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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tinas Faves



tina toledo
13.09.2006, 21:42
So, dem Forumstrend zu eigenen Alben-Threads folgend, stelle ich jetzt auch mal meine liebsten Werke vor. Dabei werde ich sicher nicht so produktiv sein wie Niko, aber doch versuchen, einigermaßen regelmäßig etwas zu schreiben. Los geht´s gleich mit dem wohl längsten und persönlichsten Text.

tina toledo
13.09.2006, 21:45
http://image.com.com/mp3/images/cover/200/drg300/g305/g30566zhy8t.jpg

Skraggy
13.09.2006, 21:51
Schöner Text zu einem wundervollen Album. Bewegen sich die folgenden Texte auf ähnlichem Niveau, sei dir eine vergleichsweise geringe Produktivität mehr als verziehen. Weiter so!

DJ@RSO
13.09.2006, 21:55
Schöner Text zu einem wundervollen Album.


In der Tat.Was mich ( positiv ) dazu nötigt, die Platte gleich morgen wieder einmal hervor zu holen.

observer
13.09.2006, 22:03
Klasse, Tina. Ich bin ja irgendwann bei Ryan Adams ausgestiegen und habe ihn nicht mehr verfolgt. Die erste EP von "Love is hell" habe ich zwar noch gekauft, hatte ihn aber innerlich schon abgeschrieben. Ich werde sie auf alle Fälle nochmal aus dem Regal ziehen und versuchen, deine sehr persönlichen Beschreibungen nachzuvollziehen.

Herr Rossi
13.09.2006, 22:13
@Tina: Sehr eindrucksvoller Text! Ich muss gestehen, dass ich Ryan Adams auch voreilig in einer Schublade abgelegt hatte, wodurch mir einer der interessantesten Künstler unserer Zeit entgegangen ist.
Ich bin gespannt auf weitere Texte von Dir. Ich hoffe, das fantastische "Odessey & Oracle" der Zombies kommt auch bald an die Reihe.:-)

Faspotun
13.09.2006, 22:15
Schöner Text, Tina.

Ich selbst konnte mich mit Ryan Adams (bisher) ja nicht so recht anfreunden. Zwischen Heartbraker und 29 steht zwar alles - bis auf R'n'R und just Love Is Hell (nur das Wonderwall-Cover schlummert auf der Festplatte) - bei mir rum, doch ich lege die Platten kaum je auf.

Ach ja: Ich freue mich auf deinen Text zu Morning Glory. ;-)

Edit: Demolition fehlt mir natürlich auch - aber man kann bei Adams schon mal die Übersicht verlieren...

krauspop
13.09.2006, 22:21
Klasse Text Tina! Auch wenn ich mich mit Adams zur Zeit nicht mehr beschäftige.... aber vielleicht pack ich sie jetzt noch mal wieder aus....

AMY
13.09.2006, 22:22
toller text..da kommen mir fast die tränen.Eines meiner top alben!ich glaube wen ein album mit mir ins grab kommt dann dieses,ich find ja die geschichte toll das er den Plattenfuzzis gesagt hat,solange sie love is hell nicht veröffentlichen,gibts auch das rock n roll album nich,mit dem sie sich ja ein anknüpfer an Gold versprochen hatten,jajaja bei den gehts eben immer um das liebe geld...

tina toledo
13.09.2006, 22:39
Danke an alle!

@Rossi: "Odessey & Oracle" ist so wundervoll, dass ich mich im Moment gar nicht trauen würde, darüber zu schreiben.;-)

@Faspotun: Durchaus möglich, dass das eines Tages dran kommt, ja...:-)

wa
13.09.2006, 22:54
Schön und leidenschaftlich geschrieben.
Die Zeit, als "Love Is Hell" und "Rock N Roll" eschien, war für mich die düstere Adams-Zeit. Letzteres war für mich völlig indiskutabel, ersteres noch akzeptabel. Nach Whiskeytown, "Heartbreaker", "Gold" und, jawohl, auch "Demolition" war "Love Is Hell", abgesehen von ein paar Songs (u.a. "Wonderwall"), eine Enttäuschung. Ich habe es sicher seit 2 Jahren nichr mehr gehört. Dein Beitrag veranlaßt mich immerhin dazu, es wieder einmal zu versuchen. Wäre ja nicht das erste Mal, daß ich meine Meinung zu einem Album mit etwas zeitlichem Abstand revidieren muß.

Bullitt
13.09.2006, 22:55
Auch wenn ich bekanntlich Love Is Hell eher im hinteren Drittel des Ryan Adams Universums verorten würde ist es schön deine Liebeserklärung an das Album zu lesen! Bin gespannt, was noch so kommen wird!
Etwas Bauchschmerzen bereitet es mir, den Sound und das Songwriting von Love Is Hell als das herausragende und eigenständigste seines bisherigen Schaffens zu definieren, nur weil die üblich assozierten musikalischen Referenzen hier nicht so deutlich bedient werden wie man es erwarten hätte können. Für mich liegt Adams´Stärke gerade auch darin musikalische Traditionen aufzugreifen und aus ihnen neue Songs zu schöpfen ohne sie bloß zu kopieren oder zu imitieren. Wenn du sagst


Man hört hier nicht etwa einen weiteren jungen Künstler, der angestrengt versucht, sich aus seiner heißgeliebten Plattensammlung etwas Eigenes zusammenzuschustern,...

könnte man meinen, dass du in Ryan Adams Platten, ausgenommen eben von Love Is Hell, eigentlich auch nur ein Sammelsurium von ausgelutschten musikalischen Zitaten siehst. Ich weiß natürlich, dass das nicht so ist, merke aber, dass wir unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen an seine Musik stellen. Aber es spricht ja eigentlich auch für Adams, wenn man sich aus verschieden Richtungen seinem Fundus nähern kann ;-).

tina toledo
13.09.2006, 23:07
Für mich liegt Adams´Stärke gerade auch darin, musikalische Traditionen aufzugreifen, aus ihnen neue Songs zu schöpfen ohne sie bloß zu kopieren oder zu imitieren.
Absolut. Das trifft auch für mein Empfinden genau so auf "Heartbreaker", "Cold Roses" und "Gold" zu. Alles drei wunderbare Alben, aber eben auf sehr andere Weise. Ohne "Love Is Hell" wäre Ryan Adams für mich ein großartiger, herausragender Künstler, "Love Is Hell" aber setzt das Ausrufezeichen dahinter, dass er eben der Größte seiner Generation ist. Der von dir zitierte Satz bezieht sich nicht auf Ryan Adams (vielleicht hast du Recht, dass das an der Stelle etwas missverständlich ist), sondern allgemein auf viele junge Künstler, deren Musik oft mehr Hommage ist als etwas Eigenes. Die einzigen beiden der sieben Ryan Adams-Alben, bei denen ich eben diesen Eindruck habe, sind die beiden von mir erwähnten, "Rock´n´Roll" und stellenweise "JCN" (und schon wieder muss ich auf deinem Liebling herumhacken...:-))...
Ist das jetzt etwas verständlicher geworden?


Aber es spricht ja eigentlich auch für Adams, wenn man sich aus verschieden Richtungen seinem Fundus nähern kann .

Genau.:-)


@wa: Freut mich, dass dich der Text motivieren konnte, es mit der Platte noch einmal zu versuchen...

Bullitt
13.09.2006, 23:20
Absolut. Das trifft auch für mein Empfinden genau so auf "Heartbreaker", "Cold Roses" und "Gold" zu. Alles drei wunderbare Alben, aber eben auf sehr andere Weise. Ohne "Love Is Hell" wäre Ryan Adams für mich ein großartiger, herausragender Künstler, "Love Is Hell" aber setzt das Ausrufezeichen dahinter, dass er eben der Größte seiner Generation ist. Der von dir zitierte Satz bezieht sich nicht auf Ryan Adams (vielleicht hast du Recht, dass das an der Stelle etwas missverständlich ist), sondern allgemein auf viele junge Künstler, deren Musik oft mehr Hommage ist als etwas Eigenes. Die einzigen beiden Ryan Adams-Alben, bei denen ich eben diesen Eindruck habe, sind die beiden von mir erwähnten, "Rock´n´Roll" und stellenweise "JCN" (und schon wieder muss ich auf deinem Liebling herumhacken...:-))...
Ist das jetzt etwas verständlicher geworden?


Yep, ich denke ich weiß was du meinst, wenngleich ich es auch nicht ganz teilen kann, wie du weißt, aber ich lasse die Jacksonville Debatte jetzt erst mal bei Seite ;-)

firecracker
13.09.2006, 23:51
das sehe ich sehr ähnlich wie bullitt (wenngleich mir jcn auch nicht so gefällt. aber eher der produktion/der arrangements wegen, und nicht so sehr, weil ich meinte, es wäre nicht eigenständig genug.).

schön aber deine einschätzung zu lesen, tina. :wave:

Sweetheart
14.09.2006, 00:30
Tina, das hast Du wirklich sehr schön geschrieben! :liebe:
Schlußendlich hast Du mich sogar dazu bewegt jetzt gleich "Love Is Hell" zu hören. Ein größeres Kompliment kann es kaum geben.
Selbst schätze ich das Album auch sehr, gerade weil es nicht der typisierte Adams ist. Nur traurig, dass Lost Highway da komplett anderer Meinung war bzw. etwas länger brauchte bis sie diese Eigenständigkeit erkannten.

gastrisches_greinen
14.09.2006, 02:39
Ganz großartiger, sehr berührender und mit viel Gespühr für die Feinheiten des Albums geschriebener Text. Wow, was für ein Auftakt. Man merkt, daß das Album dir sehr sehr am Herzen liegt und ich habe größten Respekt davor, ein solch persönliches Werk an den Anfang des Threads zu stellen. Für mich einer der besten Texte,den es hier im Forum gibt. Muß mir in den nächsten Tagen auch unbedingt nochmal mit deinem Text als Wegweiser das Album anhören, es ist für mich aber prinzipiell auch das liebste Ryan-Adams-Werk.

Mikko
14.09.2006, 11:10
Ich kann mich dem Lob meiner Vorredner nur anschließen.
Obwohl mir seinerzeit "Rock'n'Roll" mehr Freude bereitete und ich "Love Is Hell" als etwas zu ruhig, zu intim empfand, verstehe ich sehr gut, wie es Dir geht, Tina.

Weiter so!

Vega4
14.09.2006, 11:15
Für mich ist "Love is hell" sein MeisterwerK! Ich wundere mich, dass hier so wenige wie Tina empfinden....

Sehr schöner Text der Freude auf mehr macht.

nikodemus
14.09.2006, 11:49
Liebe Tina,
natürlich freut es mich, dass du auch angefangen hast, deine Faves vorzustellen und klar, dass du mit deiner #1 anfängst. Love Is Hell hab ich zwar schon seit der Veröffentlichung im Schrank stehen, leider wird es nicht oft aufgelegt, das werde ich aber sogleich ändern. Sehr intime, berührende Worte von dir, die mich nachvollziehen lassen, warum dir das Album so viel bedeutet. Ich freue mich auf zukünftiges (und bitte nicht immer auf meine Produktivität einhauen, die hat schon deutlich abgenommen und sollte nie so erdrückend wirken...)

Malibu
14.09.2006, 13:33
Ein schöner Text und noch eine Fave-Thread, klasse!

Da ich mit Ryan Adams bisher nicht so viel anfangen konnte, machst du mich neugierig. Werde ihm vielleicht noch mal eine letzte Chance geben und mir 'Love is hell' mal in der Stadtbücherei ausleihen.

tina toledo
14.09.2006, 16:25
@Sweetheart & Vega: Schön, dass ihr das Album ähnlich seht wie ich...:-)

Aber gerade weil ich wusste, dass die meisten das eben nicht tun, habe ich genau dies Album gewählt. Als Anreiz für Leute, die damals keinen Zugang zum Album gefunden haben, es noch einmal aufzulegen, und vielleicht sogar für solche, für die Ryan Adams bisher in der besagten Americana-Schublade steckte, ein Album abseits dieses Kosmos kennenzulernen. Ich werde auch in Zukunft aus meiner Top100 eher Alben ohne allgemein anerkannten Klassikerstatus zur Vorstellung herauspicken.

Achja: Danke auch an firecracker, Mikko, Niko und Malibu!

Sonic Juice
14.09.2006, 19:54
Nur eine kurze Meldung von unterwegs: So richtig in Ruhe studieren konnte ich den Text noch nicht, aber schon das erste Lesen hat mich wirklich sehr berührt. Freut mich total, dass man von Dir jetzt noch mehr und ausführlicher lesen wird!

Mit "Love Is Hell" hast Du Dir ja gleich zu Anfang schon einiges vorgenommen, gerade weil Du mit dem Album so viel verbindest und es Dir soviel bedeutet (diesen Mut habe ich selbst noch nicht, ich muss mich erstmal warmschreiben ;-)). Deshalb höchsten Respekt! Finde ich auch deshalb besonders verdienstvoll und lesenwert, weil es eben nicht das klassische Adams-Konsens-Album ist, das sich sowieso jeder auf Anhieb erschließt. Es ist sicherlich das Adams-Werk, welches am meisten verdient, dass einen jemand bei der Hand nimmt und mit der Taschenlampe auf die funkelnden Stellen leuchtet.

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf, wenn ich das Album am Wochenende auflegen kann und dazu dann noch mal ausführlicher Deine "Liner-Notes" lese. :wave:

weilstein
14.09.2006, 20:10
Toll, Tina!

Ah Um
14.09.2006, 21:43
Ich weiß zwar nicht genau, worüber du da schreibst (ich kenne das Album nicht), aber der Text ist wirklich sehr schön.

AMY
14.09.2006, 22:04
@ah um!!!unbedingt anhören,noch besser kaufen und ich garantiere dir deine entdeckung des lebens,diese platte wirst du in alle erwigkeit lieben......

Ah Um
15.09.2006, 14:54
@ah um!!!unbedingt anhören,noch besser kaufen und ich garantiere dir deine entdeckung des lebens,diese platte wirst du in alle erwigkeit lieben......

:wow: Garantierte Liebe bis in alle Ewigkeit! Das ist mal Wort!:angel:

Wischmop
15.09.2006, 15:40
Toller Start, hätte nicht gedacht, daß da nach den Vorgängerthreads sogar noch eine Steigerung möglich sein könnte (wenngleich die natürlich unmöglich durchzuhalten erscheint). Wenn ich mir LIH das nächste Mal anhöre, dann werde ich mit deinem review vor Auge endlich auch mal auf die Texte achten, so dunkel, traurig oder gar depressiv hatte ich die Platte bis auf das großartige "Shadowlands" jedenfalls nicht in Erinnerung (eher teilweise etwas 'whiny', aber da muß ich Gespenster gesehen haben ;-)). Freu mich schon auf die weiteren Threadfolgen!

tina toledo
15.09.2006, 20:04
Es ist sicherlich das Adams-Werk, welches am meisten verdient, dass einen jemand bei der Hand nimmt und mit der Taschenlampe auf die funkelnden Stellen leuchtet.
Schön gesagt!:-)

Vielen Dank an weilstein, Ah Um und Wischmop!

Norbert
15.09.2006, 20:54
Ein beeindruckender Text zu einem herausragenden Album, Tina.

Auch ich verstehe nicht, warum sich einige Ryan Adams Fans mit diesem Werk so schwer tun.

Ich habe das Album als Doppel 10" und in Form zweier CD-EPs. Die beiden CDs habe ich mir wegen der Bonus-Tracks gekauft. Im Nachhinein halte ich diese Tracks aber für verzichtbar, da sie sich nachteilig auf den Gesamteindruck des Werks auswirken.

tina toledo
15.09.2006, 21:01
Ich habe das Album als Doppel 10" und in Form zweier CD-EPs. Die beiden CDs habe ich mir wegen der Bonus-Tracks gekauft. Im Nachhinein halte ich diese Tracks aber für verzichtbar, da sie sich nachteilig auf den Gesamteindruck des Werks auswirken.
Ging mir genauso. "Halloween" ist großartig, gehört aber für mich nicht zum Album. Die übrigen Bonus Tracks sind verzichtbar, ja. Ich habe das Album auch erst als zwei EPs gekauft, dann aus eben diesem Grunde auf Vinyl als 10", und jetzt nochmal als ein Album auf CD, wegen des wunderbaren "Anybody Wanna Take Me Home", welches damals ja aus mir unerklärlichen Gründen zuerst auf "Rock´n´Roll" gelandet war...

Mistadobalina
15.09.2006, 21:04
Aufgrund deiner engagierten, einfühlsamen Besprechung werde ich am Wochenende das Album auch noch einmal hören. Freue mich schon drauf!

Norbert
15.09.2006, 21:06
.....und jetzt nochmal als ein Album auf CD, wegen des wunderbaren "Anybody Wanna Take Me Home", welches damals ja aus mir unerklärlichen Gründen zuerst auf "Rock´n´Roll" gelandet war...

Diesen Track kenne ich noch gar nicht. Muss ich mir bei Gelegenheit mal anhören.

Bullitt
15.09.2006, 21:08
Auch ich verstehe nicht, warum sich einige Ryan Adams Fans mit diesem Werk so schwer tun.

Ich habe das Album als Doppel 10" und in Form zweier CD-EPs. Die beiden CDs habe ich mir wegen der Bonus-Tracks gekauft. Im Nachhinein halte ich diese Tracks aber für verzichtbar, da sie sich nachteilig auf den Gesamteindruck des Werks auswirken.

Wie Tina ja schon richtig beschrieben hat fällt das Album ja etwas aus dem Rahmen. Wer sich also besonders von den Einflüssen traditionellem amerikanischen Folk und Country in Adams´ Musik angesprochen fühlt wird auf Love Is Hell nicht gerdae üppig bedient. Von daher eigentlich nicht soo überraschend.

Das du die Bonustracks für verzichtbar hälst überrascht hingegen mich. Halloween ist in meinen Ohren der herausragendste Track auf den EPs.

edit
Sorry, war etwas zu lahm beim Tippen, Tina hat ja schon auf Halloween hingewiesen :-)

Sonic Juice
15.09.2006, 21:11
Das du die Bonustracks für verzichtbar hälst überrascht hingegen mich. Halloween ist in meinen Ohren der herausragendste Track auf den EPs.

Sehe ich auch so wie Du und Tina. Für mich sogar mein liebster Adams-Track überhaupt.
Passt aber stimmungsmäßig vielleicht wirklich nicht so perfekt in den Love Is Hell-Kontext. Und als Bonus-Track ist er unnötig verheizt.

Bullitt
15.09.2006, 21:14
Und als Bonus-Track ist er unnötig verheizt.

Wohl wahr, vor allem auf den EPs, die vermutlich keine Mensch mehr kauft, weil es das Album gibt.

Norbert
15.09.2006, 21:16
Nach so viel Lob muss ich mir "Halloween" nochmals separat anhören.

AMY
15.09.2006, 21:26
ich kenn die beiden eps nich,hab bloss das album..aber würde es sich eucher meinung nach lohnen die aufzutreiben???

Bullitt
15.09.2006, 21:29
ich kenn die beiden eps nich,hab bloss das album..aber würde es sich eucher meinung nach lohnen die aufzutreiben???

Zumindest lohnt es sich Halloween aufzutreiben.

AMY
15.09.2006, 21:33
Zumindest lohnt es sich Halloween aufzutreiben.

gut dann kuk ich mal wo ich das krieg.....danke:-)

nikodemus
15.09.2006, 23:58
Ganz ehrlich, Halloween ist toll, aber Caterwaul treib mir immer einen Schauer über den Rücken...den find ich viel fantastischer...trotz des Endes....

AMY
16.09.2006, 00:10
denn song kenn ich nich.wo is der drauf??.hab mir vorhin gleich wieder das album angehört...diese songs bringen mich zum heulen...(oh gott ich werd noch labil):lol:

nikodemus
16.09.2006, 00:12
Ist ein Bonustrack von der ersten EP...ich hab die beiden EP's eh noch nie hintereinander gehört, sollte ich vielleicht mal machen. (Ob das wirklich passt....mmh)

AMY
16.09.2006, 00:21
ach ich hab eben die Eps nich.......hmmm
wieso sollte das nich passen??*wunder*

candycolouredclown
16.09.2006, 12:43
Ganz ehrlich, Halloween ist toll, aber Caterwaul treib mir immer einen Schauer über den Rücken...den find ich viel fantastischer...trotz des Endes....

Bis auf den letzten Punkt vollste Zustimmung, denn ich finde auch das Ende von "Caterwaul" großartig. Die Trommeln sind für mich der Höhepunkt in der musikalischen Dramaturgie des Songs.
Für mich wahrscheinlich der beste Ryan Adams Song.

Un noch ein ganz großes Kompliment an Tina für diesen wundervollen Text.

tina toledo
16.09.2006, 16:55
@Candy: Danke dir. Ich mag "Caterwaul" auch sehr gerne, der Song gehört nur, da ich wie gesagt von Anfang an hauptsächlich die Doppel-LP ohne Bonus Tracks gehört habe, für mich ebenfalls nicht wirklich zum Album. Auch wenn er in Punkto Stimmung und Instrumentierung schon deutlich eher auf "Love Is Hell" passt als "Halloween".

@Mista: Das freut mich wiederum.:-)

candycolouredclown
16.09.2006, 23:06
@Candy: Danke dir. Ich mag "Caterwaul" auch sehr gerne, der Song gehört nur, da ich wie gesagt von Anfang an hauptsächlich die Doppel-LP ohne Bonus Tracks gehört habe, für mich ebenfalls nicht wirklich zum Album.

Ich habe nur die beiden EPs und die bis auf ein einziges Mal auch nur seperat (also auch nie am gleichen Tag) gehört. Und dann auch immer inklusive der "Bonustracks", die in diesem Fall für mich auch keine Bonustracks sind.
Mit "Part 2" wurde ich aber eh nie so richtig warm.

tamy
02.10.2006, 22:55
ich kann mich da nur amy anschließen..mir standen beim lesen die tränen in den augen.Wirklich,du hast genau das auf den punkt gebracht,was ich fühle,wenn ich dieses album höre.man fühlt sich so..leer und verzweifelt und gleichzeitig froh,weil es jemanden gibt,der es schafft,genau das zu sagen,was man selbst nicht ausdrücken kann.

vielen dank für diesen tollen post!!!
einfach eines der genialsten alben überhaupt....

tamy
02.10.2006, 22:57
oh..sry..nich ,gesehn das hier schon so viel geschrieben wurde...also ich habs grad zum ersten mal gelesen...lol

Mick67
02.10.2006, 23:26
Tina, ich will ja nicht drängen, aber wann kommt Deine nächste Besprechung?
Vielleicht "After the Gold Rush"; ich will endlich verstehen, was daran so toll sein soll.

Mark Oliver Everett
02.10.2006, 23:35
das ist u.a. ein grund warum ich mom. keinen eigenen fave-thread eröffnen werde. steht man dann immer unter zugzwang. natürlich ganz zu schweigen davon, dass ich nicht solche geilen texte wie tina oder niko hinbekommen würde.

OldBoy
02.10.2006, 23:37
Wenn du besser schreibst, als kochst, seh ich da keine weiteren Hürden.

Mick67
02.10.2006, 23:42
Wenn du besser schreibst, als kochst, seh ich da keine weiteren Hürden.

Meinst Du, es ist sinnvoll, den Maßstab so niedrig anzusetzen? ;-)

gastrisches_greinen
02.10.2006, 23:43
Tina, ich will ja nicht drängen, aber wann kommt Deine nächste Besprechung?
Vielleicht "After the Gold Rush"; ich will endlich verstehen, was daran so toll sein soll.

Na ja, bis sie wieder von den Ryan-Adams-Konzerten da ist, wird's wohl dauern... Also heißt's erstmal Geduld haben.

(Ich würde mich allerdings über ein etwas weniger Kanon-mäßiges Album freuen, wenn "After The Gold Rush" auch freilich toll ist.)

Mark Oliver Everett
02.10.2006, 23:46
hey, mein fondue ist ein echter genuss! das familienrezept hat mein vater an mich weitergegeben und ich gebs dann an meine kinder weiter u.s.w. ansonsten ist kochen nicht unbedingt die stärke der männer in dieser familie. dafür kann ich die nummer des pizzakuriers mittlerweile auswendig - 062/9227533 :-)

so, und jetzt wieder zum thema. bericht zu after the goldrush würde mich auch sehr freuen! :-)

Mick67
02.10.2006, 23:47
Na ja, bis sie wieder von den Ryan-Adams-Konzerten da ist, wird's wohl dauern... Also heißt's erstmal Geduld haben.

(Ich würde mich allerdings über ein etwas weniger Kanon-mäßiges Album freuen, wenn "After The Gold Rush" auch freilich toll ist.)

Ach stimmt ja, der Meister ist gerade auf Tour. :-)

frankie lee
07.10.2006, 16:04
Sehr schöner Text, Tina!
Ich entdecke das Album gerade wieder neu. Ist wohl zusammen mit Heartbreaker das beste was Ryan Adams bis jetzt veröffentlicht hat.

tina toledo
08.10.2006, 23:09
ich kann mich da nur amy anschließen..mir standen beim lesen die tränen in den augen.Wirklich,du hast genau das auf den punkt gebracht,was ich fühle,wenn ich dieses album höre.man fühlt sich so..leer und verzweifelt und gleichzeitig froh,weil es jemanden gibt,der es schafft,genau das zu sagen,was man selbst nicht ausdrücken kann.

Schön, dass du das auch so empfindest!

Tina, ich will ja nicht drängen, aber wann kommt Deine nächste Besprechung?
Vielleicht "After the Gold Rush"; ich will endlich verstehen, was daran so toll sein soll.
Eher nicht, da ich, wie schon geschrieben, mich eigentlich eher Alben ohne allgemein anerkannten Klassikerstatus widmen wollte. Ich fürchte aber, dass auch meine Gedanken zum Album es bei dir nicht auf einmal zu einem all-time fave wachsen lassen würden. Obwohl: Bei "Chaos And Creation..." hat das penetrante Gehype meinerseits ja schlussendlich auch etwas bewirkt...:-)

Ach stimmt ja, der Meister ist gerade auf Tour. :-)
Yep, und die ist für mich auch erst Mitte des Monats vorbei. Und dann kommt das Studium. Kann also noch ein Weilchen dauern...

Sehr schöner Text, Tina!
Ich entdecke das Album gerade wieder neu. Ist wohl zusammen mit Heartbreaker das beste was Ryan Adams bis jetzt veröffentlicht hat.
So ist es. :wave:

j.w.
09.10.2006, 00:03
Oh, den Thread habe ich bislang übersehen! Love is hell ist mir auch eins meiner liebsten RA-Alben, weil es letztendlich das Album von ihm war, dass mich persönlich mit ihm verbunden hat, wie es Heartbreaker und Gold (die ich teilweise für musikalisch und songmäßig stärker halte) trotz ihrer Klasse nicht schafften. Du hast wunderbar beschrieben was dieses Album ausmacht, ich liebe ja ganz besonders die wunderbar mysteriöse Nummer "This house is not for sale". "What happened in that car that night?" Großartig. Hoffe sehr, dass er es in Ludwigshafen live spielt! Eine kleine Chance gibt es ja! :-)

Faspotun
09.10.2006, 00:46
Und dann kommt das Studium.

Ach was, Studium ist doch nicht so wichtig... ;-)

Flash
09.10.2006, 00:53
Und dann kommt das Studium.


Dürfte ich fragen, was es denn wird?

tina toledo
09.10.2006, 09:51
Du hast wunderbar beschrieben was dieses Album ausmacht, ich liebe ja ganz besonders die wunderbar mysteriöse Nummer "This house is not for sale". "What happened in that car that night?" Großartig.
Ja, die Stelle ist toll! Und: "I remember lying on the bedroom floor, you on me, little honey, kissing my soul...". Gänsehaut!

Ach was, Studium ist doch nicht so wichtig... ;-)
Hmm. Ich denke schon, dass es keinen schlechten Eindruck macht, wenn man wenigstens in seinen Einführungs- und Orientierungsstunden (sowohl physisch als auch gedanklich) anwesend ist.;-)

Dürfte ich fragen, was es denn wird?
Islamwissenschaften, mit den Nebenfächern Indologie und Philosophie.

Faspotun
09.10.2006, 09:56
Islamwissenschaften, mit den Nebenfächern Indologie und Philosophie.

Ein profanes Mainstream-Studium also. [/off-topic]

Flash
09.10.2006, 14:23
Islamwissenschaften, mit den Nebenfächern Indologie und Philosophie.

Sehr interessant. Achtung allerdings bei Philosophie vor dem ollen Kant...der ist sterbenslangweilig;-). Dafür ist sein Widersacher Nietzsche toll. :fencing:

gastrisches_greinen
09.10.2006, 14:48
Sehr interessant. Achtung allerdings bei Philosophie vor dem ollen Kant...der ist sterbenslangweilig;-). Dafür ist sein Widersacher Nietzsche toll. :fencing:

Bei den ganzen Neokantianern an der Kieler Uni wird sie aber mit Nietzsche ganz schön auf Granit beißen... Phänomenologen und Neokantianer, das bestimmt hier ziemlich das Bild. Für Nietzsche muß man dann Literaturwissenschaften studieren. Da wird der sehr geschätzt (und natürlich die obligatorischen Foucault und Derrida). Man muß nicht dazusagen, daß beide Fachbereiche sich nicht besonders schätzen... Wenn man als LitWis-Student Philosophie als Nebenfach studiert, bekommt man das schon zu spüren...

tina toledo
02.11.2006, 19:33
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/thumb/b/b1/Oasis_-_(What's_The_Story)_Morning_Glory_album_cover.jpg/200px-Oasis_-_(What's_The_Story)_Morning_Glory_album_cover.jpg

Oasis – (What´s The Story) Morning Glory
(Helter Skelter (Sony) – 1995)

Zur Begrüßung ein „Hello“ mit dem Schlagstock: kurz ein paar leise Akustik-Klänge, dann der Bruch, die kurz aufgluckernde Gitarre, und schon die volle Dröhnung. „I don't feel as if I know you, you take up all my time“: das eigenartige selbstzerstörerische Element in der Stimme, dann die etwas versöhnlichere, aber nicht minder druckvolle Refrain-Melodie, das schräge Echo „it's good to be back, good to be back“, jaulende, dröhnende, überlappende Gitarren, grimmig-rumpelndes Schlagzeug, und dann der finale Beckenschlag - ein Schaudern im Nacken. Und schon ist der Spuk vorbei. Aber die Welt scheint eine andere als noch vor drei Minuten und siebzehn Sekunden.
Jeder hat in der Kindheit und Jugend Hörerlebnisse, die so einschneidend sind, dass er sie nie mehr vergisst. Zu meinen allerersten dieser Sorte gehörten die 50 Minuten, die ich mit 10 Jahren in der Ecke meines Kinderzimmers hockend, mit diesem soeben aus der Plattensammlung meines Vaters stibitzten Album verbrachte. Das erste Mal das himmlische „Don' t Look Back In Anger“ zu hören, auf einmal Gänsehaut zu bekommen, und den Drang zu verspüren, im Zimmer herumzuhopsen vor Glück - das waren Momente, die sich langfristig ins Hirn brannten. Wann immer ich fortan die Chance bekam: Tür zu, Augen zu, Kopfhörer auf. Das Mitsingen bei „Morning Glory“ mit dem Kamm vor dem Spiegel, die verzweifelten Versuche, die entspannt-holpernden Drumschläge von „Wonderwall“ synchron auf der Bettkante zu schlagen, dem Wellenrauschen und den Anfangstakten von „Champagne Supernova“ zu lauschen - das war etwas völlig Neues, Aufregendes, Durchdringendes. Keine Frage, über diese Band musste man einfach alles wissen, und am liebsten sofort.


Bereits Wochen und Monate vor Veröffentlichung von „Morning Glory“ war die Band in den britischen Klatschmagazinen, allen voran den von Minute eins an bedingungslos Oasis ergebenen NME und Melody Maker, omnipräsent gewesen – selbst die britischen Äquivalente zu Tagesthemen und Tagesschau berichteten regelmäßig. Oasis in Glastonbury - Oasis in Roskilde - Noel mit Paul Weller - Liam mit Photomodel – Oasis feuern Drummer - Noel verlässt Oasis, etc. Hype und Diffamierung - seitens der Medien wurde alles hemmungslos ausgeschlachtet, und die Band lieferte, zumindest in den ersten Jahren, durchaus bewusst und in Mengen das zähe Rohfleisch. Drogenexzesse, Affairen, Schlägereien, kontroverse Interviews - Oasis lebten und verkörperten den Rock'n'Roll, den grenzenlosen Hedonismus.
Die mit Abstand schlagzeilenträchtigste Begebenheit war das von Presse und Band bis zur Absurdität hochstilisierte „battle of the bands“ im Juli 1995 (kurz vor Erscheinen von „Morning Glory“), als sowohl Oasis als auch Damon Albarns Blur bekannt gaben, am selben Tag eine neue Single zu veröffentlichen. Die bereits zweite Vorab-Single-Auskopplung „Roll With It“ (freilich nur mäßig spannend und rückblickend einer der schwächeren Tracks auf „Morning Glory“) zog gegenüber Blurs „Country House“ recht deutlich den Kürzeren. Doch schon bald wurde klar, dass Oasis, am kommerziellen Erfolg gemessen, noch meilenweit an Blur vorbeiziehen und die allerschwindeligsten Höhen des Pophimmels erklimmen würden.
„Morning Glory“ erscheint in Großbritannien am 29. September 1995 und wird dort schnellstverkauftes Album seit Michael Jacksons „Bad“. Und nach VÖ der beiden Singles „Wonderwall“ und „Don't Look Back In Anger“ im Oktober gleichen Jahres bzw. Februar des darauf folgenden Jahres, wird „Morning Glory“ auch international zum Megaseller, mit nahezu 10 Millionen verkauften Exemplaren innerhalb des ersten Jahres. Interessanterweise waren die frühen Kritiken zu „Morning Glory“ im Vergleich zu denen des Debuts meist einigermaßen verhalten. Keine Totalverrisse, aber auch wenig Begeisterungsstürme. Besonders in Großbritannien schien man, zumindest anfangs, doch einigermaßen irritiert von Oasis' Zweitwerk.

Denn seit dem Debut „Definitely Maybe“ hatte die Band, ganz abseits aller unreifer medialer Auftritte, eine erstaunliche musikalische Entwicklung vollzogen. Ein ordentliches Stück der naiv-großmäuligen Unbedarftheit, die „Definitely Maybe“ noch zu einem nicht unwesentlichen Teil ausgemacht hatte, war gewichen, gleichzeitig war Noel als Songwriter gewachsen, und erblüht war ein glorioses, nahezu perfektes Popalbum. Die Band spielte merklich differenzierter und melodiedienlicher, Produktion und Arrangements waren sehr viel komplexer und durchdachter, an manchen Stellen erstaunlich detailverliebt. Noel schrieb immer noch melodieselige Hymnen, aber nun teilweise von verblüffend abgeklärter, subtiler Schönheit - wobei Liams charismatisch-raue, immer leicht näselnde Vocals, obwohl ebenfalls feinsinnigere Untertöne entwickelnd, jede traumwandlerische Noel-Komposition davon abhielt, an irgendwelche Kitschgrenzen zu stoßen.
Die Texte waren dabei im Prinzip immer noch simpel und direkt, doch während bisher im Wesentlichen hedonistische Parolen (a la “Is it worth the aggrivation to find yourself a job when there's nothing worth working for?/It's a crazy situation, but all I need are cigarettes and alcohol“) und mittelwertvolle (wenn auch freilich wirkungsvolle) Wegwerf-Lyrics die Essenz der Oasis-Texte gebildet hatten, tauchten auf dem Zweitwerk erstmals Irrwege, Zweifel, Reue und Verlust im Oasis-Vokabular auf. „Here's a thought for every man who tries to understand what is in his hands“ singt Liam mit leicht gebrochener Stimme in „Cast No Shadow“. “Here's a "thought“?? Was war aus all den glasklaren Ansagen, den scheinbar simplen Antworten zum Leben geworden, die Oasis auf dem Debut noch rotzig und wie selbstverständlich herausspuckten? Keine Frage, der ältere Gallagher hatte begonnen, etwas sorgfältiger zu reflektieren, und dies schlug sich auch in den Lyrics nieder. Und doch war er im Prinzip immer noch ein eher fauler Texter - nie hatte er einen Hehl daraus gemacht, dass es ihm stets in erster Linie um die Melodie und die Arrangements ging - und viele Lyrics schienen weiterhin mehr wie Skizzen, und manches einfach komplett sinnfrei. Im Übrigen hatten die Lieblingsrivalen von Blur natürlich von Anfang an den fraglos intellektuelleren Ansatz gehabt, waren musikalisch und textlich mutiger und ambitionierter, und natürlich war Oasis in der öffentlichen Wahrnehmung immer die großmäulige working-class-band für´s einfache Volk gewesen, und daran änderte sich im Prinzip auch auf dem Zweitling nichts Grundlegendes. Kern und Motor eines jeden Tracks war immer noch stets ein Gefühl, und kein Gedanke. Und doch erweiterten Oasis ihr Spektrum mit „Morning Glory“ kompositorisch, textlich und arrangement-technisch um eine Vielzahl von Farben.
In gewisser Weise ist das Zweitwerk, freilich relativ gesehen, Oasis' bescheidenstes, moderatestes und abgeklärtestes Werk. Produktion und Texte bezüglich stapelte die Band, im Vergleich zum Vorgänger, auf einmal ein ganzes Stück tiefer. Diese feinsinnigeren, introspektiveren Noel-Kompositionen gab es zwar auch später immer wieder, aber auf den beiden Nachfolgern (und insbesondere auf „Be Here Now“), drohten sie teilweise durch die äußerst pompöse, schwerfüßige Breitwandproduktion, und die dicht-gewebten Gitarrenwände, erdrückt zu werden. Auf „Morning Glory“ atmen die wundervollen Melodien, es schweben die Songs. Zwar dröhnt und scheppert genauso oft die Gitarre, kloppt und hämmert das Schlagzeug, bricht die Stimme - doch eben alles in songdienlichem Maße, die Melodien mal feiner, und mal grober umrahmend. Das Album schlug langsam aber sicher ein, und die Musikwelt feierte und feierte. Und feiert immer noch, rückblickend eins der fraglos größten Pop-Alben der 90er.
„Morning Glory“ bildete gewissermaßen den Beton-Sockel um das, zu dem Oasis werden sollten: Eine feste Institution, und wie selbstverständlich Teil des rot-weiß-blau schimmernden britischen Kulturguts. Unmengen aktueller britischer Künstler berufen sich auf Oasis, Bands wie die schwedischen Mando Diao inszenieren sich bewusst als Weiterführung der Phänome Beatles und Oasis, inklusive Referenzen, Zitaten und Gallagher'schem Größenwahn.
Noel gab einmal ganz zu Anfang seiner Karriere, für seine Verhältnisse noch bescheiden, zu Protokoll: „That's all I really want out of this: If five years after Oasis broke up, a thousand new bands will be out there, we'll have done a good job.“ Die Anzahl der von Oasis inspirierten Bands sollte diese Zahl längst überschritten haben - und die Band steht und inspiriert immer noch. Auch wenn sie wohl nie wieder so himmlisch gut sein werden wie auf “Morning Glory”, man selber inzwischen vielleicht andere Herangehensweisen an Musik entwickelt hat, und man diese sorgenfreien Momente in der Jugend, in denen nichts auf der Welt zu existieren schien außer einem selber und dieser Musik, wohl genau so nicht wieder erleben wird - im Herzen wird man sie trotzdem weiter mit sich tragen, sie hin und wieder, wenn sie ein bisschen Staub anzusetzen drohen, abklopfen, und eine Oasis-Platte auflegen.

Flash
02.11.2006, 19:48
Schöner Text zum zweitbesten Album aller Zeiten mit der besten Single aller Zeiten! Jedes mal wenn ich dieses Album höre kommen mir sofort hundertausend Erinnerungen in den Kopf, das ist einzigartig! Hast mich grad dazu gebracht sie sofort nochmal aufzulegen...

Sommer
02.11.2006, 20:00
Auf das Album habe ich gewartet! Ein sehr schöner, teilweise persönlicher Text, der mir aus dem Herzen spricht. Das was du da beschreibst, der Moment wenn man ganz alleine auf der Welt ist mit der Musik, ist bei mir bei keinem Album so intensiv wie bei diesem. Ich muss sie wohl gleich mal auflegen...

Sweetheart
02.11.2006, 20:16
Danke, tina! Einen sehr detailgetreuen Text inklusive gut geschilderter Erlebnisse hast Du da geschrieben. Ja, Deine Worte bringen einen stets in die Versuchung das jeweilig von Dir rezensierte Album zu hören und Deine Abhandlung nachzuvollziehen. So auch in diesem Fall. Ich höre Morning Glory gerade. Für mich ist es ebenso wie für Dich ein Meilenstein britischer Musik der 90er, auch deshalb, weil ich sehr viele persönliche Erinnerungen mit den Songs verbinde und mich noch genau entsinnen kann als ich diese das erste Mal hörte. Zudem habe ich "Wonderwall", "Don't Look Back In Anger" usw. bestimmt ein paar hundert Mal auf MTV gesehen. Und ja, Oasis waren jederzeit besser als Blur.

Damals klare * * * * *, heute vielleicht * * * * 1/2. Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Text.

Belle
02.11.2006, 20:20
Sehr schöner Text, aber seltsamer weise hab ich beim lesen Blur gehört....

tina toledo
02.11.2006, 21:06
Danke, Sweetheart!

Zudem habe ich "Wonderwall", "Don't Look Back In Anger" usw. bestimmt ein paar hundert Mal auf MTV gesehen.
Tja, für MTV war ich damals noch zu klein, das durfte ich nur ganz selten mal für ein halbes Stündchen. Hab den Clip erst Jahre später das erste Mal gesehen...

Damals klare * * * * *, heute vielleicht * * * * 1/2.
Bei mir war´s eine Zeit lang auch mal bei ****1/2, in den letzten Monaten habe ich aber wieder jeden einzelnen Ton mit Haut und Haar lieben gelernt.

Sehr schöner Text, aber seltsamer weise hab ich beim lesen Blur gehört....
Das geht aber nun gar nicht!!;-)

(Ich mag Blur auch.)

Danke auch an Sommer und Flash!

Sommer
02.11.2006, 21:17
Bei mir war´s eine Zeit lang auch mal bei ****1/2, in den letzten Monaten habe ich aber wieder jeden einzelnen Ton mit Haut und Haar lieben gelernt.
Und bei mir war es ganz anderst: Zuerst (die ersten 3, 4 mal) empfand ich es als überladen. Als es dann aber "klick" gemacht hatte blieb es bis heute konstant bei * * * * * und ist seit ca. 1997 in meiner TOP10! Einfach ein moderner Klassiker wenn man so will ;-)

Herr Rossi
02.11.2006, 21:25
Das ist das Beste, was ich je über dieses Album gelesen habe. Und es hat für mich auch einen hohen Stellenwert. 1995 hatte ich mein Studium beendet und es wäre der normale Lauf der Dinge gewesen, aktuelle Popmusik aus den Augen zu verlieren, doch genau in dieser Hochphase des Britpop war sie für mich wieder so aufregend wie schon lange nicht - und Morning Glory ist einer der ganz großen Momente dieser Jahre.

Dick Laurent
02.11.2006, 21:36
witzigerweise hab ich das Album vor 2 Stunden gehört, ganz ohne vorher hier hereinzuschauen...
(aber das Debut bleibt für mich wesentlich bedeutender und auch besser!)

Mikko
02.11.2006, 22:48
Prima, Tina!
Sehr guter Text zu einem sehr guten Album. So lange ist das nun auch schon wieder her. Auch für mich das beste Oasis Album. Das Debüt folgt aber dicht auf, Dickie.

Herr Rossi
02.11.2006, 22:51
Prima, Tina!

(Ich hoffe ja, dass UKW hier auch noch mal eingehender gewürdigt werden.;-))

Clau
02.11.2006, 23:02
Das beste Oasis-Album ist natürlich Be Here Now...

Mick67
02.11.2006, 23:19
"Be here now" ist natürlich das zweitbeste Album hinter "Morning Glory" ;-)

Wieder mal klasse geschrieben, Tina!
Wiewohl ich natürlich Deine Entdeckergefühle für dieses Album für mich nicht reklamieren kann, einfach weil ich einiges älter bin. Es erinnert mich an meine Traineezeit nach dem Studium bei der zweitgrößten deutschen Bank.
Die CD lief wochenlang auf meinem Discman, während ich mit der S-Bahn zur Arbeit fuhr. Am liebsten hätte ich damals lauthals mitgesungen.

Die Rivalität zu Blur hat mich im übrigen nie interessiert, das war für mich reines Marketing Gedödel.

wa
02.11.2006, 23:26
Sehr gut geschriebener Text, auch wenn ich die Lobeshymne nur zum Teil nachvollziehen kann. Über Albumlänge finde ich keines der Oasis-Alben, die ich kenne (die ersten drei) restlos überzeugend. Dafür strahlen einige Diamanten immer umso heller.
Und die Qualität und Stärke eines Songs erkennt man nicht zuletzt daran, ob er mediale Dauerpräsenz unbeschadet übersteht. Und das ist ganz klar der Fall bei "Wonderwall" und "Don't Look Back In Anger", dem sogar der Dauereinsatz bei den Fernsehübertragungen während der EM '96 nichts anhaben konnte.

Mistadobalina
02.11.2006, 23:42
Ich schließ mich mal Rossi an, in der Tat ist dies das absolut schönste Review das ich über das Album gelesen habe. Ich kann das, was du Tina da schreibst, auch sehr gut nachvollziehen. Selbst ein g'standenes Weibsbild wie ich empfand bei dieser Platte wieder das lang vermisste Prickeln, das man immer bei tollen Songs hat, wenn man sie zum ersten Mal hört. (In der Tat hatte ich das Prickeln erst wieder bei Arcade Fire und das mag bei meinem Musik-Konsum schon was heißen).

Also: Heißen Dank für diesen Text, habe mich sehr darüber gefreut!

tina toledo
03.11.2006, 00:12
@Rossi & Mista: Puh! Vielen Dank, das ist das größte Kompliment, das ich mir wünschen könnte!

@Mick: Ja, umso interessanter, dass das Album so ein breites Publikum ansprach. Vom gerade erst aus der Grundschule und der schlimmsten aller Kelly-Phasen entwichenen fast-Teenie zum angehenden Banker.;-)

Edit: Und danke auch an Mikko und wa!

Mick67
03.11.2006, 00:21
...
@Mick: Ja, umso interessanter, dass das Album so ein breites Publikum ansprach. Vom gerade erst aus der Grundschule und der schlimmsten aller Kelly-Phasen entwichenen fast-Teenie zum angehenden Bänker.;-)
...Ja, das ist in der Tat ein Phänomen. Du bist aber vielleicht auch eine Ausnahme gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob viele Deiner Altersgenossen damals Oasis geschätzt haben. Banker bitte ohne "ä", bin da etwas allergisch ;-)

gastrisches_greinen
03.11.2006, 00:59
Ganz wunderbarer, sehr informativer Text, Tina, der sehr schön verdeutlicht, was Oasis dir bedeutet haben und sehr gut die zeitbezogene Bedeutung des Albums reflektiert. Ich muß zugeben, daß für mich Oasis über eine sehr lange Zeit nur verbunden war mit der handvoll Songs, die ich aus dem Radio kannte. "Champagne Supernova" hat davon den bleibendsten Eindruck hinterlassen, der hat mir schon damals sehr gefallen. Aber eigentlich war mir Brit-Pop, mit Ausnahme von Pulp und The Verve, während meiner Jugendzeit eher fremd, was natürlich auch an musikalischer Sozialisation lag. In meiner musikalischen Clique hatte man sich eher mit Grunge und Crossover beschäftigt und der Brit-Pop war und blieb eher ausgeblendet. Natürlich bekam ich am Rande etwas von dem "battle of the bands" mit, aber diese Geschichte machte sowohl Blur als auch Oasis für mich eher zusätzlich uninteressant.

Eigentlich hat diese Nichtbeziehung erst mit dem schönen und sehr wertgeschätzten Oasis-Mix, den du mir mal gemacht hast, aufgehört, durch den ich dann gemerkt habe, daß Oasis weitaus vielseitiger sind, als ich es erwartet hatte. Und nach mehrmaligem Hören hat es mich dann bewogen, mir zumindest "The Masterplan" und eben "Morning Glory" zuzulegen. (Dein missionarischer Eifer war also durchaus erfolgreich;-) ). Ich bin also quasi noch ein Oasis-Novize. Ich muß zugeben, daß ich immer noch die eher Oasis-untypischen Songs wie "Cast No Shadow" oder besonders "Half The World Away" am liebsten mag, Songs, die etwas intimer instrumentiert sind. Das liegt vor allem wohl daran, daß ich mit der Breitwandinstrumentierung im allgemeinen eher meine Probleme habe. Aber Stücke wie "Champagne Supernova" mit dem geradezu euphorisierenden Refrain (eine Qualität, die viele der Songs auf "Morning Glory" auszeichnet) und dem kräftigen Finish reißen mich schon sehr mit.

Schön, diese Band mit Anleitung deines Textes noch einmal neu entdecken zu können.

observer
03.11.2006, 08:30
Hallo Tina, ich kann deine Begeisterung für "(What´s The Story) Morning Glory" gut nachvollziehen, auch wenn ich selbst mittlerweile ein eher gespaltenes Verhältnis zur Band habe, was insbesondere am gelangweilt uninspirierten Eindruck liegt, den sie vor ca. 3 Jahren beim Konzert in HH hinterlassen haben. In meinem Freundeskreis bin ich sogar der einzige, der Oasis überhaupt was abgewinnen kann.
Aber ein schöner Text von dir, der das (jugendlich/kindliche) Euphorie-Empfinden beschreibt, wenn man eine bestimmte Musik nicht nur einfach hört, sondern durchlebt. Da bieten sich die frühen Oasis-Platten zweifellos an, wobei im direkten Vergleich natürlich "Definitely maybe" vorn liegt.

Sonic Juice
03.11.2006, 09:34
Grandioser Text, Tina! Nun bin ich doch wieder etwas neugieriger geworden.

Ich muss gestehen, dass ich das Album noch nie in Gänze gehört habe und nur die Singles kenne. Ich hatte mein Oasis-Experiment ja schon mit dem Debüt erfolg- bzw. folgenlos abgebrochen. Und "Wonderwall" und "Don´t Look Back in Anger" waren für mich damals lediglich zwei von vielen Pop-Singles, die im Radio rauf- und runtergespielt wurden. Eingängig ja, aber kein Grund, mich nochmal näher mit dem Album zu beschäftigen. Die Band war für mich vom Sound und Image her uninteressant. Auch an meinem damaligen Freundeskreis sind Oasis völlig vorbeigegangen, so dass ich mir das Album nicht mal probeweise hätte ausleihen können. Ich kenne eigentlich auch heute immer noch fast niemanden, der das Album bei sich herumstehen hat.

Naja, irgendwann werde ich mir "Morning Glory" wohl doch mal von vorne bis hinten anhören müssen, schon um mitreden zu können. ;-)

Mick67
03.11.2006, 09:48
.... Ich kenne eigentlich auch heute immer noch fast niemanden, der das Album bei sich herumstehen hat....Meinst Du nicht, daß es an der Zeit ist Dir Freunde zu suchen, die über 20 Jahre alt sind und nicht Britney Spears hören? :teufel:

Vega4
03.11.2006, 10:40
Wieder ein sehr schöner Text über einen Meilenstein der Musikgeschichte...

Go1
03.11.2006, 10:41
Ich kann mich den anderen nur anschließen: Das ist wirklich eine klasse Besprechung! Sachliche Beschreibung, Kontexte, persönliche Beziehung: alles da und gut dargestellt. Ich bin beeindruckt.

(Der Text macht mich fast noch mal neugierig auf das Album. Mein Verhältnis zu Oasis entspricht ja ungefähr dem von gastrisches_greinen und Sonic Juice; ich habe mir Morning Glory auch erst vor ein paar Jahren gekauft, um zu sehen, was es damit auf sich hat.)

Sonic Juice
03.11.2006, 10:44
Meinst Du nicht, daß es an der Zeit ist Dir Freunde zu suchen, die über 20 Jahre alt sind und nicht Britney Spears hören? :teufel:

Ach Mick, wenn Du wüßtest, wie dankbar ich für jeden Teen wäre, mit dem ich genüsslich "Born To Make You Happy" hören könnte!

Wischmop
03.11.2006, 12:14
@Tina: Sehr schönes Review, dein Detailwissen erstaunt mich immer wieder. Allerdings sehe ich das Album mittlerweilen etwas durchwachsen (ähnlich wie wa). Lärmende, pompöse Songs wie die beiden Eröffnungssongs, der Titelsong oder Hey Now! haben bei mir im Laufe der Zeit doch einiges eingebüßt (und m.E. auch keine überragenden Melodien), während der Rest, insbesondere die Klassiker Wonderwall, DLBIA + Champagne Supernova wirklich unverwüstlich sind und bleiben werden.

Wischmop
03.11.2006, 12:30
@Mick: Ja, umso interessanter, dass das Album so ein breites Publikum ansprach. Vom gerade erst aus der Grundschule und Kelly-Phasen entwichenen fast-Teenie zum schlimmsten aller angehenden Banker.;-)Ich denke, daß die Fußball-EM 96 und die tagtägliche Dauerberieselung mit DLBIA entscheidend zum phänomenalen Erfolg des Albums beigetragen hat. Jedenfalls hatte in meinem Freundeskreis plötzlich jeder die Platte (selbst die, die ansonsten so gut wie keine Musik-CDs kauften), wirklich ein Phänomen.


Interessanterweise waren die frühen Kritiken zu „Morning Glory“ im Vergleich zu denen des Debuts meist einigermaßen verhalten. Keine Totalverrisse, aber auch wenig Begeisterungsstürme. Besonders in Großbritannien schien man, zumindest anfangs, doch einigermaßen irritiert von Oasis´ Zweitwerk.Das stimmt in der Tat, vor allem im Q kam die Platte sehr schlecht weg (3 Sterne, schlechte Kritik), der Nachfolger Be Here Now dagegen wieder sehr gut (mit der Höchstwertung von *****). Kurze Zeit später wollten sie davon nichts mehr wissen, mittlerweilen besternen sie in Rückblicken/Replays etc. Morning Glory mit ***** und Be Here Now mit lächerlichen **.

Mick67
03.11.2006, 12:50
Tina, schreibst Du auch irgendwann mal noch was über "Be here now" ? Ich habe BHN heute morgen auf dem Weg zur Arbeit nach langer Zeit mal wieder gehört. Es haut mich immer noch um. Das war ein würdiger Nachfolger damals.
Ich verbinde es immer mit Dianas Tod in einem Pariser Autotunnel, weil es zur der Zeit auf heavy rotation bei mir lief.

Clau
03.11.2006, 14:31
Habe mir heute nochmal das ganze Album angehört. Oh Mann, ich könnte heulen, sooo gut ist die Scheibe...

thomlahn
03.11.2006, 14:37
Tina, schreibst Du auch irgendwann mal noch was über "Be here now" ? Ich habe BHN heute morgen auf dem Weg zur Arbeit nach langer Zeit mal wieder gehört. Es haut mich immer noch um. Das war ein würdiger Nachfolger damals.
Ich verbinde es immer mit Dianas Tod in einem Pariser Autotunnel, weil es zur der Zeit auf heavy rotation bei mir lief.

Selber schreiben, Herr Kommerzienrat. Das ist doch kein Wunschkonzert hier. Einen Aufhänger hast Du ja schon, damit wir auch alle zu Tränen gerührt sind...

@Tina.
Toll, weiter so!

The Imposter
03.11.2006, 14:45
ja, sehr schön Tina


(.. obwohl ich mit Oasis so gut wie garnichts anfangen kann)

pipe-bowl
03.11.2006, 15:29
Das war ein würdiger Nachfolger damals.Nicht jedoch für jeden. :wave:

Wirklich schöner Text, Tina. Vor allem hast Du den Stellenwert des Albums im Oasis-Kontext für mich sehr schön beschrieben. Besonders die Formulierung "bescheidenstes, moderatestes und abgeklärtestes Werk", die Du ja noch relativiert hast, gefällt mir. Für mich fielen sie hernach einem gewissen Größenwahn anheim, den man bei "Morning glory" noch nicht in der Form ausmachen konnte. Und dem Debut fehlten, wie Du schön beschrieben hast noch einige entscheidende Ingredenzien zum Top-Album.

Auch Deine persönliche Entdeckungsgeschichte gefällt mir. Habe mir beim Lesen irgendwie gewünscht, ich hätte vergleichbare Perlen (natürlich 25 Jahre früher als Du) bei meinen Eltern in einer Sammlung entdecken können. Doch da waren damals James Last und Peter Alexander vor.

Sonic Juice
03.11.2006, 15:33
Ich verbinde es immer mit Dianas Tod in einem Pariser Autotunnel, weil es zur der Zeit auf heavy rotation bei mir lief.

Das klingt ja beinahe so, als wäre für Dich ein gewisser Lebensabschnitt untrennbar mit Diana´s Abgang verbunden!? Irgendwie beunruhigend.

Naja, wenn Mick dann mal seinen eigenen Fave-Thread eröffnet, wissen wir jedenfalls schon, was uns erwartet: "Be Here Now" als Album und "Goodbye England´s Rose" bei den 7 inch Faves. :zitter:

thomlahn
03.11.2006, 16:13
Das klingt ja beinahe so, als wäre für Dich ein gewisser Lebensabschnitt untrennbar mit Diana´s Abgang verbunden!? Irgendwie beunruhigend.

Naja, wohl doch nur der Soundtrack zu bestimmten Ereignissen.

Sowas kenne ich auch, z.B. beim Lesen:

Marias - Mein Herz so weiss >< Smashing Pumpkins - Adore
Asterix - Die Loorbeeren des C&#228;sar >< BeeGees - Tragedy ;-)

&#196;hem - sorry, alles off Topic

tina toledo
03.11.2006, 17:19
[...] auch wenn ich selbst mittlerweile ein eher gespaltenes Verh&#228;ltnis zur Band habe, was insbesondere am gelangweilt uninspirierten Eindruck liegt, den sie vor ca. 3 Jahren beim Konzert in HH hinterlassen haben.
Ja, auf der Tour sollen sie ja insgesamt eher uninspiriert gewirkt haben, da bin ich im Nachhinein fast froh, dass das Hannover-Konzert damals ausgefallen ist. Welches hattest du dir denn angesehen?

Das stimmt in der Tat, vor allem im Q kam die Platte sehr schlecht weg (3 Sterne, schlechte Kritik), der Nachfolger Be Here Now dagegen wieder sehr gut (mit der H&#246;chstwertung von *****). Kurze Zeit sp&#228;ter wollten sie davon nichts mehr wissen, mittlerweilen besternen sie in R&#252;ckblicken/Replays etc. Morning Glory mit ***** und Be Here Now mit l&#228;cherlichen **.
Genau. Und im NME gab&#180;s ebenfalls "nur" (wenn man bedenkt, dass die Zeitschrift von Anfang an bem&#252;ht gewesen war, Oasis zu "ihrer Band" zu machen) 7 Punkte. "Be Here Now" wurde dann wieder als "Schritt nach vorne" bewertet (immerhin 8 P.), wobei der NME offenbar, im Gegensatz zur Q und vielen anderen Zeitschriften, heute noch zu dieser Wertung ("BHN" vor "MG") steht.

[...]
Auch Deine pers&#246;nliche Entdeckungsgeschichte gef&#228;llt mir. Habe mir beim Lesen irgendwie gew&#252;nscht, ich h&#228;tte vergleichbare Perlen (nat&#252;rlich 25 Jahre fr&#252;her als Du) bei meinen Eltern in einer Sammlung entdecken k&#246;nnen. Doch da waren damals James Last und Peter Alexander vor.
Oh. Naja, gut, dass du dich davon in deiner musikalischen Sozialisation offenbar nicht zu stark hast pr&#228;gen lassen.;-) Da ich dank Beatles-fanatischem Vater praktisch zu der Musik der Fab Four aufgewachsen war, mit 6 Jahren bereits alle je ver&#246;ffentlichten Beatles-Songs auswendig konnte (bzw. halt das sang, was ich h&#246;rte:-)), war mit dieser "Vorbildung" nat&#252;rlich vorherzusehen, dass ich auch Oasis verfallen w&#252;rde...

Danke an alle f&#252;r das Feedback, auch an Sonic, gastrisches_greinen, Vega, Go1, thomlahn und Imposter!

Bauer Ewald
03.11.2006, 17:31
mittlerweilen besternen sie in Rückblicken/Replays etc. Morning Glory mit ***** und Be Here Now mit lächerlichen **.
Und das völlig zu recht!

Norbert
04.11.2006, 16:00
Ein sehr sch&#246;ner Text zu einem tollen Album, Tina.
Durch den guten Gesamteindruck, der nicht zuletzt dem &#252;berragenden "Champagne Supernova" am Ende des Werkes geschuldet ist, wird der relativ schwache Einstieg mit den Tracks "Hello" und "Roll With It" wieder wett gemacht.

pipe-bowl
04.11.2006, 18:51
der relativ schwache Einstieg mit den Tracks "Hello" und "Roll With It""Hello" halte ich für einen hervorragenden Einstieg. "Roll with it" hingegen ist nicht überragend, aber doch auch nicht schwach.

latho
04.11.2006, 19:59
[...]
Ich muss gestehen, dass ich das Album noch nie in Gänze gehört habe und nur die Singles kenne. Ich hatte mein Oasis-Experiment ja schon mit dem Debüt erfolg- bzw. folgenlos abgebrochen. Und "Wonderwall" und "Don´t Look Back in Anger" waren für mich damals lediglich zwei von vielen Pop-Singles, die im Radio rauf- und runtergespielt wurden. Eingängig ja, aber kein Grund, mich nochmal näher mit dem Album zu beschäftigen. [...]

Da stehe ich in etwa auch, gleiches gilt für RAs Love is Hell, die bei mir nicht wirklich hängengeblieben ist.
Aber nach dem Lesen der Texte sind die beide mal für ein Wiederhören vorgemerkt.
Tolle Texte, Tina! Bitte weitermachen!


[...]
Ich verbinde es immer mit Dianas Tod in einem Pariser Autotunnel, weil es zur der Zeit auf heavy rotation bei mir lief.
Ich merkwürdigerweise die vorletzte Bangles-LP auf der "Crash and Burn" drauf ist.

tina toledo
04.11.2006, 23:06
@Norbert: Danke dir!

"Hello" halte ich f&#252;r einen hervorragenden Einstieg. "Roll with it" hingegen ist nicht &#252;berragend, aber doch auch nicht schwach.
Genauso seh ich&#180;s auch. "Hello" ist f&#252;r mich sogar der wirkungsvollste und beste Oasis-Album-Opener &#252;berhaupt, noch vor "Rock&#180;n&#180;Roll Star". Warum aber ausgerechnet das relativ unspannende "Roll With It" als Vorab-Single ausgew&#228;hlt wurde, ist mir ein R&#228;tsel.

Da stehe ich in etwa auch, gleiches gilt f&#252;r RAs Love is Hell, die bei mir nicht wirklich h&#228;ngengeblieben ist.
Aber nach dem Lesen der Texte sind die beide mal f&#252;r ein Wiederh&#246;ren vorgemerkt.
Sch&#246;n, das freut mich!

observer
05.11.2006, 10:02
Ja, auf der Tour sollen sie ja insgesamt eher uninspiriert gewirkt haben, da bin ich im Nachhinein fast froh, dass das Hannover-Konzert damals ausgefallen ist. Welches hattest du dir denn angesehen?

In der Colorline Arena. Und ich kann den Eindruck noch nicht mal auf die Halle schieben. Ich war durch einen glücklichen Zufall direkt vor der Bühne, Sound und Sicht waren also sehr gut.

songbird
05.11.2006, 10:06
In der Colorline Arena. Und ich kann den Eindruck noch nicht mal auf die Halle schieben. Ich war durch einen glücklichen Zufall direkt vor der Bühne, Sound und Sicht waren also sehr gut.

Ich habe sie auch schon in schlechter Form erlebt (auf der Be here now-Tour), mittlerweile weiss ich aber, wie ich die Konzerte von Oasis nehmen muss.
Das nächste mal gehen wir zusammen hin, observer!;-)

observer
05.11.2006, 10:14
.... mittlerweile weiss ich aber, wie ich die Konzerte von Oasis nehmen muss.

Genauso gelangweilt herumstehen wie die Band?



Das nächste mal gehen wir zusammen hin, observer!;-)
Dann nehme ich mir aber was zu lesen mit.

songbird
05.11.2006, 10:22
Genauso gelangweilt herumstehen wie die Band?


Dann nehme ich mir aber was zu lesen mit.

Vor allem gehen wir vorher ordentlich einen trinken. Ich will die Band nicht anders haben, wenn sich Liam mit seiner Bier-Wampe plötzlich bewegen würde, ich wäre ernsthaft besorgt. Oasis-Konzerte sind eben Messen mit festen Regularien. Wenigstens wird da Spontanität - wie bei anderen Konzerten - erst gar nicht geheuchelt.

Clau
05.11.2006, 10:53
Vor allem gehen wir vorher ordentlich einen trinken.

Richtige Einstellung! Bei Oasis-Konzerten sollte das Saufen obligatorisch sein.

Faspotun
05.11.2006, 15:27
Soeben (endlich!) aus dem dreiw&#246;chigen milit&#228;rischen Wiederholungskurs (ja, sowas m&#252;ssen wir Schweizer jedes Jahr machen...:haue:) zur&#252;ckgekehrt, und was darf ich sehen? Tina hat WTSMG besprochen! Ganz toll! Jetzt muss ich den Text nur noch lesen...

Ah Um
06.11.2006, 00:07
Yep! Spitzen-Album, sehr gute Besprechung!

Nat&#252;rlich k&#246;nnte man an der Platte das eine oder andere zu Recht kritisieren. Aber es macht mehr Spa&#223;, sich einfach wegblasen zu lassen von den vielen gro&#223;artigen Momenten.

Faspotun
11.12.2006, 11:06
Ich wollte ja noch etwas zu Tinas sch&#246;nem Morning Glory-Text schreiben.

Stilsicher und mit viel Hintergrundwissen gibt Tina ihrer eingangs geschilderten pers&#246;nlichen Beziehung zu Morning Glory ein &#171;objektives&#187; (sofern der Begriff bei Musik &#252;berhaupt eine Berechtigung hat) Fundament. Zu einer solchen &#171;objektiven&#187; Ann&#228;herung an Morning Glory w&#228;re ich nicht f&#228;hig – es fehlt mir jegliche kritische Distanz. Zu stark ist die emotionale Bindung, zu viele Erinnerungen h&#228;ngen an dem Album.

Dabei war es Liebe auf den zweiten Blick. Morning Glory liess ich 1995 erst mal lange Zeit im Regal stehen und kaufte es erst im Sonderangebot – mangels Alternativen! (Definitely Maybe hatte ich mir 1994 als 14-J&#228;hriger mehr aus Zufall gekauft – die als Bonus beigelegte Whatever-CD wurde aber deutlich &#246;fter gespielt als das eigentliche Album.) An einen Schl&#252;sselmoment, in dem sich mir die &#171;Magie&#187; von Morning Glory schlagartig entfaltet h&#228;tte, kann ich mich nicht erinnern: Anders als Tina weiss ich also nicht von einem &#171;einschneidenden H&#246;rerlebnis&#187;, welches man &#171;nie mehr vergisst&#187;, zu berichten. Es muss irgendwann Ende 1995, vielleicht auch erst Anfang 1996 gewesen sein – eines Tages war es jedenfalls um mich geschehen und Oasis bedeuteten mir die Welt. Sehr gut erinnern kann ich mich an den 21. August 1997: In einer Schulpause rannte ich zum nahe gelegenen Plattenladen und kaufte mir mit vor Aufregung zittriger Hand Be Here Now – l&#228;nger konnte ich nicht mehr warten (anh&#246;ren konnte ich mir das Album freilich erst nach Schulschluss).

Es gibt durchaus Momente, da frage ich mich, ob Morning Glory, w&#252;rde es heute erscheinen, noch immer eine solch &#252;berw&#228;ltigende Wirkung auf mich entfalten w&#252;rde. Obwohl ich &#252;berzeugt bin, dass Morning Glory auch &#171;objektiv betrachtet&#187; ein brillantes Album ist, sind Zweifel angebracht: Eine dermassen intensive emotionale Bindung baut man nur zu Alben auf, die in der eigenen Jugendzeit ver&#246;ffentlicht werden oder die man in dieser Zeit f&#252;r sich entdeckt. (Allenfalls noch Alben, welche einem durch Krisenzeiten begleitet haben, k&#246;nnen eine &#228;hnliche Wirkung entfalten.) Bei heutigem Erscheinen w&#228;re Morning Glory f&#252;r mich wohl einfach ein sehr sch&#246;nes Album – unter vielen. So aber ist Morning Glory mein Wohnzimmer: Ich werde mich immer zuhause f&#252;hlen, wenn die vertrauten Wonderwall-Akkorde ert&#246;nen, wenn Noel sein nervendes &#171;Sooooooo&#187; tr&#228;llert, wenn Liam mal wieder fragt, wo man denn gewesen sei, &#171;while we were getting high&#187;.

P.S. Ich hoffe, es geht hier bald weiter.

FifteenJugglers
11.12.2006, 11:51
Exzellente "Morning Glory"-Besprechung, Tina!
(Bei den ganzen Favoriten-Threads kommt man mit dem Lesen kaum nach ...)

tina toledo
13.12.2006, 15:17
Danke f&#252;r deinen ausf&#252;hrlichen Text, Faspotun!

Es gibt durchaus Momente, da frage ich mich, ob Morning Glory, w&#252;rde es heute erscheinen, noch immer eine solch &#252;berw&#228;ltigende Wirkung auf mich entfalten w&#252;rde. Obwohl ich &#252;berzeugt bin, dass Morning Glory auch &#171;objektiv betrachtet&#187; ein brillantes Album ist, sind Zweifel angebracht: Eine dermassen intensive emotionale Bindung baut man nur zu Alben auf, die in der eigenen Jugendzeit ver&#246;ffentlicht werden oder die man in dieser Zeit f&#252;r sich entdeckt hat.
Ja, das ist wohl wahr. Au&#223;erdem behaupte ich einfach mal, dass eine derart starke Bindung zu, und Identifizierung mit einer Band sich zumeist in der Jugend entwickelt, w&#228;hrend man sich sp&#228;ter tendenziell eher Solok&#252;nstler als Identifikationsfiguren sucht. Was nicht hei&#223;en soll, dass die emotionale Bindung zur Band mit dem Eintritt ins Erwachsensein rei&#223;t, aber das jugendliche Potential zur bedingungslosen Verehrung und Glorifizierung einer Band ist in der Regel doch deutlich gr&#246;&#223;er als das eines Erwachsenen.

(Allenfalls noch Alben, welche einem durch Krisenzeiten begleitet haben, k&#246;nnen eine &#228;hnliche Wirkung entfalten.)
Den Satz solltest du allerdings aus der Klammer befreien, fett drucken, und das "allenfalls" streichen.;-)
(s. z.B. "Love Is Hell")

@FifteenJugglers: Nach Nikos Thread kam aber kein neuer Faves-Thread mehr, oder? Hab ich irgendwas &#252;bersehen? Anyway, danke auch dir!

Belle
14.12.2006, 19:46
Tina ist blöde. Ein faves-thread mit nur zwei rezensionen und schon zwölf seiten lob. ich will meeeehr:zensur:

gruß- belle:liebe:

tina toledo
15.12.2006, 00:29
@Belle: Qualit&#228;t vor Quantit&#228;t.;-)

tina toledo
28.01.2007, 20:41
http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/440/446691.jpg

Wilco - Yankee Hotel Foxtrot
(Nonesuch Records - 2002)


Die zwei sonderbaren, beige-grauen Türme, die Anfang 2002 ihren Weg in meinen Plattenschrank fanden, waren nach Ryan Adams' "Gold" bereits die zweite musikalische Offenbarung meiner Jugend innerhalb weniger Monate. Meine Bestimmung als ewig Entdeckender unter dem Kopfhörer schien nun definitiv und gefunden. Wie konnte man jemals etwas Anderes tun wollen, als jede Ecke, jeden Winkel jedes Tracks zu durchstreifen und durchstöbern, um bei jedem einzelnen Durchgang etwas Neues zu entdecken? Eine kleine Windung im Song, ein abhanden gekommener Takt, fast täglich ein neues Instrument, ein neuer Klang. Becirct vom Harmonischen, sonderbar angezogen vom Wunderlichen, Dunklen der Platte - so begann mein bis heute andauernder Streifzug durch „YHF“.
Das Album beginnt mit wirrem Rauschen, Fiepen und Klirren, bevor nach einer knappen Minute dröhnende Synthesizer, marschartige Drumsounds, ein verstimmtes Klavier und verhaltene Akustikgitarren erstmals Struktur und Melodieführung vorzeichnen. Es folgt Jeff Tweedys grummelnde Offenbarung: „I am an American aquarium drinker/I assassin down the avenue“. Klanghölzer, Xylophone und nach Schmiedeeisen und Sägen Klingendes stolpern wild übereinander. Langsam verläuft sich alles, bis es schließlich von einem dunklen, alles beherrschenden Dröhnen geschluckt wird.
„Kamera“ ist dann fast erfrischend – wenn auch mit düsterem Unterton, und ebenfalls mit gelegentlichen Störgeräuschen bespickt – entspannt hoppelnder Akustik-Folkpop mit wunderbaren harmony vocals, der elegant die Brücke zum melodieverliebt-powerpoppigen Vorgängeralbum „Summerteeth“ schlägt.
Auf dem blassen „Radio Cure“ findet man sich dann wieder inmitten der verschrobenen Soundlandschaften des Openers wieder, nur dass hier sonderbare Klanggewitter und konstante dumpfe Trommelschläge eine noch weitaus trostlosere, fast verstörende Grundstimmung erzeugen. Die Lyrics nicht minder wunderlich: „My mind is filled with silvery stuff/Honey kisses, clouds of fluff/Shoulders shrugging off/Picking apples for the kings and queens of things I’ve never seen“. Tweedys Stimme, wie auf einem Großteil der Tracks auf „YHF“ weit in den Vordergrund gemischt, schleppt sich scheinbar ausgelaugt und resignierend durch die Strophen, bis der Song im zweiten Refrain schließlich seinen schwermütigen Höhepunkt erreicht: „Oh, distance has no way of making love understandable“ - es rauscht und hämmert, die Stimme wimmert, stauchelt, und bricht schließlich. Auf „A Ghost Is Born“ sollte die Band später die schrulligen, düsteren Elemente noch weiterspinnen, doch bis dato war dies definitiv der sperrigste und radikalste Wilco-Track, der jemals Tageslicht erblickte. Textlich greift er erstmals das Thema Liebe und räumliche und emotionale Distanz auf, welches sich als roter Faden durch das gesamte Album zieht.
Das erhebende „War On War“ funktioniert ähnlich wie „Kamera“ als hymnenartige Country-Psychedelia, und kommt damit dem volleren Wilco-Band-Sound der „Being There“-Phase („I Got You“, „Monday“) noch am Nähesten. Doch löst auch dieser Song seine Struktur gen Ende immer mehr auf, und mündet schließlich in tumultigem Lärm-Chaos, gefolgt von finalem Feedback-Gequietsche.
Mit „Jesus Etc.“ folgt das wunderbar warme, erhaben-erhebende Herzstück der Platte. Sanfte Streicherlinien ergänzen den erstaunlich smoothen Bandsound zu einem jazzig-folkigen, organisch-warmen Ganzen. Seele und Ruhepol des Albums, und fraglos eins der großartigsten Wilco-Stücke überhaupt.
Bereits die ersten trüben Gitarrenakkorde des folgenden Tracks verraten, dass nun Düsternis und Schwermut ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen werden: „Ashes Of American Flags“ ist entrücktes Highlight des Albums; dunkle, musikgewordene Schönheit. „All my lies are always wishes/I know I would die if I could come back new” versichert Tweedy mit gebrochener Stimme. “I want a good life with a nose for things/fresh wind and bright skies to enjoy my suffering/A hole without a key, if I break my tongue/Speaking of tomorrow/When will it ever come? “ Vielleicht die schönsten je Tweedys Feder entsprungenen Zeilen.
„Heavy Metal Drummer“ ist dann völlig unvermittelt der simple, gloriose Popsong inmitten beklemmender Sperrigkeit und wundersamer Soundexperimente - und doch irgendwie verschroben und eigen genug, um im Kontext des Albums wunderbar zu funktionieren. Energische Drumschleifen, dichte Gitarren, die obligatorischen „Uu-uh“-Background-Vocals, das Ganze bespickt mit diversen zerstreuten Effekten. Dazu nostalgisch-humoristische Lyrics - die Erinnerung an Unschuld, sorglose Sommer und bedröhnte Kiss-Cover-Sessions.
Das berückend schöne „Poor Places“ bildet gewissermaßen das schwermütige zweite Herzstück des Albums. Selten wirkte Jeff Tweedy derart sehnsüchtig verlangend und verwundbar. Eine Minute und vierzig Sekunden lang wird sein wehmütiger Gesang von nichts als Feedback-Fiepen und -Dröhnen begleitet - alles gleichförmig auf einen einzigen Akkord aufbauend -, bis einen erst ein leichtgewichtig-hoppelndes Schlagzeug und dann nach knappen drei Minuten vollkommen unvermittelt die wundervollste Melodie des Albums aus Düsternis und Lethargie reißen: „And it makes no difference to me/How they cried all over overseas/When it’s hot in the poor places tonight/I’m not going outside“ triumphiert es in Moll. Erneut dreht und windet sich der Song, und im Outro schließlich ertrinken Gesang, Schlagzeug und Piano erneut in grenzwertig-lärmendem Dröhnen, während eine undeutliche, nebelhafte Frauenstimme immer wieder die Worte „Yankee. Hotel. Foxtrot.“ wiederholt. Wundersame, gespenstische Untergangstimmung.
Thematisch beschreibt der Song auf gewohnt verschwommen-skurrile Weise Gedanken zur Trennung von Familie und Partner, zu welchen Tweedy von sich selbst in der dritten Person spricht: „There’s bourbon on the breath of the singer you love so much/He takes all his words from the books that you don’t read anyway/His jaw’s been broken, his bandage is wrapped too tight/His fangs have been pulled, and I really wanna see you tonight”. Der Kiefer gebrochen, das Herz in Eis gehüllt. Die dunklen Seiten des Tourlebens, weit, weit entfernt von Zuhause; das rastlose Herz, und dazu der Wille, die Beziehung am Leben zu halten.
Ein Thema, das auf dem finalen Track „Reservations“ konkreter weitergesponnen wird. Verworrenheiten einer schwierigen, komplexen Beziehung: „How can I convince you it’s me I don’t like/And not be so indifferent to the look in your eyes?/When I’ve always been distant and I’ve always told lies for love“ singt Tweedy herzzerreißend schön zu atmosphärischem Wummern und spärlichen Pianonoten. Eine thematische Schlüsselzeile des Albums.
Schlussendlich siegt die Sehnsucht und Track und Album enden mit der unkitschigsten und damit schönsten erdenklichen Liebeserklärung: „I’ve got reservations/About so many things, but not about you/Not about you“. Er glaubt an die Liebe - er muss an sie glauben, da ihn sonst Lärm und Schmerz überwältigen. Und so wie am Ende die Liebe siegt, lässt einen das Album – zu leisem Wummern und diskreten Percussions ausklingend - mit einem blassen Gefühl von Hoffnung und vorsichtiger Zuversicht zurück. Wie der Anblick des Sonnenaufgangs am Morgen nach einer schlaflosen Nacht.

Um kaum eine Veröffentlichung des angebrochenen Jahrzehnts ist bereits im Vorfeld so viel Wind gemacht worden wie um „Yankee Hotel Foxtrot“. Hinter dem Album-Release im April 2002 steht eine Back Story, die in punkto Labelpolitik im 21. Jahrhundert Bände spricht.
Nach mehrmonatiger Studioarbeit, an dessen Ende u.a. der Rausschmiss des Tweedy-Kollaborateurs Jay Bennett stand (dessen Vorstellungen von Sound und Charakter des Albums nicht mit denen von Tweedy und Produzent Jim O’Rourke in Einklang zu bringen waren), wurde das Werk im Juni 2001 bei der Plattenfirma Reprise Records eingereicht. Auf wochenlanges Schweigen seitens des Labels folgte schließlich die ausdrückliche Bitte nach umfassender Überarbeitung. Man sehe in dem Album „in der jetzigen Form kaum kommerzielles Potential“. Eine Forderung, auf die die Band nicht bereit war einzugehen - zumal von Reprise nicht lediglich ein paar kleine Veränderungen, sondern eine Rundum-Überarbeitung verlangt wurde. Das neue Werk sprenge den konventionellen Americana/Alt.Country-Rahmen so deutlich, dass es für das Label - welches mit den ersten drei Wilco-Werken konstant ordentliche, wenn auch insgesamt eher unbedeutende Albumverkäufe zu verbuchen gehabt hatte - ein unkalkulierbares Risiko darstellte. Das mochte man nicht eingehen, und da die Band für das Label insgesamt keinen übermäßigen kommerziellen Wert darstellte, und darüber hinaus mit Howie Klein ausgerechnet am Tage vor Einreichung des Albums der letzte große Wilco-Fürsprecher bei Reprise sein Amt als Präsident niedergelegt hatte, wurde die Band spontan vor die Tür gesetzt.
Woraufhin sich Wilco entschieden, plattenfirmenlos immerhin die Rechte an „YHF“ besitzend, das komplette Album auf ihrer Homepage als Stream zur Verfügung zu stellen, bevor sie Ende 2001 beim Mini-Label Nonesuch Records (ironischerweise wie Reprise im Besitz der Warner Music Group) unterkamen.
„Yankee Hotel Foxtrot“ erschien dort schließlich am 23. April 2002, unter tosendem Beifall der internationalen Musikpresse.

Auffällig – und für Warner sicher ein Hauptaspekt, der zum Rausschmiss der Band führte - ist zunächst einmal die künstlerische Selbstständigkeit, und damit verbunden das Fehlen einer genauer zu bestimmenden Zielgruppe, an die sich das Werk richtet. Die Alt.Country-Wurzeln scheinen weiterhin an vielen Stellen durch, doch zeigen sich auch die im Kern immer noch Americana-verwurzelten Kompositionen Tweedys und Bennetts mittels allerhand unkonventioneller Elemente und Strukturen aus gänzlich neuen Blickwinkeln. In seiner kühlen, oft entrückten Stimmung erinnert „YHF“ nicht selten an „Love Is Hell“ von Ryan Adams (die Labelgeschichte ist eine traurige weitere Parallele), welcher mit jenem Album ja eine ähnlich radikale Wegentwicklung von den Alt.Country/Americana-Wurzeln vollzog wie es Wilco mit „YHF“ taten. Was die Band mit diesem Album erschuf, ist eindeutig ihr facettenreichstes und innovativstes Werk to date. In den leiseren Momenten wirkt Einiges auf den ersten Blick zerfahren und zerfranst, doch erst in den mal feineren, mal gröberen Fasern verstecken sich bei genauerem Hinsehen die funkelndsten Diamanten. Bizarre Klanggewitter, Synthesizer, Geigen, Bläser, Xylophone, und unkonventionelle Percussioneinsätze setzen über das gesamte Album verstreut mal blassere, kleine, und mal kräftigere, dominierende Akzente in insgesamt kühlen, transzendenten Soundscapes. Der Einsatz der verschrobenen, sperrigen Soundelemente ist jedoch stets an den richtigen Stellen maßvoll genug, um den zarteren Melodien nichts anhaben zu können.
Entgegen der landläufigen Meinung, Jim O’Rourke sei für den Großteil der neuartigen Elemente verantwortlich, kam Wille und Drang zu Innovation und Perspektivenwechsel in erster Linie von Tweedy und dem Rest der Band – mit ausdrücklicher Ausklammerung Jay Bennetts, welcher schlussendlich aufgrund eben dieser Differenzen aus der Band geworfen wurde.
Einige der von Bennett eingebrachten Ideen blieben allerdings, so zum Beispiel die Pianoelemente. Während das Klavier bis dato im Bandsound eine eher untergeordnete Rolle gespielt hatte, fügt es den Songs auf „YHF“ (und später in noch stärkerem Maße „A Ghost Is Born“) mit mal in den Vordergrund gemischten, luftigen Melodielinien, und mal dümpelden, plätschernden Pinselstrichen und -Tupfern entscheidende Klangfarben hinzu.
Ein weiterer die gesamtheitliche Stimmigkeit und Größe des Albums fördernder Aspekt ist die thematische Kohärenz. In fast allen Songs geht Tweedy - mal direkter, mal metaphorisch-verschwommener - den Verworrenheiten einer komplizierten Beziehung, und dem Überleben einer dunklen Seele im Hier und Jetzt auf den Grund. So wie die Musik sich mal seltsam atonal windet, mal bricht und mal wieder alles harmoniert, reflektieren auch die Lyrics das Auseinanderbrechen und das Wiedervereinigen und Verheilen von Dingen.

Was in punkto Plattenfirmenstreit bleibt, ist selige künstlerische und kommerzielle Genugtuung angesichts dreier Tatsachen: allein in den USA konnten über eine halbe Million Exemplare von „YHF“ abgesetzt werden, womit es sich als das mit Abstand erfolgreichste Wilco-Album to date entpuppte; in Musikkritikerkreisen gilt das Album als eins der innovativsten und größten Werke des bisherigen Jahrzehnts ;Und im Übrigen hatte Warner Music für „YHF“ im Endeffekt auch noch doppelt gezahlt, da Wilco die Rechte am Album von Reprise umsonst bekommen, und dann das Album an eine andere Warner-Tochter verkauft hatten. Was „YHF“ zu nichts Geringerem als zum strahlenden Triumphsymbol für Überlegenheit und Sieg künstlerischer Integrität über Großkonzern-charakteristische Geldgier macht.

Vor allem aber steht das Album im 21. Jahrhundert für freie künstlerische Entfaltung in der Musik, die Verquickung von Traditionellem und Modernem zu etwas Eigenständigem, Lebendigem und Haltbarem. Wie kaum ein anderes zeitgenössisches Werk verbindet „Yankee Hotel Foxtrot“ aufs Eindrucksvollste Harmonie und Sperrigkeit, Leichtigkeit und Abgründigkeit, Pop und Anspruch. Und ist darüber hinaus einer der raren Fälle, in denen ein Album gleichzeitig tieftraurig und hoffnungsvoll-erhebend sein kann.
Das Artwork des Albums zeigt Photographien von Sam Jones - kalte, entrückte Aufnahmen der Chicagoer Skyline und der „Great Lakes“. Bilder, die die ruhige Seele tief im Kern des Albums reflektieren. Ein kleiner Mond scheint eine übergroße Sonne zu bestrahlen. Keine Menschen, keine Autos - jegliche Bewegung, jegliches Geräusch scheint abwesend in diesen Bildern, der Blick stets gen Himmel gerichtet, auf Abendröte, Silhouetten, triste, seelenlose Wolkenkratzer. Wer ganz genau hinschaut, sieht in einem der Fenster Jeff Tweedy einsam auf seiner Wandergitarre klimpern...

Herr Rossi
28.01.2007, 20:52
Eindrucksvolle W&#252;rdigung! Ich hab das Album recht schnell beiseite gelegt, zu schnell vermutlich. Noch mal hervorholen.

Dick Laurent
28.01.2007, 21:02
Noch mal hervorholen.
geht nicht, ist verkauft!

Belle
28.01.2007, 21:10
ein sehr langer und schöner text. es freut mich das du dich fast jedem song dieses meilenstein gewidmet hast. aber verbrate nicht all deine lieblingsalben direkt:wave:

latho
28.01.2007, 21:37
Sch&#246;ner Text zu einem Album, mit dem ich bekannterweise meine Probleme habe.
Ein dicker Fehler ist allerdings drin: es war Jay Bennett, nicht Jay Farrar, den Tweedy noch w&#228;hrend der Sessions los wurde (durch einen Anruf von Tweedys Manager). Jay Farrar war Chef von Tweedys Uncle Tupelo, die sich allerdings schon 1994 aufl&#246;sten.

Jules
28.01.2007, 21:39
Bei der Gelegenheit: Verkaufe meine YHF. Falls wer Interesse hat...

tina toledo
28.01.2007, 21:45
@latho: Hast nat&#252;rlich Recht, ist verbessert. Danke.

Prodigal Son
28.01.2007, 22:09
Dieses Album hielt ich 2002 für den größten Trumpf eben jenes Jahres. Diese Position konnte YHF nicht verteidigen, auch insgesamt hat Wilco bei mir einiges an Boden verloren.
Die Tracks und die Hintergründe hast Du aber großartig beschrieben. Und Stücke wie "War On War" oder "Ashes Of American Flags" sind und bleiben herausragend.

Napoleon Dynamite
28.01.2007, 22:14
Bis auf "Out Of Season" f&#228;llt mir aber keine Platte aus 2002 ein, die besser ist.

Prodigal Son
28.01.2007, 22:15
Die Libertines?

tina toledo
28.01.2007, 22:18
Das Libertines-Album ist toll, aber auf einer Stufe mit den Meisterwerken "YHF" und "Out Of Season" sehe ich es nicht.

Napoleon Dynamite
28.01.2007, 22:19
@Sebastian:

Och, n&#246;. Aber bei Wilco geht es mir ansonsten so wie dir.

latho
28.01.2007, 22:20
Out of Season ja, YHF nein. Die Demos von YHF gefallen mir im &#252;brigen besser (aber das war schon bei Summerteeth so - wobei das die bessere Platte ist).

Napoleon Dynamite
28.01.2007, 22:22
Oh, Moment. Ich habe die Linda Thompson Platte vergessen und das obwohl ich sie in den letzten Tagen oft geh&#246;rt habe.

nite flights
28.01.2007, 22:26
.

Sonic Juice
29.01.2007, 00:01
Ich hatte es ja bereits erhofft (und letztlich auch aufgrund des aktuellen Avatars erahnt):
Ein hervorragender Text zu meinem All time-TOP 2-Album, Volltreffer! Kann hier fast jede Beschreibung und Wertung unterschreiben ( nur eine klangliche &#196;hnlichkeit zu „Love Is Hell“ w&#228;re mir bislang ehrlich gesagt nicht im Traum eingefallen; und mit „Heavy Metal Drummer“ habe ich mich immer noch nicht so recht angefreundet, der Song geht bei mir nur als „okay“ durch).

Gut gef&#228;llt mir auch, dass Du die Entstehungsgeschichte n&#228;her beleuchtet hast. Das ist bei diesem Album in der Tat sehr lohnend. Diesbez&#252;glich kann ich jedem potentiell Interessierten nach der Lekt&#252;re von Tina&#180;s Besprechung auch die Doku „I Am Trying To Break Your Heart“ von Sam Jones ans Herz legen, die den Entstehungsprozess sehr detailliert und ungefiltert aufzeichnet und zugleich doch eine eigene k&#252;nstlerische Sichtweise beibeh&#228;lt. Hier wird auch sehr deutlich, dass - wie Tina schrieb – es eine bewusste Entscheidung der Band war, die konventionellen Aufnahmen wieder in Einzelteile zu zerlegen und neu zusammenzuf&#252;gen, und zwar bevor Jim O'Rourke &#252;berhaupt im Spiel war (und dass Bennett ungeachtet musikalischer Differenzen einfach ziemlich heftig rumgenervt hat und man als Zuschauer seinen Rauswurf eigentlich schon lange beschlossen hat, bevor davon im Film &#252;berhaupt die Rede ist).

YHF war mein erstes WILCO-Album, zuvor kannte ich nur einzelne Tracks der Vorg&#228;nger aus dem Internet. Obwohl ich einiges davon sehr mochte, h&#228;tte ich ohne dieses Album wohl niemals das ausgepr&#228;gte Interesse an Tweedy&#180;s Schaffen aufgebracht, konnte man sie doch in der Zeit vor YHF trotz vieler toller Songs letztlich noch grob unter „retro“ verbuchen. Seit 2002 beschreitet Tweedy vollends eigene Wege und ist f&#252;r mich der talentierteste und zugleich mutigste und neugierigste Songwriter seiner Generation (Musik und Lyrics betreffend!). Wessen Songs sind schon so stark, dass sie noch als rauchende Ruinen ihren Reiz bewahren, ja sogar steigern k&#246;nnen?

Zu den Outtakes von YHF (insbes. @latho): Diese sind eine h&#252;bsche, recht gef&#228;llige Erg&#228;nzung, oft noch ganz „Summerteeth“-Echo, aber an Stelle der vorliegenden Fassung? Niemals! Dies h&#228;tte auch vollst&#228;ndig der k&#252;nstlerischen Vision Tweedy's widersprochen, der hier (wie ja auch sp&#228;ter bei "A Ghost Is Born") bewusst experimentell und sozusagen dekonstruktivistisch vorging, um ausgetretene Klang-, Songstruktur und Arrangement-Pfade zu verlassen (und nicht einfach die hunderste mehr oder weniger gute Americana-Scheibe seit Uncle Whiskeytown selig vorzulegen). Wie langweilig das h&#228;tte ausgehen k&#246;nnen, kann man etwa an "down with wilco" von The Minus 5 (2003) studieren.

Gerade aufgrund der vermeintlich sperrigen Klanglandschaften, insbesondere den unbemalten Stellen auf der Leinwand, dem oft fehlenden klassischen Begleitinstrumentarium und der offenen Strukturen kann ich mir dieses Album so oft wie kaum eines anh&#246;ren, ohne dass es mich je langweilt oder durch &#252;berm&#228;&#223;ige Vertrautheit seinen Reiz verliert. Die losen Enden von Americana, Rock, Elektronik und Avantgarde liegen vor einem und jeder H&#246;rer kann sie f&#252;r sich im Kopf nach Belieben selbst zusammenschn&#252;ren. Grandios und, bei aller Intelligenz, herzzerei&#223;end sch&#246;n!

latho
29.01.2007, 01:05
[...]Zu den Outtakes von YHF (insbes. @latho): Diese sind eine hübsche, recht gefällige Ergänzung, oft noch ganz „Summerteeth“-Echo, aber an Stelle der vorliegenden Fassung? Niemals! Dies hätte auch vollständig der künstlerischen Vision Tweedy's widersprochen, der hier (wie ja auch später bei "A Ghost Is Born") bewusst experimentell und sozusagen dekonstruktivistisch vorging, um ausgetretene Klang-, Songstruktur und Arrangement-Pfade zu verlassen (und nicht einfach die hunderste mehr oder weniger gute Americana-Scheibe seit Uncle Whiskeytown selig vorzulegen). Wie langweilig das hätte ausgehen können, kann man etwa an "down with wilco" von The Minus 5 (2003) studieren.
[...]

Oh, bitte nicht wieder diese Alternative: langweiliges Americana-Album (hatte Tweedy streng genommen ja seit Being There nicht mehr gemacht) oder wagemutige, nie da gewesene Dekonstruktion? Mir hätte ein gutes Album gereicht und ja, auch mit O'Rourke. Tweedy kann gute Songs schreiben, das spreche ich ihm defintiv nicht ab. Nur kann er nicht produzieren bzw zerschießt sich oft genug die Songs mit Soundspielereien. Fazit: was auf YHF (auch auf Ghost, die ich aber besser finde) so experimentell klingt ist für mich störendes Beiwerk, eine Spielerei ohne Sinn und Ziel, die vom Eigentlichen ablenkt.

Sonic Juice
29.01.2007, 09:41
Das Desinteresse an der Wiederholung und der Dienstleistung am Fan, der Drang zur Veränderung und Weiterentwicklung, die Rücksichtslosigkeit gegenüber dem eigenen Werk und dessen kommerzieller Tauglichkeit, sind jedenfalls - neben Tweedy´s Songwriting-Talent - die entscheidende Grundlage dafür, dass das Projekt Wilco immer noch so spannend und quicklebendig ist und weshalb ihr Werk aus dem aller Bands so heraussticht, die mit ihnen angefangen haben.
Und bezgl. des Begriffs Americana: den habe ich schon bewusst gewählt, da er mir offener als Alt.Country erscheint, aber es ging mir natürlich hauptsächlich nicht um Begriffe (keine neue Stildiskussion hier bitte!;-)), sondern um die nostalgische Komponente in Wilco´s Musik ("retro"), die seit YHF deutlich zurückgedrängt wurde. Seitdem kommt der faule Kritiker mit "klingt wie Uncle Tupelo, The Faces, Beach Boys..." nicht mehr weiter und das ist doch vom künstlerischen Standpunkt aus das beste, was einer Band passieren kann.

Vega4
29.01.2007, 10:13
@Tina Toledo: Das Warten auf eine neue Rezension von dir hat sich mehr als ausgezahlt. Sehr schöner Text zu einer der besten Platten der letzten 10 Jahre!

frankie lee
28.02.2007, 20:00
Hi Tina,
leider hab ich Deine Wilco Review eben erst entdeckt, war l&#228;ngere Zeit nicht mehr hier. Sehr gelungene Beschreibung zu einem unglaublich sch&#246;nen Album. Irgendwie haben wir den selben Musikgeschmack. Ich habe Wilco erst letzten Herbst f&#252;r mich entdeckt, in letzter Zeit l&#228;uft aber fast nichts anderes bei mir. Ich halte YHF definitiv f&#252;r ihr bestes Album gefolgt von A Ghost Is Born.

tina toledo
28.02.2007, 21:00
Noch einmal besten Dank f&#252;r das Feedback. Insbesondere an Sonic f&#252;r den Zuspruch und die ausf&#252;hrlichen Erg&#228;nzungen.


Ich halte YHF definitiv f&#252;r ihr bestes Album gefolgt von A Ghost Is Born.
Ich sehe sogar beide auf einer Stufe, wobei ich zu "YHF", da f&#252;r mich Wilco-Einstieg, eine etwas st&#228;rkere emotionale Bindung habe.
Dass wir eine recht gro&#223;e gemeinsame musik. Schnittmenge haben, ist mir auch schon aufgefallen.:wave:

Edit: Im &#220;brigen sei jedem Interessierten hiermit auch von meiner Seite noch einmal w&#228;rmstens die gro&#223;artige Wilco-DVD "I Am Trying To Break Your Heart" ans Selbige gelegt. Beinahe ein eigenes kleines Kunstwerk, und definitiv nicht nur f&#252;r Die-Hard-Wilco-Fans spannend.

AnnaMax
01.03.2007, 08:51
Hallo Tina,

klasse Thread und klasse Texte. Oasis habe ich erst einmal ignoriert. Aber dem Wilco-Text konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ganz wunderbar!

frankie lee
01.03.2007, 17:49
Dass wir eine recht große gemeinsame musik. Schnittmenge haben, ist mir auch schon aufgefallen.:wave:
Das ist irgendwie lustig, Du hast mich nämlich schon auf Bands wie zum Beispiel Magnolia Electric Co. gebracht, ohne dass Dir das bewußt ist!:-)

tina toledo
29.09.2009, 22:34
http://wpcontent.answers.com/wikipedia/en/thumb/1/15/HatfulofHollow84.jpg/200px-HatfulofHollow84.jpg

The Smiths - Hatful of Hollow
(Rough Trade 1984)


The Smiths und ich waren eine Liebe mit großem Umweg. Ursprünglich war es Noel Gallagher, der in mir den ersten Impuls ausgelöst hatte, ein Album der Band zu kaufen: Als mir mit zwölf Jahren auf dem Flohmarkt stöbernd ein abgegriffenes Exemplar von „The Queen Is Dead“ in die Hände fiel und ich mich eines seiner rühmenden Kommentare entsann, schienen mir zwei Mark dort sehr gut investiert. Zuhause aufgelegt, konnte ich dem Album allerdings noch nicht viel abgewinnen, und so fristete es anschließend ein fast zehnjähriges Dasein zwischen alten John Denver- und Chris De Burgh-Platten der Eltern. Viele popgeprägte Jahre und fruchtlose mündliche Smiths-Anpreisungen später fiel mir dann „You Are The Quarry“ in die Hände und gefiel, und für mein „The Queen Is Dead“-Flohmarkt-Exemplar war endlich die Zeit gekommen.

Gleich der nächste Schritt in den Smiths-Kosmos hieß „Hatful Of Hollow“ und schlug ein wie seit Oasis’ „(What’s The Story) Morning Glory“ zehn Jahre zuvor nichts mehr eingeschlagen hatte. Alsowelterschütternd. Die beißende Wucht der Musik in Verbindung mit diesen umwerfenden Melodien war etwas, das ich auf diese Art noch niemals gehört hatte. Eine faszinierende Verbindung, knurrend und umarmend zugleich.
In den folgenden Monaten wurde gehört, geschaut und gelesen, was Zeit und Finanzen hergaben, an Morrissey als Gesamtkunstwerk einen gigantischen Narren gefressen, und die Karriere der Smiths 7inch für 7inch nachträglich durchlebt. Am Ende stand die verblüffende Frage, wie es möglich ist, dass diese Band in den vier Jahren ihres Bestehens, unter respektablen vier Studioalben, zwei Compilations und siebzehn Singles, tatsächlich keine einzige schwache Minute Musik auf Vinyl gepresst hatte. Eine aufregende Erkenntnis. Die Präferenzen unter den regulären Studioalben variierten immer mal wieder, doch die frühen Smiths der „Hatful Of Hollow“-Jahre blieben für mich immer die erstaunlichsten und spannendsten.

„'Hatful Of Hollow' is a golden hour of The Smiths.“ (Adrian Thrills, NME, 1984)

Als „Hatful Of Hollow“ am 12. November 1984 im UK erschien, hatten die Smiths die ersten Höhepunkte ihrer noch jungen Karriere bereits hinter sich. Genau ein Jahr zuvor waren sie mit „This Charming Man“ bei Top Of The Pops aufgetreten - persönlich und öffentlich einschneidende drei Minuten, wie seither von unzähligen Musikern (darunter auch Noel Gallagher) und Journalisten berichtet. Die folgenden Singles „Heaven Knows I’m Miserable Now“ und „William It Was Really Nothing“ waren aus kommerzieller Sicht sogar noch gewichtiger gewesen, und zu Erscheinen des selbstbetitelten Debütalbums im Februar 1984 hatten sie es bereits zu einer großen ​und hingebungsvollen Fanbase sowie größter journalistischer Aufmerksamkeit gebracht. Was allerdings viele Fans und Kritiker an dem Erstwerk bedauerten, war John Porters etwas trübe und flache Produktion, welche die nervöse Dringlichkeit der berüchtigten frühen Live-Gigs und der verehrten Debütsingle „Hand In Glove“ nicht ideal eingefangen hatte. Ein gutes halbes Jahr später veröffentlicht, bestand „Hatful Of Hollow“ nun aus vier Singles, die nicht auf dem Debut gewesen waren, zwei B-Sides und einer ganzen Reihe bisher unveröffentlichter Tracks - darunter eine ganze Reihe alternativer Versionen von Songs von „The Smiths“, die fast ausnahmslos die erstveröffentlichten Takes noch ein kleines Stück übertrafen. Infolgedessen wurde die Zusammenstellung im Oktober 1984 - ungeachtet der unvermeidbaren Ausverkauf-Unkenrufe angesichts der Zweitverwendung von Material - von vielen vormals enttäuschten Fans als das „wahre“ Debütalbum empfangen und gefeiert.

Der Großteil der „Hatful Of Hollow“-Tracks stammt von vier BBC -Sessions, die die Band zwischen Mai und September 1983 für die John Peel- und David Jensen-Shows auf Radio 1 aufnahm. In diesen frühen Aufnahmen klingt die Band so ungeschliffen, inbrünstig und unmittelbar wie nie wieder und sie sind ein wesentlicher Schlüssel zum Verstehen der Ausgangspunkte und Triebkräfte der wohl wichtigsten Band der Eighties.

„ Those sessions almost caught the very heart of what we did - there was something positively messy about them, which was very positive. People are so nervous and desperate when they do those sessions, so it seems to bring the best out of them." (Morrissey)

Die meisten der Songs wurden zwar später erneut in prominenteren Versionen aufgenommen, aber niemals mehr ganz so frisch eingefangen wie hier. „Reel Around The Fountain“ und „You’ve Got Everything Now“ klingen in diesen Versionen eine ganze Stufe roher und dynamischer als in den späteren, was Morrisseys frühe lyrische Lieblingsgefilde noch eine wesentliche Spur wichtiger und emphatischer erscheinen lässt: Übermannende Sehnsucht, ambivalente Sexualität, Kindesmissbrauch (“How you took a child and you made him old”), Anti-Arbeitsethos („I’ve never had a job because I never wanted one“) sowie das Kitchen-Sink Drama “A Taste Of Honey” und William Wylers "The Collector". Bei “Reel Around The Fountain” macht eine halbe Note Hebung und eine leichte Beschleunigung des Tempos den kleinen aber feinen Unterschied, bei „You’ve Got Everything Now“ sind es Joyces energischere Drums und Morrisseys schrilles Falsetto zum Schluss, die dem Track eine Bestimmtheit geben, die die spätere Version nicht ganz erreicht.
Auch die schroffe "Hand In Glove"-B-Seite "Handsome Devil" - wegen angeblichem pädophilen Coming-Out im Zusammenhang mit "Reel Around The Fountain" und "The Hand That Rocks The Cradle" vom Debütalbum Gegenstand großer Boulevard-Aufregung - ist hier in einer dynamischeren, leicht überlegenen Version zu hören. Die für David Jensen aufgenommene Version von „Still Ill“ besitzt exklusiv ein Harmonica-Intro und -Outro von Johnny Marr, das man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal gehört hat.

„After our first album came out, we realised that some of the versions of the songs on the album weren't as good as the way we did them on the John Peel session. Because of this we put out a compilation called 'Hatful Of Hollow', which featured those John Peel sessions, and as a result they pretty much became the definitive versions of the songs we recorded for John." (Johnny Marr)

Einzig die auf „Hatful Of Hollow“ kompilierte „This Charming Man“-Version verliert ein wenig gegenüber dem dynamischeren Single-Take, passt aber in dieser kantigeren Form wunderbar in den Kontext der Compilation. Marrs umwerfendes Gitarrenmuster trägt Morrissey tongue-in-cheek über entjungfernde hillsides und geschmeidige passenger seats; die Kombination der bejahrten Wörter gruesome und handsome - reine Poesie!
Auf „This Night Has Opened My Eyes“, dem einzigen für BBC aufgenommenen Song, der in keiner anderen Form als dieser jemals offiziell erscheinen sollte, bündelt Morrissey seine an Obsession grenzende Begeisterung für „A Taste of Honey“, indem er mehr oder weniger „the entire play into words“ (Morrissey) setzt. Getragen von Rourkes schwermütigem Bass und Joyces phlegmatisch verschleppten Drum-Patterns zählt der Track zu den Highlights auf „Hatful Of Hollow“ und unterstreicht erneut die frühe Brillianz der Band auf diesen von Dale Griffin (Mott the Hoople) und Roger Pusey produzierten Aufnahmen.

Als Album-Opener wurde die dritte Smiths-Single „William, It Was Really Nothing“ gewählt, ein 2 Minuten und 12 Sekunden kurzes Pop-Juwel erster Smiths-Güte. Marrs jangling guitars - seit „This Charming Man“ Markenzeichen – schlingen sich wunderbar leichtfüßig durch den Track, die Lyrics sind offenbar zu gleichen Teilen vom Kitchen-Sink Drama (hier die 63er-Verfilmung von „Billy Liar“) wie von „This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us“ der Sparks beeinflusst. Ein kleines Meisterwerk, oder auch: „Amazing to say what you have to say in two-and-a-half minutes”, wie Johnny Marr später feststellte. Zu den musikalisch geschmeidigeren Momenten des Albums zählt außerdem ein weiterer Track mit Anti-Arbeitsethos-Thema: „Heaven Knows I’m Miserable Now“ sollte der größte Charts-Erfolg der Smiths bleiben (#10 im UK) und nimmt im Songtitel Bezug auf die von Morrissey nahezu vergötterte Sandie Shaw ("Heaven Knows I'm Missing Him Now").

Yes, we may be hidden by rags/But we've something they'll never have

Eingeschlossen wurde außerdem die fulminante Debüt-Single „Hand In Glove“, ebenfalls in seiner frühesten, in diesem Fall aber eigenproduzierten Single-Version. Über Andy Rourkes treibender Bass-Linie singt Morrissey aufgekratzt von einer unkonventionellen ​Liebschaft, die sich um ihre äußere Wirkung nicht schert und sich vom Rest der Welt abgrenzt („and if the people stare then the people stare“). Auf welche Weise unkonventionell, erfährt man nicht, Identität und Geschlecht bleiben, wie so oft bei Morrissey, verschwommen. Umso mehr potentiellen Identitätsstoff bietet der Track, getragen durch ein hochtrabendes Gefühl, eine angespannte Mischung aus Triumph und Verhängnis. Das Ende der Liaison ist unausweichlich, trotzdem ist die Hingabe eine grenzenlose und Morrissey verkündet trotzig “I stake my claim, I’ll fight to the last breath/If they dare touch a hair on your head I’ll fight to the last breath”. Eine Kampfansage in vier Versen, laut, grimmig und schelmisch. Und sich hier in der frühen Version wunderbar zwischen den BBC-Session-Tracks eingliedernd.
Als B-Seiten sind noch das von einem frühen Del Shannon-Track inspirierte akustische „Please Please Please Let Me Get What I Want“ mit herzerwärmenden Morrissey-Vocals und einer einmaligen, sehnsüchtigen Mandolinen-Coda, sowie das grimmige „Girl Afraid“ von der 12“-Version von „Heaven Knows I’m Miserable Now“ vertreten.


Obwohl in einer Spanne von 18 Monaten an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Kontexten aufgenommen, wirkt das Album erstaunlicherweise an keiner Stelle unangenehm zusammengezwungen. Die Reihenfolge ist ausgefallen, aber nicht erratisch; blutsverwandt sind die 16 Tracks ohnehin. Textlich spannt es so viele konkrete kulturelle Referenzpunkte wie keine andere Smiths-LP und bleibt trotzdem (oder gerade deswegen) so sonderbar und eigen wie keine andere. Was The Smiths im Langspiel-Format betrifft, ist es nicht verwegen, in "Hatful Of Hollow" das faszinierendste und essenzielle Dokument zu sehen - mit einem Marr, der musikalisch frisch erblüht, einem textenden Morrissey at his best and bleakest („Accept Yourself“, „How Soon Is Now?“, Still Ill“,„Handsome Devil“!) und einem einmalig energetischen Bandsound. Die LP bleibt natürlich das was sie schon immer war, eine Compilation, aber als solche eine außerordentlich tolle - und die erste Smiths-LP, die in mir wahre Fanleidenschaft entfachte. So what difference does it make!

otis
29.09.2009, 22:46
Congrats, tina.

latho
29.09.2009, 22:46
[...]
Gleich der nächste Schritt in den Smiths-Kosmos hieß „Hatful Of Hollow“ und schlug ein wie seit Oasis’ „(What’s The Story) Morning Glory“ nichts mehr eingeschlagen hatte. [...]

Auf den Moment warte ich bei den Smiths auch noch, wobei This Charming Man schon seine Wirkung tut.
Toller Text, Tina! Ich werde es mit Hatful versuchen.

Hotblack Desiato
30.09.2009, 09:15
Das Album bleibt natürlich was es ist, eine Compilation, aber als solche eine außerordentlich tolle[/I]

Und zwar die beste mir bekannte und liebste sowieso.

Malibu
30.09.2009, 10:24
Und zwar die beste mir bekannte und liebste sowieso.
Dem schließe ich mich mal an.

Ein sehr schöner Text zu einer großartigen Platte!

nikodemus
30.09.2009, 18:26
Yeah! Bei mir hat es anfangs auch etwas gedauert und es war auch witzigerweise auch "You Are The Quarry", welches mir THE SMITHS näher gebracht habt. Eine großartige Compilation, die schwer zu übertreffen ist. "Reel Around The Fountain" ist in der Porter Version mit dem tollen Klavier aber noch eine Spur großartiger als auf "Hatful".

Mikko
30.09.2009, 19:41
Auf den Moment warte ich bei den Smiths auch noch, wobei This Charming Man schon seine Wirkung tut.
Toller Text, Tina! Ich werde es mit Hatful versuchen.
Da schließe ich mich vorbehaltlos an!

Roseblood
30.09.2009, 20:29
Ich hatte eben die A-Seite aufgelegt und sie bietet wirklich nahezu alles, was Tina schön in ihrem Text beschrieben hat. Man wird regelrecht gezwungen, daran Gefallen zu finden. Die B-Seite schwächt im Vergleich leider etwas ab. Mir gefallen vor allem diese Jingle-Gitarren in Kombination mit dem schwebenden, verträumten Gesang. Da wird man natürlich auf der ersten Seite sehr verwöhnt.

Herr Rossi
30.09.2009, 21:57
Ein gekonnter Text, Tina!


Als B-Seiten sind noch das von einem frühen Del Shannon-Track inspirierte akustische „Please Please Please Let Me Get What I Want“

Weißt Du, welcher Del Shannon-Track?

Die Single-Tracks mag ich sehr, die BBC-Aufnahmen sind für mich nicht unbedingt den späteren Aufnahmen überlegen (z.B. ziehe ich die spätere "Reel Around The Fountain"-Version auf jeden Fall vor), auch wenn ich verstehen kann, dass man der Magie einer "legend in the making" verfallen kann. Dafür bin ich aber wohl nicht Fan genug.

tina toledo
30.09.2009, 22:10
"Reel Around The Fountain" ist in der Porter Version mit dem tollen Klavier aber noch eine Spur großartiger als auf "Hatful".
Wie schon geschrieben, die BBC-Version ist ein wenig höher gesetzt und schneller, was vor allem Morrisseys Vocals für mich noch zwingender machen. Aber auch bei mir wirklich nur eine Spur. In beiden Versionen klar *****.

Weißt Du, welcher Del Shannon-Track?
"The Answer To Everything" von 1961 war für Johnny Marr Inspirationsquelle.

Herr Rossi
30.09.2009, 22:29
"The Answer To Everything" von 1961 war für Johnny Marr Inspirationsquelle.

Danke! Ist mir leider nicht bekannt, muss ich mal nach fahnden.

tina toledo
01.10.2009, 14:39
[...]Ich werde es mit Hatful versuchen.

Da schließe ich mich vorbehaltlos an!
Ihr kennt sie noch gar nicht? Was kennt ihr denn näher?

Mir gefallen vor allem diese Jingle-Gitarren in Kombination mit dem schwebenden, verträumten Gesang. Da wird man natürlich auf der ersten Seite sehr verwöhnt.
Aber das gibt es doch auf der zweiten Seite genau wie auf der ersten. Fallen für Dich die beiden akustischen Tracks ab?

Bullitt
01.10.2009, 14:59
Zuhause aufgelegt, konnte ich dem Album allerdings nicht viel abgewinnen, und so fristete es in der Folge ein fast zehnjähriges Dasein zwischen alten John Denver- und Chris De Burgh-Platten meiner Eltern.

Ich würde im Zweifelsfall immernoch sofort lieber zu John Denver greifen. ;-)

Aber nach deiner Besprecheung bin ich (mal wieder) neugierig geworden. Vielleicht machts bei mir ja auch irgendwan nochmal 'klick'.

Carrot Flower
01.10.2009, 15:48
Danke für deinen informativen, gedankenreichen Text, Tina! Bei mir braucht es ja, was The Smiths betrifft, nicht mehr zu klicken (mit Morrissey ist das etwas anderes), doch nehme ich deine Ausführungen zum Anlass, "Hatful Of Hollow" heute mal wieder aufzulegen.

Mikko
01.10.2009, 16:12
Ihr kennt sie noch gar nicht? Was kennt ihr denn näher?Nein, diese Compilation habe ich immer stehen lassen. Ich besitze nur einige Singles und The Queen Is Dead. Irgendwie sind The Smiths immer an mir vorbei gegangen, bzw. ich an ihnen.

latho
01.10.2009, 19:15
Ihr kennt sie noch gar nicht? Was kennt ihr denn näher?
[...]

Ich habe es mehrmals versucht (Meat is Murder war dabei) und es hat nicht gefunkt. This Charming Man dagegen hat mir gefallen, ich bin bloß noch nicht dazu gekommen, das zu vertiefen. Wie geschrieben, Hatful klingt mir geeignet.


Nein, diese Compilation habe ich immer stehen lassen. Ich besitze nur einige Singles und The Queen Is Dead. Irgendwie sind The Smiths immer an mir vorbei gegangen, bzw. ich an ihnen.

Merkwürdig, das scheint ja einigen so zu gehen.

Irrlicht
01.10.2009, 19:26
Manche Leute sind einfach zur richtigen Zeit mit dem passenden Text zu Stelle.

Danke, Tina, habe Deine Ausführungen aufmerksam und mit Vergnügen gelesen. Leider geht es mir wie manch anderem - ich müsste das Werk stimmigerweise erst noch entdecken bzw. hier wiederentdecken, um da manches sicher zuordnen und entsprechend würdigen zu können. Der erste Kontakt mit "Hatful of hollow", zu der Zeit als The Smiths noch das rote Tuch in meinem Musikkosmos waren, verlief verhalten, aber interessanterweise tatsächlich ausbaufähig - werde den Text zum Anlass nehmen, mir die Compilation mit dem ansehnlichen Cover nochmal in Gänze zu gönnen. Steht ohnehin recht weit oben auf dem Einkaufszettel.

Herr Rossi
01.10.2009, 20:19
Merkwürdig, das scheint ja einigen so zu gehen.

Ich halte das für den Normalfall. The Smiths waren nach meinem Eindruck in ihrer aktiven Zeit ein britisches Phänomen, das nach Deutschland kaum ausgestrahlt hat. Bei uns an der Oberstufe Mitte der 80er waren sie jedenfalls kein Thema. Da ich regelmäßig BFBS hörte, waren mir ihre Singles bekannt und es waren einige dabei, die ich mochte, andere sagten mir wenig, aber dass die Band heute häufig als wichtigste der 80er gesehen wird, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Auch im Musikexpress fand sie nur am Rande statt (ja, der ME ist uncool, aber was anderes gab es damals nicht in der Stadtbücherei). Und die SPEX war meines Wissens den "Schmitz" auch nicht sonderlich zugetan. Nach meinem Eindruck hat erst Britpop den Weg geebnet für ein nachträgliches Entdecken der Smiths. Und der deutsche RS spielt dabei auch keine ganz unwesentliche Rolle, würde ich mal behaupten.

Für mich ein markantes Beispiel: Farin Urlaub hatte ja vor einigen Jahren diese Single "Sumisu" ("Unsre Tage waren dunkel, unsre Hemden waren schwarz. Wir standen ständig auf dem Schulhof in der Ecke und wir tauschten tief enttäuschte Blicke aus. Und immer wenn wir traurig waren - traurig warn wir ziemlich oft -, gingen wir zu dir nach Hause und da hörten wir die Smiths (...) Manchmal auch The Cure oder New Order, aber größtenteils die Smiths"). Dazu wurde er auf MTV oder Viva2 interviewt und die halb so alte Moderatorin wollte ihn begeistert dazu animieren, mit ihr "And when the double decker bus ..." zu schmettern, aber er wehrte ab und sagte so ungefähr: "Ick kenn die jar nich so jut, This Charming Men fand ick janz okay, aber sonst weeß ick nich ..."

Das sind jetzt alles neutrale Feststellungen. Welche Bedeutung die Smiths für die britische Popmusik haben, ist mir inzwischen vollkommen klar, und sie interessieren mich heute mehr als damals. Ich finde nur nicht ganz unwichtig festzustellen, dass die Smiths-Rezeption hierzulande eine andere war. Ich lasse mir aber gerne widersprechen und berichten, wie die Kids vor Hamburger Plattenläden Schlange standen, wenn eine neue The Smiths-7'' angekündigt war ... ;-)

(PS: Der Beitrag gehört nicht unbedingt hierhin, eher in den allgemeinen Smiths-Thread, kann man gerne noch ändern.)

tolomoquinkolom
01.10.2009, 20:30
Farin Urlaub hatte ja vor einigen Jahren diese Single "Sumisu" ("Unsre Tage waren dunkel, unsre Hemden waren schwarz.

Sumisu heißt in Japan, wer andernorts auf Smith hört. :-)

Herr Rossi
01.10.2009, 20:33
@Tolo: Weiß ich, hat Farin damals ja erläutert. Es war, glaub ich, bei Charlotte Roche, aber ich kann mich täuschen.

Roseblood
01.10.2009, 21:08
Aber das gibt es doch auf der zweiten Seite genau wie auf der ersten. Fallen für Dich die beiden akustischen Tracks ab?

"Please Please Please" ist klasse, mit der schönste Track auf der zweiten Seite. Was ich meinte waren diese geradlinigen Riffs wie bei "What Difference Does It Make?", "This Charming Man" oder "Handsome Devil", die auf der B-Seite etwas fehlen. Natürlich bleibt Marrs Gitarrenarbeit smithstypisch, er umspielt die Stücke hier jedoch mehr. Sollte aber keineswegs so klingen, dass ich keinen Gefallen daran finden würde, im Gegenteil.

nail75
01.10.2009, 21:22
So inzwischen habe ich mir den Text ausgedruckt und gelesen. Da sage ich noch, ich will nicht nur schreiben: "Toll, Tina", aber der Text ist einfach nur gut und mir fällt nichts ein, was ich hinzufügen könnte. Oder wie jemand heute zu mir sagte: "Manchmal ist gut einfach nur gut!"

tolomoquinkolom
01.10.2009, 21:55
@Tolo: Weiß ich, hat Farin damals ja erläutert. Es war, glaub ich, bei Charlotte Roche, aber ich kann mich täuschen.

Ach so. Verzeih. :-)


grummel
einmal wenn ich was weiß

Carrot Flower
02.10.2009, 07:48
Ich halte das für den Normalfall. The Smiths waren nach meinem Eindruck in ihrer aktiven Zeit ein britisches Phänomen, das nach Deutschland kaum ausgestrahlt hat. Bei uns an der Oberstufe Mitte der 80er waren sie jedenfalls kein Thema.

(bitte ggf. mit verschieben) Merkwürdig, ich hätte bis zu meinem Forumseintritt geschworen, dass The Smiths bei musikaffinen Leuten unseres Alters den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellen. An unserer Schule waren sie sehr präsent, zumindest bei den Gestalten, die in der Pause verliebt mit quadratischen Plastiktüten kuschelten (und solche stellen ja wohl den Hauptanteil hier); im PC69 verging kein Abend ohne sie, und generell war das sehr adäquate Musik für Jugendliche (denen der Säuregehalt vieler Texte womöglich entging und die sich dafür in "Sixteen, clumsy and shy", "Coyness is nice..." oder Doppeldeckerbus- und Flugzeugmärtyrern wiedererkannten).

Malibu
02.10.2009, 08:49
Ich halte das für den Normalfall. The Smiths waren nach meinem Eindruck in ihrer aktiven Zeit ein britisches Phänomen, das nach Deutschland kaum ausgestrahlt hat. Bei uns an der Oberstufe Mitte der 80er waren sie jedenfalls kein Thema.

War bei mir genauso, die Normalen in der Schule hörten Dire Straits, die Coolen EBM, die Halbcoolen die Toten Hosen und the Cure. Das erste, was ich mitbekommen habe, war ein Interview im ME(?) zu Viva Hate Zeiten - aus der Stadtbücherei - das mich doch sehr beeindruckt hat. (Die Phrase 'Nicht für alle Bon Jovis der Welt' sollte in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen werden!) Die Musikkassette gab es auch in der Bücherei und so ging es dann los.

Herr Rossi
02.10.2009, 08:51
@Carrot: Tja, vermutlich war Bielefeld popkulturell doch weiter vorne als Detmold ...

Mikko
02.10.2009, 10:23
Ach so. Verzeih. :-) Schon ok, ich wußte es z.B. nicht. Danke also für diese Information, tolo.

PS: Zur Bekanntheit bzw. Popularität der Smiths in D in den 80ern kann ich natürlich keine fundierten überprüfbaren Angaben machen, jedenfalls nicht so auf die Schnelle. Aber mein Eindruck ist auch, dass sie eher ein Randthema waren. Das ist für mich persönlich allerdings kein Entschuldigungsgrund. Denn erstens hatte ich damals ja selbst einen Plattenladen, wo ihre Platten auch verkauft wurden. Und zweitens wurde WD schon damals nicht müde, sie zu preisen und zu loben, wie sonst nur die Stones und George Jones.

thokei
02.10.2009, 13:22
Mochte von den Smiths nur eine Handvoll Songs, auf LP-Länge konnten sie mich nie in ihren Bann ziehen. Die Kritiken für die Band waren in den 80érn meistens postitiv, soweit ich mich erinern kann. Hatten ihre eher kleine-mittlere, treue Fangemeinde.

Das sie nicht "bigger" wurden lag mit Sicherheit auch daran, dass sie, bis auf den einen Hamburg-Gig ( Rockpalast) nie in D. gespielt haben. Halt "typisch Englisch" ( siehe The Jam oder Squeeze )

nail75
02.10.2009, 23:31
Ich hatte von den Smiths noch nie gehört, bis ich anfing Musikmagazine zu lesen. Bis zum heutigen Tag kenne ich nur zwei Personen außerhalb des Forums, die diese Band überhaupt kennen und eine habe ich "angefixt".

Zum Album: "Hatful" startete ja den verhängnisvollen Trend der Smiths sowie von Morrissey alle Singles, B-Seiten manchmal gemischt mit Liveaufnahmen so oft zu recylclen wie möglich. Hat irgendjemand dafür mal eine Erklärung gelesen oder gehört?

August Ramone
03.10.2009, 12:36
Wow! :-)
TT, habe dein review in der Mittagspause ausgedruckt und verschlungen. An Arbeit war nicht mehr zudenken, warten auf Feierabend und dann alles mit der LP (und gelegnedliches Gegenhören) nachvollziehen. Läuft jetzt schon wieder. Klasse!:liebe:

PS. Du wolltset mir mal deine "Fehlliste der Smiths' 7" und 12" zukommen lassen, ggf. kann ich helfen. Würde mich freuen.

PSS. Und natürlich waren The Smiths hier 1983/84 bereits Thema. Jede erreichbare Scheibe wurde direkt besorgt. Demnächst mehr im The Smiths Thread.

tina toledo
03.10.2009, 13:47
PSS. Und natürlich waren The Smiths hier 1983/84 bereits Thema. Jede erreichbare Scheibe wurde direkt besorgt. Demnächst mehr im The Smiths Thread.
Gerne kann auch hier weiter diskutiert werden, würde mich über weitere Gedanken dazu sehr freuen!


Schon mal danke für das Feedback, everyone!

kramer
10.11.2009, 12:15
Eine absolut treffende und sehr informative Würdigung! Ich muss nur in einem Punkt widersprechen, da mir diese Zusammenstellung nie sonderlich homogen erschien, war sie für mich immer ein äußerst willkommener Bonus, konnte in meinen Augen aber nie mit den Studioalben mithalten. Noel Gallagher spielte übrigens auch für mich und meine Rezeption der Band eine wichtige Rolle, denn wenn ich mich recht entsinne, dann hatten The Smiths zu Beginnn der Neunziger noch nicht den unantastbaren Status, den sie heute haben. Zumindest in meinen Kreisen wurden sie eher belächelt, dabei weiß heute jeder, dass es nie eine bessere Band gab und wahrscheinlich auch nie geben wird... Keep up the good work, tina.

kaesen
10.11.2009, 12:47
Bei uns in der Oberstufe waren The Smith immer Mädchen-Versteher-Musik. Ich habe The Smith erst nach der Schule geniessen gelernt, halte sie aber nicht so gut oder wichtig, wie das z.B. Kramer tut.

Mick67
10.11.2009, 13:18
Bei uns in der Oberstufe waren The Smith immer Mädchen-Versteher-Musik. Ich habe The Smith erst nach der Schule geniessen gelernt, halte sie aber nicht so gut oder wichtig, wie das z.B. Kramer tut.

Da schließe ich mich an. So richtig wahrgenommen habe ich sie erst mit ihrem letzten Album "Strangeways, Here We Come" nach dem Abi. Bis dahin waren sie in meiner musikinteressierten Klasse kaum ein Thema. The Cure, Depeche Mode, Simple Minds oder auch New Order waren die angesagten Bands.
Sie waren zu ihrer Zeit wohl eher ein rein englisches Phänomen.

Warum The Smiths die beste Band (aller Zeiten?) sein soll, will sich mir nicht erschließen. Sie bestand doch nur aus J. Marr und Morrissey.

Clau
10.11.2009, 13:22
Löschen oder sperren?

kramer
10.11.2009, 13:24
Löschen oder sperren?Teeren und federn.

kaesen
10.11.2009, 13:26
Teeren und federn.

Ich fühle mich geehrt!
Und morgen erkläre ich euch, wie man mit der Liveversion von VUs What goes on das Smithvolk aus dem Partykeller treibt....

Hotblack Desiato
10.11.2009, 13:28
Sie bestand doch nur aus J. Marr und Morrissey.

Gar nicht, gerade auf der von Tina besprochenen Platte kann man ja hören, was das für eine tolle Band war.

kramer
10.11.2009, 13:29
Ich fühle mich geehrt!
Und morgen erkläre ich euch, wie man mit der Liveversion von VUs What goes on das Smithvolk aus dem Partykeller treibt....Pah, davon habe ich alle kursierenden Versionen in meiner Sammlung.

kaesen
10.11.2009, 13:39
Pah, davon habe ich alle kursierenden Versionen in meiner Sammlung.

Das habe ich - auf Deinen thread bezogen - nicht anders erwartet.

Mick67
10.11.2009, 14:41
Löschen oder sperren?

Wofür? Weil ich ein 80er Randphänomen nicht entsprechend verkläre. Hier bin ich mal Zeitzeuge, meine Herren! Was Noel Euch 10 Jahre später eingeredet hat, interessiert mich doch nicht. :lol:

Mikko
10.11.2009, 15:29
Wofür? Weil ich ein 80er Randphänomen nicht entsprechend verkläre. Hier bin ich mal Zeitzeuge, meine Herren!Und was für einer. "Au weia!", kann ich da nur rufen.

Mick67
10.11.2009, 15:32
Und was für einer. "Au weia!", kann ich da nur rufen.

Wie meinen?

edit: Lass es! Wir müssen Tinas Thread nicht weiter vollmüllen

Joshua Tree
10.11.2009, 15:44
Bei uns in der Oberstufe waren The Smith immer Mädchen-Versteher-Musik. Ich habe The Smith erst nach der Schule geniessen gelernt...
Das die Band the Smiths hieß, hast Du aber bis heute nicht so richtig kapiert, oder?

Clau
10.11.2009, 17:30
Wofür? Weil ich ein 80er Randphänomen nicht entsprechend verkläre. Hier bin ich mal Zeitzeuge, meine Herren! Was Noel Euch 10 Jahre später eingeredet hat, interessiert mich doch nicht. :lol:

Keine Ahnung was Du meinst, Mick. The Smiths mögen in Deinem Umfeld kein Thema gewesen sein, hier in Kiel standen die Alben damals gestapelt im Plattenladen und ich habe sie für 9,99 DM das Stück gekauft. Und ich war nicht der einzige.

kramer
10.11.2009, 17:57
Wie meinen?

edit: Lass es! Wir müssen Tinas Thread nicht weiter vollmüllenDie Rezeption der Band ist durchaus ein Thema, das man unter Berücksichtigung von Tinas Text hier diskutieren könnte, oder? Davon abgesehen war deine Bezeichnung "Randphänomen" ein wenig unglücklich, weil einfach an der Realität vorbei.

nail75
10.11.2009, 18:24
Die Frage ist doch, von welcher Perspektive man ausgeht, wenn man von einem Randphänomen spricht. In diesem Eintrag wird das vielleicht etwas deutlicher:
http://www.indiepedia.de/index.php?title=The-Smiths-Diskographie

The Smiths waren in Deutschland wesentlich erfolgreicher als in den USA und erreichten hier sogar die Top 50, während sich offensichtlich in Frankreich kein Mensch für sie interessierte. Im Vergleich zu den Platzierungen im UK fällt Deutschland aber deutlich ab. Bezieht man die Leserumfragen der Musikmagazine mit ein, so sieht man, dass Musikinteressierte die Smiths fraglos kannten und ihre Platten hörten, für die Spex-Leser waren sie sogar die Band.

Dass sie aber nicht auf jedem Schulhof gehört wurden (auf meinem jedenfalls nicht!) überrascht mich auch nicht. Sie waren im großen Popbetrieb in Deutschland fraglos nicht so bedeutend wie andere von Mick genannte Bands, aber sie waren auch nicht unbekannt. Ob sie ein Randphänomen darstellten, hing davon ab, wo man stand.

grandandt
10.11.2009, 18:42
Also bei uns im "Schulfreundeskreis" spielten die Schmitzens keine gro0e Rolle. Waren zwar bekannt, aber gegen Duran Duran hatten die keine Chance. (sehe das genauso wie Mick)
In meinem Musikkosmos mit entsprechenden Bekannten und Freunden waren sie dagegen eine essentielle Band.

tina toledo
10.11.2009, 18:43
Die Rezeption der Band ist durchaus ein Thema, das man unter Berücksichtigung von Tinas Text hier diskutieren könnte, oder?
Aber bitte! Hatte ich auch auf der letzten Seite irgendwo schon geschrieben.

Die damalige Rezeption der Smiths in Deutschland ist etwas, das ich bisher auch kaum erfasst habe. Dass sie nirgendwo im Mindesten mit der Tragweite und Bedeutung in England vergleichbar war, scheint wahrscheinlich angesichts aller mir bekannten Smiths- und Morrissey-verwandten Literatur, in der Amerika und Kontinentaleuropa praktisch nicht stattfinden. Sollte jemand noch empfehlenswerte Literatur kennen, die den Fokus nicht alleine auf den UK legt, wäre ich daran sehr interessiert.

kramer
10.11.2009, 18:44
Sollte jemand noch empfehlenswerte Literatur kennen, die den Fokus nicht alleine auf den UK legt, wäre ich daran sehr interessiert.Die alten Spex-Beiträge kennst du?

tina toledo
10.11.2009, 19:01
Die alten Spex-Beiträge kennst du?
Einen kleinen Artikel von 1985 kenne ich, den Rest leider nicht. Kannst Du aushelfen?

kramer
10.11.2009, 19:25
Einen kleinen Artikel von 1985 kenne ich, den Rest leider nicht. Kannst Du aushelfen?Ich habe ein paar Artikel. Am interessantesten dürfte Diederichsens Interview mit Morrissey ca. 1987 sein. Suche ich mal raus.

tina toledo
10.11.2009, 19:32
Danke Dir!

kaesen
11.11.2009, 11:28
Das die Band the Smiths hieß, hast Du aber bis heute nicht so richtig kapiert, oder?

Nö.

Mick67
11.11.2009, 11:41
Die Rezeption der Band ist durchaus ein Thema, das man unter Berücksichtigung von Tinas Text hier diskutieren könnte, oder? Na klar, ist das ein diskussionswürdiges Thema. Meine Bemerkung bezog sich auch nur auf mikkos sinnfreie Bemerkung.

Davon abgesehen war deine Bezeichnung "Randphänomen" ein wenig unglücklich, weil einfach an der Realität vorbei.
Auch an der deutschen Realität? Nur die meinte ich. Mich interessiert ja, warum The Smiths angeblich die beste Band gewesen sein soll, sie gleichzeitig aber in meinem musikinteressierten Umfeld 1984-86 kaum wahrgenommen wurde. Andere etwa Gleichaltrige hier, haben das ja ähnlich erlebt.

KinK
11.11.2009, 11:54
Auch an der deutschen Realität? Nur die meinte ich. Mich interessiert ja, warum The Smiths angeblich die beste Band gewesen sein soll, sie gleichzeitig aber in meinem musikinteressierten Umfeld 1984-86 kaum wahrgenommen wurde. Andere etwa Gleichaltrige hier, haben das ja ähnlich erlebt.

Ist die Frage denn nicht auch immer "wie" musikinteressiert dieses Umfeld war bzw. ist? Ich kenne auch eine Menge Leute, die definitiv als musikinteressiert zu gelten haben (auch in ihrer eigenen Auffassung), die aber bei den Babyshambles, Franz Ferdinand u.ä. hängen bleiben, aber noch nichts von den Pains Of Being Pure At Heart oder den Vivian Girls gehört haben. Die Grenze dürfte da schwer zu ziehen sein.

Krautathaus
11.11.2009, 12:04
Auch an der deutschen Realität? Nur die meinte ich. Mich interessiert ja, warum The Smiths angeblich die beste Band gewesen sein soll, sie gleichzeitig aber in meinem musikinteressierten Umfeld 1984-86 kaum wahrgenommen wurde. Andere etwa Gleichaltrige hier, haben das ja ähnlich erlebt.

In meinem Umfeld waren die The Smiths (1986 - 1988) schon bekannt, aber da waren wir schon ca. 22 - 24 Jahre alt.
Hatte nur den "Louder than bombs" Sampler, vor allem wegen Panic. Insgesamt war mir damals der Gesang zu eintönig. "Big mouth strikes again" mochte ich noch recht gern.

Mick67
11.11.2009, 12:05
Ist die Frage denn nicht auch immer "wie" musikinteressiert dieses Umfeld war bzw. ist? Ich kenne auch eine Menge Leute, die definitiv als musikinteressiert zu gelten haben (auch in ihrer eigenen Auffassung), die aber bei den Babyshambles, Franz Ferdinand u.ä. hängen bleiben, aber noch nichts von den Pains Of Being Pure At Heart oder den Vivian Girls gehört haben. Die Grenze dürfte da schwer zu ziehen sein.

Isoliert betrachtet schon, nur habe das ja nicht nur ich so erlebt. Deine Beispiele sind allerdings auch nicht vergleichbar mit einer "besten Band der Welt".

Mick67
11.11.2009, 12:07
In meinem Umfeld waren die The Smiths (1986 - 1988) schon bekannt, aber da waren wir schon ca. 22 - 24 Jahre alt.
Hatte nur den "Louder than bombs" Sampler, vor allem wegen Panic. Insgesamt war mir damals der Gesang zu eintönig. "Big mouth strikes again" mochte ich noch recht gern.

Und 1984-86? Mir wurden sie erst wesentlich präsenter mit "Strangeways...." aber da hatten sie sich ja schon fast getrennt.

Krautathaus
11.11.2009, 12:08
Deine Beispiele sind allerdings auch nicht vergleichbar mit einer "besten Band der Welt".

Es ist ja auch Kramers "beste Band der Welt", sowie meine "beste Band der Welt" aus Tucson AZ kommt.

Sorry Tina, für die Offthreadmüllerei...


Und 1984-86? Mir wurden sie erst wesentlich präsenter mit "Strangeways...." aber da hatten sie sich ja schon fast getrennt.

Vereinzelt, aber danach hatte ich mehr Studenten in meinem Bekanntenkreis.

KinK
11.11.2009, 12:17
Isoliert betrachtet schon, nur habe das ja nicht nur ich so erlebt. Deine Beispiele sind allerdings auch nicht vergleichbar mit einer "besten Band der Welt".

Das stimmt. Wahrscheinlich wird die aber in diesen Jahren auch nicht mehr erfunden. Auch Krautathaus' Einwand ist richtig, auch wenn sie für mich ähnlich weit oben stehen.