Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chronological Coltrane
redbeansandrice
10.05.2010, 15:43
dachte ich stell das mal zur Diskussion... es gibt ja die bekannte (und alles in allem sicherlich nicht von der Hand zu weisende) Geschichte, dass Coltrane bei Miles anfing zu sich zu finden, dann bei Monk so richtig über sich hinauswuchs und dann der Coltrane, den wir alle kennen und schätzen, war, als er für Kind of Blue zu Miles zurückkehrte...
aber ist es nicht auch so, dass Coltrane seinen charakteristischen Sound schon von Anfang an hatte, das er bereits "von Beginn an" (jedenfalls 1955) zweifelsfrei als John Coltrane zu erkennen war? hier (http://www.deezer.com/de/#music/dizzy-gillespie-friends/bebop-story-vol-20-528153), Track 15ff kann man Coltrane 1951 mit Dizzy Gillespie hören, teilweise am Altsaxophon, nicht auf allen Stücken als Solist, ein Solo ist zB auf "We love to boogie" ab 1:20... ist das schon sein Sound, oder ist das mein Wunschdenken?
edit: kurzer hinweis, dass der holprige einstieg daher kommt, da all das hier seinerzeit als off-topic aus dem coltrane thread entfernt wurden...
gypsy tail wind
10.05.2010, 16:44
Ich glaub es gibt auch welche, die die paar Monate mit Jimmy Smith sehr stark gewichten...
Hab die frühen Aufnahmen überhaupt nicht präsent (mit Hodges gibt's ja auch noch das eine oder andere, aber ohne oder nur mit ganze wenigen Soli).
Wie ich mich erinnere fand ich aber den "reifen" Coltrane-Sound zum ersten mal auf "Mating Call", da klingt er zum ersten Mal richtig gut! Zumindest fand ich das so, als ich mich zuletzt ausgiebig mit Coltrane beschäftigte (das ist Jahre her... aber bald ist ja wieder Zeit für die jährliche orgiastische "Ascension"-Hörerei! :dance: )
redbeansandrice
10.05.2010, 16:49
Dameron ist nach den Alben des ersten Miles Quintets, oder? (steht zumindest überall wo ich grad gucke so, auch wenn es gegen mein Gedächtnis ist...) trotzdem?
gypsy tail wind
10.05.2010, 17:11
Ja, nach Miles (wo Coltrane noch unruhig und rauh klingt).
Nehme aber an, dass du weniger den Gesamteindruck meinst als den eigentlichen Sound auf dem Sax, oder?
redbeansandrice
10.05.2010, 17:43
Ja, nach Miles (wo Coltrane noch unruhig und rauh klingt).
Nehme aber an, dass du weniger den Gesamteindruck meinst als den eigentlichen Sound auf dem Sax, oder?
jein, ich meinte eigentlich am meisten, dass man ihn schon mehr oder weniger sicher als Coltrane identifizieren kann - und vermutete, dass der Sound auf dem Sax dazu das meistbeiträgt...
jein, ich meinte eigentlich am meisten, dass man ihn schon mehr oder weniger sicher als Coltrane identifizieren kann - und vermutete, dass der Sound auf dem Sax dazu das meistbeiträgt...
Das kann ich durchaus nachvollziehen. Coltrane gewann sicherlich noch an Sicherheit, Ausdrucksstärke, u.a. hinzu, aber grundsätzlich kann man ihn schon erkennen.
gypsy tail wind
10.05.2010, 23:08
Kann man ihn da (#15, Link oben) echt erkennen?
Könnte das nicht auch Golson mit Halsweh sein? Oder Stitt mit ein paar klemmenden Klappen? Worauf ich hinauswill: wir alle kennen Coltrane in und auswendig und wissen um seine eher verhaltenen Anfänge... er klingt hier holprig und rauh, genau so wie ein paar Jahre bei den ersten Sessions mit Miles immer noch. Also ich frage mich, ob wir uns da nicht etwas vormachen... ich glaub das könnte irgendeiner gewesen sein, und zwar eher an einem schlechten als an einem guten Tag! Aber ich bin eh kein Fan dieser Dizzy-Periode (ca. 50-53 oder so, dann wurde er von Norman Granz wieder aus der Versenkung geholt).
gypsy tail wind
10.05.2010, 23:44
In Ergänzung... hab jetzt grad "Odyssey" hervorgeholt, das 3CD Set mit den Savoy- und DeeGee-Aufnahmen, um mir das ganze nach den Streams noch in annehmbarer Qualtität anzuhören.
Schlecht ist das alles nicht, Bags ist gut an den Vibes (am Piano wird er stellenweise zur Karikatur), Dizzy ist allerdings nicht so wirklich in Form, und Coltrane... na ja. Dexter Gordon fiel mir vorhin nicht ein, aber mit ihm vergleicht ihn Dan Morgenstern in seinen Liner Notes.
Zu "We Love to Boogie": "...a taste of Coltrane in his Dexter Gordon stage".
Auf "Birk's Works" hat Kenny Burrell ein hübsches kleines Solo.
(Die ersten drei Stücke - #15-17 auf deezer - sind nicht auf "Odyssey", sie stammen von einem Radio-Broadcast.)
redbeansandrice
11.05.2010, 11:21
hier (http://www.deezer.com/de/music/playlist/tenor-1951-43785504) hab ich mal verschiedene Tenoristen von 1951 gesammelt (außer bei Dexter Gordon wo ich was aus 1947 genommen hab...); James Moody, Wardell Gray, Dexter Gordon, Sonny Stitt, Sonny Rollins, und dann dreimal Coltrane, zweimal 1951 und einmal 1955... leider fehlen mir Zeit und noch viel mehr Wissen um hier wirklich was zu sagen... um mich mal aus dem Fenster zu lehnen: Moody ist wenig überaschend eine völlig andere Baustelle, ich hör Coltrane glaub ich vom Ton her am nächsten bei Stitt, vom Vokabular vielleicht auch bei Gordon - und das Vokabular scheint mir auch der größte Unterschied zwischen Coltrane '51 und Coltrane '55 zu sein, 1955 ist er etwas unbalanciert, das hör ich auch so, aber das würd ich klar einem Suchprozess zuschreiben - er klingt nicht epigonaler als etwas später, nur weniger ausgereift... beim Ton würd ich aber glaub ich drauf beharren, dass da auch 1951 schon ein gutes Stückchen Individualität ist... Rollins '51 ist ganz klar der mutigste der Solisten, war mir so nicht klar, dass der schon so weit war damals... ihn hör ich glaub ich vom Ton her noch am nächsten bei Gray... wär toll, das alles richtig zu verstehen...
die Downbeat Leser Polls (http://www.downbeat.com/default.asp?sect=cpollindex) hat in diesen Jahren (1950-72 mit vier, fünf Ausnahmen) übrigens immer Stan Getz gewonnen... wusst gar nicht, dass man sich immerhin die Gewinner online ansehen kann...
gypsy tail wind
11.05.2010, 11:31
Ja, ich würde mal behaupten bis zu seinem ersten "sabbatical" zwischen 1959 und 1961 war Rollins DER grosse Tenorsaxer. So gern ich Coltranes frühe Alben auch mag, in der Zeit um 56/57 war er keine Konkurrenz für Rollins! Und auch danach... 58/59 gibt's ja wenige Aufnahmen, erst mit den Atlantic-Alben scheint er seinen Weg wirklich zu gehen (und nicht mehr nach dem Weg zu suchen).
Das soll jetzt nicht heissen, dass manche seiner Alben von 1957 nicht grosse Klasse sind (etwa "Blue Train", "Traneing In", "Soultrane", "Settin' the Pace" - das wären wohl meine Favoriten, zusammen mit der späteren Zusammenstellung "The Last Trane", "Lush Life" kurz dahinter). Aber wenn man die mit Rollins "Plus Four", "Way Out West", Blue Note "Vol. 2" und "Newk's Time" oder besonders "Saxophone Colossus", "Freedom Suite" und "Live at the Village Vanguard" vergleicht, dann fällt Coltrane für mich ziemlich ab! (Und ich sage das als erklärter Anhänger der Church of Trane!)
Ergänzung: eine der ersten (die erste?) Sessions von Rollins ist das Blue Note Quintett mit Navarro, unter Leitung von Bud Powell - dort spielt er möglicherweise das erste reine Bebop-Tenor und ist unheimlich gut, als 18 oder 19 jähriger! Hör dir das mal an! Da ist der ganze Swing/Hawkins/Byas/Berry/Webster/Brothers-Ballast abgeworfen, eine ganz frische Stimme meldet sich da!
Die etwas späteren Sessions (also die frühen auf Prestige) habe ich derzeit nicht sehr präsent, die muss ich auch mal wiederhören, aber ich glaub die Leiden etwas unter den Settings (MJQ, schwerfällige Posaunen).
redbeansandrice
11.05.2010, 11:47
in der Tat, man fragt sich, was diese Leute die erste Hälfte der 50er Jahre gemacht haben... hab die Session von The Amazing Bud Powell grad nochmal gehört, und da ist Rollins nun wirklich beeindruckend (7-10 hier (http://www.deezer.com/de/#music/bud-powell/complete-jazz-series-1949-1950-417687)); dann hab ich aber als unfairen Vergleich die Bud Powell/Sonny Stitt Sessions von wenige Monate später angefangen - die gefallen mir glaub ich fast noch besser... (17 bis Ende hier (http://www.deezer.com/de/#music/sonny-stitt/complete-jazz-series-1946-1950-419015))
gypsy tail wind
11.05.2010, 12:13
Ja, Stitt/Powell ist natürlich was für die einsame Insel!
Das ist dann auf dem Niveau von "Love Supreme" und "Crescent" bzw. "Live at the Village Vanguard" und "Saxophone Colossus"!
Und Stitt auf dem Tenor ist ja schon einer der grossen Bopper... auf dem Alt auch, aber da gefällt er mir nicht ganz so gut und steht halt schon arg unter Birds Einfluss (z.B. auf den Sessions mit Dizzy).
Aber Stitt war ja einer der wichtigen Coltrane-Einflüsse!
Earl Bostic und Johnny Hodges wurden ja noch nicht genannt, aber auch die scheinen wichtig gewesen zu sein! Ist zwar schwierig, sich das wirklich vorzustellen, aber irgendwie... Coltrane klingt ja oft auch fast nach Altsax, vielleicht hat das damit zu tun? Wo man seine "Stimme" hört?
redbeansandrice
11.05.2010, 12:18
womit fängt man bei Bostic am besten an? grad um den möglichen EInfluss auf Coltrane zu hören?
gypsy tail wind
11.05.2010, 12:34
Keine Ahnung... hab nur eine Blues Classics, 1952-1953.
Ich glaub Definitive hat mal eine Compilation gemacht, damit vielleicht? Ob man da Trane irgendwo zu hören kriegt weiss ich nicht mal.
Hier ein Auszug aus Bruynickx' kleiner Biographie:
Although most of his recordings were aimed at the pop market, Earl was an extraordinary musician who must be considered as one of the great swing alto players. He was a powerful musician blowing with a fiery temperament. This dynamic playing was even accentuated in the recording studios where slight echo was added behind the solo work. However this technique used to commercialize his records was not really necessary because Earl had a tremendous swing and put a lyrical beauty in his work, that resulted in ravishing phrases full of strength and beauty. He could make his alto sing like no one else ever did and one doesn't get tired of listening to his recordings. Aside of his King recordings there are also many other proofs of his great talent recorded as a sideman.
Coltrane war an den Sessions 1952-04-07 und 1952-08-15 beteiligt. Als er ging stiessen übrigens Blue Mitchell sowie Tommy & Stanley Turrentine dazu (alle ab 1953-06-06 für mehrere Sessions, Mitchell zudem auch schon 1952-12-17).
Auf meiner Classics sind genau diese Sessions drauf: zuerst die mit Coltrane, dann die mit Blue Mitchell, dann noch drei mit Mitchell und den Turrentines (auf den letzten beiden spielt übrigens Granville T. Hogan Schlagzeug)
redbeansandrice
11.05.2010, 12:54
danke! werd mal sehen, was ich find (also, deezer ist voll, man muss sich nur zurechtfinden...)
die Downbeat Leser-Polls der dreißiger und vierziger Jahre anzusehen ist im übrigen auch ganz interessant, Coleman Hawkins und Lester Young haben die Tenorkategorie je einmal gewonnen, Chu Berry auch, ansonsten war vor Getz im wesentlichen zwei Jahre Flip Philips, davor ein paar Mal Vido Musso, der Tex Beneke abgelöst hat... Bud Freeman, Charlie Ventura, Eddie Miller haben auch mal gewonnen...
gypsy tail wind
11.05.2010, 16:59
Diese 52/53er Classics ist Vol. 4 in der Reihe.
Die Coltrane-Session enthält You Go to My Head, The Hour of Parting, Smoke Gets In Your Eyes und For You.
Ich bin jetzt am hören, bin bereits in der zweiten Session (mit Mitchell, ohne Trane). Bostic schmiert und balzt... keine hübsche Sache, Jukebox-Musik, sehr gefällig und ohne grosse Ansprüche, aber doch sehr sehr gut gemacht, sehr kompakt und satt arrangiert, da ist keine Sekunde von Zögerlichkeit zu spüren, kein leeres Schlucken oder so... auffällig ist die Präsenz eines Vibraphons in der Begleitung, das macht's noch ein klein wenig speziell und gefällt mir sehr (Gene Redd heisst der Mann, ist aber nur auf diesen ersten beiden Sessions - Gitarre gibt's auch, aber kaum hörbar, von Harold Grant, Mickey Baker, Herman Mitchell, Charles Grayson, Clarnece Kenner - auf jeder der fünf Sessions ein anderer.)
Ja, ich würde mal behaupten bis zu seinem ersten "sabbatical" zwischen 1959 und 1961 war Rollins DER grosse Tenorsaxer. So gern ich Coltranes frühe Alben auch mag, in der Zeit um 56/57 war er keine Konkurrenz für Rollins! Und auch danach... 58/59 gibt's ja wenige Aufnahmen, erst mit den Atlantic-Alben scheint er seinen Weg wirklich zu gehen (und nicht mehr nach dem Weg zu suchen).
Das soll jetzt nicht heissen, dass manche seiner Alben von 1957 nicht grosse Klasse sind (etwa "Blue Train", "Traneing In", "Soultrane", "Settin' the Pace" - das wären wohl meine Favoriten, zusammen mit der späteren Zusammenstellung "The Last Trane", "Lush Life" kurz dahinter). Aber wenn man die mit Rollins "Plus Four", "Way Out West", Blue Note "Vol. 2" und "Newk's Time" oder besonders "Saxophone Colossus", "Freedom Suite" und "Live at the Village Vanguard" vergleicht, dann fällt Coltrane für mich ziemlich ab! (Und ich sage das als erklärter Anhänger der Church of Trane!)
Sonny Rollins hat auf jeden Fall eine Menge Anerkennung verdient, er hat Herausragendes geleistet in diesen wenigen Jahren. (Das konnte man damals wohl auch nur ernsthaft verfolgen, wenn man in New York gewohnt hat oder so ;-))
redbeansandrice
11.05.2010, 17:10
und wenn man dann noch einrechnet, wofür Coltrane das dort verdiente Geld ausgegeben hat... das ist ja wirklich unangenehme Musik, also ich kann mich immer eine halbe Sekunde drauf konzentrieren, dass das schon gut gemacht, hübsch arrangiert, ist, aber dann... so als würd einen einer kitzeln, sehr aufdringlich (also, hab jetzt You go to my head und Hour of Parting einmal von hier (http://www.deezer.com/de/#music/various/magic-bostic-42916) gehört), weiß nicht, ob das die richtigen Versionen sind, weitere Bläser sind nicht zu hören, aber Bostic reicht auch völlig - das hat Coltrane aber nicht eins zu eins übernommen :lol:
hab irgendwo weiter oben ja schonmal meine Überzeugung kund getan, dass für mich die Atlantic Alben nicht besser sind als die Prestige, Impulse ist dann ein anderer Level, Prestige sind die Forscheralben, Atlantic sind die Prototypen, Impulse die fertigen Produkte...
Was hast Du denn, das sind doch schöne Jazz-Parodien!
Erinnert mich irgendwie daran:
http://www.youtube.com/watch?v=jT3_UCm1A5I
------------
Für mich sind die Atlantic-Alben klar besser als die Prestige Alben, ganz besonders Giant Steps und My Favorite Things.
redbeansandrice
11.05.2010, 17:23
Was hast Du denn, das sind doch schöne Jazz-Parodien!
Erinnert mich irgendwie daran:
http://www.youtube.com/watch?v=jT3_UCm1A5I
------------
Für mich sind die Atlantic-Alben klar besser als die Prestige Alben, ganz besonders Giant Steps und My Favorite Things.
gut gesehen, was das Video betrifft... werd die Atlantics wohl nochmal hören müssen, My Favorite Things hat mich bei den drei, vier Versuchen vergleichsweise wenig überzeugt, Coltrane's Sound aus den gleichen Sessions schon eher... und Giant Steps ist mir irgendwie zu dicht, das Album meint ich vor allem in Sachen Prototyp, weiß nicht, sowas wie eine frisch eingerichtete Wohnung, wenn er danach nichts mehr gemacht hätte, wär das was anderes, aber so, hör ich lieber Crescent... oder die besseren der unambitionierteren Prestige Alben, die atmospärisch gelungener sind...
gypsy tail wind
11.05.2010, 17:28
Ja, ich find die Atlantics irgendwie auch eine Spur besser, allerdings ist das mit Forscheralben und Prototypen ein ziemlich guter Vergleich find ich.
Aber "My Favorite Things", "Coltrane's Sound", "Plays the Blues" und "Olé" sind alles schon Klassiker für mich! "Giant Steps" und das unterschätzte "Coltrane Jazz" stehen denen nur in wenig nach!
Ich denke der Unterschied liegt - einmal mehr - im Konzept: auch Coltrane hat bei Prestige "mal wieder rasch ein Album gemacht", während bei Atlantic viel mehr eigene Stücke aufgenommen wurden (u.a. jene mit seinen berühmten krassen Changes wie "Giant Steps" und "Spiral", das ich fast noch eindrücklicher finde) und viel mehr in die Programmierung/Konzipierung der Alben investiert wurde, wie mir scheint.
Ich gebe dir also insofern recht, dass Coltrane vielleicht noch nicht viel weiter war, dass er auch auf Prestige schon solche Alben hätte machen können, wenn Weinstock ihn gelassen oder ermutigt hätte - aber die fertigen Alben als Produkte unterscheiden sich dann schon!
gypsy tail wind
11.05.2010, 17:30
gut gesehen, was das Video betrifft... werd die Atlantics wohl nochmal hören müssen, My Favorite Things hat mich bei den drei, vier Versuchen vergleichsweise wenig überzeugt, Coltrane's Sound aus den gleichen Sessions schon eher... und Giant Steps ist mir irgendwie zu dicht, das Album meint ich vor allem in Sachen Prototyp, weiß nicht, sowas wie eine frisch eingerichtete Wohnung, wenn er danach nichts mehr gemacht hätte, wär das was anderes, aber so, hör ich lieber Crescent... oder die besseren der unambitionierteren Prestige Alben, die atmospärisch gelungener sind...
Interessant, aber für einmal scheint da bei mir das Box-Set viel besser zu funktionieren als die einzelnen Alben!
Wenn man die ganzen Oktober 1960 Sessions am Stück hört, dann find ich das unglaublich frische Musik, wie Coltrane sie bei Prestige schon rein von der Atmosphäre her nie gemacht hat - daran haben Tyner und Jones sicher einen grossen Anteil, denn sie klingen einfach anders, neu, im Vergleich mit Garland/Chambers/Taylor. (Chambers war allerdings ein viel eindrücklicherer Bassist als Steve Davis, den man ja sonst kaum kennt, der war irgendwie mit Coltrane verwandt, glaub ich.)
redbeansandrice
11.05.2010, 17:38
Ich gebe dir also insofern recht, dass Coltrane vielleicht noch nicht viel weiter war, dass er auch auf Prestige schon solche Alben hätte machen können, wenn Weinstock ihn gelassen oder ermutigt hätte - aber die fertigen Alben als Produkte unterscheiden sich dann schon!
Coltrane Jazz kenn ich noch nicht, Olé hatt ich grad übersehen, das ist natürlich phänomenal... ja, ist komisch mit den Prestige Alben... ist ja nicht so dass es keine Eigenkompositionen gäbe, es gibt auch schöne Stücke jenseits der Standards (Cal Massey, Alonzo Levister...) die ihm wohl kaum Weinstock aufgedrückt hat?, aber irgendwie... man müsste wohl ein bißchen lesen, sieht jedenfalls nicht so aus, als hätt er da keine eigenen Stücke bringen dürfen... Bass Blues zum Beispiel find ich ziemlich gut... aber es ist kein Giant Steps...
lotterlotta
12.05.2010, 09:02
mmh, interessante diskussion, denke allerdings etwas anders über coltranes prestige-jahre. er war schon zu prestige-zeiten eindeutig der überragende, alles in den schatten stellende saxophonist, was aber nicht unbedingt auf seinen eigenen für prestige eingespielten scheiben deutlich wird sondern eher in den aufnahmen mit miles davis. nachdem er bei miles rausflog und mit monk spielte ging es nur noch um spiritualität und nicht mehr um spieltechnische entwicklung.
...und rollins sollte man nicht mit coltrane vergleichen, find ich , zwei völlig unterschiedliche welten!
gypsy tail wind
12.05.2010, 09:19
Na, aber wenn du Coltrane für die überragende Figur hältst vergleichst du ihn ja zwangsläufig auch mit Rollins :-)
Im ernst, hältst du "Soultrane" oder "Traneing In" für auch nur annähernd so bedeutende Alben wie jene, die Rollins in derselben Zeit gemacht hat?
Oder eben "nur" die "Milestones" und "Kind of Blue" (die waren ja dann schon später, als KoB erschien war Rollins wohl bereits weg oder kurz vor dem Rückzug). Auf den beiden Alben sowie der 1958er Session von "JazzTrack" ist Coltrane natürlich in der Tat schon DER Saxophonist der Ära, aber auf seinen eigenen Alben wird das für mich eben erst mit "Giant Steps" und noch klarer mit den Oktober 1960er Sessions und "Olé Coltrane" deutlich hörbar.
lotterlotta
12.05.2010, 10:24
training in und auch soultrain sind zwei ganz hervorragende alben, ebnso wie saxophon colossus ein hervorragendes album ist.
rollins hat eine gänzlich andere spielweise, druckvoller würd ich mal sagen, coltrane empfinde ich als verspielter, feiner in der ausdrucksform, kurzum coltrane steht mir persönlich näher als rollins ( hab da auch nur die prestigebox und 5 rca alben).
und bei den alben mit miles mein ich cookin', steamin' ,relaxin' und workin' auf denen coltrane schon in absoluter vollendung spielt...
für mich ein niveau das er auf den atlantic-scheiben nicht mehr zeigt weil sie schon mehr sinnsuche sind als spieltechnische verbesserung, übergangsalben zum eigenen universum in das er sich bei impulse spielte.
zu seinen anderen prestigealben, nur so viel:
wurden alben in einer session eingespielt sind sie absolut überragend und stimmig, nur leider wurden einige vö aber zusammengestückelt, wobei auch teilweise der zeitliche abstand zu weit auseinander liegt.
noch ein kleiner nachtrag:
auch die einspielungen mit monk sind meines erachtens besser als die meisten atlantic-scheiben, dort sind meines erachtens nur my favorite things und giant steps allerhöchstes niveau die aber nicht die oben genannten miles-alben erreichen. olè ist natürlich auch ein großartiges in sich geschlossenes album und gehört zu den atlanticalben die ich gelegentlich von ihm noch höre.
gypsy tail wind
12.05.2010, 10:29
Na ja, da sind wir wohl anderer Meinung: ich höre bei den Prestige-Alben von Miles zwar einen grossen Musiker aber eben auch noch einen ungeschliffenen, suchenden, der sich durchaus auch hie und da verirrt. Einen ungeschliffenen Rohdiamanten, könnte man sagen... die Vollendung höre ich dann z.B. in Coltrane's unglaublichem Solo in "Flamenco Sketches", wo er alle anderen in den Schatten stellt mit seinem subtilen Spiel... wie er die Übergänge in die nächste Skala anzeigt, nur mit Bewegung im Spiel, nicht wie Adderley, der recht konventionell "moduliert", das hat unglaubliche Klasse und klingt auch heute noch absolut frisch!
redbeansandrice
12.05.2010, 10:44
ich hab jetzt nochmal Tranein' In, Way Out West und Giant Steps gehört und fühl mich eigentlich bestätigt... denn vor Giant Steps hätte Rollins zu Coltrane sagen können, "Das ist ja alles Kinderkacke, technisch gesehen, hör mal hier...", ab "Giant Steps" kehrte sich das um... aber wie schon gesagt, Giant Steps ist mir zu dicht, die Rasanz ist natürlich wirklich beeindruckend, auf Tranein' In ist er nicht sooo viel weniger weit fortgeschritten, aber dafür an Schönheit kaum zu übertreffen (Paul Chambers, auf diesem Album klar der wichtigste Sideman trägt auch viel dazu bei...); die Kompositionen auf Giant Steps sind natürlich Wahnsinn, alles Hits sozusagen, Spiral hatt ich nicht mehr im Ohr gehabt, das ist in der Tat grandios, Giant Steps, Naima, Syeeda's Flute Song... aber Tranein' In ist dafür vielleicht balancierter vom Material her, Slow Dance (von Mingus ehemaligem Assistenten Alonzo Levister) ist eine ungewöhnlich tolle Ballade, Bass Blues ist eine wunderbar einfache Komposition - sowas schafft Luft, Soft Lights and Sweet Music ist dann so eine radikale Neuinterpretation, dass man fast von einem neuen Stück sprechen kann (vgl hier (http://www.deezer.com/de/#music/bobby-hackett/complete-in-a-mellow-mood-soft-lights-sessions-412790) zB)... und dazwischen kann man dann ruhig auch mal eine Ballade wie You Leave me Breathless spielen...
(Tranein' In hör ich eigentlich immer erst ab dem zweiten Stück... so ist es mein liebstes Coltrane-Prestige-Album, nur leider etwas kurz..., kann man sich hier (http://www.deezer.com/de/#music/various-artists/modern-jazz-the-world-s-greatest-jazz-collection-vol-60-527920) zusammensuchen)
stimme zu, das in erster Näherung die aus einem Guss aufgenommenen Prestige Alben (Tranein In, Soultrane, Dameron's Mating Call, das mit Little Melonae drauf) die stärkeren sind, auch wenn ich zB Lush Life auch sehr gerne mag...
für mich ist Coltrane ein suchender Künstler, ein Album wie Giant Steps, auf dem er Zwischenbilanz zieht ("Mit den neuen Methoden könnte man jetzt zB ein perfektes und vollkommen neuartiges Album wie dies hier aufnehmen", kein Zitat...) eher eine Anomalie, ein Rohdiamant war 1956 schon lang nicht mehr und ungeschliffen ist er geblieben ;-)...
gypsy tail wind
12.05.2010, 11:03
für mich ist Coltrane ein suchender Künstler, ein Album wie Giant Steps, auf dem er Zwischenbilanz zieht ("Mit den neuen Methoden könnte man jetzt zB ein perfektes und vollkommen neuartiges Album wie dies hier aufnehmen", kein Zitat...) eher eine Anomalie, ein Rohdiamant war 1956 schon lang nicht mehr und ungeschliffen ist er geblieben ;-)...
Ich seh schon, ich muss auch bald mal wieder im grösseren Stil Coltrane hören! Das mit "Giant Steps" als Summe des bisher "Gefundenen" hab ich ja auch schon so ähnlich formuliert (in Mails wohl, hier glaub noch nicht - egal), "A Love Supreme" wäre dann wohl der nächste vergleichbare Moment, und danach geht die Suche wieder los, ohne dass er nochmal dazu gekommen wäre, einen Fixpunkt zu setzen?
Das geht da aber schon nicht mehr so klar, denn "Crescent" ist schon fast so wunderbar wie "A Love Supreme", und die anderen 1965er Quartett-Sessions sind auch noch in der Art, während die Übergang nachher etwa mit "First Meditations" und dem wunderschönen "Sun Ship" fliessend ist.
Ich finde die grandiosen Melodien von "Giant Steps" verhindern, dass es "zu dicht" wird. Gerade bei diesem Album verstehe ich den Einwand gar nicht. Wenn Du das zum Complete Village Vanguard Set oder zu Ascension geschrieben hättest, na gut, aber bei Giant Steps?
Viele Leute lieben Crescent, damit tue ich mich hingegen schwer. Im Vergleich zu meinen Lieblingsalben von Coltrane verblasst es doch deutlich.
Bei Aussagen bezüglich von "Zwischenbilanz" sollte man extrem vorsichtig sein, da die Atlantic-Alben aus verschiedenen Sessions zusammengesetzt wurden. Coltrane hatte einfach eine unfassbare Menge großartiger Kompositionen und die Gelegenheit, sie aufzunehmen.
redbeansandrice
12.05.2010, 11:20
ich hab zwar schonmal behauptet, Giant Steps wär eins der ersten großen Alben im Jazz, eins der Alben die den Jazz von einer Kunst des perfekten Solos zu einer Kunst des perfekten Albums gemacht haben... aber wo ich jetzt so drüber nachdenk, ich find der große Unterschied zwischen A Love Supreme und Giant Steps ist, dass sich A Love Supreme wie ein Album anfühlt, Giant Steps mehr wie eine Singles Collection... das meinte ich mit zu dicht, nicht dass die Musik lokal nicht zugänglich ist...
gypsy tail wind
12.05.2010, 11:28
Bei Aussagen bezüglich von "Zwischenbilanz" sollte man extrem vorsichtig sein, da die Atlantic-Alben aus verschiedenen Sessions zusammengesetzt wurden. Coltrane hatte einfach eine unfassbare Menge großartiger Kompositionen und die Gelegenheit, sie aufzunehmen.
Die meisten nicht, oder nicht wirklich (je ein Stück auf "Giant Steps" und "Coltrane Jazz", das nicht von den Haupt-Sessions stammt).
Die anderen Alben stammen alle von Sessions, die innerhalb von ein paar Tagen enststanden sind.
Gibt es denn Belege, dass Coltrane das Album als Zwischenbilanz geplant hat? Hat jemand mal etwas darüber gelesen?
gypsy tail wind
12.05.2010, 11:49
Gibt es denn Belege, dass Coltrane das Album als Zwischenbilanz geplant hat? Hat jemand mal etwas darüber gelesen?
Keine Ahnung, ob Coltrane sich in diese Richtung geäussert hat, aber ich denke man kann das einfach so hören und darf das durchaus auch so verstehen, ohne dass es Selbstzeugnisse von Coltrane gibt :-)
redbeansandrice
12.05.2010, 11:51
Gibt es denn Belege, dass Coltrane das Album als Zwischenbilanz geplant hat? Hat jemand mal etwas darüber gelesen?
Frage in die Runde, was ist an Coltrane Literatur zu empfehlen? ich hab grad das Giant Steps Kapitel (http://books.google.de/books?id=OsiDu2wDVXgC&pg=PA145&dq=coltrane+%22giant+steps%22&cd=1#v=onepage&q=coltrane%20%22giant%20steps%22&f=false)in Lewis Porters Buch gelesen, welches mir (sofern man das vergleichen kann) doch deutlich detaillierter/ernsthafter scheint als Ashley Kahn's Love Supreme Buch... kennt jemand Ratliff? das neue Coltrane Reference (http://www.routledge.com/books/details/9780415977555/)? von dem gelesenen her würd ich jetzt fast eher sagen, dass Coltrane irgendwie das Gefühl hatte, das kompositorische Material hätte seiner Entwicklung als Solist etc nicht standgehalten und müsse auf einen neuen Level gebracht werden... anders gesagt, es hat alles nicht sooo viel mit dem Wechsel von Prestige zu Atlantic zu tun/der Unterschied was das Material auf den Alben betrifft ist nicht wirklich eine Frage von guter Produzent/schlechter Produzent... es war einfach an diesem Punkt so, dass Coltrane seine neuen Stücke (an denen er offenbar teilweise seit 1957 arbeitete...) für reif hielt um sie vorzustellen... Prototyp eben...
@gtw: Absolut! Dann würde ich dagegenhalten, dass Coltrane befreit von den Fesseln von Prestige bei Atlantic in einer wesentlich freundlicheren Umgebung sein Talent erst wirklich zur Geltung bringen konnte und dass die resultierende fantastische Musik das Ergebnis dieser Freiheit zur Kreativität war. :-)
@redbeans: Gute Frage, ich bin auch an Empfehlungen interessiert.
gypsy tail wind
12.05.2010, 12:01
Ich glaub ich hab vor Jahren mal Nisenson gelesen, kann mich aber nur noch schwach erinnern. Sehe grad, dass das Ratliff Buch hier ausgeliehen werden könnte... aber den Reference-Band gibt's natürlich mal wieder nur in Basel. Das ist so ein Buch, wo ich mir schon einige Male überlegt habe, es anzuschaffen, auch wenn es jegliche Budget-Massstäbe sprengt.
Hat jemand hier mal reingeschaut?
Hab's mal bestellt... (Fernleihe von der UB Basel, nicht Amazon... zuerst mal reinschauen!)
redbeansandrice
12.05.2010, 12:08
Ich glaub ich hab vor Jahren mal Nisenson gelesen, kann mich aber nur noch schwach erinnern. Sehe grad, dass das Ratliff Buch hier ausgeliehen werden könnte... aber den Reference-Band gibt's natürlich mal wieder nur in Basel. Das ist so ein Buch, wo ich mir schon einige Male überlegt habe, es anzuschaffen, auch wenn es jegliche Budget-Massstäbe sprengt.
Hat jemand hier mal reingeschaut?
Hab's mal bestellt... (Fernleihe von der UB Basel, nicht Amazon... zuerst mal reinschauen!)
von Nisenson kenn ich nur das Miles Davis Buch, das ist ziemlich eindeutig das schlechteste Davis Buch, das ich gelesen hab - aber ich kenn nur ein paar... über Coltrane kenn ich nur Kahn (völlig ok) und vor Jahren das Buch von Gerd Filtgen (gute Erinnerung, aber ist lange her); halt uns auf dem laufenden!
gypsy tail wind
12.05.2010, 12:32
Filtgen hab ich auch - das ist das aus dieser Oreos-Reihe, oder? Da hab ich einige, als Einstieg find ich die sehr hilfreich (Monk, Mingus, Miles, Ornette, Getz, Hawkins und Braxton hab ich, neben Coltrane).
redbeansandrice
12.05.2010, 12:49
Filtgen hab ich auch - das ist das aus dieser Oreos-Reihe, oder? Da hab ich einige, als Einstieg find ich die sehr hilfreich (Monk, Mingus, Miles, Ornette, Getz, Hawkins und Braxton hab ich, neben Coltrane).
genau, da hab ich damals einige aus der Bücherei gelesen (Mingus und Ornette erinner ich, waren aber mehr, die waren ganz nett...)
gypsy tail wind
12.05.2010, 12:52
Mingus ist ja von Weber (Enja-Weber)
gypsy tail wind
12.05.2010, 23:24
"Coltrane... COLTRANE!" (von der "Monk's Music" Session :lol: )
Billy Taylor in (Billboard 1961-08-14 (http://books.google.ch/books?id=GSEEAAAAMBAJ&pg=PA18&dq=john+coltrane&hl=de&ei=fhrrS7eLGIKX_QbY96SHAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CDgQ6AEwAA#v=onepage&q=john%20coltrane&f=false)) "visualizes the 'ideal jazz group' as follows: Dizzy Gillespie, trumpet; Cannonball Adderley, alto; John Coltrane, tenor; Art Blakey, drums; Ray Brown, bass; Wes Montgomery, guitar; Milt Jackson, vibes; female singer, Ella Fitzgerald." (p. 18)
:lol:
Klickt auf den Link und scrollt runter und schaut euch die Ads an - Mann Mann Mann, waren das Zeiten!
gypsy tail wind
12.05.2010, 23:34
Und in Billboard, 1965-08-14, p. 26 (http://books.google.ch/books?id=rigEAAAAMBAJ&pg=PA24&dq=john+coltrane&hl=de&ei=fhrrS7eLGIKX_QbY96SHAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CD0Q6AEwAQ#v=onepage&q=john%20coltrane&f=false) gibt's eine Besprechung von den 1965er Konzerten in Antibes (teilweise auf Bootlegs greifbar, bzw. das erste auch auf der Deluxe Edition von "A Love Supreme"):
Climax of the third night was the appearance of the John Coltrane Quartet -- an appearance which left the packed audience a little nonplussed. For Coltrane played just one piece -- "A Love Supreme" and it went on for 47 minutes. There were a few boos mingled with the applause at the end.
Nevertheless, the Coltrane Quartet played superbly. Coltrane himself, a restlessly searching musician, forcefully demonstrated that he is no superficial, gimmick-ridden avantgarde exponent.
His music is rich in sincerity, he builds his solos magnificently. And the support from McCoy Tyner, Jimmy Garrison and Elvin Jones just could not be faulted. This is probably the most integrated and most formidably equipped jazz quartet in the world.
On the fourth night, Coltrane produced a less demanding program -- featuring the celebrated "My Favorite Things" and "Impression" [sic] -- and the audience reaction was considerably more enthusiastic."
In einem Kasten steht zudem noch (im Kontext von kommerziellen Zugeständnissen, oder eben keinen...): "in addition, the complex music of Coltrane is not the easiest for the average jazz enthusiast to assimilate."
:lol:
gypsy tail wind
12.05.2010, 23:46
aus Black World/Negro Digest, March 1966, p. 36 (http://books.google.ch/books?id=5DkDAAAAMBAJ&pg=PA36&dq=john+coltrane&hl=de&ei=fhrrS7eLGIKX_QbY96SHAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=7&ved=0CFYQ6AEwBg#v=onepage&q=john%20coltrane&f=false):
There must have come a time in the recording of their newest Impulse! album when John Coltrane, McCoy Tyner, Elvin Jones and Jimmy Garrison stared drunkenly at one another and shouted: "Mad! Mad!" The album, The John Coltrane Quartet Plays Chim Chim Cheree, Song of Praise, Nature Boy, Brazilia, makes use of not more than a dozen bars, at best, of "conventional" meter. Its harmonies are of the sort not yet classified by music. In the ballad "Nature Boy," the group uses two basses (fiddler Art Davis joins Garrison), both of them bowed and in different chords, and in the middle of "Chim Chim Cheree," from Walt Disney's Mary Poppins, Coltrane, using the soprano sax, lets loose with a cry so wild and bedazed it would have embarrased Stravinsky himself. Such boldness and exotism often sounds capricious and absurd. But Coltrane never fails to carry it off -- and with flying colors. Even at his most obscure, there is that constant undercurrent of joy that is the substance of jazz. In his weirdest harmony, his least expected phrase, the listener can detect a means to an end, not mere sensationalism. And here, I believe, is the secret of Coltrane. For reasons of temperament as well as talent, he is the best thing that could have happened to the avant-garde, bringing warmth and maturity to an area so often left to technicians and quacks. What he is seeking nobody knows. But his fabulous quest, in its jolting electricity, has surely become the most refreshing musical experience since Charlie Parker. --H.B.
gypsy tail wind
12.05.2010, 23:55
und jetzt mag ich nicht mehr tippen... hier ein kurzer Nachruf:
Jet, 1967-08-03, p. 58 (http://books.google.ch/books?id=trkDAAAAMBAJ&pg=PA58&dq=john+coltrane&hl=de&ei=fhrrS7eLGIKX_QbY96SHAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=9&ved=0CGAQ6AEwCA#v=onepage&q=john%20coltrane&f=false)
und ein langer aus Ebony Nov. 1967, pp. 67-74 (http://books.google.ch/books?id=xtsDAAAAMBAJ&pg=PA70&dq=john+coltrane+giant+steps&hl=de&ei=WRrrS-T0Msmi_Ab70KCHAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=8&ved=0CFcQ6AEwBzgK#v=onepage&q&f=false)
(in beiden wird Ravi als "Rabi" bezeichnet)
Eigentlich hab ich ja gehofft, irgendwas zeitgenössisches über "Giant Steps" zu finden, aber die obigen Ausschnitte sind ja auch ganz hübsch - v.a. dieser Gestus der Verteidigung, der zuerst die Anwürfe der Gegner in ihrer ganzen Schärfe zitiert, um dann zu versuchen, diese Anwürfe zu widerlegen.
Sehr hübsch übrigens die Kontroverse um Coltrane nach dem Konzert mit Miles Davis im März 1960 in Paris - die betreffenden Auszüge aus "Jazz Hot" sind in der ursprünglichen 4CD-Ausgabe in einem hübschen Booklet zitiert (es findet sich darin auch ein Bild von Coltrane mit einem Sopransax in den Händen... ich glaub sein erstes Sopran war ein Geschenk von Miles)
gypsy tail wind
14.05.2010, 08:50
Hab gestern mein jährliches auffährtliches "Ascension"-hören absolviert und war überrascht, wie zugänglich und swingend ich diese Aufnahmen mittlerweile finde!
Ich kenne die "Master Works" GRP-Doppel-CD schon seit über 15 Jahren und hatte gehörig Mühe, da reinzukommen. Mein Zugang zum freien Coltrane erschloss sich über "Sun Ship", "Meditations" und "Interstellar Space", mit den Stücken in grösserer Besetzung hab ich länger Mühe gehabt. Aber gestern fand ich die "Ascension" (in beiden Editionen) richtig grandios und sehr zugänglich, über weite Strecken sehr swingend!
Den Zugang kann man durchaus mit etwas vorheriger Erfahrung bzw. Beschäftigung mit Coltranes musikalischem Weg dorthin erlangen. "Ascension" muss nämlich wirklich kein unzugängliches Werk sein.
gypsy tail wind
17.05.2010, 10:01
Hab das alles gestern aus Versehen bzw. wegen der Diskussion über die Prestige-Alben im Prestige-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=38476&page=7) gepostet... wollte aber eigentlich hier, weil's nicht nur um Prestige-Aufnahmen geht sondern um ein paar Ideen zu frühen Coltrane-Sessions mit Miles etc.
Also hier die entsprechenden Posts, und weiteres zu Coltrane werde ich auch hier posten, hoffentlich regelmässig in den kommenden Tagen!
Diese Diskussionen hier lassen mich zum frühen Coltrane zurückkehren... hab heute abend die "Miles" gehört, also die November 1955 Prestige-Aufnahme, dazu die beiden Live-Stücke vom Tag danach (jazzdisco gibt Oct 18, 1955 für die Live-Session bei Steve Allen, im Concord-Set ist Nov. 17 angegeben, "Miles" wurde am 16. Nov. aufgenommen), beides aus der Concord 4CD Box "The Miles Davis Quintet - Legendary Prestige Quintet Sessions". Die und die drei Coltrane-Boxen ("Fearless Leader" mit den eigenen Alben, "Interplay" mit den Jam Sessions und Co-Leader Alben, sowie "Side Steps" mit den Sidemen Alben) sind wohl der beste Weg, die Coltrane Prestige-Zeit heute abzudecken. Die Boxen sind sehr sehr schön gemacht, enthalten gute (kurze) Texte in den Booklets, dazu Abbildungen der Original-Cover und die Original-Liners und natürlich eine Diskographie, sowie schöne Fotos. Und das beste ist, dass sie ziemlich preiswert zu haben sind, wenn man sich etwas umschaut oder Geduld hat... auf amazon.de sind sie derzeit allerdings eher teuer).
Leider fehlen auf den Sidemen und Jams Sets jeweils die Stücke ohne Coltrane, das betrifft die Alben "Cattin' with Coltrane & Quinichette", "The Cats", sowie die beiden Gene Ammons-Alben... und natürlich das Album von Rollins mit der Miles Rhythmusgruppe, wo Coltrane nur auf einem Stück mitspielte. Von einem Red Garland Album (Dig It) und einem Art Taylor Album (Taylor's Wailers) ist je nur ein Stück drin - die stammen von anderen Sessions und wurden auf den betreffenden Alben mit Sessions ohne Coltranes Mitwirkung veröffentlicht. Richtig blöd ist die Sache eigentlich nur bei "The Cats" und "Cattin' with", wo das Trio-Feature bzw. das Quinichette-Feature fehlen.
Also... zu den 1955er Miles Sessions... da klingt Coltrane irgendwie schon ziemlich gut, das stimmt, aber mich dünkt dass er manchmal rumfummelt und sein Kopf weiter ist als seine Finger, dass er mal was versaut oder einfach nicht recht hinkriegt. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, und eben: sein Ton ist schon ziemlich gut.
Jetzt läuft nochmal "Chamber's Music" (ursprünglich auf Jazz West, dann 1976 auf Blue Notes Doppel-Album "High Step" mit der Transition Session und Teilen von "Whims of Chambers", danach auf einer CD mit der Transition Session, glaub ich... und zuletzt mit all den genannten Sessions, sowie den beiden anderen Chambers Blue Notes und der Chambers/Blakey Duo-Session auf dem "Mosaic Select" von Chambers - sehr zu empfehlen und derzeit noch zu haben (http://www.mosaicrecords.com/prodinfo.asp?number=MS-005)).
Auch hier klingt Coltrane noch rauh und ungeschliffen, aber es gibt auch gute Momente, z.B. auf einer frühen Version von "Trane's Blues".
Und um das noch ausführlichen wiederzugeben mit Hentoff etc: Dan Morgenstern schrieb die Liner Notes für die erwähnte Doppel-LP 1976, er zitiert darin diese frühen Statements zu Coltrane, ich tippe das mal ab, damit ihr's korrekt und komplett habt hier:
It is equally startling to recall the controversy aroused by the playing of the almost unknown 29-year-old tenorist in the group [dem Miles Davis Quintet - gtw]. What Coltrane was offering when he first joined Miles seems starkly simple in the light of what came later. Nonetheless, his sound and style struck many listeners as abrasive, and few critics knew what to make of the music of this intense, serious man. In his playing on the first LP with Miles, Nat Hentoff found "a general lack of individuality" (!) while Ralph G. Gleason's assessment of the disc containing the first six items on this set included these lines: "Coltrane sounds best on Visitation where his tone and attack are not so freakish." [auf dem Stück spielt er gar nicht mit... - gtw]
It may not be cricket to second-guess one's colleagues, but the point here is not one-upmanship but historical perspective. I wasn't yet writing about jazz in 1955, but my first reaction to Coltrane was not much more perceptive. I was put off mainly by his tone, which seemed dry and harsh.
~ Nat Hentoff, aus den Liner Notes von "High Step", Blue Note BNLA 451-2, 1976
Und Hentoff schreibt auch noch ganz kurz über die Lehrmeister und ehemaligen Bandleader von Coltrane und ihre Bedeutung:
No doubt he learned important things about his art and craft from work with Eddie Vinson, the Texas blues shouter and Parker-tinged alto saxophonist, and he acknowledged that Earl Bostic, in whose succesful combo he spent a year or so, had taught him a great deal about saxophone technique of the kind you don't learn in school. And from the period with Johnny Hodges, that supreme master of melodic exposition, came a legacy he cherisched and applied in his own distinctive way.
The pontentially most significant pre-Miles assotiation was with Dizzy Gillespie, but the bulk of that was spent playing third also in Dizzy's big band, though there was a short stretch in a combo Diz put together after the band broke up. Trane was back on tenor for this, and Milt Jackson, Kenny Burrell and Percy Heath were also aboard. There were also brief stints with Bud Powell and Jimmy Smith before Miles beckoned. By then, he was ready, and even if the world of jazz wasn't ready for him, acceptance would have to be on his terms.
~ Nat Hentoff, aus den Liner Notes von "High Step", Blue Note BNLA 451-2, 1976
Und jetzt bin ich schon bei der Transition-Session angekommen mit hören... und da ich neulich grad diesen Thread wiederfand, wo es auch ein Zitat von David Wild gibt (dessen Website kann ich nicht lesen momentan, hoffe die kommt wieder!) Link (Post #26) (http://www.organissimo.org/forum/index.php?/topic/12262-transition-label) < - sehr schön der Satz über Red Garland: "Then Roland Alexander takes over for Garland, who was unable to make the date due to chorus girls" (aus Chuck Israels Liner Notes für Transition TRLP-30 "Jazz in Transition", einer Compilation, die den einzigen damals veröffentlichten Track der Coltrane/Fuller Session enthielt, "Trane's Strain")
Und jetzt leicht ausserhalb der Chronologie noch die erste Columbia Session des Miles Davis Quintets - auf "Two Bass Hit" klingt Coltrane ganz toll! Ich glaub ich muss das, was ich oben in Sachen Rohdiamant etc. gesagt habe zurücknehmen!
Dann hab ich gestern auch noch das Konzert vom 1956-02-18 in Pasadena gehört, das als ganzes auf der zweiten CD der Deluxe-Edition von "Round About Midnight" enthalten ist. Da find ich die Setlist bemerkenswert, gerade im Zusammenhang mit dem Auftritt bei Steve Allen (http://www.plosin.com/milesAhead/Sessions.aspx?s=551117) (1955-11-17, denn Jazzdisco halte ich für wenig vertrauenswürdig): bei beiden wird Pettifords "Max Is Makin' Wax" gespielt, und auch "It Never Entered My Mind" - Allen (der ziemlich ausschweifend bullshittet: "Uh, as I was saying earlier, and Miles a lot of folks who probably like Guy Lombardo, as a great many of us do for that matter, might have been puzzled by what you just played. What was the name of it? Davis: "Max is Makin' Wax." Allen: "Max is Makin' Wax"... That doesn't clear up a great deal, but at least now you know what you didn't know about.") findet das erste Stück wohl nicht ganz nach seinem Geschmack und daher folgt dann auch (wohl alles längst abgesprochen) "It Never Entered My Mind". In Pasadena bei Gene Norman (http://www.plosin.com/milesAhead/Sessions.aspx?s=560218) folgen darauf noch "Woody'n You" und "Salt Peanuts", zwei Bop-Klassiker. Miles scheint also schon damals in Live-Settings eher konservativ entschieden zu haben hinsichtlich Setlist (das zieht sich durch bis zum "second quintet", ja sogar streckenweise noch ins "lost quintet", auch da spielten sie regelmässig Stücke wie "I Fall In Love Too Easily", auch wenn dort der Wechsel stattfand zu mehrheitlich eigener Musik auch in Konzerten).
Und momentan läuft grad wieder die Elmo Hope Session - Byrd klingt gut und der Kontrast zwischen Mobley und Coltrane lässt schon sehr klar Coltrane's mittlerweile äusserst robusten Sound erkennen. Mobley klingt daneben streckenweise fast wie ein Pres-Schüler (Quinichette? Zwischendurch hat er fast dessen seltsame grebrechliche Sonorität). Spannend! Auch auf "Polkadots and Moonbeams" spielt Coltrane ganz hübsch - bei Miles musste er ja auf vielen Balladen aussetzen.
Und ein gutes Wort für Philly Joe Jones, der damals auch noch ganz am Anfang seiner Karriere stand - grosse Klasse, der Mann!
redbeansandrice
17.05.2010, 10:18
nun gut - dass Bostic ein technisch sehr versierter Saxophonist ist, das hör ich jetzt mal in der Tat auch... das Hope Album find ich auch eine der besten Sessions von Byrd... hab es nicht mehr so im Ohr - aber ist das nicht das Album, an dem manche Leute den Warne Marsh Einfluss von Mobley festmachen...
gypsy tail wind
17.05.2010, 10:31
nun gut - dass Bostic ein technisch sehr versierter Saxophonist ist, das hör ich jetzt mal in der Tat auch... das Hope Album find ich auch eine der besten Sessions von Byrd... hab es nicht mehr so im Ohr - aber ist das nicht das Album, an dem manche Leute den Warne Marsh Einfluss von Mobley festmachen...
Ja, diese Bostic-Erklärung macht Sinn... jedenfalls mehr als jeder Versuch, ihn wirklich als Einfluss auf Coltrane zu hören. Aber ich denke man sollte diese "informal education" keinesfalls unterschätzen - auch wenn's nur technische Kniffs und Tricks waren, das gehört dann später alles zum Stil von Coltrane - auch Hodges' melodische Begabung kann man ja durchaus auch als eine Art Einfluss sehen, wenn man denn will.
Hope ist hübsch, aber von Hope selbst hört man irgendwie wenig - ein paar gute Soli, aber insgesamt könnte da auch ein anderer am Piano sitzen (Garland v.a., oder Flanagan... Waldron hätte die Atmosphäre wohl stärker geprägt als die beiden oder als Hope es tut). Also schon eher ein Jam-Album für mich, allerdings eins, das irgendwie einen verbindlichen Rahmen hinkriegt, in dem alle drei Bläser gut klingen (und das wiederum kann durchaus Hopes Verdienst gewesen sein, das weiss ich nicht).
Das mit Marsh hab ich noch nie gehört, wo hast du das gelesen/gehört?
redbeansandrice
17.05.2010, 10:44
Ja, diese Bostic-Erklärung macht Sinn... jedenfalls mehr als jeder Versuch, ihn wirklich als Einfluss auf Coltrane zu hören. Aber ich denke man sollte diese "informal education" keinesfalls unterschätzen - auch wenn's nur technische Kniffs und Tricks waren, das gehört dann später alles zum Stil von Coltrane - auch Hodges' melodische Begabung kann man ja durchaus auch als eine Art Einfluss sehen, wenn man denn will.
Hope ist hübsch, aber von Hope selbst hört man irgendwie wenig - ein paar gute Soli, aber insgesamt könnte da auch ein anderer am Piano sitzen (Garland v.a., oder Flanagan... Waldron hätte die Atmosphäre wohl stärker geprägt als die beiden oder als Hope es tut). Also schon eher ein Jam-Album für mich, allerdings eins, das irgendwie einen verbindlichen Rahmen hinkriegt, in dem alle drei Bläser gut klingen (und das wiederum kann durchaus Hopes Verdienst gewesen sein, das weiss ich nicht).
Das mit Marsh hab ich noch nie gehört, wo hast du das gelesen/gehört?
ich bild mir ein, dass das eine zentrale Theorie von Aric/chewy auf organissimo ist - der ja nich nur Mobley sondern auch Marsh Fanatiker ist... nun hat der auch keine Probleme, da noch Phil Collins und Sun Ra mitreinzunehmen - aber ich mag die Idee - auch wenn die Vorstellung, dass Mobley echt Marsh gehört hat schon ein bißchen absurd ist... in Chadbourne's Review (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:hxfrxqlgld6e~T1) von Informal Jazz ist auch ein Marsh/Mobley Vergleich - Chadbourne sagt übrigens, wegen ihm sollte das Album nur aus den Heads, Klaviersoli und Fours bestehen... "Elmo Hope mans the piano bench at the helm of this dream team, and while the liner notes call him the "nominal leader" for the blowing date, he earns actual leader status by accomplishing two things. First, his solo spots are the best part of the record, [...]"
zeitgenössischer Review von Charles Fox The only convincing soloist on this session is pianist Elmo Hope... (http://www.gramophone.net/Issue/Page/March%201958/33/814815/Informal+Jazz); muss das Album mal raussuchen...
und im Lichte der Coltrane Diskussion ganz interessant, anderes Album: "Hank Mobley, a hard-toned, vigorous tenor soloist in the Sonny Stitt style..." (http://www.gramophone.net/Issue/Page/November%201956/103/748924/The+Jazz+Message+There+Will+Never+Be+Another+You+% 28Warren%29+%28b%29+Caftin+%28Mobley%29+%28I%29+Ma deline+%28Mobley%29+%28b%29+When+I+Fall+In+Love+%2 8Young%29+%28b%29+Budo+%28Bud+Powell%2C+Miles+Davi s%29+%28a%29+I+Married+An+Angel+%28Rodgers%29+%28a %29+The+Jazz+Message+%28%28Freedom+For+All%29+%28C adena%29+%28a%29+%2812+in.+London+LP+LTZ0502837s.+ 61d.) also genau das, was sie auch über Coltrane geschrieben haben, zu der Zeit...
gypsy tail wind
17.05.2010, 13:00
ich bild mir ein, dass das eine zentrale Theorie von Aric/chewy auf organissimo ist - der ja nich nur Mobley sondern auch Marsh Fanatiker ist... nun hat der auch keine Probleme, da noch Phil Collins und Sun Ra mitreinzunehmen - aber ich mag die Idee - auch wenn die Vorstellung, dass Mobley echt Marsh gehört hat schon ein bißchen absurd ist... in Chadbourne's Review (http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:hxfrxqlgld6e~T1) von Informal Jazz ist auch ein Marsh/Mobley Vergleich - Chadbourne sagt übrigens, wegen ihm sollte das Album nur aus den Heads, Klaviersoli und Fours bestehen... "Elmo Hope mans the piano bench at the helm of this dream team, and while the liner notes call him the "nominal leader" for the blowing date, he earns actual leader status by accomplishing two things. First, his solo spots are the best part of the record, [...]"
Ja, seine Soli mögen die besten sein, aber ich bleibe dabei: er prägt das Album kein bisschen. Ist überhaupt nicht "sein" Album, sondern ich höre das ziemlich eindeutig als eine Blowing Session. Ich hab zwar grad gelesen, was Chadbourne dazu sagt, und er mag recht haben, was das Niveau der Kompositionen betrifft, aber die "personality" hör ich hier eben leider nicht, oder nur sehr sehr schwach durch. Da greif ich lieber zu anderen Alben von Hope! Hier Chadbourne:
Second, Hope provides original material that helps give the record its personality. It is typical to pass off the tunes at sessions such as this as just simple contrivances to launch soloists, but again it is a stretch to imagine an "informal" recording session where even material as complicated as this is played. Both of the standards have arrangements that would leave jazz students, and some of their teachers, tying their shoes on the bridge. Hope's "Weeja" has a simple fanfare of a theme, sure, but it is arranged within a nifty series of short blowing spots. This is where the merry listener gets the treat of hearing Donald Byrd, Hank Mobley, and John Coltrane introduce themselves instrumentally, the latter tenor giant making a great ride of the bridge. Everything is tight, together, and without a hitch. Squeaking mouthpieces from Mobley and Coltrane are the only casual aspects.
zeitgenössischer Review von Charles Fox The only convincing soloist on this session is pianist Elmo Hope... (http://www.gramophone.net/Issue/Page/March%201958/33/814815/Informal+Jazz); muss das Album mal raussuchen...
Hart hart... auch was er über Donald Byrd schreibt - ist eigentlich schon alles da, was man so gerne über ihn schrieb: "Donald Byrd must be the most over-recorded of all the younger musicians. Certainly I, for one, am growing very tired of hearing his glib, far-too-busy trumpet style. The trouble is that most of his solos are pointless, lacking both dynamics and any shape or pattern. A solitary exception on this record is his work in Polka Dots And Moonbeams, where his natural lyrical feeling is used to decorate a standard melody. But on originals, or even a 12-bar blues, he seems to lack genuine inventive powers."
Da würd ich schon widersprechen, grad das erste Solo find ich ganz ok, ist ja auch das erste der Session überhaupt (ich höre das aus der Box, weiss nicht, ob die Stücke dort anders angeordnet sind). Das ist "sketchy", eine Reihung von Phrasen, die nicht immer zusammenpassen und manchmal geht der Fluss verloren, aber das ist doch ein junger Trompeter in den Fussstapfen von Navarro und Clifford Brown, der seine Sache ganz gut macht.
und im Lichte der Coltrane Diskussion ganz interessant, anderes Album: "Hank Mobley, a hard-toned, vigorous tenor soloist in the Sonny Stitt style..." (http://www.gramophone.net/Issue/Page/November%201956/103/748924/The+Jazz+Message+There+Will+Never+Be+Another+You+% 28Warren%29+%28b%29+Caftin+%28Mobley%29+%28I%29+Ma deline+%28Mobley%29+%28b%29+When+I+Fall+In+Love+%2 8Young%29+%28b%29+Budo+%28Bud+Powell%2C+Miles+Davi s%29+%28a%29+I+Married+An+Angel+%28Rodgers%29+%28a %29+The+Jazz+Message+%28%28Freedom+For+All%29+%28C adena%29+%28a%29+%2812+in.+London+LP+LTZ0502837s.+ 61d.) also genau das, was sie auch über Coltrane geschrieben haben, zu der Zeit...
Das macht wohl so halbwegs Sinn, aber wenn man die beiden unmittelbar nacheinander spielen hört wie hier oder auf "Tenor Conclave" mit Sims/Cohn oder noch mehr auf "A Blowin' Session", dann ist der Kontrast schon sehr sehr deutlich! Und für mich gehen da - trotz aller Liebe für Mobley - die Punkte sehr klar an Coltrane. Mobley kann nicht richtig aufblühen in so einem Setting, da kommt sein lyrisches Spiel nicht wirklich durch (und grad das gefällt mir sonst an seinen 50er Aufnahmen so und sie über die 60er Klassiker irgendwie erhebt... na ja, "Soul Station" bleibt mein Lieblingsalbum von ihm, aber insgesamt eher 50er als 60er, und "Soul Station" ist ja irgendwie die "Schwelle" dazwischen, könnte man sagen).
Meine gestrigen Ankündigungen habe ich heute in die Tat umgesetzt und "Plays the Blues" gleich zweimal, mit Unterbrechung dazwischen gehört.
Der erste Durchgang war weniger euphorisch, aber auch weniger mikroskopisch. Es drängte sich der Verdacht auf, dass das ganze Ensemble ein wenig uninspiriert vor sich hin spielt. Auch wird der Atem der Produktion nicht gerade von frischer Bergluft genährt. Es klingt eher kompakt, unaufdringlich und vom typischen (?) Ertegun-Stilverständnis in entsprechende Bahnen gelenkt.
Dies sage ich, wohlgemerkt mit höchstem Respekt, den beiden einmaligen Brüdern gegenüber!
Nur warf es in mir die Frage auf, ob unser Conciousness-Explorer da tatsächlich an der richtigen Adresse in Lohn und Arbeit stand. Alles was man hört, ereignet sich auf höchster Ebene, jedoch höre ich auffällige Unterschiede sowohl zu früher als auch zu später.
Da wären, einerseits, auf den Prestige Aufnahmen, diese, manchmal schon überbordende, Spielfreude und beseelte Melodieseligkeit. - Und diese Aufnahmen atmen wirklich; versprühen eine Dreidimensionalität und platzieren den Zuhörer direkt in ihrer Mitte. Um die Attribute des (religiösen) Klangforschers erweitert, klingen seine Platten bei Impulse gar nicht unähnlich, was die Produktion betrifft. Dass man hier zusätzlich auch Zeuge sämtlicher anderer Nebenerscheinungen, individueller und zeitspezifischer Vorgänge, werden kann halte ich für einen Zugewinn, den man in dem Ausmass, einer Company vielleicht gar nicht so deutlich zusprechen würde. Doch ich denke, hier ergab sich eine gewisse Einheit, eine Geschlossenheit zwischen Künstler und den ultimativen Gegebenheiten (zumindest auf kreativer Ebene, die wirtschaftlichen Fakten sind mir nicht bekannt).
Das gleiche empfinde ich auch bei den mir bekannten Aufnahmen von z.B. Mingus oder Gil Evans. Noch frappierender ist es vermutlich beim Werk Alice Coltrane´s (wobei mir hier keine älteren Aufnahmen bekannt sind) , die vielleicht nicht das Standing als Solistin hatte, aber ein schillerndes, akustisches Gesamtbild erschuf, welches sich zumindest meines Respektes sicher sein kann.
Ich finde, Impulse war deutlich mehr als ein Label. Ich sehe es als Katalysator und regelrechte musikalische Lebenshaltung. Die einzelnen Werke mag jeder für sich selbst beurteilen, aber kann ein eine Firma cooler sein als diese, im wahrsten Sinne des Wortes?!
Ok, zweiter Durchgang "Coltrane plays the Blues".
Diese Musik taugt auch als sehr gepflegte Unterhaltungsmusik. In einem stilvollen Club aufgelegt, ist es eine Facette von Trane, die zwar schon dezent weitergräbt, aber, auch kontextgebunden, dem Zuhörer nicht das Genick bricht. Und auch nicht mit Gewalt diesen Sog erzeugt, der die spätere Legende begründete. Ich bin mir sicher, dass Nesuhi Ertegun, auf sehr charmante Art und Weise, die Wogen geglättet hat und den Giganten einfach mal eine ganz lockere Session abgequatscht hat. Schlechte Absichten verbargen sich sicherlich keine dahinter, wie immer es auch tatsächlich abgelaufen ist.
Coltrane scheint mir minimalst mürrisch aufzuspielen. Nicht grob, eher suchend. Die Melodien gehen ihm scheinbar langsam auf den Keks, aber er übt sich in professioneller Beherrschung. Daran "krankt" das ganze für mich leider auch dezent. Die Improvisationen stochern im Ungewissen, fördern aber eher schemenhaft zutage. Wenn er mal melodisch agiert, klingt es leicht unentschlossen und seine Experimente läßt der Rahmen auch nur sehr bedingt zu. McCoy Tyner glänzt dann an manchen Stellen doch noch unerwartet, da er sich vermutlich noch am ehesten fallenlassen konnte, in diesen Themen. Bass und Schlagzeug empfinde ich als hochgradig unauffälig, extrem repertoire-dienlich aber auch auf Weltniveau. Von daher ist das hier kein Beinbruch.
Mir drängt sich folgender Gedanke auf: Coltrane war eigentlich 1959 schon bereit für den nächsten Schritt (den "gigantischen" hat er ja dann auch gleich mal gewagt ;-) ) und hätte ihn da auch eigentlich schon ganz vollziehen können. Der Erfolg von "Kind of Blue" jedoch, hat ihn meiner Meinung nach "zurückgeworfen" und ihn erst noch einmal für eine gewisse Zeit an die Melodie gebunden. Es ist ein pikanter "Zufall", dass sich die Recordings zu "Giant Steps" und "Kind of Blue" quasi überschnitten haben. Aber ich würde Stein auf Bein schwören, das JC schon im anderen Zug saß und wieder da raus "musste".
Hat Ertegun davon geträumt aus "Plays the Blues" ein zweites "Kind of Blue" zu machen? Er war ein sehr fähiger Geschäftsmann und man könnte es ihm nicht mal verdenken. Aber das, denke ich, ging dann (in Relation gesetzt, natürlich), gründlich in die Hose.
"Plays the Blues" ist garantiert ein großes Werk, aber fällt dann im Gesamtbild doch minimal ab, auch aus erwägbaren Gründen. Man muss sich auch nur einmal die gnadenlos übertriebenen alten Linernotes von Joe Goldberg zu Gemüte führen. Mit Schmunzeln nimmt man nachträglich zur Kenntnis, dass es sich hier um ein Werk handelt, welches "Kind of Blue" scheinbar überragt...
Ich freue mich schon auf weitere Diskussionen zu dem Thema! :-)
Einen Zusatz noch: Auf der CD Ausgabe befindet sich ein Bonustrack, der damals als unpassend verworfen wurde. "Untitled Original" heißt dieses Stück. Und siehe da: Man lässt die Hunde von der Kette und Alles einfach Alles ist in sekundenschnelle da! genauso wie man´s liebt...
redbeansandrice
17.05.2010, 17:06
werd mir das Album auch demnächst nochmal anhören, aber so in aller erster Näherung hatte ich damals den Eindruck, die seichten Stücke aus diesen Sessions sind auf My Favorite Things gelandet, die interessanten auf Coltrane's Sound und die monotonen auf Play the Blues... (ich bevorzuge übrigens Coltrane's Sound :lol: alles in Relation natürlich, weder ist MFT wirklich seicht noch PTB einfach nur monton...)
hier gibts (http://www.youtube.com/watch?v=OMtUjlkcumk) ein frühes Alice Coltrane Solo zu hören - vermutlich nicht übermäßig aussagekräftig...
redbeansandrice
17.05.2010, 17:23
Das macht wohl so halbwegs Sinn, aber wenn man die beiden unmittelbar nacheinander spielen hört wie hier oder auf "Tenor Conclave" mit Sims/Cohn oder noch mehr auf "A Blowin' Session", dann ist der Kontrast schon sehr sehr deutlich! Und für mich gehen da - trotz aller Liebe für Mobley - die Punkte sehr klar an Coltrane. Mobley kann nicht richtig aufblühen in so einem Setting, da kommt sein lyrisches Spiel nicht wirklich durch (und grad das gefällt mir sonst an seinen 50er Aufnahmen so und sie über die 60er Klassiker irgendwie erhebt... na ja, "Soul Station" bleibt mein Lieblingsalbum von ihm, aber insgesamt eher 50er als 60er, und "Soul Station" ist ja irgendwie die "Schwelle" dazwischen, könnte man sagen).
für mich ist das irgendwie der eine Punkt, an dem man wirklich die Grenzen von zeitgenössischen Einschätzungen sieht - dieser Gedanke, dass Rollins und Coltrane (und offenbar auch Mobley - was ich wirklich absurd finde) quasi ununterscheidbar ähnlich klingen, der dürfte heute eigentlich jedem der gelegentlich Jazz hört ziemlich fremd sein (find jetzt grad keinen anderen Beleg als den hier (http://books.google.de/books?id=FgsEAAAAMBAJ&pg=PA96&dq=rollins+%22tenor+madness%22&lr=&as_drrb_is=b&as_minm_is=0&as_miny_is=&as_maxm_is=0&as_maxy_is=1960&as_brr=0&cd=1#v=onepage&q=rollins%20%22tenor%20madness%22&f=false)); kann mir das nur so erklären, dass es drei Kategorien gab, "Getz/Young", "Hawkins/Webster" und "anders"... und man sich irgendwie dachte, dass sich die Musiker in der dritten Schublade genauso ähneln wie die in den ersten beiden... in dem zitierten Billboard Review ist ja auch schon im wesentlichen "Lehrbucheinordnung" von Rollins Stil (gleiche Teil Parker und Hawkins, die Antithese zu Young, dem vorherrschenden Stil der Zeit, was man wohl nicht vergessen darf)... was ein bißchen übersieht, dass Parker nun nicht grad die Antithese zu Young ist, und dass Young ganz anders ist als Getz (der ja auf eine Art viel eher Vater dieser Schule ist, im Sinne von, Abziehbild für die anderen - und viel eher die Antithese zu Getz); aber Coltrane ist nun wirklich nochmal anders... wenn ich die frühen Rezensionen so lese, krieg ich ein bißchen den Eindruck, die Leute dachten, er versucht so zu spielen wie Rollins, aber es gelingt ihm nicht; dass sie ihn quasi aufs gutem Willen der Rollins Schule zuschlagen...
gypsy tail wind
17.05.2010, 18:08
Zur den Oktober 1960 Sessions: bis ich dahin komme dauert's noch eine Weile, aber nur mal zur Illustration:
John Coltrane Quartet
John Coltrane (ss, ts) McCoy Tyner (p) Steve Davis (b) Elvin Jones (d)
NYC, October 21, 1960
5118 Village Blues Atlantic LP 1354
- Village Blues (alt. take) Rhino R2 71984
5119 Equinox Atlantic rejected
5120 My Favorite Things Atlantic LP 1361, SD 1528, SD 1541, SD 2-313
5121 The Night Has A Thousand Eyes Atlantic rejected
5400 My Favorite Things, Pt. 1 Atlantic 5012
5401 My Favorite Things, Pt. 2 -
* John Coltrane - Coltrane Jazz (Atlantic LP 1354, SD 1354)
* John Coltrane - My Favorite Things (Atlantic LP 1361, SD 1361)
* Various Artists - Jazz Super Hits (Atlantic SD 1528)
* The Best Of John Coltrane (Atlantic SD 1541)
* The Art Of John Coltrane (Atlantic SD 2-313)
* John Coltrane - The Heavyweight Champion (Rhino R2 71984)
* John Coltrane - My Favorite Things, Pt. 1&2 (Atlantic 5012)
John Coltrane Quartet
same personnel
NYC, afternoon, October 24, 1960
5126 Central Park West Atlantic LP 1419, SD 1541, SD 2-313
5127 Mr. Syms Atlantic LP 1382
5128 Untitled Original (Exotica) Atlantic SD 1553
5129 Summertime Atlantic LP 1361
5130-1 Body And Soul (alt. take) Atlantic (J) P 6128A
5130-2 Body And Soul Atlantic LP 1419, SD 2-313
* John Coltrane - Coltrane's Sound (Atlantic LP 1419, SD 1419)
* The Best Of John Coltrane (Atlantic SD 1541)
* The Art Of John Coltrane (Atlantic SD 2-313)
* John Coltrane - Coltrane Plays The Blues (Atlantic LP 1382, SD 1382)
* John Coltrane - The Coltrane Legacy (Atlantic SD 1553)
* John Coltrane - My Favorite Things (Atlantic LP 1361, SD 1361)
* John Coltrane - Alternate Takes (Atlantic (J) P 6128A, SD 1668)
John Coltrane Quartet
same personnel
NYC, evening, October 24, 1960
5133 Mr. Knight Atlantic LP 1382, SD 2-313
5134-1 Blues To Elvin (take 1) Rhino R2 71984
5134-2 Blues To Elvin (take 2) -
5134-3 Blues To Elvin (take 3) -
5134-4 Blues To Elvin (take 4) Atlantic LP 1382
5135 Mr. Day -
5136-1 Blues To You (take 1) Rhino R2 71984
5136-2 Blues To You (take 2) -
5136-3 Blues To You (take 3) Atlantic LP 1382
5137 Blues To Bechet Atlantic LP 1382, SD 2-313
5138 Satellite Atlantic LP 1419
* John Coltrane - Coltrane Plays The Blues (Atlantic LP 1382, SD 1382)
* The Art Of John Coltrane (Atlantic SD 2-313)
* John Coltrane - Coltrane's Sound (Atlantic LP 1419, SD 1419)
* John Coltrane - The Heavyweight Champion (Rhino R2 71984)
John Coltrane Quartet
same personnel
NYC, October 26, 1960
5139 Everytime We Say Goodbye Atlantic LP 1361
5140 26-2 Atlantic SD 1553
5141 But Not For Me Atlantic LP 1361
5142 Liberia Atlantic LP 1419
5143 The Night Has A Thousand Eyes -
5144 Equinox Atlantic LP 1419, SD 1559
* John Coltrane - My Favorite Things (Atlantic LP 1361, SD 1361)
* John Coltrane - The Coltrane Legacy (Atlantic SD 1553)
* John Coltrane - Coltrane's Sound (Atlantic LP 1419, SD 1419)
* Various Artists - Jazz Super Hits, Vol. 2 (Atlantic SD 1559)
Da sieht man, dass es sich bei diesen Sessions eher um ein paar Tage im Studio handelt, wie es Miles z.B. für die Cookin', Workin', Steamin' & Relaxin' Alben gemacht hat... einfach mal alles spielen, was man im Repertoire hatte, ein paar neue Stücke ausfeilen (scheint bei den Blues Nummern eher der Fall gewesen zu sein, insofern ist vielleicht die These, dass Ertegun da eingriff/konzipierte nicht ganz von der Hand zu weisen).
Aber wie gesagt: ich kann diese Sachen irgendwie gar nicht als Alben hören, ich hör das chronologisch aus der Box und wenn man das tut ist das unglaublich eindrücklich (trotz dem absolut unbemerkenswerten Bassisten). Jones findet langsam seinen Stil, Tyner klingt lyrisch und offen und ist noch weit vom bombastischen Spiel späterer Jahre entfernt... aber ja, die Qualität der Aufnahmen ist leider nicht so toll wie diejenigen aus Van Gelders Küche.
Enthalten die erhältlichen CDs (nehme an v.a. "Atlantic Masters" in diesen Digipacks mit roter Rückseite?) eigentlich Bonus Tracks, oder in der Regel nicht? (Die Atlantic "Original Sound" enthielten ja üblicherweise keine, die Masters sind ein Durcheinander... davor gab's ja auch noch die "alten" CDs in Jewel Cases, und von einigen Alben gab's wohl auch noch diese 50th Anniversary Edel-Digipacks, zumindest von Plays the Blues (http://www.amazon.com/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B00004WH7B/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274112252&sr=1-2-spell), die Bonus Tracks enthielten).
Zu redbeans' letztm Post (#235, falls jemand dazwischenpostet): das ist schon sehr bemerkenswert, ja! Und dass man bei Parker den sehr grossen Young-Einfluss nicht hören wollte ist auch komisch. Und bei Rollins ist der ja irgendwie schon auch da!
Aber Rollins war wohl die Schulade für "anders", der beste und bekannteste um 1956/57, unter den jungen, nehme ich an.
Was mich allerdings wundernehmen würde: wo sind denn Leute wie Dexter Gordon (der war im Knast und wohl daher irrelevant) oder James Moody hingefallen? Und Stitt hat man damals wohl noch v.a. als Altsaxer (und daher ab in die Parker-Kiste) gesehen?
gypsy tail wind
17.05.2010, 19:12
Hab die Miles Quintet Prestige Sessions in voller Pracht durchgehört... das war schon eine unglaubliche Band!
Jetzt folgen "Tenor Madness" mit Rollins und der Miles Rhythmusgruppe, auch das super! Jetzt läuft "Tenor Conclave", danach folgen "Whims of Chambers" und "Round About Midnight", die Krönung des Miles Quintets mit Coltrane, Garland, Chambers und Jones.
Zu "Tenor Conclave" möchte ich ein kurzes Zitat aus den "Notes On the Music" von Lewis Porter (im Interplay 5CD-Set) wiedergeben, die einen Punkt besser formulieren, als ich es könnte, den ich schon anzusprechen versucht habe, ohne ihn auf den Punkt bringen zu können - zu "Just You, Just Me" schreibt er:
Coltrane makes a strong entrance at 2:43; but his phrases in 1955 and '56 were sometimes halting, and that is evident here in the frequent stops and starts.
Das ist etwas, was ich meinte, wenn ich vom Rohdiamanten aber auch von den Fingern, die dem Kopf noch nicht ganz folgen könnten, schrieb. Letzeres stimmt ja eh nicht, weil man hie und da auch rein vom technischen schon in diesen 1956er Sessions unglaubliches zu hören bekommt!
Und noch was von Porter zu "Just You...":
During the trading at 6:40 he [Coltrane] plays the run that he later used to end "Giant Steps." It's a popular quotation among beboppers since the late 1940s (Bud Powell and Dizzy Gillespie used it, among others) and it sounds classical to me, but I can't trace its source.
Und übrigens: Mobley klingt hier für mich ähnlich schwach wie auf "Informal Jazz". Und irgendwie auch wenn ich "Mobley" raushören kann, klingt er schlecht schwach, nicht lyrisch-zurückhaltend schwach... Sims und Cohn klingen viel robuster, was ja dem drei Schubladen Modell auch entschieden zuwiderläuft!
Und weiter mit Ira Gitlers Liner Notes von "Tenor Conclave", über die Schubladen:
Last year a writer on jazz posed a question to me. It was, "How do you dig both Sonny Rollins and Zoot Sims?," and I answered, "Because I dig both Bird and Pres."
Herein lies the key to one of the internal differences in the wide area of the mainstream of modern jazz as we hear it played today. On the one hand we have musicians who have followed in the footsteps of the founding fathers of bop -- Charlie Parker, Dizzy Gillespie, and Thelonious Monk. On the other side there are the musicians who are playing in a style which combines the synthesized influences of bop, certain modern arrangers like Gerry Mulligan and Gil Evans, the Tristano school, and the Lester Young-Count Basie tradition. The last-named element is a strong determinant in the sound and spirit of much of their playing.
Gitler vergleicht dann Sims/Cohn mit Bill Perkins/Richie Kamuca als Beispiel für "inner differences in a similar area" - erstere seien direkt von Basie/Pres beeinflusst, während dieser Einfluss bei lezteren unkenntlich gemacht würde, da sie über die Brothers ("Sims, Cohn, Getz") auf diese Inspirationsquelle zugriffen.
Gegen all die setzt er dann die andere Gruppe, findet aber immerhin: "Yet, the all-too convenient labeling of the latter group as 'hard bop' is a case of overapplication."
The Sonnys, Stitt and Rollins, are two of the leading influences and yet are different in attack and sound. Both stem from Bird but both have Pres in their background. Stitt, who brought his Bird-like alto conception to the tenor, lets the Pres influence show occasionally on the larger horn. Rollins, who left his alto conception (Louis Jordan at that time) completely behind when he switched to tenor, has been persuaded by both the alto and tenor of Bird and has also been touched by Young and Comena Hawkins. You can hear the Young in his tenor duet with John Coltrane in "Tenor Madness" (Prestige LP 7047)
The "hard" bopper (soundwise) are Stitt, Frank Foster, and Billy Mitchell. Coltrane fits in here to an extent because he is partly out of the Stittian mold and his tone has a cutting edge. He also uses hollowed-out sustained notes and scoops reminiscent of the way Dexter Gordon played in the mid-Forties and this was a Pres portion of the dual Gordon makeup rather than a Bird side. Trane literally screams his ideas at times.
Hank Mobley is not a "hard" bopper. His long lines are sineway and sinuously sculpted but his sound has been and is evolving toward a personal mellowness with rounder edges. Hank descends directly from Bird (notice how he sometimes favors double-time runs) and if you know Bird's tenor playing, you remember it was not "hard." The Savoy session with Miles Davis ("Milestones," "Sipping at Bell's," "Little Willie Leaps," "Half Nelson") is the best example. Stylistically, Sims and Cohn are Brothers, Mobley and Coltrane cousins. Their ability to blow as a homogenous foursome shows the Brothers and cousins to be second cousins.
Das ist natürlich alles ein wenig zu hübsch formuliert, aber scheint doch der allzu simplen Schubladen-Theorie entgegenzustehen, weil v.a. Coltrane und Mobley recht differenziert verortet werden (Gordon wird auch noch genannt!) und auch bei den Brothers einige Mühe angewendet wird, die nicht alle in denselben Topf zu werfen.
Die Reihenfolge im Box-Set ist chronologisch, auf dem ersten Stück der Session ("Just You, Just Me") haben Taylor/Chambers erhebliche Mühe, zusammenzufinden, und im zweiten, "Tenor Conclave", zu Beginn auch noch. Das Tempo schwankt v.a. im ersten Stück, zuerst werden sie langsamer, dann zieht das Tempo wieder an, insgesamt wirkt das nur so halbwegs gelungen... dann folgt die Ballade, wo Mobley endlich glänzt - und wie! Er darf am Schluss, und er wird nicht eingequetscht zwischen andere sondern spielt bis zum Ende allein, inklusive wunderbare Solo-Kadenz!
Die Session endet dann mit "Bob's Boys", einem Mobley-Stück und auch hier schwankt das Tempo wieder: bei Beginn des Bass-Solos wird's kurz schneller, dann gleich wieder langsamer, am Ende ist es aber erheblich schneller als zu Beginn (Art Taylor eben :lol: ) - Coltrane hat das erste Solo und hier fliesst alles sehr schön bei ihm! Später zitiert er übrigens noch die "Humoreseque" von Dvorak (Porter: "... a favorite of Art Tatum, whom Coltrane admired" - das wusste ich gar nicht!)
gypsy tail wind
17.05.2010, 20:54
"Whims of Chambers" - was für ein Klasse-Album!
Kann mich noch gut erinnern, habe es (sowie "Up at Minton's" von Stanley Turrentine, den Rest hab ich vergessen) Ende 90er als wir im "Arbeitslager" (jawoll, so wurde das damals wirklich genannt!) in Griechenland waren, in Athen gekauft, in einem tollen Laden irgendwo im wunderbar stinkigen und stickigen Zentrum der Stadt (die wurde wohl mittlerweile übel aufgeräumt und gepützelt - aber vielleicht wird das jetzt wieder ändern, wenn auch aus unschönem Anlass!)
Egal, back in line! Chambers mit Philly Joe, der einen riesigen Unterschied zu Taylor macht, schon am Anfang von "Omicron", dazu Byrd und Coltrane, sowie Silver und Burrell - für einen 1956 gerade mal 21 Jahre jungen Bassisten eine ziemlich Traumband! Und die Resultate stimmen - gute Kompositionen, gute Soli, viel Abwechslung durch die Instrumentierung und Soli-Organisation etc... und das ganze wirkt wie üblich bei Blue Note viel besser einstudiert und solider durchgeführt - entsprechend klingt auch Coltrane sehr solid hier. Natürlich ist "Tenor Conclave" kein fairer Vergleich, aber doch... "Whims of Chambers" verkörpert sehr schön die Tugenden von Blue Note (die beiden späteren Chambers BNs, PC Quintet und Bass on Top, schätze ich übrigens auch sehr).
Übrigens ist das seit der Session mit Dizzy (1951-03-01) das erste Wiedersehen von Coltrane und Burrell, zumindest auf Platte. Es folgten für Prestige noch "Interplay", "The Cats", sowie das Highlight "Kenny Burrell and John Coltrane" (wo wiederum das Duo der beiden, "Why Was I Born?", einer der Höhepunkte ist).
Enthalten die erhältlichen CDs (nehme an v.a. "Atlantic Masters" in diesen Digipacks mit roter Rückseite?) eigentlich Bonus Tracks, oder in der Regel nicht? (Die Atlantic "Original Sound" enthielten ja üblicherweise keine, die Masters sind ein Durcheinander... davor gab's ja auch noch die "alten" CDs in Jewel Cases, und von einigen Alben gab's wohl auch noch diese 50th Anniversary Edel-Digipacks, zumindest von Plays the Blues (http://www.amazon.com/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B00004WH7B/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274112252&sr=1-2-spell), die Bonus Tracks enthielten).
Deine Faszination dafür ist doch toll. Es war ja auch nicht der Versuch es niederzuschreiben. Ich wollte nur diese Gegenüberstellung ein wenig deutlicher machen, als man sie so allgemein, glaube ich, wahrnimmt. Das bleibt alles dennoch geheiligte Zone; das kann hier nicht Thema sein ;-)
Jetzt muss ich aber selbst mal ganz genau kucken. Ja es ist die Ausgabe im Jewelcase. Es ist die alte "Atlantic Jazz" - Serie, gänzlich ohne Jahresangabe.
Was auf den anderen Ausgaben dazugegeben wurde kann ich auch nicht beantworten. Ich habe mal wegen einer anderen Atlantic Cd in besagtem Digipak Format geforscht. Es muss Roland Kirk gewesen sein. Keine Chance. Zuguterletzt habe ich sie auf gut Glück bestellt. Und die Kirk ist eine "Atlantic Masters" mit der Datierung 1998 & 2002 und auch mit Bonustitel. Was wohl bedeutet: 1998 remastered worden und 2002 in optischer Überarbeitung wiederveröffentlicht...
gypsy tail wind
17.05.2010, 22:50
Von diesen Deluxe-Digipacks hab ich nur Art Blakey's Jazz Messengers & Thelonious Monk. Die Kirk Atlantics hab ich fast alle von 32 Jazz, Coltrane, Ornette und Mingus in den Box-Sets.
Ist ein ziemliches Durcheinander, weil die verschiedene Serien gemacht haben, die sich teils sogar noch überschnitten, teils mit Bonus Tracks, teils nicht.
Coltrane Plays the Blues
US 1990er CD (6 Tracks) (http://www.amazon.com/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B000002I5E/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274127984&sr=1-1)
Rhino 1993er CD (7 Tracks, mit diesem "Untitled Original") (http://www.amazon.de/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B000002I5E/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128119&sr=1-1)
2004 CD (Digipack in der Atlantic Masters Serie, nehme ich an) (11 Tracks, wie oben + 4 alt. takes) (http://www.amazon.de/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B0001K2KEI/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274128119&sr=1-2)
2002 Deluxe Edition (10 Tracks, ohne Untitled Original, mit 4 alt. takes) (http://www.amazon.com/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B00004WH7B/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274112252&sr=1-2-spell)
My Favorite Things
1990er CD (4 Tracks) (http://www.amazon.com/My-Favorite-Things-John-Coltrane/dp/B000002I53/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128319&sr=1-1)
1998er Digipack (Atlantic Masters) (+ Single Version von MFTh, 6 Tracks) (http://www.amazon.com/My-Favorite-Things-John-Coltrane/dp/B0006M4SOG/ref=sr_1_10?ie=UTF8&s=music&qid=1274128319&sr=1-10) (stimmt das Jahr?)
1998er Deluxe Version (6 Tracks mit Single) (http://www.amazon.com/Favorite-Things-Deluxe-John-Coltrane/dp/B00000348A/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274128319&sr=1-2)
Das sind wohl die drei Versionen von den "Klassikern", von manchen gab's zudem eine Atlantic Original Sound CD (das war eine Serie mit nur 50 Alben, glaub ich, ohne Bonus Tracks, zumindest die, die ich habe).
Ein ziemliches Chaos... aber die Heavyweight Champion Box ist immer noch zu haben. Momentan ziemlich billig aus den USA (http://www.amazon.com/Heavyweight-Champion-Complete-Atlantic-Recordings/dp/B0000033K2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128545&sr=1-1) (oder hier (http://www.cduniverse.com/productinfo.asp?pid=1117950) etwas teuer) aber auch bei amazon.de (http://www.amazon.de/Heavyweight-Champion-Complete-Atlantic-Recordings/dp/B0000033K2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128552&sr=1-1) - hab da aber keineswegs systematisch gesucht.
Und die Digipacks, um den Unterschied noch zu illustrieren... links die "Original Sound" Reihe, rechts die "Masters" Reihe:
http://img3.imageshack.us/img3/4481/johncoltranegiantstepsa.jpg http://img218.imageshack.us/img218/4481/johncoltranegiantstepsa.jpg
Ich glaub diese Digipacks sind alle europäisch (die ersten aus der Schweiz, die zweiten aus Deutschland), bin mir aber nicht sicher.
Rhino hat jedenfalls auch noch die kleine Reihe mit den Piano-Tasten auf der Innenseite der Trays (Jewel Cases mit klaren Trays). Das sind üblicherweise die besten Reissues (mit Ausnahme ev. von den Deluxe Digipacks, aber die kenn ich wie gesagt bis auf eine nicht).
Ist echt ein Chaos!
gypsy tail wind
17.05.2010, 22:54
Hab ich extra wegen der bekloppten Bilder-Regeln hier einen Account auf so ner Seite gemacht und jetzt werden die Bilder nicht mal angezeigt?! :roll:
Coltrane Plays the Blues
US 1990er CD (6 Tracks) (http://www.amazon.com/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B000002I5E/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274127984&sr=1-1)
Das sind wohl die drei Versionen von den "Klassikern", von manchen gab's zudem eine Atlantic Original Sound CD (das war eine Serie mit nur 50 Alben, glaub ich, ohne Bonus Tracks, zumindest die, die ich habe).
Ein ziemliches Chaos... aber die Heavyweight Champion Box ist immer noch zu haben. Momentan ziemlich billig aus den USA (http://www.amazon.com/Heavyweight-Champion-Complete-Atlantic-Recordings/dp/B0000033K2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128545&sr=1-1) (oder hier (http://www.cduniverse.com/productinfo.asp?pid=1117950) etwas teuer) aber auch bei amazon.de (http://www.amazon.de/Heavyweight-Champion-Complete-Atlantic-Recordings/dp/B0000033K2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1274128552&sr=1-1) - hab da aber keineswegs systematisch gesucht.
Danke für den ausführlichen Job bezüglich der Unterschiede! Das ist mal ein Gefitzel...
Aber das erste Problem haben wir bereits bei der ersten Cd von "PTB" von 1990. Genau diese habe ich nämlich und MIT dem Bonustrack. Es ist echt verrückt, aber das ist es, was ich gemeint hab. Teilweise sind die Trackangaben schlichtweg falsch. Ich hab die Cd bestellt und hab mich dann natürlich darüber gefreut. Aber nirgendwo war eine eindeutige Angabe dazu zu finden...
Die 50-Alben Serie kenne ich auch. Ich hatte mal Billy Cobham´s "A Funky thide of sings" daraus. Die muss ich auch wieder nachkaufen (war ein kurzfristiges "Notgeschenk" für ein Geburtstagskind ;-) ). Diese Serie fand ich irgendwie sympathisch, auch bezüglich des Querschnitts. War wohl ohne Bonüsse, wie du schon geschrieben hast...
Das Boxset scheint auch sehr reizvoll und unterscheidet sich preislich kaum von der Einzelpreisen. Bei amazon sah ich es auch für 57€. Geht noch, denke ich. Wie ist das beim Kauf von US-Boxsets. Kommt da nicht auch noch Zoll drauf? Habe mir mal Tonabnehmer für die Gitarre aus USA kommen lassen und das war im Endeffekt kein Superschnäppchen mehr;-)
Frag doch mal 'whole lotta pete' wegen dem Bilderservice. Er ist da glaube ich Fachmann.
gypsy tail wind
18.05.2010, 00:27
Das mit dem Zoll ist so eine Sache... ich kann da nur für die Schweiz ungefähren Angaben machen, aber ja, da kann man ziemlicher Unbill ausgesetzt werden, da ist bestimmt Vorsicht geboten. Beim derzeitigen schwachen US$ müsste das in diesem Fall wohl mit etwas Glück ohne Zoll durchkommen, aber ich könnte es nicht ganz sicher sagen - sie erheben hier die MWSt sobald diese mehr als 5 CHF beträgt, sonst wird sie wegen Geringfügigkeit erlassen, der Satz liegt bei 7.6%, der Höchstwert für zollfreie Sendungen also bei ca. 65 CHF... manchmal wird allerdings der Versandkostenanteil auch noch als Teil des Wertes der Sendung betrachtet, dann wäre das hier schon zuviel... ist ein absoluter Wahnsinn, diese Verzollung... (und ein kleiner Gratistip (http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/geige_auf_dem_weg_nach_hause_1.5584627.html): nie teuere Musikinstrumente in die Schweiz einführen versuchen... weitere lustige Zoll-Episoden, inklusive zertrümmerter Flügel hier (http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/konzertfluegel_zertruemmert_taktstock_zermalmt_1.5 588883.html))
Das mit dem Zoll ist so eine Sache... (und ein kleiner Gratistip (http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/geige_auf_dem_weg_nach_hause_1.5584627.html): nie teuere Musikinstrumente in die Schweiz einführen versuchen... weitere lustige Zoll-Episoden, inklusive zertrümmerter Flügel hier (http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/konzertfluegel_zertruemmert_taktstock_zermalmt_1.5 588883.html))
Ich meine bis 20 Euro bleibt es vom Zoll verschont... Vielleicht weiß es jemand noch genauer. Andererseits war dies nicht meine erste Tonabnehmerlieferung gewesen. Bei ersten Mal hatte ich 2 bestellt, die kamen beide durch. Selbst der dritte Ersatz (es gab einen Defekt bei einem) kam zollfrei an. Aber ich erinnere mich, dass die Firma geschummelt hatte und irgendwas a la Warenprobe angekreuzt hat ;-)
Die legale Variante sieht wohl etwas anders aus...
Wow! Diese Zeitungsartikel sind aber auch der Brüller. Es ist aber auch unglaublich, welche Wertrelationen da vorherrschen. Das mit dem Flügel ist besonders krass...
Zoll fällt unter 100 Euro gar nicht an, aber EUSt (Einfuhrumsatzsteuer) in Höhe von 19% ab einem Warenwert von 22 Euro. Ist also nicht ganz so konsumentenfreundlich geregelt wie in der Schweiz.
redbeansandrice
18.05.2010, 09:57
2004 CD (Digipack in der Atlantic Masters Serie, nehme ich an) (11 Tracks, wie oben + 4 alt. takes) (http://www.amazon.de/Coltrane-Plays-Blues-John/dp/B0001K2KEI/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1274128119&sr=1-2)
Ich glaub diese Digipacks sind alle europäisch (die ersten aus der Schweiz, die zweiten aus Deutschland), bin mir aber nicht sicher.
Rhino hat jedenfalls auch noch die kleine Reihe mit den Piano-Tasten auf der Innenseite der Trays (Jewel Cases mit klaren Trays). Das sind üblicherweise die besten Reissues (mit Ausnahme ev. von den Deluxe Digipacks, aber die kenn ich wie gesagt bis auf eine nicht).
Ist echt ein Chaos!
ich bin müsste nachgucken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das "meine" Ausgabe ist, aus der Serie mit Jewel Case und mit den Klaviertasten; die sind von der Aufmachung alle schön, aber etwas unterschiedlich, grad bei den Coltranes haben sie sich besonders ins Zeug gelegt, da sind viele Fotos, mehrere Texte... in diesem Sinne sei kurz erwähnt, das bei der Klaviertastenversion von Coltrane's Sound (http://www.amazon.de/ColtraneS-Sound-John-Coltrane/dp/B0001K2KOS/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=music&qid=1274169151&sr=1-4) auf der Rückseite die erste Version von Body and Soul (Track 4) vergessen wurde, auf der CD aber drauf ist (einfacher Check: bei den amazon sound samples ist der fünfte als Satellite ausgewiesene Track offensichtlich Equinox); das ist zB eine sehr schön aufgemachte CD... leider kann man sich bei amazon marketplace ja nie sicher sein, dass die Verkäufer das mit den Versionen auch drauf haben...
gypsy tail wind
18.05.2010, 09:58
Dafür ist der Freibetrag fast doppelt so hoch - da wär ich extrem froh drum, v.a. wenn ich Box-Sets kaufe! Da kommen bei mir schnell noch 20€ extra drauf, auch wenn's nur ein 5-6CD Set ist, da fällt das manchmal ganz schön ins Gewicht!
Wir meinen dasselbe, gtw. Die deutsche Mehrwertsteuer ist ja auch viel höher als die in der Schweiz (nicht dass man das in der Schweiz merkt, aber bei Auslandseinkäufen ist es natürlich toll :lol:)
gypsy tail wind
18.05.2010, 10:43
Aber jetzt back in line :lol:
Gestern noch Tadd Damerons "Mating Call" gehört - ist wohl das bis dahin stärkste Auftreten Coltranes. Sein Ton ist wunderbar, sein Spiel flüssig, die Ideen perlen nur so aus ihm raus. Grosse Klasse! Und auch die Kompositionen sind toll, viel mehr Charakter und Persönlichkeit als die Stücke auf der Hope Jam-Session. Simmons mag eine seltsame Wahl gewesen sein, aber es funktioniert einigermassen zwischen ihm und Philly Joe. Damerons Piano-Soli (hier wie anderswo in seinem viel zu kleinen Werk) sind wohl ziemlich genau das, was oft als "composer's piano" bezeichnet wird - ich mag sein Spiel sehr gerne!
Das ist sowas wie der krönende Abschluss des holprigen Start des Herrn Coltrane.
Miles schmiss ihn und Philly Joe raus (zum ersten Mal) und 1957 wurde zum "watershed" Jahr Coltranes. Ashley Kahn bringt das in den Liner Notes der "Side Steps" Box auf den Punkt:
Coltrane's firing had three consequences, all almost immediate and all positive.
First, sometime in early May, Coltrane kicked his narcotic habit cold turkey while gigging in Philadelphia. He returned to new York, recharged and re-dedicated to his musical path. His personal revival went deeper than just the physical. "During the year 1957, I experienced, by the grace of God, a spiritual awakening which was to lead me to a richer, fuller, more productive life," Coltrane later wrote on his album A Love Supreme.
Second, he began to record and perform with pianist Thelonious Monk, whom Coltrane called "a musical architect of the highest order." Their relationship grew into a post-graduate seminar in advanced harmony and other insights handy to an improviser: Monk the instructor, Coltrane the willing student. Where his former boss had approached music on an intuitive level, his new professor was as analytical and communicative as he. "Monk is the exact opposite of Miles. He talks about his music all the time," Coltrane said. "If, by chance, you ask him anything, he'll spend hours explaining it to you if he needs to."
Lastly, Coltrane re-entered the jazz circle a free agent, master of his own schedule, able to take on whatever jobs he chose. With the drive of a man on a mission, and when not playing or studying with Monk, Coltrane became a constant presence on the scene - sitting in on jam sessions, rehearsing with fellow musicians, and recording on no less than 19 dates through the rest of the year. Of those, six were sessions Coltrane led or co-led - five for Prestige, and one that produced the famed Blue Train album for Blue Note (the latter a concession by Weinstock allowing Coltrane to honor a previous, un-contracted commitment). Of the remaining 13, six were sideman dates to which Coltrane added a maturing sound and growing reputation.
~ from Ashley Kahn's liner notes in: John Coltrane: Side Steps, p. 11
1957 war für mich ursprünglich das Jahr, in dem mich Coltranes Musik gefesselt hat, während ich die früheren Sachen (mit Ausnahme von "Round About Midnight" und der vier Miles Prestige-Alben von 1956, das von Nov. 1955 kam erst viel später dazu) erst später langsam entdeckte.
The Prestige All Stars - Interplay For 2 Trumpets And 2 Tenors
Art Taylor - Taylor's Wailers
Johnny Griffin, Vol. 2 - A Blowing Session
Thelonious Monk - Thelonious Himself
Tommy Flanagan/John Coltrane/Kenny Burrell - The Cats
Mal Waldron - Mal-2
Mal Waldron - The Dealers
John Coltrane - Dakar
John Coltrane/Paul Quinichette - Cattin' With Coltrane And Quinichette
John Coltrane - Coltrane
John Coltrane - Lush Life
Various Artists - Blues For Tomorrow
Thelonious Monk - Monk's Music
Thelonious Monk With John Coltrane
John Coltrane - The Last Trane
John Coltrane With The Red Garland Trio (Traneing In)
Sonny Clark - Sonny's Crib
John Coltrane - Blue Train
Frank Wess/Paul Quinichette/John Coltrane - Wheelin' And Dealin'
Various Artists - Winner's Circle
Red Garland - All Mornin' Long
Red Garland - Soul Junction
Red Garland - High Pressure
Thelonious Monk Quartet With John Coltrane At Carnegie
Red Garland - Dig It!
The Ray Draper Quintet Featuring John Coltrane
Art Blakey Big Band
Das ist schon eine sehr eindrückliche Liste! Die erste Session (Interplay) fand gegen Ende März statt, im April gab's dann schon fünf Sessions (am 6. Griffins "Blowing Session", dann am 16., 18., 19. und 20.!), im Mai dann am selben Tag die zweite Session für "Mal/2" und das wunderbare "Cattin' with Coltrane & Quinichette". Am 31. Mai fand die Session für Coltranes erstes eigenes Album statt, mit dem sonst völlig unbekannten Trompeter Johnny Splawn, im Juni und Juli die Monk-Sessions (Coltrane... COLTRANE! :wave: ) und ab August geht's dann richtig los mit eigenen Sessions: "Lush Life", "Traneing In" und "Blue Train" (mit dem "dry-run" "Sonny's Crib" unter Sonny Clarks Ägide). Im Herbst nimmt Coltrane an einer hübschen Bethlehem Jam-Session Teil mit einer spannenden Band u.a. mit Byrd, Rehak, Quill, Cohn, Costa, Pettiford und Philly Joe. Im November ensteht die grandiose Carnegie Hall Aufnahme mit Monk, aber auch die ersten Sessions für eine ganze Reihe von Red Garland Alben, die sich in den Dezember hinziehen, dann auch eine Big Band Session mit Art Blakey (wieder für Bethlehem) und die Aufnahme mit Ray Daper.
Wird wohl eine Weile brauchen, bis ich damit durch sein werde, bin erst bei "Interplay", von den Jam-Alben eins der schönsten, auch dank der Anwesenheit einiger zu wenig gehörter Solisten, besonders Webster Young und Idrees Sulieman, aber auch Bobby Jaspar, der zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich robust und NYC-abgehärtet klingt, aber im Vergleich mit Coltrane aben doch wieder sehr viel sanfter. Sehr schön, wie er in "Anatomy" bei den Exchanges gegen Ende richtig Gas gibt (geben muss) um mit Coltrane mitzuhalten! Gerade im Vergleich mit "Tenor Conclave" ist das hier eine durch und durch gelungene Jam-Session!
http://img132.imageshack.us/img132/8443/coltranejasparsuliemanw.jpg
Ira Gitler ist hier sehr knapp (was wohl klüger ist...) in seiner "stilistischen Charakterisierung" der vier Bläser, zwei "hot", zwei "cool", über jeden einen knappen Satz oder so, zu Coltrane schreibt er diesmal:
Coltrane is a cruising, long-lined, digging-inn swinger out of Dexter Gordon and Sonny Stitt and, like Sulieman, has developed something extremely personal out of his influences.
~ Ira Gilter, Liner Notes von "Interplay for 2 Trumpets and 2 Tenors, Prestige 7112
gypsy tail wind
18.05.2010, 12:45
"Monk's Mood" im Trio (Coltrane & Wilbur Ware) ist die erste Aufnahme, die Coltranes Arbeit mit Monk dokumentiert. Das Stück erschien ursprünglich auf der Solo-LP "Thelonious Himself". Sehr, sehr schön! Schade, dass es da nicht mehr davon gibt!
http://img14.imageshack.us/img14/7302/johnnygriffinablowinses.jpg
Griffins "Blowin' Session"... was soll man dazu noch sagen? Testosteron bis zum umfallen, dazwischen Lee Morgan, der mit fiesen Soli glänzt, angetrieben wird das ganze in typischer wuchtiger Manier von Art Blakey, am Piano sitzt Wynton Kelly, Bass spielt Paul Chambers. Die drei Saxophonisten sind einfach auseinanderzuhalten, Griffin gibt Gas, spielt alle seine verrückten Licks und tut dies alles wie immer so, als gäbe es nichts leichteres auf dieser Welt. Mobley geht hier etwas weniger unter, irgendwie gelingt es ihm dieses Mal, seine lyrischen Qualitäten besser zur Geltung zu bringen. Coltrane... ja, Coltrane! Hier gibt's wohl nicht mehr viel an seinem Spiel zu mäkeln.
http://img708.imageshack.us/img708/7113/flanagancoltraneburrell.jpg
Und jetzt bin ich halb durch mit "The Cats", einem meiner allerliebsten unter all den Prestige All Star Alben! Wieder Coltrane, Sulieman und Burrell, dazu Tommy Flanagan (der wohl eine Art Leader war, er hat ein sehr schönes Trio-Feature, das leider auf der Coltrane-Box fehlt), Louis Hayes (einige Zeit, vor er mit Cannonball Adderley bekannt wurde) und der grosse Doug Watkins. What a band! Auch die Kompositionen sind sehr schön: "Eclypso" mit seinem Latin-Beat (wie damals meist werden die Soli über swingendem 4/4 gespielt), "Solacium", "Minor Mishap" und der relaxte, langsame Blues "Tommy's Tune" stammen alle von Flanagan. Der lässt in seinem Solo in "Solacium" erst mal "Besame Mucho" anklingen und zitiert danach Chopin... Sulieman gefällt mir ausserordentlich - blechig, strahlend, zuversichtlich, aber doch nie zu rein, immer wieder mit lyrischen Momenten, kleinen Denkpausen.
Interessant folgende Bemerkung aus den Liner Notes der Box:
As a side note, Flanagan told me that after this session Coltrane called him "maestro." One can see why! But there was a downside: Coltrane was afraid that he'd insult Flanagan if he advised him to practice "Giant Steps" before the famous 1959 recording date. As a result, Tommy came to the session unprepared for the burning tempo that Trane would call off!
~ from Lewis Porter's "Notes on the Music", John Coltrane: Interplay, p. 12
Auch Kenny Burrell gefällt mir auf diesen frühen Sessions ausserordentlich gut! Noch besser kommt er dann auf "Kenny Burrell & John Coltrane" zur Geltung!
redbeansandrice
18.05.2010, 14:23
danke! Nebenergebnis aus deinen Posts: Lewis Porters Buch über Coltrane muss eigentlich gut sein... nachdem ich auch sonst ein bißchen Rezensionen gelesen hab, tendier ich sehr stark zu dem (und nicht zu Ratliff)...
gypsy tail wind
18.05.2010, 14:39
http://img199.imageshack.us/img199/2204/malwaldronmal2.jpg
Mal Waldron - Mal/2
Klasse! Coltrane, McLean und Bill Hardman als Frontline, die Rhythmusgruppe neben Waldron: Julian Euell und Art Taylor. Am besten gefallen mir die beiden langsamen Stücke, sonst ist mir Hardman zu kühl, zu blechern. Sulieman (den ich jetzt grad zweimal gehört habe) gefällt mir im Vergleich vom Sound und der Konzeption her sehr viel besser, er ist agiler, lyrischer, vielschichtiger - schade eigentlich, dass Sulieman nie besser bekannt worden ist!
Egal, McLean und Coltrane machen Hardmans Eindimensionalität locker wett, und Waldron prägt mit seinem Spiel die ganze Session. Auch Taylor klingt hier ziemlich gut! (Zwei Stücke von dieser Sessions landeten mit zwei alternates von der "Wheelin' & Dealin'" Session von Wess/Quinichette/Coltrane mit Waldron auf dem Album "The Dealers.)
Die zweite Session von "Mal/2" bringt Sulieman statt Hardman und Sahib Shihab (as,bari) anstelle von McLean, am Schlagzeug ist Ed Thigpen, ein meiner Meinung nach komplett unterschätzter Drummer - schade, dass er nicht mehr solche Sessions gespielt hat! Später war er wohl durch sein Engagement mit Oscar Peterson völlig absorbiert... auch sein eigenes Verve-Album "Out of the Storm" ist wunderbar!)
Mit dieser Frontlinie klingt das Ensemble etwas wärmer, auch Shihab spielt sanglicher als McLean, weniger flächig. Auf dem Programm stehen drei Standards, u.a. "The Way You Look Tonight", von dem sich auch auf Griffins "A Blowin' Session" eine sehr rasante Version findet.
Die Präsenz von Shihab ist witzig, weil zwischen den beiden Waldron Sessions auch das Album "Dakar" entstand, das Coltrane mit gleich zwei Barisaxern präsentiert, Cecil Payne und Pepper Adams. Shihab spielte auch Ende Mai (als Coltrane dann clean war) auf dem ersten eigenen Album von Coltrane mit. Eigentlich schade, dass er später nie mehr mit Barisaxern gearbeitet hat, allerdings ist's auch schwierig, sich einen passenden vorzustellen, so bis 1961 hätten Adams, Payne und Shihab wohl noch gepasst, aber danach?
redbeansandrice
18.05.2010, 14:58
Charles Davis hat solche Jobs meist gekriegt, oder? (mit Steve Lacy, neben Lasha/Simmons auf Illumination), auf Africa Brass ist Pat Patrick, auch naheliegend... Charles Tyler hat erst später Bariton gespielt? Sanders am Bariton stell ich mir irgendwie gut vor...
Könnt Ihr nachvollziehen, wenn ich sage, dass Coltrane als Leader in gewisser Weise für mich mit "Giant Steps" beginnt? Nicht, dass die Alben vorher nicht gut wären, aber man würde von ihnen heute so sprechen, wie man von Hank Mobley oder Johnny Griffin spricht. Großartige Musiker, aber eben keine Genies. Das Geniale von Coltrane beginnt sich in den 1960ern Bahn zu brechen.
Ergänzung zu oben: Zollgrenze 150 Euro in Deutschland.
Aber jetzt back in line :lol:
The Prestige All Stars - Interplay For 2 Trumpets And 2 Tenors
Art Taylor - Taylor's Wailers
Johnny Griffin, Vol. 2 - A Blowing Session
Thelonious Monk - Thelonious Himself
Tommy Flanagan/John Coltrane/Kenny Burrell - The Cats
Mal Waldron - Mal-2
Mal Waldron - The Dealers
John Coltrane - Dakar
John Coltrane/Paul Quinichette - Cattin' With Coltrane And Quinichette
John Coltrane - Coltrane
John Coltrane - Lush Life
Various Artists - Blues For Tomorrow
Thelonious Monk - Monk's Music
Thelonious Monk With John Coltrane
John Coltrane - The Last Trane
John Coltrane With The Red Garland Trio (Traneing In)
Sonny Clark - Sonny's Crib
John Coltrane - Blue Train
Frank Wess/Paul Quinichette/John Coltrane - Wheelin' And Dealin'
Various Artists - Winner's Circle
Red Garland - All Mornin' Long
Red Garland - Soul Junction
Red Garland - High Pressure
Thelonious Monk Quartet With John Coltrane At Carnegie
Red Garland - Dig It!
The Ray Draper Quintet Featuring John Coltrane
Art Blakey Big Band
Das ist nicht fair! ;-)
Erst einmal einen großen Dank an deine wirklich enthusiastischen aber vor allem auch wahrhaftigen Beschreibungen. Deine Statements sind wirklich äußerst angenehm zu lesen.
Der Nachteil, hier und jetzt, ist für mich, dass ich mich eben an den Thrill zurückentsinne - und das war es wirklich! - als ich besagte Box zu allererstenmal öffnete und tagelang nichts anderes tat, als jene Chronologie zu studieren. Und erst jetzt kommt mir wieder, mit welchem Entdeckergeist da Augen als auch Ohren glänzten! Meine Kritik an der übertrieben komprimierten Form dieser Ausgabe bleibt weiterhin bestehen. Nur, erinnere ich mich auch beim lesen der ganzen Namen und Alben genau daran, was dies damals alles in mir ausgelöst hat. Man hatte ja schon eine Art heiligen Gral angeschafft. Und mit (damals etwa 22) fühlte ich mich fast schon wie ein Eingeweihter eines vergessenen Geheimbundes.
Nun schmerzt es also doch mehr als ich zunächst geglaubt habe und werde fast schon sentimental... ich hätte es nicht lesen dürfen ;-)
Aber um so mehr freue ich mich auf die Originale, irgendwann. Manchmal braucht es so eine Diskussion, um zu ermessen, wieviel einem etwas eigentlich tatsächlich bedeutet. Wir haben hier Luxusprobleme, oder?!:lol:
Irgendwie verleitet mich Redbeans Hinweis auf "Coltrane´s Sound" auch zu einer aktuellen Spontananschaffung. Ich hatte das Werk bislang nicht im Fokus. Soll ich meiner Intuition folgen?
JA!
Übrigens: Coltrane's Sound. Der ' ist der über dem #. Das machen so viele falsch, irgendwann musste ich es mal sagen. :lol:
Das hier ´´´ ``` sind Akzente.
gypsy tail wind
18.05.2010, 15:10
Charles Davis hat solche Jobs meist gekriegt, oder? (mit Steve Lacy, neben Lasha/Simmons auf Illumination), auf Africa Brass ist Pat Patrick, auch naheliegend... Charles Tyler hat erst später Bariton gespielt? Sanders am Bariton stell ich mir irgendwie gut vor...
Hm, weiss nicht... kann mir die alle nicht so recht mit Coltrane vorstellen. Hängt wohl damit zusammen, dass Coltranes Umfeld irgendwie ziemlich eng und geschlossen war. Sanders am Bari? Hat er je Bari gespielt eigentlich? Kann man sich in der Tat ganz interessant ausmalen!
redbeansandrice
18.05.2010, 15:18
Hm, weiss nicht... kann mir die alle nicht so recht mit Coltrane vorstellen. Hängt wohl damit zusammen, dass Coltranes Umfeld irgendwie ziemlich eng und geschlossen war. Sanders am Bari? Hat er je Bari gespielt eigentlich? Kann man sich in der Tat ganz interessant ausmalen!
nein, so richtig überzeugt mich das auch alles nicht, Davis und Patrick... aber Sanders hätte das mit dem Bari ruhig mal machen können (hat er soweit ich weiß nicht), wär bestimmt besser gewesen als sein Sopran...
@toshey: grad nicht im Kopf ob das die Tage erwähnt wurde - aber es gibt ja die drei neuen Prestige-Boxen, Fearless Leader (http://cgi.ebay.de/JOHN-COLTRANE-Fearless-Leader-6CD-BOX-/290367427244?cmd=ViewItem&pt=Music_CDs&hash=item439b3f52ac) mit den Leader Alben, sowie Interplay und Sidesteps, jeweils 5,6 CDs, das mag für das Geheimbundfeeling nicht genügen, aber ansonsten ist es vielleicht gar nicht so eine schlechte Alternative zu der großen Box...
gypsy tail wind
18.05.2010, 15:18
Und noch ein enthusiastisches "JA!" zu Coltrane's Sound (es sei denn, du willst nicht doch die Box...)
Vielleicht von den einzelnen Alben von den Oktober 1960er Sessions das beste? "Equinox", aber auch "Liberia", "Body and Soul", und dazu auch noch das wunderbare "Central Park West"!
@ nail:
http://img718.imageshack.us/img718/4249/frankzappaapostrophe.jpg
:laola0: :lala:
Könnt Ihr nachvollziehen, wenn ich sage, dass Coltrane als Leader in gewisser Weise für mich mit "Giant Steps" beginnt? Nicht, dass die Alben vorher nicht gut wären, aber man würde von ihnen heute so sprechen, wie man von Hank Mobley oder Johnny Griffin spricht. Großartige Musiker, aber eben keine Genies. Das Geniale von Coltrane beginnt sich in den 1960ern Bahn zu brechen.
Ein sehr guter Einwurf und vorallem perfekt was das Timing betrifft!
Ich muss darüber noch sinnieren. "Giant Steps" hat diesen Status sicherlich inne, aber mich irritiert, (wie im Post weiter oben angedeutet), dass er sich durch diverse Ereignisse auch wieder zurückbewegt hat, zumindest wirkte es nach außen ein wenig so.
Ich habe aber bewußt diese " ` " Form, statt jener " ' " gewählt.:-)
Ich mag es ein bißchen luftiger zwischen den Buchstaben...
Aber deine Anmerkung ist dennoch sinnvoll, weil wenn man bspw. eine Amazon Rezension schreibt, funktioniert bei der Darstellung nur diese Variante. Hat sehr lange gedauert, bis ich das mal...:lol:
gypsy tail wind
18.05.2010, 15:39
nein, so richtig überzeugt mich das auch alles nicht, Davis und Patrick... aber Sanders hätte das mit dem Bari ruhig mal machen können (hat er soweit ich weiß nicht), wär bestimmt besser gewesen als sein Sopran...
@toshey: grad nicht im Kopf ob das die Tage erwähnt wurde - aber es gibt ja die drei neuen Prestige-Boxen, Fearless Leader (http://cgi.ebay.de/JOHN-COLTRANE-Fearless-Leader-6CD-BOX-/290367427244?cmd=ViewItem&pt=Music_CDs&hash=item439b3f52ac) mit den Leader Alben, sowie Interplay und Sidesteps, jeweils 5,6 CDs, das mag für das Geheimbundfeeling nicht genügen, aber ansonsten ist es vielleicht gar nicht so eine schlechte Alternative zu der großen Box...
@ euch beide :-)
Die drei Boxen sind wunderbar - so hör ich die Musik seit einiger Zeit. Klingen toll, sind mit 5-6 CDs handlich und haben knappe und gute Liner Notes, sowie alle originalen Liners und auch Abbildungen der Original-Cover.
Im Fearless Leader 6CD-Set gibt's eine Producer's Note (von Patrick Milligan & Cheryl Pawelski), eine Einleitung von Patrick S. Ginell, sowie Session Notes von Lewis Porter.
Die enthaltenen Alben sind: Coltrane (7105), Traneing In (7123), Soultrane (7142), Lush Life (7188), Settin' the Pace (7213), Standard Coltrane (7243), Stardust (7268), The Believer (7292), Black Pearls (7316), Bahia (7353), sowie The Last Trane (7378)
Im Interplay 5CD-Set gibt's eine Einleitung von Nat Hentoff und wieder "Notes on the Music" von Porter.
Die Alben: Tenor Conclave (7074), Interplay for 2 Tenors & 2 Trumpets (7112), Wheelin' and Dealin' (7131), Cattin' with Coltrane & Quinichette (7158 - Quinichettes Feature-Stück fehlt leider), Dakar (7280 - zuerst auf "Modern Jazz Survey 2 / Baritone & French Horns" Prestige 16-6), The Cats (New Jazz 8217 - hier fehlt Flanagans Trio-Feature), Kenny Burrell & John Coltrane (New Jazz 8276), Mal Waldron - The Dealers (Status 8316 - nur Seite B, Seite A siehe unten), sowie "C.T.A." von Art Taylor - Taylor's Wailers (7117 - das Stück erschien ursprünglich auch noch auf Red Garland - Dig It! [7229], von der zwei weitere Stücke in der untenstehenden Box enthalten sind)
Dann das zuletzt erschienene Side Steps 5CD-Set: Einleitung und Session Notes (alles in einem) von Ashley Kahn, sowie ein Interview von AK mit Bob Weinstock.
Die Alben: Elmo Hope - Informal Jazz (7043), Tadd Dameron - Mating Call (7070), Mal Waldron - Mal/2 (7111), Red Garland - All Mornin' Long (7130), Red Garland - Soul Junction (7181), Red Garland - High Pressure (7209), Red Garland - Dig It (7229 - ein Stück siehe oben, eins im Trio fehlt, die zwei anderen sind hier), Ray Draper Quintet featuring John Coltrane (New Jazz 8228 - ein Stück ohne Coltrane fehlt leider), Mal Waldron - The Dealers (Status 8316 - nur Seite A, Seite B siehe oben), sowie "Tenor Madness" von Sonny Rollins' gleichnamigem Album (7047) und die Stücke mit Coltrane von den Gene Ammons Alben "The Big Sound" (7132) und "Groove Blues" (7201).
Die Sessions sind alle chronologisch angeordnet (mit ganz wenigen Ausnahmen, glaub nur "Tenor Madness", das etwas zu spät kommt, damit vorangehende Sessions ganz auf eine CD passten), was v.a. beim Leader-Set ins Gewicht fällt (aber auch positiv: das Trio-Stück von "The Last Trane" ist das Highlight der Session, deren Rest auf "Lush Life" zu finden ist, und die Session mit Donald Byrd, die auf "Lush Life", "The Believer" und "The Last Trane" verstreut war, ist am Stück zu hören und toll).
Die Notes sind wie gesagt alle kurz, aber auf den Punkt. Es gibt auch ein paar Kommentare (zu Solo-Abfolgen und so) in der Diskographie. Zudem gibt's viele schöne Fotos (Esmond Edwards ist diesbezüglich wohl einer der unterschätzeren aus der Zeit).
redbeansandrice
18.05.2010, 15:52
Könnt Ihr nachvollziehen, wenn ich sage, dass Coltrane als Leader in gewisser Weise für mich mit "Giant Steps" beginnt? Nicht, dass die Alben vorher nicht gut wären, aber man würde von ihnen heute so sprechen, wie man von Hank Mobley oder Johnny Griffin spricht. Großartige Musiker, aber eben keine Genies. Das Geniale von Coltrane beginnt sich in den 1960ern Bahn zu brechen.
wie man Coltrane wohl sehen würde, wenn er nach Giant Steps aufgehört hätte... ja, klar kann ich das nachvollziehen... (auch wenn ich die Formulierung "als Leader" nicht nur deshalb ein bißchen unglücklich finde, weil sie offensichtlich falsch ist), wie sag ich das jetzt... es ist sicherlich das dichteste, gelehrteste, interessanteste Coltrane Album bis dahin - und in beiden Punkten auch allem früheren haushoch überlegen... aber wenn ich weniger alleine sein will, dann ist es so ungefähr das letzte Coltrane Album, das ich auflegen würde - als Gebrauchsmusik vergleichsweise ungeeignet, da zu sehr mit sich selbst beschäftigt... Coltrane konzentriert sich hier so sehr af die Musik, dass der Kontakt mir dem Hörer ein bißchen leidet, und noch viel mehr der Kontakt mit dem lieben Gott (oder wem auch immer) :-) aber klar, Giant Steps macht alles was danach kam möglich... (so versteh ich deinen Satz) und das ist großartig, und nur meine Bebop-Seele hält mich davon ab, die Impulse Alben öfter zu hören als die auf Prestige...
gypsy tail wind
18.05.2010, 16:02
Ein sehr guter Einwurf und vorallem perfekt was das Timing betrifft!
Ich muss darüber noch sinnieren. "Giant Steps" hat diesen Status sicherlich inne, aber mich irritiert, (wie im Post weiter oben angedeutet), dass er sich durch diverse Ereignisse auch wieder zurückbewegt hat, zumindest wirkte es nach außen ein wenig so.
Ich habe aber bewußt diese " ` " Form, statt jener " ' " gewählt.:-)
Ich mag es ein bißchen luftiger zwischen den Buchstaben...
Aber deine Anmerkung ist dennoch sinnvoll, weil wenn man bspw. eine Amazon Rezension schreibt, funktioniert bei der Darstellung nur diese Variante. Hat sehr lange gedauert, bis ich das mal...:lol:
So ganz sicher bin ich da doch nicht... "Traneing In", "Blue Train", "Soultrane" und "Settin' the Pace" sind schon auch ganz tolle Alben.
Wegen "Giant Steps": eigentlich war das selber ja auch ein Rückschritt... die Entwicklung verlief ja über die totale Verdichtung (harmonischer Art - rhythmisch bedingte die ja eine Vereinfachung, das Solo über "Giant Steps" besteht fast nur aus Achteln, die "Sheets of Sound" wären da nicht mehr machbar gewesen, selbst für Coltrane nicht!) und dann - poof! - zerplatzte die Blase und die neue Simplizität war da: der modale Jazz. Dieser bahnt sich bei Miles schon seit mitte 50er Jahre oder so an (ich glaub auf der Blue Note Quartett-Session mit Horace Silver gibt's schon ein harmonisch aufs Äusserste reduziertes Stück) und findet dann auf "Milestones" zum ersten Mal Niederschlag und mit "Kind of Blue" gab's dann gleich ein ganzes Album voll - und was für ein Album!
Coltrane hat parallel dazu immer noch seinen "doomed" Weg der harmonischen Verdichtung beschritten, und die Sessions für "Giant Steps" fanden statt, nachdem der Knoten ja eigentlich bereits zerschlagen war... daher ist für mich "Giant Steps" irgendwie zugleich Markstein, aber auch Endpunkt, Sackgasse. Danach musste eine neue Einfachheit, Klarheit folgen, wie sie Coltrane dann selbst auch auf "Coltrane" (dem Impulse-Album) und bis hin zu "A Love Supreme" weiter gepflegt hat.
So sehe ich das in etwa... also der Endpunkt fand statt als der Weg zum Neubeginn schon angetreten war. Äusserst faszinierend in diesem Hinblick übrigens "Flamenco Sketches". Jost analysiert es in "Free Jazz" und zeigt auf, wie die Solisten unterschiedliche Strategien haben, um anzuzeigen, dass sie in die nächste Skala wechseln werden. Adderley macht das konventionell, indem er ein Phrase spielt und sie dann moluliert, in der neuen Skala wiederholt. Bei Coltrane wird der Wechsel durch Verdichtung (konkret: kürzere Noten in der gleichen Zeit, beim dritten oder vierten Wechsel dann eigentliche Läufe oder Arpeggi) angezeigt. Unglaublich subtil!
@ euch beide :-)
Die drei Boxen sind wunderbar - so hör ich die Musik seit einiger Zeit. Klingen toll, sind mit 5-6 CDs handlich und haben knappe und gute Liner Notes, sowie alle originalen Liners und auch Abbildungen der Original-Cover.
Ich hab sie gerade mal inspiziert. Das sind wirklich wunderschöne Boxen! Da ist jetzt Geduld gefragt, oder, grundsätzlich, der Griff zu den Einzelausgaben.
Gemessen an der aktuellen Preisentwicklung kann ich nur sagen, dass ich im Direktvergleich wohl, rein monetär, extreme Verluste eingefahren habe. Der Käufer bei ebay freut sich vermutlich noch heute :-) Ich gönne es ihm...
Habe auch wegen der Atlantic Digi`s nochmal bei Grooves-Inc. gestöbert. Die meisten gibt es da aktuell für 5,39. Da könnte man auch günstig komplettieren... Mal sehen, wie ich das machen werde...
wie man Coltrane wohl sehen würde, wenn er nach Giant Steps aufgehört hätte... ja, klar kann ich das nachvollziehen... (auch wenn ich die Formulierung "als Leader" nicht nur deshalb ein bißchen unglücklich finde, weil sie offensichtlich falsch ist), wie sag ich das jetzt... es ist sicherlich das dichteste, gelehrteste, interessanteste Coltrane Album bis dahin - und in beiden Punkten auch allem früheren haushoch überlegen... aber wenn ich weniger alleine sein will, dann ist es so ungefähr das letzte Coltrane Album, das ich auflegen würde - als Gebrauchsmusik vergleichsweise ungeeignet, da zu sehr mit sich selbst beschäftigt... Coltrane konzentriert sich hier so sehr af die Musik, dass der Kontakt mir dem Hörer ein bißchen leidet, und noch viel mehr der Kontakt mit dem lieben Gott (oder wem auch immer) :-) aber klar, Giant Steps macht alles was danach kam möglich... (so versteh ich deinen Satz) und das ist großartig, und nur meine Bebop-Seele hält mich davon ab, die Impulse Alben öfter zu hören als die auf Prestige...
Was meinst Du damit, dass die Formulierung "falsch" ist?
Wie gesagt, ich finde Giant Steps ungeheuer melodisch und aufregend. Alles, was Du schreibst, empfinde ich als Argumente für dieses Werk. Ich habe ganz oft Lust, die Alben von Coltrane nach Giant Steps zu hören und ganz selten Lust, die davor einzulegen.
Coltrane hat parallel dazu immer noch seinen "doomed" Weg der harmonischen Verdichtung beschritten, und die Sessions für "Giant Steps" fanden statt, nachdem der Knoten ja eigentlich bereits zerschlagen war... daher ist für mich "Giant Steps" irgendwie zugleich Markstein, aber auch Endpunkt, Sackgasse. Danach musste eine neue Einfachheit, Klarheit folgen, wie sie Coltrane dann selbst auch auf "Coltrane" (dem Impulse-Album) und bis hin zu "A Love Supreme" weiter gepflegt hat.
[/QUOTE]
Coltrane [Impulse!] war wie Ballads eine Reaktion auf die kritischen Äußerungen mancher Kritiker zu den Village Vanguard Aufnahmen. Im Grunde sind sie ein Sonderfall, Coltrane gibt sich zahmer als er eigentlich ist. Man höre nur die Village Vanguard-Aufnahmen in Form der Box: Das ist die Verdichtung pur, dagegen ist Giant Steps so locker und luftig wie ein Windbeutel!
Ein sehr guter Einwurf und vorallem perfekt was das Timing betrifft!
Ich muss darüber noch sinnieren. "Giant Steps" hat diesen Status sicherlich inne, aber mich irritiert, (wie im Post weiter oben angedeutet), dass er sich durch diverse Ereignisse auch wieder zurückbewegt hat, zumindest wirkte es nach außen ein wenig so.
Was meinst Du?
Was meinst Du?
Bezieht sich deine Frage auf das Sinnieren? Da brauche ich noch ein bißchen Bedenkzeit... Das ist wirklich eine bedeutende Frage, die du da aufgeworfen hast, finde ich.
redbeansandrice
18.05.2010, 16:55
ach, mit falsch meinte ich ganz plump, dass es frühere Alben gibt... und mit unglücklich, dass ich Giant Steps nicht in jeder Hinsicht für technisch überlegen halte - also, hab grad nochmal Settin the Pace gehört und bin geneigt zu behaupten, dass er da als Solist fast aufregender ist...
gypsy tail wind
18.05.2010, 17:01
Find ich interessant, dass du "Giant Steps" so anders hörst als wir (nehme jetzt mal an redbeans und ich hören's einigermassen ähnlich)!
Coltrane [Impulse!] war wie Ballads eine Reaktion auf die kritischen Äußerungen mancher Kritiker zu den Village Vanguard Aufnahmen. Im Grunde sind sie ein Sonderfall, Coltrane gibt sich zahmer als er eigentlich ist. Man höre nur die Village Vanguard-Aufnahmen in Form der Box: Das ist die Verdichtung pur, dagegen ist Giant Steps so locker und luftig wie ein Windbeutel!
Das wusste ich nicht, ist dem wirklich so? Ich dachte immer die Trilogie der Zugeständnisse sei "Ballads", "Ellington & Coltrane" und "Johnny Hartman & John Coltrane", habe "Coltrane" nie dazu gezählt. Für mich ist das eins der schönsten Alben, und wenn man die ganzen Sessions hört (in der leider etwas missglückten 8CD "Classic Quartet" Box oder mit noch mehr Material in der 2CD Deluxe-Edition von "Coltrane" - die Box ist ja deswegen missglückt, weil danach noch weiteres rauskam von "Ballads", "Coltrane" und "A Love Supreme"... aber doch eine wunderschöne Box!), dann bieten diese Sessions eine sehr grosse Bandbreite an Musik! Aber bis ich mit hören da ankomme dauert's noch eine geraume Weile!
wie man Coltrane wohl sehen würde, wenn er nach Giant Steps aufgehört hätte... ja, klar kann ich das nachvollziehen... (auch wenn ich die Formulierung "als Leader" nicht nur deshalb ein bißchen unglücklich finde, weil sie offensichtlich falsch ist), wie sag ich das jetzt... es ist sicherlich das dichteste, gelehrteste, interessanteste Coltrane Album bis dahin - und in beiden Punkten auch allem früheren haushoch überlegen... aber wenn ich weniger alleine sein will, dann ist es so ungefähr das letzte Coltrane Album, das ich auflegen würde - als Gebrauchsmusik vergleichsweise ungeeignet, da zu sehr mit sich selbst beschäftigt... Coltrane konzentriert sich hier so sehr af die Musik, dass der Kontakt mir dem Hörer ein bißchen leidet, und noch viel mehr der Kontakt mit dem lieben Gott (oder wem auch immer) :-) aber klar, Giant Steps macht alles was danach kam möglich... (so versteh ich deinen Satz) und das ist großartig, und nur meine Bebop-Seele hält mich davon ab, die Impulse Alben öfter zu hören als die auf Prestige...
Ich bin gerade erstaunt, wenn ich diese Gedanken dazu, so offensichtlich ausformuliert, selbst durchdenke. Ich will hier nicht den Friedens-Diplomatie Preis gewinnen, aber ich finde, man kann das tatsächlich auch so hören. Das ist mir, zumindest emotional, gar nicht mal so unvertraut. "Giant Steps" bietet sicherlich mehrere Ebenen (ich rede nicht von qualitativ unterschiedlichen, sondern einfach nur verschiedenen!), auf dem man es wahrnehmen kann. Und diese Eigenschaft finde ich im Falle dieses Werkes überdurchschnittlich. Um den "Irrsinn" auf die Spitze zu treiben. Die Mehrzahl der Impulse Veröffentlichungen finde ich sogar wesentlich zugänglicher! Auch wenn sie "oberfächlich" wilder, ausformulierter und konkreter daherkommen mögen. Hier werden echt Türen aufgemacht... Faszinierend! Besonders wenn einem ein Künstler so sehr am Herzen liegt...
Bezieht sich deine Frage auf das Sinnieren? Da brauche ich noch ein bißchen Bedenkzeit... Das ist wirklich eine bedeutende Frage, die du da aufgeworfen hast, finde ich.
Ich meinte die Ereignisse, von denen Du sprachst. Mir war nicht klar, was Du meinst.
ach, mit falsch meinte ich ganz plump, dass es frühere Alben gibt... und mit unglücklich, dass ich Giant Steps nicht in jeder Hinsicht für technisch überlegen halte - also, hab grad nochmal Settin the Pace gehört und bin geneigt zu behaupten, dass er da als Solist fast aufregender ist...
Ja, klar gibt es frühere Alben Du Schlaumeier, daher schrieb ich "für mich". ;-)
Es ging mir auch nicht um die Soli, es ging mir um den fantastischen Gesamteindruck. :-)
Find ich interessant, dass du "Giant Steps" so anders hörst als wir (nehme jetzt mal an redbeans und ich hören's einigermassen ähnlich)!
Das wusste ich nicht, ist dem wirklich so? Ich dachte immer die Trilogie der Zugeständnisse sei "Ballads", "Ellington & Coltrane" und "Johnny Hartman & John Coltrane", habe "Coltrane" nie dazu gezählt. Für mich ist das eins der schönsten Alben, und wenn man die ganzen Sessions hört (in der leider etwas missglückten 8CD "Classic Quartet" Box oder mit noch mehr Material in der 2CD Deluxe-Edition von "Coltrane" - die Box ist ja deswegen missglückt, weil danach noch weiteres rauskam von "Ballads", "Coltrane" und "A Love Supreme"... aber doch eine wunderschöne Box!), dann bieten diese Sessions eine sehr grosse Bandbreite an Musik! Aber bis ich mit hören da ankomme dauert's noch eine geraume Weile!
Ja, Giant Steps ist seit mindestens eines meiner Jazz-Lieblingsalben.
Coltrane kann man in die Trilogie der Zugeständnisse durchaus reinpacken, zahmer als die Village Vanguard-Aufnahmen ist es allemal. Dolphy verließ die Band ja im März 1962, gerade nachgelesen, die darauf folgenden Alben gehen auf jeden Fall einen anderen Weg, auch wenn ich gerne bereit bin zuzugeben, dass Coltrane [Impulse!] nicht mit Ballads gleichzusetzen ist.
gypsy tail wind
18.05.2010, 17:21
ach, mit falsch meinte ich ganz plump, dass es frühere Alben gibt... und mit unglücklich, dass ich Giant Steps nicht in jeder Hinsicht für technisch überlegen halte - also, hab grad nochmal Settin the Pace gehört und bin geneigt zu behaupten, dass er da als Solist fast aufregender ist...
Und da könnte man vielleicht noch anschliessen, dass er auf "Black Pearls" quasi die langen, suchenden Versionen der Verdichtungen von "Giant Steps" präsentiert und auch technisch mindestens so krasse Sachen bietet. Allerdings sind sie dort noch roh und unausgegaart (und wohl keineswegs fürs tägliche Hörvergnügen geeignet... ein irgendwie düsteres Album, finde ich).
: : . : . : :
Bin jetzt mittlerweile bei "Coltrane"... aber zuerst noch ein paar Worte zu "Cattin' with Coltrane & Quinichette": was für ein schönes Album!
http://img192.imageshack.us/img192/782/coltranequinichettecatt.jpg
Paul Quinichette, der "Vice Pres", ist ja ein Phänomen, er hat sich auf eine bestimmte (und keineswegs die beste) Phase von Lester Young konzentriert und daraus sein Spiel abgeleitet. Er klingt irgendwie fragil, auch ein wenig gemütlich, sehr relaxt. Das passt enorm gut in den Mix, der einmal mehr von Mal Waldrons Pianospiel und Kompositionen gepgrägt wird. Sehr schön, dass hier wieder Ed Thigpen Schlagzeug spielt, mit Taylor wäre die Session bestimmt nicht so relaxt rausgekommen. Coltrane und Quinichette passen gut zusammen, der "blend" aus ihren Sounds kommt toll rüber, erst recht mit Waldrons rollenden Begleitung. Ich würd jetzt nicht behaupten, dass das Album unter den besten aus Coltranes Prestige-Zeit ist, aber es ist eins meiner liebsten!
http://img266.imageshack.us/img266/7801/johncoltranecoltrane195.jpg
"Coltrane" dann, das erste Leader-Album. Trane klingt selbstsicher, ruhig (fast schon in sich ruhend, aber soweit war er da dann doch noch nicht ganz). Sein Spiel wechselt zwischen langen Phrasen und kurzen Einwürfen, er schlängelt sich virtuos durch die Changes und bricht hie und da in seine "sheets of sound" aus. Die Kompositionen sind mit Bedacht gewählt, etwa ein Original in AABA Form, bei dem jeder Teil 12 Takte hat ("Straight Street" - seit einigen Tagen/Wochen war Coltrane da ja straight), ein erstes Mal ein Stück von Cal Massey ("Bakai", eins der Highlights!), oder eine wunderbare, wenig bekannte Ballade ("While My Lady Sleeps", die übrigens in den ersten [?] von ihm aufgenommenen Multiphonics endet). Trompete spielt auf dieser Session - seiner einzigen - ein Freund von Coltrane, Johnny Splawn, dessen Spiel mir sehr, sehr gut gefällt. Nicht so glatt wie Wilbur Harden, aber ähnlich lyrisch. Dazu wie schon erwähnt noch einmal Sahib Shihab (der auf "Bakai" ein lustiges "Comes Love"-Zitat einflechtet). Dazu gibt's zwei Balladen im Quartett mit Red Garland, "Time Was" und "Violet for Your Furs" - und der Entscheid, hier Garland beizuziehen, war sicher richtig. Das letzte Stück der Session, "I Hear a Rhapsody", ebenfalls im Quartett mit Garland, kam erstmals auf "Lush Life" raus. Am Bass ist natürlich Paul Chambers, am Schlagzeug Albert "Tootie" Heath - seine einzige Aufnahme-Session mit Coltrane.
Coltrane scheint sich für sein erstes eigenes Album einiges überlegt zu haben, und in der Tat ist dabei eine runde Sache rausgekommen!
gypsy tail wind
18.05.2010, 17:27
@nail: die Village Vanguard Aufnahmen gehören natürlich zu den absoluten Highlights - auch hier wieder: die 4CD Box mit allem drin! Inklusive röhrendes Kontrabassfagott und Oud, das volle Programm! Die Box hab ich seit sie rauskam (ich war damals an der Mittelschule, kann mich noch erinnern... hab die Box auch mal noch meinem Latein-Lehrer ausgeliehen damals... aber ne, so cool war der nicht, ich war viel cooler :lol: )
Dass da im Vergleich "Coltrane" anders ist, sanfter, ist ganz klar. Aber ich finde keineswegs weniger tief oder vielfältig.
"Giant Steps" braucht bei mir wohl noch immer Zeit... bin gespannt, wie ich's dieses mal finden werde, wenn ich dann mit den Prestige-Sessions (und den Monk-Sessions) durch bin (die Miles 1958-1960 Sessions lass ich aus, die kenn ich... hab die früheren mitgehört, weil mich wundernahm, wie Coltrane sich entwickelt hat 1955/56).
gypsy tail wind
19.05.2010, 10:53
Nachdem schon im April "Monk's Mood" für Riverside aufgenommen wurde, fanden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni die Sessions zu einem von Monks wichtigsten Alben, "Monk's Music" statt. Am ersten Tag schien Monk nicht in der Lage, die Session durchzuführen - Produzent Orrin Keepnews:
Eventually Art arrives, the drums (and there was always a full array of tom-toms around Blakey) are suitably miked and, at least a full hour after the originally designated starting time, Monk begins the job of teaching his associates how to play [B]Crepuscule [with Nellie].
It is pretty clear from the start that too much time had gone by. The tape machine rolls on Take 1, but the ensemble opening is slow and uncertain; Monk is the only schedules soloist, and he is having problems. [...] But of course at the very start of the next try, Monk falls out. The take had been preceded by a little pep talk [...] and then we must face the fact that his head is on the keyboard. The pianist is asleep. Exhaustion, stimulants, frustrated creativity - I have never been overly concerned with the exact cause; I do know that he tried very hard, and that circumstances had overcome him. But I also know that he was to come back the next night, this time facing the added strain of a must-finish deadline, and succeed in recording a complete album [...]
~ Orrin Keepnews, liner notes to "Thelonious Monk with John Coltrane: The Complete 1957 Riverside Recordings"
Dennoch, für den unbedarften Fan (also mich) wirken die beiden Outtakes von "Crepuscule with Nellie" keineswegs total misslungen - Monk spielt bedächtig, Ware/Blakey grooven schön... ein wenig so, als könnte man Monk beim Proben über die Schulter sehen.
Die Session des ersten Tages wurde dann noch dazu genutzt, einen Blues von Gigi Gryce einzuspielen - ohne Monk. Dieser "Blues for Tomorrow" erschien dann auf einer Various Artists Compilation mit demselben Titel. Gryce spielt ein erstes kurzes Solo, mit seinem hübschen, leicht säuerlichen Ton - leider etwas kurz. Copeland hat ein wenig Mühe, reinzukommen, spielt aber gut als er drin ist. Dann Coltrane und Hawkins - beide super! Und dann die grosse Überraschung: Wilbur Ware... und Blakey wird hier für seine Verhältnisse richtig innovativ, tupft hier was hin und dort, und zieht das dann auch für sein eigenes tolles Solo durch. Dann folgen Fours der Bläser - sehr schön! Und auch die Abwesenheit von Piano macht dieses Stück speziell! Und es dauert ganze 13:33 Minuten!
Am zweiten Tag galt es dann ernst... ein Re-Take von "Crepuscule", dann "Off Minor", die Hymne "Abide with Me", "Epistrophy", "Well You Needn't" und Hawkins' Balladen-Feature über "Ruby My Dear". Von allen Stücken ausser "Ruby" gibt's zwei Takes (der eine von "Epistrophy" ist sehr viel kürzer), das meiste erschien damals als Füllmaterial auf "Thelonious Monk with John Coltrane" und anderswo).
Die Musik ist grosse Klasse, da brauch ich gar nicht mehr viel drüber zu schreiben, nur nochmal der Hinweis auf "Coltrane... COLTRANE!", als dieser den Einstieg in sein Solo auf "Well You Needn't" verschläft... sehr schön!
Irgendwann im Juli entstand dann noch die Quartett-Session mit Coltrane - sie zählt für mich zu den schönsten Monk-Sessions überhaupt! Auch Coltrane spielt hier "Ruby My Dear". Hier und auf "Nutty" und "Trinkle, Tinkle" kann man das Quartett hören, das diesen Sommer im Five Spot für Furore gesorgt hatte. Coltrane klingt sanft und spielt wie besessen, unglaublich! Sein Ton ist übrigens schon auf der Septett-Session neben Hawkins fast Altsax-mässig, fand ich.
Gemäss dem Coltrane Reader (p. 136f.) spielte das Quartett vom 18. Juli bis Ende August 1957 im Five Spot. Hier ist das alles etwas detaillierter... ab dem 13.8. spielte Ahmed Abdul-Malik Bass, bis Ende Juli war Frankie Dunlop am Schlagzeug, dann Shadow Wilson. Auch Julisu Watkins, Sahib Shihab, Max Roach, Art Blakey und Willie Jones hätten mal mitgespielt, ebenso Billie Holiday (!), Mal Waldron... und Monk selbst spielte mit Miles Davis, ebenso wie auch Silver und Percy Heath bei Miles aufgetaucht seien und mitgespielt hätten. (Down Beat, Sept. 5, 1957, p. 8 - nach: Coltrane Reader, p. 136. Dom Cerullis Kritik aus derselben Nummer von Down Beat, p. 33, ist dann auch noch komplett abgedruckt).
Vom 5. September bis 6. November spielte das Monk-Quartett (mit Abdul Malik, bis 10. oder 11. Sept. mit Philly Joe Jones, danach mit Shadow Wilson) erneut im Five Spot (dazwischen spielte dort die Donald Byrd/Lou Donaldson Group, an den Montagabenden spielte Mal Waldron im Trio).
Zum dritten Mal (Coltrane Reader, p. 139) spielten Monk/Trane dann vom 21. November bis am 26. Dezember im Five Spot, mit Abdul-Malik, und diesmal mit Wilson/Kenny Dennis (bis 15. bzw. ab 16. Dezember), und am 26. November fand dann das Carnegie Hall Konzert statt, das auf der tollen Blue Note CD festgehalten ist!
Für die letzte Woche von 1957 (27. Dez. - 1. Jan.) hat Coltrane dann ohne Monk im Five Spot weitergespielt, Red Garland sprang am Piano ein (am 27. Dezember anscheinend ohne Piano). Coltrane war demgemäss also erst im Januar 1958 wieder zurück bei Miles (und nicht wie Ken Vail sagt im Dezember 1957 - hab das Vail-Buch über Miles aber nicht, das einzige von ihm, das ich habe, ist das über Billie Holiday.)
Bin übrigens insgesamt eher ein klein wenig enttäuscht, vom Coltrane Reader, und da findet sicht nichts präzises über die Zeit im April (?) 1957, in der Coltrane seine Drogensucht loswurde. Es gibt nur drei Einträge "Possibly ca. Spring 1957" und im zweiten wird Simpkins (1989, p. 56-57) referiert, über einen Gig in Philadelphia, der vorzeitig beendet wurde, weil Coltrane oblgeich er keine Drogen mehr nähme noch stark getrunken habe (Quellen geben Simpkins keine an, wohl Cal Massey oder Tyner - dann wird noch Porter p. 355 angegeben, nehme an der hat sich dort auch auf diese Simpkins-Stelle bezogen.)
Massey und Tyner: letzerer und Jimmy Garrison spielten damals in Masseys Gruppe, weswegen Coltrane nach Philadelphia gefahren sei... er kannte die also schon eine ganze Weile! (Übrigens spielt Garrison ja auf Masseys halbwegs missglücktem aber dennoch faszinierenden Candid-Album "Blues to Coltrane"... der und Tenorist dort, Hugh Brodie, ist arg unter Coltranes Einfluss.)
Der erste Eintrag zu "Possibly ca. Spring 1957" ist jedoch faszinierend: Coltrane sei für Mobley eingesprungen (die erste Hälfte der Woche Clifford Jordan, die zweite Hälfte Coltrane) in Horace Silvers Quintet (mit Art Farmer, Teddy Kotick, Louis Hayes). Das würd ich gerne hören! Die Info beruht auf Interviews mit Silver und Farmer, genaue Datierung ist unmöglich, das ganze fand im Café Bohemia statt.
Insgesamt, nach einem sehr raschen ersten Blick, glaub ich eher nicht, dass ich mir "Coltrane Reference" kaufen werde. Es gibt wenig Text und es werden in der Chronologie primär alle bekannten Gigs (und Sessions) aufgelistet. Dann folgt eine riesige Diskographie mit mehr Details zu den Sessions.
Es ist wohl eine Art detailliertes Gerüst, aber all das, was spannend ist, fehlt letztlich... also purely factual, sozusagen. Zu ausschliesslich, als ich dafür 100€ oder noch mehr würde ausgeben wollen... aber die Herren dachten wohl, wenn sie das drucken statt ins Netz stellen würden sie vielleicht auch noch ein klein wenig dran verdienen (?) und natürlich ist ein Buch eine viel tollere Sache als eine Website, das ist schon klar!
Das klingt jetzt negativer als intendiert... wenn ich viel Geld hätte (na ja, oder bloss ein bisschen mehr als ich hab) würd ich das Buch bestimmt kaufen (bzw. dann hätte ich es schon seit über einem Jahr...)
Und nochmal: weiss irgendjemand, was mit David Wilds Website (http://home.att.net/~dawild/john_coltrane.htm) los ist?
Und noch eine Ergänzung nach dem grösseren Edit hier (neu: "Irgendwann im Juli..." bis zu Vail über Miles): glaub ich bin bereits genügend vom "Coltrane Reader" fasziniert, um einen Kauf ernsthaft in Erwägung zu ziehen...
gypsy tail wind
19.05.2010, 11:39
Und irgendwie ärgerlich, dass für die 2CD Ausgabe von Monk/Coltranes Riverside-Aufnahmen ausgerechnet ein Foto mit Coltrane am Alt (nehme an von der Gene Ammons Session) herhalten musste...
gypsy tail wind
19.05.2010, 12:27
And now he's playing! Ich glaub man hört Coltrane echt an, dass ihm da mit Monk ein paar Knöpfe aufgegangen sind!
Die Trio Session mit Earl May (ziemlich unauffällig) und Art Taylor (mal wieder rhythmisch unsicher) ist nur wegen Coltrane selbst bemerkenswert. Das Highlight ist ironischerweise der Alternate Take des Blues' ("Slowtrane"), der erst viel später auf der (tollen!) Restverwertungs-LP "The Last Trane" rauskam. Coltrane hat noch kurze Momente der Unsicherheit, aber er geht ziemlich ab!
Die zweite Session ist dann grosse Klasse - wieder im Quartett mit Red Garland (dessen unfreiwillige Abwesenheit aus der ersten ein Trio werden liess, May ersetzte wohl Chambers weil dieser mit Miles unterwegs war). Das Album, das an diesem Tag entstand hiess wie der lange Blues "Traneing In" - ein erster Klassiker von Coltrane, würd ich sagen. Das Programm ist breit, Balladen, Blues, und das extrem schnell präsentierte "Soft Lights and Sweet Music" (WHEW indeed!). Garland und Chambers sind super, und Taylor ist im Quartett doch einiges weniger heikel als im Trio... und schliesslich waren Garland-Chambers-Taylor ja mittlerweile auch langsam aufeinander abgestimmt.
Das Highlight ist wohl das letzte Stück der Session, "Slow Dance"!
redbeansandrice
19.05.2010, 12:54
Wilds Seite war vor ein paar Tagen noch ok (archive link (http://web.archive.org/web/20080219183042/home.att.net/~dawild/john_coltrane.htm)); Begeisterung für Traneing In natürlich sehr willkommen, klar ist Slow Dance das beste Stück, aber ich find eigentlich alles außer dem Titelstück sehr sehr gelungen - und das ist auch ganz offensichtlich eine LP die als Album Sinn macht!
mal gespannt auf deine Worte zu Wheelin' and Dealin', einem meiner Favoriten... (ich höre einen tie zwischen Quinichette und Coltrane und Wess als Sieger...); Trivia in Sachen Cal Massey, wenn nicht hier dann wo, sein Cousin Bill Massey war auch Trompeter-Arrangeur, auf sein Konto geht zB die seltsame Sonny Stitt Mambo Session (7-10 hier (http://www.deezer.com/de/#music/sonny-stitt/complete-jazz-series-1951-1953-419008)); Damerons Komposition Romas auf Mating Call dürfte ein Tribute an Massey und seinen Kompagnon Romulus Franceschini sein - jedenfalls nannten sich die beiden wohl Romas... wüsst gerne mehr über all das... vor allem über Massey, der ja für Coltrane sehr wichtig gewesen zu sein scheint... hier (http://books.google.de/books?id=wIfUv4s3vfEC&pg=PT148&dq=%22Romulus+Franceschini%22&cd=6#v=onepage&q=%22Romulus%20Franceschini%22&f=false) kann man einen Essay über Massey lesen, grad dabei... wenn ich das richtig verstehe, dann war Tyner/Garrison zuerst Massey Rhythmusgruppe... Liste mit Aufnahmen von Massey Kompositionen (http://web.archive.org/web/20050205051829/perso.wanadoo.fr/hardbop/Massey/Massey.html), allerdings nicht komplett, Charlie Parkers Aufnahme von Fiesta (1951) fehlt...
katharsis
19.05.2010, 13:06
Sehr schöne Posts, denen ich leider unter der Woche immer nur oberflächlich folgen kann. Die chronologisch-persönliche Erschließung des Werks ist sehr interessant.
Eine Zwischenfrage habe ich jedoch: Meines Wissens nach war "Ballads" dasjenige Impulse-Album, mit welchem Coltrane seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen musste. Trift dies tatsächlich auf die beiden "Feature-Alben" auch zu?
gypsy tail wind
19.05.2010, 13:15
Was hast du denn bloss gegen das Titelstück von "Traneing In"? Wollte ich eh schon fragen, aber jetzt, wo du dich grad wiederholst... mir gefällt's jedenfalls!
gypsy tail wind
19.05.2010, 13:35
[...] Trivia in Sachen Cal Massey, wenn nicht hier dann wo, sein Cousin Bill Massey war auch Trompeter-Arrangeur, auf sein Konto geht zB die seltsame Sonny Stitt Mambo Session (7-10 hier (http://www.deezer.com/de/#music/sonny-stitt/complete-jazz-series-1951-1953-419008)); Damerons Komposition Romas auf Mating Call dürfte ein Tribute an Massey und seinen Kompagnon Romulus Franceschini sein - jedenfalls nannten sich die beiden wohl Romas... wüsst gerne mehr über all das... vor allem über Massey, der ja für Coltrane sehr wichtig gewesen zu sein scheint... hier (http://books.google.de/books?id=wIfUv4s3vfEC&pg=PT148&dq=%22Romulus+Franceschini%22&cd=6#v=onepage&q=%22Romulus%20Franceschini%22&f=false) kann man einen Essay über Massey lesen, grad dabei... wenn ich das richtig verstehe, dann war Tyner/Garrison zuerst Massey Rhythmusgruppe... Liste mit Aufnahmen von Massey Kompositionen (http://web.archive.org/web/20050205051829/perso.wanadoo.fr/hardbop/Massey/Massey.html), allerdings nicht komplett, Charlie Parkers Aufnahme von Fiesta (1951) fehlt...
Franceschini, von dem findet sich auf "Africa/Brass" ein Stück, glaub ich... ah nein:
Next on the agenda was The Damned Don't Cry, the only arrangement of the session not contributed by Dolphy and Tyner. Trumpeter Calvin Massey, a long-time friend of Coltrane's from Philadelphia, wrote and arranged the composition, one of several of his works which Coltrane recorded during his career. According to Coltrane biographer C. O. Simpkins, Massey convinced Coltrane to use the full chart for this session, having recorded a demonstration version (which Coltrane liked). Three days before the record date, Massey and an assistant, pianist Romulus Franceschini, began the difficult job of copying the music for a large band. On the day of the recording session, however, they were still trying to organize the music. Massey, who was coping with a variety of personal problems, passed out at the session, and the performance heard here was conducted by Franceschini.
[...]
[T]here is much of value in this performance. The slow, blues-like 32-bar song-form composition features bitingly dissonant voicings, unusual instrumental combinations and doubling of the bass line by the tuba, echoing some of the late-fifties arrangements of Gil Evans. Trumpeter Booker Little gives the minor-sounding theme a plaintive reading, and is joined the second time around by Coltrane's soprano. However, the orchestra is tentative as they negotiate the tricky accents in the 12/8 opening section, and the piece does not catch fire until Coltrane's opening tenor solo.
~ David Wild, liner notes to "The John Coltrane Quartet - The Complete Africa/Brass Sessions", 1995 2CD Reissue
Dass Tyner/Garrison 1957 mit Massey spielten sollte aus meinem Post oben hervorgehen :-)
Aus Alun Morgans Liner Notes zu "Blues to Coltrane":
He spent a yeaer in New York City around 1946, not playing but getting to know musicians one of whom, trumpeter Freddie Wesbter, went out of his way to help and encourage him. Back in Philadelphia he got to know John Coltrane and, later, the Heath brothers, Percy, Jimmy and Al. All this helped to give him the experience he needed. Work with the units of Eddie Vinson and B.B. King probably helped too but by the end of the Forties Cal was carrying out a name for himself as a composer as well as a trumpeter. He wrote Nakatini Suite in 1948 in appreciation of a girl of that name who wrote the entertainment column for the "Pittsburgh Courier". (John Coltrane recorded the tune ten years after it was written; the record company change the title to Nakatini Serenade.) In March, 1951 Charlie Parker recorded Cal's tune Fiesta with his regular rhythm section plus a couple of percussionists from the Machito orchestra.
But precise news of Massey in the Fifties is generally hard to come by. he had a band of his own in Philadelphia for a time and he worked with Philly Joe Jones but it is not know exactly where or when. By 1958 he had settled in New York City seemingly engaged more in writing than playing. He produced Bakai (the word means 'cry' in Arabic) for a 1957 Coltrane record session; he also wrote for men such as Freddie Hubbard, Jackie McLean, Lee Morgan and McCoy Tyner. In the autumn of 1959 he was on the road with a big band fronted by George Shearing (Julius Watkins was in the band too) and was present on the unit's sole album, for the Capitol label. The following April trumpeter Lee Morgan used two of Cal's tunes on the Blue Note session which produced his "Leeway" album and in January, 1961, two days afte rhis 33rd birthday, Nat Hentoff gave him his first, and it turn [sic] out his only, chance to record under his own name. Sadly the session seems to have been lost for several years and only an edited Father and Son ever appeared, on the Candid album titled "Jazz Life" (Candid CS 9019). Cal came to Europe with Archie Shepp's band in 1969 and was interviewed by Francois Postif for "Le Jazz Hot" magazine. When the article appeared it was headed by a rare photo of Massey (curiously enough playing Flugel horn, apparently) and with his sole title on record listed as his complete discography!
~ Alun Morgan, liner notes on "Blues to Coltrane", Candid CD 9029, keine Angabe von Jahr in Booklet oder auf CD - die seltsame Interpunktion steht so bei Morgan...
Sonst kann ich leider auch nicht viel beitragen... hat denn jemand den RVG Remaster von "Mating Call"? Wenn's da *gute* neue Liner Notes drin hat, sollte dort was über Massey/Franceschini/Romas stehen, würde man erwarten...
Und natürlich wenn jemand diese Ausgabe von "Jazz Hot" hätte... :sonne:
redbeansandrice
19.05.2010, 13:39
Was hast du denn bloss gegen das Titelstück von "Traneing In"? Wollte ich eh schon fragen, aber jetzt, wo du dich grad wiederholst... mir gefällt's jedenfalls!
hmmm, ich find die Struktur beknackt... am Anfang ca 4 Minuten relativ nichtssagendes Klaviergeklimper - so hör ich das jedenfalls, was schonmal eine ziemlich seltsame Idee ist... dann steigt Coltrane - und man denkt, wenn er sich schon 4 Minuten Geklimper als Intro gegönnt hat, dann kommt jetzt wer weiß was für ein Einstieg, ist aber nicht so... dann kommt ein Coltrane Solo, eins von den typischen schnellen Soli dieser Zeit, wo man ihn beim arbeiten hört... nichts gegen zu sagen, aber das kann ich auch anderswo hören... aber nach grad mal sieben von über zwölf Minuten ist auch das vorbei und es folgt ein zweiminütiges Paul Chambers Bass Solo, das mir irgendwie zu statisch ist - grad auch im Vergleich mit dem direkt folgenden Slow Dance, ich mag ihn am gestrichenen Bass wirklich gerne (weiß das sieht nicht jeder so), weil er dort auch mal eine gewisse Intensität erreichen kann - die fehlt mir hier... naja, und die letzten dreieinhalb Minuten, Garlands zweites Solo und dann wieder Coltrane, die find ich super... ist also kein Totalausfall - aber mit einem richtig tollen Stück an erster Stelle (sagen wir: einem das noch besser ist als die verbleibenden vier) hätte das ein Album werden können, das auch nail für eins der besten Coltrane Alben überhaupt hält (am Rande: nochmal Danke für das Nachhaken bei Giant Steps, bin noch nicht so weit, dass ich irgendwas zurücknehmen wprd, aber es wächst und wächst)
gypsy tail wind
19.05.2010, 13:43
Daniel Humair said about one of my records “Sounds like Sunny Murray's hanging a painting on the wall...” (Laughs) It did, in a way, because what I was creating was acoustically correct... I started to write acoustical charts, graphic scores, like Cage and those guys... I worked on those with Romulus Franceschini, who was a very great musician (he wrote arrangements for [Coltrane's] “Africa Brass”, for Archie Shepp [“Things Have Got To Change”, “Attica Blues”]. I wrote my acoustical charts in relation to his Moog synthesizer, trying to find a set of symbols for my music that would correspond to his symbols.
Quelle: Paris Transatlantic, David Murray Interview von Dan Warburton, 3. November 2000 (http://www.paristransatlantic.com/magazine/interviews/murray.html)
gypsy tail wind
19.05.2010, 13:48
hmmm, ich find die Struktur beknackt... am Anfang ca 4 Minuten relativ nichtssagendes Klaviergeklimper - so hör ich das jedenfalls, was schonmal eine ziemlich seltsame Idee ist... dann steigt Coltrane - und man denkt, wenn er sich schon 4 Minuten Geklimper als Intro gegönnt hat, dann kommt jetzt wer weiß was für ein Einstieg, ist aber nicht so... dann kommt ein Coltrane Solo, eins von den typischen schnellen Soli dieser Zeit, wo man ihn beim arbeiten hört... nichts gegen zu sagen, aber das kann ich auch anderswo hören... aber nach grad mal sieben von über zwölf Minuten ist auch das vorbei und es folgt ein zweiminütiges Paul Chambers Bass Solo, das mir irgendwie zu statisch ist - grad auch im Vergleich mit dem direkt folgenden Slow Dance, ich mag ihn am gestrichenen Bass wirklich gerne (weiß das sieht nicht jeder so), weil er dort auch mal eine gewisse Intensität erreichen kann - die fehlt mir hier... naja, und die letzten dreieinhalb Minuten, Garlands zweites Solo und dann wieder Coltrane, die find ich super... ist also kein Totalausfall - aber mit einem richtig tollen Stück an erster Stelle (sagen wir: einem das noch besser ist als die verbleibenden vier) hätte das ein Album werden können, das auch nail für eins der besten Coltrane Alben überhaupt hält (am Rande: nochmal Danke für das Nachhaken bei Giant Steps, bin noch nicht so weit, dass ich irgendwas zurücknehmen wprd, aber es wächst und wächst)
Na ja, ich mag Garland irgendwie halt ganz gerne... gehört sozusagen zu meiner Jazz-Piano-Sozialisation, grad auch diese Coltrane Alben, die hatte ich alle schon seit ich 15 oder 16 war.
redbeansandrice
19.05.2010, 13:57
wo wir grad von Slow Dance sprachen und obskuren Arrangeuren der fünfzger Jahre, dessen Komponist Alonozo Levister hat scheinbar letztes Jahr nach über 50 Jahren sein zweites Album herausgebracht, Jazzanova (http://www.cdbaby.com/cd/levister)
Blogpost dazu (http://weirdlatin.wordpress.com/2009/05/21/lonie-levister-jazzanova/)
Sample (http://weirdlatin.wordpress.com/2009/05/21/lonie-levister-jazzanova/01-lower-9th-ward-lowdown-blues/)
mehr zu Levister (http://www.jazznopera.com/)
das eine Stück (aus der Debut Records Story Box), das ich von seinem ersten Album kenn find ich wohl toller... aber ganz schlecht klingt das hier nicht...
beide Masseys, Cal und Bill, hatten diesen Unterricht bei Freddie Webster... ist auch interessant Parkers Fiesta Aufnahme (hat später auch Philly J Jones aufgenommen) neben der Bill-Massey-Mambo Session von Stitt zu sehen (s.u.); naja, Afrokuba lag damals wohl einfach in der Luft...
am Rande: gegen die Theorie zu Romas spricht, dass sich Massey und Franceschini laut dem (ziemlich guten!) oben verlinkten Artikel erst 1958 zusammentaten...
gypsy tail wind
19.05.2010, 14:16
Im Herbst 1957 landete Coltrane noch einmal bei Blue Note (er hat ja schon auf Paul Chambers' "Whims of Chambers" mitgewirkt). Dabei entstanden ein schönes Album von Sonny Clark, "Sonny's Crib", und eine Woche später sein erster echter Klassiker, "Blue Train".
http://img265.imageshack.us/img265/9234/sonnyclarksonnyscrib.jpg
Die Unterschiede sind ziemlich frappant: Clarks Album bewegt sich in ziemlich berechenbaren Bahnen, die Band hätte mit Ausnahme von Curtis Fuller und Clark selber auch auf einer beliebigen Prestige-Session auftauchen können: Donald Byrd, Coltrane, Chambers und Taylor. Die Kompositionen von Clark sind zwar nicht übel, auch die Standards - "With a Song in My Heart", der Opener mit starkem Solo von Byrd, "Come Rain or Come Shine", und vor allem Kurt Weills "Speak Low" - sind schön arrangiert, Fuller bringt ein wenig Abwechslung in all die Quintett-Sessions... als Solist glänzt aber Coltrane am meisten, er klingt selbstsicher, solide, lässt sich nicht drängen, zieht sein Ding durch.
http://img225.imageshack.us/img225/8733/johncoltranebluetrain.jpg
Auf "Blue Train" geht's dann eine Spur ernsthafter zu und her... Lee Morgan, Kenny Drew und Philly Joe Jones haben Byrd, Clark und Taylor ersetzt, und das wird sofort spürbar. Das Titelstück eröffnet die Platte und ist bis dahin einer der besten Momente Coltranes, als Komponist/Arrangeur/Leader aber auch als Solist. Er klingt auf dem ganze Album komplett "in charge", scheint alles im Griff zu haben, die Musik zu steuern in eine ganz bestimmte Richtung.
Möglich, dass auch hier wieder mal die bezahlten Proben bei Blue Note den Unterschied ausmachen... die Stücke sind keineswegs ganz so simpel, wie sie beim oberflächlichen Hören klingen mögen. Der Blues ist enorm atmosphärisch, "Moment's Notice" hat diese wiederkehrenden "pedal points" gefolgt von kurzen Breaks, die eine Struktur geben. "Locomotion" ist nochmal ein Blues, diesmal im Uptempo. Mit "I'm Old Fashioned" folgt dann der einzige Standard und zugleich die Ballade der Session, ein alter Song, wohl kaum einer, der oft gespielt worden ist vor diesem Album. Als Abschluss folgt eine Hommage and Tadd Damerons Bop-Klassiker "Lady Bird", in schnellerem Tempo und dem Titel "Lazy Bird".
Wie Robert Levin in seinen Liner Notes schreibt:
What is perhaps the most striking attribute (among many) about this LP is its free, but not disorganized, blowing mood that has everyone in exceptional form both individually and collectively.
Dem schliess ich mich vollumfänglich an... die perfekt zusammengestellte Band, Kompositionen, die ohne allzu "schwierig" zu sein eine klare Richtung vorgeben, und anscheinend die richtige Atmosphäre (dank Coltrane? RVG? Alfred Lion? Jack Daniels?) um das ganze gelingen zu lassen.
Kenny Drew klingt hart und knackig, Lee Morgan toll wie auf all seinen frühen Blue Note Sessions, Fuller ist wohl der einzige, den man sich überhaupt in dieser Band vorstellen kann... und Chambers, klar! Geschüttelt, äh, gestrichen oder gezupft... für diese Art von Session gab's sonst nur Doug Watkins (der meiner Meinung nach komplett unterschätzt ist, den gab's aber nur gezupft)... und Philly Joe ist eh der beste Hardbop-Drummer überhaupt!
redbeansandrice
19.05.2010, 15:46
ist interessant Blue Train neben Traneing in zu sehen... und neben Giant Steps... was auf Blue Train vielleicht zum ersten Mal voll da ist, ist die Autorität, die Coltrane entwickeln sollte? fast noch eine Spur mehr als auf Giant Steps... das ist schon irgendwie ein perfektes Album, und die Songauswahl ist makellos... der eine Punkt in dem ich die Nase vorn bei Traneing in sehe ist irgendwie, dass es atmosphärisch/ästhetisch (?) eigenständiger ist... Blue Train nimmt einen guten Teil seiner Sicherheit daraus, dass auf "normalen" Hard Bop zurückgegriffen wird, so als würde Coltrane das, was ihm noch fehlte bis Giant Steps, bei einer benachbarten Ästhetik ausborgen... es ist schon ganz klar ein Coltrane Album, aber nicht soo sehr wie Traneing in... wird Zeit, dass ich auch das Debüt und Soultrane wiederhöre, scheint mir...
achso, Tyner/Garrison bei Massey in deinem post hatt ich zunächst überlesen, gtw... auch C Sharpe (später bei Shepp...) und Roland Alexander waren Massey-Musiker... und der junge Cedar Walton gehörte glaub ich auch zu diesem inneren Zirkel...
und was ich noch sagen wollte: diese Geschichte, dass Coltrane Flannagan Giant Steps nicht zum üben geben wollte, sagt viel über das Verständnis, mit dem diese Leute damals Platten gemacht haben - nicht nur bei Prestige...
gypsy tail wind
19.05.2010, 16:14
was google books so ausspuckt...
Jet, 1970-01-15 (http://books.google.ch/books?id=RDkDAAAAMBAJ&pg=PA33&dq=cal+massey&hl=de&ei=Qe3zS635BZGO_Abz7qyFDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=7&ved=0CEoQ6AEwBg#v=onepage&q=cal%20massey&f=false):
Cal Massey wrote Symphony for Allah, an avant garde composition which was used in a documentary filmed by the Algerian government with accompanists Archie Shepp and Don Byas . . .
Jet, 1970-09-03 (http://books.google.ch/books?id=FjgDAAAAMBAJ&pg=PA63&dq=cal+massey&hl=de&ei=Qe3zS635BZGO_Abz7qyFDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=6&ved=0CEUQ6AEwBQ#v=onepage&q=cal%20massey&f=false):
"Black Is" was the title of a showcase production of poetry, music and fashions by Elaine Baskin-Bey, put together by young entrepreneur Spark Martin, 26, with the assistance of Cal Massey, to help pay for remedial reading for Harlem youngsters. Black Sounds were provided by Thelonious Monk, who's leaving for a tour of Japan; Freddie Hubbard, who's Black Clay is becoming a smash hit and who's on the way to Europe, and McCoy Tyner and his quintet. The real star of the evening was Massey's 14-year-old son, Zane, who stunned the audience with some impressive tenor sax playing, including some compositions of his own, and walked away being hailed as the heir apparent to John Coltrane . . .
Jet, 1971-02-18 (http://books.google.ch/books?id=ujcDAAAAMBAJ&pg=PA63&dq=cal+massey&hl=de&ei=Qe3zS635BZGO_Abz7qyFDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CEAQ6AEwBA#v=onepage&q=cal%20massey&f=false):
Cal Massey, Gary Bird of WWRL, Sonia Sanchez, The Universal Messengers are only a few of the talented Blacks donating their time to a concert to benefit Leonard Rogers (Yehouse Ariel Ben Israel) who's fighting a legal battle with the U.S. Army over religious beliefs . . .
Das New York Magazine, 1971-03-29 (http://books.google.ch/books?id=-OICAAAAMBAJ&pg=PA14&dq=cal+massey&hl=de&ei=Xe3zS7WSBomM_AaYtPzrDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CDUQ6AEwAjgK#v=onepage&q=cal%20massey&f=false) enthält in der Veranstaltuns-Sektion einen Hinweis auf eine "Cal Massey and a jazz revue featuring Archie Shepp, James Spaulding, Lorraine Blakey and The Young Bloods, Sundays 4-9, and Monday nights" im East Village "IN".
Schliesslich der Black Negro/Negro Digest 1973-02 (http://books.google.ch/books?id=wDkDAAAAMBAJ&pg=PA87&dq=cal+massey&hl=de&ei=Qe3zS635BZGO_Abz7qyFDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10&ved=0CFkQ6AEwCQ#v=onepage&q=cal%20massey&f=false) über "Lady Day" von Aishah Rahman (Musik von Archie Shepp, zusätzliche Musik von Stanley Cowell und Cal Massey) und hier ein Inserat für diese Show, aus dem New York Magazine 1972-10-23 (http://books.google.ch/books?id=HecCAAAAMBAJ&pg=PA33&dq=cal+massey&hl=de&ei=Qe3zS635BZGO_Abz7qyFDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=8&ved=0CE8Q6AEwBw#v=onepage&q=cal%20massey&f=false).
gypsy tail wind
19.05.2010, 16:16
ist interessant Blue Train neben Traneing in zu sehen... und neben Giant Steps... was auf Blue Train vielleicht zum ersten Mal voll da ist, ist die Autorität, die Coltrane entwickeln sollte? fast noch eine Spur mehr als auf Giant Steps... das ist schon irgendwie ein perfektes Album, und die Songauswahl ist makellos... der eine Punkt in dem ich die Nase vorn bei Traneing in sehe ist irgendwie, dass es atmosphärisch/ästhetisch (?) eigenständiger ist... Blue Train nimmt einen guten Teil seiner Sicherheit daraus, dass auf "normalen" Hard Bop zurückgegriffen wird, so als würde Coltrane das, was ihm noch fehlte bis Giant Steps, bei einer benachbarten Ästhetik ausborgen... es ist schon ganz klar ein Coltrane Album, aber nicht soo sehr wie Traneing in... wird Zeit, dass ich auch das Debüt und Soultrane wiederhöre, scheint mir...
Autorität beschreibt gut, was ich meinte, ja.
Kann schon sein, dass das mit der stilistischen Ausrichtung zu tun hat.
Ist die Musik auf "Traneing In" wirklich spannender, eigenständiger? Da bin ich mir nicht so sicher!
redbeansandrice
19.05.2010, 16:26
der neue Coltrane, Zane Massey ist heute musical director eines Hong Konger Jazzklubs... (link (http://www.asiasentinel.com/index.php?option=com_content&task=view&id=2201&Itemid=204))
die Podcasts (http://thetarushow.libsyn.com/) mit Cal Masseys Musik, die sein Sohn Taru zusammengestellt hat, sind allerdings einen Blick wert... Traneing in werd ich noch ein, zwei Mal gründlich hören müssen... Coltrane selbst fand Blue Train und Soultrane seine stärksten Alben vor Giant Steps... danke für die Zeitungslinks!
gypsy tail wind
19.05.2010, 16:53
http://img198.imageshack.us/img198/3403/wesscoltranequinichette.jpg
In der Tat grosse Klasse, Wheelin' and Dealin'! Wess ist wohl tatsächlich der Sieger hier, wenn's denn einen geben muss... er hat ein paar sehr abenteuerliche Momente und sein Flötenspiel ist toll (er ist wohl vor Lateef und Kirk auftauchten mein Lieblingsflötist). Der Mastertake von "Wheelin'" ist grandios, aber auch auf dem langen "Robbins' Nest" gibt's tolle Soli zu hören. Waldron ist der straw boss hier, wie so oft auf solchen Alben, und auch er hat ein paar ganz tolle Soli, wie er aus kleinen Motiven ein Solo aufbauen kann ist toll, und hier ganz schön zu beobachten! Ein grosser Unterschied macht für mich Doug Watkins - sein Spiel ist erdiger, tiefer, voluminöser, mehr gefühlt als gehört (also zumindest auf der Skala... er ist durchaus kein "felt bass player", man hört ihn sehr wohl!) im Vergelich zu Chambers, und er legt einen fantastischen Boden (hält er auch Taylors Rosse im Zaum? Denke Waldron hilft diesbezüglich auch, im Vergleich zu Garland ist er ja einiges rhythmischer).
http://img16.imageshack.us/img16/3104/variouswinnerscircle.jpg
Auf diesem Bethlehem-Album findet sich eine nette 4-Track Session mit Poll-Zweiten, -Dritten und -Vierten... Donald Byrd spielt hier sehr flüssig, noch lyrischer als sonst, auch Frank Rehak ist toll, ihn hört man viel zu selten! Al Cohn spielt Barisax, Gene Quill Alt, Eddie Costa, Oscar Pettiford (der oft als Leader angegeben wird) und Ed Thigpen bilden eine schöne, relaxte Rhythmusgruppe, die streckenweise mehr nach Basie als nach Bop klingt. Auf dem ersten Stück spielt Philly Joe Schlagzeug, und da ist plötzlich wieder dieser treibende Groove, der mir soviel Spass bereitet! Ausgerechnet auf dem Stück mit Philly Joe ist übrigens auch noch Freddie Green dabei.
Zum Poll: es geht um den Down Beat Critis Poll von 1957 - Quill war 4. hinter Pepper, McLean, Cannonball), Thigpen zweiter hinter Philly Joe, Al Cohn und Cecil Payne waren gemeinsam auf dem 2. Platz der Barisax-Liste. Da in Art Langes Notes (Dec. 1993, Rhino/Avenue Jazz Doppel-CD von 2000) nichts über Rehak, Coltrane, Costa und Pettiford steht nehme ich an, sie seien die jeweils erstplacirten gewesen? Seltsam eigentlich, müsste doch J.J. gewesen sein, der hatte da ja die grandiose Band mit Bobby Jaspar, Tommy Flanagan, Wilbur Little und Elvin Jones! Und Rollins, nicht Coltrane (im Lichte von "Live at the Village Vanguard", "Saxophone Colossus", "Brilliant Corners", "Sonny Rollins Vol. 2", "Tenor Madness"...) - weiss da jemand mehr?
gypsy tail wind
19.05.2010, 17:13
A word on a term that has been frequently misinterpreted to simply mean "playing fast." Coltrane himself explained that the "long, rapid lines that Ira Gitler termed 'sheets of sound'" referred specifically to his tendency to play three chords to each one played by the rhythm section. "At that time the tendency was to play the entire scale of each chord. Therefore, they were usually played fast and sometimes sounded like glisses [glissandos]".
~ Ashley Kahn, in: John Coltrane: Side Steps, booklet, p. 13
Und jetzt hör ich die langen Red Garland Sessions vom November & Dezember 1957, über die ich nicht detailliert schreiben werde... mehr schöne Soli von Donald Byrd, Coltrane eben am Beginn der "sheets of sound" Periode, gegen Ende seiner äusserst lehrreichen Monate mit Monk, dazu eine groovende Rhythmusgruppe (Garland, Bassist George Joyner und Art Taylor).
Für redbeans hier noch, was Kahn (ibid, p. 12) über Garland schreibt:
Unlike Coltrane, Garland arrived in '55 [in Miles Davis' Band] with a mature musical personality intact. His piano sound boasted a tasteful modern elegance. He charted a middle ground between Bud Powell complexity and the sparser, bluesy touch of Horace Silver. Adopting a technique pioneered by Milt Buckner and Nat Cole, he developed a distinct, electrifying approach to block chords--both hands striking the keys simultaneously, creating a seven- or eight-note chord, and repeating the maneuver up and down the keyboard. Garland liked to use dramatic cadences yet could be gentle and introspective. His style helped define the group that vaulted Miles into mainstream embrace, and eventually influenced countless pianists.
Das find ich ziemlich schön auf den Punkt gebracht... Anspieltips für Garlands eigene Musik: "Red Garland's Piano" und "Groovy" mit Chambers/Taylor oder die Doppel-CD "At the Prelude" mit einer späteren Version des Trios.
gypsy tail wind
19.05.2010, 17:59
Nochmal zu "Traneing In", aus Anlass von "Soul Junction", das jetzt grad läuft... da folgt Coltrane nach 9 Minuten oder so, jetzt hat nach über 12 grad Byrds Solo begonnen... wunderbar! Ich liebe diese endlosen Blues-Nummern, brauche da keine Struktur, kein gar nichts... Kahn betont in seinen Liner Notes (dieselben, die ich oben schon zitierte), dass es speziell sei dass Garland überall zuerst soliere (das machen ja üblicherweise Pianisten auch auf ihren eigenen Alben nicht, sofern sie Bläser dabeihaben). Garland tut dies so als sei's das normalste auf der Welt und prägt mühelos den Charakter der Stücke.
Genial, was hier in kürzester Zeit wieder alles reflektiert wird. Für meinen Geschmack eine unglaublich wertvolle Arbeit! Habe "Giant Steps" noch immer nicht aufgelegt, aber es kann nicht mehr lange dauern... ;-)
ist interessant Blue Train neben Traneing in zu sehen... und neben Giant Steps... was auf Blue Train vielleicht zum ersten Mal voll da ist, ist die Autorität, die Coltrane entwickeln sollte? fast noch eine Spur mehr als auf Giant Steps... das ist schon irgendwie ein perfektes Album, und die Songauswahl ist makellos... der eine Punkt in dem ich die Nase vorn bei Traneing in sehe ist irgendwie, dass es atmosphärisch/ästhetisch (?) eigenständiger ist... Blue Train nimmt einen guten Teil seiner Sicherheit daraus, dass auf "normalen" Hard Bop zurückgegriffen wird, so als würde Coltrane das, was ihm noch fehlte bis Giant Steps, bei einer benachbarten Ästhetik ausborgen... es ist schon ganz klar ein Coltrane Album, aber nicht soo sehr wie Traneing in... wird Zeit, dass ich auch das Debüt und Soultrane wiederhöre, scheint mir...
und was ich noch sagen wollte: diese Geschichte, dass Coltrane Flannagan Giant Steps nicht zum üben geben wollte, sagt viel über das Verständnis, mit dem diese Leute damals Platten gemacht haben - nicht nur bei Prestige...
Welche Geschichte ist das? Wurde die oben erwähnt?
Der Satz mit der Autorität gefällt mir gut, da stimme ich mal zu. Auch das Ausborgen der Ästhetik finde ich eine passende Beschreibung. Blue Train ist ein tolles Album, aber Coltrane ist noch nicht dort, wo er hinwill. Auf Giant Steps ist er das und die Entwicklung danach ist, so finde ich, nachvollziehbar und konsequent.
gypsy tail wind
19.05.2010, 18:55
Welche Geschichte ist das? Wurde die oben erwähnt?
hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2170341&postcount=250)
Und zu "Giant Steps" - wo er hin will?
Ich hör das anders, hab's ja oben schon eine Art "Sackgasse" genannt. Danach ging's ja in eine völlig neue Richtung, nämlich diejenige, die von Miles Davis (mit Hilfe Bill Evans') angebahnt wurde und die unter Teilnahme Coltranes auf einigen Stücken von "Milestones" und dann auf "Kind of Blue" ihren ersten gültigen Ausdruck fand.
Wo würdest du denn Anknüpfungspunkte an "Giant Steps" in Coltranes späterem Werk sehen/hören?
Ah, danke! Nicht böse sein, das geht hier alles zu schnell für mich! :lol:
gypsy tail wind
19.05.2010, 18:59
Ah, danke! Nicht böse sein, das geht hier alles zu schnell für mich! :lol:
und jetzt hab ich oben noch editiert und zwar für dich - entschuldige! Diesmal warst Du zu schnell!
Und zu "Giant Steps" - wo er hin will?
Ich hör das anders, hab's ja oben schon eine Art "Sackgasse" genannt. Danach ging's ja in eine völlig neue Richtung, nämlich diejenige, die von Miles Davis (mit Hilfe Bill Evans') angebahnt wurde und die unter Teilnahme Coltranes auf einigen Stücken von "Milestones" und dann auf "Kind of Blue" ihren ersten gültigen Ausdruck fand.
Wo würdest du denn Anknüpfungspunkte an "Giant Steps" in Coltranes späterem Werk sehen/hören?
Weg vom Hard Bop! No more blowing sessions!
Das mit der Sackgasse habe ich oben bewusst ignoriert, aber da Du es jetzt nochmal herhvorhebst, sei Dir gesagt, dass ich den Ausdruck und den Inhalt dieser Aussage für eine gigantische Fehleinschätzung halte. Ich weiß auch nicht, wie Du das begründen willst. Auch das "danach" ist falsch. Kind Of Blue war nicht "danach", sondern danach, davor und gleichzeitig mit Giant Steps. Das ist eine Parallelentwicklung. Der Hard Bop liegt hinter Miles und Coltrane und die Reise in eine neue Richtung beginnt: modaler Jazz, eine neue Freiheit der Improvisation (mit allen Einschränkungen).
Mit Giant Steps begegnet uns zum ersten Mal Coltrane als Autorität, um den Ausdruck aufzugreifen, den redbeans oben verwendete. Er ist jetzt ein kompletter Musiker, Komponist und Solist, der einer Session seinen individuellen Stempel aufdrücken kann und das auch macht. Dadurch ist es möglich, Alben zu veröffentlichen, die einen speziellen Charakter haben. Das hat oben auch redbeans geschrieben, wobei seine Charakterisierung fast nur negativ war, was ich natürlich für einen Fehler halte, aber es zeigt (jedenfalls nach außen): Die Alben sind individuelle Werke einer Gruppe von Musikern und der Leitung eines Leaders mit einer klaren Vision und nicht das Produkt von monetären Erwägungen. "Lass uns ein paar Junkies einsammeln, wir brauchen eine neue Platte" - die Zeiten sind mit Giant Steps und Kind Of Blue endgültig vorbei. Stattdessen haben wir ein Album als Gesamtkunstwerk.
Coltrane hat sich damit aus dem dunklen Keller von Prestige befreit, wo er sich letztlich nur immer im Kreis drehte und besitzt nun die Freiheit, seine eigenen Wege zu gehen und mit ganz verschiedenen Settings zu experimentieren. Nicht alles ist erfolgreich, aber durch diese Freiheit werden die Entdeckungen der nachfolgenden Werke erst möglich.
gypsy tail wind
19.05.2010, 20:06
Weg vom Hard Bop! No more blowing sessions!
Das mit der Sackgasse habe ich oben bewusst ignoriert, aber da Du es jetzt nochmal herhvorhebst, sei Dir gesagt, dass ich den Ausdruck und den Inhalt dieser Aussage für eine gigantische Fehleinschätzung halte. Ich weiß auch nicht, wie Du das begründen willst. Auch das "danach" ist falsch. Kind Of Blue war nicht "danach", sondern danach, davor und gleichzeitig mit Giant Steps. Das ist eine Parallelentwicklung. Der Hard Bop liegt hinter Miles und Coltrane und die Reise in eine neue Richtung beginnt: modaler Jazz, eine neue Freiheit der Improvisation (mit allen Einschränkungen).
Klar, hab ich oben ja auch betont, dass sozusagen der Endpunkt ("Giant Steps") nach dem Neubeginn ("KoB") stattfand!
Ich hab da überhaupt kein Problem, das zu begründen - dabei geht es allerdings nicht um Stile sondern um Technik... mit "Giant Steps" bringt Coltrane die harmonische Verdichtung seiner Musik an ihren letzten Punk - mehr geht nicht (deswegen muss er sich auch sehr stark auf Achtel beschränken, weil die Musik ein dermassen hohes Niveau an harmonischer Komplexität erreicht, dass man dem mit "sheets of sound" oder kleineren Unterteilungen des Metrums bei diesen halsbrecherischen Tempi nciht mehr beikommen könnte).
Mit "Kind of Blue" und dem modalen Jazz öffnet sich das alles wieder, der Knoten wird zerschlagen... oder eher, er wird durch eine Art Zen-Meditation ganz sanft geöffnet. (Sehr schön Bill Evans' kurzer Text für die Platte!)
Meine Argumentation scheint mir hierbei ziemlich klar (und ich schreibe hier auch nichts, was ich nicht oben schon geschrieben habe). Meine Perspektive ist dabei gewissermassen intern, von Coltrane als Improvisator/Musiker/Denker ausgehend, nicht mit Blick auf den Stil der gesamten Alben oder der Musik (was man dann externe Perspektive nennen könnte).
Mit Giant Steps begegnet uns zum ersten Mal Coltrane als Autorität, um den Ausdruck aufzugreifen, den redbeans oben verwendete. Er ist jetzt ein kompletter Musiker, Komponist und Solist, der einer Session seinen individuellen Stempel aufdrücken kann und das auch macht. Dadurch ist es möglich, Alben zu veröffentlichen, die einen speziellen Charakter haben. Das hat oben auch redbeans geschrieben, wobei seine Charakterisierung fast nur negativ war, was ich natürlich für einen Fehler halte, aber es zeigt (jedenfalls nach außen): Die Alben sind individuelle Werke einer Gruppe von Musikern und der Leitung eines Leaders mit einer klaren Vision und nicht das Produkt von monetären Erwägungen. "Lass uns ein paar Junkies einsammeln, wir brauchen eine neue Platte" - die Zeiten sind mit Giant Steps und Kind Of Blue endgültig vorbei. Stattdessen haben wir ein Album als Gesamtkunstwerk.
Coltrane hat sich damit aus dem dunklen Keller von Prestige befreit, wo er sich letztlich nur immer im Kreis drehte und besitzt nun die Freiheit, seine eigenen Wege zu gehen und mit ganz verschiedenen Settings zu experimentieren. Nicht alles ist erfolgreich, aber durch diese Freiheit werden die Entdeckungen der nachfolgenden Werke erst möglich.
Ich denke hier malst du etwas gar schwarz... auch das mit den "round up some junkies" - ganz so einfach war das alles bestimmt nicht!
Ja, viel zu schwarz, natürlich. Ich habe damit auch letztens eine Formulierung von redbeans aufgegriffen.
In Bezug auf das musikalische Verständnis kann ich mit Dir nicht mithalten. Deine "interne Perspektive" klingt durchaus plausibel. Ich tendiere eben grundsätzlich immer zur "externen Perspektive", weil ich stets an den großen Linien einer Entwicklung interessiert bin. :-)
gypsy tail wind
19.05.2010, 23:35
Ja, viel zu schwarz, natürlich. Ich habe damit auch letztens eine Formulierung von redbeans aufgegriffen.
In Bezug auf das musikalische Verständnis kann ich mit Dir nicht mithalten. Deine "interne Perspektive" klingt durchaus plausibel. Ich tendiere eben grundsätzlich immer zur "externen Perspektive", weil ich stets an den großen Linien einer Entwicklung interessiert bin. :-)
Jo... ich bin technisch zwar auch nicht völlig auf der Höhe, verstehe aber schon ein wenig was, war ja selber längere Zeit dilletierender Saxophonist :-)
Ich glaub diesbezüglich gibt's an meiner Sicht auch nicht viel zu rütteln... aber doch interessant, wie man das unterschiedlich wahrnehmen kann! Geradezu erstaunlich für mich! Kann Dir ja nicht sagen, wie Du zu hören hast, aber als absoluter Kontrast zu "Giant Steps" (oder "Countdown" [nicht "Spiral", wie ich oben gesagt habe, das war falsch, entschuldigung!], "26-2", "Exotica", "Fifth House" oder auch die wunderbare Ballade "Central Park West" und der Gershwin Standard "But Not For Me", die auf ähnlichen Akkord-Folgen beruhen) bietet sich "Flamenco Sketches" auf Kind of Blue an.
Auf der harmonisch verdichteten Seite gibt's alle 2 Schläge einen neuen Akkord (und oft über diesen einen weiteren und darüber noch einen), das ganze wird dann zumindest in den schnellen Titeln in ebenmässiger Achtel-Phrasierung abgehandelt.
Dem gegenüber steht in "Flamenco Sketches" eine Reihe von 5 oder 6 Skalen, die jeder Solist in derselben Reihenfolge durchgeht, und es steht jedem frei, wie lange er in welcher Tonleiter bleiben will - die Rhythmusgruppe erkennt aus den Soli heraus, wann gewechselt wird. Jost analysiert dies ausgiebig in "Free Jazz" (das ich derzeit jemandem ausgeliehen habe leider). Miles macht "übliche" Gruppierungen (4 Takte, 8 Takte), Cannonball moduliert (er spielt einen Lauf in der alten und gleich danach transponiert in der neuen Skala), Coltrane verdichtet - und genau das ist seine Meisterschaft (Cannonball wirkt dagegen - und das sage ich als GROSSER!!! Fan von ihm! - wie ein Schüler). Coltrane spielt getragene, lange Noten, dann eine kurze Verdichtung/Beschleuning, und - Schwupps! - wir sind in der nächsten Tonleiter... Evans/Chambers begleiten natürlich meisterlich... hab das nicht präsent, aber ich glaub auch auf dem alternate Take - der erstmals in der 6CD-Box der gesammelten Miles w/Trane Columbia Sessions zum Vorschein kam - gibt's keine Fehler oder gröbere Unstimmigkeiten... das ist schon enorm Eindrücklich!
Oder "So What", da hört man ja schon an der Bass-Begleitung die Tonleiter - das ist alles enorm reduziert und bringt einerseits grosse Freiheit aber gerade dadurch andererseit auch eine grosse... Verantwortung ist das falsche Wort... Bürde, Last - "Il faut imaginer Sisyphe heureux". Genau diese Entwicklung/Entdeckung erlaubte dieses neuaritge, lyrische Spiel, wie es Davis und Evans, und eben auch Coltrane, meisterlich beherrschten!
Ich hab jetzt im Booklet der Atlantic Box nachgeschaut, da gibt's eine Beschreibung (auch von Lewis Porter übrigens) von "My Favorite Things", wie Coltrane es aufgesetzt hat, ich tippe das mal ab, das sollte dann auch technisch völlig unbedarften Hörern die Möglichkeit bieten, das zu verfolgen (das ist übrigens keineswegs abfällig gemeint! Ganz im Gegenteil! Ich bewundere Leute, die rein intuitiv all diese grosse und oft von aussen schwierig klingende Musik schätzen können!)
The Song's structure is A-A-B. Both of the A sections use the "raindrops and roses" tune and emphasize happy things. The B part is the first mention of negative experiences -- "When the dog bites" -- but its point is that the good things help us to overcome the bad. Coltrane plays the two A parts at the beginning of his version. Only at the very end of the performance does he play the B part. In the meantime, he stretches out the sense of time in several ways. he has the rhythm section begin with a vamp in E minor, and he comes in at his leisure. After the first A they switch to an E major vamp, and he solos briefly over this. Then it's back to E minor for the second A. At the end of this one, the E minor vamp returns, and the solos begin. Each solo follows a plan: The soloist, Coltrane or Tyner, plays over the E minor vamp as long as he wants, and then moves on cue to the E major vamp. The cue is a return to the theme. You can hear Tyner return to the theme in the middle of his solo, which is his cue to the others, and then the vamp becomes major. Coltrane does the same during his solo. And during every live version of this piece each soloist, including Eric Dolphy, does the same. When the B section finally enters at the end, we feel that we have been through an entire world of music.
~ Lewis Porter, "The Atlantic Years", liner notes to "John Coltrane - The Heavyweight Champion. The Complete Atlantic Recordings", p. 19-20
Also kurz die Solo-Routine:
- E Moll so lange, wie der Solist will
- Wechsel in E Dur, angezeigt dadurch, dass der Solist das Thema aufgreift
Sowas mag nicht völlig neu gewesen sein, aber es ist doch eine komplett von der Norm abweichende Spielweise! Und auch etwas komplett anderes im Vergleich mit den Songs auf "Giant Steps" (und "Coltrane Jazz"), die als abgewandelte (harmonisch komplexere, dichtere) Varianten der konventionellen Song-Formen zu verstehen sind. Die Entwicklung der Variation dieser Strukturen beginnt früh, im Bebop nahm sie wohl den grössten Entwicklungsschritt, als Parker, Gillespie etc. ihre eigenen Melodien über abgewandelte harmonische Strukturen von Standards (DER Klassiker war natürlich "I Got Rhythm", aber auch andere wie "Embraceable You" wurden genutzt - die Praxis findet man wohl auch schon früher). Die Bopper haben dann oft die Akkorde verdichtet und verändert (man kann Akkorde nach gewissen Regeln "umbauen", reharmonisieren etc... das übersteigt im Detail dann auch meine Kenntnisse). Nur wenige (etwa Ellington, Monk, Mingus) haben völlig eigentständige Musik geschrieben, die nicht stark an Stücke aus dem Great American Songbook angelehnt war (Mingus' "Re-Incarnation of a Love-Bird" ist ein besonders komplexes Beispiel, oder Monks "Criss-Cross", wo auch die übliche Anzahl Takte aufgebrochen wird). Coltrane hat "seine" Changes gefunden und auf "Giant Steps" verewigt - noch einmal Lewis Porter:
These recordings [Giant Steps, Countdown, 26-2, Exotica, Fifth House, Satellite, Central Park West, But Not for Me] epitomize one major concern of Coltrane's at this time, that of developing the ability to successfully negotiate the fastest moving chord progressions.
~ Lewis Porter, ibid, p. 14
Ich wollte eigentlich nur ganz kurz Antwort geben... aber ich hoffe, diese Ausführunge helfen, zu verstehen, wovon ich schrieb!
Jetzt läuft übrigens die Carnegie Hall CD vom Monk mit Coltrane - absolut grandiose Musik!
gypsy tail wind
20.05.2010, 08:05
Ich hoffe ich hab euch nicht alle zum Schweigen gebracht mit meinem technischen Gebabbel! :-)
redbeansandrice
20.05.2010, 09:16
Mit Giant Steps begegnet uns zum ersten Mal Coltrane als Autorität, um den Ausdruck aufzugreifen, den redbeans oben verwendete. Er ist jetzt ein kompletter Musiker, Komponist und Solist, der einer Session seinen individuellen Stempel aufdrücken kann und das auch macht. Dadurch ist es möglich, Alben zu veröffentlichen, die einen speziellen Charakter haben. Das hat oben auch redbeans geschrieben, wobei seine Charakterisierung fast nur negativ war, was ich natürlich für einen Fehler halte,
ach, so negativ war das nicht gemeint... und ich bleibe auch dabei, dass wir zwei nicht völlig im Unrecht sind, in Sachen Autorität, ausgewachsene eigene Ästhetik... aber - und es ist ein kleines bißchen peinlich, das nicht kapiert zu haben, denn es ist offensichtlich wahr - die Geschichte mit der Sackgasse ist nicht von der Hand zu weisen; dass von der technischen Seite der Dinge Giant Steps ziemlich alleine steht... Endpunkt mag ich nicht sagen, dafür ist es dem was vorangegangen war alles in allem nicht ähnlich genug, nicht mehr, als dem was danach kam... das macht das Album für sich nicht weniger faszinierend, im Gegenteil...
und ist witzig, dass sie sich über Anspielen des Themas koordinieren, werd ich gleich mal nachprüfen...
was die Junkies betrifft: aus meiner Sicht hat Prestige sie zusammengekarrt, während Blue Note sie ein paar Tage aufgepäppelt hat... ich würd da keine großen moralischen Differenzen sehen, aber es ist offensichtlich, dass ersteres die größeren Risiken eines misslungenen Album birgt - zumal diese Leute eben nicht die Stabilität von Normalbürgern hatten...
danke für die Erklärung, gtw, der zweite Anlauf hat es gebracht... :-)
gypsy tail wind
20.05.2010, 09:27
la morale? je m'en fous de la morale! ;-)
redbeansandrice
20.05.2010, 09:38
:-) wo gtw hier diese Kultur des Abtippens pflegt, hier ist ein Schnippsel aus Litweiler's Freedom Principle
The quality of the many Coltrane recordings in mid-1955 to mid.1957 varies widely, with a fumbled solo for every valuable one. His style was unsettled as late as May 1957; in "From this Moment on" he plays like Gene Ammons, and in "Straight Street" he imitates Hank Mobley. (The younger, more rhythmically sophisticated Mobley often recorded tenor chases with Coltrane; perhaps "Straight Street" was done to show that Coltrane, too, could play in a rhythmically versatile style if he chose.)
das ganze Coltrane Kapitel (http://www.arts.rpi.edu/rolnick/classes/EAT_Music_09/EAT%20Music%20readings/Litweiler/Litweiler%20Ch4%20John%20Coltrane.pdf), sehr empfehlenswertes Buch
gypsy tail wind
20.05.2010, 09:59
Ist das mit dem Abtippen nicht so beliebt?
Ich versuche ja meist, das irgendwie einzubetten... wenn ich sowas lese, von Leuten, die viel besser sind, Dinge auf den Punkt zu bringen, vergeht mir eben manchmal die Lust, das alles selber schlau zu formulieren.
Das Litweiler Buch steht bei mir rum (auf Deutsch leider, war mal ein Gelegenheitskauf, fast gratis), dass darin was über Coltrane ist hatte ich bereits wieder vergessen, werd ich am Wochenende mal nachlesen, danke!
redbeansandrice
20.05.2010, 10:04
Ist das mit dem Abtippen nicht so beliebt?
ich find das super, wenn du das machst! es ist mir selbst bloß meistens zu lästig... gibt noch einiges mehr in dem Kapitel, was es wert wär zu tippen... zB
"The most personal element of his mid-fifties music is his tenor sound, full and pure in all but the very highest notes, for his objective was sonic consistency in all registers, As opposed to the rich tenor sound that, for example, Rollins inherited from Hawkins, Coltrane's sound was vibratoless and legato, the human sound of Lester Young transformed into the weight of the hardest iron and the surface of brightly polished metal. The weight gave force to his attack; his sonic consistency was needed for the kind of fast, technically difficult playing he chose in this period of stylistic casting about. "
gypsy tail wind
20.05.2010, 10:07
ich find das super, wenn du das machst! es ist mir selbst bloß meistens zu lästig... gibt noch einiges mehr in dem Kapitel, was es wert wär zu tippen... zB
"The most personal element of his mid-fifties music is his tenor sound, full and pure in all but the very highest notes, for his objective was sonic consistency in all registers, As opposed to the rich tenor sound that, for example, Rollins inherited from Hawkins, Coltrane's sound was vibratoless and legato, the human sound of Lester Young transformed into the weight of the hardest iron and the surface of brightly polished metal. The weight gave force to his attack; his sonic consistency was needed for the kind of fast, technically difficult playing he chose in this period of stylistic casting about. "
Interessant... aber auch nur halbwahr, oder? Es gibt durchaus frühe Balladen mit einigem Vibrato (ich glaub auf "Coltrane" z.B.) - diesbezüglich hat er wohl schon einiges von Hodges (und wohl auch Bostic) gelernt. Und auch Dexter Gordon war ja ein eindrücklicher "balladeer"!
gypsy tail wind
20.05.2010, 10:08
Na ja, sagen wir sieben Achtel wahr :-)
In der Stossrichtung stimmt das ja schon, das andere sind eher Ausnahmen.
redbeansandrice
20.05.2010, 17:12
na dann... grad gesehen, dass John Wilson's Jazzlexikon von 1959 hier (http://www.archive.org/details/collectorsjazzmo007898mbp) gelesen werden kann und dachte ich zitier uns mal direkt den Coltrane Artikel...
John Coltrane. Although he has been in jazz since the middle Forties, Coltrane suddenly lurched into the throes of attempting to find his own personal jazz voice in the latter Fifties. The search has apparently been a tortured and frustrating one, judging by the garish performances Coltrane has given. As of this writing, it is still unresolved. He often plays his tenor saxophone as though he were determined to blow it apart but his desperate attacks almost invariably lead nowhere. He has moments when he adjusts to a warmer, more communicative style, as in his unusual treatment of a ballad, While My Lady Sleeps, on Coltrane, Prestige 7105. But even though his hard, fierce tone slashes through a disk like an urgent hacksaw, he constantly finds himself overshadowed by others by Lee Morgan's fantastic trumpet excursions on Blue Train, Blue Note 1577, by Red Garland's lean, swinging piano on With the Red Garland Trio, Prestige 7123, and John Coltrane, Prestige 7142. Neither Coltrane nor three other tenors (Al Cohn, Zoot Sims, Hank Mobley) can make anything of the wide open blowing spaces on Tenor Conclave, Prestige 7074.
gut gesehen, dass die Suche noch nicht zu Ende war (ansonsten macht der Artikel wohl keine gute Werbung für das Buch, es ist alles in allem gar nicht so schlecht, grad was die erste Hälfte der 50er betrifft)
edit: nachdem ich das Buch gründlicher überflogen hab: es ist sehr unterhaltsam, der Mann ist ein bißchen bösartig, aber es ist definitiv interessant zu lesen... für biografische Informationen muss man anderswo gucken, es sind in erster Linie kurze Rezensionen, noch eine Kostprobe aus dem Waldron Artikel:
"On [...] Wheelin' and Dealin' [..] Waldron is an oasis of rationality in what is otherwise [..] a desert of empty solos."
Ich hoffe ich hab euch nicht alle zum Schweigen gebracht mit meinem technischen Gebabbel! :-)
Ich kann dazu nichts sagen, weil ich von technisch-musikalischen Fragen wenig verstehe.
katharsis
20.05.2010, 18:13
Ich kann dazu nichts sagen, weil ich von technisch-musikalischen Fragen wenig verstehe.
dito. Ich kann auch zu den Coltrane-Sessions selbst wenig beitragen. Ich habe einige wenige, die ich immer wieder gerne höre, andere die im Plattenschrank stehen und an die ich mich nicht mehr recht erinnern kann.
Ich weiß nur, dass mir viel besagte "Giant Steps" nicht gefallen mag und "Blue train" auch noch nicht zu erwartbarer Höchstform aufgelaufen ist.
Aber ich lese die Ausführungen hier sehr gerne.
gypsy tail wind
20.05.2010, 21:57
Na ja, ich hab ja gehofft, dass mein Post von gestern abend einfach genug war, damit auch technisch unbedarfte Hörer folgen können :-)
Es ist ja unmöglich, hinter das eigene Wissen zurückzutreten... legt mir das bitte nicht als Arroganz aus!
Na ja, ich hab ja gehofft, dass mein Post von gestern abend einfach genug war, damit auch technisch unbedarfte Hörer folgen können :-)
Das ist ja auch so, also vielen Dank für #301! Ich kann da zwar auch gar nichts inhaltlich zu beitragen, aber ich konnte wenigstens einmal Luft holen nach all den Sessions und Alben - da zu folgen fällt mir doch schwerer, bei allem Bemühen. :-) Finde also diese Ergänzungen technischer Art sehr gut, insofern könntest Du ruhig ...
gypsy tail wind
20.05.2010, 22:57
Das ist ja auch so, also vielen Dank für #301! Ich kann da zwar auch gar nichts inhaltlich zu beitragen, aber ich konnte wenigstens einmal Luft holen nach all den Sessions und Alben - da zu folgen fällt mir doch schwerer, bei allem Bemühen. :-) Finde also diese Ergänzungen technischer Art sehr gut, insofern könntest Du ruhig ...
Ok, dann mach ich am wiik änd (aka "Week End") weiter :-)
Heute hab ich die master takes von der Art Blakey Big Band (Bethlehem, rec. Dec. 1957) angehört, weiss da jemand zufällig mehr über die Solisten? V.a. die Trompeter (da spielen Donald Byrd, Ray Copeland, Bill Hardman und Idrees Sulieman mit)? Hab diese Coltrane Doppel-CD "The Bethlehem Years" - zwar ein komplett legitimer Reissue (Rhino/Avenue Jazz), aber eben doch ein Etikettenschwindel, da die Doppel-CD das Blakey-Album (plus eine ganze CD mit Alternates und einem unveröffentlichten Stück) enthält, sowie die Oscar Pettiford-Session von "Winner's Circle" - siehe oben.
lotterlotta
21.05.2010, 13:05
kann leider auch nur mit der kompletten bestzung dienen:
Donald Byrd, Ray Copeland, Bill Hardman, Idrees Sulieman (tp) Jimmy Cleveland, Melba Liston, Frank Rehak (tb) Bill Graham, Sahib Shihab (as) Al Cohn, John Coltrane (ts) Bill Slapin (bars) Walter Bishop Jr. (p) Wendell Marshall (b) Art Blakey (d)
wer wann und bei welchem stück sein solo hat, keine ahnung!
sollte dir aber jemand verraten können, der das reissue (Art Blakey Big Band)auf vinyl hat!
gypsy tail wind
21.05.2010, 13:32
kann leider auch nur mit der kompletten bestzung dienen:
Donald Byrd, Ray Copeland, Bill Hardman, Idrees Sulieman (tp) Jimmy Cleveland, Melba Liston, Frank Rehak (tb) Bill Graham, Sahib Shihab (as) Al Cohn, John Coltrane (ts) Bill Slapin (bars) Walter Bishop Jr. (p) Wendell Marshall (b) Art Blakey (d)
wer wann und bei welchem stück sein solo hat, keine ahnung!
sollte dir aber jemand verraten können, der das reissue (Art Blakey Big Band)auf vinyl hat!
Ja, das wär auch meine Hoffnung, dass in den originalen Liner Notes dazu was steht. Üblicherweise sind die ja bei diesen Rhino/Avenue CD-Reissues im Booklet abgedruckt, aber in diesem Fall eben nicht, leider.
redbeansandrice
22.05.2010, 23:56
dito. Ich kann auch zu den Coltrane-Sessions selbst wenig beitragen. Ich habe einige wenige, die ich immer wieder gerne höre, andere die im Plattenschrank stehen und an die ich mich nicht mehr recht erinnern kann.
Ich weiß nur, dass mir viel besagte "Giant Steps" nicht gefallen mag und "Blue train" auch noch nicht zu erwartbarer Höchstform aufgelaufen ist.
Aber ich lese die Ausführungen hier sehr gerne.
och, schon wieder ein neuer avatar, der letzte passte so super zu meinem... nun gut, was ich eigentlich sagen wollte: jetzt seit doch mal nicht so bescheiden, man muss kein Konzertpianist sein, um zu hören, dass die Akkorde auf Giant Steps schneller wechseln als auf My Favorite Things (Titelstücke), und dass bei Favorite Things die Solisten das Thema spielen und sich danach die Akkorde in der Begleitung ändern... (also, sag ich euch als Nicht-Konzertpianist)
dass Coltrane selbst von Giant Steps schnell weggegangen ist, während unter akademischen Jazzmusikern das Beherrschen der Akkordfolge von Giant Steps mindestens so sehr die Krönung ist wie für Schüler des Französischen der Subjonctif ist allerdings ziemlich bezeichnend...
katharsis
23.05.2010, 00:35
Ich war dann doch wieder schnell einig mit mir, dass Evans mir momentan mehr zusagt als ein spezielles Waldron Album. :lol:
Die von Dir angesprochenen Akkordwechsel könnte ich in der Tat auch ohne musikologisches Verständnis hören. Dazu müsste ich aber a) "My favorite things" besitzen und b) "Giant steps" mir zumindest insoweit gefallen, als dass ich sie wieder einmal anhören wollte! Beides nicht unerhebliche Hindernisse. ;-)
gypsy tail wind
23.05.2010, 00:54
Solo-Chart für die Blakey Big Band Titel:
Midriff - Hardman, Coltrane, Bishop
Ain't Life Grand - Copeland, Coltrane, Bishop
El Toro Valiente - Shihab, Cleveland, Blakey, Shihab
The Kiss Of No Return - Shihab, Sulieman, Rehak, Cleveland, Shihab
The Outer World - Coltrane, Sulieman
Auf "Late Date" gibt's keine Soli, das Bonus-Stück "Oasis" muss ich erst noch hören, aber wenn's ein Trompeten-Solo gibt bin ich nicht sicher, ob ich einen Tip wage oder nicht - obwohl, mit Hilfe der drei Solisten-IDs vom Rest der Session könnte es ev. klappen, mal sehen...
redbeansandrice
23.05.2010, 01:05
kein Solo für Byrd also... soll mir recht sein, aber find ich überaschend
gypsy tail wind
23.05.2010, 01:48
kein Solo für Byrd also... soll mir recht sein, aber find ich überaschend
Es gibt ja zwei längere Quintett-Stücke auf dem Album mit Byrd und Coltrane (und Bishop und Marshall), daher macht das schon Sinn! Wenn man schon so eine tolle Trompeten-Section hat!
Ich war dann doch wieder schnell einig mit mir, dass Evans mir momentan mehr zusagt als ein spezielles Waldron Album. :lol:
Die von Dir angesprochenen Akkordwechsel könnte ich in der Tat auch ohne musikologisches Verständnis hören. Dazu müsste ich aber a) "My favorite things" besitzen und b) "Giant steps" mir zumindest insoweit gefallen, als dass ich sie wieder einmal anhören wollte! Beides nicht unerhebliche Hindernisse. ;-)
:roll:
katharsis
23.05.2010, 12:22
Ich mag diese Coltrane-Phase einfach nicht. Mit "Giant steps" habe ich's schon so oft versucht, mir hat das Album nie zugesagt. Ich finde die gefallenen Schlagwörter auch passend; verkopft, akademisch, usw.
"My favorite things" habe ich auch das ein oder andere Mal angehört, die ist wieder mehr zugänglich; aber für einen Kauf hat es nie gereicht.
Ich habe keine Freude daran, mir das anzuhören, da das für mich der am wenigsten geistig freie und spirituelle Coltrane ist, der er letztlich sein wollte.
Mit "Blue train" habe ich auch meine Probleme. Für mich eine der statischsten BNs überhaupt.
If you are in a hole, stop digging!
redbeansandrice
23.05.2010, 13:23
wie rankst du die drei Alben, nail? ohne schon besternen zu wollen, find ich Giant Steps zunehmend faszinierender, Kälte stört mich bei anderen Künstlern ja auch nicht... Blue Train ist eine Spur zu solide, aber sie ist auch solide... bei My Favorite Things fehlt mir auch nach erneutem probieren der Zugang... (anders gesagt, ähnlich wie bei Katharsis... meine Meinung/Einordnung zu Giant Steps hat sich nicht soo stark geändert - ich mag das Album bloß lieber... und das mit der Sackgasse lässt es auch nochmal in zusätzlichem Licht erstrahlen :-) )
katharsis
23.05.2010, 14:09
If you are in a hole, stop digging!
Das tue ich ja! :sonne:
Vielleicht lässt sich noch etwas ergänzen. Ich glaube, von den dreien habe ich "Blue Train" zum ersten Mal gehört. Aus irgendwelchen Gründen zeitgleich mit Turrentine's "Blue Hour" und "Soular Energy" von Ray Brown. Da steht also ein relativ schweres HardBop-Album mit einem technisch sich entwickelndem Tenoristen zwei Soul Jazz-Alben gegenüber die dann auch noch mit perlig-funkigem Klavierspiel und einem "sanften" Tenoristen aufwarten. Da ist es fast schon vorprogrammiert, dass "Blue Train" den kürzeren zieht. Andere Referenzpunkte zur damaligen Zeit waren Oscar Peterson, Bill Evans, Sonny Clark. Fast alles Pianisten im Mittelpunkt. "Blue Train" hatte da vordergründig den Reiz eines echten Klassikers; wer kannte das berühmte Covermotiv nicht, oder wem war es zumindest noch nicht aufgefallen? Trotzdem war die Enttäuschung da recht groß, was vielleicht auch ein wenig am unbekannten Sound Fuller's lag. Irgendwann später kamen dann die ersten Leader-Sessions auf Prestige, die einen ganz anderen Coltrane zeigen. Einen jungen, der sich ausprobieren will, der aber noch gut von den alten Hasen am Klavier, an den Drums etc. "beherrscht" wird. Trotzdem war da eine unglaubliche Spiellaune und eine schöne Symbiose zu hören. Außerdem gab es die kognitive Komponente noch nicht. Wer war Coltrane und wo wollte er hin? Das spielte keine große Rolle. Just you and the night and the music. Der emotionale Zugang war sofort da. Was kam danach? Alle sagen, dass "Giant steps" und "A love supreme" so toll seien. Das eigentlich zugänglichere hat mich sofort abgestoßen. Das ist nicht der Trane der Prestige-Sessions. Das ist jemand, der Musik zur Mathematik erhoben hatte, der Musik nach Plan macht. Alles erscheint überlegt, festgelegt und damit auch endgültig. Ich konnte damit nichts anfangen. Demgegenüber war "A love supreme" etwas übermächtiges, eine Art Botschaft oder einfach nur entfesselte Musik, die trotz aller kontemplativen Momenten eine ungeheuere und unbändige Spielfreude inne hatte. Das hat sich mir sofort erschlossen und seitdem komme ich auch mit den schwierigeren Sessions wie "Ascension" einigermaßen klar. "My favourite things" habe ich dann mal mit Ruhe und Interesse im Ohrensessel meines Plattenladens auf mich wirken lassen und ich habe nichts daran gefunden, was mich berührt oder interessiert hätte, es öfter zu hören. Auch dieses ist für mich noch ein akademisches Album, auch wenn bereits das klassische Quartett wirkt. Trotzdem finde ich es etwas "emotional rauher" als "Giant steps". "Blue train" konnte ich mir mit der Zeit etwas mehr erschließen, einfach weil man den Blue Note-Charakter spürt und das schon so etwas wie Heimat ist. Ich höre es hin und wieder durchaus gerne, ohne dass es mich innerlich tief berührt. Und das obwohl die Themen sehr greifbar und schön sind.
Leider habe ich es bis zum heutigen Tage nicht geschafft, mich mit den übrigen Atlantic-Aufnahmen auseinanderzusetzen, obwohl mich da einiges noch interessiert. "Coltrane Jazz" oder im speziellen "Olé".
Hm. Was will ich damit sagen. Musik ist etwas sehr emotionales, aber auch abhängig vom richtigen Zeitpunkt. Vielleicht hätte ich "Blue train" zu einem anderen Zeitpunkt und dann auch solitär entdecken müssen. Vielleicht hätte ich mit den ersten Leader-Sessions anfangen und mich dann vorarbeiten sollen. Vielleicht war es aber auch so richtig, denn sonst würden mir möglicherweise andere Aufnahmen nicht gefallen...
wie rankst du die drei Alben, nail? ohne schon besternen zu wollen, find ich Giant Steps zunehmend faszinierender, Kälte stört mich bei anderen Künstlern ja auch nicht... Blue Train ist eine Spur zu solide, aber sie ist auch solide... bei My Favorite Things fehlt mir auch nach erneutem probieren der Zugang... (anders gesagt, ähnlich wie bei Katharsis... meine Meinung/Einordnung zu Giant Steps hat sich nicht soo stark geändert - ich mag das Album bloß lieber... und das mit der Sackgasse lässt es auch nochmal in zusätzlichem Licht erstrahlen :-) )
1. Giant Steps *****
2. My Favorite Things *****
3. Blue Train ****1/2
Das tue ich ja! :sonne:
;-)
katharsis
23.05.2010, 14:33
Sorry nail, ich hatte meinen Post editiert, während Du offenbar geantwortet hast!
redbeansandrice
23.05.2010, 18:33
Leider habe ich es bis zum heutigen Tage nicht geschafft, mich mit den übrigen Atlantic-Aufnahmen auseinanderzusetzen, obwohl mich da einiges noch interessiert. "Coltrane Jazz" oder im speziellen "Olé".
Hm. Was will ich damit sagen. Musik ist etwas sehr emotionales, aber auch abhängig vom richtigen Zeitpunkt. Vielleicht hätte ich "Blue train" zu einem anderen Zeitpunkt und dann auch solitär entdecken müssen. Vielleicht hätte ich mit den ersten Leader-Sessions anfangen und mich dann vorarbeiten sollen. Vielleicht war es aber auch so richtig, denn sonst würden mir möglicherweise andere Aufnahmen nicht gefallen...
da wir uns alles in allem ja einig sind (bis auf unterschiedliche Wertschätzung von verkopfter Musik ;-) ): ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dir Olé genauso gut gefällt wie mir, also sehr, Aisha ist eine der tollsten Coltrane Balladen, die, naja, spirituelle Tiefe, von A Love SUpreme etc hat es vielleicht noch nicht ganz, aber da du ja auch COltran/Hartman, die Prestige ALben etc magst... deine Meinung zu Coltrane's Sound würd mich natürlich auch interessieren, wie gesagt mein liebstes aus den 61er Atlantic Sessions, aber das mag etwas eigennützig sein...
gypsy tail wind
25.05.2010, 11:07
http://img638.imageshack.us/img638/9858/b00003q5d101lzzzzzzz.jpg
Hab mich jetzt grad durch die ganzen Blakey Sessions gehört - ich glaub zum ersten Mal überhaupt, hab die CD allerdings schon seit 8 Jahren oder so :roll:
Die Big Band ist ganz in Ordnung, teilweise vielleicht (wegen Blakey?) etwas schwerfällig, aber eine ziemlich schöne Abwechslung von seinen üblichen Messengers Sessions!
Das Album enthält zudem zwei Stücke im Quintett mit Coltrane und Donald Byrd und der Rhythmusgruppe (Walter Bishop, Wendell Marshall & Blakey). In den Big Band Nummern hört man dann Byrd nicht, dafür alle drei anderen Trompeter (ich wiederhole das von oben, um alles an einem Ort zu haben):
Midriff - Hardman, Coltrane, Bishop
Ain't Life Grand - Copeland, Coltrane, Bishop
El Toro Valiente - Shihab, Cleveland, Blakey, Shihab
The Kiss Of No Return - Shihab, Sulieman, Rehak, Cleveland, Shihab
The Outer World - Coltrane, Sulieman
Auf "Late Date" gibt's keine Soli, auf "Oasis", dem einzigen Outtake auf CD2, gibt's ein kurzes Trompetensolo, kann das aber niemandem zuschreiben, könnte wohl jeder der vier sein...
Coltrane glänzt und sticht ganz deutlich heraus - wenn er mal loslegt, ist kein Halten mehr! Da wünscht man sich dann erst recht einen etwas weniger behäbigen Herrn an den Traps, aber was soll's... die Sätze und Shout Choruses begleitet Blakey toll! Herausragend übrigens auch Rehak in seinem einen Solo, und Walter Bishop klingt super, beinahe nach Monk! Shihab spielt ein cremiges Lead-Alt, wunderbar, in der grossen Tradition der Big Bands. Seine beiden Feature-Stücke sind toll! Von den Trompetern gefallen mir wohl die beiden Soli von Sulieman am besten, aber Copeland ist auch toll!
Die Quintett-Stücke sind einerseits der funky Blues "Tippin'", der problemlos auf ein Messengers-Album gepasst hätte, sowie Coltranes schönes Stück "Pristine". Diese Session kommt der Vorstellung von Coltrane mit Horace Silvers Jazz Messengers (siehe oben) wohl am nächsten. Nicht schlecht, aber bestimmt nicht essential.
gypsy tail wind
30.05.2010, 17:55
Bin wieder an Coltrane dran, nach längerer Pause... David Wild's Seite (http://home.att.net/~dawild/john_coltrane.htm) wird jetzt als gesperrt ("content blocked") gemeldet.
http://img84.imageshack.us/img84/7641/raydraperquintetfeatcol.jpg
Wie auch immer... die Ray Draper-Session hab ich zuletzt im Zusammenhang mit dem Tuba-Jazz-Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=40274) angehört. Heute gefiel sie mir einiges besser. Coltrane ist meist souverän, hie und da scheint er es mit Double-Time und Virtuosität fast etwas zu übertreiben (vielleicht angestachelt durch Drapers arhythmisches Gerumpel?), die Rhythmusgruppe ist Klasse, besonders Pianist Jon Mayer (als "John Maher", auch auf der "A Tuba Jazz" ein Jahr später) steuert einige schöne Soli bei! Und auch Draper... arhythmisches Gerumpel hin oder her, irgendwie ist das gar nicht schlecht! Der Sound der Tuba Drapers ist schon sehr toll! Und auch die Tenor-Tuba-Frontline! Hört man ja auch selten (bei Roach dann mit Trompete dazu, aber dafür ohne Piano).
Zu Jon Mayer/John Maher: allmusic (http://allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=11:jifoxqwgld6e) und hier seine Homepage (http://www.jonmayer.com/bio.htm).
Und wenn ich zur Nov. 1958 Session ("A Tuba Jazz", auf der CD "Like Sonny" enthalten) komme, werde ich nochmal aus dem "Coltrane Reader" eine Erinnerung von Mayer zu seiner Freundschaft mit Draper etc abtippen.
http://img532.imageshack.us/img532/8247/geneammonsthebigsoundd.jpg
Die Ammons-Session ist hübsch, Coltrane klingt auf dem Alt ganz ok, die Ideen sind dieselben wie auf dem Tenor, der Sound ist wenig eigenständig aber schön. Es glänzen neben Ammons v.a. Jerome Richardson (Flöte) und Pepper Adams (Barisax) und auch Paul Quinichette am Tenor hat ein paar gute Momente - er war eine "last minute addition" weil man befürchtete, dass Ammons nicht ankomme... als Ammons dann doch kam hat Coltrane sich ein Altsax von Ira Gitler geliehen... Lady Q spielt gemäss Ashley Kahns Liner Notes im "Side Steps" Set während den arrangierten Passagen nicht mit. Die Musik wurde einmal mehr von Mal Waldron zusammengestellt, komponiert und arrangiert und die Stücke sind wie üblich gelungen (vor allem dieses eine mit dem beinahe Minimal-Music-mässigen Thema!)
http://img17.imageshack.us/img17/6954/geneammonsgrooveblues.jpg
gypsy tail wind
30.05.2010, 18:51
Hab diesen Post (mal wieder dank Imageshack!) verloren, mag nicht alles nochmal schreiben, kurz:
Am 2. Januar kam Coltrane zu Miles zurück, der neu ein Sextet leitete (mit Addererley).
http://img340.imageshack.us/img340/6069/johncoltranelushlife.jpg
In die Zeit des ersten Gigs (Birdland bis 15.1.) fiel die Session mit Ammons und auch eine der schönsten Prestige-Sessions als Leader, die am 10. Januar mit Donald Byrd, Red Garland, Paul Chambers und Louis Hayes enstand. Byrd war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr der richtige Begleiter für Coltrane, aber auf "Lush Life", dem Titelstück des gleichnamigen Albums und auch auf "Nakatini Serenade" von Cal Massey (mehr über ihn hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2171142&postcount=274) und in den folgenden Posts) gelingen ihm sehr schöne, lyrische und fliessende Soli.
Hayes klingt zugleich leichter als Taylor, ist aber irgendwie ähnlich schwerfällig. Gar nicht schlecht, v.a. aber ohne die Tendenz, die Tempi zu beschleunigen.
Coltrane klingt auf den ersten drei Stücken der Session unglaublich stark, sein Ton wunderschön, sehr hart. Garland liefert ein Cocktail-Piano-Solo (wohl das beste, was er in diesem Kontext hinkriegte? Egal, mir gefällt's gut!)
Das zweite Stück ist das erste Original aus McCoy Tyners Feder, das Coltrane aufnahm, "The Believer". Es ist im 6/4 Takt und weicht leicht von der gängigen Form ab. In der Rhythmusgruppe ist hier nicht alles im Lot, aber das tut dem Vergnügen wenig Abbruch, Coltrane soliert unglaublich stark!
In "Nakatini Serenade" fliesst die Musik sehr schön, und Byrd fügt sich schöner ein.
Dennoch wird zu diesem Zeitpunkt langsam deutlich, dass Coltrane dem Hardbop entwächst, auf dem Weg zu neuen Gefilden ist. Man wünscht sich entsprechend etwas offenere Partner, die ähnlich über den Tellerrand des Hardbop hinauszuschauen in der Lage wären.
Diese beiden Stücke wurden 1964 (mit einem weiteren mit Freddie Hubbard von Ende 1958) auf dem Album The Believer veröfentlicht.
http://i977.photobucket.com/albums/ae259/ubu-bucket/album%20covers/JohnColtrane_TheBeliever.jpg?t=1275239085
Die Session endet mit zwei Standards, "Come Rain Or Come Shine" im groovenden Midtempo, wieder mit schönem, lyrischem Beitrag von Byrd, und "Lover", einem Standard in halsbrecherischem Tempo, wie Coltrane das schon auf "Soft Ligths and Sweet Music" auf Traneing In gemacht hat.
Diese Stücke erschienen 1965 auf dem "last helping" von den Prestige Sessions, dem nicht zu unterschätzenden Album The Last Trane.
http://i977.photobucket.com/albums/ae259/ubu-bucket/album%20covers/JohnColtrane_TheLastTrane.jpg?t=1275238915
(Bilder folgen ev. noch, wenn Imageshack denn wieder läuft, momentan stürzt nur dauernd alles ab... hat jemand einen GUTEN Bild-Service gefunden, der den RS-Forumsregeln entspricht und funktioniert? Ist nicht das erste Mal, das Images-hack alles zum Absturz bringt!)
redbeansandrice
30.05.2010, 19:08
:-) nicht richtig Zeit für gar nichts - was wolltest du zu Byrd auf dem Titelstück von Lush Life sagen? (ich hab ihn da als enorm stark in Erinnerung...); The Believer war eine von nur zwei Tyner Kompositionen, die Trane aufnahm, oder? (Aisha von Olé die andere... glaub ich mal so gelesen, so stark wie die zwei sind, fragt man sich schon warum nicht mehr... )
danke für die beiden schönen Posts (und dir und deinem Volk auch für die 12 Punkte gestern...)!
gypsy tail wind
30.05.2010, 19:26
Na ja, was die 12 Punkte betrifft: ein SMS hierzulande hätte ja satte 50c gekostet, sowas schenk ich mir... aber verdient war's wohl schon, in diesem himmeltraurigen Umfeld zumal ein Lichtblick, auch wenn das Liedchen nicht viel hergibt und das Mädchen mal lernen müsste, sich zu bewegen (der Kleinmädchenbonus wird in ein paar Jahren nämlich nicht mehr ziehen, dann reicht schlaksiges Arme-Schlenkern nicht mehr...) [angemerkt sei aber noch, dass Michael von der Heider - der hat 2 Punkte gekriegt aus Georgien oder so, sonst nix - in diesem Rahmen mindestens unter den Top 5 sein müsste, wenn's denn sowas wie Gerechtigkeit gäbe :-) ]
Wegen Byrd auf "Lush Life"...den halben Satz hab ich noch fertig gestellt, das kommt vom schnellen neu-tippen des verlorenen Posts, aus dem Gedächtnis. Hatte dazu was längeres geschrieben, bring's aber nicht mehr zusammen (und bin jetzt schon an Soultrane). Ich hab das mehr allgemein gemeint mit Byrd, eigentlich. Er ist halt sehr im lyrischen Bop und Hardbop daheim - was man ja für Garland letztlich auch sagen kann, wenn der auch sein Ding sicherer durchzieht und ja weiterhin ordentlich spielte mit Coltrane. Bin mal auf Black Pearls gespannt, wo Byrd ja nochmal auftaucht. Danach kommt Wilbur Harden, eigentlich genauso unpassend, aber eben doch ein wunderbarer Musiker! Und dann folgen auch schon die ersten Aufnahmen mit Hubbard...
Was ich noch geschrieben hatte: Chambers hätte von diesen Leuten noch am ehesten Potential gehabt, aus dem Korsett der Konventionen auszubrechen, leider kann man aber neben Herbie Hancocks tollem Inventions & Dimensions wenig von ihm in diese Richtung hören.
Und dann war da noch über die "sheets of sound"... Coltrane ist ja im Frühjahr 1958 in dieser Phase - ich glaub ich hab die Definition schon irgendwo zitiert oben?
http://images37.concordmusicgroup.com/albums/188x188/PRCD-30006-2.jpg
Also, nun zu Soultrane - eins der allerschönsten von Coltranes Prestige-Alben. Sein Sound ist wunderbar, er spielt unglaublich rasant und präzis, aber kann auch sehr, sehr lyrisch werden. Garland schlägt sich sehr gut, Chambers ebenso (das gezupfte Solo auf "I Want to Talk About You" läuft grad in diesem Moment). Das ganze Album scheint mir wie einen halben Gang zurückgenommen, entspannter, eine Spur lyrischer als die anderen Sessions aus dieser Zeit.
Auf Settin' the Pace (meinem allerliebsten Prestige Album?) schaltet das Quartett dann den halben Gang wieder hoch und ist noch besser abgestimmt (dort gibt's noch eins dieser unglaublich schnellen Standards-Cover mit "Rise'n'Shine", das erstaunlicherweise als erstes Stück der Session entstand!)
gypsy tail wind
30.05.2010, 19:57
Und gleich noch ein Highlight aus der Prestige Zeit. Dieses Album vereint zum letzten Mal Coltrane und Kenny Burrell, diesmal im Quintett, und mit Tommy Flanagan, Paul Chambers und Jimmy Cobb ist auch eine erstklassige Rhythmusgruppe zur Stelle. Sehr gut gefällt mir schon mal die Frontline hier, Gitarre und Tenorsax - eine zu selten gehörte Kombination! Und von der Textur her passt Coltrane sehr sehr gut (irgendwie besser als Wes Montgomery und Johnny Griffin mit dem Wynton Kelly Trio, find ich!)
Auf dem Menu stehen Blues und Balladen, ein altes Basie-Stück, und als Opener ein eingängiges Original von Kenny Burrell, "Lyresto". Burrell spielt wunderbar entspannt, Jimmy Cobb bringt ein völlig neues Rhythmusgefühl rein - er war nie ein grosser neuerer oder ein besonders explosiver Drummer, aber gerade im Vergleich mit Art Taylor (und Louis Hayes, der auf "The Cats" und der oben besprochenen Januar 1958 Session zu hören ist) wirkt er unheimlich frisch, "cool", relaxt... und sein Spiel macht grossen Spass und fühlt sich stets gut an!
Die Nähe Coltranes zu Pres wird hier in Lewis Porters Liner Notes (Interplay Box, p. 16) hervorgehoben - aus dem Kommentar zu "Big Paul" (Tommy Flanagans Chambers gewidmetem Blues):
At 4:48 Coltrane develops an idea using the Pres method - he plays a rising line, making it longer each time. The third time it goes way down near the bottom of the horn and back up again. People often write that Coltrane's sound is light because he stays in the high register, but that is false (and it would be a very strange choice on an instrument that's already limited in its range). They said the same about Pres. But a light sound can be achieved without playing only high notes. Coltrane used the whole instrument, and created excitement by honking low as much as by screaming high - and remember, Pres was the original honker, the inspiration for Illinois Jacquet and many, perhaps most, of the original rhythm and blues players!
Neben den Sessions mit Wilbur Harden (Savoy, März, Mai & Juni 1958), den Sessions mit Miles Davis (bis im März 1960) und den Kollaborationen mit Johnny Hartman und Duke Ellington war dies die letzte Sideman-Aufnahme von Coltrane.
gypsy tail wind
31.05.2010, 11:15
Wilbur Harden (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilbur_Harden) ist einer der unbekannten Grössen, des Hardbop, ein äusserst flüssiger, lyrischer Trompeter, der zu meinen Lieblings "stars of the second (oder wohl eher third) row" zählt!
Mit Coltrane hat er im Jahr 1958 sowohl für Savoy als auch für Prestige aufgenommen. Die Savoy-Sessions wurden 1999 in einem schönen 2CD-Set gesammelt neu aufgelegt (davor erschienen sie mehrmals auf LP, zuerst unter Hardens Namen, dann später mit anderen Titeln unter Coltranes).
Eine Diskographie von Harden findet sich hier:
http://www.jazzdiscography.com/Artists/Harden/index.html
Wie Ihr sieht, hat er neben den Sessions mit Coltrane vor allem mit Yusef Lateef aufgenommen, zwei Savoy Sessions und eine lange für Prestige (aus der gleich zwei Alben resultierten). Für Savoy hat er zudem auch noch ein Album in der seltenen Quartett-Besetzung (Trompeter machen das leider eher selten, ohne andere Bläser ein Album aufnehmen, hätt ich gern mehr davon!) "The King and I" aufgenommen.
Die Sidemen auf den Sessions mit Coltrane sind teils bekannte Leute, die schon auf früheren Coltrane-Sessions gespielt hatten, aber auch ein paar neue Namen tauchen auf (die sonst nicht in der Coltrane-Diskographie erschienen).
Die Musik wurde fast ausschliesslich von Harden komponiert - wohl speziell für diese Sessions. Die Stücke wurden auch sonst nie (oder äussert selten) wieder aufgegriffen. Sie sind im Vergleich mit dem üblichen Ausgangsmaterial von solchen 50er Jam-Sessions sehr vorsichtig und mit einem Auge für Details gemacht und müssen wohl auch massgeblich zu unserem lückenhaften Bild von Harden beitragen.
Aber ob die Alben wirklich so sorgfältig produziert worden sind, wie der Wiki-Eintrag behauptet, wage ich jetzt mal zu bezweifeln. Ozzie Cadenas Approach hat sich meines Wissens nicht allzu stark von jenem von Bob Weinstock unterschieden, und er hat sich auch oft - auch hier - erfrecht, sich selbst als Co-Composer eintragen zu lassen.
In Loren Schoenbergs Liner Notes zu Harden/Coltrane "The Complete Savoy Sessions" (1999) heisst es zur Person Hardens:
Harden himself contributed greatly to the mystery surrounding him. His elusive nature is reflected in recent comments by both of the pianists on these sessions, who are among the very few who recall him from the Fifties. Tommy Flanagan describes him as a "quiet guy who was off the scene most of the time; I don't remember him having any gigs in New York. He did work back in Detroit though." Howard Williams can add only that "Wilbur was a nice guy, not aggressive, just a pure musician. We used to jam a lot in my loft, which was on 6th Avenue, right next to Hall Overton's. I heard that Wilbur had a nervous breakdown or something, but after that he just vanished."
Die erste, längste Session vom 13. März 1958 ist fast eine All-Star Band, Coltrane und Harden mit Tommy Flanagan, Doug Watkins und Louis Hayes. Was ich oben über Donald Byrd angetönt habe trifft auf Harden eigentlich auch zu, aber irgendwie hat Harden doch einiges mehr an Persönlichkeit zu bieten und sein aussergewöhlich schönes Spiel bietet einen guten Kontrast zu Coltrane - jeder der beiden zieht sein Ding durch und es harmoniert erstaunlich gut. Die Luxus-Rhythmusgruppe hilft beträchtlich, und ich staune grad wieder, wieviel das doch ausmacht! Wieder ist Louis Hayes an den Drums, und wie ich oben schon erwähnte: er klingt einerseits leichter - mehr Ride-Cymbal, höher gestimmte Drums? -, andererseits spielt er doch ziemlich schwer - eben zum Beispiel das Ride, das er fast durchwegs auf jeden Schlag bringt, auch die Snare-Einwürfe sind nicht gerade leicht, aber das gibt eben auch ein äusserst solides Fundament, das zu Coltrane sehr gut passt. Und dazu kommt Doug Watkins, auch er ein soliderer, erdigerer Bassist als Chambers, der aber ein ähnlich toller Solist ist (und auf "West 42nd Street" auch ein kurzes gestrichenes Solo spielt). Flanagan dagegen ist eher leichter, lyrischer als Garland... eigentlich schade, dass Coltrane nicht öfter mit ihm aufnahm und überhaupt nicht öfter mit anderen Rhythmusleuten gearbeitet hat (z.B. Philly Joe Jones, Doug Watkins, Sam Jones, Hank Jones, Jimmy Cobb, Roy Haynes - der eine oder andere von denen taucht ja da oder dort auf, Haynes allerdings erst später).
Coltrane klingt jedenfalls richtig gut hier, sein Ton ist vielleicht eine Spur weniger schön (bzw. die ganze Aufnahme klingt anders als die atmosphärischen Prestige-Sessions, aber auch diese Savoy-Sessions fanden in Van Gelders Studio statt, seltsam). Curtis Fuller, der andere hier anwesende Bläser (und neben Harden der andere Frontline-Partner in Yusef Lateefs frühem Quintett), gemäss Schoenbergs Liner Notes:
According to trombonist Curtis Fuller, the other horn on two of the original sessions, Coltrane was there entirely because he wanted to be. He was openly enthusiastic about Harden's work; as Fuller puts it, "he certainly wasn't there just for the forty one dollars." (To be precise, $41.25 was musicians union scale for a sideman for a three-hour recording session in 1958.) But he also notes that Coltrane's presence had a down side; Harden was a rather unassertive young man and when he failed to display sufficient decisiveness as leader, the saxophonist stepped in and took charge - which Harden in turn reacted to with some discomfort and even resentment. However, while Coltrane's appreciation can readily be heard here, the tension that Fuller recalls is not apparent.
In "Coltrane Reference" (p. 513) steht, dass die Session von 1-7 p.m. dauerte, mit einer Stunde Pause fürs Nachtessen (nehme an für die meisten anwesenden war's eher das Frühstück) - es wären also immerhin 80$ gewesen.
Fuller stösst für die zweite und dritte Session dazu, auf der Art Taylor und Ali Jackson (Bruder von Drummer Oliver - siehe Lateef - und nicht mit Milt Jacksons Bruder, dem Bassisten Alvin Jackson zu verwechseln... alle aus Detroit, wie natürlich auch Flanagan, Watkins und Hayes) Watkins und Hayes ersetzen. Auf der zweiten Session spielt Howard Williams anstelle von Flanagan, der dann für die dritte wieder dabei war. Die Rhythmusgruppe ist ziemlich anders, Jackson ist weniger präsent als Watkins, Taylor leichter, aber eben auch - wie mich jetzt grad auf Take 2 von "B.J." dünkt - wieder sehr in Eile. Das scheint jedoch die drei Bläser nicht zu stören, Coltrane klingt hier wieder ganz wunderbar, ebenso Harden, der auch klarer klingt... und Fullers flüssiges, von J.J. Johnson inspiriertes Spiel fügt sich schön ins Ensemble ein (hier scheint alles klarer, schöner aufgenommen als auf der ersten Session woran auch immer das gelegen haben mag).
Was Harden betrifft, so ist der einzige Standard der Session, "Once in a While", ganz sicher ein Highlight! Unglaublich schön, sein Ton! Und wie Coltrane dann übernimmt für die Bridge... zauberhaft! Sein Ton ist hier übrigens fast schon so zurückgenommen und sanft wie später auf Ballads.
Zwischen der ersten und der zweiten Session enstand übrigens ein weiteres Highlight aus der Prestige-Zeit, Settin' the Pace (wie ich oben schon erwähnte möglicherweise mein liebstes Prestige-Album von Coltrane). Zwischen der zweite und der dritten Session entstand dann Black Pearls, aber auch die fantastische Miles Davis Session vom 26. Mai 1958 (mit "Love for Sale" als Highlight... ausgerechnet das Stück hat aber auf "Jazz Track" gefehlt, war zuerst soweit ich weiss auf Circle in the Round zu hören)
Trivia: in der Doppel-CD ist auch wieder das einzige grosse Coltrane-Photo (das auch ausschnittweise auf dem Titel drauf ist) dasjenige mit dem Altsax (von Esmond Edwards aufgenommen) - wie schon in der Monk/Coltrane Riverside Doppel-CD. Sehr befremdlich, aber ist ja auch beides von Orrin Keepnews produziert (die Savoy Doppel-CD scheint übrigens dennoch komplett zu sein, manche dieser Ende der 90er zusammengestellten Savoy Reissues hat Keepnews ja irgendwie versaut...
redbeansandrice
31.05.2010, 12:17
Die Musik wurde fast ausschliesslich von Harden komponiert - wohl speziell für diese Sessions. Die Stücke wurden auch sonst nie (oder äussert selten) wieder aufgegriffen. Sie sind im Vergleich mit dem üblichen Ausgangsmaterial von solchen 50er Jam-Sessions sehr vorsichtig und mit einem Auge für Details gemacht und müssen wohl auch massgeblich zu unserem lückenhaften Bild von Harden beitragen.
Aber ob die Alben wirklich so sorgfältig produziert worden sind, wie der Wiki-Eintrag behauptet, wage ich jetzt mal zu bezweifeln. Ozzie Cadenas Approach hat sich meines Wissens nicht allzu stark von jenem von Bob Weinstock unterschieden, und er hat sich auch oft - auch hier - erfrecht, sich selbst als Co-Composer eintragen zu lassen.
ich glaub auch nicht, dass das Album viel anders geworden wäre, wenn es für Prestige entstanden wäre... wer die Ambitionen hatte, konnte zu der Zeit auch bei Prestige "richtige Alben" mit Eigenkompositionen und/oder Konzept aufnehmen, siehe etwa Ray Draper, Gil Evans, Webster Young, Yusef Lateef, Mal Waldron, Steve Lacy... und der Unterschied zwischen Coltranes Stardust Session und den Harden/Coltrane Sachen auf Savoy ist wohl vor allem daraus entstanden, dass Harden der Leader bei den Savoy Aufnahmen war, und Coltrane bei den Prestige...
Schoenberg's Liner Notes (http://www.lorenschoenberg.com/coltrane.html) zum Harden/Coltrane Set von dessen Homepage
gypsy tail wind
31.05.2010, 12:36
ich glaub auch nicht, dass das Album viel anders geworden wäre, wenn es für Prestige entstanden wäre... wer die Ambitionen hatte, konnte zu der Zeit auch bei Prestige "richtige Alben" mit Eigenkompositionen und/oder Konzept aufnehmen, siehe etwa Ray Draper, Gil Evans, Webster Young, Yusef Lateef, Mal Waldron, Steve Lacy... und der Unterschied zwischen Coltranes Stardust Session und den Harden/Coltrane Sachen auf Savoy ist wohl vor allem daraus entstanden, dass Harden der Leader bei den Savoy Aufnahmen war, und Coltrane bei den Prestige...
Ja, Coltrane hat ja eigentlich nie besonders tolle Kompositionen hingekriegt... erst in der Atlantic-Zeit fängt das an, aber auch da - seine Stücke sind in vielen Fällen mehr Skizzen oder Stimmungsbilder, die dann die Atmosphäre der Musik sehr stark prägen (was ja auch eine Kunst ist!) als besonders gute Kompositionen (es gibt natürlich Ausnahmen, wie etwa "Equinox", das wohl zu einem oft-gecoverten Original hätte werden können, oder "Central Park West").
Aber dennoch: bei ihm war ja erst dann alles "in place" als er auch seine eigene Musik zu schreiben begann... Olé Coltrane, die 1961er Vanguard Sessions, irgendwo da ist das wohl anzusiedeln oder? Oder würde man da schon die Atlantic-Zeit einbeziehen? Ich denke eher nicht, auch weil wenige der Stücke vor/bis 1960 sich in seinem Repertoire hielten (Ausnahmen: "My Favorite Things" natürlich, aber auch die Ballade "I Want to Talk About You" vom Album Soultrane, das jetzt grad wieder läuft, just Coltranes Solo über dieses Stück - wunderbar!)
Schoenberg's Liner Notes (http://www.lorenschoenberg.com/coltrane.html) zum Harden/Coltrane Set von dessen Homepage
Oh, und ich hab natürlich wieder abgetippt...
Edit: dieser Text auf der Website ist seltsam... die ganze zweite Hälfte über Teachout, Murray etc scheint was völlig anderes zu sein, die erste wohl ein sehr roher Entwurf der letztlich gedruckten Notes!
gypsy tail wind
31.05.2010, 16:59
Weiter geht's... wie schon angetönt ist Settin' the Pace, am 26. März mit Garland/Chambers/Taylor aufgenommen, eins meiner allerliebsten unter Coltranes Prestige-Alben. Hier kommt sein neu-entdeckter Lyrizismus fast noch schöner zur Geltung als auf Soultrane, besonders in "I See Your Face Before Me", wo man Coltrane buchstäblich den Text durch sein Saxophon singen hören kann.
Das Album erschien erst 1961 (mehr dazu unten), was sicher auch dazu beigetragen hat, dass es in der Wahrnehmung vieler hinter Traneing In und Soultrane zurücksteht.
Ich möchte eine Passage aus Joe Goldbergs Liner Notes zitieren, die vielleicht hilft, zu erklären, weswegen mir diese Session so gut gefällt (er reflektiert übrigens die seit der Aufnahme verstrichene Zeit, d.h. ich nehme "just beginning..." bezieht sich auf die Gegenwart 1961):
One aspect of Coltrane's work, apparent here, is just beginning to be noticed. He is one of our most lyrical musicians, but it is not a standard form of lyricism - it does not gush and does not cloy - and that quality went unnoticed for a long time when the discussions of his work were primarily concerned with the technical innovations he was making. While Ornette Coleman, in whose playing John is extremely interested, has been concerned with more freedom from what has been termed "the chord barrier," Coltrane was pushing to the ultimate harmonic limit. As Cannonball Adderley put it in Jazz Review, "Coltrane knows more about chords than anyone. John knows exactly what he's doing; he's gone into the melodic aspects of chords. He may go 'out of chord,' so-called, but not out of the pattern he's got in his mind." That insistence on implicit harmonic effect, coupled with his rhythmic innovations ("I found," Coltrane wrote in Down Beat, "there were a certain number of chord progressions to play in a given time, and sometimes what I played didn't work out in eighth notes, 16th notes, or triplets. I had to put the notes in uneven groups like fives and sevens to get them all in."), resulted in so-called "sheets of sound" that for a time, blinded people to anything else he was doing.
But there can be no doubting the lyricism of a performance like "I See Your Face Before Me." That, and "If There Is Someone Lovelier Than You," are both songs much more closely associated with Frank Sinatra than with the standard jazz repertoire (although Miles Davis has recorded "Face" beautifully on Prestige 7007, The Musings of Miles). Coltrane, however, is one of those valuable musicians who never feels constricted by what is generally thought to be acceptable, and, as usual, he validates his choices.
Dieser Lyrizismus, der hier auch durch die dichten, schnellen Passagen durchscheint, beeindruckt mich immer wieder!
Und auch das letzte Stück, der sehr relaxte, groovende Blues "By the Numbers" (ursprünglich auf The Last Trane) ist ein Highlight!
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Black Pearls, ohne viel darüber zu schreiben, hat mir heute auch wieder ein ganzes Stück besser gefallen als beim letzten Hören vor ein paar Monaten. Das Album ist irgendwie düster, ernst... Donald Byrd stösst noch ein letztes Mal dazu und macht sich dieses Mal ziemlich gut. Die nur drei Stücke sind ziemlich lang, am längsten der "Sweet Sapphire Blues" mit etwas über 18 Minuten. Garland eröffnet die relaxten und doch nie plätschernden Soli - es wird schnell klar, dass man hier zur Sache kommt, dass nicht einfach ausschweifend soliert wird. Coltrane ist auf den allen drei Stücken "an der Arbeit", man hört förmlich das Zahnwerk arbeiten, das alle Noten anspielen, die möglich sind... das kann ermüdend wirken, aber mich fasziniert es immer stärker!
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Dann im Juli die Session mit Wilbur Harden, Red Garland, Paul Chambers und Jimmy Cobb. Cobb macht wieder einen Unterschied in der Rhythmusgruppe, aber insgesamt fehlt hier der Kick, alles wirkt ein wenig zu lyrisch, beinahe verschlafen. Coltrane und Harden haben allerdings beide sehr sehr schöne Momente. Aber etwas mehr Pep hätte hier gutgetan. Mir scheint bei den beiden letzten Prestige-Sessions (die hier vom 11. Juli und dann am 28. Dezember diejenige mit Freddie Hubbard) war irgendwie schon wieder die Luft draussen... Coltrane war sich wohl wieder am Sammeln, am Anlauf nehmen für "Giant Steps". Jedenfalls ist 1957 das "watershed"-Jahr mit einer unglaublichen Menge an Aktivitäten, 1958 wird dann eher konsolidiert, was zuvor erreicht wurde, obgleich sich Coltranes eigenes Spiel durchaus noch weiterentwickelt - man kann ja eine grosse Reifung gegenüber dem Spiel Anfang/Mitte 1957 feststellen, das zweifellos! Aber rundherum ist immer noch dasselbe, Garland/Chambers/Taylor, ab und zu mit Trompete dazu, ab und zu mit anderem Drummer... es wurde wohl endgültig Zeit, dass Coltrane eine eigene Band gründet. Aber er war ja noch an Miles gebunden, mit dem im Frühjahr 1959 der Meilenstein Kind of Blue eingespielt wurde.
Ja, ausserhalb seiner eigenen Sessions (die ja nach dem Frühjahr 1958 auch viel weniger häufig waren als in den Monaten davor - hatte er nichts mehr zu sagen?) war Coltrane ja durchaus noch auf spannenden Aufnahmen zu hören, so etwa auf Michel Legrands Legrand Jazz (am Tag nach der dritten Wilbur Harden Savoy Session), im April und im September spielte er auch wieder mit Thelonious Monk (die Aufnahme vom 11. September, von Naima aufgenommen, wurden auf Blue Note veröffentlicht - ich wiederhole das mal wieder -, auf einer einzelnen CD mit falscher Geschwindigkeit und zumindest zu Beginn auch mit falschem Line-Up. In der Monk Complete Blue Note 4CD-Box ist die Aufnahme korrekt zu hören und der Line-Up auch richtig als Ahmed Abdul-Malik und Roy Haynes angegeben; "Coltrane Reference" p. 158: "Johnny Griffin has since acknowledged that Coltrane could have filled in for him one night at the Five Spot."). Am 12. September, einen Tag nach dem vermuteten Datum der Monk-Aufnahme, wirkte Coltrane dann an einer der Sessions für George Russells New York, NY mit, im Oktober entstand auch die misslungene Aufnahme mit Cecil Taylor, Hard Driving Jazz und irgendwann im November noch die zweite und letzte Aufnahme mit Ray Draper, A Tuba Jazz (Roulette).
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Coltranes Prestige-Alben und Veröffentlichungsjahr:
7105 - Coltrane - 1957
7123 - Traneing In - 1958
7142 - Soultrane - 1958
7188 - Lush Life - 1960
7213 - Settin' the Pace - 1961
7243 - Standard Coltrane - 1962
7268 - Stardust - 1963
7292 - The Believer - 1964
7316 - Black Pearls - 1964
7353 - Bahia - 1965
7378 - The Last Trane - 1965
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Trivia:
Note: On Easter Sunday, April 6, 1958, Bobby Timmons, Earl Grubbs, and Carl Grubbs visited Coltrane at his home in Manhattan (apartment 2B, a second-floor apartment at 203 West 103rd Street). They held an impromptu practice session in Coltrane's living room - see the photos in Thomas (1975, photo section following p. 88) and Porter (1998, photo section following p. 174). Bobby Timmons is playing piano, Earl Grubbs is playing alto saxophone, Carl Grubbs is playing clarinet, and Coltrane (in his bathrobe - he had a late concert at Town Hall the night before) is playing tenor saxophone.
Carl Grubbs recalls that Coltrane played at the Five Spot that night and possibly the next night (Porter, 1998, p. 358); however, an advertisement in the New York Times lists Coltrane as being scheduled to play with Thelonious Monk at the Village Vanguard for the Sunday afternoon matinee (see the followoing entry). The Times ad may be incorrect, or Carl Grubbs may have mixed up the Five Spot and the Village Vanguard. Or all of this may be correct - Coltrane may have played with Monk that Sunday afternoon, then sat in at the Five Spot that night and/or MOnday night (although Coltrane was probably in Cleveland by Monday night [...] [Miles Davis Sextet Gig April 7-13 im "Modern Jazz Room", Cleveland, OH]). On Sunday, April 6, 1958, the Pepper Adams Quintet was at the Five Spot (Pepper Adams, baritone saxophone; Donald Byrd, trumpet; Bobby Timmons, piano; Doug Watkins, bass; Elvin Jones, drums). On Monday, April 7, 1958, pianist Mal Waldron was scheduled at the Five Spot.
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Coltrane Sitting In at the Five Spot
"One night a few years ago Coltrane sat in at the old Five Spot in New York City and improvised about 25 minutes on Woody'n You. It was an awesome performance. Near the end many wondered why his chops didn't fall off or at least detrioerate into blubber. But he played on and finished the last measures with as much strenght as the first. Then he stepped down, went into the back room, and began to practice!" (From "John Coltrane: Black Pearls," record review by Don Nelsen, Down Beat, Dec. 31, 1964, p. 23.)
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~ Coltrane Reference, p. 149f.
Note: On Thursday, Septmber 11, 1958, Coltrane wrote a letter to Mr. Dickson Kisai of Ghana, hoping to start a correspondence. Coltrane expressed his desire to visit Africa, and, interestingly, asked about work opportunities and "the chances for small businesses" in Ghana. This letter was auctioned in February 2005 by Guernsey's.
~ Coltrane Reference, p. 157
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Die allerletzte Coltrane Session für Prestige entstand Ende Dezember 1958 mit Garland/Chambers/Taylor und auf drei der sechs Titel Freddie Hubbard (seine zweite Session überhaupt, und keine besonders geglückte). Auch hier habe ich wieder den Eindruck (wie bei der Session mit Harden im Juli), dass nichts wirklich spannendes geschieht. Klar, Coltrane... aber sonst ist echt nicht mehr als "more of the same old" zu hören.
"Bahia" macht dann Spass, der Latin-Beat wird auch in den Soli so halbwegs durchgezogen (mit kurzen Wechseln in graden 4/4). Garland spielt toll! Und dann folgt - Überraschun! - noch einmal ein Stück in Trio-Besetzung, "Goldsboro Express" - sehr schön! Schnelles Tempo, aber nie kommt Hektik auf, und die Fours mit Taylor sind auch toll. Für kurze Momente könnte man hier fast an Rollins denken!
Diese und die längere Session mit Wilbur Harden wurden übrigens ursprünglich auf den drei Alben Standard Coltrane, Bahia und Stardust veröffentlicht.
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Als nächstes werde ich mir mal die Monk-Session vom Five Spot vorknöpfen und allenfalls die Sessions mit Miles (Milestones im Frühjahr 1958, die Sextett-Session im Mai, die grösstenteils auf JazzTrack erschien, sowie die Live-Aufnahmen von Newport und Jazz at the Plaza im Herbst und diverse Bootlegs) und die Sachen mit Legrand und Russell.
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Und weil ich schon an diesem Riesen-Post bin und heute auch nicht mehr zum anhören von Ray Drapers A Tuba Jazz komme, hier vorab schon mal das versprochende Bisschen aus "Coltrane Reference":
Pianist John Mayer recalls this session (e-mail to Chris DeVito, Mar. 25, 2005):
Ray [Draper] and I were best friends and band mates at that time and would do a lot of hanging out. This included Café Bohemia with the Miles band with Trane where I got to meet John. A soft-spoken gentle man.
When A Tuba Jazz for Jubilee came around, Ray asked Trane to join the session. [...] Trane, Ray and myself met at Ray's family's apartment on 106 St. and Manhattan Ave. to rehearse just prior to going to record. Trane was interested in soem warm-up exercices I was doing out of a Brahms drill book. So he learned it. Later when he met Wayne [Shorter], they would spend days at Wayne's house practicing from harp exercice books.
We three then took a cab from Ray's house to some midtown studio where Larry Ritchie and Spanky [James "Spanky" DeBrest] were waiting. It was harrowing for me as a kid to be in this kind of company. My favorite moment is "Angel Eyes" where I had a chandce to slow it down and play a little intro for Trane.
I didn't do any other gigs with John, but I heard him a lot with his Quartet. After his opening night (first time under his name) at Jazz Gallery in 1960, I was compelled to write two tunes based on what I heard that night. I called Trane to tell him of this and he invited me to his house in St. Albans to show him the music. He kindly put the old Webcor [tape recorder] on and got the soprano out and proceeded to put the songs on tape. that was it for those songs until I recorded them myself: "Round Up the Usual Suspects" and "Ballad for Trane."
Jon Mayer continues to perform and record; see his website at www.jonmayer.com/.
~ Coltrane Reference, p. 160
>> Edit: hier noch ein Hinweis (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2183910&postcount=9) auf einen Artikel in JazzTimes über Ray Draper - danke redbeans! <<
Die beiden 1958er Sessions (Standard Coltrane, Bahia, Stardust) will ich auch möglichst bald noch einmal hören, will sie nicht unfair beurteilen - es sind die Prestige-Sessions, die ich am schlechtesten kenne, da ich die drei Alben nie in ihrer Original Jazz Classics Form besessen habe (ich hatte allerdings diese Carrère CD mit der ganzen Harden-Session, aber auch die war unter den letzten CD mit Sessions aus diesem Zeitraum, die ich gekauft habe)
Ich glaub das reicht mal für heute... hoffe in den Zitaten hat's nicht allzu viele Tippfehler!
Toll! Mein Dank dafür ist kurz und bündig, aber kommt von Herzen.
Ich freue mich schon, diese Woche das ein oder andere davon erneut nachhören zu können...:-)
gypsy tail wind
01.06.2010, 21:52
Im Herbst 1958 enstanden zwischen den zwei letzten Prestige-Sessions einige weitere Sideman-Aufnahmen von Coltrane.
Da ist zuerst mal die fantastische Live-Aufnahme vom 11. September 1958, die Coltranes Frau Alice im Five Spot aufnahm, als Monk für Griffin einsprang (siehe oben Zitat aus "Coltrane Reference" dazu). Unter dem Titel "Discovery!" erschien die Aufnahme erstmals 1993, in leicht übersetzter Geschwindigkeit. Im Rahmen der 4CD-Ausgabe der "Complete Blue Note Recordings" von Monk (1994) wurde mit Hilfe von Kenny Washington eine korrigierte Version davon veröffentlicht. In den Liner Notes zu diesem Set lässt sich Bob Blumenthal für einmal richtig gehen:
On "I Mean You," Coltrane begins relatively cautiously, prodding the corners of Monk's ominous tune; but by the time Monk lays out Coltrane is in full flight, wrestling torrential phraes and jagged cries from his horn. Monk is driven and expansive throughout, and Haynes prods everyone with his polyrhythmic lyricism.
~ Bob Blumenthal, Liner Notes von "Thelonious Monk - The Complete Blue Note Recordings", 1994, p. 34
Was mit polyrhythmischem Lyrizismus gemeint sein soll, mag dahingestellt bleiben - jedenfalls macht es trotz der mangelhaften Qualität der Aufnahme unglaublichen Spass, zu hören, wie Haynes die Musik antreibt, kommentiert, ergänzt... der hat hier Feuer im Arsch, um es salopp auszudrücken! Ebenso Coltrane - unglaublich, was er hier abliefert! Sicher das Highlight der Monk/Coltrane Kollaboration!
Am 13. Oktober nahm Coltrane dann für United Artists an der Cecil Taylor Session für "Hard Driving Jazz" (später unter Coltranes Name as "Coltrane Jazz") teil. Eine äusserst seltsame Band: Kenny Dorham (t), Coltrane (ts), Taylor (p), Chuck Israels (b), Louis Hayes (d). Beim heutigen Wiederhören fand ich das Album nicht mehr ganz so missglückt, wie ich's in Erinnerung hatte. Dorham spielt einige sehr schöne Soli, die allerdings quer in der Landschaft stehen, Israels spielt sehr gut, aber Louis Hayes ist hier ziemlich am Ende seines Lateins. Coltrane und Taylor harmonieren auch nur mässig, aber irgendwie ist das doch im Vergleich zu "Jazz Advance" oder "Love for Sale" nicht komplett anders (ausser eben der Drummer...). Selber hören um eine Meinung zu bilden! Ganz für die Katz ist das jedenfalls nicht!
http://img707.imageshack.us/img707/263/johncoltranelikesonny.jpg
Dann im November fand die zweite Session mit Ray Draper statt - dazu auch oben schon eine längere Passage aus "Coltrane Reference". Gefällt mir wohl von den drei Draper-Alben aus dieser Zeit (das dritte wurde mit McLean und ohne Coltrane für Prestige aufgenommen) das schönste. Der Moment auf "Angel Eyes", auf den sich Mayer bezieht ist in der Tat schön, das Stück wird allerdings v.a. von Draper getragen. Klanglich ist das sehr attraktiv und speziell, und Draper scheint langsam mehr Kontrolle über sein unförmiges Instrument zu haben. Ganz schön auch die beiden Rollins-Stücke "Doxy" und "Oleo", und auch der Opener, "Essii's Dance".
Edit: obiges Cover ist von der CD, auf der Drapers "A Tuba Jazz", eben das dritte Album (bzw. das zweite mit Coltrane) enthalten ist... bin etwas schludrig heute :-)
gypsy tail wind
02.06.2010, 01:08
Ganz zu Beginn des Jahres stiess Coltrane wieder zu Miles Davis' Gruppe:
2.-15. Januar 1958: Miles Davis Sextet, Birdland, NYC (mit Adderley, Garland, Chambers, Philly Joe)
From the New Yorker (Jan. 11, 1958, p. 8): "Birdland, 1678 Broadway, at 52nd St.: Miles Davis, a great man when he doesn't get lost in the stars, is leading a new-era quintet [sextet] into action, and Johnny Richards' orchestra is also on the lot. On Thursday, Jan. 16, a considerable change of scene - Kai Winding's septet and Machito's band, largely hot-blooded Cuban in attitude. Mondays are made loud by guest practitioners."
Coltrane rejoined Miles Davis for this gig, creating a sextet with Cannonball Adderley. Coltrane was at the Five Spot until January 1, 1958, with Red Garland replacing Thelonious Monk, and Garland and Coltrane probably rejoined Davis after completing the Five Spot gig.
~ Coltrane Reference, p. 147
Im Oktober 1957 wurde Miles' Quintett mit Bobby Jaspar, Tommy Flanagan, Chambers und Philly Joe in einem AFRS Broadcast vom Birdland festgehalten, von Ende November bis im Dezember war Miles dann in Europa, mit einer "Stars of Birdland" Tournee, u.a. mit Lester Young, dem Modern Jazz Quartet und dem Trio von René Urtreger. Das Konzert vom 8.12. in Amsterdam wurde schon früh auf Bootleg veröffentlicht (bis heute jedoch laufen die offiziellen Versionen in einer falschen Geschwindigkeit, auch die neuste Ausgabe bei Lonehill).
3. Januar 1958: Coltrane nimmt mit Gene Ammons auf (siehe oben)
10. Januar 1958: Prestige-Session (siehe oben)
21.-26. Januar 1958: Miles Davis Sextet, The Continental, NYC (gleiches Sextett wie oben)
Am 31. Januar 1958 hat Coltrane im Main Ballroom, Chateau Gardens, NYC, an einer Jam Session mit Lee Morgan (t), Billy Smith (unbek. instr.), Lou Donaldson (as), Wynton Kelly (p), Tommy Potter (b), Philly Joe (d) und Faron Taylor (voc) teilgenommen.
4. Februar 1958: die erste Session für das grandiose Milestone Album findet statt, auf "Straight No Chaser" liefert Coltrane eins der eindrücklichsten sheets of sounds-Soli ab. Auch Miles und Adderley, aber auch Red Garland sind in Höchstform. Die Anwesenheit von Philly Joe Jones hebt die Aufnahme sofort von den Prestige-Sessions mit Art Taylor ab - Jones ist schlicht um vieles besser! (Das war er allerdings auch im Konsum von Drogen... auch bei Davis wurde er zeitenweise von Taylor ersetzt.)
In dieser Session beginnt auch die Beschäftigung mit "modalem" Jazz wieder Früchte zu tragen. Bob Blumenthal schreibt in den Liner Notes zum 6CD Set mit den gesammelten Miles/Coltrane Columbia Sessions:
Davis cites the Milestonss sessions, and the title track in particular, as "Where I really started to write in the modal form... When you play this way, you can go on forever. You don't have to worry about changs... The challenge... is to see how inventive you can become melodically." His first classic exploration of these ideas was called "Miles" on the original album, perhaps to distinguish it from the John Lewis composition "Milestones" heard on Davis' 1947 Savoy session. Given the change in modes that creates the tune's 40-bar AABBA structure, the soloists can't literally "go on forever" as they might on a later modal piece like "Teo." Still, the reduction in harmonic motion is liberating, and leads the soloists on contrasting paths. Adderley balances hi fluent technique and sophisticated ear even more keenly, Davis further distills his lyricism, and Coltrane finds that modes allow him to stack still more chords within the expanded tonal space."
~ Bob Blumenthal, Liner Notes von "Miles Davis & John Coltrane - The Complete Columbia Recordings 1955-1961", 2000, p. 69
Hier beginnt also schon der Weg zur neuen Klarheit und strukturellen Einfachkeit - einige Zeit, vor Coltrane mit "Giant Steps" die Komplexität der Struktur auf den Gipfel treiben wird.
7. Februar 1958: Prestige-Session (siehe oben)
10.-15. Februar 1958: Miles Davis Sextet, Lenny Litman's Copa, Pittsburgh, PA (wieder dasselbe Sextett)
16. Februar 1958: Sunday 8 p.m.: "Cavalcade of Jazz", Town Hall, Phiadelphia, PA (u.a. mit Dakota Staton, Horace Silver, Lee Morgan, Sonny Stitt, Pauline Ott feat. Red Rodney...)
4. März 1958: die zweite Session für Milestones findet statt. Die Dinge sind diesmal chaotischer... "Sid's Ahead" ist wohl das Highlight, ein Stück, das schon 1954 als "Weirdo" aufgenommen wurde und stark an "Walkin'" erinnert. Hier spielt Miles Piano, weil Garland zu spät kam.
Auf Jackie McLeans "Little Melonae" spielen nur Davis (t), Coltrane, Chambers und Philly Joe. Das Thema deutet schon an, was Davis und Adderley ein paar Tage später mit dem Titelstück von Adderleys Blue Note Album Somethin' Else machen sollten: die Phrasen abwechselnd zu spielen. Die Aufnahme ist klasse und wirkt durch die Abwesenheit vom Piano umso dramatischer. (Das Stück wurde schon 1955 im Rahmen der allerersten Columbia-Session eingespielt.)
Das dritte und letzt Stück ist "Dr. Jackle", ein weiteres Original von McLean. Hier ist das ganze Sextett anwesend. Diesen Titel hat Davis 1955 für Prestige aufgenommen auf dem Album mit Milt Jackson, McLean und Ray Bryant. Diese Aufnahme sollte Red Garlands letzte mit Davis bleiben. Adderley und Coltrane klingen im Wechsel von schnellen Blues-Chorussen streckenweise sehr ähnlich.
7. März 1958: Coltrane nimmt mit Kenny Burrell auf (siehe oben)
13. März 1958: die erste der Savoy-Sessions mit Wilbur Harden (siehe oben)
17.-22. März 1958: Miles Davis Sextet, Pep's, Philadelphia, PA (Sextett, anfangs vermutlich mit Garland, am letzten oder den beiden letzten Tage vermutlich mit Bill Evans)
This is believed to be Bill Evans' first gig as a member of the Miles Davis Sextet. According to Evans, "Miles called me to do a weekend in Phila. at 'Peps.' During that engagement he asked me to join the band. No rehearsals" (letter to David Wild, Dec. 1, 1976).
~ "Coltrane Reference", p. 149
26. März 1958: Prestige-Session (siehe oben)
5. April 1958: Miles Davis Sextet, Town Hall, NYC
Whitney Balliett schrieb für den New Yorker (Apr. 12, 1958, pp. 73-74):
"The Miles Davis quintet [...] plus John Coltrane, tenor saxophone, ran through six lengthy numbers that were notable for Jones' Big Bertha drumming, some extraordinarily facile but meaningless runs from Coltrane, and, in a couple of blues, some thoughtful statements by Davis, which were, however, marred by some disastrous lunges into the upper register." Balliett lists Red Garland on piano; this may have been a mistake, or Garland might ahve made a few more gigs before being replaced by Bill Evans (see the Mar. 17-22, 1958 entry).
~ "Coltrane Reference", p. 149
Dann kommt die lustige Oster-Sonntag-Story mit den Grubbs Brüdern und Bobby Timmons (s.o. - 6. April 1958)
6. April 1958: Thelonious Monk Quartet, Village Vanguard, NYC (mit unbekanntem Bassisten/Drummer)
7.-13. April 1958: Miles Davis Sextet, Modern Jazz Room, Cleveland, OH (mit Bill Evans, poss. Henri Grimes anstelle von Chambers für einige Tage)
(vor Miles spielte das Jo Jones Trio mit Ray Bryand, danach Dizzy Gillespie. Im Casa Nova Supper Club spielte derweil das Joe Alexander Quartet mit John Lathan - Coltrane hatte mit Lathan 1952 in Gay Crosses Band gespielt) (gemäss "Coltrane Reference", 151)
15.-20. April 1958: Miles Davis Sextet, Clarence's Blue Bird Inn, Detroit, MI (das reguläre Sextett: Davis, Adderley, Coltrane, Evans, Chambers, Philly Joe)
(die Joe Brasil Tapes mit Coltrane stammen ev. von diesem Datum und/oder vom 23.-28. September, als Miles' Band erneut im Blue Bird Inn spielte - "Coltrane Refernce", p. 151f.)
25. April-4. Mai 1958: Miles Davis Sextet, Café Bohemia, NYC
The New Yorker notice (May 3, 1958, pp. 8,11) begins with a reference to the frequent last-minute changes in the club's schedule: "CAFÉ BOHEMIA, 15 Barrow St.: Easy ocme, easy go is the rule of thumb here. The current timetable, which may or may not be worth the paper it's printed on, calls for Jimmy Giuffre's trio (Bob Brookmeyer helps this one a lot), whose message is in general a resignation from the world and its temptations, plus the sextet run by Miles Davis, an enigmatic young man with a horn and a truant from several schools of music. Sundays are early days, from vie until midnight. Closed Tuesdays."
Radio broadcasts on Saturday, May 3, 1958; a recording exists [...]. Adderley is not present on the broadcast.
This gig has previously been listed as running continuously until May 18, 1958, but based on listings in the New Yorker and Down Beat, it appears that the Miles Davis Sextet was in Boston the week of May 5-11, 1958 (see the following entries).
"Philly" Joe Jones was fired at the end of this gig; a financial dispute caused Jones to refuse to make the following gig in Boston, which proved to be the last straw, and Davis fired Jones and hired Jimmy Cobb (see Kahn, 2000, pp. 78-79).
~ "Coltrane Reference", p. 152
5.-11. Mai 1958: Miles Davis Sextet, Storyville, Boston, PA (Davis, Adderley, Coltrane, Evans, Chambers, Cobb)
(Bei Kahn kann man nachlesen, wie Cobb in letzter Minute für diesen Gig gebucht wurde - das ist das Buch über "Kind of Blue", das ich zwar nicht bahnbrechend fand, aber doch sehr lesenswert, da alles zusammengetragen wurde, was es an Infos über diese Zeit in Miles' Karriere - ca. 1958/59 - gibt... wo's Sinn macht holt Kahn durchaus auch weiter aus.)
12.-18. Mai 1958: Miles Davis Sextet, Café Bohemia, NYC
From the New Yorker: CAFÉ BOHEMIA, 15 Barrow St.: Any resemblance between this small planet and the one the rest of us live on is coincidental. At the moment, Jimmmy Giuffre's vanguardist trio (Bob Brookmeyer is part of it), which takes life and modern music ever so seriously, and the quartet of Phineas Newborn, Jr., a pianist of note, should be around. Miles Davis, his horn, his Brooks Brothers jacket, and his sextet will replace the Giuffres on Monday, May 12" (May 10, 1958, p. 8); and "CAFÉ BOHEMIA, 15 Barrow St.: The on-with-the-new musicians who ebb and flow through these portals wait for no man, but it's roughly even money that the sextet of Miles Davis, an eminent leader of the whither-jazz contingent, willb e on hand through Sunday, May 18, the day Gigi Gryce brings his quintet to town. On MOnday, May 19, Eddie Costa's trio arrives" (May 17, 1958, p. 8).
Radio broadcasts on Saturday, May 17, 1958; recording exists [...]. Adderley is not present for the broadcast.
~ "Coltrane Reference", p. 153
13. Mai 1958: zweite Savoy-Session mit Wilbur Harden
20.-25. Mai 1958: Miles Davis Sextet, Red Hill Inn, Pennsauken, NJ
26. Mai 1958: Columbia-Session mit Miles Davis
Diese Session sollte die erste im Studio mit Bill Evans und Jimmy Cobb sein, und leider erschien sie nur in zerstückelter Fassung... das beste Stück, "Love for Sale", fehlte auf dem Album [B]Jazz Track, dessen andere Hälfte in der US-Veröffentlichung des 1957er Film-Soundtracks von Louis Malles Ascenseur pour l'echafaud bestand (4./5. Dezember 1957, mit Barney Wilen und dem Trio von René Urtreger, das aus Pierre Michelot und Kenny Clarke bestand).
Evans hatte zu diesem Zeitpunkt erst ein eigenes Album veröffentlicht, aber auch beeindruckenden Alben mit George Russell und Charles Mingus aufgenommen. Seine Präsenz ist sofort zu spüren... auf "Fran Dance" spielen Miles und Adderley wunderbare Soli. "Stella By Starlight" entstand ohne Adderley, "Love for Sale" wurde möglicherweise wegen des tollen Adderley Blue Note-Albums mit Miles zurückgehalten? Chamber/Cobb können hier endlich loslegen, und Evanns spielt ein grossarties Solo, das an Garland, aber auch an Monk und Tristano erinnert!
10.-15. Juni 1958: Miles Davis Sextet, Spotlite, Washington, DC
Am 15. Juni entstand August Blumes Interview mit Coltrane, in Blumes Haus in Baltimore.
Ca. 20.-22. Juni 1958: Miles Davis Sextet, Black Pearl, NYC
24. Juni 1958: dritte und letzte Savoy-Session mit Wilbur Harden (und Curtis Fuller als Co-Leader)
24.-29. Juni 1958: Miles Davis Sextet, Smalls' Paradise, NYC
(in den New York Amsterdam News wurde Miles in einem Ad als "Sweetest Trumpet This Side of Heaven" beschrieben, vor Miles spielte J.J. Johnson, nach ihm Jimmy Smith im Smalls' - "Coltrane Reference", p. 154)
25. Juni 1958: Michel Legrand Session (für Legrand Jazz, u.a. auch mit Miles und Bill Evans)
3. Juli 1958: Miles Davis Sextet, Newport Jazz Festival
This 40-minute set by the Miles Davis Sextet was recorded and (eventually) released by Columbia [...]. The music is powerful and at times intense, especially the explosive playing of Coltrane and Jimmy Cobb - on "Two Bass Hit" their playing looks ahead to the Coltrane-Elvin Jones duets of the 1960s. Don Gold, reviewing the set in Down Beat (Aug. 7, 1958, p. 16) dismissed (or maybe just dissed) Coltrane as an "angry young tenor," referred to Cobb's drumming as "oppressive," and was generally bothered and bewildered. Rob Reisner reviewing the festival for the Village Voice (July 23, 1958, p. 5), offered a different perspective:
On Thursday evening, July 3, Rex Stewart and a group kicked it off. The program was dedicated to Ellington, and all the performers with the exception of Miles Davis played his tunes. It was an exceptionally long program lasting 5 hours and 10 minutes, heavily weighted on the side of the tradition. Inspirational spots were scarce, and I overheard someone say: "This jazz is only fit for Europeans."
The good stuff was furnished by the Miles Davis [Sextet], the Dave Brubeck Quartet, and Mahalia [Jackson], Ellington's orchestra played interminably, every individual had a feature number, and I was afraid he would get to the band boy.
~ "Coltrane Reference", p. 154
11. Juli 1958: Prestige-Session (siehe oben)
22. Juli-3. August 1958: Miles Davis Sextet, Village Vanguard, NYC
poss. ca. August-October 1958: All-Star Jam mit Lee Morgan, Wayne Shorter
5.-10. August 1958: Miles Davis Sextet, Spotlite, Washington, DC
("Recording exists, attributed to a radio broadcast on Saturday, August 9, 1958" - "Coltrane Reference, p. 155)
12.-17. August 1958: Miles Davis Sextet, Comedy Club, Baltimore, MD
23. August 1958: Miles Davis Sextet, Third Annual New York Jazz Festival, Randall's Island, NYC
Coltrane appeared twice at this festival; first with the Miles Davis Sextet, then with the N.Y. Jazz Festival Orchestra (an all-star group). Bud Freeman and Jimmy McPartland opened the concert, followed by Art Blakey, Thelonious Monk, the Modern Jazz Quartet, the Jimmy Giuffre Trio, the Miles Davis Sextet, Chico Hamilton, Dave Brubeck, and finally the N.Y. Jazz Festival Orchestra. Reviewed by Dom Cerulli (Down Beat, Oct. 2, 1958, p. 54):
Miles Davis and his group drew huge initial response and earned it with a good set, which included Straight - No Chaser and Put Your Little Foot Right In [aka "Fran Dance" - gtw]. John Coltrane particularly seems to be achieving the goal he is after. His solos tend to be like ribbons of continuing sound rather than a succession of notes. Miles played with command. [...]
The festival orchestra clsoed the concert. In the chairs were Lee Morgan, Herb Pomeroy, Ray Copeland, and Ernie Royal, trumpets; Curtis Fuller, [Bob] Brookmeyer, Jimmy Cleveland, and Frank Rehak, trombones; Julian (Cannonball) Adderley, [John] Coltrane, [Jimmy] Giuffre, [Bud] Shank, and Charlie Rouse, reeds; Gunther Schuller, French horn; Bill Evans, piano; Paul Chambers, bass; Chico Hamilton, drums.
The band opened with a medium-tempo [Ernie] Wilkins original with some striking solo work by trumpeter Morgan, who showed a lot of wit, imagination, and a big sound. Other soloists included Pomeroy, Coltrane, Rouse, and Chambers. The reeds hat little section blend, and the ending of the tune was rough.
Every member of the band got a solo spot (except Schuller) on a long, long blues. Bill Evans almost had somethign interesting going when the parade of soloists started. The final piece, as 2 a.m. approached, was Wilkins' Dancers on Drums from the Victor Drum Suite LP. The tempo changes here were more noticeable.
~ "Coltrane Reference", p. 156
1.-6. September 1958: Miles Davis Sextet, Showboat, Philadelphia, PA
9. September 1958: Miles Davis Sextet, Persian Room, Plaza Hotel, NYC
An diesem Konzert entstand das Album Jazz at the Plaza, Vol. 1. Aus Anlass einer Columbia-Party für die Presse spielte neben Miles' Band auch Ellington mit seiner Big Band, sowie Billie Holiday, Buck Clayton und Jimmy Rushing. Zudem: "Coltrane reportedly participated in an afternoon jam session with Lee Morgan (trumpet), Billy Strayhorn (piano), Jimmy Woode (bass), Sam Jones (bass), and 'Philly' Joe Jones (or, more likely, Jimmy Cobb) (drums), but it wasn't recorded (information from Jimmy Woode via Mitsuo Johfu)." ("Coltrane Reference", p. 157)
Am 11. September schrieb Coltrane den oben bereits erwähnten Brief, in dem er sich nach "chances for small businesses" in Ghana erkundigt.
11. September 1958: Thelonious Monk Quartet, Five Spot, NYC
(siehe oben)
12. September 1958: George Russell Session (für New York, NY)
15.-21. September 1958: Miles Davis Sextet, Modern Jazz Room, Cleveland, OH
(vor Miles spielte George Shearing, nachher Chet Baker)
23.-28. September 1958: Miles Davis Sextet, Clarence's Blue Inn, Detroit, MI
(am 25.9.1958 enstand die bekannte Jam-Session-Aufnahme mit Joe Brasil, auf der neben Brasil und Trane auch Sonny Red und Joe Henderson zu hören wären, wenn die Aufnahme denn etwas hören liesse... sie klingt grausam schlecht, leider! In der Rhythmusgruppe sassen Yusef Lateefs Pianist und Bassist Hugh Lawson und Ernie Farrow, Drums spielte Roy Brooks, Trompete spielte ein Donald Towns, Brasil und Kyner spielten Alt, Coltrane und Henderson Tenor, zudem war ein weiterer Tenorsaxophonist anwesend, zu dem's in "Coltrane Reference" heisst, er "doesn't sound highly professional", p. 539)
Oct-Dec 1958 hat Coltrane möglicherweise im Hi Hat in Boston gespielt (Coltrane Reference, p. 158 - mit wem er dort gespielt hat, dafür scheint's keine Anhaltspunkte zu geben)
Fall 1958 oder Winter or Spring 1959 hat Phil Pastras Coltrane mit dem Miles Davis Sextet in Newark, NJ im Hour Glass gesehen.
13. Oktober 1958: Session mit Cecil Taylor: Hard Driving Jazz (siehe oben)
Mitte Oktober hat Bill Evans die Gruppe von Miles verlassen, er zog sich zu seinen Eltern nach Florida zurück. Am 30. Oktober schrieb er an Coltrane, er sei "away from the piano and city life for about 2 1/2 weeks now" ("Coltrane Reference, p. 159).
17.-23. Oktober 1958: Miles Davis Sextet, Apollo Theatre, NYC (vermutlich Red Garland statt Evans)
29. Oktober-2. November 1958: Miles Davis Sextet, Spotlite, Washington, DC (ab hier Garland statt Evans)
(es gibt eine Radio-Aufnahme vom 1. Nov.)
4.-16. November 1958: Miles Davis Sextet, Village Vanguard, NYC
November 1958: Ray Draper Session: A Tuba Jazz (siehe oben)
28. November 1958: Miles Davis Sextet, Town Hall, NYC (mit Cobb oder Philly Joe Jones)
29. November 1958: Miles Davis Sextet, Mosque Theatre, Newark, NJ (TV Show) (mit Cobb oder Philly Joe Jones)
(auch "on the bill": Barry Miles, Horace Silver, Chris Connor - "Coltrane Reference", p. 161)
12.-18. Dezember 1958: Miles Davis Sextet, Howard Theatre, Washington, DC (mit Cobb oder Philly Joe Jones)
(auch: Horace Silver Quintet, Jimmy Smith Trio, Bill Henderson, Betty Carter, The Jazz Dancers)
26. Dezember 1958: letzte Prestige-Session von Coltrane (siehe oben)
27. Dezember 1958: Miles Davis Sextet, Town Hall, NYC (mit Cobb oder Philly Joe Jones)
(auch: Sonny Rollins & His Trio, J.J. Johnson & His New Quintet, Art Blakey & His Jazz Messengers, Lee Morgan-Benny Golson, Anita O'Day)
Die Daten habe ich alle aus "Coltrane Reference", p. 143-1961.
Das war also ein ziemlich hektisches Jahr, in dem v.a. die Arbeit milt Miles Davis im Zentrum stand. Da verwundert es wenig, wenn auf den verstreuten Prestige-Sessions nicht immer volle Konzentration zu hören ist und nicht immer grosse musikalische Sprünge gemacht werden!
1959 geht ähnlich weiter (nein, das werd ich nicht auch noch abtippen - ich hab übrigens auch bei 1958 v.a. was Zeitungs-Auschnitte betrifft schon ziemlich viele "ads" weggelassen), aber Coltrane tritt vermehrt unter eigenem Namen auf zwischen Engagements mit Miles - und das Jahr beginnt auch am 15. Januar mit der ersten Atlantic-Session mit Milt Jackson (nachdem Coltrane vom 1.-14. Januar mit Miles im Birdland gespielt hatte - wo Garland erneut gefeuert worden und durch Wynton Kelly ersetzt worden war).
Bemerkenswert auch, dass Coltrane "poss. ca. late March 1959" mit Kenny Dorham (und Cedar Walton, Spanky DeBrest und Lex Humphries) im Armory in Harlem, NYC, aufgetreten ist ("Coltrane Reference", p. 168).
Am 2. April enstand die WCBS-TV Aufnahme, in der das Miles Quintet (ohne Adderley) mit Gil Evans' Orchester "So What" (mit kurzem Big Band-Intro) und drei Big Band-Stücke aufnahm (auf diversen DVD-Veröffentlichungen zu finden).
Am 9. April hat Coltrane dann einen Zwei-Jahres-Vertrag mit Atlantic abgeschlossen.
Trivia:
Note: Drummer Art Taylor told Yasuhiro Fujioka (interview at the Rococo, New York City, Sept. 19, 1992) tha the had a tape of Taylor and Coltrane practicing "Countdown" (about 15 minutes long), recorded at his mother's house in Harlem, New York City, around late April or May 1959. Taylor later confirmed the tape's existence to Phil Schaap and Lewis Porter; however, the tape has never been found. Art Taylor died on February 6, 1995, and the tape may no longer exist.
[...]
Coltrane had more of his ongoing dental problems around this time. According to Russ Wilson (Oakland Tribute, June 4, 1959; reprinted in Simpkins, 1989, pp. 89-90), Coltrane "had to get an eight-tooth upper front bridge in Chicago a few weeks ago." [...]
~ "Coltrane Reference", p. 170
May 29-June 21, 1959 [...]. Blackhawk, San Francisco, CA [...].
Ralph J. Gleason reviewed the gig in the San Francisco Sunday Chronicle, June 7, 1959 ("The Miles Davis Sextet All Play Miles' Way," Datebook, p. 23), and discussed "All Blues": "'All Blues,' a remarkable waltz written by Davis, took almost six months to compose slowly, part by part, at the piano at Davis' home in new York. Finally, when he had it, he brought it to Gil Evans, his close friend with whom he has collaborated on several LPs, to get it ready for recording. 'I wrote it in 4/4,' Miles says, 'but when we got it to the studio, it hit me that it should be 3/4. I hadn't thought of it like that before but it was exactly right.'"
[...]
Coltrane, meanwhile, made good use of his afternoons: "When [Coltrane] was with Miles Davis at the Black Hawk , he spent his free time during the day practicing in the empty club" ("John Coltrane Here - A Major Artist," Ralph J. Gleason, [I]San Francisco Chronicle, Thursday, Sept. 15, 1960, p. 33).
~ "Coltrane Reference", p. 171
Von Ralph J. Gleason (einem der coolsten Jazz-Kritiker überhaupt! Seine "Jazz Casual" TV-Show ist fantastisch, er hat auch Bitches Brew sofort begriffen... hat wohl auch was von all dem Zeug abgekriegt, dass in jenen Jahren in San Francisco so zu haben war... im TV raucht er auch dauernd...) stammt auch die erste Mitteilung (23. Mai 1959), dass Coltrane Miles verlassen wolle ("Coltrane Reference", p. 171). Er sollte ja dann bis im April 1960 bleiben - am Ende stand eine Europa-Tournee mit fantastischen Konzerten (die auch - besonders in Paris - grosse Kontroversen um Coltrane auslösten - dazu später mehr).
Für kurze Zeit im Sommer 1959 hat Jimmy Heath den Platz Coltranes eingenommen. Heath durfte jedoch (er war auf Bewährung) Philadelphia nicht verlassen... und nach etwa einem Monat war Coltrane wieder zurück.
Dann hier ein spannendes Interview mit dem R&B (vor das Reime & Schläge - was u.a. bei Rihanna ja nicht gut rauskam - hiess) Saxophonisten Jimmie Maddin, der damals den Klbu "Sundown" in Los Angeles besass, in dem Coltrane als Leader auftrat:
Juke Joint Jive: Jimmie Maddin on the L.A. scene circa the '40s & '50s, by John Payne, LA Music Week, June 25-July 1, 1999 (http://www.laweekly.com/content/printVersion/31022)
(es werden neben Coltrane auch Dolphy, Cannonball und andere erwähnt)
Ab dem 13. August (bis 26. August im Birdland, NYC) war Coltrane wieder Teil des Miles Davis Sextets (noch immer mit Cannonball, Kelly, Chambers, Cobb).
Am 26. kam's zu einem Zwischenfalls:
"After the recording [AFRS "Treasury of Music", ausgestrahlt am 16. September 1969], Miles Davis was beaten and arrested while standing outside Birdland. The band still had one day left on its scheduled gig at Birdland, with Davis presumably out of commission." ("Coltrane Reference", p. 175).
Möglicherweise hat die Gruppe dann noch eine Woche (oder ein paar Tage) angehängt, während der Nat Adderley für Miles eingesprungen ist (ibid).
Im August (poss. 17. oder 24.) hat Coltrane im Birdland gespielt, mit Freddie Hubbard (t), Wayne Shorter (ts), Tommy Flanagan und Cedar Walton (p - abwechselnd), George Tucker und Ahmed Abdul-Malik (b - abwechselnd), Elvin Jones (d).
Wayne Shorter recalls this gig as being legendary (Coryell and Friedman, 1978, pp. 258-259):
I met Coltrane at Birdland. He had heard me play somewhere and he said, "Hey, you're playing that funny stuff, like me. Come on over to my house." I used to go over, and he'd play the piano for me while I played the tenor. Then we would take turns - I'd play the piano for him, and he'd play tenor. He'd say, "Play anything you want to play - go anywhere..." And he would just go to different places and meet me around the corner, as it were. I noticed that what he was playing was consistently was the thing that led him to "Giant Steps" - those chords (we called them augmented thirds) kept going round and round. [...]
Then he called me to work with him one night at Birdland. We had a rehearsal at his house, and that night we were playing. Opposite us was Cannonball and his brother Nat. [...] Elvin Jones was on drums that night. It was historic; everybody realized it - we tore that place up. Ten years later, when I went to California, people were still taking about it - "Yeah, we heard about it here - that memorable Monday night at Birdland.
~ "Coltrane Reference", p. 176
(das fehlende Schlusszeichen und der setlsame Satz "was playing consistently was the thing that..." sind genau so im "Coltrane Reference")
Ab dem September 1959 war Miles' Gruppe wieder ein Quintett - Adderley war mit seiner eigenen Band unterwegs.
Faszinierend ein Eintrag "ca. October 1959" an der Universität Chicago: Coltrane Quinet mit Ira Sullivan (t and/or as or ts), Jodie Christian (p), Wilbur Ware (b), Phil Thomas (d) ("Coltrane Reference", p. 178 - belegt in Down Beat, Dec. 10, 1959, p. 67)
Ebenso "ca. December 1959" mit dem Teddy Kotick Trio (TK,b; Don Friedman,p; Nick Stabulas,d) in Tottenville Beach, Staten Island, NYC (belegt durch Don Friedman, Interview mit Lewis Porter, "Coltrane Reference", p. 181).
Das reicht jetzt endgültig für heute! Hab in der Zwischenzeit auch noch die Live-Aufnahmen von Newport und Jazz at the Plaza gehört - grossartig wie jedesmal! Cobb hat einen leichteren Groove als Philly Joe, kann aber genauso gut "bombs" fallen lassen, die Temperatur zum steigen bringen... in seiner Leichtigkeit nimmt er stellenweise fast schon gewisse Elemente vorweg, die dann im "second quintet" mit Tony Williams zur Blüte kamen, dieses fliessende Metrum!
gypsy tail wind
02.06.2010, 13:08
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gypsy tail wind
08.06.2010, 16:12
Nachdem 1958 ein eher verschlafenes Jahr (na ja, bei Miles rumgehängt sicher nicht mehr so viel gelernt wie bei Monk, aber anscheinend - wie immer - geübt wie besessen) war, ist 1959 wohl wieder eine Art Schlüsseljahr.
Am 15. Januar 1959 ist Coltrane zum ersten Mal an einer Atlantic Session beteiligt. Unter Leitung von Milt Jackson und mit Hank Jones, Paul Chamber und Connie Kay entsteht das Album Bags & Trane (Atlantic 1368, Rel. Dec. 1961), sowie drei weitere Stücke, die als Seite B von The Coltrane Legacy (Atlantic 1553) erstmals im April 1970 veröffentlicht wurden.
Die Session beginnt etwas verhalten mit "Stairway to the Stars" (1553), es folgt der schöne "The Late Late Blues", und die Session steigert sich langsam. Chambers trägt die Hauptlast in der Rhythmusgruppe, Connie Kay wacht erst langsam auf, spielt auf den ersten Stücken fast so zurückhalten, als wäre das MJQ grad neben im Schönheitsschlaf oder so... anyway, "Blues Legacy" und "Centerpiece" (beide auch auf Atlantic 1553) sind klasse!
Und überhaupt, Coltrane klingt hier sehr schön, seine Soli sind teilweise sehr eindrücklich - man könnte wohl sagen eine letzte Bestandesaufnahme (vor der Sackgasse und dem modalen Jazz ;-) ).
Am 3. Februar 1959 entstand in Chicago ein Mercury-Album unter Cannonball Adderleys Leitung - mit dabei die Gruppe von Miles ohne ihren Leader: Cannonball (as), Coltrane (ts), Wynton Kelly (p), Chambers (b), Jimmy Cobb (d).
Das Album gefällt mir sehr, sehr gut. Ich vermute auch, dass Cannonball insgesamt von Coltrane ziemlich stark profitieren konnte. Hier sind sie auf jedenfalls Augenhöhe.
Am 26. März 1959, zwischen den beiden Sessions für Miles Davis' Klassiker Kind of Blue, ensteht Coltranes erste eigene Session für Atlantic, in der die Stücke "Giant Steps", "Naima" und "Like Sonny" zum ersten Mal eingespielt werden. Mit von der Partie sind Cedar Walton (p), Chambers (b) und Lex Humphries (d). Diese Session wurde erstmals im Januar 1975 auf Alternate Takes (Atlantic 1668) veröffentlicht (zusammen mit Giant Steps Alternate Takes von "Syeeda's Song Flut", "Cousin Mary", "Countdown", dem Coltrane Jazz Alternate Take "I'll Wait and Pray", sowie einem Alternate von "Body and Soul" von Coltrane Sound)
Von dieser Session ist auf der Bonus-CD (#7) in der Atlantic Box einiges an Outtakes zu hören - das ganze "Session Reel" (ohne die Master Takes).
Mehr Trivia zu "Giant Steps" (teilw. im Widerspruch zu denjenigen oben (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2170341&postcount=250)):
The earlier version of "Giant Steps" moves at a pace of 253 beats per minute, somewhat slower than the originally issued recording. At the slower tempo Coltrane sounds more relaxed and more lyrical. Still, he does not invite Cedar Walton to solo on this difficult piece. (Walton is concentrating hard just to accompany Coltrane correctly.) The little fills that Walton plays during the second half of the theme were developed in the studio. Before the penultimate take, we can hear Coltrane instruct Walton to play those. On May 5, Coltrane recorded the originally issued version of "Giant Steps," the title piece of his first Atlantic album as a leader. Here [Joel] Dorn [Produzent des "Heavyweight Champion" Box-Sets] has managed to locate a take that preceded the issued take, and the one that followed it! Tommy Flanagan is a superb musician, and it is no discredit to him that he found it difficult to solo on this daunting piece. (On the last unissued take he just soloed in chords.) Apparently, Coltrane had the sense to give a lead sheet (melody line and chords) to Flanagan before the recording session. But he did not mention the style, so Flanagan had assumed it was to be played at a slow or medium tempo!
~ Lewis Porter, John Coltrane: The Atlantic Years, im Booklet zu "John Coltrane - The Heavyweight Champion: The Compelte Atlantic Recordings", p. 13
Zu "Like Sonny":
With that reel in hand and in the ear, we now know more about Coltrane's working habits. Every member of the rhythm section has a very specific part to play. On "Like Sonny," he instructs Cedar Walton to play in unison with the bass until the saxophone enters with the theme. Coltrane worked for several takes on the complicated Latin rhythm that underpins the theme, and on making the transition from that to a more standard jazz swing feeling. The Latin rhythm shows Coltrane's interest in African and Latin elements even this early. It is an indication of Coltrane's genius for composition that this entire piece was developed from a little turning figure that his friend Sonny Rollins liked to use - thus the title "Like Sonny." (Joe Goldberg pointed out one place that Rollins may be heard playing this lick: his solo on "My Old Flame" from Kenny Dorham's Jazz Contrasts album, May 1957.) Coltrane's own music manuscripts of this tune and others - 12 pages in all - were reproduced in Coltrane: A Biography by C. O. Simpkins (1975, reprinted in 1989 by Black Classic Press). These important documents deserve to be studied closely.
"Like Sonny" was constantly developing. In its next incarnation, in December 1959, you can hear that the rhythm has become a ind of bossa nova. A third version was recorded for Roulette Records in September 1960, with Billy Higgins on drums. In this incarnation it was called "Simple Like" - perhaps short for "Simple Like Sonny" - and the rhythm has become more free. (Once it was issued as "Simple Life," which is suggestive because that is an expression that his cousin Mary likes to use.)
~ Lewis Porter, ibid, p. 11
Um die Chronologie rasch herzustellen:
2. März: erste (von zwei) Sessions für Miles Davis' Kind of Blue
1. April: erste Atlantic Session mit Walton, Chambers, Humphries (s.o.)
2. April: "The Robert Herridge Theater Show" (Miles Davis Quintet - ohne Adderley - und Gil Evans Orchestra - eine noch bessere Version von "So What"!)
6. April: zweite Session for Miles' Kind of Blue
4. & 5. Mai: Sessions für Giant Steps
und:
Coltrane was, of course, a regular member of the Miles Davis group at this time. During the spring and summer of 1959, the Davis group performed at the Apollo in Harlem - sharing the bill with Monk and Ruth Brown - for a week beginning in March 13, at the Blackhawk in San Francisco, and then went back to Birdland in Manhattan. They played at the Randall's Island festival (off of Manhattan) on August 23; at a benefit for the NAACP at Hunter College on October 4; and from October 23 to 29 at the Brooklyn Paramount theater, sharing the bill with the Count Basie band and others. But Coltrane's band mates were going off and becoming leaders in their own right. Bill Evans had already left, and Julian "Cannonball" Adderley hat left around the time of the Brooklyn concert.
For a long time, Coltrane had been considering starting his own band. When Davis wasn't working, Coltrane would perform with pickup groups, mostly in New York and Philadelphia. At some point around May or June of 1959, he led a quartet at Town Hall in Manhattan, on a bill with other groups [Coltrane Reference, p. 180 gibt 28.11.1959 als Datum des Town Hall Konzertes]. Meanwhile, Davis' group, now billed as a quintet, played a dance concert (Tito Puente's band was there too) at the St. Nicholas Arena in Manhattan on November 27. The played Christmas week of 1959 in Chicago. The quintet was back at the Apollo for a week beginning January 15, 1960. Finally, they performed all over Europe from March 21 through April 10.
~ Lewis Porter, ibid, p. 14
Mehr mag ich zu all diesen tollen Alben nicht schreiben... selber hören, glücklich werden! :dance:
Falls mir zu Coltrane Jazz (rec. Nov. 24 und Dec. 2, 1959 - von der zweiten Session stammt übrigens "Naima" auf Giant Steps) noch was einfällt, melde ich mich wieder :-)
Sehr schön, jetzt kommen wir auch in die Zeit, wo ich ein wenig mitreden kann. ;-)
Dieses Coltrane Reference Book ist natürlich ein Monster. Wenn man eine detaillierte Chronologie erstellen will natürlich unverzichtbar, aber ansonsten für den normalen Leser nicht zu empfehlen, aufgrund der Kosten und des doch begrenzten Nutzens. Für Dich natürlich im Moment vermutlich ein Traum. ;-)
gypsy tail wind
08.06.2010, 16:48
Ja, seh ich ähnlich. Letztlich ist's eher eine Sammlung von Schnippseln und seitenlanger Listings von Reissues)... eine Chronologie, nicht viel mehr. Die Diskographie ist so vollständig (eben: alle Reissues gelistet), dass sie auch schon sehr unhandlich ist. Werd's mir wohl kaum kaufen, hoffe für den Moment, dass es nicht vorbestellt ist und ich's noch ein paar Mal verlängern kann!
Ach bei Euch kann man Fernleihen verlängern, das geht hier gar nicht mehr... :roll:
So schön die zeitgenössischen Kritiken und Berichte sind, sie gehen in der schieren Masse an Text einfach etwas verloren. Ein kleiner Band mit solchen Kritiken wäre viel hilfreicher. So hätte man sich da auf die Essenz beschränken können. Was ich auch krass finde, ist dass niemand gemerkt hat, dass Coltrane krank ist, nicht einmal seine Frau!
redbeansandrice
08.06.2010, 17:10
wie vorhin schon erwähnt bin ich jetzt ca 100 Seiten in CO Simpkins Coltrane Buch und kann es sehr empfehlen; grad im Vergleich zu Porter fällt angenehm auf, dass Simpkins nicht vorhat sich als Wissenschaftler zu beweisen, wenn ein unkommentiertes Gedicht grad am besten passt, dann ist sich Simpkins nicht zu schade dafür eine Seite zu opfern... stilistisch ist das Buch entsprechend "fast ein Roman", man mag an "Beneath the Underdog" denken, ist nicht ganz falsch, ganz so heftig ist es aber nicht; unkommentierte Gedichte sind auch mehr die Ausnahme, Basis des Buchs sind Interviews, die Simpkins Anfang der 70er Jahre in Coltranes Bekanntenkreis geführt hat, für die ersten 100 Seiten sind die Hauptquellen Cal Massey und Naima; dass Simpkins die Geschichte im wesentlichen so erzählt, wie er sie erzählt bekommen hat, mag ein akademischer Schriftsteller bemängeln (tut Porter auch), aber die Lebendigkeit der Darstellung gewinnt dadurch enorm... klar gibt es so Geschichten wie [so ungefähr] die wo Reggie Workman Coltrane sagte, er solle doch jetzt mal wirklich mit den Drogen aufhören, das sei peinlich, und Coltrane das dann direkt erfolgreich cold turkey umsetzte (Reggie Workman erinnerte die Begebenheit...), die man vielleicht im Detail nicht überbewerten sollte... zu Like Sonny steht im Buch zB Naimas Version, wie sie beim Sonny Rollins Konzert waren, wie immer in der ersten Reihe, um alles genau zu studieren (also, John), wie Coltrane sie direkt auf diese eine Phrase aufmerksam machte, und das dann zu Hause direkt ausarbeitete... es gibt auch andere Quellen, Artikel, Rezensionen, aber alles so präsentiert, dass eine aussagekräftige Collage herauskommt und keine Coltrane Reference... (die natürlich auch ihre Berechtigung hat)
sehr froh dass ich das bestellt hab, obwohl es über 30 Jahre alt ist, Porters Buch hat sicherlich seine Berechtigung (also, Biografie wie Reference), aber um Coltrane kennenzulernen ohne sich zu langweilen, ist das hier vermutlich überlegen... (hab von Porter aber bisher nur ein Kapitel gelesen)
(jetzt alles aus dem Gedächtnis, hoffe auch ich hab im kleinen nicht zu viel durcheinandergeschmissen)
Habe gerade, angeregt durch redbeans' Zeilen zu Simpkins, nach den genaueren Angaben zu dem Buch gesucht - und dabei diese (http://www.allaboutjazz.com/php/review_print.php?id=38) Gegenüberstellung von Porter und Simpkins gefunden.
gypsy tail wind
08.06.2010, 19:22
Also, Giant Steps und Coltrane Jazz - für mich gehören diese beiden Alben irgendwie zusammen ("Naima", von den Sessions für letzteres, ist auch auf ersterem erschienen).
Was am klarsten auffällt ist Coltranes - wie wir's oben schon mal genannt haben - Autorität. Er wirkt in allem , was er tut völlig kontrolliert, immer hat er alles im Griff. (Und dies gehört vielleicht zu den Gründen, weswegen ich grad bei Giant Steps so lange gebraucht habe, bis ich es schätzen konnte.)
Was auch sofort auffällt ist, wie raffiniert die Kompositionen sind - oft bestehen sie nur aus kleinen, ziemlich einfachen Motiven, darum wird dann aber ein ausgeklügeltes Arrangement konstruiert, mit "pedal points", Latin Beats, Wechsel von 4/4 in 2/2 etc. Unglaublich gut gemacht, all das! Und auch die "Wegwerf"-Stücke wie "Mr. P.C." sind so eingängig, dass sie zu Klassikern wurden (immerhin im echten "Real Book" zu finden! "Giant Steps", "Countdown" und "Naima" natürlich auch). Auch "Cousin Mary" und das vergnügte "Syeeda's Song Flute" sind toll!
Und ich finde das relaxtere Spiel von Coltrane auf "Spiral" sowie beiden Takes des fast bis zum Schluss als ts/d-Duo gespielten "Countdown" mindestens so eindrücklich wie dasjenige auf dem Titelstück.
Was mich vielleicht eben am Genuss von "Giant Steps" längere Zeit gehindert hat, ist wohl diese Konstruiertheit (die zugleich natürlich - intellektuell betrachtet - höchst bewundernswert ist) - einen Eindruck davon gibt die Beschreibung von Lewis Porter im Booklet zur CD-Box (er nimmt wieder das Session-Reel von der ersten Session mit Cedar Walton zum Ausgangspunkt):
It is thrilling to hear the development of the historic first recording of "Giant Steps." Its 16-measure chord progression begins with eight measures of root movement in thirds and closes with eight measures of ii-V-I progressions. It has since become a test piece for jazz musicians and is required fare in jazz education programs. Coltrane chose to construct his solo largely out of four-note patterns, which could be easily transposed to fit each chord. One basic pattern, involving the first, second, third and fifth degree of each key, appears several times. This use of "pentatonic patterns," as they are called (because the sixth of the scale, which is omitted, would make it a pentatonic scale), is widespread today. There are entire books devoted to the application of these and other patterns to technique practice as well as to improvisation and to slower-moving as well as fast-moving chord progressions. Coltrane alternated these pentatonic patterns with other material, most of it also derived from pentatonic scales. Another kind of four-note pattern, the simple arpeggio, appears often, particularly during the first eight measures of each chorus. These arpeggios are all related to five-note scales, with one note omitted. In some cases this may be more easily seen if the scale is rotated, or if it is built on a different root than the chord. For example, the opening C-sharp minor arpeggio (of his issued solo on the session with Tommy Flanagan) employs notes of an E pentatonic scale rotated to B. Coltrane employed contrasting upward and downward motion to add variety, especially during the first four measures of each chorus. He frequently also used a connecting scale, which may be seen as filling in of the pentatonic scale. In short, Coltrane relied heavily on formulas, especially ones derived from pentatonic scales, to negotiate the first eight measures of his chord progression, but his repertoire of forumlas was so vast that he was able to keep the solo interesting.
~ Lewis Porter, John Coltrane: The Atlantic Years, im Booklet zu "John Coltrane - The Heavyweight Champion: The Complete Atlantic Recordings", p. 12f.
(Unmittelbar hier schliesst übrigens das oben schon abgetippte Zitat von p. 13 an.)
Das sollte die Komplexität des Planes von Coltrane etwas verdeutlichen, auch wenn man die technischen Details nicht nachvollziehen kann. Die verschiedenen wiederkehrenden Phrasen sind jedenfalls im Solo deutlich hörbar!
Und in einer leichten Korrektur meiner Sackgasse-These von oben... möglicherweise ist Giant Steps eben doch eher ein "decisive moment" als eine Sackgasse. Das mit der hohen Komplexität und den danach folgenden modalen, weitgehend offenen Strukturen, das stimmt zwar zweifellos, aber es gibt eben doch auch einen entscheidenden Unterschied zwischen den Aufnahmen bis zu "Giant Steps" und diesem (bzw. den Atlantic-Sessions von 1959, ich würde jetzt mal alle fünf zusammennehmen, also 26.3., 4.5., 5.5., 24.11. und 2.12.). Ob dies allerdings ausreicht, um "Giant Steps" (wie ich's grad getan habe) als Schlüsselmoment zu stilisieren... ich bin doch unsicher, denn auch von '55-'57 hat sich Coltrane ähnlich stark entwickelt... anyway, hier der Punkt, den ich noch kurz machen möchte:
Auf "Giant Steps" und den anderen Aufnahmen dieser Zeit (also seine Leader-Sessions für Atlantic 1959), spielt Coltrane keine (oder kaum mehr?) "sheets of sound" mehr. Die Strukturen der Stücke sind so komplex, die Tempi teils so hoch, dass er zu einfacherer rhythmischer Phrasierung gezwungen wird (und eben auch - das find ich ja eigentlich auch nicht toll - "Patterns" spielt, vorgefertigte Phrasen, die er dann beliebig in jeder Tonart bzw. jedem Akkord entsprechend bringen kann... aber wie Porter sagt, Coltrane hatte soviel solches Rohmaterial im Gepäck, dass es eben doch nie langweilig wird).
Das Interesse am Rhythmus hat an diesem Punkt deutlich zugenommen, was auch an den anderen Techniken zu merken ist, die Coltrane verwendet (eben "pedal points", Latin-Rhythmen etc). Dagegen bilden die "sheets of sound" einen deutlichen Kontrast - und ich hole wieder weiter aus und tippe Porter ab dazu (bzw. Coltrane, der er zitiert):
Early in 1958 Coltrane rejoined the Miles Davis group, making his first recording with them in April. He wrote in "Coltrane on Coltrane" [written with the editorial assistance of Don DeMichael, in Down Beat, 1960]: "We found Miles in the midst of another stage of his musical development. There was one time in his past that he devoted to multichord structures. He was interested in chords for their own sake. But now it seemed that he was moving in the opposite direction to the use of fewer and fewer chord changes in songs. He used tunes with free-flowing lines and chordal direction. This approach allowed the soloist the choice of playing chordally (vertically) or melodically (horizontally)." The words in parentheses reflect Coltrane's having been exposed to the music and terminology of jazz composer George Russell.
"In fact," Coltrane continued, "due to the direct and free-flowing lines of his music, I found it easy to apply the harmonic ideas that I had. I could stack up chords - say, on a C7, I sometimes superimposed an E-flat 7, up to an F-sharp 7, down to an F. That way I could play three chords on one. But on the other hand, if I wanted to, I could play melodically. Miles' music gave me plenty of freedom. It's a beautiful approach.
"About this time, I was trying for a sweeping sound. I started experimenting because I was striving for more individual development. I even tried long, rapid lines that Ira Gitler termed 'sheets of sound' at the time. But actually, I was beginning to apply the three-on-one chord approach, and at that time the tendency was to play the entire scale of each chord. Therefore, they were usually played fast and sometimes sounded like glisses. I found there were a certain number of chord progressions to play in a given time, and sometimes what I played didn't work out in 8th notes, 16th notes, or triplets. I had to put the notes in uneven groups like fives and sevens in order to get them all in. I thought in groups of notes, not of one note at at time. I tried to place these groups on the acccents and emphasize the strong beats - maybe on two here and on four over at the end... Sometimes what I was doing clashed harmonically with the piano - especially if the pianist wasn't familiar with what I was doing - so a lot of times I just strolled with bass and drums."
An interesting aspect of the above quotation is the emphasis Coltrane places on harmony. He explains the sheets of sound as well as the complex rhythmic groupings from the point of view of harmony. Both, he writes, unavoidably resulted from the rapid superimposition of several scales over each chord. (The matching of scales and chords was espoused by Lennie Tristano and George Russell during the early 1950s.) This suggests an emphasis on harmony, with rhythms almost happening by accident. Another quotation from the same piece suggests that is correct: "I want to be more flexible where rhythm is concerned. I feel I have to study rhythm some more. I haven't experimented too much with time; most of my experimenting has been in harmonic form. I put time and rhythm to one side, in the past." Yet, clearly, Coltrane was not disregarding rhythm. He speaks of placing the groups of notes on the accents and emphasizing the strong beats, since they are emphasized in jazz. In most kinds of music, one and three are the strongest.
Lewis Porter, ibid, p. 8-10
Also:
- Verlagerung von der Harmonie zum Rhythmus
- zugleich Notation der immer noch ähnlich komplexen Harmonien
Das geht einher, irgendwie... also keine Brüche oder sowas, sondern eben der nächste Schritt der Entwicklung. Das Notieren dieser komplexen harmonischen Strukturen (also deren Umsetzung in eigene Stücke) bedingte die rhythmische Vereinfachung. Dafür sind zu diesem Zeitpunkt dann die Kompositionen eben dreifach (in Anlehnung an die zwei über den Grund-Akkord gelegten weiteren Akkorde) komplexer als "normale" Jazz Originals, die Rhythmik ist aber wieder "back in line", sozusagen.
Das waren ja auch die ersten nennenswerten Kompositionen Coltranes - ohne damit jenen auf "Blue Train" unrecht tun zu wollen, aber die waren ja kaum ähnlich raffiniert gemacht (mit Ausnahme vielleicht vom Titelstück, aber das ist ja dann harmonisch eben doch wieder "nur" ein Blues).
Und noch was... Coltrane Jazz halte ich für eins der unterbewertetsten Coltrane-Alben. Es schliesst für mich ziemlich direkt an Giant Steps an, hat aber eine besser Band (die Rhythmusgruppe von Miles: Wynton Kelly, Paul Chambers und Jimmy Cobb), die einen stimmungsvolleren Charakter hat und irgendwie mehr Spielgeist. Die Stücke sind eine Spur weniger komplex, aber dafür machen sie mir grösseren Spass! Und eben: Kelly/Chambers/Cobb sind eine schwer zu schlagende Kombination!
Eine letzte Anmerkung: Coltranes Ton verändert sich hier... und zwar nicht zum besseren. Er hat weniger Biss, weniger von diesem Drängenden, Stürmenden. Das mag auch zusammenhängen mit den Versuchen, "multiphonics" zu spielen (was mit einem ausgeprägt harten Ansatz - soweit ich weiss, bzw. ich das erfahren habe - so gut wie unmöglich ist). Man kann die ab und zu in den Schluss-Tönen hören (die dann beinahe zu Schluss-Akkorden werden), besonders in "Harmonique".
Eins der absoluten Highlights dieser Sessions ist für mich dann das allerletzte Stück (vom 2. Dezember 1959), "Fifth House"!
Die Coltrane Jazz LP (Atlantic 1354, rel. Feb. 1961) enthielt zudem noch ein erstes Stück, auf dem man Coltranes Quartett mit McCoy Tyner, Elvin Jones und Steve Davis erstmals hören konnte ("Village Blues"). Schon im März 1961 erschien dann allerdings My Favorite Things, was wohl dem Ruhm von Coltrane Jazz auch nicht gerade zuträglich war.
gypsy tail wind
08.06.2010, 22:09
Habe gerade, angeregt durch redbeans' Zeilen zu Simpkins, nach den genaueren Angaben zu dem Buch gesucht - und dabei diese (http://www.allaboutjazz.com/php/review_print.php?id=38) Gegenüberstellung von Porter und Simpkins gefunden.
Und im sehr alten Forums-Thread dazu (http://forums.allaboutjazz.com/showthread.php?threadid=768) gibt's einige sehr schöne Erinnerungen an Coltane von einer Sandi, die als Teenager in den späten 50ern im Lighthouse herumgehangen ist... ich wünschte ich hätte solche Teenager-Erinnerungen! (Ich war 2003 oder so mal eine zeitlang im AAJ-Forum aktiv, Sandi hat einige Male tolle Stories gepostet! Kann aber gut sein, dass die im Crash irgendwann damals verloren gingen... jedenfalls wüsste ich nicht, wonach suchen!)
redbeansandrice
09.06.2010, 12:22
hier sind mal zwei Kostproben aus Simpkins, beides basiert offensichtlich auf Interviews, das erste mit Cal Massey, das zweite mit Naima Coltrane... ich find sie fangen den Geist des Buchs ganz gut ein, beide Stellen, grad die erste sollt man wohl nicht zu wörtlich nehmen (also, warum sollte Massey nach 20 Jahren noch jedes "Yea" akkurat erinnern... egal wie eindrücklich die Begebenheit war)... und der Gegensatz im Tonfall zwischen dem (fast schon absurd) "hippen" Massey und der frommen Naima kommt schön raus... als Zitate gekennzeichnet sind beide nicht, fand der Autor zu Recht unnötig, auch wenn man sich bei der ersten Stelle schon ein bißchen fragt, wo jetzt genau das Massey Zitat anfängt und aufhört (ich nehm mal an, es geht bis zum Ende, dort schließt sich eine technische Fussnote an, in der erklärt wird, wie mit den beschriebenen Methoden "Countdown" komponiert wurde...);
"Folks" und "Nita" sind die Spitznamen von Cal und Naima... das erste war wohl ca 1957
John, Folks, and Johnny Coles would still practice together frequently, going over different chord progressions. John was very involved with a particular chord progression that would later be used in a number of musical contexts. One day he excitedly told Folks, "Man, I gotta tell you somethin'! Man, I had this dream last night that scared the shit outta me!"
Folks: "Yea, man?"
John: "I dreamt about Bird. I woke up in sweat."
Folks: "What was the dream?"
John: "Man, I dreamt that Bird came to me and said, 'Keep, keep on those progressions cause that's the right thing to do'."
Folks, now also excited, shouted, "That's it. Do it!"
These progressions in their final development took the form of a formula which would be used to add more chords to music in which there were few. By using this formula he could obtain more color and variety in his improvisation, using a scheme that could easily be remembered on the bandstand or used when sitting down to compose.
und zu "Like Sonny"
Like Sonny refers to the tenor saxophonist Sonny Rollins, whom John and Naima had to see whenever he was playing in New York. John would select a seat directly in front of the bandstand so that he wouldn't miss a thing. One night Sonny played a figure that doubled John over into laughing pleasure. He and Nita went home, and John picked up his horn to play what he had heard. Out of this musical figure came the composition Like Sonny.
Simpkins, S. 60 und 95; abschließend, wenn Porter sich was drauf einbildet, hier "Fehler korrigiert zu haben", spinnt er, ist einfach ein anderer Typ von Buch (das Thema gab es hier übrigens schonmal, link (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=17854))
gypsy tail wind
09.06.2010, 12:58
Danke für die Auszüge aus Simpkins! Denke Simpkins und Porter zusammen zu lesen wäre wohl die beste Lösung! Porter hat mich jedenfalls mit seinen Liner Notes in zwei der drei Prestige/Concord-Boxen schon sehr überzeugt!
Jetzt läuft The Avant-Garde, das missglückte Album mit Don Cherry. Irgendwie kriegt Coltrane hier einfach keine Unterstützung von der Rhythmusgruppe, die groovt leicht vor sich hin (wie das bei Ornette passt) und Coltrane ist völlig auf sich gestellt. Er greift eher wieder zu sheets of sound, die allerdings streckenweise unpräzise und etwas hilflos klingen. Im Oreos-Buch von Filtgen/Ausserbauer stehen zwei interessante Punkte, beim ersten würde mich interessieren, woher diese Behauptung kommt, ob die irgendwo belegt ist:
1) das ganze Album sei eine Produktionsidee gewesen, also: Avantgarde-Bewegung taucht auf, Atlantic paart die betreffenden Musiker im Studio... Cherry und Coltrane werden dann als "Opfer" dieser Taktik hingestellt - ob das jetzt mehr mit der schlechten Meinung der beiden Autoren über das Album zu hat oder ob das irgendwo anders belegt ist, würde mich sehr interessieren!
2) Coltrane versuche (das kann ich jetzt auch nicht hören, übrigens) über die offenen (meist auf einer Skala basierenden) Stücke Ornettes Akkorde zu legen, was meist ziemlich schief klinge und nicht wirklich gut gehe. Sie meinen, das funktioniere nur auf "The Invisible" wirklich (und natürlich ist das Monk-Stück davon ausgenommen, wo Coltrane in der Tat selbstsicherer klingt).
Meine eigene Meinung des Albums ist auch zweigeteilt. Man könnte auch sagen - wie bei der Begegnung mit Cecil Taylor - Coltrane "röste" einfach über die Musik hinweg, das scheint mir hier aber viel weniger zuzutreffen, denn er klingt eher ratlos-suchend, tastend. Und in der Tat kommt von Blackwell fast nichts, er begleitet äusserst dezent, lässt nur in seinen eigenen Soli wirklich lost und spielt. Das ist schade.
Cherry dagegen soliert ganz toll! Ihm ist das Umfeld natürlich vertrauter, aber Coltrane war ja (wegen seiner mangelnden Beschäftigung mit Rhythmus? s.o., 2. Zitat (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2188617&postcount=352)) irgendwie auf treibendere Drummer angewiesen, die aktiver ins musikalische Geschehen eingreifen.
Dennoch möchte ich sagen, dass ich "Focus on Sanity" für ein sehr schönes Stück halte, grad da, wo nach dem Schlagzeug-Solo das zweite Thema vorgestellt wird. Sonst ist schon "Bemsha Swing" das Stück, das am besten funktioniert.
Und noch was: hier spielt Coltrane zum ersten Mal Sopransax. Ich glaub die Geschichte geht so, dass Miles ihm auf der Europa-Tournee im März/April eins geschenkt habe? Im Booklet der 1994er RTE/TREMA/Pour ceux qui aiment le jazz 4CD-Ausgabe der Konzerte aus Paris (März mit Coltrane, Oktober mit Stitt) ist jedenfalls ein Foto drin von Coltrane und einem unbekannten, auf dem Coltrane ein Sopransax in den Händen hält.
gypsy tail wind
09.06.2010, 17:57
Trivia: im Interview, das vom dänischen Rundfunk anlässlich des Konzerts vom Miles Davis Quintet am 22. März 1960 in Kopenhagen mit Coltrane geführt wurde, nennt er auf die Frage, welches seiner Alben "listenable" sei, Blue Train. Dann folgt die Frage, was er von seinem neusten Album Giant Steps halte. Coltrane: "I think that is my best quartet recording, so far [Pause] with the exception of maybe Soultrane."
Interessant!
Aber (siehe hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2182231&postcount=340)) es waren zu dem Zeitpunkt von den Prestige Alben ausserdem erst Coltrane, Traneing In und Lush Life erschienen. Der Rest erschien erst 1961-65.
gypsy tail wind
10.06.2010, 13:33
Zum Auftakt ein äusserst passendes Zitat von Ralph J. Gleason (San Francisco Sunday Chronicle, "Big Show at Auditorium: The Concert Voice of Miles Davis," March 6, 1960, p. 32 - Auslassung so in "Coltrane Reference"):
Coltrane [...] is sometimes so complex that the audience cannot hear the solo for the notes. However, patience and an open mind applied to his music is greatly rewarding.
~ "Coltrane Reference", p. 189
Trivia: auch "on the bill" war neben Nina Simone, dem Golson/Farmer Jazztet und Jimmy Witherspoon die Big Band von Virgil Gonsalves, und die spielte ein Sax-Soli (also ganze Sax-Section arrangiert), das auf Coltranes Solo von "A Moment's Notice" (Blue Train, 1957) basierte. Laut "Coltrane Reference" (p. 189) war das vermutlich das erste Mal, dass ein Coltrane Solo in dieser Art für ein Arrangement genutzt wurde.
Aber nun zum Thema...
Vom 21. März bis am 10. April 1960 geht Coltrane mit Miles Davis' Quintett zum letzten Mal auf Tour. Angekündigt war ein Sextett mit Buddy Montgomery am Vibraphon, der im Februar zur Bang gestossen ist, aber aufgrund seiner Abneigung gegen das Fliegen nicht auf die Tour mitging - möglicherweise der Fehler seines Lebens? Im Gegensatz zu Bruder Wes hatte Buddy ja wenig Erfolg (von Monk könnte man ähnliches sagen, aber der spielte ja immerhin schon in den 40ern mit seinem Fender Bass bei Lionel Hampton mit - das Trio der Brüder ist sehr hörenswert!).
Die Tour lief unter dem "Jazz at the Philharmonic" Etikett, neben Miles' Gruppe waren Stan Getz und Oscar Peterson dabei. Am 28. März kam es dabei im Rahmen zweier Studio-Aufnahmen des WDR auch tatsächlich zu Begegnung von Coltrane und Getz - mal wieder aus "Coltrane Reference":
"These were studio recordings done for German radio and television. The Apollo Theater of Düsseldorf opened in 1899 and over the subsequent decades variously featured variety shows, operas, movies, and pop concerts. In 1959 it was closed and converted into a TV studio. It was demolished in 1966. (See http://www.andreas-praefcke.de/carthalia/germany/duesseldorf_apollo.htm [accessed July 15, 2006] for photos of and further information about this theatre.)
Tenor saxophonist Gerd Dudek was in the studio, along with Dusko Goykovich (a trumpeter who was acquainted with Stan Getz); both were members of the Kurt Edelhagen Orchester at that time. There was no audience in the Apollo theater; only cameramen, technicians, and other personnel were present, except the musicians. The applause on the recordings is overdubbed. Dudek recalls that they all waited for hours (possibly for Miles Davis, who apparently never showed up). He had coffee in the staff restaurant and noticed Coltrane nearby; Dudek thought that Coltrane looked very young, almost like a student. (Phone conversations with Wolf Schmaler, Dec. 2 and 8, 2003.)
It's astonishing that the Coltrane-Getz session was apparently forgotten and remained unknown for more than 40 years. It didn't help that in 1965, Norman Granz implied that the session never took place. In "Jazz Today as Seen by Norman Granz," by Leonard Feather (Down Beat, Dec. 30, 1965, pp. 26-27, 30), Granz, as quoted by Feather, said that Coltrane didn't want to participate in the jam session with Getz (from p. 30):
I took Miles' Group to Europe when Coltrane was with him. At one timewe were supposed to do a television show, and I insisted on Coltrane jamming against Stan Getz, accompanied by Oscar Peterson, Ray Brown, and Jimmy Cobb. But it was like Panic City. Getz was prepared to do it. But in spite of the fact that Trane's background equipped him excellently for htis, he just didn't have eyes for it. He just had thee fixed things he did with Miles and that's all he wanted to play. [...] I don't know why Trane shouldn't do [jam sessions]. After all, before he changed his style, he used to be a rock-and-roll tenor player like Sil Austin and Sam Taylor and those cats.
This account is difficult to reconcile with the fact that Coltrane obviously did participate in the jam session, as well as the quartet session (without Miles Davis). However, in a 1987 interview with Scottish broadcaster and record producer Elliot Meadow, Granz was asked about these sessions and gave a different account. Granz said that the main snag was Miles Davis's refusal to participated. Granz then set up the sessions without Davis and asked Coltrane to participate (for pay), and Coltrane agreed. It's possible that Leonard Feather (in the 1965 article) either misquoted Granz or took his statements out of context. (Thanks to Tad Hershorn for providing the information about the 1987 interview, and thanks to Alexander Vasilic, WDR archivist, for detailed informations about these sessions.)
[Additional data from eyewitness account, Karl-Heinz Scholz (phone conversations with Wolf Schmaler, Dec. 11, 2003, and Jan. 9, 2004.]
~ Coltrane Reference, pp. 192-193
Das Ballad-Medley wird von Kelly begleitet, dann wurde eine kurze Pause rausgeschnitten, während der Oscar Peterson sich ans Piano setzte, und weiter ging's mit "Hackensack"! Toll, Coltrane und Getz zusammen zu hören!
Am bekanntesten dürften jedoch die beiden ersten Konzerte (21. März in Paris und 22. März in Stockholm) sowie eins der letzten (9. April in Scheveningen) sein. Davon sind schon seit vielen Jahren kommerzielle Ausgaben erhältlich.
Das Zitat von Gleason oben hab ich ausgewählt, weil es perfekt passt zum Zustand, in den man sich begeben muss, um Coltrane auf diesen unglaublichen Aufnahmen zu schätzen. Die Stücke dauern meist über zehn Minuten, wobei Miles üblicherweise nach dreien mit dem Thema und seinem Solo schon durch ist, dann kommen die suchenden Exkurse Coltranes, die sich manchmal in kleinen Riffs verlieren, in Versuchen, einen Sound hinzukriegen (auch Multiphonics tauchen ansatzweise wieder auf). Für mich sind diese Aufnahmen ein endloses Faszinosum, diejenige aus Paris hab ich wohl schon ca. seit ich 15 war... Vom Konzert aus Stockholm am 22.3. stammt auch das Zitat im letzten Post - in der Pause hat das Schwedische Radio ein kurzes Interview mit Coltrane geführt.
Das Programm:
21.3. - Olympia, Paris (zwei Konzerte, 19:00 und 21:00)
22.3. - Konserthuset, Stockholm (zwei Konzerte, 19:00 und 21:15)
23.3. - Njardhallen, Oslo (oder Göteborg)
24.3. - Tivolis Koncertsal, Kopenhagen (zwei Konzerte, 19:00 und 21:30)
25.3. - Niedersachsenhalle, Hannover
26.3. - Weser-Ems-Halle, Oldenburg
27.3. - Sportpalast, Berlin
28.3. - WDR-Sessions, Apollo Theater (http://www.andreas-praefcke.de/carthalia/germany/duesseldorf_apollo.htm), Düsseldorf
29.3. - Musikhalle, Grosser Saal, Hamburg
30.3. - Kongresshalle, Frankfurt/Main
31.3. - Teatro Lirico, Milano
1.4. - Fruchthalle, Kaiserslautern
2.4. - Miessehalle, Köln (2 Konzerte, 18:15 und 21:00)
3.4. - Deutsches Museum, Kongress-Saal, München (2 Konzerte, 18:00 und 21:00)
4.4. - Stadthalle, Karlsruhe
6.4. - prob. Stadthalle, Wien
7.4. - Messehaus, Nürnberg (2 Konzerte)
8.4. - Kongresshaus, Zürich
9.4. - Kurhaus, Scheveningen
10.4. - Liederhalle, Beethoven-Saal, Stuttgart
Damit endete Coltranes Zeit als Sideman endgültig. Hört man sich die diversen Aufnahmen an - ich habe neben Paris, Stockholm und Scheveningen auch welche von Zürich, Kopenhagen, Frankfurt und von einem unbekannten Ort, vermutlich aus Deutschland - ob mehr kursiert weiss ich nicht... haben die lieben Schwaben in Stuttgart damals echt keine Aufnahmen gemacht? Kaum zu glauben... aber es scheint davon nichts "in circulation" zu sein! -, so merkt man schnell, dass die Zeit für Coltrane endgültig reif war! Seine Auftritte riefen v.a. in Paris ähnlich viele Buhrufe hervor wie Applaus. Ein paar Reaktionen hab ich vor Jahren für ein anderes (englisch-sprachiges) Forum schon mal abgetippt (aus der Trema/Europe1 4CD-Ausgabe der Miles Konzerte von Paris vom März mit Trane und Oktober mit Stitt, erschienen 1994 - seither billig zu haben auf zwei 2CD-Sets von LaserLight, aber wohl ohne all die tollen Texte und Photos, nehm ich an, hab die aber nie gesehen):
There is one long article from Jazz Magazine, plus shorter ones from Combat and excerpts from two more, giving info on the debate that started with that concert. The most interesting thing about the booklet, though, I find to be the comments of several musicians who had been there that night (these were in Jazz Magazine, too):
Some quotes (incomplete):
Stéphane Grappelli:
"... Coltrane m'a vivement impressionné mais ne m'a pas touché comme venait de le faire Oscar Peterson. Je l'admire beaucoup d'avoir eu le coeur de continuer à jouer sous les lazzis et les imprécations d'un public grossier et irrespectueux. ..." (he then goes on explaining that German audiences are able to remain quiet and polite even if they dislike the music... that changed, at Jazzfest Berlin, though... in the late Seventies Carla Bley performed a track called "Boo to you too" in Berlin, dedicated to the dedicated boo-ers in the Berlin audience...)
Then René Urtreger, who obviously loved it:
"J'aime l'inhabituel. Coltrane est inhabituel dans ce sens qu'il joue - ou essaie de jouer - quelque chose qui lui est particulier et par là même différent, tout en étant purement jazz. Même si Coltrane a joué des choses inachevées, voire un peu bizarres (il me faudrait réécouter la bande du concert), sa conception me plaît profondément.
J'ai réellement découvert Coltrane en l'écoutant en direct."
(This is the complete quote. I like the part "ou essaie de jouer" - shows how much Urtreger understood, because this really was the period where Trane seemingly played on and on if no one stopped him...)
Daniel Humair:
"... Le public était venu pour entendre ce qu'il connaissait des disques et a été surpris, voire contrarié d'entendre ce à quoi il n'avait pas été préparé. Ce n'est pas une raison pour manifester si grossièrement; j'ai assité aux concert du quintette à Berlin: les prestations de Coltrane ont choqué quelques auditeurs; ceux-ci ont discrètement quitté la salle. N'est-ce pas une attitude plus intelligent que de pousser des hurlement de sauvages?
Pour en venir plus directement à Coltrane, j'aime beaucoup ses disques, mais l'audition directe a provoqué en moi un véritable choc. ..."
Michel Hausser (wasn't the *other* socialist working together with Lafitte against Americans getting gigs?):
"Connaîssant et appréciant les disques de John Coltrane, j'avoue avoir été surpris par sa façon de jouer à l'Olympia, que j'ai trouvée laide et qui - à mon avis - aurait une fâcheuse tendance à suivre la voie tracée par le saxophoniste <plastique> Ornette Coleman. ..."
Quelle (http://www.organissimo.org/forum/index.php?showtopic=18117&view=findpost&p=329828)
Später haben die Pariser ja die Pole Position im Musiker-Auspfeifen den rüden Berlinern abgeben müssen (siehe Carla Bley, JazzFest 1979). Aber in den 60ern erging es in Paris auch George Russell so (bei einem absolut fantastischen Konzert am 1. Oktober 1964 in der Salle Pleyel mit Thad Jones, Garnett Brown, Joe Farrell, Barre Phillips und Tootie Heath).
Quelle: Coltrane Reference, 190-197.
redbeansandrice
10.06.2010, 13:43
Vom 21. März bis am 10. April 1960 geht Coltrane mit Miles Davis' Quintett zum letzten Mal auf Tour. Angekündigt war ein Sextett mit Buddy Montgomery am Vibraphon, der im Februar zur Bang gestossen ist, aber aufgrund seiner Abneigung gegen das Fliegen nicht auf die Tour mitging - möglicherweise der Fehler seines Lebens?
witzig, wusst ich gar nicht; Wes war ja mal kurzeitig sechster Mann in Coltranes Quintet mit Dolphy... falls ich es noch nicht gesagt hab: das oben verlinkte Interview mit Jimmy Maddin ist sehr zu empfehlen... danke!
gypsy tail wind
10.06.2010, 13:52
Noch eine kleine Ergänzung: Miles fiel ja in eine kleinere Krise, nachdem Coltrane weg war. Er hatte sich (musikalisch) zurückgelehnt, hatte mit Cannonball, Coltrane und Evans Solisten, die dafür sorgten, dass die Musik nie langweilig wurde. Dann ging Coltrane (die anderen waren schon weg... und Kelly war noch am Wachsen, zumindest was seine Rolle im Miles Quintett betrifft)... und es folgte... ja was denn? Bzw. wer denn? 1964 Wayne Shorter (und eine neue, fantastische Rhythmusgruppe!). Dazwischen eine ganze Reihe von Saxophonisten: Sonny Stitt (der im Herbst 1960 mit dem Quintett durch Europa tourte, Aufnahmen gibt es zumindest von Paris, Stockholm und Manchester), Jimmy Heath (der nicht reisen durfte weil er auf Bewährung war), Hank Mobley (der perfekt zum mittlerweile unglaublich tighten, groovenden Wynton Kelly Trio passte und die Band zur perfekten Klub-Band werden liess... man höre die Black Hawk Aufnahmen, v.a. aber auch das eindrückliche Carnegie Hall Konzert vom Mai 1961, an dem auch das Gil Evans Orchestra beteiligt war, und eine die Studio-Version fast übertreffende Version vom "Concierto de Aranjuez" entstand... aber auch unglaublich swingende Quintett-Musik, z.B. "Teo" oder "Oleo", mit einigen von Mobleys besten Soli überhaupt)... dann lief Miles auch das Kelly Trio davon, um sich selbständig zu machen, und die Krise war perfekt.
1962 brachte Miles wenig zustande: die eher mässig gelungenen Sessions für einen Nachfolger von "Sketches of Spain", sowie die erste Session mit Shorter (der damals in Art Blakeys Band war) und Bob Dorough (Blue X-Mas... aufgenommen im August!).
1963 folgte dann die Session mit Victor Feldman und Frank Butler (und George Coleman und Ron Carter, die etwas länger bleiben sollten), die bald durch Herbie Hancock und Tony Williams ersetzt wurden. Da fehlte wieder nur ein wirklich geeigneter Tenorsaxophonist. Coleman blies tolle Soli auf Konzerten in Antibes ("Miles in Antibes", 1963) und besonders im Februar 1964 am langen Konzert im Lincoln Center ("Four & More" & "My Funny Valentine" geben eindrücklich Zeugnis davon). Vor kurzem erschien auch noch das Monterey Konzert der Gruppe vom Herbst 1963 auf CD.
Im Juli war Miles dann mit dem eher unpassenden Sam Rivers für drei Konzerte in Japan ("Miles in Tokyo").
Im Herbst stiess dann Wayne Shorter nach längerem Bemühen von Seiten Miles' endlich dazu und schon die erste Aufnahme, "Live in Berlin", sollte beweisen, dass Miles mit seiner Hartnäckigkeit, Shorter zu kriegen, komplett richtig lag!
Erst 1965 ging Miles (abgesehen von noch einer missglückten Session mit Gil Evans 1964) wieder ins Studio, zwischen "Someday My Prince Will Come" (wo Coltrane auf zwei Stücken auch nochmal mitspielte, ebenso taucht da Philly Joe Jones nochmal auf) und "E.S.P." war Miles fast vier Jahre nie im Studio.
gypsy tail wind
10.06.2010, 13:56
witzig, wusst ich gar nicht; Wes war ja mal kurzeitig sechster Mann in Coltranes Quintet mit Dolphy... falls ich es noch nicht gesagt hab: das oben verlinkte Interview mit Jimmy Maddin ist sehr zu empfehlen... danke!
Mehr Trivia zu Maddin:
Note: According to Down Beat (Mar. 17, 1960, p. 49), Miles Davis priced himself out of a gig at the Sundown Club in Los Angeles: "Miles Davis, reputedly getting $3,500 a night for concert appearances with his quintet, asked for a flat $5,000 for a 10-day stand at Jimmie Maddin's Sundown, according to the clubowner. Maddin wouldn't buy it."
~ Coltrane Reference, p. 188
gypsy tail wind
10.06.2010, 14:10
witzig, wusst ich gar nicht; Wes war ja mal kurzeitig sechster Mann in Coltranes Quintet mit Dolphy... falls ich es noch nicht gesagt hab: das oben verlinkte Interview mit Jimmy Maddin ist sehr zu empfehlen... danke!
Die haben einige Gigs gespielt als Sextett:
Feb 11-21, 1960 - Sutherland Lounge, Sutherland Hotel, Chicago, IL
Reviewed in the Chicago Daily News ("At the Sutherland: Jazz Styles by Miles Davis," by "B.W." [probably Buck Walmsley], Saturday, Feb. 20, 1960, p. 14):
Jazz patrons of the Sutherland Lounge are hearing as much musical experimentation as polished jazz music as they listened to the Miles Davis sextet.
For the most part the Davis group is exciting and refreshing. Miles' trumpet work is beautiful, though hampered by a sputtering microphone system; Paul Chambers proves he is one of the best string bassists around; and Wynton Kelly's piano work is always interesting.
A recent happy addition to the group is vibraphone player Buddy Montgomery, late of the Mastersounds.
The there is John Coltrane.
Jazz practitioners are constantly in search for novelty in rhythm, harmony or dynamic. But Coltrane is taking as long as a half hour on some numbers to hunt and feel his way on tenor sax into new harmonic structures. It is interesting, perhaps, to other musicians, but agonizing to the casual listener who expects to hear something polished and assured from a jazz artist of Coltrane's stature.
The practice session is a much better place for experimentation.
~ Coltrane Reference, 186f.
An diesem Gig hat Coltrane offenbar zum ersten Mal Sopransax gespielt ("Coltrane Reference", 187 gibt mehrere Versionen, wie er dazu kam, von Don Cherry und Coltrane selbst).
Dann gibt's ebda auch einen lustigen Hinweis auf Miles' Album "Sketches of Spain":
"Miles Davis, appearing at the Sutherland Lounge, said he is in the process of completing one of his 'most rewarding albums.' The complete album features, he said, the sole instrumentation of - castanets, Miles?" (Down Beat, Mar. 3, 1960, p. 51) :lol:
Feb. 27, 1960 - Shrine Auditorium, Los Angeles, CA
(mit dem Modern Jazz Quartet, Jackie and Roy und dem Paul Horn Quintet)
Ca. late Feb.-early March 1960 - San Diego, CA (not confirmed)
March 3, 1960 - San Jose Civic Auditorium, San Jose, CA
(mit dem Golson/Farmer Jazztet, dem Ramsey Lewis Trio und Jimmy Witherspoon)
March 4, 1960 - San Francisco Civic Auditorium, San Francisco, CA
(mit Nina Simone, dem Jazztet, Witherspoon und Virgil Gonsalves' Big Band - s.o. zu "Moment's Notice")
Mach 5, 1960 - Oakland Auditorium Arena, Oakland, CA
Anscheinend waren einige dieser Konzerte ziemlich schlecht besucht, was als Hinweis auf die Übersättigung Kaliforniens mit Jazzkonzerten gedeutet wurde.
Alles nach/aus "Coltrane Reference", 186-190.
gypsy tail wind
10.06.2010, 16:11
Ein erstes Konzert als Leader gab Coltrane am 16. April 1960 in der Town Hall in NYC, neben Dizzy Gillespie, Chris Connor, Oscar Peterson und Jackie McLean. John Mehegan hat das Konzert besprochen (New York Herald Tribune - bitte mit Jean-Seberg-Akzent lesen! - [Monday, April 18, 1960, p. 9]) und nennt Dizzy, OP und Connor als Paradebeispiele für "<melodic> improvisation", während Coltrane (er besonders) und auch Jackie McLean als Beispiele für "non-melodic" herhalten müssen:
Coltrane in particular represents a non-objective trend away from the melodic concept of improvisation into surreal areas of the "vertical line" and tonal tension lying outside the prevailing scale. This exploration is of course valid, but he must eventually achieve a communicable sense of melody (in his terms) to justify the rather prolonged "trade" enthusiams of his playing.
~ Coltrane Reference, 197
Mehegan (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Mehegan) hat wohl durchaus Recht - ich könnte mir vorstellen, dass er in etwa beschreibt, was Coltrane wirklich suchte. Auch versteht er offensichtlich, wovon er spricht. Auch wenn seine Aussage hart klingt, ist sie eigentlich fair und ich nehme an wohlwollend (was durch die Klammer "in his terms" zum Ausdruck kommt).
Mit Steve Kuhn (der nach einigen Tagen/Wochen von McCoy Tyner ersetzt wurde), Steve Davis und Pete LaRoca hat Coltrane dann vom 3. Mai bis am 3. Juli in der Jazz Gallery in NYC gespielt. Tyner war in den ersten beiden Mai-Wochen noch mit dem Golson/Farmer-Jazztet im Village Vanguard und hat dann zu Coltrane gewechselt. Am 28. Juni enstand auch die erste der Sessions mit Don Cherry für das Album The Avant-Garde (Atlantic).
Vom 5.-17. Juli spielte Coltrane dann im Smalls' Paradise in Harlem, am 8. Nahm er die zweite Session mit Don Cherry auf.
Vom 18.-23. Juli spielte das Quartett im Shoboat in Philadelphia. Am 21. Juli wurde die im April 1959 aufgezeichnete TV-Show "The Sound of Miles Davis" ausgestrahlt.
Vom 26.-31. Juli spielte Coltrane möglicherwise im Crawford Grill, Pittsburgh, PA (Simpkins p. 116, Porter p. 363 - not confirmed)
Vom 3.-14. August spielte Coltrane dann als Leader im Sutherland Hotel in Chicago, am 6. trat er zudem im Washington Park an der Bud Billiken Parade and Picnic auf (als John Coltraine oder John Coltrain)
Am 20. spielte die Gruppe am Randall's Island Jazz Festival auf.
Vom 23.-28. spielte Pete LaRoca seinen letzten Gig mit Coltrane im Minor Key, Detroit, MI.
Die eine Live-Aufnahme, die ich mit LaRoca in der Band habe, ist toll. Coltrane scheint gehärtet aus dem Labor des Miles Quintett hervorgegangen zu sein, er spielt kürzere Soli, die zielgerichtet wirken. LaRoca ist natürlich ein toller Drummer, und Tyner bringt diese Frische in die Musik, wie nur er es konnte (damals, später nicht mehr... oder viel viel weniger). Die Stücke weisen bereits auf die späteren Atlantic-Sessions hin: "Liberia", "The Night Has a Thousand Eyes", "Summertime", "Body and Soul", "But Not for Me", "Everytime We Say Goodbye" und ein früher von "Exotica" (das auf "I Can't Get Started" von Vernon Duke beruht). Tolle Aufnahme! Irgendwie bild ich mir ein, hier zu hören, wie Coltrane endlich als Leader unbändig ins Freie drängt!
Mit Billy Higgins (sowie Tyner und Steve Davis) spielte Coltrane dann vom 1.-11. September in der Zebra Lounge, Los Angeles, CA.
Am 8. September wurde zudem für Symphony Sid's "Birdland"-Serie die Hälfte für ein Album aufgenommen (die andere Hälfte stammte von Lee Morgan).
Die drei Stücke (plus ein Alternate Take) sind heute am ehesten noch auf der CD Like Sonny greifbar, auf der auch die oben erwähnte dritte LP von Ray Draper, A Tuba Jazz, enthalten ist (hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2182231&postcount=340) und hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2182231&postcount=342)).
Diese drei Stücke wirken zahm im Vergleich mit der Live-Aufnahme. Higgins ist viel zurückhaltender, scheint sich nicht wirklich in die Musik hineinzudenken. Coltrane allerdings klingt souverän, sein Ton wirkt aber hier in Studio-Qualität wieder eher etwas gebrechlich (wie auf den 1959er Atlantic Sessions). Sein Spiel ist allerdings wunderbar! Die drei Stücke sind alle bekannter von Atlantic-Aufnahmen: "One and Four" (als "Mr. Day"), "Exotica" (als "Untitled Original" auf dem Atlantic-Reste-Album Coltrane Legacy), sowie einmal mehr "Like Sonny" ("Simple Like").
Vom 13.-25. September spielte das Quartett im Jazz Workshop in San Francisco. Wieder hat Ralph J. Gleason im San Francisco Chronicle ("John Coltrane Here - A Major Artist," Thursday, Sept. 15, 1960, p. 33) über Coltrane geschrieben:
A dedicated musician (when he was with Miles Davis at the Black Hawk last year, he spent his free time during the day practicing in the empty club), Coltrane shares with Sonny Rollins the leadership of the tenor saxophone ranks.
[...]
The Coltrane style has been quite controversial, especially with the public - musicians have universally respected him [...] Everything [Coltrane does is part of a deliberate attempt to develop his own musical creative personality. His consciously creative art is in direct contrast to the unconscious art of the original folk musicians who started jazz, and indicative of the music.
~ Coltrane Reference, 205 (genauso, mit fehlender schliessender Klammer!)
Am 23.9. wurde Coltrane für Atlantic aufgenommen im Jazz Workshop, leider sind diese Bänder nie aufgetaucht.
Am 24.9. spielte das Quartett am Monterey Jazz Festival - Ralph J. Gleason gibt im San Francisco Chronicle ("Jazz Festival's Highest Point: Monterey Hears 'New Music,'" Sept. 25, 1960, p. 24) die Setlist als "Equinox", "Naima", "My Favorite Things":
Coltrane's quartet set up a pulsating minor mode in "Equinox," contrasted with a poignant ballad, "Naima," and culminating in "My Favorite Things," on which Coltrane played the soprano instead of the tenor saxophone. For the first time jazz now has a soprano saxophonist who does not sound like Sidney Bechet, and this opens whole new vistas for the return of this instrument to jazz playing. [Er hat offensichtlich Lacy noch nicht gehört - gtw.]
Following Coltrane's set, Schuller presented a composition, "Abstraction," which featured Ornette Coleman. [...]
If nothing else, it is hard to see how anyone who really listens to music (from whatever point of view) can regard John Coltrane and Ornette Coleman and others of the new jazz movement as anything but major contemporary artists reflecting tensions, anxieties, thrilling hints of the future and searing immediacy of the nuclear age.
~ Coltrane Reference, p. 206
Auch im Down Beat ("Monterey: The Afternoons," Nov. 19, 1960, p. 18) schrieb Gleason über Coltrane:
John Coltrane opened the program with a set of three numbers that displayed his fantastic facility, his increasing power of immediate communication, and a surprising (to some of the audience, at any rate) lyricism in both Naima and My Favorite Things. McCoy Tyner, his pianist, was particularly impressive on the emotionally moving Equinox.
~ ibid
Die Setlist enthielt also bereits Stücke, die im Oktober in den Marathon-Sessions für Atlantic aufgenommen werden sollten.
Vom 28. September bis am 1. Oktober spielte Coltrane dann in der Melody Lounge, Denver, CO. Erstmals stiess Elvin Jones dazu - er und Higgins spielten teils zusammen oder wechselten sich ab. Nach diesem Gig verliess Higgins die Band und Elvin Jones wurde zum festen Mitglied.
Vom 11.-30. Oktober (oder bis 6. Nov.) spielte das Quartett dann in NYC im Half Note.
Am 21., 24. und 26. Oktober war das Quartett dann endlich in den Atlantic Studios und nahm genügend Musik für drei grossartige Alben auf: My Favorite Things (Atlantic 1361, März 1961), Coltrane Plays the Blues (Atlantic 1382, Juli 1962) und Coltrane's Sound (Atlantic 1419, Juni 1964).
Quelle: Coltrane Reference, 197-206.
gypsy tail wind
10.06.2010, 18:00
Die Highlights sind viele... das unglaublich frische Spiel von Tyner, Elvin Jones, der bereits einen zwar feinen aber doch dichten Teppich aus Rhythmen legt. Die Arrangements sind noch immer so durchdacht wie auf Giant Steps oder Coltrane Jazz, aber die Ausführung wirkt offener, freier, gelassener, leichter - was natürlich trügt, aber genau das ist ja die Kunst!
:: 21. Oktober 1960 (13:00-17:30) ::
Am ersten Tag entstehen zwei Takes des über ein Ostinato konstruierten Village Blues sowie der grosse Hit My Favorite Things (mehr dazu hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2171609&postcount=301)). Takes von Equinox und The Night Has a Thousand Eyes sind wohl verloren. Village Blues wurde als erstes Stück dieser Sessions im Februar 1961 auf "Coltrane Jazz" veröffentlicht, gemeinsam mit den Sessions vom November und Dezember 1959).
:: 24. Oktober 1960 (13:00-17:30) ::
Am 24. Oktober wurde dann in zwei Sessions (14:00-18:30 und 19:30-24:00) eine unglaubliche Menge an grossartiger Musik aufgezeichnet - Coltrane war eindeutig bereit! Und die wilden letzten Wochen mit Miles haben sein Spiel wohl noch einmal weitergebracht im Vergleich zu den Sessions von 1959. Am 24. begann das Quartett mit der bezaubernden Ballade Central Park West, die einmal mehr die Changes von "Giant Steps" aufgriff. Coltranes Sopran klingt hier voller und weicher als üblich. Mr. Syms zeigt Coltrane auf dem Sopran in einem langsamen, harmonisch gepimpten (jaja, wir Kinder von MTV und Red Bull) Blues, wunderbar relaxt. Bei Exotica folgt dann wieder ein ausgeklügeltes Arrangement, in dem grosse Teile der Bass-Begleitung irgendwie fixiert scheinen, Tyner lasst Coltrane stellenweise allein über b/d solieren, sehr schön die Verbindung von fast statischer Begleitung mit dem treibenden Sopransax. Summertime dann wird auf dem Tenor in einer Härte dargeboten, wie ich sie sonst kaum für dieses Stück kenne - hier klingt zumindest im Thema sogar das Tenorsax nasal! Der A-Teil wird teilweise wieder über Pedal Points dargeboten und von Jones' tollen Rhythmen ausgefüllt. Coltrane ist unglaublich hier! Sein Solo klingt wie eine Kurzfassung der vielen ausufernden Soli, die er im März/April noch mit Miles gespielt hat. Body and Soul dann wird solistisch fast ganz von Tyner getragen, Coltrane beschränkt sich auf eine meisterliche Präsentation des Themas - auf dem Niveau von Coleman Hawkins? Jawoll, genau da! Eindrücklich, was für einen Weg er seit 1956 oder 1957 zurückgelegt hat!
Das Trio nahm dann ohne Coltrane noch Lazy Bird (kann man sich kaum vorstellen, dass Coltrane sich nochmals an diesem alten Stück versuchen wollte!) und In Your Own Sweet Way auf - die Stücke erschienen 1976 auf Atlantic SD 1696 mit je zwei Stücken von Chick Corea, Keith Jarrett und Herbie Hancock (die im Gegensatz zu Tyners Stücken schon zuvor veröffentlich worden waren).
Nach dem Essen (vielleicht hat Coltrane ja stattdessen geübt?) ging's weiter mit Mr. Knight - Elvin Jones ist hier unglaublich! Das Ostinato, das jeweils für ganz kurze Momente (Takte 9-10 meistens?) in ein swingendes 4/4 durchbricht ist toll und gibt Elvin sehr viel Raum. Dann folgt Elvins Blues to Elvin, dessen Entstehung man anhand von drei Takes und einem Breakdown nachvollziehen kann - bemerkenswerterweise wird das Tempo stets langsamer, der Groove immer fetter. Für mich eins der Highlights von diesen Sessions! Und wieder findet sich hier eine ganz einfache, sparsame, aber sehr effektive Basslinie, die Elvin und Tyner Raum für Ausschmückungen und Kommentare lässt. Das Stück stammt übrigens aus der Feder von Elvin Jones. Wie Coltrane Blues-Klischees reiht, "schmutzige" Sounds produziert und das ganze zu einem kohärenten Statement formt gefällt mir ausserordentlich, und es lässt wohl seine Lehrjahre bei "Cleanhead" anklingen, und besonders die Zeit bei Earl Bostic, von dem er ja einiges an nicht-akademischer Spieltechnik gelernt hat (hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2169550&postcount=228))
Es folgen drei weitere Blues: Mr. Day ist wohl kein allzu entfernter Verwandter von "Mr. Knight". Ähnlich wie dieses Stück ist es um ein Ostinato herum gebaut ist, Coltrane stürmt mit viel Energie durch sein Solo, nimmt sich zwischendurch etwa zurück, um selber statische Linien auszuprobieren, aus denen er dann neuen Schwung holt - dies ist das letzte Stück mit Tyner, der Rest der Session fand im Trio statt. Da ist zuerst grad ein weiteres Highlight der Sessions, Blues for You, ein mittelschneller Blues (mit Walking Bass, für einmal, geht ja im Trio auch kaum anders), in dem Coltrane (am Tenor) aus einem schier endlosen Reservoir von Ideen zu zehren scheint. Unglaublich! Fast ist man versucht, zu sagen dies sei ein Ausblick auf "Chasin' the Trane" von den Village Vanguard Sessions ein Jahr später! Es gibt davon drei komplette Takes, und - die Welt ist wieder in Ordnung! - das Tempo nimmt von Take zu Take zu. Der Master Take ist unglaublich toll!
Dann folgt der letzte Blues des Tages (und des Blues-Albums), Blues to Bechet, eine Widmung an den grossen Alten Meister des Sopransaxophons, Sidney Bechet. Der wunderbare midtempo-Blues wird vom soliden Walking Bass von Davis getragen, Elvin umspielt den Beat, füllt, swingt unglaublich. Coltrane spielt natürlich Sopran und konstruiert ein Solo, das ans Tenorsolo auf "Blues to Elvin" erinnert. Zum Ende dieser Aufnahme-Session gibt's das echte Satellite, ein Thema, das geschickt mit Doubletime arbeitet und dann im schnellen Tempo ein weiteres tolles Tenorsolo von Coltrane bringt.
:: 26. Oktober 1960 (13:00-17:30) ::
Der dritte Tag begann mit Everytime We Say Goodbye, einem Stück von Cole Porter, das auf dem Sopransax präsentiert wird, wieder im Rahmen eines geschickten, teilweise mit Pedal Points operierenden Arrangements. Elvin Jones spielt mit Besen, fürs Pianosolo geht's in Doubletime, aber ohne die Stimmung im geringsten zu brechen - sehr schönes Solo von Tyner!
26-2 führt dann in nostalgischere Gefilde zurück, es beruht auf Charlie Parkers "Confirmation" (das Coltrane auf dem Jazz West Album unter Paul Chambers Leitung 1956 (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2169550&postcount=228) aufnahm). Das abschliessende Thema wird dann auf dem Sopran gespielt. Es folgt ein weiterer Standard, But Not for Me, klingt hier etwas ruhiger und geordneter als in der Juni Live-Version, die ich heute mittag gehört habe. Was bei diesen beiden Stücken auffällt, die ganz ohne Ostinati auskommen: Tyner klingt sehr leicht, wenn er die linke Hand nicht ganz so stark braucht, sehr lyrisch... ein Touch Bill Evans ist da bestimmt drin, aber auch diese perlenden Läufe von Red Garland. Tolles Solo!
Weiter geht's mit Liberia - zum ersten Mal wird ein Thema im Rubato (also ohne festes Metrum) präsentiert... dann verfestigt es sich und entpuppt sich als ein Verwandter von Dizzy Gillespies "A Night in Tunisia". Das Stück wird wie Dizzys Klassiker durch Passagen mit Latin Beat (und Pedal Point) unterbrochen, Coltrane soliert grandios, absolut sicher und sehr beweglich. Elvin Jones gibt auch ziemlich gas. Ich überlege mir grad... ist es das Tenorspiel, das "Coltrane's Sound" vielleicht zum besten dieser drei Alben macht? Mit "Equinox" und "Central Park West" enthält es zwei meiner allerliebsten Coltrane-Kompositionen, dazu "Liberia", das grossartige "Body and Soul", "Satellite", und zu guter letzt auch noch "The Night Has a Thousand Eyes", ein weiteres Highlight von Coltranes Atlantic-Sessions! Das einzige Sopranstück ist gerade nichts eins der nasalen Röst-Stücke (die ich auch mag, aber wenn ich Coltrane denke, denke ich immer zuerst ans Tenor!)
Anyway, weiter geht's mit The Night Has a Thousand Eyes, einem Standard in dem wieder zwischen Teilen mit einem Latinbeat mit Pedal-Bass und swingendem 4/4 hin und her gewechselt wird.
Und schliesslich zum Ende, vor einer Pause von über sechs Monaten, ein absolutes Juwel: Equinox. Mit einem hübschen kleinen Intro, aber kaum beginnt das Thema, wird's ernst. Einmal mehr zeigt Coltrane, dass er ein grosser Blues-Spieler ist. Das Thema beruht auf einem leicht abgewandelten Standard-12-Takte-Schema, der Bass spielt ein sehr schönes Ostinato, und Coltrane lässt sich Zeit, konstruiert über viele Chorusse ein unglaubliches Solo.
gypsy tail wind
11.06.2010, 11:50
:: November 1960 - Mai 1961 ::
Nach den Aufnahmen im Oktober spielte Coltrane vom 9.-20. November im Birdhouse in Chicago, IL, vom 22.-27. November im Minor Key in Detroit, MI, vom 28. November bis 3. Dezember im Crawford Grill in Pittsburgh, PA, und dann vom 13.-18. Dezember und wieder vom 3.-15. Januar 1961 im Copa City in Queens, NYC.
Um die Zeit des Januar-Gigs hat Reggie Workman Steve Davis abgelöst.
Vom 17.-29. Januar spielte das Quartett - erstmals mit einem Gastbassisten (Art Davis, der diesen Job längere Zeit immer wieder übernehmen sollte) - im Half Note. Vom 16.-19 Februar dann wieder in der Kernbesetzung im Welcome Inn, Cleveland, OH (Im Cleveland Call and Post hiess er "Coletrane"). Vom 21.-26. Februar war Coltrane erneut im Minor Key in Detroit, MI.
Und - hiervon habe ich endlich wieder eine Aufnahme - vom 1.-12. März war die Gruppe wieder in der Sutherland Lounge im Sutherland Hotel in Chicagao. Diesmal stiess Donald Rafael Garrett ab und zu als Gast zur Band (auch auf dem überlebenden Radio-Broadcast). Porter (1998, 364) gibt an, Coltrane habe - nach Auskunft Andrew Hills - nach dem letzten Set manchmal mit Hill und anderen bei Garrett gejammt.
Vom 17-23. März spielte das Quartett im Apollo Theatre in NYC, am 20. und 21. war Coltrane als Gast zum allerletzten Mal im Studio mit Miles Davis (für zwei Stücke das sehr schönen Albums Someday My Prince Will Come - als einziges klassisches Miles-Album ging das in den "metal spine" Boxen unter, nur die zwei Stücke mit Coltrane sind in der Miles/Coltrane Box, lohnt sich aber sehr, das zu haben auch Hank Mobley hat ein paar grosse Momente! Und Miles wurde durch Coltranes Weggang - wie Aufnahmen schon vom Herbst 1960 zeigen - wieder stark gefordert und wurde in seiner Band wieder zum tonangebenden Musiker, was auch seinem Spiel hörbar gut tat!)
Am 24./25. März spielte Coltranes Quartett im Cork 'n' Bib in Westbury, NY, dann am 26. im Coliseum in Baltimore, MD (wo Coltrane als Last Minute Ersatz für Ray Charles einsprang).
Vom 31. März bis am 8. April spielte das Quartett im Mardi Gras in Kasas City, MO, dann vom 11.-23. April in der Zebra Lounge in Los Angeles. Während diesem Gig sind Scott LaFaro und Roy Haynes (die Hälfte des damaligen Stan Getz Quartetts) einmal für Workman und Jones eingesprungen (Quelle (http://www.geocities.ws/chuck_ralston/10slfchr-61.htm)).
Vom 25. April bis am 7. Mai war das Quartett dann im Jazz Workshop in San Francisco.
Ca. Mai/Juni spielte das Quartett dann im Impulse in Rochester, NY.
Am 23. und 25. Mai sowie am 7. Juni fanden dann die nächsten Studio-Sessions statt... wieder ein grosser Schritt!
:: Olé Coltrane & Africa/Brass ::
Olé (Atlantic, rec. 25. Mai) ist womöglich der krönende Abschluss von Coltranes eineinhalb Jahren bei Atlantic. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war sein Vertrag schon abgelaufen, er hatte aber für dieses letzte, geschuldete Album, bereits Geld bekommen. Das Quartett wird ergänzt durch Freddie Hubbard (t), Eric Dolphy (als "George Lane") (fl,as) und Art Davis (b - nur auf zwei der vier Stücke). Das Titelstück, das die ganze A-Seite der LP einnahm, basiert auf einem spanischen Volkslied (Miles hat ja etwas früher "Sketches of Spain" aufgenommen, auch bei Gil Evans' eigenen Aufnahmen sind Spanische Skalen und Melodien zu hören). Grandios, wie die Rhythmusgruppe das Stück aufsetzt, wieder in der Ostinato-Tradition, Tyner greift mehr in die vollen als auf den Aufnahmen von 1960, seine linke Hand benutzt auch die tieferen Register des Klaviers. Jones klöppelt über 18 Minuten einen 3/4 Takt, ohne dass jemals Walzer-Feeling aufkommt. Tolle Soli von Dolphy und Hubbard folgen, dan ein äusserst repetitives von Tyner, die Bässe... und zum krönenden Abschluss Coltrane auf dem Sopran. Der Rest der Session verbleicht danach ein wenig... obwohl auch auf "Dahomey's Dance" die beiden Bässe toll sind! "Aisha" von Tyner ist eine wunderbare Ballade, und dann gibt's zuletzt noch "To Her Ladyship", das ursprünglich auf dem Atlantic Reste-Album "The Coltrane Legacy" erschienen ist.
Africa/Brass ist ein weiteres Highlight aus Coltranes Werk. Unglaublich, dass diese beiden Alben sozusagen zeitgleich entstanden! Mit diesem Album begann die Zusammenarbeit von Coltrane und dem neuen Impulse-Label (Creed Taylor hat es unter dem Dach von ABC Records aufgebaut, ging dann kurz darauf zu Verve, worauf Bob Thiele engagiert wurde, der als Produzent von Coltranes wichtigsten Alben fungierte).
Für Nicht-Original-Album-Fetischisten empfehle ich dringendst die Anschaffung der Doppel-CD "The Complete Africa/Brass Sessions" (MCA 1995), da gibt's zusätzlich zu den drei Stücken des ursprünglichen Albums einen Alternate Take von "Greensleeves", eine "first version" und einen Alternate Take von "Africa", sowie Cal Masseys Komposition "The Damned Don't Cry" (in dem Booker Little das Thema spielt), sowie den von Coltrane arrangierten Traditional "Song of the Underground Railroad".
Die Grundidee des Albums war es, das Quartett vor dem Hintergrund einer Big Band zu präsentieren. Diese ist mit viel Blech besetzt (erste/zweite Session: 2/1 t, 2 euph/1 tb & 1 euph, 4/5 frh, tuba, sowie Dolphy-as/fl/bcl, Garvin Bushell-picc/reeds [nach eigener Aussage fast nur Fagott], und Pat Patrick-bari) und dient fast nur der Untermalung. Einzig Cal Masseys Stück "The Damned Don't Cry" (mehr dazu hier (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=2171218&postcount=280)).
Das Highlight is hier mit Sicherheit "Africa", dessen Master Take sechzehneinhalb Minuten dauert und die ganze erste Seite des Albums einnahm. Hier taucht Paul Chambers als zweiter Bassist noch ein letztes Mal auf einer Coltrane-Session auf (ich sagte ja, er wäre von den "alten" Begleitern am ehesten in der Lage gewesen, länger mit Coltrane zu spielen... wusste als ich das schrieb gar nicht mehr, dass er hier wieder auftaucht, hätte auf Art Davis getippt!) und die beiden Bässe legen wie bei "Olé" ein tolles Fundament. Die echte Sensation hier ist jedoch Elvin Jones mit seinem Schlagzeugsolo (man ist fast versucht Trommelsolo zu schreiben).
Auf diesen beiden Sessions ist der Bezug zu Afrika nicht mehr blosses Lippenbekenntnis. Das Orchester baut eine eindrückliche Klangkulisse auf und auch Tyner soliert äusserst perkussiv. Grandiose Aufnahme!
Für die Arrangements waren überigens Tyner und Coltrane zuständig, Eric Dolphy übernahm die Orchestrierung. (Mit der Ausnahme von "The Damned Don't Cry", das von Cal Massey und Romulus Franceschini arrangiert und orchestriert wurde.)
:: Juni-Oktober 1961 ::
Vom 13.-18. Juni spielte das Quartett (+ Art Davis) im Abart's Internationale in Washington, DC. Tony Gieske ("Countdown at Abart's: New King of Jazz Taking Flight Here") hat in der Washington Post (Saturday, June 17, 1961, p. A13) einen Artikel darüber geschrieben, der mir abtippenswürdig erscheint:
Once every four or five years a new jazz king is crowned, and it's an event that - unlike "My Fair Lady" or the World Series - sneaks past everybody. In Jazz, it's only afterwards that you realize you were there when history was being made.
So it is with John Coltrane's new quintet. The few that hear it while it is in Washington will have an ineffaceable memory. After nearly 20 years, Coltrane has got it all together and he's burning.
Yesterday morning at 12:02 a.m. I walked into Abart's Internationale, a night club at 1928 9th st. nw., ordered a drink and sat down. At 12:05 a.m. Coltrane, a big, glum, dedicated fellow of 34 who has been mingling with jazz royalty - Dizzy Gillespie, Miles Davis - for a number of years, began playing a brisk blues called "Shifting Down," by Kenny Dorham.
Coltrane played this blues without letup until 12:55 a.m. During that period, he demonstrated that he has mastered everything that has been done with the tenor saxophone in the past 25 years, that there will be few jazz musicians who will not be indebted to him in, conservatively, the next five years, that, for the present, Coltrane wears the crown.
Coltrane stated his theme baldly enough, and for a few choruses it almost seemed that it didn't really interest him. He was circling, mellow, ruminative. Then a door came open and it was like being hit with a straight stream from a 2 1/2 inch fire hose, with the notes spraying every which way.
Yet I had heard that when he was playing with trumpeter Davis. The same avalanche, the same maintenance of a constant climax; it was enough to show mastery.
Now came the adventure and the experimentation. For a few choruses, Coltrane stated his phrases at a hair-rising bias from what would have been the ordinary, well-tempered pitch.
A single chorus was next devoted to the timbres and rhythmic variations that could be extracted from a single pitch. Drummer Elvin Jones, absorbed in every note, spotted a triplet pattern by Coltrane an proceeded, without losing the intense meter, to play three triplets on a single beat - on the bass drum, with his foot.
Coltrane relaxed into a Davis-like lyricism for a few choruses. There were some compelling pedal-point patterns in the rhythm section. Then Coltrane launched into a long passage during which he managed to blow two and sometimes three notes simultaneously. He was playing chordal sequences on the saxophone.
The audience sat transfixed. It was now 12:35 a.m. Coltrane kept playing, shaking his instrument as though to see if there were any notes left. There were. The pressure mounted.
Coltrane left the key. Bassist Reggie Workman followed right along with him. At this point, my notes read, I felt like I was being nailed to the wall.
12:42 a.m. Jones, a wiry little fellow, begins to tire, not slowing down, but shoving a little too hard.
12:43. Coltrane stops dead. Pianist McCoy Tyner solos, Workman solos. Coltrane repeats the opening theme statement. It's all over. Flat pause. Then applause. It is 12:55 a.m. And all us jazz types pay tribute to our new leader.
~ Coltrane Reference, 223
Quite a ride! Kann man nur davon Träumen, sowas selber erlebt zu haben!
Der Schedule für den Sommer:
20.-25. Juni: Algiers (aka Algiers Lounge), Cleveland, OH
1. Juli: Music at Newport, Newport, RI (mit Art Davis)
11. Juli: Jones nimmt für Riverside das Album "Elvin" auf (mit Hank Jones, Art Davis u.a.)
11.-23. Juli: Village Gate, NYC (mit Dolphy und Davis)
(bis am 16. Juli war das Booker Little Quintett mit Dolphy im Five Spot, danach Ornette Colemans Quartett mit Jimmy Garrison, der seit Mitte Juli mit Colemans Gruppe war)
24.-29. Juli: Showboat, Philadelphia, PA (mit Dolphy und Davis)
1.-6. August: Minor Key, Detroit, MI
8. August-3. September: Village Gate, NYC (mit Dolphy und Davis)
LeRoi Jones (aka Amirir Baraka; Metronome, Dec. 1961, p. 36), in the course of an essay/review of three Coltrane LPs on Atlantic Records - Giant Steps, Coltrane Jazz, and My Favorite Things - includes a mini-review of this gig:
Coltrane recently had a rather extended engagement at the Village Gate (alias, The Cave Of The Winds). [...] His performances there outstripped anything heard on his records. [...] On some of the soprano solos Coltrane begins one of his long lines and without decreasing the power or drive of the solo the line suddenly seems to spread itself into two or three separate lines. [...] The rest of the group, especially Elvin Jones and McCoy Tyner, can scare you to death. I only hope that Atlantic can get some of this music on tape.
~ Coltrane Reference, 229f.
Am 21. August waren Tyner, Art Davis und Jones mit Freddie Hubbard im Studio, um dessen Ready for Freddie aufzunehmen.
25. August: Downing Stadium, Randall's Island Jaz Fest, NYC (mit Dolphy & Davis)
12. September-1. Oktober: Jazz Workshop, San Francisco, CA (mit Dolphy und Wes Montgomery [!] - die angeblich existierenden Tapes davon sind bisher noch nicht aufgetaucht...)
22. September: Monterey Jazz Festival, Monterey, CA (mit Montgomery & Dolphy)
3.-11. Oktober: Club Renaissance, Los Angeles, CA (mit Dolphy)
16.-21. Oktober: Showboat, Philadelphia, PA
Und dann folgten die Village Vanguard Sessions, auf einer grandiosen 4CD-Box dokumentiert (MCA, 1997). Auch hier lohnt sich unbedingt die Anschaffung (ursprünglich waren Aufnahmen auf der Hälfte von "Impressions" sowie dem ganzen "Live at the Village Vanguard" veröffentlicht worden, es folgte dann noch "The Other Village Vanguard Tapes", 2LP 1977 und "Trane's Modes", 2LP 1979). Das gibt den nächsten Post...
Quelle: Coltrane Reference, 209-211, 214-
Es ist schon irgendwie bestürzend zu sehen, wie viel Musik wir niemals zu hören bekommen werden, weil davon keine Aufnahmen existieren. Andererseits haben wir ja gerade von Coltrane viel großartige Musik. Irgendwo stand in einem Artikel, man werde viele Jahre benötigen, um das nachzuvollziehen, was Coltrane in so kurzer Zeit erschaffen hat. So etwas ähnliches habe ich vor Jahren hier auch einmal geschrieben. Wie sollte man das auch als Zeitgenosse tun, das gelang ja teilweise nicht einmal seiner Band.
gypsy tail wind
11.06.2010, 12:53
Es ist schon irgendwie bestürzend zu sehen, wie viel Musik wir niemals zu hören bekommen werden, weil davon keine Aufnahmen existieren. Andererseits haben wir ja gerade von Coltrane viel großartige Musik. Irgendwo stand in einem Artikel, man werde viele Jahre benötigen, um das nachzuvollziehen, was Coltrane in so kurzer Zeit erschaffen hat. So etwas ähnliches habe ich vor Jahren hier auch einmal geschrieben. Wie sollte man das auch als Zeitgenosse tun, das gelang ja teilweise nicht einmal seiner Band.
Ja, klar! Ich höre Coltrane jetzt wohl seit 16 oder 17 Jahren. Das Atlantic-7CD-Set war mein erstes Box-Set überhaupt (und wohl so ca. CDs 40-47 in meinem Besitz, mittlerweile sind noch zwei Nullen und einige Hundert hinzugekommen). Coltrane fasziniert mich also seit langem - was wohl unschwer zu erkennen ist! Umso toller ist es, jetzt auch tatsächlich mal alles (was ich habe) chronologisch zu hören! Von den bekannten Live-Aufnahmen von 1960/61 habe ich leider nur wenige, aber im November 61, 62 und 63 gab's dann gut dokumentierte Europa-Tourneen (von denen teilweise auch Musik auf dem 7CD-Set "Live Trane: The European Tours" auf Pablo erschienen ist, die Box ist allerdings leider ein diskographisches Schlamassel). Coltrane wird mich wohl noch einige Wochen beschäftigen :wave:
alexischicke
11.06.2010, 13:16
Gypsy,deine Texte sollte man binden und in einem Buch veröffentlichen:-).Ich habe auch vieles von Trane mir fehlt noch das Atlantic Set,dass ist ein große Lücke von bei mir.
Ich kann mit den ganz späten Trane nur wenig aufmachen,hier war schon in anderen Welt unterwegs,die mir leider verschlossen bleibt.
Mein Lieblingsalbum von Coltrane ist "Live at Newport",dass ist richtig feurige Musik mit viel Emotionen! Hayens treibt Coltrane hier zuwahren Höchsleistungen.Höhepunkt ist das Duett bei Impressions! Richtig emotinale Musik!!
Alex
gypsy tail wind
11.06.2010, 14:43
Gypsy,deine Texte sollte man binden und in einem Buch veröffentlichen:-).Ich habe auch vieles von Trane mir fehlt noch das Atlantic Set,dass ist ein große Lücke von bei mir.
Ich kann mit den ganz späten Trane nur wenig aufmachen,hier war schon in anderen Welt unterwegs,die mir leider verschlossen bleibt.
Mein Lieblingsalbum von Coltrane ist "Live at Newport",dass ist richtig feurige Musik mit viel Emotionen! Hayens treibt Coltrane hier zuwahren Höchsleistungen.Höhepunkt ist das Duett bei Impressions! Richtig emotinale Musik!!
Alex
hab oben irgendwo einen Link gepostet... hier ist er nochmal: die Atlantic Box (http://www.amazon.com/Heavyweight-Champion-Complete-Atlantic-Recordings/dp/B0000033K2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1276260132&sr=1-1) ist derzeit bei Amazon.com für 60$ zu haben - lohnt sich!
Ich hab sie mir damals ja schenken lassen, aber ich glaub die hat hier so um die 150 CHF gekostet, als sie rauskam.
gypsy tail wind
11.06.2010, 15:32
Ich hör jetzt auf (bzw. nehme es mir vor), alle aufnahmen "grandios" und "grossartig" zu finden... dann ab Oktober 1960 trifft das für mich generell auf fast alle Coltrane-Alben bzw. -Sessions sowieso zu (Ausnahmen? Die Softie-Trilogie wohl am ehesten, die sind alle sehr schön, aber grossartig find ich alle drei nicht... sonst wird's schon schwierig... vielleicht 1965, als beim Quartett langsam die Luft raus war, Coltrane wieder nach neuen Wegen suchte... aber irgendwie find ich auch das fast alles grossartig zu hören!)
Also, die letzten Abende im Village Vanguard hat Impulse aufgenommen. Neben Coltrane, Tyner, Workman und Jones waren zugegen: Eric Dolphy (endlich auch an der Bassklarinette, aber auch am Altsax, die Flöte hört man hier nicht), Jimmy Garrison als zweiter Bassist, sowie auf bestimmten Stücken Ahmed Abdul-Malik an der Oud sowie Garvin Bushell an der Oboe und dem Kontrabassfagott. Auf einem Blues spielt Roy Haynes anstelle von Elvin Jones (er sollte in den kommenden Jahren ab und zu einspringen, sowohl live als auch im Studio).
Los geht's am 1. November gleich mit dem exotischsten Stück der Sessions, India (zuerst in der 4CD Box erschienen). Coltrane am Sopran, Dolphy an der Bassklarinette, beide Bässe und eine Drohne, die von Abdul-Malik an der Tanbura produziert wird (danke Coltrane Reference! Ich hatte schon immer Zweifel daran, dass das eine Oud sein sollte, wäre ja ein arger Missbrauch!). Das Stück zeigt erstmals Coltranes Faszination für die Indische Musik. Das ist wohl die Musik, die LeRoi Jones auf Platte hören wollte!
Es folgt ein erster Take von Chasin' the Trane (ts, as, Workman, Jones - The Other VV Tapes), Coltrane spielt ein Tenorsolo, in dessen Verlauf sich die Phrasen auflösen, in kurze Fragemente zerfallen. Es folgt Dolphy mit einem typischen flüssigen Altsolo mit diesen irrwitzigen riesigen Sprüngen. Ähnlich geht's weiter mit Impressions (ts, as, Tyner, Garrison, Jones - Trane's Mode). Dolphy und Coltrane sind ein fantastisches Bläser-Paar, schade, dass sie nicht später wieder zusammentraffen!
Es folgt ein erster Take der neben "India" anderen grossen Nummer dieser Sessions, Spiritual - hier noch im Quintett (ss, bcl, Tyner, Workman, Jones - The Other VV Tapes). Das Stück wird bei allen vier Versionen ähnlich präsentiert: Melodie (in C-moll) von Coltrane im Rubato (die Melodie beruht auf einem echten Spiritual), Coltrane-Solo über ein "two-chord minor scale pattern", Dolphy-Solo über ein "two-chord major scale" Pattern, dann Tyner in C-Moll, dann wieder das Thema. (Diese Beschreibung, gemäss David Wilds Liner Notes im 4CD-Set, soll vor Augen halten, wie Coltrane seit "My Favorite Things" oder "Olé" seine Stücke strukturiert... mit dieser Art von Strukturen kann man endlos spielen, hat die Freiheit, so lange zu solieren, wie man wünscht).
Es folgt ein Dolphy-Stück, Miles' Mode (aka "Red Planet", ts, as, Tyner, Workman, Jones - Trane's Modes), das auf einer Zwölftonreihe (die verkehrt herum wiederholt wird) beruht. Coltrane und Dolphy schrammen hier hart an der Grenze zum Atonalen vorbei - das Stück lädt natürlich dazu ein, auch wenn es modal strukturiert ist. Weiter geht's mit dem ersten Take von Naima (ts, bcl, Tyner, Workman, Jones - Trane's Modes) - "other-worldly"! Coltrane präsentiert nur das Thema, dann folgt ein wunderschönes Solo von Dolphy - seinen Solo-Exkursionen über "God Bless the Child" ebenbürtig! Tyner geht in Doubletime, Elvin swingt wunderbar mit den Besen, dann nochmal Trane zum lyrischen Ausklang.
Es folgt ein weiteres aussergewöhnliches Stück: Brasilia (ts, as, Tyner, Workman, Jones - als "Untitled Original" auf The Other VV Tapes), ein modales Stück, das mit einem Rubato beginnt (man höre auf Workman hier!), dann in einen swingenden mittelschnellen 4/4 wechselt, Coltrane spielt mit kleinen Ideen und Riffs, beugt den Ton, konstruiert ganz gelassen ein unglaubliches Solo (das Stück dauert 18 Minuten!), und dann folgen Dolphy, Tyner und Workman mit schönen Soli. (Eine ziemlich andersklingende Version von "Brasilia" findet sich auf dem 1965 aufgenommenen Album "The John Coltrane Quartet Plays".)
Am zweiten Aufnahmetag, dem 2. November, geht's los mit dem einzigen Stück mit Roy Haynes am Schlagzeug. Chasin' Another Trane (ts, as, Workman, Haynes, Tyner hört kurz nach dem Anfang auf, mitzuspielen - Trane's Modes) dauert über eine Viertelstunde und wird geprägt von Haynes leichterem (aber kaum weniger komplexen) Schlagzeugspiel. Coltrane konstruiert ein weiteres dieser Singsang-Soli, Dolphy spielt zwischendurch kurz eins seiner typischen vokalen Altsoli, und dann wieder Coltrane - wunderbar!
Es folgt die zweite Version von India (ss, bcl, Tyner, Garrison, Workman, Jones, Abdul Malik, Bushell an der Oboe - From the Original Master Tapes, CD 1985). The plot thickens... tolle Musik! Und gleich drauf die zweite Version von Spiritual (ts/ss, bcl, Tyner, Workman, Jones, Bushell am Kontrafagott - From the Original Master Tapes, CD 1985).
Dann folgt das erste Stück, das fürs ursprüngliche Album (dem einige ja Vorwarfen, Dolphy quasi rauszuzensieren) gewählt wurde: eine wunderbare Version des Standards Softly As In a Morning Sunrise (ss, Tyner, Workman, Jones - Live at VV), den 1957 auch Sonny Rollins im Vanguard aufnahm (zu hören auf seinen klassischen Blue Note Aufnahmen "Live at the Village Vanguard" - am besten die RVG Edition Doppel-CD mit allen Aufnahmen suchen!). Tyner spielt ein langes Solo, Jones swingt unglaublich, dann kommt Coltrane rein, für einmal Sopran ohne Walzer oder Exotica, einfach ein medium-up Swinger... und die Post geht ab!
Es folgt gleich das nächste Stück vom ursprünglichen Album und eins der grossen Highlights aus Coltranes ganzer Karriere: Chasin' the Trane (ts, Garrison, Jones - Live at VV, frühere Ausgaben nannten fälschlicherweise Workman als den Bassisten). Coltrane spielt in schnellem Tempo 16 Minuten lang Blues-Chorus nach Blues-Chorus... so ungefähr stell ich mir das vor, was Gieske (Post #364) meint, einfach dauerte das dort noch viel länger!
Dann folgt eine kürzere Version von Greensleeves (ss, Tyner, Workman, Jones - The Other VV Tapes) - gut, das in schöner RVG-Qualität zu hören nach den zwei Bootleg-Versionen, die ich gestern und heute morgen gehört habe!
Impressions (ts,as, Tyner, Garison, Jones - Impressions, 1963) ist auch eine der klassichen Coltrane-Nummern. Das Stück basiert auf einer Stuktur, die ähnlich funktioniert wie "So What": 32 Takte, AABA (also vier 8er Gruppen), wobei der B-Teil in einer anderen Tonart gespielt wird als die A-Teile. Es gibt also eine feste Form, aber innerhalb dieser ist ziemlich alles frei. Coltrane (ohne Piano-Begleitung) und Dolphy nutzen dies für tolle Soli!
Die Aufnahmen vom 3. November beginnen mit der dritten Version von Spiritual (ts/ss, bcl, Tyner, Workman, Jones - Live at the VV), dem letzten Stück des ursprünglichen Albums. Hier wird auf Bushell leider verzichtet, das Stück ist dennoch Klasse!
Es folgt die zweite Version von Naima (ts, bcl, Tyner, Workman, Jones - erstmals in der 4CD Box zu hören), wieder mit Dolphy als Hauptsolist. Wunderbar schon das eröffnende Thema, mit Auschmückungen von Elvin Jones! Dolphy spielt wieder ein wunderschönes Solo, Tyner wieder in Doubletime... weiter geht's mit der zweiten Version von Impressions (ts, Tyner, Garrison, Jones - Impressions, Dolphy ist im Schlusston auch zu hören). Es wird bei diesen beiden Versionen klar, weshalb Coltrane das Stück anscheinend damals als "So What" angesagt oder angezählt hat - das Thema ist wirklich sehr ähnlich! Coltrane gibt in seinem Solo sofort Gas, spielt kurze, zerrisssene Phrasen, konstruiert daraus ein unglaubliches Solo!
Als nächstes folgt die dritte Version von India (ss, bcl, Tyner, Garrison, Workman, Jones - Impressions), dem pièce de résistance der 1961er Village Vanguard Sessions
VERDAMMT! Grenzenlose Enttäuschung! Hier hört die vierte CD auf zu spielen! Hat einen richtigen Sprung! Keine Ahnung, wie das geschehen konnte, die war immer in der Box drin! :roll:
So mühsam... jetzt muss ich mir diese Box echt nochmal kaufen! Aber ohne Spiritual und India vom 5. November (wieder mit dem ganzen Beigemüse) kann ich nicht sein!
Mann, ist das fies!
Werde diesen Post wohl in ein paar Wochen noch fertigschreiben, wenn ich Ersatz habe!
redbeansandrice
11.06.2010, 15:43
Das tut mir leid! Um das Thema Alonzo Levister abzuschließen, so erinnert sich Dan Morgenstern:
Lonnie was a pretty good piano player. He would occasionally – very rarely he might sit in on a jam session. He had been to New England Conservatory. He was a talented composer. Lonnie’s still around. He’s older than me. He’s now in his 80s. Except for a brief period, when he was associated with Charlie Mingus and made an album on Mingus’s Debut label which has never been reissued, but one track was reissued in this big Debut CD package which reviewed the label. He was also later associated with Oscar Brown, Jr. He composed a number of short operas. He got a very nice review in the Village Voice from Gary Giddins many years ago when they were performed just a couple of times in New York and then did it again later. Unfortunately, nothing has ever happened with him, but there was one thing that he did do. He did some arranging and some work for Prestige. He did write a piece that was recorded by John Coltrane. It was called Trane’s Slow Dance. Years later, when – I hadn’t seen Lonnie in quite a while. I asked him – because this was after Coltrane’s death. Coltrane had become this iconic figure. I said, “You must be getting some nice royalties for Trane’s Slow Dance.” He said, “No. I never . . .” I said, “You have to contact the label. They’ve got stuff in escrow for you.” He did. Then he called me and said he got a big check. His stuff had been sitting there for years. So that was another aspect of my New York life.
aus seiner Oral History, die man - neben einigen anderen - hier (http://www.smithsonianjazz.org/oral_histories/joh_start.asp) finden kann... ein etwas chaotischer Text, ist aber viel drin...
Light of Love
11.06.2010, 15:51
Was ist denn die Softie-Trilogie? MFT, Plays the Blues und Olé?
redbeansandrice
11.06.2010, 16:06
Was ist denn die Softie-Trilogie? MFT, Plays the Blues und Olé?
Ballads (?), With Johnny Hartman, With Duke Ellington; in dem Simpkins Buch wird ein Interview mit Coltrane zitiert (von Francis Kofsky), in dem Coltrane sowas sagt wie "the label wanted a balanced catalogue und das ist ja auch total verständlich", und dass er ohnehin grad Ärger mit seinem Mundstück hatte... genauer erinner ich es grad nicht,
gypsy tail wind
11.06.2010, 16:13
Was ist denn die Softie-Trilogie? MFT, Plays the Blues und Olé?
He he... nein, dachte da an "Ballads", "John Coltrane and Johnny Hartman" und "Duke Ellington & John Coltrane".
Man könnte wohl das Impulse-Album "Coltrane" (grad im Vergleich mit "Olé", "Africa/Brass" und den Village Vanguard Sessions) auch noch mitzählen, aber das gehört für mich zu den ganz grossen Coltrane-Alben, während die genannten drei Produzenten-Ideen waren, um den "wilden" Coltrane einem grösseren Publikum schmackhaft zu machen. Natürlich sind alle drei sehr schön, aber sie haben eben doch nicht ganz das Niveau der meisten anderen Impulse-Aufnahmen!
Light of Love
11.06.2010, 16:15
Danke, ja, das passt besser (ich sollte wieder mehr Coltrane hören).
gypsy tail wind
11.06.2010, 16:17
Ballads (?), With Johnny Hartman, With Duke Ellington; in dem Cuthbertson Buch wird ein Interview mit Coltrane zitiert (von Francis Kofsky), in dem Coltrane sowas sagt wie "the label wanted a balanced catalogue und das ist ja auch total verständlich", und dass er ohnehin grad Ärger mit seinem Mundstück hatte... genauer erinner ich es grad nicht,
Kofsky kommt im "Coltrane Reference" auch grad (Ende 1961) irgendwo, muss wohl was anderes sein, muss ich morgen nachschauen.
Ich glaub die Mundstück-Probleme fallen tatsächlich auf diese Zeit, aber das würde ich nicht überbewerten. Das mit dem Mundstück und den Blättern ist ja eine Dauerbaustelle bei vielen Saxophonisten, ich glaub das war bei Coltrane auch so. Mal sehen.
Als nächstes folgt die November 1961 Tournee in Europa (mit Dolphy), und dann die nächsten Impulse-Studio-Sessions, vielleicht steht ja in "Coltrane Reference" mehr zum Thema. (Oder bei Simpkins? Wenn Du mal einen Moment Zeit hast, was abzutippen oder zusammenzufassen!)
redbeansandrice
11.06.2010, 16:22
hier (http://www.youtube.com/watch?v=519L1Hdp2GY&feature=related) gleich vom Anfang kann man Coltranes Einschätzung hören, die ich meinte... das Interview ist über einige Youtube Clips verteilt; mit das wichtigste ist allerdings bei 5:25, hier (http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=85902191&blogId=334490726) ist ein Transkript,
FK: "Did Impulse - did the reaction of Impulse to these, adverse criticisms, have anything to do with, those records that we talked about."
JC: "The ballads..."
FK: "...the ballads and..."
JC: "...Well, I don't know, I think Impulse was interested in havin' a..., a what they might call..., a balanced sort of thing - a diversified sort of a ...catalogue, ...you know... and, I'd have found nothing wrong with this myself. ...you see I like... ...in fact most of the songs I even write now or have been written, the ones which I really consider songs are ballads." < chuckle> "...'cause there is... something there that, I mean, I really love these things."
FK: "Well they're beautiful..."
JC: "...and ... I felt..."
FK: "I've another question about that..."
JC: "...and these ballads that came out... were definitely ones which I felt - at this time, and I chose them. It seemed to be something that was layin' around in my mind, from my," < chuckle> "you know, youth or somewhere, that I just had to do. And they came at this time when the confidence in what I was doin' on the horn had flagged, it seemed to be just the time to clean that out. And then Johnny Hartman, the man that I had - stuck up in my mind somewhere - I just felt sump'm about him, y'know, I don't know what it was. ...And, I liked his sound, I felt there was somethin' there I had to - hear, y'know? So I - looked him up... And did that album, see...and, although I realize - I don't regret doin' those things at all."
FK: "You shouldn't"
JC: "...no, no.."
FK: "...because that album - Johnny Hartman went with, in my opinion, went with the quartet perfectly - those are - those are the only six songs that I know the words to." < laugh>
JC: "Y'see ah, me too."
FK: "Was it six or eight...six"
JC: "Yeah, I don't regret doin' those."
FK: "No, no."
JC: "The only thing I, I regret not havin', you know, ...kept that same attitude which was, you know, 'I'm gonna' do - no matter what.'. That was the attitude in the beginning. But ah, as I say... there was a whole lot of reasons why" < chuckle> "...these things just happen."
FK: "You have ups and downs and that was one of the downs."
JC: "Yeah, that was one of the downs."
das mit dem Mundstück steht weiter oben... das Interview ist auch komplett in Simpkins Buch
gypsy tail wind
11.06.2010, 16:38
Danke, vielleicht druck ich mir das heute abend noch aus als Einschlaf-Lektüre... jetzt muss ich los, gibt ja noch ein Leben jenseits von Coltrane :-)
@gypsy tail wind
Willst Du eine Kopie der vierten Vanguard-Cd?
gypsy tail wind
11.06.2010, 23:01
@gypsy tail wind
Willst Du eine Kopie der vierten Vanguard-Cd?
Danke für's Angebot, kenne auch jemanden hier in Zürich, der die Box hätte (ich hab sie ihm vor ein paar Wochen im Second Hand-Laden aufgeschwatzt... wenn ich damals gewusst hätte, wie's um meine steht...)
Ersatz ist schon bestellt, dieses Set gehört für mich zu den Desert-Island-CDs, da reicht eine Kopie leider nicht :-)
alexischicke
12.06.2010, 13:57
Coltrane hat ja soviel aufgenommen,dass teilweise Impulse den Überblick verloren hat,was sie wann und wo von ihm aufgenommen haben.Beinahe jedes Live Konzert haben Sie von Coltrane mitgeschnitten.
Die meisten Stücken wurden in einem Take aufgenommen.
Alex
gypsy tail wind
12.06.2010, 15:49
Vom 11. November bis am 4. Dezember spielte Coltranes Quintett mit Eric Dolphy (as,bcl,fl), McCoy Tyner (p), Reggie Workman (b) und Elvin Jones (d) zusammen mit Dizzy Gillespies Quintett auf einer "Jazz at the Philharmonic" Tour von Norman Granz. In Paris gab's am 18. November wie schon im März 1960 mit Miles einige Buher für Coltrane, besonders ablehnend jedoch scheint der Empfang in England gewesen sein - Coltrane sollte danach nie mehr in England auftreten.
11. November - Gaumont State, Kilburn, London (18:45 und 21:00)
12. November - Hippodrome, Birmingham (17:30 und 20:00)
13. November - St. Andrew's Hall, Glasgow
14. November - City Hall, Newcastle
15. Novmeber - De Montfort Hall, Leicester
16. November - Dome, Brighton
17. November - Granada, Walthamstow, London (19:00 und 21:10)
18. November - Olympia, Paris (18:30 und 23:30)
19. November - Kurhaus, Scheveningen (vermutlich ein Konzert am Nachmittag und eins am frühen Abend)
19. November - Concertgebouw, Amsterdam (23:00)
20. November - Falkoner Centret, Kopenhagen (20:00)
21. November - Konserthuset, Göteborg (19:15 und 21:30)
22. November - Kulttuuritalo, Helsinki (19:15 und 21:15)
23. November - Konserthuset, Stockholm (19:00 und 21:15)
24. November - Niedersachsenhalle, Hannover (20:00)
25. November - Musikhalle, Hamburg (19:00 und 22:00)
26. November - Falkoner Centret, Kopenhagen (20:00)
27. November - Liederhalle, Beethoven-Saal, Stuttgart (20:00)
28. November - Rheinhalle, Düsseldorf (20:00)
29. November - Kongresshalle, Frankfurt am Main (20:00)
30. November - Lessingtheater, Nürnberg
1. Dezember - Deutsches Museum, München (20:00)
2. Dezember - Freie Universität, Audimax, Berlin (18:00 und 21:00)
4. Dezember - Südwestfunk TV Studio, Baden-Baden
Unglaublich! Nur ganz zum Ende, vor der TV-Aufzeichnung ("Avant Garde in Jazz", die 26. Sendung von JE Berendts "Jazz - Gehört und Gesehen" TV-Show) hatte die Gruppe einen Tag Pause! Am 19. November spielten sie sogar drei Konzerte und mussten vor dem dritten noch nach Amsterdam fahren!
Das Konzert vom 26. November wurde anscheinend kurzfristig noch reingeschoben, weil dasjenige vom 20. restlos ausverkauft war (wie Norman Granz in seiner Einführung am 20. ankündigt).
Hier die zweite Hälfte einer in "Coltrane Reference" (mit genau den selben Auslassungen) wiedergegebenen Besprechung von Daniel Halperin in Jazz News ("The Recent Musical Shock," Wednesday, Nov. 22, 1961, p. 9):
When we come to Coltrane, the reaction was even more violent. I know a couple of people who walked out of the first Kilburn set to drown their sorrows in a nearby pub until Dizzy should appear.
Admittedly, Coltrane was quite uncompromising. He [...] made no concessions whatsoever. His stage presence was nearly nil. He played hard-to-grasp choruses of inordinate length. And he was followed by Dolphy and backed by Elvin Jones, two performers who never compromise.
This adult formula proved too much for a great many people [and] their inability to grasp the music made them so intensely uncomfortable that they blamed the whole blindness on Coltrane and Dolphy. For, of course, no audience ever considers itself inadequate. [...]
My position is this: Coltrane, Dolphy and Company gave us the most exciting, the most delightfully demanding music ever heard on the British jazz stage. It was an uncompromising triumph.
~ Coltrane Reference, 237
Ein erboster Fan, der sich "Wellington Holliday" nannte, hat in dem Jazz Journal (Aug. 1962, pp. 34, 36) einen lustigen Leserbrief geschickt:
I heard this [Coltrane/Dolphy] Group in Glasgow and after the first numbers I crept quickly outside and had myself a few haufs of the crater.
Thus fortified I returned to my seat but the group still sounded awful. Being Scoth and traditionally mean, I felt extremely annoyed at having paid the top price for my seat. I was even more annoyed at having partaken so liberally of our national beverage to no avail.
When Dolphy came forward again to solo I knew his piece would last about fifteen minutes so I stole out of my seat again and nipped round the back to confront Coltrane who was listening at the side of the stage in rapt attention to what Dolphy was doing with his flute!
Coltrane was rather taken aback at finding me at his elbow and being a semi-professional drummer I thought I would complain first about Elvin Jones [who] sounded like the worst the professional drummer I have ever heard in my life. [...]
I asked Coltrane if his drummer was kidding and if there was any hope of him getting down to some serious playing. Coltrane looked at me aghast and said, "Ah don't know man." I then asked if the set was going to continue in a similar manner and Coltrane replied, "Ah don't know man."
After these two devastating replies I decided to withdraw in case I did something irresponsible which might have lead [sic] to my apprehension by the local gendarmerie.
~ Coltrane Reference, 237f.
:lol:
Aufnahmen existieren aus Paris (beide Konzerte), Kopenhagen (Nov. 20), Helsinki (zweites Konzert), Stockholm (auf Live Trane, da fehlt nur das unvollständige "Naima" vom 2. Konzert), Frankfurt (oder Stuttgart, da herrscht Verwirrung, auch bei mir) und Berlin (nur "Impressions"). Dazu natürlich die TV-Sendung vom 4. Dezember.
Das Konzert aus Paris erlaubt es uns, zwei ganze Sets (also die beiden Coltrane Sets aus beiden Konzerten des Abends, vor oder nach Coltrane spielte jeweils Dizzy Gillespie) zu hören. Mehr von der Musik, die LeRoi Jones/Amiri Baraka gerne dokumentiert gesehen hätte... In beiden Sets gibt's über 20 Minuten lange Versionenen vor "My Favorite Things" mit grandiosen Soli von Coltrane und Dolphy (Flöte), auch in beiden sind die Ballade "I Want to Talk About You" (ein alter Standard, den Coltrane zuerst für Soultrane aufgenommen hat) und "Blue Train" vertreten. Vom ersten Konzert gibt's zudem noch "Impressions", das in der Zeit zu einer von Coltranes Paradenummern wurde (neben "My Favorite Things").
Kopenhagen ist insofern speziell, als es mit Victor Youngs "Delilah", einem meiner Lieblingsstandards (zu hören auch von Clifford Brown/Max Roach oder Yusef Lateef). Coltrane spielt das Stück auf dem Sopransax, Dolphy soliert - wie könnte es anders sein bei diesem Stück? - auf der Bassklarinette (und gypsy jubiliert!). Es folgt die Ballade "Everytime We Say Goodbye", von Coltrane bewegend am Sopran vorgetragen - wie schon auf "Central Park West" (zu hören auf "Coltrane's Sound") klingt er auch hier sanft und weich und etwas voller. Dann folgt "Impressions", danach wieder eine Ballade, "Naima" (noch immer mit Dolphys Bassklarinette als dem tragenden Solo-Instrument), und zu guter letzt natürlich "My Favorite Things", inklusive ein "false start". Die eigentliche Version dauert dann beinahe 28 Minuten! Nach dem missglückten Anfang macht Coltrane eine kurze Ansage und dann geht die Post ab!
In Helsinki spielte die Gruppe die üblichen vier Stücke: "Blue Train", "I Want to Talk About You", "Impressions" und "Things".
Von Stockholm (1961-11-23) sind wie gesagt beide Konzerte auf der offiziellen Live Trane 7CD Box enthalten, mit Ausnahme eines zweiten, nach 2,5 Minuten ausgeblendete Takes von "Naima" (vom 2. Konzert). Die Setlist war dieselbe wie Helsinki, mit "Naima" anstelle von "I Want to Talk". Vom zweiten Konzert scheint "Blue Train" auch zu fehlen. Die beiden enthaltenen Stücke vom zweiten Konzert, "Impressions" und "Things", sind zudem fälschlicherweise als Paris 1961-11-18 ausgegeben (CD1#1-2).
Vom 27. November aus Stuttgart (Jazzpodium druckte damals fälschlicherweise eine Annonce, in der am 27. das Frankfurter und am 29. das Stuttgarter Konzert angesagt wurde) sind wieder "Impressions", "Everytime" und "Things" erhalten, vom 29. November aus Frankfurt dann "Impressions" und "Things", und schliesslich vom 2. Dezember aus Berlin noch eine weitere stürmische Version von "Impressions".
Ich höre die Musik dieser Tour heute zum ersten Mal so gebündelt (bin derzeit mitten im Helsinki Konzert) und bin beeindruckt von der Kraft und Klarheit, von Coltranes und Dolphys Spiel auf ihren insgesamt fünf Instrumenten. Die Rhythmusgruppe hat seit den Aufnahmen vom Sommer und Herbst 1960 eine weite Reise hinter sich, ist wuchtiger und zugleich auch swingender geworden.
Schade, dass Dolphy nur noch bis Anfang 1962 mit Coltrane spielen sollte, umsomehr, als bei ihm ja auch die Zeit vorüber war, in der er dauernd für Prestige ins Studio konnte, von 1962-64 gibt's von ihm ja bedeutend weniger (mal von der Mingus-Tour im April 1964 abgesehen).
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Nachtrag (2010-06-14)
Natürlich finden sich die Video-Aufnahmen aus Baden-Baden (1961-12-04, Südwestfunk TV-Studio, Baden-Baden) mit Eric Dolphy (fl on #1, as on #3), John Coltrane (ss on #1, ts on #2 & #3), McCoy Tyner (p), Reggie Workman (b), Elvin Jones (d) auch auf Youtube:
My Favorite Things (http://www.youtube.com/watch?v=zMim-TCNGnc)
Everytime We Say Goodbye (http://www.youtube.com/watch?v=5tjlz3DYmTw)
Impressions (http://www.youtube.com/watch?v=me7P9qqBgwI)
gypsy tail wind
13.06.2010, 11:36
Am 21. Dezember stand Coltranes klassisches Quartett zum ersten Mal für Impulse im Studio von Rudy van Gelder - mit Jimmy Garrison, wie Reggie Workman bestätigte (ich glaub zum ersten Mal für die 1998 erschienene 8CD-Box The Classic Quartet - Complete Impulse! Studio Recordings).
Es entstanden an diesem Tag zwei Stücke: eine Single von "Greensleeves", im selben Arrangement, das das Quartett schon 1961 live und im Studio mit Big Band für Africa/Brass eingespielt hatte. Zudem entstand die Aufnahme von "It's Easy to Remember", die auf Ballads (AS-32) erscheinen sollte.
Davon wurden 8 völlig intakte analog Tapes gefunden (Text von Rudy Van Gelder vom Dez. 2001 in der "Deluxe Edition" von Ballads): "During those 1961-62 sessions he had asked me to run two tapes simultaneously (big company, big budget). After Coltrane died Bob came to the studio and said, 'Rudy, I'm sorry. I have to pick up the tapes.' I gave him the tapes and thought no more of it until this month. Now, years later, I realize that what he did was to protect the original recordings of Coltrane's music. Those simultaneous original tapes I made for him are still there. That's why we have them today."
Die [B]Ballads (Deluxe Edition) enthält überdies das noch 1998 im Box-Set verloren geglaubte "They Say It's Wonderful" und einen weiteren Take von "All or Nothing At All" (dem Highlight des Albums?), beide vom 13. November 1962.
Sonst enthält die zweite CD fünf Takes von "Greensleeves" und sieben Takes von "It's Easy to Remember". Da mir Tyners Arrangement des Traditionals ausserordentlich gefällt, höre ich das gerne ab und zu. Der zweitletzte vollständige Take wurde für die Single verwendet.
"Easy to Remember" ist etwas weniger spannend, Coltrane spielt Tenor (er klingt ein wenig seltsam, ich weiss nicht, ob hier schon seine Probleme mit dem Mundstück begannen). Derselbe Take, der auf dem Album erschien, wurde auch als B-Side von "Greensleeves" verwendet (Take 14). Die davor entstandenen sieben vollständigen Takes hören wir auf der zweiten CD. Nur einer davon weicht durch sein schnelleres Tempo entschieden von der Routine ab.
gypsy tail wind
13.06.2010, 18:22
Anscheindend fand Ende 1961 der Wechsel von Workman zu Garrison statt.
Garrison wird mehr gefühlt als gehört, er ist immer dort, aber weniger an der Oberfläche - ein anderes Konzept, Bass zu spielen, das den Sound des "classic quartet" über die kommenden Jahre mitprägen sollte.
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2.-14. Januar: Jazz Gallery, NYC (Quintett mit Dolphy & Garrison)
3. Januar: Jones ist im Studio für Elvin (Riverside RLP 409 - u.a. mit Art Davis und seinen Brüdern Hank & Thad)
10. Januar: Tyner nimmt für Inception (Impulse AS-18) auf
16-21. Januar: Minor Key, Detroit, MI
8.-21. Februar: Birdland, NYC
24. Februar: Kaufmann Concert Hall, NYC
26. Februar - 3. März: Showboat, Philadelphia
Während dem Auftritt im Birdland im Februar entsteht der wohl am weitesten verbreitete Bootleg von Coltranes Band mit Dolphy. Er ist auch auf Live Trane - The European Tours enthalten (fälschlich als Hamburg 61-11-25 angegeben). Die Gruppe spielt "Mr. P.C.", Dolphys Zwölfton-Stück "Miles' Mode", und zum Abschluss erwartungsgemäss "My Favorite Things" (leider fehlen Teile des Piano- und des Flötensolos).
Es zirkuliert eine weitere Aufnahme, die eine Woche nach der bekannten vom 9. bzw. 10. Februar (es wurde nach mitternacht aufgenommen) entstand.
Es ist dies wohl das letzte Zeugnis der nicht ganz einjährigen Zusammenarbeit von Coltrane und Dolphy.
Nach dem Auftritt im Showboat verliess Dolphy die Gruppe, fortan sollte das "klassische" Quartett aus Coltrane, Tyner, Garrison und Jones für mehrere Jahre in dieser Formation bestehen (ab und zu sprang Roy Haynes für Jones ein, Art Davis wurde nach wie vor hie und da als zweiter Bassist engagiert).
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7.-18. März: McKie's, Chicago, IL
20.-25. März: Village Gate, NYC
30. März - 5. April: Apollo Theatre, NYC
6.-7. April: Village Gate
In a National Public Radio interview, McCoy Tyner discussed the piano at McKie's (www.nprjazz.org/nftr/tyner.html, accessed Dec. 1, 2002):
When I was with Coltrane, a lot of times we'd play in places that had some pretty horrific instruments [pianos], I must say so [laughs]. I remember one instrument I had; I was in Chicago at a place called McKie's. the piano was like a spinet, or something like that, and it was chipped, the actual keys - it wasn't ivory, it was actually plastic, but it was chipped. And it was very, very dangerous, I had to tape my fingers.
~ Coltrane Reference, 251
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Am 11. und 12. April ging das Quartett dann ins Studio für die ersten Sessions, die später auf Coltrane (AS-21), dem ersten Quartett-Album auf Impulse, erschienen.
Am 11. wurden "The Inchworm" und Coltranes Tribut an den Tenorsaxophonisten George "Big Nick" Nicholas aufgenommen ("Big Nick" heisst es natürlich). Letzteres erschien auf einem Impulse-Sampler und die Deluxe-Edition von Coltrane enthält fälschlicherweise die Version, die später im gleichen Jahr mit Duke Ellington entstand. Die "richtige" Version ist entweder in dern 8CD-Box zu hören oder (so vermute ich) in der 1997er Digipack-Version, die auch "Up 'Gainst the Wall" vom 18. September (von der letzten Session für Ballads) enthält. Die jüngste CD in der "Originals"-Reihe lässt diese beiden Stücke leider weg (dankt es denjenigen Leuten, die zwar CDs hören wollen aber doch nur "originale Alben"... idiotisch, wenn ihr mich fragt).
"The Inchworm", ein weiteres 3/4 Stück am Sopransax, wurde schon am 16. Februar (mit Dolphy an der Bassklarinette) im Rahmen eines Radio-Broadcasts aus dem Birdland aufgezeichnet. Das Thema von Frank Loesser klingt wieder ein wenig nach Folklore, es lebt von Elvin Jones unglaublich dichten Polyrhythmen und wird getragen von Tyners äusserst einfacher akkordischer Begleitung. Garrison verleiht der Rhythmusgruppe ein neues Gewicht, er erdet sie, und Coltrane schliesslich konstruiert darüber ein hypnotisches Solo.
"Big Nick" ist eine äusserst eingängige Nummer (sie dürfte von der Ellington-Session bekannt sein), auch sie wird auf dem Sopran gespielt. Tyner spielt nur nach dem fröhlichen Thema ein kurzes Solo, lässt sonst Coltrane allein mit Garrison und Jones. Das mittelschnelle 4/4-Tempo lässt Jones viel Raum, um seine patentierten Dreier-Metren über den Grund-Beat zu legen. Vor dem abschliessenden Thema spielt Garrison ein sehr schönes kurzes Solo.
Von der Session vom 12. April ist nichts erhalten geblieben.
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17.-29. April: Club Coronet, aka Blue Coronet, Brooklyn, NYC
(Ein Foto in der 1996er Digipack-Edition von Live at Birdland zeigt Coltrane vor einem Poster, das sein Quartett im "Club Coronet" für den 17.-29. April ankündigt, der Rest des Posters ist verdeckt, es stammt nicht wie angegeben aus dem Birdland. Siehe "Coltrane Reference", 253)
30. April: Murat Theatre, Indianapolis, IN
1.-20 Mai: Jazz Workshop, San Francisco
(In der ersten Woche stiess Wes Montgomery zur Gruppe! Ev. spielte am Ende oder bloss am 20. auch Dolphy mit, und am 20. spielte auch Geiger Michael White mit - Down Beat, July 5, 1962, p. 45. Anscheinend versuchte Coltrane erfolglos, Montgomery für seine Band anzustellen. Alles nach "Coltrane Reference", 254)
31. Mai - 13. Juni: Birdland, NYC
(am 2. Juni wurde wieder in den frühen Morgenstunden, bzw. nach Mitternacht, ein Broadcast ausgesendet, das Quartett spielt eine unglaubliche Version von "My Favorite Things", in der Elvin Jones' Begleitung das Piano-Solo fast zu einem Drum-Solo werden lässt... zudem spielten sie "Body and Soul", sowie ein Stück von den 1959er Atlantic Sessions, "Cousin Mary")
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Am 19., 20. und 29. Juni befand sich die Gruppe wieder im Studio von Rudy Van Gelder, die Sessions wurden teilweise auf dem Album Coltrane veröffentlicht.
Hier also nochmal eine Anmerkung zu Coltrane (Deluxe Edition): wie gesagt enthält die Doppel-CD die Ellington-Version von "Big Nick" statt jene vom 11. April (diese kann in der 8CD Box The Classic Quartet gehört werden oder in der 1997er CD von Coltrane)
Die Bonus-Materialien auf der Deluxe Edition sind:
- 19. Juni: "Not Yet" (Tyner), "Miles' Mode", 4 Takes von "Tunji" und 2 von "Impressions" (CD2#1-8)
- 18. September: "Up 'Gainst the Wall" (CD2#10)
CD2#9 ist dann eben die falsche Version von "Big Nick".
"Up 'Gainst the Wall" ist das einzige Stück jener Session, das keine Ballade ist und nicht auf Ballads gelandet ist, sondern auf Impressions (AS-42) erschien.
Wenn man also die "Originals" hat fehlt neben den Takes vom 19. Juni nur "Big Nick". Der zweite Take von "Impressions" erschien überdies auf einer Best Of-Compilation (Impulse 549 913).
Ich empfehle jedoch diese Deluxe-Edition wärmstens!
"Out of This World" ist ein Walzer am Tenorsax. Tyner spielt einen trance-artigen Vamp, Elvin Jones hat wieder allen Platz, den er haben will... Tyners Solo ist dann in der rechten Hand fast ballerina-haft tänzerisch - er bietet einen perfekten Kontrast zu Coltranes getriebenem Spiel, das auch "multiphonics" enthält. Das Stück ist dasjenige von den Sessions, das der Band, wie sie live zu hören war in dieser Zeit, am nahesten kommt. Das Stück wurde ins Repertoire der Gruppe aufgenommen und ist auch noch auf der Aufnahme mit Pharoah Sanders aus Seattle zu hören.
Es folgt die definitive Version von Mal Waldrons "Soul Eyes" (von diesem für Coltrane geschrieben, erstmals auf Interplay for 2 Trumpets and 2 Tenors zu hören). Auf dem originalen Album folgt an dieser Stelle "The Inch Worm".
Dann folgt der Master Take von "Tunji" (vom 29. Juni). Das Stück kann als eine Art Blues in 16 Takten. Coltrane spielt ein einfach gehaltenes Solo (über einem B-Moll Ostinato), Tyner bringt (über Blues in B) ein "after hours blues feeling" rein, und Garrison prägt das Arrangement mit seinen Double-Stops mindestens so stark wie Jones mit seinen Polyrhythmen. Das Stück ist dem Nigerianischen Drummer Babatunde Olatunji gewidmet, den Coltrane über dessen musical director Yusef Lateef kennengelernt hatte. Für mich ist dieses Stück der atmosphärische Höhepunkt des Album!
Das ursprüngliche Album endet mit "Miles' Mode" dem vermutlich von Dolphy komponierten, auf einer Zwölfton-Reihe beruhenden Stück. Es wird in mittelschnellem 4/4 gespielt, das Quartett kocht!
Die Alternate Takes von "Tunji" (vier vollständige sind enthalten) und Tyners einfache Komposition "Not Yet" (nach einem Take wurde das bereits aufgegebenn), sowie der Alternate Take von "Miles' Mode" entstanden einen Tag vor dem Master Take von "Tunji". Es macht grossen Spass, das Stück in seinem Werden zu verfolgen, auch wenn das Schema schon beim ersten Take dasselbe ist wie im Master am Tag danach. Das letzte Stück des Tages war dann "Impressions" (noch als "Excerpt" aufgelistet - im November 1961 wurde es ja jeweils noch als "So What" angekündigt/eingezählt). Dazu aus Carl Woidecks Liner Notes zur Deluxe Edition (November 2001) ein kleines Lehrstück in Intertextualität:
The last piece to be recorded that day was entitled "Excerpt" on the session log, but it later became known as "Impressions." Both titles are rather fitting for a piece that was more assembled than composed by Coltrane. The piece's modal scheme and AABA form were taken directly from Miles Davis's innovative "So What." Coltrane had played the composition many times with Davis, and was very influenced by its use of modes. When he left Davis's band, he continued to improvise upon the scheme, but he fitted new melodies over the modes. He borrowed the A-section melody from Morton Gould's "Pavanne," which he may have known from pianist Ahmad Jamal's versions [Jamal war ja eins der prägenden Vorbilder (in Sachen Phrasierung, Rhythmik, aber auch Auswahl des musikalischen Materials) von Miles Davis - gtw]. He took the B-section melody either from a phrase in Maurice Ravel's "Pavane pour une Infante Défunte" or from the Peter De Rose/Bert Shelter song "The Lamp Is Low," which beings by borrowing the same phrase from the Ravel piece. (Interestingly, in 1957 Coltrane had played on an album by pianist Sonny Clark in which trombonist Curtis Fuller quoted the phrase in question while soloing over an unrelated piece, "Speak Low.") Impulse had made three live recordings of "Excerpt"/"Impressions in 1961, but these were not released at the time, and in 1962 Coltrane was trying to come up with a studio version for issue. These live recordings averaged more than eleven minutes in length, but the studio versions averaged less than half that. Neither studio take was released at the time, and both were thought to be lost until their discovery among the Thiele tapes. In the end, Coltrane and Thiele decided to issue a fourteen-plus-minute live version on the later album Impressions.
~ Carl Woideck, Liner Notes zu "John Coltrane - Coltrane (Deluxe Edition)", Verve/Universal 589 567-2, 2002
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2.-7. Juli: Showboat, Philadelphia, PA
24.-29. Juli: Leo's Casino, Cleveland, OH
(Jones war vermutlich NICHT an der Miles Davis Session vom 27.7. beteiligt, entgegen den Angaben im 6CD Set "Miles Davis/Gil Evans - The Complete Columbia Studio Recordings", p. 19)
31. Juli - 5. August: Minor Key, Detroit, MI
6.-11. August: Showboat, Philadelphia, PA
(Mit Eric Dolphy! Jimmy Smith "sat in", diese Woche sollte Miles Davis spielen, Coltrane sprang ein weil Miles krank war, bzw. sich krank gemeldet hatte.)
15.-26. August: McKie's, Chicago, IL
28. August - 2. September: Bohemian Caverns, Washington, DC
NOTE: In an interview with Belgian journalist Benoît Quersin (Paris, Nov. 17, 1962), Coltrane talked about touring and the need to vary the "circuit": "Well, we have been trying to extend our scope a little bit as far as the places that we work. We've worked in a few different clubs up in New York State. We've widened our circuit a little. It's a problem we've had; our circuit is small, we've played the same clubs over and over now. It kind of tires the listener, so we've been trying to broaden out - get around more distant place." (This and another Quersin interview are transcribed in full in Woideck, 1998, pp. 117-128; quote is from p. 125.) The New York gigs Coltrane mentioned probably included clubs in Buffalo and Rochester, which might had clubs that featured "name" jazz groups. Other possible New York cities where the group might have played include Albany and Binghampton.
~ Coltrane Reference, 255
Ein interview von Tony Gieske erschien am Freitag 31. August 1962 auf Seite B11 der Washington Post, es ist in "Coltrane Reference" wiedergegeben (Auslassungen sind von mir):
[...] Coltrane, whose facial expression ranges from glum to glum, was surprised to hear how much people were paying to hear him. "I'm not sure I like all that pressure on me. I wish I had more to offer the people," he said. "There are so many other saxophone players who say more than I do," said Coltrane.
A weight-watcher, he was having a supper consisting of a glass of iced clam juice, washed down with a glass of orange juice, washed down with a glass pineapple juice and anchored with some salted walnuts, which he carried in a can.
A demonic whirlwind on the stand, Coltrane is placidity itself when he's not playing. After a solo, he will seat himself quietly in a dark corner behind the bass player, out of sight.
He said he almost never loses his temper. "When something drags me, I go off and sulk, that's about all. After a while, whatever it is that's bothering me goes away. But that doesn't happen very much."
"As a matter of fact, the whole band's kind of that way. They're very even-tempered. We've been together more than a year and there's never been a personal argument. I've never been in a band like that," he said.
The smooth glassy tempter of the band's relationships off the stand present a sharp contrast to their playing, to say the least.
Elvin Jones, his devilish lettle [[I]sic] eyes burning, attacks the drums like a prize fighter and can be heard for blocks. Pianist McCoy Tyner sets up a pedal point in the left hand that makes the tension created by Ravel's "Bolero" seem quite mild. Jimmy Garrison, bass, gids in with a primordial counterpoint to both.
[...]
Elvin's the most emotional - the one who might get drug, I guess," Coltrane said. "You can hear it in his playing, and somebody will turn around and say what's the matter? But after a couple of sets that all goes away.
[...]
It could be said that Coltrane puts all his color in his music, which is relentlessly demanding - loud, fierce and enormously fast-moving. He himself is not like a band-leader at all. He doesn't smile at the audience, tell jokes, engage in gymnastics or even speak much.
Neither does he take the other tack, currently fashionable, and snarl and glare at his listeners. After he has played a 40-minute solo that has gripped the deeper reaches of a rapt assembly, he will give a polite little nod and go back to his corner amid deafening applause.
In the year since he last played in Washington, Coltrane has kept moving further and further along his unique musical path. The pedal-points that he was beginning to use then have become almost unbearably moving, and the rhythm section moves in and around the time with exhilarating freedom. Tyner, in particular, has improved spectacularly, making explicit many of the ideas that he was a little too subtle about before.
A man who seems totally and continually absorbed in his music, Coltrane was asked if he ever got bored and wanted to go into some other line of work.
"Music is about the best thing I can think of to do," he replied. "If there were something better, it would have to be very wonderful."
~ Coltrane Reference, 259
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Am 18. September und am 13. November nimmt das Quartett in zwei Sessions das Album Ballads auf. Ein Stück, "It's Easy to Remember", entstand schon im Januar. Bei der ersten Session enstanden "What's New?" und "Nancy (With the Laughing Face)", sowie "Up 'Gainst the Wall", das auf dem Album Impressions landete.
Acht Tage später dann enstand der grösste Teil des Albums (fünf Stücke), sowie ein Alternate Take von "All or Nothing At All" (das Stück ist für mich das Highlight des Albums, umso willkommener ist ein weiterer Take) und eine Aufnahme von Irving Berlins "They Say It's Wonderful", das dann im März 1963 mit Johnny Hartman erneut aufgenommen wurde und das Album John Coltrane and Johnny Hartman eröffnen sollte.
Zum Album Ballads will ich nicht viel schreiben - es dürfte wohl weitherum bekannt sein, auch unter Coltrane Verschmähern oder weniger grossen Fans wie mir. Die Stücke werden alle in getragenem Tempo gespielt, Coltrane klingt sanft, sein Ton auf dem Tenor (er spielt hier kein Sopran) hat eine Spur von Vibrato, Tyner spielt perlende Läufe, aber hie und da auch die mittlerweile vertrauten reduzierten akkordischen Begleitungen in der Linken Hand, auch die Vorliebe Coltranes, Themen im Rubato vorzustellen, scheint hier wieder auf. Und Jones umschmückt das ganze sehr geschmackvoll und erstaunlicherweise, ohne dass sein Spiel viel von seiner Komplexität verlieren würde.
Zu Coltranes Ton gibt es hier die Geschichte mit dem beschädigten Mundstück, aus einem Interview, das Frank Kofsky 1966 mit Coltrane geführt hat:
Perhaps because the thought of Coltrane willing to meet reluctant listeners halfway runs counter to our image of him as the most uncompromising of artists, there is another school of thought regarding his motivation in recording Ballads - one that presents Coltrane's own words as evidence. In 1966 he gave an interview to Frank Kofsky, during which Kofsky asked him about Ballads and the albums with Ellington and Hartman. "Well, I tell you, I had some trouble at that time," Coltrane explained:
I did a foolish thing. I got disgusted with my mouthpiece and I had some work done on this thing, and instead of making it better, it ruined it. It really discouraged me a little bit, because there were certain aspects of playing - that certain fast thing that I was reaching for - that I couldn't get because I had damaged this thing, so I just had to curtail it.
In other words, rapid tempos had become something of a problem. Another factor prohibiting "that certain thing," at least temporarily, may have been Coltrane's poor dental health, the result of a lifelong addiction to sweets and a reluctance to see a dentist until he had no other choice. [...] He had eight upper teeth removed in 1959 and been fitted for a bridge. The speculation is that by the fall of 1962, either his teeth were giving him trouble again or the denture no longer fit properly. The pain from pressing down on a hard mouthpiece, the thinking goes, had compromised his embouchure, making fast tempos untenable.
One problem with this theory, as any saxophonist can tell you (and as the tenor saxophonist Bennie Wallace was the first to tell me), is that ballads are the last thing you want to try if you gums are hurting and your embouchure is wrong. Fast tempos call for precise articulation, but fingering can pull you out of a jam; not so with ballads, where notes need to be sculpted by the mouth. The other problem is that we know from eyewitness testimony and pirate recordings that Coltrane was hardly taking it easy on himself in nightclubs during this time. He continued to play as before, long and fast and hard, as though troubled only by the need to get it all out.
~ Francis Davis, November 2001, Liner Notes von "John Coltrane - Ballads (Deluxe Edition), Verve/Universal 589 548-2, 2002
Das macht für mich alles Sinn... dass es mit diesen Theorien über Mundstück (das halte ich eh für vorgeschoben, weil das wie schon erwähnt eh ein dauerndes Projekt jedes Saxophonisten ist) und Zähne eben nicht so weit her ist, wie viele (um die "Integrität" ihres Idols zu retten) gerne zu glauben gewillt sind.
Coltrane klingt auf Ballads für mich gut, sicher, so als hätte er alles unter Kontrolle. Sein Ton war bei Balladen ja schon seit längerem anders, wärmer, voller in der tiefen Lage, gerne auch mit ein wenig oder sogar ziemlich viel Vibrato - das kommt hier halt mal für ein ganzes Album zum Tragen.
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Duke Ellington & John Coltrane (AS-30) entsteht am 26. September im Studio von Rudy Van Gelder. Im April 1961 entstand unter Thieles Aufsicht für Roulette eine Begegnung von Louis Armstrong (und dessen All-Stars) mit Duke Ellington, für Impulse führte Thiele dann 1962 nicht nur Ellington und Coltrane (und beider Rhythmusgruppen) zusammen sondern auch Ellington (und eine ausgewählte Unit aus Ellingtonians) mit Coleman Hawkins.
Stanley Dance zitiert in seinen originalen Liner Notes den englischen Kritiker Benny Green (aus der 12. Ausgabe des englischen Wochenmagazines Scene:
"In actual fact," says Green, "Duke Ellington was put into the jazz world to separate the men from the boys. His grasp of harmony and instrumental voicing is more advanced than anybody else's in the entire range of jazz, and the reason why many modern fans are unable to accept him is not that they are too modern for Duke, but that Duke is too modern for them."
[...]
Despite the difference of background and experience, there was nevertheless a singular lack of tension on this session. For Ellington, who has led a big jazz band longer than anyone else in the music's history, the small-group context has always seemed productive. It gives him both more and less responsibility. As a pianist, he is more prominent, but as a listening leader his role is obviously less arduous.
For Coltrane, this occasion carried considerable musical obligations. "I was really honored," he said afterward with characteristic modesty, "to have the opportunity of working with Duke. It was a wonderful experience. he has set standards I haven't caught up with yet. I would have liked to have worked over all those numbers again, but then I guess the performances wouldn't have had the same spontaneity. And they mightn't have been any better!"
Duke certainly esteemed that spontaneity. When there was a question of another take of one number, he said, "Don't ask him to do another. He'll end up imitating himself."
They got on well together. Each arrived with his own rhythm men. The two drummers soon went off to a nearby bar in search of fuel; the bassists fell into friendly conversation; and the two leaders planned the program. Then, while Duke sat at the piano and mapped out the routines for the first numbers, John lit up the first of several long, brown cigars. A very promising, relaxed atmosphere was established - and maintained.
~ Stanley Dance, Original Liner Notes für "Duke Ellington & John Coltrane", Impulse AS-30
Das Album beginnt mit einer der schönsten Versionen von "In a Sentimental Mood", die ich kenne (ich hab mir mal all die kleinen Verzierungen rausgeschrieben, mit denen Coltrane am Anfang das Thema ausschmückt - er hat anscheinend bei Balladen meist geschaut, wie er sie genau spielen will und dann daran festgehalten). Es folgt "Take the Coltrane", ein Ellington-Stück, das dem jüngeren Partner gewidmet ist. Elvin Jones macht sich - auch hier wieder auf sehr unaufdringliche Art - klar hörbar. Dann folgt das eine Coltrane-Original der Session, "Big Nick", zugleich das einzige mit Coltrane am Sopransax. Es folgen Ellingtons "Stevie" und Billy Strayhorns "My Little Brown Book", in dem Coltranes Spiel an seinen einstigen Arbeitgeber Johnny Hodges erinnert. Ellingtons "Angelica", über einen mitreissenden Latin-Beat gespielt, präsentiert ein Coltrane-Solo ohne Piano-Begleitung, ein weiteres Highlight des Albums, und zum Abschluss folgt "The Feeling of Jazz", eine weitere Komposition von Ellington mit einem wunderbar relaxten Solo von Coltrane.
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Johnny Hodges erwähnte übrigens in einem Interview im Jahr 1964, dass um diese Zeit (also ca. 1962) ein Album mit Coltrane im Gespräch war.
Find ich ehrlich gesagt ziemlich schwierig, mir das vorzustellen. Hodges hat dann übrigens 1964 für Impulse das tolle $7Album "Everybody Knows Johnny Hodges" (AS-61) aufgenommen; auf dem CD-Reissue ist zudem Lawrence Browns ebenso gutes "Inspired Abandon" (AS-89) enthalten, auf dem Johnny Hodges Jr. auf zwei Stücken Schlagzeug spielt (mit viel "abandon", wie inspiriert er war weiss ich nicht...). Im Interview wird Hodges gefragt, ob er Coltranes Musik möge, die Antwort lautet: "I don't, but my son does." (Coltrane Reference, 260)
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12.-13. Oktober: Cork'n'Bib, Westbury, NY
15.-20. Oktober: Showboat, Philadelphia
ca. später Oktober - früh oder mitte im November: Vernon's Restaurant, New Orleans, LA
From Porter (1998, pp. 368-369): "During this engagement Ellis Marsalis ran a club called the Music Haven and was there with a quartet including saxophonist Nat Perrilliat. During a break the owner of Vernon's brought out Tyner and Coltrane to hear Marsalis. Coltrane and Perilliat got to talking and Perrilliat brought Coltrane to Marsalis' house, where they jammed briefly. Earl Turbinton may have jammed with Coltrane also during this week."
~ Coltrane Reference, 261
Turbinton dürfte am ehesten bekannt sein durch die Mitwirkung an Joe Zawinuls Atlantic-Album "Zawinul". Ellis ist der Vater von Wynton, Branford und Delfayo Marsalis... wohl der Musiker dieser Familie, den ich noch am besten mag. Jedenfalls gibt's bei ihm keine ideologischen Bedenken ;-)
12. November: Village Gate, NYC (Benefit für Walter Perkins, der einen Autounfall hatte)
13. November: letzte Session für Ballads (s.o.)
14. November: Tyner nimmt mit Henry Grimes und Roy Haynes auf (Reaching Fourth, Impulse)
Bob Thieles ikonische Photographie, die später für das Cover von A Love Supreme Verwendung fand, erscheint zum ersten Mal, im französischen Jazz (Nov.-Dez. 1962, S. 25).
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Vom 17. November bis am 2. Dezember geht das Coltrane Quartett auf Tournee in Europa, erneut eine "Jazz at the Philharmonic" Tour, die von Norman Granz organisiert wurde.
Dazu folgt dann ein separater Post, davon sind wieder ziemlich viele Aufnahmen im Umlauf...
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Im Dezember 1962 hat anscheinend Clifford Jarvis für kurze Zeit Elvin Jones ersetzt (dieser wurde bei der Einreise am JFK Airport [damals noch Idlewild Airport, nach der Ermordung Kennedys im Dezember 1963 erfolgte die Umbenennung] in NYC festgenommen). Jarvis wechselte von Sonny Rollins zu Coltrane, Ben Riley sprang dafür bei Rollins ein ("The Other Side of the Scene", von Fred Norsworthy, Coda, Feb. 1963, 14f., nach "Coltrane Reference", 266).
Im späten Dezember oder den ersten Tagen des Januars ist Jones wieder zurück im Quartett.
Im Dezember 1962 oder Januar 1963 haben Tyner und Garrison einen Gig im Birdland mit Cal Massey gespielt:
After two years of virtual exile, trumpeter Cal Massey has reappeared several times, most recently at Birdland with Julius Watkins, French Horn; Clifford Jordan, tenor saxophone; McCoy Tyner, piano; Jimmy Garrison, bass; Al Heath, drums" (Down Beat, Feb. 15, 1962, p. 14). This may have been a Monday night gig.
~ Coltrane Reference, 267
11.-16. Dezember: Jazz Temple, Cleveland, OH (nicht bestätigt)
15. Dezember: McMillan Theatre, Columbia University, NYC (ev. abgesagt oder falsch)
19. Dezember - 6. Januar 1963: McKie's, Chicago, IL (als "John Coltrane and His Men of Madness"; mit Eric Dolphy! Dolphy wurde in einer Annonce als "Eric Dauphine" bezeichnet... hier hat ev. ganz oder teilw. mit Clifford Jarvis Schlagzeug gespielt. Tyner wurde am 19. Dezember Vater)
Weiter geht's wie gesagt dann mit der November 1962 Europa-Tour...
gypsy tail wind
15.06.2010, 11:16
Der Ablauf:
17. November: Olympia, Paris (18:00 und Mitternacht)
18. November: Volkshaus, Zürich
19. November: Konserthuset, Stockholm (19:00 und 21:15)
20. November: Kulttuuritale, Helsinki
21. November: Njardhallen, Oslo
22. November: Falkoner Centret, Kopenhagen (20:00)
23. November: Robert-Schumann-Saal, Düsseldorf (20:00)
24. November: Audimax, FU Berlin (20:00)
25. November: Musikhalle, Hamburg (17:00)
27. Novmeber: Grosser Konzerthaussaal, Wien (17:45 und 20:30)
28. November: Grosser Stefanien-Saal, Graz (19:30)
29. November: Kongress-Saal, Deutsches Museum, München (20:00)
30. November: Kongresshalle, Frankfurt am Main (20:00)
1. Dezember: Kurhaus, Scheveningenn (20:15)
1. Dezember: Concertgebouw, Amsterdam (Mitternacht)
2. Dezember: Teatro dell'Arte, Mailand (16:30 und 20:30)
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Die Aufnahmen von Paris am 17. November sind einmal mehr ein diskographisches Desaster, die Angaben in der Live Trane Box sind auch hier teilweise falsch. Laut David Wild (der übrigens, das sehe ich gerade, wieder eine Website hat: http://www.wildmusic-jazz.com/ stammt CD3 #1 vom 1. Konzert und CD2 #4-7 vom 2. Konzert (während CD3 #3-4 in Wahrheit von Stockholm un dem 19. November stammen).
"The Inch Worm" und "Everytime We Say Goodbye" fanden sich schon auf dem Pablo-Album The Paris Concert, zudem gibt's eine schöne Version von "Bye Bye Blackbird" mit einem langen Bass-Solo von Jimmy Garrison, und ein tolle Version von "Mr. P.C." in der Live Trane Box. Auf Bootleg existieren diverse weitere Stücke (ich besitze nicht alles, was von diesen beiden Konzerten angeblich existiert), u.a. zwei Versionen des traditionellen Closers "My Favorite Things", eine fast 20-minütige Version von "Traneing In", "Naima" (jetzt ohne Dolphy, im neuen Arrangement gibt's ein kurzes Klaviersolo, dann Coltrane) und weitere Versionen von "Blackbird" und "Inch Worm".
Was genau auf welchen zirkulierenden Bootlegs zu hören ist und in welcher Reihenfolge die beiden Konzerte abliefen ist nicht mehr rekonstruierbar.
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Das Konzert vom 18. November in Zürich wurde in der NZZ besprochen. Nachher ging Coltrane anscheinend in den Klub (das "Africana", vermute ich), in dem das Dollar Brand Trio gespielt hat. Ellington (den angeblich Brands Frau und die Sängerin des Trios, Bea Benjamin, vom Flughafen zum Konzert gezerrt habe) ermöglichte dann die erste Aufnahme.
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Zwei Tage nach Paris entstanden in Stockholm am 19. November erneut Aufnahmen. Davon ist auf Live Trane einiges zu hören: vom 1. Konzert CD3 #4-5 und CD4 #1 (Mr. P.C., Naima, Traneing In), vom 2. Konzert CD3#3 und CD4 #2-3 (The Inch Worm, Bye Bye Blackbird, Impressions). Die beiden Konzerte waren sehr lange, hier die Setlisten aus "Coltrane Reference" (S. 663 bzw. 664):
a. Bye Bye Blackbird (14:14)
b. The Inchworm (5:50)
*c. Mr. P.C. (15:11)
*d. Naima (9:20)
*e. Traneing In (18:40)
f. Impressions (7:16)
f. My Favorite Things (21:03)
*a. Bye Bye Blackbird (17:58)
*b. The Inchworm (7:04)
c. Naima (6:55)
d. I Want to Talk About You (6:49)
*e. Impressions (7:52)
f. Mr. P.C. (17:58)
g. My Favorite Things (25:20)
h. Everytime We Say Goodbye (4:47)
i. Traneing In (16:55)
*) diese Stücke sind auf Live Trane enthalten
"Bye Bye Blackbird" und "Traneing In" war zuvor auf dem Pablo-Album Bye Bye Blackbird zu finden (die CD enthielt auch bloss diese beiden Stücke).
"Naima" vom zweiten Konzert klingt nicht mehr sehr nach Ballade, Elvin Jones gibt Vollgas und Coltrane spielt ein zwar in der Stimmung lyrisches aber doch ziemlich intensives Solo. Das kurze "I Want to Talk About You" verläuft ähnlich. Dann folgt "Mr. P.C." und wie bei allen Blues-Nummern, die Coltrane in dieser Zeit gespielt hat (P.C., Blue Train, Traneing In, ab und zu Chasin' the Trane) spielt Coltrane ein langes, man könnte sagen suchendes, Solo und die Rhythmusgruppe kocht schon nach wenigen Takten. "My Favorite Things" ist grandios, sehr schade, dass diese Version in der Box fehlt! Müsste mir wohl meine eigenen Box-Sets zusammenstellen, um das alles ohne dauernd die CDs zu wechseln komplett hören zu können (das mach ich nicht, höre die Musik nicht ganz in der richtigen Reihenfolge in den Fällen, in denen einiges auf der 7CD-Box ist und anderes nicht). Auf "Traneing In" hat Jimmy Garrison ausführlich Raum, er spielt zuerst mit dem Bogen, dann geht sein Solo "walkend" zu Ende, während Elvin Jones die Temperatur schon wieder langsam erhöht... und dann nochmal Coltrane!
Von "I Want to Talk About You" existiert eine Video-Aufnahme vom Schwedischen Fernsehen, von einem Balkon aus gemacht - kann man sich hier (http://www.youtube.com/watch?v=FR9ixWP-P9I) anschauen. (Es steht dort, die Aufnahme sei von einem Zuschauen gemacht worden, das ist falsch - sie wurde für die monatliche Jazz-Sendung Trompeten gemacht und am Freitag 30. November 1962 ausgestrahlt. Es Existiert zudem insgesamt 1:25 "backstage footage" - u.a. Jones am Kit aufstellen, Garrison am Krawatte binden, Simon Brehm [Produzent von Trompeten] am Coltranes Zigarre anzünden, sowie kurze Auschnitte aus dem Konzert - alles ohne Ton, hab ich auch nie gesehen, soweit ich mich erinnern kann. In "Coltrane Reference" wird vermutet, dass es sich dabei um Bildmaterial für einen News-Beitrag über dieses Konzert handle. Quelle: "Coltrane Reference", 664f.)
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Am 20. November in Helsinki entstand die nächste Aufnahme. Die Setliste wurde auf dieser Tour weniger variiert als auf derjenigen von 1961, aber es ist für mich dennoch ein grosses Vergnügen, diese Dokumente anzuhören, auch wenn immer wieder "My Favorite Things", "Impressions", "The Inchworm" oder "Bye Bye Blackbird" gespielt werden.
Die Reihenfolge meiner Aufnahme stimmt überhaupt nicht mit der Reihenfolge in "Coltrane Reference" (666) überein... bei mir beginnt's mit "Traneing In", langes Piano- und Bass-Solo, Garrison ist noch nicht so agil (und eindrücklich) wie später, als er seine Solo-Bass-Intros (z.B. für "Impressions") zupft und seine "Flamenco-Licks" spielt, aber doch sehr schön, ihn ausführlich zu hören - im Studio war er ja sehr zurückhaltend und auch bei seinen wenigen Soli keineswegs darauf aus, technisch zu brillieren. "Bye Bye Blackbird" beginnt mit einem sehr langen Coltrane-Solo - das Stück ist ja ein leftover von Miles, das auch auf der berühmt-berüchtigten Tour im März/April 1960 regelmässig gespielt wurde.
Das Zwiegespräch von Coltrane und Jones wird immer dichter... das sollte sich über die Jahre soweit entwickeln, dass Tyner und Garrison oft über lange Strecken aussetzten, hie und da wurde auch ein Stück im Duo gespielt, einmal auch auf einer Impulse-Session im Studio ("Vigil", 1965-06-16, das Stück erschien auf dem Album Kulu Se Mama). "Mr. P.C." bringt eine weitere lange Exkursion in Sachen Blues. Dann folgt "The Inchworm" auf dem Sopran, "I Want to Talk About You" auf dem Tenor (interessant, das ist mal ein Stück, das kürzer wurde - die 1958er Studio-Aufnahme auf Soultrane dauerte noch beinahe 11 Minuten). Dann zum Abschluss eine leider unvollständige Version von "My Favorite Things".
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Am 22. November spielte das Quartett in Kopenhagen, auch hier war das Dänische Radio dabei, um das Konzert mitzuschneiden.
Die Setlist ist ähnlich: "Blackbird", dann eine Überraschung: "Chasin' the Trane" (nur 7:30 aber auch im Trio ohne Piano), "The Inchworm", "Everytime We Say Goodbye", "Mr. P.C.", "I Want to Talk About You", "Traneing In", "Impressions", "My Favorite Things" (inc).
Die Musik ist ähnlich wie zwei Tage zuvor in Helsinki, aber die Qualität der Aufnahme besser - macht dementsprechend mehr Spass! Man hört Garrisons Solo in "Blackbird" ziemlich gut. "Chasin' the Trane" ist einmal mehr unglaublich gut! Schade, dass es nicht doppelt oder dreimal so lange dauert!
"I Want to Talk Abou You" (das schon am 20. November 8:30 gedauert haben soll, eine Aufnahme davon scheint nicht zu existieren) dauert hier über 11 Minuten und wird zum ersten Mal (?) mit einer langen Sax-Kadenz von Coltrane abgeschlossen (ca. 3:30 dauert allein die Kadenz).
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Aus Graz, wo das Quartett am 28. November gespielt hat, ist auf zwei CDs ("The Complete Graz Concert", Charly CPCD 8262-2) vermutlich das ganze Konzert erhalten, mitgeschnitten vom ORF.
Hier dauert "I Want to Talk About You" fast 14 Minuten (die Kadenz wieder ca. 3:30, d.h. das Stück wurde länger), und auch "My Favorite Things" (23:30), "Impressions" (21), "Bye Bye Blackbird" (ca. 23:30) und "Mr. P.C." (19:30) sind sehr lange, selbst "The Inchworm" (12:30) ist hier länger als üblich, nur "Everytime We Say Goodbye" bleibt mit 7 Minuten kurz, und dazu gibt's - mal wieder eine Überraschung in der Setliste - "Autumn Leaves" (ca. 10:30).
Von diesem Konzert ist übrigens in den letzten Wochen ein 1CD-Bootleg mit dem Titel "The Inchworm" aufgetaucht. Davon rate ich ab... wer das hören will, soll sich "The Complete Graz Concert" (Charly CPCD 8262-2) besorgen! Auch auf der Magnetic Version (MRCD 104/105) fehlte ein wenig was ("My Favorite Things" war unvollständig). Andererseits braucht auch die Charly-Ausgabe mal eine Korrektur, was die Geschwindigkeit betrifft (laut "Coltrane Reference", 669, laufen "Mr. P.C." und "I Want to Talk Abou You" zu langsam und "My Favorite Things" ist fast einen Halbton zu hoch, also zu schnell).
Dieses Konzert gehört für mich zu den besten! Die Qualität der Aufnahme ist ansprechend (ab und zu scheint jedoch Garrison zu verschwinden), und das ganze ist ziemlich ausführlich - wenn man nur ein Dokument dieser 1962er Tournee haben will, würde ich das hier ohne zu zögern empfehlen! Mit "Autumn Leaves" ist zudem eine gewisse Spontanität in der Setlist da, und schön ist auch der Auftakt zu "I Want to Talk About You" (das hier auch die mittlerweile übliche lange Solo-Kadenz am Ende enthält), Tyner klimpert etwas, und Coltrane greift das auf, um das Stück mit einer kurzen Solo-Kadenz zu eröffnen. Zudem dauert "Impressions", das Stück, auf dem Coltrane am suchendsten, am wildesten zu spielen schien auf dieser Tour, hier nicht 7-8 Minuten sondern ganze 20! Ein unglaublicher Parforce-Ritt, den Coltrane da hinlegt! Zum Abschluss dann noch "My Favorite Things" auf Speed (mich dünkt hier hört man echt, dass es viel zu schnell läuft).
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Das letzte Konzert, von dem Aufnahmen exisiteren, fand dann am 2. Dezember im Teatro dell'Arte in Mailand statt. Erhalten sind nur vier Titel, zusammen nicht einmal 33 Minuten. In ziemlich übler Qualität gibt's noch einmal "Everytime We Say Goodbye", "The Inchworm", ein längeres "Mr. P.C.", sowie zum Abschluss nochmal "Chasin' the Trane" (leider nur gut 4 Minuten und unvollständig).
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Damit endet eine tolle Tour. Ich bilde mir ein, zu hören, wie sich das Spiel der Gruppe hier konsolidiert. Und speziell bei Garrison scheint mir, dass seine Soli (v.a. in "Mr. P.C." und "Traneing In") immer länger und sicherer werden, streckenweise gehen seine "double stops" schon fast in die später so eindrücklichen Flamenco-Licks über. Jones ist in voller Fahrt, zu diesem Zeitpunkt hatte der sein Vokabular beisammen und ist für mich der grösste Drummer jener Jahre!
lotterlotta
15.06.2010, 14:20
He he... nein, dachte da an "Ballads", "John Coltrane and Johnny Hartman" und "Duke Ellington & John Coltrane".
Man könnte wohl das Impulse-Album "Coltrane" (grad im Vergleich mit "Olé", "Africa/Brass" und den Village Vanguard Sessions) auch noch mitzählen, aber das gehört für mich zu den ganz grossen Coltrane-Alben, während die genannten drei Produzenten-Ideen waren, um den "wilden" Coltrane einem grösseren Publikum schmackhaft zu machen. Natürlich sind alle drei sehr schön, aber sie haben eben doch nicht ganz das Niveau der meisten anderen Impulse-Aufnahmen!
einspruch:
die aussage zur qualität dieser drei einspielungen trifft meiner meinung nach nur auf die aufnahme mit hartman zu.
die ellington gehört eindeutig ins obere drittel der coltrane-aufnahmen bei impulse, wie die zwei sich umkreisen und spielerisch miteinander umgehen ist einfach nur grandios zu nennen. ein musst-have für jeden jazzfreund und *****wert.
gypsy tail wind
15.06.2010, 14:23
Einspruch angenommen - wir bewegen uns da sowieso ca. zwischen ***** und *****! :-)
redbeansandrice
15.06.2010, 14:40
Perilliat, Marsalis und der Schlagzeuger James Black gastieren auch auf "In the Bag" von Nat Adderley; kenne Marsalis "klassisches Quartet" nur aus Empfehlungen, aber deren Album Monkey Puzzle von 1963 gibt es mittlerweile bei CDBaby (http://www.cdbaby.com/cd/marsalis)... Samples klingen, als hätte man dort gern auch mal Coltrane gehört, hätt man mir auch als Coltrane Prestige Album verkaufen können...
hab Ellington & Coltrane vorhin zum ersten mal gehört... es ist wohl kein Money Jungle, aber ziemlich super scheint es doch zu sein... selber Schuld, wer in McKie's DJ Lounge meint, er müsste Klavier nehmen, statt Orgel... :lol:
gypsy tail wind
15.06.2010, 14:53
Ja, im Rahmen einer nüchternen und ausgewogenen Bewertung (:lol:) würd ich "Duke Ellington & John Coltrane" wohl satte **** geben. Für fast jeden anderen wäre das allerdings ein *****-Album, denk ich, aber man muss ja irgendwie ein wenig zu differenzieren versuchen :-)
"In the Bag" kenn ich bisher noch nicht, aber das kam mir auch wieder in den Sinn, als ich das über Perilliat und Ellis Marsalis gelesen habe. Das andere Album auf CDBaby sieht auch spannend aus, danke für den Hinweis!
redbeansandrice
15.06.2010, 15:27
Coltrane hat ja soviel aufgenommen,dass teilweise Impulse den Überblick verloren hat,was sie wann und wo von ihm aufgenommen haben.Beinahe jedes Live Konzert haben Sie von Coltrane mitgeschnitten.
Die meisten Stücken wurden in einem Take aufgenommen.
Alex
hierzu Bob Thiele aus Simpkins Buch, p 162... die Zeit mit Coltrane und den vielen Takes fing natürlich erst nach der Prestige Zeit an...
Thiele suggested that the group record with Duke Ellington. John was elated to play with a great contributor to the music, one whom he had admired so long. This work with Duke affected his approach to the recording studio. Previously, he strove for perfection to the smallest detail in his recordings. Once he had the quartet return to the studio to re-record one note. Thiele spoke of the effect of Duke.
"He would do a tune 12, 15, or 20 times before he was satisfied and even though we did a tune 20 times he might go back to, or agree to go back to the second or third take or something like that. The first tune we did with Ellington was In a Sentimental Mood. We did that in one take and I'll never forget my reaction. Ellington, I know from past experience is going to say that's it, great, and Coltrane would say, I feel we should go over this a few more times. Immediately I ran out of the studio and though I didn't know how I would handle it, I had to get the two guys together. I said, Duke (he was the oldest of the three of us there), what do you think, knowing he would say it was great, which it was. He said "That's fine," and i said, John, do you think we should do it again, giving him the opportunity to say something. Duke immediately interrupted, and said "Well, what for, you can't say it again that way, this is it." John said "Yes, Duke, you're right," and from then on the album went very smoothly. Also, from then on John's recordings were based on one and two takes. I must say that after the meeting with Ellington, Coltrane never spent that much time on a take, on a tune. [...]"
gypsy tail wind
15.06.2010, 16:28
hierzu Bob Thiele aus Simpkins Buch, p 162... die Zeit mit Coltrane und den vielen Takes fing natürlich erst nach der Prestige Zeit an...
Danke fürs Zitat! Das passt auch zum kleinen Auszug, den ich oben aus den Liner Notes zitiert habe!
Da ich ja "Coltrane Reference" zur Hand habe, lasst mich mal nachschauen...
Africa/Brass
1961-05-23
Greensleeves (4 takes + unzählige false starts und rehearsals, master war der vierte komplette)
Song of the Underground Railroad (1 fs, mst)
Greensleeves (1 fs, 1 breakdown, 1 alternate/re-take)
The Damned Don't Cry (tk 1 alt, dann div. fs/inc, master ist ein composite)
Africa (1 take der nach 14:23 abbricht, dann "intercuts" - master ist ein composite)
1961-06-07
Africa (1 fs, 2 inc, 2 komplette re-takes)
Blues Minor (1 take/master)
Greensleeves-Single / Ballads
1961-12-21
Greensleeves (6 takes, div. fs/inc, der 5. wurde zum master)
It's Easy to Remember (8 takes, div. fs/inc, der letzte kam als b-side auf die Single und dann auf "Ballads")
(alle kompletten takes dieser session ausser der erste von "Greensleeves" sind auf CD2 von Ballads (Deluxe Edition)
Coltrane
1962-04-11 & 1962-04-12 & 1962-06-19
weitere Infos - die ich noch nicht gelesen und oben nicht ausgewertet habe - finden sich hier: http://www.personal.psu.edu/faculty/b/d/bdk4/aop.htm
für die dritte Session (1962-06-19) scheint der Eintrag in "Coltrane Reference" wieder einigermassen aussagekräftig:
Not Yet (1 take - uni)
Out of this World (inc + 2 takes, 1. ist master)
Soul Eyes (keine angaben zu takes)
Excerpt (aka Impressions) (7 takes, 2 komplette - uni)
1962-06-20
Not Yet (1 take - in der 8CD Box "The Classic Quartet" enthalten)
Miles' Mode (2 takes, 1. war master)
Tunji (3 takes, 2 inc)
Impressions (1 take, master)
Tunji (1 inc + 1 re-take)
Impressions (1 re-take)
Tunji (1 re-take und 5 inc)
1962-06-29
Tunji (keine angaben zu takes, nur master aufgelistet)
Out of This World (1 take - uni)
1962-09-18
Nancy & What's New (von Ballads - keine Infos zu takes)
Up 'Gainst the Wall (3 takes, 3. war master)
----------
Das scheint mir keineswegs exzessiv zu sein, ausser die Greensleeves-Session, die allerdings auch die erste Studio-Session dieser Gruppe im Quartett war, was wohl gewisse Unsicherheiten erklärt.
gypsy tail wind
16.06.2010, 01:03
7.-13. Januar: Babe Baker's Jazz Corner, Cincinnati, OH (mit Dolphy, ev. eine Nacht mit Sängerin Francine Griffin)
19. Januar: Schwab Auditorium, Penn State University, State College, PA
25. Januar - 2. Februar: Gino's, St. Louis, MO
5.-10. Februar: Jazz Temple, Cleveland, OH (eine Nacht mit Albert Ayler!)
21. Februar - 6. März: Birdland, NYC (abwechselnd mit Monks, in der 2. Woche Art Blakey)
:: . :: . ::
Am 23. Februar wurde aus dem Birdland erneut am Radio ein kurzes Set ausgestrahlt. Das Quartett spielt "I Want to Talk About You", und wieder spielt Coltrane eine wunderbare Kadenz. Das zweite Stück des Mitschnittes ist eine Überraschung: "Transition" (das erst am 10. Juni 1965 im Studio aufgenommen wurde). Sofort etabliert sich ein Dialog zwischen Coltrane und Jones, dann folgt u.a. ein tolles Bass-Solo von Garrison.
In der zweiten Woche wurde am 2. März ein Set im Radio ausgestrahlt - Miles Davis war im Publikum und hat möglicherweise versucht, mitzuspielen:
"[McCoy] Tyner [...] remembers one night in the early 60s when Davis tried to sit in at Birdland. 'There wasn't any room. He didn't quite work. We were very special. It was very difficult for anybody to walk up and come into the band.'" (From "John Coltrane: A Life Supreme," by Peter Watrous, Musician, July 1987; reprinted in Woideck, 1998, pp. 56-71
.)
~ Coltrane Reference, p. 274
Die Stücke, die am 2. März aufgezeichnet wurden sind "Mr. P.C." undd "My Favorite Things", dazwischen eine Ansage von Symphony Sid Torin. Auf "Mr. P.C." gibt's die übliche Solo-Routin: p - b - ts und am Ende immer mehr Raum für Elvin Jones. "My Favorite Things" bricht leider nach etwas weniger als 11 Minuten ab, irgendwo mitten im Piano-Solo.
:: . :: . ::
4. März: Tyner nimmt mit Steve Davis und Lex Humphries das Album Nights of Ballads and Blues (Impulse AS-39) auf.
6. März: Das Quartett ist im Studio, nimmt Vilia auf und versucht auch erfolglos, einige weitere Stücke ("Impressions" und "Nature Boy", sowie drei unbekannte Originals und einen unbekannten Blues, auch ein Original). "Vilia" landete auf einer Compilation (Various Artists - The Definitive Jazz Scene Volume 3, Impulse AS 9101)
7. März: Das Quartett nimmt John Coltrane & Johnny Hartman auf (Impulse AS-40)
"Vilia" ist ein Stück von Franz Lehar, das Thema wird in einer Standard 32-Takte-Form präsentiert, während die Soli modal verlaufen - Coltrane (am Sopran) und Tyner demonstrieren ihr lyrisches Können, Jones swingt leicht aber webt dennoch einen dichten Teppich. Garrison walkt, tut dies aber sehr effektiv, greift auch hier und da melodisch ins Geschehen ein - im Thema spielt er halftime, aber es kommt nie deser typische Groove auf, wie ihn Chambers/Jones und dann noch mehr Chambers/Cobb bei Miles geprägt haben.
Das Album John Coltrane and Johnny Hartman wurde am Tag darauf eingespielt (bei drei Stücken hat Coltrane später noch zusätzliche Sax-Obbligatos eingespielt). Es ist ein durchaus schönes Album, aber ob es jetzt etwa gegenüber Hartmans I Just Dropped By to Say Hello, das auch 1963 (mit Illinois Jacquet, Hank Jones, Kenny Burrell, Jim Hall, Milt Hinton und Elvin Jones) eingespielt wurde, so viel besser ist, wage ich zu bezweifeln. Coltrane macht seinen Job natürlich perfekt, ebenso passen Tyners Lyrismen perfekt, und v.a. Elvin Jones beeindruckt mich durch sein feines Besenspiel, das dennoch mitreissend swingt, aber insgesamt ist das Album für mich dann doch eher ein (sehr hübsche) Fussnote in Coltranes Werk.
Das Highlight für mich ist der Closer, "Autumn Serenade", es wird als Rumba gespielt, Coltrane bläst das längste Solo des Albums, und wieder spielt Elvin Jones unglaublich mitreissend.
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8.-17. März: International Jazz Mecca/Abart's Internationale, Washington, DC
19.-24. März: Shelly's Manne-Hole, Los Angeles, CA
Wollte mir das folgende ersparen, aber es ist einfach zu köstlich:
Review - sort of - by Kenneth Hume ("Los Angeles," Coda, June 1963, p. 14):
[QUOTE]I heard Elvin Jones play drums for six nights in a row, last month. The fact that Elvin was playing with John Coltrane at Shelly's Manne-Hole in Hollywood and I was in my Studio City apartment hat no bearing on the matter. All I had to do was open my windows and Elvin's percussiveness came wafting over the midnight air. That lad can make those drums talk, and his message was heard and felt throughout the Southern California area.
Overnight, local drummers became heavily sweating imitators of the Jones' style. Band leaders all over town cowered against the piano as drummers unleashed a barrage of bombs unheard of since the last of the great fun wars, World War Two.
The two drum shops in Los Angeles reported a gratifying increase in the sale of drum sticks (large, heavy drum sticks, please) and the sale of new drum heads was brisk in the weeks following Elvin's nightly lessons.
There were other incidents: An elderly accountant wandered into Shelly's one night by mistake, heard Elvin play one set, and rushed out to leave his wife and four children to seek his fortune in Borneo. A group of cocktail waitresses formed a corporation and offered to buy Elvin from Coltrane for a handsome sum. Local zoo officials reported an unusual amount of activity in the dangerous animal cages between the hours of 9 and 2 during Elvin's tenure.
In actuality, the appearance of the Coltrane group at Shelly's had a most profound effect on musicians and listeners alike. Arguments are still raging, but the overall result was a healthy one for Los Angeles jazz, which tends to become rather bland.
[...]
~ Coltrane Reference, 275
Parallel dazu spielte Davis in Los Angeles, er hatte sich wieder gefangen und hatte bereits George Coleman und Ron Carter in seiner Band, ebenso wie Harold Mabern und Frank Strozier. Er nahm in dieser Zeit die erste Session für das Studio-Album "Steven Steps from Heaven" (sein erstes seit "Someday My Prince Will Come") auf, mit Coleman, Carter, Frank Butler (d) und Victor Feldman (p), der auch das Titelstück beisteuerte, das lange Zeit im Live-Repertoire von Miles' Bands bleiben sollte.
26. März - 7. April: Jazz Workshop, San Francisco, CA
9.-14. April: Minor Key, Detroit, MI
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Ende April verliess Elvin Jones für ca. drei Monate (bis Ende Juli) aus persönlichen Gründen die Band. Verschiedene Schlagzeuger spielten während dieser Zeit mit Coltrane, aber wenn immer möglich engagierte Coltrane Roy Haynes, der ähnlich komplexe Rhythmen wie Jones spielen konnte, dies aber auf eine andere, leichtere Art tat.
Am 29. April nahm die Gruppe mit Haynes eine Session für Impulse auf. "All the Things You Are" (4 komplette Takes) ist verschollen, "After the Rain", eine wunderbare Rubato-Ballade, erschien auf dem Album Impressions (AS-42 - 3 komplette Takes, der letzte wurde gewählt).
"Dear Old Stockholm", ein Schwedisches Stück, das Stan Getz ausgegraben hatte und Miles Davis zum Klassiker gemacht hat (mit Coltrane, natürlich!) erschien zuerst auf einem Sampler (Various Artists - The Definitive Jazz Scene Volume 2, AS-100, erschienen ca. Jan 1965). Coltrane spielt ein rein modales Solo ohne Klavierbegleitung, Garrisons Anker-Funktion ist zentral. Dann folgt Tyner. Haynes begleitet hör- und fühlbar anders leichter, irgendwie so als sässe er auf der Stuhlkante, bereit, jeden Augenblick in eine andere Richtung loszurennen - während Elvin im Eames-Chair ruht und um sich herum alles flirren lässt, selber irgendwie ein ruhender Pol bleibt.
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1.-12. Mai: McKie's, Chicago, IL (mit Roy Haynes)
23. Mai - 5. Juni: Birdland, New York City (mit Roy Haynes und teils Philly Joe Jones!)
In einem Brief vom 4. Juni an Jones (der im Lexington Narcotics Hospital/Clinical Research Center in Lexington, Kentucky war von ca. Mitte April bis Ende Juli), erwähnt Coltrane die Probleme mit seinem Mundstück wieder ("Coltrane Reference", 278).
10.-15. Juni: Showboat, Philadelphia, PA (mit Haynes)
Hiervon stammt die nächste erhaltene Aufnahme, vermutlich vom Matinee-Konzert am Montag 10. Juni. Tyner ist am Anfang der Aufnahme nicht dabei, im Trio beginnt es mit "Chasin' the Trane", einem Stück von Ballads ("It's Easy to Remember") und "Up 'Gainst the Wall". Haynes zeigt sich erneut als absolut würdiger Ersatz für Jones! Mit Tyner werden dann "The Inchworm", "Impressions" (ohne Bass-Intro, schon bei "Up 'Gains the Wall" fehlt das Bass-Solo leider - man hat allerdings davon wohl auf dem mässig klingenden Tape fast nichts gehört), dann "I Want to Talk Abou You" mit einer besonders tollen Solo-Kadenz, "Mr. P.C." und das neulich im Studio aufgenommene "After the Rain", gespielt während der Pause von Coltrane am Piano!
Leider lässt die Qualität zu wünschen übrig (es handelt sich um ein "audience recording"). Die Musik ist aber toll genug, dass sich die Leute von "Coltrane Reference" eine komerzielle Veröffentlich wünschen würden (S. 684).
Der Taper der Aufnahme, Alan Sukoenig, hat den Autoren von "Coltrane Reference" (bzw. Chris de Vito) eine Mail mit einigen Erinnerungen geschickt, u.a. wie er ca. 61/62 als Coltrane mal im Showboat spielte, die Nummer im Telefonbuch gewählt habe, unter der Coltrane noch immer aufgeführt war. Coltranes Mutter habe abgenommen, er habe sie dann u.a. gefragt, ob sie das Spiel ihres Sohnes möge (was er sich kaum habe vorstellen können): "In a rather stern tone, she replied: 'What mother wouldn't like her son's playing if she had a son who played like John does'" (nach: "Coltrane Reference", 280) :lol:
ca. 17-23. Juni: Rochester, NY (unbekannter Ort, nicht bestätigt, vermutlich 1 Woche)
(oder möglicherweise 13.-19. Mai oder 8.-14. Juli, oder August/September - LaBarbera spricht allerdings von einem "hot summer's day"
über die "Wayback Machine" habe ich das seit 2003 nicht mehr zu findende Interview (http://web.archive.org/web/20020206002641/www.music.mcgill.ca/~jazz/JazzView/Overview.html) aufgetrieben, das Andre White, ein kanadischer Drummer, mit dem Tenorsaxophonisten Pat LaBarbera geführt hat (für Jazz View, ein Online "magazine"):
AW: Up until this point, who had you seen of the really big guys?
PL: I saw Coltrane; he used to come to Rochester-he had Roy Haynes on drums at the time-I was totally blown away. I remember Trane coming in and talking to McCoy; it was a hot summer's day so all of the guys would go outside to cool off. He would come off the bandstand, it was the middle of summer, and he had this sweater on, and he would go into the closet where they stored the beer, and would practice his soprano. The other guys were down on the street; there was a big old white upright piano that McCoy had to play. Later on I reminded McCoy about that gig when we worked together, and he remembered that piano! Trane was really popular, and that's what I wanted to do. I was afraid to talk to Trane but I spoke to Jimmy Garrison. You didn't want to talk to Trane, didn't want to bother him. He always looked like he had a mission. The other guys were really approachable.
(Die Antwort von LaBarbera wird in "Coltrane Reference" auf Seite 280 zitiert.)
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Vom 24. oder 25. Juni bis am 6. Juli spielte das Quartett dann zuerst mit Roy Haynes (bis am 3. Juli) und dann mit Donald Bailey im La Tête de l'Art in Montréal, Quebec.
Tyner spielte am 5. Juli in Newport (das Konzert wurde auf Impulse veröffentlicht, möglicherweise das beste von Tyners Impulse-Alben?), vielleicht hat Coltrane im Trio gespielt, vielleicht ersetzte jemand Tyner.
Es existiert ein Radio Mitschnitt oder ein audience recording von "Up 'Gainst the Wall" und "Impressions" (inc), der mit Donald Bailey vermutlich zwischen dem 4. und dem 6. Juli entstand. (Es gab laut Coda samstags um 21:30 Radio-Übertragungen vom Tête de l'Art, Samstag 6. Juli ist also ein mögliches Datum - allerdings ist es möglicherweise gar kein Radio-Mitschnitt, die Ansage vor "Up 'Gainst the Wall" wurde anscheinend von derselben Person gemacht, die auch die Aufnahme verantwortete... es kann aber auch sein, dass der Radio-Moderator selber anwesend war - so funktioneren z.B. bis heute die Jazz Club (http://sites.radiofrance.fr/francemusique/em/jazz_club/emission.php?e_id=19) Live-Sendungen am französischen Radio).
Wie auch immer... die Aufnahme ist toll, und wenn das tatsächlich Donald Bailey ist, dann find ich ihn ziemlich überraschend! Kenne ihn sonst fast nur von Jimmy Smith, und von diesem einen wunderbaren Album Trio (http://www.amazon.com/Jimmy-Rowles-Mitchell-Donald-Bailey/dp/B000008C5B/ref=sr_1_6?ie=UTF8&s=music&qid=1276632848&sr=1-6) mit Jimmy Rowles und Red Mitchell. Hier (http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2009/11/06/PKL21ABM83.DTL) und hier (http://www.eastbayexpress.com/eastbay/an-old-blueprint-made-new/Content?oid=1371982) finden sich zwei Artikel über ihn. Und seine neue CD (http://www.amazon.com/gp/product/B001E4SF9O/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=) scheint bereits vergriffen (die Website des Labels existiert nicht mehr)
Am 7. Juli spielte dann auch John Coltranes Quartett (mit Roy Haynes) am Newport Jazz Festival. Das Konzert wurde von Impulse mitgeschnitten und erschien zuerst zerstückelt auf Compilations (Selflessness feat. My Favorite Things, AS 9161 und To the Beat of a Different Drum, IZ 9346-2). 2007 erschien die CD My Favorite Things: Coltrane at Newport, auf der zum ersten Mal ein Edit "Impressions" erschien, auf dem das eröffnende Thema und das Piano-Solo nicht fehlten (23:30 - das Bass-Solo fehlt noch immer, das Stück dauerte insgesamt 27 Minuten). Bemerkenswert ist, dass das öffnende Thema von "My Favorite Things" hier auf dem Tenor gespielt wird (es fliesst mehr oder weniger direkt aus "I Want to Talk About You"). "Impressions" enthält eine längere, sehr tolle Passage, in der Coltrane und Haynes im Duo spielen!
Die CD enthält überdies das Newport 1965 Set von Coltrane (das später wieder Thema sein wird, es erschien zuerst auf dem Album New Thing At Newport (AS-94), zusammen mit Archie Shepps Set vom selben Festival.
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Am 16. Juli nehmen Tyner und Art Davis mit Sonny Stitt zusammen Art Blakeys Album A Jazz Message für Impulse auf.
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18.-31. Juli: Birdland, NYC
(vermutlich gegen Ende wieder mit Elvin Jones, davor mit Roy Haynes)
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8. August: Tyner nimmt mit Jones und Garrison sein Album Illumination! (Impulse AS-49) auf.
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ca. 16.-18. August: The New Minor Key, Detroit, MI
(der Klub hat den Besitzer gewechselt und anscheinend zu einer "weekend-only"-Politik gewechselt)
ca. 19.-25. August: Showboat, Philadelphia, PA
Hiervon existieren wieder Aufnahmen vom selben Taper (Alan Sukoenig) wie schon vom 10. Juni. Der jüngste (erste?) Bootleg davon beim nervigen RLR Label gibt als Datum fälschlicherweise den 17. Juni an und nennt Roy Haynes als Schlagzeuger. Das hat seinen Ursprung darin, dass die Aufnahmen vom Juni und die hier vom August gemeinsam zirkulierten, mit drei möglichen Daten: 10., 17. oder 24. Juni 1963.
Diese Aufnahmen halten mal wieder eine Überraschung in der Setlist bereit: "Good Bait", gefolgt von "Out of This World" von den 1962er Coltrane Sessions, dann "Mr. P.C.", eine halbminütige Improvisation, eine unvollständige Version von "The Promise" (das auf Live at Birdland offiziell eingespielt werden sollte), sowie zum Abschluss eine über 35 Minuten lange Version von "Impressions".
In "Coltrane Reference" wird erneut die Meinung vertreten, diese "mono audience recordings are of listenable audio quality. They feature powerful, extended solo by Coltrane and duets with Coltrane and Jones, and they deserve to be released through official channels." (687)
Da bin ich komplett einverstanden - habe diese Aufnahmen (110 Minuten) soeben zum ersten Mal gehört und die Ohren pfeifen... danach folgt... Stille!
Unglaublich eindrücklich, besonders das abschliessende "Impressions"! Im Verlauf von 1962 und 1963 hat sich das Stück zur Parade-Nummer der Band entwickelt!
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27. August - 1. September: Bohemian Caverns, Washington, DC
ca. 9.-15. September: Royal Arms, Buffalo, NY
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On Monday, September 9, 1963, a number of musicians gathered in a Buffalo hotel room to celebrate Elvin Jones' birthday (born September 9, 1927), including George Benson, Wes Montgomery, Jack McDuff, Red Holloway, John Coltrane, and Jones. Montgomery was in Jack McDuff's group at another club in Buffalo. (George Benson, interviewed by Yasuhiro Fujioka, September 29, 1991, New York City.)
~ Coltrane Reference, 283
Nehme mal an, das ist Bensons "claim for fame"... :lol:
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17.-22. September: Jazz Temple, Cleveland, OH (am 17. spielt Lawrence "Jacktown" Jackson Schlagzeug)
Elvin Jones nimmt im Semptember teil an den Sessions zu Gil Evans' wunderbarem Album "The Individualism of Gil Evans" (Verve).
3.-16. Oktober: Birdland, NYC
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Am 8. Oktober nimmt Impulse die Live-Hälfte (eigentlich eher zwei Drittel) des Albums Live at Birdland (AS-50) auf (der Rest wird im RVG Studio am 18. November eingespielt)
Drei zusätzliche Titel wurden an diesem Tag aufgenommen: "Traneing In", "Mr. P.C." und "Lonnie's Lament", die ersten beiden fliessen ineinander über (zusammen fast eine halbe Stunde, die frühe Version von "Lonnie's Lament" ist 19 Minuten lang).
Und bei der CD-Herstellung ist ein Fehler passiert, und ich hab tatsächlich eine dieser falschen CDs, und das find ich raus, nachdem ich diese CD schon seit ca. 13 Jahre habe! Unglaublich - bin ziemlich wütend darüber!
Details hier (http://www.organissimo.org/forum/index.php?/topic/59529-john-coltrane-live-at-birdland/).
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[...]Lenny and I were in New York, and on a particular evening, decided to drop in at Birdland to hear John Coltrane. (Coltrane was about to record, or had just recorded his album "John Coltrane Live at Birdland"). After listening to a set, Lenny, who invariably carried his acoustic guitar with him, approached Coltrane and asked if he could sit in. I recall John looking Lenny up and down and at some of the group, and they nodded their consent. This acceptance, without knowing anything about Lenny, who could have been a dud for all they knew, was typical of the mutual respect and brotherhood between musicians. It must be remembered that Coltrane's Jazz in 1962 was better known for experimentation, including playing the same chord three or four different ways within a single measure, as well as overlapping chords, before the change was intended to occur. This type of eccentric and unorthodox playing, which most musicians and guitarists could not comprehend, nor play, appealed to Lenny. The rest of the evening with Coltrane and his group was also memorable. When Lenny sat in, after plugging his guitar into one of the speakers, he initially just played chords to get a feel for what was happening. In the following number, when Lenny's turn came to play, the effect was electrifying. Coltrane leaned over with eyes wide-open, looked at Lenny's hands, and smiled. During the remainder of that session, which lasted for at least another two hours, Lenny played with authority with the great John Coltrane, and on many of his licks, Lenny led the charge.
- George B. Sukornyk, July 31, 2003 (Liner Notes zu "Lenny Breau - The Hallmark Sessions", von hier (http://theband.hiof.no/albums/hallmark_sessions.html)
(Diese CD muss ich mir *unbedingt* besorgen, Breau kenn ich eh noch nicht, und Danko/Helm als Jazz Rhythmusgruppe? Das muss ich hören!)
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Am 9. und/oder 17. Oktober nimmt Johnny Johnny Hartman das Album "I Just Dropped By to Say Hello" (Impulse AS-57) mit Elvin Jones am Schlagzeug auf.
Am 19. Oktober nimmt Elvin mit seinem Bruder Hank Jones für dessen Album "Here's Love" (Argo/Cadet LP [S] 728) auf.
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20. Oktober: Five Spot, NYC (Coltranes Anwesenheit ist nicht bestätigt)
22. Oktober - 4. November: Europa Tournee (nächster Post)
ca. 11.-17. November: Showboat, Philadelphia (ev. mit Eric Dolphy)
Am 18. November nimmt das Quartett im Studio den Rest des Albums Live at Birdland auf: "Your Lady", ein 3/4-Stück am Sopran zeigt eindrücklich, wie gut Coltrane das sperrige Instrument mittlerweile unter Kontrolle hat. Er spielt grösstenteils ohne Klavier-Begleitung und über einen Pedal-Point von Garrison.
"Alabama" ist ein Juwel in Coltranes Diskographie:
"Alabama" is one of the central statements of a watershed year in the American civil rights movement, and exceeds all save Martin Luther King's speech of three months earlier as a reflection of that historic moment. Part prayer in memory of the four children who perished in the Birmingham church bombing, part statement of intent to continue pursuing the dream of equal rights and the end of racism, it is an extremely powerful statement, constructed from two successive takes to yield a statement of seamless drama. Coltrane first plays the melody in his most introspective tenor voice over Tyner's rolling piano, and after the full rhythm section has entered, marches forward at medium tempo with the quiet dignity of the freedom fighters' journey through the South. Garrison is particularly poised in this walking section. When the melody is restated, bass and rums are doing the background colorations, and instead of a 4/4 release the rubato feeling of the main section is brought to a peak within the overall mood of the performance in a brief coda. Live at Birdland annotator Amiri Baraka, the first of many poets who have responded to "Alabama," heard "introspective sadness, almost hopelessness, except for Elvin, rising in the background like something out of nature..." There is that; but for this listener the sadness is overridden by a hope that, given the circumstances, is truly poignant. Hope was in the air in America on November 18, 1963, the day "Alabama" was recorded, though a good portion of it would be destroyed in Dallas within the week.
~ Bob Blumenthal, June 1998 (aus den Liner Notes zur 8CD Box "The Classic Quartet", Seite 40)
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23. November: Royce Hall Auditorium, University of California-Los Angeles (UCLA), Los Angeles, CA
26. November - 8. Dezember: Jazz Workshop, San Francisco, CA
7. Dezember: Coltrane nimmt in den KQED-TV Studios in San Francisco ein halbstündiges Programm für Ralph J. Gleasons "Jazz Casual" auf. Die Gruppe spielt "Afro Blue", "Alabama" und "Impressions" (inc).
12.-22. Dezember: Shelly's Manne-Hole, Los Angeles, CA
31. Dezember: Philharmonic Hall, Lincoln Center, NYC (mit Eric Dolphy)
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Jazz at Lincoln Center, directed by Wyton M... no sir! Coltranes Quartett, das Modern Jazz Quartett, Art Blakey und Cecil Taylor beendeten das Jahr mit Konzerten im Lincoln Center vom 27.-31. Dezember.
Auszüge aus LeRoi Jones' Review in Down Beat, Feb. 27, 1964, 34:
Coltrane and company, even though they went through what by now must be their standard concert repertoire (which includes the soprano treatment of My Favorite Things), still managed to get up on a couple of tunes - especially on their last tune of the evening, Impressions. Coltrane started squatting and totting on this number and got into that hysterically exciting thing he can do with such singular expressiveness. He can still do magical things with his horn, or rather horns, because half of the numbers were done with the soprano (though I, for one, would still rather hear this fantastic tenor player play tenor). Dolphy also played a very wild alto solo - in fact, I think it was probably the most completely satisfying effort of his I've ever heard. He sounded so much better than he has on recent recordings. And Garrison is one of the strongest and most swinging bass players on the scene today.
One beautiful thing about the Coltrane group is that it sounds like its members have been playing together for a while: they really sound like a group. But I'm always amazed at hearing drummer Elvin Jones play his solos straight through any tune. I mean, no matter what the group is playing, Jones sounds as if he's soloing, but he's got his playing together so well that he almost never interferes with what anyone else is doing; he just provides a constant driving solo voice. Even on a ballad like Alabama, which had the rest of the group slow and subdued, Elvin was bombing and rolling on the sideground like a beautiful war picture.
~ zit. nach "Coltrane Reference", 294f.
(Taylors Gruppe bestand an diesem Abennd übrigens nicht nur aus Taylor, Jimmy Lyons und Sunny Murray, auch Albert Alyer und Henry Grimes waren dabei! Als dritte Gruppe, Baraka fand sie den "anticlimax after the vision-producing music that preceded it" [Coltrane Reference, 294, selbe Rezension wie oben zitiert], spielte Blakeys klassische Band mit Freddie Hubbard, Curtis Fuller, Wayne Shorter, Cedar Walton, Coltranes früherem Bassisten Reggie Workman, sowie dem Sänger Wellington Blakey.)
Ganz anders äusserte sich Whitney Balliett über dieses Konzert (im New Yorker, Jan. 11, 1964, pp. 93-94):
Philharmonic Hall was given over to the groups of John Coltrane, Cecil Taylor, and Art Blakey, and it passed from the unendurable (Coltrane and Taylor) to the matter-of-fact (Blakey). The first two groups had a wildness and passion that came close to holocaust; in places their playing was supramusical, or perhaps amusical, for it took on distinct and disturbing human characteristics - defiance, anger, and bitterness. Coltrane's band, which played four long long numbers, was the less inflammatory of the two. On hand with him were Eric Dolphy (alto saxophone, bass clarinet, flute), McCoy Tyner (piano), Jimmy Garrison (bass), and Elvin Jones (drums). Each number had partly atonal ensembles as well as lengthy solos by Coltrane (tenor and soprano saxophones) and/or Dolphy. Coltrane circulated in high-blood-pressure fashion around the scale, leaped from shrieks to grunts, and (on the tenor) became so exercised that he almost sank to his knees, as if, as a last resort, he were about to pray. His work on the soprano was less apologetic and had a bagpipe sound, in contrast to the clover-and-honey tones of Sidney Bechet. Dolphy, too, did a good deal of whinnying and big-interval jumping, but in a mannered, calculated way. The engine that almost shook the group to pieces, though, was Elvin Jones, whose ferocity and volume often boliterated every other sound. Jones is an untutored but phenomenal drummer who has already changed the course of his instrument. He somehow maintains two or three different rhythmic patterns at once, gradually developing a criss-crossing cloud of polyrhythms that encircle, infuse, and finally posssess his colleagues. Only rarely does he seem able to construct these intricacies at anything below a roar, and so it will be up to his followers to round off his extraordinary rhythmic visions.
[...]
~ Coltrane Reference, 295
Balliett findet dann immerhin auch, "Blakey's Jazz Messengers [...] played in a mechanical, old-fashioned hard-bop style, and gave the impression of a delegation of musical-comedy diplomats come to observe a very real revolution." (ibid.)
Die Birdland-Aufnahmen werde ich auch mal noch separat kurz erwähnen... aber erstmal muss ich mir eine akzeptable CD von "Live at Birdland" besorgen! Bin richtig wütend! Habe diese 1996er CD wohl schon seit sie erschienen ist und es war mir nie bewusst, dass damit was nicht stimmt! Unglaublich!
Quelle für Daten etc: "Coltrane Reference", 269-295
gypsy tail wind
21.06.2010, 18:35
Jazz Magazine, Fevrier 1962, N° 79, p. 31 (ca. die zweite Hälfte des Interviews, bis zum Ende)
[...]
-- Que pensez-vous de la "nouvelle vague" des altiste, Ornette Coleman, Eric Dolphy ?
-- Je n'aime pas ce qu'il font. Je ne peux pas dire si, musicalement, c'est valable ou non, car j'avoue que leurs buts m'échappent. J'ai beaucoup étudié la musique, les formes classiques de la musique, le contrepoint, les structures de la musique moderne dont se réclament certains de ces musiciens. Prenez Schoenberg : ses oeuvres ne mee séduisent pas mais je reconnais qu'elles expriment une parfaite logique. Certains de ses thèmes m'attirent mais je réprouve tout à fait la manière dont il les développe.
-- Comment expliquez-vous alors le succès remporté par ces musiciens ?
-- A mon avis, il est entièrement faux de parler de succès. Seule une très faible partie du public écoute et soutient ces musiciens. Les gens favorables à ceux-ci se sont d'ailleurs souvent persuadés à l'avance que la musique qu'ils vont entendre sera de premier ordre -- et elle ne peut en effet que l'être... Une telle attitude manque, selon moi, de fair play. Je me rappelle cette réflexion de Lou Donaldson : "Cannonball, nous avons étudié pendant des années la technique musicale, comment jouer dans le ton, comment construire des phrases qui swinguent, etc., et voici qu'arrive Ornette Coleman qui joue comme nous le faisions avant d'avoir passé des années à apprendre à ne plus jouer ainsi..."
-- Et Coltrane ?
-- Ah ! Coltrane, c'est autre chose ! Je ne le mets pas du tout dans ce groupe-là. Je connais très bien John, nous avons travaillé ensemble chez Miles; c'est un pur et un sincère, peut-être le seul chercheur original de son époque.
Interview recueillie par Philippe NAHMAN
Interessant... dass man die enorm starke Verwurzelung von Dolphy in Parker damals noch nicht hören konnte, überrascht irgendwie doch ein klein wenig!
Und dass Adderley ausgerechnet den extrem konservativ-arroganten Lou Donaldson als Gewährsmann anführt (na ja, ganz so schlimm wurde Poppa Lou wohl erst später, als ihm Ende der 60er dann auch langsam das Publikum wegfiel, nehme ich an).
Aber doch, diese äusserst respektlose Haltung gegenüber Coleman und Dolphy... dass die beiden auch jahrelang an ihrer Musik gearbeitet haben könnten, das kommt Adderley gar nicht erst in den Sinn!
Die Toleranz Coltrane gegenüber überrascht dann weniger, ich denke es ist nicht verwegen, zu sagen, dass dieser ihn in der Zeit bei Miles auch ziemlich stark geprägt hat.
Das Interview entstand aus Anlass des Bud Powell Albums "Portrait of Cannonball" (mit Don Byas und Idrees Sulieman), das Adderley zu der Zeit in Paris produziert hat (auf einer Columbia/Legacy CD erhältlich, die zudem einen Outtake enthält, auf dem Cannonball auch noch mitspielt). Von diesen Sessions gibt's im selben Heft ein paar schöne Fotos.
EDIT: da ich im Adderley Thread schon eine Übersetzung dieses Interviews gemacht habe, hier ist sie auch noch mal:
Frei übersetzt, ohne viele Wörter nachzuschlagen... aber im grossen ganzen sollte das nicht allzu verfälschend sein:
Jazz Magazine, Februar 1962, Nr. 79, S. 31 (ca. die zweite Hälfte des Interviews, bis zum Ende)
[...]
-- Wie denken Sie über die "neue Welle" von Altisten, Ornette, Dolphy?
-- Ich mag nicht, was sie machen. Ich kann nicht beurteilen, ob es musikalisch betrachtet gültig ist oder nicht, denn ich gebe zu, ich verstehe ihre Absichten nicht. Ich habe lange Zeit Musik studiert, die klassischen Formen der Musik, den Kontrapunkt, die Strukturen der modernen Musik, auf die gewisse dieser Musiker [der "neuen Welle" - gtw] sich beziehen. Nehmen wir Schönberg: seine Werke verführen mich nicht, aber ich erkenne dass sie Ausdruck einer perfekten Logik sind. Gewisse dieser Themen ziehen mich an, aber ich missbillige die Art und Weise, in der er sie entwickelt völlig.
-- Wie erklären Sie sich denn den Erfolg, den diese Musiker haben?
-- Meiner Meinung nach ist es völlig falsch, von Erfolg zu sprechen. Nur ein sehr kleiner Teil des Publikums hört und unterstützt diese Musiker. Die ihnen wohlgesinnten Leute sind überdies oft von vornherein überzeugt, dass die Musik, die sie hören werden, erstrangig sein werde - und daher kann sie auch nichts als das sein... Eine solche Einstellung lässt meiner Meinung nach Fair Play missen.
Ich erinnere mich an die folgende Aussage von Lou Donaldson: "Cannonball, wir haben während Jahren die musikalische Technik studiert, wie wir sauber intonieren können, wie man swingende Phrasen konstruiert etc., und da kommt nun Ornette Coleman dahergelaufen, der so spielt, wie wir gespielt haben vor diesen Lehrjahren, die ja gerade dazu dienten, nicht mehr so zu spielen..."
-- Und Coltrane?
-- Ah! Coltrane, das ist was ganz anderes! Ich ordne ihn keineswegs dieser Gruppe zu. Ich kenne ihn sehr gut, wir haben zusammen bei Miles gearbeitet; Coltrane ist rein und ehrlich, möglicherweise der einzige originelle Suchende seiner Zeit.
Aufgezeichnet von Philippe NAHMAN
gypsy tail wind
21.06.2010, 18:50
Jazz Magazine, Fevrier 1962, N° 79, p. 18f., aus der Rubrik "Noir sur blanc: Jugements et commentaires recueillis dans la presse internationale par Jean-Robert Masson
Elvin Jones a confié à Melody Maker : "Le style Dixieland ne m'a jamais intéressé. Lorsque je suis arrivé à New York, j'ai joué deux ou trois fois devant Benny Goodman en vue d'un engagement : ça n'a pas collé du tout, ce genre de musique m'échappait totalement. J'ai donc abandonné Goodman et j'ai rejoint Charlie Mingus et Teddy Charles. Avec Coltrane, j'ai une liberé complète d'expression : tout est affaire d'interprétation personnelle. Mais il est nécessaire de posséder un degré élevé de maîtrise de soi pour parvenir à cette liberté d'expression recherchée. N'importe quel batteur bénéficierait d'une liberté semblable à l'intérieur du groupe sinon Coltrane lui-même serait dans l'impossibilité de s'exprimer librement" Le même Elvin Jones à Jazz News: "J'ai passé des heures à écouter Max Roach et Kenny Clarke : ils m'ont aidé à comprendre de l'interieur un certain style. Je n'ai pas cherché à les imiter, mais à jouer dans un esprit voisin du leur, qui me paraît être la manière idéale d'accompagner à la batterie une formation instrumentale. Mes frères Hank et Thad m'ont souvent parlé du jeu des batteurs qu'ils rencontraient au cours de leurs déplacements; cela aussi m'a beaucoup aidé." Enfin, Coltrane a précisé à Melody Maker : "Les musiciens de ma section rythmique sont libres de jouer tout ce qu'ils veulent. Mc Coy Tyner joue au piano certaines choses que j'ignore avant qu'il les joue mais qui dérivent des accords. Le bassiste fonde son accompagnement sur l'accord de mi, qu'il traite de toutes les manières rythmiques possibles. Quant à Evlin Jones, il prent pour base le 3/4."
Aber doch, diese äusserst respektlose Haltung gegenüber Coleman und Dolphy... dass die beiden auch jahrelang an ihrer Musik gearbeitet haben könnten, das kommt Adderley gar nicht erst in den Sinn!
Danke! Habe mich beim Lesen des Interviews ständig gefragt, wer denn so etwas sagt? Adderley also. Ist wohl auf lange Zeit doch immer dasselbe mit den Alten und den Jungen.
redbeansandrice
21.06.2010, 19:56
dazu ein kleiner Exkurs Altsaxophonisten und ihre Geburtsdaten - das ist eine andere Art von Glaubenskrieg...
Lou Donaldson 1. November 1926
Lee Konitz 13. Oktober 1927
Eric Dolphy 20. Juni 1928
Julian Edwin „Cannonball“ Adderley 15. September 1928
Ornette Coleman 9. März 1930
dazu ein kleiner Exkurs Altsaxophonisten und ihre Geburtsdaten - das ist eine andere Art von Glaubenskrieg...
Lou Donaldson 1. November 1926
Lee Konitz 13. Oktober 1927
Eric Dolphy 20. Juni 1928
Julian Edwin „Cannonball“ Adderley 15. September 1928
Ornette Coleman 9. März 1930
Charlie Parker 29. August 1920
Sonny Stitt 2. Februar 1924
John Coltrane 23. September 1926
gypsy tail wind
22.06.2010, 14:24
Nachtrag: Birdland, 8. Oktober 1963: an diesem Tag wurde nicht nur der grösste Teil des Impulse-Albums Live at Birdland aufgenommen, fast fünfzig weitere Minuten an beinahe noch intensiverer Musik wurden dokumentiert: "Traneing In > Mr. P.C." und "Lonnie's Lament". Das hab ich mir soeben zum allerersten Mal angehört. Leider ist die Qualität der davon zirkulierenden Version nicht gerade grossartig, aber die Musik schon! Eine "Deluxe Edition" mit zwei CDs wäre wohl angesagt gewesen, damals als die "Deluxe Editions" von Coltrane und Ballads erschienen!
Der Schedule der Europa-Tournee:
22. Okt: Konserthuset, Stockholm (19:00 und 21:15)
23. Okt: Njardhallen, Oslo (20:00)
24. Okt: Kulttuuritalo, Helsinki
25. Okt: Tivolis Koncertsal, Kopenhagen (20:00)
26. Okt: Concertgebouw, Amsterdam (zwei Konzerte, bis nach Mitternacht)
27. Okt: Teatro dell'Arte, Mailand (geplant 16:30/21:30, effektiv ca. 19:00/22:00)
30. Okt: Fruchthalle, Kaiserslautern (20:00)
31. Okt: Kongresshalle, Frankfurt am Main (20:00)
1. Nov: Salle Pleyel, Paris (21:00)
2. Nov: Audimax, Freie Universität, Berlin (20:00)
3. Nov: Kongress-Saal, Deutsches Museum, München (20:00)
4. Nov: Mozart-Saal, Liederhalle, Stuttgart (20:00)
Zum dritten Mal geht das Coltrane Quartett auf eine Europa-Tournee mit Norman Granz.
Aufnahmen entstanden in Stockholm, Kopenhagen, Paris, Berlin und Stuttgart. Davon sind wieder grosse Teile auf der Live Trane - The European Tours Pablo/Fantasy 7CD-Box enthalten.
Gleich am ersten Tag in Stockholm wurde das komplette Konzert mitgeschnitten - es ist in voller Länge auf CD4 (#4-6) und der ganzen CD5 des Pablo-Sets zu hören, allerings ist "Mr. P.C." falsch programmiert (es ist in "Coltrane Reference" als Closer angegeben, folgt auf der CD aber nach "Traneing In" als zweites Stück - das wäre ja eine seltsame Setlist, die die beiden ähnlichsten Stücke nacheinander programmieren würde). Auschnitte davon wwaren zuvor auf dem Pablo-Album The European Tours greifbar.
Die Setlist bestand aus: Traneing In, Naima, The Promise, Spiritual, Impressions, I Want to Talk About You, My Favorite Things, Mr. P.C. - im Vergleich zu den 1962er Konzerten sind neu dazugekommen: "The Promise" (es wurde am 8. Oktober schon im Birdland aufgenommen und erschien auf Impulse AS-50) und "Spiritual" von den 1961er Village Vanguard Sessions.
"Traneing In" ist einiges kürzer geraten, beginnt aber wie gewohnt mit einem Klaviersolo. Dann folgt ein tolles Coltrane-Solo, kürzer und irgendwie gebündelter als sonst oft, vom Einstieg an völlig souverän. Weiter geht's mit "Naima" - sublim wie immer. Und dann kommen die neuen Songs: "The Promise" beginnt schon grandios, Elvin gibt mit starker Hilfe Garrisons den Beat vor und umschmückt ihn, derweil Tyner sehr swingend das erste Solo übernimmt (und - jetzt bin ich mir sicher, bei "Traneing In" hatte ich noch Zweifel - dazu in bester Jarrett-Manier mitmöhnt... also nicht mal das hat Jarrett selbst erfunden, he he he...). Nach etwas über viereinhalb Minuten steigt Coltrane mit dem Sopran ein, sein Ton klingt wunderbar hier, weich, voller, zumindest in den tiefen Lagen. Die Rhythmusgruppe kocht, und das Stück endet nach weniger als sieben Minuten, kurz und präzis - ein Highlight! Es folgt "Spiritual" auf dem Tenor - wunderbar, wie Coltrane mit der Rubato-Einleitung in wenigen Tönen die Stimmung schafft. Das langsame Walking-Tempo gefällt Elvin Jones ausserordentlich und langsam beginnt er, immer mehr zu "füllen", Tyner spielt teilweise fast drohnenartige, einfache Akkorde - das nächste Highlight! Weiter geht's mit "Impressions", das mit dem erwarteten, intensiven Coltrane-Solo auftrumpft. Spätestens in "I Want to Talk About You" - mit grandioser Solo-Kadenz am Ende - wird endgültig klar, dass Coltrane seine Probleme mit dem Ton/dem Mundstück gelöst hat, er klingt wunderbar und absolut sicher. Das hindert ihn aber nicht, bei Stücken wie "Impressions" oder "Traneing In" diesen etwas weniger festen, etwas... unsteteren?... Ton beizubehalten, wie man ihn etwa ein Jahr zu vor schon hören konnte. Er hat möglicherweise aus der Krise heraus seine klangliche Palette erweitert. Zum Abschluss folgt "My Favorite Things", mit 14 Minuten auch eher kurz gehalten - und wieder klingt Coltranes Sopran voll und weich, zumindest am Anfang, vor er die Intensität hochschraubt. Als allerletztes Stück folgt dann noch "Mr. P.C.", das einzige Stück dieses Konzertes, das eher zwanzig als 10-14 Minuten dauert. Nach Tyners Solo, ist Elvin Jones zu hören, und dann steigt Coltrane ein mit einem intensiven Solo, unter dem Elvin mehr oder weniger weitersoliert. Anfangs spielen auch Tyner und Garrison mit, doch dann ensteht ein beinahe Free-Form-Duett, in dem auch der - ohne, dass ein fester Beat ganz aufgegeben würde - der Swing nicht weitergezogen wird. Es folgt ein kurzes Wiederaufgreifen des Themas... und Exit. Unglaublicher Abschluss!
The second concert was reviewed in Orkester Journalen ("Inspired Coltrane Concert," by Lars Werner, Nov. 1963 [translated from the Swedish by Martin Paludan-Müller]):
John Coltrane's second Stockholm concert on October 22 turned out to be one of the best ever given by the quartet. Power and inspiration fused in a process of musical creation of the utmost tension. [...] Coltrane and Elvin Jones [performed several] long duets where incredible things happened. My only possible [criticism of Jones] is that he hardly ever leaves his cymbals; even touches at various rums are indicated by strokes at the cymbals, giving his playing a uniform character that easily overpowers the sound of the other musicians. In this respect his solo on "Mr. P.C." was ideal, and one hopes to find more or such qualities in his accompaniment [in the future].
[...] McCoy Tyner seems to have taken a definitive step forward as a soloist. [...] A gem were his chord melodies behind Coltrane in Billy Eckstine's pretty ballad "I Want to Talk About You"; in this piece Coltrane played an outstandting solo coda.
A remarkable alteration has happened [in Coltrane's playing], from the Indian-Arabic to a Debussy-Ravel influence, [particularly] in "My Favorite Things" where the long soprano cadences often sounded as though taken directly from some Debussy composition for woodwind instruments.
While in Stockholm, Coltrane purchased or was given an Albert Ayler record (Hultin, 2000, p. 161). This have been Something Different[/B] (BIrd Notes BNLP 1), Ayler's first record, recorded by Swedish musician Bengt "Frippe" NNordstrom and released on his private record label.
~ Coltrane Reference, 286
Am 23. Oktober hat Randi Hultin Coltrane vor dem Konzert in Oslo in seinem Hotel interviewt und ihn nach dem Konzert in ihr Haus eingeladen (wo Coltrane das Gästebuch signiert und mit den eröffnenden Takten von "Naima" verziehrt hat). In der Pause hat Hultin die vier Musiker photographiert (Thomas, 1975, gegenüber S. 89).
Anscheinend kamen Jones' Drums zu spät und er musste sie vor dem Publikum aufstellen: "Elvin had to unback uand set up his kit, not only in front of the audience - but with Coltrane looking on as well. He leaned relaxedly against the grand piano and waited patiently while Elvin set up. Not a word was spoken." (Hultin, 2000, 161, nach: Coltrane Reference, 287).
Am 25. Oktober enstanden in Kopenhagen die nächsten Aufnahmen. Sie sind auf diversen Bootlegs greifbar, nichts davon erschien in der Pablo-Box. Die Setlist der erhaltenen Stücke: Mr. P.C., Impressions (inc), The Promise, Afro Blue, Naima, MFT.
Neben "The Promise" taucht ein weiteres neues Stück auf, "Afro Blue". Los geht's mit "Mr. P.C.", zuerst Tyner, dann ein langes Garrison-Solo, dann Jones, und dann diesmal direkt the Coltrane/Jones-Dialog. Das ganze dauert fast 24 Minuten! "Impressions" enthält wieder ein langes Bass-Solo von Garrison, das nachfolgende Coltrane-Solo ist dann leider unvollständig, da das Stück nach 19.5 Minuten abbricht, als Coltrane noch mitten im Flug ist. Es folgen "The Promise" und "Afro Blue", mit ca. 10 bzw. unter 9 Minuten wieder kurz und kompakt, im ersten glänzt Tyner mit einem tollen Solo zu Beginn, "Afro Blue" lebt vom ausserordentlich intensiven Groove Elvin Jones'. Coltrane glänzt auf beiden mit durchdachten, wunderbaren Sopransax-Soli. Es folgt ein schönes "Naima" und 17 Minuten "My Favorite Things", wie üblich mit tollen Soli von Tyner und Coltrane.
Das Konzert aus Paris vom 1. November wurde wieder mitgeschnitten - zwei Stücke erschienen auf Pablo-Alben und sind jetzt in der Live Trane-Box zu finden, zwei weitere zirkulieren - die Setlist: Afro Blue, poss. The Promise, I Want to Talk about You (alle drei nicht erhalten), Impressions, MFT (Pablo), Everytime We Say Goodbye, Mr. P.C. (Pablo). Das Stück "Chasin' the Trane", das manchmal diesem Konzert zugeschrieben wird, ist laut "Coltrane Reference" von einem unbekannten Konzert dieser Tour ("Aural evidence suggests that this performance is from the 1963 Europe tour." Coltrane Reference, 691).
Der Kritiker von [I]Le Monde fand das Konzert bis auf die langweiligen Bass-Soli toll. für Jazz Hot hat Jef Gilson eine Besprechung verfasst.
"My Favorite Things" vom Live Trane Set ist klasse, mit 24 Minuten die längste Version von dieser Tour (die kürzeste ist etwas mehr als halb so lange - das spricht wohl dafür, dass die Gruppe sich einige Freiheit nahm im Verlauf der Konzerte). "Mr. P.C." dauert auch "nur" 26:28 (die Stuttgarter Version sollte hier alles toppeln mit beinahe 36 Minuten). Garrison spielt sein Solo zuerst arco, wechselt dann zu pizzicato, aber richtig ab geht's dann mit Coltrane! Neben den beiden offiziell veröffentlichten Stücken existieren eine kurze Aufnahme von "Everytime We Say Goodbye" (das während dieser Tournee sonst nur in Stuttgart aufgenommen wurde) und eine lange (fast 23 Minuten) von "Impressions".
Die von einem dieser Konzerte stammende Version von "Chasin' the Trane" dauert etwas über fünf Minuten und bringt einmal mehr konzentriertesten Coltrane am Tenor, im Singsang-Modus, mit äusserst lebendiger Begleitung von Elvin Jones. Die Aufgabe des time keeping muss Jimmy Garrison fast alleine erfüllen. Tyner setzt wie üblich in diesem Stück aus, legt nur am Ende ein paar Akkorde.
Am 2. November spielte das Quartett in Berlin, die Aufnahme war auf dem Pablo Doppel-Album Afro Blue Impressions greifbar und ist jetzt die abschliessende in der 7CD-Box. Diesem Konzert wird überdies auch die letzte Aufnahme des 7CD-Sets, ein 27-minütiges "Impression" zugeschrieben (auch das bleibt aber unsicher). Die Setlist: Lonnie's Lament, Naima, Chasin' the Tranee, MFT, Afro Blue, Cousin Mary, I Want to Talk About You, ev. Impressions.
Eine Kritik aus dem Tagesspiegel (6. Nov. 1963, von "G.G.") redet von einer Orgie und fährt auf der Rassen-Schiene (so explosive, kraftvolle Musik gebe es von Weissen nicht). Auch zum Münchner Konzert vom 3. November wird ähnliches geschrieben (SZ, 6. Nov. 1963, S. 6, von einem H. Krammer): "You cannot help feeling that this Mr. Coltrane - acting on stage so apathetic - mercilessly gets even with us, with the world of white people. The traditional relationship between artist and listener is broken; it is probably all the same to John Coltrane whether we like his music or not." Ziemlich dämliche Kritiker am Werk...
Die Aufnahme beginnt sehr lyrisch mit "Lonnie's Lament", einem Stück, das später auf Crescent, einem der allerschönsten Coltrane-Alben, erschienen würde. Es folgt "Naima" und dann schaltet Coltrane einen Gang höher mit einem weiteren kurzen "Chasin' the Trane", gefolgt von einem langen "My Favorite Things". Weiter geht's mit "Afro Blue", "Cousin Mary" (tolles Tenor-Solo!), "I Want to Talk About You", und zum Ende (zugleich das letzte Stück der Live Trane-Box) folgt "Impressions", 27 Minuten lang. Die neuen Stücke dieser 1963er Tour - "Afro Blue", "The Promise", "Spiritual" - haben "Impressions" etwas ins Abseits gedrängt, dabei war es das grosse Highlight der 1962er Tour. Hier, zum Abschluss, wird es allerdings wieder in sein Recht eingesetzt; Tyner setzt die Stimmung in einem langen, streckenweise akkordisch gespielten und äusserst intensivem Solo, dann folgt Garrison, dem man auf diesen Live-Aufnahmen förmlich beim Wachsen zuhören kann - er spielt ein sehr langes, wunderbares Solo! Es folgt der Dialog von Coltrane/Elvin, der in Sachen Intensität 1963 wohl seinesgleichen suchte! Mit diesem Highlight klingt die Pablo-Box aus (das Stück ist übrigens auf keiner LP zu greifen und soweit "Coltrane Reference" vertrauenswürdig ist, auch auf keinem Bootleg zu greifen).
Am 4. November schliesslich fand in Stuttgart das letzte Konzert im Rahmen der "Treffpunkt Jazz"-Reihe statt. Es wurde vom SDR mitgeschnitten. Die Setlist: The Promise, Afro Blue, I Want to Talk About You, Impressions, MFT, Everytime We Say Goodbye, Mr. P.C. Die beiden längsten Stücke, "Impressions" und "Mr. P.C." gehören zu den "most extraordinary of all Coltrane recordings. This important concert deserves to be released in its entirety through official channels." (Coltrane Reference, 698) - ein Urteil, dem ich mich nur anschliessen kann! Die Aufnahme beginnt mit "The Promise" und "Afro Blue", beide recht kurz gehalten, swingend. Dann folgt eine der schönsten Versionen von "I Want to Talk About You", die ich aus Coltranes Werk kenne, mit einer fast fünfminütigen Solo-Kadenz. Die erste Hälft schliesst dann mit fast 29 Minuten "Impressions" - wieder folgt auf Tyner ein sehr eindrückliches Bass-Solo, mit double stops und Anklängen an die Spielweise einer Flamenco-Gitarre, wie Garrison sie in den kommenden Jahren zu grosser Meisterschaft entwickeln würde. Coltrane spielt einmal mehr ein unglaubliches Solo über Jones' Begleitung. Linien lösen sich auf zu Fragementen, zu "cries", äussert vokal. Dann "My Favorite Things", das nie fehlen durfte, eine schöne Fassung von "Everytime We Say Goodbye", und zuletzt "Mr. P.C.", das diesmal fast 36 Minuten dauert. Tyner soliert ausgiebig, Garrison/Jones bringen die Musik schon fast zum Siedepunkt. Nach ca. 7 Minuten beginnt Garrison völlig unbegleitet sein Solo - mit dem Bogen. Er geht dann in pizzicato über, und nach 11 Minuten steigt die ganze Band ein und Jones beginngt sein Solo. Coltrane soliert dann für die letzten ca. 20 Minuten, zuerst im Quartett, dann im Duett mit Elvin Jones... und die Musik endet - oder gar die Welt?
Quelle: Coltrane Reference, 286-290 & 691-700
Das Stuttgart-Konzert ist komplett unveröffentlicht? Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele großartige Aufnahmen in deutschen Rundfunkarchiven schlummern (und vergammeln). Die müssen endlich mal veröffentlicht werden.
gypsy tail wind
22.06.2010, 19:35
Das Stuttgart-Konzert ist komplett unveröffentlicht? Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele großartige Aufnahmen in deutschen Rundfunkarchiven schlummern (und vergammeln). Die müssen endlich mal veröffentlicht werden.
Nein, komplett nicht, es ist teilweise auf diveresen Bootlegs zu finden, aber natürlich NICHT die beiden Highlights, "Mr. P.C." und "Impressions"!
Das Veröffentlichen solcher Radio-Aufnahmen scheint allerdings rechtlich heute äusserst schwierig geworden zu sein - fast nur die Inhaber der Rechte selbst können das heute (nebst Bootleggern) noch bewerkstelligen. (Laurie Pepper hat z.B. kürzlich das 1981er Konzert von Art aus Stuttgart veröffentlicht.)
katharsis
22.06.2010, 20:00
Schön, dass er hier weiter geht.
Zwei Dinge vielleicht noch. Ich finde wirklich, dass man das Interesse und die Leidenschaft spürt und das ist mitunter auch recht spannend zu lesen. Nur gibt es durchaus auch Passagen, "wo die Pferde durchgegangen sind", wo einfach viel Text, viele Fakten zu verdauen sind und das hemmt den Lesefluss. In diesem Sinne wäre ich durchaus auch für eine Portionierung, oder auch eine Teilung. Darunter soll dann aber bitte keinesfalls der Enthusiasmus leiden, ganz im Gegenteil - andere sollten zum mitmachen angeregt werden.
Ich für meinen Teil muss dann noch anfügen, dass mich Coltrane chronologisch und lückenlos nicht unbedingt interessiert. Das erklärt dann auch meine fehlende Beteiligung und das etwas laxe mitlesen.
Ich finde es aber - um das zum Abschluss zu bringen - positiv, dass andere sich zumindest zu Wort melden und darauf aufmerksam machen, dass ihr Wille zur Beteiligung aus angegebenen Gründen leidet.
So. Weitermachen. :sonne:
Überflüssige Aufregungen versickern wohl leider nicht so schnell wie sie kommen.
Befremdet mich sehr, Leidenschaft einzufordern und sie nicht zu geben; nur mitzulesen, aber sich nicht darauf zu beschränken (wenn sonst nichts gesagt wird) - und Schwierigkeiten bei der Lektüre sind immer möglich, aber es sind Schwierigkeiten des Lesers oder der Forumseinrichtung. Technisch kompliziert ist heute wohl nicht allzu viel: also warum keine pdf-Funktion, sodass längere Beiträge schön ausgedruckt werden können, um den Augen zu schmeicheln?
Simplement: Wer lesen will, liest. Wer nicht, nicht. Aber warum und wozu Beschwerden über die Länge des Gelesenen? Wirklich erstaunlich.
gypsy tail wind
22.06.2010, 22:52
Es gibt nicht allzu viele Film-Aufnahmen von Coltrane und manche davon sind in gar schlechter Qualität - lohnenswert sind sie jedoch alleweil und sei's nur als Dokumente dieser zentralen Figur der Musik des 20. Jahrhunderts. Der Reihe nach...
Mitte Oktober 1950: Hollywood Palladium, Los Angeles (mit Dizzy Gillespie)
Die Aufnahmen sind anscheinend verloren. Neben Gillespies Quintett spielten die Ray Anthony Big Band und Helen Forrest, sowie Art Tatum solo.
18. November 1955: Steve Allen - Tonight, NYC (mit Miles Davis)
Audio von den zwei Stücken ist auf der Bonus/4.-CD des "Legendary Quintet" Fantasy/Concord-Sets zu hören. Video scheint nicht überliefert zu sein.
2. April 1959: Robert Herridge - The Sound of Miles Davis, NYC
Eine grossartige leider nur 25-minütige Dokumentation und im kleinen wohl eine Summe dessen, was Miles bis dahin erreicht hatte. Das Quintett spielt "So What" (Adderley war krank, am Piano sass Wynton Kelly), das in der Einleitung und vor dem Bass-Solo von Gil Evans' Orchester sanft umrahmt wird. Dann spielt Miles mit dem Orchester (ohne Coltrane) drei Arrangements vom Album "Miles Ahead", dem ersten, das er und Evans für Columbia aufgenommen hatten.
"So What" ist eine tolle Aufnahme, Coltrane spielt hier schon einiges sicherer, konstruiert mit grosser Ruhe ein tolles Solo.
Späte 50er/frühe 60er: Home-Videos von Naima (19 Sekunden hiervon oder von sonst was ähnlichem in Episode 10 von Ken Burns Jazz)
28. März 1960: Coltrane, Stan Getz und Oscar Peterson spielen im Rahmen einer Norman Granz Session in Düsseldorf ein paar Stücke ein. Leider kenne ich hiervon nur die Ton-Aufnahmen (die beiden Teile wurden im WDR am 27. August 1960 und im ZDF am 24. Oktober 1961 gesendet).
Ca. frühe 60er: Im Dokfilm Recollections of a Jazz Witness: A Portrait of Prophet Jennings gibt's kurze stumme Ausschnitte, in denen man Coltrane auf Jennings' Sofa sitzen sieht und anscheinend anfangen will, Tenorsax zu spielen.
(Jennings hat das Cover für Dolphys "Outward Bound" gemacht und ich glaub ihm ist auch Kenny Dorhams Stück "The Prophet" gewidmet?)
Ca. 1960er: Der Photograph Burt Goldblatt erwähnt in einem Interview (http://angelynngrant.com/writing/GoldenAge.html), dass er von vielen Musikern, die er photographiert habe, auch stumme "footage" besitze, so auch von Coltrane.
3.-11. Oktober 1961: PM East/PM West TV-Show aus dem Club Renaissance, Los Angeles, mit Coltranes Quintett. Aufzeichnungen davon sind wohl nicht erhalten.
4. Dezember 1961: Jazz - Gehört und Gesehen, Südwestfunk TV Studio, Baden-Baden.
Für Joachim Ernst Berendts Sendung spielt das Quintett mit Dolphy drei Stücke ein: "My Favorite Things", "Everytime We Say Goodbye" (ohne Dolphy) und "Imrpessions" (zu dieser Zeit noch als "Excerpts" angesagt). Unter dem Abspann spielt die Rhythmusgruppe noch einen kurzen Blues.
Berendt drechselt die unsinnige aber doch irgendwie bemerkenswerte Phrase der "In-sich-Verspanntheit seiner Improvisationen".
Dieser Mitschnitt ist wie die Sendung über Miles ein Dokument erster Güte!
19. November 1962: Konserthuset, Stockholm.
Das einzige Film-Dokument der zweiten Europa-Tour fällt kürzer aus, vom Balkon gefilmt sieht man das Quartett "I Want to Talk About You" spielen - noch die kürzere Version ohne Solo-Kadenz, leider. Elvin Jones ist sehr schön zu sehen.
2. Dezember 1962: Mailand
Auf Photos sind TV-Kameras zu sehen, auch Norman Granz' Unterlagen legen nahe, dass RAI anwesend war. Leider sind die Aufnahmen wohl verloren.
7. Dezember 1963: Jazz Casual, KQED-TV Studios, San Francisco
Für Ralph J. Gleasons grossartige Sendungs-Reihe spielt das Quartett drei Stücke: "Afro Blue", "Alabama" und "Impressions" (leider unvollständig, aber immerhin 14 Minuten lang).
Ein Interview gibt's nicht - Gleason sagt, Coltrane sei der Meinung, die Musik spreche deutlicher als Worte und er, Gleason, schliesse sich dem an, er sei überdies der Meinung, Alben sollten keine Liner Notes haben, selbst dann nicht, wenn er sie geschrieben habe... der Mann ist cool!
Auch das ist ein Dokument erster güte und neben der 1959er Aufnahme von Miles wohl die am leichtesten greifbare Sendung von/mit Coltrane. In "Afro Blue" macht es grossen Spass, Elvin Jones über die Schultern zu schauen. Auch der heilige Ernst Coltranes beim Spielen kommt sehr schön zum Ausdruck. Und in "Impressions" hört man tolle Soli von Tyner und Garrison.
Ein aside: es ist schön, zu sehen, wie unprätentiös damals noch TV gemacht werden konnte... das Studio hier oder 1959 mit Miles kommt gänzlich ohne Plastik-Kulissen und Hochglanz-Idiotie daher, man sieht die anderen Kameras im Bild, Gleason steht während der Musik (wie immer Pfeife rauchend) ans Klavier gelehnt... auch die Kleidung der Musiker lässt eher an eine gefilmte Probe denken - alles sehr sympatisch.
1964-67: es existieren zahllose 8mm Home-Videos von John & Alice Coltrane aus ihrem Haus in Dix Hills, NY.
26. Juli 1965: ORTF-Broadcast vom Festival International du Jazz Antibes-Juan-les-Pins.
Das Konzert wurde in voller Länge mitgeschnitten, Video existiert von "Acknowledgement" und der ersten Hälfte von "Resolution". Als Audio wurde dieses grossartige Konzert auf der zweiten CD von "A Love Supreme (Deluxe Edition)" erstmals legitim veröffentlicht. Ich kenne nur die Film-Ausschnitte vom folgenden Tag.
27. Juli 1965: ORTF-Broadcast vom Festival International du Jazz Antibes-Juan-les-Pins.
"Naima" und "Ascension" (als "Blue Valse", inc) geben einen guten Eindruck vom Quartett im Sommer 1965 - sehr eindrückliche Musik! Anscheinend wurde auch das Bass-Solo und das darauf folgende "Impressions" gefilmt, kenn ich aber nicht. Das Quartett spielt in der mediterranen Sommerhitze im Smoking!
1. August 1965: RTBF-Broadcast, Comblain-la-Tour Jazz Festival.
Das dürfte wohl das längste Film-Dokument von Coltrane sein, fast 38 Minuten vom Quartett in voller Blüte. Im eröffenenden "untitled original" gibt's gleich ein langes Coltrane/Jones Duett, es folgt "Naima" und dann 21 Minuten "My Favorite Things". Grossartig! Diese Aufnahmen dokumentieren wohl etwa das äusserste, wozu das "classic quartet" fähig war, unglaublich intensive Musik!
2. Juli 1966: Newport Jazz Festival.
Hiervon existieren anscheinend nur ein paar kurze stumme Farb-Aufnahmen, gemacht von Hozumi Nakaida. Insgesamt ca. 7 minuten "home video".
Audio von diesem Konzert existiert allerdings - dazu später.
gypsy tail wind
27.06.2010, 17:24
Dieses Jahr ist sehr arm an Aufnahmen - aber es enstand im Dezember der Meilenstein A Love Supreme und im Frühling/Sommer das wunderbare Album Crescent, auch das eins von Coltranes allerschönsten.
8. Januar: Elvin Jones nahm an Andrew Hills Session für "Judgement" (Blue Note) teil.
15. Januar: Elvin Jones nahm an einer unveröffentlichten Sonny Rollins RCA-Session teil (mit Herbie Hancock und Bruder Thad Jones).
17.-30. Januar: Half Note, NYC
(Gäste, die während dieses Gigs mit dem Quartett spielten: Eric Dolphy, Archie Shepp, Albert Ayler, Freddie Hubbard, Pharoah Sanders, John Tchicai, Sunny Murray)
From January 1964 to May 1965, the Coltrane Quartet played eight gigs totaling more than fourteen weeks at the Half Note, culminating in the spring 1965 gigs that yielded four radio broadcasts. During the legendary January 1964 gig (unrecorded, unfortunately - the Half Note didn't begin radio broadcasts until Dec. 1964), Ornette Coleman sat in on trumpet (Down Beat, Mar. 12, 1964, p. 8), and we have an anecdotal report that Eric Dolphy, Archie Shepp, Albert Ayler, Freddie Hubbard, and Pharoah Sanders also sat in (from Gerald "Splivy" McKeever, interview, late 1973, broadcast on WBUR-FM, with Charlie Perkins [Porter, 1998, p. 371]; it's possible that this account refers to other Half Note gigs in 1964-1965 as well).
Marzette Watts may have been referring to this gig in an interview published in Cadence (Aug. 1998, p. 14) in which he describes Eric Dolphy and Albert Ayler sitting in for Coltrane, who wasn't feeling well (the interview was conducted May 7, 1997, in Santa Cruz, California; Marzette Watts dies in Mar. 1998):
John Coltrane [...] had started to take ill in the middle of some of his performances. He had a deal with Eric Dolphy to come in and finish the gig if he couldn't play. We were sitting in the Half Note, sometime in '63, I think, and John wasn't feeling well. [Coltrane wasn't at the Half Note in 1963; Watts returned from Europe in 1963, and the gig he describes was after that, so he's referring either to this gig of to the Mar. 13-Apr. 2, 1964, Half Note gig.] So he called Eric, and Eric walks in with this strange little man with a green leather suit on. John was bent over, wrapping his soprano sax in a towel, and putting it in his tenor case, and Eric motioned for this little guy to come up. Well, they must have played for 45 minutes to an hour, and John stayed in that position, that's how shocked he was with Albert. The sound stayed on in my ear for two weeks! [...] [Ayler and Dolphy] had been practicing all day, probably down in that loft on Jefferson Street; you could tell they had been playing together. It was incredible, I've been waiting for years to hear some tapes of that.
~ Coltrane Reference, 299
Zu Sunny Murray, der bei diesem oder einem späteren Gig im Half Note für Elvin Jones eingesprungen ist, kann man hier das Interview nachlesen, das Dan Warburton im November 2000 mit Sunny Murray geführt hat:
http://www.paristransatlantic.com/magazine/interviews/murray.html
Hier ist der Auschnitt über Murray mit Coltrane:
I'll tell you the truth – John wanted somebody to play next to Elvin, and I turned him down. I had played with John three times in 1964, and the closest Elvin came to losing his job was me taking it. Buzz buzz the grapevine buzz buzz Sunny Murray's gonna be playing with John... At that period Elvin was getting high and shit, he'd get off the bandstand and his first wife – big tall white chick, real vampire junky – she'd be at the door... “Baby c'mon here...” And Jimmy Garrison saying “Motherfucker, you can't just go...” John asked me to sit in that first time because Elvin was arguing with Jimmy – Albert was with me – John came over quietly and said, “Sunny, how you doing? Would you like to play?” But Elvin was playing so great that night, it froze me in my tracks. After he jumped and ran Albert said “You still wanna do this?” I said, “Yeah...” And we played, man. McCoy sounded different, Jimmy was singing with me... it worked. Elvin came back and was sitting there with a drink and he was enjoying himself! I came off the stand and we had a drink together and we became buddies. He calls me Big Man ever since. I took John to a little festival Archie had put together at the Dome on St. Mark's Place, and there Milford was playing, Roger Black was playing and Rashied was playing... John said, “You wanna play some, Sunny?” I said, “I'm gonna show you something John about acoustics.” Roger Blank let me on his drums while Milford and Rashied were still playing, and when I started you couldn't hear nobody but me. I was using what Helmholtz calls “sound displacement”... a big sound displaces a small sound, like that story I told you about the siren. Later I told John “Elvin never let nobody play with you but me, and I'm never gonna lose the friendship I have with him... You're gonna make him hate me.” John sat there quietly and said, “Sunny, I hear a thousand rhythms...” Cecil was there, Leroi Jones was there and Jean Phillips was there when he offered me the job, if there's anybody out there don't believe me, they were there.
Am 4. Februar waren Elvin Jones und Tyner für dessen "Today and Tomorrow" (Impulse) im Studio (mit John Gilmore!).
5.-16. Februar: McKie's Chicago, IL
17.-24. Februar: Casa Loma, Montréal, Quebec
19. Februar: Die am 7. Dezember 1963 aufgezeichnete Folge von Jazz Casual wurde ausgestrahlt.
Porter (1998, 371) schreibt, Coltrane sei um diese Zeit in Toronto gewesen - in Coda finden sich dafür aber keine Hinweise ("Coltrane Reference", 301).
13. März - 2. April: Half Note, NYC
From Down Beat ("The Columnist and the Club," by Ira Gitler, May 21, 1964, p. 13): "There has been more than one complaint from the critics and public about [John Coltrane's] 45-minute (sometimes longer) solos and two-hour sets. Though it is questionable that any musician can be creative for the lengths of time Coltrane imposes upon himself, his sidemen, and his listeners, he does have an audience. They flocked to New York's Half Note in such numbers during his first 1964 stay there that he was booked again for three weeks in March." At a time when the critics were worried that jazz was losing its audience, it might have been more productive for them to spend less time complaining about the length of Coltrane's solos and more time noticing how large and intensely devoted his audience was.
~ Coltrane Reference, 301
Am 6. April nahm Elvin Jones an einer der Sessions für Gil Evans' "The Individualism of Gil Evans" (Verve) teil.
Am 8. April hielt Malcolm X eine Rede im "Militant Labor Forum" in Manhattan. Dies ist wohl die Rede Malcolm X', von der Coltrane im Interview mit Frank Kofsky spricht ("Coltrane Reference", 301).
Am 10. April nahmen Tyner und Jones an der Session für Joe Hendersons "In 'n Out" (Blue Note) teil.
13.-18. April 1964: Showboat, Philadelphia, PA
(anscheindend existieren hiervon Aufnahmen, aber die sind nicht mal in "Coltrane Reference" detailliert verzeichnet, da die Autoren sie auch nicht kennen)
26. April: Five Spot, NYC
From Down Beat (June 18, 1964, p. 8): "The last of four Five Spot benefits for the downtown branch of the Congress of Racial Equality featured tenor saxophonists: John Coltrane, Joe Farrell, Al Cohn, and Farrell Saunders. The first two had their own group, but Cohn played with a pickup rhythm section, and Saunders combined with alto man Bobby Brown in a hastily improvised quintet that subbed at the last minute for Sonny Rollins. Vocalist Sheila Jordan also did a set, and drummer Frankie Dunlop, who played with the [Joe] Farrell group, opened the program with impersonations and impressions." Coltrane was not at the previous benefit on April 19, as had been tentatively announced in Down Beat (Apr. 23, 1964, p. 12).
~ Coltrane Reference, 302
27. April - die erste Session für das erste der beiden grossartigen Alben, die Coltrane in diesem Jahr aufnimmt, fand wie üblich im Studio von Rudy Van Gelder statt.
Crescent (Impulse AS-66) gehört für mich zu den allerschönsten Alben Coltranes überhaupt. Coltrane spielt nur noch Eigenkompositionen und nur noch Tenorsax und schafft eine unglaublich schöne, konzentrierte und zugleich lockere, offene Atmosphäre. Die Session beginnt mit einem frühen Take des Titelstücks, das mit Rubato beginnt und endet und äusserst effektiv in einen mittelschnellen 4/4 wechselt, den Jones meisterlich ausschmückt. Coltrane ist der einzige Solist, zuerst mit der ganzen Rhythmusgruppe, dann im Trio ohne Tyner, und schliesslich gegen Ende setzt auch kurz Garrison noch aus. Dann folgt zum Abschluss nochmal eine längere Rubato-Passage. Sehr schön - aber noch nichts weiter als ein erster Versuch...
Dann enstanden drei Master Takes: "Lonnie's Lament", "The Drum Thing", und das Highlight des Albums, "Wise One". Auf "Lonnie's Lament" ist Coltrane nur zu Beginn und am Ende mit dem Thema zu hören, solistisch gehört das Stück ganz Tyner und Garrison. Tyner spielt mit grosser Eleganz und Garrison spielt eins der schönsten unbegleiten Soli seiner ganzen Karriere. "The Drum Thing" gehört dann erwartungsgemäss fast ganz Elvin Jones. Coltrane spielt am Anfang und Ende das lyrische, sehr getragene Thema, dazwischen hören wir ein auch sehr lyrisches, langes Schlagzeugsolo von Jones, der die getragene Stimmung des Stückes keine Sekunde lang durchbricht. Dann "Wise One" - unglaublich schön! Coltranes Thema klingt auch hier wieder wie ein vorgetragenes Gedicht (anscheinend hätten alle Stücke von "Crescent" ihren Ursprung in - nicht erhaltenen - Gedichten gehabt, wie dann auch der vierte Teil von "A Love Supreme"). Nachdem das Thema zweimal gespielt wurde, fällt die Rhythmusgruppe in einen sanften Latin-Beat, Garrison erinnert mit seinen rhythmisierten Linien an Workman zu Zeiten der "Africa/Brass"-Sessions, Tyner spielt getragen, setzt mit der linken Akzente... und Jones... das Stück kann ich jederzeit mehrmals nacheinander hören, schon nur, um Jones zuzuhören! Coltrane setzt getragen ein, wie Tyner, konstruiert dann ein kurzes, meisterhaftes Statement, das mit Wiederholung und Verdichtung an Intensität gewinnt, bis sich das Stück wieder im Rubato auflöst. Diese neun Minuten gehören für mich zum allerschönsten in der grossen Welt der Musik und Kunst!
Am Ende der Session entstanden nochmal zwei kurze Outtakes: eine unvollständige Version von "Bessie's Blues", dem "straightesten" Stück des Albums, sowie eine frühe Version von "Song of Praise" (das Stück wurde dann im Jahr darauf für das Album "The John Coltrane Quartet Plays..." aufgenommen). Die drei Outtakes sind übrigens nur auf dem 8CD Set "The Classic Quartet - Complete Impulse! Studio Recordings" zu hören (die beiden kurzen Stücke waren auch auf einem nicht-kommerziellen Promo-Sampler für die Box zu hören). Wie schön wäre es, wenn in Ravi Coltranes Archiv noch mehr auftauchen würde und auch von diesem Album eine "Deluxe Edition" entstehen könnte! dream on, dream on...
Trivia: "Wise One" war anscheinend das letzte Stück, das Coltrane seiner ersten Frau Naima gewidmet hat. Im Frühling 1964 lebte er im Hotel.
Vom Juli 1964 bis zu seinem Tod drei Jahre später lebte Coltrane dann in Dix Hills, Long Island, NY. Alice blieb mit den Kindern bis 1972 dort. 2004 wurde das Haus vor dem Abruch gerettet und von der Stadt Huntington, NY gekauft.
Mehr dazu hier: http://thecoltranehome.org/
Am 29. April waren Tyner und Jones mit Reggie Workman im Studio mit Wayne Shorter: "Night Dreamer" (Blue Note).
1. Mai: J.J. Johnson nahm mit Tyner und Jones sein Impulse-Album "Proof Positive" auf.
5. & 6. Mai: Elvin Jones nahm an den Verve-Sessions von Bill Evans und Stan Getz teil (auf der ersten spielt zudem Richard Davis, auf der zweiten Ron Carter).
Am 20. Mai nahmen Tyner und Jones mit Grant Green dessen "Matador" auf (Blue Note).
22. Mai - 4. Juni: Half Note, NYC
Am 25. Mai war Jones erneut für "The Individualism of Gil Evans" im Studio.
Am 26. & 27. Mai nahm Jones an den Aufnahmen für "Bob Brookmeyer and Friends" (Columbia) teil - mit Stan Getz, Herbie Hancock, Gary Burton und Ron Carter.
1. Juni: die Master Takes von "Crescent" und "Bessie's Blues" entstanden - damit waren die Aufnahmen für Crescent (AS-66) abgeschlossen. Das Titelstück ist etwas kürzer als die frühe Version, Coltrane soliert zuerst mit Tyner, dann über Bass/Drums. Coltranes Solo ist ein weiteres Highlight dieses Albums!
"Bessie's Blues" lebt einmal mehr von Jones' intensivem midtempo 4/4 Swing. Das Stück ist ein einfacher Blues, Coltrane spielt hart und drängend, streckenweise erinnert er hier an seine Aufnahmen aus den 50er Jahren (ohne sheets of sound, allerdings).
Am 12. Juni waren Tyner und Jones mit Grant Green im Studio: "Solid" (Blue Note).
Am 29. Juni starb Eric Dolphy in Berlin. Coltrane erhielt später von Dolphys Eltern dessen Bassklarinette geschenkt (er hat sie hie und da bei Konzerten und Aufnahmen gespielt).
30. Juni - 5. Juni: Bohemian Caverns, Washington, DC
Am 9. Juli war Jones erneut im Studio mit Gil Evans ("The Individualism...").
Im New Yorker (4. Juli 1964, S. 8) heisst es, Coltrane spiele ab dem 10. Juli im Half Note - dieser Auftritt fand nicht statt, Lennie Tristano spielte stattdessen.
Vom Juli 1964 existiert überdies anscheinend eine Amateuraufnahme unklarer Herkunft (die Autoren von "Coltrane Reference" kennen sie nicht und es gibt dazu entsprechend keine Details - S. 305).
15.-26. Juli: McKie's, Chicago, IL
30. Juli - 12. August: Birdland, NYC
(Anscheinend hätte Miles Davis' Quintett parallel zu Coltrane spielen sollen, Davis sagte aber ab.)
Am 3. August waren Tyner, Workman und Jones mit Wayne Shorter im Studio: "JuJu" (Blue Note)
Am 10. August war Coltrane im Van Gelder Studio, als Archie Shepp sein Impulse-Album "Four for Trane" aufnahm. Gespielt hat Coltrane (leider) nicht.
Am 11. August nahm Tyner an der Session zu Lee Morgans "Tom Cat" (Blue Note) teil.
Am 15. August hätte Coltrane am "Third Annual Ohio Valley Jazz Festival" in Cincinnati, OH, spielen sollen, erschien aber nicht. Am 16. August dasselbe am Montréal Jazz Festival: Coltrane taucht nicht auf, ebensowenig Max Roach.
Am 26. August kommt der erste Sohn von Alice & John Coltrane zur Welt, John W. Coltrane, Jr. Möglicherweise erklärt das die Absage der beiden Festival-Konzerte.
21.-27. August: Half Note, NYC
In dieser Woche kam Bud Powell zurück in die USA, am 25. August spielte er erstmals wieder im Birdland. Im Publikum sassen u.a. Thelonious Monk, Max Roach, Charles Mingus, Quincy Jones, Kai Winding und John Coltrane (Newsweek, 7. September 1964, 79, nach "Coltrane Reference", 306f.)
Am 1. September unterzeichneten John und Juanita (Naima) Coltrane ein Trennungsabkommen, die Scheidung folgte erst im Oktober 1965.
Am 4. September nahmen Tyner und Jones an einer Blue Note Session von Stanley Turrentine teil ("Mr. Natural").
Am 11. September war Jones mit Grant Green und Larry Young im Studio für Greens "Talkin' About" (Blue Note).
14.-19. September: Pep's, Philadelphia, PA
Von diesem Gig stammt vermutlich die erste erhaltene Aufnahme vom 2. Teil von "A Love Supreme", eine über 32 Minuten lange Version von "Resolution" (Kahn schreibt in seinem Buch über "A Love Supreme" auf S. 105f. über diese Aufnahme - kenne dieses Buch noch nicht).
Bei diesem Auftritt wurden anscheinend noch andere Aufnahmen gemacht, die aber den Autoren von "Coltrane Reference" wiederum nicht bekannt sind.
24. September - 4. Oktober: Shelly's Manne-Hole, Los Angeles, CA
Ein kurzer Auszug aus dem Review von Charles E. Brown ("Impressions", Los Angeles Sentinel, 1. Oktober 1964, S. 8B, zit. nach "Coltrane Reference", 307):
During that hour and a half, my attention is swept away from Elvin to McCoy. The fingers of his right hand are moving as Bud Powell's might. His ability to feel basic but extremely modern changes, play stiff chords along with the intricate patterns his right establishes is unbelievable but true.
To say that Coltrane's group is relaxed s an understatement. No group can boast a drummer who repeatedly yawns while playing intricate 6/8 patterns.
It is difficult to pinpoint the nucleus of this dynamic group. But the closer one listens, the more McCoy Tyner emerges as the mainstay. He lays down everything for Elvin, who with his keen sense of time and rhythm, binds the four parts into one.
6.-18. Oktober: Jazz Workshop, San Francisco, CA
19. Oktober: Valley Music Theatre, Los Angeles, CA (neben Monk und Jon Hendricks)
20.-24. Oktober: Plugged Nickel, Chicago, IL
Entgegen einer Notiz in Coda (Dec. 1964/Jan. 1965, S. 25) war Coltrane am 28. Oktober nicht an Lionel Hamptons Immpulse-Session beteiligt.
Am 29. Oktober nahm Jones erneut an einer Session für "The Individualism of Gil Evans" teil.
2.-8. November: Jazz Workshop, Boston, MA
(ev. mit Tony Williams anstelle von Jones)
10.-15. November: Birdland, NYC
(Während diesem Gig sprang Coltrane anscheinend mal für Clifford Jordan ein in der zwölfköpfigen Band von Charles Mingus, die parallel zu Coltrane im Birdland auftrat - "Coltrane Reference", 311.)
Am 16. November war Jones wieder mit Grant Green (sowie Larry Young und Bobby Hutcherson) im Studio: "Street of Dreams" (Blue Note).
20. November - 3. Dezember: Half Note, NYC
Am 30. November nahmen Tyner und Jones mit Joe Henderson auf: "Inner Urge" (Blue Note)
Am 2. Dezember nahmen Garrison und Jones mit Tyner auf (Impulse)
7. & 8. Dezember: Garrison und Jones nehmen an den Aufnahmen zu "McCoy Tyner Plays Duke Ellington" (Impulse) teil.
Am 9. & 10. Dezember ist Coltranes Quartett für Impulse im Studio, das zweite Album des Jahres 1964, einer der grossen Jazz-Klassiker ensteht: A Love Supreme.
Was soll man zu diesen Aufnahmen noch sagen, was ist nicht alles schon über sie geschrieben worden? Ich nehme an, Ashley Kahns Buch fügt alle überlieferten Mosaiksteinchen zusammen... in Kürze: das Album zeigt das klassische Coltrane Quartett auf der Höhe seines Könnens, die Musik ist zugleich sehr lyrisch und unheimlich intensiv. Elvin Jones drängt und treibt, Tyner ist wohl in der Tat der Kitt, der alles zusammenhält, auf der rhythmischen, harmonischen und melodischen Ebene. Garrison ist oft mehr gefühlt als gehört (aber immer und stark gefühlt!), hat eine sehr schöne, unbegleitete Solo-Passage und Jones ist schlicht unglaublich.
Der erste Teil der Suite, "Acknowledgement", enstand in einem einzigen Take, für "Resolution" (den zweiten Teil) wurden mehrere Versuche unternommen - einer davon findet sich auf dem "Classic Quartet" Box-Set, und dieser und ein Breakdown sind auch auf der "Deluxe Edition" des Albums zu finden. Die Teile 3 und 4, "Pursuance" und "Psalm" entstanden dann wieder in einem Take - 18 Minuten unglaubliche Musik. Coltrane hat dann für das Ende von "Psalm" noch einen kurzen Insert im Overdub-Verfahren eingespielt.
Am folgenden Abend stiessen Archie Shepp und Art Davis zum Quartett, es entstanden vier Takes von "Acknowledgement" (sowie diverse Breakdowns) - die ersten zwei davon sind auf der "Deluxe Edition" des Albums zu hören. Die Session vom 10. wurde dann anscheinend abgebrochen und Coltrane hat die Overdubs für "Psalm" aufgenommen (mehrere Takes).
Der Rest des Bonus-Materials auf der "Deluxe Edition" wurde im Sommer 1965 live aufgenommen - dazu mehr im nächste Post!
Die "Deluxe Edition" ist überdies die erste CD-Version des Albums, die von einem originalen Master gemacht wurde, zuvor stammten alle Reissues von einem Master 2. Generation ab.
18.-24. Dezember: Half Note, NYC
(Am 18. fand ein Live Radio-Broadcast statt, bisher sind keine Aufnahmen aufgetaucht.)
Am 24. Dezember nimmt Jones an der Aufnahme von Wayne Shorters "Speak No Evil" (Blue Note) teil.
27. Dezember: Village Gate, NYC
Vom 28.-31. Dezember fanden in der Judson Hall, NYC, die von der Jazz Composers Guild organisierten "4 Days in December" statt - es spielten u.a. Archie Shepp, John Tchicai, Marion Brown und Pharoah Sanders, die alle im folgend Jahr an den Aufnahmen von Coltranes "Ascension" beteiligt waren, sowie Rashied Ali, der später Elvin Jones ersetzen würde.
Herzlichen Dank, dass Du hier weitermachst, gypsy! Da habe ich mir auch gleich »Crescent« aufgelegt, die ich noch nie recht angehört habe, bin mit Coltrane ohnehin elend zurück. Egal, »Wise One« ist wirklich eines der phantastischsten Stücke, das ich kenne; das entwickelt sich alles so sicher und leicht und diese Leichtigkeit – trotz oder wegen aller Differenzierungen und ›Abweichungen‹ – lässt bei keinem nach, als sei das so etwas wie, na ja, ihr Dialekt. Tyner perlt, Jones ziseliert, Garrison fliegt und Coltranes Tenor hat mir selten so gut gefallen wie hier und auf dieser Platte überhaupt. Und auch wenn ich mich damit jetzt leichtfüßig in die Nesseln setze: »Wise One« rangiert bei mir gleich neben »Nature Boy« von Pepper, Flanagan, Mitchell und Higgins, ich finde die Stücke auch gar nicht so unähnlich ... Sehr schön auch das Ende von The Drum Thing und also dem Album: da nimmt doch Coltrane Jones nach seinem schönen Furor in der Gelassenheit an die Hand, die dieses Album für mich so freundlich macht.
Aber eigentlich wollte ich das hier schreiben: Coltrane Reference bezieht sich ja wahrscheinlich auf die Originalausgabe von Kahn, ich habe nur die Übersetzung, das dürfte dann S. 144f. sein: Ich tippe es mal ab:
»An jenem Abend Mitte September spielte Coltrane ein Stück, das er kurz zuvor komponiert hatte und an dem er immer noch feilte. Er zählte die Musik an, und eine halbe Stunde später hielt Tiberi [Frank Tiberi, ›ein junger Saxophonist und Coltrane-Fan aus der Nachbarschaft«, den hat Kahn kurz vorher zitiert, weil er dabei war] den Beweis dafür in Händen, welchen Zauber ein angenehmes nächtliches Ambiente hervorzubringen vermochte. Abgesehen von dem Wert, den das Band als Vorläufer der A Love Supreme-Aufnahme besitzt (die unverkennbare Melodie von ›Resolution‹ ist darauf bereits deutlich zu hören), enthält es verblüffende Beispiele für Coltranes experimentellen Stil Ende 1964.
›Der Junge sucht eindeutig nach etwas‹, meint der Saxophonist und Produzent Bob Belden dazu und verweist zum Beispiel auf die aufsteigenden, vom Harfenspiel beeinflussten Skalen, die Coltrane in seinem ersten Solo auf dem Band spielt. Tatsächlich hatte Coltrane das klassische Instrument seit kurzem zu Hause aufgebaut und ermunterte Alice, ›Harfe zu lernen‹. Bei seiner zweiten Improvisation (entsprechend dem Vorrecht des Bandleaders, für das abschließende und gewöhnlich spannungsreichste Solo noch einmal an die Rampe zu treten) lässt Coltrane die für ihn typischen Registerwechsel mitten im Lauf hören: Er springt aus dem unteren in den oberen Tonbereich des Saxophons und wieder zurück, ein faszinierendes Ruf-und-Antwort-Spiel, mit dem er das Publikum in hörbares Entzücken versetzt. [...]
Zehn Wochen später, bei der Aufnahme im ruhigeren Umfeld des Studios, ist das Tempo etwas höher. Aus der 32:20 Minuten langen, in b-Moll gespielten Livedarbietung im Pep's ist eine flottere, gut sieben Minuten lange Version in es-Moll destilliert worden. Der Deckel der Tonbandschachtel mit der 7 1/2-ips-Kopie der Session verrät zudem, dass der endgültige Take von ›Resolution‹ das Ergebnis von sieben Anläufen war.«
Im Original hört sich das vielleicht besser an – Du wirst Deinen Eindruck haben. :-) Jedenfalls auch bei Kahn nichts über die weiteren Aufnahmen im Pep's.
redbeansandrice
27.06.2010, 18:54
an dieser Stelle fügt sich wunderbar ein
Woody Herman - Giant Steps (http://www.youtube.com/watch?v=xPY3ch8ddG4) (featuring Joe Lovano und Frank Tiberi)
Subtitel sowas wie, Die Kanonisierung von Giant Steps
Tiberi, der auch arrangiert hat, ist der Tenorist mit der Schnurrbart...
auf irgendeine Art kann man wirklich gar nicht gegen die Musik sagen, im Gegenteil, und es sind offensichtlich zwei sehr sehr gute Tenoristen am Werk... aber irgendwie ist es so sehr gegen alles, diese Musik zu spielen und dabei solche Bärte und ultramarinblauen Jackets zu tragen... warum Lovanos Karriere sooo viel glanzvoller verlief als Tiberis ist mir übrigens von diesem Video her unklar... und abschließend: es ist kein Zufall, dass das grad mit Giant Steps passierte und nicht mit Ascension...
gypsy tail wind
27.06.2010, 18:55
@clasjaz: Oh, vielen Dank!
Kahn schreibt schon ganz flott und dennoch irgendwie sachlich, das ist schon nicht zu unterschätzen! Muss mir das Buch definitiv mal besorgen (lieber im Original, ja).
Tiberi (*1928) hat mit Woody Herman gespielt und wurde von diesem auserwählt, die Ghost Band zu leiten, war er anscheinend seit 1987 auch tut.
Auf seiner Homepage gibt's mehr anzuschauen, mit George Garzone (u.a. "Impressions"):
http://www.franktiberi.com/gallery.html
gypsy tail wind
27.06.2010, 19:21
Was ich oben unterschlagen habe ist natürlich die spirituelle Komponente von Coltranes Musik, die gerade in "Psalm" eine neue Dimension erreicht. Die Spiritualität wäre wohl ein Thema für einen eigenen Thread, nehme ich an... und bei Coltrane taucht sie ja schon viel früher auf!
Anscheinend haben übrigens von den Zeitgenossen anfangs nur wenige bemerkt, dass der auf der Hülle abgedruckte Text Coltranes Spiel auf "Psalm" entspricht.
In "Coltrane Reference" heisst es
"When A Love Supreme was released in early 1965, few people seemed to notice the relationship between the poem "A Love Supreme" and the fourth movement of the suite, "Psalm." One exception was Doug Pringle, whose insightful review appeared in Coda ("John Coltrane: A Love Supreme," Oct./Nov. 1965, p. 32):
Today we are used to treating sceptically works of art, particularly music, which carry with them a "message" of apparently extra-musical significance. The austere jacket and formal text of this release are disturbing in this way, for it seems that Coltrane is using his name to foist a personal religion upon his audience. As a result, we are tempted to "let the music speak for itself," [was ja erklärterweise auch Coltranes Haltung war, wie man in der Jazz Casual-Sendung sehen kann - gtw] and the notes have been generally disregarded.
But Coltrane felt it necessary to go beyond the music to express himself, in fact to make the listener more aware of the breadth of his musical conception. What he is putting forward here is a musical esthetic, a statement of the "elation, elegance, exaltation" of music, and of the beauty he senses in it which he can only call God.
This music is intellectual and rational. Its ideal is eloquence; to speak of frenzy in Coltrane's playing is to miss the rugged structure of his musical ideas. The most intense parts of his music are the points where formal development has placed in a single phrase as much meaning as it can bear, where the cry of release is both the logical and the emotional resolution.
Coltrane is constantly occupied with formal construction, and the freedom to be gained within what appears to be rigid form. All of the compositions and many solo phrases come from the four-note thematic phrase, which embodies the chant-like theme "A Love Supreme." The solo framework of the first section, Acknowledgement, is roughly a four-bar phrase, but from this base, Coltrane fashions less obvious forms, and at times recognizable blues-structure. In Resolution as well, an eight-bar pattern, he twists his phrases to suggest a blues form. Pursuance (the title calls to mind Chasin' the Trane) is a standard Coltrane blues; in it one sees how freely he can use chords, for his points of reference are few but precisely placed.
Psalm is what Coltrane calls "a musical narration of the theme"; he sets to music the text in the liner, phrase-by-phrase, in the manner of liturgical plainsong. The true power of his performance can only be felt by following the text with the music. The vocal quality of Coltrane's playing is moving, and in this context he can best communicate his feelings about the spiritual realities he has found in his musical life.
The changes in Coltrane's style evident on this recording must be noted. Much has ben made of his newly increased concentration of expression and clearer direction; but what strikes me equally is the quality of his tone and phrasing. The broad, flat tone evident on Chasin' the Trane has been tempered by a nervously excited, more vocal sound and a steady, intense vibrato which was much more noticeable in a recent live performance than here. The swagger and brash assertiveness of Impressions and all of his playing to date seems to me to have been replaced by a slightly hesitant, more contemplative approach, with less regard for polish.
The recorded history of Coltrane's playing is as good a portrait of an artists as one could wish; one can see in his present style the same personal, original qualities which first attracted recognition. The statement made on this record seems to be the most significant step to date in his artistic development. - D.P. [Doug Pringle]
~ Coltrane Reference, 319f.
Das ist in der Tat eine tolle Beschreibung von Coltranes Wandel, den man wohl irgendwo zwischen Ende 1963 (Europa-Tour) und Mitte 1964 am ehesten greifen kann. Ich denke man kann diesen Wandel eben auch am Ton hören. Die Härte und Klarheit, die sein Ton vor den Zahn- und/oder Mundstückproblemen hatte, die hat Coltrane wohl nie mehr erreicht, und wie mich dünkt, gar nicht mehr erreichen wollen. Stattdessen ist sein Ton in den Konturen weicher und im Körper voller geworden. Das Vibrato, das früher nur bei Balladen auftauchte, wird in seiner ganzen Musik hörbar (was die beiden 1964er Studio-Alben zeigen), die Musik wird insgesamt umfassender, es gibt nicht mehr diese klaren Trennung von "Balladen", "Blues" und "cookers" oder Uptempo-Nummern oder wie man das auch immer nennen will... das alles packt Coltrane in dieser Phase oft in ein einziges Stück - Rubato mit hymnischer Lyrik, mitreissender Swing, suchende, ekstatische Soli. Genau das ist es wohl, was die Musik so unglaublich gut macht!
Und 1965 geht das dann alles noch ein wenig weiter, intensiviert sich noch mehr (wobei das hymnische auf den Live-Aufnahmen vom Frühling eher etwas untergeht, dafür auf denn Studio-Sessions eher überwiegt). Der nächste "Bruch" fand dann schrittweise statt... Ascension im Sommer 1965, gegen Ende des Jahres dann Meditation, wo in Sachen lyrischer Hymnen wieder neue Gipfel der Intensität erklommen werden.
redbeans, an Big Bands gehe ich ja oft mit Knoblauch ran, aber das war lustig. Danke! Fand Tiberi auch nicht hinter Lovano - die blauen Anzüge dürften einfach 1970er Jahre sein (oder, von wann ist die Aufnahme?), gehalten haben sich aus der Zeit bis heute wohl nur die Bärte ;-). Und wie der Herman da irgendwann wie ein Industrieboss sich an seinen exklusiven Arbeitern erfreut ...
gypsy, mir war das Buch von Kahn schon hilfreich, aber diese Einmengungen anschaulicher Begebenheiten interessieren mich nicht immer, es hätte mir da schon noch mehr helfen können. ;-) Aber gut, das Flotte ist auch einfach Überleitung zur nächsten Information. Doch, das Original wird sich besser lesen.
redbeansandrice
27.06.2010, 19:40
redbeans, an Big Bands gehe ich ja oft mit Knoblauch ran, aber das war lustig. Danke! Fand Tiberi auch nicht hinter Lovano - die blauen Anzüge dürften einfach 1970er Jahre sein (oder, von wann ist die Aufnahme?), gehalten haben sich aus der Zeit bis heute wohl nur die Bärte ;-). Und wie der Herman da irgendwann wie ein Industrieboss sich an seinen exklusiven Arbeitern erfreut ...
1977, schon bei den Bärten ist das so eine Sache, wobei, Lovano zieht mit dem Ding ja noch immer über die Bühnen dieser Welt, Tiberi hat sich mittlerweile offenbar für eine etwas weniger zauselige Variante entschieden... bei den Frisuren hat sich allerdings mehr geändert... und ja, Hermans Blick in der Mitte ist ziemlich unbezahlbar....
ach so, die Nature Boy Version, die du anspricht, clasjazz, ist von Art Peppers Straight Life? hab mit spätem Art Pepper noch immer Probleme gehabt, werd ich mal nacharbeiten demnächst...
That said: :bier:
Hm, Nature Boy von Pepper ist bei mir auf einer vor zig Jahren zusammengeschnipselten CD, aufgenommen am 21. September 1979, in den Fantasy Studios. - Habe es nachgesehen: Das ist die "Straight Life". Aber ich sagte ja: Nesseln!
gypsy tail wind
27.06.2010, 20:28
Peppers "Nature Boy" muss ich mal ausgraben (sollte in der Galaxy-Box sein, nehm ich an?) - gerade nachdem ich eben drei Versionen von Coltrane angehört habe...
Ein Nachtrag zu New Wave in Jazz: die CD lässt Aylers Stück "Holy Ghost" weg, es erschien dann als erstes Stück auf der Ayler Doppel-CD "Live in Greenwich Village - The Complete Impulse Recordings" (GRP 1998, IMP 22732). Die CD enthält neben Coltranes "Nature Boy" auch Archie Shepps "Hambone", Charles Tollivers "Brilliant Corners" und Grachan Moncurs "Blue Free", sowie von Tolliver und Moncur je einen längeren Bonus Track: "Plight" und "The Intellect" - beide erschienen zuerst auf dem Doppel-Album The New Breed (http://discog.piezoelektric.org/marionbrown/d/thededicationseriesvolviiithenewbreedceciltaylorch arlestollivergrachanmoncurarchieshepp.html), das zudem die Cecil Taylor Impulse-Session (1964-10-10) enthielt, sowie die beiden New Wave in Jazz Stücke von Tolliver und Moncur, und auch denjenigen von Shepp.
Die CD ist also abgesehen vom Coltrane Track (der anstelle der drei Taylor Tracks steht) eher ein Reissue von "The New Breed".
Aber das alles interessiert Euch ja wohl eh nicht... interessant sein dürfte aber, dass die "New Wave in Jazz" CD ca. 23 Minuten von Tollivers Quintet (mit James Spaulding, Bobby Hutcherson, Cecil McBee und Billy Higgins) und ca. 31 Minuten von Grachan Moncurs Quartett (dieselben minus Tolliver und mit Beaver Harris anstelle von Higgins) enthält.
E bene, mich interessiert das schon, das Dumme ist, dass ich das nicht sofort aus dem Regal (Gestell) ziehen kann. - Jetzt auch noch einmal Pepper's "Nature Boy" nachgehört: ich für mich versteh' schon noch, warum ich da eine Verbindung gezogen habe - aber objektiver gesprochen: war das schon etwas lässig. Die Erinnerungen schrauben einem aber auch immer Dinge zusammen - so ist sie halt, die Erinnerung (siehe Proust). Irgendwo habe ich hier noch eine Coltrane-Version von "Nature Boy", muss ich gleich hören.
gypsy tail wind
27.06.2010, 21:52
"Nature Boy" ist auf The John Coltrane Quartet Plays zu finden, in einer sehr lyrischen Version - eben die, in der die Linien des Songs in seine eigenen Linien fliessen... wie ich das oben genannt habe. Eigentlich ist das ja nichts anderes als das Ausschmücken der vielen Leerräume einer Ballade, aber hier ist das irgendwie so organisch, dass ich das schon erstaunlich finde!
Späten Pepper find ich äusserst faszinierend (hab da einen unmittelbareren Zugang als zum "klassischen" Pepper der Contemporary-Alben der Fünfziger), und den Vergleich mit Coltrane find ich gar nicht schlecht, denn Peppers späte Aufnahmen erreichen oft auch diese brennende Intensität - und genau das fasziniert mich wohl auch so an ihnen!
gypsy tail wind
27.06.2010, 23:07
Ein weiteres transitional year für Coltrane... die letzten Sessions mit dem Quartett, die Radio-Broadcasts erreichen eine selten erreichte Intensität. Im Mai noch einmal Aufnahmen mit Roy Haynes, im Juni dann der nächste Meilenstein, Ascension. Im Juli Auftritte am Newport Jazz Festival sowie in Europa (Antibes, Paris, Comblain-la-Tour), zurück in den USA im August und September die letzten Quartett-Sessions mit Tyner und Jones, dann die Erweiterung der Band (Pharoah Sanders, Donald Garrett), im Oktober Kulu Sé Mama mit Sanders, Garrett, Frank Butler und Juno Lewis, die zum Quartett stiessen, im November das wunderbare Meditations (das Quartett mit Sanders und Rashied Ali) - die letzten Aufnahmen mit Tyner und Jones überhaupt.
Aber von vorne...
4.-10. Januar: Le Jazz Hot (früher Casa Loma), Montréal, Quebec
12. Januar - 7. Februar: Birdland, NYC
13. Januar: Elvin Jones nahm mit Roland Kirk auf: "Rip, Rig & Panic" (Limelight)
8.-13. Februar: Pep's, Philadelphia, PA
16. Februar: Jones nahm mit Paul Chambers und Don Friedman auf: "And Then Again" (Atlantic)
17. & 18. Februar: das Quartett war zum ersten Mal dieses Jahr im Studio, es entstehen zwei Stücke: "Nature Boy" und "Feelin' Good" (eine frühe Version von "Chim Chim Cheree" blieb unveröffentlicht), beide im Quintett mit Art Davis am Bass und mit Coltrane am Tenorsax. Von beiden ist je ein früher Take überliefert. Der frühe Take von "Nature Boy" (das einzige erhaltene Stück vom ersten Tag) erschien wie der Master Take von "Feelin' Good" zuerst auf dem Compilation Album The Mastery of John Coltrane Vol. 1: Feelin' Good, der Master von "Nature Boy" erschien auf dem Album The John Coltrane Quartet Plays (Impulse AS-85).
"Nature Boy" ist erneut ein Stück aus dem Songbook von Nat "King" Cole - es ist äusserst faszinierend, zu hören, wie Coltrane die Linien der getragen gespielten Melodie mit eigenen Linien verschmeltzt. Auch "Feelin' Good" ist ein getragenes Stück, teilweise im Rubato. Art Davis' gestrichener Bass verstärkt die ruhige Stimmung.
23. & 25. Februar: Elvin Jones nimmt sein Impulse-Album "Dear John C." auf (mit Charlie Mariano, dessen Spiel auf Mingus' "The Black Saint and the Sinner Lady" in Anlehnung an Coltranes sheets of sound als tears of sound beschrieben wird, sehr treffend, wie ich finde).
26. Februar: Tyner nimmt an einer der Sessions für Freddie Hubbards "Blue Spirits" (Blue Note) teil.
4. März: Tyner nimmt an der Aufnahme von Wayne Shorters "The Soothsayer" (Blue Note) teil.
8.-14. März: Jazz Workshop, Boston, MA
18. März: weitere Session von Elvin Jones für sein "And Then Again" (Atlantic), mit Art Davis und seinen Brüdern Hank und Thad.
19. März - 4. April: Half Note, NYC
WABC-FM Broadcasts werden am 19. und 26. März sowie am 2. April ausgestrahlt. Der mittlere ist auf One Down, One Up - Live at the Half Note greifbar.
Tyner wurde ab und zu von Ronnie Mathews ersetzt während diesem Gig.
Diese Broadcasts gehören zu den intensivsten und spannendsten Aufnahmen, die von Coltrane existieren! Sehr, sehr schade, dass Universal sich entschieden hat, nur zwei davon (der zweite auf One Down, One Up stammt vom nächten Half Note Engagement im Mai) zu veröffentlichen!
Am 19. März werden "Chim Chim Cheree" (Coltrane am Sopran) und "Impressions" (Tenor) ausgestrahlt, je ca. 20 Minuten kochende Musik. "Chim Chim Cheree" ist am Anfang nicht vollständig, nach einem längeren Solo von Tyner bläst Coltrane ein Sopransolo, das so wild und suchend ist wie seine Tenorsoli von den diversen europäischen Live-Aufnahmen von 1962 und 1963. Längere Linien lösen sich auch, er spuckt Fragmente aus, einzelne Töne, dann beginnt die Musik wieder zu fliessen, er baut ein Motiv aus, wiederholt es mit kleinen Abwandlungen immer und immer wieder, bis er sich löst, zum nächsten Motiv weitergeht (das vielleicht nichts anderes als ein kurzer Triller ist)... unglaublich toll! "Impressions" beginnt mit einem unbegleiteten Bass-Solo (von dem ein Teil fehlt).
Der zweite Mitschnitt vom 26. März bietet erneut zwei lange Stücke, diesmal in bedeutend besserer Qualität (von einem "high quality dub", den Alan Grant, der Moderator/Produzent der Radio-Broadcasts Coltrane von jedem Mitsschnitt übergeben habe - anscheindend haben die vom 19. März und 2. April nicht überlebt, was wiederum die Auswahl für die Doppel-CD One Up, One Down erklären dürfte).
Zum Auftakt gibt's das grossartige Titelstück, gewissermassen "Chasin' the Trane"-reloaded - nur dass das hier noch besser, noch fesselnder, noch unglaublicher ist! Über 27 Minuten und das ganze ist ein einziges Coltrane-Solo, zuerst mit Tyner, dann im Trio, und schliesslich im Duo mit Elvin Jones. Laut Alan Grant hat das Stück total 65 Minuten gedauert - in seiner Absage (er muss auch mal kurz Lachen - wohl aus schierem Unglauben über das eben gehörte) sagt er: "This tune started at twenty minutes before eleven. And it's [now] fifteen minutes before [midnight]".
Mehr kann und will ich dazu gar nicht sagen, Ashley Kahn und Ravi Coltrane machen das besser als ich es könnte (in den Liner Notes der CD, die sowieso in jede anständige Jazz-Sammlung gehört!). Das zweite Stück ist dann nur 13 Minuten lang, "Afro Blue", das am Ende abbricht, weil die Radio-Sendung zu Ende ist. Tyner, Garrison und Jones setzen den Groove, Coltrane soliert auf dem Sopran, flüssiger, linearer als auf "Chim Chim Cheree" von der Vorwoche, näher am Spiel, wie man es von "My Favorite Things" kennt, aber doch äussrst intensiv. Leider ist er am tiefsten im Mix und teilweise nicht so gut zu hören (das ist auch bei "One Down, One Up" so).
28. März: Das Quartett spielte am Sonntagnachmittag zusätzlich im Village Gate, als Teil eines "Jazz Concert to Aid Harlem Repertory School".
Neben Coltranes Band traten auf: Cecil Taylor, Archie Shepp, Grachan Moncur III, Sun Ras Myth-Science Arkestra, Albert Ayler, Charles Tolliver, Bobby Hutcherson und Betty Carter. Impulse schnitt die Konzerte mit, von Coltrane erschien auf dem resultierenden Album The New Wave in Jazz (AS-90) das Stück "Nature Boy" (auch als Bonus Track auf der Impulse Master Sessions CD von The John Coltrane Quartet Plays, die 1997 erschienen ist. Zudem spielte Coltranes Gruppe "One Down, One Up" - und wie ich grad zum ersten Mal feststelle, ist dieses Stück auf dem sonst wohl ziemlich überflüssigen 4CD Set Coltrane Legacy von 2002 erschienen. Crap! Nochwas, was ich haben muss, und erst noch nur wegen einem Stück (oder gibt's darauf noch andere Raritäten? So herum lässt sich das leider anhand von "Coltrane Reference" nicht ohne riesigen Aufwand bewerkstelligen... man müsste die ganze Diskographie nach dieser Veröffentlichung absuchen, und die Diskographie ist vom Layout her ziemlich übel unübersichtlich geraten... laut der Beschreibung auf amazon.fr (http://www.amazon.fr/John-Coltrane-Legacy/dp/B00006GEMC/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1277661046&sr=1-2) ist dieses Stück das einzige unveröffentlichte - sowas sollte verboten sein!).
Anyway, "Nature Boy" klingt hier harter, fordernder als die Studio-Aufnahme, dieses Zusammenfallen der Linien ist hier nicht mehr zu beobachten, Coltrane geht das ganze mindestens einen Gang hören an und spielt ein ziemlich intensives Solo.
Der dritte Broadcast aus dem Half Note fand dann am 2. April statt. Die Aufnahme dauert etwas länger und beginnt mit einem über 23 Minuten langen "untitled original" (das laut meinen Infos auch als "Creation" bekannt sei - in "Coltrane Reference", 721, heisst es dazu: "Coltrane interpolates the theme of 'Vigil' [65-0616 {c.} during the course of his solo. Titled 'Creation' on some releases, although the composition appears to have been untitled]), es folgt ein viertelstündiges "I Want to Talk About You" sowie eine unvollständige nicht ganz sechsminütige Version von "Afro Blue".
Das "untitled original" ist mal wieder eine äusserst intensive Angelenheit, leider in ganz schlechter Qualität (wie überhaupt dieser Broadcast).
Am 31. März nahm Elvin Jones an der letzten Session mit dem Trio Grant Green-Larry Young-EJ teil, auf der zudem Hank Mobley mitspielte - das Resultat: Greens "I Want to Hold Your Hand" (Blue Note).
Im April nahm Jones zudem eine verlorene (vermutlich ein Opfer des Atlantic warehouse fire... das war ja schon tragisch genug, aber dass sich das vor kurzem bei Universal noch wiederholen konnte!?! Unglaublich!) Session als Leader auf für Atlantic, mit Freddie Hubbard, Charles Davis, Tyner und Art Davis.
7.-18. April: Plugged Nickel, Chicago, IL
Ein Buck Walmsley schrieb eine Kritik für die Chicago Daily News (9. April 1965, S. 37, zit. nach "Coltrane Reference", 321f.), in der er meint, mehr als ein 45-minütiges Set pro Abend könne man von dieser Musik nicht hören: "If it lasts longer than that, we lose interest and the ability to concentrate." Die Balladen findet er unproblematisch, Coltrane habe einen der schönsten Töne, der je eine Ballade liebkost habe, auch Tyner, Garrison und Jones gefallen ihm, aber: "It is the up-tempo item which causes us to lose interest. Coltrane [...] starts running his notes together, repeating his phrases over and over again with just minor variations. There are honks and squeaks, attempts at sounding two notes at a time, and reaches for harmonics. For short periods of time it is technically fascinating, but the individual notes soon become blurred and all that is left is a dull, steady sound cluster."
4.-9. Mai: Half Note, NYC
Am 7. Mai fand erneut eine "Portraits in Jazz"-Sendung mit Alan Grant (WABC-FM) statt. Sie ist auf der zweiten CD von One Down, One Up zu hören. Wieder wurden zwei lange Stücke mitgeschnitten: "Song of Praise" (das zehn Tage später in einer sehr viel ruhigeren Version im Studio eingespielt wurde) und "My Favorite Things". "Song of Praise" beginnt mit Coltrane, zuerst in der lyrischen Stimmung, dann aber rasch in einem medium-up Tempo, das von Jones vorwärtsgetrieben wird... toll, wie er Tyners Solo begleitet! Es folgt dann "My Favorite Things", die ersten fünf Minuten folgen fast Ton für Ton der Studio-Aufnahme, sehr verblüffend... dann folgt Tyners energetisches Solo, wieder mit toller Begleitung durch Jones, und dann Coltrane... noch immer verblüffend, nach viereinhalb Jahren und wohl ca. zwei Dutzend Aufnahmen, die ich mir in den letzten Wochen davon angehört habe!
Am 11. Mai hätte das Quartett im Jazz Workshop, San Francisco, CA, anfangen sollen - der Auftritt wurde abgesagt. (Tyner wurde Vater und wollte nicht weg aus NYC.)
17. Mai: Das Quartett nahm den grossen Teil des Albums The John Coltrane Quartet Plays (AS-85) auf, das damit vollendet wurde: "Chim Chim Cheree", "Brasilia" und "Song of Praise".
Das erste ist ein weiterer Walzer mit Sopransax, der aber von der ungleich dichteren Rhythmusgruppe lebt - da hat sich seit Oktober 1960 einiges getan! Das Stück war eins der letzten Sopransax-Features, die Coltrane erarbeitet hat, und die konzentrierte Studio-Aufnahme (man kann ahnen, wie das Stück live ausführlicher geraten könnte) zeigt auch eindrücklich, mit welcher Meisterschaft Coltrane das widerspendstige Horn mittlerweile beherrschte.
"Brasilia" ist ein Stück, das zum ersten Mal Ende 1961 auf den Village Vanguard Sessions auftaucht, es beginnt mit einem dramatischen Rezitativ auf dem Tenor, begleitet nur von Jones. Dann entwickelt es sich zu einem intensiven modalen "burner". Das Rubato vom Anfang wird ausnahmsweise nicht aufgregriffen, sondern Coltrane löst den Rhythmus mehr und mehr auf am Ende, aber Jones und Garrison bleiben schön im Takt... die Reibungen, die hier entstehen, deuten wohl in die nahe Zukunft. Zum Abschluss der Session wurde noch das hymnische, lyrische "Song of Praise" eingespielt. Es beginnt mit einem wunderbaren Bass-Solo von Garrison, dem es über fast vier Minuten gelingt, eine Spannung aufzubauen, die Coltrane dann mit dem hymnischen Thema wieder auflöst. Das Stück setzt an einem ähnlichen Ort an wie der "Psalm" am Ende von A Love Supreme.
18.-31. Mai: Bohemian Caverns, Washington, DC
26. Mai: Impulse-Session mit Roy Haynes an Jones' Stelle.
Die letzte Session mit Roy Haynes an Jones' Stelle - ein Stück davon landete auf dem Album Transition (AS-9195), zwei weitere auf der Compilation The Mastery of John Coltrane Vol. 2: To the Beat of a Different Drum (IZ-9346-2), auf der alle Impulse-Aufnahmen von Coltranes Quartett mit Haynes gesammelt wurden.
Schon beim ersten Stück "After the Crescent" wird Haynes durchsichtigeres, aber keinesfalls weniger komplexes Spiel deutlich hörbar. Er treibt Coltrane auf eine weniger relaxte Art mindestens so sehr an, wie Jones. Das Stück gehörte einst zu einer Suite, zu der auch "Crescent" und "Transition" gehörten. Das zweite Stück, "Dear Lord", erschien als erstes dieser Session auf dem Album Transition. Das Thema gehört zu den schönsten von Coltrane, er spielt es mit einem strahlenden Ton (wie jetzt üblich auf dem Tenor - live holte er das Sopran noch immer hervor, aber im Studio wurde es nur noch selten gehört). Das Thema hätte das Zeug dazu gehabt, ein Standard zu werden, wenn es damals schon erschienen wäre! Und irgendwie bilde ich mir stellenweise ein, wenn Coltrane die langen, gehaltenen Töne bläst (und Tyner harmonisch dicht begleitet), dass z.B. auch Dexter Gordon es sehr gut hätte spielen können (und dann denk ich natürlich gleich auch, hier mal wieder eine Spur Dexter in Coltranes Spiel zu hören... wer weiss). Im 8CD-Set The Classic Quartet gibt's zusätzlich einen Alternate Take und davor einige Breakdowns.
Es folgt das dritte und letzte Stück der Session, "One Down, One Up" - viel kürzer als die Live-Version, aber auch sehr intensiv. Coltrane suggeriert mit seinem Singsang-Thema eine 8-taktige Form, die er bis fast ans Ende seines Solos durchhält. Tyner spielt ein sehr intensives Solo - er klingt fast nach dem "reifen" (post-Coltrane) Tyner hier. Dann nochmal Coltrane für ein ausführliches "second helping" (das Stück dauert immerhin über 15 Minuten!), und mittlerweile ist Haynes richtig gut drauf - unglaublich, was der zusammentrommelt! Und im Gegensatz zu Elvin (der eben so laidback war, dass er noch beim kompliziertesten Spiel gähnen konnte) hat man bei Haynes stets das Gefühl, er sitze auf Nadeln, auf der Stuhlkante, bereits zum Sprung... toll!
31. Mai - 5. Juni: Pep's, Philadelphia, PA
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Damit endet meine Coltrane-Beschäftigung für heute... im Sommer 1965 spielte Coltranes Quartett in Newport, in Antibes und Paris, sowie in Belgien (Comblain-la-Tour), das und weitere Studio-Sessions von 1965 folgen im nächsten Post.
gypsy tail wind
28.06.2010, 00:20
Zum "Giant Steps" Video von oben - hab's jetzt endlich angeschaut... Ihr (redbeans und clasjaz) seid blöde Spötter! Herman ist ein seltsamer Kerl, ja, aber er ist ECHT! Und er hat über mehrere Jahrzehnte hinweg tolle Bands geleitet - hört Euch mal die frühen Sachen an mit den "four brothers", oder das Carnegie Hall Konzert mit Dave Burns, oder Live at Monterey aus den 50ern, oder aus den 60ern das Mosaic Select oder das Columbia Album "Woody's Winners" (auch von Mosaic in der "Mosaic Singles"-Reihe neu aufgelegt).
Oder noch besser: schaut die drei "Jazz Casual" Sendungen an!
Ich hab auch eine Weile gebraucht, um ihn zu akzeptieren, wie er ist, aber er ist nun mal so, und er hat ziemlich gut gespielt selber und v.a. immer wieder einen Rahmen geschaffen, in dem tolle Musiker ihr Können zeigen konnte, von Stan Getz bis zu Sal Nistico sag ich jetzt mal (das Haltbarkeitsdatum hat er dann wohl so 1964 oder 1965 überschritten, vielleicht auch ein klein wenig später).
Dieses Arrangement von "Giant Steps" will ich dabei keineswegs verteidigen, aber den Herrn schon.
alexischicke
28.06.2010, 08:07
Herman war ein Genie und hatte immer tolle Bands! In den 70zigern hat sogar zweimal den Grammy gewonnen.
redbeansandrice
28.06.2010, 10:40
jaja, das ist mittlerweile auch bei mir angekommen, dass Hermans Band eine Plattform für viele war, die anders niemals eine Bigband hätten leiten können... und dass er aus allen möglichen Gründen großen Respekt verdient hat... konkret das Giant Steps Arrangement find ich am Anfang etwas kopflos, aber die Solisten sind offensichtlich große Klasse... interessant zu sehen, wie wenige Sideman-Sessions Garrison im Vergleich zu Tyner und Jones hatte...
Das ist in der Tat eine tolle Beschreibung von Coltranes Wandel, den man wohl irgendwo zwischen Ende 1963 (Europa-Tour) und Mitte 1964 am ehesten greifen kann. Ich denke man kann diesen Wandel eben auch am Ton hören. Die Härte und Klarheit, die sein Ton vor den Zahn- und/oder Mundstückproblemen hatte, die hat Coltrane wohl nie mehr erreicht, und wie mich dünkt, gar nicht mehr erreichen wollen. Stattdessen ist sein Ton in den Konturen weicher und im Körper voller geworden. Das Vibrato, das früher nur bei Balladen auftauchte, wird in seiner ganzen Musik hörbar (was die beiden 1964er Studio-Alben zeigen), die Musik wird insgesamt umfassender, es gibt nicht mehr diese klaren Trennung von "Balladen", "Blues" und "cookers" oder Uptempo-Nummern oder wie man das auch immer nennen will... das alles packt Coltrane in dieser Phase oft in ein einziges Stück - Rubato mit hymnischer Lyrik, mitreissender Swing, suchende, ekstatische Soli. Genau das ist es wohl, was die Musik so unglaublich gut macht!
Prima beschrieben. Coltrane löst die klassischen Jazzformen auf, aber die neuen langen Stücke besitzen dennoch eine Struktur, die seiner eigenen Logik entspricht, aber nicht mehr bekannten Jazz-Konventionen folgt. Er ist sicherlich nicht der Erste, der das gemacht hat, aber er hat es auf vollendete Art und Weise getan.
Ein Nachtrag zu New Wave in Jazz: die CD lässt Aylers Stück "Holy Ghost" weg, es erschien dann als erstes Stück auf der Ayler Doppel-CD "Live in Greenwich Village - The Complete Impulse Recordings" (GRP 1998, IMP 22732). Die CD enthält neben Coltranes "Nature Boy" auch Archie Shepps "Hambone", Charles Tollivers "Brilliant Corners" und Grachan Moncurs "Blue Free", sowie von Tolliver und Moncur je einen längeren Bonus Track: "Plight" und "The Intellect" - beide erschienen zuerst auf dem Doppel-Album The New Breed (http://discog.piezoelektric.org/marionbrown/d/thededicationseriesvolviiithenewbreedceciltaylorch arlestollivergrachanmoncurarchieshepp.html), das zudem die Cecil Taylor Impulse-Session (1964-10-10) enthielt, sowie die beiden New Wave in Jazz Stücke von Tolliver und Moncur, und auch denjenigen von Shepp.
Die CD ist also abgesehen vom Coltrane Track (der anstelle der drei Taylor Tracks steht) eher ein Reissue von "The New Breed".
Aber das alles interessiert Euch ja wohl eh nicht... interessant sein dürfte aber, dass die "New Wave in Jazz" CD ca. 23 Minuten von Tollivers Quintet (mit James Spaulding, Bobby Hutcherson, Cecil McBee und Billy Higgins) und ca. 31 Minuten von Grachan Moncurs Quartett (dieselben minus Tolliver und mit Beaver Harris anstelle von Higgins) enthält.
Doch, mich interessiert das, weil ich die Doppel-LP letzens erworben habe. Danke. :-)
gypsy tail wind
28.06.2010, 15:48
Doch, mich interessiert das, weil ich die Doppel-LP letzens erworben habe. Danke. :-)
Hab selber die CD, aber die Tracks von Cecil Taylor findens ich auf "Mixed", einer 90er "Impulse Master Sessions" CD, die überdies Roswell Rudds Impulse-Album "Everywhere" enthält (mit Robin Kenyatta, Giuseppi Logan, Charlie Haden, Lewis Worrell und Beaver Harris, rec. 1966).
Die Taylor-Tracks erschienen übrigens ursprünglich auf Gil Evans' Impulse Album "Into the Hot" (ohne, dass Taylor gross angeschrieben gewesen wäre... Evans wollte einfach Taylors Musik präsentieren - schöne Geste! Leider hat Taylor nach dieser einen 1961er [nicht 1964!] Session für Impulse nichts mehr gemacht).
Und leider hat Impulse es bei der "Master Sessions" CD von Gil Evans' "Out of the Cool" verhängt, die drei Evans-Tracks von "Into the Hot" anzuhängen, die sind im CD-Limbus, aber das interessiert die Vinylisten unter Euch ja nicht ;-)
Ich bin kein Vinylist, ich habe bei weitem mehr CDs als Vinyl. Als ich jung war, wäre kein Mensch von sich aus auf die Idee gekommen, Platten zu hören, wenn er das nicht ohnehin schon tat.
gypsy tail wind
28.06.2010, 17:04
jaja, das ist mittlerweile auch bei mir angekommen, dass Hermans Band eine Plattform für viele war, die anders niemals eine Bigband hätten leiten können... und dass er aus allen möglichen Gründen großen Respekt verdient hat... konkret das Giant Steps Arrangement find ich am Anfang etwas kopflos, aber die Solisten sind offensichtlich große Klasse... interessant zu sehen, wie wenige Sideman-Sessions Garrison im Vergleich zu Tyner und Jones hatte...
Hör Dir einfach mal das Philips Album Woody Herman 1963 an, das ich Dir geschickt habe! Mehr dazu im Big Band Thread (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2203211#post2203211).
gypsy tail wind
29.06.2010, 13:30
1965 war wie oben schon angedeutet ein extrem reichhaltiges und ereignisreiches Jahr in Coltranes Karriere - und auch das, in dem er einen nächsten musikalischen Durchbruch erzielte, vermute ich.
1964 hat er mit zwei grossartigen und in ihrer starken Schönheit bis heute betörenden Alben - Crescent und A Love Supreme - eine Summer der bis dahin erarbeitete Musik gezogen (ähnlich wie ein paar Jahre zuvor mit Giant Steps). Die Musik war hymnisch, treibend, leidenschaftlich, lyrisch und unglaublich stark, alles in einem (ich hab das oben schon kurz zu beschreiben versucht - in diesem Post (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2202662#post2202662), am Ende meine eigenen Worte dazu).
Nachdem im Frühjahr also die unglaublichen Live-Mitschnitte im Half Note und die Sessions für das wohl letzte "klassische" Quartett-Album, The John Coltrane Quartet Plays aufgenommen worden waren, ging's im Sommer mit grossen Schritten voran.
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10. Juni: Der grosse Teil des postumen Albums Transition (AS-9195, erschienen ca. September 1970) entstand, mit Elvin Jones zurück am Schlagzeug (es gibt in "Coltrane Reference" übriges - müsste auf S. 323 sein - keinen Hinweis, weshalb Haynes die Session vom 26. Mai gespielt hat und auch für den Gig vom 31. Mai - 5. Juni in Philadelphia wird nichts vermerkt, d.h. es ist davon auszugehen, dass Jones dort gespielt hat, denn Veränderungen des Line-Ups werden sonst immer nachgezeichnet).
Das Stück "Welcome" erschien zuerst auf dem Album Kulu Sé Mama (AS-9106, erschienen ca. Januar 1967). "The Last Blues" erschien auf der CD Living Space (IMP 12462, 1998), ist überdies auch auf der 8CD Box The Classic Quartet (1998) und der 4CD Compilation John Coltrane Legacy (2002) zu finden. Das "untitled original [90314]" erschien zuerst auf dem Doppel-Album Feelin' Good (IZ 9345-2, 1978) und ist auch auf Living Space und The Classic Quartet zu finden. Das Titelstück und die "Suite" erschienen neben AS-9195 auch auf einer Compilation (John Coltrane Collection Vol. 2, auch 90314 war dort zu finden) und sind auf und The Classic Quartet ebenso zu finden. What a mess!
"Welcome" ist eine Art - so blöd es klingt - musikalischer Segen, eine ganz einfache Hymne (klingt so halb nach "Happy Birthday"), die Coltrane nach einem Piano-Intro ganz im Rubato vorträgt. Aus Nat Hentoffs Liner Notes zu AS-9106:
"Welcome", Coltrane explains, "is that feeling you have when you finally do reach an awareness, an understanding which you have earned through struggle. It is a feeling of peace. A welcome feeling of peace." And accordingly, the performance is serene. Temporarily serene, for in Coltrane's view of man in the world, there are always further stages to work your way toward. The striving is ceaseless. It is not striving in competition with others, but rather a striving within the self to discover how much more aware one can become.
~ Nat Hentoff, original liner notes to "John Coltrane - Kulu Sé Mama" (Impulse AS-9106)
Mit dieser sehr treffenden Charakterisierung Coltranes enden auch Hentoffs Liner Notes.
"The Last Blues" ist ein weiteres kurzes Stück, das Coltrane ganz allein eröffnet, die Rhythmusgruppe setzt im ersten und letzten Chorus die ersten vier Takte aus. Es handelt sich bei dieser Aufnahme anscheinend um die allerletzte, die Coltrane in der klassischen 12-taktigen Blues-Form gemacht hat, daher wurde 1998, als das Stück erstmals veröffentlicht wurde, wohl dieser Titel gewählt. Wenn die Rhythmusgruppe einsetzt, geht's hier wieder richtig zur Sache, mit dem patentierten Medium-Swing, den Jones so toll beherrschte - keine wichtige oder überragende Aufnahme, aber ein letzter Blick auf das klassische Quartett, ganz ohne Hymnen und Rubato.
Mit "Untitled Original 90314" (die Nummer steht ganz einfach für die Master-Nummer) kann man eine Idee bekommen davon, wie das Quartett live gespielt hat. Coltrane spielt über Bass/Drums ein suchendes Solo über diesem modalen Stück, er lotet das obere Register des Tenorsaxophons aus... Tyner setzt an einem äusserst intensiven Punkt ein mit seinem Solo und es gelingt ihm, die Spannung zu halten, bis Coltrane noch einmal (wieder ohne Piano) kommt und das Stück abschliesst. Das ganze dauert fast eine Viertelstunde. Diese Art Aufnahme wurde zu Lebzeiten Coltranes kaum veröffentlicht, was sehr schade ist!
Es folgt "Transition" (in den Session Logs als "Crescent 3" - es bildete mit "Crescent" und "After the Crescent" mal eine Suite), ein weiteres modales Stück, etwas über eine Viertelstunde lang. Jetzt ist das Quartett richtig warmgespielt, Tyner begleitet Coltrane hier durchgängig und Elvin Jones ist schon kurz nach Beginn in seinem Solier-Begleit-Modus. Garrisons Bass ist oft mehr gefühlt als gehört, streckenweise wird er wie schon im "Untitled Original" fast zu einer weiteren Bass-Trommel.
Dann folgt das Herzstück dieser Session, eine unbetitelte "Suite" in fünf Teilen. "Prayer and Meditation: Day" beginnt mit einer kurzen "invocation", dann geht's rasch in ein schnelles, treibendes Tempo über, Tyner klingt hier (für seine Verhältnisse jedenfalls) sehr frei, Jones ist kurz davor, den Beat aufzubrechen. "Peace and After" ist ein unbegleitetes Bass-Solo von Garrison. Dann wird das schnelle Thema wieder aufgegriffen: "Prayer and Meditation: Night", dann folgt Elvins Solo: "Affirmation", und zum Ende wieder das Thema: "Prayer and Meditation: 4 a.m.". Die letzte Passage wird im Rubato gespielt, bzw. die Musik ist intensiv genug, dass ich das jetzt (rhythmisch) "frei" nennen will, Coltrane brennt! Dann gib'ts ganz zu Ende den Wechsel ins mittlerweile sehr vertraute lyrische Rubato. Insgesamt ist diese Suite wohl eine Art Versuch, etwas ähnliches wie in "A Love Supreme" zu schaffen, gewissen Ähnlichkeiten sind nicht zu überhören. Die Musik ist allerdings weniger dramatisch (weniger variiert, das Spiel ist dichter, lässt ausser in Garrisons Solo weniger Raum) und das ganze ist auch einiges kürzer. Dennoch ein tolles Stück Musik!
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16. Juni: Die nächste Impulse Studio-Session, wieder zerstückelt veröffentlicht. "Living Space" (mit den Overdubs von Alice Coltrane, 1972), "Dusk Dawn" und "untitled original [90320]" erschienen zuerst auf Feelin' Good, "Vigil" auf Kulu Sé Mama. Alle vier finden sich auch auf John Coltrane Collection Vol. 3. Auf The Classic Quartet ist das auch alles zu hören, und es kommt ein ein Alternate Take (mit breakdown und p-rehearsal) dazu. Auf dem CD-Reissue von Kulu Sé Mama (2000) erschien zudem ein zusätzlicher, sonst nirgends zu hörender Take von "Dusk Dawn".
"Living Space" ist das letzte Sopransax-Stück, das Coltrane im Studio mit dem Quartett aufgenommen hat. Auf The Classic Quartet gibt's einen Breakdown und einen Alternate Take ohne die zweite, im Overdub-Verfahren eingespielte Sopransax-Stimme. Diese macht jedoch den besonderen Reiz des Masters aus! Das Stück beginnt lyrisch, Rubato... eigentlich wie ein klassisches Tenor-Featurer jener Zeit. Tyner begleitet wie üblich, wenn Coltrane Sopransax spielt. Der Master mit dem Overdub ist noch lyrischer, zwei Sopransax-Stimmen, die wie ein grosses Vibrato oder ein Echo klingen, dazu Garrisons gestrichener Bass, sehr schön!
Vom nächsten Stück, "Dusk Dawn", wurde auf der CD Kulu Sé Mama erstmals der erste Take veröffentlicht. Das Thema ist knapp, der Master ist etwas ausführlicher. Tyner spielt ein tolles Solo und Garrison hat noch einmal die Möglichkeit, unbegleitet zu solieren - das Resultat ist eins seiner dramatischsten Statements überhaupt!
"Vigil" dann ist ein Highlight dieser Sessions vom Juni - das einzige Stück, das Coltrane und Jones ganz im Duo jemals im Studio aufgenommen haben. Ein sehr intensives Stück, das aber zugleich eine grosse Ruhe ausstrahlt.
Zum Abschluss gibt's noch ein "Untitled Original", das gemäss seiner Master-Nummer auch als "30920" bekannt ist. Der Beat löst sich hier zunehmend auf, Jones und Tyner bewegen sich freier, das Metrum wird flexibel, Garrison ist wieder mehr gehört als gefühlt, er spielt definitiv keine klassischen Walking-Linien mehr. Der flexible Beat zieht sich unter Coltranes Tenorsolo hin und bleibt auch bei Tyner, Garrisons Begleitung ist streckenweise minimal, wie eine Trommel auf einem einzigen Ton, dann streut er rasante Läufe ein. Ein schöner Abschluss dieser Sessions!
Ich will nicht behaupten, diese beiden Sessions seien grandiose, versteckte Schätze, aber ich vermute doch, dass sie einiges bekannter und geschätzer wären, wenn sie damals in etwas weniger chaotischer Form zu hören gewesen wären! Sie entsprechen auch eher dem Bild, das Coltranes Live-Musik abgibt als die Sessions, die auf The John Coltrane Quartet Plays ca. im August 1965 erschienen sind.
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David Wild, der als Liner Notes-Autor irgendwann von Ashley Kahn abgelöst wurde, schreibt in seinen Notes zur 2000er CD von Kulu Sé Mama, dass die Fülle an Aufnahmen aus dieser Zeit möglicherweise damit zusammenhänge, dass die Gruppe im Frühling und frühen Sommer 1965 wenig Auftritte absolvierte.
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19. Juni: Pittsburgh Jazz Festival, Civic Arena, Pittsburgh, PA
Das Programm: Freitag - MJQ, Art Blakey (der für Miles einsprang), Monk, Basie; Samstag - Earl Hines, Carmen McRae, Stan Getz, Coltrane, Ellington; Sonntag - M.L. Williams, Muddy Waters, Brubeck, Jamal, Dizzy und Woody Herman. Das alles in drei Tagen, unglaublich!
Down Beat (29. Juli 1965, S. 11, ein gewisser Roy Kohler) fand Coltranes Quartett gerade im Vergleich mit Getz unterdurchschnittlich und merkte an: "Even the most dyed-in-the-wool Coltrane fans seemed confused as to whether the saxophonist was kidding or not." (zit. nach: Coltrane Reference, 323). Allerdings schrieb dann ein Barry G. Parsons einen Leserbrief, in dem er die Dinge wieder richtigstellte: "It was Stan Getz, not John Coltrane, who was below par. Getz' flat, routine soloing was anything but 'captivating' [...] Coltrane, along with Earl Hines and Gary Burton, provided the artistic highlights of the evening." (Down Beat, 9. September 1965, S. 9, zit. nach: Coltrane Reference, 323). Burton hat wohl mit Getz' Quartett dort gespielt... dazu gibt's in der Verve CD "Nobody Else But Me" lustige Erinnerungen von Burton an seine Zeit mit Getz - die beiden scheinen menschlich zumindest zu Beginn komplett inkompatibel gewesen zu sein!
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Am 28. Juni holte Coltrane sich neben Freddie Hubbard ein paar Exponenten der jungen New Yorker Avantgarde ins Studio: Die Tenoristen Pharoah Sanders und Archie Shepp, die Altsaxer Marion Brown und John Tchicai (der aus Dänemark stammt), sowie den Trompeter Dewey Johnson. Art Davis sprang mal wieder als zweiter Bassist ein.
Mit dieser Aufnahme engagierte Coltrane sich ganz klar für das "New Thing" - er gab seinen Namen, aber nicht nur das, er schrieb ein Stück, das sich voll und ganz der Ästhetik des "New Thing" verschrieb. Coltrane erhob sich damit gewissermassen zu einer Vaterfigur für die jungen Wilden. Das war eine sehr erstaunliche Entwicklung (trotz allen Anzeichen), denn mit A Love Supreme, das anfangs 1965 sehr schnell veröffentlicht wurde, war Coltrane endgültig zu einem der grossen Stars der Jazz-Szene geworden. Das Album wurde Ende des Jahres von Down Beat und Jazz zum "Album of the Year" gewählt und die Leser von Down Beat wählten Coltrane zudem zum Musiker des Jahres, zum besten Tenorsaxophonisten, und erhoben ihn auch noch in die "Hall of Fame" (als dritten Tenorsaxophonisten nach Coleman Hawkins und Lester Young). Niemand hatte davor auf einmal in so vielen Kategorien der Down Beat Umfragen gewonnen.
Anstatt sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen hat sich Coltrane mehr und mehr für junge Musiker eingesetzt, die wie er auf der Suche nach etwas neuem waren - er unterstützte Archie Shepp (der auf Coltranes Label Impulse eine Reihe eindrücklicher Alben aufzunehmen begann), Pharoah Sanders und Marion Brown (letzterer machte für Impulse das schöne Album "Three for Shepp", Sanders auch eine ganze Reihe von Alben, die allerdings meiner Meinung nach nie an das heranreichen, was Sanders auf Coltranes Alben erreicht hat). In diesem Rahmen ist auch Coltranes Auftritt am 28. März zu sehen (s.o.).
Das Resultat der Studio-Session mit diesen Exponenten des "New Thing" war das grandiose Album Ascension. Die Musik wurde offenbar von Coltrane im Studio ausgearbeitet - hier eine Passage aus Lewis Porters Liner Notes für die CD-Ausgabe von 2000:
The piece begins with a five-not theme, somewhat like that of "A Love Supreme", which Coltrane states at the beginning and which is taken up again at various points after that. In his autobiography, What a Wonderful World (Oxford University, 1995), Thiele recalled that Coltrane handed out sheet music at the session. It's uncertain just what he handed out; in the original liner notes Shepp is quoted as saying, "The ensemble passages were based on chords, but these chords were optional . . . . In those descending chords there is a definite tonal center, like a B-flat minor. But there are different roads to that center." [...] Marion Brown stated, "Trane had obviously thought a lot about what he wanted to do, but he wrote most of it out in the studio. He played this line and he said that everybody would play that line in the ensembles. Then he said he wanted crescendi and decrescendi after every solo."
Several commentators have noticed that "Ascension" seems to be loosely based on scales, which are more easily heard than chords in this dense ensemble. [...] During most of the ensemble passages, Coltrane evidently signaled by his playing (and probably by gestures as well) when to change chords, with corresponding changes in scales. The other musicians then start with the indicated scale but quickly branch out from there. For the individual solos, the first scale, B-flat minor, is the general foundation.
~ Lewis Porter, liner notes to "John Coltrane - Ascension" (Verve 2000)
Mehr kann und will ich hierzu nicht sagen... die Aufnahme dürfte ja sowieso ziemlich weitrum bekannt sein :-)
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(Kleine Anmerkung: dieser Post ist deswegen kürzer, weil ich nicht dazu komme, täglich viele Stunden Coltrane zu hören, bzw. zwischendurch vermehrt anderes hören will... mal sehen wie's weitergeht, nach "Ascension" folgen die Live-Aufnahmen aus Newport und Europa, im Herbst dann die letzten Quartett-Sessions mit Tyner/Jones (darunter eins meiner allerliebsten Coltrane-Alben, Sun Ship - für mich eins der schönsten Free Jazz Alben überhaupt, also im ganz klassischen Sinne "schön"!) sowie weitere Aufnahmen mit grösseren Formationen und Ende November schliesslich ein nächstes Highlight, Meditations.
gypsy tail wind
29.06.2010, 13:39
Eine kleine "editorische" Notiz: Die Doppel-CD The Major Works of John Coltrane (GRP 21132, 1992) enthält all die Studio-Aufnahmen mit grösseren Besetzung, die im Juni und Oktober 1965 entstanden sind: beide Takes von "Ascension" (28. Juni), "Om" (1. Oktober), "Kulu Sé Mama" und "Selflessness" (14. Oktober).
Das Stück "Om" ist wohl hier am leichtesten zu finden - es ist allerdings eher eine Kuriosität denn ein zentraler Teil von Coltranes Werk.
Als Teil der "Impulse Master Edition" CD-Reihe erschienen 2000 auch Riessues von Ascension und Kulu Sé Mama. Erstere enthält beide Fassungen, zweitere enthält als Bonus-Tracks auch "Selflessness" und den oben erwähnten zuvor unveröffentlichten ersten und den Master Take von "Dusk Dawn".
Für Sammler (von CDs) wie mich ist also zumindest die Major Works CD sowie Kulu Sé Mama angesagt... ich habe auch die einzelne CD von Ascension, habe allerdings nie verglichen, ob die besser klingt als die Version in der Doppel-CD.
gypsy tail wind
04.07.2010, 10:01
Im Down Beat vom 19. Februar 1959 (S. 39) gab's einen Blindfold Test, den Leonard Feather mit Coltrane durchgeführt hat (in: Simpkins, 273f.) - darin äussert sich Coltrane wohlwollend über ziemlich unterschiedliche Musik: Paul Quinichette mit Woody Herman, Art Farmers "Modern Art", Horace Silvers "Soulville" - wovon er das Titelstück aufnehmen wolle, was leider nie stattfand -, Coleman Hawkins' "The Hawk Flies High", die Art Tatum/Ben Webster Platte, Toshiko - Bobby Jaspar vergleicht er mit Zoot Sims, und er betont, dass ihm der Gitarrist (René Thomas, den er nicht erkennt) sehr gefalle -, und Chet Bakers "In New York" mit Griffin. Zum Hawkins-Stück ("Chant", vom genannten Riverside-Album) gibt's den einzigen kleinen Exkurs:
When I first started listening to jazz, I heard Lester Young before I heard Bean. When I did hear Hawkins, I appreciated him, but I didn't hear him as much as I did Lester . . . Maybe it was because all we were getting then was the Basie band.
I went through Lester Young and on to Charlie Parker, but after that I started listening to others - I listened to Bean and realized what a great influence he was on the people I'd been listening to.
gypsy tail wind
04.07.2010, 11:13
redbeans hat ja schon mehrfach erwähnt, dass man hier (http://www.arts.rpi.edu/public_html/rolnick/public_html/classes/EAT_Music_09/EAT%20Music%20readings/Litweiler/Litweiler%20Ch4%20John%20Coltrane.pdf) Auszüge aus John Litweilers "The Freedom Principle" finden kann. Ich lese gerade (in der deutschen Version, hab das Oreos-TB vor ein paar Jahren mal ganz billig gefunden) das Kapitel über Coltrane und bin über den Abschnitt zu Giant Steps erfreut... auf den Seiten davor schildert Litweiler in groben Zügen die Entwicklung Coltranes weg vom Hardbop, was in der folgenden Passage gipfelt:
For John Coltrane, the rhythmic inner life of bop - it's unending restlessness, its nervous multiplicity of phrase shape and character (and of harmonic suggestion, too); in sum, the idiom's rich, abundant, neurotic emotionality - was becoming irrelevant. In its place, Coltrane discovered harmonic insecurity at times so vast that the only security in his music was symmetry and rhythmic insistence; reiteration is his defense against utter dislocation, as in the several "So What" solos or the three Wilbur Harden albums (1958). Coltrane's reevaluation of resources resulted in a music of extremes, for he seemed to have bypassed the mainstream of hard bop to arrive at a more perilous music; henceforth his art would exist in an unending condition of jeopardy.
~ John Litweiler, The Freedom Principle, 89
Das finde ich sehr, sehr treffend beschrieben, die Musik der Extreme, die sich stets ihrer eigenen Gefährdung bewusst ist, die sich quasi aus sich selbst heraus stets schaffen aber aber auch bewahren muss, um nicht sogleich wieder zu verschwinden.
Giant Steps nun ist gemäss Litweiler (und hier deckt sich seine einigermassen mit meiner laienhaften "Sackgasse" oder vielleicht treffender, "Abstellgleis" oder halt einfach "Umweg" Theorie) die grosse Ausnahme von der Regel, die kurze Abweichung von dieser sonst kontinuierlichen Entwicklung:
In Giant Steps Coltrane's achievement overshadows his quest for a change. Now that he is not obsessed, melody flows in a stream, his phrases are rhythmically dispersed, and his music acquires new power. A rising four-note motive gives happy character to "Giant Steps"; "Syeeda's Song Flute" takes flight from a long, sinuous line. The dogged simplicity that usually rushed in violent symmetrical lines now appears in spare form in the long-tones theme of "Naima" as the purest of lyricism; embellishment, activity would violate this precious fragility. His tone is soft, and the setting is as simple as possible, over a one-note bass pedal; the melody of "Naima" - quiet, sunfilled - is worthy of Coltrane's reverence, the unsuspected calm in the midst of his storms. Like "Traneing In," a new blues, "Mr. P.C.," has the efffect of prophecy, but now harmonic exploration and rhythmic certainty are no longer at opposite poles; instead, they merge as the burden of symmetry is abandoned. The sound sheets, downbeat accents, repetitions, great speed, and the other features off his most single-minded works are part of his Giant Steps solos; but now they are distributed throughout his solos, and the variety of his phrase shapes is unique in all of Coltrane's career. The freedom of line suggests liberation from the cave of self; life is deeply enriched by this great creativity.
~ John Litweiler, The Freedom Principle, 89f.
Schon bei Coltrane Jazz geht die unstete aber kontinuierliche Entdeckungsreise wieder weiter - es scheint also tatsächlich so, dass Coltrane mit Giant Steps eine Art Summe seines bisherigen Denkens verfasst hat.
gypsy tail wind
04.07.2010, 11:13
Habe in der Zwischenzeit das Complete 1961 Village Vanguard Recordings wieder in kompletter Version und höre jetzt die vierte CD... ich erlaube mir, um alles an einer Stelle zu haben, den alten Post (#189 (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2191134#post2191134)) hier in vollem Umfang zu zitieren und am Ende fortzuschreiben.
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Ich hör jetzt auf (bzw. nehme es mir vor), alle aufnahmen "grandios" und "grossartig" zu finden... dann ab Oktober 1960 trifft das für mich generell auf fast alle Coltrane-Alben bzw. -Sessions sowieso zu (Ausnahmen? Die Softie-Trilogie wohl am ehesten, die sind alle sehr schön, aber grossartig find ich alle drei nicht... sonst wird's schon schwierig... vielleicht 1965, als beim Quartett langsam die Luft raus war, Coltrane wieder nach neuen Wegen suchte... aber irgendwie find ich auch das fast alles grossartig zu hören!)
Also, die letzten Abende im Village Vanguard hat Impulse aufgenommen. Neben Coltrane, Tyner, Workman und Jones waren zugegen: Eric Dolphy (endlich auch an der Bassklarinette, aber auch am Altsax, die Flöte hört man hier nicht), Jimmy Garrison als zweiter Bassist, sowie auf bestimmten Stücken Ahmed Abdul-Malik an der Tanbura sowie Garvin Bushell an der Oboe und dem Kontrabassfagott. Auf einem Blues spielt Roy Haynes anstelle von Elvin Jones (er sollte in den kommenden Jahren ab und zu einspringen, sowohl live als auch im Studio).
Los geht's am 1. November gleich mit dem exotischsten Stück der Sessions, India (zuerst in der 4CD Box erschienen). Coltrane am Sopran, Dolphy an der Bassklarinette, beide Bässe und eine Drohne, die von Abdul-Malik an der Tanbura produziert wird (danke Coltrane Reference! Ich hatte schon immer Zweifel daran, dass das eine Oud sein sollte, wäre ja ein arger Missbrauch!). Das Stück zeigt erstmals Coltranes Faszination für die Indische Musik. Das ist wohl die Musik, die LeRoi Jones auf Platte hören wollte!
Es folgt ein erster Take von Chasin' the Trane (ts, as, Workman, Jones - The Other VV Tapes), Coltrane spielt ein Tenorsolo, in dessen Verlauf sich die Phrasen auflösen, in kurze Fragemente zerfallen. Es folgt Dolphy mit einem typischen flüssigen Altsolo mit diesen irrwitzigen riesigen Sprüngen. Ähnlich geht's weiter mit Impressions (ts, as, Tyner, Garrison, Jones - Trane's Mode). Dolphy und Coltrane sind ein fantastisches Bläser-Paar, schade, dass sie nicht später wieder zusammentraffen!
Es folgt ein erster Take der neben "India" anderen grossen Nummer dieser Sessions, Spiritual - hier noch im Quintett (ss, bcl, Tyner, Workman, Jones - The Other VV Tapes). Das Stück wird bei allen vier Versionen ähnlich präsentiert: Melodie (in C-moll) von Coltrane im Rubato (die Melodie beruht auf einem echten Spiritual), Coltrane-Solo über ein "two-chord minor scale pattern", Dolphy-Solo über ein "two-chord major scale" Pattern, dann Tyner in C-Moll, dann wieder das Thema. (Diese Beschreibung, gemäss David Wilds Liner Notes im 4CD-Set, soll vor Augen halten, wie Coltrane seit "My Favorite Things" oder "Olé" seine Stücke strukturiert... mit dieser Art von Strukturen kann man endlos spielen, hat die Freiheit, so lange zu solieren, wie man wünscht).
Es folgt ein Dolphy-Stück, Miles' Mode (aka "Red Planet", ts, as, Tyner, Workman, Jones - Trane's Modes), das auf einer Zwölftonreihe (die verkehrt herum wiederholt wird) beruht. Coltrane und Dolphy schrammen hier hart an der Grenze zum Atonalen vorbei - das Stück lädt natürlich dazu ein, auch wenn es modal strukturiert ist. Weiter geht's mit dem ersten Take von Naima (ts, bcl, Tyner, Workman, Jones - Trane's Modes) - "other-worldly"! Coltrane präsentiert nur das Thema, dann folgt ein wunderschönes Solo von Dolphy - seinen Solo-Exkursionen über "God Bless the Child" ebenbürtig! Tyner geht in Doubletime, Elvin swingt wunderbar mit den Besen, dann nochmal Trane zum lyrischen Ausklang.
Es folgt ein weiteres aussergewöhnliches Stück: Brasilia (ts, as, Tyner, Workman, Jones - als "Untitled Original" auf The Other VV Tapes), ein modales Stück, das mit einem Rubato beginnt (man höre auf Workman hier!), dann in einen swingenden mittelschnellen 4/4 wechselt, Coltrane spielt mit kleinen Ideen und Riffs, beugt den Ton, konstruiert ganz gelassen ein unglaubliches Solo (das Stück dauert 18 Minuten!), und dann folgen Dolphy, Tyner und Workman mit schönen Soli. (Eine ziemlich andersklingende Version von "Brasilia" findet sich auf dem 1965 aufgenommenen Album "The John Coltrane Quartet Plays".)
Am zweiten Aufnahmetag, dem 2. November, geht's los mit dem einzigen Stück mit Roy Haynes am Schlagzeug. Chasin' Another Trane (ts, as, Workman, Haynes, Tyner hört kurz nach dem Anfang auf, mitzuspielen - Trane's Modes) dauert über eine Viertelstunde und wird geprägt von Haynes leichterem (aber kaum weniger komplexen) Schlagzeugspiel. Coltrane konstruiert ein weiteres dieser Singsang-Soli, Dolphy spielt zwischendurch kurz eins seiner typischen vokalen Altsoli, und dann wieder Coltrane - wunderbar!
Es folgt die zweite Version von India (ss, bcl, Tyner, Garrison, Workman, Jones, Abdul Malik, Bushell an der Oboe - From the Original Master Tapes, CD 1985). The plot thickens... tolle Musik! Und gleich drauf die zweite Version von Spiritual (ts/ss, bcl, Tyner, Workman, Jones, Bushell am Kontrafagott - From the Original Master Tapes, CD 1985).
Dann folgt das erste Stück, das fürs ursprüngliche Album (dem einige ja Vorwarfen, Dolphy quasi rauszuzensieren) gewählt wurde: eine wunderbare Version des Standards Softly As In a Morning Sunrise (ss, Tyner, Workman, Jones - Live at VV), den 1957 auch Sonny Rollins im Vanguard aufnahm (zu hören auf seinen klassischen Blue Note Aufnahmen "Live at the Village Vanguard" - am besten die RVG Edition Doppel-CD mit allen Aufnahmen suchen!). Tyner spielt ein langes Solo, Jones swingt unglaublich, dann kommt Coltrane rein, für einmal Sopran ohne Walzer oder Exotica, einfach ein medium-up Swinger... und die Post geht ab!
Es folgt gleich das nächste Stück vom ursprünglichen Album und eins der grossen Highlights aus Coltranes ganzer Karriere: Chasin' the Trane (ts, Garrison, Jones - Live at VV, frühere Ausgaben nannten fälschlicherweise Workman als den Bassisten). Coltrane spielt in schnellem Tempo 16 Minuten lang Blues-Chorus nach Blues-Chorus... so ungefähr stell ich mir das vor, was Gieske (Post #364) meint, einfach dauerte das dort noch viel länger!
Dann folgt eine kürzere Version von Greensleeves (ss, Tyner, Workman, Jones - The Other VV Tapes) - gut, das in schöner RVG-Qualität zu hören nach den zwei Bootleg-Versionen, die ich gestern und heute morgen gehört habe!
Impressions (ts,as, Tyner, Garison, Jones - Impressions, 1963) ist auch eine der klassichen Coltrane-Nummern. Das Stück basiert auf einer Stuktur, die ähnlich funktioniert wie "So What": 32 Takte, AABA (also vier 8er Gruppen), wobei der B-Teil in einer anderen Tonart gespielt wird als die A-Teile. Es gibt also eine feste Form, aber innerhalb dieser ist ziemlich alles frei. Coltrane (ohne Piano-Begleitung) und Dolphy nutzen dies für tolle Soli!
Die Aufnahmen vom 3. November beginnen mit der dritten Version von Spiritual (ts/ss, bcl, Tyner, Workman, Jones - Live at the VV), dem letzten Stück des ursprünglichen Albums. Hier wird auf Bushell leider verzichtet, das Stück ist dennoch Klasse!
Es folgt die zweite Version von Naima (ts, bcl, Tyner, Workman, Jones - erstmals in der 4CD Box zu hören), wieder mit Dolphy als Hauptsolist. Wunderbar schon das eröffnende Thema, mit Auschmückungen von Elvin Jones! Dolphy spielt wieder ein wunderschönes Solo, Tyner wieder in Doubletime... weiter geht's mit der zweiten Version von Impressions (ts, Tyner, Garrison, Jones - Impressions, Dolphy ist im Schlusston auch zu hören). Es wird bei diesen beiden Versionen klar, weshalb Coltrane das Stück anscheinend damals als "So What" angesagt oder angezählt hat - das Thema ist wirklich sehr ähnlich! Coltrane gibt in seinem Solo sofort Gas, spielt kurze, zerrisssene Phrasen, konstruiert daraus ein unglaubliches Solo!
Als nächstes folgt die dritte Version von India (ss, bcl, Tyner, Garrison, Workman, Jones - Impressions), dem pièce de résistance der 1961er Village Vanguard Sessions
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Hier geht's nun also weiter... mit einer zweiten, wunderbaren Version von Greensleeves (ss, Tyner, Workman, Jones), in der besonders das Bass-Spiel von Workman auffällt - es klingt streckenweise schon fast nach dem "Flamenco"-Bass, wie er Garrison später so oft zu hören sein würde.
Weiter mit Miles' Mode (ts, as, Tyner, Garrison, Workman, Jones - zum ersten Mal in dieser Box veröffentlicht). Unglaublich, wie die beiden Bassisten mit Jones ein Fundament schaffen, das sowohl drohnenartig starr ist und zugleich höchst bewegt, als würde sich die Betonung des Beats konstant leicht ändern... darüber spielen Coltrane und Dolphy swingende Soli (und - man erlaube mir diesen Anachronismus - Dolphys satter Sound und grade Phrasierung sind spannend zu hören nach all den Aufnahmen von später, die ich seither gehört habe... er scheint mir - bei allem Respekt - einiges altmodischer als Coltrane zu spielen, viel mehr "inside", was die Rhythmik und über weite Strecken auch die Tongestaltung betrifft). Dolphys Solo ist gewaltig! Tyner setzt erst danach für sein eigenes Solo ein.
Am 5. November nahm die Gruppe nochmal India und Spiritual auf (beide erschienen auf "The Other Village Vanguard Tapes"). India (ss, bcl, Tyner, Garrison, Workman, Jones, Ahmed Abdul-Malik an der Oud, Garvin Bushell an der Oboe) ist dieses Mal mit der "grossen" Besetzung zu hören. Die Gruppe schafft - ähnlich wie auf dem Titelstück von "Olé" - eine atmosphärische Stimmung, die über Elvins dichten Rhythmen von den beiden Bassisten getrieben wird. Tyner setzt wieder über weite Strecken aus. Das Stück beginnt mit einem leicht orientalisch angehauchten Sopransolo Coltranes über den Drohnen, die Abdul-Malik und die Bässe gemeinsam aufsetzen. Es folgt das Thema über einem bereits heftig von Elvin getriebenen Beat und daraus Coltranes erstes Solo. Dolphy folgt mit einem tollen Bassklarinettensolo, und dann zum Ende gleich nochmal Coltrane, der mit Trillern in hohen Lagen einsteigt und ein mäandrierendes, intensives Solo bläst (über sparsamen Piano-Tupfern von Tyner und einem immer mehr aufdrehenden Elvin Jones).
Zu guter letzt nochmal den Spiritual (ts/ss, bcl, Workman, Jones, Bushell), mit Garvin Bushell am Kontrabassfagott, das die Präsentation des Themas prägt. Im Call-and-Response beginnt Coltrane das Thema, während Bushell einen fortlaufenden, dröhnenden Grundton legt. Dann wechselt das Stück in ein satt swingendes 4/4, das Jones wieder von Anfang an mit vielen Einwürfen und diversen Rhythmen umspielt. Bushell bläst ein simples Ostinato und Workman spielt sehr agil zwischen diesem und seinen eigenen Fills und Ideen hin und her. Grossartig - und das ist erst der Beginn von über 20 Minuten! Coltrane nimmt sich in seinem folgenden Solo viel Zeit, baut langsam auf, steigert sich stetig, spielt zwischendurch kurz diese immer öfter zu hörenden kurzen Phrasen, die er repetiert und dreht und wendet, um dann aber rasch wieder zur getrageneren Grundstimmung zurückzufinden. Und Bushell bläst - leider sehr leise im Mix - stetig weiter, während Workman von repetierten Einzeltönen bis zu kurzen Ausflügen in hohe Lagen mit grosser Freiheit und grossem Drive begleitet, Tyner einen feinen Teppich legt, und Jones auf seine behäbig-träge Art (ja, ich kann mir vorstellen, dass er da mal gegähnt hat während er grad drei verschiedene Metren am laufen hatte!) mit Coltrane dialogisiert und das Stück auf seine ganz eigene Art prägt. Ungefähr zur Halbzeit der Aufnahme beginnt Dolphy sein Bassklarinettensolo - auch er beginnt getragen, nachdenklich, seine rasanten Läufe werden zu Beginn nur kurz angerissen, angetönt, dann steigert er sich in einen sehr stimmhaften Monolog. Es folgt Tyner, die Musik beruhigt sich ein wenig. Zum Abschluss spielt Coltrane dann noch ein kurzes Sopran-Solo, während Tyner aussetzt (Bushell hat schon vorher ab und zu Pause gemacht) und Workman/Jones die Intensität runterfahren... um nochmal dem Call-and-Response-Thema Platz zu machen, das Coltrane nun auf dem Sopran spielt. Wunderbar! Für mich ist dieses letzte Stück eins der grossen Highlights des ganzen Sets!
gypsy tail wind
04.07.2010, 12:02
Ergänzung, da eben gelesen: Litweiler beschreibt recht ausführlich die Village Vanguard Sessions - ich tippe das nicht auch noch ab, lest dazu hier (http://www.arts.rpi.edu/public_html/rolnick/public_html/classes/EAT_Music_09/EAT%20Music%20readings/Litweiler/Litweiler%20Ch4%20John%20Coltrane.pdf) S. 93 ab "His soloing had not necessarily..."
Wie Litweiler das beschreibt macht für mich absolut Sinn - auch wenn die Worte, die Litweiler verwendet (etwa: "zwanghafte Repetition führt zu Frustration", wie das auf S. 79 der deutschen Fassung heisst) manchmal auf den ersten Eindruck etwas negativ klingen... aber Kunst auf diesem Niveau ist ja nie ohne Auseinandersetzung oder Konflikt zu haben.
gypsy tail wind
04.07.2010, 18:24
2. Juli: zum zweiten Mal spielte Coltrane am Newport Jazz Festival.
Sein Auftritt wurde von Impulse mitgeschnitten, das kurze Set bestand aus zwei Stücken: "One Down, One Up" und "My Favorite Things". Ersteres erschien ca. im Februar 1966 auf New Thing at Newport (AS-94), das überdies das Set (oder Teile davon?) von Archie Shepp enthielt. Das zweite Stück erschien zuerst auf der Doppel-LP Feelin' Good, später auch auf diversen CD-Reissues von New Thing at Newport und zuletzt 2007 auf My Favorite Things: Coltrane at Newport, der oben bereits erwähnten CD, die auch das Set von 1963 enthält (mit der bisher längsten veröffentlichten Version von "Impressions").
"One Down, One Up" war bis zur Veröffentlichung der Half Note Mitschnitte vor ein paar Jahren die gefeierte Version dieses Stückes. Sie dauert nicht ganz 13 Minuten und beginnt nach dem Thema mit einem Piano-Solo, während dem Elvin Jones richtig aufdreht. In der Hälfte setzt dann Coltrane ein, konstruiert sein Solo zunächst eng dem Thema entlang und löst sich langsam davon, um in einen von "cries" und wilden Glissandi unterbrochenen Singsang zu entgleiten.
"My Favorite Things" klingt dagegen fröhlich und unbeschwert, Coltranes Ton auf dem Sopran ist satt und weich.
Am 3. Juli nimmt Elvin Jones (auch als Teil des Newport Jazz Festivals) an einem Drum-Workshop Teil, mit Buddy Rich, Louie Bellson, Art Blakey, Jo Jones und Roy Haynes.
6.-18. Juli: Village Gate (neben Monks Quartett)
Coltrane may have sat in with Monk on some sets; in a 1999 interview, Ben Riley said that Coltrane sat in with Monk several times when Coltrane and Monk were on the same bill (from "An Interview with Ben Riley," by Don Williamson, Dec. 1999, http://www.allaboutjazz.com/iviews/briley.htm, accessed July 7, 2002):
Then he would move on. The only time that Monk changed his library was during the few times that Coltrane sat in with us. Then they played all of those old things that Trane played with him, Shadow Wilson and Wilbur Ware at the old Five Spot. They would play Trinkle Tinkle and all of those songs when Trane sat in. When Trane and Monk worked opposite each other and Rouse was late, he would ask Thelonious if he could sit in. Then Thelonious ran right for the piano and started playing. He never answered you. He'd just say, "You're going to open," and then, bang! he'd be on the piano.
~ Coltrane Reference, 324
Marc Brasz hat einen längeren Review über eins dieser Village Gate Konzerte geschrieben ("Music: John Coltrane - Murder at the Gate", Liberator, August 1965, Vol. V, Nr. 8, 27-28), der in "Coltrane Reference" (324f.) wiedergegeben ist, ich zitiere einen Ausschnitt daraus, weil mir der Text - mit seiner ganzen Hipster-Sprache - einen guten Einblick zu geben scheint, wie man Coltrane damals als Fan/Befürworter/Mitstreiter wahrnehmen konnte:
[...]
JC and his men played two numbers, the first lasting about 45 minutes, and without the help of MyCoy Tyner. John started the first piece in a free vein, the theme was never touched, but it seemed to me that the lines might have been based around "Impressions," and I got the impression that somebody, somehow, was gonna get killed, at least. I was wrong; more than somebody got killed.
Let me set the scene for the first 20 minutes of the number. In front you have John screaming and forcing, twisting his body into every possible position, crouching, leaning, bending, sweating, bleeding. Up and down the song as an undulating pattern, gnarling the air, and as the tenor moves/sounds like a human being, a thought occurs to you that perhaps JC and his instrument are one thing. Then, at the same time, the undercurrent of Jimmy Garrison ripping his bass apart with his bare hands, all over the place, cursing over the harshness of his hands against the strings and the pulverizing percussive vibrations (it's so hard to describe, man, you gotta hear it to believe it - just to use a cliche, but it's true). All this and Elvin Jones: forget it, baby! The man cannot be stopped. Driving himself into cymbals and drums, and everything going all at once: the unending crash of metal, rising, all by itself, away, thru the roof, bringing down the building above, being bombarded by underlying hydrogen bombs of the tom-toms, snares, bass. And Elvin, contorting his face, moving maliciously into everything he can reach. And Jimmy, vibrating and beating, while Trane, dancing sweating bending his humanly mellow cries over the Whole of what he and his men create.
And then, suddenly, it all broke, Trane fading out, moving to the side, Elvin bringing the drums into a tender roll, into a solo for Jimmy. For that one instant, I thought I would cry: John standing, looking down, never at the audience, wiping his head with a handkerchief, Elvin getting off the stool (looked down at me saying "whew" - I believe him/whoever said murder was easy? Alvin Karpis? He was nuts). This left Garrison up there by himself, pushing himself beautifully: ripping at/twanging/strumming/hissing over his instrument like a panther.
After maybe 8 minutes the others returned to take the piece into a wonderful and moving denouement with Elvin putting in the last word, rapping out on the skins some kind of drum torture music.
[...]
When it did end, the guys cut out smoothly under the dimming lights, no bows, just out. Never before have I seen a white audience so brutally beaten. After, when Monk came on like a mystic human poem, I realized what Coltrane had done. There was more death that night at the Village Gate than there had been on the streets in a decade. Laughing dumbly, listlessly, looking into their empty cocktail glasses like the faggot ofays they were, so many of the people seated in the club were dead. $3.50 on a Friday night and it was suicide. Whole lot of white guys absurdly at the tables.
[...]
26. Juli - 1. August: Europa Tournee
26. Juli: Festival International du Jazz Antibes--Juan-les-Pins
Coltranes Quarett beglückte das sechste Festival in Juan-les-Pins mit der einzigen kompletten Live-Performance von A Love Supreme - auf 48 Minuten (gegenüber den 33 der Studio-Version) ist die Suite angewachsen, besonders erwähnenswert sind der Tenor/Schlagzeug Dialog im 3. Teil sowie das folgende, wunderbare Bass-Solo von Jimmy Garrison! Die Musik gehört zum besten, was es von Coltrane zu hören gibt!
Lange Zeit war dieses Konzert auf diversen Bootleg LPs und CDs zu finden, 2002 erschien es auf der "Deluxe Edition" zusammen mit der Studio-Version vom Dezember 1964 und den paar erhaltenen/wiedergefundenen Outtakes (Siehe #223 (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=2202506#post2202506)).
Es gibt auch eine unvollständige Film-Aufnahme, aber im Archiv der INA (http://www.ina.fr/) ist darüber anscheinend nichts zu erfahren. (Siehe Ashley Kahns Text im Booklet der "Deluxe Edition").
27. Juli: Am folgenden Tag spielte Coltrane erneut am Festival in Juan-les-Pins, auch dieses Konzert wurde vom ORTF mitgeschnitten (eine unvollständige Film-Aufnahme, "Naima" und ca. die erste Hälfte von "Ascension" sind erhalten aber leider nicht in guter Qualität).
Das Quartett spielte an diesem Tag: "Naima", "Ascension" (meist als "Blue Valse"), "My Favorite Things" und "Impressions". Zum Auftakt also die Ballade, die allerdings äusserst intensiv dargeboten wird, Coltrane spielt über weite Strecken im hohen Register, spielt überblasene, aufgeladene Linien, die die Grenzen der Tonaltität ausloten und hie und da überschreiten.
"Ascension" beginnt in der "klassischen" Rubato-Präsentation und nach ca. zwei Minuten wiederholt Coltrane eins seiner Licks, das Tempo beginnt sich zu verfestigen und Tyner setzt zu einem langen Solo an. Einem intensiven Coltrane-Solo schliesst ein dreiminütiges Schlagzeug-Solo an, dann folgt "My Favorite Things" - und auf dem Sopran klingt Coltrane mittlerweile definitiv um einiges konservativer als auf dem Tenor, was auch an der klanglich eingeschränkten Palette liegen mag, denn die Linien sind nach wie vor äusserst intensiv und streckenweise ähnlich hart an der Grenze des Tonalen und ähnlich suchend und "schreiend" wie die auf dem Tenor. Dennoch zieht sich auch hier noch die fröhliche Grundstimmung des Stückes wie auf der ersten Aufnahme im Oktober 1960 durch das ganze Stück.
Zum Abschluss folgt dann eine weitere grossartige Version von "Impressions", eröffnet von einem 10-minütigen Bass-Solo Garrisons, in dem er sein ganzes Können zeigt. Es folgt Tyner und schliesslich Coltrane mit einem tollen Solo, das zeigt, dass "Impressions" in Konzerten nach wie vor eine der Parade-Nummern war, ein Stück, in dem Coltrane an die Grenzen ging, die Musik auslotete und auskundschaftete bis zum Letzten.
Vor dem Konzert hat Michiel de Ruyter (http://mdr.jazzarchief.nl/) mit Coltrane sein viertes und letztes Interview geführt - alle vier können hier gehört werden:
http://mdr.jazzarchief.nl/interviews/coltrane/
28. Juli: Paris
Die erhaltene Aufnahme beginnt mit einem unvollständigen "Afro Blue", dann erneut "Impressions" und "Ascension" (auch üblicherweise als "Blue Valse" bezeichnet). "Afro Blue" bringt ein intensives Sopransolo, in einem Rahmen, der spannender und offener ist als "My Favorite Things", aber ich halte dennoch das Tenorspiel für viel spannender. Das ist auf "Impressions" zu hören, das hier 16 Minuten dauert (das Bass-Solo ist nicht komplett), und auch auf "Ascension", das über 22 Minuten lang ist. Coltrane spielt über dem extrem dichten Teppich von Jones äusserst intensive Soli - sehr eindrückliche Musik! Nach ca. 8 Minuten löst sich die Musik, das Tempo plötzlich auf, Jones spielt einige solistische Einwürfe, dann setzt Garrison zu seinem Solo an - ein weiteres unbegleitetes Highlight! Mit Jones kehrt Garrison dann zum schnellen 4/4 Tempo zurück und Coltrane setzt zu einem langen Solo an - schon zu Beginn überbläst er, repetiert schnelle Riffs mit dreckigem Sound... unglaublich!
Das Pariser Publikum - wie in Antibes in den Tagen zuvor - scheint noch immer gespalten zu sein über Coltrane, es mischen sich viele Buhrufe in den Applaus.
Randi Hultin berichtet in ihrem Buch (2000, S. 168-172) darüber, wie sie den Tag mit Coltrane verbracht habe, nach dem Konzert zum Japaner essen gegangen sei (Coltrane habe Omlett bestellt) und dann durch die Jazzklubs gezogen sei: zuerst Art Taylor/Johnny Griffin im Jazzland, dann Don Cherry im Chat Qui Pêche ("Coltrane Reference", 326).
Am 29. Juli nehmen Garrison und Jones mit Nathan Davis an einer unveröffentlichten Session von Eddy Louiss teil - das würd ich sehr sehr gern hören! Kann mir nicht so recht vorstellen, wie das klingt!
1. August: Comblain-la-Tour Jazz Festival
Es existieren Ton- und Filmaufnahmen dieses Konzertes. Die Setlist: "untitled original", "Naima", "My Favorite Things". Die Aufnahme beginnt schon im Original kurz vor dem Siedepunkt, Coltrane schreit, honkt, repetiert...
"My Favorite Things" wird vor allem durch Jones' immer dichteres Spiel noch weiterentwickelt, Coltrane scheint mir in diesem Stück mittlerweile auf allerhöchstem Niveau zu stagnieren. Nichtsdestotrotz ist die Musik von kathartischer Kraft! Ich wünschte, ich könnte so etwas live erleben!
Das Festival wurde von 1959-1966 vom Amerikaner Joe Napoli, einem ex-G.I., veranstaltet, der im Dezember 1944 mit dem kleinen Städtchen bekannt wurde ("Coltrane Reference", 327).
Es gibt heute noch/wieder ein Festival in Comblain:
http://www.comblainjazzfestival.be/
Dort wird auch eine Seite verlinkt, die über das erste Festival berichtet:
http://www.maisondujazz.be/fr/comblain/comblain5.html.
Noch mehr zur Geschichte des Festivals findet sich hier:
http://adalen.jimdo.com/jazz-comblain-1959-1966/
Ziemlich spannend, was da alles nebeneinander zu hören gewesen war!
Cannonball Adderleys "Cannonball in Europe", meiner Meinung nach eins seiner schönsten Alben, wurde übrigens 1962 in Comblain aufgenommen.
Die Video-Aufnahme dieses Konzertes ist hier zu finden:
John Coltrane - Live in '60,'61&'65 (Jazz Icons) (http://www.amazon.de/John-Coltrane-Live-Jazz-Icons/dp/B000TNJIK6/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1278248889&sr=1-1)
(Die DVD enthält neben Comblain-la-Tour 1965-08-01 auch die Film-Aufnahmen aus Düsseldorf 1960-03-28 sowie die Berendt-Sendung aus Baden-Baden von 1961-12-04.)
Eine letzte Fusznote zu Comblain: im unsäglichen Film "Vanilla Sky" (dir. Cameron Crowe, 2001), den ich leider mal gesehen habe, kann man anscheinend zwei Fragmente (total 13 Sekunden) aus "My Favorite Things" sehen, sowie auch eine Minute daraus hören. Ich kann mich allerdings nur noch an den Ärger über den Film erinnern, nicht mehr daran, Coltrane gesehen/gehört zu haben...
Am 6. August kommt Ravi, der zweite Sohn von Alice & John zur Welt.
14. August: Ohio Valley Jazz Festival, Crossley Field, Cincinnati, OH
15. August: Down Beat Jazz Festival, Soldier Field, Chicago, IL (mit Archie Shepp)
Es existiert eine fast 40 Minuten dauernde Aufnahme eines unbekannten Stücks, das üblicherweise als "Nature Boy" kursiert. Am Ende spielt Coltrane das Thema von "Ascension". Die Qualität dieser Aufnahme ist leider so schlecht, dass man das als beinahe unhörbar bezeichnen muss. Allerdings macht die Musik dennoch grossen Spass - es handelt sich hier um ein Dokument, in dem Coltrane sich wohl schon so weit von jeglichen harmonischen, modalen und rhythmischen Strukturen gelöst hat wie zuvor höchstens bei der Session zu "Ascension" im Juni... ich bin versucht, das "waschechten Freejazz" zu nennen, aber letztlich ist ja das "Freejazz" Etikett eins der unnützesten überhaupt.
19.-22. August: Leo's Casino, Cleveland, OH
26. August: das Quartett nimmt im Studio das wunderschöne Album Sun Ship auf (mehr dazu im nächsten Post)
28. August: Ohio Valley Jazz Festival, Ohio State Fair Grounds, Columbus, OH
2. September: Das Quartett nimmt seine allerletzte Studio-Session auf, eine erste Version der Suite "Meditations", die 1977 auf dem Album First Meditations erschien - auch dazu mehr im nächsten Post.
3.-11. September: Chateau de Count et Eve (früher Pink Poodle), Indianapolis, IN
Das war wohl der letzte Gig, den das klassische Coltrane-Quartett gespielt hat. Tyner sollte noch bis Ende Jahr in der Band bleiben, Jones bis ca. Ende Januar 1966. Mitte September stiessen dann in San Francisco Pharoah Sanders und Donald Garrett zur Gruppe und später dann Rashied Ali, sowie Carlos Ward, Joe Brazil, Juno Lewis und andere. Mehr dazu dann im übernächsten Post.
Looking for Truth in Music
John Coltrane was quoted in Esquire (Sept. 1965, p. 125): "I wouldn't want to give up the use of chords, if what I want to do can be accomplished by using those devices. I'm not sure whether the chord system will survive, but I do know it will be used very differently. I don't want to take anything away from music; I want to add to it. I prefer not to answer the controversy about 'anti-jazz.' If someone wants to call it that, let him; I'll continue to look for truth in music as I see it, and I'll draw on all the sources I can, all the areas of music, all the things there are in the world around us to inspire me. It takes many people to effect a complete change in any system." (This is a complete Coltrane quote from a sidebar accompanying an article by Leonard Feather.)
~ Coltrane Reference, 329
gypsy tail wind
05.07.2010, 23:50
... für das "classic quartet".
Am 26. August nimmt Coltrane eins seiner allerschönsten Alben auf, Sun Ship (AS-9211, veröffentlicht ca. August 1971). Die Musik ist zugleich von grosser Intensität und von erhabener Schönheit. Vielleicht ist sie eine Art Fortsetzung dessen, was zwei Jahre zuvor auf Crescent zu hören war - hymnische, totale Musik.
"Dearly Beloved", das erste Stück des Albums, beginnt mit einer Art Anrufung, einer invocation, die für das ganze Album die Stimmung setzt. Wunderbar, wie Jones das Metrum auflöst, Garrison einen Boden legt, der aber immer im Unbestimmten schwebt, während Tyner äusserst lyrische Einwürfe spielt, die die Musik nie festlegen oder einengen
Und das muss an dieser Stelle mal gesagt werden: das ist grosse Kunst, was McCoy Tyner in all diesen Jahren gemacht hat! Er ist kraftvoll aber zugleich sehr, sehr lyrisch, er kann äusserst einfache Ostinati oder ganz knappe Akkordfolgen hämmern und zugleich darüber sehr verspielt solieren - und das eindrückliche dabei ist, dass er trotz der stetig reduzierten Harmonik der Musik (selbst wenn Coltrane komplexe Überbauten geschaffen hat konnte, durfte Tyner da nicht mitgehen, sonst wären Kollisionen, Fehler vorprogrammiert gewesen) immer spannend und relevant bleibt, das ist grosse Klasse!
Weiter geht's mit "Attaining", dem längsten Stück der Session. Es wird wieder sehr lyrisch über einem zwar dichten aber (sofern das bei der Abwesenheit eines festen Beats Sinn macht) langsamen Tempo gespielt. Solistisch steht hier Tyner ganz im Vordergrund, er spielt ein dichtes Solo, ohne die Stimmung des Stückes zu durchbrechen. Dann folgt Coltrane mit der hymnischen Wiederholung des Themas.
Es folgt "Sun Ship", dessen Thema aus einem hektischen Motiv auf vier Tönen besteht. Wieder soliert zuerst Tyner, während Jones energischer antreibt. Coltrane bläst ein rauhes, aus schier endlosen Wiederholungen bestehendes Solo - man kann hier wohl die "Symmetrien" hören, die Litweiler beschreibt. Das Solo ist so wild, wie man es bisher von Coltrane höchstens in Live-Aufnahmen gehört hat. Und mit der Beschreibung Litweilers im Hinterkopf kann man sich durchaus auch die Erklärung mit der Frustration und dem ab und zu nötigen Ausbrechen aus dem selbtgebauten Gefängnis zurechtlegen.
Zum Ende folgt wieder das Thema, erneut unterbrochen durch ein kurzes Schlagzeugsolo.
"Ascent" beginnt mit einem unbegleiteten Solo von Jimmy Garrison - auch das erinnert an die Konzert-Situation. Das Stück ist wieder lyrisch und frei, wunderschön.
Zum Ende folgt "Amen", entgegen der Erwartung ein hektisches, schnelles Stück. Zum Auftakt Tyner in einem virtuosen Solo, das von Garrison streckenweise mit Walking Bass unterlegt wird, Jones donnert einen Puls, der aber stets flexibel bleibt. Coltrane steigt mit rasanten Läufen ein, greift das Metrum auch kurz auf, bevor er wieder in seinen wahnhaften repetitiven Motiven verschwindet, die sich in einen Cry steigern, wieder fallen lassen, bloss um wieder aus dem Malstrom aufzutauchen. Unglaublich tolle Musik!
Von "Dearly Beloved" gab's übrigens einen ersten kompletten Take, von "Attaining" zwei (der dritte war dann der Master) und von beiden einen false start bzw. breakdown, von "Sun Ship" zwei breakdowns, von den anderen beiden Stücken jeweils nur der Master Take. Obwohl Coltrane die Musik nur mit minimalen Anweisungen (in der 8CD-Box The Classic Quartet ist vor "Dearly Beloved" eine solche zu hören) erläutert hat, scheint die Gruppe mit höchster Konzentration am Werk gewesen zu sein.
Am 2. September war das Quartett dann zum allerletzten Mal im Studio, um eine erste Fassung der Suite "Meditations" aufzunehmen. Coltrane nahm eine ähnliche Suite (einer der fünf Teile wurde ersetzt, die Reihenfolge umgstellt) im November mit der um Pharoah Sanders und Rashied Ali erweiterten Gruppe auf. Diese frühe Fassung erschien 1977 als First Meditations (For Quartet) (AS-9332).
Die fünf Teile der Suite wurden in zwei Gruppen aufgenommen (wie auf der "master" Version im Sextet): "Love" / "Compassion" / "Joy" und "Consequences" / "Serenity". Voran gingen beiden Teilen jeweils ein bzw. zwei Breakdowns.
Im ersten Teil, "Love", spielen Tyner und Coltrane in einer ruhigen Stimmung sehr lyrische, dem Titel angemessene Soli. Herausragend Garrisons einfühlsame Begleitung. Auch in "Compassion" ist Garrison stark zu hören, als Bindeglied zwischen Jones' rumpelndem 3/4 Takt und Tyners immer gelösteren jedoch stets lyrischen Einwürfen. Die Gruppe baut langsam Spannung auf, die Musik kommt in Fahrt. Coltrane soliert zweimal, dazwischen Tyner. Das Metrum bleibt fest, aber Jones spielt so üppig, dass es überall hinüberschwappt... in Coltranes abschliessendem, kochenden Solo schliesslich legt Jones schnelle Rhythmen über den Beat, der kaum mehr wahrzunehmen ist. Es folgt "Joy" - die Musik wird noch intensiver. Das thematische Material ist wie bei "Sun Ship" und "Amen" auf ein absolutes Minimun reduziert. Der Beat ist wieder recht konstant, das tut der Musik jedoch kaum Abbruch, Coltrane steigert sich nach Tyners Solo wieder in ein intensives, fast dialogisches Solo, in dem er zwischen dem Falsett und dem unteren Register hin und herspringt.
"Consequences" ist dann der freieste Teil der Suite - er zeigt, dass Tyner und Jones durchaus in der Lage waren, mit Coltrane mitzugehen bis zum äussersten. Sein eigenes Solo erinnert stark an die zeitgenössischen Avantgarde-Saxophonisten Pharoah Sanders und Albert Ayler. Auch Tyner erinnert hier streckenweise an Cecil Taylor, sein Spiel verliert die klaren Konturen, verflüssigt sich und wird dabei zugleich noch perkussiver. Er spielt aber auch hier mit Vorwärtsdrang und Energie (nicht flächig wie Alice Coltrane später). Coltrane selbst ist es aber, der die Highlights beisteuert! Ein kurzer Bass-Lauf, ein wenig Schlagzeug, Piano-Tremolos und gestrichener Bass und wir sind im letzten Teil der Suite, "Serenity", der den Bogen schliesst und mit seinem langsameren Tempo wieder Ruhe einkehren lässt, eine starke, bewegte Ruhe, die Kraft ausstrahlt und Selbstverständlichkeit - und das gilt für Tyner mindestens so stark wie für Coltrane. Das Stück endet mit einem kurzen Wirbel von Elvin Jones.
Am 22. September nahm das Quartett in San Francisco ein allerletztes Mal in der Stammbesetzung auf, ein weiterer, längerer Take von "Joy" entstand, der zuerst 1972 mit Overdubs (Alice Coltrane an Harfe und Vibraphone, Charlie Haden am Bass sowie Streicher) und gekürztem Bass-Solo auf Infinity (AS 9225), später in der ursprünglichen Version auf Feelin' Good (IZ 9345) und anderen Alben erschien (auch auf der GRP-CD von First Meditations).
Diese zwölf Minuten zeigen in nuce noch einmal alles das, was das Coltrane Quartett zu einer so ausserordentlichen und spannenden Gruppe werden liess: Musik, in der es um alles geht, die offen ist, unberechenbar, die in der Gruppe entsteht, in der es um mehr als den Beitrag des einzelnen geht - auch wenn der einzelne (hier Garrison mit einem ausführlichen Solo) keinesfalls wenig Freiraum hat, sich zu entfalten.
gypsy tail wind
12.07.2010, 00:48
Verdammt, hab grad (= Sonntagnachmittag) einen sehr ausführlichen Post über die Aufnahmen vom 30. September 1965 verloren... statt mich zu ärgern hör ich besser die Musik gleich nochmal (toll genug ist sie ja sowieso!) und diesmal auch gleich in der korrekten Reihenfolge!
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14.-26. September: Jazz Workshop, San Francisco, CA
(Mit Pharoah Sanders und Donald Garrett, die vermutlich während diesem Gig dazustiessen, am Ende des Gigs gehörten sie dann zur Band. Drummer Terry Clarke hat an einer Sunday matinee Jones ersetzt.
22. September: das klassische Quartett ist zum allerletzten Mal in der Stammformation im Studio (siehe vorangehender Post).
27. September - 2. Oktober: Penthouse, Seattle, WA
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Das Sextett (möglicherweise mit Carlos Ward und/oder Joe Brazil) wurde am 30. September aufgenommen - der grössere Teil erschien auf dem Impulse Doppel-Album Live in Seattle (AS-9292, erschienen ca. Jan. 1971), dazu entstand ein halbstündiger Radio-Broadcast, sowie weitere 39 Minuten, die im Umlauf sind (ob sie in letzter Zeit auch auf einem der vielen Bootleg Labels aus Spanien/Andorra erschienen sind, weiss ich nicht).
Die Setlist, laut "Coltrane Reference" (743f.):
(ann) 0:37
untitled original (25:06) ***
bass duet (12:04)
Cosmos (10:51) *
bass solo (0:15)
thumb piano solo (2:40)
Evolution (35:58) *
Tapestry in Sound (6:07) *
Out of This World (23:40) *
Body and Soul (21:27) **
Afro Blue (34:40) **
Afro Blue [inc - ending] (17:33) ***
Lush Life (10:07) ***
My Favorite Things [inc] (10:23) ***
*) auf A(S) 9202
**) auf der Doppel-CD von 1994 (GRP 21462)
***) im Umflauf unter Tradern/Sammlern
Die Aufnahmen beginnen mit dem Radio-Broadcast, der das ganze "untitled original" enthält (mit Garrett an der Bassklarinette), sowie die ersten paar Minuten vom Bass-Duet - wunderbar, wie Garrison und Garrett (nehme an letzterer mit dem Bogen) zusammen improvisieren!
"Cosmos" ist eins dieser Mini-Themen, die nur aus einer ganz kurzen Phrase bestehen, die repetiert wird. Sanders und Tyner umspielen Coltranes Thema, Jones setzt feine Akzente. Coltrane beschleunigt, setzt ein Tempo, das Jones als erster aufgreift, Garrison setzt ein, Tyner und Sanders spielen noch immer freie Ornamente um Coltrane. Dieser bleibt über die ganze Dauer des Stückes der dominierende Solist, obwohl das Gefühl einer Kollektivimprovisation anhält.
"Evolution" ist mit über 36 Minuten neben "Afro Blue" die längste Aufnahme, und eins der grossen Highlights. Begleitet nur vom Bass von Garrison spielen die drei Bläser (Garrett auf der Bassklarinette) wie David Wild (in seinen Liner Notes zur Doppel-CD von 1994) findet eine Art Variation vom Klarinettentrio in Ellingtons "Mood Indigo". Die Stimmung ist anfangs äusserst lyrisch (setzt dort an, wo "Cosmos" geendet hat), wird dann über Garrisons [I]pedal points immer wilder, bis Garrison nach einigen Minuten kurz unbegleitet soliert. Dann kehrt das kurze thematische Motiv zurück, Coltrane setzt das Tempo und mit der vollen Rhythmusgruppe geht's erst richtig los. Garrett spielt das erste Solo (auf der Bassklarinette), dann Sanders - beide sind mehr mit Klängen, mit Klangfarben, mit der Suche nach neuen Klängen beschäftigt denn mit motivischer Improvisation. Gegen Ende von Sanders Solo schreit, stöhnt, brüllt Coltrane das Wort "Om" mehrere Male hintereinander - ein vielleicht beim ersten Hören befremdender, aber äusserst intensiver Moment. Nach einer weiteren kollektiven Passage folgt ein Tyner-Solo, das die Grenzen der Tonalität auslotet, von Jones feinfühlig begleitet. Zum Ende kehrt die Gruppe wieder zum kurzen thematischen Motiv zurück, während Garrett und Sanders wilde Arpeggi blasen.
Es folgt das Solo-Bass-Stück "Tapestry in Sound", das leider nicht komplett erhalten ist. Obwohl Garrison mittlerweile stärker in den Sound der Gruppe eingebunden wurde und auch innerhalb der Stücke solierte, gab es für ihn noch immer die Möglichkeit, sein stupendes Spiel gänzlich unbegleitet zu präsentieren.
Mit "Out of This World" beginnt das Standards-Segment des Konzerts, Coltrane greift das Stück wieder auf, das er 1962 für Impulse aufgenommen hat, er spielt ein tolles kurzes Tenorsolo, dann folgt Sanders, der etwas verloren klingt. Tyner folgt, dann bläst Coltrane ein beeindruckendes Sopransolo - das möglicherweise der Gegenbeweis für meine Behauptung vom Stillstand auf dem Sopran von oben erbringt! Es folgt eine weitere Kollektivimprovisation mit Sanders und Garrett, dann wird die Intensität langsam abgebaut, die lyrisch-düstere Stimmung vom Anfang taucht wieder auf, das Stück wird langsam heruntergefahren, ohne, dass das Thema nochmal aufgegriffen wird.
Weiter geht's mit "Body and Soul". Coltrane singt auf dem Tenor... ein kurzes Intro führt ins Thema, das zeigt, dass Coltrane noch immer in der Lage und willens war, eine grosse, klassische Balladeninterpretation abzuliefern. Zu leise nur schimmert Garretts gestrichener Bass durch - ein sehr schönes Arrangement! Sanders kämpft taper und am Ende gelingt sein ringendes Solo (das jederzeit auch hätte total abstürzen können, so wie ich es höre). Coltranes zweites Solo - nach einem tollen Tyner-Solo, das zwar die reiche Harmonik des Stückes auslotet, aber auch darüber hinaus in freie Gefilde ausbricht - spielt Coltrane ein unglaublich souveränes langes zweites Tenorsolo.
Dann folgt "Afro Blue", das insgesamt längste Stück des Tages - es bricht auf der CD nach über 34 Minuten ab, auf dem Bootleg gibt's noch 18 weitere Minuten (und dazwischen fehlt vermutlich noch der grössere Teil von Coltranes Solo) und kommt wohl den legendenumworbenen, endlosen Stücken, wie Coltrane sie live schon seit Jahren gespielt haben soll, am nächsten - sehr, sehr eindrücklich! Am Anfang steht Coltranes Themenpräsentation auf dem Sopran über einen recht schnörkellosen (soweit man das bei Elvin Jones behaupten kann) 3/4 Beat. Dann folgt Sanders mit einem langen Solo, das Farben und Formen untersucht, Tyner mit seinem wohl besten Solo des Abends, dann ein wunderbares Bass-Duet, in dem Garrison und Garrett aus dem Stück komplett ausbrechen, bis Garrison das Tempo wieder setzt, Jones und Tyner einsetzen, und dann folgt Coltrane auf dem Tenor. Nach kurzem bricht leider die Aufnahme dann ab. Auf dem Bootleg geht's weiter mit - ich vermute - dem Ende des Coltrane-Solos (Sanders improvisiert gleichtzeitig mit Coltrane), dann folgt ein längeres Schlagzeugsolo. Zum Ende kehrt Coltrane mit dem Sopran zurück.
Es folgen noch einmal zwei Standards zum Abschluss: "Lush Life" von Billy Strayhorn - Coltrane spielt das Thema zunächst respektvoll und ohne Variationen, dann erhöht Jones langsam den Druck, Sanders bläst das erste Solo, und es klingt wieder eher verloren und ziellos, wie er mit Flatterzunge mit Motiven aus Strayhorns Feder spielt. Zum Abschluss dieser grossartigen Aufnahmen gibt's die ersten 10 Minuten von "My Favorite Things", Coltrane präsentiert wie üblich das Thema, spielt ein kurzes Solo, dann gibt er an Tyner weiter, während dessen Solo die Aufnahme leider abbricht. Sie klingt allerdings (auch in Abwesenheit der langen Sax-Soli, die wohl auf Tyner gefolgt sind) ziemlich unaufregend und konservativ.
Insgesamt ist das eine unglaublich tolle Aufnahme, höchst intensive, starke Musik - für mich zählt Live in Seattle zu den Highlights von Coltranes letzter Phase.
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1. Oktober: Die Gruppe nimmt das Album Om auf (AS-9140, erschienen ca. Jan. 1968). Eins der skurrilsten aus Coltranes ganzer Karriere... die Kerngruppe (mit Sanders und Garrett) wird hier vom Flötisten Joe Brazil ergänzt. Garrett spielt laut "Coltrane Reference" (745) Flöte und Bassklarinette, Brazil Flöte, dazu gibt's in den öffnenden und abschliessenden Teilen diverse Perkussionsinstrumente zu hören, vermutlich von allen zusammen gespielt.
Auf CD ist das Stück (das 29 Minuten dauert und die gannze LP einnahm) am einfachsten auf The Major Works of John Coltrane (GRP 21132, 1992) zu finden, einer Doppel-CD die ansonsten heute überflüssig ist (sie enthält die gesammelten Aufnahmen mit grösseren Besetzungen vom Juni und Oktober 1965, also neben "Om" beide Versionen von "Ascension" sowie "Kulu Sé Mama" und "Selflessness").
Garrett war auch als Instrumentebauer bekannt, u.a. von Bambusflöten oder Daumenklavieren - als er zur Gruppe Coltranes stiess brachte er einige seiner Instrumente mit und in "Om" fügen sie sich zum Klang der Gruppe und erweitern ihn, wie auch die menschliche Stimme (die schon am Abend zuvor im Penthouse hie und da zu hören war) die Klangpalette erweitert.
David Wild zitiert in seinen Liner Notes zu "Major Works", was Coltrane laut Nat Hentoffs originalen Liner Notes gesagt habe:
"Om means the first vibration - that sound, that spirit that sets everything else into being. It is The Word from which all men and everything else comes, including all possible sounds that man can make vocally. It is the first syllable, the primal word, the word of power." Hentoff also remarked on the Buddhist phrase "Om mani padme hum", which translates as "Om, the jewel, is in the lotus, amen."
Coltrane liest zum Auftakt, unterstützt von einigen anderen, einen Ausschnitt aus dem "Bhagavad Gita" (Kapitel 9, "The Yoga of Mysticism), vermutlich in der Übersetzung von Swami Prabhavananda/Christopher Isherwood, die erstmals 1944 erschienen war ("Coltrane Reference", 745).
Den Auftakt - noch vor der Rezitation - klingt nach dem späteren Art Ensemble, mit Gongs, Glöcklein, einem Daumenklavier etc. entsteht ein Klangteppich. Nach dem Rezitativ steigt Jones langsam ein, die ersten Saxophonschreie folgen. Es folgen wahre Klangorkane von Sanders und Coltrane, Brasils Flöte bläst darüber hohe Triller, während Jones und Tyner streckenweise ziemlich verloren scheinen. Garrison geht unter, aber seine Anwesenheit ist stets fühlbar. In Tyners kurzem Solo klingt die Musik streckenweise fast schon nostalgisch nach dem "classic quartet", aber darum geht's nun endgültig nicht mehr: diese Aufnahme stellt noch viel stärker als "Ascension" mit seiner Aneinanderreihung von Soli das Kollektiv ins Zentrum, auch wenn besonders Coltrane und Sanders viel Raum für solistische Flüge haben.
Donald Garrett spielt übrigens Bassklarinette und auch Flöte, wenn die Angaben in "Coltrane Reference" zutreffen (im Booklet der Doppel-CD ist Bassklarinette und Bass angegeben).
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7.-17. Oktober: It Club, Los Angeles, CA
(mit Sanders, Garrett, Frank Butler und vermutlich hie und da Juno Lewis)
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14. Oktober: Coltrane bringt erneut das Quartett mit weiteren Musikern ins Western Records Studio in Los Angeles. Das Sextett (mit Sanders und Garrett) spielt ein Stück von Coltrane, "Selflessness" und eins von Juno Lewis, dem auf dieser Session mitwirkenden Perkussionisten und Sänger, "Kulu Sé Mama". Zudem spielt auf beiden Stücken auch der zweite Drummer der Konzerte im It Club mit, Frank Butler.
"Selflessness" war zuerst auf dem Album Selflessness Featuring My Favorite Things, AS-9161, erschienen ca. Okt. 1969, greifbar - das Album enthielt auch "MFT" und "I Want to Talk About You" vom Newport-Konzert von 1963 mit Roy Haynes), Lewis' Stück auf dem Impulse-Album Kulu Sé Mama (AS-9101, erschienen ca. Jan. 1967), das mit Quartett-Aufnahmen vom Juni 1965 aufgefüllt wurde.
"Kulu Sé Mama" war das Stück, das Lewis mitbrachte, als Coltrane ihn ins Studio einlud. Lewis spielt diverse Perkussionsinstrumente und ist für den Singsang (in einem Afro-Kubanischen Dialekt) verantwortlich. Der Titel des Stücks heisse "Gott sieht Mama" (der Alternative Titel war "Juno Sé Mama"). Auf der LP-Hülle wurde auch ein Gedicht von Lewis sowie ein von einem anderen Künstler angefertigtes Portrait von ihm abgebildet. Nat Hentoff schrieb in den Liner Notes zu AS-9101:
Juno Lewis is a drummer, a drum maker, a singer, a composer. Born in New Orleans in 1931, he is now based in Los Angeles. It was there John Coltrane met him through mutual friends, and the result was the first side of this album, which was recorded in Los Angeles.
Lewis is a proud man, proud of his tradition, as the accompanying poem makes clear. The composition "Kulu Sé Mama" (or "Juno Sé Mama") is described by Lewis as a ritual dedicated to his mother. Lewis's poem, elsewhere on this page, supplies the programmatic content of the piece as well as its emotional base and its emotive intentions.
I would only add that the performance is an absorbing, almost trance-like fusion of tenderness and strength, memory and pride. And fitting its ritual nature, the singing and much of the playing by the horns have the cadences of a chant. For all its length, the work has an organic totality; and at the end, there is a fulfilling sense of achievement - of a long nurtured and developed story finally being told. This, by the way, is Juno Lewis's first appearance on records. His singing is in an Afro-Creole dialect he cites as Entobes. His drums include the Juolulu, water drums, the DoomDahka, and there are also bells and a conch shell.
~ Nat Hentoff, liner notes to "John Coltrane - Kulu Sé Mama", Impulse AS-9101
"Selflessness" ist dagegen eine konventioneller Coltrane-Komposition, aus einem kurzen Motiv bestehend. Ein Stück, das nahe bei der Musik der working band ist: Coltrane und Sanders in kollektiven Improvisationen, Tyner mit einem dichten, aus schnellen Linien, Tremolos und Patterns bestehenden Solo, dazu ein immer dichter werdendes Rhythmusgeflecht mit Jones, Butler und Lewis.
In "Coltrane Reference" (746) steht überdies in der Session Note für 65-1014: "In 1976, David Wild found an alternate take of 'Kulu Sé Mama' in the ABC-Paramount tape library (then at 8255 Beverly Blvd, Los Angeles, California), but it has not been seen since."
Wild erwähnt das in seinen Liner Notes für die CD (Impulse 543 412-2, 2000) nicht.
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16./17. Oktober: Adams-West Theatre (aka Kabuki Theatre), Los Angeles, CA
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Note: After the West Coast tour ended, John Coltrane and Alice McLeod traveled to Ciudad Juárez, Mexico (near El Paso, Texas). There, Coltrane's divorce from Naima was finalized; then, at 1:00 p.m. on Wednesday, October 20, 1965, John and Alice were married.
~ Coltrane Reference, 332
(Geschieden in Abwesenheit der bald ehemaligen und Anwesenheit der kommenden Ehefrau? Seltsam... aber deswegen mussten sie ja wohl auch nach Mexiko...)
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ca. 2.-6. November: Pep's, Philadelphia, PA
(nicht bestätigt)
10.-14. November: Art D'Lugoff's Village Gate, NYC
(die Gruppe bestand aus: Coltrane, Sanders, Tyner, Garrison, Jones, sowie Archie Shepp, Carlos Ward und Rashied Ali)
15.-21. November: Jazz Workshop, Boston, MA
(ohne Shepp und Ward, aber mit Ali)
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23. November: Die Gruppe nimmt (im Sextett mit Sanders und Ali) das grossartige Album Meditations auf (AS-9110, erschienen ca. Sept. 1966).
Die Suite wurde bereits im Dezember als im Quartett aufgenommen, diese erste Version erschien später unter dem Titel "First Meditations". Im November machte sich Coltrane an eine leicht veränderte Version, mit Sanders und dem Drummer Rashied Ali in Ergänzung zum Quartett.
Die Suite wurde in zwei ca. 20 Minuten langen Segmenten eingespielt, die mit den Seiten der LP korrespondierten:
Seite 1: I - That Father and the Son and the Holy Ghost (Coltrane, Sanders und Ayler?) / II - Compassion
Seite 2: III - Love / IV - Consequences / V - Serenity
Die Musik macht eine Entwicklung durch von äusserst intensiv zu... noch intensiver... zur gelassenen lyrischen Stimmung am Ende, die aber die ganze zuvor gehörte freie, wilde, urtümliche Musik mit all ihren cries in sich enthält.
In meiner Erinnerung (es ist mehrere Jahre her, dass ich diese Musik vom Herbst 1965 gehört habe) war es so, dass Coltrane von Sanders gefordert wurde, durchaus in einem kompetitiven Sinn. Wenn ich die Musik jetzt wiederhöre, im Rahmen dieses ganzen mittlerweile seit fast zwei Monaten andauernden Coltrane-Marathons, dann höre ich das ganz anders: Coltrane spielt motivisch, zwischendurch auch harmonisch, auf unglaublich vielen Ebenen, während Sanders mehr klangmalerisch spielt, flächig, auch vertikal - aber letzlich bei aller rauhen ungefilterten Emotionalität auch viel weniger facettenreich als Coltrane.
Die erste Seite beginnt mit einem höchst intensiven Blow Out von Coltrane und Sanders, mal gemeinsam, dann jeder für sich, am Ende wieder gemeinsam. Jones und Ali weben ein äusserst dichtes Geflecht an Rhythmen. "Compassion" rückt dann Tyner ins Zentrum, er spielt ein ganz ganz tolles Solo, schimmernd, glitzernd, zugleich statisch und rasant, hart und sanft.
Die zweite Seite beginnt mit Garrison, unbegleitet - "Love" - Coltrane steigt ein, dann Jones und Tyner. Nach der wilden Musik der ersten Hälfte geht es hier ruhiger, eingekehrter zu und her.
Die Konsequenzen der Liebe werden dann aber von Coltrane und besonders von Sanders im vierten Teil der Suite mit grösster Kraft zum Ausdruck gebracht. Wie schon der erste Teil ist auch der vierte von kathartischer Kraft. Tyner leitet über zu "Serenity", dem letzten Teil - die heitere Klarheit, Gelassenheit, die hier erreicht wird, wurde zuvor mühsam erkämpft (man könnte wohl auf diese Suite die Struktur des klassischen Dramas anwenden?).
In dieser grossartigen Aufnahme, nach "Ascension" wohl die wichtigste des Jahres und wie schon Hentoff festgestellt hatte eine Weiterführung dessen, was Coltrane auf "A Love Supreme" erreicht hatte, in dieser unglaublich starken Musik fliessen erneut alle Elemente zusammen, die Coltrane zum Ausnahmemusiker machten, der er war: der lange Atem, die direkte emotionale Kraft, die Reduktion auf einfachste kompositorische Motive - die Musik ist wieder eine totale, EIN Stück, in dem alles zu hören ist, in dem alle Emotionen, ich wage zu sagen: ein ganzes Leben, zu hören ist, nicht bloss zu hören, sondern uns dargeboten, um es mit zu empfinden, mit zu erleben und zu erleiden.
Nat Hentoff zitiert in seinen Liner Notes Coltrane, der sich zum "spirituellen" Gehalt seiner Musik äussert:
"Once you become aware of this force for unity in life," said Coltrane, "you can't ever forget it. It becomes part of everything you do. In that respect, this is an extension of [I]A Love Supreme since my conception of that force keeps changing shape. My goal in meditating on this through music, however, remains the same. And that is to uplift people, as much as I can. to inspire them to realize more and more of their capacities for living meaningful lives. Because there certainly is meaning to life."
[...]
"There is never any end," Coltrane said at the conclusion of our conversation about this album. "There are always new sounds to imagine, new feelings to get at. And always, there is the need to keep purifying these feelings and sounds so that we can really see what we've discovered in its pure state. So that we can see more and more clearly what we are. In that way, we can give those who listen to the essence, the best of what we are. But to do that at each stage, we have to keep on cleaning the mirror."
~ Nat Hentoff, liner notes to "John Coltrane - Meditations" (Impulse AS-9110)
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30. November - 5. Dezember: Art D'Lugoff's Village Gate, NYC
(wie 15.-21. Nov.)
13. Dezember: Five Spot, NYC
Ein Benefit Konzert für Frank Haynes, der am 30. November verstorben war. Heute ist Haynes kaum mehr bekannt, er hat aber u.a. mit Dave Bailey, Kenny Dorham und zuletzt Randy Weston gespielt. Ob Coltrane wirklich aufgetreten ist, ist nicht bekannt.
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Note: Saxophonist Byard Lancaster reports that the late saxophonist Marzette Watts taped Coltrane in rehearsal, mostly in duet with Rashied Ali, on several occasions in late 1965 at Ali's home. "Lush Life" is said to be among the titles recorded. Details are unconfirmed and we haven't heard the tapes. Lewis Porter and Evan Spring tried without success to locate Watts' family members.
~ Coltrane Reference, 334
1965 war wohl DAS Jahr für Coltrane - im Frühling enstanden die besten, verblüffendsten Aufnahmen mit dem Quartett (besonders die Live-Aufnahmen auf "One Down, One Up: Live at the Half Note", aber auch die diversen Studio-Sessions von "Coltrane Quartet Plays", "Transition" zu den Stücken auf "Feelin' Good", "Living Space" und "Kulu Sé Mama"), im Sommer folgte das unglaubliche Konzert in Antibes, nur kurze Zeit nach der Aufnahme von "Ascension", dann ging es rasch voran, mit "Sun Ship" erweiterte das Quartett noch ein letztes Mal seinen musikalischen Horizont, mit "Om", "Kulu Sé Mama" und ganz besonders "Live in Seattle" (unbedingt die Doppel-CD! Mit Vinyl verpasst man fast eine Stunde grossartige Musik!) folgte die erweiterte Gruppe konsequent dem Weg, die Musik zu erweitern, zu öffnen. Ende Jahr folgte dann mit "Meditations" die Krönung. Wohl das ereignisreichste, und was offizielle Aufnahmen betrifft am besten dokumentierte Jahr Coltranes (na ja, 1957 gab's wohl noch mehr).
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Zum Abschluss ein paar Worte von McCoy Tyner, der zum Jahreswechsel 1965/66 aus der Band schied:
"When you're a part of something like that you can't really ascertain how strong it is," McCoy Tyner told me in 1978, looking back at his years with Coltrane. "We knew that we were doing something different, that it was fresh, timely. We knew that it had come from something that had happened before. At the same time, you're swept up in that force - you're not cognizant of how different it is. When something is good, timely, it has a lasting quality."
David A. Wild, liner notes to "John Coltrane - Kulu Sé Mama", Impulse 543 412-2 (2000)
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