Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : AotW: Randy Newman - 12 Songs
Album der Kalenderwoche 8 (Vorschlag: Mistadobalina)
Randy Newman: 12 Songs
* 04/1970 US/Reprise
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51S4ECFPWKL.jpg
Sonic Juice
20.02.2008, 11:09
Schön, dass gerade dieses Album ausgewählt wurde für den Start dieser Threadfolge. Ich besitze es erst seit ein paar Wochen und es läuft seitdem nahezu "rund um die Uhr" (naja, jedenfalls in den bürofreien Stunden), in Abwechslung mit anderen Newman-Alben. Seit letztem Jahr erschließe ich mir mit großer Neugier die frühen Werke von Newman, zuvor kannte ich über viele Jahre nur "Bad Love" (über weite Teile sehr geschätzt), eine Best Of (die mir leider keinen Zugang zum Frühwerk ermöglichte) und diverse Soundtrack-Beiträge (ich gestehe, insbesondere die putzigen Duette mit Lyle Lovett liebe ich).
Mit einer vertieften Kenntnis der einzelnen Tracks kann ich somit noch nicht dienen, insbesondere die Texte habe ich noch nicht im Einzelnen studiert. Derzeit hat "12 Songs" bei mir aber - neben "Good Old Boys" und "Sail Away" - die Anwartschaft auf meinen Newman-Favoriten mit durchgehend herausragendem Songmaterial, während ich beim Debüt, "Little Criminals" und "Bad Love" immer auch einige Songs ausmache, die mir den Hörfluss stören, die mir in Arrangement oder Inhalten zu albern oder exaltiert scheinen.
"12 Songs" höre ich momentan als eine wundervolle Ansammlung von 12 Liedern (mit meinem derzeitigen Liebling Old Kentucky Home), nicht aber als einem übergeordneten Konzept oder einer entsprechenden Stimmung verpflichtetes Album, wie ich es bei "Good Old Boys" und - mit Abstrichen - auch bei "Sail Away" wahrnehme; ich bin auch noch nicht über das eine Lied gestoßen, dass mich emotional vollends packt, vergleichbar etwa zu Sail Away, He Gives Us All His Love/God's Song (die ich immer konzeptuell zusammendenke, wie A- und B-Seite einer Single) oder Louisiana 1927. Insofern hat es noch etwas Strecke zu den anderen beiden Favoriten aufzuholen; es läuft fast zu reibungslos mit Wippen und Wohlgefallen durch.
(Monsieur Dynamite seit an dieser Stelle noch mal für die fachliche Begleitung meiner derzeitigen Newman-Hochphase gedankt.)
nikodemus
20.02.2008, 11:44
Schön, dass es los geht.
Interessant Sonic, ich hab ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben, dass ich mich mit "12 Songs" immer schwer getan habe. Gerade die Band ist ja zweifelsfrei großartig, vor allem Ry Cooder ist herauszuheben. Dennoch hat es bei mir nie geklickt, Randy Newman am Piano mit klassischen Guitar-Bass-Drums Trio fand ich irgendwie immer merkwürdig, was wohl auch daran lag, dass meine ersten Randy Alben "Sail Away" und das Debüt waren.
So hab ich Randy wohl eher mit Orchester kennen und lieben gelernt bzw. solo an Klavier. Gerade dass von Sonic zitierte "Old Kentucky Home" finde ich in der Solo Version seines Live Album gelungener interpretiert. Gerade sein perlendes Klavierspiel kommt da evlt. noch besser zur Geltung.
Meine Lieblingstracks:
* Suzanne, hätte auch auf dem Debüt Platz gefunden und gut gepassst. Ein (so las ich) Seitenhieb auf Cohens Suzanne. Einerseits komisch, wie Newmann über seine Angebetete singt, andererseits etwas unheimlich (Stalking allgemein ist ja auch nicht eher komisch). Die Intensität von (beispielsweise) "God's Song" oder "In Germany Before The War" erreicht Randy aber nicht.
* Have You Seen My Baby
Schöner Ohrwurm, dazu bissig wie man ihn kennt ("When you through with my baby milkman, send her home to me").
Wer ist hier eigentlich für die Bläser verantwortlich, konnte ich dem Booklet nicht entnehmen.
wohlklang
20.02.2008, 12:11
Für mich ist 12 Songs eines der genialen Alben und rangiert auf einem der vorderen Plätze in einer Liste der hundert besten LP aller Zeiten. Nicht zuletzt wegen meiner Unentschiedenheit bezüglich der Plazierung von Newmans Platten habe ich noch keine Top 100-Liste fertigbekommen. Ich bin - auch nach sehr langer Beschäftigung - noch nicht soweit, eine Reihenfolge von 12 Songs, Creates Something New Under The Sun, Good Old Boys und Sail Away festlegen zu können. Diese Alben werden in jedem Fall auf den vorderern Plätzen meiner Top 100 zu finden sein, irgendwo weiter hinten kommt dann noch Little Criminals.
Ich halte Newman neben Dylan für den größten lebenden amerikanischen Songwriter/Interpreten.
Bei 12 Songs ist es gerade die sparsame Instrumentierung, die ich besonders reizvoll finde. Bildet eine wunderbare Entsprechung zu den, wie immer bei Newman, tiefen lyrics. Ich kenne kein Album, das so sehr die Schönheit zeigt, die entsteht, wenn ein wirklicher Könner seine Mittel ökonomisch einsetzt. Da ist nichts zu viel, aber auch nichts zu wenig.
nikodemus
20.02.2008, 12:19
Findest du wirklich, dass er seine Mittel hier ökonomisch einsetzt? Newmans Musik ist doch meistens eher reduziert, selbst die oft eingesetzten Streicher wirken doch eher subtil und unterstreichen doch eher die Tracks anstatt sie zuzukleistern. Gerade bei "Have You Seen My Baby" oder "Mama Told Me" kann man ja nicht wirklich von sparsam reden, sehr wohl natürlich bei "Cornfield" oder "Suzanne".
wohlklang
20.02.2008, 12:28
Keinesfalls meine ich eine Gleichung wie etwa ökonomischer Einsatz der Mittel=sparsame Instrumentierung. Ästhetische Ökonomie kann auch mit der Wucht großer Orchestrierung stattfinden. Es kommt eben immer darauf an. Solche trockenen Haken, die Newman für gewöhnlich schlägt, bedürfen eher einer kleinen, dafür exquisiten Musikerschar. Ich nehme bei 12 Songs eine perfekte Harmonie von Instrumentierung und Komposition, von Text und Phrasierung und, wie soll ich sagen, meinem Verständnis davon, was Newman hier sagt. Lover's Prayer!
Ich frage mich, ob die - im Vergleich zum recht opulenten Debüt - einfacheren Arrangements nicht auch eine gewisse Konzession an den Publikumsgeschmack waren. Newmans Debüt war ja in kommerzieller Hinsicht ein großer Misserfolg, und im Zuge der Rückkehr Dylans zur erdigen Folk-/Country-Musik 1968/69 kehrten ja praktisch alle Singer/Songwriter zu einfacheren, unkomplizierteren Arrangements zurück.
Sonic Juice
20.02.2008, 17:10
Interessant Sonic, ich hab ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben, dass ich mich mit "12 Songs" immer schwer getan habe. Gerade die Band ist ja zweifelsfrei großartig, vor allem Ry Cooder ist herauszuheben. Dennoch hat es bei mir nie geklickt, Randy Newman am Piano mit klassischen Guitar-Bass-Drums Trio fand ich irgendwie immer merkwürdig, was wohl auch daran lag, dass meine ersten Randy Alben "Sail Away" und das Debüt waren.
So hab ich Randy wohl eher mit Orchester kennen und lieben gelernt bzw. solo an Klavier. Gerade dass von Sonic zitierte "Old Kentucky Home" finde ich in der Solo Version seines Live Album gelungener interpretiert. Gerade sein perlendes Klavierspiel kommt da evlt. noch besser zur Geltung.
Bei manchen Songs des Debüts (vergleichbares gilt aber auch für einzelne spätere Songs) habe ich derzeit wohl noch das Problem, dass mir die Arrangements etwas zu sehr auf den Effekt zielen und sich für meinen Geschmack zu selbstbewusst neben den erzählerischen oder melodiösen Kern des Songs platzieren, sie gehen schon in Richtung Soundtrack. Im Grunde habe ich wohl immer nach diesem schlichteren Randy Newman-Sound von "12 Songs" gesucht. Man kann vielleicht sagen: bei solchen unspektakulären Rock-Arrangements ist die Gefahr geringer, dass es überladen, prätentiös und überambitioniert wirkt, zugleich ist damit aber auch der Einsatz geringer und der potentielle Gewinn etwas kleiner (im Vergleich zum Jackpot von "Sail Away" z.B.).
PS: Das Live-Album werde ich mir natürlich noch besorgen müssen.
Habe heute Abend nachgehört und bin immer noch/wieder begeistert.
Newman zeigt sich als unglaublich großer Song-Schreiber. Solche kargen, unprätentiösen lyrischen Gemälde findet man doch sonst kaum. Heute haben mich besonders beeindruckt Let's Burn The Cornfield und noch mehr If You Need Oil. Unübertrefflich. Einzig Yellow Man scheint sich meinem Verständnis entziehen zu wollen.
Die Arrangements zu den Songs sind zurückhaltend und großartig auf den Punkt hin produziert,was dann auch eine leichte Unausgeglichenheit in Sound etc. nach sich ziehen muss. Das mag beim ersten Hören etwas befremdlich erscheinen.
So sehr ich Sail Away und Good Old Boys liebe (es waren damals aktuell meine ersten Newman-Alben), so sehr finde ich 12 Songs im Nachhinein toll.
Eigentlich war es indirekt sogar mein erster bewusster Kontakt mit Newman.
1970 fühlte ich mich im Grunde längst der Charts-Musik entwachsen, hörte nur noch dann und wann diese im Radio. Eine Single aber begeisterte mich auf Anhieb. Sie war neuartig von Songwriting und Arrangement her: Three Dog Night-Mama Told Me. Autor: Randy Newmann.
Damals kam mir zum ersten Mal sein Name zu Bewusstsein. Die Bewunderung hat seither nicht nachgelassen, wenn ich auch nicht einmal alles von ihm besitze. So habe ich nie Little Criminals im Regal gehabt, obwohl ich sie damals oft gehört habe. Irgendetwas störte mich dran, wohl zu Unrecht, wie ich heute annehme.
Was sollen die schwachen Tracks auf 12 Songs sein?
. Heute haben mich besonders beeindruckt Let's Burn The Cornfield und noch mehr If You Need Oil. Unübertrefflich. Einzig Yellow Man scheint sich meinem Verständnis entziehen zu wollen.
Mir geht es eigentlich gerade umgekehrt. Yellow Man persifliert eben läppisches Geschwätz über exotische Menschen. Bei den beiden anderen fühlt es sich irgendwie nach einem pointenlosen in-joke an, bei dem ich nicht verstehe, ob es da überhaupt etwas zu verstehen gibt. Wahrscheinlich ist aber gerade das der Witz. Ich mag die deftigeren Sachen letztlich lieber, an erster Stelle natürlich Old Kentucky Home.
12 Songs war meine erste und lange meine einzige Newman-Platte. Erst durch Good Old Boys und v.a. durch Sail Away bin ich da auf den Trichter gekommen. Heute vergebe ich ****1/2 an 12 Songs für unspektakuläre Großartigkeit.
Let's Burn The Cornfield ist ein wunderbares Liebeslied.
If You Need Oil, ja, was soll man sagen, selten habe ich eine solche Liebessehnsucht, Leere und Genauigkeit in Charakterzeichnung, Beobachtung etc. musikalisch perfekter dargestellt gehört.
@otis:
Du meinst, es gibt hier keinerlei doppelten Boden, keine Satire, keine Gemeinheit? Nur ein Liebeslied? Ich finde, Stimme und Phrasierung signalisieren hier etwas ganz anderes. So wie You Can Leave Your Hat On bei - argh - Joe Cocker ein tumber Anmach-Song sein mag, bei Newman aber nach schwerer Neurose klingt.
Vielleicht ist Newmans Stimme aber auch zur Interpretation straighter, unironischer Liebeslyrik schlicht ungeeignet. Sie suggeriert mir jedenfalls ständig etwas anderes als bloße Empfindsamkeit.
Mistadobalina
21.02.2008, 13:42
Sehe das auch so we Ah Um. "Let's Burn The Coenfield" ist für mich eher hintergründig. Und auch der Tankwart in "If You need oil" scheint mir etwas gestört zu sein. Das macht für mich auch oft den Reiz von Newman-Songs aus: er schlüpft in immer wieder neue Rollen - und oft sind eben Freaks.
Natürlich ist der Tankwart gestört, so wie Travis, so wie so viele. Ich sehe da keine Ironie, keine Wertung, sondern eher genaue kühle Beobachtung, Lakonie. Wie auch You Can Leave Your Hat On nicht böse, sondern einfach nur stimmig und wahr ist. Natürlich mit einem Hauch Zynismus im Hintergrund.
wohlklang
21.02.2008, 13:56
Ich denke, bloße Satire ist es nicht. Es sind freaks, zweifellos, kauzig und/oder neurotisch. Aber ihre Sehnsüchte, die sind doch echt. Halt vom Leben beschädigte Menschen, die Newman sehr genau erfasst, nichts Denunziatorisches dabei.
Mistadobalina
21.02.2008, 14:09
Ich denke, bloße Satire ist es nicht. Es sind freaks, zweifellos, kauzig und/oder neurotisch. Aber ihre Sehnsüchte, die sind doch echt. Halt vom Leben beschädigte Menschen, die Newman sehr genau erfasst, nichts Denunziatorisches dabei.
Wollte ich damit auch nicht sagen. (Satire ist für mich auch nicht per se denunziatorisch btw.) Für mich sind es auch mehr Schilderung und Darstellung. Über sich selbst singt Newman eher wenig.
wohlklang
21.02.2008, 14:23
.... Über sich selbst singt Newman eher wenig.
Könnte durchaus sein, er ist der Tankwart....
Hmm. Vielleicht ist "Oil" auch keine Parodie auf einen bestimmten Typ Mensch, sondern auf eine bestimmte Art von Songs? Ich meine damit diese When-I-Put-My-Finger-On-Your-Trigger-Liebeslieder a la "I'm A King Bee" vom Stones-Debüt ("I'm a king bee/buzzing round your hive (...) well I can make honey, baby/Let me come inside").
Wobei die Leichtigkeit, mit der Newman mit wenigen Strichen ein bestimmtes (soziales?) Umfeld und die Atmosphäre vollständiger Tristesse skizziert, in meinen Augen sehr gelungen ist...
@Mosse:
Finde ich durchaus plausibel. "I'll fill your tank with gasoline" ist schon ein ziemlich tiefer Griff in die Kiste der zweideutigen Schenkelklopfer. Auch die Reime bei "Rosemary" sind größtenteils von so erschütternder Schlichtheit, dass das Liebeslied mehr wie die Persiflage eines solchen daherkommt.
Das mag auch daran liegen, dass die dargestellten Personen zu klischeeärmeren Äußerungen schlicht nicht in der Lage sind. Der Autor selbst scheint mir dabei auf relativ großer Distanz zu seinen Figuren, auch wenn er in der ersten Person erzählt. Denunziatorisch würde ich das nicht nennen, aber etwas Spöttisches hat es m.E. schon.
Ich habe das Album gestern hier während der Arbeit (unter Kopfhörern) in einem Rutsch durch gehört. Keine idealen Bedingungen, das gebe ich zu. Auf Feinheiten und Nuancen der Stimme achtet man da nicht so. Und auch die Lyrics habe ich nur teilweise erfasst. Ich gebe weiterhin zu, dass ich die Platte nicht besitze und sie folglich nicht zuhause in Ruhe hören kann.
Mein erster Eindruck war nicht überwältigend. Ich hatte immer geglaubt, mir entginge etwas Essenzielles. Ich habe mich ja bisher überhaupt noch nicht näher mit Randy Newman beschäftigt. Kenne seine Songs eigentlich nur in Interpretationen anderer. Wenn das eines seiner besten Alben ist, dann bin ich nicht mal sicher, ob ich wirklich so viel verpasst habe. Es hat zumindest bei diesem ersten Hören unter Kopfhörern nicht "klick" gemacht. Und ich war nicht mal ernstlich abgelenkt durch Arbeit oder Kollegen.
Es ist nicht so, dass ich die Klasse der Texte und ihre hier schon erwähnte Hintersinnigkeit nicht erkenne. Aber die Musik und die Interpretation Newmans lassen mich merkwürdig unbeteiligt. Sorry.
Staggerlee
21.02.2008, 18:40
Mikko, Mikko, das wird wohl nichts mehr mit Dir und der Musik. Hast Du das Album etwa auch noch gar...als CD gehört? Gestehe!
Im Ernst: Ich besitze 12 Songs nicht, aufgrund der Beschreibung hier habe ich mir aber das Album bestellt. Es könnte aber sein (reine Vermutung natürlich), daß 12 Songs nicht der optimale Einstieg für Randy Newman ist aufgrund der Instrumentierung bzw. seiner Begleitmusiker. Vielleicht übertreibe ich etwas, aber ein wesentlicher Aspekt seiner Musik ist für mich die Diskrepanz (man kann es auch Doppeldeutigkeit nennen) zwischen den wunderschönen Arrangements (und der Melodieseligkeit der Songs), die häufig in starkem Gegensatz zu Stimme und den sarkastischen Texten stehen bzw. die Doppeldeutigkeit der Texte unterstreichen- man muß schon des öfteren schwer schlucken, wie z.B. bei Sail Away. Kurz: Vielleicht ist es kein absolut "typisches" Newman Album. Natürlich ist das reines rumgestochere im Nebel, da ich das Album nicht kenne (nur was hier darüber geschrieben wurde). Probier es doch mal mit "Sail Away", daß vielleicht repräsentativer ist.
Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie (oder Mistadobalina’scher Hinterhältigkeit), wenn nach all den „Ein-Album-ist-ein-Album“-Scharmützeln im Vorfeld nun neben dem Konzept-Album „Pet Sounds“ ausgerechnet „12 Songs“ die „Album of the Week“-Reihe eröffnet. Denn „12 Songs“ ist eben nicht mehr als, das was der Titel verspricht: eine Sammlung von einem Dutzend Songs. Während alle anderen Alben von Newman musikalisch und bisweilen auch thematisch homogen sind, und in der Tat auch kein Rumbasteln am Sequencing vertragen, ließe sich die Reihenfolge der Tracks auf „12 Songs“ schadlos verändern. Ja, eigentlich müsste man das sogar tun. „Mama Told Me Not To Come“ zwischen „Let’s Burn Down The Cornfield“ ist so deplaziert wie nur sonst etwas. So fahrig und hastig wird der Song gespielt, dass man den Eindruck hat, die Aufnahme entstand kurz vor Feierabend, und die Musiker hätten nicht vor, ihn länger als nötig nach hinten zu verschieben. Nach zwei Minuten wird lieblos ausgeblendet. Das war’s.
Ähnlich ergeht es mir bei „Old Kentucky Home“, das mir eine Spur zu runtergespielt ist, als dass es einen berühren könnte. So ist es auch kein Wunder, dass dies eigentlich der einzige Song von Randy Newman ist, bei dem eine Cover-Version das Original übertrifft. Ry Cooder singt und spielt den Song auf seinem Debüt mit der Lakonie, die dem naiv-herzlosen Ich-Erzähler besser steht.
Hat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.
Hat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.
Nein, wa, da kann ich nicht mit. Ich gehe davon aus, dass wir über das Vinyl sprechen. Die Tracks haben keinen durchgehend gleichbleibenden Sound. Aber von dumpf und dünn kann ich nichts hören angesichts Have You Seen oder Mama Told Me etc... Die Songs sind jeder für sich schon sehr gut produziert, nur recht verschieden, wenngleich, da stimme ich dir zu, das Ganze dadurch nicht unbedingt ein großes Ganzes wird.
Es ist auch kein "Kaviar", was Newman hier an Songs bietet, es sind kleine Schwarzweiß-Filme, die ablaufen. Jeder sehr echt, sehr nah am Geschehen, unprätentiös und genau. Alles an mehr, wäre zuviel.
Ich gehe auch nicht mit, Newman auf Ironie, Sarkasmus, Satire, Gemeinheit etc. festzulegen. Dafür ist das alles bei ihm viel zu offen und im Grunde humanistisch. Obwohl, wie gesagt, mit einem recht zynischen Einschlag.
Ja, wir reden schon vom Vinyl (der bislang einzig erhältliche CD-Release ist noch schlimmer). Vom Klang her ist "12 Songs" das schlechteste Newman-Album, vergelich das mal mit "Sail Away".
Nein, Newman ist kein Zyniker. Er kanzelt nicht ab, sondern er erzählt Geschichten, schlüpft in Rollen, ohne sich über seine Protagonisten zu erheben. Im Grunde humanistisch, richtig.
Hat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.
Sehe ich nicht so. Die Produktion ist von einer Beiläufigkeit, die man mit Nachlässigkeit verwechseln könnte. Zusammen mit dem entspannten Spiel der Band und der Kürze der Songs führt dies zu dem sehr charmanten und sicher gewollten lakonischen Grundton. Es ist auch dieses Understatement, das vieles hier im Vagen hält und dadurch die Platte so erfolgreich macht.
Nein, Newman ist kein Zyniker. Er kanzelt nicht ab, sondern er erzählt Geschichten, schlüpft in Rollen, ohne sich über seine Protagonisten zu erheben. Im Grunde humanistisch, richtig.
Eher nicht. Wenn Newman in die Rolle eines dummen Reaktionärs schlüpft, dann ist jedenfalls für seine Zielgruppe - hippe Intellektuelle und die sich dafür halten - klar erkennbar, dass es nur eine Rolle ist. Und diese Rollenhaftigkeit soll erkennbar bleiben, die volle Identifikation muss vermieden werden. Die Perspektive des Ich-Erzählers ist sozusagen nur ein Trick, sich möglichst schadlos in der Psyche seines Protagonisten umzutun. Newman kanzelt nicht ab, er ist subtiler, aber deswegen noch lange kein Philanthrop. Die Distanz bleibt stets spürbar. Der Autor kennt die dargestellten Figuren besser als diese sich selbst und lässt sie Verräterisches äußern. Er bleibt der überlegene Geist, der die anderen durchschaut. Zu einer wirklich humanistischen Haltung (im Sinne von Menschenliebe) fehlt hier ein überzeugendes Mit-Leiden, vorherrschend bleibt die leicht näselnde Lakonik und durchaus ein gerüttelt Maß an Zynismus.
Wie eigentlich fast immer treffen Deine Ausführungen genau ins Schwarze, Ah Um. Randy Newman zum händchenhaltenden Humanisten zu degradieren geht zu weit, dafür wahrt Newman zu viel Distanz zu den Menschen, die er in seinen Liedern darstellt. Selbst wenn sie lebendig gezeichnet sind, nimmt Newman doch stets die Rolle des allwissenden Erzählers ein, der ihren Fehlern und Schwächen nur selten mit Sympathie oder Verständnis begegnet und sie im Gegenteil erbarmungslos ans Tageslicht zerrt.
(Zum Album habe ich leider nichts zu sagen, da ich es nur in Auszügen besitze. Nächstes Mal.)
wohlklang
22.02.2008, 20:50
...
Newman kanzelt nicht ab, er ist subtiler, aber deswegen noch lange kein Philanthrop. Die Distanz bleibt stets spürbar. Der Autor kennt die dargestellten Figuren besser als diese sich selbst und lässt sie Verräterisches äußern. Er bleibt der überlegene Geist, der die anderen durchschaut. Zu einer wirklich humanistischen Haltung (im Sinne von Menschenliebe) fehlt hier ein überzeugendes Mit-Leiden, vorherrschend bleibt die leicht näselnde Lakonik und durchaus ein gerüttelt Maß an Zynismus.
Hier gehe ich gern mit, Ah Um. Nur, human zu sein muß wie ich finde nicht gleich Philantropie im Sinne einer unbedingten Menschenliebe bedeuten. Human kann durchaus auch eine spöttische Distanz sein. Die erlaubt es, das Wesen der Personen zu erfassen. Dies tut alle große Kunst. Und jedes Kunstwerk ist human.
... Randy Newman zum händchenhaltenden Humanisten zu degradieren geht zu weit,...
Wer in Dreiteufelsnamen soll das getan haben? Was hat Humanismus mit Händchenhalten zu tun, was mit platter Menschenliebe?
Um mal bei "Old Kentucky Home" zu bleiben. Zynisch ist die Figur, die Newman verkörpert. Jemand, der seine Familie verhöhnt, der Lächerlichkeit preisgibt, den Unzulänglichkeiten und Tragödien nicht kratzen, hauptsache er selber ist "alright". Letztendlich wird der Zyniker bloßgestellt, nicht seine Umgebung. Wenn diese Empathie seitens Newman kein Humanismus ist, was dann?
Diese schon oft widergekäute Behauptung, Newman sei ein Zyniker scheint mir aus der Zeit seines größten kommerziellen Erfolgs, nämlich "Short People" zu stammen.
Graham Parker, selber kein Riese, zeigte sich begeistert von dem Song. Er glaubte, ein Leidensgenosse prangere die Klischees über kleine Leute an. Als erfuhr, daß Newman alles andere als kleinwüchsig ist, war er ziemlich erzürnt, da er nun der Annahme war, Newman mache sich in zynischer Art und Weise über körperliche Handicaps lustig. Doppelter Irrtum.
Um mal auf die Musik zu sprechen zu kommen: Als ich sie jetzt das erste Mal wieder gehört hatte, dachte ich, dass sie ein für Newman-Verhältnisse erstaunlich breites Spektrum an Stilen wiederspiegele (Country, Blues, Jazz etc.). Wobei die zweite Seite - mit der Ausnahme "Old Kentucky Home" - noch einheitlicher war, als die erste. Der Titel der Platte scheint ja auch anzudeuten, dass diese Vielfalt kein Zufall ist, dass dahinter eine Absicht steht.
Doch je öfter ich sie höre, desto mehr ergibt die Platte doch etwas Homogenes, Ganzes. Vielleicht, weil Newman hier seine eigene Interpretation dieser Stile anbietet. Ein Blues wie "Lucinda" ist zum Beispiel - zumindest jetzt, wo ich die LP öfters gehört habe - sofort als Randy-Newman-Song zu identifizieren. Mir fällt es übrigens auch enorm schwer, zu sagen, dass mir dieser Song besser gefällt oder jener schlechter, weil jeder für sich genommen in sich stimmig ist.
"Cornfield" gefällt mir sehr, wegen Ry Cooders Gitarre, wegen der unterschwelligen Spannung, die das Stück ausdrückt, und weil der gestrichene Besen für mich klingt, als würde jemand das Streichholz entzünden, mit dem das Feld angezündet werden soll. Wie sieht's bei euch aus, was haltet ihr von den Songs?
Um mal bei "Old Kentucky Home" zu bleiben. Zynisch ist die Figur, die Newman verkörpert. Jemand, der seine Familie verhöhnt, der Lächerlichkeit preisgibt, den Unzulänglichkeiten und Tragödien nicht kratzen, hauptsache er selber ist "alright". Letztendlich wird der Zyniker bloßgestellt, nicht seine Umgebung. Wenn diese Empathie seitens Newman kein Humanismus ist, was dann?
Diese schon oft widergekäute Behauptung, Newman sei ein Zyniker scheint mir aus der Zeit seines größten kommerziellen Erfolgs, nämlich "Short People" zu stammen.
Graham Parker, selber kein Riese, zeigte sich begeistert von dem Song. Er glaubte, ein Leidensgenosse prangere die Klischees über kleine Leute an. Als erfuhr, daß Newman alles andere als kleinwüchsig ist, war er ziemlich erzürnt, da er nun der Annahme war, Newman mache sich in zynischer Art und Weise über körperliche Handicaps lustig. Doppelter Irrtum.
Ich will jetzt ja nicht Newmans gesamte Karriere diskutieren, eigentlich soll es ja um "12 Songs" gehen, aber den Zynismus auf Alben wie "Sail Away" oder "Good Old Boys" kann man doch nicht übersehen. "God's Song" oder "Political Science" sind ja nicht weniger zynisch als "Short People".
"Old Kentucky Home" macht sich ja in ziemlich fieser Weise über den von Stephen Foster 1853 geschrieben "state song" von Kentucky lustig. Was auch immer die ursprünglichen Intentionen von Foster gewesen sein mögen, Newman war das Plantagenleben-Szenario offensichtlich zu harmonisch und er hat es benutzt, um ein etwas anderes Bild des Südens zu zeichnen. Sicherlich wollte er auch die Hauptfigur des Liedes bloßstellen, aber noch viel mehr die weiße Familienidylle des Südens, der ihn ja lebenslang beschäftigt hat.
http://en.wikipedia.org/wiki/My_Old_Kentucky_Home
Sonic Juice
25.02.2008, 10:44
Ich gehe auch nicht mit, Newman auf Ironie, Sarkasmus, Satire, Gemeinheit etc. festzulegen. Dafür ist das alles bei ihm viel zu offen und im Grunde humanistisch. Obwohl, wie gesagt, mit einem recht zynischen Einschlag.
Bei den Diskussionen um Newmans Geisteshaltung hier tue ich mir recht schwer. Zunächst verstehe ich unter Humanismus eine philospophisch fundierte Weltanschauung und nicht einfach jemanden, der irgendwelche (mit)menschlichen Züge aufweist oder in seiner Kunst transportiert. Ich bin nun selbst nicht in den einschlägigen Geisteswissenschaften so firm, dass ich mich hier profund um begriffliche Details streiten könnte, aber Newmans Texte würde ich nicht diesen Stempel verleihen, dafür ist mir seine Grundansatz doch zu spöttisch, entblößend, ins Mark treffend und in gewisser Weise auch resignierend, hoffnungslos. Newman beobachtet und analysiert, aber m.E. nicht mit der Hoffnung oder Absicht, den Menschen ändern zu wollen. Er predigt allenfalls zu den Bekehrten.
Insofern sehe ich das auch eher wie Nail und Ah Um:
(...) Wenn Newman in die Rolle eines dummen Reaktionärs schlüpft, dann ist jedenfalls für seine Zielgruppe - hippe Intellektuelle und die sich dafür halten - klar erkennbar, dass es nur eine Rolle ist. Und diese Rollenhaftigkeit soll erkennbar bleiben, die volle Identifikation muss vermieden werden. Die Perspektive des Ich-Erzählers ist sozusagen nur ein Trick, sich möglichst schadlos in der Psyche seines Protagonisten umzutun. Newman kanzelt nicht ab, er ist subtiler, aber deswegen noch lange kein Philanthrop. Die Distanz bleibt stets spürbar. Der Autor kennt die dargestellten Figuren besser als diese sich selbst und lässt sie Verräterisches äußern. Er bleibt der überlegene Geist, der die anderen durchschaut. Zu einer wirklich humanistischen Haltung (im Sinne von Menschenliebe) fehlt hier ein überzeugendes Mit-Leiden, vorherrschend bleibt die leicht näselnde Lakonik und durchaus ein gerüttelt Maß an Zynismus.
Otis, vielleicht magst Du ja noch mal etwas ausführlicher begründen, was Du unter humanistisch verstehst und insbes. was ein "Humanismus mit zynischem Einschlag" ist? Für mich geht das begrifflich noch nicht zusammen.
Zunächst verstehe ich unter Humanismus eine philospophisch fundierte Weltanschauung und nicht einfach jemanden, der irgendwelche (mit)menschlichen Züge aufweist oder in seiner Kunst transportiert. Ich bin nun selbst nicht in den einschlägigen Geisteswissenschaften so firm, dass ich mich hier profund um begriffliche Details streiten könnte, aber Newmans Texte würde ich nicht diesen Stempel verleihen, dafür ist mir seine Grundansatz doch zu spöttisch, entblößend, ins Mark treffend und in gewisser Weise auch resignierend, hoffnungslos. Newman beobachtet und analysiert, aber m.E. nicht mit der Hoffnung oder Absicht, den Menschen ändern zu wollen. Er predigt allenfalls zu den Bekehrten.
Otis, vielleicht magst Du ja noch mal etwas ausführlicher begründen, was Du unter humanistisch verstehst und insbes. was ein "Humanismus mit zynischem Einschlag" ist? Für mich geht das begrifflich noch nicht zusammen.
Ich kann zu Newmans Geisteshaltung natürlich auch nichts beitragen, ich kenne ihn nicht. Ich kann mir auch vorstellen, dass das von dir als spöttisch etc. Beschriebene später etwas deutlicher zum Vorschein kam.
Ich glaube, ich sagte es schon: ich stelle mir Newmans Songs oft als kleine Filme vor. Darstellungen des Menschlichen in seiner ganzen Bandbreite, beschreibend nicht sezierend. Ihm ist nichts fremd, er erhebt sich aber auch über nichts. Da ist kein Zeigefinger, er predigt nicht, es gibt auch keine Bekehrten. Er verurteilt nicht, er konstatiert und akzeptiert. Das meine ich mit im Wesen "humanistisch".
Der pädagogische Weltverbesserer, der Händchenhalter, der harmoniesüchtige Weichspüler etc. das ist nicht, was ich unter Humanismus verstehe. Humanismus ist in meinen Augen der Glaube an und das Wissen um das Menschliche, mit seinen guten und schlechten Seiten.
Dass angesichts des Alltags ein solcher Humanismus irgendwann mit Zynismus durchtränkt wird, liegt in der Natur des Menschlichen. Bin ohnehin der Meinung, dass echter Zynismus nur die Kehrseite der Medaille Humanismus ist.
Thomas Mann war auch so einer, und sicher viele andere mehr.
Ich wollte mit meinem Kommentar über den "händchenhaltenden Humanismus" nicht den Humanismus an sich angreifen, sondern lediglich die Gegensätze der verschiedenen Auffassungen betonen. Sorry falls Du Dich dadurch beleidigt gefühlt hast, otis, das war nicht meine Absicht. In der Sache sind unsere Positionen weiterhin sehr unterschiedlich, fast gegensätzlich.
Humanismus ist ein komplexer Begriff, der ein wenig dazu einlädt, darunter zu verstehen, was man gerade will. Zum Humanismus als Geisteshaltung rechnet man jedenfalls in aller Regel den Glauben an das Gute im Menschen, an die Moral und an die Erziehbarkeit des Menschengeschlechts. Das ist selbstverständlich nichts Niedliches und Kuscheliges, sondern ein ausgesprochen dickes, hartes Brett.
Als Zyniker würde ich jemanden bezeichnen, der diesen Glauben verloren hat, meist aus Enttäuschung über die Menschen. Zum Zyniker gehört also, dass er die Worte des Wahren, Guten und Schönen sehr wohl versteht, ihnen aber die Gefolgschaft verweigert. Er ist ein enttäuschter Moralist und vom Glauben abgefallener Menschenfreund.
In diesem Sinne würde ich den Ich-Erzähler des "Old Kentucky Home" nicht als Zyniker bezeichenen. Er ist nur ein Egoist und dummer Ignorant. Der Zyniker ist schon Newman selbst. Dass es sich hier um ein satirisches Spottlied auf eine verlogene Idylle handelt, wird gerade beim Vergleich mit der historischen Vorlage deutlich (nails Link oben).
Ich stimme mit otis überein, dass Newman hier keinen pädagogischen Impetus an den Tag legt. Aber gerade das disqualifiziert ihn als Humanisten. Denn zum Humanisten würde es gehören, dass er den Weg zum Guten weisen will und am moralischen Fortschritt der Menschheit arbeitet. Newman dagegen ist lakonisch, fast fatalistisch. Scheinbar unbeteiligt beschränkt er sich aufs Beschreiben - dies allerdings sehr wohl von einer wissenden, überlegenen Warte aus. Die Beschreibung als solche mag ein letzter Akt der Auflehnung gegen die Unzulänglichkeiten der Realität sein, aber eine wirkliche Hoffnung auf eine Verbesserung vermag ich bei Newman nicht herauszuhören.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass ich Newman eher als Zyniker (enttäuschten Menschenfreund) denn als Humanisten (gläubigen Menschenfreund) sehe, sagt nichts über die künstlerische Qualität seines Werks aus. Er schreibt großartige zynische Songs.
Powered by vBulletin® Version 4.2.0 Copyright ©2013 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.