Bullitt
15.01.2009, 17:29
http://ichwilldirfressen.beepworld.de/files/PointWhitmark/pw-18.jpg
Okay, dann versuche ich mal dieses schöne Unterforum mit Threads zu bevölkern.
Jugendhörspiele sind ein fast rein deutsches Phänomen. Anders als in den USA oder England, bot die mediale Ödnis für Kinder und Jugendliche hierzulande in den 70er und frühen 80er Jahren bis zur verzögerten Einführung des Privatfernsehens und des Videospiele-Booms genügend Nährboden, um sich zu etablieren. Nach der anschließenden Flaute durch die rasant wachsende Konkurrenz folgt die Renaissance zur Jahrtausendwende. Durch massenhaft aus dem virtuellen Boden des Internets sprießende Communities leben in einem Anflug kollektiver Nostalgie lieb gewonnene Gewohnheiten wieder auf und verhelfen den etablierten Serien zu einem zweiten Frühling. Doch nicht nur die Helden aus der Kindheit sind plötzlich wieder angesagt, erstmals seit zwanzig Jahren kann sich 2001 wieder eine neue Reihe auf dem Markt durchsetzten: Point Whitmark.
Vordergründig ahmt die von Volker Sassenberg (u.a. Produzent von Ton Steine Scherben) als Regisseur, Komponist, Autor und Produzent betreute Serie das Konzept des Klassenprimus Die Drei ??? nach, produktionstechnisch übertrifft sie ihn aber von Anfang an. Drei Jungs betreiben im kleinen Küstenstädtchen Point Whitmark, New Hampshire einen Radiosender, der so heißt wie die Stadt. Nebenbei werden sie permanent in mysteriöse Abenteuer und Kriminalfälle verwickelt. Offiziell als Jugendserie konzipiert, wendet sich Point Whitmark offensichtlich direkt an die inzwischen in die Jahre gekommene Zielgruppe der Drei ???.
Dementsprechend verzichtet man gänzlich auf unerfahrene Kindersprecher und steigt gleich mit erwachsenen Synchronstimmen bekannter Hollywooddarsteller ein, wie z.B. Gerrit Schmidt-Foß alias Leonardo Di Caprio. Thematisch ist man weder langjährigen Traditionen verpflichtet, noch ist man an feste literarische Vorlagen gebunden. Entscheidende Vorteile gegenüber der Konkurrenz, die vergleichsweise häufig bei der Adaption ihrer Geschichten verkrampft und sich dabei gerne in endlosen Dialogpassagen verliert. Kindgerechte Beschränkungen findet man bei Point Whitmark ebenfalls nicht mehr in bekanntem Maße, obwohl die Serie ab acht Jahren freigegeben ist. Mord ist z.B. kein Tabu mehr und insgesamt geht es öfter auch härter zur Sache, wie in der aktuellen Folge „Am Tag der großen Flut“, in der man hautnah einer Bewährungshelferin zur Seite steht, die von zwei Sträflingen lebendig in ihrem Kleinwagen begraben wird. Point Whitmark spielt seine Trümpfe konsequent aus und perfektioniert dabei das gesamte Medium. Flexiblere Plots, aufwändige Geräuschkulissen und professionelle Kompositionen setzten neue Maßstäbe in Sachen Atmosphäre und Spannung, die Sassenberg erst durch seinen zweiten großen Wurf, Gabriel Burns von 2003, selbst übertrumpft. Eine Mystery-Hörspielreihe, die endgültig in der Erwachsenenwelt ankommt (extra Thread folgt), aber auch nicht mehr als seichte Einschlafberieselung zu gebrauchen ist. Der typische Werdegang der Hörspielgeneration scheint vorgezeichnet: Benjamin Blümchen > Fünf Freunde > TKKG > Die Drei ??? > Point Whitmark > Gabriel Burns.
Folgentipps:
• 01 - Die Bucht der 22 Schreie (2001)
• 03 - Die Insel der letzten Rache (2001)
• 05 - Tief in den nördlichen Minen (2001)
• 06 - Das kalte Phantom (2001)
• 24 - Am Tag der großen Flut (2008)
Neue Folge "Die fiebrigen Tränen" erscheint am 6. Februar 2009.
Okay, dann versuche ich mal dieses schöne Unterforum mit Threads zu bevölkern.
Jugendhörspiele sind ein fast rein deutsches Phänomen. Anders als in den USA oder England, bot die mediale Ödnis für Kinder und Jugendliche hierzulande in den 70er und frühen 80er Jahren bis zur verzögerten Einführung des Privatfernsehens und des Videospiele-Booms genügend Nährboden, um sich zu etablieren. Nach der anschließenden Flaute durch die rasant wachsende Konkurrenz folgt die Renaissance zur Jahrtausendwende. Durch massenhaft aus dem virtuellen Boden des Internets sprießende Communities leben in einem Anflug kollektiver Nostalgie lieb gewonnene Gewohnheiten wieder auf und verhelfen den etablierten Serien zu einem zweiten Frühling. Doch nicht nur die Helden aus der Kindheit sind plötzlich wieder angesagt, erstmals seit zwanzig Jahren kann sich 2001 wieder eine neue Reihe auf dem Markt durchsetzten: Point Whitmark.
Vordergründig ahmt die von Volker Sassenberg (u.a. Produzent von Ton Steine Scherben) als Regisseur, Komponist, Autor und Produzent betreute Serie das Konzept des Klassenprimus Die Drei ??? nach, produktionstechnisch übertrifft sie ihn aber von Anfang an. Drei Jungs betreiben im kleinen Küstenstädtchen Point Whitmark, New Hampshire einen Radiosender, der so heißt wie die Stadt. Nebenbei werden sie permanent in mysteriöse Abenteuer und Kriminalfälle verwickelt. Offiziell als Jugendserie konzipiert, wendet sich Point Whitmark offensichtlich direkt an die inzwischen in die Jahre gekommene Zielgruppe der Drei ???.
Dementsprechend verzichtet man gänzlich auf unerfahrene Kindersprecher und steigt gleich mit erwachsenen Synchronstimmen bekannter Hollywooddarsteller ein, wie z.B. Gerrit Schmidt-Foß alias Leonardo Di Caprio. Thematisch ist man weder langjährigen Traditionen verpflichtet, noch ist man an feste literarische Vorlagen gebunden. Entscheidende Vorteile gegenüber der Konkurrenz, die vergleichsweise häufig bei der Adaption ihrer Geschichten verkrampft und sich dabei gerne in endlosen Dialogpassagen verliert. Kindgerechte Beschränkungen findet man bei Point Whitmark ebenfalls nicht mehr in bekanntem Maße, obwohl die Serie ab acht Jahren freigegeben ist. Mord ist z.B. kein Tabu mehr und insgesamt geht es öfter auch härter zur Sache, wie in der aktuellen Folge „Am Tag der großen Flut“, in der man hautnah einer Bewährungshelferin zur Seite steht, die von zwei Sträflingen lebendig in ihrem Kleinwagen begraben wird. Point Whitmark spielt seine Trümpfe konsequent aus und perfektioniert dabei das gesamte Medium. Flexiblere Plots, aufwändige Geräuschkulissen und professionelle Kompositionen setzten neue Maßstäbe in Sachen Atmosphäre und Spannung, die Sassenberg erst durch seinen zweiten großen Wurf, Gabriel Burns von 2003, selbst übertrumpft. Eine Mystery-Hörspielreihe, die endgültig in der Erwachsenenwelt ankommt (extra Thread folgt), aber auch nicht mehr als seichte Einschlafberieselung zu gebrauchen ist. Der typische Werdegang der Hörspielgeneration scheint vorgezeichnet: Benjamin Blümchen > Fünf Freunde > TKKG > Die Drei ??? > Point Whitmark > Gabriel Burns.
Folgentipps:
• 01 - Die Bucht der 22 Schreie (2001)
• 03 - Die Insel der letzten Rache (2001)
• 05 - Tief in den nördlichen Minen (2001)
• 06 - Das kalte Phantom (2001)
• 24 - Am Tag der großen Flut (2008)
Neue Folge "Die fiebrigen Tränen" erscheint am 6. Februar 2009.