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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche "Klassiker" sollte man lesen?



MarBeck
09.10.2009, 10:32
Im Herta-Müller-Thread postete Naploleon Dynamite:


Ich komme gerade mal auf ein sehr knappes Dutzend vernünftiger Preisträger und da sind auch schon eher nur leicht gehoben talentierte Schriftsteller wie Camus dabei. Keine sonderlich gute Quote, wenn man bedenkt, was alles übergangen wurde und auch weiterhin wird.


Alright, im Ranking: Faulkner, Mann, Beckett, Hamsun, O'Neill, Bellow, Elliot, Gide, Hemingway, Yeats, Jelinek, Camus. Dann Toni Morrison.

Nirgends Pynchon, Nabokov, Musil, Kafka, Gaddis, Arno Schmidt, Ellroy, Cormac McCarthy, Joyce, Capote, Broch, Stefan George, Céline, Hofmannsthal, Proust, Elmore Leonard, Strindberg, Selby, Chandler, Benn, Jim Thompson oder Flannery O'Connor.

Was mich zu der Frage führt: Welche Bücher von den "Klassikern" (nicht zu streng auslegen, ich meine Autoren der letzen ca. 150 Jahre, die "Nobelpreisniveau" haben) sollte man denn lesen? Ich würde mich über Empfehlungen, TOP-10-Listen oder was auch immer freuen.

Vega4
09.10.2009, 10:43
Napo's Nennung von Jelinek freut mich natürlich...

THELONICA
09.10.2009, 11:22
Bücher von Elmore Leonard und Toni Morrison würden mich sehr interessieren, vielleicht noch Pynchon und Flannery O'Connor. Von denen kenne ich bisher noch nichts. Zeitgenössische Literatur (moderne Klassiker) aus den letzten 20 Jahren würde mich eher interessieren, es muss aber nicht unbedingt amerikanische Literatur sein. Ich bräuchte da eher Bücher von Schriftstellern mit viel Lebenserfahrung und Charisma.


Ich würde mich über Empfehlungen, TOP-10-Listen oder was auch immer freuen.

In welche Richtung soll es denn gehen? Was hast Du vorher schon gelesen?
Was brauchst Du?

Meine Tipps:
Thierry Cohen - Ich hätte es vorgezogen zu leben
Originaltitel: J'aurais préféré vivre

Cornel Woolrich - Savage Bride
Die wilde Braut

Carson McCullers - The Heart Is a Lonely Hunter

Nick Tosches - Dino

Peter Guralnick - Sweet Soul Music

Knuffelchen
09.10.2009, 11:42
Falls noch nicht geschehen, würde ich Dir raten Goethes Faust I und Frischs Homo Faber zu lesen. Zwei wirklich schöne Bücher.

Declan MacManus
09.10.2009, 11:52
Falls noch nicht geschehen, würde ich Dir raten Goethes Faust I und Frischs Homo Faber zu lesen. Zwei wirklich schöne Bücher.
Schillers Glocke und Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" sind auch voll schön, haben wir damals in der Schule gelesen.

Mick67
09.10.2009, 12:03
.... Frischs Homo Faber zu lesen...


... Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" ...

Und jetzt noch bitte Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" erwähnen und mir wird endgültig schlecht.

MelodyNelson
09.10.2009, 12:07
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51K2W1M8Z3L._SL500_AA240_.jpg

Ein Plädoyer für die individuelle Freiheit in einem totalitären Regime, auch wenn der Bürstenkopf
des Systems letztendlich obsiegt.

Mick67
09.10.2009, 12:11
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51K2W1M8Z3L._SL500_AA240_.jpg

Ein Plädoyer für die individuelle Freiheit in einem totalitären Regime, auch wenn der Bürstenkopf
des Systems letztendlich obsiegt.

Yeah, mein erstes Buch, das ich lesen konnte. Das gibt es immer noch?

Knuffelchen
09.10.2009, 12:17
Schillers Glocke und Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" sind auch voll schön, haben wir damals in der Schule gelesen.
Ist mir beides erspart geblieben. Im Ernst, ich habe in meinen 10 Jahren auf dem Gymnasium so manchen "Klassiker" als "Lektüre" ertragen müssen. Und ich war von keinem begeistert (Ausnahmen siehe oben/unten).

Und jetzt noch bitte Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" erwähnen und mir wird endgültig schlecht.
Das haben wir in der 8. gelesen, parallel dazu in Geschichte das Mittelalter und die diversen Ottos mein ich besprochen. Fand ich ziemlich *bäh* das Buch.
Aber die beiden ( Faust I und Homo Faber), die fand ich interssant, spannend und gut geschrieben. Ich, die sonst 2 Krimis od. andere Belletristik-Romane pro Woche verputzt, aber nach 4 Wochen schon nicht mehr weiß, was die grausam spannenden Bücher eigentlich für eine Handlung hatten. Bei Faust und Homo Faber weiß ich das sehr wohl noch. Die haben sich ganz tief in mein Bewußtsein eingegraben. Hatten mir wohl was zu sagen, s'Woifal und da Maxl.

MarBeck
09.10.2009, 12:21
Falls noch nicht geschehen, würde ich Dir raten Goethes Faust I und Frischs Homo Faber zu lesen. Zwei wirklich schöne Bücher.


Schillers Glocke und Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" sind auch voll schön, haben wir damals in der Schule gelesen. Danke für die Hinweise, aber den Deutschunterrricht wollte ich nicht noch einmal durchleben.

Die von Napo genannten Krimiautoren kenne und schätze ich. Außerdem lese ich gerne Biographien und Bücher zu Naturwissenschaften und Mathematik.

Es wurde gefragt, in welche Richtung es gehen soll? Das weiß ich nicht. Wenn Napo z.B. vorschlagen würde, ich solle von der Nr. 1 auf seiner Liste (Faulkner) das Buch xy lesen, würde ich es gerne einmal versuchen.

Oder ein anderes Beispiel. Ich lese gerade die Oppenheimer-Biographie. Dort wird eine Top-10 Liste der Bücher erwähnt, die Oppenheimers Wertesystem prägen. Auf Platz 1 listet Oppenheimer Beaudelaires "Blumen des Bösen". Das würde mich jetzt reizen. Oder etwas von Kafka, aber was?

Mikko
09.10.2009, 12:23
Ich finde die Eingangsfrage ebenso schwammig und undifferenziert, wie "welche Platten sollte man hören?" in einem breit angelegten Musikforum wie diesem hier.

Die Beantwortung dieser Frage hängt doch von diversen Voraussetzungen ab, die individuell eben sehr verschieden sein können.

beetlejuice
09.10.2009, 12:29
Ich finde die Eingangsfrage ebenso schwammig und undifferenziert, wie "welche Platten sollte man hören?" in einem breit angelegten Musikforum wie diesem hier.

Die Beantwortung dieser Frage hängt doch von diversen Voraussetzungen ab, die individuell eben sehr verschieden sein können.
Das sehe ich auch so. Viele "Klassiker" langweilen einige nur, andere lieben sie. Ich für meinen Teil schätze Thomas Mann und seine Ironie. Andere Leser schreien auf, wenn sie an die verschachtelten Sätze denken.

Es gibt allerdings Klassiker, die auch nach Jahrhunderten immer noch ihre Bedeutung haben und ihre Faszination ausüben. Bei einigen muß man Hintergrundwissen haben, sonst braucht man das Buch gar nicht erst anzufassen.

Ich lese zur Zeit Choderlos de Laclos, Les liaisons dangereuses (in Frz).

MelodyNelson
09.10.2009, 12:32
Yeah, mein erstes Buch, das ich lesen konnte. Das gibt es immer noch?

Ja. Ich (Jahrgang 1982) bin auch noch damit malträtiert worden.

beetlejuice
09.10.2009, 12:40
Ja. Ich (Jahrgang 1982) bin auch noch damit malträtiert worden.
Hat es was genutzt ? Ich bin noch mit dem magersüchtigen Struwelpeter traktiert worden.

MarBeck
09.10.2009, 12:42
Ich finde die Eingangsfrage ebenso schwammig und undifferenziert, wie "welche Platten sollte man hören?" in einem breit angelegten Musikforum wie diesem hier.

Die Beantwortung dieser Frage hängt doch von diversen Voraussetzungen ab, die individuell eben sehr verschieden sein können.Sowohl für Bücher als auch für Platten gibt es im Forum doch schon jede Menge Informationen. D.h. wenn otis Dir eine 7" an's Herz legt oder Hat and Beard einen Krimi empfiehlt, kann man das doch einordnen.

Ich möchte das ganze auch nicht so "wissenschaftlich" verstanden haben. Napo hat recht deutlich geagt, welche Nobelpreisträger er herausragend findet und welche Autoren zu seinem Bedauern den Preis (noch) nicht erhalten haben. Darus schließe ich, dass er sicher in der Lage ist, einige lesenswerte Titel zu empfehlen. Die könnte ich dann lesen oder auch nicht. Das gleiche gilt für Anregungen anderen Forumsteilnehmer.

Ich sehe da ehrlich gesagt das Problem nicht.

pinch
09.10.2009, 12:46
Neben dem "Struwwelpeter", dem "kleinen Häwelmann", dem "Zauberberg" und anderen existenziellen Klassikern, darf folgendes Werk der Literatur auf keinen Fall außer Acht gelassen werden:

Geoffrey Household: Rogue Male (Dt. "Einzelgänger, männlich")

"Einzelgänger, männlich" ist ein zeitloser Klassiker, nicht nur als Verfolgungsthriller, sondern, mehr noch, als Blaupause für eine Gesellschaft kurz vor oder mitten in der Dekadenz, mit einem bitterbösen Humor unterfüttert, der sich nur aus der Situation selbst erschließen lässt..."

Kurz: ganz fantastische Lektüre! Wirklich famos! Diesen Klassiker bitte unbedingt lesen, wenngleich Household zu Lebzeiten weder ein dicker Hauptpreis zuerkannt, noch sonstwie Aufmerksamkeit in irgendeiner Form verliehen wurde.

MelodyNelson
09.10.2009, 12:55
Hat es was genutzt ? Ich bin noch mit dem magersüchtigen Struwelpeter traktiert worden.

Ja! Ich habe seitdem eine Aversion gegen Zahnbürsten.

Mikko
09.10.2009, 12:59
Ich sehe da ehrlich gesagt das Problem nicht.Von einem Problem habe ich nicht gesprochen.

Bei Musikempfehlungen von otis, kramer, copperhead u.v.a. - auch von Dir - weiß ich woran ich bin.

Bei Literatur ist das schon schwieriger. Und selbst Napos Liste löst bei mir nicht einfach Aha-Erlebnisse aus, sondern auch etliche Fragezeichen. Ginge mir beim Thema Film übrigens tendenziell nicht anders.

Das hier ist nun mal ein Musikforum. Über andere kulturelle Bereiche darf und soll hier selbstverständlich diskutiert werden. Nur sollte man nicht erwarten, dass es auf ähnlich umfänglicher und kompetenter Grundlage geschieht. Daher würde ich für solche Empfehlungen, wie Du sie erbittest, genauere Vorgaben machen. Oder anders formuliert, eine Liste von Empfehlungen kann am Ende einer ergiebigen Diskussion über zeitgenössische Literatur stehen, nicht am Anfang.

MarBeck
09.10.2009, 13:01
Geoffrey Household: Rogue Male (Dt. "Einzelgänger, männlich")

"Einzelgänger, männlich" ist ein zeitloser Klassiker, nicht nur als Verfolgungsthriller, sondern, mehr noch, als Blaupause für eine Gesellschaft kurz vor oder mitten in der Dekadenz, mit einem bitterbösen Humor unterfüttert, der sich nur aus der Situation selbst erschließen lässt..."

Kurz: ganz fantastische Lektüre! Wirklich famos! Diesen Klassiker bitte unbedingt lesen, wenngleich Household zu Lebzeiten weder ein dicker Hauptpreis zuerkannt, noch sonstwie Aufmerksamkeit in irgendeiner Form verliehen wurde.Ist vor einigen Wochen neu aufgelegt worden, werde ich mir holen, vielen Dank für den Tip.

THELONICA
09.10.2009, 13:05
@MarBeck

Kennst Du schon "Absolute Beginners" von Colin MacInnes?

Tipp:
Straight Life: The Story of Art Pepper
von Art und Laurie Pepper

pinch
09.10.2009, 13:14
Ist vor einigen Wochen neu aufgelegt worden, werde ich mir holen, vielen Dank für den Tip.
Bitte sehr. Und Originalfassung-Fetischisten lesen jetzt mal kurz weg: Die deutsche Übersetzung von "Rogue Male" ist nämlich ganz ausgezeichnet.


Oder etwas von Kafka, aber was?
Alles! Das ganze Werk! Mit den 3 großen Romanen anfangen, dann sämtliche Kurzgeschichten, anschließend die Tagebücher, abschließend die Briefe. Ratsam hierbei: keine Sekundärliteratur! Denn etliches davon ist aufdringliches Diskursgeschwafel, das unterm Strich mehr nimmt als gibt. Den Werken also "unvorbelastet" begegnen, das ist viel wichtiger und letztlich prägender und für dich als Leser auch entscheidender. Einziger Nachteil: etwas Besseres wirst du in deinem Leben dann wohl nie wieder lesen.

MarBeck
09.10.2009, 13:34
Bitte sehr. Und Originalfassung-Fetischisten lesen jetzt mal kurz weg: Die deutsche Übersetzung von "Rogue Male" ist nämlich ganz ausgezeichnet.


Alles! Das ganze Werk! Mit den 3 großen Romanen anfangen, dann sämtliche Kurzgeschichten, anschließend die Tagebücher, abschließend die Briefe. Ratsam hierbei: keine Sekundärliteratur! Denn etliches davon ist aufdringliches Diskursgeschwafel, das unterm Strich mehr nimmt als gibt. Den Werken also "unvorbelastet" begegnen, das ist viel wichtiger und letztlich prägender und für dich als Leser auch entscheidender. Einziger Nachteil: etwas Besseres wirst du in deinem Leben dann wohl nie wieder lesen.

Und noch mal Danke. Ich hatte mir bei 2001 vor kurzem das hier gekauft, bislang aber noch nicht "reingelesen". Welchen der 3 Romane zuerst?

*********************************+

Kafka, Franz (http://www.zweitausendeins.de/suche/?q=Kafka%2C%20Franz)
Das Werk

1.232 Seiten. Nur bei uns. Nur 7,99. Zum ersten Mal in einem Band: Die Kafka-Edition von Max Brod. Alle Romane und Erzählungen. Dieser Band versammelt sein zentrales literarisches Werk: die drei großen Romane sowie sämtliche Erzählungen und die erzählende Prosa. Der Prozeß (mit einem der berühmtesten Romananfänge der Weltliteratur: "Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet"), Amerika ("Da entfaltet sich eine Komik, deren Rang nur im Blick auf Falstaff, Don Quichote und die Walpurgisnächte zu bestimmen ist", FAZ), Das Schloß, Ein Landarzt, Ein Hungerkünstler, Ein Bericht für eine Akademie, In der Strafkolonie, Die Verwandlung ("Eine ausnehmend ekle Geschichte ... ekelhaft ist sie grenzenlos", Kafka an Felice Bauer), Das Urteil (für Kafka "von allen Erzählungen die liebste"), Brief an den Vater ("Wer immer sich mit Kafka beschäftigt, greift auf diesen Brief zurück", Reich-Ranicki), Der Kübelreiter, Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse, Zum Nachdenken für Herrenreiter, Wunsch, Indianer zu werden u.a. 1.232 Seiten. Broschur. Nur bei uns. "Der Realismus seiner Bilder übersteigt ständig die Vorstellungskraft" (André Gide). Nur 7,99 €.

pinch
09.10.2009, 13:36
Welchen der 3 Romane zuerst?
"Amerika/Der Verschollene" war damals meine erste Kafka-Romanbegegnung. Hab's nicht bereut.

Bodacious Cowboy
09.10.2009, 13:40
"Amerika/Der Verschollene" war damals meine erste Kafka-Romanbegegnung. Hab's nicht bereut.
Bei mir auch, sehr gut. "Die Verwandlung" wurde leider im Schulunterricht tot geredet.

John Bill
09.10.2009, 13:41
ich empfehle für MarBeck dann mal zwanglos J. M. Coetzee "Die jungen Jahre" und Walker Percy "Der Kinogeher".

Clau
09.10.2009, 13:46
Von Hemingway sollte man unbedingt "Wem die Stunde schlägt" und ganz besonders "Fiesta" gelesen haben.

Yellowsubmarine
09.10.2009, 15:51
Meine Top Klassiker:
Homer "Ilias" und "Odyssee"
Johann Wolfgang Goethe "Faust"

Ich lese viel und von...bis, aber es gibt zwei Bücher in meinem Leben, die mich immer begleitet haben:
100 Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez
High Fidelity von Nick Hornby
und dazu die Gedichte von Wolf Wondraschek

redbeansandrice
09.10.2009, 16:33
Tipp:
Straight Life: The Story of Art Pepper
von Art und Laurie Pepper

wenn man das mag, ist
Low Down: Junk, Jazz, and Other Fairy Tales from Childhood
von A.J. Albany Pflichtlektüre.... (ich finds nochmal besser - ob das jetzt klassiker sind...)

ansonsten, Hemingway - Fiesta unterstreich ich mal, Joseph Roth ist super, zB das falsche Gewicht, Kapuzinergruft, oder (länger) Radetzkymasch...
"Ideen das Buch Le Grand" von Heinrich Heine war mir näher und viel zugänglicher als ich je erwartet hätte...

ob es wirklich bücher gibt "die man lesen sollte" bezweifel ich allerdings... womit man bei faulkner anfängt, wüsst ich ja auch gern...

Nes
09.10.2009, 17:08
Joseph Roth ist superSagt mir gar nix, ich dachte bei der Erwähnung des Namen Roth an Philip.

beetlejuice
09.10.2009, 17:13
Sagt mir gar nix, ich dachte bei der Erwähnung des Namen Roth an Philip.
Sehr bekannter österreichischer Schriftsteller. (http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Roth)

Go1
09.10.2009, 17:26
Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Céline ist großartig und ein echter Klassiker. Der Roman steckt auch voller scharfsinniger und kluger Sätze - man sollte sich vom späteren ideologischen Werdegang dieses Autors (Antisemit, Faschist) nicht abschrecken lassen.

Review (http://www.uibk.ac.at/iza/lis-www/tmp/view/7532.pdf) (als PDF)

alex8529
09.10.2009, 17:44
D.Segre - Kokain
H.Hesse - Steppenwolf
A.Solschenizyn - Archipel Gulag
L.Tolstoi - Krieg und Frieden

pinch
09.10.2009, 17:45
man sollte sich vom späteren ideologischen Werdegang dieses Autors (Antisemit, Faschist) nicht abschrecken lassen.

Review (http://www.uibk.ac.at/iza/lis-www/tmp/view/7532.pdf) (als PDF)
Ja, Celines Wandlung vom Pazifisten zum Faschisten ist recht irritierend. Allerdings fußen etliche Behauptungen und Meinungen diesbezüglich auf teils wackeligen Beinen, bleiben weithin spekulativ, nebulös, sind bspw. Übertragunsgsfehlern geschuldet, propagandistischer Eingriffe und Willkür etc. pp.
Wer sich besonders ausführlich und eingehend damit beschäftigen will, kommt vor allem an Philipp Waschers sachlich fundierter, brillanter Arbeit "Louis-Ferdinand Celine und Deutschland: Rezeptionsgeschichte der Jahre 1932-1961" (ISBN 3-89693-451-1) nicht vorbei.

Rob Fleming
09.10.2009, 19:18
Obwohl es vielleicht wenig originell scheint würde ich dir Herman Melvilles 'Moby Dick' empfehlen.
Durch ältere Übersetzungen leider teiweise zum reinen Abenteuerbuch für Jugendliche verstümmelt, gibt es seit 2001 eine Übersetzung von Matthias Jendis die es sich wirklich zu lesen lohnt.
Gut lesbar eröffnet sich in ihr die ganze Kraft diese Buches die sich aus der Mischung zwischen dem großen pathetischen Abenteuer, Wissenschaftsdokumentation und steckenweise poetischer Erzählung speist.

grandandt
09.10.2009, 21:42
Und jetzt noch bitte Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" erwähnen und mir wird endgültig schlecht.

Du hast noch den Schüler Gerber vergessen zu erwähnen!


@Marbeck
Es gibt soviel zu lesen - in allen Bereichen.

Im Science Fiction Bereich würde ich Dir Solaris oder Futurulogischer Kongress von Lem oder die Foundation-Triologie, natürlich auch die Stahlhöhlen von Asimov empfehlen. Dazu noch Bradburys Fahrenheit-Buch.

Im Fantasy-Bereich natürlich alles von Terry Pratchett und seiner Scheibenwelt.
Aber Herr der Ringe sollte schon mal gelesen werden.


Hat hier schon jemand Orwell genannt?

@alex
Deine Nennungen freuen mich!

wa
09.10.2009, 21:50
Alles von Eric Ambler.

Joliet Jake
09.10.2009, 21:58
Raymond Chandler. Im Wesentlichen mindestens zwei: Fang an mit "The big sleep / Der große Schlaf", und dann zwischendurch entweder andere oder als Abschluß unbedingt "The long goodbye / Der lange Abschied".

Mark Oliver Everett
09.10.2009, 22:03
Geoffrey Household: Rogue Male (Dt. "Einzelgänger, männlich")

"Einzelgänger, männlich" ist ein zeitloser Klassiker, nicht nur als Verfolgungsthriller, sondern, mehr noch, als Blaupause für eine Gesellschaft kurz vor oder mitten in der Dekadenz, mit einem bitterbösen Humor unterfüttert, der sich nur aus der Situation selbst erschließen lässt..."


klingt spannend. hab ich mir gleich mal bestellt.


Raymond Chandler. Im Wesentlichen zwei: Fang an mit "The big sleep / Der große Schlaf", und dann entweder andere oder als Abschluß "The long goodbye / Der lange Abschied".

genau. aber auch hammett darf nicht vergessen gehen. vorallem "der gläserne schlüssel".

Natsume
09.10.2009, 22:17
[...]
Ich lese viel und von...bis, aber es gibt zwei Bücher in meinem Leben, die mich immer begleitet haben:
100 Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez [...]

Geht mir auch so. Um noch ein paar lateinamerikanische
Klassiker zu ergänzen:

Jorge Luis Borges "Fiktionen"
Carlos Fuentes "Der Tod des Artemio Cruz"
Mario Vargas Llosa "Der Krieg am Ende der Welt"
Adolfo Bioy Casares "Morels Erfindung"
Augusto Roa Bastos "Ich der Allmächtige"
José Lezama Lima "Paradiso"

Joliet Jake
09.10.2009, 22:20
Präzisierung: Diese beiden Chandler unbedingt; dazwischen evtl. andere.

Mark Oliver Everett
09.10.2009, 22:23
Präzisierung: Diese beiden Chandler unbedingt; dazwischen evtl. andere.

wobei der lange abschied noch einen tick besser ist, oder?

Joliet Jake
09.10.2009, 22:31
wobei der lange abschied noch einen tick besser ist, oder?

Der Beste, genau deswegen. Den "Langen Abschied" zum Schluß.

Knuffelchen
09.10.2009, 22:33
Der Beste, genau deswegen. Den "Langen Abschied" zum Schluß.
Ich kenn bloss Peter Handkes "Kurzen Brief zum langen Abschied" - Schullektüre : Hallo Mick 67 :wave: - und das ist definitiv zum Abgewöhnen. NICHT lesen.

schussrichtung
10.10.2009, 00:02
Arno Schmidt - Das Leben eines Fauns. Einfach lesen!

moody
10.10.2009, 00:31
Flucht ohne Ende von Joseph Roth
gehort zu den Büchern die ich
als empfehlenswert erachte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Flucht_ohne_Ende


"Er hatte keinen Beruf, keine Liebe, keine Lust, keine Hoffnung, keinen Ehrgeiz und nicht einmal Egoismus. So überflüssig wie er war niemand in der Welt."

gute Nacht

moody

FifteenJugglers
10.10.2009, 01:33
Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Céline ist großartig und ein echter Klassiker. Der Roman steckt auch voller scharfsinniger und kluger Sätze - man sollte sich vom späteren ideologischen Werdegang dieses Autors (Antisemit, Faschist) nicht abschrecken lassen.

Review (http://www.uibk.ac.at/iza/lis-www/tmp/view/7532.pdf) (als PDF)Ist das Buch auch auf Deutsch empfehlenswert? Mein Französisch ist nicht so gut.

beetlejuice
10.10.2009, 01:55
Meine Empfehlung:
Joris-Karl Huysmans, À rebours

Ein Roman des Fin de siècle.

Wiki sagt dazu:

"1884 brachte er das Werk heraus, das ihm seinen Platz in der Literaturgeschichte sichern sollte: den Roman À rebours (= Gegen den Strich (http://de.wikipedia.org/wiki/Gegen_den_Strich)). Die minimale Handlung kreist um einen dekadenten und neurotischen jungen Aristokraten namens Jean Floressas Des Esseintes. Dieser zieht sich zunehmend aus der für ihn unbefriedigenden sozialen Realität zurück. Er spinnt sich in seinem Vorstadthäuschen in eine artifizielle Welt des Ästhetizismus (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetizismus) und Mystizismus ein und landet allmählich am Rande geistiger Umnachtung. Der Roman war eigentlich als naturalistische Studie eines erblich belasteten und krankmachend lebenden „dekadenten“ Individuums gedacht, das viele Züge des Autors selber trägt. Er wurde jedoch von vielen Lesern als ein Brevier der Dekadenz (http://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenz)“ aufgenommen, in dem sie eigene Probleme und ein Problem ihrer Zeit wiedererkannten. A rebours wurde so eine Zeitlang zum Kultbuch, und zwar nicht nur für Anhänger des Naturalismus, sondern auch für solche der symbolistischen (http://de.wikipedia.org/wiki/Symbolismus_%28Literatur%29) Schule. Auch ausländische Leser wie Oscar Wilde (http://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Wilde) waren angetan. Der große Lyriker Mallarmé (http://de.wikipedia.org/wiki/Mallarm%C3%A9) formulierte 1885 die symbolistische Poetik in einem langen Gedicht mit dem paradoxen Titel Prose pour Des Esseintes."

Ich habe das Buch vor sehr vielen Jahren gelesen (in meiner Wilde-Phase) und ich fand es faszinierend und den Protagonisten ziemlich abstoßend.

Cassavetes
10.10.2009, 12:12
@ MarBeck

Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie
Die Bibel
Lewis Carroll: Alice's Adventures in Wonderland & Through the Looking Glass
Miguel de Cervantes y Saavedra: Don Quijote
Geoffrey Chaucer: The Canterbury Tales
Einiges von Charles Dickens
Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe
Gustave Flaubert: Die Erziehung der Gefühle
Ernest Hemingway: Fiesta
Homer: Ilias & Odyssee
Lao-Tse: Tao te King
Herman Melville: Moby Dick
A.A. Milne: Winnie-the-Pooh
Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Etliches von Shakespeare
Marc Twain: Tom Sawyer & Huckleberry Finn
Virginia Woolf: Mrs. Dalloway, To the Lighthouse & Orlando

Mark Oliver Everett
10.10.2009, 12:23
Die Bibel


:teufel::teufel_2:

motörwolf
10.10.2009, 12:38
@MOE
Doch, die Bibel gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die man kennen sollte. Dabei geht es mir nicht um religiöse Erbauung, sondern einfach darum, daß die Bibel bzw ihr Übersetzer Luther stilbildend waren für die deutsche Sprache. Und dies nicht nur lexikalisch, sondern auch bezogen auf Symbole, Bilder usw. Zudem ist die Bibel eine der Grundlagen unseres Kulturkreises, ihre Kenntnis kann daher beim Lesen von Büchern aus eben diesem Kulturkreis nicht schaden, da sehr oft Bezüge zur Bibel zu finden sind. Ein gutes Beispiel, das mir spontan einfällt ist Steinbecks Jenseits von Eden, in dem nicht nur der Titel solche Bezüge hat, sondern z.B. wird die Namensfindung für die Kinder mit der Bibel in der Hand vorgenommen und recht interessante Diskussionen um die richtige Auslegung einer bestimmten Bibelstelle geführt.

MarBeck
10.10.2009, 13:22
Nur mal aus gegebenem Anlass: Ich wollte den Begriff "Klassiker" nicht wörtlich gemeint wissen, sondern mich gerne auf die Zeit beschränken, in der es Literaturnobelpreise gibt, evtl. auch ein bißchen mehr. Daher im Eingangspost der Hinweis auf die ca. letzten 150 Jahre.

Ansonsten vielen Dank für alle Hinweise. Vieles von dem, was vorgeschlagen wurde habe ich schon gelesen, insb. die Krimis/Thriller (Chandler, Hamett, Ambler,...). Bestellt habe ich "Einzelgänger, männlich", in der Bibliothek ausgeliehen "Fiesta" und aus einer Kiste gekrämt die 2001-Ausgabe des Werks Kafkas, damit bin ich für die nächsten Tage ausgestattet.

Trotzdem, weiter Vorschläge sind höchst willkommen. Auch andere haben dem Thread ja schon Anregungen entnommen, er hat seinen Zweck m.E. damit schon erfüllt.

nerea87
10.10.2009, 20:56
und dazu die Gedichte von Wolf WondraschekAch, echt?
Es gibt nichts, was einen Mann einsamer macht, als das leise Lächeln am Ohr eines anderen...

Muffin Man
10.10.2009, 21:00
Ttthhooooooooooooooooooooooooommmmmaaass mmmaaaaaaaaaaaaannnn!!!!!!!!!

beetlejuice
10.10.2009, 21:50
Ttthhooooooooooooooooooooooooommmmmaaass mmmaaaaaaaaaaaaannnn!!!!!!!!!
Natürlich, what else.

pinch
10.10.2009, 22:18
Ist das Buch auch auf Deutsch empfehlenswert?
Aber ja! Bei Rowohlt erschien die "Reise" vor knapp 6 Jahren in einer sorgfältigen deutschen Neu-Übersetzung (Hinrich Schmidt-Henkel), die erstmals auch die bis dahin fehlenden Passagen berücksichtigt. Kaufen, lesen!

itasca64
10.10.2009, 22:19
Absolute Basics (prä-LNP):


Die Bibel
Cooper, James F. - Lederstrumpf-Geschichten
Cervantes y Saavedra, Miguel de - Don Quijote
Defoe, Daniel - Robinson Crusoe
Dostojewski, Fjodor - Verbrechen und Strafe (früher als "Schuld und Sühne" übersetzt)
Dostojewski, Fjodor - Böse Geister (früher als "Die Dämonen" übersetzt)
Dostojewski, Fjodor - Die Brüder Karamasov
London, Jack - Der Seewolf
Melville, Hermann - Moby Dick
Twain, Mark - Tom Sawyer und Huckleberry Finn
LNP-Ära (so in etwa):

Andric, Ivo - Die Brücke über die Drina (LNP 1962)
Conrad, Joseph - Herz der Finsternis
Eco, Umberto - DNDR
Hamsun, Knut - Hunger
Hemingway, Ernest - Fiesta, Der alte Mann und das Meer, Wem die Stunde schlägt, Inseln im Strom
Hesse, Hermann - Narziss und Goldmund, Der Steppenwolf
Ismail Kadare - Die Festung, Der Schandkasten
Franz Kafka - Amerika, Der Prozess, Das Schloß, div. Kurzgeschichten und Erzählungen
Lenz, Siegfried - Deutschstunde
Levi, Carlo - Christus kam nur bis Eboli
Mann, Heinrich - Der Untertan
Mann, Thomas - Buddenbrooks, Der Zauberberg, div. Erzählungen
Orwell, George - 1984 (immer aktuell)
Perutz, Leo - Die dritte Kugel, St. Petri Schnee
Süsskind, Patrick - Das Parfüm

zeze
10.10.2009, 23:00
Hinzuzufügen:

Jack Kerouac - On The Road
Oscar Wilde - The Picture Of Dorian Gray | The Importance of Being Earnest

Led Seppelin
10.10.2009, 23:08
Jerome David Salinger - The Catcher in the Rye

firecracker
10.10.2009, 23:20
als fan von
the strokes: aldous huxley - brave new world & brave new world revisited
the libertines: oscar wilde - the picture of dorian gray & the critic as artist
the smiths: shelagh delaney - a taste of honey
arctic monkeys: alan sillitoe - saturday night and sunday morning & the loneliness of the long distance runner
ryan adams: sylvia plath - the bell jar
oasis: john osborne - look back in anger
nick hornbys high fidelity sowieso
to be continued

Nes
10.10.2009, 23:42
Die Bibel , hm.
Ich kenne sie recht gut, und sage, das muss man nicht wirklich, ausser man liebt Mord und Totschlag und Zeter und Mordio.:-)
Dann kommt das alte Testament recht gut, da wird gemordet, gehurt, was das Zeug hält.
Gelinkt, gelogen, geschlagen, verführt, alles.

Mein Lieblingsbuch sag ich hier nicht, das gäbe Spott.

Herr Rossi
10.10.2009, 23:58
Die Bibel , hm.
Ich kenne sie recht gut, und sage, das muss man nicht wirklich, ausser man liebt Mord und Totschlag und Zeter und Mordio.:-)
Dann kommt das alte Testament recht gut, da wird gemordet, gehurt, was das Zeug hält.

Naja, wie bei Homer, Shakespeare, Grimmelshausen, im Nibelungenlied und so ziemlich allem, was sonst bedeutende Literatur ist. Wenn man das nicht will, ist "Winnie-the-Pooh" tatsächlich die beste Empfehlung bisher.;-) (Ich liebe Pu!)
Die Bibel bietet natürlich sehr viel mehr als nur Mord und Totschlag. Bei dem Umfang und doch sehr langen trockenen Passagen werden sie aber wohl nur hartgesottene Theologen wirklich komplett gelesen haben.

Haiksen
11.10.2009, 00:01
@MOE
Doch, die Bibel gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die man kennen sollte. Dabei geht es mir nicht um religiöse Erbauung, sondern einfach darum, daß die Bibel bzw ihr Übersetzer Luther stilbildend waren für die deutsche Sprache. Und dies nicht nur lexikalisch, sondern auch bezogen auf Symbole, Bilder usw. Zudem ist die Bibel eine der Grundlagen unseres Kulturkreises, ihre Kenntnis kann daher beim Lesen von Büchern aus eben diesem Kulturkreis nicht schaden, da sehr oft Bezüge zur Bibel zu finden sind. Ein gutes Beispiel, das mir spontan einfällt ist Steinbecks Jenseits von Eden, in dem nicht nur der Titel solche Bezüge hat, sondern z.B. wird die Namensfindung für die Kinder mit der Bibel in der Hand vorgenommen und recht interessante Diskussionen um die richtige Auslegung einer bestimmten Bibelstelle geführt.

Die Bibel ist höchstens für Historiker ein Muss, aber nicht für den Literaturfreund. Sie ist nur eine Sammlung sich gegenseitig widersprechender Bücher und hat meines Erachtens keinen wirklich literarischen Wert.
Du hast unzweifelhaft recht, dass sie einen wesentlichen Einfluss ausgeübt hat auf unseren Kulturkreis. Und deswegen sollte man auch ruhig ein Exemplar zum Nachschlagen im Regal haben. Aber sie darum vollständig lesen und wichtiger nehmen als sie eigentlich sein sollte ... würde ich nicht empfehlen.

Ich empfehle stattdessen als "Klassiker" Theodor Fontane, Kurt Tucholsky und den schon genannten Franz Kafka. Generell sollte man aber nicht glauben etwas gelesen haben zu müssen.

beetlejuice
11.10.2009, 01:06
Diverse Romane des Eichhörnchens Italo Calvino:

Il barone rampante
Il visconte dimezzato
Il cavaliere inesistente
La giornata di uno scrutatore
Le città invisibili,
Il castello dei destini incrociati,
Se una notte d’inverno un viaggiatore

Wer Ironie und Phantasie mag, ist bei Calvino besonders gut aufgehoben.Ein anderer von mir sehr geschätzter und verehrter Schriftsteller ist Italo Svevo. Wem La coscienza di Zeno zu anspruchsvoll ist, sollte es mit den Kurzgeschichten versuchen. Die Dubliners von Joyce lagen als Vorbild zu Grunde. Meine liebste davon ist L'avvenire dei ricordi.

Zappa1
11.10.2009, 02:02
Wir sitzen hier gerade mit noch drei alten Schulfreunden und stellen fest, dass bisher noch keiner Hermann Hesse genannt hat.
Geht jetzt nicht darum, ihn zu empfehlen. Es stellen sich nur paar Fragen.
Bei uns war damals Hesse ein absolutes Muss. Jedes Buch von ihm wurde gelesen, verschlungen, heftigst diskutiert. Interessieren tut: Hat Hesse heute den Stellenwert verloren, den er mal hatte, besonders bei der Jugend?
Spielt er bei den jungen Leuten heute überhaupt noch eine Rolle?

John Bill
11.10.2009, 08:35
doch:


H.Hesse - Steppenwolf


Hesse, Hermann - Narziss und Goldmund, Der Steppenwolf

Literatur für Pubertierende, wenn man da drüber weg ist, muss man ihn nicht mehr lesen.

itasca64
11.10.2009, 09:07
Hermann Hesse - Literatur für Pubertierende, wenn man da drüber weg ist, muss man ihn nicht mehr lesen.

Warum sagst Du nicht gleich "Kinderbücher"? Dir sollte die Bedeutung des Lebensabschnitts "Pubertät" bewußt sein, wenn Hesse dafür das richtige ist, dann ist das schon ein relevantes Qualitätssiegel.

John Bill
11.10.2009, 09:19
Warum sagst Du nicht gleich "Kinderbücher"? Dir sollte die Bedeutung des Lebensabschnitts "Pubertät" bewußt sein, wenn Hesse dafür das richtige ist, dann ist das schon ein relevantes Qualitätssiegel.
ich kanns ja auch netter formulieren: einem erwachsenen Mann über 25 würde ich Hesse nicht mehr empfehlen! Bis dahin sollte man ihn gelesen haben oder es eben sein lassen...

nail75
11.10.2009, 09:32
Wir sitzen hier gerade mit noch drei alten Schulfreunden und stellen fest, dass bisher noch keiner Hermann Hesse genannt hat.
Geht jetzt nicht darum, ihn zu empfehlen. Es stellen sich nur paar Fragen.
Bei uns war damals Hesse ein absolutes Muss. Jedes Buch von ihm wurde gelesen, verschlungen, heftigst diskutiert. Interessieren tut: Hat Hesse heute den Stellenwert verloren, den er mal hatte, besonders bei der Jugend?
Spielt er bei den jungen Leuten heute überhaupt noch eine Rolle?

Schwierig. Ich habe manches von Hesse gelesen, als ich ein Jugendlicher war und fand es gut. Seitdem sind vielleicht 15-20 Jahre vergangen - keine Ahnung, wie mir das heute gefallen würde. Ich neige etwas dazu, John Bill recht zu geben.

Aber: Hesses Popularität in anderen Teilen der Welt ist ungebrochen, vor allem in Ostasien (Korea, Japan):
http://seriealfa.com/alfa/alfa9/hesse.htm

grandandt
11.10.2009, 09:47
ich kanns ja auch netter formulieren: einem erwachsenen Mann über 25 würde ich Hesse nicht mehr empfehlen! Bis dahin sollte man ihn gelesen haben oder es eben sein lassen...

Sehe ich ebenso. Und Du mußt es nicht netter formulieren. Das Wort "Pubertierende" paßt perfekt.


Ich würde keine Klassiker mehr lesen wollen. Kostet zuviel Zeit. In unserer heutigen Zeit reichen die Zusammenfassungen im Internet. Da muß man sich keine Gedanken mehr darüber machen.
Am besten ist wohl Schwanitz' "Bildung" als Hörbuch, um die Defizite schnell und unkompliziert zu kompensieren.

otis
11.10.2009, 10:01
Ich würde keine Klassiker mehr lesen wollen. Kostet zuviel Zeit. In unserer Heutigen Zeit reichen die Zusammenfassungen im Internet. Da muß man sich keine Gedanken mehr darüber machen.
Am besten ist wohl Schwanitz' "Bildung" als Hörbuch, um die Defizite schnell und unkompliziert zu kompensieren.
Cool, diese Einstellung. Und dann sich klonen lassen.

Herr Rossi
11.10.2009, 10:02
@Otis: Ironiedetektor einschalten.;-)

nail75
11.10.2009, 10:03
Am besten ist wohl Schwanitz' "Bildung" als Hörbuch, um die Defizite schnell und unkompliziert zu kompensieren.

Das ist übrigens das schlechteste Buch, das ich jemals in Teilen zu lesen versucht habe.

grandandt
11.10.2009, 10:05
Cool, diese Einstellung. Und dann sich klonen lassen.

Hey, gute Idee!
Und wenn man dann noch mit der Auflistung im Telefonbuch zurechtkommt ist man der Macker schlechthin! Really cool!

@nail
Du hast das Hörbuch gelesen?:-)
Aber Du hast mir was voraus. Ich habe weder Buch noch Hörbuch jemals in den Händen gehabt, geschweige denn gelesen bzw gehört.

nail75
11.10.2009, 10:06
@nail
Du hast das Hörbuch gelesen?

Compact Disc. Manufactured in Germany. War nicht sehr ergiebig.

otis
11.10.2009, 10:12
@Otis: Ironiedetektor einschalten.;-)
Ach?

Herr Rossi
11.10.2009, 10:37
Ach?

Ja. Ich jetzt auch.;-)

Krautathaus
11.10.2009, 10:49
Welche Bücher von den "Klassikern" (nicht zu streng auslegen, ich meine Autoren der letzen ca. 150 Jahre, die "Nobelpreisniveau" haben) sollte man denn lesen?

Herr der Fliegen v. William Golding würde ich empfehlen. Hab ihn als Jugendlicher gelesen, und noch Jahre später hat der Roman nichts von seiner Faszination verloren.

Mikko
11.10.2009, 11:32
Hmm, das geht ja hier weiter munter durcheinander und bestätigt damit durchaus meine eingangs geäußerten Bedenken.

Nun will ich aber nicht weiter mit meinen persönlichen Favoriten hinterm Berg halten. Es folgt Literatur, die mir wichtig war/ist, die ich bedeutsam finde. In grob chronologischer Reihenfolge.

E.T.A. Hoffmann – Gesammelte Werke
Joachim Ringelnatz – alle Gedichte
Kurt Tucholsky – alles
H.P. Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward
Michal Bulgakow – Der Meister und Margerita
Väinö Linna – Tuntematon Sotilas (Der unbekannte Soldat)
J.R.R. Tolkien – alles
J.D. Salinger – Der Fänger im Roggen
Jack Kerouac – On The Road
Irmtraud Morgner - Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura
Stephen King – Atlantis / Es
Joe R. Lansdale – alles (ich entdecke diesen Autor allerdings gerade erst)

Wenzel
11.10.2009, 11:44
das sind jetzt allerdings keine Klassiker im Sinne des Erfinders.
Wenn wir aber schon mal dabei sind , sollten Döblin , Fallada und Joseph Roth nicht fehlen.

Irrlicht
11.10.2009, 11:53
Spielt er bei den jungen Leuten heute überhaupt noch eine Rolle?

Bei mir sogar sehr.


Herr der Fliegen v. William Golding würde ich empfehlen. Hab ihn als Jugendlicher gelesen, und noch Jahre später hat der Roman nichts von seiner Faszination verloren.

Unbedingt, hat mich auch immer begeistert.

pinch
11.10.2009, 12:18
einem erwachsenen Mann über 25 würde ich Hesse nicht mehr empfehlen! Bis dahin sollte man ihn gelesen haben oder es eben sein lassen...
Unterschreibe ich komplett.

alex8529
11.10.2009, 13:05
Bei uns war damals Hesse ein absolutes Muss. Jedes Buch von ihm wurde gelesen, verschlungen, heftigst diskutiert.

war bei uns auch so, nur mit dem Problem, dass er in der DDR nicht verlegt wurde.

Declan MacManus
11.10.2009, 13:13
Unterschreibe ich komplett.
Ich auch. Habe jenseits der 25-Jahre-Grenze noch mal ein paar Seiten aus dem "Steppenwolf" gelesen und Hesse damit für mich zu den Akten gelegt.

wohlklang
11.10.2009, 13:46
war bei uns auch so, nur mit dem Problem, dass er in der DDR nicht verlegt wurde.

Erzähl' doch nicht solchen Mist. Hesse war nahezu komplett greifbar.

magicmatthes
11.10.2009, 14:16
Bei mir sogar sehr.


Das war klar...

Zappa1
11.10.2009, 15:47
Danke für eure Antworten. Sehe das meiste auch so.
Was mich schon damals immer gewundert hat, warum ausgerechnet der "Steppenwolf" zu diesem Kultbuch wurde. Ich fand z.B. den "Demian" und manches andere weitaus "spannender".
Vielleicht hole ich mal wieder den "Peter Camenzind" aus dem Regal. Das wr immer mein Lieblingsbuch von ihm, mal sehen, wie das nach 30 Jahren inzwischen auf mich wirkt.

nerea87
11.10.2009, 16:57
Was mich schon damals immer gewundert hat, warum ausgerechnet der "Steppenwolf" zu diesem Kultbuch wurde. Ich fand z.B. den "Demian" und manches andere weitaus "spannender".
Den Steppenwolf habe ich auch beim Wiederlesen nach einer Weile wieder beiseitegelegt. Und Demian fand ich auch damals deutlich besser, das sind alle wichtigen Themen des Steppenwolfs bereits angelegt, ohne dass sie schon so mystifiziert werden.

otis
11.10.2009, 17:28
Erzähl' doch nicht solchen Mist. Hesse war nahezu komplett greifbar.
Ich habe sogar einmal eine DDR-Ausgabe von On The Road gefunden. Das nun finde ich wirklich bemerkenswert, weshalb ich sie auch gekauft habe.

wohlklang
11.10.2009, 17:36
Ich habe sogar einmal eine DDR-Ausgabe von On The Road gefunden. Das nun finde ich wirklich bemerkenswert, weshalb ich sie auch gekauft habe.

Ja, bemerkenswert. Ohne Druckfehler. Ohne dämliche Werbebanderole und vermutlich mit "echter Fadenheftung", die ja heutzutage bereits extra Erwähnung und Berücksichtigung im Preis findet.

Im Ernst: die haben alles gedruckt, was von irgendeiner Relevanz war.

genosse schulz
11.10.2009, 17:47
Da hier schon "1984" und "Schöne Neue Welt" genannt wurden, schadet es nichts, das Original "Wir" von Jewgeni Samjatin zu nennen, bei welchem sich Orwell und Huxley reichlich bedient haben. Mein Lieblingsbuch übrigens. Da wir gerade von Dystopien reden, "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury ist ebenfalls sehr empfehlenswert.

B.Traven sollte man auch gelesen haben, zumindest aber "Die Weisse Rose" oder "Der lange Marsch ins Reich der Caoba".

Hunter S. Thompson möchte ich noch erwähnen, "Fear and Loathing in Las Vegas" und natürlich "Hell’s Angels: The Strange and Terrible Saga of the Outlaw Motorcycle Gangs".




Im Ernst: die haben alles gedruckt, was von irgendeiner Relevanz war.

Nein.

Nes
11.10.2009, 17:58
Die Bibel bietet natürlich sehr viel mehr als nur Mord und Totschlag. Bei dem Umfang und doch sehr langen trockenen Passagen werden sie aber wohl nur hartgesottene Theologen wirklich komplett gelesen haben.Teilweise ist sie aber schon sehr heftig, das musst Du zugeben.
Ganz gelesen habe ich sie auch nicht, Gotteswillen.;-)

firecracker
11.10.2009, 17:59
Da hier schon "1984" und "Schöne Neue Welt" genannt wurden, schadet es nichts, das Original "Wir" von Jewgeni Samjatin zu nennen, bei der sich Orwell und Huxley reichlich bedient haben. Mein Lieblingsbuch übrigens. Da wir gerade von Dystopien reden, "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury ist ebenfalls sehr empfehlenswert.
ist das nicht platons "der staat"?

grandandt
11.10.2009, 18:34
B.Traven sollte man auch gelesen haben, zumindest aber "Die Weisse Rose" oder "Der lange Marsch ins Reich der Caoba".

Darf ich fragen warum?
Es sind doch eigentlich "nur" Abenteuerromane, die man gerne als Jugendlicher liest.
Genau wie Jules Verne.
Und ich habe beide als Jugendlicher "verschlungen".
Den Caoba-Zyklus habe ich wohl insgesamt fünf bis sechs Mal gelesen.

redbeansandrice
12.10.2009, 09:45
Nun will ich aber nicht weiter mit meinen persönlichen Favoriten hinterm Berg halten. Es folgt Literatur, die mir wichtig war/ist, die ich bedeutsam finde. In grob chronologischer Reihenfolge.

E.T.A. Hoffmann – Gesammelte Werke
H.P. Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward
J.R.R. Tolkien – alles
Jack Kerouac – On The Road

bei den vieren kann ich mich absolut anschließen; kerouac mehr als "war wichtig", und subterraneans mehr als on the road, trotzdem... "dexter ward" hab ich neulich erst gelesen, klasse! "the hobbit" les ich seit ich 15 bin einmal im jahr...

"wir" von samjatin hab ich damals nach 1984 und Brave New World auch gelesen, mein Favorit von den dreien ist klar Brave New World... weiß nicht, ob ich eins davon heute noch zu ende lesen könnte, allerdings; bei Orwell würd ich unbedingt auch die "nicht-utopischen" sachen empfehlen, zB "down and out in paris and london";

Rohstoff von Jörg Fauser häng ich mal noch an meine Liste dran, mein liebstes Buch über die BRD...

alex8529
12.10.2009, 10:34
Erzähl' doch nicht solchen Mist. Hesse war nahezu komplett greifbar.

da scheint es nicht nur zwischen uns andere Meinungen zu geben.

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-1-197

.....Er schreibt in seinem Rückblick, „dass wir fast alles, was wir wirklich lesen wollten, uns irgendwie beschaffen konnten“ (S.307). Der Gegensatz zeigt sich besonders schroff unter den Bibliothekaren als Zeitzeugen: Die einen erwecken den Anschein, beispielswiese Hermann Hesse (S. 224) sei verboten gewesen, die anderen betonen: „Der Großteil an Literatur aus der BRD, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz war über den normalen Ausleihvorgang zugänglich.“ (S. 205)

Auf Grund Deines Einwandes habe ich nochmal recherchiert, und es ist tatsächlich so, dass Hesse in der DDR verlegt wurde.

Meine persönliche Erinnerung deckt sich jedoch mit einem Verbot, wie auch oben ausgeführt, da es mit Sicherheit nicht so war, dass man in jeder Buchhandlung Hesse kaufen konnte.

Vielleicht war es auch so, dass die Auflagen relativ klein waren, und die Nichtverfügbarkeit, den Eindruck eines Verbotes hinterließen.

Auch wird es in den 40 Jahren unterschiedliche Veröffentlichungs-Politik in der DDR gegeben haben.

Dazu auch nochfolgendes:

http://www.zeit.de/1999/43/199943.brd_ddr-2_.xml

Der Aufbau-Verlag strich Werke von Klaus Mann, Hermann Hesse und Joseph Roth; im Zeitraum von Oktober 1957 bis Februar 1958 wurden allein zwölf Titel zurückgezogen, und die im Wortsinn federführende Hauptverwaltung Verlagswesen drohte unverblümt, dass Verleger wie Lektoren künftig für "schädliche Bücher sehr ernsthaft zur Verantwortung gezogen" würden.

wohlklang
12.10.2009, 11:55
Von der Erforschung des gefühlten Verbots leben augenblicklich ja viele.

alex8529
12.10.2009, 12:16
scheint sich mit der gefühlten Verklärung die Waage zu halten....

Zoso
12.10.2009, 14:33
schon 7 Seiten hier und noch nicht einmal der Name Charles Bukowski.

die 3 Romane, "es kommt noch schlimmer oder fast eine Jugend", "der Mann mit der Ledertasche" und "das Liebesleben der Hyäne" sollten erwähnt werden.

Mick67
12.10.2009, 14:38
Klassiker, die jeder gelesen haben muß:

Heinrich Mann - Der Untertan
Truman Capote - Kaltblütig

Sonic Juice
12.10.2009, 14:47
Klassiker, die jeder gelesen haben muß:

Heinrich Mann - Der Untertan
Truman Capote - Kaltblütig

Inwiefern hälst Du diese beiden Werke für literarisch so bedeutsam, dass sie, ggf. sogar vor anderen hier genannten, unbedingt von jedem gelesen werden müssen?

redbeansandrice
12.10.2009, 14:48
bananen waren ja auch nicht verboten... ich hab definitiv ein joseph roth buch aus der spätzeit der ddr (ah ja, das hier (http://cgi.ebay.de/Joseph-Roth,-Das-falsche-Gewicht,-1.Auflage-bb-_W0QQitemZ350262661695QQcmdZViewItemQQimsxZ2009100 9?IMSfp=TL091009158005r10424), 1987, hab mein exemplar immer dabei); aber kann schon sein, dass diejenigen seiner bücher die allzu nachdrücklich die monarchie zurückfordern einen schweren stand hatten...

Mick67
12.10.2009, 15:07
Inwiefern hälst Du diese beiden Werke für literarisch so bedeutsam, dass sie, ggf. sogar vor anderen hier genannten, unbedingt von jedem gelesen werden müssen?

Vor den anderen genannten? Das habe ich nicht behauptet. Sagen wir es so, die beiden Werke habe ich mit Genuß gelesen und konnte ausnahmsweise nachvollziehen, warum die von vielen als wichtige literarische Werke genannt werden. Ansonsten habe ich i.d.R. Probleme mit den ach so wertvollen Klassikern, wie z.B. Brecht oder Max Frisch.

Sonic Juice
12.10.2009, 15:12
Vor den anderen genannten? Das habe ich nicht behauptet. Sagen wir es so, die beiden Werke habe ich mit Genuß gelesen und konnte ausnahmsweise nachvollziehen, warum die von vielen als wichtige literarische Werke genannt werden. Ansonsten habe ich i.d.R. Probleme mit den ach so wertvollen Klassikern, wie z.B. Brecht oder Max Frisch.

Naja, "mit Genuss lesen" kann man ja vieles, ohne es gleich als Pflichtlektüre kanonisieren zu müssen. Warum erscheint es Dir denn nun literarisch wichtig, anders als offenbar Brecht oder Frisch?

nerea87
12.10.2009, 15:19
Oh ja, Frisch ist ein moderner Klassiker, den man sehr empfehlen kann,
in erster Linie Mein Name sei Gantenbein und Montauk, keinesfalls aber Biedermann und die Brandstifter oder Homo Faber.

Und das führt mich über Ingeborg Bachmann direkt zu Uwe Johnson, dessen Jahrestage auch ein moderner, lesenswerter Klassiker ist. Noch besser sind aber Drittes Buch über Achim und Reise nach Klagenfurt.

nerea87
12.10.2009, 15:22
Als Muss-Werke unter den modernen Klassikern würde ich
Joyces Dubliners (wer nicht gleich den Ulysses lesen will) und
Musils Mann ohne Eigenschaften
noch erwähnen.

Beides sehr lesenswert und stilbildend für den modernen Roman.

beetlejuice
12.10.2009, 15:22
Oh ja, Frisch ist ein moderner Klassiker, den man sehr empfehlen kann,
in erster Linie Mein Name sei Gantenbein und Montauk, keinesfalls aber Biedermann und die Brandstifter oder Homo Faber.

Und das führt mich über Ingeborg Bachmann direkt zu Uwe Johnson, dessen Jahrestage auch ein moderner, lesenswerter Klassiker ist. Noch besser sind aber Drittes Buch über Achim und Reise nach Klagenfurt.

Warum nicht Homo Faber ?
Das habe ich in der 11. Klasse gelesen - damals war es Schullektüre und insofern angemessen.

Mick67
12.10.2009, 15:25
Naja, "mit Genuss lesen" kann man ja vieles, ohne es gleich als Pflichtlektüre kanonisieren zu müssen. Warum erscheint es Dir denn nun literarisch wichtig, anders als offenbar Brecht oder Frisch?
Ich bin kein Literaturwissenschaftler, der jetzt das klassische Lobhudelvokabular eines Buchkritikers rausholen kann. Bei Capote fasziniert mich, daß er einen Tatsachenbericht wie einen fiktiven Thriller konstruiert hat.
Heinrich Manns "Untertan" habe ich in der Schule gelesen und fand schon damals, daß er wunderbar eine Hauptursache (blinde Hierarchiegläubigkeit) deutscher Katastrophen auf den Punkt bringt, ähnlich wie Zuckmeyers Lehrstück "Der Hauptmann von Köpenick"

Warum fragst Du bei den anderen hier nicht auch so genau nach?

Noch ein Klassiker: "Wohlstand für alle" von Ludwig Erhard.

nerea87
12.10.2009, 15:26
Brecht darf auch keinsesfalls bei den modernen Klassikern vergessen werden. Welches Werk wäre da am essentiellsten? Vielleicht der Kaukaische Kreidekreis oder Der gute Mensch von Setzuan. Beide sozusagen aus der Highway 61-Klasse von Brecht, Setzuan ist wegen der hervorragenden lyrischen Stellen (ich will mit dem gehen, den ich ....) vielleicht noch ein bißchen besser.

beetlejuice
12.10.2009, 15:28
Brecht darf auch keinsesfalls bei den modernen Klassikern vergessen werden. Welches Werk wäre da am essentiellsten? Vielleicht der Kaukaische Kreidekreis oder Der gute Mensch von Setzuan. Beide sozusagen aus der Highway 61-Klasse von Brecht, Setzuan ist wegen der hervorragenden lyrischen Stellen (ich will mit dem gehen, den ich ....) vielleicht noch ein bißchen besser.
War bei uns auch Schullektüre und ich habe es auf der Bühne gesehen.


Wir sollten eventuell einen Theater-Thread eröffnen, den Büchners Woyzeck sollte hier auch erwähnt werden, ein Meisterstück.

nerea87
12.10.2009, 15:35
Warum nicht Homo Faber ?
Das habe ich in der 11. Klasse gelesen - damals war es Schullektüre und insofern angemessen.Homo Faber fällt m.E. hinter die drei großen Romane (Stiller - Gantenbein - Montauk) noch zurück. Im Vergleich zu diesen Werken ist das nur Frisch light, viele Motive sind auch da, aber nichts ist so brillant herausgearbeitet wie v.a. in Gantenbein und Montauk, selbst Stiller kommt für meinen Geschmack da nicht ganz dran. Allein schon die "Lila-Pasagen" -"Ich stelle mir vor" im Gantenbein sind großartig. Hier werden in einer freien Form Lebensmöglichkeiten durchgespielt und variiert. Was bei Joyce als kühles Experiment in den verschiedenen Stationen der Odysee gleichsam seziert wird (das Tagesbuch), wird bei Frisch zu einem (viel leichter lesbaren) Spiel, das aber ernst und sehr persönlich ist. Damit geht Frisch in Gantenbein über das enge erzählerische Korsett aus Home Faber weit hinaus, in dem er "nur" eine Geschichte erzählt. In Stiller gibt es schon erste Versuche, verschiedene Möglichkeiten zu erzählen, in Gantenbein ist das dann alles auf den Punkt gebracht. Montauk als Abschluss führt dann wieder ganz zurück zu der nur einen realisierten Möglichkeit, zu dem Tagebuch. Und deswegen finde ich Gantebein bedeutsamer und besser.

nerea87
12.10.2009, 15:37
Heinrich Mann - Der Untertan
Truman Capote - KaltblütigBeide Bücher sind sehr zu empfehlen, volle Zustimmung.

John Bill
12.10.2009, 15:39
Monatauk ist allerdings kein Roman und sicher auch kein Einstieg zu Frisch, insofern erstmal nicht zu empfehlen!

beetlejuice
12.10.2009, 15:40
Homo Faber fällt m.E. hinter die drei großen Romane (Stiller - Gantenbein - Montauk) noch zurück. Im Vergleich zu diesen Werken ist das nur Frisch light, viele Motive sind auch da, aber nichts ist so brillant herausgearbeitet wie v.a. in Gantenbein und Montauk, selbst Stiller kommt für meinen Geschmack da nicht ganz dran. Allein schon die "Lila-Pasagen" -"Ich stelle mir vor" im Gantenbein sind großartig. Hier werden in einer freien Form Lebensmöglichkeiten durchgespielt und variiert. Was bei Joyce als kühles Experiment in den verschiedenen Stationen der Odysee gleichsam seziert wird (das Tagesbuch), wird bei Frisch zu einem (viel leichter lesbaren) Spiel, das aber ernst und sehr persönlich ist. Damit geht Frisch in Gantenbein über das enge erzählerische Korsett aus Home Faber weit hinaus, in dem er "nur" eine Geschichte erzählt. In Stiller gibt es schon erste Versuche, verschiedene Möglichkeiten zu erzählen, in Gantenbein ist das dann alles auf den Punkt gebracht. Montauk als Abschluss führt dann wieder ganz zurück zu der nur einen realisierten Möglichkeit, zu dem Tagebuch. Und deswegen finde ich Gantebein bedeutsamer und besser.
Mein Name sei Gantenbein werde ich dann mal auf meine Liste setzen. Das Experimentelle reizt mich doch sehr. Ich danke für die Empfehlung.
Ich kenne noch das Theaterstück Andorra.

nerea87
12.10.2009, 15:41
Ich überlege gerade, ob man auch Romain Rolland nennen sollte, von dem ich gerade den Jean Christoph in Arbeit habe, nach dem ich im Sommer den Colas Breugnon genossen habe. In Deutschland ist das wohl eher untergegangen, nach meinem Eindruck kann der Jean Christoph ohne weiteres in einem Atemzug mit den großen Bildungsromanen genannt werden, z.B. von Thomas Mann.

firecracker
12.10.2009, 15:42
Wir sollten eventuell einen Theater-Thread eröffnen, den Büchners Woyzeck sollte hier auch erwähnt werden, ein Meisterstück.
die [theaterstücke] sich ja wiederum auch lesen lassen...

dann müsste es ja auch einen extra-thread für dialoge, aufsätze und kurzgeschichten geben...

und da romane auch verfilmt werden/wurden/mit dem ziel im hinterkopf geschrieben wurden (einige), sie verfilmen zu lassen/sie zu verfilmen, ist's doch irgendwie egal, ob es sich um ein drama oder einen roman handelt.

beetlejuice
12.10.2009, 15:47
die [theaterstücke] sich ja wiederum auch lesen lassen...

dann müsste es ja auch einen extra-thread für dialoge, aufsätze und kurzgeschichten geben...

und da romane auch verfilmt werden/wurden/mit dem ziel im hinterkopf geschrieben wurden (einige), sie verfilmen zu lassen/sie zu verfilmen, ist's doch irgendwie egal, ob es sich um ein drama oder einen roman handelt.
Sicher - man kann sie lesen und eine Inszenierung ist nicht wie die andere, insofern können sie auch hier miteinfließen. Das Theater ist für mich trotzdem etwas anderes als ein erzählendes Literaturstück. Es hat einen besonderen Aufbau und wer sich damit näher beschäftigt, sieht es vielleicht ähnlich wie ich.

firecracker
12.10.2009, 15:54
Sicher - man kann sie lesen und eine Inszenierung ist nicht wie die andere, insofern können sie auch hier miteinfließen. Das Theater ist für mich trotzdem etwas anderes als ein erzählendes Literaturstück. Es hat einen besonderen Aufbau und wer sich damit näher beschäftigt, sieht es vielleicht ähnlich wie ich.
der von stück zu stück variiert...

die inszenierung zu erleben ist natürlich was anderes als das skript zu lesen. aber idealerweise liest man das stück doch ohnehin bevor man sich die inszenierung anschaut, oder? zumindest die textlich komplexeren dramen (wie z. bsp. shaws man and superman).

beetlejuice
12.10.2009, 16:01
der von stück zu stück variiert...

die inszenierung zu erleben ist natürlich was anderes als das skript zu lesen. aber idealerweise liest man das stück doch ohnehin bevor man sich die inszenierung anschaut, oder? zumindest die textlich komplexeren dramen (wie z. bsp. shaws man and superman).

Sollte man oder besser nicht ? Wenn man unvoreingenommen in ein Theaterstück geht und anschließend das Stück liest, kann der Effekt ganz anders sein. In der Inszenierung kann man sonst auch enttäuscht werden, wenn man das Stück kennt (ging mir bei Leonce und Lena so).
Die klassischen Stücke sind vom Inhalt her bekannt (Antigone), da wird man dann von der Inszenierung mitunter überrascht.
Es wird mal wieder Zeit, ins Theater zu gehen ...

firecracker
12.10.2009, 16:05
kommt wohl aufs stück an.... man and superman hätte ich nicht verstanden, wenn ich ins theater gegangen wäre, ohne das stück vorher gelesen zu haben. auch oscar wilde lese ich lieber vorher, bevor ich mir die inszenierung ansehe. ist vielleicht aber auch ein wenig ein sprachproblem... im theater lassen sich so schwer wörter nachschlagen. und den film ständig stoppen kann man auch nur, wenn man ihn alleine sieht. :lol:

beetlejuice
12.10.2009, 16:08
Kleiner Theaterexkurs:

Georg Büchner, Leonce und Lena
Georg Büchner, Woyzeck

Dürrenmatt, Die Physiker
Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame

Bertholt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan
Bertholt Brecht, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Arthur Miller, Death of a salesman

Jean Anouilh, Antigone

Max Frisch, Andorra

to be continued ...

beetlejuice
12.10.2009, 16:10
kommt wohl aufs stück an.... man and superman hätte ich nicht verstanden, wenn ich ins theater gegangen wäre, ohne das stück vorher gelesen zu haben. auch oscar wilde lese ich lieber vorher, bevor ich mir die inszenierung ansehe. ist vielleicht aber auch ein wenig ein sprachproblem... im theater lassen sich so schwer wörter nachschlagen. und den film ständig stoppen kann man auch nur, wenn man ihn alleine sieht. :lol:
Deswegen schaue ich mir sämtliche Shakespeare-Dramen auch im Fernsehen an. Ich liebe die BBC-Kammerspielatmosphäre. Einige waren ganz gut inszeniert.

nerea87
12.10.2009, 16:36
Monatauk ist allerdings kein Roman und sicher auch kein Einstieg zu Frisch, insofern erstmal nicht zu empfehlen!Es wurde ja nach Klassikern gefragt, und nicht explizit nach Romanen. Frisch selbst bezeichnet Montauk als eine Erzählung, das ist ja nicht so weit vom Roman. Gerade die Auflösung der Erzählung in eine fast tagebuchartige Geschichte ist ein wichtiges "modernes" Element in Montauk. Ein Einstieg zu Frisch ist es mit Sicherheit nicht, da hast du vollkommen Recht. Ich habe aber die Frage des Threads auch so verstanden, dass nicht die geeigneten Einstiegsbücher gesucht werden. Vor Montauk sollte man Stiller und Gantenbein lesen, will man nur eines der Bücher lesen, so würde ich zu Gantenbein raten.

nerea87
12.10.2009, 16:42
Wer noch fehlt ist Michel Houellebecq. Auch wenn "Elementarteilchen" berühmter ist, möchte ich da "Die Ausweitung der Kampfzone" nennen, das ist vollkomener Houellebecq, alle Themen sind da, kurz und knapp wird alles dargestellt, ohne Ausschweifungen. Für mich einer der wichtigen Autoren der letzten Jahre.

Sonic Juice
12.10.2009, 16:48
Ich bin kein Literaturwissenschaftler, der jetzt das klassische Lobhudelvokabular eines Buchkritikers rausholen kann. Bei Capote fasziniert mich, daß er einen Tatsachenbericht wie einen fiktiven Thriller konstruiert hat.
Heinrich Manns "Untertan" habe ich in der Schule gelesen und fand schon damals, daß er wunderbar eine Hauptursache (blinde Hierarchiegläubigkeit) deutscher Katastrophen auf den Punkt bringt, ähnlich wie Zuckmeyers Lehrstück "Der Hauptmann von Köpenick"


Danke für die Erläuterung. Capote habe ich noch nicht zu Ende gelesen, kann Deine Einordnung aber nachvollziehen.

"Der Untertan" ist in seinem politisch-historisch-sozialen Kontext sicherlich interessant und verdienstvoll, fasziniert mich allerdings weder sprachlich-stilistisch noch konzeptionell. Als Autoren ziehe ich Frisch und Brecht jederzeit vor.



Warum fragst Du bei den anderen hier nicht auch so genau nach?


Wenn Du "Haben mir ziemlich gut gefallen:" statt


Klassiker, die jeder gelesen haben muß:


geschrieben hättest, hätte ich vermutlich nicht nachgehakt. Aber ich nehme nun an, dass Du das ironisch gemeint hast.

tolomoquinkolom
12.10.2009, 16:52
Keine Ahnung wo Klassiker aufhören und Nochnichtklassiker anfangen.

itasca64
12.10.2009, 16:55
B.Traven - Darf ich fragen warum?
Es sind doch eigentlich "nur" Abenteuerromane, die man gerne als Jugendlicher liest.
Genau wie Jules Verne.


Von Traven habe ich nur den ebenfalls sehr empfehlenswerten Roman "Das Totenschiff" gelesen - und wäre nie auf die Idee gekommen, ihn mit Jules Verne zu vergleichen.

itasca64
12.10.2009, 17:03
Mein Lieblingsbuch sag ich hier nicht, das gäbe Spott.

Mach doch mal, es wird schon einen Grund dafür geben, daß Du es so magst.
;-)

Mick67
12.10.2009, 17:54
Wenn Du "Haben mir ziemlich gut gefallen:" statt



geschrieben hättest, hätte ich vermutlich nicht nachgehakt. Aber ich nehme nun an, dass Du das ironisch gemeint hast.

Okay, verstanden! Ja, sieh es ironisch. ;-)

Nes
12.10.2009, 18:07
Mach doch mal, es wird schon einen Grund dafür geben, daß Du es so magst.
;-)
Bin ich scharf auf Häme?:lol:

Ich hab das als 14 Jährige geliebt, und mich dann, und bis heute mit dem Sezessionskrieg und amerikanischer Geschichte beschäftigt.
Ich weiss nicht, wie oft ich das gelesen hab: 45 Mal sicher.
Du könntest mir einen Satz daraus vorlesen, und ich kann dir das Drumrum schildern.
Gwen Bristow: Die Louisiana Trilogie.

Sonic Juice
12.10.2009, 19:57
Bin ich scharf auf Häme?:lol:

Ich hab das als 14 Jährige geliebt, und mich dann, und bis heute mit dem Sezessionskrieg und amerikanischer Geschichte beschäftigt.
Ich weiss nicht, wie oft ich das gelesen hab: 45 Mal sicher.
Du könntest mir einen Satz daraus vorlesen, und ich kann dir das Drumrum schildern.
Gwen Bristow: Die Louisiana Trilogie.

Ist das sowas wie "Fackeln im Sturm"? Das habe ich mit 14 geliebt!

redbeansandrice
12.10.2009, 20:21
meine schulfreunde würden wohl nach paul auster fragen (statt nach hermann hesse)... ich find moon palace immer noch sehr gut... aber ansonsten hat der schon viel von seinem glanz verloren, in meinen augen... (war allerdings auch mal mein lieblingsschriftsteller)

grandandt
12.10.2009, 21:38
Von Traven habe ich nur den ebenfalls sehr empfehlenswerten Roman "Das Totenschiff" gelesen - und wäre nie auf die Idee gekommen, ihn mit Jules Verne zu vergleichen.

Ich habe sie nicht verglichen. Es geht nur darum, daß das eigentlich Literatur ist, die man wohl hauptsächlich als Jugendlicher liest.


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Übrigens würde ich hier auch noch William Gibson aufführen. Seine Neuromancer-Triologie sollte man auch gelesen haben.

nerea87
12.10.2009, 22:06
Hasek - Schwejk

Eines der großen Bücher des 20. Jahrhunderts, gehört für mich zu den wichtigsten Klassikern dieser Zeit.

hipecac
12.10.2009, 22:09
noch nicht erwähnt:

William S. Burroughs - Naked Lunch
J.G. Ballard - Crash
Margaret Atwood - Surfacing

gefielen mir gut und sind sicher auch doll wichtig

John Bill
12.10.2009, 22:12
Übrigens würde ich hier auch noch William Gibson aufführen. Seine Neuromancer-Triologie sollte man auch gelesen haben.
Ach nein, die hat man vor 20 Jahren gelesen oder eben nicht.

nerea87
12.10.2009, 22:19
Ach nein, die hat man vor 20 Jahren gelesen oder eben nicht.Genau. Wie sagt Ranicki immer so nett: "Auch Bücher haben ihre Zeit, und die meisten geraten danach in die Vergessenheit." In dem Sinne wären dann Klassiker Bücher, die nicht in Vergessenheit geraten sind.

Zoso
13.10.2009, 00:13
teilweise kontroverse Vorschläge, ich sag mal, die Schulliteratur interessiert eigentlich nicht.
Pseudo-Intelektuelle können sich hier natürlich vorzüglich auslassen, das hier ist ein Musik Forum, da gehts in erster Linie um Rock n´Roll. Ich verstehe den Threat eher als "was sieht unsereiner" als Klassiker an.
Hemingway mit Fiesta fand ich einen tollen Vorschlag, dieses Buch habe ich in Peru gelesen, da mußte ich doch glatt einen Schlenker zu dem Hotel machen, in dem Hemingway gerne residierte. Und auch gleich einen Wein nutzniesen oder auch niesnutzen. Und an den alten Mann und das Meer denken, das Buch finde ich genial.
Und als alter Romantiker sollte "vom Winde verweht" genannt werden, habe ich 3 mal gelesen.
Nochmals zurück zu Bukowski, viele seiner Gedichte sind wirklich klasse.
Jörg Fauser darf man in dem Atemzug auch nennen, Kerouac wurde ja schon öfters genannt.
Wurde Pirsig, "Zen, und die Kunst ein Motorrad zu warten" schon genannt? War auch ein Klassiker in meiner Jugendzeit.
Nicht alle Nobelpreisverdächtig, aber sehr schön zu lesen. Um das gehts hier ja in erster Linie, ein paar Vorschläge für Rock n Roller.

grandandt
13.10.2009, 00:39
Wurde Pirsig, "Zen, und die Kunst ein Motorrad zu warten" schon genannt? War auch ein Klassiker in meiner Jugendzeit.

Betonung auch hier auf "war".
Dazu zähle ich auch Nadolnys Entdeckung der Langsamkeit und Netzkarte.

Weitere noch nicht genannte Werke, die ich zu meinen Klassikern zähle:

Kundera - Scherz; Das Leben ist anderswo
Muschg - Licht und Schlüssel; Albissers Grund
diverse von Irving

Und da hier immer wieder das "Musikforum" angeführt wird.:
Denis Johnson - Jesus' Sohn (Erzählungen)

Reiht sich nahtlos in die Literatur der Beat Generation ein.
Würde ich auch Caves And The Ass Saw The Angel mit einbeziehen. Verstörendes Werk.


P.S.
es heißt thread - mit d - immer noch. Sonst wäre es eine Bedrohung! (was ein thread ja manchmal auch darstellt.)

@John
Ja, an Neuromancer ist die Zeit auch nicht stehen geblieben.

itasca64
13.10.2009, 01:05
Ich habe sie nicht verglichen. Es geht nur darum, daß das eigentlich Literatur ist, die man wohl hauptsächlich als Jugendlicher liest.


Was heißt denn "eigentlich"? Daß "man" sie später nicht mehr liest weil sie plötzlich schlecht sind? Daß es sich bei diesem Forum hier nur um einen erlesenen Zirkel fünfzigjähriger handelt, der alleine das Maß vorgibt?

Vielleicht ist Dir das nicht richtig bewußt, aber ein Teil der hiesigen Forumsteilnehmer ist durchaus jüngeren Datums, darunter 15-, 16-jährige, auf die eine solche Bemerkung altklug und arrogant wirkt.

"Das Totenschiff" etwa war für mich auch mit 35 noch packend genug.

grandandt
13.10.2009, 01:30
Das mag arrogant rüberkommen, ist aber so nicht gemeint.

Du kannst natürlich das Sozialkritische in B.Travens Romanen in die heutige Zeit übernehmen, sogar 1:1. Und spannend sind die Bücher allemal.
Was ich sagen möchte ist, daß man als Jugendlicher von solchen Romanen stärker fasziniert ist. Und das ist nicht auf B.Traven beschränkt. Mir ging das eben auch mit Büchern von Kästner, London, Twain, Cooper, Grimms Märchen, Verne, May usw. genauso.
Aber es sind für mich Bücher, die man als Jugendlicher liest, als Erwachsener gerne mal wieder rauskramt - aber keine Bücher, bei denen man mit 40 Jahren sagt: Das muß ich unbedingt lesen! Da ist man doch mit seinen Interessen schon ganz woanders, geschweige denn, wenn man überhaupt noch Zeit aufbringen kann, soviel lesen zu können.


Vor kurzem habe ich auch wieder mal Vernes Zwei Jahre Ferien gelesen. es hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Hat mir richtig Laune gemacht.

Mikko
13.10.2009, 09:34
Genau. Wie sagt Ranicki immer so nett: "Auch Bücher haben ihre Zeit, und die meisten geraten danach in die Vergessenheit." In dem Sinne wären dann Klassiker Bücher, die nicht in Vergessenheit geraten sind.Da ist natürlich was dran. Andererseits träfe das dann auch auf Karl May und Hedwig Courths Mahler zu.

Mikko
13.10.2009, 09:45
Aber es sind für mich Bücher, die man als Jugendlicher liest, als Erwachsener gerne mal wieder rauskramt - aber keine Bücher, bei denen man mit 40 Jahren sagt: Das muß ich unbedingt lesen! Da ist man doch mit seinen Interessen schon ganz woanders, geschweige denn, wenn man überhaupt noch Zeit aufbringen kann, soviel lesen zu können. Der letzte Teil-Satz ist - zumindest für mich - der entscheidende. Ich bin so sehr mit meinen alltäglichen Verpflichtungen und mit Musik beschäftigt (auch mit Lesen über Musik), dass ich zu Literatur - in welcher Form und mit welchem Anspruch auch immer - gar nicht komme.

Wenn ich dann aber Zeit zum Lesen finde (meistens im Urlaub), dann lese ich das, was ich noch nicht kenne und was mir aus irgendeinem Grund lesenswert erscheint. Das kann eine Empfehlung von Freunden oder Bekannten sein, eine Rezension in der Zeitung oder ein "Klassiker", den ich schon immer mal lesen wollte.

Dabei entscheide ich mich wahrscheinlich aufgrund von "Vor-urteilen" (im wörtlichen Sinn) eher für B.Traven als für Courths Mahler, eher für Günther Grass als für Herta Müller.

John Bill
13.10.2009, 09:52
Um das gehts hier ja in erster Linie, ein paar Vorschläge für Rock n Roller.
jawoll, den Blickwinkel immer möglichst eng halten!

itasca64
13.10.2009, 10:12
Was ich sagen möchte ist, daß man als Jugendlicher von solchen Romanen stärker fasziniert ist. Und das ist nicht auf B.Traven beschränkt. Mir ging das eben auch mit Büchern von Kästner, London, Twain, Cooper, Grimms Märchen, Verne, May usw. genauso.
Aber es sind für mich Bücher, die man als Jugendlicher liest, als Erwachsener gerne mal wieder rauskramt - aber keine Bücher, bei denen man mit 40 Jahren sagt: Das muß ich unbedingt lesen! Da ist man doch mit seinen Interessen schon ganz woanders, geschweige denn, wenn man überhaupt noch Zeit aufbringen kann, soviel lesen zu können


Es kommt glaube ich auf den Einzelfall an. Manchmal fragt man sich beim späteren, zweiten Durchgang, was einen nur damals an diesem oder jenem Buch so faszinieren konnte. Bei anderen stellt man verwundert fest, daß einem viele Details gar nicht bewußt waren und man sieht vieles einfach in einem anderen Licht.



Vor kurzem habe ich auch wieder mal Vernes Zwei Jahre Ferien gelesen. es hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Hat mir richtig Laune gemacht.

Ging mir im letzten Jahr ähnlich mit der "Satan und Ischariot"-Trilogie von Karl May, auch wenn mich hier die athmosphärische Darstellung sicher mehr angesprochen hat als die meist vorhersehbare Handlung.

beetlejuice
13.10.2009, 12:11
Aber es sind für mich Bücher, die man als Jugendlicher liest, als Erwachsener gerne mal wieder rauskramt - aber keine Bücher, bei denen man mit 40 Jahren sagt: Das muß ich unbedingt lesen! Da ist man doch mit seinen Interessen schon ganz woanders, geschweige denn, wenn man überhaupt noch Zeit aufbringen kann, soviel lesen zu können.


Vor kurzem habe ich auch wieder mal Vernes Zwei Jahre Ferien gelesen. es hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Hat mir richtig Laune gemacht.
Das konntest Du ? Ich kann die Bücher meiner Jugend- und Kinderzeit nicht mehr lesen. Es gab einige, die ich meinen 2 Kindern vorgelesen habe, Abend für Abend, aber mir selbst gibt das heute nicht mehr viel.

Alles, was ich mit 15/16 gelesen haben (und das waren Unmengen) ist abgehakt (Hesse, Böll, etc.). Shakespeare ist da eher die Ausnahme. Es gibt kaum ein Buch, was ich 2x gelesen habe (außer Dr. Faustus und der Zauberberg), spätestens nach dem 1. Kapitel würde ich es weglegen, weil es dann langweilig wird. Geht es da jemanden auch so ?

Das, was ich nicht gelesen habe, reizt mich dann doch noch (Verne). Hebe ich mir für später auf, wenn ich mehr Zeit für mich haben werde.

Liest eigentlich jemand auch gern in Originalsprache (engl., frz. , italienisch) ?

nerea87
13.10.2009, 12:19
Da ist natürlich was dran. Andererseits träfe das dann auch auf Karl May und Hedwig Courths Mahler zu.
Gut, das wäre dann erstmal nur eine notwendige Bedingung, die durch weitere, hinreichende Bedingungen zu ergänzen ist.

Letztlich werden Klassiker m.E. hinsichtlich ihrer literarischen Qualität und ihrer Wirkungsgeschichte herausragen müssen, um sie als solche zu bezeichnen. Beides eröffnet natürlich ein weites Feld der Interpretationen, so wie es sich gehört.

Stormy Monday
13.10.2009, 12:44
jawoll, den Blickwinkel immer möglichst eng halten!
Zozo, lass Dich nicht entmutigen.
Deshalb, mit Schmackes in den Ring: Hunter S. Thompson, auch wegen dem Restwerk und William Kotzwinkle, vor allem wegen "Fan Man".

John Bill
13.10.2009, 13:05
William Kotzwinkle, vor allem wegen "Fan Man".
da warte ich schon seit zwei Tagen drauf...

Nes
13.10.2009, 13:40
Ist das sowas wie "Fackeln im Sturm"? Das habe ich mit 14 geliebt!
Für Zeitraum 1861 bis 1865 sehe ich schon Parallelen, natürlich.
Fackeln im Sturm ist aber nicht halb so gut wie die Trilogie, die Serie habe ich aber natürlich auch geliebt.:-)

Zappa1
14.10.2009, 00:58
Joachim Ringelnatz – alle Gedichte


Unbedingt! Ich habe sein Gesamtwerk zuhause.

Als Kind schon war mein Lieblingsgedicht von ihm "Im Park"


Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Das mmit dem Stips und dem Gips hat mich fasziniert.

Später merkte ich dann, dass er die wohl schönste Liebeserklärungen aller Zeiten geschrieben hat.

Ich hab' dich so lieb, ich würde dir ohne Bedenken, eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Eine schönere Liebeserklärung gibt es nicht! :liebe_2:

nerea87
14.10.2009, 08:47
Später merkte ich dann, dass er die wohl schönste Liebeserklärungen aller Zeiten geschrieben hat.

Ich hab' dich so lieb, ich würde dir ohne Bedenken, eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Eine schönere Liebeserklärung gibt es nicht! :liebe_2:Genau, das ist großartig. An die Stelle mit dem Ginster muss ich immer denken, wenn ich welchen sehe, natürlich besonders bei Zugfahrten...