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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Buchhandel und Verlagswesen in Deutschland



Padam
09.05.2010, 09:57
Da in anderen Threads immer mal Themen aus den Bereichen Buchhandel und Verlagswesen angeschnitten werden scheint es sinnvoll, dafür einen eigenen Bereich zu eröffnen.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland ein Paradies für buchaffine Menschen: flächendeckende Versorgung auch mit Titeln abseits des Mainstreams, hervorragende Verarbeitung und Gestaltung der Titel, günstige Preise - alles das nicht zuletzt dank der Buchpreisbindung, die all das durch das entsprechende Gesetz absichert und somit auch eine zwischen Buchdeckel gedruckte Meinungsvielfalt sicherstellt.

Natürlich ist die Branche immer im Wandel - die nächsten Jahre könnten durch Digitalisierung und die Hinwendung zu entsprechenden Medien und Geräten die größte Veränderung seit Gutenberg bedeuten.

Werden wir aus dem oben angesprochenen Paradies vertrieben werden? Welches sind die schlimmsten Sündenfälle? Oder bleibt uns die schöne Bücherwelt erhalten, immerhin ist das Medium Buch dasjenige mit der längsten Geschichte aller derzeit genutzten Medien.

Eine spannende Zeit also, vielleicht gelingt uns ja eine spannende Diskussion.

Ford Prefect
09.05.2010, 14:17
Filialisten wie Thalia, Weltbild oder auch amazon.de verdrängen die kleinen, privat geführten Buchlädchen. Segen und Fluch zugleich, die neuen Distributionswege.

nail75
09.05.2010, 14:26
Filialisten wie Thalia, Weltbild oder auch amazon.de verdrängen die kleinen, privat geführten Buchlädchen.

Ist das so? Hast Du dafür Beispiele oder Belege?

Das Internet erleichtert vor allem die Beschaffung fremdsprachiger Bücher enorm. Das war früher ein unglaublicher Aufwand und dauerte ewig. Vieles war auch einfach nicht zu beschaffen.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:29
Ich bin ein Anhänger von amazon, jokers und 2001 und kaufe am liebsten in großen Buchläden, weil ich da meistens alles sofort bekomme und nicht warten muß. Da ich oft Bücher verschenke - auch kurzfristig, kommt mir das entgegen.
Bestelle ich bei amazon, ist es am anderen Tag da - perfekt.
Kleinere Buchläden suche ich nicht mehr auf. Außer Antiquariate.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:31
Das Internet erleichtert vor allem die Beschaffung fremdsprachiger Bücher enorm. Das war früher ein unglaublicher Aufwand und dauerte ewig. Vieles war auch einfach nicht zu beschaffen.

Das ist in der Tat ein großer Segen. Und die Preise waren früher auch höher.
Ich kaufe oft italienisch-, englisch- und französischsprachige Bücher. Früher habe ich die Bücher in Italien gekauft - fürs Studium.

Bodacious Cowboy
09.05.2010, 14:33
Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:35
Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.

Gegenfrage: Wieviele Seiten kannst Du am PC lesen ? Niemals soviele wie in einem Buch.

Das wird nicht so sein. Zeitschriften werden sicherlich verdrängt. Bücher: nein.

nail75
09.05.2010, 14:41
Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.

:lol:

Sehr gut, dann bin ich tot und muss mir das Elend nicht mehr ansehen.

@GB: Ja, die Preise waren auch sehr viel höher.

Für Antiquariate kann das Internet natürlich auch ein Vorteil sein, denn sie können über zvab den Kunden viel direkter erreichen als früher.

John Bill
09.05.2010, 14:41
Ist das so? Hast Du dafür Beispiele oder Belege?
jede beliebige Fußgängerzone.


(...) und kaufe am liebsten in großen Buchläden, weil ich da meistens alles sofort bekomme und nicht warten muß
das Sortiment der großen Buchhandelsketten ist erwiesenermaßen kleiner als das Sortiment der von ihnen verdrängten unabhängigen Buchhändler.


Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.
50-150 Jahre, wow, du legst dich ja fest...

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:43
:lol:

Sehr gut, dann bin ich tot und muss mir das Elend nicht mehr ansehen.

@GB: Ja, die Preise waren auch sehr viel höher.

Für Antiquariate kann das Internet natürlich auch ein Vorteil sein, denn sie können über zvab den Kunden viel direkter erreichen als früher.

Nutze ich auch ab und an. Und für solche Zwecke auch ebay.

Wenn ich stöbern will, gehe ich auch schon mal in ein Antiquariat. Ich such beispielsweise hin und wieder Bücher über Autos und Traktoren und über DDR-Architektur.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:44
das Sortiment der großen Buchhandelsketten ist erwiesenermaßen kleiner als das Sortiment der von ihnen verdrängten unabhängigen Buchhändler.



Das ist nicht logisch. Wo hast Du diese Behauptung her ? Große Häuser wie Lehmann'sche oder Hugendubel sind gut sortiert.

nail75
09.05.2010, 14:48
jede beliebige Fußgängerzone.

das Sortiment der großen Buchhandelsketten ist erwiesenermaßen kleiner als das Sortiment der von ihnen verdrängten unabhängigen Buchhändler.

50-150 Jahre, wow, du legst dich ja fest...

1. Nicht hier in der Region. In Mannheim hat sich beispielsweise in Bezug auf die kleinen und großen Buchläden seit 20 Jahren nichts wesentliches geändert. Es mögen Besitzer gewechselt haben und es gab natürlich die Schließung des "Prinz", von der die kleinen Läden eher profitiert haben dürften. Die Buchläden in HD und WO, die ich regelmäßig ansteuere, gibt es auch noch, große Veränderungen kann ich nicht erkennen.

2. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

3. Ich habe das für einen Scherz gehalten...

Bodacious Cowboy
09.05.2010, 14:48
50-150 Jahre, wow, du legst dich ja fest...
Technischer Fortschritt + vor allem gesellschaftliche Akzeptanz.

John Bill
09.05.2010, 14:54
Das ist nicht logisch. Wo hast Du diese Behauptung her ?
das steht in jeder Untersuchung und in jeder Umfrage zum Thema. Und ist eigentlich auch jedem offensichtlich, der bei den Ketten mal etwas kaufen will, was nicht grade auf der Bestsellerliste steht. Das Sortiment ist kleiner, ausgelegt auf Präsentation der Bücher, die grade "gut gehen". Alles andere verschwindet.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 14:59
das steht in jeder Untersuchung und in jeder Umfrage zum Thema. Und ist eigentlich auch jedem offensichtlich, der bei den Ketten mal etwas kaufen will, was nicht grade auf der Bestsellerliste steht. Das Sortiment ist kleiner, ausgelegt auf Präsentation der Bücher, die grade "gut gehen". Alles andere verschwindet.

Bisher habe ich noch alles bekommen und ich kaufe meistens keine Bestseller.

Was natürlich zutreffen kann: es gibt kleinere Buchhandlungen, die sich spezialisiert habe - oft in Unistädten. Da weiß man sofort, was die haben könnten. Das ist die Auswahl sicher groß.

Padam
09.05.2010, 15:01
Kette oder Filialist, wie wir in der Branche sagen, ist nicht gleich Kette. Verallgemeinern kann man die Aussage von John Bill allerdings schon. Die Anzahl der verschiedenen Titel, die wir auf 100qm im Laufe eines Jahres am Lager haben ist größer als beim 600qm-Filialisten hier vor Ort. Das das so üblich ist haben mir in dieser Woche wieder einige Verleger und Verlagsvertreter bestätigt.

Die großen Ketten legen es in der Regel nicht auf Sortimentsbreite, sondern auf ein sich gut verkaufendes Angebot an. Auch der übliche Zentraleinkauf der Filialisten bringt das mit sich.

Aufgrund des damit verbundenen Aufwandes und der Kosten besorgen Dir manche Ketten auch längst nicht jedes in Deutschland erhältliche Buch, sondern nur Titel, die im Zentrallager vorliegen.

Die Filialisten/ Ketten haben derzeit mit großen Problemen zu kämpfen und verlieren Marktanteile nicht zuletzt auch an den Internetbuchhandel.

Der "kleine Sortimenter" kann, den nötigen Willen und die entsprechende Kundenorientierung vorausgesetzt, mit dem Angebot des Internetbuchhandels jederzeit konkurrieren, mithalten und es sogar besser machen.
Wir kleinen Sortimenter werden auch über Nacht, in manchen Regionen sogar am selben Tag beliefert. Auch wir können so ziemlich jedes lieferbare Buch besorgen, auch aus dem Ausland.

Die Konkurrenz durch amazon, der sich die Sortimenter (also die unabhängigen Buchhändler) stellen müssen, hat meines Erachtens bei den Händlern, die sich dem stellen in den letzten Jahren zu einer Verbesserung von Service und Angebot geführt.

Gerade im Bereich der antiquarischen Bücher haben wir dank Internet(buchhandel) in unserem Geschäft (kein Antiquariat) enorm zugelegt, da sich ganz neue Bezugswege eröffnet haben.

Zu der These, dass das e-book das belletristische Buch verdrängen wird:
Glaube ich nicht. Fachbuch und vor allem Ratgeber dürften in großen Teilen den Weg von Landkarte, Straßenkarte und Reise-Sprachführer gehen. Das belletristische Buch wird konkurrenzfähig bleiben.

Ford Prefect
09.05.2010, 15:17
Ist das so? Hast Du dafür Beispiele oder Belege?

Das Internet erleichtert vor allem die Beschaffung fremdsprachiger Bücher enorm. Das war früher ein unglaublicher Aufwand und dauerte ewig. Vieles war auch einfach nicht zu beschaffen.

Hab ich nicht, erzählte mir aber vor Jahren eine Inhaberin eines Buchladens.

Außerdem wollte ich nur die Diskussion ein wenig beleben...

Cassavetes
09.05.2010, 19:24
Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.
Als ob die dann noch lesen könnten...
http://mahou.files.wordpress.com/2009/04/morlock20eyes.jpg

Flint Holloway
09.05.2010, 19:50
Ich erwarte innerhalb der nächsten 50-150 Jahre eine Verdrängung des Buches im Belletristik-Bereich durch elektronische Varianten wie das e-book, etc.

So lange wird das nicht dauern.


Gegenfrage: Wieviele Seiten kannst Du am PC lesen ? Niemals soviele wie in einem Buch.


Moderne ebook Reader (und im besonderen die, die noch kommen werden) kannst du nicht mit einem Computermonitor vergleichen. Warum sollte sich jemand platzfressende Schinken kaufen, wenn er auf seinem wenige mm dicken, flexiblen Reader das Buch auf Knopfdruck bekommt? Zumal das ganze nicht ermüdender für die Augen als ein normales Buch ist.

bloodandwater
09.05.2010, 20:51
Warum sollte sich jemand platzfressende Schinken kaufen, wenn er auf seinem wenige mm dicken, flexiblen Reader das Buch auf Knopfdruck bekommt? Zumal das ganze nicht ermüdender für die Augen als ein normales Buch ist.
Und warum werden noch CDs oder gar Schallplatten gekauft, wo MP3s doch so viel platzsparender und einfacher zu beschaffen sind?

FifteenJugglers
09.05.2010, 21:09
Papier ist das Vinyl des 21. Jahrhunderts!

bloodandwater
09.05.2010, 21:16
So ähnlich.

Bodacious Cowboy
09.05.2010, 21:18
So lange wird das nicht dauern.
Kann gut sein, dass es schneller geht. Wenn aber die ersten Generationen in einer Welt mit elektronischen Texten als Standards aufwachsen, wird sich der Wandel noch schneller vollziehen. Das heißt aber nicht, dass das Buch sofort vollkommen verschwinden wird.


Moderne ebook Reader (und im besonderen die, die noch kommen werden) kannst du nicht mit einem Computermonitor vergleichen. Warum sollte sich jemand platzfressende Schinken kaufen, wenn er auf seinem wenige mm dicken, flexiblen Reader das Buch auf Knopfdruck bekommt? Zumal das ganze nicht ermüdender für die Augen als ein normales Buch ist.
Ein ganz wesentlicher Aspekt. Außerdem wird die Technik ja immer weiter verbessert. Das sieht man ja auch an anderen technischen Entwicklungen der letzten Jahre. Überlegt mal was vor 50 Jahren technisch möglich war und was heute Standard ist.

All das heißt aber natürlich nicht, dass ich mir solch eine Entwicklung (gerade als Bibliothekswesen-Student) wünsche.

John Bill
09.05.2010, 21:26
Papier ist das Vinyl des 21. Jahrhunderts!
richtig, ich würde da ich auch ein Nischendasein sehen.

FifteenJugglers
09.05.2010, 21:48
richtig, ich würde da ich auch ein Nischendasein sehen.Wobei die Nische meiner Ansicht nach auf absehbare Zeit ziemlich groß sein dürfte.
Bei der wissenschaftlichen Literatur dürfte es schneller gehen - auch wenn ich aus der Praxis (ich arbeite an einer Fachhochschulbibliothek) berichten kann, dass bei uns noch häufig nach Printausgaben eines Titels gefragt wird, obwohl das E-Book von unseren Kunden frei heruntergeladen werden kann.

latho
09.05.2010, 22:21
Ich finde den Artikel gerade nicht, aber Cory Doctorow hat neulich mal sinngemäß gesagt, dass Computer vom Lesen allzuviel ablenken. Zwar sieht der Reader des iPads gut aus, aber nach 10 Minuten würde ich doch wieder surfen und wenn es nur zum Verständnis des Textes ist.

GefährlicheBohnen
09.05.2010, 22:24
Ich finde den Artikel gerade nicht, aber Cory Doctorow hat neulich mal sinngemäß gesagt, dass Computer vom Lesen allzuviel ablenken. Zwar sieht der Reader des iPads gut aus, aber nach 10 Minuten würde ich doch wieder surfen und wenn es nur zum Verständnis des Textes ist.

So sehe ich das auch - die Technik kann noch so gut sein. Ich bin auch sehr schnell abgelenkt und ermüdet, wenn ich am PC lese, deshalb ziehe ich Bücher vor.

Flint Holloway
10.05.2010, 00:17
Und warum werden noch CDs oder gar Schallplatten gekauft, wo MP3s doch so viel platzsparender und einfacher zu beschaffen sind?

Die Verschiebung des Marktes hin zu mp3 ist ja im Moment noch im vollen Gange. Wirklich praktikable Geschäftmodelle mp3s betreffend gibt es ja auch erst seit wenigen Jahren.



Bei der wissenschaftlichen Literatur dürfte es schneller gehen - auch wenn ich aus der Praxis (ich arbeite an einer Fachhochschulbibliothek) berichten kann, dass bei uns noch häufig nach Printausgaben eines Titels gefragt wird, obwohl das E-Book von unseren Kunden frei heruntergeladen werden kann.

Da fehlen halt noch die technischen Vorraussetzungen beim Endverbraucher. Dass das Buch große Vorteile gegenüber einen Bildschirm hat ist wohl unabstreitbar. Gegenüber ebook Readern fallen die wirklich relevanten aber weg. Bis zur Marktreife von flexiblen, aufrollbaren ebook Readern die optisch keine Nachteile gegenüber bedrucktem Papier haben, sollen laut Firmen wie E-Ink nicht mehr all zu viele Jahre ins Land gehen.

http://www.cambridgeday.com/wp-content/uploads/2010/01/010610i-Skiff2.jpg

So in etwa (natürlich etwas ansehnlicher) sieht in ein paar Jahren dann wohl eine Bibliothek mit ein paar tausend Büchern, Zeitungen und Zeitschriften aus (unter Berücksichtigung dessen, dass man mit den Readern dann auch wohl Online gehen kann, kann man den Teil mit "ein paar tausend" natürlich auch streichen und durch eine x-beliebige Zahl ersetzen).