "Patato" Valdez und Richie Goldberg zur Band.
Im Mai war Blakey dann mit Al McKibbon (der auch schon auf einer Monk-Session mit Blakey gespielt hatte) an den ersten beiden Blue Note Sessions von Herbie Nichols beteiligt: "The Prophetic Herbie Nichols, Vol. 1" und "... Vo. 2" (Blue Note BLP 5068 und BLP 5069).

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Im Herbst nahm er an einer Reihe von Sessions unter der Leitung von Duke Jordan und Gigi Gryce für das Signal-Label Teil (später von Savoy wiederaufgelegt), bevor im November, ein Jahr nach den ersten, die letzten Sessions der originalen Jazz Messengers entstanden, live im Cafe Bohemia in New York. Im Dezember folge dann noch "Byrd's Eye View" (Transition) unter der Leitung des neuen Trompeters der Messengers, Donald Byrd.

1956 fanden die ersten Sessions im März und April für "The Unique Thelonious Monk" (Riverside) statt, ein Standards-Album. Im April brachte Blakey für Columbia die neuen Messengers mit Byrd ins Studio, das zu den schönsten in Blakeys langer Karriere zählt.

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Byrd ist zwar weit weniger speziell als Dorham, aber seine fliessenden Linien bringen eine neue Art von lyrischem Spiel in die Gruppe, die auch sehr mit Mobley harmoniert. Auf der 1997er Legacy-CD findet sich einiges zusätzliches Material, darunter Mobleys "Weird-O", "Late Show" und "Deciphering the Message" (letzteres zuvor unveröffentlicht) sowie der Standard "Ill Wind", die alle nicht aufs Album kamen, sowie ein Alternate Take von "Carol's Interlude". Das Album selbst besteht aus zwei Originals von Silver ("Nica's Dream" und "Ecaroh"), dreien von Mobley ("Infra-Rae", "Carol's Interlude" und "Hank's Symphony"), sowie den Standards "It's You Or No One" (auch ein bei Boppern beliebtes Stück, siehe Dexter Gordon oder Johnny Griffin) und "The End of a Love Affair".

Kenny Washington hat neue Liner Notes für die 1997er CD verfasst, darin schreibt er u.a.:


"When yo get to the bridge of the tune I want y'all to play so soft you can hear a rat pissin' on cotton". That was the musical instruction from master multi-percussionist Art Blakey to his group the "Jazz Messengers". One of my most cherished musical memories was being fortunate enough to attend that rehearsal. There has been a lot written about Art Blakey the band leader and talent scout. Let's face it, he has done more to spread the message of jazz than practically anyone else in the history of this music. For over forty years, Art Blakey and the Jazz Messengers were synonymous with high quality swinging jazz. Be that as it may, I've always felt that Art was never really given the credit for being one of the ensemble drummers of all time. The man could hear around the corner. If one of the guys brought in a new piece of music, all Art hat to do was hear it once and he'd have it memorized. He was truly a musician-percussionist. Art grew up listening to the great big band percussionists of the '30s - Jo Jones, Sonny Greer, Sid Catlett and especially Chick Webb who gave Blakey some informal lessons. These gentlemen laid the groundwork for good ensemble playing. The term "ensemble playing" means the multi-percussionist being aware of what's going on musically at all times. The multi-percussionist can either make or break a band. Any group with a mediocre percussionist would be in trouble even if the other instrumentalists are great. It's like wearing a tuxedo with P.F. Flyers (how many of you remember those? [hier (http://www.pfflyers.com/archival-reissue/)]); it just doesn't work. He or she has to pay attention not only to rhythms but how melodies are structured. The multi-percussionist is like an interior decorator coming to your house. On the first visit they go from room to room looking at how they can enhance and improve. It might mean changing the position of the sofa or changing the color of paint to make the room appear brighter. Blakey was a genius of musical interior decorating. Another way to understand Blakey is, while listening to this CD, picture him as a traffic cop at a busy intersection during rush hour on a Friday. Dig how he directs musical traffic from his drum throne. At the same time, he keeps the music movin' and groovin' with plenty of intensity an sensitivity. A few of the Blakey trademarks that you will hear are his use of the hi-hat and ride cymbal played together to accent different rhythms with the horns. You will also hear that beautiful press roll that Blakey would use to spur the soloists onto greater musical heights. Listen also to his ingenious use of dynamics and colors. These are the things that influenced scores of multi-percussionists including yours truly.

~ "...the Jazz Messengers had found a sound of their own." Kenny Washington, Liner Notes zu "Art Blakey - The Jazz Messengers", Sony/Legacy 1997

Zwischen den beiden Sessions für das Album nahmen die Messengers vier Stücke mit der Sängerin Rita Reyes auf (für ihr Philips Album "The Cool Voice of Rita Reyes with the Jazz Messengers").

Im Juni 1956 ging Blakey mit Byrd (t), Ira Sullivan (ts), Kenny Drew (p) und Wilbur Ware (b) erneut für Columbia ins Studio. Zwei Stücke wurden mitgeschnitten, sie landeten auf dem Blakey-Sampler "Originally", für den Legacy-Reissue von "Drum Suite" wurde 2005 ein zusätzlicher Take von "The New Message (aka Little T)" ausgegraben. Mit dieser Besetzung entstanden auch zwei weitere Stücke für das Album von Rita Reyes.

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Ab dem Dezember 1956 nahm Blakey dann für diverse Labels (Columbia, Savoy, VIK, Pacific Jazz, Atlantic und Bethlehem) eine lange Reihe von Alben mit der sogenannten "second edition" seiner Messengers auf, zu der Bill Hardman, Jackie McLean und/oder Johnny Griffin, Sam Dockery und Spanky DeBrest zählten. Mit "Drum Suite" und dem Blue Note Album "Orgy in Rhythm" (zwei Volumes) entstanden überdies die ersten Perkussions-Alben. Das kommt dann in den nächsten Posts...

gypsy tail wind
26.09.2010, 20:04
Zuerst möchte ich noch diese Blakey-Chronologie (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm) auf der Seite von Michael Fitzgerald erwähnen.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

In den eineinhalb Jahren, während derer Blakey die "second edition" der Messengers geleitet hat, entstanden über ein halbes Dutzend Alben und zudem verstreute kürzere Sessions. Am Anfang steht die schon kurz angesprochene Session mit Ira Sullivan und Wilbur Ware, die ziemlich anders klingt als die ersten und dann die zweiten Messengers. Sullivan spielt muskulös Tenor und greift beim zweiten Stück nach der ersten Runde von Soli auch noch zur Trompete, um sich einen kurzen Austausch mit Byrd zu liefern. Ware gibt der Gruppe einen viel dunkleren Sound als gewöhnlich - sehr schön, schade, dass da nicht mehr überliefert ist!

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Am 12. und 13. Dezember 1956 ging Blakey dann mit der neuen Band zum ersten Mal ins Studio. Bill Hardman und Jackie McLean hatten schon gemeinsam aufgenommen, Hardman war aber wie Sam Dockery und Spanky DeBrest damals (wie heute) wenig bekannt. Was der Band fehlte war ein Komponist, ein musical director vom Format, wie Blakey ihn zuvor mit Horace Silver (und Mobley) hatte und dann 1958 in Benny Golson und später u.a. in Bobby Timmons oder Wayne Shorter fand. Die Musik ist dennoch erstklassig und einige der aufgenommenen Stücke sind heute ziemlich bekannt: Gigi Gryces "Nica's Tempo", McLeans "Little Melonae" oder Mal Waldrons "Dee's Dilemma". Das erste und letztgenannte erschienen auf dem Album "Drum Suite", das zur Hälfte aus diesen Dezember-Sessions und zur zweiten Hälfte aus der ersten Perkussions-Session im Februar 1957 zusammengesetzt wurde. Zudem nahm das Quintett ein Gershwin-Medley auf, das (wie die überschüssigen Stücke vom ersten Messengers Columbia-Album und die Session mit Sullivan/Ware auf der Compilation "Originally" landete).

Jackie McLean gleicht mit seinem fetten Sound problemlos den Mangel an Schwere und Tiefe aus, der mit dem Verlust des Tenors hätte einhergehen können, er und Hardman sind ein gutes Team, Hardman spielt schnell, virtuos, aber mit einem brüchigen lyrischen Ton - ein grosser Unterschied zu Donald Byrd! In seinen Liner Notes zum 2005er Reissue von "Drum Suite" schreibt Kenny Washington:


The second half of this CD represents two rarely mentioned Messengers ensembles of the 50's [mit dem zweiten ist die Byrd/Sullivan/Drew/Ware-Version gemeint]. The first with Jackie McLean and Bill Hardman is one one of my favorites. [...] This edition of the Messengers (sometimes with the great tenor man Johnny Griffin) recorded nine high quality albums for six different labels within a two-year span. That's pretty impressive.

[...]

Jackie and Bill had a very special chemistry. You can really hear it on "D's Dilemma." Their sounds go together like a cool gin and tonic.

~ Art Blakey: Drum Suite by Kenny Washington, Liner Notes, Sony/Legacy 2005

Die Rhythmusgruppe funktioniert perfekt, Dockery steuert schöne Soli bei und auch Blakey lässt immer wieder aufhorchen, etwa mit seinen raffinierten Fills während Hardmans Trompetensolo in "Stanley's Stiff Chickens".


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Im Januar und Februar entstand das nächste Album, "Ritual", aufgenommen in New York, veröffentlicht aber auf Pacific Jazz.
Die Aufnahmen packen mich weniger als die Columbia Sessions vom Dezember, aber auch hier gibt's viele schöne Momente von Hardman, McLean und Dockery. Auf "Once Upon a Groove" gibt's zudem ein tolles Schlagzeugsolo von Blakey.
Das Highlight folgt dann am Ende der CD mit dem Titelstück "Ritual", ein langes Schlagzeug, bei dem die Band nur am Ende noch ein paar Töne spielt.
Der grösste Teil dieser Session erschien auf dem Album "Once Upon a Groove" (PJ15), die beiden Stücke "Lil' T" und "Exhibit A" erschienen zusammen mit Elmo Hopes einziger Pacific Jazz Session (1957-10-31 mit Stu Williamson, Harold Land, Leroy Vinnegar und Frank Butler) auf dem Album "Meditations" (PJ33).


http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg900/g938/g93887z4y3t.jpg

Am 22. Februar ging Blakey dann wieder ins 30th Street Studio von Columbia, um die erste Drum-Session aufzunehmen, "Drum Suite". Es spielten: Ray Bryant (p), Oscar Pettiford (b,cello), Jo Jones und Blakey (d), Specs Wright (d, tymp, gong, voc), Candido Camero (cga, perc, voc; b auf "Oscalypso"), Sabu Martinez (bgo, cga, perc, voc). Der erste der drei Teile der Suite, "The Sacrifice", ist eine Art invocation mit Gesang in Suaheli und dichten Geweben aus Rhythmen. Das zweite Stück, Ray Bryants "Cubano Chant", führt dann nach Kuba, Bryants Piano nimmt eine prominente Rolle ein. Auch im dritten Teil steht der Komponist im Zentrum: Oscar Pettiford spielt hier Cello, Candido übernimmt den Bass. Mehr zur Musik kann man in den Liner Notes von Kenny Washington nachlesen - auch die Story zu Candido am Bass... soviel nur: Pettifords Cello klingt zwar leicht verzerrt, er prägt die dunkle Stimmung des Stückes mit einem tollen ersten Solo.


Im März folgten dann die nächsten Drum-Sessions für Blue Note und innerhalb einer Woche zwei weitere Alben für Elektra/Vogue/Savoy (was war da die Original-Veröffentlichung? Und was der Titel, "Reflections of Buhaina" auf Elektra, "Midnight Session" oder "Mirage" auf Savoy? Die Vogue-Veröffentlichung war nur eine CD, also viel später, ja? Blicke da gar nicht durch, habe selber die Savoy CD SV-0145 mit dem Titel "Midnight Session" und dem roten Cover).

alexischicke
06.04.2011, 19:08
höre gerade Soul Finger mit Freddie Hubbard und Lee Morgan.

Man denkt,dass das zwei Schlagzeuger spielen.Er macht einen sehr dichten Sound.

gypsy tail wind
06.04.2011, 19:25
Das ist ein schönes Album, ja!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drm400/m449/m44964woek6.jpg

Die CD (und soweit mir bekannt ist alle Ausgaben davon, vom Original über eine japanische CD bis zur neusten Ausgabe in der Verve Originals Reihe, die ich habe) geben übrigens nicht an, wer auf allen Stücken ausser "Spot Session" Sax spielt - es ist nämlich Gary Bartz!

Von Noal Cohens LT Diskographie hier die Infos zum einen Track mit Thompson (der auf dem Album nirgends am Tenor zu hören ist) - das zweite Stück blieb leider im Kasten:


Date: April 21, 1965
Location: NY
Label: Limelight

Art Blakey (ldr), Lucky Thompson (ss), John Hicks (p), Victor Sproles (b), Art Blakey (d)
a. 2-31781 Spot Session - 7:24 (Lucky Thompson)

Limelight LP 12": LM 82018/LS 86018 — Soul Finger (1965)
Limelight (Eng.) LP 12": LM 4012 — Soul Finger
Limelight (Jpn.) LP 12": SFX 7334 — Soul Finger
Trip LP 12": TLP 5583 — Soul Finger
Mercury (Du.) LP 12": 210 017ML/220 017MY — Soul Finger

b. 2-31782 Midtown Strut
unissued
Verve CD: 314 516 107-2 — Compact Jazz: Art Blakey (1993)
Universal (Jpn.) CD: UCCM 9128 — Soul Finger (2002)
Verve CD: 001255502 — Soul Finger (2009)
Unique Jazz Digital Download: — Soul Finger (2010)


Jazzdisco (http://www.jazzdisco.org/art-blakey/catalog/#limelight-lm-82018) hat (obwohl die den Albumtitel falsch schreiben) auch alle Infos (ausser den detaillierten Release-Infos, die sind bei Jazzdisco ja eh selten vollständig), inklusive Gary Bartz

redbeansandrice
06.04.2011, 19:48
im booklet dieser (http://www.allmusic.com/album/compact-jazz-art-blakey-r169775) compilation ist er angegeben, war eine meiner ersten CDs, noch immer eine meiner Lieblingscompilations und der Grund warum ich mich Jahre später mit den ganzen Gary Bartz Alben überfordern sollte...

alexischicke
07.04.2011, 10:03
Da haben schon einige Götter gespielt bei Blakey.Seine Band war ja sowas wie eine Talentschmiede von Horace Silver bis zum Jazzpapst Wynton Marsalis.:wave:

gypsy tail wind
07.04.2011, 10:05
...Jazzpapst Wynton Marsalis.:wave:

eher Totengräber :roll:

gypsy tail wind
30.04.2011, 13:36
"I went with Art Blakey, the Daddy, when I left Mingus. I worked with Art for nearly three years and traveled all over the States. He is the greatest bandleader I've ever worked with, as a leader, you know. He's strong, tender-hearted, firm and quite intelligent. He sets a pace as far as swinging goes, and very few can keep up with him night after night. He honored me by telling me that I was the only alto player he would hire, and he's used tenor players since."

~ Jackie McLean, zitiert von Valerie Wilmer in: Jazz Journal, Juli 1961, S.4. (Quelle (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm), 2011-04-25)

Jackie McLean und BiIl Hardman nahmen am 12. und 13. Dezember erstmals mit den Jazz Messengers von Art Blakey auf, die Stücke wurden als Hard Bop (Columbia CL 1040) und auf der zweiten Seite von Drum Suite (CL 1002) - ich habe mich oben schon kürzer dazu geäussert. Hier die Ergänzungen aus dem McLean-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2448743#post2448603):


http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dri600/i634/i63439s3szp.jpg

McLean ist schon im ersten Stück mit seinem cry, seiner drängenden Intensität zu hören, sein Solo ist intensiv, brennend. Hardman wirkt ebenfalls wie von McLean angesteckt, sein Spiel noch diskursiver, zugleich intenstiver und offen-lyrischer. Das Stück "Cranky Spanky" stammt von Hardman, ist dem 19jährigen Bassisten der Band gewidmet.
In "Stella By Starlight" bleibt McLean eng am Thema, während Hardman trotz des mittelschnellen Tempos ein äusserst lyrisches Solo spielt, aus einem scheinbar endlosen Fundus von Ideen gespiesen. "My Heart Stood Still" ist der nächste Standard, im schnellen Tempo dargeboten mit einem tollen Solo von McLean. Auch Hardman ist in Form, und Pianist Sam Dockery speist ihn mit spannenden Einwürfen. Blakeys Beat ist so solide wie damals wohl kein zweiter moderner Drummer, das kommt offenbar dem Temperament beider Bläser sehr entgegen. Die Stereo-Version, die auf der Mosaic-CD-Ausgabe zu hören ist, ist zudem länger als die zuvor veröffentlichte Mono-Version (die Mosaic-CD enthält von allen Stücken zum ersten Mal die Stereo-Mixes.)
McLeans "Little Melonae" folgt, Hardman gelingt ein wunderbarer Einstieg ins Solo, Dockery legt stotternde Akkorde. Hardmans Solo ist wieder sehr toll, er bietet den Kontrast zu McLean (der mit einem tollen Solo voller Triller und kleiner Motive folgt), den Byrd nicht brachte. Michael Cuscuna schrieb 2006 in seinem "Addendum" im Booklet zum Mosaic-Reissue der kompletten Sessions vom 12. und 13. Dezember 1956:


Beyond Blakey's always magnificent and contoured drumming, this quintet's strongest asset was the beautiful, tart blend of Jackie McLean's alto sax and Bill Hardman's trumpet. They phrased together with a forward thrust and their brash, peppery tones created a distinctive front-line sound.

~ Michael Cuscuna: Addendum, Liner Notes zu "Art Blakey & The Jazz Messengers - Hard Bop", Mosaic MCD-1005

"Stanley's Stiff Chickens" ist das letzte Stück von "Hard Bop" und das längste der ganzen Sessions, McLean und Hardman haben es gemeinsam komponiert - und man hört hier sehr gut, wie die beiden zusammen harmonieren. McLeans Ton klingt leicht bitter, sein Solo ist sehr toll!

"Little Melonae" hatte McLean schon für sein Ad-Lib-Album eingespielt, die Version von Miles Davis blieb lange Zeit im Schrank, es war also diese Version auf "Hard Bop", die das Stück zum ersten Mal bekannt machte. Kenny Burrell und Jimmy Raney nahmen es (mit McLean in der Band) für ihr Prestige-Album "2 Guitars" auf, ebenso Coltrane für sein tolles Album "Settin' the Pace".

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drg900/g938/g93887z4y3t.jpg

Drei Stücke von den Dezember-Sessions machten Seite zwei von Drum Suite aus (auf der ersten Seite war die titelgebende Suite zu finden, Blakeys erste Drums-Session, die im Februar 1957 eingespielt wurde (mehr dazu oben).
"Nica's Tempo" von Gigi Gryce ist das erste derr drei Stücke. Dank Aufnahmen von Gryce selbst, sowie von Oscar Pettiford und Art Farmer war es schon damals auf dem besten Weg war, ein Jazz-Klassiker zu werden. Blakey öffnet mit einem Intro, das Thema ist völlig durchkomponiert, auch was die Parts der Rhythmusgruppe betrifft, danach geht's im swingenden 4/4 weiter. McLean spielt das erste Solo, gefolgt von Dockery, Hardman
Kompositorisch gesehen ist "Dee's Dilemma" auch von diesen Sessions neben "Nica's Tempo" und "Little Melonae" der Höhepunkt - und in der Version von Blakey klingt es einiges zwingender und fokussierter als zuvor auf "Jackie's Pal". Gerade Blakeys Begleitung macht viel aus, die Rhythmusgruppe spielt hier auch viel besser zusammen, es stimmt eigentlich alles. Von "Dee's Dilemma" hatte Mal Waldron hatte selbst auch noch eine Version eingespielt, das Stück geriet aber in Vergessenheit, bis es in den 70ern von Art Farmer und Chet Baker wieder ausgegraben wurde.
Auch "Just for Marty" überzeugt hier wesentlich mehr - auch wenn diese Band nicht Blakeys beste war, so ist sie doch massiv unterschätzt und die Musik, die an diesen beiden Tagen aufgenommen wurde, ist Hard Bop vom allerfeinsten!

Johnny Griffin, der wenig später zur Band stiess (teils neben, teils anstelle von McLean), äusserte sich später wie folgt über diese Gruppe:


"My experience in Art's band was excellent because that's exactly the style of music I like to play. Very explosive, strong, fire all the time. We used to have games, like warfare, between the front line and back line - the horns and the rhythm section. There was a spirit of competition, but in a playful and positive spirit."

~ Johnny Griffin, zitiert von Len Lyons in: Down Beat, 9. August , 1979, S.15 (Quelle (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm), 2011-04-25)

http://img594.imageshack.us/img594/3443/artblakeyoriginally.jpg

In den Sessions im Dezember wurde zudem ein kurzes Gershwin-Medley eingespielt, das im Frühling 1957 erneut für Blakeys Cadet-Album "Tough" (LP 4049, später Teil des Doppel-Albums "Percussion Discussion" (Chess CH2 92511), dessen andere LP ein Max Roach-Album enthielt) eingespielt wurde. Cuscunas Kommentar im Booklet der Mosaic-CD:


In addition to the originally issued material, we have completed the session with a Gershwin medley that the same band later recorded on the Cadet album Tough. I never asked Blakey if this four-tune routine was a reverent tip of the had to a great American composer or a private joke that seemed to please audiences. The fact that it starts with the most overwrought of Gershwin pieces, is played with vibrato and never really develops in terms of solos makes me suspect the latter.

~ Michael Cuscuna: Addendum, Liner Notes zu "Art Blakey & The Jazz Messengers - Hard Bop", Mosaic MCD-1005

Das Stück landete ursprünglich auf Originally, einer Reste-LP, auf der ausserdem vier Stücke von den Sessions zu "The Jazz Messengers" (CL 897) sowie die beiden Stücke, die mit Ira Sullivan und Wilbur Ware eingespielt wurden, zu hören waren (mehr Infos (http://jazzdisco.org/art-blakey/catalog/#columbia-fc-38036)).

gypsy tail wind
30.04.2011, 14:01
Art Blakey war im Frühjahr 1957 unglaublich aktiv, nahm Sideman-Sessions mit Milt Jackson, Hank Mobley (das grossartige "Hank Mobley and His All Stars" für Blue Note, mit Jackson, Silver und Watkins - den originalen Jazz Messengers mit Bags an Stelle von Kenny Dorham) und Jimmy Smith auf und ging auch mit seinen Messengers mehrere Male ins Studio.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drd000/d097/d09757rc0ej.jpg

Zu den Sessions für Ritual habe ich mich oben bereits kurz geäussert, im McLean-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2448743#post2448743) hab ich dazu auch ausführlicher geschrieben (die Aufnahmen gefallen mir auch eine Spur besser, ich höre sie aber immer noch hinter "Hard Bop" und "Drum Suite", aber klar vor "Midnight Session" und "Tough!" - best in class ist aber eindeutig "A Night in Tunisia", zumindest für die Messengers mit Mac, denn auf "Art Blakey's Jazz Messengers with Thelonious Monk" ist der ja nicht mehr dabei):


Die nächsten Sessions mit Art Blakey fanden am 14. Januar und am 11. Februar in New York statt, wurden aber auf Pacific Jazz veröffentlicht. Wie schon bei den Columbia-Sessions vom Dezember entstand etwas über eine Stunde Musik. All Stücke sind auf der Blue Note CD Ritual von 1988 zu finden, in etwas eigenartiger Anordnung, aber was soll's...
"Little T" von Donald Byrd steht am Anfang, Blakeys dichtes Getrommel ist sofort zu spüren und ein grosser Kontrast zu Taylor. McLean und Hardman spielen schöne Soli, nach Dockery folgt Blakey mit einem tollen, langen Solo.
"Exhibit A", das zweite Stück, das nicht auf dem "Ritual"-Album war, hat Blakey mit Gigi Gryce geschrieben, der im Mai 1954 an eine EmArcy-Session Blakeys (mit Joe Gordon und Walter Bishop) beteiligt war und auch als Komponist auftrat. Das Stück hier hat er wie "Wake Up" unter dem Pseudonym Lee Sears veröffentlicht. Das Stück öffnet mit einem Intro, das einen Kontrast zwischen den recht langsamen Linien der Bläser und Blakeys nervösen schnellen Rhythmen bietet, dann folgt das eingängige Thema. Hardman soliert als erster, dann folgt McLean, intensiv und brennend aber doch rhythmisch relaxter als oft. Dockerys Klaviersolo ist sehr gut, er und Spanky DeBrest (den Namen müsste man erfinden wenn es ihn nicht gäbe!) tauchten nach ihrem Gig mit Blakey rasch in der Versenkung ab, obwohl sie noch einige Jahre um ihre Heimat Philadelphia aktiv waren. Nach seinem Drum-Solo leitet Blakey wieder in das rasante Interlude über, von da zurück ins Thema.... eine atypische Nummer für Blakey, der man Gryces leitende Hand sehr anhört.
Das Album "Ritual" (mehr zu den Veröffentlichunen unten, bin mir da aber auch nicht in allen Details sicher) beginnt dann mit Duke Jordans 1954 erstmal eingespieltem "Scotch Blues": über Blakeys Marsch-Snare legt Hardman einen Fanfare, McLean spielt quasi Dudelsack, während Dockery etwas herumklimpert. Dann geht's direkt in einen fetten 4/4 mit starkem Bass von DeBrest und McLean als erstem Solisten. Er und Hardman spielen tolle Blues-Soli, Hardman glänzt mit einigen double time Linien, einem vokalen Sound mit vielen Dehnungen und Biegungen und überhaupt sehr lyrischem Spiel. DeBrest lässt seinen Bass schnarren als Dockery zum Piano-Solo ansetzt.
"Once Upon a Groove" stammt von Owen Marshall, einem Trompeter und Pianisten aus Philadelphia, dessen Musik schon auf Lee Morgans ersten beiden Blue Note Alben zu hören war. Auch Max Roach hat 1958 eins seiner Stücke aufgenommen. Das ist klassischer Hardbop, mit kleinen hooks und sehr eingängigen Phrasen, auch die Rhythmusgruppe muss im Thema ein wenig mitdenken, für die Soli geht's dann aber in einen swingenden 4/4 und Hardman hebt sofort ab, getragen von Blakeys toller Begleigung. Auf Dockery folgt McLean und Blakeys Begleitung ist schlicht umwerfend. In diesem Tempo war er unerreicht, sein Fluss an rhythmischen Einfällen bricht jedenfalls im ganzen Stück nicht ab und spornt auch McLean zu einem schönen Solo an und spielt dann selber ein tolles Solo.
Dockerys "Sam's Tune" ist eine Uptempo-Nummer mit Latin Rhythmen während dem Thema und tollen Soli von McLean, Hardman, und zum Ende intensiven Fours mit Blakey. Waldrons "Touche" (vom Komponisten wenig später in einer typischen Prestige-Session eingespielt) ist relaxter, enthält eine Bridge im 6/8-Takt. Dockery spielt schon ein Intro und soliert nach dem Thema auch als erster. Die lyrische Stimmung kommt ihm und auch Hardman sehr entgegen. McLean folgt als letzter und ist auch im Thema nochmal solistisch zu hören, improvisiert über den 6/8-Tag, der am Ende angehängt wird.
Das rasante "Wake Up" ist Gryces zweiter Beitrag zur den Sessions, McLean soliert als erster, sein Ton anfangs so schwer, dass man fast an ein Tenorsax denkt. Hardman, Dockery und Blakey folgen.
Der Höhepunkt der Sessions ist das Titelstück des Albums, das fast zehn Minuten lange "Ritual" von Blakey, das er mit einer zweiminütigen gesprochenen Einleitung:


In 1947, after the Eckstine band broke up, we -- took a trip to Africa. I was supposed to stay there three months and I stayed two years because I wanted to live among the people and find out just how they lived and -- about the drums especially. We were in the interior of Nigeria and I met some people called the Ishan people who are very, very interesting people. They live sort of primitive. The drum is the most important instrument there: anything that happens that day that is good, they play about it that night. This particular thing caught my ear of the different rhythms. The first movement is about a hunter who had went out -- there was three of them. They were after one girl. She was a very pretty girl. They wanted her. And this particular one, he went out -- the guys would tease him a lot because he was the shortest one in the -- tribe. And he went out and he was the best hunter, so he ended up with the girl. And this time they started playing the drums and expressing to her that he had caught the most game and to prepare for the feast that night. And the second movement is a movement where there's a little girl, she wanted to go out and play, and her mother didn't want her to go out and play and it was an argument going on between the two and so the drummers would play. And the little brother comes up and he persuades the mother to let her go out. So that's a big deed that day for the little boy who persuaded his mother, so they played about it. And the last part of it, I have a little bit of -- American movements in there, the last bit of it is about the first time they had seen an automobile that day. And that's the reason I put in some American movements on the drums. And -- they played about it that day.

~ Art Blakey, transcription of "Art Blakey's Comments On 'Ritual'" from the 1957 Pacific Jazz album Ritual. (Quelle (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm), 2011-04-25)

Abgesehen von ein wenig Sax und Trompete am Ende spielen alle fünf Messengers hier Perkussionsinstrumente: McLean die hohe cowbell, DeBrest die tiefer, Dockery ist an Maracas und Hardman an Claves zu hören.

http://img215.imageshack.us/img215/2275/artblakeyonceuponagroov.jpg

Der grösste Teil dieser Session erschien auf dem Album "Ritual" (PJ-402), die beiden Stücke "Lil' T" und "Exhibit A" erschienen zusammen mit Elmo Hopes einziger Pacific Jazz Session (1957-10-31 mit Stu Williamson, Harold Land, Leroy Vinnegar und Frank Butler) auf PJ-33 ("The Jazz Messengers Featuring Art Blakey/The Elmo Hope Quintet Featuring Harold Land"). Es gab zudem diverse Singles, EPs... auf PJ-15 (25cm LP nehme ich an) waren die Stücke von PJ-402 ohne "Ritual" und Blakeys zweiminütigen Kommentar dazu. Der Inhalt von PJ-15 sowie die beiden Stücke von PJ-33 wurden von Blue Note später auf LT-1065 neu aufgelegt.

http://img857.imageshack.us/img857/5417/artblakeyelmohopepj.jpg

Die Session vom 22. Februar habe ich oben (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2274190#post2274190) schon kurz besprochen, es war Blakeys erste "ausgewachsene" Drum-Session und eine sehr schöne dazu!

gypsy tail wind
30.04.2011, 15:28
Am 3. März war Blakey mit Clifford Jordan und John Gilmore im Studio - eins der ungewöhnlicheren Blue Note Alben, Blowin' in from Chicago, war das Resultat. Vom 7. bis am 9. März war er dann täglich im Studio.

http://img39.imageshack.us/img39/6762/artblakeyorgyinrhythm.jpg

Am 7. März brachte Blakey eine grössere Gruppe ins Manhattan Towers Studio in New York - Van Gelders Wohnzimmer in Hackensack war wohl zu eng für all die Musiker und ihre Instrumente, Van Gelder war aber als Toningenieur zur Stelle.
Neben Blakey spielt Art Taylor ein reguläres Drum-Set, Jo Jones und 'Specs' Wright spielten ebenfalls Schlagzeug sowie Kesselpauken, Sabu ist an Bongos und Timbales (sowie in drei Stücken als Vokalist) zu hören und hat die Latin Rhythmusgruppe ausgewählt: 'Potato' Valdez und José Valiente spielen Congas, Ubaldo Nieto spielt Timbales, Evilio Quintero ist an Maracas, der Cowbell und an Schlaghölzern zu hören. Dazu stossen drei Jazzer: Herbie Mann (Flöte), Ray Bryant (Piano) und Wendell Marshall (Bass).

Ira Gitler schreibt in den Liner Notes:


Up to the time of the session, those who knew about it were all but calling it "Lion's Lunacy." They told Al that he would lose his shirt; that he and Art were out of their minds. However, they had confidence in the entire project. The only thing that worried Al was whether the twelve musicians involved would show up on time so that that session could get off to a good start. His apprehensions were not unfounded for many times when a quintet or sextet date is scheduled there is often difficulty in starting promptly.
The date was on March 7, 1957 and set for 9:00 p.m. At 8:30 Lion went into the hall to check the set-up and to his complete astonishment, everyone was there. The electric excitement of expectancy, the feeling that something was really going to happen, was in the air.
Nothing was rehearsed; there were no scores. As the overseer, Art explained the rundown on each number to the rest, giving them the structure of the piece. From his seat at the drums he directed the tympani, the other jazz drummers and bass, piano and flute with significant gestures. Sabu directed the Latin rhythm section and was a dynamo throughout, singing, chanting, playing sticks on bongos, blowing whistles, etc.
Each tune was done only once. Because they stressed communication between the performers and represented a spontaneous interrelation of feeling, they were not vehicles to be done over and over. There was a nervousness present at first but it left after a half hour. Art advised, "Just listen to each other. Close your eyes and think you're at home."

~ Ira Gitler, Liner Notes zu "Art Blakey - Orgy in Rhythm Volume One" (BLP 1554) und "Orgy in Rhythm Volume Two" (BLP 1555)

Volume One
Jo Jones' Kesselpauken eröffnent das Album. "Buhaina Chant" heisst das Stück, Sabu übernimmt die Rolle des Vokalisten, irgendwo zwischen Muezzin und Kantor, wie Ira Gitler in seinen Liner Notes schreibt. Blakeys Drums stürmen los, die Latin-Perkussionisten stossen dazu, Mann und Sabu sind zu hören, dann folgt Reihe von exchanges mit Wright, Blakey und Taylor (in dieser Reihenfolge), am Ende setzt Blakey ein Motiv und die drei trommeln es gemeinsam. Das Stück dauert zehn und eine halbe Minute, aber keine Sekunde davon ist langweilig!
"Ya Ya" erzählt die Geschichte einer Mutter und ihres Kindes - das Kind will draussen spielen, die Mutter lässt es nicht, das wird von Sabu und dem Chor zum Auftakt "gespielt". Das Stück illustriert dann, wie das Kind sich vorstellt, was es draussen alles tolles machen könnte, wenn es dürfte. Jo Jones trommelt das erste Solo, Blakey folgt, seine Cymbals künden das tolle Solo an (gemäss Gitler sagte Blakey damals, das Solo sei "the best thing he ever made"). Herbie Mann ist kurz an der Flöte zu hören, bevor das Stück wieder mit Sabu und dem Chor endet.
"Toffi" ist mit über zwölf Minuten die längste Nummer der ganzen Session, Marshall spielt ein typisches Bass-Lick, Blakey ist dieses Mal als Vokalist zu hören, die anderen unterstützen ihn. Blakey singt einen Mix aus diversen afrikanischen Sprachen, darunter Suaheli, erzählt die Geschichte von Menschen, die in ihr abgebranntes Dorf zurückkehren und dieses wieder aufbauen wollen. Hinter Bryants tollem Piano-Solo ist Taylor mit Besen zu hören, dann folgt Mann, danach Jo Jones (drum-kit) gemeinsam mit Potato (cga). Taylor (d) mit Wright (timp) folgen, dann Sabu mit Sticks auf seinen Bongos. Blakey kündet sein Solo wieder mit den Cymbals an. Zum Ende sind alle Drummer zu hören, mit Wright an den Kesselpauken. Marshall führt dann am Ende ins Thema zurück, mit Blakeys Stimme, Manns Flöte und dem Chor.
Das letzte Stück von Volume 1 ist "Split Skins", Blakey, Taylor und Jone stehen im Mittelpunkt, Blakey spielt das Intro, dann folgen Soli von Taylor, Jones und Blakey, dann nochmal kurz Taylor und danach Joe mit Taylor am Hi-Hat als Begleitung. Die anderen Drummer trommeln jeweils einen swingenden 4/4-Beat hinter den Solisten.

Volume Two
Mit "Amuck" beginnt die zweite Hälfte der Session, Blakey stürmt los, gefolgt von Sabu (sticks on bongos), dann Taylor. Marshall steigt ein mit einem Bass-Lick, dann solieren erneut Blakey und Sabu. Zum Ende hören wir die Drummer im Dialog, mit Blakey als Anführer.
Wright übernimmt an den Timpanis die Titelrolle in "Elephant Walk", Manns Flöte ist wieder zu hören, ebenso Bryant und Marshall. Sabu ist der Vokalist, ein neues Pattern bringt nach ihm die Latin-Section. Blakey trommelt ein Solo, dann ist Mann an der Flöte zu hören, bevor der Elephant davontrottet. Eine sehr stimmungsvolle Nummer, die einzige ruhige der ganzen Session.
"Come Out and Meet Me Tonight" ist eine Art Calypso, nach dem Intro von Mann und Jones singt Sabu mit dem Chor. Das Solo ist dann von Blakey, er bezieht sich dabei raffiniert auf die Melodie des Stückes.
Das letzte Stück ist "Abdallah's Delight", mit fast zehn Minuten die längste Nummer des nur etwa halbstündigen Volume Two. Das Stück ist ein Blues, Marshall öffnet mit Wright, dann folgen Mann und Bryant mit dem Thema und ihren Soli. Die Latin Drummer übernehmen, gefolgt von Jo Jones am Timpani und Art Taylor mit Besen. Am Ende wird das Getrommel ungeheuer dicht, alle kommentieren im wilden Latin Rhythmus, bevor das Thema wiederholt wird und das Stück endet.

Die Connoisseur CD von 1997 präsentiert im Booklet vier Fotos, die Francis Wolff an der Session aufgenommen hat (das Cover-Foto stmmat von einer anderen Session, Blakey trug nämlich Hemd und Krawatte!). Das schönste der Fotos ist am Ende des CD-Booklet zu finden und zeigt den Veteranen der Gruppe, Jo Jones, am Set, mit dem breitesten Lachen im Gesicht - und genau dieses Gefühl von Freude vermitteln diese tollen Aufnahmen!

Am 8. März enstand dann in Van Gelders Studio das Album Hank Mobley Quintet (BLP 1550), wieder mit den Messengers-Gefährten Silver und Watkins sowie diesmal Art Farmer als fünfter im Bunde ("Funk in a Deep Freeze" ist mit Sicherheit einer der grossartigsten Titel, die jemals einem Hard Bop Tune verliehen wurden!).

Am 8. und 9. März nahm Blakey in der Carl Fisher Concert Hall in NYC das Elektra bzw. Savoy-Album auf, zu dem ich schon im McLean-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2448743#post2449077) geschrieben habe:


http://img23.imageshack.us/img23/3837/artblakeymidnightsessio.jpg

Drei und vier Tage später, am 8. und 9. März, nahm McLean mit Hardman, Dockery und DeBrest das nächste Album mit Art Blakeys Jazz Messengers auf, das eine etwas verworrene Veröffentlichungsgeschichte hat. Eingespielt wurden die Sessions für Elektra und anscheinend als A Midnight Session with the Jazz Messengers veröffentlicht, jedoch rasch aufgegeben, von Savoy gekauft und dort unter diversen Titeln wiederaufgelegt: Mirage (http://www.allmusic.com/album/mirage-r135517), Midnight Session (http://www.allmusic.com/album/midnight-session-r182106) oder vor einigen Jahren auch als Reflections of Buhaina (http://www.allmusic.com/album/mirage-r135517) (mit mir unbekannten Bonustracks von Bill Hardman ohne Blakey, aber wie so oft hat Keepnews da nur ein halbes Album angehängt, scheint mir).

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc400/c462/c462625xnt3.jpg

Die Magie zwischen Hardman und McLean funktioniert jedenfalls immer noch, überraschenderweise stammen aber drei Titel von Ray Draper und zwei von Mal Waldron, die beide von McLean an Bord gebracht worden sein dürften. In Gryce' Opener "Casino" spielt Dockery das erste Solo, gefolgt von McLean, dessen Ton brennt, sich fast überschlägt, während Blakey seine übliche komfortable Begleitung trommelt. Den Einstieg von Hardmans Solo pustet er fast weg, zum Glück bleibt Hardman dran, denn sein Spiel ist über die Monate sicherer geworden, routinierter, hat aber nichts von seinem lyrischen Charakter verloren. Auch sein Ton ist nach wie vor sehr schön, etwas bittersüss, perfekt für seine lyrischen Soli geeignet.
Drapers "The Biddie Griddies" ist das zweite Stück, wird über einen kleinen Vamp eröffnet, bevor die Bläser unisono das Thema präsentieren. McLean klingt aufgestellt, und auch Hardman spricht offenbar auf die Changes an, das ganze klingt auch sehr süffig. Dockery folgt mit einem schönen Solo.
Waldrons "Potpourri" ist rasant, Hardman/McLean präsentieren das Thema in kontrapunktischen Linien, die teils zusammenlaufen (aber interessant harmonisiert sind - Waldron hat die Kunst der Wegwerf- und Einweg-Originals jedenfalls verfeinert!) und ihre Zusammenspiel ist wunderbar. McLean rast sofort ins Solo, stürmt, treibt, zitiert Parker-Licks... Hardman ist kurz und auf den Punkt, Dockery erinnert ein wenig an Waldron, wirkt aber nicht ganz glücklich.
Drapers zweites Stück "Ugh!" öffnet mit einem Trommelgewitter von Blakey, Hardman spielt nach dem witzig-verspielten Thema das erste Solo, gefolgt von McLean (wieder mit Parker-Phrasen). Blakey folgt dann mit einem Drum-Solo, die Nummer gehört auch in erster Linie ihm, selbst während der Soli der anderen ist er stets sehr präsent und kriegt auch noch eine Coda, die von der ganzen Band unterlegt wird.
"Mirage" ist das zweite Waldron-Original. Dockery öffnet mit einem kurzen Intro, dann spielt McLean das lyrische Thema. Das Stück entpuppt sich als eine walking ballad, Hardman spielt eine leise Gegenmelodie und hat die Bridge und das erste Solo für sich, Blakey geht sofort in double time über. McLean bleibt näher an der Stimmung des Stückes.
Das letzte Stück auf meiner CD ("Midnight Session", Nippon/Columbia Savoy SV-0145) ist dann als "Reflections of Buhainia" (sic) angegeben (diese Savoy-Reihe mit den violetten Trays und dem gelben Text ist berüchtigt für tolle Tipp- und andere Fehler in den Infos), als Stück von Draper. In der neusten, oben verlinkten CD-Ausgabe ("Reflections of Buhaina") finden sich allerdings zwei Tracks, die zusammen so lang sind wie der eine bei mir, nämlich "Reflections of Buhaina" (6:46, von Draper) und "Study in Rhythm" (4:14, von Blakey). Dazu findet sich im Review bei Allmusic (http://www.allmusic.com/album/reflections-of-buhaina-r486328/review) der Kommentar: "One track, the all percussion, semi-Afro-Cuban tour de force 'Study in Rhythm,' appeared only on the Elektra stereo issue, and 'Reflections of Buhaina' only surfaced on the mono Elektra and Savoy LPs; both thankfully appear here." Was da genau stimmt ist mir ebensowenig klar, wie mir klar ist, welche LP wann erschienen ist. Jedenfalls wird das Stück auch als Perkussionsnummer beschrieben, da ist zuerst aber eine weitere sehr lyrische Nummer im mittelschnellen Tempo mit schönen Soli von McLean und Hardman - das ist dann wohl die Draper-Komposition. Nach ziemlich genau 6:45 setzt dann die Trommelnummer ein, wohl eben Blakeys "Study in Rhythm" die das Trommel-Thema fortsetzt, das im grösseren Stil am 7. März bei Blue Note auf dem Programm stand, als Blakey in einer Session die beiden "Orgy in Rhythm" Alben für Blue Note einspielte, mit Art Taylor, Jo Jones, Specs Wright, Sabu, Potato Valdez und anderen - auch für Blakey war der März 1957 ein sehr geschäftiger Monat! Hier unterstützen die anderen Musiker Blakey wieder an diversen kleinen Instrumenten.

In den Frühling 1957 fällt ebenso das eine Cadet-Album von Blakey (auch aus dem McLean-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2449166#post2449166) hier rübergeholt):


http://img853.imageshack.us/img853/1484/artblakeytough.jpg

McLean nahm noch zwei weitere Alben mit Blakeys Messengers auf, bevor er den "Daddy" verliess. Das erste der beiden dürfte das am wenigsten bekannte sein, Tough! (Cadet LP 4049), später als Twofer mit einer Roach-Session als "Percussion Discussion" wieder aufgelegt. Aufgenommen wurde es irgendwann im Frühling 1957 mit derselben Band, die seit dem Herbst des Vorjahres bestand hatte: Bill Hardman (t), Jackie McLean (as), Sam Dockery (p), Spanky DeBrest (b) und Art Blakey (d). Auf dem Programm stand wenig neues, das Repertoire dieser Ausgabe der Messengers scheint nicht besonders gross gewesen zu sein, zudem ginge sie im Frühjahr 1957 wohl etwas zu oft ins Studio, um jedes Mal ein völlig neues Programm dabei haben zu können.
Duke Jordans "Scotch Blues" steht am Anfang, McLean spielt ein wunderbares Solo, sein Ton satt und zartbitter, flexibel, dehnbar - er spielt äusserst entspannt. Sehr schön die stopt time Passage. Hardman folgt, beginnt ganz einfach, baut rasch ein tolles Solo auf, glänzt mit Sechzehntel-Läufen, bis er dann für seine stop time Passage wieder einfachere Linie spielt... und kaum kickt die Band wieder ein gibt er wieder Gas. Blakeys Groove ist unglaublich, davon profitiert auch Sam Dockery, der nächste Solist.
Das zweite Stück, "Flight to Jordan", stammt erneut von Duke Jordan, der es später zum Titelstück seines schönen Blue Note Albums machen sollte. DeBrest walkt ein paar Takte, dann spielen McLean und Hardman die Melodie sehr leise über den satten Groove der Rhythmusgruppe und Dockerys frisches comping. Wieder hebt McLean als erster ab, sein Solo ist kurz und klar. Es folgen Dockery, dann - enorm lyrisch - Hardman und schliesslich Blakey mit einem relaxten Solo.
Blakey hat das dritte Stück, "Transfiguration", komponiert. Hardman und McLean spielen im Intro gegenläufige Linien, dann fallen sie in das repetitive Thema (mit einfacher Bridge) und Hardman spielt dann das erste Solo. McLean folgt mit einem sehr tollen Solo, dann Dockery und erneut Blakey.
Es folgt die nächste Version von Gigi Gryce' "Exhibit A", McLean hat das Stück langsam richtig im Griff, klingt unglaublich sicher und locker, sein Ton ist in dieser ganzen Session sehr schön, die Zeiten der gelegentlichen Unsicherheit scheint vorbei zu sein. Es folgen Hardman, Dockery und Blakey - die Band groovt enorm, ist perfekt eingespielt... das ganze ist am Ende vielleicht fast eine Spur zu relaxed, aber doch sehr schön.
Zum Abschluss folgt die veröffentlichte Fassung des Gershwin Medleys: Rhapsody In Blue (McLean) / Summertime (Hardman) / Someone to Watch Over Me (Dockery) / The Man I Love (DeBrest) und damit endet das sehr kurze Album (Argo/Cadet halt) dann auch schon. Das Medley ist nicht besser geworden in den vergangenen Monaten... ich tendiere auch dazu, Cuscunas Meinung zu teilen, dass es sich hier eher um einen kleinen Spass handelt (s.o. Dez. 1956). Anders sieht die Sache dann mit dem Lerner & Loewe Album (mit Griffin an McLeans Stelle) aus, aber auch das überzeugt nicht vollends.

gypsy tail wind
30.04.2011, 15:35
Im März 1957 hat Johnny Griffin den Platz von Jackie McLean eingenommen. Die erste Session des neuen Quintetts fand am 13. März in der New Yorker Webster Hall statt, für das neue RCA-Sublabel Vik. Blakeys Band spielte ihre Versionen von sechs Lerner & Loewe Songs, je zwei aus "My Fair Lady", "Brigadoon" und "Paint Your Wagon" ein.

http://img233.imageshack.us/img233/6873/artblakeyplayslernerloe.jpg

Die Session scheint ziemlich lange gedauert zu haben, wie Dom Cerulli schreibt:


"This was a tough session. Some of those tunes were really rough. But we just wanted to stay in there and do it right. Nobody wanted to give up."
That's Art Blakey speaking. The 37 year-old drummer and leader of the Jazz Messengers started recording this album about 10 p.m. on March 13, and wrapped it up at 6:30 a.m. the next day.
"At first, we didn't really know what to do. We had figured out some arrangements, but show tunes are so strange.
"We started right in reworking the arrangements. We figured out some ideas of our own, all five of us, and things began to shape up.
"We had a ball with the time. We played in all kinds of time, even 6/8. The toughest ones to get right were They Called the Wind Maria and There But For You Go I"

~ Dom Cerulli, Liner Notes zu "Art Blakey's Jazz Messengers - Selections from Lerner and Loewe's... My Fair Lady, Brigadoon, Paint Your Wagon" (Vik LAX 1103)

"I Could Have Danced All Night" beginnt mit einem kleinen Intro Blakeys, dann folgt das Thema - Griffin und Hardman mögen nicht so speziell harmonieren wie das bei Hardman und McLean war, aber sie erzeugen dafür einen etwas grösseren Kontrast. Griffin, der neue in der Band kriegt das erste Solo und ist sofort mitten drin in der Musik, brennt förmlich durch das Stück (man hört ihn einige Male zwischen den Phrasen Stöhnen, und gegen Ende hört man immer öfter die Klappen seines Saxophones... scheint, dass da ein paar Filzpolster und Korkteilchen fehlten...). Hardman folgt, knapp und präzis, ebenso Dockery.
"On the Street Where You Live" ist sehr viel entspannter, es gibt ein kleines Intro, Hardman und Griffin spielen das Thema gemeinsam, Blakey und die Rhythmusgruppe fallen zwischendurch kurz in triolische Patterns. Griffin soliert über der Bridge, Hardman spielt dann das erste Solo und es ist eine Freude, seinem schönen Ton zu lauschen, er wirkt aber etwas unsicher. Dockery spielt länger, entspannt, locker, ziemlich reduziert. Dann folgt Griffin und spielt ein grossartiges Solo, sehr intensiv aber auf eine ganz andere Art als McLean, ein anderes Temperament, weniger jugendlich-draufgängerisch. Er war damals 29 Jahre alt, hatte aber schon ein Dutzend Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel, etwa mit Lionel Hampton von 1945-47 und später mit Joe Morris.
"There But You Go I" beginnt mit Dockery, dann spielen Hardman und Griffin das Thema im Wechsel, als call & response mit längeren solistischen Passagen von Anfang an. Dockery kriegt dann das erste Solo - Blakey scheint inzwischen ein wenig gelernt zu haben, dass die Musik abwechslungsreicher wirkt, wenn man die Reihenfolge der Solisten öfter variiert. Hardman folgt, mit Dämpfer und konzentrierten Linien, sehr schön. Griffin schliesst an, übernimmt die entspannte Haltung von Hardman, und steigert langsam die Intensität, tritt stellenweise in eine Art Dialog mit sich selbst. Das auffälligste an seinem Spiel in Blakeys Band ist, dass hier vielleicht zum ersten Mal überhaupt in einer Band von Blakey ein bereits reifer, souveräner Musiker zu hören ist, der grad im Kontrast zu McLean mit viel grösserer Gelassenheit die tollsten Soli aus dem Ärmel schüttelt. Dabei wirkt Griffin aber nicht wie eine hired gun oder ein in mit allen Wassern gewaschener Pro, der hier einfach mal ein wenig mitmacht, sondern er klingt, als sei's ihm wirklich ernst mit der Musik hier - und daraus entstehen die besten Soli des Albums. Das Stück wird auf der Collectables-CD leider etwas gar rasch ausgeblendet am Ende.
Die zweite Hälfte des Albums beginnt mit Blakeys Marschgetrommel: "They Call the Wind Maria". Hardman und Griffin präsentieren das Thema als eine Art Fanfare über Blakeys press rolls. Für die Wiederholung des Themas fällt die Rhythmusgruppe in einen swingenden 4/4, Griffin bläst dann das erste Solo und überzeugt auch hier wieder vollkommen. Nach den schönen Soli von Hardman und Dockery folgt wieder das Thema mit Marschrhythmus.
Es folgt "I Talk to the Trees", eingeleitet von einem hübschen Intro über einen Latin-Beat. Das Thema ist schön arrangiert, auch für die Rhythmusgruppe. Die Soli werden dann über einen swingenden 4/4 gespielt, Hardman kommt das mittelschnelle Tempo und die leicht melancholische Stimmung des Stückes offensichtlich entgegen, er spielt ein wunderbar flüssiges Solo, das vor Ideen nur so sprüht. Es folgt Dockery, dann Griffin, auch er wieder etwas verhaltener, dem Stück angemessen.
Mit "Almost Like Being in Love", dem in Jazzkreisen wohl am häufigsten gesehenen der sechs Stücke, endet das Album. Das Thema wird von Hardman und Griffin präsentiert, in der Bridge schaltet sich kurz Dockery ein. Hardman spielt dann wieder das erste Solo, auch hier sehr überzeugend. Blakey argiert - wie im ganzen Album - eher zurückhaltend, bietet aber eine luxuriöse Begleitung wie immer. Der Wechsel von Hardman zu Griffin ist fast fliegend, Griffin klingt hier wieder rauher, direkter, greift in die Vollen.

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Eine Session am 2. April im New Yorker RCA Studio 3 produzierte nur zwei Stücke, "Social Call" und "A Night at Tony's", beide von Gigi Gryce komponiert. Je ein Take wurde zum ersten Mal auf der CD "Theory of Art" veröffentlicht (Bluebird, 1987 - ein Reissue des zweiten Vik-Albums "A Night in Tunisia", s.u.). Von "A Night at Tony's" sind auf der Compilation Second Edition (die das ganze Lerner & Loewe Album enhält, sowie Alternate Takes von "A Night in Tunisia" - zu diesen mehr unten) der bereits veröffentlichte sowie ein früherer Take zu hören, von "Social Call", einem von Gryces schönsten Themen, ist hier nur ein früherer Take zu hören, Herr Keepnews findet, wir sollen auch noch die 1987er CD mit dem falschen Titel kaufen...
Das besondere an dieser Session ist, dass die Messengers um vier zusätzliche Musiker erweitert wurden: Lee Morgan (t) Melba Liston (tb), Sahib Shihab (as), Cecil Payne (bari). Wynton Kelly sprang am Piano für den abwesenden Sam Dockery ein.
Wir hören zuerst den etwas langsameren TK 3 von "A Night at Tony's", in dem Melba Listons Posaunenpart etwas besser zu hören ist. Ich vermute, es ist Bill Hardman, der die Melodie im Thema trägt. Die Soli sind von Griffin, Hardman, Payne und Kelly (der dem Ensemble einen etwas wärmeren Klang gibt als Dockery mit seiner trocken-reduzierten Art).
Der schnellere und etwas kürzere TK 4 von "A Night at Tony's" folgt, wirkt insgesamt etwas klarer, aufgeräumter, aber auch hier ist das Ergebnis keineswegs zwingend und richtig überzeugend.
"Social Call" ist ein sehr eingängiges Stück (zu dem Jon Hendricks passenderweise auch ein Text verfasst hat). Lee Morgan, damals 18 Jahre alt und wie Melba Liston und Wynton Kelly MItglied von Dizzzy Gillespies Big Band, präsentiert das Thema, während die Saxophone Gegenlinien spielen. Ein Schnitzer in der Bridge machte den Take damals wohl unbrauchbar, die Idee, mit Blakey ein Album in mittelgrosser Besetzung einzuspielen wurde leider sowieso verworfen (es folgte Ende Jahr allerdings ein Big Band Album für Bethlehem). Griffin überzeugt mit seinem Solo, es folgt Morgan, dessen Stil erst etwas später einigermassen ausgereift war (Bob Blumenthal schlägt in seinen CD-Notes "The Cooker", sein Blue Note Album von später 1957 vor). Sahib Shihabs Altsolo ist dann allerdings sehr, sehr toll! Sein Ton schwer, fast wie ein Tenor wenn er im tiefen Register spielt. Nach Kellys funkelndem Solo wird das Thema repetiert und die Aufnahmen von dieser Session sind auch schon zu Ende. Wieder fällt auf, dass Blakey sehr zurückhaltend agiert - ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er sich so richtig wohlfühlen musste in der Musik, um ungehemmt draufloszuspielen (was ja das war, was er am besten und wie fast kein zweiter konnte).

Am 6. April nahm Blakey mit Griffin (und Morgan, Hank Mobley, John Coltrane, Kelly und Paul Chambers) dessen zweites Blue Note Album auf, "A Blowing Session" (BLP 1559). Am 8. April begab sich Blakey mit seiner Band sowie - die erste Sextett-Session der Messengers! - Jackie McLean erneut ins Studio (dieses Mal in RCA Studio 3 in NYC), um das wohl tollste Album der "second edition" seiner Messengers aufzunehmen - ich habe mich dazu ausführlich im McLean-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2449166#post2449166) geäussert und hole das hier rüber:


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Das letzte Album, das McLean mit den Messengers gemacht hat ist wohl zugleich auch das beste. McLean war eigentlich schon raus aus der Band, im März schon hatte Blakey das "Lerner & Loewe" Album mit Johnny Griffin an seiner statt eingespielt - das erste für Vik, ein neues Unterlabel von RCA Victor.
Im April trafen die Messengers (mit Griffin) dann auf Monk, es entstand ein grossartiges Album für Atlantic. Und im selben Monat nahmen sie auch ihr bestes reguläres Studio-Album auf, A Night in Tunisia (Vik LX-1115), auf dem McLean zurückkehrte und die Messengers für ein paar Stunden zum Sextett machte. Er lief als "Ferris Benda" auf der LP, aufgrund seines Prestige-Vertrages. Zwischem ihm und Griffin fliegen die Funken, Hardman bietet einen guten lyrischen Kontrast und die Rhythmusgruppe, vor allem Blakey selber, wirkt etwas wacher als auf "Tough!" und der "Midnight Session".
Das Album beginnt mit Dizzy Gillespies Titelstück, einem Klassiker, zu dem Blakey immer wieder zurückfand, der ihm mit seinem Wechsel zwischen Swing- und Latin-Rhythmen sehr viele Möglichkeiten öffnete. Unterstützt von der Band an Perkussion öffnet Blakey Solo, nach über zwei Minuten setzt die Band ein - wir sind aber schon mittendrin, Blakeys Getrommel ist unglaublich musikalisch, McLean spielt die Bridge allein, kriegt dann nach dem Interlude auch das erste Solo, lässt sich Zeit, spielt einen fast schon provokant einfachen Solo-Break zum Auftakt. Dann legt er aber schnell nach, lässt sich von Blakey treiben und flicht einige leicht orientalisch angehauchte Linien ein. Hardman folgt, stotternd, nahe am Thema, mit ein paar vorsätzlich falschen Noten, bevor er sich mit kleinen Motiven und Varianten auch langsam ins Feuer spielt. Griffin stürmt sofort los, mit einem sehr tollen Solo, zwischendurch hört man ihn Schreien, mit der Stimme und am Ende des Solos auch mit dem Sax. Dockery meistert die undankbare Aufgabe, nach diesem Feuerwerk zu solieren, sehr gut, spielt reduziert, repetitiv, perkussiv. Dann folgt DeBrest mit einem kurzen Solo, bevor Blakey trommelt, unterstützt wieder von der ganzen Band. Zum Ende folgt das Thema, dieses Mal mit Blakey in der Bridge und einer kleinen Kadenz von McLean zum Ende - grossartige Aufnahme!
"Off the Wall" stammt von Griffin, das Tempo ist mittelschnell, das perfekte Messengers-Tempo. McLean soliert zuerst, Hardman steigt mit einem verspielten kleinen Lick ein, aus dem er dann sein Solo aufbaut. Griffin ist entspannt, Dockery wieder sehr sparsam, aber etwas gesprächiger.
Hardmans "Theory of Art" wurde für eine spätere Edition des Albums zum Titelstück. Blakey öffnet mit einem Intro und auch das Thema ist für ihn angelegt, er trommelt wild drauflos, besonders in der Bridge, während die Bläser das einfache Thema spielen. McLean steht wieder am Anfang der Soli, es folgen Hardman und Griffin, der in diesem rasanten Tempo zu Hochform aufläuft. Blakey folgt mit einem tollen Schlagzeugsolo.
"Couldn't It Be You" ist eine entspannte Kollaboration von Blakey und McLean. Griffin soliert dieses Mal zuerst, Hardman folgt, die Saxophone riffen ein wenig, dann folgt McLean, in einer ähnlich lyrischen Stimmung wie Hardman.
Mit dem schnellen "Evans" aus der Feder von Sonny Rollins endet das Album. Das Stück beruht auf den Changes von "Get Happy", Sonny Freund McLean dürfte es mitgebracht haben. Er soliert auch als erster, wechselt zwischen langen Tönen und rasanten Läufen. Hardman folgt, zunächst ohne Piano, bläst ein verspieltes schnelles Solo, das kaum je aus dem mittleren Register hinausgeht und immer toller wird als Dockery einsteigt. Dann folgt Griffin, der sich sofort in Rage spielt, Blakey spielt hinter ihm mit diversen Effekten herum. Dockery wieder minimalistisch karg, fast ohne linke Hand. Dann folgen Exchanges der Bläser zuerst untereinander, dann mit Blakey.

Auf der 1995er CD Second Edition wurde ein Überblick über die Vik/RCA-Aufnahmen der zweiten Messengers geboten, vor allem aber das "Lerner & Loewe" ALbum komplett neu aufgelegt (es erschien 2001 noch einmal auf einer Doppel-CD von Collectables, zusammen mit "A Night in Tunisia"). Die "Second Edition" CD enthielt zudem fünf Raritäten, darunter zwei Stücke (drei Takes) von einer "Jazz Messengers Plus Four" Session, die im April ohne McLean entstand (die "Plus Four" sind Lee Morgan, Melba Liston, Sahib Shihab und Cecil Payne, Wynton Kelly sass für einmal am Piano). Zudem enthält die CD zwei Alternate Takes von "A Night in Tunisia", Take 5 von "Off the Wall" und Take 3 von "Couldn't It Be You".
Auf der "Bluebird First Editions" CD des Albums (oben abgebildet, 2002 erschienen) finden sich ebenfalls drei Alternate Takes, darunter besonders erwähnenswert derjeniges des Titelstücks "A Night in Tunisia". Zudem sind "Off the Wall" und "Theory of Art" nochmal zu hören. Die Takes werden in allen Fällen als "-1" angegeben, weitere Infos dazu gibt's im Booklet soweit ich sehe keine, es ist mir daher nicht klar, ob das derselbe Take von "Off the Wall" ist oder nicht (die Timings sind 7:12 auf der 2002er und 7:25 auf der 1995er CD), vermutlich ist es aber wirklich ein anderer, denn es heisst, alle drei Stücke seinen "previously unissued". "Couldn't It Be You" konnte jedenfalls aus Zeitgründen sowieso nicht auch noch angehängt werden.

Die Session verlief übrigens wie folgt: mit "Off the Wall" wurde entspannt begonnen, dann folgte mit "A Night in Tunisia" das wohl schwierigste Stück, mit "Couldn't It Be You" eine relaxte Nummer und dann mit "Theory of Art" und "Evans" nochmal etwas anspruchsvollere Stücke. In "Evans" ist die Band dann richtig gut drauf in den Exchanges.
"Off the Wall" ist also insgesamt in drei Takes zu hören, TK 1 als Bonustrack auf der Bluebird-CD, TK 5 auf "Second Edition" und TK 6 war dann der Master. Auch die beiden Alternates sind sehr entspannt, das Stück ist purster Hardbop und es macht Spass, davon mehr zu hören, vor allem Griffins Solo auf TK 1 ist super.
Auf TK 3 von "Couldn't It Be You" sind die Soli von McLean und Griffin vertauscht, McLean soliert (wie fast immer) zuerst und hat - wie auch sonst hie und da in der Session - Probleme mit seinem Blatt, die hier aber wirklich ein paar Mal etwas stören. Die Soli von Hardman und Griffin sind allerdings absolut veröffentlichungswürdig. Dockery kriegt hier zudem einen Chorus zugunsten von Blakey und die Bläser riffen weniger hinter den Soli.
Der alternate Take von "Theory of Art" ist noch eine halbe Minute länger und damit über zehn Minuten lang. Seite B des Albums war sowieso schon ziemlich lang, da war es wohl gut, dass der zweite Take eine Spur schneller angegangen wurde, sonst kann ich am ersten Take keinen eindeutigen Makel erkennen.
Das Highlight unter den Alternates ist natürlich "A Night in Tunisia", es ist etwas kürzer (kein Bass-Solo) und die Soli der Bläser sind völlig verschieden von denen auf dem Master Take. Hardmans Spiel im Thema ist allerdings nicht immer sauber.
Schade, dass es von "Evans" keinen weitere Take zu hören gibt, ich hätte von den Exchanges gerne mehr gehabt! Der veröffentlichte war TK 2 (wie bei "Theory of Art"), bei "A Night in Tunisia" war's TK 3, bei "Couldn't It Be You" TK 4 und bei "Off the Wall", dem Opener mit McLeans Blatt-Problemen, wurde erst bei TK 6 grünes Licht gegeben.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc900/c932/c93236s56d6.jpg

In Sachen idiotischer CD-Reissues: das Tunisia-Album gab's wie gesagt auch als "Theory of Art", mit zwei Bonustracks von der Messengers Plus Four Session, an der auch nur zwei Stücke eingespielt wurden.
Um alle Tracks zu haben von "A Night in Tunisia" und von der Plus Four Session muss man also die Bluebird CD von "A Night in Tunisia" haben, den Reissue "Theory of Art", sowie "Second Edition". Natürlich wäre auf letzterer genügen Raum gewesen für alle vier Takes von der "Plus Four" Session, aber - Ihr ahnt es schon... - Orrin Keepnews hat den Reissue produziert. Deppert! Sowas von!

gypsy tail wind
02.05.2011, 12:12
http://img84.imageshack.us/img84/121/artblakeycubop.jpg

Blakey stand mitte Mai an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Studio. Am 13. nahm er das Jubliee-Album Cu-Bop auf (JLP 1049), bei dem Sabu Martinez, Blakeys Freund und musikalischem Partner (Sabu hatte am 28. April sein Blue Note Album "Palo Congo", BLP 1561, eingespielt, auff dem auch Arsenio Rodriguez zu hören ist). "Cu-Bop" ist kürzlich in Japan auf CD wieder aufgelegt worden (ich warte noch auf mein Exemplar).
Das erste Stück des Albums ist "Woody'n You", Sabus Conga-Beats verschmelzen nicht so recht mit dem Rest der Rhythmusgruppe, das hält Bill Hardman, Sam Dockery und Johnny Griffin allerdings nicht davon ab, schöne Soli zu spielen. Blakeys "Sakeena" ist das zweite Stück, zwölf Minuten lang und mit einem tollen Griffin-Solo zum Auftakt. Mit dem relaxteren und weniger boppigen Beat hier passen auch Sabus Bongos besser. "Shorty" ist das kürzeste Stück des Albums, ein eingängiges Hardbop-Thema, in dem Dockery als erster Soliert, gefolgt von Hardman und Griffin - alle drei halten ihre Soli kurz und präzise, während Sabu wieder eher ein klein wenig stört, aber wenigstens mit DeBrests Bass recht gut zusammenpasst (während Blakey zu straight 4/4 spielt).
Zum Ende folgt das fast dreizehn Minuten lange "Dawn on the Harvest", eröffnet von einem "Splash" von Blakey, gefolgt von Sabu und schliesslich DeBrest und einem zickigen Lick Griffins, während Hardman mit Dämpfer eine Linie drüberlegt. Das Thema wird dann teils in stop time präsentiert, Hardmans Ton singt und er spielt das erste Solo, gefolgt von Dockery mit einem weiteren reduzierten Solo. Griffin legt dann als dritter los und sein Solo ist mal wieder das Highlight. Und das zweite Highlight folgt sogleich, ein dicht verzahntes Solo von Blakey und Sabu (anfangs mit Unterstützung durch jemanden aus der Band an Schlaghölzern).
Damit endet ein ziemlich unessentielles aber doch recht hübsches Blakey-Album, das ich als grosser Griffin-Verehrer dennoch nicht missen möchte!

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc600/c646/c64676belde.jpg

Am 14. und 15. Mai trafen die Jazz Messengers im Atlantic Studio auf Thelonious Monk, den Pianisten, mit dem Blakey schon oft zusammengearbeitet hatte. Art Blakey's Jazz Messengers With Thelonious Monk - Monk bezeichnete Blakey als seinen Lieblingsdrummer. Hier findet Monks Musik Eingang in die Welt der Messengers und das klappt erstaunlich gut. Johnny Griffin ist neben Monk der überzeugendste Solist, er und Blakey finden problemlos Zugang zu Monks Musik. Bill Hardman tut sich etwas schwerer, was sehr schade ist, da er mit seinem hohen, spitzen Spiel der perfekte Monk-Trompeter hätte sein können (Idrees Sulieman oder Ray Copeland waren andere, vergleichbare Trompeter, mit denen Monk gerne gearbeitet hat). Auch Spandy DeBrest wirkt hier oft etwas unsicherer als sonst mit Blakey, er walkt etwas steif. Abgesehen von Griffins Blues "Purple Shades" stammt das ganze Material von Monk, auf der http://www.allmusic.com/album/art-blakeys-jazz-messengers-with-thelonious-monk-r135508, die Rhino 1999 veröffentlicht hat, finden sich zudem drei Alternate Takes, "Blue Monk", "Evidence" und "I Mean You". Weiteres Material existiert mit diversen False Starts, unvollständigen und Alternate Takes dieser drei Stücke.

Monk hat die Session anscheinend zum Gewerkschaftstarif gespielt, was seinen Manager Harry Colomby (der ältere Bruder Bobbys) an die Decke getrieben hat. Ebenfalls hat Monk sich nicht um ein Arrangement mit Bill Grauer von Riverside geschert. Wilbur Ware hätte Bass spielen sollen, Monk sah die Session wohl nicht bloss als einen return of favor für Blakey sondern ebenfalls als eine Möglichkeit - er bessass seit einigen Jahren keine cabaret card mehr - seine Musik bekannter zu machen, und ging wohl auch davon aus, dass das mit dieser Band auf ansprechendem Niveau erreicht werden konnte. Das sah zu beginn allderings nicht danach aus:


If the first day of recording was any indication, the session seemed doomed from the start. They attempted to record two songs - "Blue Monk" and "Evidence" - and nearly every take was unsalvageable. Johnny Griffin and trumpeter Bill Hardman struggled with the music. Initially, Thelonious gave them the music, but became so frustrated with their performance that he took it away. According to Blakey, as Monk snatched the lead sheets back he told the band "They would play better without them because they could hardly play worse." At the same time, Wilbur Ware showed up to the studio stone cold drunk. He never had a chance to play: "We got down to the studio, I go in the bathroom and pass out." Fortunately, James "Spanky" DeBrest, a twenty-year old bassist out of Philadelphia, was available to fill in.
Things went infinitely better the next day. Monk showed Griffin and Hardman how to play the music, though his criticism were unremitting. When Hardman asked Monk how he sounded after a particular take, he replied, "You played a whole lot of trumpet to be playin' nothin'.* Still, the band completed the album, revisiting "Blue Monk" and "Evidence," and producing strong versions of "I Mean You," "Rhythm-a-ning," and "In Walked Bud." Monk took "Blue Monk" and "I Mean You" at slower than usual tempos, partly as a test of wills between himself and Blakey, whom he sometimes accused of pushing the tempo. (Half-jokingly, Monk told Hardman at the end of the session, "We made a good record - but the drummer couldn't keep time.")

~ Robin D.G. Kelley: Thelonious Monk, The Life and Times of an American Legend. New York / London / Toronto / Sydney, 2009, S. 221 [Fussnoten mit Belegen zu den Zitaten: #42-45, S. 510].]

Gemäss den Angaben in der CD und überall sonst stammen allerdings "Blue Monk" und "I Mean You" vom 14. Mai. Ich nehme allerdings an, dass Kelley als die grosse Autorität in all things Monk betrachtet werden soll und tendiere dazu, ihm zu glauben.

Mit "Evidence" beginnt das Album, Hardman soliert als erster, schlägt sich nicht schlecht, Monk taut aber unter Griffin hörbar auf. Am Ende spielt Blakey ein hübsches Solo. "In Walked Bud" präsentiert Griffin als ersten Solisten, verspielter, repetitiver als sonst, angesport von Monks schrägem comping. Dieser scheint von Griffin - der ein Jahr später in Monks Quartett tolle Aufnahmen machen würde - inspiriert, sein Solo ist voller Wiederholungen, kleiner Motive, aber auch mit viel Pausen und Raum gestaltet, Blakey streut ein paar tolle Rhythmen ein. Hardman klingt auch inspirierter, findet einen tollen Einstieg in sein Solo und auch ihn füttert Monk mit Ideen.
Das langsame "Blue Monk" ist wohl das Highlight der Session, Griffin soliert wieder zuerst, getrieben, scheinbar mit endlos vielen Ideen. Monk folgt, funky, dunkel und fast ganz ohne Blues-Klischees auskommend. Auch Hardman klingt inspiriert, das langsame Tempo lässt ihn in double time Linien fallen, die scheinbar mühelos und flüssig klingen. DeBrest folgt mit einem angemessenen Bass-Solo.
Die zweite Hälfte des Albums beginnt mit "I Mean You", einer simplen aber effektiv rhythmisierten Linie, die von einer Art stop time mit pedal tones vom Bass und jeweils am Ende von swingendem 4/4 begleitet wird. Griffin strollt, ohne Begleitung von Monk, findet sich im Stück sehr gut zurecht. Monk folgt, sein Solo möglicherweise im Voraus zurechtgelegt aber sehr toll. Dann Hardman, den Monk recht dicht begleitet, während DeBests Bass und Blakeys Drums einen fast stampfenden Beat erzeugen. Blakey folgt mit einem kurzen Drum-Solo, bevor das Stück endet.
"Rhythm-a-ning" beginnt mit Monk, im Thema ist Griffin ungebremst, das erste Solo - sehr nahe am Thema - kommt dann aber von Monk, der sich mit Blakey verzahnt. Blakey und DeBrest folgen dann, und danach kommt Hardman sofort zur Sache, lässt sich von Monks dichter Begleitung treiben und wird am Ende monkisch genug, sodass dieser auf seine Begleitung verzichten kann - hier ahnt man, wie toll Hardman mit Monk hätte klingen können, wenn es zu weiteren Begegnungen gekommen wäre. Griffin setzt nach Hardmans virtuosem Solo minimalistisch ein, aus seinem Triller schleicht sich aber bald eine rasante Linie, geschmeidig und mit seinem typisch vokalen Sound legt er bald los und Monk macht kleine Einwürfe. Nach dem tollen Tenorsolo spielt Blakey eins seiner tollsten Soli überhaupt, bevor das Stück mit dem Thema endet.
"Purple Shades" von Griffin ist das letzte Stück des Albums, ein simpler Riff-Blues. Die Band klingt relaxt und locker, Monks Einfluss beschränkt sich hier auf sein öffnendes Solo und sein verschrobenes comping, die Musik klingt daher weniger stark nach Monk als in "Blue Monk", aber das Ergebnis ist dennoch sehr überzeugend. Hardman klingt nach Monk frei und locker, sehr lyrisch, mit mehr Raum und weniger Tönen, Griffin zeigt einmal mehr sein beeindruckendes Können und auch DeBrest klingt lockerer.
Die Alternate Takes sind ein schöner aber letztlich nicht essentieller Bonus zur Session, schön ist aber, von "Blue Monk" einen zweiten Take zu hören mit tollen Beiträgen von Monk (er streut "April in Paris" in sein Solo ein) und Griffin. Der Take ist deutlich aber schneller und das langsame Tempo kommt definitiv besser.

Zur genauen Reihenfolge der Aufnahmen sowie Angaben, welche Tracks wirklich vom 14. Mai stammen (bloss die Alternate Takes von "Blue Monk" und "Evidence"!) gibt Robin D.G. Kelleys Online Sessionography (http://www.monkbook.com/sessionography/sessionography-1955-1957/) Auskunft.

Blakey nahm im Juni an den grossartigen Aufnahmen für Thelonious Monks "Monk's Music" teil, vom Juli gibt's dann einen kurzen Mitschnitt aus der "Stars of Jazz" TV-Show, den ich noch nicht kenne. Die Messengers spielten (mit Sam Dockery) ein Monk-Programm: "I Mean You", "Blue Monk" und "Evidence". Die Aufnahme fiel in die Zeit eines zweiwöchigen Auftrittes im Blackhawk in San Francisco. Russ Wilson berichtete im Oakland Tribute:


Griffin has been with the Messengers only seven months, replacing Jackie McLean, who lost his job because he could not break the Habit.

~ Russ Wilson, Oakland Tribune, July 7, 1957, p.B15 (Quelle (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm) / 2011-05-01)

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Dann folgte der nächste Wechsel: Pianist Junior Mance tritt die Nachfolge von Sam Dockery an. Mit ihm nahm Blakey für das Bethlehem-Label ein erstes Album mit dem Titel Hard Drive (BCP-6037) auf. Die Band ist in Form, das Material von Jimmy Heath, Bill Hardman, Johnny Griffin (je zwei Stücke) und Leon Mitchell (ein Stück) recht gut... und die Stimmung der Atmosphäre ist ziemlich Gospel-getränkt, wozu auch Mance viel beiträgt.

Von Nat Hentoff darauf angesprochen, was er von der Klassifikation seiner Musik als "Hard Bop" halte und oder eine Definition davon liefern könnte, sagte Blakey:


"I don't know what they're talking about," Art began in an exasperated rasp. "All we do is try to play music, just basic music. Other people put names to it; I don't put names to music. It's just swinging. If we don't swing, it isn't jazz. That's all. That's all we've got is swinging. How are you going to swing if you don't swing hard? How can you swing easy? Even if you play soft, you have to swing hard. Jazz is going to sell itself; it doesn't need any names like 'hard bop'."

~ Nat Hentoff, Liner Notes zu "Art Blakey - Hard Drive" (Bethlehem BCP-6037, Rhino/Avenue Jazz CD, 1999)

Das Album eröffnet mit Jimmy Heaths "For Minors Only", das sehr charmant dargeboten wird, Blakey an Besen, DeBrest mit einem Basslick, das halbwegs einen Two-Beat vortäuscht... Hardman mit Dämpfer, kriegt dann auch gleich das erste Solo, sein Ton hat sich verbessert, seine Linien wirken so konzentriert wie auf den besten Stücken mit Monk, er spielt weniger Noten als auch schon, streut rasch ein "Wade in the Water"-Zitat ein und spielt auch mal über mehrere Takte nur einen Ton. Mance folgt mit einem swingenden Solo, spielt mit knackigem Ansatz, streut aber auch ein paar fast Silver-mässig rollende Passagen ein. Griffin öffnet verhalten, auf ganz typische Weise, legt dann nach und baut ein kleines schönes Solo auf - in der Folge wird er einmal mehr der überzeugendste Solist des Albums sein und das kündigt sich hier schon an.
Griffins "Right Down Front" ist eine Gospel-Nummer, wie Blakey sie bald mit der nächsten Band (Bobby Timmons!) pflegen sollte. Das Stück erschien (b/w "Late Spring") auch als Single. Über einen fetten Shuffle, Two-Beat Bass und rollende Akkorde von Mance spielen Hardman und Griffin das Thema. Griffin setzt sogleich zum Solo an - unvergleichlich! Das mag klischiert sein - das Thema, der Groove, ja vielleicht auch Griffins Solo, aber verdammt das macht einfach Spass! Mance folgt, sehr simpel. Nach Hardmans kurzem Solo folgt Spanky DeBrest am Bass (der sich fast wohler zu fühlen scheint als Hardman), dann wird das Thema wiederholt.


Blakey was candid about de Brest, declaring that he felt the young (about 20) bassist has the potential but needs a stronger pianist in the band to propel him to improve faster. "I mean," noted Blakey, "the way Horace Silver improved Doug Watkins."

~ Nat Hentoff, Liner Notes zu "Art Blakey - Hard Drive" (Bethlehem BCP-6037, Rhino/Avenue Jazz CD, 1999)

"Deo-X" ist Bill Hardmans Komposition und stammt als einzige von der ersten Session vom 9. Oktober, der Rest des Albums wurde dann am 11. eingespielt. Das Tempo ist nach Blakeys verspieltem Drum-Intro rasant, Blakey spielt im Thema einen Latin-Beat.Hardman und Griffin präsentieren die teilweise auf Ganzton-Skalen basierende Melodie unisono, Griffin stürmt mit einem kleinen Break sofort ins Solo los. Es folgen Hardman und Mance, danach Blakey mit einem tollen Solo. Das Thema wird am Ende von einer kleinen Coda gefolgt, sehr hübsch.
"Sweet Sakeena" ist Hardmans zweites Stück der Session, Blakeys kleiner Tochter gewidmet. Griffin ist wieder der erste Solist, gefolgt von Hardman und einem inspirierten Mance.


Composer Hardman also included his estimation of his front-line colleague Johnny Griffin, a tribute underlined, Hardman indicates, by the fact "that I listen to him night after night. He's always changing; his mind is always working; something else is always happening. He plays relaxed, the way musicians would like to play. He has an execution, speed all of that. He's the most underrated tenor player around."

~ Nat Hentoff, Liner Notes zu "Art Blakey - Hard Drive" (Bethlehem BCP-6037, Rhino/Avenue Jazz CD, 1999)

Die zweite Hälfte des Albums beginnt wieder mit einem Jimmy Heath Stück, "For Miles and Miles". Mance soliert als erster, gefolgt von Hardman und einem tollen Griffin-Solo zum Ende. DeBrest kriegt hier zum zweiten Mal Gelegenheit, zu solieren.
Der Groove von Griffins "Krafty" ist ähnlich aber etwas schneller, Hardman spielt ein tolles, diskursives Solo, Blakey gibt mächtigen Support. Mance folgt, sparsam, linear am Anfang. Griffins Solo ist dann das Highlight des Stückes.
Zum Abschluss folgt nochmal eine entspanntere Nummer, Leon Mitchells "Late Spring". Mance spielt das erste Solo, sehr swingend. Dann folgt Hardman mit einem seiner bis dahin besten Solos, lyrisch, linear, mit sonormen Ton und relaxter Phrasierung - wunderbar! Griffin und DeBrest sind noch zu hören, bevor das unspektakuläre aber schöne Album endet.

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Über das Bethlehem Album Art Blakey's Big Band (BCP-6027) habe ich mich im Chronological Coltrane-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=41384&page=11) schon mal kurz geäussert:


Die Big Band ist ganz in Ordnung, teilweise vielleicht (wegen Blakey?) etwas schwerfällig, aber eine ziemlich schöne Abwechslung von seinen üblichen Messengers Sessions!
Das Album enthält zudem zwei Stücke im Quintett mit Coltrane und Donald Byrd und der Rhythmusgruppe (Walter Bishop, Wendell Marshall & Blakey). In den Big Band Nummern hört man dann Byrd nicht, dafür alle drei anderen Trompeter (ich wiederhole das von oben, um alles an einem Ort zu haben):

Midriff - Hardman, Coltrane, Bishop
Ain't Life Grand - Copeland, Coltrane, Bishop
El Toro Valiente - Shihab, Cleveland, Blakey, Shihab
The Kiss Of No Return - Shihab, Sulieman, Rehak, Cleveland, Shihab
The Outer World - Coltrane, Sulieman

Auf "Late Date" gibt's keine Soli, auf "Oasis", dem einzigen Outtake auf CD2, gibt's ein kurzes Trompetensolo, kann das aber niemandem zuschreiben, könnte wohl jeder der vier sein...

Coltrane glänzt und sticht ganz deutlich heraus - wenn er mal loslegt, ist kein Halten mehr! Da wünscht man sich dann erst recht einen etwas weniger behäbigen Herrn an den Traps, aber was soll's... die Sätze und Shout Choruses begleitet Blakey toll! Herausragend übrigens auch Rehak in seinem einen Solo, und Walter Bishop klingt super, beinahe nach Monk! Shihab spielt ein cremiges Lead-Alt, wunderbar, in der grossen Tradition der Big Bands. Seine beiden Feature-Stücke sind toll! Von den Trompetern gefallen mir wohl die beiden Soli von Sulieman am besten, aber Copeland ist auch toll!
Die Quintett-Stücke sind einerseits der funky Blues "Tippin'", der problemlos auf ein Messengers-Album gepasst hätte, sowie Coltranes schönes Stück "Pristine". Diese Session kommt der Vorstellung von Coltrane mit Horace Silvers Jazz Messengers (siehe oben) wohl am nächsten. Nicht schlecht, aber bestimmt nicht essential.

Viel habe ich hier nicht zu ergänzen... schön, Sulieman und Copeland, die beiden Lieblingstrompeter von Monk in den 40ern und 50ern zu hören, ebenso den verhinderten Monk-Trompeter Hardman. Das Album gefällt mir recht gut - im Zusammenhang von Coltranes Musik ist es natürlich wirklich kein grosser Lichtblick, aber es macht einfach Spass, eine so tolle Big Band zu hören, egal ob am Ende alle Details passen oder nicht (letzteres ist hier eher der Fall).


Bethlehem recorded Art Blakey and a big band, with John Coltrane, Donald Byrd, Frank Rehak, Wendell Marshall, Walter Bishop, Melba Liston, and Al Cohn. Blakey is working out a schedule for his upcoming overseas tour with the Messengers, including Donald Byrd.

~ Down Beat, February 6, 1958, p.8 (Quelle (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm) / 2011-05-01)

Diese Tour ist anscheinend nicht zustande gekommen, stattdessen suchte Blakey im Frühjahr einen neuen Saxophonisten (anscheinend trat McLean wieder an Griffins Platz, hatte aber keine cabaret card) und fand ihn in Benny Golson, dem ersten richtigen musical director seiner Messengers.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Das Jahr 1958 war für die Messengers kein gutes, Blakey selbst hat allerdings an einigen Blue Note Sessions (von Jimmy Smith, Kenny Burrell und Tina Brooks), den Aufnahmen zu Cannonball Adderleys "Somethin' Else" sowie einem Gil Evans Pacific Jazz-Album mitgewirkt.

Hier (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm) gibt's ein Zitat von Benny Golson (zu Doug Ramsey), aber ohne Beleg:


I said, 'Art, you're a great man. This pay is nothing for you. It makes me sad,' And he looked at me with his sad beautiful cow eyes and said, 'Can you help me ?' And I can't believe what came out of my mouth, this young upstart who hadn't been in New York too long. I said, 'Yes, if you'll do exactly what I tell you.' How dared I ? But he went for it. He said 'What should I do ? And I said, 'Get a new band.'

Die Messengers spielten in verschiedenen Line-Ups: Bill Hardman, Benny Golson, John Houston, Spanky DeBrest; Hardman, Golson, Bobby Timmons, George Tucker... und im Oktober begann dann ein neues Kapitel, als Blakey am 30. mit den neuen Messengers (Lee Morgan, Golson, Timmons, Jymie Merritt) das Blue Note-Album "Moanin'" einspielte. Am 2. November entstand zudem die "Drums Around the Corner" Session und eine Woche später "Holiday for Skins". Im November/Dezember folgte dann auch die Europa-Tournee (während der in Paris Live-Aufnahmen sowie der Film-Soundtrack für "Des femmes disparaissent" entstanden). Doch dazu mehr in den nächsten Posts.

gypsy tail wind
02.05.2011, 23:08
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Im Herbst 1958 fing die Messengers Maschinerie wieder zu laufen an - Benny Golson war als neuer Tenorsaxophonist und als musikalischer Leiter engagiert worden, Lee Morgan, der neue Star am Trompetenhimmel, Pianist Bobby Timmons und Bassist Jymie Merritt verschmolzen zur nächsten grossen Ausgabe der Jazz Messengers.
Moanin' (BLP 4003) heisst die Studio-Platte, die uns diese Gruppe hinterliess und schon im eröffnenden Titelstück wird klar, dass wir es hier mit einer grossartigen Band zu tun haben. Timmons' Nummer ist einer der ganz grossen Hardbop-Klassiker, Morgan hebt zu einem grossartigen Solo ab, einem der grossen Momente des Jazz überhaupt! Die Übergabe an Golson folgt mit einer Phrase, die dieser aufgreift und daraus sein Solo spinnt. Timmons' Piano-Solo hat sich schon seit Jahren in meinem Kopf festgesetzt.... und auch Merritt zeigt am Bass seinen tollen, erdigen Sound und guten Groove. Die folgenden vier Stücke stammen allesamt von Benny Golson: "Are You Real" (klingt fast wie ein Pop-Song - und es gibt ein weiteres tolles Bass-Solo zum Abschluss), "Along Came Betty" (eins von Golson schönsten Stücken, Morgan einmal mehr grossartig), die "Drum Thunder Suite" (Teil 1: Drum Thunder; Teil 2: Cry a Blue Tear; Teil 3: Harlem's Disciples - das grosse Blakey-Feature des Albums) und "Blues March" (einer von Golsons grossen Hits und der Komponist glänzt mit einem grossartigen Solo). Zum Ausklang folgt dann der Standard "Come Rain or Come Shine". Die CD enthält zudem einen Alternate Take des Titelstückes (mit einem eindeutig weniger tollen Trompetensolo aber ähnlich guten Tenor- und Piano-Spots wie im Master).

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Am 2. November standen die Messengers ohne Golson bereits wieder im Studio. Die Session wurde erstmals 1999 unter dem Titel Drums Around the Corner in der Connoisseur Serie aufgelegt. Rudy Van Gelder war zwar zur Stelle, aber für die zweite grosse Drums-Session traf man sich wieder im New Yorker Manhattan Towers Studio. Die Gast-Drummer waren: Philly Joe Jones (d,timp), Roy Haynes (d) und Ray Barretto (cga). Die Stossrichtung ist eine wesentlich andere, von Blakeys Drum-Orgien ist das hier das eine Album, das zugleich auch eine Jazz Messengers Angelegenheit ist. Morgan und Timmons sind mit tollen Soli präsent und auch Merritt lässt immer wieder von sich hören. Zudem sind die Drum-Parts viel jazziger und weniger Latin-(oder Afro-)lastig als bei Blakeys anderen Drum-Alben.


Art Blakey was always fascinated with the musical and rhythmic possibilities of drum ensembles. In 1956, Art convinced Columbia Records to give him the green light to record half of an album with a large drum ensemble, hand picking some of the greatest Latin and jazz percussionists of all time. Between 1957 and 1962 Art recorded four more drum ensemble sessions for Blue Note. Five albums were released: An Orgy in Rhythm Vols. 1 & 2 (1957), Holiday for Skins Vols. 1 & 2 (1958) and Afro Drum Ensemble (1962). I have no clue as to why this 1958 session was never released. To my ears, it's the most organized and musically varied. Blakey was never happy with the drum ensemble recordings. He's told me that there were "too many egos" and that he felt that the drummers didn't play as well as they could have. He never elaborated on any specific person or incident that drew him to that conclusion. It is interesting to note that the amount of Latin percussionists was cut to one. If Art were still alive, I think that he would be happy with the results of this date if he picked three other percussionists that he knew he could count on to really create something special.
All four of these masters were at the top of their games and in demand. Any musician who was lucky enough to obtain their services was sure to have a good recording or gig.

~ Kenny Washington, Liner Notes zu "Art Blakey - Drums Around the Corner", Blue Note 21455, CD 1999

Im Stereo-Spread sind Philly Joe und Blakey im rechten, Haynes und Barretto im linken Kanal zu hören. Blakeys Drums sind die am tiefsten gestimmten, Haynes hat den scharfen, kompakten Snare-Sound und Philly Joe den hellsten Sound der drei. Während der Soli von Morgan und Timmons spielt fast immer nur einer der drei.

Charlie Parkers "Moose the Mooche" öffnet mit den Drummern, die zu viert das Thema spielen - eine sehr tolle Idee! Im zweiten Chorus übernehmen dann Morgan, Timmons und Merritt - hinter ihnen spielen Philly Joe und Barretto. Timmons spielt das erste Solo, zuerst von Haynes begleitet, dann übernimmt Blakey mit einem typischen Roll. Hinter Lee übernimmt dann Philly Joe. Nach Barrettos Conga-Solo folgt Haynes, dann Philly Joe und schliesslich Blakey. Lee spielt erneut das Thema (Blakey die Bridge), dann hätten die Drummer mit dem Thema enden sollen... aber Philly Joe fand, die Musik sei so gut, dass er eine weitere Runde von Solos begann. Haynes ist der zweite Solist und gemäss Kenny Washington ist das hier eins seiner besten jemals aufgenommenen Soli. Blakey folgt, dann übernimmt Philly Joe an den Kesselpauken, gefolgt von Exchanges, bis das Thema wiederholt und die Performance mit einer kurzen Drum-Coda beendet wird. Das Stück ist mit einer Viertelstunde lang geraten, macht aber grossen Spass!
Das zweite Stück der Session ist "Blakey's Blues", das mit einem von Arts berühmten Press Rolls beginnt. Merritt walkt für zwei Chorusse (mit Philly Joes Hi-Hat im ersten, Blakey im zweiten), dann folgen Timmons und Morgan (beide mit Blakey). Wunderbar, wie Morgan hier sein Solo aufbaut, ganz langsam Intensität erzeugt, Spannung aufbaut. Im dritten Chorus zitiert er Nellie Lutchers "Real Gone Guy", im siebten schaltet er einen Gang hoch, Blakey geht sofort mit. Für die Drummer ist das ein schwieriges Tempo, um zu solieren, aber das stört die Cracks hier überhaupt nicht. Jones, Haynes, Barretto und Blakey spielen je einen Chorus, dann folgt nochmal Merritt und die Drummer beenden das Stück... on the road to Soulsville.
"Lee's Tune" ist ein 32-taktiges Morgan-Original mit einer hypnotischen Stimmung. Morgan spielt ein sehr tolles Solo, Blakey begleitet ihn - und das hier ist das perfekte Tempo für ihn... wenn Blakey einmal in Fahrt ist gibt es für ihn in diesem Tempo kein Halten mehr! Barretto zeigt hier, wie man den Drummern nicht in den Weg kommt und auch an den Congas swingen kann. Philly Joe, Haynes und Blakey sind die Solisten.
"Let's Take 16 Bars" wird Blakey zugeschrieben, Kenny Washington ist sich aber sicher, dass es ein Lee Morgan Stück ist. Die Drummer spielen wie im Parker-Stück zu Beginn das Thema, aber jeder hat seinen Part, das ganze baut sich zu einer Art Pyramide auf. Blakey spielt den Beat während Ray, Philly Joe und er selbst je 16 Takte spielen, dann solieren Morgan und Timmons, gefolgt von Fours von den Drummern, in der Reihenfolge Blakey, Haynes, Philly Joe. Morgan kommt wieder mit dem Thema und das Stück endet donnernd.
Blakeys "Drums in the Rain" wird von Barretto eröffnet, der immer wieder in einen 6/8-Beat fällt. Haynes folgt (mit Mallets), Blakey übernimmt, indem er Haynes' letzte Hi-Hat-Phrase wiederholt, Jones übernimmt dann auch wieder mit dieser Phrase. Blakey wechselt dann das Tempo und eine Drum-Konversation folgt, in der Reihenfolge Blakey, Barretto, Blakey, Haynes und Jones.
Mit "Lover" folgt zum Abschluss der fast schon obligate Standard, das Tempo ist unglaublich schnell und Morgan spielt ein grossartiges Solo - achtet man genau, kann man hören, wie er tief Luft holt zwischen den wunderschönen langen Phrasen, die er spielt. Die Reihenfolge der Drum-Solos ist Haynes, Jones, Blakey und Barretto. Und Am Ende kriegt Blakey nochmal die Bridge.
Die Session ist ziemlich lang, aber für zwie LPs hätte sie nicht gereicht, "Let''s Take 16" und "Lover" sind mit sechs bzw. sieben Minuten die kürzesten Stücke, "Lee's Tune" ist 8:22, "Drums in the Rain" und "Blakey's Blues" sind beide elf und "Moose" ist fünfzehn Minuten lang. Auf der CD sind als Bonus die beiden Duos von Blakey und Paul Chambers vom 29. März 1959 zu finden, von denen das eine auf der CD "Blue Berlin" erschienen ist und beide danach auch im "Mosaic Select" von Paul Chambers.
Ich pflichte jedenfalls Kenny Washington bei, dass das hier möglicherweise die beste von allen Blakey Drums-Sessions ist - Morgan ist grossartig, die etwas kleinere Band kommt gut und die Musik ist unglaublich reichhaltig, da ist das funky "Lee's Tune", das lange "Moose the Mooche", das halsbrecherische "Lover" oder das unglaublich stimmungsvolle "Drums in the Rain"... und natürlich sind mit Blakey, Haynes und Jones drei der allerbesten Jazz-Drummer zugange!
Etwas anders als die anderen Drums-Alben ist das 1962 (nach etwas über drei Jahren Pause) entstandene "African Beat" - der Titel gibt schon dire Richtung an, in die die Musik geht - doch dazu mehr zu seiner Zeit.

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Eine Woche später fand wieder im Manhattan Towers mit Van Gelder die nächste Drum-Session statt, die als Holiday for Skins Vols. 1 & 2 (BST 84004/5) erschienen ist. Die Jazz-Musiker waren Trompeter Donald Byrd, sowie zwei Rückkehrer von "Orgy in Rhythm": Pianist Ray Bryant und Bassist Wendell Marshall. Von den Jazz-Drummern wawr Philly Joe Jones erneut dabei, von der "Orgy in Rhythm" Gruppe war zudem Art Taylor wieder mit von der Partie. Die Latin-Perkussionisten waren Ray Barretto (von "Drums Around the Corner"), Sabu Martinez (von "Orgy in Rhythm", an Bongos und Congas) sowie Chonguito Valdes (wie Barretto an Congas zu hören), Victor Gonzalez (Bongos), Andy Delannoy (Maracas und Cowbell/Cencerro), Julio Martinez (Congas und Schlaghölzer), sowie Fred Pagan Jr. (Timbales). Wir haben also drei Jazz-Drummer, eine siebenköpfige Latin-Rhythm-Section, sowie drei Jazzer - dreizehn Leute, so viel wie in einer kleinen Big Band und noch eine Person mehr als auf "Orgy in Rhythm", der zweitgrössten Drum-Session. Blakey, Jones, Sabu, Austin Cromer und Hal Rasheed sind zudem in einigen Nummern mit "chants" zu hören.

Ray Bryant brachte zwei Stücke mit, "Swingin' Kilts" und "Reflection" (beide von Vol. 2), die restlichen sechs Stücke erarbeitete Blakey wie schon bei der "Orgy in Rhythm" direkt in der Session - die von elf Uhr abends bis fünf am nächsten Tag dauerte.

Joe Goldberg, der die Liner Notes verfasste - sie geben keinen klaren run-down der Solisten und ich wage mich da nicht allein dran - sass mit Blakey zusammen und hörte die Musik an:


As we listened to the records, Blakey continually heard things that made him laugh with delight - never his own work - and asked to hear that passage again. Philly Joe's vocal on "The Feast"; Sabu's cavalry-like entrance on "Reflection"; the exchanges between drummers on "Kilts" (the one tune on which the Latin rhythm is not present); the amazing support Blakey receives on "Dinga," where he solos alone with the Latin rhythm section; Donald Byrd's solo on "Reflection," surely one of his best; and above all, teh constant interplay of rhythms.

~ Joe Goldberg, Liner Notes zu "Art Blakey - Holiday for Skins (Vols. 1 & 2), Blue Note BLP4004/5, BST 784004/5

Die Rhythmen sind nach dem öffnenden chant in "The Feast" sofort sehr dicht, Donald Byrd hebt ab zu einem Solo, Marshall spielt eine simple Bass-Figur, über die danach auch Bryant soliert, bevor die Drummer übernehmen. "Aghano" ist mit genau sechs Minuten das kürzeste Stück, der Groove ist auch hier afro-kubanisch (mit starken Afro-Elementen), Bryant repetiert ein Riff, darüber folgt wieder der Chor, dann übernimmt die Latin-Rhythmusgruppe, bevor sich die Jazz-Drummer langsam wieder einschleichen und zu solieren beginnen. Was auffällt im Vergleich mit der vorangegangenen Session ist nicht bloss die deutlich weniger Jazz-orientierte Ausrichtung der Musik sonder vor allem, dass die Band hier viel mehr als Gruppe agiert, der einzelne Solist weniger Freiraum geniesst.
Die zweite Hälfte von Vol. 1 beginnt mit "Lamento Africano". Wieder spielt Marshall eine simple Bass-Figur, Bryant soliert darüber, die Latin-Drummer und der Chor gesellen sich einer nach dem anderen dazu. Mit "Mirage", dem längsten Stück der Session (es dauert 10:27, die meisten Sttücke dauenr zwischen 8-9 Minuten), endet Vol. 1. Donald Byrd ist als erster zu hören, mit einem schönen Solo, das wohl von Blakey begleitet und getrieben wird. Bryant folgt, der (die?) Drummer hält sich zurück. Dann folgt eine Reihe von Solos: Drums, Congas (Barretto wohl), Drums, dann Sabu mit den Sticks auf seinen Bongos, dann der dritte Drummer (man könnte die drei sicher identifizieren wenn man das mehrmals hören würde... meine Vermutung: Jones, Blakey, Taylor - aber ich bin keinesfalls sicher). Zum Ende ist dann nochmal Donald Byrd zu hören - er spielt sehr schön, aber es fehlt am speziellen Funken, der bei Lee Morgan eine Woche zuvor mehrfach übergesprungen ist.

Vol. 2 beginnt mit "O'Tinde" ist eine weitere Perkussions (und Chanting)-Nummer, die Jazz- und Latin-Rhythmen verzahnen sich zu einem dichten Geflecht. In welcher Reihenfolge die Jazzer solieren, da wage ich wieder keinen Tipp, dazu müsste ich das ganze schon etwas genauer studieren (oder mindestens mal versuchen rauszurkriegen, wer wo im Stereo-Spread steckt).
Es folt Ray Bryants "Swingin' Kilts, nur von den Jazzern gespielt (also drei Drummer plus mal wieder Byrd, Bryant und Marshall). Der Groove ist typisch Bryant, ein Gospel-getränktes Intro, dann eine typische Hard Bop (oder fast schon Soul Jazz) Linie mit satten, süffigen Akkorden, über die Byrd ein sehr schönes, äusserst lyrisches Solo bläst - lyrisch dank seiner Phrasierung und Intonation, denn er packt durchaus einige Hard Bop Klischees rein. In welcher Reihenfolge die Drummer sich hier austauschen weiss ich auch wieder nicht, aber es macht grossen Spass, die Jazzer mal unter sich zu hören!
"Dinga" wird von einem Bass-Lick von Marshall getragen, darüber legt die Latin-Section einen dichten Teppich aus Rhythmen, und Blakey ist der einzige Solist.
Ray Bryants "Reflections" ist noch eine überaus typische Bryant-Nummer, wieder mit Piano-Intro (über Bass, Drums, Bongos und sonst noch das eine oder andere an Perkussion. Und auch hier gefällt Byrd mit einem sehr, sehr schönen Solo, das sich perfekt in die Stimmung einfügt, sehr eng am Thema bleibt aber dennoch in scheinbar endlosen Linien eine ganz eigene Geschichte erzählt. Es folgt Bryant, dann die Perkussionisten und Drummer... der durchgehende Bongo-Beat (der übrigens das Tempo anzieht) ist wohl Sabu (und nicht Art Taylor... aber vielleicht hat der ja hier dirigiert?) - jedenfalls ein Highlight zum Schluss des zweiten Albums, das wohl insgesamt etwas mehr Spass macht (was vielleicht an Bryants beiden Kompositionen liegt, auch am einen Stück ohne die Latin-Musiker, aber auch am tollen "Dinga".

redbeansandrice
02.05.2011, 23:35
danke für die tollen Berichte, hab noch riesige Lücken bei Blakey, aber heut mal wieder was nachgekauft, die Paris Jam Session, natürlich eigentlich um eine Barney Lücke zu schließen, aber die ist in der Tat auch ansonsten großartig...

am Rande, falls du zu den nächsten Schritten der Jazz Messengers Detaildaten brauchst, Lee Morgan Chronology (http://press.umich.edu/pdf/leemorgan_chronology.pdf);-)

gypsy tail wind
02.05.2011, 23:41
danke für die tollen Berichte, hab noch riesige Lücken bei Blakey, aber heut mal wieder was nachgekauft, die Paris Jam Session, natürlich eigentlich um eine Barney Lücke zu schließen, aber die ist in der Tat auch ansonsten großartig...

am Rande, falls du zu den nächsten Schritten der Jazz Messengers Detaildaten brauchst, Lee Morgan Chronology (http://press.umich.edu/pdf/leemorgan_chronology.pdf);-)

Ja, die "Paris Jam Session" ist überraschend gut.
Ich nehme an, Du kennst "Les femmes disparaissent"? Wilen mit Morgan - das ist auch grossartig! Zudem gibt's dort ein Sopransax-Stück von Wilen, das ganz klar vor Coltrane liegt und wunderschön ist.

Überhaupt, das Niveau bei Blakey von 1958-64 ist sowieso unglaublich! Das waren Bands, die wirklich gut funktioniert hatten, die manchmal notwendigen personellen Wechsel (TImmons/Davis-Walton, Merritt-Workman, Morgan-Hubbard, Golson-Mobley-Shorter, sowie natürlich der Neuzugang von Fuller) wurden ohne grössere Störungen über die Bühne gebracht und haben dennoch immer zu kleinen Veränderungen im gesamten Gefüge geführt.

Danke für den Morgan-Link - kannte ich noch nicht. Denke aber für meine Bedüfrnisse reicht die Blakey-Chronologie... diese Morgan-Chronologie ist ja unglaublich exakt!

katharsis
03.05.2011, 12:33
Bzgl. "Drums around the Corner": Übernimmt Haynes bei "Moose the Mooche" ab etwa 8:34?

gypsy tail wind
03.05.2011, 14:23
Bzgl. "Drums around the Corner": Übernimmt Haynes bei "Moose the Mooche" ab etwa 8:34?

MOOSE THE MOOCHE

00:00 - Thema: Drummer (inkl Barretto), Bridge: je 2 Takte Blakey, Haynes, Philly Joe, Art (wiederholt Haynes' Phrase)
00:30 - Thema: Morgan (mit Jones)
01:01 - Timmons (mit Jones)
01:31 - Timmons (mit Blakey)
02:02 - Morgan (2 Chorusse) (mit Jones)
03:03 - Barretto (mit ? am Hi-Hat und Merritt)
03:33 - Barretto (16 Takte ohne Bass) + Haynes (16 Takte ab Bridge 03:48)
04:04 - Haynes (+ ? am Hi-Hat?)
04:24 - Jones (übernimmt wieder in der Bridge)
05:22 - Blakey (übernimmt auch in der Bridge, mit ein, zwei Schlägen Verspätung... der master of suspense!)
06:06 - irgendwo im Press-Roll beginnt der letzte geplante Solo-Chorus, nehme an Jones und Haynes stossen beide dazu
07:02 - Thema: Morgan (Bridge: Blakey)
07:31 - hier hätte das Drum-Thema zum Ende beginnen sollen, stattdessen übernimmt Jones nochmal
08:33 - Haynes (Bingo, katharsis!) (vier Chorusse, glaub ich)
10:19 - Blakey
10:47 - Jones (an Kesselpauken)
11:35 - Blakey (spielt mit Mallets)
12:02 - Dialog/Exchanges zwischen den drei Drummern (Haynes ist derjeneige, der klar im linken Kanal ist, Blakey spielt glaub ich immer noch mit Mallets weiter, Jones immer noch - oder zwischendurch hie und da? - an den Kesselpauken) bis hin zum Thema, das einsetzt bei:
14:02 - Thema: Drummer + Barretto
14:28 - Thema: Drummer + Barretto (das Tempo hat angezogen!)
14:55 - Coda/Outro

Hab das jetzt nicht alles durchgezählt, bin nicht überall zu 100% sicher, aber es sollte in etwa stimmen. Das Tempo scheint ein wenig zu schwanken, wird anfangs mal etwas langsamer, dann zieht Haynes mächtig an, danach wird's wieder langsamer bei Blakey/Jones/Exchanges, und am Ende zieht's im Thema wieder ziemlich an.

katharsis
03.05.2011, 14:49
Danke für die Chronologie. Hat Spaß gemacht, das mit Deinen Hinweisen nachzuhören. Werde selbiges nochmal mit den detaillierten Angaben machen.
Was würdest Du sagen, unterscheidet die drei Drummer auf charakteristische Weise voneinander?

gypsy tail wind
03.05.2011, 14:57
Danke für die Chronologie. Hat Spaß gemacht, das mit Deinen Hinweisen nachzuhören. Werde selbiges nochmal mit den detaillierten Angaben machen.
Was würdest Du sagen, unterscheidet die drei Drummer auf charakteristische Weise voneinander?

Nicht ganz einfach zu sagen... Haynes ist der mit am meisten "snap", der präziseste, die Toms am höchsten gestimmt, ein zickiger Drummer irgendwie. Blakey ist wohl der behäbigste, am tiefsten gestimmt, der Trommler, der mit ungeheurer Wucht spielen kann (die geht Haynes etwas ab, Blakey ist viel... körperlicher?)
Jones find ich da am schwersten fassbar... irgendwo dazwischen. Nicht mit der Präzision Haynes und nicht mit der Wucht Blakeys spielt er - er ist vielleicht am Ende der aufregendste der drei (aber nicht hier, hier ist das Haynes!), derjenige, der die unerwartetsten Fills und Rhythmen spielt, durchaus auch mal aufrdinglich begleitet.

Es gibt irgendwo die Aussage zu Roach, Elvin Jones und Haynes, Roach sei "the good", Jones "the bad" und Haynes "the mean". In der Gruppe hier mit Blakey wäre wohl Blakey "the good", Haynes "the bad" und Philly Joe "the mean".

gypsy tail wind
03.05.2011, 23:50
Art Blakey's Jazz Messengers were set to make a European tour that includes Scandinavia and a week in Paris in mid-November, returning about the end of the year.

~ Down Beat 11/13/1958, S.10 / Quelle, 2011-05-03 (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm)


- Olympia Theatre, Paris, France (November 22, 1958) 1958 Paris Olympia (Fontana) [two concerts]
- Saint-Nazaire, France (November 24, 1958) (French tour organized by Marcel Romano)
- Marseille, France (November 25 & 26, 1958)
- Vara Kurhaus, Scheveningen, The Netherlands (November 29, 1958) (Radio-Mitschnitt - Bootleg: Live In The 50's (Jazz Band 2128) [date of 11/19 is incorrect as France was first stop]
- Concertgebouw, Amsterdam, The Netherlands (midnight November 29/30, 1958)
- Brussels, Belgium (November 30 1958) [Jazz Magazine 12/58 p.10]
- Rouen, France (December 1, 1958) [Jazz Magazine 12/58 p.10]
- Fontainebleau, France (December 2, 1958) [Jazz Hot 1/59 pp.37-38]
- Karlsruhe, Germany (December 1958) (private recording)
- Volkhaus, Zurich, Switzerland (December 4, 1958) (Radio-Mitschnitt)
- Club St. Germain, Paris, France (December 6 & 7, 1958)
- Club St. Germain, Paris, France (December 13 & 14, 1958) [13.12.: Matinee + La Nuit de l’Argo. 11:00p.m.–4:00a.m. (Jazz Hot 12/1958)]
- Marseille, France (December 1958) [Jazz Hot 4/59 p.36]
- Olympia Theatre, Paris, France (December 17, 1958) 1958 Paris Olympia (Fontana)
- France (December 18-19, 1958) Des Femmes Disparaissent (Fontana 660224)
- Wagram Hall, Paris, France (December 20, 1958) [jam session, Jazz Messengers may have participated]
- Club St. Germain, Paris, France (December 21, 1958) Au Club St. Germain Vol. 1-3 (RCA 430043)

basiert auf: Art Blakey Chronology / 2011-03-05 (http://www.jazzdiscography.com/Artists/Blakey/chron.htm), Lee Morgan Chronology / 2011-03-05 (http://press.umich.edu/pdf/leemorgan_chronology.pdf)

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drf700/f704/f70406fiwfn.jpg

Die Tour begann am 22. November im Olympia in Paris - das Konzert wurde mitgeschnitten und später auf Fontana veröffentlicht. Der Andrang war so enorm, dass für den 17. Dezember ein zweites Konzert angesetzt wurde - es war wohl sowieso geplant, dass die Tour wieder in Paris enden würde. Es war für alle fünf Messengers der erste Besuch in Paris. Die Band war neu, unbekannt - und schlug ein! Jeden Abend, ausser einmal, als sie anscheinend Blakey allein liessen und ausserhalb des Club St. Germain herumlungerten - der Grund: Differenzen über die Finanzen... was denn sonst.
Blakey hat nach dem Konzert vom 22. November gemäss Alain Tercinets Liner Notes zur oben abgebildeten Jazz in Paris CD (#69, 2001 erschienen) unter Tränen gesagt: "I've never played for such an audience" - und in der tat, die Musik ist heiss, die Band und besonders Blakey selbst speit Feuer. Brigitte Bardot war angeblich (in Begleitung von Sacha Distel - ebenfalls anwesend. Die Aufnahmen wurden auf einer LP (Fontana 680 202) sowie auf einer EP (Fontana 460 642) veröffentlicht.
Los geht's mit drei Stücken vom 22. November, "Just By Myself" ein vergleichsweise verhaltener Opener, dann Morgan wunderbar in "I Remember Clifford", wohl Golsons schönste Ballade. Mit dessen drittem Stück in Folge, "Are You Real", endet dann die erste Hälfte der Aufnahme (und Seite 1 der LP) - Blakey ist von Anfang an unglaublich präsent, Golson spielt das erste Solo, lässt sich sehr lange Zeit und lässt uns zuhören, wie ein tolles Solo konstruiert wird. Sein altmodisch-robuster Ton, der Hawkins mehr als jedem anderen zu verdanken hat, gibt einen tollen Kontrast zu den moderneren Sounds der Band. Morgan folgt, auch er von Blakey getrieben und hie und da in einen Dialog verwickelt... Timmons rifft unter ihm - die Musik Golsons ist sehr süffig, ohne je anbiedernd simpel rüberzukommen. Nach Timmons' Solo folgen Exchanges von Blakey mit Morgan, Golson und Timmons, in denen Blakey fast soviel rumbrüllt wie er Schlagzeug spielt... dann folgt Jymie Merritt am Bass.
Weiter geht es mit den Aufnahmen vom 17. Dezember. Timmons' "Moanin'" ist mit fast 14 Minuten das längste Stück und wohl auch das Highlight der CD. Morgans Solo ist weniger zwingend als im Studio, die Übergabe an Golson erfolgt mit derselben Phrase, dieser spielt ein weiteres sehr tolles Solo und Blakeys Backbeat macht riesigen Spass (auch wenn er zu laut im Mix ist - v.a. Timmons geht etwas unter, Merritt wird mehr gefühlt als gehört, aber sehr stark gefühlt - und das passt zu seinem Spiel, er wird also von der Aufnahme recht gut bedient). Timmons spielt ein grossartiges Solo und auch hier weiss Merritt wieder zu überzeugen. Der letzte Track der LP war Monks "Justice" (aka "Evidence"), von Blakey mit einem tollen Drum-Solo eröffnet, bevor das fragmentierte Thema gespielt wird und dann über ein rasantes 4/4 soliert wird. Morgan fliegt als erster, auch Golson ist toll, Blakeys Begleitung ebenfalls.
Auf der EP erschien der ganz grosse Hit der Band, der "Blues March", sowie eins von Benny Golsons allerschönsten Stücken (und wohl mein Lieblingsstück von ihm), "Whisper Not". "Blues March" beginnt mit Blakeys Trommeln, dann wird über den stampfenden Bass das Thema präsentiert. Morgan spielt das erste Solo, verspielt, voller toller Ideen und sehr diskursiv und vokal, mit gebogenen Noten und all seinen kleinen Tricks. Wunderbar, wie er sich mit Timmons und Blakey verzahnt (einiges war wohl in der allabendlichen Routine einigermassen festgelegt). Blakey spielt ein Interlude, dann folgt Benny Golson - es klingt, als könnte es genau da, wo er einsteigt, einen Edit haben - vielleicht musste man fürs EP-Format mehr von Blakey rausschneiden? Auch der Wechsel zurück ins Thema klingt sehr abrupt, ein Piano-Solo fehlt ebenfalls... schade, aber dennoch eine tolle Performance. Eine vollständige hören wir dann im Mitschnitt aus dem Club St. Germain, der ein paar Tage später entstand.
Mit "Whisper Not" endet die Aufnahme - Golsons Stück schlängelt sich dahin, Timmons füllt mit sanften Akkorden und Linien, Golson summt quasi, während Morgan mit Dämpfer und feinem Ton die Melodie bläst und Merritt/Blakey zeigen, dass sie auch anders können als extrovertiert zu swingen. Morgan spielt das erste Solo, mit Dämpfer und singendem Ton, viel näher an Miles kam er wohl nicht wieder, aber er klingt selbst mit dem harmon mute mehr nach sich selbst als nach sonst jemandem. Timmons Piano-Solo ist verspielt, weicher als sonst, rollend. Leider scheint hier dann Golsons Solo zu fehlen (allfällige Edits sind aber besser gemacht worden) - dabei ist das eins der Stücke, auf dem ich ihn am allerliebste höre... aber egal, auch das ist eine sehr tolle Aufnahme!

EDIT: anscheinend stammen keine Aufnahmen vom 17. Dezember, sondern die betreffenden Stücke stammen vom 21. aus dem Club Saint-Germain - das sagt jedenfalls die Diskographie von Bruyninckx in einer Anmerkung. Die Lee Morgan-Chronologie widerspricht dem allerdings.

Benny Golson äusserte sich gegenüber Guy Kopelowicz (dessen Name im CD-Booklet als "Guy Kopel" wiedergegeben wird) vom Jazz Magazine folgendermassen:


WHISPER NOT isn't "funky" in my opinion. The theme's more of a ballad and it was very easy to write. It was all finished in half an hour. I REMEMBER CLIFFORD took me several weeks, but I'd never written a composition like it before. I wanted to create a melody that the public would remember easily, and associate it with Clifford Brown. With BLUES MARCH I tried to recreate the atmosphere of the first jazz orchestras playing and parading in the street.

~ zit. nach: Alain Tercinet, Liner Notes zu "Art Blakey - 1958 Paris Olympia", EmArcy 832 659-2, 2001 ("Jazz in Paris #69")

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Am 18. und 19. Dezember spielten die Messengers in einem unbekannten Pariser Studio die Musik für Edouard Molinaros Film Des femmes disparaissent ein. Golson hat die Musik wohl zum grössten Teil (unter Einbezug existierender Kompositionen bzw. Fragmenten daraus) eingerichtet, offiziell haben Blakey und er sie gemeinsam verfasst. Zudem gibt's einige Blakey-Solos.
"Ne chuchote pas" ist "Whisper Not" (der Titel wurde bloss übersetzt). Sehr stimmungsvoll, überhaupt: wie Golson vibratoreich spielt und Morgan dazu mit Dämpfer säuselt... es gibt aber auch bewegte Momente wie den "Mambo dans la voiture", der aber auch nur Fragment bleibt wie das meiste, wie auch "Whisper Not". Die einzigen längeren Stücke sind "Blues pour Doudou", "Blues pour Marcel" und "Blues pour Vava". Die "Générique" gehört vor allem Blakey selbst, "Juste pour eux seuls" enthält nach Morgans Auftakt ein tolles Solo von Golson, danach Timmons, der aber klingt als spiele er hinter einem dicken Theatervorhang - das Stück ist übrigens sonst als "Just By Myself" bekannt und steht am Anfang des Olympia-Albums.
Die drei Blues sind themenlose Improvisationen und ein Tribut an das Talent dieser Band - denn sie sind das beste dieser durchaus charmanten Session. "Doudou" gehört nach etwas walking bass ganz Lee Morgan, der einmal mehr mit Dämpfer spielt. "Marcel" beginnt mit Bobby Timmons - zu sagen er klänge hier gut wäre übertrieben, aber besser als auf "Just By Myself" - gefolgt von Benny Golson - beide spielen schöne, soulvolle Soli. Timmons weicher, weniger pointiert als sonst, Golson langsamer, luftiger, mit mehr Pausen als üblich, sehr schön auch, wie er ganz ans tiefe Ende des Saxophons geht - am Ende ist auch das hier wieder ein fantastisches Solo! Morgan steigt mit einem Beinahe-Gershwin-Zitat ein, wieder mit Dämpfer und ziemlich viel Hall (Vorbild war wohl Miles' im Vorjahr aufgenommener genialer Soundtrack für Louis Malles "L'ascenseur pour l'echafaud" - Marcel Romano war jedenfalls der Mann hinter den Kulissen).
"Blues pour Vava" wird sehr langsam gespielt, gehört ganz Golson. "Pasqiuer" ist ein einminütiges Piano-Solo von Timmons. "La divorcée du Léo Fall" ist ein sehr charmanter zweiminütiger Walzer, in dem Morgan das Thema präsentiert und Golson eine Gegenmelodie spielt. Morgan ertrinkt im kurzen Solo fast im Hall.

Der Soundtrack erschien in den 90ern auf einer Fontana-CD mit den Stücken, die eine Jazz at the Philharmonic All Stars Band (Roy Eldridge, Dizzy Gillespie, Coleman Hawkins, Stan Getz, Oscar Peterson, Herb Ellis, Ray Brown und Gus Johnson) in wechselnden Kombinationen für Marcel Carnés Film "Les Tricheurs" eingespielt hat (ursprünglich auf einer Barclay EP erschienen). Die CD Jazz & cinéma Vol. 2 (http://www.allmusic.com/album/jazz-in-paris-jazz-cinma-vol-2-main-entry-r602549) (Jazz in Paris #50) enthält auch "Les tricheurs" und "Des femmes disparaissent" sowie zwei seltene Stücke, die Georges Arvanitas im Quintett (mit Bernard Vitet und François Jeanneau) für Roger Vadims "La bride sur le cou" eingespielt hat (das ist ein Teil-Reissue einer Barclay EP, ich weiss nicht, ob der Rest von jemand anderem war, Platz für weitere Stücke wäre jedenfalls auf der CD gewesen, sie dauert nicht mal 50 Minuten). Und off-topic: Die neue Collectors Edition CD von Les tricheurs (http://www.amazon.de/Tricheurs-Jazz-at-Philharmonic/dp/B0041T7FEA/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1304423471&sr=1-1) enthält einiges zuvor unveröffentlichtes Material, auf dem Sonny Stitt noch zu den JATP All Stars stösst.

Im Volkhaus Zürich wurden die Messengers am 4. Dezember 1958 mitgeschnitten. Die ganze Aufnahme dauert ca. 110 Minuten und es macht grossen Spass, das zu hören! Der Sound ist etwas dünn, man hört zwar den Bass noch besser als im Olympia, aber die Drums klingen sehr hoch und das Piano ist viel zu tief im Mix. Es gibt einen Bootleg auf Solar Records, ich kenne ihn nicht, kann mich also nicht zur Qualität äussern... meine CDRs klingen ziemlich schwankend aber am Ende auch nicht schlechter als die Aufnahmen aus dem Olympia in Paris.
Die Setlist: The Theme, Moanin', Whisper Not, Evidence, Now's the Time, I Remember Clifford, Just By Myself, Along Came Betty, My Funny Valentine (Timmons/Merritt-Duett), Come Rain or Come Shine, A Night in Tunisia. Das ist eine interessante Setlist, zeigt sie doch deutlicher als der Mitschnitt aus dem Olympia, dass die Messengers ein breites Repertoire hatten, das über die neuen Kompositionen der Bandmitglieder herausgehen mussste. Da ist wieder Monk (das war aber auch das einzige seiner Stücke, das die Messengers im Programm hatten), da sind Bebop-Klassiker (wobei "A Night in Tunisia" ja das Titelstück eins der bis dahin besten Blakey-Alben war), zudem kriegen Merritt und Timmons ein kleines Duo-Feature (eine Praxis, die Cannonball Adderley später mit Sam Jones und Joe Zawinul auch im Programm stehen hatte). Fünf der elf Stücke stammen allerdings von Benny Golson, der klar die prägende Figur dieser Band war, auch wenn Morgan der explosivere Solist war, der mit seinem Übermut die Gruppe sehr stark prägte.
"The Theme" ist ein rasanter Opener, der Blakey nciht nur mit einem Intro sondern auch einem Solo präsentiert. Nach der Ansage der Band folgt "Moanin'" - die Drums scheppern viel zu laut, aber Morgan bläst ein tolles Solo und der Groove ist unglaublich... Golson folgt, bläst eins seiner swingenden, mitreissenden und dennoch enorm lyrischen und geschmackvollen Soli, dann Timmons, das Piano ist jetzt gut zu hören, der Bass von Merritt spielt mit dem Beat, zieht, schleppt, nimmt Bezug auf Timmons - sehr schön. Es folgt "Whisper Not"... und da ist er wieder, dieser schleichende Swing, leicht verhangen, lyrisch, aber unglaublich süffig (die Changes, das Piano, der Bass!) - ein ganz bezauberndes Stück! Morgan soliert mit Dämpfer, Golson folgt, sein Ton weich und riesig, mit viel Luft und gebogenen Tönen, Vibrato - wie ein alter Meister. Unglaublich eindrücklich, wie er in der zweiten Hälfte des Solos rasante Linien bläst, aber sein Ton keine Spur dünner wird, er die melancholische Stimmung keine Sekunde verrät! Grossartig! Nach Timmons schönem Solo folgt der charakteristische Shout-Chorus (der eher ein Whisper als ein Shout ist) mit Two-Beat Bass und Blakeys sattem Swing mit den Besen.
Monks "Evidence" (das Blakey in "Justice" umbenannt hat) folgt, Morgan ist der erste Solist und hebt sofort zu einem sehr tollen Solo-Flug ab. Nach Golsons Solo walkt Merritt - zu mehr reichts bei diesem Tempo nicht, aber sein Solo ist nichtsdestotrotz gelungen. Blakey folgt. Danach gibt's einen Schnitt... und es folgt "Now's the Time", zu dessen Beginn die Musiker ihre Instrumente stimmen - auf der Solar CD steht das Stück am Anfang des Konzertes, das kann gut sein, ist bei mir aber nicht so. Jedenfalls dauert die Musik hier über dreizehn Minuten, Blakey legt los mit einem Intro und spielt dann auch schon eine Variation über Parkers simples Thema. Merritt gesellt sich dazu. Dann spielen Morgan und Golson das Thema und Golson spielt das erste Solo, während dem Blakey schon mächtig Dampf macht. Golsons Solo bleibt lange basic, zeigt seine Wurzeln in der alten Tenorschule, streckenweise glaubt man gar, einen Texas tenor zu hören. Morgan folgt, Blakeys Einwürfe sind aberwitzig, streckenweise droht fast der Beat abhanden zu kommen... doch da ist stets Merritt, der alles erdet (ich würde gerne wissen, was Blakey vor dem Konzert genau konsumiert hat... und ja, das hier klingt in der Tat sehr nach Eröffnungsnummer), aber hier in Morgans Solo auch davonzurennen scheint... das Tempo zieht jedenfalls ganz enorm an. Timmons Solo folgt, Blakey scheint für einen Moment ruhiggestellt...
Die zweite Hälfte beginnt dann mit "I Remember Clifford" (bin mir da allerdings ziemlich unsicher, ob das wirklich der Opener war - aber Morgan ist wunderbar), gefolgt von "Just By Myself" und "Along Came Betty" (bei dem plötzlich die Lautstärkte doppelt so hoch ist und der Klang insgesamt anders - der lange Mitschnitt wird wohl in mehreren Tranchen am Radio gelaufen sein). Morgan stottert in seinem Solo langsam los, Timmons setzt hinter ihm aus... und es ist wunderbar zu hören, wie Morgan sich in ein immer intensiveres Solo hineinsteigert! Golson folgt mit einem ebenbürtigen Solo, dann Timmons, auch er sehr toll. Grossartig auch der punktierte Shout Chorus dieses Stückes - Golson war mit Sicherheit einer der tollsten Komponisten aus der Hardbop-Ära. Es folgt "My Funny Valentine" im Duo von Timmons und Merritt, dann "Come Rain or Come Shine", der Standard, der auch auf dem jüngsten Album der Band zu finden war. Timmons' Feature ist sehr schön - er nahm "My Funny Valentine" auch für sein Riverside-Debut "This Here Is Bobby Timmon" auf. "Come Rain or Come Shine" wird im mittelschnellen 4/4 gespielt, Golson ist der erste Solist. Timmons Solo hier ist sehr typisch für seinen frühen Stil - der Wechsel aus Block-Akkorden und Single-Note-Läufen, dazu diese abfallenden Kaskaden (in Akkorden), der harte, knackige Anschlag, der wohl den schönsten Steinway noch hätte scheppern lassen... er gefällt mir mit den Messengers und Adderley sehr, aber er gefällt mir nicht immer, wenn er allein unterwegs war - da fehlt manchmal ein Ausgleich und seine Spielweise wird mir hie und da doch zuviel (also eigentlich zuwenig).
Zum Abschluss spielen die Messengers dann "A Night in Tunisia" und mit dem tollen Stück (schöne Soli aller, inklusive Merritt) und einer grossartigen Solo-Kadenz von Golson endet das Konzert.

Schade, dass es keinen offiziellen Release davon gibt, würde ich mir sofort kaufen!
Kenn jemand zum Domino-Boot etwas sagen? Ist der Sound konstant und akzeptabel?

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Zum Abschluss der Tour traten die Messengers zum dritten Mal im Club St Germain in Paris auf. Am Abend des 21. Dezember nahm RCA Victor die Gruppe auf (war der Blue Note Vertrag kein exklusiver? Oder durften diese Aufnahmen in den USA nicht erscheinen? Weiss jemand dazu mehr?). Das Ergebnis waren drei Volumes Art Blakey et les Jazz Messengers au Club St Germain, später mit dem Zusatz 1958 versehen und auf einer Doppel-CD erschienen.
Die Qualität der Aufnahme ist mit Sicherheit die beste und die Band erfüllt die hohen Erwartungen mühelos. Im Opener, Bill Hardmans "Politely" (später auf dem Blue Note Album "The Big Beat") ist der Groove perfekt, Golson soliert als erster Blakeys fetter Backbeat treibt Morgan in ein grossartiges langes Solo (in dem er am Anfang mal noch "Why Don't You Do Right" zitiert). Timmons schrammt dann auch ein wenig an "Why Don't You Do Right" vorbei, der Groove bleibt toll, er steigert ihn sogar noch in seinem stark rhythmisierten Solo. Die Band beginnt hinter ihm "all night long" zu singen und als Merritt mit dem Bass-Solo beginnt ist die Party-Laune perfekt... er zititert "Wade in the Water".
Mit "Whisper Not" kühlt die Stimmung ab. Das Stück ist wesentlich kürzer als in Zürich, Morgan soliert mit Dämpfer, am Anfang so verhalten, dass er kaum zu hören ist, Timmons schleicht sich erst nach einer Weile ein, um die süffigen Akkorde zu legen. Golson ist einmal mehr hervorragend, sein Solo vokal und stellenweise in seinen wilden Sprüngen fast schon ans Spiel von Dolphy ein paar Jahre später erinnernd. Es folgt der "whisper Chorus" und aus.
Die zweite Seite von Vol. 1 beginnt mit "Now's the Time", lange Soli von Golson, Morgan (mit verrückten Einwürfen von Blakey), Timmons und Merritt. In "The First Theme" hören wir zuerst Morgan und dann Golson, Blakey begleitet beide sehr aktiv, Timmons' comping ist zurückhaltend.
Vol. 2 startet mit "Moanin'", das diesmal "Moanin' with Hazel" betitelt ist - und da ist er wieder, Blakeys fetter Backbeat - und auch die Partylaune stellt sich umgehend wieder ein. Morgan und Golson spielen tolle Soli, dann folgt Timmons, rollend, repetitiv - wie es ihm meistens gelingt, die Spannung zu halten ist schon ein Kunststück. Blakey unterstützt ihn allerdings sehr dabei, dann folgt Merritt. Mit "Evidence" endet dann drittte Plattenseite, Monks Stück wird wieder halsbrecherisch schnell gespielt, Blakey wirft bombs wie der Bopper, den er in seinen frühen Jahren war, Morgan segelt hoch und elegant, Golson greift tief rein ins Stück von Monk, Merritt walkt ein paar Takte, dann folgt Blakey und nochmal das verhalten vorgetragene Thema.
Die zweite Seite beginnt mit "Blues March" (mit dem Anhang "for Europe N° 1" versehen), der Nummer, die damals in Paris wie eine Bombe eingeschlagen haben muss. Frank Tenot und Daniel Filipacchi hatten damals auf Europe 1 eine tägliche Jazz-Sendung names "Pour ceux qui aiment le jazz" - das fand Blakey damals so unvorstellbar toll, dass er ihrem Sender das Stück gewidmet hat. Morgan spielt ein sehr tolles Solo, gefolgt von Blakey (ein kurzes Interlude), Golson, Timmons und Blakey. Mit dem Standard "Like Someone in Love" endet Vol. 2, Timmons öffnet das Stück solo, dann steigen Merritt und Blakey mit einem mittelschnellen Beat ein und die Bläser präsentieren das Thema in fliessenden Linien. Morgans steigt mal wieder mit (fast) nur einem Ton in sein Solo ein - ein wunderbares Solo, das in seiner Gelassenheit für einen so jungen Musiker sehr erstaunlich ist. Zusammen mit der Rhythmusgruppe folgt dann eine längere Passage in double time, Golson und Timmons folgen.
Vol. 3 öffnet mit "Along Came Manon" (üblicherweise bekannt als "Along Came Betty"), wieder mittelschnell walkend, wieder soliert Morgan zuerst und das Tempo liegt ihm perfekt. Golson steigt sehr ruhig ein, spielt leise, Timmons setzt aus (es fällt überhaupt auf, wie er seine Begleitung stark variiert, von dichten Teppichen bis zum kompletten Aussetzen oder minimalen Einwürfen ist da alles drin). Lyrisch geht's weiter mit Golsons "Out of the Past". Der Komponist bläst das erste und beste Solo des Stückes.
Die letzte Seite des Albums enthält "A Night in Tunisia"... und dann den kurzen tag "The Theme". Die arabische Nacht dauert dieses Mal fast 18 Minuten und ist ein bewegter Abschluss der ganzen Aufnahmen (die, wie ich finde, etwas seltsam programmiert sind - ausser "Whisper Not" hat hat man bis zum Ende der zweiten Seite von Vol. 2 mit "Like Someone in Love" keine ruhigeren Momente, dann folgen auf der ersten Seite von Vol. 3 aber gleich zwei weitere... das hat allerdings mit den Timings zu tun, die eine andere Programmierung im LP-Zeitalter nicht erlaubten, denn nur die lyrischen Nummern sind 10-11 Minuten lang, während alle anderen entwerder 7-8 oder 14-18 Minuten dauern). Dizzy Gillespies Stück war 1958 schon ein veritabler Jazz-Klassiker, Blakey öffnet wie gewohnt und das hier bleibt auch Blakeys Show! Er kriegt etwas Unterstützung von den anderen an Perkussionsinstrumenten, Kenny Clarke (d) und Ghana M'Bow (cga) stossen für diese wahre Perkussions-Orgie dazu. Nach ein paar Minuten gibt's mal kurz das Thema und ein kleines Tenorsolo, aber dann folgen sogleich wieder die Drummer. Von der Band hören wir erst nach fast 12 Minuten nochmal das Thema, dann folgen wieder die Drummer. Am Ende folgt noch kurz "The Theme", einmal durch und aus.

Eine sehr schöne Aufnahme, die insgesamt etwas lang ist und von einer - in der kompletten Form - schlaueren Programmierung sehr hätte profitieren können. Aber dennoch: da es "nur" ein Studio-Album gibt von dieser Band ("nur" in Anführungszeichen, weil's ja doch ein grossartiges Album ist!) ist dieses Live-Dokument sehr toll! Wer sich nur eins suchen will, dem mag das Olympia Konzert reichen, aber hier hört man in fast 130 Minuten eben doch nochmal eindrücklich, was diese Band alles drauf hatte!

EDIT: die Reihenfolge der Stücke war gemäss Bruyninckx' Diskographie:
Politely / Whisper Not / Now's the Time / The First Theme / Moanin' with Hazel / We Named It Justice (aka Evidence) / Blues March for Europe N° 1 / Like Someone in Love / Along Came Manon / Out of the Past / A Night in Tunisia / Ending with The Theme / Evidence - so macht das alles dramaturgisch schon viel mehr Sinn!
Wo hier die Stücke von "1958 Paris Olympia" reinpassen würden weiss Bruyninckx aber auch nicht - das scheint mir alles ziemlich schlecht dokumentiert worden zu sein. Die Doppel-CD von 1991 führt nicht mal Kenny Clarke und Ghana M'Bow auf!

Den Mitschnitt aus Karlsruhe kenne ich übrigens nicht - falls den jemand hat, gerne PN an mich, würde ich sehr gerne hören, egal in welcher Qualität das ist!

katharsis
05.05.2011, 11:10
Nicht ganz einfach zu sagen... Haynes ist der mit am meisten "snap", der präziseste, die Toms am höchsten gestimmt, ein zickiger Drummer irgendwie. Blakey ist wohl der behäbigste, am tiefsten gestimmt, der Trommler, der mit ungeheurer Wucht spielen kann (die geht Haynes etwas ab, Blakey ist viel... körperlicher?)
Jones find ich da am schwersten fassbar... irgendwo dazwischen. Nicht mit der Präzision Haynes und nicht mit der Wucht Blakeys spielt er - er ist vielleicht am Ende der aufregendste der drei (aber nicht hier, hier ist das Haynes!), derjenige, der die unerwartetsten Fills und Rhythmen spielt, durchaus auch mal aufrdinglich begleitet.

Es gibt irgendwo die Aussage zu Roach, Elvin Jones und Haynes, Roach sei "the good", Jones "the bad" und Haynes "the mean". In der Gruppe hier mit Blakey wäre wohl Blakey "the good", Haynes "the bad" und Philly Joe "the mean".

Danke für Deine Sichtweise, die ich soweit nachvollziehen kann. Besonders was die körperliche Spielweise Blakey anbelangt. Haynes befasst sich mehr mit klanglicher Finesse, während Blakey eher den treibenden Rhythmus im Sinn hat. Trotzdem finde ich Haynes unglaublich vielseitig und immer spannend.
In den Liner Notes zu "Cracklin'" schreibt Ira Gitler übrigens, dass Haynes aus irgendeinem Grund (Lesen vor dem Schlafen ist kein guter Plan!) auf die Toms verzichtet hätte. Ist das wirklich dauerhaft so gewesen, da Du ja selbst etwas von den Toms schreibst? Ich komme gerade nicht dazu, mehr zu hören.
Mit Joe Jones tue ich mir immer etwas schwerer, da er klar einer der besten Drummer ist, mir aber ein Quentchen fehlt, das ich nicht greifen kann.

gypsy tail wind
05.05.2011, 11:26
Hm, vielleicht ist's auch nur die Snare? Die ist mit Sicherheit das Zentrum von Haynes's Spiel, neben den Cymbals. Weiss icht nicht, ob er dauerhaft auf Toms verzichtet hat.

Selber bin ich immer wieder beeindruckt, wenn ich sehe, mit wie wenigen Teilen gewisse Drummer auskommen. Irgendwo (in Kelleys Monk-Buch?) hab ich neulich ein Foto von Ben Riley gesehen mit glaub ich Bass-Drum, Hi-Hat, Ride ein Tom und ev. noch das Stand-Tom... mehr braucht auch kein Mensch, eigentlich. Natürlich, Blakey oder Elvin Jones hätten wohl etwas mühe gehabt mit einem so kargen Set-Up, aber Roach, Haynes - kein Problem! (Von Blakey gibt's ja die eine Rollins-Session - "Movin' Out", siehe Rollins-Thread - in der er ohne Hi-Hat spielen musste, auch interessant, da fehlt aber dann irgendwie schon was.)

alexischicke
05.05.2011, 19:42
Grandios geschrieben Gypsy! Ja mir ist schon augefallen,dass du eine Vorliebe für den Jazz der 50/60er hast und da vorallem die kleineren Besetzungen.

Hab auch ein witziges Konzert von 58 von Blakey!

gypsy tail wind
05.05.2011, 21:37
Danke für die Blumen!

Falls es jemanden interessiert, "Cu-Bop", "Gretsch Drum Night" und "Golden Boy" sind neulich in Japan auf CD wiederaufgelegt worden, z.B. bei Dustygroove kann man die wohl mit etwas Geduld kriegen (wie auch eine ganze Menge anderer jüngerer Japan-CDs aus der EMI-Label-Familie).

katharsis
07.05.2011, 13:41
Auch wenn wir noch gar nicht so weit sind, diese Version von Dat Dere (http://www.youtube.com/watch?v=EfGDTGBHM9M&feature=related) will ich niemandem vorenthalten. Ich finde man hört sehr eindrücklich, wie unterschiedlich Lee Morgan und Wayne Shorter letztlich waren aber dennoch wunderbar zusammengepasst haben. In den Soli passt eigentlich alles und der Rhythm-Support ist unglaublich gut, vor allem was Timmons und Merrit (nehme ich mal an) angeht. Timmons ist einfach eine coole Sau (entschuldigung, aber wie er sein Solo langsam aufbaut und dann mit schnellen Läufen unterfüttert und das Tempo immer mehr anzieht). Und Blakey kann man gar nicht genug überschätzen. Rhythmusmaschine!

gypsy tail wind
15.05.2011, 16:12
Vor einigen Jahren kam ich an die Aufnahmen der ganzen Blakey/Monk-Sessions heran. Auch wenn mit ziemlicher Sicherheit die besten Takes den Weg aufs Album gefunden haben ist das doch ein Dokument, das mich fasziniert.

Robin D. G. Kelley hat folgenden Eintrag in seiner Diskographie (http://www.monkbook.com/sessionography/sessionography-1955-1957/):


May 14, 1957

Capitol Studios, New York City
Art Blakey’s Jazz Messengers with Thelonious Monk
Personnel: Bill Hardman (tp) Johnny Griffin (ts) Thelonious Monk (p) Spanky DeBrest (b) Art Blakey (d)

2560-1/2 Blue Monk (rejected)
2560-3 Blue Monk (rejected)
2560-5 Blue Monk (rejected)
2560-6 Blue Monk (rejected)
2560-7 Blue Monk (rejected)
2560-8 Blue Monk (rejected)
2560-9 Blue Monk (rejected)
2560-10 Blue Monk Rhino R2 75598-2
2561-1/2 Evidence (rejected)
2561-4 Evidence Rhino R2 75598-2
2561-5/6 Evidence (rejected)
2561-7 Evidence (rejected)
2561-8/9 Evidence (rejected)
2561-10 Evidence (rejected)

Notes: The CD Rhino R2 75598-2 is titled Art Blakey’s Jazz Messengers with Thelonious Monk. On the original release on Rhino, “Evidence” was mistakenly titled “I Mean You.”


May 15, 1957

Capitol Studios, New York City
Art Blakey’s Jazz Messengers with Thelonious Monk
Personnel: same as above

2564-1/2 I Mean You (rejected)
2564-3 I Mean You Rhino R2 75598-2
2564-6 I Mean You Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2
2561-1-3 Evidence (rejected)
2561-4 Evidence (rejected)
2561-5 Evidence (rejected)
2561-6 Evidence Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2
2560-1-4 Blue Monk (rejected)
2560-5 Blue Monk Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2
2563 Purple Shades Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2
2562 Rhythm-a-ning Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2
2565 In Walked Bud Atlantic LP/SD1278; Rhino R2 75598-2

Notes: Atlantic LP/SD1278, titled Art Blakey’s Jazz Messengers with Thelonious Monk, was also released on CD as Atlantic 1278-2 [CD].


Das ist wohl nicht ganz vollständig, einige Take-Nummern wurden mehrmals verwendet (im Falle von false starts oder rasch abgebrochenen Takes), auch fehlt bei Kelley TK4 von "Blue Monk" (in der ersten Session), ein vollständiger Alternate Take. Von "Evidence" fehlt dann (auch ein der ersten Session) TK3, ein weiterer vollständiger Alternate Take. Auch bei "I Mean You" (zweite Session) fehlen bei Kelley einige Take-Nummern, die ich als kurze false starts und unvollständige Takes auf meinen CDRs habe.

Die Ausbeute an vollständigen Takes ist folgende: Von der ersten Session drei weitere Alternate Takes von "Blue Monk" (zusätzlich zum Alternate auf der Rhino-CD), zwei weitere von "Evidence" (zusätzlich zum Alternate auf der Rhino-CD) und von der zweiten Session noch zwei Alternates von "Evidence" (zusätzlich zum Master).
Der Rest des unveröffentlichten Materials beschränkt sich auf zahlreiche Breakdowns von "Blue Monk", "Evidence", und "I Mean You", von den drei anderen Stücken des Albums ("Purple Shades", "Rhythm-a-Ning" und "In Walked Bud") ist leider nichts weiteres überliefert.
Das spannende an der Sache ist aber auch weniger, die Alternates zu hören, sondern einen Einblick zu kriegen, wie die Session abläuft, wie sich die Tempi ändern, wie Themen verhauen, Töne verpasst, Unsicherheiten ausgebügelt werden, wie sich die Ideen der Solisten entwickeln, vor allem Hardmans Spiel etwas an Sicherheit gewinnt (Griffin klingt eigentlich stets souverän).



Ein paar Wochen davor, am 25. April 1957, wurden Blakeys Messengers in ihrer Sextett-Version im Blue Note in Philadelphia mitgeschnitten:


Art Blakey's Jazz Messengers
Philadelphia, PA (USA), Blue Note
April 25, 1957

Bill Hardman - trumpet
Jackie McLean - alto sax
Johnny Griffin - tenor sax
Sam Dockery - piano
Spanky DeBrest - bass
Art Blakey - drums

1. The Theme (8:33) [cuts in]
2. Off the Wall (21:38) [cut]
3. Stella By Starlight (14:02)
4. A Night in Tunisia (16:08) [cut]

TT: 60:25
Source: SBD Reel (?)

McLean, Hardman und Griffin sind alle in starken Soli zu hören, dass die Stücke so lang dauern ist eine kleine Überraschung, die zeigt, dass die Musik auf den Alben kaum dem entspricht, was die Messengers damals an ihren Auftritten boten.
Die langen Soli sind sicher nicht grundsätzlich besser, eher anders. Sie erlauben den Musikern, Ideen zu entwickeln, geben ihnen Raum - und das nutzen alle aus. Blakey geht im Mix ziemlich unter, DeBrest ist oft nur vage zu spüren. Das Highlight des Sets ist erwartungsgemäss das leider unvollständige "A Night in Tunisia" mit einem sehr tollen Drums+Perkussion-Intro.

gypsy tail wind
15.05.2011, 23:18
If you feel like pattin' your feet, pat your feet, 'n If you feel like clappin' your hands, clap your hands, 'n if you feel like takin' off your shoes, take off your shoes. We are here to have a ball. So we want you to leave your worldly troubles outside and come in here and swing, ladies and gentlemen!

~ Lee Morgan, Ansage zu "Close Your Eyes" auf Art Blakey & The Jazz Messengers at the Jazz Corner of the World, Vol. 1, Blue Note BLP 4015

Im Frühjahr 1959 nahmen die Messengers als erstes Mal Benny Golsons Musik für einen seltsamen, aber toll gemachten Animationsfilm über sicheres Autofahren mit deutlichem christlichen Einschlag auf, Stop Driving Us Crazy - der ganze Film ist auf Youtube zu sehen (LINK (http://www.youtube.com/watch?v=JYzSiJwtbGU)). Ein Spion vom Mars kommt auf die Erde, um diese auszukundschaften, weil auf dem Mars der Sauerstoff ausgehe...

Vom 7. bis 13. Januar spielen die Messengers in Chicago im Sutherland Hotel. Das war wohl Golsons letzter Auftritt mit der Band (Morgan war wegen Lungenentzündung abwesend). Beim nächsten Gig im Apollo in Manhattan (6. bis 12. Februar) war wohl Hank Mobley zurück.

In dieser Version ging die Gruppe am 8. März ins Studio von Rudy Van Gelder - eine unveröffentlichte Blue Note Session:


Art Blakey And The Jazz Messengers (http://www.jazzdisco.org/art-blakey/discography/#590308)
Lee Morgan (tp) Hank Mobley (ts) Bobby Timmons (p) Jymie Merritt (b) Art Blakey (d)
Rudy Van Gelder Studio, Hackensack, NJ, March 8, 1959

tk.5 Jimerick Blue Note rejected
tk.10 Quick Trick -
tk.14 Hipsippy Blues -
tk.15 M And M -
tk.19 Close Your Eyes -
tk.21 Just Foolin' -

Ausser den ersten beiden Stücken wurde diese Musik fünf Wochen später live im Birdland mitgeschnitten.

Am 29. März fand dann eine der eigenartigsten Sessions in Blakeys Karriere statt: im Duo mit Paul Chambers nahm er für Blue Note zwei Stücke auf, Irving Berlins "I've Got My Love to Keep Me Warm" (erstmals auf einer Blue Note Compilation-CD unter dem TItel "Blue Berlin" erschienen) und "What Is This Thing Called Love". Beide Stücke sind auf der Connoisseur-CD "Drums Around the Corner" sowie auf dem Mosaic Select von Paul Chambers zu hören. Die Musik ist sehr schön, ich würde gerne mehr davon hören! Chambers' sicheres Spiel (pizzicato auf dem Berlin-Stück, arco bei Porter) und Blakeys tolle Begleitung lassen jedenfalls nichts vermissen!

Die beiden Duos waren wohl ein Nebenprodukt der Sonny Clark-Session, die am selben Tag in Van Gelders Studio stattfand. Sie wurde mit einiger Verspätung als GXF 3056 unter dem Titel "My Conception" veröffentlicht und brachte Blakey und Mobley mit ihrem alten Kollegen Donald Byrd sowie Chambers und Clark zusammen.

Gemäss der Lee Morgan Chronologie (http://press.umich.edu/pdf/leemorgan_chronology.pdf) (S. 26) wurde Hank Mobley im Frühjahr mal verhaftet - ich weiss dazu nichts.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drc300/c394/c39458nl12v.jpg

Am 15. April 1959 entstanden nach über fünf Jahren Blakeys zweite Live-Aufnahmen für Blue Note im New Yorker Birdland. Zwei Volumes von Art Blakey and the Jazz Messengers at the Jazz Corner of the World (BLP 4015/16) waren das Resultat. In ihrer Bedeutung reichen diese Aufnahmen nicht an die 1954er mit Clifford Brown und Horace heran, für mich persönlich zählen sie aber zu den schönsten Blakey-Aufnahmen, auch weil sie das längste und beste Dokument aus der kurzen Zeit von Hank Mobleys Rückkehr in die Messengers sind und dieser im Frühjahr 1959 in sehr guter Form war und mit Morgan eine perfekte Frontline bildete (die beiden nahmen über Jahre hinweg immer wieder gemeinsam für Blue Note auf).

Pee Wee Marquette kündet die Band an und die die legt mit Mobleys "Hipsippy Blues" los, einer klassischen Hardbop-Nummer mit absteigenden Akkorden und typischen Stakkato Effekten. Mobley soliert als erster, funky, voller überraschender Wendungen, Blakey feuert ihn von Beginn mit einem fetten Backbeat an, Merritt walkt mit grossen Sound, oft mehr gespürt als gehört, und Timmons wirft sparsam mal harte, mal weiche Akkorde ein. Morgan folgt - er war damals erst 21 Jahre alt aber bereits absolut Herr über sein Instrument und auch in der Lage, mit seiner stupenden Technik musikalisch umzugehen, sie zu zügeln, effektvolle Soli zu blasen. Wie er seine Ideen entwickelt, auch über die Grenzen der einzelnen Chorusse hinaus verfolgt, wie er in double time fällt und wieder zurück findet, über stotternde Motive aus rasanten Läufen in einfache funky Figuren wechselt, das ist sehr toll gemacht. Timmons' Spiel verdichtet sich zunehmend und sein Solo wächst fast bruchlos aus Morgans hinaus.
Monks "Evidence" folgt, wie üblich bei Blakey unter dem alternativen Titel "Justice". Morgan spielt das erste Solo, sehr effektvoll und intensiv, aber er fliegt eher über das Stück hinweg als dass er hineintaucht. Mobley hingegen greift in die vollen, taucht in Monks Welt ein - es wäre bestimmt spannend gewesen, zu hören, wie er in Monks Quartett jener Zeit geklungen hätte! Timmons und Blakey gehen mit ihm mit, die Begleitung ist seines Solos würdig. Timmons folgt mit einem kurzen Solo, Merritt walkt einen Chorus, dann folgt Blakey (mit einigen tollen triolischen Rhythmen gegen Ende). Mit einer zweiminütigen Version "The Theme" endet das erste Viertel der Aufnahmen (es werden vier zwanizigminütige Sets suggeriert). Timmons ist der Solist, Pee Wee Marquette sagt die Gruppe ab, dann folgen arrangierte Shout-Chorusse und ein paar Takte von Blakey.
Nach Morgans oben zitierter Ansage beginnt das zweite Viertel mit "Close Your Eyes". Die Bläser sind im Thema sehr hübsch arrangiert, umspielen die Melodie fast zärtlich. Morgan spielt das erste Solo, voll mit Ideen und nahe am Thema in der ersten Bridge. Wie er kleine Motive spinnt, variiert, aus nichts scheinbar endlos Ideen bezieht, das beeindruckt mich immer wieder! Mobley folgt, im Gegensatz zu Morgans hartem, attackenreichen Solo spielt er getragen, legato. Leonard Feather findet in seinen Liner Notes, Timmons folge mit seinem besten Solo der Platte - seine Artikulation ist glasklar, sein Anschlag hart, seine Linien funky, und Blakey hält sich sehr zurück mit seiner Begleitung, swingt wie wild aber lässt Timmons dabei sehr viel Raum.
Mit Mobleys "Just Coolin'" (von Blakey als Foxtrot angesagt) endet dann das erste Album. Das Stück war auf Mobleys erstem Blue Note 25cm-Album zu hören (gespielt von den Original-Messengers ohne Dorham). Vor den Soli von Mobley und Morgan wird eine kleine Ensemble-Figur gespielt, das Stück ist überhaupt sehr effektvoll arrangiert. Die zweite Seite des ersten Albums ist wohl die nachdenklichste der ganzen Aufnahmen.
Volume 2 beginnt mit einem tollen Gospel-Original von Ray Bryant (mit äusserst weltlichem Titel): "Chicken an' Dumplins, meiner Lieblingsnummer der beiden LPs. Morgan und Mobley spielen das Stakkato-Thema im Unisono, die Bridge kontrastiert dann mit einer absteigenden fliessenden Linie. Mobley spielt das erste Thema, Timmons bleibt in der Akkord-Begleitung vom Thema und trägt Mobley komfortabel durch sein Solo, das sehr direkt und einfach gemacht ist aber doch auch Raum für ein paar seiner typischen verspielten Figuren und raffinierten harmonischen Tricks lässt. Morgan folgt, setzt gleich mit einem half valve Effekt ein. Sein Solo ist fast karg, sehr funky - wie auch Timmons' Solo, das in einem Groove bleibt, den wir von Ray Bryant kennen. Die Bläser riffen dann, Timmons' Figuren beginnen zu rollen, für einen Moment könnte man fast glauben, im anderen off shoot der Messengers zu sein, dem Horace Silver Quintett. Aber dann kommt kurz Blakey und alles ist klar. Das Thema wird repetiert und aus...
Mobleys "M & M" (Mobley und Morgan) folgt. Blakey kocht in diesem schnellen Tempo, Mobley spielt das erste Solo, das Highlight kommt dann von Morgan, melodisch und voller Selbstvertrauen und Sicherheit. Auch Timmons kommt mit dem Tempo prima zurecht, Blakey streut bei ihm wie bei den Bläsern tolle Fills in seine Begleitung. Blakey steht dann auch im Mittelpunkt einer Reihe von 8er und 4er Austäuschen mit den Bläsern.
Dann folgt eine weitere der raren Fremdkompositionen, Randy Westons "Hi-Fly". Weston hatte das Stück anscheinend 1958 am Newport Jazz Festival einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, Melba Liston hat das Arrangement für die Messengers beigesteuert. Morgan und Mobley sind etwas zurückhaltender als üblich, Timmons klingt hier ein wenig nach Bud Powell. Auch Blakeys Fills im Ensemble, das folgt, sind voller Understatement (und Witz). Merritt spielt die Bridge am Ende, Morgan und Mobley hängen jeweils nur von Timmons begleitete eine Art Coda im Rubato an, dann folgt nochmal ein Teil des Themas - sehr schönes Arrangement, ausgeklügelter als das meiste, was die Messengers sonst spielten. Zum Ende folgt eine nicht auf dem (CD-)Cover verzeichnete kurze Version von "The Theme".
Mit einer ausgewachsenen Version von "The Theme" beginnt die letzte Albumseite. Das Stück wird eine Spur langsamer angegangen als in den kurzen Versionen, Morgan soliert als erster, Blakey hält sich zu Beginn noch zurück, glänzt aber bald schon mit einer dichten, swingenden Begleitung. Mobley folgt, Blakey kocht und überschäumt förmlich vor Spielfreude. Auch Timmons folgt mit einem heissen Solo, gegen Ende von den Bläsern begleitet.
Das letzte Stück der Aufnahmen ist Gildo Mahones' "Art's Revelation". Das Thema ist halsbrecherisch, aber Merritt walkt stabil und scheinbar mühelos. Mit tollen Soli von Morgan, Mobley und Timmons und grossartigem Spiel von Blakey als Begleiter wie auch als letztem Solisten endet diese hervorragende Aufnahme.

Am 4. Juli 1959 spielen die Messengers noch immer mit Mobley am Newport Jazz Festival:


Art Blakey and the Jazz Messengers
Newport Jazz Festival
Newport, RI (USA), Freebody Park
July 4, 1959

Lee Morgan - trumpet
Hank Mobley - tenor sax
Bobby Timmons - piano
Jymie Merrit - bass
Art Blakey - drums

1. M & M 9:36
2. Close your Eyes 9:58
3. Moanin' 10:55
4. A Night in Tunisia 10:31

TT: 41:01

Das Konzert wird aufgezeichnet und ausgestrahlt. Wir haben hier die Gelegenheit, eine neue Version von "A Night in Tunisia" zu hören, die einiges schlanker geraten ist (mit der "second edition" dauerte meist schon das Drums/Perkussions-Intro sechs bis sieben Minuten). Ebenfalls hören wir, was Mobley mit Timmons' "Moanin'" anstellt und haben erneut die Gelegenheit, "M & M" und "Close Your Eyes" (das einzige ruhigere Stück dieses treibenden Sets) zu hören.

Die Messengers spielten weitere Engagements in dieser Besetzung. Am 24. Juli in Toronto tauchte Mobley jedoch nicht auf und der Name Wayne Shorter findet Eingang in die Geschichte der Band - der entsprechende Eintrag der Morgan Choronologie (S. 28) (http://press.umich.edu/pdf/leemorgan_chronology.pdf):


Jul 24 (Fri)
Toronto, Canada

2:30 p.m. CNE Grandstand. First Canadian Jazz Festival. Hank Mobley fails to make the gig and Morgan petitions Wayne Shorter, who is at the festival with Maynard Ferguson, to join the band. Shorter does not join the band on this occasion but joins a week later at the jazz festival in Indiana.

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/dre400/e402/e40249fpkji.jpg

Zuerst fanden aber am 28. und 29. Juli im Nola Studio in New York die Sessions für den Soundtrack von Roger Vadims Les Liaisons Dangereuses statt, an denen eine weitere Überraschung stattfand: Barney Wilen spielte anstelle von Mobley.
Es war erneut Marcel Romano, der die Musik für Vadims (mittelprächtigen) Film organisierte. Thelonious Monks Quartett war im Film ebenfalls zu hören, auf der LP erschien aber nur Blakeys Teil. Sieben der zehnt Stücke wurden von den Messengrs mit Wilen gespielt, die zwei Takes von Duke Jordans "No Hay Problema" (der Latin-Version seines "No Problem", von dem ebenfalls zwei Takes eingespielt wurden) entstanden mit Blakey and the Afrocuban Boys (Timmons, Merritt, Blakey, John Rodriguez an Bongos sowie Tommy Lopez und William Rodriguez beide an Congas). Das Highlight der Sessions ist das Stück "Prelude in Blue", das Wilen im Quartett mit Duke Jordan am Piano sowie Merritt und Blakey präsentiert - am Sopransaxophon.

http://img593.imageshack.us/img593/2200/artblakeylesliaisonsdan.jpg

Weitere Details von Romano aus einem Interview, das im März 1988 aufgenommen und für die Liner Notes der CD-Ausgabe von 1988 (zweites Cover) ausgeschlachtet wurden:


The very first project for "Les liaisons dangereuses" was to record Thelonious Monk in Paris during a tour that in fact had to be cancelled. So I had to go to New York with the screenplay and precise timings for each scene so I could organise the recording at Nola's studio. Part of the music was recorded by Monk with Sam Jones on bass, Art Taylor on drums, and Charlie Rouse and Barney Wilen on tenor saxes.
You can hear this session in the film but it was never issued on record. The second part, which appears on this CD, was recorded over the two days following the session with Thelonious Monk.
For most of the titles, the musicians are Art Blakey's Jazz Messengers, with Barney Wilen on tenor. Barney, who had just come back from Newport, where he'd appeared with Toshiko Akiyoshi and Roy Haynes [und wo Blakey ihn wohl gehört hat], was temporarily in the band, between Benny Golson [bzw. Hank Mobley] and Wayne Shorter. The titles recorded by the group became the soundtrack to the party-scenes at Miguel's, where you can see the quintet of Kenny Dorham, Duke Jordan and Barney Wilen onscreen [die Band, mit der Wilen sein grossartiges Album "Barney" wie auch den Soundtrack zu "Un témoin dans la ville" eingespielt hat].
So it's not Kenny Dorham you can hear, but Lee Morgan and it's the same with the rest of the band. Barney had moved over to soprano saxophone a few months before, and he'd created a unique style on the instrument. It's important to note that in this respect he was a real innovator, for John Coltrane didn't record on soprano for another year, and Steve Lacy was still in the background.
Duke Jordan had been very active in the preparation of these sessions, but he only recorded "Prelude in Blue."
The Afro Cuban Boys only existed as such for the duration of this session.

~ Marcel Romano, Liner Notes zu "Art Blakey - Les Liaisons Dangereuses", Fontana CD 1988

Duke Jordan hat seine Musik drei Jahre später dann auch noch selber aufgenommen, sie erschien zuerst auf einer LP bei Parker Records, später bei Collectables auch auf CD (LINK (http://www.allmusic.com/album/les-liasions-dangereuses-r317534)), ich kenne sie bisher allerdings nicht. Jordans Sidemen waren Sonny Cohn (t), Charlie Rouse (ts), Eddie Kahn (b) und Art Taylor (d).

Wilen klingt funky, hat überhaupt kein Problem damit, in so exzellenter Gesellschaft zu spielen. Sein Ton am Tenor klingt zwar wie immer biegsam und beweglich aber auch körnig und eine Spur härter als auf seinen ganz frühen Aufnahmen. Wir hören insgesamt wie gesagt viermal Duke Jordans "No Problem", zweimal in einer Latin Version mit Timmons' Piano im Zentrum, zweimal im Quintett als typische Messengers-Nummer. Jordan selbst begleitet Wilen auf "Prelude in Blue" am Piano. Wilens Ton am Sopran ist weich und geschmeidig, klingt eher so wie später Lucky Thompson am Sopran klingen sollte als nach Coltrane. Jordans eigenes Pianosolo passt perfekt, auch er spielt weicher, musikalischer, pianistischer als Timmons. Auch "Valmontana" ist in zwei Takes zu hören, von wem es stammt weiss ich nicht, offiziell sind alle Tracks einem Jacques Marray zugeschrieben. "Miguel's Party" ist dann eine typische Gospel-Nummer, könnte von Timmons sein. Die zweite Version von "Prelude in Blue" wird dann von den Messengers mit Wilen am Tenor gespielt. Wie "Miguel's Party" ist auch das kurze "Weehawken Mad Pad" nur einmal zu hören, es bleibt aber mit unter zwei Minuten Dauer eine Skizze.

katharsis
17.05.2011, 15:33
Im Frühjahr 1959 nahmen die Messengers als erstes Mal Benny Golsons Musik für einen seltsamen, aber toll gemachten Animationsfilm über sicheres Autofahren mit deutlichem christlichen Einschlag auf, Stop Driving Us Crazy - der ganze Film ist auf Youtube zu sehen (LINK (http://www.youtube.com/watch?v=JYzSiJwtbGU)). Ein Spion vom Mars kommt auf die Erde, um diese auszukundschaften, weil auf dem Mars der Sauerstoff ausgehe...


Vielen Dank für die neuen Texte, ganz besonders aber für den Hinweis auf den Cartoon!!
Ich bin dieses Wochenende immerhin mal wieder dazu gekommen, "Kyoto" mit den Messengers zu hören. Bin gespannt, wie es mit Deinen Höreindrücken weitergeht.

alexischicke
28.05.2011, 18:44
Gefallen dir die Messengers der 50 oder der 60er Jahre,Gypsy?

Alex

gypsy tail wind
28.05.2011, 18:50
Beide natürlich... 1954/55 und dann 1958-1964 ist alles mindestens gut, fast alles sehr gut, einiges hervorragend. Danach kenn ich nicht mehr so viel, die Limelight-Alben sind nicht die besten, viel zu produziert, zuwenig Raum - entsprechen wohl auch viel weniger als die Blue Notes demjenigen, was die Messengers jeweils live abgeliefert haben.

alexischicke
28.05.2011, 19:57
Das Album Soul Finger ist doch von Limelight?

Ich mag das Album weil so einen schönen fetten Sound hat!

gypsy tail wind
28.05.2011, 21:34
Ja, "Soul Finger" ist neben "'S Make It" das einzige Limelight-Album, das ich bisher kenne. Es ist in Ordnung, aber ich denke es kommt grad knapp an die schwächsten Blue Note Alben heran, viel mehr nicht.

alexischicke
28.05.2011, 23:12
Aber es ist doch insgesamt ein solides Jazzalbum.Blakey hat dort auch schöne Einlagen.

Machst du auch seine Impulse Alben?

gypsy tail wind
28.05.2011, 23:18
Die Impulse-Alben mag ich, ja - aber ich höre sie auch eher auf der schwächeren Seite.
Blakeys Messengers haben besonders in den Quintett (Morgan-Shorter-Timmons/Davis-Merritt) und Sextett (Hubbard-Fuller-Shorter-Walton-Workman) Line-Ups jener Jahre sehr konstant gearbeitet und mich dünkt das Impulse-Album (das zwar reizvoll ist, weil Fuller mit dem früheren Quintett Line-Up mitspielt... es gab dann am Ende nochmal so ein Album, das sehr tolle "Indestructible", als Morgan wieder an Hubbards Stelle spielte) etwas weniger ausgereift als die meisten Blue Notes.
"A Jazz Message" mit Stitt ist eine nette Abwechslung, aber kein essentielles Blakey-Album.

Ich mach übrigens irgendwann hier weiter mit meinen Posts, aber derzeit hör ich anderes. Die Blakey-CDs sind allerdings in Griffweite und die Olympia Konzerte von 1961 sind unterwegs, die scheinen hervorragend zu sein und ich hab sie bisher noch nicht gehört. Die nächste Phase werden aber die Messengers mit Walter Davis sein und deren Europa-Tour Ende 1959.

alexischicke
28.05.2011, 23:29
Hab nur ein Impulse Album von ihm werde mir das mal anhören.

Ja tut mir leid,will dir dein Konzept hier nicht zerstören.

Mein Lieblingsalbum von ihm ist "Moanin" wohl ein richtiger Jazzklassiker.Besonders die Bläsersätze konnte er auch sehr gut einsetzen.

Aber er endeckte auch viele großartige Musiker.

alexischicke
18.07.2011, 12:03
Das Album "Urgetsu" soll vier Bonustracks haben.Hat von euch jemand diese neue Fassung gekauft?

gypsy tail wind
18.07.2011, 12:06
Das Album "Urgetsu" soll vier Bonustracks haben.Hat von euch jemand diese neue Fassung gekauft?

Die Scheibe heisst "Ugetsu" und #9 der neuen OJC-Remasters CD ist neu, "Conception" (jazzecho.de (http://www.jazzecho.de/musik/musikproduktdetail/product/174343/ugetsu-original-jazz-classics-remasters/)). Die ältere OJCCD enthielt auch schon Bonustracks (hier (http://www.amazon.de/Ugetsu-Art-Jazz-Messengers-Blakey/dp/B000000Y5F/)).

Ich habe sie noch nicht, aber da ich die ältere in der ZYX 20bit Version habe, wäre ein Upgrade sicher nicht falsch!

alexischicke
18.07.2011, 19:35
Blakey studierte in Afrika Schlagzeug und man merkt es in seinem Spiel.Er war ein sehr rhytmischer Schlagzeuger.

Glaube,dass die Schweizer Radio CDS etwas für mich wären.Ihr macht tolle CDS,Gypsy!

Habe eine Live DVD von 1958 aus Brüssell.Blakey war in guter Spiellaune und plauderte sogar recht charmant mit dem Publikum.

atom
18.07.2011, 19:58
Blakey studierte in Afrika Schlagzeug und man merkt es in seinem Spiel.

Diesen Mythos hat Blakey bereits 1979 in einem Interview mit dem Downbeat entkräftet.

gypsy tail wind
18.07.2011, 22:38
Abgesehen davon... Afrika spielte im Hardbop vor allem über afrokubanische Rhythmen rein, und grad was die betrifft ist Blakey erstaunlich schwach (ich meine damit nicht unbedingt Parade-Stücke wie "A Night in Tunisia" - das wurde übrigens auf dem Boden einer Mülltonne geschrieben... - sondern Stücke mit "echten" afrokubanischen Rhythmen. Die kriegt Blakey eigentlich nie sauber hin.

ferry
18.07.2011, 22:47
Abgesehen davon... Afrika spielte im Hardbop vor allem über afrokubanische Rhythmen rein, und grad was die betrifft ist Blakey erstaunlich schwach (ich meine damit nicht unbedingt Parade-Stücke wie "A Night in Tunisia" - das wurde übrigens auf dem Boden einer Mülltonne geschrieben... - sondern Stücke mit "echten" afrokubanischen Rhythmen. Die kriegt Blakey eigentlich nie sauber hin.

Hat Art Blakey nicht mal gesagt, dass er dabei war (in der Mülltonne :lol:)

gypsy tail wind
18.07.2011, 23:03
Hat Art Blakey nicht mal gesagt, dass er dabei war (in der Mülltonne :lol:)

Er sagte auch gern "ce soir en Tunisie"...

alexischicke
19.07.2011, 18:38
Würdet ihr ihn also nicht zu den Top Schlagzeugern des Jazz einordnen?

gypsy tail wind
19.07.2011, 18:56
Doch. Nicht zu den absoluten Favoriten (das wären Elvin Jones, Roach, Philly Joe, Andrew Cyrille...) aber zu den Top-Drummern sicher. Art Taylor konnte auch kein Tempo halten und wurde immer wieder zu Aufnahmen herbeigezogen... dass ein Drummer irgendwo Schwächen hat, ist nicht weiter verwunderlich. Blakey spielt mit soviel Feuer und Leidenschaft, dass es darauf meist nicht weiter ankommt... es fällt einfach auf, wenn man genauer hinhört, dass das mit den Afrokubanischen Rhythmen meistens nicht ganz so läuft, wie es sollte.

alexischicke
19.07.2011, 19:10
hab nur gefragt,weil ich deinen kritischen Beitrag gelesen habe.

gypsy tail wind
19.07.2011, 20:26
hab nur gefragt,weil ich deinen kritischen Beitrag gelesen habe.

Ja, war mir klar! Die Sache ist die, dass auch die besten Musiker oft Schwachstellen haben, nicht in jeder Hinsicht komplett sind... einer hat eine eigenartige bis mangelhafte Intonation, ein anderer kann nicht Blues spielen, ein Bassist kann zwar wunderbar begleiten, ist aber ein schwacher Solist etc. etc. Sind auch alles nur Menschen! :-)

alexischicke
20.07.2011, 00:41
Als Mensch macht Blakey einen recht sympathischen Eindruck.

redbeansandrice
20.07.2011, 00:42
und als Gott ist er besser als die meisten

alexischicke
17.10.2011, 22:11
hier komplettes konzert von art blakey zu seinem 70 Geburtstag

macht einen spielfreudigen Eindruck.
http://www.youtube.com/user/ShEiKyErButTi

alexischicke
22.04.2012, 14:18
diese aufnahme soll laut Reclams Jazz Klassiker recht gut sein.

http://www.amazon.co.uk/Blakeys-Beat-Art-Blakey/dp/B0001HAIIG/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1335096860&sr=8-1

höre gerade eine Live Aufnahme von 78 von den SWR Legends wunderbarer remastered, auch wenn Blakey hier und da für meinen Geschmack bisschen zu laut spielt. Aber treibt seine jungen Musiker schön an.

gypsy tail wind
22.04.2012, 14:34
Das ist ein Reissue von "In This Korner" (1978) und "Straight Ahead" (1981).
Ich hab von Blakey aus den 70ern und später noch kaum was, es gibt so viel gute Musik aus den 50ern und 60ern, das reicht mir irgendwie...

Was ich habe: die beiden Fantasy-CDs "Vol. 1 - Child's Dance" und "Vol. 2 - Mission Eternal" (sie enthalten die drei Alben "Child's Dance", "Anthenagin" und "Buhaina", wobei das mittlere auf die beiden CDs aufgeteilt ist), "Blues March" von 1976 (ein Zufallskauf aus dem Second Hand Laden, noch nicht mal angehört...), "In Walked Sonny" mit Sonny Stitt (Sonet 1975), sowie das 1972er Konzert der Giants of Jazz in Monterey (die CD ist "Art Blakey & The Giants of Jazz" zugeschrieben).

ferry
25.04.2012, 16:08
Danke auch für deine Ausführungen zu Art Blakey, gypsy.
Habe mir eben noch mal einiges durchgelesen (alles auf einmal ist zu viel ;-) ).
Von den beschriebenen Alben könnten mir wahrscheinlich noch einige sehr gut gefallen.
Art Blakey mit seinen Jazz Messengers jedenfalls steigen, je öfter ich sie höre immer mehr in meinem Ansehen.
Er war einfach ein grossartiger Leader! Man muss sich ja nur mal vor Augen führen, was für Namen bei ihm mitgespielt haben (habt ihr ja oben schon erwähnt).


Und Blakey kann man gar nicht genug überschätzen. Rhythmusmaschine!

Das muss ich mal richtigstellen. ;-)
Den Jazz- Musiker Blakey kann man nicht überschätzen!

gypsy tail wind
25.04.2012, 21:49
Blakey ist masslos überschätzt... oder so :-)

Nein, natürlich nicht... irgendwie gefällt es mir ja, dass die berühmtesten Sachen (mal abgesehen von den 1953er-Aufnahmen mit Brownie und den 1954er Messengers) hier noch nicht vorkommen. Die ausführlich besprochenen Alben von 1956/57 sind nämlich einiges besser als ihr Ruf!

Das hier wär vielleicht was für Dich, ferry:
http://www.dustygroove.com/item.php?id=cpxdmrm5h3&ref=browse.php&refQ=incl_oos%3D1%26amp%3Bincl_cs%3D1%26amp%3Bkwfi lter%3Dblakey%2Bcu-bop
(Hab mit dem Anbieter bisher gute Erfahrungen gemacht, aber noch nie Vinyl bestellt... hab gehört, dass man M kaufen muss, wenn man die Dinger nicht bloss an die Wand nageln will, aber ich hab nicht vor, von da Vinyl zu ordern, für Japan-CDs sind sie oft die verlässlichste Quelle - und wohl eine der günstigeren.)

ferry
25.04.2012, 22:16
Johnny Griffin und Sabu hört sich gut an! Die anderen Sidemen kenne ich nicht.

Es ist wohl auch die Ader von Art Blakey für Percussion und Rhythmen, die mich anspricht. Ungeachtet von evtl. vorhandenen technischen Schwächen gefallen mir die enorm vitalen und swingenden Rhythmen von Blakey vielleicht auch deswegen so gut.

Mal sehen, als nächstes stehen eigentlich "Free for All" und "A Night in Tunisia" auf dem Zettel. Das Album habe ich aber mal vorgemerkt.

gypsy tail wind
25.04.2012, 22:31
Johnny Griffin und Sabu hört sich gut an! Die anderen Sidemen kenne ich nicht.
Das war einfach Blakeys damalige Working Band... ich hab oben ja mehr drüber geschrieben.


Es ist wohl auch die Ader von Art Blakey für Percussion und Rhythmen, die mich anspricht. Ungeachtet von evtl. vorhandenen technischen Schwächen gefallen mir die enorm vitalen und swingenden Rhythmen von Blakey vielleicht auch deswegen so gut.
Weil ich genau davon ausging, hab ich "Cu-Bop" empfohlen :-)


Mal sehen, als nächstes stehen eigentlich "Free for All" und "A Night in Tunisia" auf dem Zettel. Das Album habe ich aber mal vorgemerkt.
Das sind natürlich zwei grosse Klassiker... die grossen Messengers-Klassiker sind wohl (neben den 1954er-Aufnahmen) "Moanin'", "Mosaic", "Buhaina's Delight" und "Free for All"... aber eigentlich ist jedes Album sehr hörenswert, das Blakey zwischen 1958 und 1964 gemacht hat, erst "S Make It" und "Soul Fingers" sind dann etwas schwächer, "Buttercorn Lady" (das derzeit auch in Japan-Ausgabe auf CD greifbar ist) ist hingegen wieder sehr toll.

Weil "Cu-Bop" eine Japan-CD ist und diese meist ziemlich schnell wieder vergriffen sind, würde ich nicht allzu lange überlegen - aber ich will Dich natürlich zu nichts drängen!

alexischicke
26.04.2012, 00:00
Dieses Album haben sie bei Reclams Jazzklassiker empfohlen von 1985!
http://www.amazon.co.uk/Coast-Art-Blakey-Jazz-Messengers/dp/B00004ZDL5/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1335391156&sr=8-1

ferry
10.05.2012, 23:26
Als nächstes habe ich mir jetzt doch erst mal "Free for All" angeschafft.

Und beim Anhören musste ich meine Anlage immer lauter aufdrehen, um diesen Sound des Donner- Gottes Art Blakey besser auskosten zu können!
Eine wirklich aussergewöhnliches Energie für ein Jazz- Album, das ist ja fast schon Rockmusik. Das muss ich jetzt erst mal verarbeiten, bin etwas verwirrt ;-)

gypsy tail wind
10.05.2012, 23:34
Als nächstes habe ich mir jetzt doch erst mal "Free for All" angeschafft.

Und beim Anhören musste ich meine Anlage immer lauter aufdrehen, um diesen Sound des Donner- Gottes Art Blakey besser auskosten zu können!
Eine wirklich aussergewöhnliches Energie für ein Jazz- Album, das ist ja fast schon Rockmusik. Das muss ich jetzt erst mal verarbeiten, bin etwas verwirrt ;-)

:sonne:

(Mein Vater meinte immer, das sei "Free Jazz"... er mochte die Scheibe nie sonderlich, ich muss jedenfalls schauen, dass er die LP - seine einzige Original BN, glaube ich - nicht aus Versehen mal entsorgt...)

ferry
10.05.2012, 23:51
:sonne:

(Mein Vater meinte immer, das sei "Free Jazz"... er mochte die Scheibe nie sonderlich, ich muss jedenfalls schauen, dass er die LP - seine einzige Original BN, glaube ich - nicht aus Versehen mal entsorgt...)

die Scheibe hätt' ich ihm aber an Deiner Stelle schon längst abgeluchst ! :-)

gypsy tail wind
10.05.2012, 23:56
die Scheibe hätt' ich ihm aber an Deiner Stelle schon längst abgeluchst ! :-)

Hab ich eventuell auch... bin mir nicht mal sicher. Die, "This Here Is Bobby Timmons" und Coltranes "A Love Supreme" (mono, schlechter Zustand, aber abspielbar) sind die drei, die ich haben muss, koste es was es wolle. Müsste mal durch mein Vinyl gehen, um zu schauen, ob die schon hier hab (Coltrane sowieso, die mochter er nie sehr, meinte, er hätte dier mal auf einer Party mitgehen lassen... allerdings ist ihm selbst auf diesem Wege sehr viel abhanden gekommen, schlechtes Gewissen ist also kaum angesagt).

Aber zurück zu Blakey... dass Du "Free for All" immer lauter drehen musstest, ist wohl gerade das tolle an dieser Scheibe - der Drive ist unglaublich! Blakey war bestimmt nicht der beste und ganz und gar nicht der subtilste aller Drummer, aber wie er für gute Stimmung und explosive Atmosphäre sorgte, das war schon einmalig und kommt meiner Ansicht nach nirgends so sehr zu Tragen wie auf "Free for All"!

ferry
11.05.2012, 00:06
Du musst deinen Vater nur davon überzeugen, dass man heutzutage besser CDs hört ;-)
Wenn das überhaupt nötig ist, denn auf die komische Free-Jazz-Platte kann er doch sicher gut verzichten. :-)

Aber mal ganz im Ernst. Eine Original Blue- Note Platte, das wär schon mal was ganz tolles für die Sammlung !

gypsy tail wind
11.05.2012, 00:15
Klar doch! Jetzt ist zu spät, um zu wühlen, aber ich schau die nächsten Tage mal nach, ob ich die schon hier habe oder nicht...

katharsis
11.05.2012, 00:32
Blue Note Original-Vinyl? Hier! :lol:
"Free for all" ist dann in der Tat auch meine liebste Blakey-Scheibe. Hubbard ist ja auch dabei, da muss ich nicht mehr schreiben.

gypsy tail wind
11.05.2012, 08:31
Musste schon heute morgen rasch wühlen, wurde nicht fündig... vermutlich ist die Scheibe derzeit eingepackt und wird Ende Jahr hoffentlich wieder auftauchen, wenn meine Eltern ihr derzeit entstehendes neues Domizil beziehen... ich hab als Einweihungsgeschenk für die vorgesehene neue Stereo-Anlage (inkl. Plattenspieler) schon ein zweites Exemplar von John Handy/Ali Akbar Khans MPS-Scheibe gekauft. Vielleicht kann ich ja dann einen Tauschhandel vorschlagen ;-)

ferry
11.05.2012, 15:58
Aber zurück zu Blakey... dass Du "Free for All" immer lauter drehen musstest, ist wohl gerade das tolle an dieser Scheibe - der Drive ist unglaublich! Blakey war bestimmt nicht der beste und ganz und gar nicht der subtilste aller Drummer, aber wie er für gute Stimmung und explosive Atmosphäre sorgte, das war schon einmalig und kommt meiner Ansicht nach nirgends so sehr zu Tragen wie auf "Free for All"!

Die Atmosphäre auf diesem Album ist schon wirklich besonders intensiv. Ich denke, dadurch hat Art Blakey seine Sidemen auch zu Höchstleistungen angetrieben.
Aber für dieses Album muss man wohl auch in der richtigen Stimmung sein, jeden Tag könnte ich mir das jedenfalls nicht anhören. (Im Gegensatz z.B. zu Moanin', das ja relativ entspannt swingt).


Blue Note Original-Vinyl? Hier! :lol:
"Free for all" ist dann in der Tat auch meine liebste Blakey-Scheibe. Hubbard ist ja auch dabei, da muss ich nicht mehr schreiben.

Wenn ich mal etwas mehr Erfahrungen mit Vinyl- Preisen und - Qualitäten habe, werde ich mir auch mal so ein Schätzchen zulegen. Zumindest ein Original solte man sich mal gönnen :-) (mehr wird mir wahrscheinlich zu teuer)


Musste schon heute morgen rasch wühlen, wurde nicht fündig... vermutlich ist die Scheibe derzeit eingepackt und wird Ende Jahr hoffentlich wieder auftauchen, wenn meine Eltern ihr derzeit entstehendes neues Domizil beziehen... ich hab als Einweihungsgeschenk für die vorgesehene neue Stereo-Anlage (inkl. Plattenspieler) schon ein zweites Exemplar von John Handy/Ali Akbar Khans MPS-Scheibe gekauft. Vielleicht kann ich ja dann einen Tauschhandel vorschlagen ;-)

Mach das, sonst ist es irgendwann vielleicht mal zu spät !

katharsis
15.05.2012, 22:01
Wenn ich mal etwas mehr Erfahrungen mit Vinyl- Preisen und - Qualitäten habe, werde ich mir auch mal so ein Schätzchen zulegen. Zumindest ein Original solte man sich mal gönnen :-) (mehr wird mir wahrscheinlich zu teuer)


Auch wenn Blue Notes auf dem Markt tendenziell 'überpreist' sind, gibt es doch immer noch genug Gelegenheiten, originales Vinyl zu günstigen Preisen zu bekommen. Wenn Du Hilfe brauchst, dann frag' ruhig.

"Free for all" habe ich dann tatsächlich über's Wochenende herausgekramt und mir ist aufgefallen, dass das Titelstück die Platte sehr dominierend. Was Blakey da an Perkussion auffährt, diese Dynamik, Time und das Feuer suchen seinesgleichen. Auch wenn da doch noch einiges dazwischen liegt, ist Elvin Jones hier nicht weit. Der Puls des Stücks packt mich jedesmal auf's Neue, nur leider vermag keines der anderen Stücke dieses Versprechen weiter einzulösen. Shorter und Hubbard klingen auf keinem anderen Jazz Messengers-Album so frei und hungrig und Hubbard beweist alleine auf diesem Stück deutlich, warum er immer noch mein Lieblingstrompeter ist. Er zeigt auch auf den anderen Stücken, warum er nicht auf dicke Hose macht um zu imponieren, sondern eine bestimmte Freude und Kraft zu spielen. Hat mir großen Spaß gemacht, gerade ihn wieder zu entdecken. Shorter spielt eh außer Frage. Majestätisch, losgelöst, aber immer im Rahmen dessen, was passt, also absolut geschmackssicher.
Curtis Fuller hat es dagegen schwer gehabt. Ich konnte mich bei allen Stücken nicht des Eindrucks erwehren, dass die Band noch lockerer wirken würde, wenn Fuller 'eingespart' werden würde. Irgendwie nimmt er doch immer wieder das Tempo raus, ohne dass er auch nur im geringsten etwas falsch macht.
Blakey wollte ja eine fülligere Frontline erzielen, was ihm dadurch natürlich gelungen ist. Aber in Bezug auf Tempo und Biss wäre weniger vielleicht mehr geworden.

Auch mit Cedar Walton bin ich dieses Mal weniger warm geworden. Irgendwie ist mir seine Herangehensweise zu leichtfüßig für die Musik, obgleich er ja fast als Gegensatz zu Bobby Timmons galt. "Free for all" oder auch "The Core" hätten allerdings einen noch zupackenderen, fieseren Pianisten vertragen.
Herbie Hancock läge natürlich nahe, da er zeitgleich häufig zu hören war, aber auch Andrew Hill hätte ich mir spannend ausgemalt. Auch hier macht Walton natürlich rein gar nichts falsch, aber das bißchen Luft nach oben lädt zum träumen ein.
Auf "Pensativa" zeigt Walton allerdings, dass er genau der richtige Mann ist. Und wie eine Art Kontrapunkt führt der Closer den Opener ad absurdum, da die Musik luftig leicht wirkt und nichts mehr von der Schwere, der Konzentration und dem vergossenen Schweiß verrät.

Ein bißchen wurde am Gold gekratzt, aber trotz dessen ist das eine unglaublich spannende und intensive Platte.

ferry
16.05.2012, 15:15
Auch wenn Blue Notes auf dem Markt tendenziell 'überpreist' sind, gibt es doch immer noch genug Gelegenheiten, originales Vinyl zu günstigen Preisen zu bekommen. Wenn Du Hilfe brauchst, dann frag' ruhig.

"Free for all" habe ich dann tatsächlich über's Wochenende herausgekramt und mir ist aufgefallen, dass das Titelstück die Platte sehr dominierend. Was Blakey da an Perkussion auffährt, diese Dynamik, Time und das Feuer suchen seinesgleichen. Auch wenn da doch noch einiges dazwischen liegt, ist Elvin Jones hier nicht weit. Der Puls des Stücks packt mich jedesmal auf's Neue, nur leider vermag keines der anderen Stücke dieses Versprechen weiter einzulösen. Shorter und Hubbard klingen auf keinem anderen Jazz Messengers-Album so frei und hungrig und Hubbard beweist alleine auf diesem Stück deutlich, warum er immer noch mein Lieblingstrompeter ist. Er zeigt auch auf den anderen Stücken, warum er nicht auf dicke Hose macht um zu imponieren, sondern eine bestimmte Freude und Kraft zu spielen. Hat mir großen Spaß gemacht, gerade ihn wieder zu entdecken. Shorter spielt eh außer Frage. Majestätisch, losgelöst, aber immer im Rahmen dessen, was passt, also absolut geschmackssicher.
Curtis Fuller hat es dagegen schwer gehabt. Ich konnte mich bei allen Stücken nicht des Eindrucks erwehren, dass die Band noch lockerer wirken würde, wenn Fuller 'eingespart' werden würde. Irgendwie nimmt er doch immer wieder das Tempo raus, ohne dass er auch nur im geringsten etwas falsch macht.
Blakey wollte ja eine fülligere Frontline erzielen, was ihm dadurch natürlich gelungen ist. Aber in Bezug auf Tempo und Biss wäre weniger vielleicht mehr geworden.

Auch mit Cedar Walton bin ich dieses Mal weniger warm geworden. Irgendwie ist mir seine Herangehensweise zu leichtfüßig für die Musik, obgleich er ja fast als Gegensatz zu Bobby Timmons galt. "Free for all" oder auch "The Core" hätten allerdings einen noch zupackenderen, fieseren Pianisten vertragen.
Herbie Hancock läge natürlich nahe, da er zeitgleich häufig zu hören war, aber auch Andrew Hill hätte ich mir spannend ausgemalt. Auch hier macht Walton natürlich rein gar nichts falsch, aber das bißchen Luft nach oben lädt zum träumen ein.
Auf "Pensativa" zeigt Walton allerdings, dass er genau der richtige Mann ist. Und wie eine Art Kontrapunkt führt der Closer den Opener ad absurdum, da die Musik luftig leicht wirkt und nichts mehr von der Schwere, der Konzentration und dem vergossenen Schweiß verrät.

Ein bißchen wurde am Gold gekratzt, aber trotz dessen ist das eine unglaublich spannende und intensive Platte.

Danke für das Angebot zur Vinyl- Hilfe (ich schick Dir noch eine PN).

Zu deinen Höreindrücken:
Neben dem Titeltrack "Free for All" ist auf dem Album ja auch noch das Stück "The Core", das ich schon auf einem ähnlichen Niveau höre. Elvin Jones ist da wirklich (vom Feeling) nicht sehr weit weg. Ich habe da zuerst sogar an das Second Quintet und Tony Williams gedacht. Das Versprechen, von dem Du schreibst, würde ich aber schon durch diese beiden Stücke als eingelöst betrachten! (da ich die Platte aber erst seit kurzem kenne, bin ich mir da noch nicht ganz sicher).
Die Drums wurden ja etwas nach vorne gemischt, so dass der Sound allein schon deswegen etwas mächtiger ist. Aber, diesen Drumsound muss man auch erst mal bringen!
Gegenüber Hubbard und Shorter geht Curtis Fuller etwas unter, da stimme ich Dir zu. Er hatte es wahrscheinlich auch schwer, weil man auf der Posaune ja doch nicht so exzessive Soli blasen kann wie auf einer Trompete oder dem Saxophon.
Auf dem Papier könnte man sich, wie Du es getan hast noch eine idealere Besetzung der Band zusammenstellen. Aber das ist natürlich spekulativ, und ich denke mit dem vorliegenden Ergebnis kann man schön äusserst zufrieden sein!
(BTW: hat Blakey eigentlich noch mal so was ähnliches gemacht, wie dieses Album?)

gypsy tail wind
16.05.2012, 15:30
Hm, ähnlich... vielleicht "Indestructible"?

http://image.allmusic.com/00/amg/cov200/drr700/r723/r72347f66m0.jpg

Und ja nicht denken, wegen John Gilmore sei "'S Make It" irgendwie ähnlich - stimmt gar nicht, viel zu kurz, alles viel zu hübsch, nimmt nie recht Fahrt auf, leider.
Besser ist "Buttercorn Lady", mit dem legendären Frank Mitchell sowie Chuck Mangione und Keith Jarrett... tolle Scheibe, aber am Ende doch nicht so dicht wie "Free for All".
"Live at Slug's" von 1968 ist auch ganz gut, mit Billy Harper am Tenor sowie dem Rückkehrer Bill Hardman (t) und Julian Priester (tb). Von der Band gibt's auch noch eine zweite Scheibe, "Moanin'" - bei beiden ist mir die VÖ-Geschichte nicht klar, hab sie aber auch nie nachgeschaut, Everest, LRC, Trip... whatever. Tolle Band auf jeden Fall.

Ich kann die Vorbehalte Walton und Fuller gegenüber nachvollziehen, aber ich teile sie nicht so sehr. Auch stimme ich ferry bei, "The Core" ist ebenfalls ein sehr intensiver, toller Track! Und ich liebe Clare Fischers "Pensativa" so sehr, dass ich schon lange nicht mehr finde, da flache irgendwas ab.

Den Sextett-Sound mag ich meistens bei Blakey schon eine Spur lieber als die Quintett-Besetzungen, jedenfalls in den Sechzigern. Irgendwie hör ich öfter Sachen von 1964 oder so als die Quintett-Alben aus den frühen Sechzigern mit Morgan/Shorter/Timmons/Merritt, auch wenn das natürlich eine fantastische Band war (ironischerweise greife ich aber häufiger zum Live Doppel-Album mit Rückkehrer Hank Mobley, unmittelbar vor Shorter zur Band stiess).

ferry
16.05.2012, 17:32
Hm, ähnlich... vielleicht "Indestructible"?


Das Album ist also mit Lee Morgan statt mit Freddie Hubbard (hab ich mal bei allmusic nachgeschaut). Hört sich sehr gut an, und kommt auf die Wunschliste!



...Und ich liebe Clare Fischers "Pensativa" so sehr, dass ich schon lange nicht mehr finde, da flache irgendwas ab.


Eine starke Richtungsänderung ist das aber schon. Nicht, dass es etwa abflacht. Aber diesen Schwenk muss man erst mal nachvollziehen.

THELONICA
16.05.2012, 18:28
Curtis Fuller hat es dagegen schwer gehabt.



Blakey wollte ja eine fülligere Frontline erzielen, was ihm dadurch natürlich gelungen ist. Aber in Bezug auf Tempo und Biss wäre weniger vielleicht mehr geworden.

Fuller hat es bestimmt nicht ganz so leicht gehabt, gerade als Posaunist bringt das vielleicht weniger Beachtung mit sich, jedoch hat er einige Kompositionen beigesteuert, nicht für "Free for All" allerdings. Um die Kompositionen ging es wohl auch, und Blakey dürfte ihn zudem gemocht haben. Die Band mit Hubbard oder auch Morgan, Fuller, Walton u. Shorter muss sich relativ gut verstanden haben, denn sie alle haben während einer bestimmten Zeit Kompositionen beigesteuert, (relativ) gleichberechtigt sogar. Gibt es eigentlich irgendwo aufschlussreiche Interviews zu der Zeit 61-65, z.B. von Fuller, Walton oder Shorter?

http://www.jazzprofessional.com/interviews/Art%20Blakey_1.htm

"You see, after the Messengers, the MJQ, Horace Silver or any of these well–organised groups come through with their arrangements, it makes it pretty hard for the others. The people know the difference now."

gypsy tail wind
16.05.2012, 18:40
Shorter war ja die ganze Zeit über der musikalische Leiter der Band - ich denke, es ist ihm zuzuschreiben, dass die anderen auch ihre Stücke einbringen konnten. Und "Pensativa" muss fast von ihm gewählt worden sein... War ja nachher bei Miles nicht unähnlich mit Shorter und Hancock und gelgentlich auch Carter und Williams, die alle ihre Stücke beisteuerten.

Interviews kenne ich keine, habe auch nie danach gesucht - wäre aber auch interessiert. Muss gleich los, wenn ich wieder heimkomme später, will ich ein paar Links sehen ;-)

katharsis
16.05.2012, 18:52
Danke für das Angebot zur Vinyl- Hilfe (ich schick Dir noch eine PN).

Zu deinen Höreindrücken:
Neben dem Titeltrack "Free for All" ist auf dem Album ja auch noch das Stück "The Core", das ich schon auf einem ähnlichen Niveau höre. Elvin Jones ist da wirklich (vom Feeling) nicht sehr weit weg. Ich habe da zuerst sogar an das Second Quintet und Tony Williams gedacht. Das Versprechen, von dem Du schreibst, würde ich aber schon durch diese beiden Stücke als eingelöst betrachten! (da ich die Platte aber erst seit kurzem kenne, bin ich mir da noch nicht ganz sicher).
Die Drums wurden ja etwas nach vorne gemischt, so dass der Sound allein schon deswegen etwas mächtiger ist. Aber, diesen Drumsound muss man auch erst mal bringen!
Gegenüber Hubbard und Shorter geht Curtis Fuller etwas unter, da stimme ich Dir zu. Er hatte es wahrscheinlich auch schwer, weil man auf der Posaune ja doch nicht so exzessive Soli blasen kann wie auf einer Trompete oder dem Saxophon.
Auf dem Papier könnte man sich, wie Du es getan hast noch eine idealere Besetzung der Band zusammenstellen. Aber das ist natürlich spekulativ, und ich denke mit dem vorliegenden Ergebnis kann man schön äusserst zufrieden sein!
(BTW: hat Blakey eigentlich noch mal so was ähnliches gemacht, wie dieses Album?)

"The Core" hatte ich oben ja auch herausgegriffen, bin aber nicht explizit darauf eingegangen. Ich finde, dass die Band an die Dichte und Intensität von "Free for all" kratzt, aber doch nicht wirklich herankommt. Auch "Hammer Head" ist auf einer anderen Ebene. Ich wollte das Album als Ganzes auch nicht abwerten, mir ist nur nach erneutem Hören aufgefallen, dass doch Unterschiede zwischen den einzelnen Stücken spürbar sind. Hauptsächlich betrifft das aber nur die Intensität, denn das spielerischer Feuer, der Eifer und die Emotionalität höre ich in allen vier Stücken und ich wehre mich auch etwas, Shorter als den 'Star' der Session herauszugreifen, so wie es etliche Rezensenten tun. Hubbard trägt für mich gleichermaßen zum Gelingen bei und ich wage zu behaupten, dass ein ähnliches Erlebnis mit Lee Morgan nicht möglich gewesen wäre.
Dazu noch zu Fuller. Beide passen zur Band, prägen den Sound und tragen auch maßgeblich zum Gelingen bei - insbesondere, da das ja eine working band und keine für eine Einspielung zusammengestellte Band war. Trotzdem wäre es der Musik als Gesamtkonzept zugute gekommen, auf den trägeren Posaunensound zu verzichten um damit den beiden anderen Hörnern mehr Raum zu geben. Das hat nichts mit der Versatilität des Musikers zu tun, aber die Posaune nimmt einfach Fahrt raus.
Mit der Besetzung von Walton hat sich Blakey einen Gefallen getan, da die Musik sich nicht zuletzt durch Walton konträr zur zeitgleich stattfindenden Entwicklung des Jazz hin zu 'leichterem' Soul Jazz in eine 'schwergewichtigere' Richtung entwickeln konnte. In engen konventionellen Grenzen ist die Entwicklung, die Blakey mit Shorter/Hubbard/Walton beschritt demnach eigentlich ein mutiges Manöver.

"Free for all" ist für Blakey und das, was man ihm vielleicht zutraute ein Opus magnum, das es so nicht zu toppen geht. Entsprechend schwierig ist es auch, LPs zu finden, die diesen Geist versprühen. Direkt anschließend entstand ja "Kyoto", die ich zwar auch besitze, aber gar nicht präsent habe. Wäre spannend nachzuhören, ob sich die Energie darauf übertragen ließ.
"Indestructible", wie von gypsy vorgeschlagen, ist mit Sicherheit eine gute Wahl, da Shorter und Fuller noch gemeinsam zu hören sind. Ich würde dagegen eher "Buhaina's Delight" antesten, um nachzuhören, wie sich das Dreigestirn Hubbard/Shorter/Fuller zur Klimax auf "Free for all" entwickelt hat. Außerdem findet sich darauf eines der besten Blakey-Solos, das mich aufgrund der Time und der aufbauenden Dramaturgie jedes mal auf's Neue fertig macht. Das vorherige "Caravan" ist leider schon wieder weit konventioneller geraten.

Die übrigen Sessions mit Lee Morgan wären dann wieder ein anderes Thema. Wirklich wunderbar finde ich auch die beiden "Meet you at the Jazz corner of the world"-Sessions. Da erreicht die Band auch des öfteren eine ansteckende Dynamik und ein gewisses Feuer, das aber nicht so roh ausfällt, wie bei "Free for all".
Die Limelight-Sessions, die gypsy präventiv anführte, haben zwar durchaus auch ihre Momente und ich mag auch den Beitrag von Chuck Mangione, aber etwas ketzerisch gesagt, muss man die nicht kennen (sofern man noch nicht alle Blue Notes kennt).

katharsis
16.05.2012, 18:55
Und "Pensativa" muss fast von ihm gewählt worden sein...

Das glaube ich nicht, immerhin wurde das Stück von Hubbard arrangiert.
Ich stichel auch ein bißchen und behaupte mal, dass sich Shorter und Hubbard den Regiestuhl einigermaßen geteilt haben, wenngleich Shorter schon länger mit Blakey arbeitete und daher gewisse Vorrechte hatte.

Auf der anderen Seite hatte Hubbard ja Shorter u.a. für sein Impulse-Debüt als Arrangeur eingebunden.

THELONICA
16.05.2012, 19:43
Muss gleich los, wenn ich wieder heimkomme später, will ich ein paar Links sehen ;-)

http://dothemath.typepad.com/dtm/interview-with-cedar-walton.html


EI: Blakey was lucky to have two major composers there for a minute – you and Wayne.

CW: Yeah, Freddie wasn’t a bum either.

EI: Right, he wrote some great stuff, too.

CW: I was lucky: Blakey insisted on us writing. He loved for us to write. When we would get enough, we would go into the studio and record it.

http://www.jazzprofessional.com/interviews/Curtis%20Fuller.htm

http://www.jazzweekly.com/interviews/wshorter.htm

ferry
16.05.2012, 21:26
"Free for all" ist für Blakey und das, was man ihm vielleicht zutraute ein Opus magnum, das es so nicht zu toppen geht. Entsprechend schwierig ist es auch, LPs zu finden, die diesen Geist versprühen. Direkt anschließend entstand ja "Kyoto", die ich zwar auch besitze, aber gar nicht präsent habe. Wäre spannend nachzuhören, ob sich die Energie darauf übertragen ließ.
"Indestructible", wie von gypsy vorgeschlagen, ist mit Sicherheit eine gute Wahl, da Shorter und Fuller noch gemeinsam zu hören sind. Ich würde dagegen eher "Buhaina's Delight" antesten, um nachzuhören, wie sich das Dreigestirn Hubbard/Shorter/Fuller zur Klimax auf "Free for all" entwickelt hat. Außerdem findet sich darauf eines der besten Blakey-Solos, das mich aufgrund der Time und der aufbauenden Dramaturgie jedes mal auf's Neue fertig macht. Das vorherige "Caravan" ist leider schon wieder weit konventioneller geraten.

Die übrigen Sessions mit Lee Morgan wären dann wieder ein anderes Thema. Wirklich wunderbar finde ich auch die beiden "Meet you at the Jazz corner of the world"-Sessions. Da erreicht die Band auch des öfteren eine ansteckende Dynamik und ein gewisses Feuer, das aber nicht so roh ausfällt, wie bei "Free for all".
Die Limelight-Sessions, die gypsy präventiv anführte, haben zwar durchaus auch ihre Momente und ich mag auch den Beitrag von Chuck Mangione, aber etwas ketzerisch gesagt, muss man die nicht kennen (sofern man noch nicht alle Blue Notes kennt).

Dann werde ich die "Buhaina's Delight" auch schon mal vormerken. "A Night in Tunisia", "Indestructible" und evtl. "Cu-Bop" stehen ja auch noch auf dem Zettel. Das reicht erst mal für die nächste Zeit.
(obwohl ich jetzt schon das Gefühl habe, dass ich noch mehr brauchen werde ;-) )

katharsis
16.05.2012, 22:48
Wie kommst Du auf "A night in Tunisia"?

ferry
16.05.2012, 23:04
Wie kommst Du auf "A night in Tunisia"?

Die stand schon vorher auf der Wunschliste.
Und zwar deswegen, weil Wayne Shorter mit dabei ist, und weil das Album auch bei RYM sehr gut bewertet wird. (geplanter Blindkauf sozusagen)
Würdest Du mir eher zu einem anderen Album raten?

PS.: Was sagst Du denn zu dem Album "Mosaic", das ja mit fast dem selben Line-Up eingespielt wurde wie "Free for All"? Das Album finde ich auch ganz hervorragend !

katharsis
17.05.2012, 00:24
Ach, mit dem Raten ist es so eine Sache. Ausgangspunkt waren oben ja "Free for all", von da aus ist es einfacher, bestimmte Tipps zu geben.

In's Blaue hinein ist es dann doch etwas schwerer. Wie Du auf "A night in Tunisia" kamst, hat mich nur interessiert, weil ich keinen Hinweis darauf gesehen habe und weil Blakey ja so viel Sachen für Blue Note aufgenommen hat. Insofern gibt es keinen Grund, Dir davon abzuraten und eine andere Session zu priorisieren.
Eigentlich sind die Alben von Blakey so etwas wie die Quintessenz von Blue Note und je mehr ich die verschiedenen Sessions durchgehe, umso mehr gefallen mir die alle. Vielleicht würde ich zusätzlich noch "The Freedom Rider" hervorheben, die aus unterschiedlichen Gründen etwas hervorsticht. Morgan gibt einen wunderbaren, oft etwas schmerzlich klingenden Ausstand, Shorter versprüht Freude beim zunehmenden entdecken von Coltrane, Blakey streut feine, aber tolle Soli ein und Timmons schlägt bspw. in "Pisces" melancholisch-dunklere Töne an. Jymie Merritt finde ich sowieso großartig.

"Mosaic" ist auch ein sehr gutes Album, aber ich empfinde es als ein bißchen - wie sagt man - 'formulaic'. Die Konzeption ist typisch Hardbop, die Themen sind recht eingängig und trotz Shorter/Hubbard läuft mir das Set etwas zu glatt ab. Mit "Crisis" und "Children of the night" sind aber zwei wichtige Kompositionen für Hubbard und Shorter enthalten.

Über kurz oder lang wirst Du nicht umhin kommen, Dir sämtliche Blakey-Sessions zuzulegen ;)

gypsy tail wind
17.05.2012, 00:41
Das glaube ich nicht, immerhin wurde das Stück von Hubbard arrangiert.
Ich stichel auch ein bißchen und behaupte mal, dass sich Shorter und Hubbard den Regiestuhl einigermaßen geteilt haben, wenngleich Shorter schon länger mit Blakey arbeitete und daher gewisse Vorrechte hatte.
Das wusste ich nicht - dann liegt es natürlich nahe, dass er dieses Stück reingebacht hatte. Ansonsten gibt's allerdings nichts zu sticheln, Shorter war der musical director, das ist hinlänglich bekannt und war auch der Grund, warum er nicht früher (1960/61, nach Coltranes und wieder nach Mobleys Abgang) zu Miles wechseln wollte.


http://dothemath.typepad.com/dtm/interview-with-cedar-walton.html

http://www.jazzprofessional.com/interviews/Curtis%20Fuller.htm

http://www.jazzweekly.com/interviews/wshorter.htm

Danke!

@ferry: mit den Sextett-Alben kannst Du eigentlich gar nichts falsch machen, "Mosaic" und "Buhaina's Delight" sind beide toll und auch die Riversides (zumindest "Ugetsu" und "Caravan", "Kyoto" hab ich grad weniger im Ohr) sind auch gut. Nicht zu vergessen die United Artists-Aufnahmen "Three Blind Mice" (auf zwei CDs - ich glaub nur ein Teil des Materials erschien auf LP).

katharsis
17.05.2012, 00:53
Das wusste ich nicht - dann liegt es natürlich nahe, dass er dieses Stück reingebacht hatte. Ansonsten gibt's allerdings nichts zu sticheln, Shorter war der musical director, das ist hinlänglich bekannt und war auch der Grund, warum er nicht früher (1960/61, nach Coltranes und wieder nach Mobleys Abgang) zu Miles wechseln wollte.


Natürlich hast Du Recht und es scheint mir common sense zu sein, zumal Shorter ja auch das meiste neue Material einbrachte. Trotzdem nahm er sich musikalisch auch vornehm zurück, respektive spielte sich nicht in den Vordergrund, so dass mindestens Hubbard, aber auch Fuller gleichberechtigt agieren konnten. Darauf wollte ich hinaus, da ich mich nicht vollumfänglich dem Gedanken hingeben möchte, Shorter habe alle Strippen gezogen.

Du hebst im zweiten Abschnitt wiederholt die Sextet-Aufnahmen hervor. Magst Du die Quintet-Aufnahmen nicht, oder empfindest Du sie als qualitativ abfallend?

gypsy tail wind
17.05.2012, 01:09
Nein, ich mag eigentlich alles von Blakey, jedenfalls bis Mitte der Sechzigerjahre! "Free for All" ist für mich aber - abgesehen von "Horace Silver & The Jazz Messengers" und "At the Bohemia" - das tollste, beste, persönlich liebste und wichtigste aller Blakey-Alben, und das führt wohl dazu, dass ich mich tendentiell was die Sechziger betrifft etwas stärker zu den Sextett-Alben hingezogen fühle (wobei für mich wie schon erwähnt die Impulse-Scheibe etwas abfällt im Vergleich).

Die Quintett-Alben mit Hubbard/Shorter/Timmons kenne ich auch weniger lange und weniger gut, kann sie kaum auseinanderhalten - was wohl nur teils an mir liegt, teils an den Alben selber... "The Big Beat", "Night in Tunisia", "Like Someone in Love", "The Freedom Rider" - das sind tolle Alben! Auch "Roots and Herbs", "The Witch Doctor" und "Africaine" sind gut, ebenso die Live-Aufnahmen aus Lausanne und aus dem Pariser Olympia.
Diese Band beginnt ja eigentlich etwas früher, 1959 nämlich. Da ist zuert das tolle Album mit Barney Wilen ("Les liaisons dangereuses"), dann die "Paris Jam Session" mit Wilen am Alt und Bud Powell als Gästen, und "Africaine" stammt ja auch noch von 1959.
Womit ich mich etwas weniger anfreunde kann ist einzig "Meet You At the Jazz Corner of the World" - da ist die Aufnahmequalität wirklich nicht so toll (ich kenne allerdings nur die RVG Doppel-CD) und es ist wohl das, was mich etwas stört.

Für mich sind die ganzen Alben von 1960/61 irgendwie einfach etwas zuviel und zuwenig abgrenzbar - ein toller Werk-Korpus auf jeden Fall, aber auch einer, mit dem ich mich noch nie tiefer befasst habe. Das hängt wiederum auch am Genre, denn meine Hardbop-Liebe ist ja eine on and off-Beziehung und bisher griff ich in keiner on-Phase nch genau diesen Alben - das werd ich eines Tages bestimmt tun und dann gerne auch hier mit meinen Berichten weiterfahren, ich bin ja gerade etwa dahin gelangt bisher.

ferry
17.05.2012, 11:26
Eigentlich sind die Alben von Blakey so etwas wie die Quintessenz von Blue Note...

"Mosaic" ist auch ein sehr gutes Album, aber ich empfinde es als ein bißchen - wie sagt man - 'formulaic'. Die Konzeption ist typisch Hardbop, die Themen sind recht eingängig und trotz Shorter/Hubbard läuft mir das Set etwas zu glatt ab. Mit "Crisis" und "Children of the night" sind aber zwei wichtige Kompositionen für Hubbard und Shorter enthalten.


Ich denke, Art Blakey ist wahrscheinlich so etwas wie eine, wenn nicht sogar die zentrale Figur des Hardbop. Allein schon wenn man sich mal anschaut, mit welchen Sidemen er zusammengespielt hat. Das war ja die Creme der damaligen Hardbop- Musiker.

Crisis von Freddie Hubbard zählt zu meinen Lieblingsstücken des Hardbop! Auch ein Grund, weswegen ich das Album "Mosaic" sehr schätze.



.
... Das hängt wiederum auch am Genre, denn meine Hardbop-Liebe ist ja eine on and off-Beziehung...

Das verstehe ich nicht so ganz. Der Hardbop ist doch so etwas wie das tägliche Brot im Jazz, oder? ;-)

THELONICA
17.05.2012, 11:57
Ich denke, Art Blakey ist wahrscheinlich so etwas wie eine, wenn nicht sogar die zentrale Figur des Hardbop.

Könnte man so sagen, gut, dass Du es jetzt schon so siehst. Anfangs war er sich wohl gar nicht so sicher, ob er ein Leader wirklich sein wollte, aber er wurde von Nica de Koenigswarter dazu ermutigt und hat viel von ihr gelernt. So steht es zumindestens in ihrem Buch "Three Wishes".



Das verstehe ich nicht so ganz. Der Hardbop ist doch so etwas wie das tägliche Brot im Jazz, oder? ;-)

Das tägliche Brot, richtig, aber wir switchen alle gern von Stil zu Stil. Ich behaupte/vermute sogar weiterhin, dass diese Richtung (zusammen mit ihren Musikern) enorm wichtig für weitere Entwicklungen im Jazz war. Und nicht nur für weitere Entwicklungen...

gypsy tail wind
17.05.2012, 12:27
Das tägliche Brot, richtig, aber wir switchen alle gern von Stil zu Stil. Ich behaupte/vermute sogar weiterhin, dass diese Richtung (zusammen mit ihren Musikern) enorm wichtig für weitere Entwicklungen im Jazz war. Und nicht nur für weitere Entwicklungen...

Ja, bei mir war's auf jeden Fall zu Beginn das täglich Brot, allerdings mit Mingus, Monk, Coltrane (bis 1964/65), Miles (bis in die Achtziger), Dolphy, Bill Evans, Ornette angereichert, und auch zurück bis Parker, Powell.

Ein vielseitigeres Interesse war also immer schon da, aber Hardbop war quasi der Ausgangspunkt allen Hörens, Blue Note, Lee Morgan, Silver, Jimmy Smith ... und auch immer wieder Art Blakey - die Live-Aufnahmen mit Clifford Brown, die der originalen Messengers, die Columbia-Scheibe, Free for All, Moanin' ...

Aber es gab lange Phasen, in denen ich fast keinen Hardbop hörte, nur Free Jazz und Avantgarde, und dann auch immer mehr alten Jazz (also alles vor Bebop). Momentan ist's etwas ausgeglichener, der regelmässige Austausch mit katharsis und redbeans hier regt mich immer wieder an, gewisse Sachen aus den Fünzigern vertieft zu hören und das ist auch gut so, denn es bleibt zusammen mit der Aufkeimenden Avantgarde der frühen und mittleren Sechzigern mein home turf. Und Blakey ist dabei immer wieder ein wichtiger Bezugspunkt.

THELONICA
17.05.2012, 13:08
Joni Mitchell ist z.B. ein "Fan" von Wayne Shorter. Wenn da das Interesse groß ist, kommt natürlich niemand um seine Aufnahmen mit den Messengers drum herum.

katharsis
17.05.2012, 13:16
Die Quintett-Alben mit Hubbard/Shorter/Timmons kenne ich auch weniger lange und weniger gut, kann sie kaum auseinanderhalten - was wohl nur teils an mir liegt, teils an den Alben selber...

Das kann ich ganz gut nachvollziehen, vor allem geht es mir mit den früheren Sessions so, die ich aber a) weniger gut kenne und die b) vor allem noch näher am Bebop sind.
Trotzdem fällt mir bei den Alben der Jazz Messengers immer wieder auf, dass die Qualität zwar durchgehend hoch ist - auf dem Stand, den Blakey gerade mit seinen Sidemen hat - aber trotzdem gibt es auf jeder Session ein bis zwei Stücke, die herausragen, während die anderen eher uniform anmuten. Daher fiel es mir auch schwer, wirkliche Lieblinge (jenseits von "Free for all") herauszupicken.
Weiter oben hatte ich schon ein bißchen versucht, einen Gedanken herauszustellen. Relativ lange war Blakey mit seiner Band und deren Musik sehr formulaic. Erst mit Shorter und dessen zunehmender musikalischer Reifung, der Umbesetzungen Timmons/Walton sowie Morgan/Hubbard entwickelte Blakey so etwas wie einen gegenläufigen Trend zum damals sich weichkochenden Jazz. Ab da merkt man eine durchaus wohltuende Stringenz in der Musik der Messengers, die leider mit den Limelight-Aufnahmen wieder ins Gegenteilige driftete. Von daher greife ich auch lieber und häufiger zu den späteren Sessions.
Ich muss mir aber dringend mal wieder "Witch Doctor", "Roots & Herbs" sowie "Like someone in love" anhören. Gerade letztere ist bei mir immer wieder falsch abgespeichert, da sie ja erst sehr spät nach der Einspielung veröffentlicht wurde.

Zu "Meet you at the Jazz corner of the world" kann ich nur beitragen, dass ich zumindest Vol. 2 als Originalpressung habe und die hat einen großartigen Sound. Mir scheint es, als wäre Merritt etwas herausgestellt, was der Musik aber einen großartigen Drive verleiht. Vielleicht liegt es tatsächlich am CD-Remaster, bei dem versucht wurde, die unterschiedlichen Stimmen im Nachhinein gleich zu gewichten?


Crisis von Freddie Hubbard zählt zu meinen Lieblingsstücken des Hardbop! Auch ein Grund, weswegen ich das Album "Mosaic" sehr schätze.

Kennst Du denn seine spätere Einspielung auf "Ready for Freddie"?

gypsy tail wind
17.05.2012, 13:42
Ich muss mir aber dringend mal wieder "Witch Doctor", "Roots & Herbs" sowie "Like someone in love" anhören. Gerade letztere ist bei mir immer wieder falsch abgespeichert, da sie ja erst sehr spät nach der Einspielung veröffentlicht wurde.
"Like Someone in Love" hab ich zwar noch kaum gehört, aber als sehr, sehr toll abgespeichert!


Zu "Meet you at the Jazz corner of the world" kann ich nur beitragen, dass ich zumindest Vol. 2 als Originalpressung habe und die hat einen großartigen Sound. Mir scheint es, als wäre Merritt etwas herausgestellt, was der Musik aber einen großartigen Drive verleiht. Vielleicht liegt es tatsächlich am CD-Remaster, bei dem versucht wurde, die unterschiedlichen Stimmen im Nachhinein gleich zu gewichten?
Ich glaube nicht, dass ein Remix da überhaupt möglich war... und ohne Dein Urteil in Frage stellen zu wollen glaube ich mich zu erinnern, schon vermehrt gelesen zu haben, dass da die Aufnahmen vergleichsweise nicht so gut seien.

Blue Note war ja - mit Blakey 1953 im Birdland und 1954 im Cafe Bohemia, danach auch mit Jimmy Smith, Kenny Burrell u.a. - eins der ersten Labels, die regelmässig Live-Alben aufnahmen und veröffentlichten, es erstaunt irgendwie auch etwas, dass 1960 nicht mehr ging, bzw. nach meinen Ohren weniger als schon manche Jahre früher...

nail75
17.05.2012, 14:13
Zu "Meet you at the Jazz corner of the world" kann ich nur beitragen, dass ich zumindest Vol. 2 als Originalpressung habe und die hat einen großartigen Sound. Mir scheint es, als wäre Merritt etwas herausgestellt, was der Musik aber einen großartigen Drive verleiht. Vielleicht liegt es tatsächlich am CD-Remaster, bei dem versucht wurde, die unterschiedlichen Stimmen im Nachhinein gleich zu gewichten?

Ich kenne nur die CD, aber darauf sind einfach viele Instrumente verzerrt, was ich als sehr störend empfand (das Ding ist längst verkauft). Keine Ahnung, ob das auf den Original-LPs auch so war, eine kurze Internetrecherche bestätigt diese Vermutung.

Was ich bei solchen Dingen auch immer feststelle: Mich stören solche Verzerrungen enorm, viele andere interessiert das überhaupt nicht.

Übrigens: Ich rede von dieser CD:
http://rateyourmusic.com/release/comp/art_blakey/meet_you_at_the_jazz_corner_of_the_world/

Es gibt ja auch noch das Album "At The Jazz Corner Of The World" - ohne "Meet You"


Ich glaube nicht, dass ein Remix da überhaupt möglich war...

Vermutlich nicht. Das sind ja mono-Aufnahmen aus den späten 1950ern, dazu auch noch live. Vermutlich wurde die Musik direkt auf Band aufgenommen. Das kann man nicht remixen.


und ohne Dein Urteil in Frage stellen zu wollen glaube ich mich zu erinnern, schon vermehrt gelesen zu haben, dass da die Aufnahmen vergleichsweise nicht so gut seien.

Google findet für "Meet You...distortion" mehr als 3000 Treffer.

gypsy tail wind
17.05.2012, 14:20
Genau - und das ohne "Meet You", das ist grosse Klasse! (siehe hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2463296&postcount=35))

Ich kann mir selten wirklich schlaues zur Klangqualität sagen, aber es gibt einige Fälle, bei denen sie der Grund zu sein scheint, warum ich eine CD kaum höre - und das ist eben eine davon. Aber nach all der Aktivität hier habe ich grad richtig Lust, meinen Blakey-Bericht fortzuführen...

katharsis
17.05.2012, 14:52
Ich habe die Platte eben noch einmal aufgelegt und konnte nichts störendes entdecken.
Eingeschränkt sei gesagt, dass ich keine High End-Geräte besitze, so dass der Höreindruck bei jemandem mit 3000$-Plattenspieler anders ausfallen mag. Ich kann auch noch zugestehen, dass bspw. Morgan auf "High Mode" ungewöhnlich spitz, aber nicht stechend klingt (wie bspw. bei den Miles Davis Columbia CDs). Auch Timmons' Klavier klirrt manchmal etwas im Diskant.
Gerade das ist meiner Meinung nach aber nicht der Aufnahme geschuldet, sondern wenn überhaupt, dann dem Instrumentarium.
Außerdem sollte man mal festhalten, dass das eine Livesession ist, die natürlich immer schwieriger aufzunehmen ist, als ein Studioalbum.

Ich kann jedenfalls nichts feststellen, das ansatzweise verzerrt klingt. Was im Internet von den audiophilen Nerds gequatscht wird, interessiert mich nicht. Da verlasse ich mich lieber auf meinen Höreindruck und vielleicht vergleichen wir auch alle Äpfel mit Birnen, was bei Blue Note nicht selten vorkommt.
Noch dazu gehen viele der Erwähnung ja auf nur wenige Quellen zurück, bspw. die allmusic-Rezension.
Hier, in Post #6 (http://www.analog-forum.de/wbboard/index.php?page=Thread&threadID=79059) findet sich zumindest ein Kommentar, der die ganze Sache anders sieht und den ich so unterschreiben kann.

Mit dem Remixen kenne ich mich nicht aus, aber es ist doch denkbar, dass bei einem erneuten Transfer der originalen Masterbänder mit neuerer Technik neu abgemischt wurde?

gypsy tail wind
17.05.2012, 15:30
Nun, ich verlass mich auf mein Gefühl... mich stört einfach etwas an der Aufnahme. Aber die Musik ist natürlich trotzdem gut.

Dass RVG mit seinen Remasters manches eher verschlimmbessert hat, ist ja kein Geheimnis, wenngleich die Meinungen dazu - logisch! - auseinandergehen. Ich habe jedenfalls schon vor dem Stop der RVG-Serie von EMI aufgehört, alle älteren CDs durch neuere zu ersetzen (im Falle Blakeys habe ich z.B. von "Moanin'" und den Cafe Bohemia Aufnahmen die alten Remasters behalten, die 1953er Session habe ich in der Brownie 4CD-Box, ebenso wie das ganze Brownie-Material, ich hab das nie ersetzt, auch weil mich das Doppelt- und Dreifachgekaufe ärgert, da's doch noch so viel gibt, was ich hören möchte und noch gar nie gekauft habe).

katharsis
17.05.2012, 15:46
Nun, ich verlass mich auf mein Gefühl... mich stört einfach etwas an der Aufnahme. Aber die Musik ist natürlich trotzdem gut.

Klar, aber wir reden ja von zwei unterschiedlichen Medien :-)

gypsy tail wind
17.05.2012, 15:53
Klar, aber wir reden ja von zwei unterschiedlichen Medien :-)

Ich weiss. Und ich weiss am Ende nicht mal, ob's die "distortion" oder sonstwas ist, was mich stört. Ist eigentlich nur ein Verdacht...

nail75
17.05.2012, 16:01
Ich habe die Platte eben noch einmal aufgelegt und konnte nichts störendes entdecken.

Wie gesagt: Ich kann zu Deiner Platte nichts sagen, ich kenne nur die CD.



Eingeschränkt sei gesagt, dass ich keine High End-Geräte besitze

Ich auch nicht.


Außerdem sollte man mal festhalten, dass das eine Livesession ist, die natürlich immer schwieriger aufzunehmen ist, als ein Studioalbum.

Die früheren Aufnahmen von Blakey At Birdland und At The Cafe Bohemia klingen ganz ausgezeichnet. Jazzalben aus dieser Zeit sind ja alle im Grunde "live".


Ich kann jedenfalls nichts feststellen, das ansatzweise verzerrt klingt.


Na, dann ist ja alles gut. :-)


und vielleicht vergleichen wir auch alle Äpfel mit Birnen, was bei Blue Note nicht selten vorkommt.

Ich vergleiche überhaupt nichts, ich sage nur, dass die CD massive Verzerrungen hat. Und dabei bleibe ich.


Mit dem Remixen kenne ich mich nicht aus, aber es ist doch denkbar, dass bei einem erneuten Transfer der originalen Masterbänder mit neuerer Technik neu abgemischt wurde?

Nein, das geht nach meinem amateurhaften Verständnis nicht. Das sind ja keine Multi-Track-Aufnahmen, sondern die Musik wurde direkt auf eine Spur eines Magnetbandes aufgenommen wurden. Alle Instrumente befinden sich also auf einer Spur. Da kannst Du nichts mehr neu abmischen, z. B. die Balance der Instrumente verändern, auch nicht mit moderner Technologie.

gypsy tail wind
17.05.2012, 16:14
Nein, das geht nach meinem amateurhaften Verständnis nicht. Das sind ja keine Multi-Track-Aufnahmen, sondern die Musik wurde direkt auf eine Spur eines Magnetbandes aufgenommen wurden. Alle Instrumente befinden sich also auf einer Spur. Da kannst Du nichts mehr neu abmischen, z. B. die Balance der Instrumente verändern, auch nicht mit moderner Technologie.

Das verstehe ich auch so. Auf den alten BN CDs (ca. 1987-89, als fast jedes Album auf CD rauskam) gab's ja auch immer diesen Vermerk:


The classic Blue Note albums which span the mid 1950's to late 1960's were recorded directly on to two track analog tape. No multitrack recording was used and consequently no mixing was required. Therefore, this CD was made by transferring the one step analog master to digital.

katharsis
17.05.2012, 16:31
Wie gesagt: Ich kann zu Deiner Platte nichts sagen, ich kenne nur die CD.

Ich bezog mich auf die von Dir angeführten 3000+ Hits, die zu einem großen Teil auf die allmusic-Rezension rekurrieren. In dieser wird behauptet, dass die CD's dieselben Probleme aufweisen, wie bereits die LPs. Das stimmt nicht und das wollte ich noch einmal herausstellen.


Die früheren Aufnahmen von Blakey At Birdland und At The Cafe Bohemia klingen ganz ausgezeichnet. Jazzalben aus dieser Zeit sind ja alle im Grunde "live".

Du meinst damit sicher, dass die Musik an sich 'live' entstand?
Dass die anderen Aufnahmen einwandfrei klingen mag sein, aber ich stelle es mir trotzdem schwierig vor, jedes Mal auf's Neue eine Band in einem Club so aufzunehmen, dass Störgeräusche minimiert und die Musiker gleichberechtigt zu hören sind. Von daher sind etwaige Verzerrungen für mich weitaus natürlicher, als bei einer Studioaufnahme.


Ich vergleiche überhaupt nichts, ich sage nur, dass die CD massive Verzerrungen hat. Und dabei bleibe ich.

Mit dem Äpfel und Birnen-Vergleich wollte ich darauf hinaus, dass es die unterschiedlichsten Pressungen und die unterschiedlichsten CD-Ausgaben gibt, so dass es erst einmal schwer ist, von einer generellen Verzerrung auszugehen, da man ja nicht weiß, welches Medium als Referenz dient.



Nein, das geht nach meinem amateurhaften Verständnis nicht. Das sind ja keine Multi-Track-Aufnahmen, sondern die Musik wurde direkt auf eine Spur eines Magnetbandes aufgenommen wurden. Alle Instrumente befinden sich also auf einer Spur. Da kannst Du nichts mehr neu abmischen, z. B. die Balance der Instrumente verändern, auch nicht mit moderner Technologie.

Das kann ich so nicht nachvollziehen, denn warum gibt es dann (auch aus der Periode, die gypsy im nächsten Post nennt) RVG Remasters, bei denen am Sound gebastelt werden konnte (Höhe, Schärfe, usw.). Das müsste doch dann theoretisch gar nicht gehen?
Wahrscheinlich gehen wir von unterschiedlichen Dingen aus. Dass man Instrumente aus dem Hintergrund nicht nach vorne holen konnte, wenn quasi alles eindimensional aufgenommen wurde, ist mir klar. Aber Lautstärken konnte man ja verändern. Nachdem gerade bei den Jazz Messengers zu hören ist, dass sich die Soli zum Ende hin in ihrer Lautstärke verändern und man bspw. den Beginn oder die Mitte eines Solos als Referenzpunkt genommen hat, die Lautstärke daran anpasste, erscheint es mir schon schlüssig, dass dann in den lauteren Passagen bspw. Verzerrungen zu hören sind. Das ist dann aber dem remastern anzulasten.

gypsy tail wind
17.05.2012, 16:35
Weil RVG wohl etwas mehr machen kann als wir mir unseren Bass- und Treble-Reglern... aber auch nur *etwas* mehr. Filter, die gewisse Frequenzen hervorheben (daher die Höhenlastigkeit), sowas. Mehr ist da nicht drin, an Remix nicht zu denken. So mein beschränkgens Laien-Verständnis von der Sache.

katharsis
17.05.2012, 16:41
Das erklärt aus meiner Sicht aber nicht das positive Echo, mit dem viele der Remasters aufgenommen wurden, gerade was einzelne Instrumente, deren Schärfe und deren Klarheit anbetrifft?
Prinzipiell wundere ich mich ja nur darüber, warum immer wieder hochgelobte Neuausgaben von Sessions aus den 50/60ern herausgebracht werden, wenngleich man da technisch eigentlich nicht wirklich etwas zu verbessern vermag?

gypsy tail wind
17.05.2012, 16:45
Nun, die Zeiten ändern sich, der Loudness War hat wohl auch die Hörgewohnheiten vieler Jazzhörer beeinträchtigt, die weniger agressiv und zurückhaltender klingenden älteren CDs von Ron McMaster (der Namen müsste ja eigentlich fast ein Pseudonym sein, in einem Film fänden dass alle "unrealistisch) entsprechen vermutlich nicht mehr gängigen Vorstellungen.

Dass alles von RVG hochgelobt wird, ist schon etwas verblüffend (und manchmal auch nur die halbe Wahrheit, es gibt durchaus kritische Stimmen). Überhaupt, unabhängig davon, dass RVG einer der wichtigsten Leute hinter dem Jazz der 50er und 60er bleibt und Grosses geleistet hat... es gibt andere, die mindestens so gute Aufnahmen gemacht haben, ich erinnere da immer wieder gerne an Roy DuNann. Die Fixierung auf RVG hängt, so vermute ich, stark mit dem ganzen Hype um den "Mythos" Blue Note zusammen.

katharsis
17.05.2012, 16:49
Naja, der Mythos bezieht sich ja nicht nur auf Blue Note, sondern auch auf etliche Aufnahmen für Prestige, die oft weniger engagiert diskutiert werden. Wie auch immer, ich bin auch nicht der Meinung, dass RVG das nonplusultra ist, aber immerhin hatte er eine recht eigene Philosophie, durch die er vieles in den Vordergund stellte, was andere vielleicht übersehen hätten.

Hier (http://www.stevehoffman.tv/forums/archive/index.php/t-135357.html) findet sich eine ganz interessante Konversation über RVG's Probleme, gerade Blakey aufzunehmen. Interessant ist auch, dass gerade "Free for all" gegen Ende als verzerrt herausgestellt wird.

nail75
17.05.2012, 18:35
Ich bezog mich auf die von Dir angeführten 3000+ Hits, die zu einem großen Teil auf die allmusic-Rezension rekurrieren. In dieser wird behauptet, dass die CD's dieselben Probleme aufweisen, wie bereits die LPs. Das stimmt nicht und das wollte ich noch einmal herausstellen.

Wenn man genauer sucht, findet man da schon noch mehr, beispielsweise bei Amazon.


Du meinst damit sicher, dass die Musik an sich 'live' entstand?


Genau.


Dass die anderen Aufnahmen einwandfrei klingen mag sein, aber ich stelle es mir trotzdem schwierig vor, jedes Mal auf's Neue eine Band in einem Club so aufzunehmen, dass Störgeräusche minimiert und die Musiker gleichberechtigt zu hören sind. Von daher sind etwaige Verzerrungen für mich weitaus natürlicher, als bei einer Studioaufnahme.

Das stimmt sicher. :-)



Das kann ich so nicht nachvollziehen, denn warum gibt es dann (auch aus der Periode, die gypsy im nächsten Post nennt) RVG Remasters, bei denen am Sound gebastelt werden konnte (Höhe, Schärfe, usw.). Das müsste doch dann theoretisch gar nicht gehen?

Doch natürlich, aber zwischen einem Remix und einem Remaster besteht ein fundamentaler Unterschied. Du kannst natürlich die EQ ändern, die Musik lauter machen oder leiser oder komprimieren, aber Du kannst eben nicht wie bei Multitrackaufnahmen quasi die einzelnen Spuren (Instrumente) voneinander trennen und wieder neu zusammensetzen.


Wahrscheinlich gehen wir von unterschiedlichen Dingen aus. Dass man Instrumente aus dem Hintergrund nicht nach vorne holen konnte, wenn quasi alles eindimensional aufgenommen wurde, ist mir klar. Aber Lautstärken konnte man ja verändern.

Die Gesamtlautstärke, ja, nach meinem Verständnis nicht die einzelner Instrumente.


Nachdem gerade bei den Jazz Messengers zu hören ist, dass sich die Soli zum Ende hin in ihrer Lautstärke verändern und man bspw. den Beginn oder die Mitte eines Solos als Referenzpunkt genommen hat, die Lautstärke daran anpasste, erscheint es mir schon schlüssig, dass dann in den lauteren Passagen bspw. Verzerrungen zu hören sind. Das ist dann aber dem remastern anzulasten.

Ich habe mehrere Quellen gefunden, die sagen, dass die Verzerrungen schon auf den Originalbändern existieren. Ich habe aber auch schon Leuten eine Platte vorgespielt, deren Verzerrungen ich für furchtbar halte, und die meinten: "Ich höre nix." bzw. "Stört mich nicht."


Das erklärt aus meiner Sicht aber nicht das positive Echo, mit dem viele der Remasters aufgenommen wurden, gerade was einzelne Instrumente, deren Schärfe und deren Klarheit anbetrifft?


Die RVG-Remaster werden von Audiophilen im Allgemeinen sehr kritisch gesehen (Ausnahmen: Die Liveaufnahmen bzw. die frühen Blues Notes aus den 40ern und frühen 50ern), meiner Ansicht nach zu kritisch. Bei normalen Leuten sind sie sicherlich beliebt, weil sie eine unglaubliche Menge Musik zu günstigen Preisen zugänglich gemacht haben.


Prinzipiell wundere ich mich ja nur darüber, warum immer wieder hochgelobte Neuausgaben von Sessions aus den 50/60ern herausgebracht werden, wenngleich man da technisch eigentlich nicht wirklich etwas zu verbessern vermag?

Ich müsste jetzt wissen, was Du genau mit hochgelobt meinst, aber ich würde grundsätzlich mal nicht davon ausgehen, dass moderne Reissues Bänder die 60+ Jahre alt sind, verbessern können, es sei denn, da ist bei der Originalausgabe etwas furchtbar schiefgelaufen. Die ganz frühen Blue Notes wurden aber nicht auf Magnetband aufgenommen, Blue Note verwendete ja noch spät disc masters - bis in die frühen 50er.

Die Reissues gibt es natürlich, weil niemand Blue Note Originale bezahlen kann. Selbst Reissues aus den 70ern sind absurd teuer. Und selbst wenn man es kann, ist es kaum möglich, diese sehr seltenen Platten in genügender Zahl zu besorgen - das ist ja fast eine Lebensaufgabe. Außerdem besitzen 99% aller Menschen keinen Plattenspieler oder benutzen ihn nicht mehr. Die RVGs stammen ja noch aus einer Zeit, als jeder einen CD-Spieler hatte.

katharsis
17.05.2012, 19:36
Ich habe mehrere Quellen gefunden, die sagen, dass die Verzerrungen schon auf den Originalbändern existieren. Ich habe aber auch schon Leuten eine Platte vorgespielt, deren Verzerrungen ich für furchtbar halte, und die meinten: "Ich höre nix." bzw. "Stört mich nicht."


Ich glaube, dass das der springende Punkt ist. Zum Einen, was das individuelle Gehör und die damit einhergehende Schmerztoleranz eines jeden anbelangt, zum Anderen eben, mit welchem Equipment gehört wird.
Neben den unterschiedlichen Medien, auf die wir uns berufen, haben wir mit Sicherheit auch unterschiedliche Hörgewohnheiten.

Du schreibst es ja auch weiter unten selbst, dass diese und andere Gründe dazu beitragen, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was im Internet geschrieben steht, erst recht nicht, wenn es für alles eine Gegenrede gibt.


Die Frage mit dem Remastering finde ich aber weiterhin spannend, gerade auch vor dem Hintergrund, den Du benennst. Natürlich macht das alles einerseits Sinn. Reduktionistisch betrachtet bleibt einem Engineer dann aber bloß, die Lautstärke zu verändern, die sich auf das gesamte Klangbild auswirkt. Dass man da diffiziler und spezifischer vorgehen kann, zeigen auch andere Ergebnisse.
In diesem Artikel (http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=23355) finden sich durchaus Hinweise, dass man da sehr punktuell rangehen und Einzelergebnisse erzielen kann.
Mehr kann ich dazu auch nicht beitragen, da ich mich bislang auch nie darum gekümmert habe. Ich höre, so gut es geht Vinyl, wenn möglich auch Originales, und CDs werden bei mir lediglich im Auto abgespielt. Sound ist daher nicht sonderlich prioritär.

ferry
17.05.2012, 23:04
Kennst Du denn seine spätere Einspielung auf "Ready for Freddie"?

Ja, die kenne ich. Bei nächster Gelegenheit werde ich auch mal vergleichen, welche Version mir besser gefällt.
Gibt's von "Crisis" eigentlich auch noch eine Live- Version?

katharsis
17.05.2012, 23:39
Ich bin gespannt, was Du berichtest. Ich werde das auch mal versuchen, wüsste gerade selbst keine Antwort.

Eine Live-Version kann ich auch nicht nennen, sorry.

gypsy tail wind
19.05.2012, 00:01
Hab heute nachmittag "The Big Beat" mal wieder gehört - schönes Album, und da find ich eigentlich jedes Stück toll, den Opener "The Chess Players" und ganz besonders "Lester Left Town" mit seiner eingänigen Melodie allen voran, beide von Shorter. Aber auch Bill Hardmans "Politely", Shorters "Sakeena's Vision" und das Arrangement von "It's Only a Paper Moon" gefallen mir - letzteres ist eh ein Standard, den ich gerne öfter hören würde (Bennie Wallace hat ihn auch ganz wunderbar eingespielt). Und dann ist da natürlich noch der schönste von Bobby Timmons' drei grossen Hits, "Dat Dere". Trotzdem ist das eine solide * * * *-Scheibe und nicht mehr, es fehlt der Funke, der die Musik, die Band entzünden würde.

Dann habe ich die ganzen Live-Mitschnitte gehört, die gesammelt auf der Fresh Sound Doppel-CD "Unforgettable Lee! Live at Birdland feature with Art Blakey's Jazz Messengers" zu finden sind, wie so oft nicht dem eigentlichen Leader zugeschrieben (sondern wie der Titel verrät, Mogie).
Da lässt leider die Aufnahmequalität zu wünschen übrig und gemacht wurde gar nichts - Tape-Flips, diese Verzerrungen, wenn ein Tonband rasch auf Tempo gebracht wird oder stoppt... alles drin, die übliche spanische Billig-Produktion halt, die viel zu teuer ist und viel mehr suggeriert, als sie einzuhalten vermag. Aber die Musik ist ebenfalls mindestens solide - ich glaube das ist vielleicht auch ein weiterer Punkt, warum ich mit dem Quintett dieser Zeit nicht so glücklich werde wie mit dem Sextet: denn allen Quintett-Alben kann man gefahrlos * * * * Sterne verpassen, drüber reicht's höchtens bei... ja wo denn? "The Freedom Rider" vielleicht? Oder doch "A Night in Tunisia" und "Like Someone I Love"? Drunter geht's allenfalls mit "Roots and Herbs", "Africaine" (noch von 1959 mit Walter Davis Jr. am Piano) oder "The Witch Doctor" (aber auch da nicht unter * * *1/2, denke ich).

Jetzt hab ich die erste CD von "Meet Me at the Jazz Corner of the World" eingelegt, und der Opener ist schon mal verdammt klasse - heisst "The Opener" und stammt vom verehrten Hank Mobley. Wie die Band da Druck machen kann, das ganze aber umgehend durch die lyrische Linienführung entschärft wird - das ist wie ein fortwährendes Locken, ein Versprechen, eine Hand, nach der man immer wieder zu greifen versucht ist, sie aber doch nicht erreichen kann.
Vielleicht ist neben dem mittelprächtigen Sound der Aufnahme (ich bleibe dabei, aber wie gesagt, ich kenne nur die RVG-CD) auch as Repertoire schuld daran, die drei Mobley-Tunes sind natürlich klasse, sind aber insofern auffällig, als sie eben vom Vorgänger Shorters stammen, der schon seit Sommer 1959 nicht mehr in der Band war (er hatte in der ersten Hälfte des Jahres Benny Golson abgelöst). Daneben gibt's ein Stück von Morgan ("What Know"), Shorters "The Summit", und dann ein paar Standards ("The Breeze and I" von Ernesto Lecuona, "The Things I Love") und dann noch "Round About Midnight", eher ein Missgriff für die Band, oder nicht? Jedenfalls sind die Messengers keine Band, die Monks Musik gerecht werden könnte, sie können sie interpretieren, wie man auch Standards interpretieren kann, und das machen sie bestimmt okay, ein paar andere Monk-Tracks waren ja auch länger im Repertoire... oder war's nur einer, "Evidence" aka "Justice"?
Das spielt wohl alles mit rein, mittelprächtiger Sound, mittelprächtig aufgelegte Band, etwas seltsames Repertoire... aber klasse gemacht ist das natürlich alles. Geht mir irgendwie ähnlich wie bei Cannonball Adderleys zur gleichen Zeit in ähnlichem Masse wachsenden Diskographie: alles solide, gut gemacht, tolle Band... aber richtig zünden kann das eben nicht jedes Mal.

Adderleys Stimme liebe ich allerdings so sehr und sie ist in seiner Band so präsent, dass es mich weniger stört, wenn sonst mal eher Flaute oder Routine herrscht... das kann ich von Lee Morgan zwar auch sagen, aber er ist niemals so präsent in den Messengers... und Shorter ist selbstverständlich auch immer hörenswert und am Ende mit Sicherheit der wichtigste Messenger dieser ganzen Jahre, also 1959-64, aber seine Stimme ist nicht eine, die mich direkt im Herz, im Bauch anspricht, sondern eine, die oft etwas mehr Aufmerksamkeit fordert - was ihn ja gerade auszeichnet in diesem Rahmen.

ferry
20.05.2012, 22:42
Hab heute nachmittag "The Big Beat" mal wieder gehört - schönes Album, und da find ich eigentlich jedes Stück toll, den Opener "The Chess Players" und ganz besonders "Lester Left Town" mit seiner eingänigen Melodie allen voran, beide von Shorter. Aber auch Bill Hardmans "Politely", Shorters "Sakeena's Vision" und das Arrangement von "It's Only a Paper Moon" gefallen mir - letzteres ist eh ein Standard, den ich gerne öfter hören würde (Bennie Wallace hat ihn auch ganz wunderbar eingespielt). Und dann ist da natürlich noch der schönste von Bobby Timmons' drei grossen Hits, "Dat Dere". Trotzdem ist das eine solide * * * *-Scheibe und nicht mehr, es fehlt der Funke, der die Musik, die Band entzünden würde.


Das höre ich ähnlich, gypsy. Alles tolle, aber eher nicht herausragende Stücke ergeben bei mir **** + "Dat Dere"= knappe ****1/2. ;-)

@katharsis:
Schade, dass es von "Crisis" keine Live- Version gibt!

Ich habe die beiden Studio- Versionen jetzt mal verglichen.
Am Ende hat die Version von "Ready for Freddie" die Nase vorne!
Das hätte man sich ja vielleicht schon im Vorhinein denken können, denn auf dem Papier ist die Band mit Elvin Jones und McCoy Tyner auf diesen Positionen ja augenscheinlich besser besetzt.
Aber so eindeutig fällt der Vergleich dann doch nicht aus. Ich finde, dass Blakey dem Stück einen ganz eindeutigen, individuellen und überzeugenden Stempel aufdrückt. Das Stück empfinde ich auch in dieser Version auch als etwas prägnanter.
Bei Cedar Walton vs. McCoy Tyner fällt die Entscheidung doch eindeutiger aus.
Die Bassline von Jymie Merritt gefällt mir hingegen besser als die von Art Davis.
Diese Punkte sind mir hauptsächlich aufgefallen, die anderen Soli möchte ich jetzt nicht mehr auf die Goldwaage legen.
Beiden Versionen würde ich fünf Sterne geben. Am Ende gibt aber das Schlagzeugsolo von Elvin Jones den Ausschlag: sein Solo finde ich musikalisch so überzeugend, dass mir die Version auf "Ready for Freddie" doch etwas besser gefällt.

alexischicke
17.06.2012, 16:03
mögt ihr die Platte Caraven von Blakey? Ich intressiere mich für diese Zeit von Blakey und für den späten Blakey.

alexischicke
17.06.2012, 23:28
Scherzkeks ist er auch der Blakey...

http://www.youtube.com/watch?v=GZ1CU0ij0w8

alexischicke
18.06.2012, 22:48
Hatte Blakey Hörprobleme?

nail75
18.06.2012, 23:00
mögt ihr die Platte Caraven von Blakey?

Die Platte heißt Caravan und sie ist ganz gut.


Hatte Blakey Hörprobleme?

Keine Ahnung.

gypsy tail wind
18.06.2012, 23:07
Jolifanto bambla... und die Karawane zieht weiter :party:

nail75
18.06.2012, 23:18
Jolifanto bambla...

blago bung blago bung

alexischicke
18.06.2012, 23:20
Das Stück von 84 klingt er nicht so gut.

ferry
19.06.2012, 23:13
Ich hab mir jetzt (nichtsahnend) die "Live in Seattle" gekauft.
Eigentlich gar nicht so schlecht, die Platte! ;-)

(Vielleicht wir das mit mir und dem Free Jazz ja doch noch was)

redbeansandrice
19.06.2012, 23:29
was ist das? (also, "Live in Seattle", welche band, wann, find auf die schnelle nichts dazu)

nail75
19.06.2012, 23:40
was ist das? (also, "Live in Seattle", welche band, wann, find auf die schnelle nichts dazu)

Coltrane?

gypsy tail wind
19.06.2012, 23:46
Coltrane?

Würd ich vermuten - sehr schön, wenn die gefällt, ferry! Die Meldung darf auch in JEDEM Thread erfolgen, sie ist toll genug! :-)
Ohne Enthusiamus dämpfen zu wollen: die 2CD-Ausgabe ist dringend nötig in diesem Fall! Auch sie ist nicht komplett (das restliche Material ist im Umlauf - bei Interesse gerne PN).

nail75
19.06.2012, 23:56
Schreib mir bitte, gypsy. :-)

ferry
20.06.2012, 08:00
was ist das? (also, "Live in Seattle", welche band, wann, find auf die schnelle nichts dazu)


Coltrane?

Upps.
Gestern Abend war ich anscheinend schon sehr müde, und habe den falschen Thread erwischt. Das Posting sollte eigentlich im John Coltrane- Thread landen.


Würd ich vermuten - sehr schön, wenn die gefällt, ferry! Die Meldung darf auch in JEDEM Thread erfolgen, sie ist toll genug! :-)
Ohne Enthusiamus dämpfen zu wollen: die 2CD-Ausgabe ist dringend nötig in diesem Fall! Auch sie ist nicht komplett (das restliche Material ist im Umlauf - bei Interesse gerne PN).

PN folgt!

ferry
04.06.2013, 20:50
Die Jazz Messengers haben ja in der Phase mit Wynton Marsalis (beeep ;-) ) auch eine Version von "Free for All" aufgenommen.

https://www.youtube.com/watch?v=q1aeqgsfKlY

Recorded at Bubba's Jazz Restaurant
Fort Lauderdale, Florida
October 11, 1980

Bass – Charles Fambrough
Piano – Jimmy Williams
Saxophone – Billy Pierce
Trumpet – Wynton Marsalis

Das Spiel von Art Blakey war in dieser Zeit nicht mehr so heiss, aber die Sideman machen ihre Sache doch wirklich sehr gut!

gypsy tail wind
04.06.2013, 20:57
Yep, aus Wynton hätte was werden können ;-)

Clau
04.06.2013, 21:46
Was habt ihr gegen Wynton Marsalis? Ich habe ihn vor Jahren mit dem Lincoln Center Jazz Orchestra gesehen, das war enorm energiegeladen sehr beeindruckend.

gypsy tail wind
04.06.2013, 22:08
Ach, ich dachte, Du schreibst: "Aber es ist doch was aus ihm geworden!" - Meine Antwort darauf würde lauten: ja, der Nachtwächter (und Kassenwart) eines paläozoologischen Museums.

ferry
04.06.2013, 22:41
@clau
Da geht es nicht primär um die Musik, sondern um die Ideologie, die er vertritt (eine Diskussion ist glaub ich relativ am Anfang des "Fragen und Empfehlungen"- Threads zu finden). Was sich natürlich auch auf seine Musik auswirkt, aber da kann ich gar nicht mitreden.

gypsy tail wind
05.06.2013, 00:19
Doch doch, es geht auch um die Musik - die ist eben museal, retro. Und das steht dem lebendigen Jazz (den es in vielen kleinen Nischen gibt) diametral entgegen. Und da kommt die Politik ins Spiel ... denn Marsalis verfügt über ein grosses Budget und eine nicht zu vernachlässigende Definitionsmacht (siehe Ken Burns) und auch über eine schlagkräftige (buchstäblich) Kavallerie (Stanley Crouch).

Er ist technisch gewiss kein schlechter Trompeter, aber er *spielt* oft nicht richtig, auch wenn er spielt, ist in irgendwelchen Konzepten gefangen und verheddert sich in langfädigen, kompositorisch unergiebigen Monsterwerken etc.

Die JALC-Konzerte sind gewiss gut, aber auch da herrscht eine nicht zu übersehende Einseitigkeit vor (welche Alten werden eingeladen, welche nicht, welche Stile werden gespielt, welche nicht - der Jazz endet ja bekanntlich 1964, darum auch der Spruch mit dem paläozoologischen Museum oben). Da wird Repertoire gepflegt und das von einem kompetenten Orchester, das die Sache recht überzeugend präsentiert, aber viel mehr ist da nicht dabei. Wenn ein paar alte Grössen dadurch zu ein paar Dollar kommen, ist nichts einzuwenden - aber eben: viele gehen leer aus, weil sie nicht ins Konzept der Farbmuster passen.

Zudem gab es bessere Repertoire-Orchester, die aber nie die grosse Finanzmacht im Rücken hatte, wie Direktor Marsalis (pardon, das heisst heute wohl CEO) sie hat - ich denke da ganz konkret an die sehr feine Carnegie Hall Jazz Band, die aber längst ihre Fahnen streichen musste - weil kein Geld da war.

Es ist das Gemisch aus all dem, was mich stört. Vieles davon hab ich schon mehrfach angesprochen, eigentlich ist längst alles gesagt, das Thema ist langweilig - und ob Wynton derzeit noch viel macht, weiss ich nicht ... auf Dime gab's schon lange keine neuen JALC-Mitschnitte mehr, seine Alben-Flut ist ja glücklicherweise schon länger auf einen normalen Pegelstand gesunken ... und wenn er mal im Club nebenan spielt, lohnte sich ein Besuch vermutlich schon - aber das scheint er nur in Paris zu machen, soweit ich weiss.

alexischicke
09.06.2013, 14:34
Blakey hat Marsalis zu dem großen Star gemacht welcher er heute ist. Joachim Ernst Berendt hat ihm ja mal mit Dizzy Gillespie verglichen.