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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : AotW: Manic Street Preachers - Everything Must Go



nail75
06.03.2008, 15:12
Ich beginne mal einen neuen Thread und hoffe auf eine ergiebige Diskussion. Zur Einleitung habe ich mal einen kurzen Text geschrieben:

Wenn man die tragischen Umstände bedenkt, die der Entstehung von „Everything Must Go“ vorausgingen, dann ist die Frage erlaubt, ob das Album so berühmt und geschätzt wäre, wenn es unter weniger dramatischen Umständen entstanden wäre. Meine Antwort ist ein uneingeschränktes „Ja!“, denn die Manics vereinen auf diesem Werk ihre besten Eigenschaften.

Die krachenden, aber dennoch eleganten Gitarren, der solide Bass sowie die hektischen Drums bilden das Gerüst, das einen Resonanzraum schafft, indem sich der atemlose Gesang von James Dean Bradfield entfalten kann. Der treibt auf vielen Tracks seine Stimme bis kurz vor die Entgleisung und schafft damit einen Gegensatz zu den genial eingesetzten Streichern, die dem Album dagegen etwas Erhabenes, Würdevolles verleihen. So gelingt es den Manics einen dichten, intensiven Klang zu erzeugen, der „Everything Must Go“ bei aller Grandiosität einen kompakten Charakter verleiht.

„Everthing Must Go“ spiegelt den Klang einer Band am absoluten Limit wieder. Die Band spielt sogar die verzweifelten, lebensmüden Texte des verschollenen Richey James mit einer wütend-trotzigen Jetzt-erst-recht-Attitüde. Man spürt, dass die Band auf diesem Album eine Gratwanderung vollzieht. Mehr Ausdruck, mehr Emotion, mehr Leiden hätten sie womöglich zerrissen und verhindert, dass sie sich auf diesem Album alle Wut, Enttäuschung, Trauer und Verzweiflung von der Seele schreien. So aber stellt „Everything Must Go“ die Stunde ihres größten Triumphes dar, ein Denkmal sowohl für Richey James wie für das Überleben im Angesicht der Katastrophe. Für die vom Leben gezeichnete Band konnte das Leben weitergehen.


http://ecx.images-amazon.com/images/I/410JRC21JHL._SS500_.jpg

AnnaMax
06.03.2008, 15:53
Wenn man die tragischen Umstände bedenkt, die der Entstehung von „Everything Must Go“ vorausgingen, dann ist die Frage erlaubt, ob das Album so berühmt und geschätzt wäre, wenn es unter weniger dramatischen Umständen entstanden wäre. Meine Antwort ist ein uneingeschränktes „Ja!“, denn die Manics vereinen auf diesem Werk ihre besten Eigenschaften.
Ich finde, du widersprichst dir in deinem Text. Zum einen erklärst du die tragischen Umstände als ursächlich für die Hohe Qualität von EVERYTHING MUST GO. Dieser Einschätzung stimme ich uneingeschränkt zu.
Dann erklärst du, die Platte wäre auch ohne die tragischen Umstände als genau so gut bewertet worden. Das kann schon sein, wenn man theoretisch unterstellt, Hörerinnen und Hörer wüssten nix über die tragischen Umstände.
Ich denke aber, dass Album ohne die tragischen Umstände bei weitem nicht so berühmt und geschätzt wäre, weil es ohne die tragischen Umstände erst gar nicht in der Form zu Stande gekommen wäre.
Nichtsdestotrotz ist es die geilste Platte der Manics. Irgendwo zwischen ****1/2 und *****.

Mikko
06.03.2008, 16:38
Was ist "AtoW", nail?

nail75
06.03.2008, 16:46
Album the of week, noch nie gehört? ;-)


Ein Tippfehler, den ein Mod bitte korrigieren sollte. ;-)


@AnnaMax: Du hast Recht, es ist widersprüchlich. Ich wollte eigentlich ausdrücken, dass das Album der Legenden, die sich um es gebildet haben, nicht bedarf, weil es musikalisch so herausragend ist. Anderseits wäre es eben ohne die tragischen Ereignisse nicht entstanden, insofern ist es vielleicht gar nicht richtig, wenn man versucht, das eine vom anderen zu trennen.

Herr Rossi
06.03.2008, 17:06
Ich wollte eigentlich ausdrücken, dass das Album der Legenden, die sich um es gebildet haben, nicht bedarf, weil es musikalisch so herausragend ist. Anderseits wäre es eben ohne die tragischen Ereignisse nicht entstanden, insofern ist es vielleicht gar nicht richtig, wenn man versucht, das eine vom anderen zu trennen.

Sehe ich auch so, eine Ausnahmesitutation, die ein ein großes Album hervorbrachte. Ich kann zur Diskussion leider nichts beitragen, weil ich alles von Dir unterschreiben kann. Man sollte noch auf die grandiosen Melodien hinweisen.
Für eine Diskussion müsste jetzt jemand kommen, der Begriffe wie "überproduziert", "bombastisch", "pathetisch" u.ä. im Angebot hat.;-)

MarBeck
06.03.2008, 17:44
Für eine Diskussion müsste jetzt jemand kommen, der Begriffe wie "überproduziert", "bombastisch", "pathetisch" u.ä. im Angebot hat.;-)Wenn ich das Album kennen würde gerne ... ;-)

Herr Rossi
06.03.2008, 17:49
Wenn ich das Album kennen würde gerne ... ;-)

Das wundert mich, dass Du als Brit-Pop-Fan es nicht kennst.

Dick Laurent
06.03.2008, 18:03
Ich finde, du widersprichst dir in deinem Text.
Nein. Das Album ist zwar wegen der Umstände so geworden wie es ist, nur wurde es nicht wegen der Umstände gekauft.

Ah Um
06.03.2008, 18:28
Erstmal: Schön, dass es ein neues "AotW" gibt.

Dann: Zu den Spielregeln würde es wohl gehören, dass ich das Album erst einmal wieder anhöre, bevor ich etwas dazu schreibe. Leider habe ich es derzeit nicht greifbar. Es muss also aus der Erinnerung gehen. Ich besitze es schon seit langem und habe oft versucht, es mir schön zu hören.

Schließlich: Ich mag das Album nicht.
Wenn über eine Platte gesagt wird, dass sich da jemand "Wut, Verzweiflung etc. von der Seele schreie", dann halte ich das für ein sehr schlechtes Zeichen. Man sagt sowas gewöhnlich über authentizistischen Betroffenheits-Rock. Und genau das ist die Platte leider auch.
Mag sein, dass da wirklich tief empfundene Seelenpein dahintersteht. Das allein macht keine Kunst und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Ich bin nicht der Psychiater irgendwelcher Rockmusiker. Was ich höre ist pseudophilosophischer Selbstfindungskram für Heranwachsende, der mit großem Wichtigkeitsgestus dem Hörer aufgedrängt wird. Dazu peinliches name dropping (Willem de Kooning, wow!) und plump-prätentiöse Wortspiele (Enola/Alone).
Der Sound ist insgesamt wenig aufregender Standard-Post-Grunge, wie ihn alle härteren Indie-Bands nach Nirvana pflegten.
U2 haben mehr Stil und Pearl Jam mehr soul. Und das will was heißen.

Herr Rossi
06.03.2008, 19:03
Mag sein, dass da wirklich tief empfundene Seelenpein dahintersteht. Das allein macht keine Kunst und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Ich bin nicht der Psychiater irgendwelcher Rockmusiker.

Ach, aber "I Wanna Be Your Dog" ist toll, weil es ein "Fanal des Selbstekels" ist (in Deiner Lesart)? Die Kunst liegt doch darin, wenn aus individuellen Emotionen etwas entsteht, was intersubjektiv (mir fällt gerade kein dooferes Wort ein) ist. Als ich "A Design For Life" das erste Mal hörte, kannte ich die ganzen biographischen Hintergründe noch nicht, aber der Song war trotzdem unglaublich.


Man sagt sowas gewöhnlich über authentizistischen Betroffenheits-Rock. Und genau das ist die Platte leider auch.

Aber nein. MSP sind ganz und gar Pop, also eklektizistisch und selbstreflektiert, aber sie scheuen die großen Gesten nicht. Das kann man nicht als "authentizistisch" missverstehen. Das ist kein Album für Wolle & Co.

Ragged Glory
06.03.2008, 19:16
Ich kann nicht mitreden, ich besitze nur die CD. Dabei könnte ich über dieses euphorische Knaller-Album nur Gutes berichten... ;-)

Ah Um
06.03.2008, 21:32
Ach, aber "I Wanna Be Your Dog" ist toll, weil es ein "Fanal des Selbstekels" ist (in Deiner Lesart)? Die Kunst liegt doch darin, wenn aus individuellen Emotionen etwas entsteht, was intersubjektiv (mir fällt gerade kein dooferes Wort ein) ist. Als ich "A Design For Life" das erste Mal hörte, kannte ich die ganzen biographischen Hintergründe noch nicht, aber der Song war trotzdem unglaublich.
Wir reden hier durchaus vom Gleichen. Es geht bei "Dog" nicht darum, dass Iggy Selbsthass oder -ekel wirklich empfindet, sondern, dass er ihn ausdrückt - zumindest nach meiner Wahrnehmung. Seine wirklichen Empfindungen kenne ich nicht und kann ich auch nicht kennen.
Mit "Authentizismus" meine ich: Der Künstler beteuert (meist implizit), dass das, was er ausdrückt, auch tatsächlich seinen echten und innersten Empfindungen entspricht. Diese Beteuerung empfinde ich wiederum regelmäßig als unangenehm und aufdringlich. Und ich meine, davon bei den Manics einiges zu hören.

Aber nein. MSP sind ganz und gar Pop, also eklektizistisch und selbstreflektiert, aber sie scheuen die großen Gesten nicht. Das kann man nicht als "authentizistisch" missverstehen. Das ist kein Album für Wolle & Co.
Ob Wolle das Album mag, kann er uns vielleicht selbst sagen. Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.

Ah Um
06.03.2008, 21:34
Ich kann nicht mitreden, ich besitze nur die CD.

Ich besitze doch auch "nur" die CD und habe deswegen hier keine falschen Hemmungen. Dass der Thread hier eigentlich im falschen Unterforum platziert ist, müssen wir jetzt allerdings auch nicht aufwärmen.

Ragged Glory
06.03.2008, 21:34
Ob Wolle das Album mag, kann er uns vielleicht selbst sagen. Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.

Soweit ich weiß, mag er es, also in etwa * * * 1/2.
Musste es so weit kommen, dass Deine Aufzählung mit STP endet? :lol:

Ah Um
06.03.2008, 21:36
Musste es so weit kommen, dass Deine Aufzählung mit STP endet? :lol:

Fiel mir eben gerade ein. Hast du andere Vorschläge?

Travis Bickle
06.03.2008, 21:37
Ich kann nicht mitreden, ich besitze nur die CD.

Jetzt geht das wieder los.

Ragged Glory
06.03.2008, 21:37
Beweis:


Sehr gerne.
Bitte schön: Top 100 (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=1389604&postcount=3203)



87. * * * 1/2

Dick Laurent
06.03.2008, 21:38
Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.
das kann ich aus meiner Sicht und für meinen damaligen Bekanntenkreis wirklich komplett verneinen!

@Senol: kannst du nicht mal deine WD-Fixierung irgendwo abgeben? Wäre echt nett...

Ah Um
06.03.2008, 21:39
@ Senol:
Hier liegt ein Missverständnis vor. "Wolle" ist nicht Wolfgang "tops" Doebeling, sondern der User mit dem Nick "wolle" und der Vorliebe für Mundis und Handgemachtes.

Herr Rossi
06.03.2008, 21:43
Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.

Pearl Jam und STP finde ich schlimm, die Pumpkins und U2 schätze ich nur teilweise. Ich seh die Manics auch nicht in diesem Zusammenhang.

@Senol: Siehe oben. Ich käme nicht darauf, Wolfgang Authentizismus-Hörigkeit vorzuwerfen.

Ragged Glory
06.03.2008, 21:45
plump-prätentiöse Wortspiele (Enola/Alone).
Der Sound ist insgesamt wenig aufregender Standard-Post-Grunge, wie ihn alle härteren Indie-Bands nach Nirvana pflegten.

Irrtum 1: "Enola/Alone" reißt einen mit den Intro-Akkorden und dem Drum-Einsatz richtig rein in diesen tollen Song, dazu die Eröffnungszeilen:

"The Statue Of Liberty/Looks so solemn on the TV/100% risk of stepping outside/Every second too precious to try/My heart aches for Enola/From my birth a rellik a killer/But all I want to do is live/No matter how miserable it is."

Anrührender geht es nimmer.

Irrtum 2: "Everything Must Go" ist lupenreiner Power-Pop, britischer Prägung.

Ah Um
06.03.2008, 21:52
das kann ich aus meiner Sicht und für meinen damaligen Bekanntenkreis wirklich komplett verneinen!

Ja, komisch. Die Manics werden stets vor diesem Post-Punk-Hintergrund gesehen und gelten daher im Gegensatz zu den Genannten als cool. Gerade bei Everything Must Go fällt mir aber sehr schwer, dies nachzuvollziehen. Ich höre da wenig Pop und wenig Britishness, aber viel Bekennertum.

Ragged Glory
06.03.2008, 21:57
Wieso schließen sich "Bekennertum" und "Britischer Pop" bei Dir aus? War Morrisseys Lyrik nicht auch bekennerhaft (die Verachtung der Monarchie, des Werte-Gefüges von Schule-Arbeit-Heirat-Haus, des Vegetarismus und der Trostlosigkeit des Einsiedlertums) - umhüllt mit dem Mantel der Exzentrik?

Ah Um
06.03.2008, 22:14
Wieso schließen sich "Bekennertum" und "Britischer Pop" bei Dir aus?

Tun sie nicht, und das habe ich so auch nicht gesagt. Das "Bekennertum" habe ich vielmehr als Verbindung zu Pearl Jam oder U2 angeführt. Den Begriff halte ich für eher negativ belegt und wollte ihn auch in diesem Sinne verwenden.

Mikko
06.03.2008, 22:17
Ich müsste mir das Album wirklich noch mal in Ruhe anhören.
Die Manic Streeet Preachers sind jedoch nach meinem Empfinden weit mehr U2 oder sonst ein Mainstream als Postrock, Post Grunge oder gar Power Pop. Zumindest zu jener Zeit.
Trotzdem mag ich sie immer wieder stellenweise. Ihr letztes Album zum Beispiel ist richtig gut.

nail75
06.03.2008, 22:18
Ja, komisch. Die Manics werden stets vor diesem Post-Punk-Hintergrund gesehen und gelten daher im Gegensatz zu den Genannten als cool. Gerade bei Everything Must Go fällt mir aber sehr schwer, dies nachzuvollziehen. Ich höre da wenig Pop und wenig Britishness, aber viel Bekennertum.

Die Manics waren und sind eine sehr politische Band mit eindeutig links-intellektueller bzw. marxistischer Ausrichtung. Das interessiert in Amerika tendenziell niemanden und schon deshalb sind sie sehr british (oder welsh).
Dass man ernsthaft in Frage stellt, dass die Band einen sehr poppigen Einschlag hat, wundert mich schon, schließlich hast Du sie einen Beitrag zuvor noch mit Pearl Jam, U2 und den Smashing Pumpkins in einem Atemzug genannt, allesamt Bands, denen Melodien ja keineswegs fremd sind.



Schließlich: Ich mag das Album nicht.
Wenn über eine Platte gesagt wird, dass sich da jemand "Wut, Verzweiflung etc. von der Seele schreie", dann halte ich das für ein sehr schlechtes Zeichen. Man sagt sowas gewöhnlich über authentizistischen Betroffenheits-Rock. Und genau das ist die Platte leider auch.
Mag sein, dass da wirklich tief empfundene Seelenpein dahintersteht. Das allein macht keine Kunst und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Ich bin nicht der Psychiater irgendwelcher Rockmusiker. Was ich höre ist pseudophilosophischer Selbstfindungskram für Heranwachsende, der mit großem Wichtigkeitsgestus dem Hörer aufgedrängt wird. Dazu peinliches name dropping (Willem de Kooning, wow!) und plump-prätentiöse Wortspiele (Enola/Alone).
Der Sound ist insgesamt wenig aufregender Standard-Post-Grunge, wie ihn alle härteren Indie-Bands nach Nirvana pflegten.
U2 haben mehr Stil und Pearl Jam mehr soul. Und das will was heißen.

Ich glaube, Du hast das Album etwas voreilig in einer bestimmten Schublade abgelegt. Schließlich ist es kein Betroffenheits-Rock, wenn man über Dinge schreibt, die einem selbst widerfahren sind. Niemand zwingt Dich dazu, das gut zu finden, aber gleich zu behaupten, es sei keine Kunst und nur Musik für Jugendliche - naja. Das widerspricht eigentlich Deiner Auffassung von Popmusik als Volksmusik.

Das Album verlangt übrigens nicht im Mindesten, dass man den Psychiater für die Band spielt. Und das Name-Dropping mag man doof finden, aber das machen die Manics immer, das ist fast eines ihrer Markenzeichen.

Der Sound ist übrigens auch komplexer und vielschichtiger als Du glaubst, ich habe ihn ja oben ein wenig beschrieben. Natürlich schieben die Manics die Regler bis zum Anschlag hoch, machen ein grandios-bombastisches Werk, aber bei all dem hat es dennoch zahlreiche subtile, schöne Momente.

Ah Um
06.03.2008, 23:07
Die Manics waren und sind eine sehr politische Band mit eindeutig links-intellektueller bzw. marxistischer Ausrichtung. Das interessiert in Amerika tendenziell niemanden und schon deshalb sind sie sehr british (oder welsh).
Dass der Marxismus in den USA nicht so wie Europa Fuß fassen konnte, rechtfertigt nicht den Umkehrschluss, dass eine marxistische Band deshalb typisch britisch sei.


Dass man ernsthaft in Frage stellt, dass die Band einen sehr poppigen Einschlag hat, wundert mich schon, schließlich hast Du sie einen Beitrag zuvor noch mit Pearl Jam, U2 und den Smashing Pumpkins in einem Atemzug genannt, allesamt Bands, denen Melodien ja keineswegs fremd sind.
Womit wir wieder bei der Pop-Diskussion wären. Natürlich sind Rockbands wie U2 etc. auch Pop (im weiteren Sinn, wenn du so willst), und so wie "Achtung Baby" Pop ist, ist sicherlich auch "Everything Must Go" Pop. Aber sicher nicht so wie z.B. "Different Class" von Pulp.


Ich glaube, Du hast das Album etwas voreilig in einer bestimmten Schublade abgelegt. Schließlich ist es kein Betroffenheits-Rock, wenn man über Dinge schreibt, die einem selbst widerfahren sind. Niemand zwingt Dich dazu, das gut zu finden, aber gleich zu behaupten, es sei keine Kunst und nur Musik für Jugendliche - naja. Das widerspricht eigentlich Deiner Auffassung von Popmusik als Volksmusik.
Da muss ich mich jetzt schon ein Bisschen missverstanden fühlen. Ich sagte lediglich, dass das authentische Herausschreien von Wut etc. (was dir bei den Manics besonders wichtig zu sein schien) allein noch keine Kunst macht. Das Entscheidende ist die Art und Weise der Verarbeitung, Aufbereitung und Darstellung. Und diese scheint mir bei den Manics nicht besonders gelungen. Ihre Perspektive wirkt auf mich meist etwas unreif. Ich fühle mich an einen 18-Jährigen erinnert, der Marx und ein paar Gedichtbände gelesen hat und sich jetzt für einen hochempfindsamen Weltweisen (und womöglich auch noch Revolutionär) hält.
Und mit meiner Pop/Volksmusik-Definition hat dies hier wenig zu tun. Es geht nur darum, ob ich eine bestimmte Platte gut oder schlecht finde.

AnnaMax
07.03.2008, 13:19
Für eine Diskussion müsste jetzt jemand kommen, der Begriffe wie "überproduziert", "bombastisch", "pathetisch" u.ä. im Angebot hat.;-)
Das Album ist sehr bombastisch und überaus pathetisch. Aber genau darin liegt auch seine besondere Qualität. Wann kann denn Pathos noch gefragt sein, wenn nicht in der Trauer um einen guten Freund. Überproduziert ist die Platte auf keinen Fall. Wer würde so etwas behaupten wollen?

nail75
07.03.2008, 17:20
Dass der Marxismus in den USA nicht so wie Europa Fuß fassen konnte, rechtfertigt nicht den Umkehrschluss, dass eine marxistische Band deshalb typisch britisch sei.


Womit wir wieder bei der Pop-Diskussion wären. Natürlich sind Rockbands wie U2 etc. auch Pop (im weiteren Sinn, wenn du so willst), und so wie "Achtung Baby" Pop ist, ist sicherlich auch "Everything Must Go" Pop. Aber sicher nicht so wie z.B. "Different Class" von Pulp.


Da muss ich mich jetzt schon ein Bisschen missverstanden fühlen. Ich sagte lediglich, dass das authentische Herausschreien von Wut etc. (was dir bei den Manics besonders wichtig zu sein schien) allein noch keine Kunst macht. Das Entscheidende ist die Art und Weise der Verarbeitung, Aufbereitung und Darstellung. Und diese scheint mir bei den Manics nicht besonders gelungen. Ihre Perspektive wirkt auf mich meist etwas unreif. Ich fühle mich an einen 18-Jährigen erinnert, der Marx und ein paar Gedichtbände gelesen hat und sich jetzt für einen hochempfindsamen Weltweisen (und womöglich auch noch Revolutionär) hält.
Und mit meiner Pop/Volksmusik-Definition hat dies hier wenig zu tun. Es geht nur darum, ob ich eine bestimmte Platte gut oder schlecht finde.

Sehe ich anders. In den USA gibt es kein marxistisches Milleu, in dem sich eine Band, wie die Manics entwickeln könnte. In Wales dagegen hat diese alt-sozialistische Haltung (Old Labour sozusagen) große Tradition. Natürlich könnte die Band auch aus anderen Teilen Englands stammen, aber die politische Haltung ist schon sehr britisch. Glücklicherweise spielt das auf dem Album fast keine Rolle, insofern verfehlt die Diskussion irgendwie das Thema. Von irgendeiner politischen Haltung der Manics erfährt man auf dem Album nur wenig, ihr typischer Anti-Amerikanismus entlädt sich nur an ein oder zwei Stellen.

Ja, der Pop. Dass die Manics starke Pop-Elemente in ihre Musik haben, finde ich schwer zu bestreiten. Letztlich läuft es eben darauf hinaus, dass Du die Umsetzung als misslungen empfindest und ich sie für gelungen halte. Lassen wir es dabei.


Das Album ist sehr bombastisch und überaus pathetisch. Aber genau darin liegt auch seine besondere Qualität. Wann kann denn Pathos noch gefragt sein, wenn nicht in der Trauer um einen guten Freund. Überproduziert ist die Platte auf keinen Fall. Wer würde so etwas behaupten wollen?

Sehe ich genauso, ich halte sie sogar für sehr subtil produziert, trotz Bombast und Pathos.

Ah Um
07.03.2008, 22:55
Sehe ich anders. In den USA gibt es kein marxistisches Milleu, in dem sich eine Band, wie die Manics entwickeln könnte. In Wales dagegen hat diese alt-sozialistische Haltung (Old Labour sozusagen) große Tradition. Natürlich könnte die Band auch aus anderen Teilen Englands stammen, aber die politische Haltung ist schon sehr britisch. Glücklicherweise spielt das auf dem Album fast keine Rolle, insofern verfehlt die Diskussion irgendwie das Thema. Von irgendeiner politischen Haltung der Manics erfährt man auf dem Album nur wenig, ihr typischer Anti-Amerikanismus entlädt sich nur an ein oder zwei Stellen.
Wenn das Britische an den Manics also ihr Old-Labour-Stallgeruch ist, man davon aber auf dem Album fast nichts merkt (in der Tat bleibt das Politische hier weitgehend vage), dann bleibt von der Britshness irgendwie nicht mehr viel übrig, does it?
Der Sound erscheint mir eher wie der eines unspezifischen, globalen Pop/Rock-Kontinuums. Tatsächlich habe ich einmal ein Mixtape mit Britpop der 90er zusammengestellt. Dabei habe ich auch auf Everything Must Go nach Verwendbarem gesucht, aber nichts gefunden, das nicht wie ein Fremdkörper gewirkt hätte. Ich hätte ebensogut etwas von den Toten Hosen nehmen können (wenn ich von denen denn was besäße).

nail75
09.03.2008, 21:45
Doch doch, weil der Stallgeruch in kleinen Dosen ja trotzdem vorhanden ist. Das Album hat noch etwas typisch britisches: Das Grandiose und Bombastische war damals durchaus "in" im UK. Eine amerikanische Band hätte dieses Werk wohl nicht veröffentlicht. Ich kenne auch nichts vergleichbares aus den USA.

Herr Rossi
09.03.2008, 21:50
Das Album hat noch etwas typisch britisches: Das Grandiose und Bombastische war damals durchaus "in" im UK.

Die große Geste pflegten fast alle wichtigen UK-Bands dieser Generation, ob Oasis, Blur, Suede, Pulp, Radiohead - natürlich auf jeweils sehr eigene Weise. Ich hab die Manics damals keineswegs als Fremdkörper in diesem Szenario empfunden. Amerikanische Musik klang damals anders.

nail75
09.03.2008, 21:54
Genau. Ob "To The End", "Champagne Supernova" oder "Airbag", darin strebten sie alle "I Am The Resurrection" nach. Aber niemand hat den Größenwahn so zelebriert wie die Stone Roses. ;-)