Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Afrika
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/KidjoFifa.jpg
Angélique Kidjo - Fifa (1996)
Den Drang, neue Musik zu entdecken hatte ich schon immer und so hatte ich im Frühjahr 1996 Lust nach einer Reihe von Rockkonzerten mal etwas ganz anderes zu sehen. Zu dieser Zeit hatte Angéloque Kidjo gerade ihr aktuelles und allseits gefeiertes Album 'Fifa' veröffentlicht und im Mannheimer Capitol, einem ehemaligen Kino, stand ein Konzert an. So kam es, dass ich mir damals schnell eine Eintrittskarte für das Konzert und die CD besorgte und beides versetzte mich gleichermaßen in Begeisterung.
Natürlich klingt 'Fifa' zu einem guten Teil an europäische Hörgewohnheiten angepasst, was sicher auch daran liegt, dass sie schon zu dieser Zeit in Paris gelebt hat, dennoch leugnet Kidjo ihre Herkunft nicht und hat genügend tradionelle Elemente, die Rhythmen ihrer Kinheit, wie sie selbst sagt, in ihre Musik eingebaut wie z.B. eine Reihe von Percussion, Flöten oder gar Kuhglocken oder typische westafrikanische Gesänge, die zu einem großen Teil in ihrer Heimat, dem Benin, aufgenommen wurden. Das Ganze wurde dann in Paris mit modernen, europäischen Sounds und einer guten Portion Funk und Soul vermischt, so dass eine einzigartige Musik entstand. Auch von der Autorenseite zeigt sich dieses Album von seiner besten Seite, sämtliche Lieder hat die Kidjo zusammen mit ihrem Mann Jean Hebrail komponiert und getextet. In ihren Texten, die sie zumeist in ihrer Muttersprache vorträgt, geht es meist um die Traditionen ihrer Heimat, jedoch aus der Sicht der Heimkehrenden. Stücke wie 'Sound of the drums' oder 'Welcome' leben von ihrer einzigartigen Rhythmik und Dynamik ohne dabei aber den Song aus den Augen zu verlieren. Dazwischen gibt es Afro-Dancefloor wie z.B. das eingängige, ohrwurmartige 'Wombo lombo'. Aber auch die ruhigeren Lieder wie das Titelstück oder das abschließende, ihrer Tochter gewidmete und von Carlos Santana an der Akustikgitarre begleitete 'Naima' überzeugen auf ganzer Linie.
Der Liveauftritt wurde damals noch mit einer Reihe von Tänzern verfeinert und war bis dato eines der interessantesten Konzerte für mich überhaupt. Dennoch löste das alles in mir damals keine 'Welle' aus, der Drang nach mehr erschöpfte sich im Kauf des ebenfalls hervorragenden Vorgängers 'Ayé'. Danach verlor ich die Künstlerin zu meiner Schande mehr oder weniger aus den Augen bis ich sie vor etwa einem halben Jahr aus den Tiefen meines Archivs wieder hevorgeholt und sie völlig neu entdeckt habe.
dougsahm
05.04.2006, 21:36
Weitermachen. Prima.
The Imposter
05.04.2006, 22:32
hab ich auch mal live gesehen, tolle Frau
dagobert
05.04.2006, 23:05
mein neuer lieblingsthread.
vielleicht findest du ja hier noch ein paar anregungen ( inkl. Downloads ):
http://mixotheque.com/blog/wordpress/?cat=5
Anne Pohl
05.04.2006, 23:19
mein neuer lieblingsthread.
Meiner auch. Bin froh, wenn jemand es auf sich nimmt, das unübersichtliche Angebot etwas überschaubarer zu machen. Ich kenne bisher nur Ali Farka Touré und Salif Keita, und bin schon sehr gespannt, ob noch Empfehlungen aus der Gegend (also Mali) kommen.
Ja, sparch, unbedingt weitermachen.
Hier ein paar Brocken in die Runde geworfen:
Youssou N'dour (aber um Gottes willen nicht "7 seconds")
Papa Wemba
Ali Farka Toure
Geoffrey Oryema (nur das Debüt)
Johnny Clegg (Solo, mit Savuka oder Juluka)
Thomas Mapfumo
Youssou N'dour (aber um Gottes willen nicht "7 seconds")
Was hast Du gegen '7 seconds'? Wenn schon Radiomusik, dann solche. Aber keine Sorge, von Youssou habe ich ein anderes Schmankerl im Programm.
Ansonsten erst mal Danke an alle für den Zuspruch. Nächste Woche geht es dann weiter.
Dick Laurent
06.04.2006, 10:01
Aus der normalen Musik habe ich mich im Moment nahezu völlig ausgeklinkt
ich hatte mich schon gewundert, dass von dir ja so gar kein Kommentar mehr kam.
Ansonsten werde ich den Thread meiden, die genannten Namen sind, soweit bekannt, der blanke Horror für mich (Johnny Clegg hat zusammen mit Peter Gabriel die ausgehenden 80er komplett ruiniert) - aber weiter viel Spaß...
Schöner Thread, pass mir gut. Ich hatte schon vor einiger Zeit ein wenig überlegt, ob ich nicht selbst einen aufmache.
Johnny Clegg hat nebenbei überhaupt nichts ruiniert, im Gegenteil. Schon lange vor Paul Simons "Graceland" legte er den Grundstein für solche Produktionen. Er war und ist eine Art von singendem politischen Gewissen in Südafrika, legte sich oft genug mit der dortigen Exekutive an, etliche seiner Songs wurde lange Zeit sogar von den Radiostationen in Südafrika auf Druck von oben boykottiert und nicht gespielt.
Leider leider läßt er sich viel zu wenig in Europa und speziell in Deutschland live blicken.
Und leider hat er auch in den letzten Jahren kaum noch etwas in Deutschland veröffentlicht.
Natürlich klingt seine Musik im Schwerpunkt nach den 80ern, aber das ist im Grunde nicht der Punkt.
Sie hat Groove und Drive, geht in Kopf und Beine.
Songs wie "Asimbonanga" sind ganz großer Afro-Groove, die Bass-Voices verursachen mir immer noch eine gewisse Gänsehaut. Elektrodrums hin oder her, das hat für mich Power ohne Ende.
http://ayemusic.free.fr/data/2003/disques/pochettes/fifa.jpg
Angélique Kidjo - Fifa (1996)
Toll, sparch ! :wave:
Meine eigenen "Kidjos":
Parakou (1990)
Logozo (1991)
Ayé (1994)
Oremi (1998)
Black Ivory Soul (2002)
Oyaya! (2004)
Keines ihrer Alben -obwohl jedes durchaus ziemlich mit eigenem Charakter- ist für mich je enttäuschend gewesen.
Parakou klingt (noch) sehr nach dem französischen Afro-Ethno-Mix.
Aber es hat Charme, sogar ne gute Prise davon.
Meine derzeitiger Favoriten: Black Ivory Soul und Logozo.
Ja, sparch, unbedingt weitermachen.
Hier ein paar Brocken in die Runde geworfen:
Youssou N'dour (aber um Gottes willen nicht "7 seconds")
Papa Wemba
Ali Farka Toure
Geoffrey Oryema (nur das Debüt)
Johnny Clegg (Solo, mit Savuka oder Juluka)
Thomas Mapfumo
Volle Unterstützung. Feine Auswahl. Dann will auch ich diesen Thread hier zu meinem neuen Lieblingsthread erklären. Außerdem empfehle ich:
Baaba Maal - Firin' in Fouta
Baaba Maal - Nomad Soul
Ich könnte Manu Dibango mit Wakafrika sehr empfehlen.
http://www.vanderwal.net/images/wakafrika.jpg
Auf der CD ist wirklich die Créme de la créme aus Afrikas Musikszene versammelt. Angelique Kidjo, Youssou N´Dour, Papa Wemba, Salif Keita. Alle geben sich ein Stelldichein und mischen richtig gut mit.
Buchstäblich jeder Song (ohne Ausnahme) hat für mich Feuer und Groove bis zum Abwinken.
Sie gehört zu meinen persönlichen Top 5 aus meiner Afro-Ecke.
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/zombie.jpg
Fela & Afrika 70 - Zombie (1977)
Der 1997 an Aids verstorbene Fela Anikulapo Kuti dürfte wohl einer der produktivsten Künstler Afrikas gewesen sein. In seiner Heimat Nigeria wird er quer durch alle Bevölkerungsgruppen verehrt wie sonst nur Elvis in Amerika und sein Anwesen in Lagos ist eine Pilgerstätte vergleichbar mit Memphis. Es ist ein schier unmögliches Unterfangen, dem Künstler Fela Ransome Kuti, wie er ursprünglich hieß, gerecht zu werden. Sein Status in der nigerianischen Bevölkerung ist vergleichbar mit dem eines Bob Marley in Jamaica, er war die Stimme der Armen und Unterdrückten, der Leute auf der Straße.
Das Album 'Zombie' zählt sicher mit zum Explosivsten, was man als nigerianischer Musiker Mitte der 70er in seinem Heimatland veröffentlichen konnte und zwar weniger von der musikalischen sondern vielmehr von der politischen Seite her betrachtet. Nicht wenige haben ihm damals davon abgeraten, es zu veröffentlichen, vor allem wegen des Titelstückes. Er hat es trotzdem getan und musste teuer dafür bezahlen, es zeigt aber auch, dass es sich von nichts und niemanden beirren lies in seinem Kampf für ein besseres und gerechteres Nigeria. Wie explosiv dieses Album damals tatsächlich war kann sich jeder selbst ganz einfach ausrechnen, denn zu jener Zeit regierte eine Militärjunta und das Stück 'Zombie' verhöhnt Soldaten auf das Heftigste als seelenlose Maschinen, die nur das tun, was ihnen sagt wird. Als musikalische Untermalung diente dabei eine Form von Afrojazz, bei der neben Schlagzeug und Percussion vor allem Bläser, Fela selbst spielte u.a. Saxophon, zum Einsatz kamen. Garniert wurde das Ganze dann meist mit einer Art Call and Response Gesang, bei dem Fela als "Vorsänger" fungierte der den Soldaten Anweisungen wie "Attention! Double up! Fall In! Fall out! Fall down! Get ready!" entgegenrief und von einem Frauenchor begleitet wurde, der zwischen den Anweisungen immer wieder mit "Zombie" antwortete. Vorgetragen wurde die Texte in Pidgin English, der Sprache mit der man sich wohl am besten in Lagos durchschlagen kann und hauptsächlich vom Volksstamm der Yourba, dem auch Fela angehörte, gesprochen wird. Wie die meisten seiner Alben besteht auch 'Zombie' aus nur zwei jedoch langen Stücken. Auf der B-Seite des Album gibt es 'Mr. Follow Follow', das in eine ähnliche Kerbe haut. Auch hier werden Fela-typisch Menschen verhöhnt, die blind anderen folgen. Komischerweise hatten die Amerikaner selbst bei Alben aus Nigeria die unschöne Angewohnheit, diese zu verändern. So gibt es auf der US Ausgabe statt 'Mr. Follow Follow' die beiden mir unbekannten Stücke 'Monkey banana' und 'Everything scatter'. Die RCA Neuauflage aus dem Jahr 2001 enthält neben den beiden Originalsongs noch die beiden unveröffentlichten Stücke 'Observation is no crime' und 'Mistake', letzteres eine Liveaufnahme vom Berliner Jazz Festival 1977. Beide Stücke fügen sich nahtlos in das Originalalbum ein und bieten einmal mehr wilde, vertrackte Rhythmen und lange Improvisationen.
So sehr das Album bei der Bevölkerung ankam, die Menschen in den Straßen beschimpften wann immer sie einen Soldaten sahen diesen mit "Zombie", so wenig war die nigerianische Regierung davon erfreut und lies in der Folge Felas Anwesen mit einem Aufgebot von 1000 Soldaten niederbrennen. Bei dieser Militäraktion wurden nicht nur sein Aufnahmestudio mit sämtlichen Instrumenten und Mastertapes vernichtet sondern auch seine 82-jährige Mutter umgebracht. Fela selbst floh daraufhin nach Ghana ins Exil um aber bereits 1978 nach Nigeria zurückzukehren und seine eigene Partei MOP (Movement of the people) zu gründen.
Außerdem gab's mal eine schöne Reihe namens NEW AFRICAN WORLDBEAT, die nach 4 Doppel-CDs ... so weit ich weiß ... wegen des Konkurses der Plattenfirma, oder weil sie aufgekauft wurden, eingestellt wurde.
Ich leg die CDs aber immer wieder gerne auf und entdecke Neues zwischen Tradition und Moderne. Mein Gott ... wie pathetisch!
Die Reihe war einfach geil!
Außerdem gab's mal eine schöne Reihe namens NEW AFRICAN WORLDBEAT, die nach 4 Doppel-CDs ... so weit ich weiß ... wegen des Konkurses der Plattenfirma, oder weil sie aufgekauft wurden, eingestellt wurde.
Ich leg die CDs aber immer wieder gerne auf und entdecke Neues zwischen Tradition und Moderne. Mein Gott ... wie pathetisch!
Die Reihe war einfach geil!
Ja, die kann man sich bei Amazon oder sonstwo im Net zusammensuchen. Meist bei Market Place-Verkäufern oder sonstwie gebraucht. In aller Regel sind sie regulär auch in kleineren Shops vergriffen.
Aber sie sind hervorragend, um sich einen sehr schönen Überblick zu verschaffen. Hätte ich nicht bereits das eine oder ander Album von diversen Interpreten auf diesen Samplern, ich würde sogar in Versuchung geraten, mir die Dinger irgendwie zusammenzuklauben.
The Imposter
10.04.2006, 11:48
..Ich kenne bisher nur Ali Farka Touré und Salif Keita, und bin schon sehr gespannt, ob noch Empfehlungen aus der Gegend (also Mali) kommen.aus Mali sind übrigens auch Amadou & Mariam
http://img66.imageshack.us/img66/8986/amadou16gn.jpg
beide blind. Ich kenne bisher nur das letztjährige Album Dimanche á Bamako, welches von Manu Chao co produziert wurde und zu dem er auch ein paar Songs, Gitarre und Gesang beigesteuert hat. Sehr poppig aber auch sehr gut, wie ich finde.
Ein bisschen was zu hören und zu sehen (die live Videos geben einen guten Eindruck) gibt es hier (http://www.respectmusic.cz/2005/a_amadou2.html).
www.amadou-mariam.com (http://www.amadou-mariam.com/)
Vinyl aus Nigeria:
King Sunny Ade - Ariya Special (1982)
King Sunny Ade and his African Beats - Lp 1980
King Sunny Adé and his African Beats - Ajoo (1983)
Compilations:
SOUND D'AFRIQUE II "SOUKOUS" (1982)
Soweto (zirka 1983 - Zensor 05)
Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn andere hier auch Beiträge schreiben, aber bitte auf bloße Auflistungen verzichten, das ist nicht der Sinn dieses Threads. Zum Listen erstellen bitte hier (http://www.rollingstone.de/forum/forumdisplay.php?f=5) lang.
dagobert
10.04.2006, 20:59
vielen dank für deinen bericht zu fela kutis "zombie", sparch (saul williams empfiehlt es ebenfalls auf amazon.com in seiner "list of music you should hear" (sorry, hab's gerade entdeckt ;-))). ich habe ihn auch vor nicht allzu langer zeit für mich entdeckt.
ich habe "everything scatter" auf dem "black president" album, und obwohl ich nicht weiss, welchen (nicht-)grund es für amerika gab, "mr. follow follow" vom album zu bannen, sie haben sich dafür einen sehr sehr grossen nachfolger gesucht.
mich würde interessieren, welche alben du noch von ihm kennst und wie du sie bewertest. ich kenne bisher noch das "gentleman/confusion", was ganz hervorragend ist und musikalisch auch auf die beschreibung zutrifft, wie du sie oben gemacht hast.
dagobert
10.04.2006, 21:01
Zum Listen erstellen bitte hier (http://www.rollingstone.de/forum/forumdisplay.php?f=5) lang.
genau! wenn hier einer listen erstellt, dann ist sparch das! (und zwar schonmal die fela kuti liste ;-) )
@dagobert,
folgende Fela Alben habe ich noch:
Live (with Ginger Baker)
Original sufferhead
Black president
Fear not for man
Meine Freundin hat noch die 'No agreement'. Das war die erste, die ich gehört habe, und ich war sofort hin und weg.
'Everything scatter' auf 'Black president'? Peinlich, dass mir das entfallen ist. Allerdings ist meine Platte in einem eher desolaten Zustand, sprich es knistert so heftig, dass ich sie nur einmal gehört habe.
Die Live-Platte mit Ginger Baker ist großartig, allerdings ist Felas Saxophon etwas zu weit in den Hintergrund gemischt worden.
'Original sufferhead' ist auch durchweg empfehlenswert.
Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn andere hier auch Beiträge schreiben, aber bitte auf bloße Auflistungen verzichten, das ist nicht der Sinn dieses Threads. Zum Listen erstellen bitte hier (http://www.rollingstone.de/forum/forumdisplay.php?f=5) lang.
Okay, sorry für das "Namedropping".
In den 80er Jahren haben mich besonders die weiter oben genannten LP's von King Sunny Ade begeistert.
Der Musik-Stil für den King Sunny aus Nigeria bekannt ist heißt "Juju-Music". Das ist gut tanzbare Gitarren-orientierte Popmusik. Die Gitarre wird hierbei hauptsächlich für "jingle-jangelnde" immer wieder kehrende und leicht abgewandelte Phrasen eingesetzt. Hinzu kommen diverse Perkussions-Instrumente und die samtige Stimme von King Sunny Ade.
Wenn man bedenkt, dass die genannten LP's aus den 80er Jahren stammen, staunt man immernoch über die nahezu glasklare futuristische Produktion. Die Stücke gehen nahtlos ineinander über. Auf den Platten sind daher keine Leerrillen zu erkennen.
Das Island-Label hatte 1982 versucht die Musik von King Sunny Ade einem breiteren europäischem Publikum nahe zu bringen. Die durchweg langen Stücke wurden stark gekürzt und dadurch verstümmelt. Daher würde ich Interessenten ausschließlich zu den nigerianischen Veröffentlichungen raten.
Noch einmal kurz zu Fela:
Das Tracklisting zu 'Black president' lautet wie folgt:
A
Sorrow, tears and blood
Colonial mentality
B
I.T.T. (International Thief Thief)
Wir haben uns also beide (dagobert und ich) getäuscht und 'Everything scatter' ist nicht drauf (Zumindest auf der Originalausgabe).
Eine gute Quelle zu Fela im Netz ist: http://www.felaproject.net
Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn andere hier auch Beiträge schreiben, aber bitte auf bloße Auflistungen verzichten, das ist nicht der Sinn dieses Threads. Zum Listen erstellen bitte hier (http://www.rollingstone.de/forum/forumdisplay.php?f=5) lang.
Meintest Du mich damit ? Es ist nicht notwendig, mir den Weg zu den REINEN Listenthreads zu zeigen. Ich kenne ihn.
Ich wollte dir in Post Nr. 13 lediglich kurz mitteilen, daß ich die Musik von Miss Kidjo sehr schätze und hab meine Alben der Dame mit im Post aufgeführt.
War das ein Problem ?
@Wolfen
Nicht so empfindlich. Die zeitliche Distanz zwischen Deiner Kidjo Antwort und meiner Bitte auf Listen zu verzichten ist doch wohl zu groß, als dass ein Zusammenhang zwischen beiden Posts bestehen könnte. Ende der Diskussion.
@Wolfen
Nicht so empfindlich. Die zeitliche Distanz zwischen Deiner Kidjo Antwort und meiner Bitte auf Listen zu verzichten ist doch wohl zu groß, als dass ein Zusammenhang zwischen beiden Posts bestehen könnte. Ende der Diskussion.
Ich bin nicht empfindlich, keine Sorge. Und bitte nicht ganz so harsch, das macht keinen Spaß.
MitchRyder
11.04.2006, 13:27
Hallo sparch,
ich habe heute das album "Africa Yewul" von Magou erhalten. Hast du schon mal was von ihm gehört. Wenn ja, was kannst du näher zu ihm sagen. Das Album gefällt mir sehr gut. Es unterscheidet sich aber von der Musik Toure oder N´Dour. Es sind eine Reihe von Reggae Rhythmen darin zuhören. Es selbst stammt auch aus dem Senegal.
Grüße
Mitch
Hi mitch,
schön, dass Du auch hier gelandet bist. Das Album von Magou habe ich noch nicht, werde es mir aber auf jeden Fall noch im April bestellen.
Network (http://networkmedien.de/de.html) hat übrigens eine Reihe interessanter Alben im Programm, von denen ich noch einige hier besprechen möchte.
MitchRyder
11.04.2006, 13:42
Hi mitch,
schön, dass Du auch hier gelandet bist. Das Album von Magou habe ich noch nicht, werde es mir aber auf jeden Fall noch im April bestellen.
Network (http://networkmedien.de/de.html) hat übrigens eine Reihe interessanter Alben im Programm, von denen ich noch einige hier besprechen möchte.
Danke, ein wirklich guter Link.
Für mich einer der mitreißendsten Acts aus dem Kosmos der Afro-Music:
Johnny Clegg & Savuka
http://www.talkingleaves.com/images/vest.jpg
Ein Pic aus seiner ganz großen Zeit in den 80ern, Derek deBeer, Mr. Clegg und Dudu Zulu, der Kern von "Savuka".
Geboren wurde Johnny Clegg 1953 in England, nach der frühen Scheidung seiner Eltern zog er jedoch bereits als Junge mit seiner Mutter nach Simbabwe und später nach Johannesburg, wo er auch Ethnologie studierte.
Als Teenager bereits kam er mit Tanz und Musik der Zulu in Berührung und lernte die Sprache des Ndebele-Bantu-Volkes.
Clegg war immer ein politischer Musiker, schon seine ersten Aufnahmen als Teil des Duos "Johnny & Siphu (Mchnunu)" in den späten 70ern wurden teils von der Zensur des damaligen Apartheid-Staates verboten.
Anfang der 80er erlangte er erstmals einen größeren Bekanntheitsgrad mit der Gruppe "Juluka" und Mitte der 80er gründete er die Band "Savuka", bestehend aus Derek DeBeer, Mandisa Dlanga, Solly Letwaba,
Johnny Clegg, Steve Mavuso, Keith Hutchinson
Mit seinen Werken "Third World Child" / "Shadow Man" / "Cruel Crazy Beautiful World" wurde er Ende der 80er - weit in die 90er vor allem in Frankreich äußerst populär.
1990 hatte ich das für mich große Glück, ihn im Rahmen eines Open Air Konzerts live zu sehen, leider das bisher einzge Mal, da er sich in Deutschland extrem rar macht.
Nach der Einspielung des Albums "Heat, Dust & Dreams" in 1993 löste sich Savuka ein Jahr später auf und Johnny Clegg machte auf Solopfaden bzw. mit wechselnden Musikern bis heute weiter.
Dick Laurent
12.04.2006, 12:43
und farbenblind ist er also auch noch...
(Johnny Clegg ist für mich wirklich das allerallerallerschlimmste, was es in den 80ern gab, wirklich!!!)
Ein ganz großer aus Mali: Salif Keita
http://www.musica90.net/manifestazioni/twmm/twmm03_img/keita.jpg
Das Pic gefällt mir sehr gut, sehr stimmungsvoll. ;-)
Geboren 1949 als Albino. Und in früher Jugend deswegen von seiner Familie verstoßen, obwohl er als ein Abkömmling des Gründers des Mali-Reiches gilt.
Seltsame Sitten herrschen in diesem Land.
Bereits in den 1960ern musizierte er mit einer Gruppe namens "Rail Band", in den 70ern mit der Formation "Les Ambassadeurs".
In dieser Zeit folgte auch eine politische Flucht an die Elfenbeinküste, in den 80ern ging er nach Paris und ab da begann seine erfolgreichste Zeit.
Seine Musik finde ich faszinierend. Traditionelle Instrumente Westafrikas wie Kora, Balafon und Djembe werden wie selbstverständlich in wuchtige und treibende moderne Rhythmen eingebunden. Die Stimme erinnert immer ein wenig an die von Mory Kante, ein ihm recht ähnlicher Musiker aus Guinea. Insbesondere auf dem Album "Amen" ist die musikalische Verwandtschaft deutlich zu hören.
Seine Musik hat eine unglaubliche Power und sie "riecht" permanent nach Afrika und Savanne (hört sich vielleicht etwas verrückt an, ist aber so. ;-) )
Nach mittlerweile 4 Alben bin ich richtig süchtig nach seiner Musik.
observer
13.04.2006, 08:47
Hallo sparch, sehr schöner Thread, auch wenn es momentan überhaupt nicht mein musikalisches Pflaster ist. Aus den von dir beschriebenen Gründen (Suche nach musikalischem Neuland) habe ich Anfang der Neunziger recht viel aus der Ecke gehört und kenne somit auch viele der hier bereits genannten Künstler. Fela ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, die erste Angelique Kidjo Platte (Logozo) fand ich für einen Sommer auch sehr schön, habe die Dame auch mal live gesehen. Mach mal weiter, ich lasse mich da bestimmt auch mal inspirieren, einige alte sachen wieder rauszukramen.
Das von Wolfen gepostete Manu Dibango Cover ist, auch wenn mir die Platte nicht so gefallen hat, absolut großartig. Ist euch die Afrika-Kontur, die durch die Perspektive nachgestellt wird, aufgefallen?
Geht noch was ? Wäre schade, wenns absacken würde.
Paranoid
17.04.2006, 19:59
Das von Wolfen gepostete Manu Dibango Cover ist, auch wenn mir die Platte nicht so gefallen hat, absolut großartig. Ist euch die Afrika-Kontur, die durch die Perspektive nachgestellt wird, aufgefallen?Nee. Cool!
Geht noch was ? Wäre schade, wenns absacken würde.
Keine Sorge, so schnell sackt das hier schon nicht ab, zumal es in diesem Bereich im Moment auch gar nicht so viele Threads gibt.
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/AllenLive.jpg
Tony Allen - Live (2004)
Wer sich mit der Musik von Fela Anikulapo Kuti beschäftigt, kommt an Tony Allen kaum vorbei. Als Schlagzeuger war er bis 1979 inoffizieller, musikalischer Leiter in Fela's Band Afrika 70 und darüber hinaus einer der Erfinder des Afro Beat. In seinen Solo Arbeiten verweigerte er sich stets der Stagnation und war immer auf der Suche nach musikalischer Weiterentwicklung und integrierte u.a. Dub und Avantgarde Hip Hop Einflüsse aber auch Funk und Rock in seine Musik.
Auf diesem Live Album aus dem Jahr 2004, das aus verschiedenen Konzerten zusammengeschnitten wurde, stellt er seine Ausnahmestellung als Schlagzeuger und Bandleader einmal mehr unter Beweis. Erfreulicherweise verzichtet er dabei auf ellenlange Soli und ordnet sein Schlagzeugspiel immer der Musik unter, dem definitiven Rhythmus. Dabei erzeugt er einen schier unglaublichen Groove und die 7 langen Improvisationen lassen auch den Afrojazz von Afrika 70 aufleben.
Krautathaus
18.04.2006, 10:29
Ist euch die Afrika-Kontur, die durch die Perspektive nachgestellt wird, aufgefallen?
Ja. Cool!
Schnell noch ein ganz heißer Tip:
http://real1.phononet.de/cover/small/752/618/f6vfjrpt.j31
Suzzana Owiyo stammt aus Kenia und ist dort ein Star.
Tolle Vibes, tolle Grooves und genügend Roots, um auf keinen Fall verwestlicht zu klingen.
Anspieltip: Der Opener "Kisumu", Nr. 4 "Mama Africa" und Nr. 5 "Sandore".
Top, absolut top.
Beim Hören liefen mir leichte Schauer über den Rücken. Passiert mir selten, aber hier passierts.
Die Dame ist ein Grower, absolut.
dagobert
19.04.2006, 22:47
ich kenne bisher nicht viele musiker aus dem schwarzen kontinent. den meisten kann man aber "tolle vibes und tolle grooves" attestieren. was mich also interessieren würde ist, was sie so besonders macht, oder zumindest welche instrumente verwendet werden, um diese vibes und grooves zu erschaffen.
und darüber hinaus bin ich fan von allem was schauer über den rücken laufen lässt! ;-)
ich kenne bisher nicht viele musiker aus dem schwarzen kontinent. den meisten kann man aber "tolle vibes und tolle grooves" attestieren. was mich also interessieren würde ist, was sie so besonders macht, oder zumindest welche instrumente verwendet werden, um diese vibes und grooves zu erschaffen.
und darüber hinaus bin ich fan von allem was schauer über den rücken laufen lässt! ;-)
Kraftvolle Stimme, die ein wenig an Tracy Chapman erinnert. Sie spielt ne wunderbare Gitarre, die allerdings nicht permanent im Vordergrund präsent ist.
Elektrodrums sind mit drin, aber maßvoll, auch wohl Konga-ähnliche Drums. Dazu etliche schöne Basslinien. Wohl auch einiges an traditionellen Instrumenten Kenias inclusive "Rainmakers". Ab und an höre ich sowas wie ein elektronisches Klavier raus, wahrscheinlich ein Yamaha-Keyboard.
Keine Ahnung, welche Instrumente genau und summa summarum Verwendung finden. Ich bin kein Musiker, von daher kann ich keine wirklich genauen Angaben machen.
Im Grunde ist es mir persönlich auch relativ wurscht, ihre Stimme, ihre Gitarre und die Rhythm-Section sind die tragenden Elemente.
Auf keinen Fall ist ihre Musik sowas ähnliches wie French-Afro-Disco-Beat der End-80er.
Ich weiß, das alles hilft dir nicht wirklich weiter. Du erhoffst dir eine Art von musikalisch-technischem "Kopfklangbild" von mir. Leider geht das nicht, da ich -wie gesagt- kein Musikus bin.
Von daher schlage ich vor: Du schaust dir intensiv das Cover da oben an, denkst an die beste Doku der Savannen Kenias, die Du im TV gesehen hast und versuchst, dazu die passende Musik im Kopf abspielen zu lassen. ;-)
dagobert
19.04.2006, 23:12
danke schön für die mühe, wolfen. das ist deutlicher und lässt schon mehr durchblicken, was sich hinter dem namen verbirgt.
was ich mit meinem einwand andeuten wollte ist, dass es nicht reicht, afrikanische musik per se als eine bestimmte anzusehen. ali farka toure ist nicht fela kuti und daher bedarf es mehr als nur zu schreiben, dass es gute musik ist. insbesondere, wenn sich hier sonntagsafrikaner unterhalten und noch so grosses terrain offen ist.
Anne Pohl
19.04.2006, 23:14
@dago::liebe_2: Und "Sonntagsafrikaner" ist auch gut.
danke schön für die mühe, wolfen. das ist deutlicher und lässt schon mehr durchblicken, was sich hinter dem namen verbirgt.
was ich mit meinem einwand andeuten wollte ist, dass es nicht reicht, afrikanische musik per se als eine bestimmte anzusehen. ali farka toure ist nicht fela kuti und daher bedarf es mehr als nur zu schreiben, dass es gute musik ist. insbesondere, wenn sich hier sonntagsafrikaner unterhalten und noch so grosses terrain offen ist.
Hey, mir ist als Freund afrikanischer Musik bekannt, daß sie sehr vielschichtig ist. Genauso ist mir bekannt, daß Touré nicht Kuti und beide zusammen nicht Richard Bona sind. ;-)
Ich hatte ursprünglich lediglich einen schnellen Tip abgegeben, das war alles.
Sonntagsafrikaner ? ;-)
Wenn bitte meinst Du damit ?
dagobert
19.04.2006, 23:28
anne.
war nicht persönlich auf dich gemünzt, wolfen. dein text war nur der auslöser. keine bange, ich find's gut, dass du hier postest. (so lange sparch das auch findet)
Anne Pohl
19.04.2006, 23:33
Hey, mir ist als Freund afrikanischer Musik bekannt, daß sie sehr vielschichtig ist.
na, dann kannst Du sicher locker auf Klischees wie "Doku von den Savannen Kenias" verzichten. Davon ab mag ich diesen Thread auch sehr, bin aber, wie Dago richtig erkannt hat, zu sehr Sonntagsafrikanerin, um wirklich was beizusteuern. Aber ich warte natürlich auf den Tipp, der mich in den nächsten Plattenladen reißt wie der Löwe die Antilope.
dougsahm
19.04.2006, 23:37
off topic
@anne. Erfrischend nach langer Zeit endlich wieder ein 1A Zeugma zu lesen.
anne.
war nicht persönlich auf dich gemünzt, wolfen. dein text war nur der auslöser. keine bange, ich find's gut, dass du hier postest. (so lange sparch das auch findet)
Hab ich auch nicht so aufgefasst. Den rot unterlegten Text werde ich mir aber nochmal durch den Kopf gehen lassen. ;-)
na, dann kannst Du sicher locker auf Klischees wie "Doku von den Savannen Kenias" verzichten. Davon ab mag ich diesen Thread auch sehr, bin aber, wie Dago richtig erkannt hat, zu sehr Sonntagsafrikanerin, um wirklich was beizusteuern. Aber ich warte natürlich auf den Tipp, der mich in den nächsten Plattenladen reißt wie der Löwe die Antilope.
Verehrte Anne Pohl: Klischee hin oder her. Wenn Du dir eine gute Dokumentation im TV über Kenia ansiehst, wirst Du mit Sicherheit dabei unter anderem eben diese Art von Musik hören, wie sie z.B. die Dame da oben zum Besten gibt. Ich würde mich sogar überhaupt nicht wundern, wenn Frau Owiyo selbst die eine oder andere Soundunterlage in einer sehr ordentlichen BBC-Doku geliefert hätte.
Von der Seite her kann man mit etwas Phantasie und einer bereits gesehenen guten Doku schon ein zumindest grobes "Klangbild" bei sich selbst im Kopf erzeugen.
danke schön für die mühe, wolfen. das ist deutlicher und lässt schon mehr durchblicken, was sich hinter dem namen verbirgt.
was ich mit meinem einwand andeuten wollte ist, dass es nicht reicht, afrikanische musik per se als eine bestimmte anzusehen. ali farka toure ist nicht fela kuti und daher bedarf es mehr als nur zu schreiben, dass es gute musik ist. insbesondere, wenn sich hier sonntagsafrikaner unterhalten und noch so grosses terrain offen ist.
Zustimmung auch von mir und danke an Großmeister sparch für den Thread.
Frage an die Experten: gibt es regionale Unterschiede in der afrikanischen Musik (kann ich mir kaum anders vorstellen)? Es scheint ja so zu sein, dass sich westliche Musik überall wiederfindet, aber gibt es verschiedene Traditionslinien, die sich in der modernen afrikanischen Popmusik wiederfinden?
Zustimmung auch von mir und danke an Großmeister sparch für den Thread.
Frage an die Experten: gibt es regionale Unterschiede in der afrikanischen Musik (kann ich mir kaum anders vorstellen)? Es scheint ja so zu sein, dass sich westliche Musik überall wiederfindet, aber gibt es verschiedene Traditionslinien, die sich in der modernen afrikanischen Popmusik wiederfinden?
Ich verstehe Deine Frage nicht so ganz. Afrika als Kontinent ist natürlich viel zu groß, als dass man von der afrikanischen Musik sprechen könnte. Wenn man z.B. nur mal Mali und Nigeria vergleicht, dann wird man nur wenig Gemeinsamkeiten feststellen, oder wie dagobert es bereits formulierte: Ali Farka Touré ist nicht Fela Kuti. Bei Touré würde ich nie von "Vibes" oder "Grooves" reden, bei Fela dagegen ist der Rhythmus das Fundament auf dem die Musik gebaut ist, wie übrigens auch bei Sunny Adé oder all den Highlife Musikern. Wobei man selbt bei Nigeria nicht von der nigerianischen Musik sprechen kann. Die Musik der Hausa im Norden klingt sicher völlig anders als die der Yoruba (Fela oder Adé) oder Igbo (hier kenne ich nur ein paar Highlife Stücke) und es gibt noch zig weitere Bevölkerungsgruppen im Land.
Ich und Großmeister? Nein, in diesem Bereich würde Entdecker es besser treffen.
Ich verstehe Deine Frage nicht so ganz. Afrika als Kontinent ist natürlich viel zu groß, als dass man von der afrikanischen Musik sprechen könnte. Wenn man z.B. nur mal Mali und Nigeria vergleicht, dann wird man nur wenig Gemeinsamkeiten feststellen, oder wie dagobert es bereits formulierte: Ali Farka Touré ist nicht Fela Kuti. Bei Touré würde ich nie von "Vibes" oder "Grooves" reden, bei Fela dagegen ist der Rhythmus das Fundament auf dem die Musik gebaut ist, wie übrigens auch bei Sunny Adé oder all den Highlife Musikern. Wobei man selbt bei Nigeria nicht von der nigerianischen Musik sprechen kann. Die Musik der Hausa im Norden klingt sicher völlig anders als die der Yoruba (Fela oder Adé) oder Igbo (hier kenne ich nur ein paar Highlife Stücke) und es gibt noch zig weitere Bevölkerungsgruppen im Land.
[...]
Das beantwortet die Frage, danke!
sparch: eventuell sollte man den Begriff "Highlife Music" ein wenig in geraffter Form erläutern. Erscheint mir in diesem Fall und in diesem Thread nicht ganz unwichtig.
Vor allem deswegen, weil die große Z eit der Highlife Music (mit Masse aus Ghana) wohl in den späten 1960ern und 70ern lag und Künstler wie auch ihre Werke der damaligen Zeit heute kaum mehr bekannt sind, mir übrigens auch nur in relativ dürftigen Fragmenten.
Und so "übel" die 1980er Jahre auch immer dargestellt werden: in dieser Decade erreichten auf jeden Fall die Outputs vieler Afro-Musiker der "post Highlife Zeit" (wenn auch teils mit im Grunde verpöntem Equipment) einen zumindest sehr populären Höhepunkt. Sowohl in Frankreich, wie auch hier in Deutschland.
Übrigens: hier (http://networkmedien.de/control.php?&topgroupname=&groupname=produkte&subgroupname=produkte_anthologien&produkteid=50&link=modules/produkte/showproduktedetails.php&rlink=modules/produkte/showprodukte.php) findet man ein seltenes Stück Highlife Music.
Der Klick auf den Warenkorb der Website führt direkt zu Zweitausendeins.
Highlife war vor allem in den 70er Jahren bis in die frühen 80er hinein die wohl populärste Tanz- und Partymusik auf dem afrikanischen Kontinent. Der Ursprung dieser Musik findet sich in Westafrika, vor allem Ghana und Nigeria. Obwohl die Stücke meist lang, monoton und auf einem bestimmten Rhythmus basierend sind, sind sie alles andere als langweilig, ja regelrecht ansteckend, so dass man beim Hören kaum ruhig sitzen bleiben kann. Eine Verwandshcaft zum Reggae ist durchaus vorhanden, hier und da kommt auch schon mal ein Gebläse zum Einsatz aber das wichtigste Instrument neben Schlagzeug und Percussion ist die Gitarre. Highlife hat einige große Gitarristen wie z.B. Alex Konadu hervorgebracht, der auch auf dem von wolfen empfohlenen Sampler 'Sankofa' (http://networkmedien.de/control.php?&topgroupname=&groupname=produkte&subgroupname=produkte_anthologien&produkteid=50&link=modules/produkte/showproduktedetails.php&rlink=modules/produkte/showprodukte.php) verteten ist. 'Sankofa' beschränkt sich zwar auf ghanaischen Highlife, ist aber wie alle Produkte aus dem Hause Network vorbildlich aufgemacht und als Dokument zeitgenössischer afrikanischer Populärmusik nahezu unverzichtbar.
dagobert
20.04.2006, 11:15
auf der suche nach dem ursprung des begriffs "african spacecraft" musste ich gerade feststellen, dass von über 10 seiten bei google.de, dieser thread ganz oben auftaucht. herzlichen glückwunsch(?), sparch.
es gibt ein album von keziah jones, das so heisst. ist der thread titel daran angelehnt?
es gibt ein album von keziah jones, das so heisst. ist der thread titel daran angelehnt?
Ertappt, genau da kommt das her. Keziah Jones ist zwar Nigerianer, aber das Album passt hier wohl weniger rein. Was natürlich nichts daran ändert, dass es eine klasse Platte ist.
dagobert
20.04.2006, 11:24
vollkommen. ich habe "million miles from home" seit jahren nicht mehr gehört, aber die melodie immer präsent. wirklich sehr gut. amg schreibt in etwa "his grunge-a-like album"..brrr
es ist wohl niemand amerikanischer als keziah jones und seine funk-wah-wahs, aber trotzdem ein sehr gut gewählter titel für diesen thread.
Ertappt, genau da kommt das her. Keziah Jones ist zwar Nigerianer, aber das Album passt hier wohl weniger rein. Was natürlich nichts daran ändert, dass es eine klasse Platte ist.
Einerseits natürlich gut, daß ihn sein Häuptlingsdaddy nach London zur Schule schickte, er aber vorher noch ein wenig in die Kommune von Fela Kuti reinschnupperte.
Aber als Strassenmusiker in London bekam er dann wohl zwangsläufig den kantigen Funk und diesen ihm ganz eigenen Space-Sound ins Blut. Okay, ein wenig OT, sorry. ;-)
dagobert
20.04.2006, 11:30
london also? na gut, dann halt nicht ganz "amerikanisch" ;-)
london also? na gut, dann halt nicht ganz "amerikanisch" ;-)
Ist England nicht der '51st State of America'? Jetzt aber ist genug mit OT. ;-)
Noch ein Nachtrag zu Fela.
Wie bereits erwähnt, enthält die US Ausgabe des Albums 'Zombie' statt 'Mr Follow Follow' die beiden Stücke 'Monkey banana' und 'Everythig scatter'. Ersteres erschien in Nigeria 1976 auf dem Album 'Before I Jump like Monkey Give Me Banana' und letzteres 1975 auf dem gleichnamigen Album. Beide Alben sind in den USA vermutlich nicht erschienen, so dass man sich wohl dazu entschloss, 'Zombie' als Kompilation dieser 3 Alben zu veröffentlichen.
Das ebenfalls erwähnte Album 'Black President' aus dem Jahr 1981 ist in dieser Form nur im UK erschienen. Die beiden Stücke 'Sorrow, tears and blood' und 'Colonial mentality' erschienen in Nigeria bereits 1977 auf dem Album 'Sorrow, tears and blood' (mehr ist auf der Platte auch nicht drauf), während 'I.T.T.' 1979 auf dem gleichnamigen Album veröffentlicht wurde und dort das einzige Stück war.
Da Fela Platten in den 70er Jahren meist nur aus 2 Stücken bestanden und zwischen 20 und 30 Minuten lang waren, wurden für den internationalen Markt oft mehrere Alben zusammengefasst. Das Label Barclay hat um das Jahr 2000 herum in der Serie Fela-Originals die Original Alben wiederveröffentlicht, d.h. so wie sie in Nigeria veröffentlicht wurden, darunter auch jede Menge Twofers, d.h. 2 Alben auf einer CD.
Sehr empfehlenswert ist 'Open&Close/Afrodisiac'
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/FelaOpenClose.jpg http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/FelaAfrodisiac.jpg
Beide Alben sind aus dem Jahr 1971 bzw. 1973, wobei letzteres ein Sammlung von Singles ist, die 1971 in Nigeria veröffentlicht wurden. Weniger politisch zwar als spätere Werke, so beschreibt das Stück Open&Close' in seinem Text lediglich den dazugehörigen Tanz, aber musiklaisch nicht minder aufregend. Treibende, vertrackte Rhythmen, freie Improvisationen auf dem Keyboard und ein krachendes Gebläse sorgen auch hier schon für ungebremstes Fela-Feeling, dazu der Gesang des Meisters, der eher einem Bellen gleichkommt.
dagobert
20.04.2006, 19:57
habe "open & close/afrodisiac" gestern zum ersten mal gehört und wie bereits davor (die offenbar englische ausgabe von) "black president" und "confusion/gentleman" für sehr gut befunden. danke für die interessanten infos, sparch. es ist zwar noch immer recht verwirrend, aber der nebel lichtet sich langsam. einerseits sind die veröffentlichungen des berclay labels sicher sehr interessant, andererseits sind die, extra für unsere weissen ohren zusammengeschusterten, CDs dennoch sehr hörenswert. es ist auch bei ihnen schon jedes mal ein ärgernis, wenn das letzte lied ausklingt und der beat plötzlich aussetzt. wie schlimm muss es da erst bei den originalen sein ;-)
mit deiner definition der "black president" bin ich dennoch nicht zufrieden. man hört auf meiner kopie deutlich das rauschen der schallplatte, und das erste stück ist definitiv "everything scatter". leider wird es mir beinahe unmöglich sein herauszufinden, was der ursprung dieser CD ist. wenn ich es aber trotzdem irgendwie herausfinde, lasse ich dich wissen.
Nachtrag von mir zu Ali Farka Touré und seinem letzten Album "In The Heart Of The Moon"
Gestern Abend hab ich es mit Muße hören können, ein wunderbares Album. Ich mache es mir etwas vorerst etwas einfach und stelle folgenden Text hier rein, der -wie ich finde- eine wirklich gute Beschreibung des Albums beinhaltet:
"Dieses Album ist einmalig: Duette von Ali Farka Touré und Toumani Diabaté, zwei der großartigsten Musiker Afrikas. Darüber hinaus ist es die erste neue Aufnahme beider Künstler in den letzten fünf Jahren.
In the Heart of the Moon ist voller Inspiration. Das wunderbare Ergebnis einer hochkarätigen Zusammenarbeit des Gitarristen Ali Farka Touré und des Kora-Spielers Toumani Diabaté. Eigentlich hatten sie lediglich für einen Track ein Duett geplant, aber ihre Kreativität brachte letztendlich ein ganzes Album neuer Stücke hervor. Proben gab es keine, die Performances wurden aus dem Repertoire beider Männer hervorgeholt. In einer elektrischen Atmosphäre, die regelrecht greifbar war, wurde das Album in drei aufeinanderfolgenden Sessions zu je 2 Stunden in einem mobilen Studio im Hotel Mandé an den Ufern des Niger in Bamako (Mali) aufgenommen.
Ali Farka Touré ist international bekannt als der König des Wüsten-Blues. Seinen unverwechselbaren Gitarrenstil entwickelte er aus den Traditionen der Songhai und Peul seiner Heimat im Norden Malis. Toumani Diabaté wird als der beste Kora-Spieler der Welt gehandelt und ist ein Meister der Jahrhunderte alten Mandinka-Traditionen. Zusammen geben sie ein glanzvolles Paar ab. Die Aufnahmen beinhalten raffinierte Beiträge von Ry Cooder (Kawai-Piano und Ripley-Gitarre), Sekou Kanté und Cachaíto López (Bass) sowie von Joachim Cooder und Olalekan Babalola (Percussion). Diese Aufnahme ist der erste Teil einer Trilogie, die von Nick Gold im Hotel Mandé aufgenommen wurde. Diesem Duett-Album werden weitere Alben folgen mit Aufnahmen von Toumani Diabaté und dem pan-afrikanischen Symmetric Orchestra sowie von Ali Farka Touré und seiner n’goni-Band (n'goni: traditionelle Gitarre aus Mali). Diese historische Aufnahmeserie ist die am sehnsüchtigsten erwartete afrikanische Veröffentlichung seit vielen Jahren und erstem Feedback zufolge verspricht ...die erste Frucht der Zusammenarbeit unwahrscheinlich köstlich zu sein... (Observer Music Monthly)"
Das Album hat nach meinem Dafürhalten keinerlei Hänger oder sackt irgendwo ab. Die traditionelle Kora ergänzt sich wundervoll mit der Gitarre von Touré und die übrigen Mitstreiter gehen sensibel und mit viel Einfühlungsvermögen ans Werk.
Ich weiß wirklich nicht, welche(n) Titel ich hier hervorheben kann oder soll, sie fließen alle fast überirdisch schön ineinander über und die Melodien schweben mit einer Leichtigkeit und Lässigkeit ins Ohr, daß man am besten gar nichts sagt und sich einfach verzaubern lässt.
Zu Lebzeiten galt Ali Farka Touré immer als ein etwas schwieriger Mensch, manche bezeichneten ihn gar als arrogant. Öfters hat er andedeutet, daß sowieso niemand außerhalb seines eigenen Kulturkreises seine Musik wirklich verstehen oder würdigen könne.
Nur wenige westliche (Blues)musiker wurden von ihm tatsächlich anerkannt und er bezeichnete gerne Afrika im allgemeinen und Mali im speziellen als die eigentliche Wiege des Blues.
Ich gestehe gern und jederzeit zu, daß "westliche Ohren" nie wirklich in die Geheimnisse dieser Musik vordringen können oder werden.
Aber so lange diese Musik in ihrer exotischen Melodik und Schönheit verzaubern kann, ist das auch nicht so wirklich wichtig. Mir persönlich genügt es jedenfalls.
Da ich mir sehr gerne Kulturdokumentationen über Afrika ansehe, laufen beim Anhören der Musik von Touré dann auch etliche schöne Bilder vor dem inneren Auge ab, was den Reiz der Musik bei mir zusätzlich verstärkt.
Wie es oben im blauen Text schon anklang: ich habe keine Ahnung, wie die Folgealben sich gestalten werden, da leider leider Ali Farka Touré ja nicht mehr mitmischen kann bzw. ob sie überhaupt in der Form, wie ursprünglich angedacht, produziert werden.
Aber vielleicht gibt der Meister ja von ganz oben ein paar Inspirationen nach unten.
Ich werde jedenfalls versuchen, diese Geschichte im Net zu verfolgen, soweit es möglich ist.
"In The Heart Of The Moon" ist für mich ein Album mit (derzeit) **** 1/2. Ich denke, nach mehrmaligem Hören könnte ich persönlich auch die Höchstwertung geben.
dagobert
21.04.2006, 10:36
von mir gibt es bereits die bestwertung. das ist ganz und gar ein ausnahmealbum und es kann fast nur kitschig enden, es beschreiben zu wollen. als ich es anfangs in den händen hielt ärgerte ich mich noch darüber, dass man sogar auf das booklet aufdrucken musste, es sei das "wohl schönste album" überhaupt. doch stellte sich bald heraus, dass es nicht untertrieben war.
ist das zweite album aus dieser reihe, von dem oben die rede ist, das "boulevard de l'independance" von toumani? und was passiert mit dem letzten und dritten album, jetzt da es touré nicht mehr gibt? weisst du was darüber, wolfen?
dagobert: Nein, ich weiß im Moment überhaupt nichts über die Fortführung dieses Projektes.
Im Moment finde ich auch nichts darüber im Net.
Ich denke, der Tod von Ali Farka Touré kam einfach zu plötzlich, als daß es derzeit schon Überlegungen oder gar Pläne gibt, wie man die Sache ohne ihn fortführen könnte.
Aber wie gesagt, ich versuche am Ball zu bleiben.
Klingt allerdings hochinteressant, was über Boulevard de l'independance (http://www.bluerhythm.de/review/toumani-diabate-symmetric-orchestra.html) so geschrieben wird.
dagobert
21.04.2006, 12:12
die CD ist momentan mit einer bonus DVD erhältlich und tatsächlich sehr zu empfehlen.
die CD ist momentan mit einer bonus DVD erhältlich und tatsächlich sehr zu empfehlen.
Weißt Du, was auf der DVD drauf ist?
dagobert
21.04.2006, 12:23
eine ca. halbstündige doku über toumani und seine kora, das symmatric orchestra und zur entstehung der platte sowie über das land. es geht zwar informativer aber noch ganz nett.
Fela Veröffentlichungsdschungel, Teil III
Wer sich für das Spätwerk interessiert, der ist mit dem Twofer 'Beasts of no nation / O.D.O.O. (Overtake don overtake overtake) bestens bedient. Beide Alben wurden in Nigeria 1989 veröffentlicht. Seine Band hieß damals nicht mehr Afrika 70 sondern Egypt 80 und die Musik klang insgesamt zwar entspannter als auf den Alben der 70er wichen aber ansonsten nicht allzu sehr vom Fela-Konzept ab, d.h. lange Stücke mit ausgiebigen Improvisationen und bissigen Texten. Im Unterschied zu früheren Alben hat die Gitarre hier jedoch eine größere Bedeutung. 'Beasts of no nation' war das erste Stück, das er 1985 nach der Entlassung aus der Haft geschrieben hatte. Die 1984 "zurückgekehrte" Militärregierung verurteilet ihn unter dem Vorwand des Devisenschmuggels zu 10 Jahren Haft, aus der er bereits 1985 mit Hilfe von Amnesty International wieder entlassen wurde. Gewohnt provokant zeigt das Cover des Albums u.a. Maggie Thatcher, Ronald Reagan und Pieter Botha als gehörnte, blutverschmierte Vampire und im Text schimpft er "Animals wan dash our human rights".
Auch bei diesen beiden Alben wurden die internationalen Versionen verändert. Die Originalalben bestehen jeweils aus dem halbstündigen Titelstück. Bei der US-Version von 'Beasts...' wurde dieses um mehr als 10 Minuten gekürzt, dafür gibt es ein weiteres Stück 'Just like that', welches in Nigeria 1990 als Album veröffentlich wurde. Die US-Version von 'O.D.O.O.' wurde um das Stück 'CBB (Confusion break bones)' erweitert, welches in Nigeria ebenfalls 1990 als Album veröffentlicht wurde.
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/FelaBeasts.jpg http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/FelaODOO.jpg
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/DiabateIndependance.jpg
Toumani Diabate's Symmetric Orchestra - Boulevard de l'Independance (2006)
Der Zauberer an der Kora aus Mali trat bisher mehr in Kollaborationen mit Künstlern wie seinem Landsmann Ali Farka Toure oder dem Blueser Taj Mahal in Erscheinung. In seinem Symmetric Orchestra übernimmt er neben der musikalischen Leitung natürlich die Kora. In Westafrika gilt die Kora als Königsinstrument. Sie ist eine 21-saitige Stegharfe mit einem gitarrenähnlichen Hals, der mit einer Kalabasse verbunden ist und nur als Befestigung dient. Geübte Koraspieler, und dazu muss man Diabate ohne Zweifel zählen, spielen gleichzeitig die Basslinie, Melodie sowie eine Variation und schlagen manchmal sogar noch den Rhythmus auf der Kalabasse. Hier ist das jedoch nicht notwendig, denn das Orchestra verfügt über eine Reihe von Schlagzeugern und Percussionisten. Darüber hinaus gibt es jede Menge Bläser (unter der Leitung von Funklegende Pee Wee Ellis) und Streicher sowie Chor und Leadsänger, z.T. Mitglieder solch legendärer Bands wie Rail Band oder Bembaya Jazz. Das alles zusammen ergibt das wohl definitive Konglomerat westafrikanischer Musik, die darüber hinaus noch in der Lage ist, über den stilistischen Tellerand hinauszublicken, die Tradition mit Moderne verbindet und Funk, Soul und Jazz integriert als wäre es nie anders gewesen. Schon das erste Stück 'Toumani', welches vom Text her eine Hommage an Diabate und dessen Familie ist, kombiniert Highlife Gitarren mit funkigen Bläsersätzen und treibenden Rhythmen. Das Titelstück dagegen steht in bester malischer Balladentradition mit typischen, weiblichem Chorgesang. Der 'Boulevard de l'Independance' ist übrigens die Prachtstraße Bamakos, an der man nie vorbeikommt, egal wohin man reisen möchte. Viele Stücke auf dem Album sind alte malische Volksweisen, so z.B. das knapp 8 Minuten lange, tranceartige 'Mali Sadio', das von Trennung und Verlust handelt und hauptsächlich auf Kora, Trommeln und typischem Griot-Gesang reduziert ist. Es erzählt die Fabel von einem Flusspferd, das von der bevölkerung liebgewonnen aber von Fremden umgebracht wurde. Mali bedeutet übersetzt übrigens tatsächlich Flusspferd. 'Africa Challenge' bietet Mali-Salsa, kombiniert mit afrokaribischen und kubanischen Einflüssen und einem Hauch Senegal, da der Text in der dort verbreiteten Sprache der Wolof gesungen wird.
Aufgenommen wurde dieses wunderbare Album übrigens im Hotel Mandé zu Bamako. Als Dreingabe gibt es eine DVD mit einer knapp 14 Minuten langen Dokumentation über die Entstehung des Albums. Leider ein bisschen kurz geraten aber am Ende der Doku gibt es einen traumhaft schönen Blick über den Niger und man wünscht sich, man wäre bei den Aufnhamen dabei gewesen.
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/MagouAfricaYewul.jpg
Magou & Dakar Transit - Africa Yewul (2006)
Neben Nigeria und Mali dürfte der Senegal musikalisch das wohl interessanteste Land Westafrikas sein. Neben bekannten Größen wie Youssou N'Dour oder Ousmane Touré reiht sich nun Magou ein und sein Album 'Africa Yewul' ('Africa wake up') muss sich vor diesen nicht im Geringsten verstecken. Die Möglichkeit, international Alben aufzunehmen hatte er schon eher, aber erst das Frankfurter Network-Label ließ ihn das Album so aufnehmen wie er es wollte. Was Magou jedoch von den genannten Größen unterscheidet ist seine Stimme. Im Senegal werden im Allgemeinen hohe Stimmen bevorzugt und der Starstatus eines Youssou N'Dour beruht u.a. auch auf dessen Falsettgesang. Magou dagegen verfügt über eine tiefe Reibeisenstimme, die einem beim Hören jedoch sofort in den Bann zieht. Verstärkt wird er durch seine Band Dakar Transit, zu der neben Gitarren und Percussion auch der bekannte und aus Gambia stammende Koraspieler Tata Dindin zählt, die ein traditionelles Fundament legt, in dem sowohl Balladen als auch beschwingtere Stücke Platz haben und die auch ein Blick über den Tellerrand Senegals hinaus wirft. So basiert das Titelstück, eine eindringliche Beschreibung vergangener und aktueller Konflikte, auf brasilianischen Voodoorhythmen und Bossnova-Klängen. Im Song 'Mbegel', welches die Macht der Liebe beschreibt, fasziniert das Zusammenspiel von Talking Drum und Kora und das Stück 'Ling Ling', eine provokante Warnung vor den sog. Schürzenjägern, integriert afrokaribische und kubanische Rhythmen. Es sind aber vor allem die Balladen, was hier übrigens keinesfalls eine negative Bedeutung hat, die bewegen. So thematisiert das epische 'Mama Africa' die Ausbeutung eines ganzen Kontinentes durch Kolonialisierung aber auch durch Afrikaner selbst. 'Goree', eine Insel und Hauptumschlagplatz für Sklavenhandel, erzählt die Geschichte eines Jungen, der nicht einmal mehr seinen Eltern traut und Angst hat, dass sie ihn verkaufen. Gegen Ende des Albums wird es noch einmal zumindest musikalisch etwas fröhlicher, so hat 'Sama' den Rhythmus ritueller Tanzmusik aus der Casamance, dem südlichsten Teil Senegals.
Auf der CD befinden sich neben dem Album noch 3 weitere Stücke, die bereits 2003 im Senegal aufgenommen wurden. Besonders hervorzuheben ist hier das Stück 'Lions', das den Sieg der senegalesischen Fußballmannschaft über Frankreich bei der WM 2002 beschreibt.
Obwohl die Texte oft traurig, anklagend oder mahnend sind und die Musik meist melancholisch ist, ist der "Blick" Magous durchaus nach vorne gerichtet und seine Musik versprüht einen gewissen Optimismus. Ein wunderbares Album!
dagobert
05.05.2006, 12:08
ja, klingt interessant. "reibeisenstimme", koras, voodoorhythmen; es hat potential.
aber auch über die beiden vorangegangen texte habe ich mich gefreut. sehr schöne entwicklung des threads.
Sehr sehr schöne Neuentdeckung: Issa Bagayogo
http://www.exil.de/exilneu/images/covers/5375-2.jpg
Der ehemalige Hirsefarmer, Busfahrer und ob diverser Lebensschwierigkeiten zeitweise durchgeknallte Mann aus Mali hatte im ersten musikalischen Anlauf seine Schwierigkeiten. Bis er zwei cleveren französischen Weltmusik-Produzenten in die Hände fiel.
Seit dieser Zeit hat er den Spitznamen "Techno-Issa" weg, was allerdings schon ein wenig irreführend ist. Denn mit Techno im eigentlichen Sinne hat der Mann nur recht wenig bis nichts zu tun.
Das ganze hört sich eher an wie eine Funk-Dub-Afro-Roots Mischung ohne Berührungsängste mit elektronischen Drum-Machines neben afrikanischen Trommeln, der N’goni (afrikanische Laute) und Balaphones (afrikanisches Xylophon).
Vieles davon klingt so, wie ein Sonnenuntergang in der Savanne aussieht: malerisch, ruhig, ein bissel träumerisch, vielleicht sogar ein klein wenig metaphysisch.
Song Nr. 2 des Albums ("Diama Don") gehört da schon eher zum etwas "rasanteren" Groove, ebenso das darauf folgende "Koroto".
"Kanou" zaubert locker mit teils Sprechgesang und relaxten Rhythms das Bild einer afrikanischen Abenddämmerung vors innere Auge. Ähnlich beruhigend-friedlich gehts bei "Djigui" weiter.
"Kalan Nege" rüttelt dann wieder aus der leichten Beschaulichkeit raus mit einem kleinen Kick aufs rhythmische Gaspedal, da wippt der Fuß gleich mit und es nickt der Kopf.
Trotz des (dezenten) Einsatzes von Elektronik bleibt das gesamte Album sehr "naturbelassen" und authentisch.
Alles fließt homogen, aber keinesfalls langweilig und die Songs ruhen auf geheimnisvolle Art in sich selbst.
Ich mag diese Musik sehr, eine Art von zarter akustischer Ganzkörpermassage mit hohem Wohlfühlfaktor.
Möge der Mann nie wieder in die Verlegenheit kommen, in Mali einen Bus fahren zu müssen.
The Next One: The Mighty Zulu Nation "Abantu"
http://www.indigo.de/img/cover/big/5313.jpg
Welch ein phänomenaler Chorgesang, welche Rhythmen, einfach großartig. :feier:
Das hat Wucht und Drive, traditionelle Instrumente treffen Urban-African-Samples und diesen ganz eigenen afrikanischen Rap aus den Townships Südafrikas.
World-Music-Dancefloor meets African Roots. Multikulti ohne Kitsch, ganz im Gegenteil, da kriegt man locker die Kurve.
Die Drums kommen mit Power und Verve, da juckts ganz gewaltig in allen Extremitäten.
Hier sind wirklich stimmgewaltige Jungs und Mädels am Werk, die auch immer wieder für tolle A Capella-Einlagen gut sind.
Die Mighty Zulus tragen ihren Namen absolut zu Recht, ein energiegeladener Kontrapunkt z.B. zu der Musik eines Issa Bagayogo. Beim Hören hatte ich manchmal das Gefühl, hier wären Ladysmith Black Mambazo in einen Jungbrunnen gefallen.
Ich glaub, live wäre diese Formation ein absoluter Oberhammer und würde selbst den kühlsten Norddeutschen zu absolut untypischen Verrenkungen bringen. ;-)
-Nachtrag- wer noch ne bildhafte Vorstellung von den "Zulus" braucht, bitte sehr:
http://www.indigo.de/img/interpret/big/4246.jpg
HellCreeper
08.05.2006, 14:50
Sparch, vielen Dank für diesen Thread.
Schon seit längerem versuche ich den Einstieg ins afrikanisches Musikgefilde. Angeregt durch eine der Rare Trax anno 2001.
Nur der Mut fehlte mir sich durch diesen undurchschaubaren Dschungel zu kämpfen.
Mit diesem Thread ebnet sich für mich eine völlig neue Welt, daher möchte ich diesen Thread als Wegweiser benutzen, mit dem ich hoffentllich alsbald auf meinen eigenen Beinen stehen kann.
Meine Vorlieben, sind sehr stark traditionel angelegte Werke, die mit viel Drum unterlegt sind.
Okay, einer geht noch: Mamadou Diabate "Bemanka (Solo Kora)"
Jetzt wird es sehr traditionell, der Cousin des nicht minder großen Toumani Diabate hat hier ein Album für die Kora, die westafrikanische Stegharfe, eingespielt.
Das Instrument wird beidhändig gezupft und Diabate spielt hier Melodie und Begleitung.
Und zwar derartig virtuos, daß es mich absolut verblüfft.
Die Kora sieht so aus (gleich mit Mamadou am Instrument)
http://www.mamadoukora.com/images/mamadou_bio.jpg
Frag mich bitte niemand, wie man diese flirrenden Melodien mit 2 Händen an diesem Instrument hinbekommt, ich kann selbst nur staunen.
Das Album hat nichts vordergründig Spektakuläres zu bieten. Für Leute, die mit dieser Art von Musik grundsätzlich nicht viel anfangen können, mag es sogar in gewissem Sinne langweilig wirken.
Für mich ist es ein "Hinhörer" allererster Güte und obwohl ich selbst kein Saiteninstrument spiele, ist diese Musik ein kleiner Traum an filigranem und technisch äußerst versiertem Spiel.
Der Mann hat offenbar zaubernde Flitzefinger, anders kann ich mir das nicht erklären. Ich denke, auch versierte Gitarristen würden hier das große Staunen erleben.
Und noch für skraggy: VÖ-Datum 2004
Ich bin absolut verschossen in die Musik von The Mighty Zulu Nation. :liebe_2: :liebe_2: http://forum.tour-magazin.de/images/smilies/new/111hbpunk.gifhttp://forum.tour-magazin.de/images/smilies/new/111hbpunk.gif
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/BaobabPiratesChoice.jpg
Orchestra Baobab - Pirates choice (1982/2001)
Der Titel 'Pirates choice' ist eine Anspielung auf die Beliebtheit des Orchestra Baobab denn keine andere Band konnte im Senegal mehr Raubkopien auf sich vereinigen. Die Anfänge dieser Band, die sich nach einem noblen Club in Dakar benannt hat, geht bis in die 60er Jahre zurück. Schon damals waren sie, wie nur wenige ihrer Mitstreiter, mit den besten Instrumenten ausgestattet und gaben fast jeden Abend ein Konzert, streng nach der Devise "nur wer viel übt und live auftritt hat auch Erfolg'. Dieser ließ dann auch nicht lange auf sich warten, denn das Orchestra Baobab zählte zu den beliebtesten Bands Westafrikas. Inspiriert durch kubanische Tanzorchester kombinierten sie deren Stil mit westafrikanischen Rhythmen und zählten somit zu den Pionieren des sogenannten Afro-Salsa. Dabei verzichtet die Band weitgehend auf traditionelle Instrumnente und beschränkt sich meist auf Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion und Saxophon.
Bei 'Pirates choice' handelt es sich um Session-Aufnahmen, live um Studio eingespielt, was der Musik viel Raum für Improvisationen lässt, so ist kein Stück kürzer als 6 1/2 Minuten. Langeweile kommt dabei aber niemals auf, denn die Band versteht es die meist langsamen und entspannten Stücke derart lässig aus dem Handgelenk zu schütteln, als gäbe es nichts Einfacheres. Neben dem meist eindringlichen Gesang, die Band hatte immerhin 5 Sänger die meist eine Mischung aus spanisch und Wolof sangen, sind es vor allem die Gitarre und das Saxophon, welche hier eine führende Rolle spielen. Manche Stücke sind Überarbeitungen kubanischer Vorlagen, so z.B. 'Utru horas', welches seinen Ursprung in Guinea-Bissau hat. Hier fallen sofort die klirrenden, beinahe spacigen Gitarrensoli auf, die sich kongenial mit dem Saxophon abwechseln und quasi die Marschroute für das ganze Album festlegen. Ein Album, dem es aber auch an Abwechslung nicht mangelt, so klingt 'Coumba' wie ein französicher Popsong auf der Basis eines Rumba Rhythmus. 'Toumaranke' lässt dank der Samba-Rhythmen gar brasilianische Karnevalsstimmung aufleben was in völligem Gegensatz zum Text steht, in dem es um Heimweh geht. Das abschließende 'Balla daffe' kombiniert einen Reggae-Rhythmus mit einer einprägsamen Saxophonmelodie.
Ursprünglich wurden die Sessions im Senegal nur als Kassette veröffentlicht, 6 Stücke daraus später dann als LP in Frankreich und 1989 dann erstmals auf CD. Die kompletten Sessions, also alle 12 Stücke, wurden erst 2001 auf CD veröffentlicht. Die Band selbst brach nach den Aufnahmen schnell auseinander und fiel in einen fast 20 Jahre dauernden Dornröschenschlaf, ehe sie 2002 beinahe in Originalbesetzung reanimiert wurde und ein neues Album mit dem Titel 'Specialist in all styles' aufnahm.
http://people.freenet.de/sparch/RollingStone/SeneNDourGainde.jpg
Yandé Codou Sène & Youssou N'Dour - Gainde (Voices from the heart of Africa) (1995)
Wer Youssou N'Dour vor allem wegen seines Welthits '7 seconds' im Duett mit Neneh Cherry schätzt, könnte mit diesem Album so seine Problem bekommen, wer jedoch seine internationalen Veröffentlichungen schon immer zu sehr an europäische Hörgewohneiten angelehnt sah, für den scheint dieses Album wie geschaffen. Mit dem Erfolgsalbum 'Wommat' hat das nicht viel gemeinsam, denn Youssou N'Dour erfüllte sich mit diesem Album einen Traum. Mit einem seiner großen Idole, der senegalesischen Diva Yandé Codou Sène nahm er ein traditionelles Album auf, bei dem er zwar auch als Sänger in Erscheinung tritt, aber hauptsächlich als musikalischer Direktor und Produzent tätig war. Der Fokus liegt klar auf Yandé Codou Sène, die den Serer angehört, einer kleinen Bevölkerungsgruppe im Senegal. Unterstützt wird sie dabei von ihrem nur aus Frauen bestehenden Chor und einem Ensemble aus Trommlern, die Instrumente mit so klangvollen Namen spielen wie Kung, Thiol, Lamb, Baal oder Ndër. Die Musik ist meist auf das Nötigste reduziert, auf Call and Response Gesänge zwischen Sène und ihrem Chor unterlegt mit aufregenden Trommelrhythmen wie z.B. im Titelstück, ein Lobgesang an die Löwen, die im Senegal zwar schon lange ausgestorben dort aber immer noch Symbol für Kraft und Stärke sind. Im folgenden 'Léopold Koor Joor' gesellt sich noch die lokale Geige Riti dazu und hat die schöne Tradition, dass wenn man Wohlwollen gegenüber einer Person zum Ausdruck bringen möchte nahe Verwandte preist. Im konkreten Fall handelt es sich um die Schwester des Präsidenten. 'Sama Guent Guii' ist dann N'Dours erster Einsatz, eine atemberaubend schöne und sehr eindringlich gesungene Ballade, nur durch eine Akustikgitarre begleitet. Youssou singt davon, dass man sein Schicksal in Gottes Hand und nicht in die anderer Menschen legen sollte. 'Lees Waxul' ist das erste Duett der beiden Hauptakteure und hat beinahe schon hymnischen Charakter. Nur durch Keyboards begleitet, was im Kontext des Albums erstaunlich gut funktioniert, ist das Stück eine Huldigung an Sènes Marabut und ihre Religion. Das Instrumentalstück 'Riti Fa Tama' ist ein Dialog zwischen der ein- oder zweisaitigen Geige Riti, deren Steg auf einem Kalabassekorpus befestigt ist und der Tama, besser bekannt als Talking Drum, was daher rührt, dass diese Trommel bestens dazu geeignet ist, Sprache darzustellen. Sie ist beidseitig mit Echsenhaut bespannt und wird beim Spielen unter die Achselhöhlen gepresst, die Stärke des Pressens bestimmt dabei die Tonhöhe. Im Stück 'Samba' wagt N'Dour ein Klangexperiment, seine Stimme erklingt hier in 3 verschiedenen Tonhöhen und wird von treibenden Trommelrhythmen begleitet. Es ist ein Loblied an die noblen Wolof, die sich in die Gemeinschaft einbringen und die Schwachen stärken. Das abschließende 'Djamil' ist einer der beliebtesten Rhythmen der Super Etoile de Dakar, hier interpretiert von der Gruppe Singsing Rhythme, den wohl besten Sabar Spielern Dakars. Die Sabar ist ein mit Ziegenfell bespannter Baumstamm, der unten offen oder geschlossen ist und mit der Hand oder einem Stock geschlagen wird. Diese aufregenden Rhythmen, die einem perkussivem Wirbelsturm gleichkommen und bei denen sich im zweiten Teil noch die Riti dazugesellt beschließen dieses traumhaft schöne Album, das 1995 als Nummer 29 der World Network Serie des Frankfurter Network Labels erschienen ist.
'Sama Guent Guii' ist dann N'Dours erster Einsatz, eine atemberauben schöne und sehr eindringlich gesungene Ballade, nur durch eine Akustikgitarre begleitet. Youssou singt davon, dass man sein Schicksal in Gottes Hand und nicht in die anderer Menschen legen sollte.
Interessanter Text, sparch (und ein schöner Thread). Ich kenne ja nur diesen einen Track, von der ersten Desert Blues Compilation. Den finde ich klasse (obwohl es vielleicht besser ist, dass ich den Text nicht verstehe). Nach Deiner Beschreibung ist er aber eher untypisch für das Album, oder?
@GO1
Es ist zumindest neben 'Samba' das einzige Stück, das Youssou selbst geschrieben und getextet hat. Bei 'Lees Waxul', das ja auch sehr religiös ist, hat er die Musik geschrieben, der Text dazu stammt von einem senegalesischen Dichter, dessen Name ich gerade nicht parat habe. Die anderen Stücke sind meist Loblieder oder Volksweisen.
Youssou N'Dour ist bekennender Sufi und hat sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt (musikalisch mit dem Album 'Egypt'), den Islam als friedliche Religion darzustellen.
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Bembeya Jazz National - The Syliphone Years (2004)
Bembeya Jazz National formierte sich Mitte/Ende der 60er Jahre im damals sozialistischen Guinea. Wie auch in Mali wurden hier moderne Tanzkapellen von den Machthabenden gefördert um u.a. auch die vermeintliche Fortschrittlichkeit des Systems zu zeigen und nicht selten waren die Lieder Lobgesänge an die Staatschefs wie in diesem Falle Sekou Touré, der in Guinea bis Mitte der 80er regierte. An Originalalben oder gar Singles aus dieser Zeit heranzukommen ist nicht ganz einfach und meist auch recht kostspielig. Dieser Sampler dokumentiert auf zwei randvollen CDs hervorragend die Frühphase der Band, also die späten 60er und frühen 70er, und beinhaltet viele Singles aber auch Albumtracks, einige davon hier sogar erstmals auf CD. Sämtliche Aufnahmen wurden ursprünglich auf dem einzigen Label in Guinea, dem Syliphone Label veröffentlicht. Die Aufnahmequalität ist recht unterschiedlich, was auch daran liegt, dass die Masterbänder oft nicht mehr vorhanden sind und somit direkt von Vinyl überspielt werden musste.
Ähnlich wie später auch das Orchestra Baobab aus dem Senegal ist bei Bembeya, benannt nach dem gleichnamigen Club in Conakry, der kubanische Einfluss nicht zu überhören, jedoch integrierten sie in ihre Musik zusätzlich noch Jazz- und Swingelemente, wobei die Bläser machmal etwas schräg klingen, was dem Ganzen eine leicht exzentische Note verleiht. Titel wie 'Republique Guinée', eine Ode an die Unabhängigkeit, 'Armée Guinéenne' oder 'Air Guinée' sprechen für sich. Letztere diente sogar als Werbesong für die damals neu gegründete, nationale Fluggesellschaft. Was diese und andere Songs vor allem auszeichnet ist das Gitarrenspiel Sékou Diabatés, das mit flirrenden, mal spacigen Einschüben maßgeblich für den Sound Bembeyas verantwortlich war. Besonders gut zur Geltung kommt das im 14 Minuten langen und auf zwei Singleseiten aufgeteilten 'Super Tentenmba', das nach dem gleichnamigen Tanz benannt ist, aber auch bei 'Beyla', das nach einem langsamen und atmosphärische Intro in ein beschwingtes Finale mündet. Ein weiterer Höhepunkt ist 'Moussogbe', eine Interpretation eines traditionellen Liebesliedes, gespielt im Mamaya genannten Tanzrhythmus, der in den 50er und 60er Jahren in Guinea sehr beliebt war und einmal mehr fesselnde Saxophon- und Gitarrensoli beinhaltet. Aber auch Parallen zu Fela Kuits Afrobreat finden sich hier, wie z.B. in 'N'Gamokoro', das zusätzlich mit Mariachi-artigem Gebläse aufwartet. Ebenfalls erwähnenswert ist das Stück 'Sina Mousso', welches eine herbe Kritik an der weit verbreiteten Polygamie zum Inhalt hat, was, von Männern vorgetragen, in einer durchaus chauvinistischen Welt einerseit gewagt zu sein scheint, aber andererseits ganz gut in das Konzept der sozialistischen Regierung zu passen schien. Abgerundet wird dies ein weiteres mal durch ein fantastisches Solo Sékou Diabatés. Dies war auch gleichzeitig eine der letzten Aufnhamen des Sängers Aboubacar Dembar Camara, der 1973 bei einem Autounfall tragisch ums Leben kam.
Trotz der machmal bescheidenen Klangqualität, was den Spaß an den Aufnahmen nicht im Geringsten beeinträchtigt, handelt es sich bei den 'Syliphone Years' um ein feines Dokument westafrikanischer Popmusik der 60er und frühen 70er Jahre.
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Maryam Mursal - The journey (1998)
Einst war sie die Diva Somalias jedoch musste sie das Land wegen des Bürgerkrieges verlassen. Das Land, in dem sie schon in den 80er Jahren ein Star war, und dessen Regierung mit Veröffentlichung ihrer Single 'Ulimada', eine Kritik am damaligen Staatschef Mohammed Siad Barre, verboten wurde. Sie war gezwungen, ihre Musikkarriere zunächst aufzugeben und als Taxifahrerin zu arbeiten. Der beginnende Bürgerkrieg veranlasste sie 1991 dann dazu, sich mit ihren 5 Kindern auf eine beschwerliche Flucht zu begeben, die 7 Monate dauern sollte und schließlich in der dänischen Botschaft in Dschibuti endete. Später lebte sie in Dänemark und 1998 entstand dieses Album für Peter Gabriels Real World Label. Gabriel selbst trat neben einer Reihe dänischer Musiker, die ein modernes Klangfundament legten, als Backgroundsänger in Erscheinung. Doch auch die Tradition kommt hier nicht zu kurz, so wirkten neben Musikern ihrer ehemaligen Band Waaberi eine Reihe von Gastmusikern mit, die mit Percussion, Oud und diversen Streichinstrumenten arabisch-orientalische Akzente setzten. Der Spagat zwischen Moderne und Tradition wirkt sehr abwechslungs- und ideenreich und Mursals Stimmer klingt dabei gar nicht divenhaft sondern angenehm rauchig und dunkel. Das Eröffnungsstück 'Lei Lei' basiert auf einem funkigen Rhythmus und ist mit einer prägnanten Melodie ausgestattet und man hat das Gefühl, man befindet sich auf einer Reise mit dem fliegenden Teppich über Oasen, Sanddünen und Minarette, ein Eindruck, der durch ein Yma-Sumac-Bläser-Sample im Mittelteil noch verstärkt wird. Aber auch programmierte Beats funktionieren in diesem Kontext ausgezeichnet, wie im atmosphärischen und 10 Minuten langen 'Hamar' zu hören ist, eine Kombination aus Drum&Bass und arabischen Gesängen. In den restlichen Stücken sorgt jedoch die ausgezeichnete Band für Wohlklang und das Herzstück des Albums ist das epische 'Qax', das einmal mehr die Schrecken des Bürgerkrieges und die damit verbundene Flucht beschreibt, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Album zieht das aber gleichzeitig die Hoffnung auf einen Frieden in Somalia nie aufgibt.
Die Musik klingt zwar absolut zeitgemäß, verzichtet aber erfreulicherweise darauf, bemüht trendy sein zu wollen und führt stattdessen die islamisch geprägte, somalische Volksmusik gekonnt in die Moderne, ohne sich dabei bei einem westlichen Publikum anzubiedern.
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Various - Golden Afrique, Volume 1 (2005)
Wie bei vielen anderen Musikrichtungen auch, wird im Bereich der sog. Weltmusik, ein Begriff der mir nicht sonderlich gefällt, der Markt mit lieblos aufgemachten Billigsamplern überflutet. Wer einen Einstieg in die Populärmusik Westafrikas sucht, aber nicht so recht weiß, wo er anfangen soll, dem sei dieser Sampler des Frankfurter Network Labels ans Herz gelegt. Zwei randvolle CDs im hochformatigen Digipack, bei dem allein schon das Cover herzallerliebst ist, mit ausführlichen Linernotes geben einen ausgiebigen Einblick in die Popmusik Westafrikas der 70er und frühen 80er Jahre. Die Reise geht dabei durch Länder wie Senegal, Guinea, Mali, Togo, die Elfenbeinküste und den Tschad. Ja richtig, der Tschad, ein Land, das man nicht gerade mit großer Musikkultur in Verbindung bringt und Maitre Gazonga ist auch tatsächlich der einzige Musiker, der über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus bekannt ist. Sein 'Les jaloux saboteurs' war in ganz Afrika ein Riesenhit, sollte jedoch auch sein einziger bleiben. Produziert wurde es in Abidjan, was dank seiner Highlife-Rhythmen nicht weiter verwundert. Es finden sich hier aber auch frühe Aufnhamen von Youssou N'Dour mit seiner Band Etoile de Dakar, der quasi nebenbei den Mbalax entdeckt, den senegalesichen Rhythm'n'blues mit seinen schnellen Läufen auf der Talking Drum.
Die politische und zugleich partymäßige Stimmung der einzelnen Beiträge resultiert aus der damaligen Aufbruchstimmung und den Anfängen der Unabhängigkeit der Länder. So wird auch ausführlich die staatliche Unterstützung der Poplultur in den damals sozialistischen Staaten Mali und Guinea dokumentiert. So ist die Rail Band aus Bamako, gegründet vom malischen Informationsministerium, aus der später die Ambassadeurs International hervorgingen und die Brutstätte für Salif Keita und Mory Kanté und andere war, genauso verteten, wie das legendäre Bembeya Jazz National aus Guinea. Von Keita und Kanté gibt es hier zwar keine Solobeiträge, dafür aber von einem anderen Mitglied der Rail Band, nämlich Ousmane Kouyaté mit dem wunderschönen 'Beni Haminanko'.
Selbst die Südafrikanerin Miriam Makeba ist hier verteten, was man zunächst sicher nicht vermuten würde. Aber zu dieser Zeit lebte sie im Exil in Guinea, da man ihr aufgrund ihrer Beliebtheit in ihrem Heimatland den Pass abgenommen hatte.
Einer der interessantesten Beiträge auf dieser Kompilation liefert die Guelewar Band of Banjul aus Gambia. In ihrem Stück 'Warteef Jiggeen' kombinieren sie traditionelle Rhythmen mit typisch europäischen Prog Elementen inklusive schrägem Gebläse und Synthesizer Solo. Da das Ganze natürlich bei weitem nicht die Perfektion bekannter Vertreter des Prog Genres erreicht, kann man sich dem Charme dieser Aufnahme, dem Aufeinanderprallen zweier musikalischer Welten kaum entziehen. Es zeigt aber auch die Vielfalt westafrikanischer Musik, in der hier und da auch afrokaribische Einflüsse zu hören sind, wie z.B. in der Ballade 'Paulette' von Balla es ses Balladins oder dem Beitrag des Orchstra Baobab aus Senegal.
'Golden Afrique' ist eine in jeder Hinsicht überzeugende Veröffentlichung, bei der sowohl Einsteiger als auch Kenner voll auf ihre Kosten kommen dürften, da hier nicht nur Klassiker sondern auch einige Raritäten verteten sind.
dagobert
31.05.2006, 17:54
ist das hier der richtige ort, um über das für und wider des begriffs "weltmusik" zu reden? ich kann beileibe nichts daran finden, weshalb man ihm immer(!) in befolgschaft des zusatz "obwohl ich den begriff ja nicht mag" begegnen muss.
ist das hier der richtige ort, um über das für und wider des begriffs "weltmusik" zu reden? ich kann beileibe nichts daran finden, weshalb man ihm immer(!) in befolgschaft des zusatz "obwohl ich den begriff ja nicht mag" begegnen muss.
Ist wohl ein Reflex. Auf der einen Seite weiß dann jeder was gemeint ist, aber andererseits passen Begriff und das was damit gemeint ist meiner Meinung nach nicht zusammen. Über den Begriff wurde hier glaube ich sogar schon mal diskutiert, eine neue Diskussion darüber zu beginnen war und ist nicht meine Absicht.
dagobert
31.05.2006, 22:34
müssen wir nicht. mir fällt sowas nur vermehrt auf in letzter zeit. (könnte auch hier gewesen sein, hast recht)
eine andere frage, rein interessierter natur (sagt man das so?):
man liest häufiger darüber, ein song/album/künster sein "in ganz afrika" ein hit gewesen. dann frage ich mich bei sowas immer, warum man davon in europa eigentlich nichts mitbekommt. ist es so, dass die afrikanische musikwelt in sich geschlossen ist und deshalb nicht zu uns durchdringt? und ist es andersrum genauso?
Anne Pohl
31.05.2006, 22:43
ist das hier der richtige ort, um über das für und wider des begriffs "weltmusik" zu reden? ich kann beileibe nichts daran finden, weshalb man ihm immer(!) in befolgschaft des zusatz "obwohl ich den begriff ja nicht mag" begegnen muss.
Ich finde den Begriff zum Kotzen, weil darunter im Plattenladen völlig verschiedene Stile, von denen man dort keine Ahnung hat, subsumiert werden. Außerdem hat das für mich die Begrifflichkeit "Rest der Welt"-Musik.
dagobert
31.05.2006, 23:05
bei den plattenläden stimme ich dir zu, pfeiffe aber darauf. mit plattenläden unterhalte ich mich nicht, also können sie mir egal sein. die guten läden wissen mit sowas ohnehin richtig umzugehen.
das andere argument kenne ich natürlich auch, sehe es aber nicht so. es ist doch gerade ein öffnender begriff, der alle staaten und kontinente vereint. musik von dieser welt, egal woher. deutscher reggae kann genauso world music sein wie musik aus dem balkan. hmm vielleicht sollte man sich tatsächlich auf den englischen begriff "world music" einigen? oder noch besser, es in esperanto ausdrücken ;-)
Anne Pohl
31.05.2006, 23:18
es ist doch gerade ein öffnender begriff, der alle staaten und kontinente vereint. musik von dieser welt, egal woher. deutscher reggae kann genauso world music sein wie musik aus dem balkan.
Klar. Und in Afrika verstehen sie unter Weltmusik Bap, Motorpsycho und Wilco. :-)
müssen wir nicht. mir fällt sowas nur vermehrt auf in letzter zeit. (könnte auch hier gewesen sein, hast recht)
eine andere frage, rein interessierter natur (sagt man das so?):
man liest häufiger darüber, ein song/album/künster sein "in ganz afrika" ein hit gewesen. dann frage ich mich bei sowas immer, warum man davon in europa eigentlich nichts mitbekommt. ist es so, dass die afrikanische musikwelt in sich geschlossen ist und deshalb nicht zu uns durchdringt? und ist es andersrum genauso?
"Hit in ganz Afrika" kann man wohl vergessen. In Europa herrscht scheinbar noch immer die Vorstellung von einem homogenen Kontinent.
Fakt ist aber, daß man z.B. in Ostafrika im Radio keine Künstler aus westafrikanischen Ländern hört. Es gibt entweder lokale Künstler, westliche Popmusik und massenhaft Reggae.
Viele der afrikanischen Künstler, dren Platten, bei uns veröffentlicht wurden, sind nicht die "Stars" in ihren Ländern, als die sie in den Promo-Texten der Plattenfirme dargestellt werden.
Und wie man einen Hit in Afrika definiert, ist wohl auch schwierig bis unmöglich. Eine funktionierende Plattenindustrie gibt es nicht. Es gibt Radio, kopierte Cassetten und CDs auf den diversen Märkten, aber sicher kein Media Control.
"Weltmusik" ist im übrigen ein saudummer, nichts sagender Begriff. Eine völlig unnötige Abgrenzung/ Ausgrenzung gegenüber "unserer" Popmusik.
Klar. Und in Afrika verstehen sie unter Weltmusik Bap, Motorpsycho und Wilco. :-)
BAP wird in afrikanischen Plattenläden unter "Comedy - Rest Of World" geführt.
dagobert
31.05.2006, 23:45
"Weltmusik" ist im übrigen ein saudummer, nichts sagender Begriff.
bei dem jeder weiss, was gemeint ist, da er jedem die freiheit bietet hineinzuintepretieren, was man hineinintepretieren möchte. ansonsten müsstest du, um fela kutis musik zu beschreiben, jedes mal aufs neue die afrikanischen einflüsse erwähnen, die adäquat und political correct zu beschreiben mir zumindest nicht möglich ist. du kannst blues dazu sagen, du kannst jazz dazu sagen, doch selbst beides zusammen ist noch immer zu wenig.
ich verstehe eure argumentation, doch bin solch reinen herzens, sie nicht für mich annehmen zu müssen ;-)
jetzt ma ohne scheiss, was glaubt ihr, wie BAP geführt wird bei platten-joe in zimbabwe?
bei dem jeder weiss, was gemeint ist, da er jedem die freiheit bietet hineinzuintepretieren, was man hineinintepretieren möchte. ansonsten müsstest du, um fela kutis musik zu beschreiben, jedes mal aufs neue die afrikanischen einflüsse erwähnen, die adäquat und political correct zu beschreiben mir zumindest nicht möglich ist. du kannst blues dazu sagen, du kannst jazz dazu sagen, doch selbst beides zusammen ist noch immer zu wenig.
ich verstehe eure argumentation, doch bin solch reinen herzens, sie nicht für mich annehmen zu müssen ;-)
Du Engelchen! :wave:
Der Begriff "Weltmusik" bedeutet doch (wenn er überhaupt von irgendeinem definiert wird), wie Anne schön geschrieben hat "Rest der Welt" - was soll denn das sein. Ich habe unter "Weltmusik" schon kubanische, afrikanische und asiatische Musik gesehen und aus demselben Regal eine Mari Boine-Platte gekauft. Du kannst ihn vielleicht für Dich definieren, müsstest aber jedem, den Du ihn mitteilst, auch erstmal erklären, was Du meinst.
jetzt ma ohne scheiss, was glaubt ihr, wie BAP geführt wird bei platten-joe in zimbabwe?
"Comedy aus dem Land der reichen weißen Elefanten"?
Zum Thema "Hit in ganz Afrika":
Natürlich ist das missverständlich, da es sämtliche Staaten einschließen könnte, was so natürlich nahezu unmöglich wäre. Im konkreten Fall geht es um das Stück von Maitre Gazonga, das sicher weit über die Grenzen des Tschad hinaus bekannt war oder ist, was sicher auch daran liegt, dass es in Abidjan produziert wurde. In den 70er Jahren zählte Abidjan zu den bedeutetensten Städten auf dem afrikanische Kontinent was Musik angeht.
Die Vorstellung, dass es sich bei Afrika um einen "homogenen" Kontinent handeln könnte habe ich bei weitem nicht, was jedoch nicht ausschließt, dass es auch grenzübergreifende Hits geben kann.
Ich finde den Begriff zum Kotzen, weil darunter im Plattenladen völlig verschiedene Stile, von denen man dort keine Ahnung hat, subsumiert werden. Außerdem hat das für mich die Begrifflichkeit "Rest der Welt"-Musik.
Was sollte ein normaler Plattenladen anders machen? Wenn er nicht gerade auf "Weltmusik" spezialisiert ist, nimmt sie nur einen sehr kleinen Teil seines Angebotes ein. Die paar Platten hast du auch ohne weitere Untergliederung relativ schnell durch. Natürlich sagt "Weltmusik" nichts über den Stil aus, es könnte auch "sonstiges" heißen, aber das wäre noch unklarer.
Wie bereits erwähnt, war es nicht meine Absicht eine erneute Diskussion über den Begriff 'Weltmusik' zu beginnen, deshalb wende ich mich nun wieder dem eigentlichen Thema zu.
http://img697.imageshack.us/img697/2183/cheikhlolampfall.jpg
Cheikh Lô - Lamp Fall (2005)
Der Titel dieses dritten Albums des senegalesischen Sängers und Multiinstrumentalisten ist nicht etwa englisch sondern der Name eines 100-jährigen Priesters einer islamischen Sekte, der mouridistischen Bruderschaft, der Lô ebenfalls angehört. Einer seiner größten Bewunderer ist übrigens kein Geringerer als Youssou N'Dour, der seinerzeit auch sein Debütalbum 'Ne le thiass' aus dem Jahr 1997 produziert hat und sogar mit ihm auf Tour ging um bewusst in der zweiten Reihe zu stehen. Dadurch erlangte Lô, der schon in den 80er Jahren in Eigenregie Kassetten aufnahm, um sie in den Straßen Dakars zu verkaufen, einen größeren Bekanntheitsgrad und bekam als bester Newcomer einen Kora Award, Afrikas höchste Musikauszeichnung.
Die Basis von Cheikh Lô's Musik ist der M'Balax, einst von Youssou N'Dour erfunden, dessen Markenzeichen die schnellen Läufe über die Talking Drum ist. In der Vergangenheit kombinierte er diesen Stil schon mal mit Afrobeat á la Fela Kuti auf 'Lamp Fall' integriert er Flamenco, Reggae, Soul und kubainischen Guajira und erzeugt daraus einen völlig eigenen Stil. Ein weiteres Markenzeichen sind dabei seine außergewöhnliche Stimme und die Flamenco Gitarre. Die lateinamerikanischen und vor allem brasilianischen Einflüsse sind hier allgegenwärtig und kommen besonders im Stück 'Sénégal - Brésil' zur Geltung. Das Rhythmusfundament bilden hier 40 Samba Trommler, die zusammen mit der Talking Drum einen aufregenden treibenden Beat erzeugen. Im Eröffnungsstück 'Sou' dagegen, im Original übrigens von Bembeya Jazz National, sorgt ein brasilianisches Akkordeon für Latinoflair. Das Titelstück selbst basiert auf einem rumpelnden Funkrhythmus, bei dem sich brodelnde Saxophoneinlagen dazugesellen. Aufgenommen wurde das Album übrigens zu Teilen in Bahia, Dakar und London.
Wie viele Alben aus der Region hat auch 'Lamp Fall' Afrika zum Thema, Cheikh Lô's Afrika. Es richtet sich gegen Krieg und Armut, handelt aber auch von Liebe, Religion und Spiritualität. Dabei ist Lô selbst ein äußerst friedliebender Mensch, so bittet er am Anfang von 'Kelle Magni' auf Englisch 'Can you stop the war' und fügt nach einer Pause noch ein 'please' dazu. Das Stück selbst verfügt über eine unglaublich eingängige Melodie, die man, einmal gehört, kaum wieder aus dem Kopf herausbekommt aber dennoch alles andere als nervig ist.
http://img202.imageshack.us/img202/4301/mamarkasseyalatoumi.jpg
Mamar Kassey - Alatoumi (2000)
Der Niger ist nun nicht gerade ein Land, das für seine musikalische Kultur bekannt ist, vor allem im direkten Vergleich zu seinen Nachbarn Mali und Nigeria. Umso erstaunlicher ist es, welch außergewöhnliche Musik sich in diesem riesigen Flächenstaat, der zum größten Teil aus Sand besteht, entwickelt hat. Diese Band liefert quasi das gesamte musikalische Spektrum der Sahelzone und kombiniert dabei traditionelle Klänge der Bambara, Fulani, Hausa und Songhai mit modernen westlichen Klängen, die aber so perfekt integriert sind, als würden sie schon immer dazu gehören. Manchmal "rockt" diese Musik sogar, wobei man jetzt sicher nicht an klassische Rockmusik anglo-amerikanischer Prägung denken darf. Vielmehr "rockt" das auf seine ganz eigene Art und Weise, wozu vor allem der Einsatz einer E-Gitarre und eines E-Basses beitragen, die zusammen mit allerlei Percussion, darunter auch hier und da eine Talking drum, das rhythmische Fundament legen, das meist aus schnellen und funkigen Rhythmen besteht. Dazu gesellen sich die Lauten Mola und Komsa, eine einsaitige Violine, sowie eine schrille Flöte, die manchmal wie eine Leadgitarre eingesetzt wird. Darüber hinaus bieten die zumeist langen Stücke viel Raum für Abwechslung und Improvisationen und die für die Gegend fast schon üblichen Call and Respone Gesänge, bei denen Frontmann Yacouba Moumouni mit seiner sanften und dennoch auch rauhen Stimme besonders hervorsticht.
Die musikalische Verwandschaft zum Nachbarn Mali und hier insbesondere Ali Farka Toure ist durchaus vorhanden, dennoch haben Mamar Kassey, die sich nach einem Songhai Krieger benannt haben, ihren ganz eigen Stil entwickelt und setzen weit mehr auf vertrackte Rhythmen und weniger auf Blues als dies bei Toure der Fall ist. Dazu kommen hier und da auch nordafrikanische und arabische Einflüsse zum Vorschein.
Produziert wurde dieses außergewöhnliche Album tatsächlich in einem Mobilstudio in Niamey, was man in Anbetracht der guten Qualität der Aufnahme, die auf Produktionsbombast glücklicherweise vollkommen verzichtet, kaum glauben mag.
Flatted Fifth
07.06.2006, 19:58
Wie bereits erwähnt, war es nicht meine Absicht eine erneute Diskussion über den Begriff 'Weltmusik' zu beginnen[...] Dafür gibt es ja auch diesen Thread (http://www.rollingstone.de/forum/showthread.php?t=8526). ;-)
Ja ja ja. Erst falscher Thread und dann doch munter über WM quatschen. :lol:
Ich verstehe die Aufregung (künstlich ?) um diesen Begriff nicht.
Kann man nicht einfach Weltmusik als Musik mit Einflüssen aus aller Herren Länder oder schlicht aus im Grunde fremden und teils exotischen Kulturkreisen bezeichnen ? Muss man unbedingt diesen Begriff als Genre-Bezeichnung verstehen oder ihn zum Kotzen finden ?
Ich meine, es geht doch schlicht um die Musik als solche, die jeder für sich in dieser Schublade einordnen mag, wie er selbst will.
Und so lange sich in dieser Schublade viele Sahnestückchen versteckt halten, ist alles in bester Ordnung. Den New-Age-Schrott und ähnliches klammert man halt aus, je nach persönlichen Präferenzen.
Schnelle Meldung: Es gibt (tatsächlich !!) ein letztes Solo Album von Ali Farka Touré.:sonne: :sonne:
"Savane" heißt es, erscheint Mitte Juli bei Amazon und wird dort über den grünen Klee gelobt. ;-)
In diesem Fall könnte ich mich glatt anschließen.
klienicum
27.06.2006, 10:21
Schnelle Meldung: Es gibt (tatsächlich !!) ein letztes Solo Album von Ali Farka Touré.:sonne: :sonne:
"Savane" heißt es, erscheint Mitte Juli bei Amazon und wird dort über den grünen Klee gelobt. ;-)
In diesem Fall könnte ich mich glatt anschließen.
im aktuellen rs wird es auch rührig beworben.
wenn ich mich recht erinnere, bekam es ****! :wave:
Gumbrecht
30.06.2006, 11:38
Highlife war vor allem in den 70er Jahren bis in die frühen 80er hinein die wohl populärste Tanz- und Partymusik auf dem afrikanischen Kontinent. Der Ursprung dieser Musik findet sich in Westafrika, vor allem Ghana und Nigeria. Obwohl die Stücke meist lang, monoton und auf einem bestimmten Rhythmus basierend sind, sind sie alles andere als langweilig, ja regelrecht ansteckend, so dass man beim Hören kaum ruhig sitzen bleiben kann. Eine Verwandshcaft zum Reggae ist durchaus vorhanden, hier und da kommt auch schon mal ein Gebläse zum Einsatz aber das wichtigste Instrument neben Schlagzeug und Percussion ist die Gitarre. Highlife hat einige große Gitarristen wie z.B. Alex Konadu hervorgebracht, der auch auf dem von wolfen empfohlenen Sampler 'Sankofa' (http://networkmedien.de/control.php?&topgroupname=&groupname=produkte&subgroupname=produkte_anthologien&produkteid=50&link=modules/produkte/showproduktedetails.php&rlink=modules/produkte/showprodukte.php) verteten ist. 'Sankofa' beschränkt sich zwar auf ghanaischen Highlife, ist aber wie alle Produkte aus dem Hause Network vorbildlich aufgemacht und als Dokument zeitgenössischer afrikanischer Populärmusik nahezu unverzichtbar.
Ich will ja nicht klugscheißen, grad weil das auch mein erster Beitrag ist, aber zum einen ist die Verwandschaft zum Reggae weitaus weniger bedeutend als die Verwandschaft zur Jazzmusik und die einfließenden Calypso und Swing Rhythmen und zum anderen sind die Bläser mit am wichtigsten, schließlich liegen die Wurzeln des Highlife sowohl im Jazz, als auch bei den militärischen Blaskapellen der Kolonialisten, deren Instrumente von Schulen etc. der Niger Company bei deren Übergabe an die englische Regierung abgegekauft wurden. Außerdem sind die bekanntesten und bedeutensten Musiker des Highlife Trompeter, wie z.B. E.T.Mensah (DER Highlife-Musiker schlechthin), Rex Lawson oder Roy Chicago, die als Bandleader das lauteste Instrument spielen mussten, um bei Auftritten den Ton angeben zu können.
Desweiteren war zwar die Hochzeit des Highlife in den 70ern und 80ern, der Popularitätsschub liegt allerdings in den 50ern und 60ern, als E.T.Mensah in Ghana, sowie Bobby Benson und Bala Miller in Nigeria den Highlife durch ihr Land getragen und zu Ruhm verholfen haben, wodurch auch der Beruf des Musikers zu einem neuem positiven Ansehen gelangte.
Gumbrecht
30.06.2006, 11:40
Schnelle Meldung: Es gibt (tatsächlich !!) ein letztes Solo Album von Ali Farka Touré.:sonne: :sonne:
"Savane" heißt es, erscheint Mitte Juli bei Amazon und wird dort über den grünen Klee gelobt. ;-)
In diesem Fall könnte ich mich glatt anschließen.
da schließe ich mich ebenfalls blind an, was bei Ali Farka immer möglich ist, weil er meiner Ansicht nach jegliche Erwartungen jedes mal übertreffen konnte...
da schließe ich mich ebenfalls blind an, was bei Ali Farka immer möglich ist, weil er meiner Ansicht nach jegliche Erwartungen jedes mal übertreffen konnte...
Gerade blind geordert. :teufel:
Dauert leider noch ein bissel. :zensur:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7112067.jpg
Himmel nochmal, da liegt dieser Mensch obercool mit Fluppe im Mund und Gitarre quer im Stuhl, als wäre er das blühende Leben. :wow:
Vorgestern traf "Savane" ein und ich muss sagen: Minimum **** nach dem ersten Durchlauf, Steigerung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit drin.
Deutlich bluesorientiert einerseits und prächtig "rootsig" andererseits.
Dazu das wunderbare Sax von Pee Wee Ellis und ganz grandios schon der Opener mit der tranceartigen Laute von Bassekou Kouyaté. Ein Meisterstück des Afro-Blues.
Die Songs sind wirklich in der Lage, mir die Landschaften um den Niger in den Kopf zu zaubern. Schwer und rollend kommen die Melodien, eine gewisse Nähe zu John Lee Hooker ist unverkennbar.
Faszinierend auch die Stimme des Meisters. Voll auf der Höhe und mit großem Gefühlsausdruck.
Ein "Must Have" für Fans afrikanischer Musik.
-edit: ich glaub, der African Spacecraft ist die Puste ausgegangen.:muede:
dagobert
12.08.2006, 18:29
hallo allerseits, hallo sparch,
ist euch die marokkanische musik der Gnouwa ein begriff, und wisst ihr etwas darüber zu berichten?
ist euch die marokkanische musik der Gnouwa ein begriff, und wisst ihr etwas darüber zu berichten?
Sagt mir leider nichts. Mein Reise ging bislang nur bis Mauretanien. Die Spacecraft macht zu Zeit allerdings (Sommer-)Pause, da meine musikalische Vorlieben momentan wieder stark amerikanisch geprägt sind. Aber irgendwann geht es auch hier wieder weiter.
dagobert
17.08.2006, 19:32
schade, aber nicht schlimm. ich werde schon was darüber herausfinden.
momentan kann ich wärmstens empfehlen:
http://www.fly.co.uk/fly/archives/femikuti.jpg
femi kuti - africa shrine
ich weiss nicht, wie präsent dir/euch die musik femi kutis ist, doch die ähnlichkeit zu fela ist verblüffend. "africa shrine" ist ein live album von 2004 und es ist, als würden die africa '70 wieder mit fela auf der bühne stehen. unbedingt mal reinhören, wenn du die platte irgendwo siehst, und femi unbedingt im auge behalten. der zauber felas geht weiter...
observer
17.08.2006, 20:52
Ich habe die ersten beiden Platten von Femi Kuti, die mir auch gefallen. Etwas mehr in Richtung Pop schielend als sein Vater, kürzere Stücke, oft sogar mit richtigen Songstrukturen. Was du über die Live-Platte schreibst, macht mich aber neugierig. Ich habe es bisher aber leider noch nie geschafft, eines seiner Konzerte zu sehen. Sehr empfehlenswert ist übrigens auch die Remix-Sammlung seines ersten Albums "Shoki Remixed".
Noch ein kleiner Tip am Rande, wenn auch schon ein paar Jahre alt: Es gibt von Masters at work einen wunderbaren, von Fela beeinflussten 12 Minuten Track. Der heisst "MAW Expensive (A Tribute to Fela)" und speist sich aus Samples von Felas "Expensive Shit". Klingt sehr groovig und organisch. Ganz ganz toll. Ob man die 12" noch findet, weiss ich nicht, aber auf der Africa-Compilation von Gilles Peterson ist es auch mit drauf.
dagobert
17.08.2006, 21:10
Ich habe die ersten beiden Platten von Femi Kuti, die mir auch gefallen. Etwas mehr in Richtung Pop schielend als sein Vater, kürzere Stücke, oft sogar mit richtigen Songstrukturen. Was du über die Live-Platte schreibst, macht mich aber neugierig. Ich habe es bisher aber leider noch nie geschafft, eines seiner Konzerte zu sehen. Sehr empfehlenswert ist übrigens auch die Remix-Sammlung seines ersten Albums "Shoki Remixed".
nachdem ich eben gelesen habe, dass er bereits mit leuten wie mos def zusammengearbeitet hat, habe ich mir vorgenommen, mich nun auch um seine studioalben zu kümmern. danke für den tipp, observer.
deine beschreibung bezüglich des songaufbaus kann man auch auf "africa shrine" beobachten. da war ich eben nicht genau genug. ich glaube, das längste stück dauert hier etwas länger als sieben minuten. die richtig exzessiven saxofonsoli des vaters sind hier nicht vorhanden, bzw. etwas komprimiert. es wird mehr wert auf tanzbarkeit gelegt, und alles ist etwas kompakter. leider fehlen mir vergleichsmöglichkeiten der live fähigkeiten von fela und femi. doch davon abgesehen bleibt das ein ganz tolles album.
(das tragische an der geschichte: femi trat mit genau diesem programm auf dem moers-festival 2005 auf, auf dem ich auch war. doch da waren fela und er mir noch völlig unbekannt, sodass ich heute einer vertanen chance hinterhertrauern muss.)
Noch ein kleiner Tip am Rande, wenn auch schon ein paar Jahre alt: Es gibt von Masters at work einen wunderbaren, von Fela beeinflussten 12 Minuten Track. Der heisst "MAW Expensive (A Tribute to Fela)" und speist sich aus Samples von Felas "Expensive Shit". Klingt sehr groovig und organisch. Ganz ganz toll. Ob man die 12" noch findet, weiss ich nicht, aber auf der Africa-Compilation von Gilles Peterson ist es auch mit drauf.
ha! das klingt ja mal toll - oh, hätte ich jetzt lust darauf...
Von Femi habe ich bislang nur die 'Fight to win'. Ich finde die Platte ausgesprochen gut und sie hat vieles von Fela, wobei Femi schon auch seinen eigenen Stil findet. Bei Femi ist alles kompakter, weniger ausufernd und mehr songorientiert als bei seinem Vater, aber man hört dennoch genau, wo er herkommt.
Mit der 'Africa Shrine' habe ich auch schon geliebäugelt, allerdings interessiert mich hier dann mehr die DVD-Ausgabe 'Live a the Shrine'.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/MayraAndradeNavega.jpg
Mayra Andrade - Navega (2006)
Bislang war dieses Album nur als teurer Import erhältlich, umso schöner, dass dieses Album ein halbes Jahr später nun doch noch in Deutschland veröffentlicht wurde. Kennengelernt habe ich diese faszinierende Sängerin von den Kapverden letztes Jahr auf dem Afrika Festival in Würzburg, wo sie als Co-Headlinerin vor Salif Keita auftrat. Navega ist das Debüt dieser gerade mal 21 Jahre alten Sängerin, die vorher schon zusammen mit Joe Zawinul aufgetreten ist und mit Charles Aznavur duettierte. Geboren auf Kuba, aufgewachsen in Angola, Senegal, Deutschland und natürlich auf Kapverde selbst hat es sie irgendwann nach Paris verschlagen.
Die Musik der Kapverden ist indes auch hierzulande nicht ganz unbekannt, denn dank einer Cesaria Evora, die für ihr Album Voz D'Amor immerhin einen Grammy bekommen hat, ist manch einem diese ca. 600 km vor dem Senegal liegende Inselgruppe durchaus ein Begriff.
Mayra Andrades Debütalbum Navega ist ein kleines musikalisches Wunderwerk, eingespielt mit einer Reihe bemerkenswerter Musiker, deren musikalische Wurzeln aus Kamerun, Brasilien, Madagaskar oder Frankreich kongenial zusammengeführt werden. Navega bedeutet so viel wie "auf den Wellen" und auf den Wellen des Atlantiks ist Mayra Andrade unterwegs zwischen kapverdischer Melancholie, westafrikanischen Rhythmen, brasilianischer Leichtigkeit, karibischer Gelassenheit und auch ein wenig französischem Flair. Die eigentliche Heimat Kap Verde verliert sie dabei nie aus den Augen und so singt sie bis auf eine Ausnahme ihre Lieder in ihrer Muttersprache Kreolisch (englische und französische Übersetzungen sind beigelegt). Die Kapverden bieten eine erstaunliche Vielfalt musikalischer Traditionen und so greift Mayra auf ihrem Album auch weniger bekannte, traditionelle Liedformen, Rhythmen und Tänze wie Coladeira, Funana und Batuque auf. Und dass sich ihre wunderbare, niemals aufdringlich wirkende Stimme bei einer typisch sehnsuchtsvollen Morna, einem traditionellen Klagelied, geradezu verzehrt, ist quasi das Tüpfelchen auf dem i dieses durchweg hervorragenden Debüts.
Info: http://www.mayra-andrade.com
Bevor es hier demnächst weitergeht, eine kurze Zwischenbilanz:
Nachdem hier über ein Jahr Pause war (mit Ausnahme des Mayra Andrade Albums), wird die Spacecraft demnächst wieder die Fahrt aufnehmen. Nachdem ich in der ersten Phase versucht habe, den gesamten Kontinent zu "erforschen", ein nahezu unmögliches Unterfangen, werde ich mich nun auf das konzentrieren, was mich am meisten fasziniert hat und dies immer noch tut. Konkret handelt es sich dabei um Westafrika im Allgenmeinen und Mali, Senegal und Nigeria im Speziellen. Vor allem der sog. Wüstenblues aus Mali und der Afrobeat aus Nigeria haben es mir angetan.
Allerdings ist auch nicht alles Gold was glänzt und vermeintliche Klassiker entpuppen sich als relativ langweilig. So habe ich, nachdem ich mir den großartigen Sampler The Syliphone Years von Bembeya Jazz zugelgt hatte, zufällig deren angebliches Meisterwerk Regard sur le passé gefunden und begeistert gekauft. Umso größer war die Enttäuschung dann beim Hören, denn in den 35 Minuten, die das Album dauert, passiert nicht viel. Über die bescheidene Klangqualität könnte man ja noch hinwegsehen, über die einschläfernde musikalische Darbietung jedoch nicht.
Zum Abschluss noch ein Dutzend herausragender Alben:
Ali Farka Toure - Niafunké
Fela & Africa 70 - Zombie
Toumani Diabate's Symetric Orchestra - Boulevard de l'Independence
Femi Kuti - Fight To Win
Salif Keita - M'Bemba
Afel Bocoum - Alkibar
Cheikh Lô - Lamp Fall
Yandé Codou Sène & Youssou N'Dour - Gainde (Voices from the heart of Africa)
Magou & Dakar Transit - Africa Yewul
Mastaki Bafa - Wawa
Chief Stephen Osita Osadebe - Kedu America
Ali Farka Toure & Toumani Diabate - In the heart of the moon
dougsahm
16.08.2007, 17:20
ich erlaube es mir, mich hier mal OT reinzuschmuggeln, weil es woanders untergeht (kann ich ja wieder danach löschen, falls es stört).
In der Nacht von Freitag auf Samstag auf BR2:
0.05 Nachtsession
Fela Kuti & seine Erben
Zum 10. Todestag der Afrobeat Legende
Mit Jay Rutledge
2.00 Wie Bayern 4 Klassik
dagobert
17.08.2007, 00:04
hast du eine möglichkeit, die sendung aufzuzeichnen, doug?
dougsahm
17.08.2007, 00:12
Nein, nicht zu dieser Uhrzeit. Stream gibts aber auch bei BR2.
Hat gestern jemand die Reportage über Lagos im ZDF gesehen? Femi Kuti kam auch kurz darin vor.
dagobert
17.08.2007, 10:16
nein. fernsehen ist der teufel!
nein. fernsehen ist der teufel!
Na, manchmal finden sich schon interessante Sendungen. Wobei man als Europäer vermutlich einen Kulturschock erlebt, wenn man zum ersten mal in diese Stadt reist. Aber selbst die Ärmsten haben dort einen Überlebens- und Lebenswillen, das wir hier mit unseren kleinkarierten Problemen nur stauenen können.
Was Femi übrigens nervt ist, dass die Bewohner ihren Arsch nicht hochkriegen um die Situation zu ändern sondern sich lieber darauf verlassen, dass der liebe Gott schon alles richten wird. Allerdings hat er auch nie darüber nachgedacht, die Stadt zu verlassen. Genügend Geld um im Ausland zu leben dürfte er ja haben, aber er bleibt lieber in "seiner" Stadt.
dagobert
17.08.2007, 10:58
das ist so eine sache mit den eigenen idealen. würde ich laut darüber singen, wäre meine credibility auch gesichert. aber seis drum, manchmal geht es eben nicht anders, als das billy regal bei ikea zu kaufen. dass die meisten probleme, denen wir hier ausgesetzt sind, tatsächlich luxus sind, ist unbestritten.
um das thema nicht zu vertiefen: hast du die diesjährige antibalas (http://www.antibalas.com/) platte gehört? die band kommt zwar grösstenteils aus new york, führt aber den afrobeat ziemlich eindrucksvoll fort. ich erwarte sie in der heutigen BR2 sendung, von der dougsahm gesprochen hat.
Flatted Fifth
17.08.2007, 11:08
um das thema nicht zu vertiefen: hast du die diesjährige antibalas (http://www.antibalas.com/) platte gehört? die band kommt zwar grösstenteils aus new york, führt aber den afrobeat ziemlich eindrucksvoll fort. ich erwarte sie in der heutigen BR2 sendung, von der dougsahm gesprochen hat.
Hmm, irgendwo hatte ich letztens noch die neuen Sachen von Antibalas gehört. Ich glaube, Gilles Peterson hatte sie kürzlich im Programm. Hatte ich beim Hören auf meinen mentalen Einkaufszettel geschrieben.
um das thema nicht zu vertiefen: hast du die diesjährige antibalas (http://www.antibalas.com/) platte gehört? die band kommt zwar grösstenteils aus new york, führt aber den afrobeat ziemlich eindrucksvoll fort. ich erwarte sie in der heutigen BR2 sendung, von der dougsahm gesprochen hat.
Nein, bis vor kurzem kannte ich die Band noch nicht einmal, habe sie dann aber zufällig beim Stöbern entdeckt. Klingt in der Tat so, als käme die Band direkt aus Lagos, auf jeden Fall aber hochinteressant.
dagobert
17.08.2007, 11:19
Ich glaube, Gilles Peterson hatte sie kürzlich im Programm.
ja. wird ein auszug daraus (http://www.fly.co.uk/fly/archives/2005/03/gilles_peterson_in_africa.html) gewesen sein.
(kann Gilles Peterson alles?)
dagobert
17.08.2007, 11:22
Nein, bis vor kurzem kannte ich die Band noch nicht einmal, habe sie dann aber zufällig beim Stöbern entdeckt. Klingt in der Tat so, als käme die Band direkt aus Lagos, auf jeden Fall aber hochinteressant.
das stimmt. die musik wirkte anfangs etwas sperrig auf mich, hat sich nach 2-3 durchläufen aber erschlossen. höre ich mir seitdem sehr gerne an und mitlerweile auch "who is this america" und "liberation afrobeat vol 1" nachgekauft. sehr toll und sehr spannend. ruhig mit dem debut, "liberation afrobeat" anfangen.
Sehr empfehlenswert ist übrigens auch die Remix-Sammlung seines ersten Albums "Shoki Remixed".
Das Zitat ist zwar schon ein Jahr alt, aber nicht ganz richtig: Shoki Shoki war nicht Femis Debüt. Bereits 1995 erschien das selbstbetitelte Debütalbum, das heute leider relativ teuer ist.
Außerdem wird es so langsam mal Zeit für ein neues Album, Fight to win ist immerhin aus dem Jahr 2001. Da war sein Vater irgendwie "produktiver".
Afel Bocoum
Afel Bocoum, malischer Sänger, Gitarrist und Songschreiber folgte Ali Farka Toures Spuren bereits zu dessen Lebzeiten. Schon im Alter von 13 Jahre spielte der 1955 geborene Musiker in der Band seines Onkels, einer Gruppe von Musikern seines Heimatdorfes Niafunké und durfte dort als Solist auch in diesem jungen Alter schon eigene Songs vortragen. Ebenfalls großen Einfluss auf seine musiklaische Karriere hatte seine Vater Kodda Bocoum, ein in Mali weitbekannter Njarka- und Njurklespieler. Den Durchbruch schaffte Bocoum 1972 bei der zweiten malischen Bienale, bei der er als Solosänger den zweiten Platz belegte. Dies ist dahingehend erstaunlich, als dass Bocoum der einzige männliche Solosänger bei diesem Festival war, bei dem sonst nur Frauen als Solisten auftraten. Zusammen mit Ali Farka Toure sang er auf Songhai, seiner Muttersprache, den Song Sukabe Mali (Children of Mali) der bis heute immer wieder mal auf Radio Mali gespielt wird. Den Erfolg verdankte er hauptsächlich seiner damals relativ hohe Stimme, weshalb im damaligen Mali hauptsächlich weibliche Sänger bevorzugt wurden. Der erste Platz wurde im übrigens nur deshalb verweigert, weil der der Volksgruppe der Songhai angehört und nicht der bevölkerungsreichsten der Bambara. Bocoum spielte noch bis 1975 in der Niafunké Gruppe. Danach studierte er dank eines Stipendiums Landwirtschaft im Südosten Malis und kehrte Jahre späte nach Niafunké zurück, wo er bis heute als Bauer und Musiker tätig ist.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/BocoumAlkibar.jpg
Erst 1999 erschien sein internationales Debütalbum Alkibar, benannt nach seiner Band, was soviel bedeutet wie "Bote des großen Flusses". Die Gruppe, in der Bocoum neben dem Gesang auch Gitarre spielt, besteht zudem aus einem Njarka und eine Njrukle Spieler sowie zwei Percussionisten und Hintergrundsängern. Den markanten Klang verdankt die Musik aber hauptsächlich der Njarka, einer einaitigen Violine und der Njurkle, einer einsaitgen Gitarre. In seinen Liedern, bei denen man vor dem geistigen Auge den Niger vorbeifließen sieht, geht es um Themen wie Respekt gegenüber älteren Mitmenschen oder Umweltverschmutzung oder aber auch Zwangheiraten, gegen die er sich einsetzt. Auch Ali Farka Toure unterstützt ih auf diesem Album bei zwei Songs und somit ist Alkibar das erste Album, das jemals in Niafunké aufgenommen wurde. Zur gleichen Zeit entstand auch Toures Album Niafunké. Für die Produktion dieser beiden Alben ließ er extra ein mobiles Studio nach Niafunké bringen.
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Schon zu Lebzeiten erklärte Ali Farka Toure Afel Bocoum zu einem musikalischen Erbe, seinem Nachfolger. Keine einfachen Aufgabe, wenn man um die Popularität Toures in Mali weiß. Bocoum meistert diese Aufgabe jedoch mit großer Bravour ohne eine bloße Kopie seines Onkels zu sein. Seine musikalische Herkunft lässt sich zwar nicht verleugnen, aber es gelingt ihm dennoch, seiner Musik eine ganz eigene Note zu verleihen. So erweiterte er seine Band auf dem zweiten Album Niger, das 2006 erschien, um einen Bassisten, der der Musik mit seinem E-Bass einen ganz besonderen Groove verleiht. Niger ist die konsequente Weiterführung von Alkibar und beginnt mit dem Stück Ali Farka, einer Ode an den verstorbenen Onkel und Mentor. Ansonsten setzt er sich auf diesem Album für die Gleichberechtigung der Frau oder auch gegen Analphabetismus ein. im Stück Mali Chinda preist der die Gastfreundlichkeit der Bewohner von Niafunké und Manni ist ein Dankeslied an den Organisator des Wüstenfestivals bei Essakane. Im Titelstück dagegen sorgt er sich um die Lebensader des Landes, die unter Umweltverschmutzung leidet und auch vom Austrocknen bedroht ist, wenn sich in Zukunft nichts ändern wird.
Die Umsetzung der Musik ist bei Bocoum weniger kantig als dass dies bei Toure der Fall ist aber nicht minder intensiv und somit ist er ein würdiger Nachfolger des vielleicht größten Musikers, den Mali je hervorgebracht hat.
Diskographie
- Alkibar (erschienen 1999 auf World Circuit)
- Niger (erschienen 2006 auf Contre-Jour)
Internet
Homepage (http://www.afelbocoum.com)
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Khalifa Ould Eide & Dimi Mint Abba - Moorish music from Mauritania (1990)
Dank international bekannter Größen wie Ali Farka Toure oder Salif Keita ist die Musik Malis auch in unseren Breiten durchaus ein Begriff. Völlig anders verhält sich das mit dem Nachbarland Mauretanien, dessen Musik außerhalb Afrikas weitgehend unbekannt ist. Bislang habe ich nur ein einziges Album mit maurischer Musik gefunden, eben jenes von Khalifa Ould Eide & Dimi Mint Abba aus dem Jahr 1990. Und tatsächlich handelt es sich bei diesem Album um die erste und bislang möglicherweise auch einzige professionelle Aufnahme maurischer Musik der islamischen Republik Mauretanien. Dabei ist Dimi Mint Abba als Sängerin nicht nur in den Sahara Staaten sondern auch auf der arabischen Halbinsel bekannt und zählte zu jener Zeit zu den bekanntesten Sängerinnen in der muslimischen Welt überhaupt.
Als Nachfolger der Hassan Berber sind die Mauren die größte Bevölkerungsgruppe Mauretaniens deren musikalische Kultur sich über Jahrhunderte hinweg entwicklet hat und sowohl arabische als auch afrikanische Elemente vereint. Hauptmerkmale sind dabei sowohl leidenschaftlicher und ausdruckstarker Gesang als auch komplexe Rhythmen. Umgekehrt hat die maurische Musik auch die Musik anderer Kulturen beeinflusst wie z.B. den Gesang und das Händeklatschen des Flamenco und selbst der malische Gitarrist und Sänger Ali Farka Toure nannte maurische Musik im Allgemeinen und Dimi Mint Abba im Besonderen als einen seiner Einflüsse.
Maurische Musiker werden Iggawin genannt und ihr Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Iggawin Familien handeln also quasi als musikalische Konservatorien. Sowohl Dimi als auch Khalifa entstammen Familien mit einer Jahrhunderte alten musikalischen Tradition und begannen mit der Musik bereits im Alter von 8 oder 9 Jahren. Die Ausbildung der Mädchen beginnt dabei mit Tanz und dem Spiel von Percussion Instrumenten wie der Tbal oder dem Tambourin. Später erlernen sie das Spiel der Ardin, einer 14-saitigen Harfe, die mit der Kora verwandt ist. Die Jungen erlernen musikalische Theorie sowie das Spiel der Tidinit, einer Laute vergleichbar mit der malischen Ngoni. Die Tidinit steht an der Spitze in der Hierarchie maurischer Instrumente und Khalifas Vater war einer der bekanntesten Tidinit Spieler im Land. Er selbst beschloss im Alter von 12, die Schule zu verlassen und die Lieder seines Vaters zu singen.
Bei den Iggawin singen sowohl Männder als auch Frauen, wobei Gesang nicht Teil der musikalischen Ausbildung ist sondern autodidaktisch erlernt wird, also durch Zuhören anderer. Improvisation hat dadurch besonders im Gesang eine große Bedeutung so dass die maurische Sangeskunst ein hohes Maß an Können und Virtuosität erreicht hat.
Durch die Entwicklung eines städtischen Lebens, vornehmlich in der Hauptstadt Nouakchott seit etwa 1940, hat sich auch die Bedeutung der Musik in der Gesellschaft geändert. So werden Iggawins mittlerweile mehr als Künstler und weniger als Lobessänger angesehen. Dimi und Khalifa sind auch Teil einer Gruppe von Musiker in Nouakchott, die für ihre Musik nicht nur traditionelle Instrumente verwendet. Auf der vorliegenden Aufnahme wird z.B. die Tidinit auf einigen Stücken durch eine E-Gitarre ersetzt.
Wir in anderen muslimischen Gesellschaften spielt auch in der maurischen Kultur die Poesie eine wichtige Rolle und nicht wenige Mauren könne ihre Lieblingsstücke auswendig vortragen. Poesie wird als so wichtig wie die Musik selbst angesehen und ist somit unzertrennlich mit ihr verbunden. Auf dem Album findet sich neben klassischer arabische Poesie, die den Propheten preist, auch arabische Liebespoesie oder hassanische Poesie genauso wie zeitgenössische Dichtungen wie z.B. Texte über die maurische Unabhängigkeit oder Nelson Mandela.
Abschließend bleibt zu erwähnen, dass dieses Album einen hochinteressanten Einblick in die maurische Musikkultur gibt. Wer also mit der Musik des Nachbarn Mali etwas anfangen kann, sollte hier durchaus mal reinhören.
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Simphiwe Dana - Zandisile (2004)
Ich habe eine neue Lieblingssängerin: Simphiwe Dana aus Südafrika. Dort bereits ein preigekrönter Star veröffentlichte sie 2004 ihr Debüt Zandisile, ein Album, das traditionelle Klänge mit Gospel, Soul und Chorgesängen kombiniert. Aufgewachsen in der Transkei im Osten des Landes, sang sie bereits in ihrer Kindheit beim Wasserholen Kirchen- und Hochzeitslieder. Schon in diesen jungen Jahren entschloss sie sich Sängerin zu werden. Doch zunächst studierte sie Informationstechnik und Grafikdesign, ehe sie 2002 in Johannesburg von Musikpromotern bei kleinen Clubauftritten entdeckt wurde. Nur zwei Jahre später kam dann der Durchbruch mit ihrem Debütalbum und einem Auftritt in der Johannesburg Music Hall zusammen mit Angelique Kidjo, was in der Folge auch dazu führte, dass sie, wie viele andere junge andere Künstlerinnen des öfteren mit der jungen Miriam Makeba verglichen wurde. Ein Vergleich, den sie selbst zwar einerseit etwas unfair findet, dessen Bedeutung aber durchaus zu schätzen weiß. An anderer Stelle wird sie auch schon mal gerne mit Erykah Badu verglichen, mit der sie zumindest die Vorliebe für ausgefallene Kopfbedeckungen teilt.
Zandisile bedeutet "Die, die sich ihren Traum erfüllt", und einen Traum hat sich Simphiwe Dana mit diesem Album wahrlich erfüllt. Bis auf zwei Ausnahmen singt sie ihre Songs, die sie auch selbst schreibt, in ihrer Muttersprache Xhosa, da sie nur in ihrer Muttersprache aussagen kann, was sie wirklich meint, wie sie in einem Interview erzählte. So ist ihr Kompositionsstil in seinen Harmonien und seiner Tonalität stark vom Xhosa Volk beinflusst aber auch von den kirchlichen Gesängen ihrer Mutter. Das Album beginnt mit Vukani, einem Stück, das Disco- und Jazzrhythmen miteinander kombiniert. Der Titelsong ist dagegen ein magisches Stück Soul mit südafrikanischen Chören und Simphiwes traumhafter Stimme, die einen direkt ins Herz trifft. Überhaupt ist es die Gesangsarbeit, die dieses Album zu etwas Besonderem macht, unaufdringlich und doch unverzichtbar wie im Stück Ndiredi, bei dem die großartigen Wechsel zwischen Solostimme und Chor begeistern. Hier und da wird aber auch ein Blick über den eigenen musikalischen Tellerrand gewagt. So erklingen in Make a tribe, einem von zwei auf Englisch gesungenen Stücke, die Laute Oud sowie Tabla und andere Percussioninstrumente und sorgen somit für ein leicht arabisches Flair. Troubled soldier dagegen setzt auf den dezenten Einsatz von Elektronik und einen hypnotischen Beat, dem man sich kaum entziehen kann. Dazwischen gibt es immer wieder phantastische Midtemposoulstücke wie z.B. Ingoma und Induku basiert gar auf einer Art Reggae Rhythmus. Die letzten beiden Stücke kommen jedoch ganz ohne Instrumente aus und zeigen noch einmal die ganze Klasse von Simphiwe und ihrem Chor und sorgen selbst bei jemanden wie mir, der ansonsten mit A-Capella nicht so viel anfangen kann, für Gänsehaut. Aber die Stimmen sind einfach viel zu großartig, als dass man sich ihnen einfach so entziehen könnte.
Mit zwei Jahren Verspätung erschien das Album im Sommer 2006 auch in Europa. Im selben Jahr veröffentlichte Simphiwe Dana in Südafrika bereits ihr zweites Album, welches im Herbst dieses Jahres auch hierzulande auf den Markt kommen soll. Dort soll neben einem Streichorchester auch ein 50-köpfiger Chor zu hören sein. Man darf also gespannt sein.
Internet
Homepage (http://www.simphiwe.co.za/)
MySpace (Zandisile) (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=144698204)
MySpace (One Love Movement On Bantu Biki Street) (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=168605939)
Kenne und hab ich seit gut 2 Monaten. Sehr rundes und stimmiges Album, die Xosa-Sprache versteht naturgemäß kein Mensch hier, aber der "Klang" der Sprache hat schon das gewisse Etwas. Die leicht arabesken Töne passen ebenfalls und beißen sich nicht mit den afrikanischen Soul-Rhythms. Dazu kommt die tolle Stimme und fertig ist ein Album mit mindestens **** (wenn nicht mehr).
The Imposter
03.09.2007, 16:39
liest sich interessant und klingt auch so, wird sicher demnächst mal einer näheren Prüfung unterzogen, danke für die Vorstellung
edit: die beiden Songs auf der MySpace Seite sind toll, laufen jetzt schon ein paarmal, der Titelsong klingt für mich auch schon nach Reggae und diese Art Chorgesang mag ich sowieso gerne
Es gibt übrigens noch eine zweite MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=168605939)-Seite, dort kann man sich 4 Stücke vom 2. Album One Love Movement On Bantu Biko Street anhören.
Das Album erscheint hierzulande übrigens am 28.09.2007.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/KidjoDjinDjin.jpg
Angélique Kidjo - Djin Djin (2007)
Was ich im Vorfeld so über Angélique Kidjos neues Album gelesen hatte, ließ bei mir eher Skepsis walten als Begeisterung aufkommen. Das ist zum einen die schier endlos lange Gästeliste und zum anderen eine Adaption von Ravels Bolero am Ende des Albums. Gegen Gäste ist ja prinzipiell nichts einzuwenden, aber wenn mehr als die Hälfte der Songs nicht ohne auskommt, macht mich das schon stutzig, zumal sie es doch eigentlich gar nicht nötig hat. Und so funktioniert das dann auch mal besser, wie z.B. im Titelstück, einem Duett mit Alicia Keys und Branford Marsalis am Saxophon, aber auch mal schlechter, wie z.B. beim Rolling Stones Stück Gimmie shelter. Dabei gefällt mir die Interpretation mit allerlei Percussion und dem Gebläse der New Yorker Afrobeat Gruppe Antibalas sogar richtig gut, was aber stört ist der mal gepresste, mal gebrüllte Gesang einer Joss Stone, der hier völlig fehl am Platz ist. Das ruhige Salala, ein Stück über die Magie der Geburt, mit Peter Gabriel als Duettpartner und Keziah Jones an der Sologitarre ist dagegen wieder gelungen, ebenso das mit einer Kora verzierte Senamou, bei dem sie von dem malischen Duett Amadou und Mariam unterstützt wird. Etwas theatralisch erscheint mir allerdings die zweite Coverversion des Albums, Sades Pearls, bei dem der unvermeidliche Carlos Santana mit seiner Gitarre dazwischen düdeln darf und ein gewisser Josh Groban die männliche Gesangsstimme übernimmt. Das folgende Stück Sedjedo, ein Reggae, bei dem sie von Ziggy Marley unterstützt wird, ist dann das letzte Duett des Albums. Im famosen Papa dürfen einmal mehr die Bläser von Antibalas loslegen und in Awan n'tla hört man noch einmal Keziah Jones an der Sologitarre. Bleibt noch das letzte Stück Lonlon, ein Gesangstück, das auf Ravels Bolero basiert. Und allen Zweifeln zum trotz musste ich feststellen, dass das hier erstaunlich gut funktioniert.
Djin Djin zählt sicher nicht zu Kidjos besten Alben, was eben auch an der Vielzahl von Gästen liegt, was bei ihrer Stimme doch gar nicht nötig wäre. Aber dank einiger herausragender Stücke ist es dennoch ein gutes und auch empfehlenswertes Album geworden.
Internet
Homepage (http://www.kidjo.com/)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=139723905)
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/VieuxFarkaToure.jpg
Vieux Farka Toure - s/t (2007)
Wie der Vater so der Sohn. Nicht einmal ein Jahr nach dem Tod des großen Ali Farka Toure veröffentlichte dessen Sohn Vieux sein Debütalbum und es liegt durchaus der Verdacht nahe, dass hier schnelles Geld verdient werden wollte. Wenn man sich dieses Album dann aber anhört, wird man sehr schnell feststellen, dass dieser Verdacht nicht nur unbegründet sondern auch albern ist. Ali Farka Toure selbst wollte übrigens gar nicht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, damit er nicht die gleichen schlechten Erfahrungen mit dem Musikbusiness macht. Glücklicherweise hat sich Vieux sein Vorhaben nicht verbieten lassen und zunächst begonnen, Percussion zu spielen. Später hat er sich dann aber dazu entschlossen, es seinem Vater gleichzutun und Gitarre zu erlernen zu singen und Songs zu schreiben. Unterstützt wird er dabei nicht nur von seinem Vater auf dessen möglicherweise letzten Aufnahmen, sondern auch von solch Größen wie Toumani Diabate oder Bassekou Kouyate. Die musikalische Herkunft lässt sich freilich nicht verleugnen, was besonders gut im Stück Diallo zu hören ist, ein Wüstenblues, bei dem Ali Farka Toure die E-Gitarre übernimmt und der mit dem typischen Kalabasse-Rhythmus daherkommt. Genau wie sein Vater singt auch Vieux seine Lieder in verschiedenen Sprachen wie z.B. Sonrai, Bambara oder Fulani, alles Sprachen, die in Mali gesprochen werden. Hier und da beschreitet Vieux auch gänzlich neue Wege wie z.B. im Stück Ana, das den typischen Mali-Blues mit einem Reggae-Rhythmus kreuzt, inklusive Gebläse und Orgel. Die beiden Stücke mit Toumani Diabate dagegen sind auf Akustikgitarre und Kora reduzierte Instrumentals, die dem Album eine weitere Klangfarbe geben, vor allem das finale Diabaté, eine Hommage an den großen Koraspieler, der für Vieux wie ein Vater ist. Courage dagegen ist eine besondere Hommage an den Vater, dem übrigens auch das Album gewidmet ist, ein neu arrangiertes Stück von Issa Sory Bamba, der hier auch den Gesang übernimmt.
Vieux Farka Toures Debüt ist ein sehr vielschichtiges Werk geworden, das sich vor dem schweren Erbe seines Vaters sicher nicht verstecken muss und lässt zusammen mit Bassekou Kouyates Album Tinariwens Aman Iman 2007 doch um einiges hinter sich. Hoffen wir, dass er noch einige Alben von diesem Kaliber folgen lässt.
Internet
Homepage (http://www.vieuxfarkatoure.com)
MySpace (http://www.myspace.com/vieuxfarkatoure)
klienicum
27.09.2007, 07:43
@sparch: deinem resümee von 'djin djin' kann ich folgen.
auf die vieux farka toure scheibe freue ich mich. das klingt doch sehr verheißungsvoll. kann sie tatsächlich 'aman iman' toppen? wie hörst du letztere? wo steht sie in deinem jahresranking?
kann sie tatsächlich 'iman aman' toppen? wie hörst du letztere? wo steht sie in deinem jahresranking?
Aman Iman hat zwar einige sehr gute Songs, aber auch viel Leerlauf. Ich bin von dem Album schon etwas enttäuscht, vor allem finde ich den Einsatz der E-Gitarre auch gar nicht so herausragend, wie es sonst gerne dargestellt wird, das habe ich mir irgendwie "radikaler" vorgestellt. Ich sehe das Album bei ***1/2.
Vieux Farka Toures Debüt hat mich dagegen sofort gepackt. Als Referenzwerke würde ich mal Niafunké und In the heart of the moon anführen, wobei Vieux eigenständig genung ist, dem Ganzen auch einen eigenen Stempel aufzudrücken. Im Moment sehe ich das Album bei ****1/2.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/YoussouNdourJoko.jpg http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/YoussouNdourBaTay.jpg
Youssou N'Dour - Joko: From Village To Town (2000) / Ba Tay (2000)
Vor allem in den 90er Jahren verlief Youssou N'Dours Karriere quasi zweigleisig. Der Welt präsentierte er spätestens seit Eyes Open auf Hochglanz polierte Alben, was 1994 in dem Welthit 7 Seconds seinen Höhepunkt fand, die Heimat Senegal dagegen bekam eine ganze Reihe von Kassetten, auf denen es vor allem Mbalax, jenen von ihm in den 80er Jahren miterfundenem Stil, zu hören gab. Besonders deutlich wurde dies im Jahr 2000 auf seinem letzten Columbia Album Joko: From Village To Town. Die Anlehnung an europäische Hörgewohnheiten war hier stärker als je zuvor und steht in krassem Gegensatz zu einer ganzen Reihe zeitgleich im Senegal veröffentlichter Kassetten. Und wenn man sich das Album anhört, muss mam sich zunächst einmal durch eine ganze Reihe mittelprächtiger Songs kämpfen, von denen ausgerechnet Don't walk away, eine Kollaboration mit Sting, heraussticht und der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei diesem Album um ein Werk zwecks Vertragserfüllung oder Resteverwertung handelt. Tatsächlich läuft in der ersten Hälfte des Albums nicht viel zusammen, kitschige Melodien treffen auf uninspirierte Beats, die vermutlich ein bisschen Trip Hop Feeling verbreiten sollen. Selbst der angedeutete Mbalax in Mouvement will hier nicht so recht funktionieren und wirkt erschreckend lasch. Doch so schwach der erste Teil ist, so gut wird der zweite. Als ob N'Dour selbst ein Licht aufgegangen ist, schüttelt er ab dem ungewohnt rockigen She doesn't need to fall, bei dem er u.a. von Manu Katché am Schlagzeug begleitet wird, eine Reihe hochkarätiger Songs aus dem Ärmel. Beim dunklen Yama funktionieren dann auch die Beats, gepaart mit den Läufen über die Talking Drum. This dream ist ein weiteres Duett mit seinem "Entdecker" Peter Gabriel und Red clay die beinahe klassiche N'Dour Ballade, die er wie gewohnt voller Inbrunst singt. Auch das HipHop Stück How come?, bei dem Wyclef Jean die Raps übernimmt, funktioniert in diesem Kontext sehr gut, ebenso wie Don't look back, das im feinem R'n'B-Gewand daherkommt. Zugegeben, das alles klingt weder traditionell noch nach moderner senegalesicher Musik, aber zumindest was das Songwriting angeht, findet N'Dour im zweiten Teil des Albums zu alter Stärke zurück. Dass die Plattenfirma den Erfolg des Vorgängers Wommat mit allen Mitteln wiederholen wollte, ist kaum zu überhören, dass es nicht funktioniert hat hinlänglich bekannt. Im Senegal selbst wurde N'Dours Entwicklung kritisch, ja nahezu misstrauisch beobachtet und Intelektuelle sprachen gar vom Ausverkauf des eigenen Stils und riefen zum Boykott von Joko auf.
Gleich eine ganze Reihe von Kassetten produzierte Youssou N'Dour zeitgleich in seinen Xippi Studios in Dakar, die hierzulande natürlich nur sehr schwer aufzutreiben sind. Inwiefern es sich bei Ba Tay, eine CD, die von dem kleinen Label Jololi vertrieben wird, um eine dieser Kassetten handelt, ist mir nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich auch nur um eine Zusammenstellung, das was aber zu hören ist, bildet tatsächlich den größtmöglichen Gegensatz zu Joko. Zum größten Teil gibt es hier den reinen Mbalax mit seinen treibenden, sich manchmal beinahe zu überschlagen drohenden Rhythmen auf der Talking Drum zu hören. Und das alles funktioniert ohne irgendwelche Zugeständnisse an den Rest der Welt zu machen. Aber eben leider hauptsächlich im Senegal. Einen Hit wie 7 Seconds sucht man hier vergebens, dafür bekommt man den wahren Stoff, der für den "Sonntagsweltmusikhörer" zu exotisch klingt.
Dürfte ich mein eigenes Joko zusammenstellen, dann würde ich die ersten 8 Songs komplett weglassen und durch die 8 Ba Tay Songs ersetzen. Den Rest des Albums sollte Youssou N'Dour dann allerdings mit seiner Band Super Étoile De Dakar neu einspielen. Man mag gar nicht daran denken, was für ein fantastisches Album das geworden wäre.
Am 19.10. wird der Großteil des Fela Katalogs bei Wrasse Records (http://www.wrasserecords.com/Fela_Anikulapo_Kuti_9/biography.html) neu veröffentlicht. Ich vermute mal, dass es sich dabei nicht um neue Überspielungen sondern um die gleichen Aufnahmen handelt, die schon für die Barclay Versionen verwendet wurden. Zumindest wurde das Twofer Konzept beibehalten.
dagobert
10.10.2007, 11:43
danke für den link, sparch.
ich hatte am wochenende die oben beschriebene Vieux Farka Toure platte in der hand, habe sie aus skepsis aber wieder zurückgelegt. vielleicht hätte ich das nicht getan, wenn ich deine review vorher gelesen hätte.
Flatted Fifth
10.10.2007, 11:52
Wrasse reissued doch schon länger die alten Kuti-Sachen, zu kaufen auch digital bei Dancetracks Digital (http://www.dancetracksdigital.com/search/?LABEL=750&ARTIST=Fela+Kuti).
Wrasse reissued doch schon länger die alten Kuti-Sachen, zu kaufen auch digital bei Dancetracks Digital (http://www.dancetracksdigital.com/search/?LABEL=750&ARTIST=Fela+Kuti).
Richtig, aber wenn man bislang z.B. bei Amazon gestöbert hat, hat man man sehr schnell festgestellt, dass die meisten Alben entweder recht teuer waren oder eine lange Lieferzeit hatten. Vermutlich seit dieser Woche können nun die meisten Alben für 14,99€ vorbestellt werden (als Veröffentlichungstermin ist der 19.10. angeben, bei JPC übrigens auch), von daher gehe ich davon aus, dass es sich dabei wohl um einen neue Auflage der alten Aufnahmen (also kein Remastering) handelt.
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Manou Gallo - s/t (2007)
Die Wahlbelgierin und gebürtige Ivorin, die sich selbst als Afropäerin bezeichnet, begann ihre musikalische "Karriere" bereits im Alter von 8 Jahren, als sie bei einer Beerdingung die heilige Trommel Atombra spielte, was beim Volk der Djiboi bis dato nur den Männern erlaubt war und einem Tabubruch gleichkam. Nur 4 Jahre später schloss sie sich der in Westafrika bekannten Band Woya an und erlernte das für sie typische Bassspiel, was sich später zu einem ihrer Markenzeichen entwickelte. Mitte der 90er stieß sie auf den damaligen Zap Mama Manager Michel DeBock, der ihr ein Casting für die Gruppe vermittelte, die zu jener Zeit auf der Suche nach einer neuen Bassisitin war. Anschließend schloss sie sich den Tambours De Brazza an, wo sie als einzige Frau unter 16 Musikern die Rhythmus-Sektion komplettierte. Im Jahr 2003 veröffentlichte sie dann ihr Solodebüt Dida, das schon alle Zutaten enthielt, die ihre Musik so einzigartig machen.
2007 veröffentlichte sie nun ihr zweites, selbstbetiteltes Album, auf dem sie, wie schon auf dem Debüt, neben Gesang und Bass auch Gitarre und Percussion spielt. Das Fundament ihrer Musik bilden bisweilen komplexe Rhythmen kombiniert mit einem extrem funkigen und hochenergetischen Bass. Afrobeat trifft auf Funk und Soul und wird hier und da mit einem Schuss HipHop veredelt. Auf diesem Fundament also baut die Gallo ihre Songs und erweist sich hier auch als hervorragende Autorin, der es gelingt, die verschiedensten Stimmungen einzufangen. Schon das erste Stück ABJ-BXL (Abidjan-Bruxelles), ein Uptempo Funk, schlägt die Brücke zwischen Europa und Afrika. Chanter L'Amour dagegen ist eine Ballade, die von einer gescheiterten Liebe handelt und über eine verführerische Basslinie verfügt. Und spätestens hier wird deutlich, dass der Bass das führende Instrument ist im musikalischen Kosmos der Gallo. Was sie aus den 4 Saiten herausholt ist absolut einzigartig und schlicht und einfach phänomenal. Dabei beschränkt sie sich nicht auf die Rhythmen der Djiboi, sondern platziert hier und da Drum'n'Bass-Einschübe oder lässt im Stück Woyaklolo, das auf einem Song ihrer früheren Band Woya basiert, den Rapper Balo zu Wort kommen. Ein Stück, das urspünglich noch die Geschichtenerzähler des Afro-Dorfes, die sogenannten Griots, pries und in dieser neuen Version noch einen Schritt weitergeht: jeder Musiker sollte zum Lautsprecher seiner Leute werden. Terre dagegen zeigt einmal mehr, mit welcher Leichtigkeit hier komplexe Rhythmen mit weichem Chrogesang kombiniert werden. Ein Stück, das zum einen auf den Bürgerkrieg und die nachbarschaftliche Hilfe zwischen Liberia und de Elfenbeinküste anspielt, das aber auch von einer Welt ohne Grenzen träumt und die afropäische Verschmelzung voranbringen soll. Verdeutlicht wir dies durch aprupte Tempiwechsel sowie kantigen Gitarren- und Bassriffs. Das melancholische Hommage schließlich beginnt beinahe wie ein Chanson, der in der Mitte plötzlich von einem Zwischenspiel bestehend aus einem knarzigem Bass und schrägen Rhythmen unterbrochen wird.
In einem Interview sagte sie unlängst: "Ich bin Afropäerin, habe einen E-Bass und bin funky. Es gibt keine Grenzen: Ich bin ein Vogel, der frei herumfliegen kann. Die Zeit, in der man Afrika mit dem Image des Bananenröckchens verbunden hat, ist definitiv vorbei." Besser kann man ihr Album eigentlich gar nicht zusammenfassen.
Internet
Homepage (http://www.manougallo.com)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=72420149)
Ein neuer Service: die Spacecraft Charts 2007. Aus Zeitgründen konnte ich nicht alle dieser Alben auch besprechen, zu dem ein oder anderen wird aber noch eine Rezension kommen.
Stand: 10/07
01. Simphiwe Dana - The One Love Movement on Bantu Biko Street *****
02. Manou Gallo - s/t *****
03. Vieux Farka Toure - s/t ****1/2
04. Habib Koité - Afriki ****1/2
05. Dobet Gnahore - Na Afriki ****1/2
06. Bassekou Kouyate & Ngoni Ba - Segu Blue ****
07. Orchestra Baobab - Made in Dakar ****
08. Tinariwen - Aman Iman ****
09. Sally Nyolo - Mémoire Du Monde ***1/2
10. Angélique Kidjo - Djin Djin ***1/2
Im Taumel der Vorfreude habe ich 3 der angeblich heute neu aufgelegten Fela CDs vorbestellt. Das Veröffentlichungsdatum ist immer noch mit dem 19.10.2007 angegeben, die Lieferzeit beträgt jetzt aber für alle 3 CDs 4-6 Wochen, toll!
http://a.imageshack.us/img820/549/simphiwedanamovement.jpg
Simphiwe Dana - The One Love Movement on Bantu Biko Street
Mit einem Jahr Verspätung wurde hierzulande nun auch Simphiwe Danas zweites Album veröffentlicht, das in ihrer Heimat Südafrika längst Platinstatus erreicht hat. Das wird dem Album hier zwar aller Wahrscheinlichkeit nach nicht passieren, aber zumindest was dessen Klasse angeht, kann man hier nur von einem Platinalbum reden. In der Tat gelingt es der Künstlerin dem schon phantastischen Debüt noch eins draufzusetzen, was gar nicht so einfach gewesen sein dürfte obwohl man es dem Album nicht anhört. Simphiwe Dana erweist sich hier nämlich nicht nur als großartige Sängerin, die dieses mal ihre Lieder ausschließlich in ihrer Muttersprache Xhosa singt, sondern einmal mehr auch als außergewöhnliche Autorin. Der Inhalt der Songs, die dieses mal allesamt in englischer Übersetzung vorliegen, ist größenteils politischer Natur, aber hier und da finden sich auch wunderbare Liebeslieder.
Das politische Element dieses Albums wird schon im Titel deutlich, beinhaltet er doch den Namen jenes Bürgerrechtlers, der 1977 während seiner Haft zu Tode gefoltert wurde. Auf dem Cover sieht man einen hell erleuchteten Weg, der durch das Dunkel führt. Bantu Biko Street dienst als Symbol für den Weg nach vorne oder wie es die Künstlerin selbst sagt: "Bantu Biko Street is the only street paved with our hopes and dreams, our golden highway that must first exist in our minds". Schon im ersten Stück Sizophum' Elokishini, das darüber klagt, dass die Apartheid noch nicht überwunden ist, wird dies deutlich. Doch sind Simphiwe Danas Lieder immer auch von Hoffnung und dem Glauben an Besserung geprägt, auch wenn es ein langer Weg dahin ist. Doch auch musikalisch wird im ersten Stück klar, wo es langgeht. Deutlich mehr jazzorientiert geht es dieses mal zu Werk wozu auch das Orchester seinen Beitrag leistet, indem es zwar meist zurückhaltend agiert aber eben doch wichtige Akzente setzt. Geblieben sind die einzigartigen und ausnahmslos grandiosen Chorgesänge. Bantu Biko Street, eines der beiden Titelstücke, liegt gleich in 2 Versionen vor, einmal mit Band und einmal mit Orchester und Chor und beschwört einmal mehr die Einigkeit Afrikas während das jazzige Zundiqondisise von der Eigenständigkeit der Frau handelt und mit wunderbaren Piano- und Chorpassagen aufwartet. An zentraler Stelle findet sich die wunderschöne und intensive Liebeballade Iliwa Lam bei dem einmal mehr auch das Orchester mit dem Chor für magische Momente sorgt. Im Gegensatz dazu stehen zum einen das perkussive Sebenzile, dessen Rhythmen wahre Afrobeatgefühle aufkommen lassen und zum anderen Uzobuya Nini?, das auf einem monotonen Dancefloorbeat basiert. Am Ende steht dann das zweite Titelstück, dargebracht als zweiteilige Suite, und verdeutlicht noch einmal obiges Zitat und setzt diesem knapp 80 Minuten langen aber niemals langweiligen Album einen würdigen Schlusspunkt.
Bei den African Music Awars im Frühjahr 2007 wurde Simphiwe Dana gleich mit 4 Preisen gewürdigt u.a. in den Kategorien "Album of the Year" und "Artist of the Year". Das ist freilich kein Merkmal für Qualität, in diesem Falle trifft es aber ausnahmsweise absolut zu.
Internet
Homepage (http://www.simphiwe.co.za/)
MySpace (Zandisile) (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=144698204)
MySpace (One Love Movement On Bantu Biko Street) (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=168605939)
Wrasse hat nun doch auf insgesamt 26 CDs den nahezu kompletten Fela Katalog neu gemastert, darunter auch Alagbon Close / Why Black Man Dey Suffer, eine weitere Zusammenarbeit mit Ginger Baker.
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Toumani Diabate - Kaira (1987)
Toumani Diabate hat hierzulande vor allem durch sein zusammen mit Ali Farka Toure eingespieltes und mit dem Grammy ausgezeichnetes Album In the Heart of the Moon für Aufsehen gesorgt. Neben seiner Arbeit mit seinem Symmetric Orchestra, die letztes Jahr durch die Veröffentlichung des ausgezeichneten Albums Boulevard de l'Independence gekrönt wurde, arbeitete Diabate in der Vergangenheit aber auch mit so unterschiedlichen Kollegen wie Taj Mahal, Roswell Rudd oder seinem Landsmann Bassekou Kouyate zusammen. Sein Debütalbum Kaira, übrigens das erste Kora-Soloalbum der Geschichte, nahm er jedoch 1987 ganz allein an einem einzigen Nachmittag in London auf. Die 5 Stücke sind allesamt live eingespielt und wurden nicht nachträglich mit Overdubs versehen. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, da man zeitweise den Eindruck hat, 2 oder gar 3 Musiker an ihren Koras zu hören. Für einen Virtuosen wie Diabate ist es jedoch kein Problem, gleichzeitig die Bassbegleitung, die Melodie und eine Variation zu spielen. Bereits mit 5 Jahren beginnt Toumani Diabte Kora zu spielen, und da seine Eltern keine Zeit haben, ihm Musikunterricht zu geben, bringt er sich das Spiel vor allem selbst bei und schaut sich aber auch vieles bei seinem Vater Sidiki Diabate ab, der selbst ein weit über die Grenzen Malis hinaus bekannter Koraspieler und Griot war. Im Alter von 13 Jahren schließt er sich einem lokalen und staatlich geförderten Ensemble an und mit 19 tourt er mit der in Mali bekannten Sängerin Kandia Kouyate durch Afrika.
Kaira ist zwar ein Instrumentralalbum, das mit nur einem Instrumnet eingespielt wurde, dennoch kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. Und wer bei Kora eher an New Age oder Esotherik denkt, liegt völlig falsch. Die Kora ist zwar eine Stegharfe und klingt der uns bekannten Harfe sicher nicht ganz unähnlich, dennoch ist ihr Klang rauher und weit weniger sanft und Toumani Diabate zeigt durch seine Spielweise auf eindrucksvolle Art, dass sie sich auch als Soloinstrument eignet. Das Titelstück, übrigens eine Komposition seines Vaters, wurde später auf In the Heart of the Moon neu eingespielt. Auch die restlichen Stücke sind keine Eigenkompositionen sondern traditionelle und klassische Korastücke, wie z.B. Tubaka, ein wunderschönes altes Liebeslied.
Ende der 80er Jahre war vor allem Paris die Hochburg des Afropop und der ein oder andere erinnert sich sicher noch an Mory Kantes Yéké Yéké. Im Vergleich dazu fällt Kaira völlig aus dem Rahmen und dürfte somit ein zeitloses Dokument westafrikanischer Musikkultur sein. Zumindest aber ist es ein großartiges und wunderbares Album.
Internet
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K'Naan - The Dusty Foot On The Road (2007)
Ich muss gestehen, dass ich mich bislang mit HipHop nur am Rande beschäftigt habe. Und so kenne ich auch das Debüt Album The Dusty Foot Philosopher dieses Rappers aus Somalia nicht. Der Titel dieses Albums spielt wohl auf die Tatsache an, dass er bis zu seiner Flucht mit 13 immer barfuß unterwegs war und erst in Nordamerika erstmals überhaupt Schuhe trug.
K'Naan Warsame, so sein vollständiger Name, wird 1978 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren, also zu einer Zeit, in der schon heftige Unruhen das Land erschütterten. Im Alter von neun Jahren beginnt K'Naan zu rappen wie seine amerikanischen Vorbilder, deren Platten er von seinem Vater, der längst nach Amerika ausgewandert war, zugeschickt bekam. Er rappte auf Englisch obwohl er die Sprache nicht verstand und erst Jahre später herausfinden sollte, was die Verse tatsächlich bedeuteten. Ansonsten ist seine Kindheit von Gewalt geprägt, die im vom Bürgerkrieg zermürbten und nicht zur Ruhe kommenden Somalia zum Alltag gehört. Mit 8 betätigt er zum ersten mal eine Schusswaffe und mit 11 sprengt er mit einer gefundenen Granate versehentlich die halbe Schule in die Luft und ist immer wieder auf der Flucht vor Kämpfern, welche die Straßen Mogadischus unsicher machen. Dabei empfindet es es bis heute selbst als größte Gnade, dass er niemanden töten musste. 1991 gelingt seiner Familie quasi in letzter Sekunde die Flucht nach New York. Von dort aus ging es dann weiter nach Toronto, wo sich eine große somalische Auswanderergemeinde angesiedelt hatte. In der zehnten Klasse bricht K'Naan, dessen Name sowiel wie "Reisender" bedeutet, die Schule ab und begibt sich gemäß seines Namens auf eine zwei Jahre dauernden Reise, die ihn auch in die Schweiz führt, wo er hauptsächlich versuchte, mit seinen Kriegserlebnissen fertig zu werden. 1999 übt er bei einem Spokenword Auftritt vor dem UN-Flüchtlingskommissar heftige Kritik am Verhalten der UN in der Somalia Frage. Der ebenfalls anwesende Youssou N'Dour engagierte ihn darauf hin für das Album Building Bridges, mit dem der UNHCR sein 50-jähriges Bestehen feierte. Beim Jazzfestival in Montreal im Jahr 2002 trifft er dann auf Jervis Church, der 3 Jahre später sein Debütalbum produzieren soll. Um dieses Album zu bewerben, begibt er sich 2005 mit Mos Def und Talib Kweli auf "BreedLove Odyssey"-Tour und erhält 2006 schließlich den Juno Award für das Rap Album des Jahres. K'Naan selbst bezeichnet seine Musik als "urgent music with a message", deren hauptsächliches Thema seine Erlebnisse und Erfahrungen in Somalia sind, wenngleich er sich nicht als politisch bezeichnet sondern seine Musik vielmehr als Ventil zu Verarbeitung seiner Vergangenheit ansieht.
Bei ausgedehnten Touren entsteht schließlich das Live Album The Dusty Foot On The Road. Meist nur von Gitarre und Percussion begleitet schafft K'Naan hier bisweilen eine beklemmende Atmosphäre und zeigt aber auch deutlich, dass es dafür gar nicht mehr bedarf. It's the African Way, ein Songtitel, der stellvertretend für das gesamte Album steht. What's Hardcore?, fragt K'Naan im gleichnamigen Stück. Eine Frage, die er selbst wohl am Besten beantworten kann, und nicht etwa all jene Rapper, für die Begriffe wie Hardcore nur Mittel zum Zweck sind. "I'ma spit these verses because I feel annoyed And I'm not going to quit until I fill the void If I rhymed about home and got descriptive I'd make 50 Cent look like Limp Bizkit." rappt er deshalb folgerichtig. Denn Hardcore, das ist der Alltag und die Brutalität in Mogadischu, die Gefahr, die an jeder Straßenecke lauert, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Etwas, das man sich vermutlich noch nicht einmal annähernd vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und so sind viele dieser Songs kleine Schläge in die Magengrube, die einem bewusst machen, wie gut man es bislang doch selbst hatte. Und dabei wagt K'Naan auch den Blick über den eigenen Tellerrand des HipHop hinaus, wie z.B. im druckvoll nach vorne preschenden In the beginning, das beinahe schon Singer/Songwrite Qualitäten hat, was auch gar nicht weiter verwundert wenn man bedenkt, dass neben Bob Marley und Fela Kuti auch Bob Dylan zu den musikalischen Einflüssen zählt. Is it a myth? kommt gänzlich ohne Instrumente aus und zeigt, dass seine Stimme sich auch als Gesangsstimme bestens eignet. Bei My God, bei dem er von Mos Def, der die zweite Strophe rappt, unterstütz wird, beschränkt sich die musikalische Begleitung auf einen herzschlagartigen Trommelrhythmus, über den K'Naan einmal mehr eindringlich den grausamen Bürgerkriegsalltag beschreibt. Doch trotz der düsteren Atmosphäre, die das Album umgibt, ist von Resignation keine Spur, auch wenn es momentan der pure Wahnsinn wäre, in die Heimat zu reisen, wie K'Naan vor kurzem in einem Interview sagte. It's the African Way...
Internet
The Dusty Foot Philospher (http://www.thedustyfoot.com/html/)
MySpace (http://www.myspace.com/knaanmusic)
Wie der ein oder andere sicher mitbekommen hat, hat sich der Todestag Fela Kutis Anfang Auguts zum 10. Mal gejährt. Aus diesem Grund habe ich nun beschlossen, unter dem Titel The Fela Originals, in Anlehnung an die gleichnamige Barclay/Wrasse CD-Serie, in unregelmäßigen Abständen anhand einzelner CDs aus der Serie auf Felas Gesamtwerk einzugehen. Das Ganze wird vermutlich eine recht improvisierte Angelegenheit werden, da ich in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, noch nicht mal ein Drittel des Gesamtwerkes kenne, was sich aber natürlich in naher und ferner Zukunft ändern wird. Eine chronologische Reihenfolge ist deshalb eher unwahrscheinlich. Damit sich der geneigte Leser zunächst einmal ein Bild vom Umfang des Fela-Katalogs machen kann, möchte ich im ersten Teil mit einer Diskographie beginnen.
The Fela Originals, #1: Fela Discographie, Version 1.0
Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Fela Discographie von Toshiya Endo zusammengefasst. Dabei beschränke ich mich zunächst auf die in Nigeria veröffentlichten Original-LPs. Internationale Veröffentlichungen bleiben erst einmal ebenso außen vor wie eine ganze Reihe von Singles, die im Lauf der Zeit veröffentlicht wurden. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Ganze natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.
Koola Lobitos
1965: Fela Ransome Kuti and his Koola Lobitos
A: Signature Tune / It's Highlife Time / Lagos Baby / Omuti / Ololufe / Araba's Delight
B: Wa Dele / Lai Se / Mi O Mo / Obinrin Le / Omo Ejo
1966: Afro Beat on Stage: Recorded Live at the Afro Spot (10")
A: Everyday I Got My Blues / Moti Gborokan / Waka Waka
B: Ako / Ororuka / Lai Se
Africa 70
Anfangs nannte sich die Band noch Nigeria 70, wurde jedoch schnell in Africa 70 umbenannt.
1969: Fela Fela Fela (wurde 1993 als The '69 Los Angeles Sessions veröffentlicht)
A: My Lady's Frustration / Viva Nigeria / Obe (Stew) / Ako / Witchcraft
B: Wayo / Lover / Funky Horn / Eko / This Is Sad
1970: Fela's London Scene
A: J'ehin-J'ehin / Egbe Mi O
B: Who're You / Buy Africa / Fight to Finish
1971: Why Black Man Dey Suffer
A: Why Black Man Dey Suffer
B: Ikoyi Mentality Versus Mushin Mentality
1971: The Best of Fela
A: Beautiful Dancer / Jeun Ko Ku (Chop and Quench) (Part1& Part 2) / Black Man's Cry.
B: Na Fight O (Part1& Part 2) / Who're You?
1971: Na Poi
A: Na Poi (part 1)
B: Na Poi (part 2) / You No Go Die Unless You Wan Die
1971: The Best of Fela 2: Fela's Budget Special
A: Monday Morning In Lagos / Shenshema / Don't Gag Me
B: Beggar's Song / Alu Jon-Jon-Ki-Jon / Chop & Quench (Instrumental)
1971: Open and Close
A: Open and Close / Swegbe and Pako
B: Gbagada Gbagada Gbogodo Gbogodo
1971: Live! (with Ginger Baker)
A: Let's Start / Black Man's Cry
B: Ye Ye De Smell / Egbe Mi O (Carry Me, I Want to Die)
1972: Shakara
A: Shakara Oloje
B: Lady
1972: Roforofo Fight
A: Roforofo Fight
B: Trouble Sleep Yanga Wake Am
C: Question Jam Answer
D: Go Slow
1973: Afrodisiac
A: Alu Jon Jonki Jon / Chop and Quench
B: Eko Ile / Je'n Wi Temi
1973: Gentleman
A: Gentleman
B: Fefe Naa Efe / Igbe (Na Shit)
1974: Alagbon Close
A: Alagbon Close
B: I No Get Eye for Back
1975: He Miss Road
A: He Miss Road / Monday Morning in Lagos
B: He No Possible
1975: Expensive Shit
A: Expensive Shit
B: Water No Get Enemy
1975: Noise For Vendor Mouth
A: Noise for Vendor Mouth
B: Mattress
1975: Everything Scatter
A: Everything Scatter
B: Who No Know Go Know
1975: Confusion
A: Confusion (Instrumental)
B: Confusion (Vocal)
1976: Kalakuta Show
A: Kalakuta Show
B: Don't Meke Garnan Garnan
1976: No Bread
A: No Bread
B: Unnecessary Begging
1976: Ikoyi Blindness
A: Ikoyi Blindness
B: Gba Mi Leti Ki N'dolowo
1976: Yellow Fever
A: Yellow Fever
B: Napoi 75
1976: Upside Down
A: Upside Down
B: Go Slow (entspricht nicht der Version von Roforofo Fight)
1976: Before I Jump like Monkey Give Me Banana
A: Monkey Banana
B: Sense Wiseness
1976: Again, Excuse O
A: Excuse-O
B: Mr Grammatology-Lisationalism Is the Boss
1976: Zombie
A: Zombie
B: Mr Follow Follow
1977: J.J.D.
A: J.J.D.(Instrumental)
B: J.J.D. (Vocal)
1977: Observation No Crime (unveröffentlicht)
A: Observation No Crime (erschien später als Observation Is No Crime auf der CD-Ausgabe von Zombie)
B: Lady
1977: I Go Shout Plenty (unveröffentlicht)
A: I Go Shout Plenty (wurde 1986 gegen den Willen von Fela veröffentlicht)
B: Frustration of my lady (wurde 1983 auf dem Album Perambulator veröffentlicht)
1977: Opposite People
A: Opposite People
B: Equalisation of Trouser and Pant
1977: Stalemate
A: Stalemate
B: African Message (Don't Worry About My Mouth-O)
1977: Fear Not for Man
A: Fear Not for Man
B: Palm-Wine Sound
1977: Why Black Man Dey Suffer (unveröffentlicht)
A: Why Black Man Dey Suffer (wurde 1986 gegen den Willen von Fela veröffentlicht)
B: Male
1977: No Agreement
A: No Agreement
B: Dog Eat Dog
1977: Sorrow, Tears and Blood
A: Sorrow, Tears, and Blood
B: Colonial Mentality
1977: Shuffering and Shmiling
A: Shuffering and Shmiling (Instrumental)
B: Shuffering and Shmiling (Vocal)
1979: Unknown Soldier
A: Unknown Soldier (Instrumental)
B: Unknown Soldier (Vocal)
1979: V.I.P. Vagabons in Power
A: V.I.P. (Instrumental)
B: V.I.P. (Vocal)
1979: I.T.T. International Thief Thief
A: I.T.T. (Instrumental)
B: I.T.T. (Vocal)
1980: Authority Stealing
A: Authority Stealing (Instrumental)
B: Authority Stealing (Vocal)
1980: Music of Many Colors (with Roy Ayers)
A: Africa - Center of the World
B: Blacks Got To Be Free
1981: Coffin for Head of State
A: Coffin for Head of State (Instrumental)
B: Coffin for Head of State (Vocal)
1986: I Go Shout Plenty (von Fela nicht autorisiert)
A: I Go Shout Plenty
B: Why Black Man Dey Suffer
Egypt 80
1981: Original Sufferhead
A: Original Sufferhead
B: Power Show
1983: Perambulator
A: Perambulator
B: Frustration
1984: Live in Amsterdam
A: Movement of the People Political Statement Number I (Part 1)
B: Movement of the People Political Statement Number I (Part 2)
C: Gimme Shit I Give You Shit
D: Custom Check Point
1985: Army Arrangement
A: Army Arrangement (Instrumental)
B: Army Arrangement (Vocal) (but actually, Cross Examination)
1986: Teacher Don't Teach Me Nonsense
A: Teacher Don't Teach Me Nonsense (Instrumental)
B: Teacher Don't Teach Me Nonsense (Vocal)
1989: Beasts of No Nation
A: Beasts of No Nation (Instrumental)
B: Beasts of No Nation (Vocal)
1989: Overtake Don Overtake Overtake
A: Overtake Don Overtake Overtake (Instrumental)
B: Overtake Don Overtake Overtake (Vocal)
1990: Confusion Break Bones
A: Confusion Break Bones (Instrumental)
B: Confusion Break Bones (Vocal)
1990: Just Like That
A: Just Like That
B: Movement of The People Political Statement Number 1
1992: Underground System
A: Underground System
B: Pansa Pansa
The Fela Originals
Ende der 90er wurde von Barclay ein Großteil des Fela Katalogs neu auf CD veröffentlicht. Als Grundlage dienten dafür die in Nigeria veröffentlichten Originalalben. Da die Alben oft nur eine Spielzeit zwischen 20 und 30 Minuten haben, wurden meist 2 Alben auf einer CD zusammengefasst.
Open and Close / Afrodisiac
Monkey Banana / Excuse O
Ikoyi Blindness / Kalakuta Show
JJD / Unnecessary Begging
Zombie (+ Observation Is No Crime, Mistake)
Everything Scatter / Noise for Vendor Mouth
Upside Down / Music of many colours
Teacher Don't Teach Me Nonsense (+ Look and Laugh (französische LP), Just Like That)
Beasts of No Nation / ODOO
Underground System / Confusion Break Bones
Koola Lobitos 64-68 / 1969 LA Sessions
Live with Ginger Baker (+ Ginger Baker and Tony Allen Drum Solo)
Roforofo Fight / The Fela Singles
Live in Amsterdam 1983
Army Arrangement (+ Government Chicken Boy (Bonustrack der französischen CD Ausgabe))
Confusion / Gentleman
Coffin For A Head Of State / Unknown Soldier
Shakara / London Scene
Shuffering and Shmiling / No Agreement
Expensive Shit / He Miss Road
VIP / Authority Stealing
Opposite People / Sorrow Tears and Blood
Original Suffer Head / I.T.T
Yellow Fever / Na Poi
Stalemate / Fear Not For Man
Alagbon Close / Why Black Man Dey Suffer
The Fela Originals, #2: Koola Lobitos / The '69 Los Angeles Sessions
In den 50er Jahren wurde Fela von seiner Mutter nach London geschickt, um dort Medizin zu studieren. Schon dort spielt er zusammen mit anderen Nigerianern in einer Band und nimmt dort unter dem Namen Fela & His Highlife Rakers auch erste Singles auf. 1963 kehrt er schließlich nach Lagos zurück und gründet mit anderen Heimkehrern die Band Koola Lobitos, mit der er ebenfalls zunächst einige Singles aufnimmt. 1965 produziert er die erste LP Fela Ransome-Kuti and His Koola Lobitos und läutet damit die zweite Phase der Koola Lobitos ein, die zu diesem Zeitpunkt aus den Mitgliedern Tony Allen (drums), Ojo Okeji (bass), Yinka Roberts (guitar), Isaac Olasugba (sax), Tunde Williams (trumpet), Eddie Aroyewu (trumpet), Tex Becks and Uwaifo (tenor sax) und Fred Lawal (guitar) bestand. Das Album selbst war jedoch nur eine Kompilation aus diversen zuvor veröffentlichten Singles, bestand aber bis auf eine Ausnahme ausschließlich aus Eigenkompositionen.
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6 der Songs wurden in der Fela Originals Serie mit dem erstmals 1993 veröffentlichten Album The '69 Los Angeles Sessions gekoppelt. Im einzelnen handelt es sich dabei um die folgenden Songs (in Klammer die Originaltitel): 'Highlife Time', 'Omuti Tide (Omti)', 'Ololufe Mi (Ololufe)', 'Wadele Wa Rohin (Wa Dele)', 'Laise Lairo (Lai Se)', 'Wayo (Mi O Mo)'. Warum für die CD-Version nicht die Originaltitel verwendet wurden ist unbekannt. Das gleichnamige Stück Wayo von den LA Sessions (hier als 2. Version gekennzeichnet) unterscheidet sich übrigens deutlich vom Koola Lobitos Stück.
Ende der 60er begab sich die Band in die USA. Fela lernte dort Malcolm X und die Black Panther Bewegung kennen und sammelte dadurch Erfahrungen, die sein späteres Werk maßgeblich beinflussen sollten. Unter dem Namen Nigeria 70 entstanden wiederum eine Reihe von Singles. Der Bandname wurde jedoch schnell in Africa 70 geändert, möglicherweise auch deshalb, weil sich die Singles zunächst nicht besonders gut verkauften. 1969 wurden die Singles zusammengefasst und unter dem Titel Fela Fela Fela als LP in Nigeria veröffentlicht.
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Die LP enthält die selben Stücke wie die 1993 veröffentlichte CD The '69 Los Angeles Sessions und dürfte mit zu den frühesten Aufnhamen dessen gehören, was später als Afrobeat bekannt werden sollte. Was im Vergleich mit den späteren Alben hier noch fehlt, sind die langen, ausufernden Stücke, die gerne mal eine ganze LP-Seite oder gar LP für sich beanspruchen. Die 10 Stücke sind allesamt kurz und kompakt, enthalten aber mit scharfen Bläsersätzen und treibende Rhythmen schon mit die wichtigsten Zutaten.
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Vor allem die Koola Lobitos Aufnahmen sind vom Klang her nicht besonders gut, dürften aber die einzigen Aufnahmen sein, die ins digitale Zeitalter gerettet wurden. Wie einfach oder schwierig es ist, z.B. an Original Singles heranzukommen kann ich nicht sagen, kostspielig dürfte es aber allemal werden.
Die LA Sessions klingen deutlich besser und auch wenn Fela samt Band hier noch nicht ganz an die späteren Großtaten herankommen, so sind diese Aufnahmen doch ein unverzichtbares Dokument aus den Anfangstagen einer großartigen Band.
Weil sich hier schon länger keiner mehr gemeldet hat: ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die hier besprochenen Alben irgendwann einmal zulegen werde, aber egal - bitte weitermachen, sehr schöner, interessanter Thread!
Danke, latho. Ich habe mich schon gefragt, ob das hier überhaupt noch jemand interessiert. Die Anzahl der Hits steigt zwar kontinuierlich, aber was bedeutet das schon.
dagobert
20.11.2007, 20:47
Hier! Wenn ich etwas neues sehe, lese ich es auch, sparch. Dein aktuelles Interesse für Fela freut mich dabei natürlich besonders. Also auch von meiner Seite: bitte weitermachen.
klienicum
20.11.2007, 20:52
@sparch: bin ebenso fleißiger leser. derzeit würde es meine ressourcen sprengen, wenn ich mich intensiver mit den von dir vorgestellten acts beschäftigen würde. dennoch danke für die präsentation.
The Imposter
20.11.2007, 21:21
ich bin speziell von Simphiwe Dana ganz begeistert und danke auch nochmal für die Vorstellung und die ganze Mühe die Du Dir hier machst
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Segun Bucknor - Poor Man No Get Brother (Assembly & Revolution 1969-1975) (2002)
Denkt man an die Musik Nigerias, dann denkt man vor allem an Fela Kuti. Aber natürlich gab es gerade in den späten 60ern und frühen 70ern noch jede Menge anderer Musiker und Bands, die durch Fela inspiriert wurden. Segun Bucknor war einer davon und dieser Sampler ist das erste Album, das außerhalb Afrikas veröffentlicht wurde. Wobei man außerhalb Afrikas vermutlich mit außerhalb Nigerias gleichsetzen kann, allenfalls in Ghana dürfte er noch bekannt gewesen sein.
Wie auch Fela begann Bucknor Mitte der 60er mit traditionellem 60er Jahre Highlife ehe er gegen Ende des Jahrzehnts seine Musik in Richtung Funk und Soul weiterentwickelte. Neben Fela hatte auch James Brown großen Einfluss, was bei einigen Aufnahmen auch deutlich herauszuhören aus. So köchelt das erste Stück Sorrow Sorrow Sorrow ganze 12 Minuten vor sich hin und auch sein Gesangstil ähnelt bisweilen dem eines James Brown. In den Texten geht es zumeist um nigerianischen Alltagsthemen jener Zeit während allzu deutliche politische Aussagen meist außen vorblieben. Die Ausnahme ist hier das Stück Son of January 15th, das sich auf den ersten Militärputsch vom 15.01.1966 bezieht. Nachdem bei einem Konzert im nördlichen Kaduna aber zwei Soldaten auf die Bühne kamen und ihm dazu rieten, das Stück besser nicht mehr zu spielen, verlor er das Interesse an politischen Themen. Ein Umstand, der ihn deutlich von Fela unterscheidet, der sich niemlas hätte vorschreiben lassen, was er singen darf und was nicht. Wobei man dies Bucknor sicher nicht zum Vorwurf machen kann, schon gar nicht als außenstehender Europäer. Ein weiterer Höhepunkt ist das rein instrumentale, jazzige Smoke, das mit seinem feinen Saxophonspiel eine unterschwellige Spannung erzeugt. Es sind vor allem die langen, 8-12 Minuten langen Stücke, die hier voll und ganz zu überzeugen wissen, wenn Bucknor sich Zeit und Raum lässt damit die Musik sich entfalten kann. Die kürzeren Songs sind zwar ebenfalls durchaus gelungen, orientieren sich aber meist an amerikanischen Soul und Funkhits und lassen die Eigenständigkeit ertwas vermissen. Nichtsdestotrotz ist dieses Album empfehlenswert, vor allem auch dann, wenn man mal Musik abseits des Fela Kosmos hören möchte. Glücklicherweise gibt es Musikfreunde, die sich vor Ort begeben, um solche verlorenen Schätze auszugraben um sie einem größeren Publikum präsentieren zu können.
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Youssou N'Dour - Rokku Mi Rokka (Give and take) (2007)
Youssou N'Dour hat es wahrlich nicht einfach: während der Welt seine Musik nicht traditionell genug sein kann, punktet er in seiner Heimat vor allem mit langen Mbalax Stücken und dem Einsatz von E-Gitarren und Keyboards. Und weil dies so ist, fährt N'Dour auch dieses mal wieder zweigleisig und hat im Senegal bereits Anfang des Jahres das Album Alsaama Day veröffentlicht. Ein Album, das hierzulande nur sehr schwer zu bekommen ist und das sich musikalisch eher an dem Youssou N'Dour der frühen 90er orientiert. 5 der 8 Stücke dieses Albums gibt es auch in einer Special Edition des neues Albums, die hierzulande auschließlich von JPC angeboten wird. Auf jeden Fall eine lohnende Angelegenheit, auch wenn sich natürlich sofort die Frage stellt, warum nicht gleich das ganze Album mit dazugegeben wurde. Allein schon wegen Boul Bayekou lohnt die Anschaffung dieser Sonderausgabe, ein klassisches Mbalax Stück mit irrwitzigen Rhythmen auf der Talking Drum, das im Senegal vermutlich die Tanzfläche zum Glühen bringt.
Rokku Mi Rokka ist anders. Als ich von der Ankündigung des neuen Albums erfuhr, hatte ich große Erwartungen, die jedoch durch erstes Reinhören und verhaltene Kritiken erst einmal zunichte gemacht wurden. Das Album wollte ich trotzdem haben und der erste Hördurchgang bestätigte zunächst einmal meine Befürchtungen, dass es sich dabei wohl eher um ein recht duchschnittliches Werk handelt. Tatsächlich lag die Messlatte nach dem äußerst gelungenen und mit dem Grammy prämierten Album Egypt, das sich ostafrikanischen und arabischen Traditionen widmete und den Islam zum Thema hatte, sehr hoch. Musikalisch begibt sich Youssou N'Dour auf Rokku Mi Rokka in den Norden seiner Heimat, genauer gesagt in die Grenzregion zu Mauretanien. Mit dem Wüstenblues maurischer oder malischer Prägung hat das Album dennnoch nur am Rande zu tun, vielmehr kombiniert er jenen Blues mit seinem typischen Mbalax-Stil und sorgt somit für neue Töne im N'Dourschen Klangkosmos. Oberflächlich betrachtet besteht Rokku Mi Rokka aus 11 einfachen und kurzen Songs, aber mit jedem Hören entdeckt man neue Facetten, kleine Melodien tun sich auf und verschwinden wieder und man entdeckt Nuancen, die man zuvor nicht gehört hatte. Da ist z.B. die blechern klingende Gitarre in Bàjjan die für funkige Rhythmen sorgt, oder der jodelnde Frauenchor in Baay Faal, das dann doch recht nahe am maurischen Blues liegt und bei dem N'Dour u.a. von Bassekou Kouyate an der Ngoni unterstützt wird. Ein anderer Höhepunkt ist das mit Sabar Trommeln verzierte Xel, bei dem u.a. Balla Sidibe und Rudy Gomis vom Orchestra Baobab den Chorgesang übernehmen. Am Ende des Albums steht dann Wake up (It's Africa calling), eine neuerliche Zusammenarbeit mit Neneh Cherry. Auch wenn gerne betont wird, dass dies kein zweites 7 Seconds sein soll, so muss es sich den Vergleich doch gefallen lassen. Und dabei zieht es den Kürzeren. Dennoch ist es ein recht guter Song, der am Ende des Albums alles andere als eine schlechte Figur macht und somit nicht ganz so sehr wie ein Fremdkörper wirkt wie 7 Seconds seinerzeit auf Wommat.
Rokku Mi Rokka ist ein echter "Grower", ein Album, das mit jedem Hören besser wird. Ein kurzweiliges Werk, auf dem es auch nach dem xten Hören noch was zu entdecken gibt. Wake Up! It's Youssou Calling!
Internet
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=216506976)
Das liest sich schon um einiges anders an, als die von mir ebenfalls gelesenen verhaltenen Rezensionen.
Bisher hatte ich das Album eben auf Grund dieser durchwachsenen Besprechungen etwas nach hinten geschoben, aber ich muss jetzt wohl doch ran an die Scheibe. ;-)
Hätte ich die Rezension nach dem ersten Hören geschrieben, wäre sie vermutlich ähnlich ausgefallen wie im Rolling Stone.
Hör Dir Xel und Boul Bayekou auf MySpace an. Das sollte als zusätzliche Überzeugung reichen.
Ich habe die Tage von einem netten Forumianer einen selbst zusammengesellten Mali-Sampler bekommen. Natürlich alle (Moussa Diallo, Habib Koite, Idrissa Soumaoro, Tinariwen, Ramtatou Diakite, Keletigui Diabate, Tom Diakite, Boubacar Traore, Issa Bagayogo, Mamou Sidibc - jetzt hätte ich mir fast die Finger gebrochen) völliges Neuland für mich.
Habe noch nicht reingehört, bin aber sehr gespannt. Freue mich auf die Entdeckungsreise.
Und ich dachte jetzt schon, Fela und Zappa haben mal was zusammen gemacht.
Ansonsten viel Spaß bei der Entdeckungsreise.
Ich habe die Tage von einem netten Forumianer einen selbst zusammengesellten Mali-Sampler bekommen. Natürlich alle (Moussa Diallo, Habib Koite, Idrissa Soumaoro, Tinariwen, Ramtatou Diakite, Keletigui Diabate, Tom Diakite, Boubacar Traore, Issa Bagayogo, Mamou Sidibc - jetzt hätte ich mir fast die Finger gebrochen) völliges Neuland für mich.
Habe noch nicht reingehört, bin aber sehr gespannt. Freue mich auf die Entdeckungsreise.
Ich wäre gespannt auf dein Feedback, ehrlich. Vor etwa 3 Monaten hatte ich selbst einen Silberling zu einem Forumianer andernorts auf die Reise geschickt.
Der gute Junge hat sich nach ca. 3 Wochen fast einen abgebrochen, um sein Feedback nicht allzu schlimm klingen zu lassen. :lol:
Und ich dachte jetzt schon, Fela und Zappa haben mal was zusammen gemacht.
Ansonsten viel Spaß bei der Entdeckungsreise.
Danke, werde ich haben.
Ich wäre gespannt auf dein Feedback, ehrlich. Vor etwa 3 Monaten hatte ich selbst einen Silberling zu einem Forumianer andernorts auf die Reise geschickt.
Der gute Junge hat sich nach ca. 3 Wochen fast einen abgebrochen, um sein Feedback nicht allzu schlimm klingen zu lassen. :lol:
Werde ich gerne machen. Ach, und so schlimm wird's nicht werden.Ich bin ja für alles offen und auch sehr interessiert daran. Obwohl ich mich tatsächlich noch nicht richtig rangetraut habe. Wird aber die nächsten Tage sicherlich so weit sein.
Nachtrag zu Youssou N'Dours Album Rokku Mi Rokka:
Die iTunes Version enthält mit Del Sol Dal ein weiteres Stück des Alsaama Day Albums.
http://a.imageshack.us/img137/2489/allenafrodiscobeat.jpg
Tony Allen - Afro Disco Beat (2007)
Tony Allens Bedeutung für Africa 70 kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Schlagzeuger und musikalischer Direktor prägte er den Sound dieser Band entscheidend mit und gilt zusammen mit Fela Kuti als Erfinder des Afrobeat. Kennengelernt haben sich Fela und Tony Allen bereits 1964, als sich Allen um die Stelle des Schlagzeugers in Felas damaliger Band bewarb. Fela war von Anfang an erstaunt über Allens Fähigeiten gleichermaßen Jazz und Highlife spielen zu können und sagte einmal, dass es klinge als würden 4 Schlagzeuger gleichzeitig spielen. Dennoch hatte Allen innerhalb dieser Band und auch später bei Africa 70 keine Sonderstellung und enthielt die gleiche Entlohnung wie die anderen Mitglieder auch. Fela, als offizieller Leiter der Band und Betreiber des Shrine Clubs in Lagos in dem sie regelmäßig auftrat, kümmerte sich um die Einnahmen und zahlte den Mitgliedern der Band den Lohn. 1974 kam es schließlich zum Streik der Bandmitglieder, da sie auf diesem Weg eine höhere Entlohnung erreichen wollten. Auch Allen nahm an den Streiks teil worüber Fela einigermaßen entsetzt gewesen sein muss. Als Kompromiss bot Fela seinen Bandmitlgiedern schließlich an, selbst Alben aufzunehmen und sie dabei auch zu unterstützen, eine höhere Entlohnung lehnte er jedoch kategorisch ab. Und so kam es, dass Tony Allen anfang 1975 den Wunsch äußerte, ein Album aufzunehmen. Im selben Jahr erschien Jealousy, das erste Album, produziert von Fela, der selbst auch am Saxophon mitwirkte, jedoch nur auf dem Album und nicht bei Liveauftritten. Jealousy unterschied sich noch kaum von anderen Africa 70 Produktionen aus jener Zeit und bestand aus 2 langen Stücken. Das Titelstück beschreibt Neid und Eifersucht innerhalb der nigerianischen Gesellschaft und war durchaus auch an die Adresse Felas gerichtet, auch wenn Allen selbst das nie laut ausgesprochen hat. Den Gesang übernahm Allen übrigens nicht selbst, da er nach eigener Auskunft zu jener Zeit noch nicht in der Lage war, gleichzeitig Schlagzeug zu spielen und zu singen sondern überließ es Shina Abiodun, einem Percussionisten.
1976 war ein hektisches Jahr für Fela und Africa 70. Ein Jahr, in dem die Band insgesamt 8 Alben veröffentlichte, darunter das legendäre Zombie, mit ein Grund, warum 1977 die Militär Junta zum Angriff auf Kalakuta, Felas Staat im Staat, bließ, in dessen Verlauf das Anwesen niedergebrannt und Felas Mutter umgebracht wurde. Dennoch machten sich Fela und Allen an die Aufnahmen zu Progress, dessen zweiten Album. Allen beteiligte sich dieses mal an der Produktion und Fela steuerte erneut sein unvergleichliches Saxofonspiel bei. Den Gesang übernahm hier und auf den folgenden zwei Alben Candido Obajimi. Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich bei Progress tatsächlich um einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem Debüt. Wiederum bestand das Album aus nur zwei langen Stücken, von denen sich vor allem Afro Disco Beat deutlich vom üblichen Africa 70 Sound entfernte. Im Zentrum steht hier noch mehr als zuvor Allens Schlagzeugspiel, das zum einen für ungewöhnliche Rhythmen sorgt aber auch weit darüber hinausgeht. Für Allen selbst ist das Schlagzeug weit mehr als ein Rhythmusinstrument sondern auch ein Ersatz für den Gesang: let the drums do the talking.
Das dritte Album No accomodation for Lagos wurde 1978 in Lagos aufgenommen. 1978 war das Jahr, in dem sich Fela von der Militäreatacke aus dem Jahr zuvor wieder erholte und die musikalischen Differenzen zwischen ihm und seinem Schlagzeuger zunehmend größer wurden was schließlich zur Trennung führte. No accomodation for Lagos ist das bis dahin politischste Album und selbst Fela war überrascht über die deutlichen Worte des Titelstückes, in dem es um Bauprojekte geht, bei denen Bewohner von Slums vertrieben wurden. Jedoch wurden live immer nur die Instrumentalversionen der Songs gespielt, da sie quasi als Vorprogramm der eigentlichen Africa 70 Konzerte dienten. Das Stück befindet sich übrigens bis heute im Live Repertoire und dessen Thematik wurde im Lauf der Zeit auf andere afrikanische Metropolen ausgeweitet.
Das 4. Album No Discrimination war das erste Album nach der Trennung von Fela. Tony Allen formierte dazu seine eigene Band The Afro Messengers und war zum ersten mal in seinem Leben auch in Besitz eines eigenen Schlagzeugs. Überraschenderweise besteht das Album aus 4 Stücken, eine Tatsache, die Allen schon bei früheren Produktion gerne durchgesetzt hätte, was aber immer am Veto Felas scheiterte, für den ein Album aus nicht mehr als 2 Stücken bestehen durfte. Aber auch musikalisch entwickelte sich Allen weiter und setzte z.B. erstmals auch auf den Einsatz von Synthesizern.
http://a.imageshack.us/img716/4673/allen70s.jpg
Afro Disco Beat vereint nun die ersten 4 Alben Tony Allens und dokumentiert vorzüglich die Entwicklung eines Ausnahmeschlagzeugers, der gerne vergessen wird, wenn John Bonham mal wieder aus unerfindlichen Gründen irgendwelche Bestenlisten anführt. Als Ergänzung zu den Fela Alben ist diese Anthologie in jedem Fall unverzichtbar.
Discographie
1975: Jealousy
1977: Progress
1978: No Accomodation for Lagos
1980: No Discrimination
1988: N.E.P.A. (Never Expect Power Always)
1989: Afrobeat Express
2000: Black Voices
2001: Psyco On Da Bus (with Docotor L)
2002: Eager Hands and Restless Feet - The Best of Tony Allen
2003: Homecooking
2004: Live
2006: Lagos No Shaking
Internet
Homepage (http://www.tony-allen.com/)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=149493331)
Hallo Freunde
Von Zeit zu Zeit findet Ihr auf www.smooth-jazz.de eine Besprechung afrikanischer Musik. Zur Weihnachtszeit ist es wieder soweit. Demnächst im Januar 2008 wird Heads Up International in den USA das Album von Ladysmith Black Mambazo - Ilembe - Honoring Shaka Zulu veröffentlichen
http://www.smooth-jazz.de/images/1/Ilembe.jpg.
Seid Paul Simon's Graceland dürfte jedem der Name der Gruppe ein Begriff sein. Meine Besprechung findet Ihr hier:
http://www.smooth-jazz.de/firstview/Ladysmith/Ilembe.htm
Schöne Weihnachtstage!
Nur zur Info: Eigenwerbung ist hier nicht erwünscht.
Dies ist keine Eigenwerbung, sondern der Hinweis auf eine Plattenbesprechung. Meine Website ist nicht kommerziell.
Nur zur Klarstellung.
Ich wünsche einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.
Ob Deine Seite nun kommerziell ist oder nicht, spielt keine Rolle. Jeder Deiner Beiträge beinhaltet einen Link dahin, von daher würde ich das schon als Werbung bezeichnen. Im Grunde ist mir das auch egal, aber dies hier ist mein Thread, vergleichbar mit vielen My Favourites Threads hier im Forum. Das heißt nicht, dass ich prinzipiell etwas dagegen habe, wenn andere hier auch Beiträge schreiben, aber dann sollte das auch in dem von mir vorgegeben Format geschehen.
Ansonsten wünsche allen Mitlesern hier einen guten Start ins neue Jahr. Im Januar geht es dann weiter.
Ob Deine Seite nun kommerziell ist oder nicht, spielt keine Rolle. Jeder Deiner Beiträge beinhaltet einen Link dahin, von daher würde ich das schon als Werbung bezeichnen. Im Grunde ist mir das auch egal, aber dies hier ist mein Thread, vergleichbar mit vielen My Favourites Threads hier im Forum. Das heißt nicht, dass ich prinzipiell etwas dagegen habe, wenn andere hier auch Beiträge schreiben, aber dann sollte das auch in dem von mir vorgegeben Format geschehen.
Ansonsten wünsche allen Mitlesern hier einen guten Start ins neue Jahr. Im Januar geht es dann weiter.
Jetzt aber mal nicht so steif in den Hüften, verehrter sparch. Ich hab hier zwar noch nicht viel geschrieben (eher gelesen), aber ich werde ganz sicher nichts mit dem permanenten Hintergedanken schreiben, ob es auch dem von dir vorgegebenen Format (welches immer das sein mag) entspricht.
Sowas würde ich tatsächlich als Gängelei im wahrsten Sinne des Wortes empfinden. Und das geht absolut und gar nicht.
Also bitte ein klein wenig lockerer, wenns genehm wäre. Dein Thread ist interessant und gut, verpasse ihm keinen leicht faden Beigeschmack.
Am 29.02.2008 erscheint auf World Circuit das neue Album von Toumani Diabaté. Es handelt sich dabei um ein Solo Album vermutlich im Stil des Debüts Kaira.
http://img206.imageshack.us/img206/2307/netsayichimurengasoulss9.jpg
Netsayi - Chimurenga Soul (2007)
Wie so oft erschien auch dieses Solodebüt der aus Simbabwe stammenden und in London lebenden Sängerin hierzulande mit einiger Verspätung. Vielleicht liegt es an den fehlenden radiotauglichen Hits, an fehlender musikalischer Klasse jedoch ganz bestimmt nicht. Ähnlich wie Simphiwe Dana aus Südafrika überzeugt Netsayi auf ihrem Album mit einer ausgewogenen Mischung aus Jazz, Soul und traditionellen Elementen ihrer Heimat. Folgerichtig nennst sie ihren Stil dann selbst auch wie ihr Album Chimurenga Soul. Chimurenga ist ein Wort ihrer Muttersprache Shona und bedeutet Freiheitskampf und bezieht sich in erster Linie auf den Kampf gegen die Apartheid. Soul steht dagegen für ihre afrikanischen Wurzeln.
Geboren wurde Netsayi Chigwendere, so ihr voller Name, als Flüchtling in London während des Befreiungskampfes im damaligen Rhodesien. Nach dem Ende des Krieges zog sie mit ihren Eltern zurück in das mittlerweile unabhägige Simbabwe und wuchs in der Hauptstadt Harare auf. In einem durch und durch musikalischen Haushalt wurde sie schon früh mit diversen Musikstilen konfrontiert, so z.B. Traditionelle Musik, lokaler Pop aber auch Reggae, Soul und Folk. All diese Stile hatten Einfluss auf ihre eigene musikalische Ausrichtung, dem Chimurenga Soul.
Am Anfang steht das kurze und traditionelle Titestück mit jeder Menge Percussion und Händeklatschen sowie typischem Chorgesang. Funny kommte dagegen weitgehend ohne traditionelle Elemente aus und ist ein Amalgam aus Soul und Jazz und verfügt über ausreichend Ecken und Kanten. Netsayi sing ihre Lieder wahlweise in Englisch oder ihrer Mutterspreche Shona, so z.B. das zentral gelegene und von der Perversion des Krieges handelnde Hondo, das mit dezenten E-Gitarren-Atacken aufwartet und für ungewohnt rockige Momente sorgt, ohne dabei glücklicherweise ins Breitbeinige abzudriften. Auffällig ist, dass die Lieder mit ihren bisweilen komplexen Rhythmen eher selten zum Tanzen einladen und oft ein mehrfaches Hören erfordern, bis sie ihre ganz Schönheit entfalten können. Eine der wenigen Ausnahmen bildet hier das Stück Tatters, das auf einem Protestgedicht basiert und Kwaito Elemente beinhaltet. Dazwischen streut sie immer wieder kurze Traditionals ein, bei denen neben Percussion auch großartige Chorsätze zum Einsatz kommen und auch eine Mbira, das traditionelle Daumenklavier aus Simbabwe, nicht fehlen darf. Ein weiterer Höhepunkt ist Beyond the moon, ein sagenhaftes und intensives Stück Afrosoul mit einer traumhaften Pianobegleitung und einem klagenden Cello, das die vorhandende Gänsehaut noch verstärkt. Das Finale bestreitet schließlich der epische Refugee song, bei dem Netsayi einmal mehr ihr stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen kann.
Chimurenga Soul ist ein außergewöhnliches Debütalbum, das sehr internatonal klingt ohne jedoch die eigene Tradition zu vernachlässigen. Dabei ist es von ähnlicher Güte wie Simphiwe Danas Debüt Zandisile und zählt somit zu den aufregendsten Neuentdeckungen der letzten Jahre. Man darf also gespannt sein auf weitere Alben dieser außergwöhnlichen Sängerin.
Internet
Homepage (http://www.netsayi.com)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=57222281)
Auf dem Soundway (http://www.soundwayrecords.com) Label erscheint am 29.02.2008 ein Sampler zur Musik aus dem Nigeria der 70er Jahre mit dem Titel Nigeria Special.
Nigeria 1970. Highlife, Afro-beat, Rock, Jazz & Native Blues rub shoulders and are turned out at an unprecedented level. New styles meet old styles. Newfound national confidence follows the near break-up of the nation following the Biafran war. New fashions meet old fashions, creating new fusions. Soundway present 26 original and previously un-reissued tracks from the time in a lavish double CD package, complete with 36 page booklet featuring extensive liner notes, rare photos and cover art. 'A magical collection of Nigerian recordings from the 70s' ***** (Observer Music Monthly) 'A deep selection that yields more with each listen, this is recommended for aficionados and passing fans alike' **** (Songlines magazine) 'Nigeria Special is an aural and design classic' *****
Am 29.02.2008 erscheint auf World Circuit das neue Album von Toumani Diabaté. Es handelt sich dabei um ein Solo Album vermutlich im Stil des Debüts Kaira.
Gestern habe ich eine Promo von "The mande variations" bekommen und kann nur "großartig" schreiben !! Ein sehr gelungenes Werk, dass auch Laien wie mich fesseln kann...
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/DobetGnahoreNaAfriki.jpg
Dobet Gnahoré - Na Afriki (2007)
"Mein Afrika" heißt übersetzt das zweite Album dieser jungen Künstlerin aus Côte d'Ivoire, auf dem sie es nicht nur als Sängerin zu überzeugen versteht, sondern tief in die Seele des afrikanischen Kontinentes eintaucht. Dabei gelingt es ihr, die verschiedensten Stile von kongolesischer Rumba über Zulugesänge bis hin zur Polyphonie des Pygmäengesanges zu verschmelzen und ihrer Lieder in unterswchiedlichen Sprachen zu singen, wie z.B. Dida, ihrer Muttersprache, aber auch Wolof (Senegal), Mandinké (Mali), Lingala (Kongo) oder Xhosa (Südafrika).
Aufgewachsen ist Dobet Gnahoré in Ki Yi Mbock, einem 1975 gegründeten Künstlerdorf mitten in Abidjan, der Hauptstadt Côte d'Ivoires. Obwohl ihr Vater Boni Gnahoré Mitbegünder dieser Kolinie war, war das Leben für die Kinder dort nicht einfach, denn die Gründer wollte keine Hippiekommune, sondern einen Ort schaffen für talentierte und hochbegabte Afrikaner die ein Interesse an der Kunst hatten. Und somit mussten auch die Kinder jeden Tag stundenlang proben um abends vor den Erwachsenen auftreten und dann auch schon mal harte Kritik einstecken. Da im Dorf nicht nur Ivorer sondern auch Ghanaer, Senegalesen und viele anderen Nationen zusammen lebten, sieht sich Dobet schon seit frühester Kindheit mehr als Panafrikanerin denn als Ivorin, was sich letztendlich auch in ihrer Musik wiederspiegelt.
Und so ist Na Afriki ein wunderbares Konglomerat verschiedenster afrikanischer Stile geworden. Ein Album, das auf der einen Seite sehr rhythmisch ist, wozu auch Dobets Percussionspiel beiträgt, das aber andererseits auch sehr viel Wert auf Songwriting legt. So singt sie in dem bewegenden Khabon n'daw derart eindringlich über Kindesmisshandlung, dass man das Gefühl hat, sie leidet mit den Kindern. Djeguene dagegen ist ein Hohelied auf die Frauen und beweist mit seiner Eingängigkeit und unwiderstehlichen Melodie auch Popqualitäten. Dazwischen gibt es immer wieder wilde Trommelrhythmen und wunderbaren Chorgesang. Im wunderschönen Palea geht es um die Kraft der Liebe und in Pillage, dem Quasititelstück, fleht sie, dass "ihr" Afrika doch endlich von Krieg, Korruption und Unterdrückung befreit werden möge. Eine ähnliche Botschaft vermittelt das eindeutig betitelte Massacre und das abschließende Moussou tilou richtet sich gegen die immer noch weit verbreitete Polygamie.
Na Afriki reiht sich neben den aktuellen Album von Simphiwe Dana und Manou Gallo nahtlos ein und zeigt, dass 2007 vor allem auch Frauen musikalische Maßstäbe setzten. Ein erfreulicher Umstand, der sich 2008 gerne fortsetzen darf.
Internet
Homepage (http://www.dobetgnahore.com)
MySpace (http://www.myspace.com/dobetgnahore)
Live
06.03.2008 Karlsruhe, Tollhaus
Ankündigung
Am 11.03.2008 erscheint auf Emarcy Records ein Livealbum von Richard Bona mit dem Titel Bona makes you sweat.
Simphiwe Dana live in Heidelberg, 17.02.2008
Ich gebe zu, auf der Fahrt nach Heidelberg war ich irgendwie aufgeregt. Nach zwei phantastischen Alben stellte sich mir vor allem die Frage, wie die musikalische Umsetzung auf der vergleichsweise kleinen Bühne im Heidelberger Karlstorbahnhof, auf der weder ein Orchester noch ein großer Chor Platz finden, aussehen könnte. Nach 15-minütiger Verspätung löste sich schließlich die Spannung, alles war kleiner und doch war die Bühne voller Musiker, so dass sich neben der Hauptakteurin 3 Chorsänger, 2 Keyboarder, 1 Bassist, 1 Gitarrist, ein Schlagzeuger und 1 Percussionist den kleinen Platz teilten. Am Anfag stand das Ende des aktuellen Albums, der 2. Teil des One love movement, bei dem zunächst der kleine Chor sein ganzes Können unter Beweis stellen durfte bevor schließlich die zauberhafte Simphiwe Dana im eleganten Kleid und der obligatorischen Kopfbedeckung auf die Bühne kam. Gespielt wurden in der Folge Songs von beiden Alben, die z.T. neu arrangiert wurden. So durften bei dem ins beinahe Unendliche gezogene Zandisile auch die 3 Chorsänger, bestehend aus 2 Männern und einer hochschwangeren Frau, den Leadgesang übernehmen. Wie schon auf dem letzten Album wurden die Songs auch live auschließlich in der Sprache Xhosa gesungen, wobei die typischen Klicklaute hier fast noch deutlicher zum Vorschein kamen. Es ist immer wieder faszinierend zuzuhören, auch wenn man kein Wort versteht und man selbst schon Schwierigkeiten hat, die Worte überhaupt zu lesen, geschweige denn auszusprechen. Zwischen den Songs gab es allerdings meist eine Erklärung auf Englisch wobei sich die Dana hier zu allem Überfluss auch noch als äußerst sympathische Erscheinung erwies. Schon während des Konzertes gab es immer wieder stehende Ovationen von einem Publikum, das überraschend wenig dem biederen Weltmusikhörer Klischee entsprach.
Im Grunde war das Konzert eine Aneinandereihung von Höhepunkten, so dass es tatsächlich schwer fällt, einzelne Stücke hervorzuheben. Mit einer der bewegendsten Momente war sicher das live noch dramtaischer wirkende und der Liebe gewidmete Iliwa Lam oder das beschwingte Ihilihili, bei dem einer der beiden männlichen Chorsänger einen Tanz zum Besten geben durfte. Selbst die Vorstellung der Band geriet äußerst kurzweilig, weil Simphiwe Dana auch gleich noch verriet, wer von den männlichen Musikern noch "zu haben (available)" war. Schließlich endete das Konzert mit einem endlos langen Ndiredi vom Debütalbum, bei dem der Chor noch einmal Akzente setzen und zeigen durfte, wie unverzichtbar er doch an diesem Abend war. Gerne hätte ich auch Vela oder Chula ukunyathela, eines der beiden A-Capella Stücke vom Debütalbum, gehört, ein Wunsch, der jedoch unerfüllt bleiben sollte.
Als einzige Zugabe gab es noch Injongo, für all die, die am nächsten Tag bei eisiger Kälte früh aufstehen und zur Arbeit mussten. Zuvor bemerkte sie schon scherzhaft, dass in ihrer Heimat bei dieser Kälte keiner das Haus verlassen würde um auf ein Konzert zu gehen. Und so ging ein 2 Stunden langes Konzert nach gefühlten 15 Minuten zu Ende. Bleibt zu hoffen, dass die anderen Konzerte mit ähnlicher Begeisterung aufgenommen wurden, dann dürfte einer weiteren Tour nichts im Wege stehen.
Ankündigung
Am 04.04.08 erscheint auf Out|Here Records (http://www.outhere.de) der Sampler Black Stars – Ghana’s Hiplife Generation. Darauf enthalten ist ein Überblick über die aktuelle Musikszene Ghanas. Cover und Plakat der CD-Release Party sehen schon mal großartig aus:
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/GhanaHipLife.jpg
Ankündigung
Nachdem letzten Freitag das Nigeria Special veröffentlicht wurde (Besprechung demnächst an dieser Stelle), folgt nun voraussichtlich am 21.03.08 ebenfalls auf dem Soundway Label das Nigeria Disco Funk Special mit dem Untertitel The Sound of the Underground Lagos Dancefloor 1974-1979.
Zum 10 Todestag ist letztes Jahr in Nigeria eine 40(!) CD Box mit dem Titel Complete Works Of Fela Anikulapo Kuti erschienen.
Hier das Tracklisting:
[1] Everyday I Got My Blues / Ololufe Mi / Fere / Yese / Omuti / Omo Ejo / Oloruka / Abiara / Ako / Home Cooking / Great Kids
[2] Highlife Time / Ekuro La Labaku / Mi O Mo / Viva Nigeria / Lagos Baby / Alagbara / Opuro O Se O / Wayo (2nd Version) / Obe / Eko / Funky Horn
[3] Oyejo / Onidodo / Se E Tun De / Araba's Delight / Obinrin Le / Yabons Ke Lele / Waka Waka / Eke / My Baby Don't Love Me / Orise / V.C.7 / I Know Your Feeling / This Is Sad
[4] Fere / Bonfo / Wa Dele / Awo / Egbin / My Dog & Cat / Yabomisa / Ajo / Mo Ti Gboro Kan / Lai Se / Amaechi's Blues
Fela Anikulapo Kuti :
[5] Jeun Ko Ku / Buy Africa / Fefe Naa Efe / Open & Close / Who Are You
[6] Trouble Sleep Yanga Wake Am / Teacher Don't Teach Me Nonsense
[7] Yellow Fever / Water No Get Enemy / Army Arrangement
[8] Unknown Soldier / Rofo Rofo Fight / Mistake - Live In Berlin
[9] Colonial Mentality / Look And Laugh
[10] Na Poi 1&2 / Vagabonds In Power
[11] Coffin For Head Of Stage / You No Go Die / Noise For Vendor Mouth
[12] Sorrow, Tears & Blood / Rere Run (Everything Scatter)/ Alagbon Close
[13] Authority Stealing / Shakara / Stalemate
[14] I.T.T. / Kalakuta Show 1
[15] Na Poi '75 / Just Like That / Black Man's Cry
[16] Why Black Man De Suffer / I No Get Eye For Back / Ikoyi Mentality versus Mushin Mentality
[17] Overtake Don Overtake Overtake (Vocals) / No Agreement
[18] No Bread / Na Fight O / I No Be Gentleman
[19] Jehin Jehin / Jenwi Temi (Don't Gag Me) / Fogo Fogo / Monkey Banana
[20] Yeye De Smell / Question Jam Answer / Original Suffer Head
[21] Confusion Break Bones(C.B.B.) / Government Chiken Boy
[22] Equalization Of Trouser & Pant / J.J.D.
[23] Te Je Je / Unnecessary Begging / Pansa Pansa
[24] Go Slow / He No Possible / Beautiful Dancer
[25] Opposite People / Egbe Mi O (Fela & Ginger Baker) / Shenshema
[26] Sense Wiseness / Going In & Going Out / Excuse O / Instrumental
[27] Upside Down / Mr. Follow Follow / Palmwine Sound
[28] Beasts Of No Nation / Fight To Finish / Igbe / He Miss Road
[29] Expensive Shit / Mr. Gramaticalogy - Lisationalism Is The Boss
[30] Beggars' Song / Ariya / Eko Ile / Jeun Koku (Instrumental) / Gba Mi Leti Ki N'Dolowo
[31] Monday Morning / Fear Not For Man / Confusion 1
[32] I Go Shout Plenty / Dog Eat Dog / Alujonjon Ki Jon
[33] Suegbe & Pako / Who No Know Go Know /Gbagada Gbogodo
[34] Lady / Let's Start / Underground System
[35] Zombie / M.O.P. (1)
[36] Africa Centre Of The World / Mattress / Don't Worry About My Mouth
[37] Power Show / Param Bulator /Custom Check Point
[38] M.O.P. (2) / Ikoyi Blindness / Cross Examination
[39] Suffering & Smiling / Give Me Shit, I Give You Shit
[40] 2000 Blacks / Stranger (Alhaji Alhaji)
Nach welchen Kritierien die Tracks kompiliert wurden ist mir allerdings schleierhaft. Zum Teil wurden hier bunt Africa 70 Stücke mit Egypt 80 Stücken vermischt. Es gibt allerdings auch einige bislang unveröffentlichte Stücke. Komplett dürfte die Box aber dennoch nicht sein. Wer sie haben will, muss vermutlich tief in die Tasche greifen, denn sie ist nur in Nigeria veröffentlicht worden und wohl auch nur von dort zu beziehen.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/FelaComplete.jpg
Wer sie haben will, muss vermutlich tief in die Tasche greifen, denn sie ist nur in Nigeria veröffentlicht worden und wohl auch nur von dort zu beziehen.
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Wird man wohl nicht so leicht bekommen. Schade... wäre ein gutes Geschenk für einen Freund gewesen. Der feiert bald seinen 40. Geburtstag und ist großer "Kuti-Fan". Indem ja gut 10 Leute zusammen zahlen würden, wäre der Preis erschwindlich..
40 Fela CDs zum 40. Geburtstag, wäre natürlich ideal. Im Netz habe ich allerdings keinerlei Preisinformationen gefunden geschweige denn einen Händler, über den man die Box beziehen könnte. Wobei ich auch zugeben muss, dass das Teil auf dem Bild nicht besonders edel aussieht, die CDs scheinen nicht einmal einzeln verpackt zu sein.
Hast du vielleicht einen andere "Kuti-Tipp" oder ähnliches? Soweit mir bekannt ist, hat er um die 20 Alben von ihm. Gibt es irgendwelche andere "edle" Teile von Kuti? Oder zumindest artverwandte Musik die ihm als "Kuti-Fan" gefallen könnte?
Seine Ehefrau würde dann schon überprüfen, ob er die empfohlenen Werke schon besitzt..... :-)
Kuti ist schwierig, da ich nicht weiß, was er schon hat. Aber wie wäre es mit Tony Allens Afro Disco Beat (http://forum.rollingstone.de/showpost.php?p=1359777&postcount=171)? Gibt es auch auf Vinyl. Oder der weiter oben erwähnte Nigeria Special Sampler von Soundway. Habe ich gestern zum ersten mal gehört, und es ist ein echtes Schatzkästchen. Gibt es auf Vinyl auch als 2 getrennt erhältliche Doppelalben.
Danke für die Tipps! Das Format ist eher unwichtig. Er hat sehr wohl einen Plattenspieler, aber er sieht bzw. hört das nicht so eng....
Man weiß ja nie... Ich habe jeweils die CD Ausgabe und beide sind sehr schön und vorbildlich aufgemacht. Bei Nigeria Special überrascht zudem die über weite Strecken sehr gute Klangqualität, obwohl es sich hier um zumeist international eher unbekannte Künstler handelt. Ich kannte die meisten noch nicht einmal vom Namen her.
Wenn nicht einmal du die Künstler von "Nigeria special" kennst, wird er sie erst recht nicht kennen (so ein Spezialist ist er auch wieder nicht). Die wird auf jedem Fall gekauft.
Also wenn er nicht gerade schon ein paar mal in Lagos war wird er vermutlich auch wenig bis nichts davon kennen.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/DiabateMande.jpg
Toumani Diabaté - The Mandé Variations (2008)
Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wieviel Afrika und im speziellen Falle Mali in einem Album stecken kann, muss man sich nur dieses neue Werk von Toumani Diabaté anhören. Mehr geht nicht, und verrückterweise schafft er das mit einem einzigen Instrument, nämlich der Kora, dem sogenannten Königsinstrument in Westafrika. Nach diversen Zusammenarbeiten mit Musikern wie z.B. Roswell Rudd, Taj Mahal, Ali Farka Touré oder auch seinem Symmetric Orchestra ist dieses neue Album wieder ein Solowerk, sein zweites und ganz im Stil seines 1987 erschienen Debüts Kaira.
Auch The Mandé Variations wurde quasi live im Studio eingespielt und nicht nachträglich mit Overdubs versehen. Nicht umsonst gilt Diabaté als weltbester Koraspieler und einmal mehr verzaubert er durch sein Spiel, bei dem man immer wieder überrascht feststellen muss, dass hier tatsächlich nur ein Musiker am Werk ist obwohl es nach zwei oder gar drei Koras klingt. Neben der klassischen Kora spielt Diabaté die Hälfte der Stücke mit der ägyptisch gestimmten "Machine Head" Kora, die zusätzlich orientalisches Flair mit einbringt, was auch gleich beim ersten Stück Si Naani zu hören ist, welches dem früheren malischen Außenminister und Diabaté Fan Moctar Ouane gewidmet ist. Die Eigenkomposition basiert auf 2 unterschiedlichen Stücken aus unterschiedliche Regionen Malis. So ist der erste Teil eine Variation eines alten Liebesliedes der Griottradition aus dem Nordwesten Malis während der zweite Teil auf einem einem Griotstück der Fula aus Zentralmali basiert. Schon dieses eine Stück reicht völlig aus, um sich von Diabatés Koraspiel vereinnahmen zu lassen, das einmal mehr dahingehend beeindruckt, dass ein einziger Musiker hier Melodie, Begleitung und Bass gleichzeitig und mit nahezu selbstverständlicher Leichtigkeit spielt und für einen erdigen und natürlichen Klang sorgt. Eine weitere Eigenkomposition Elyne Road ist erstaunlicherweise von UB 40s Kingston Twon inspiriert, was man ohne den Hinweis im Booklet wohl nur schwer erkennen würde. Tatsächlich hat er dieses Stück erstmals in den späten 80ern in London gehört, wo es in an eine Bamana Redensart erinnerte. Das Stück ist nach der Straße in London benannt, in der er das Stück erstmals für Nick Golds Eltern spielte. Eine weitere Demonstration seiner unvergleichlichen Klasse ist Ali Farka Toure, ein musikalischer Nachruf an den vor zwei Jahren verstorbenen Freund und Unterstützer, das im Studio frei improvisiert wurde. Diese Art des Spiels findet sich auch bei El Nabiyouna, einem Stück, das die Grenzen Malis überschreitet und u.a. Flamenco Flair verbreitet. Kaounding Cissoko ist dagegen eine Variation von Alla L'a ke, einem Stück, das er bereits auf dem Debüt gespielt hatte, hier jedoch deutlich schneller und auf eine fast schon "rockende" Art und Weise. Eine weitere Kaira Variation findets sich im abschließenden Cantelowes, eine Variation des Liebesliedes Jarabi und einmal mehr benannt nach einer Straße in London, wo er für einige Zeit lebte und Musiker wie Youssou N'Dour oder Baaba Maal kennenlernte.
The Mandé Variations ist das erwartete sehr spezielle Album geworden, das natürlich auch den größtmöglichen Gegenpol zu Boulevard de l'Independence darstellt, das aber auch zeigt, was für ein vielfältiger Ausnahmemusiker Toumani Diabaté ist.
Internet
Homepage (http://www.toumani-diabate.com/)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=97562440)
http://img72.imageshack.us/img72/5922/somiredsoilml1.jpg
Somi - Red soil in my eyes (2007)
Die in Illinois geborene Diplomatentochter mit Wurzeln in Uganda und Ruanda erlebte dank der Beschäftigung der Eltern bei der WHO viele Ortswechsel und lernte somit bereits in jungen Jahren eine breite Palette an Kulturen und Musiktraditionen kennen. Sie lebte in Sambia, Kenia und Tansania und feierte erste Erfolge am African Globe Theater, ehe sie nach New York zog um u.a mit Roy Hargrove oder Lionel Loueke zu arbeiten. Sie nahm am Projekt "HipHop for Respect" teil und engagierte sich somit gegen die Brutalität amerikanischer Polizisten. Dank dieses Engagements verschaffte sie sich eine größere Aufmerksamkeit als Sängerin und stand u.a bei einer Neujahrsfeier des Blue Note Jazz Clubs zusammen mit Cassandra Wilson auf der Bühne und ging auf eine Konzerttour, die sie durch 15 afrikanische Länder führte. Ganz nebenbei schloss sie auch noch ein Kunststudium ab. Im Jahr 2003 erschien schließlich ihr Debütalbum Eternal Motive.
Ihre Musik bezeichnet sie selbst als "Holistic New African Soul-Jazz", und wenn man sich ihr aktuelles und zweites Album Red soil in my eyes anhört wird man feststellen, dass diese Beschreibung sehr treffend ist. Dabei überzeugt sie nicht nur mit ihrer facettenreichen Stimme sondern auch mit der musikalischen Umsetzung basierend auf Jazz kombiniert mit jeder Menge Soul. Mit Ausnahme von eine paar Percussion verzichtet sie zwar auf den Einsatz traditioneller Instrumente, dennoch verfügt das Album über jede Menge afrikanischem Kolorit. Am Anfang steht das eingängige Ingele, das mit seiner einprägsamen Melodie durchaus Popqualitäten besitzt. Das balladeske Circles überzeugt dagegen mit wundersamen Chorgesang während Quietly durch den Einsatz von Streichern orientalisches Flair verbreitet. Das atmosphärische Titelstück beschreibt die Schönheit ihrer eigentlichen Heimat in Ostafrika, den Nil, die grünen Savannen und natürlich die rote Erde aber auch den Schmerz über die Geschehnisse in der jüngeren Vergangenheit. Ein weiteres Highlight ist das Zentral gelegene African Lady, ein Afrobeat Stück, das im Refrain ausgerechnet Fela Kutis Lady zitiert, einem Stück, das u.a. dafür verantwortlich ist, das Fela des öfteren ein Machoimage und Chauvinismus vorgworfen wurde. Ohne an dieser Stelle genauer auf die Vorlage einzugehen, führt Somi den Text auf ihre ganz eigene Art und Weise weiter, indem sie die afrikanischen Männer dazu auffordert, ihre Frauen gefälligst auch wie Ladys bzw. Königinnen zu behandeln.
Ganz am Ende des Albums steht schließlich das gespenstische Remembrance, ein musikalisches Mahnmal, das den Völkermord in Ruanda zum Thema hat und sowohl den Opfern als auch den Überlebenden gewidmet ist.
Auf die Frage, was für sie, die viel herumgekommen ist, eigentlich Heimat ist, antwortete Somi weise: "Ich gehe nach Hause, wenn ich singe.". Bleibt zu hoffen, dass Somi noch sehr oft nach Hause gehen wird, denn Red soil in my eyes ist ein excellentes Album geworden.
Internet
Homepage (http://www.somimusic.com/)
MySpace (http://www.myspace.com/somimusic)
Ankündigung
Am 25.03.2008 erscheint Lionel Louekes (http://www.lionelloueke.com/) Blue Note Debüt Karibu mit Gastauftritten von Wayne Shorter und Herbie Hancock.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/Ngassalogy.jpg
Terrence Ngassa - Ngassalogy Vol. 1(2008)
Terrence Ngassa hat ein Problem, er muss die Qualität der Präsentation seiner kommenden Alben zumindest ein bisschen der Klasse der darauf enthaltenen Musik anpassen. Es ist wirklich erstaunlich, wie man im Jahr 2008 einem Album ein derart schlechtes und unprofessionelles Artwork verpassen kann. Und das ist sicher keine Frage des Geldes, denn jeder Billigsampler vom Mediamarkt-Wühltisch sieht besser aus und selbst ich schieße mit dem Handy bessere Fotos. Wenn man Ngassa dann allerdings live erlebt hat, spielt das Cover keine Rolle mehr. Nach 2 von 3 45-minütigen Sets im Heilbronner Cave 61 bin ich hinter die Bühne und traf auf einen sichtlich überraschten Ngassa. Sehr sympathisch, aber nicht besonders verkaufsfördernd, denn ich war der erste, der an jenem Abend sein Album kaufen wollte. Ich habe ihm dann schließlich dazu geraten, seine CDs doch auf der Bühne anzubieten, damit die Leute auch sehen, dass es etwas zu kaufen gibt, was wohl dann auch tatsächlich geholfen hat.
Der 1974 in Bamenda in Kamerun geborene Musiker erbte die Begabung und die Leidenschaft für die Musik von seinem Vater, der heute noch ein bekannter und beliebter Trompeter in seiner Heimat ist. Schon zu Beginn seines Studiums gründete er mit gleichgesinnten Kommilitonen eine Band. Er studierte zwar zunächst Geschichte, dennoch nahm die Musik einen weitaus wichtigeren Teil seines Lebens ein und so spielte er ausgiebig auf Festivals u.a. auch in Yaounde, der Hauptstadt Kameruns wo er auch mehrfach als bester Trompeter seiner Heimat ausgezeichnet wurde.
Es war der Direktor des örtlichen Goethe Instituts, der ihn förderte und dazu riet, eine deutsche Musikhochschule zu besuchen. Dank eines Stipendiums des DAAD landete er schließlich im Jahr 2000 an der Kölner Musikhochschule. Dort lernte er Theorie und Notenlesen und konnte dies mit den Klängen und Traditionen westafrikanischer Musik kombinieren, was sich schließlich auch in seinen eigenen Kompositionen wiederfindet.
Die an jenem Abend gespielten Stücke finden sich auch zum größten Teil auf seinem ersten Album Ngassalogy Vol. 1, ein Album, das aus 10 Stücken besteht, die Terrence Ngassa alle selbst komponiert hat. Das Stück, das dem Album den Namen gibt, war seine erste Eigenkomposition überhaupt, ein mitreißendes Stück, das frei übersetzt bedeutet, dass man immer erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren sollte. Ngassa versteht es aufs Vorzüglichste, Themen aus der Heimat sowohl inhaltlich als auch musikalisch in seine Musik zu integrieren. Das Fundament ist dabei immer der Jazz, jedoch finden sich hier und da auch schon mal Afrobeat oder Highlife Rhythmen. So geht es z.B. in Sok Chen um eine Suppe, die in Kamerun traditionell frisch Verheirateten als Afrodisiakum serviert wird. Solche Stücke spielen auch die Lebensfreude in Ngassas Musik wider, die aber auch ernstere Themen nicht außen vor lässt, so geht es im traurigen Praise for twins um eine Mutter, die ihre neugeborenen Zwillinge aussetzt. Musikalisch umgesetzt mit exzellenten Soli an Trompete von Ngassa selbst und Altsaxofon, u.a. gespielt von Maxim Begun, der auch zum Live Quintett gehört.
Ngassalogy Vol. 1 ist ein ausgezeichnetes Debüt geworden und lässt hoffen, dass noch viele Alben folgen werden, dann aber bitte mit besseren Coverfotos.
Internet
Homepage (http://www.ngassa.com)
MySpace (http://www.myspace.com/terrencengassa)
Anstehende Veröffentlichungen
25.04.2008
Lionel Loueke - Karibu
Das Blue Note Debüt des Gitarristen aus dem Benin. Unterstützt wird er dabei u.a. von Herbie Hancock, auf dessen letztem Album River: The Joni Letters er mitgewirkt hat, und Wayne Shorter.
Nneka - No longer at ease
2. Album der in Deutschland lebenden Nigerianerin, die Soul, Reggae, Afrobeat und HipHop mischt und dabei auch schon mal an Lauryn Hill erinnert.
Nigeria Rock Special
3. Teil der famosen Reihe des Soundway (http://www.soundwayrecords.com) Labels mit dem Untertitel: Psychedelic Afro-Rock & Fuzz Funk in 1970s Nigeria
Anstehende Veröffentlichungen
Nigeria Rock Special
3. Teil der famosen Reihe des Soundway (http://www.soundwayrecords.com) Labels mit dem Untertitel: Psychedelic Afro-Rock & Fuzz Funk in 1970s Nigeria
Gerade diese Platte hat in der österreichischen Presse sehr gute Rezensionen bekommen. Bin schon gespannt...
Gestern habe ich endlich das Nigeria Disco Funk Special bekommen, und das führt den ersten Teil nahtlos weiter. Mit typischem 70er Jahre Discosound hat das musikalisch allerdings wenig bis nichts zu tun, der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Funk. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Ich bin gespannt, ob nach dem Rock Special noch mehr kommt. Zumindest ist wohl auch eine Retrospektive von Sir Victor Uwaifo geplant.
Schön langsam ist mein Interesse zu dieser Musik geweckt. Werde sicher nicht gleich vollkommen "reinkippen", aber mir die eine oder andere Platte kaufen. Durch deinen thread und den weiter vorne erwähnten Bekannten verfüge ich ja über gute Informationsquellen..
Schön das "Soundway" auch Vinylrelease hat...
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/BlackStars.jpg
Black Stars - Ghana's Hiplife Generation (2008)
"Ghana is free forever", das waren die Worte von Kwame Nkrumah, dem ersten gewählten Präsidenten der früheren Goldküste am 6. Mai 1957, als Ghana als erste ehemalige Kolonie in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Mehr als 50 Jahre später zählt Ghana, Ausrichter des Africa Cups 2008, zu den stabilsten Ländern auf dem afrikanischen Kontinent, das u.a. auch vom stetig wachsenden Tourismus profitiert. Vor allem Afro-Amerikaner reisen nach Ghana, um auf der Suche nach den eigenen Wurzeln auch die entlang der Küste verstreuten ehemaligen Sklavenfestungen zu besuchen. Der schwarze Stern in Ghanas Flagge ist als Referenz auf den schwarzen Aktivisten und Jamaikaner Marcus Garvey zurückzuführen, der die sog. Black Star Line gründete, um Afro-Amerikaner zurück nach Afrika zu bringen.
Highlife ware lange Zeit die Tanzmusik in Ghana und gesamt Westafrika, doch die heutige Jugend tanzt zu einer deutlich moderenern Variante, dem sog. Hiplife. Hiplife ist eine Mixtur aus eben Highlife, HipHop, Reggae und Dancehall und kam vor ca. 10 Jahren durch Reggie Rockstone, dem "Godfather" des Hiplife, zu ersten Erfolgen. Er war auch der Erste, der in der Sprache Twi, der meistverbreiteten Sprache in Ghana, rappte. Heutzutage kann man Hiplife überall in Ghana hören, es zählt zu den beliebtesten Musikstilen und unterteilt sich mittlerweile in diverse Subgenres.
Black Stars - Ghana's Hiplife Generation, zusammengestellt von dem Münchenr DJ Georg Milz, präsentiert einige der bekanntesten Hiplife Musikern. Für die Arbeit zu diesem Sampler begab sich Milz auch für längere Zeit nach Accra um die dortige Szene genau zu studieren. Herausgekommen ist ein wunderbares Album, das nicht nur sehr gut klingt sondern auch mit jeder Menge interessanter Linernotes aufwartet und allein schon für das großartige Artwork einen Preis verdient hätte.
Die vorgestellten Künstler sind hierzulande weitgehend unbekannt. Das gilt auch für Tic Tac, in Ghana längst ein Star und echter Veteran in Sachen Hiplife. Wobei der Erfolg des Stückes Kangaroo weit über die Grenzen Ghanas hinausreicht, was nicht zuletzt auch dem dazugehörigen Video zu verdanken ist, das es bis an die Spitze der MTV Base Africa's Charts schaffte. Mitgewirkt an Kangaroo hat der ebenfalls auf dem Sampler vertretene Batman Samini, der schon einmal für den MTV European Music Award in der Kategorie "Bester Afrikanischer Act" nominiert war. Seine Mixtur aus Hiplife und Ragga ist auch als Raglife bekannt, einem Stil, der u.a. von Terry Bonchaka entwickelt wurde. Eine weitere in Westafrika sehr bekannte Gruppe ist V.I.P., welche aus Nima, dem größten Slum in Accra, stammt.
Einer der derzeit erfolgreichsten Sänger ist Ofori Amponsah, dessen hochgepitchte Stimme man in den meisten Clubs in Ghana hören kann. Da in seinen Stücken oft auch Rapper mit dabei sind, wird sein Stil als moderner Highlife bezeichnet. Die jüngste Sensation ist allerdings King Ayisoba, der zusätzlich mit seinem Spiel auf der 2-saitigen Kolgo, einem Vorfahr der Gitarre, zu überzeugen weiß. Ein Geheimtipp ist dagegen Sheriff Ghale, dessen Musik mehr in dir Richtung Rootsreggae im Stile von Bob Marley oder Peter Tosh geht. Und auch der bereits erwähnte "Godfather" Reggie Rockstone darf auf diesem Sampler natürlich nicht fehlen.
Mit 14 Stücken und einer Gesamtspieltzeit von ca. 72 Minuten verschafft Black Stars – Ghana’s Hiplife Generation einen guten und vor allem jederzeit kurzweiligen Überblick über die lebhafte ghanaische Musikszene und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte ist, was man davon zu hören bekommt.
Ein Großteil der Informationen sind der Beschreibung des Labels (Out|Here Records) entnommen.
Anstehende Veröffentlichungen
18.04.2008
African Scream Contest
Ein Sampler des Analog Africa (http://analogafrica.blogspot.com/) Labels mit Psychedelic Afro Sounds aus Togo und dem Benin der 70er Jahre.
25.04.2008
Lionel Loueke - Karibu
Das Blue Note Debüt des Gitarristen aus dem Benin. Unterstützt wird er dabei u.a. von Herbie Hancock, auf dessen letztem Album River: The Joni Letters er mitgewirkt hat, und Wayne Shorter.
Nneka - No longer at ease
2. Album der in Deutschland lebenden Nigerianerin, die Soul, Reggae, Afrobeat und HipHop mischt und dabei auch schon mal an Lauryn Hill erinnert.
Nigeria Rock Special
3. Teil der famosen Reihe des Soundway (http://www.soundwayrecords.com) Labels mit dem Untertitel: Psychedelic Afro-Rock & Fuzz Funk in 1970s Nigeria
09.05.2008
Nigeria 70: Lagos Jump
Ein weiterer sehr interessanter Sampler mit Musik aus dem Nigeria der 70er Jahre, dieses Mal vom Strut Label. Hier ein Link (http://www.backspinpromo.com/nigeria70.html) dazu.
06.06.2008
Papa Noel - Cafe Noir
Rumba und Soukous Legende aus dem Kongo mit neuem Album.
"Lionel Loueke - Karibu" ist sicher auch für Jazzfans sehr interessant. Herbie Hancock und vor allem Wayne Shorter klingen mal mehr als vielversprechend...
Karibu hatte ich als Amerika Import vorbestellt (dort erschien es bereits am 25.03.) aber bislang nicht erhalten. Die deutsche Ausgabe hat mit Body and soul übrigens einen Bonustrack. Wie findest Du River?
"River" ist zwar sehr gut, aber mir ein wenig zu "brav". Hätte mir mehr Risiko erhofft. Man muss ja nicht jeden Song komplett anders als das Original spielen, trotzdem würden mich derartige Versuche halt mehr reizen...
Auf der Plus-Seite bleiben natürlich die sehr schönen, hervorragend gespielten Songs. Technisch ist dieses Werk über jeden Zweifel erhaben - ****
Da kann ich Dir nur zustimmen, ich mag das Album auch sehr gerne, wobei ich mich im Gesamtwerk Hancocks nur wenig auskenne. Vor allem auch Tina Turners Einsatz bei Edith and the kingpin gefällt mir ausgesprochen gut und ich wünschte, sie würde mal ein ganzes Album dieser Art machen.
Stimmlich ist Tina Turner nach wie vor einmalig. Mit dem richtigen Songmaterial traue ich jederzeit ein sehr gutes Werk zu. So eine Platte hätte sicher seinen Reiz und würde auch seine Abnehmer finden. Träumen dürfen wir ja... :-)
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/Asa.jpg
Asa - s/t (2008)
Die Sängerin und Songschreiberin Asa (sprich Aasha) ist der neue Star in Nigeria und hatte mit Jailer und Fire on the mountain im dortigen Radio schon zwei veritable Hits. Dabei gelingt es der zwischen Lagos und Paris pendelnden Musikerin, deren Name "kleiner Falke" bedeutet, verschiedene Einflüsse zu einem eigenen Stil zu verschmelzen und kombiniert Soul und R'n'B amerikanischer Prägung mit Reggae und ihren afrikanischen Wurzeln. Akustische Instrumente haben hier ebenso Platz wie Beats und Loops und hier und da kommen sogar Streicher zum Einsatz. Nach ihren Einlüssen gefragt, nennt sie neben Fela Kuti und Sunny Adé ebenso Erykah Badu, Lauryn Hill oder Angélique Kidjo.
In Paris geboren und Lagos aufgewachsen entdeckte sie schon früh ihre Leidenschaft am Singen und so verwundert es nicht, dass sie in einen Gospelchor eintreten wollte, was jedoch zumeist an den Dirigenten scheiterte, denen ihre Stimme, die bisweilen an Macy Gray erinnert, unpassend erschien. Schließlich besuchte sie eine Musikschule, wo sie nicht nur Gesangs- sondern auch Gitarrenstunden belegte.
Nach dem Gewinn diverser Talentwettbewerbe im nigerianischen Radio erhielt sie Angebote für Plattenproduktionen und entschied sich schließlich für den blinden Musiker und Produzenten Cobhams Emmanuel Asuquo, der hierzulande zwar relativ unbekannt ist, in Afrika aber schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Er produzierte nicht nur ihr Debütalbum, sondern beteiligte sich auch am Songwriting.
Zurück in Paris, musizierte sie zusammen mit Tony Allen und Manu Dibango und bestritt das Vorprogramm für Beyoncé und John Legend und fungierte darüber hinaus als Botschafterin für MTV.
Ihr Debütalbum ist eine sehr kurzweilige Angelegenheit geworden, bei der man das Ernsthafte in den Texten der Musik nicht unbedingt anhört. In den meist in luftige Arrangements gekleideten Stücken geht es auch schon mal um den gewaltsamen Alltag in Afrika, wie z.B. in ihrem Hit Fire on the mountain oder um Ignorranz und Gleichgültigkeit. Ansonsten gibt es Anklänge an Bob Marley (Jailer), jede Menge Funk und Soul mit von Asuquo gekonnt gesetzten Beats aber auch klassische Stücke mit Streichorchester. In ihren Texten, die sie zumeist in Englisch vorträgt, baut sie hier und da Passagen in ihrer Muttersprache Yoruba ein und sorgt dadurch zusätzlich für afrikanisches Flair. Somit ist Asa ein rundum gelungenes und jederzeit kurzweiliges Debütalbum gewordem, das Lust auf mehr macht.
Internet
Homepage (http://www.naive.fr/sites/asa/?lang=en)
MySpace (http://www.myspace.com/asaofficial)
Der Link von "myspace" funktioniert bei mir nicht. Aber die 10 Songs von der HP reichen ja mehr als aus. Klingt irgenwie nach der ersten "Sommerplatte" in diesen Jahr. Sehr schön! Wird gekauft...
Der MySpace Link funktioniert jetzt...
Schon gekauft!
War gerade beim "Müller" wegen Rassierklingen und was sah ich dort...diese Platte!
So schnell kann ein Tipp umgesetzt werden... :-)
Na, dann hat sich das heute ja gelohnt. Die iTunes Version hat übrigens noch zusätzlich das Stück Iba, das ärgerlicherweise nicht einzeln gekauft werden kann.
Werde dir morgen dann die ersten Eindrücke posten. Was ich bisher gehört habe gefällt...
Betreff "Asa": Waren wir bei Lizz Wright nicht gerade einer Meinung, kann ich dir im Bezug "Asa" nur recht geben. Ganz tolle Platte! Natürlich hört man hier nichts neues, aber die Platte fesselt durch ihren Charme und ausgewogenen Arrangements. Und Asa´s Stimme, was für ein Gefühl. Gerade bei den ruhigen Songs merkt man die Klasse der Sängerin. Mit ein wenig mehr Wagemut wäre ganz viel drinnen gewesen. Sogar "Platte des Jahres"! So würde ich sie derzeit bei **** hören. Für eine "richtige" Wertung ist es noch zu früh. Der 5. Stern wartet dann auf das nächste Werk... Auf jeden Fall sehr guter Tipp! Danke
Ps.: Meine Frau liebt diese Platte! Sie wollte sofort wissen wer da singt. Bei ihr könnte "Asa" Platte des Jahres werden... ;-)
Betreff "Asa": Waren wir bei Lizz Wright nicht gerade einer Meinung, ...
Daran hat sich dann wohl nichts geändert, ich mag The Orchard nach wie vor sehr gerne. Ich habe übrigens beide Alben damals am selben Tag bekommen und sehe sie qualitativ auf Augenhöhe, jeweils mit Luft nach oben für das, was noch kommen mag.
Daran hat sich dann wohl nichts geändert, ich mag The Orchard nach wie vor sehr gerne. Ich habe übrigens beide Alben damals am selben Tag bekommen und sehe sie qualitativ auf Augenhöhe, jeweils mit Luft nach oben für das, was noch kommen mag.
Leider lässt mich "The orchard" noch immer kalt....
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/MaloumaNour.jpg
Malouma - Nour (2007)
Malouma Mint Moktar Ould Meidah, so ihr vollständiger Name, geboren den 60er Jahren, ist vermutlich die erste Frau, die moderne maurische Musik außerhalb ihrer Heimat Mauretanien bekannt machte. Dabei hatte sie es nicht immer einfach und musste um ihren Platz in der Musikwelt kämpfen. Nichzuletzt auch deshalb, da sie als Frau in einer muslimischen Gesellschaft immer wieder für die jeweils Machthabenden unangenehme Themen wie Frauenrechte, Analphabetismus, soziale Gerechtigkeit, Aids anfasste oder sich mit der Religion auseinandersetzte. Dabei darf man nicht vergessen, dass Mauretanien eine islamische Republik ist, in der das islamische Recht, die sog. Scharia, bis heute Gültigkeit hat.
Malouma wuchs in einer Griot Famile auf und war bereits im Alter von 15 Jahren selbst eine anerkannte Sängerin und blickte schon damals über den Tellerrand der eigenen Tradition hinaus und hörte neben ägyptischer und nordafrikanischer Musik auch Blues und Pop amerikanischer und europäischer Prägung. Mit dem Erreichen des Erwachsenenalters fanden ihre Bemühungen ein jehes, wenngleich auch nur temporäres Ende. Erst gegen Ende der 80er Jahre begann sie, ihre musikalische Karriere fortzusetzen.
Nour ist bereits das dritte Album und präsentiert eine moderne Variante des orientalisch angehauchten Wüstenblues. Neben dem Gesang spielt Malouma auf einigen Stücken Ardin, eine mit der Kora verwandte 14-saitige Harfe und hier und da kommt auch ein Tidinit, ein Verwandter der Gitarre, zum Einsatz. Für moderne Klänge sorgen dezent eingesetzt Synthesizer und schaffen im Stück Lemra, eine Ode an die Frauen Mauretaniens, für eine fast schon beklemmende Atmosphäre, was durch stoische Percussionrhythmen noch verstärkt wird. Im fröhlichen Casablanca kommen dagegen auch Beats und Loops zum Einsatz und zeigen, dass Maliuma auch ein Gespür für eingängige Melodien hat. Yarab ist wiederum ein benahe klassischer Blues, bei dem die E-Gitarre hart angeschlagen wird. Überhaupt gefällt mir die E-Gitarre auf Nour besser als auf dem Vorgänger, auf dem sie mir an ein oder zwei Stellen etwas zu aufdringlich erklingt. Ein weiteres Highlight ist das Stück Habib, ein bewegendes und trauriges Stück, das den Verlust eines Freundes zum Thema hat.
In ihrer Heimat ist Malouma ein Star, vor allem auch bei der Jugend, und mittlerweile auch Mitglied des mauretanischen Senats. Dass die Musik darunter nicht zu leiden hat, beweist Nour, ein weiteres Album-Highlight des vergangenen Jahres.
Diskographie
1998: Desert of Eden
2003: Dunya
2007: Nour
Internet
Homepage (http://www.malouma.com)
Auftritt bei WOMAD 04 (http://www.bbc.co.uk/radio3/womad2004/malouma.shtml)
Anstehende Veröffentlichungen
09.05.2008
Nigeria 70: Lagos Jump
Ein weiterer sehr interessanter Sampler mit Musik aus dem Nigeria der 70er Jahre, dieses Mal vom Strut Label. Hier ein Link (http://www.backspinpromo.com/nigeria70.html) dazu.
21.05.2008
Buika - Nina de fuego
3. Album der Afrospanierin mit Wurzeln in Äquatorialguinea.
02.06.2008
Chiwoniso - Rebel Woman
Sängerin aus Simbabwe mit ihrem 2. Album (hat schon mal mit Joy Denalane (4 Frauen) zusammen gesungen)
06.06.2008
Papa Noel - Cafe Noir
Rumba und Soukous Legende aus dem Kongo mit neuem Album.
Sonstige
Mounira Mitchala - Talou Lena
Eine Newcomerin aus dem Tschad mit ihrem Debüt. In Frankreicht schon längst veröffentlicht und als teurer Import bereits erhältlich. Ein Veröffentlichungstermin hierzulande ist mir noch nicht bekannt. Auf der Label Homepage (http://www.marabi.net/mounira_mitchala.html) kann man schon mal reinhören.
Bei der diesjährigen Verleihung der BBC World Music Awards (http://www.bbc.co.uk/radio3/worldmusic/a4wm2008/winners.shtml) am 12.04.08, gewannen in den Kategorien "Africa" und "Album of the year" Bassekou Kouyate & Ngoni Ba aus Mali. Den Preis für den besten Newcomer ging an Mayra Andrade von den Kap Verden.
Erfreuliche Nachrichten:
Am 23.05.2008 erscheint auf Vampisoul (http://www.vampisoul.com/home.htm) der Sampler Fela Ransome Kuti - Lagos Baby, 1963-69. Darauf enthalten sind die kompletten Vinylveröffentlichungen aus dem angegeben Zeitraum (ausschließlich der '69 LA Sessions). Das Set wird als 2CD und 3LP veröffentlicht und enthält 39 Tracks. Auf Vampisoul erschien auch Tony Allens Afro Disco Beat (http://forum.rollingstone.de/showthread.php?p=1359777).
Der jüngste Sohn Felas, Seun Kuti hat dieser Tage sein erstes Album Many things veröffentlicht. Allerdings noch nicht in Deutschland, wann es dann hierzulande erscheinen wird, ist mir noch nicht bekannt.
Seun Kuti war 15, als sein Vater starb. Um dessen musikalisches Erbe fortzusetzen, übernahm er die Band Egypt 80, mit der er auch das Album eingespielt hat und in der er schon als Kind neben seinem Vater spielte. Auf MySpace (http://www.myspace.com/seunkuti) kann man sich 3 Stücke anhören.
Auch von Femi wird es demnächst ein neues Album geben. Scheint ein echtes Kuti Jahr zu werden.
Nach 5 jähriger Pause veröffentlicht Rokia Traoré demnächst ihr 4. Album mit dem Titel Tchamantche. Ersten Informationen zufolge soll es blueslastiger werden, was wohl nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass sie sich wohl eine alte Gretsch Gitarre zugelegt hat.
The Imposter
05.05.2008, 14:43
Asa - s/t (2008)
Internet
Homepage (http://www.naive.fr/sites/asa/?lang=en)
MySpace (http://www.myspace.com/asaofficial)
was da auf MySpace zu hören ist macht wirklich Lust auf mehr (Jailer !!), danke für den Tipp
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/LouekeKaribu.jpg
Lionel Loueke - Karibu (2008)
Karibu ist Suaheli und bedeutet "Willkommen". Dies trifft gleich in doppelter Hinsicht zu, zum einen ist Karibu Louekes Debüt auf dem legendären Blue Note Label und zum anderen lädt dieses Album den Zuhörer ein in bisweilen ungewöhnliche aber immer wunderbare Klanglandschaften. Eingespielt wurde dieses Album größenteils in Triobesetzung, mit Massimo Biolcati am Bass und Ferenc Nemeth am Schlagzeug. Loueke selbst spielt Gitarre und übernimmt den Gesang, wobei dieser meist lediglich aus Lautmalereien oder einem rhythmischen Schnalzen und Klicken besteht und darüber hinaus eine ungewöhnliche Verbindung mit seinem Gitarrenspiel eingeht. Als Gastmusiker treten bei jeweils 2 Stücken Herbie Hancock, in dessen Band Loueke schon seit Jahren spielt, und Wayne Shorter in Erscheinung, die zusätzliche Akzente setzen.
Louke ist nicht nur ein begnadeter Musiker sondern auch ein genialer Komponist und Arrangeur. So finden sich auf Karibu neben 7 Eigenkompositionen auch 2 Standards bestehend aus der Hoagy Carmichael/Johnny Mercer Komposition Skylark und John Coltranes Naima. Letzteres wird duch Wayne Shorters Saxophon veredelt. Doch die Eigenkompositionen müssen sich vor diesen Klassikern nicht verstecken. So findet sich Benny's tune, das Loueke für seine Frau geschrieben hat, auch auf Terence Blanchards Album Flow und hat mit seinen Tempowechseln und seiner wunderbar dahingleitenden Melodie durchaus das Zeug zum modernen Standard. Abgannon Blues ist dagegen ein Blues im 13/4-Takt und zeigt eine weitere Besonderheit: die meisten Stücke sind in ungeraden Takten, wobei es Loueke nach eigene Aussage nicht um "intellektuelle Verrückheit" geht, sondern um Gefühl, das letzlich auch der Nicht-Musiker so empfinden und verstehen soll. Abganon ist eine Wort aus der Sprache Fon, die im Süden des Benins am weitesten verbreitete Sprache, und bedeutet soviel wie "schwerer Träger", also ein Mensch, der z.B. einen Korb auf dem Kopf trägt. Verdeutlicht wird dies durch schwere und gleichzeitig funkige Rhythmen. Beim 10 Minuten langen Klangemälde Light Dark treffen sich dann alle Musiker, also auch Hancock und Shorter, und sorgen mit ihrem phantatsischen Wechselspiel für eine weiteren Höhepunkt, bei dem die Harmonien von Hell nach Dunkel wechseln. Einen Kompositionsstil, den er nach eigene Aussagen von Wayne Shorter gelernt hat. Das letzte Stück Novignon basiert schließlich auf einem Highlife Rhythmus zu dem Loueke seine Gitarre stilgerecht erklingen lässt und zum ersten und einzigen mal auf diesem Album auch einen "richtigen" Text singt. Frei aus der Sprache Fon, deren bekanntestes Wort übrigens Voodoo ist, übersetzt singt er: "Lasst uns Brüder und Schwestern sein/Wenn wir das nicht tun, werfen wir ein Geschenk Gottes fort". Weise Worte am Ende eines wunderbaren Albums.
Internet
Homepage (http://www.lionelloueke.com/)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=45313742)
So jetzt besitze ich diese Platte auch und der erste Eindruck ist recht gut. Derzeit würde ich sie bei **** hören. Später gibt es mehr Details...
Der jüngste Sohn Felas, Seun Kuti hat dieser Tage sein erstes Album Many things veröffentlicht. Allerdings noch nicht in Deutschland, wann es dann hierzulande erscheinen wird, ist mir noch nicht bekannt.
Unter dem Titel Seun Kuti and Fela's Egypt 80 wird das Album am 24.06. in den USA veröffentlicht.
Ankündigung
Am 06.06.2008 wird hierzulande das bereits im letzen Jahr in Frankreich veröffentlichte Album Lion of Africa von Manu Dibango veröffentlicht. Darauf enthalten ist ein Mitschnitt der Konzertreihe Black President - The Art & Legacy of Fela Kuti at the Barican Centre London aus dem Jahr 2004. Als Gäste waren Coco Mbassi, Baaba Maal und Courtney Pine mit dabei.
http://freenet-homepage.de/sparch/RollingStone/NnekaNoLongerAtEase.jpg
Nneka - No longer at ease (2008)
Ursprünglich sollte das Album Don't worry in Warri heißen, eine Anspielung auf ihre Heimatstadt Warri im Delta-State in Nigeria, die es Dank der Erdölförderung seit Ende der 70er Jahre zu enem gewissen Wohlstand gebracht hat. Die andere Seite der Medaille ist jedoch eine beispiellose Umweltzerstörung unter deren Folgen die Bevölkerung vor allem im benachbarten Rivers-State bis heute zu leiden hat und für die vor allem auch westliche Unternehmen wie Shell die Verantwortung tragen.
Bereits mit ihrem Debüt Victim of truth, das von der britischen Sunday Times als "As good as 'The Miseducation of Lauryn Hill'" eingestuft wurde, sorgte Nneka, die in den 90er Jahren nach Deutschland übersiedelt ist und seit dem in Hamburg lebt, 2005 für Aufsehen, wenn auch der ganz große Erfolg ausblieb. Das soll sich nun mit dem zweitel Album No longer at ease und der vorab ausgekoppelten Single Heartbeat und dem dazugehörigen Video ändern. In dem Stück geht es nach eigenen Aussagen um das Herz, den Herzschlag, den viele Menschen nicht spüren, obwohl sie leben und auch um Liebe. Als musikalische Untermalung werden dazu Jungle und Drum'n'Bass Elemente der 90er Jahre wiederbelebt und in die Gegenwart übertragen. Herausgekommen ist ein grandioses Wechselspiel zwischen ruhigen, spannungsgeladenen Passagen in den Strophen und einem beinahe manischen Rhythmusgewitter im Refrain.
Auch No longer at ease nahm die inzwischen 28-Jährige mit ihrem langjährigen musikalischen Partner DJ Fahot, der schon das Debüt produziert hatte, auf. Dazu gesellte sich noch der französische Produzent Jean Lamont, der schon u.a. mit Größen wie Salif Keita zusammengearbeitet hatte. Durch diese Kooperation entstand ein musikalische Fundament, auf dem Nneka ihre ganze Kreativität und musikalischen Bandbreite freien Lauf lassen konnte. Dazu gehört auch ihr HipHop Hintergrund, der in Stücken wie Halfcast und Focus zur Geltung kommt, jedoch mit völlig unterschiedlichen Ansätzen. Während in Halfcast monotone Beats und Samples für ein eher düsteres Klangbild sorgen, welche ihr sog. Street Credibility unterstreichen, setzt sie in Focus auf ein einfaches und einprägsames Gitarrenriff, das den Refrain gleich mitübernimmt. Aber auch Soul und R'n'B kommen auf dem Album nicht zu kurz, wie z.B. im wunderbar atmosphärischen Suffri. Im letzen Stück Deadly Combination dominieren dagegen mächtige Beats das Geschehen und unterstreichen noch einmal die Vielfältigkeit dieses Albums, das trotz seine 16 Stücke niemals langweilig wird und eine Weiterentwicklung und Steigerung zum gelungenen Debüt darstellt.
No longer at ease ist ein sehr persönliches Album geworden. Es handelt von Nnekas eigener Geschichte, dem Leben in ihrer Heimat Nigeria, dem multikulturellen Nebeneinander aber auch der Kluft zwischen Arm und Reich und der eingangs erwähnten Umweltverschmutzung als Folge von Profitgier. Doch trotz allem ist Nnekas Musik optimistisch und lebensbejahend und im Booklet kann man die auf öffentlichen Fotos ansonsten meist skeptisch dreinblickende Künstlerin auch mal lächeln sehen. Steht ihr übrigens sehr gut!
Internet
Homepage (http://www.nnekaworld.com)
MySpace (http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=79496565)
Habe mir die Hörproben von "Nneke" angehört und mir kam sofort "Club" im Sinn. Auch wenn du von einen sehr persönlichen Album schreibst, ist die Musik für einen Club (natürlich einer mit Anspruch...) äußerst geeignet. Sehr schöne und vor allem tanzbare Songs sind hier hören...
Werde ich wohl auch brauchen.... Wieder ein sehr guter Tipp... Danke!
Dem möchte ich nicht widersprechen, wobei "Club" und "persönlich" ja auch nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinenader stehen müssen.
Die Frau heißt übrigens Nneka, ein Igbo Name der übersetzt etwa bedeutet: Mutter ist das Oberhaupt. Dies ist eine Anspielung auf traditionelle Familienstrukturen, in denen die Mütter scheinbar nur ein Nebenrolle zu haben scheinen, obwohl sie doch die eigentlichen "Familienoberhäupter" sind.
Wie siehst Du die Lionel Loueke inzwischen?
Dem möchte ich nicht widersprechen, wobei "Club" und "persönlich" ja auch nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinenader stehen müssen.
Die Frau heißt übrigens Nneka, ein Igbo Name der übersetzt etwa bedeutet: Mutter ist das Oberhaupt. Dies ist eine Anspielung auf traditionelle Familienstrukturen, in denen die Mütter scheinbar nur ein Nebenrolle zu haben scheinen, obwohl sie doch die eigentlichen "Familienoberhäupter" sind.
Wie siehst Du die Lionel Loueke inzwischen?
Natürlich "Nneka"... Der Name ist durch die Anspielung sehr gut gewählt. Ich höre jetzt schon zum x-mal die Songs von myspace und sie "fressen" sich so richtig ins Hirn. Sehr gelungen!
Bezüglich Widerspruch gebe ich dir vollkommen recht. Allerdings kenne ich auch andere Auffassungen. Die vertreten die Meinung, dass nur "oberflächige" Musik im Club richtig funktionieren kann. Die Annahme ist völlig falsch!
Zu Loueke: Sie gefällt mir sehr gut! Sehr geschmackvolle Arrangements und sein gefühlvolles Spiel hinterlassen einen äußerst positiven Eindruck. Auch die berühmten Gastmusiker halten sich dezent im Hintergrund und tragen zur Geschlossenheit bei. Würde ihr immer noch **** geben. Für eine noch höhere Wertung fehlt nur sehr wenig.
Wie hörst du sie derzeit?
Zu Loueke: Sie gefällt mir sehr gut! Sehr geschmackvolle Arrangements und sein gefühlvolles Spiel hinterlassen einen äußerst positiven Eindruck. Auch die berühmten Gastmusiker halten sich dezent im Hintergrund und tragen zur Geschlossenheit bei. Würde ihr immer noch **** geben. Für eine noch höhere Wertung fehlt nur sehr wenig.
Wie hörst du sie derzeit?
Alles richtig, sehe ich ganz genauso (**** - ****1/2). Ich denke, nach den anderen Alben muss ich mich bei Gelegenheit auch mal umschauen.
Alles richtig, sehe ich ganz genauso (**** - ****1/2). Ich denke, nach den anderen Alben muss ich mich bei Gelegenheit auch mal umschauen.
Hat in der Tat Geschmack nach mehr gemacht...
Wenn da nicht das Geld- und Zeitproblem wäre. Unglaublich wie viele gute Platten es doch gibt. Man wird immer nur einen Bruchteil davon kennen lernen. Auf jeden Fall werde ich mir in den nächsten Tagen die Nneka-Platte kaufen bzw. bestellen...
Ankündigung
Nach den hervorragenden Nigeria Specials wendet sich das britische Soundway (http:www.soundwayrecors.de) Label nun einem Künstler in besonderem Maße zu. Unter dem Titel Guitar Boy Superstar 1970-1976 erscheint in den USA am 08.07.2008 eine Retrospektive des hierzulande weitgehend unbekannten nigerianischen Musikers Sir Victor Uwaifo. Sein Ekassa gennanter Stil ist eine Mischung aus traditionellen Rhythmen, Highlife und einer Prise Rock'n'Roll und Soul. Das Stück Osalobua Rekpama, das für das erste Nigeria Special verwendet wurde, lässt großes erahnen. Ein weiteres hervorragendes Uwaifo Stück namens Dododo findet sich auf dem Strut Sampler Nigeria 70: Lagos Jump.
Wer von nigerianischer Musik nicht genug bekommen kann, kann sich dann Ende des Monats, genauer gesagt am 30.05.2008, den Vampisoul (http://www.vampisoul.com) Sampler Highlife Time: Nigerian and Ghanaian Sounds zulegen. Hier ist Uwaifo mit dem mir nicht bekannten Stück Joromi verteten.
Außerdem habe ich sogar afrikanische und deutschsprachige Musik Zuhause.
Ersteres würde mich interessieren (aber nicht unbedingt hier).
Eigentlich wollte ich nur kenntlich machen, dass ich nicht pauschal etwas gegen Musik habe, die außerhalb des UK oder der USA entsanden ist.
Aber um deine Frage zu beantworten: Ich besitze z.B. Platten von Fela Kuti, Tony Allen, Lafayette Afro Rock Band (obwohl eigentlich eher in den USA ansässig) & Alpha Blondy.
Aber um deine Frage zu beantworten: Ich besitze z.B. Platten von Fela Kuti, Tony Allen, Lafayette Afro Rock Band (obwohl eigentlich eher in den USA ansässig) & Alpha Blondy.
Danke für die Antwort. Vielleicht magst Du ja bei Gelegenheit noch ein (kurze) Einschätzung dazu abgeben. Würde mich interessieren.
kingberzerk
16.05.2008, 16:53
@Sparch, eine Frage zum Antibalas Afrobeat Orchestra: Mir gefällt Talkatif sehr gut und mag insbesondere die Instrumentierung. Gerade die repetitiven Gesangsparts stören mich nicht wirklich, fesseln mich aber auch nicht gerade.
Hat sich Antibalas auf einem anderen Album eher dem Intrumentellen zugewendet oder den Gesangsstil anders gestaltet? Oder gibt es ein Album einer anderen Band, dem ich in diesem Fall nachgehen könnte?
Talkatif habe ich dem Chef einer Bob-Dylan-Neil-Young-Fish-Greatful-Dead-Kneipe geschenkt, da sah ich ihn zum ersten Mal tanzen.
Ich kenne von Antibalas bislang nur das Album Who is this America?. Hier klingen sie in der Tat, als kämen sie direkt aus Lagos und orientieren sich stark an Fela Kuti. Das äußert sich auch dadurch, dass meist auf Pidgin English oder sogar auf Yoruba gesungen wird. Was zumindest hier jedoch nicht so stark ausgeprägt ist, ist der weibliche Chorgesang, der bei Fela eine große Rolle spielte. Wenn Dir Antibalas prinzipiell zusagen, solltest Du auf jeden Fall auch mal bei Fela reinhören. Als Einstieg empfehle ich einfach mal das Album Zombie aus dem Jahr 1977.
kingberzerk
16.05.2008, 17:06
"Zombie" kannte ich bislang nur flüchtig, aber nachdem ich's schon auf Muetis Favs-Liste entdeckt habe, bleibt mir wohl nichts mehr anderes übrig. Merci beaucoup.
"Zombie" (der Track) ist überaus großartig; es gibt gar keine bessere Musik. "Mr. Follow Follow" auf der anderen Seite ist nicht ganz so gut, aber auf jeden Fall hörenwert. Super Empfehlung!
Zu "Nneka - No longer at ease": Habe mir die Platte gestern gekauft und nach 2 Durchläufen bin ich vor allem von der Vielfältigkeit des Werkes angetan. Selten so eine frische, abwechslungsreiche Platte im diesen Jahr gehört. Mehr Details später!
Zu "Nneka - No longer at ease": Habe mir die Platte gestern gekauft und nach 2 Durchläufen bin ich vor allem von der Vielfältigkeit des Werkes angetan. Selten so eine frische, abwechslungsreiche Platte im diesen Jahr gehört. Mehr Details später!
Ja, ein wirklich erstaunliches und außergewöhnliches Album, hat bei mir mit jedem Hören noch ein bisschen dazugewonnen. Tolles Songwriting und großartige Produktion.
Seit dem 06. Mai gibt es auf iTunes übrigens eine exclusive 6-Track Live EP mit einem Mitschnitt vom Berlin Festival im April dieses Jahres.
Tracklist:
The Uncomfortable Truth
Focus
Heartbeat
Your Request
Suffri
Beautiful
Ja, ein wirklich erstaunliches und außergewöhnliches Album, hat bei mir mit jedem Hören noch ein bisschen dazugewonnen. Tolles Songwriting und großartige Produktion.
Seit dem 06. Mai gibt es auf iTunes übrigens eine exclusive 6-Track Live EP mit einem Mitschnitt vom Berlin Festival im April dieses Jahres.
Tracklist:
The Uncomfortable Truth
Focus
Heartbeat
Your Request
Suffri
Beautiful
Da ärgere ich mich (fast) das ich keinen i-pod habe...
Mit "Heartbeat" und "Suffri" sind sogar meine bisherigen Lieblingssong vertreten.
Wie du schon geschrieben hast: "Tolles Songwriting und großartige Produktion"
Ich werde meine Jahreswertung noch diese Woche updaten und eines kann ich jetzt schon schreiben: "No longer at ease" wird einen Top 5 Platz einnehmen. Damit sind ihr eine ****1/2 Wertung sicher. Ergo sie hat bei mir eingeschlagen wie eine "Bombe!"
Großartiger Tipp!
Da ärgere ich mich (fast) das ich keinen i-pod habe...
Brauchst Du ja nicht unbedingt, Du kannst es auch so kaufen und auf CD brennen. Wird bei mir wohl das erste "Album", das ich bei iTunes kaufe. Die EP bringt es übrigens auf eine Spielzeit von über 40 Minuten und kostet 3,96€.
Brauchst Du ja nicht unbedingt, Du kannst es auch so kaufen und auf CD brennen. Wird bei mir wohl das erste "Album", das ich bei iTunes kaufe. Die EP bringt es übrigens auf eine Spielzeit von über 40 Minuten und kostet 3,96€.
Dann werde ich sie mir noch heute kaufen (hoffentlich kann ich sie bald einmal "live" sehen...)! :-)
Wenn Du schon dabei bist, dann kannst Du noch die beiden Songs Walk the line (Heartbeat B-Seite) und Sweet mother (iTunes Bonustrack von No longer at ease) kaufen. Sind beide auch einzeln erhältlich.
Wenn Du schon dabei bist, dann kannst Du noch die beiden Songs Walk the line (Heartbeat B-Seite) und Sweet mother (iTunes Bonustrack von No longer at ease) kaufen. Sind beide auch einzeln erhältlich.
Danke für die Tipps! Werde sie mir mit der EP daheim am späten Abend runterladen. Bin schon gespannt wie gut ihre "Livequalitäten" sind...
kingberzerk
19.05.2008, 11:26
Glücksblindkauf bei Oye Records:
http://www.soundsoftheuniverse.com/img/releases/10178/t1/untitled-1.jpg
Tony Allen - Klilode 12" (http://www.honestjons.com/label.php?pid=30860&LabelID=14815) mit einem Mix von Carl Craig (2007).
Im Label des Londoner Plattenhändlers Honest Jon's (Portobello Road). African vielleicht nicht in reinster Form, aber schön gemacht und sehr heutig.
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