Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : kramers LP Faves
Ich möchte einen Versuch starten und meinen Singles-Thread um einen LP-Thread erweitern. Ich werde zwar nicht in der Lage sein, hier jede Woche eine neue LP zu besprechen, möchte aber in halbwegs regelmäßigen Abständen einige meiner liebsten Alben vorstellen und würde mich natürlich über Feedback und Nachahmer freuen!
NEIL YOUNG "On The Beach" (Reprise, 1974)
http://www.yonkitime.de/beach.jpghttp://img20.imageshack.us/img20/7510/2402z.jpg
Walk On
See The Sky About To Rain
Revolution Blues
For The Turnstiles
Vampire Blues
On The Beach
Motion Pictures
Ambulance Blues
Als Neil Young 1974 "On The Beach" veröffentlichte, realisierten weder die Kritiker noch sein Publikum, in welch völlig neue Richtung Neil Young sich bewegte und erst recht nicht, was er seinem Publikum mitteilen wollte. Nicht wenige sahen in ihm damals einen von Selbstmitleid und Depressionen zerfressenen Langweiler, der seine Verbindung zum Publikum, ja sogar zum "normalen" Leben, längst verloren hatte. Weitgehend unbeachtet blieb die oft humoristisch/satirische Grundhaltung des Albums oder der trotzig vorausschauenden Text von “Walk On”. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Irritationen, die dieses Album offenbar auslöste, lieferte damals angeblich der NME, der in seinem Review zunächst von einem “suicide vibe” schrieb, diesen Review jedoch nur kurze Zeit später revidiert haben soll und das Album schliesslich als ein Meisterwerk bezeichnete.
Mit “On The Beach” demonstrierte Neil Young die störrisch-ironische Art, mit der er seiner Umgebung, speziell auch der Musikindustrie und seinen Kritikern begegnet, um sie im gleichen Zug mit schonungsloser Offenheit (oder auch indirekt, wenn er sie zum Beispiel als "pimps" bezeichnet) zu beschreiben, zu analysieren und abzuwatschen - und das angesichts damals rückläufiger Verkaufszahlen! Vorbei die Zeiten bittersüß-romantischer Lyrics, wie etwa auf "Harvest". Die Texte auf “On The Beach” wirken teilweise eher wie eine Art Eigentherapie durch persönliche Schilderungen und Beobachtungen um den Depressionen der Vergangenheit zu entkommen; wie etwa im Titelsong: “Though my problems are meaningless, that don´t make them go away.” (Paul Williams ging in seinem damaligen Review sogar noch einen Schritt weiter und beschrieb "On The Beach" als "a suitable sequel to After The Gold Rush and Harvest" und "together these three albums tell us more about the current self-image of the American male between the ages of 20 and 40”). “On The Beach” ist deutlich autobiographisch gefärbt und scheint von einem für Neil Young ungewöhnlichen Selbsterklärungswunsch durchzogen zu sein, der in zahlreichen Textzeilen deutlich wird. (Fraglich bleibt hier nur, wem genau Young etwas erklären möchte). Hier werden keine Verbesserungen oder Lösungen angboten, hier wird lediglich dokumentiert und er vielzitierte Spiegel vorgehalten, bzw. selbst hineingeschaut. Der einzige Song des Albums, der sowohl musikalische als auch thematisch deutlich herausfällt, ist der clevere Rundumschlag “Revolution Blues”, der aufgrund seiner Charles Manson-Bezüge bekannt wurde und textlich deutlich düsterer und satirischer ausfällt, als die restlichen Songs auf “On The Beach”.
Für mich ist “On The Beach” seit langer Zeit das faszinierndste aller Neil Young Albem, was zum Teil natürlich an der Musik, in erster Linie aber an den ungewöhnlichen Texten und Eigenbeobachtungen Youngs liegt, der sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Dasein als Superstar auf höchst kritische Weise auseinandersetzt und einige seiner großartigstenTexte voller Anspielungen mit vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten geschrieben hat. Mega!
Ich finde diese Idee sehr gut! Ich selber bin ja viel mehr der Album Hörer. Singles spielen bei mir nur eine Nebenrolle. Gleich die erste Platte die du vorstellst besitze ich auch. Sie ist mir ans Herz gewachsen und ich halte sie für eine seiner schönsten Werke. Ich werde sie mir heute wieder einmal zu Gemüte führen. Bin schon gespannt welche Scheibe hier noch so auftaucht.... :-)
Klasse, kramer! Ein sehr schöner Text zu einem der schönsten Alben aller Zeiten. Guter Einstieg und bitte unbedingt weiter machen!
Wischmop
09.03.2006, 14:23
Ja, sehr gute Thread-Idee + Rezension und ein Grund, mir das Album mal wieder anzuhören. Stand bei mir bislang immer im Schatten seines Meisterwerks "Tonight's the Night". Welches der beiden wurde eigtl. zuerst aufgenommen?
Prodigal Son
09.03.2006, 14:26
Welches der beiden wurde eigtl. zuerst aufgenommen?
Meines Wissens "Tonight's The Night".
Wischmop
09.03.2006, 14:29
Könnte stimmen, hab nämlich auch mal gelesen, dass TTN bereits 1973 aufgenommen wurde und erst 1975 veröfftl. wurde.
Ja, sehr gute Thread-Idee + Rezension und ein Grund, mir das Album mal wieder anzuhören. Stand bei mir bislang immer im Schatten seines Meisterwerks "Tonight's the Night". Welches der beiden wurde eigtl. zuerst aufgenommen?Exactly. Tonight's The Night wurde vorher aufgenommen (1973), aber erst 1975 veröffentlicht. Interessanterweise existieren Acetates mit einer unveröffentlichten Version des "Tonight's The Night"-Albums, auf denen neben bisher unveröffentlichten Songs auch "Walk On" und "For The Turnstiles" zu hören sind.
Feine Idee, kramer. Und ein würdiger Auftakt!
Mal sehen, vielleicht greife ich das Beispiel auf.
sehr schöner Thread und auch mein liebstes Young Album neben Tonight's The Night
Big Muff
11.03.2006, 12:27
Toller Thread! Hab' bereits deinen Singles Thread mit Begeisterung gelesen und freu mich nun auf die anstehenden LPs, da ich ein Albenkäufer bin und Singles nicht soviel abgewinnen kann. Deine Albumkritik macht auf jeden Fall neugierig und ich werd' nachher gleich mal reinhören, wenn ich zu meinem Plattenhändler lauf. Hab bisher leider erst 3 Neil Young LPs (After the goldrush, Harvest und Rust never sleeps).
TIM BUCKLEY "Starsailor" (Straight, 1970)
http://www.yonkitime.de/starsailor.jpg
Come Here Woman
I Woke Up
Monterey
Moulin Rouge
Song To The Siren
Jungle Fire
Starsailor
The Healing Festival
Down By The Borderline
"The greatest thing he ever did, "Starsailor", was also his disaster" (Jeff Buckley)
Bei “Starsailor” handelt es sich um eine avantgardistische Mischung aus Chaos, Unruhe und einer bisweilen fast geisterhafter Stimmung, die von einem jammmernden, jodelnden, schreienden, Tiergeräusche nachahmenden, wimmernden Buckley und zahlreichen technischen Spielereien, wie etwa sechzehnfachen Gesangsdoppelungen, wechselnden Tempi, wechselnden Kanälen und diversen anderen Effekten unterstrichen wird. Diese Stimmung zieht sich durch das gesamte Album, ausgenommen von “Moulin Rouge” und “Song To The Siren”, ein Stück, dass bereits 1968 entstand (und in der letzten Folge der Monkees TV-Show von Buckley gesungen wurde), aber zunächst auf Eis gelegt wurde, um nach einigen deutlichen Veränderungen schliesslich wieder auf “Starsailor” aufzutauchen.
Das Album beginnt mit “Come Here Woman” fast ruhig, hypnotisch und drohend mit einem tief intonierenden Buckley, um dann plötzlich Stimmung und Melodie in der Mitte des Songs komplett zu ändern: hier sind zumindest ansatzweise Ähnlichkeiten mit späteren Songs auf “Greetings From L.A.” vorhanden, natürlich weitaus weniger straightforward und experimenteller, aber ähnlich sexuell drohend. Der zweite Song, “I Woke Up”, zeichnet sich durch die abstrakten Lyrics von Larry Beckett ("Now the sun sits on my hand / O where are you ? / Walking the wind I fly above the shore of the town / To the hills where I can hear / The harbor bells ring slavery") und eine musikalische Begleitung, die gestrandete Wale symbolisieren soll, aus und mündet mit “Monterey” in einen musikalisch relativ simplen aber dennoch vielschichtigen Song, der in erster Linie durch Buckleys Gesang irgendwo zwischen Crooner, Waldschrat und Tierimitationen auffällt. Die erste Seite endet schliesslich mit den oben bereits erwähnten Songs “Moulin Rouge” und “Song To The Siren”. Eine gut gewählte Abwechslung, denn die komplizierteren Songs des Albums befinden sich auf der zweiten Seite: “Jungle Fire” beginnt ruhig, fast bedächtig mit impressionistischen Zeilen (“When I lost my easy gods to the harlem insect laws / I heard your baited moans and the passing cars and the swirling / Songs and the black man’s bones“), um dann, eingeleitet von einem fast jodelnden Buckley, plötzlich in einen Jam im 5/4 Takt auszubrechen, bei dem Buckley mit sich selbst um die Wette zu singen scheint. Für mich ist “Jungle Fire” der beste und erstaunlichste Song auf “Starsailor” - sowohl musikalisch, als auch gesangstechnisch. Darauf folgt mit dem Titelsong ein gespenstischer, komplett von Buckleys Stimme getragener Song, bei dem anscheinend alle damals zur Verfügung stehenden Spuren für Buckleys Gesang genutzt wurden. “The Healing Festival” ist musiklaisch ähnlich vertrackt wie “Jungle Fire” und entstand mit Unterstützung der Gardner Brothers im herausfordernden 10/4 Takt. Dieser Track zeigt Buckleys Liebe zur Avantgarde des Jazz wohl am deutlichsten. “Starsailor” endet mit dem groovenden “Down By The Borderline”, das deutlich von Buckleys grandiosem Scat-Gesang dominiert wird.
Auch wenn "Starsailor" sicherlich kein kommerzieller Erfolg war, so zeigten sich zumindest große Teile der Presse dennoch beeindruckt und das Jazz-Magazin "Down Beat" vergab in seiner Kritik sogar die Höchstwertung.
Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich "Starsailor" zum ersten mal hörte: Eine mir damals unbekannte Mischung aus Ungläubigkeit, Faszination und Begeisterung, die süchtig macht und die ich später höchstens noch einmal bei "Tilt" oder "Ascension" erlebt habe. Schwer zu sagen, ob "Starsailor" Buckleys bestes Album ist. Sein aufregendstes auf jeden Fall.
uncle meat
15.03.2006, 18:35
-Chapeau ; sehr schöne Beschreibung über ein Album welches mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Ich habe mal vor einigen Jahren Bunk Gardner auf das Album angesprochen , er hat mir damals erzählt , dass Cohen die Jazz-Einflüsse überhaupt nicht schätzte und bei "Greetings from L.A." dann ziemlichen Druck ausgeübt habe.
Prodigal Son
15.03.2006, 19:14
Ein Album, das ich gern hätte, leider ist es sehr schwer zu bekommen.
Toller Text kramer, thx!
weilstein
15.03.2006, 19:46
Toller Text kramer, thx!
Yeah! (Zu On The Beach natürlich auch) Wußte allerdings nicht, daß Starsailor so schwer zu bekommen ist, wo liegt sie preislich (mint) ?
50 Euro dürften für ein Original realistisch sein. Es gibt auch preislich günstigere Nachpressungen. (U.a. mit völlig anderem Cover auf dem italienischen Billiglabel "Charterline").
Prodigal Son
15.03.2006, 20:28
(U.a. mit völlig anderem Cover auf dem italienischen Billiglabel "Charterline").
Klingt eher wie ein Billigflieger. Im Ernst: Nie würde ich so ein Album mit anderem Cover haben wollen. Obwohl, "Sticky Fingers" als spanische Ausgabe...
Ich bezahlte um die 35€ für sie vor gut einen 1/2 Jahr. Um sie für einen halbwegs erträglichen Preis zu bekommen braucht man schon etwas Geduld...
"Starsailor" ist aber jeden Cent wert. Eine wunderschöne Platte die man zumindest kennen sollte. Im Gegensatz von "Lorca", die mir auch gefällt, ist diese Platte perfekt ausgewogenen und hat keine Leerläufe.
@kramer: Wieder eine sehr schöne Rezension! Besonders die Erwähnung von "Tilt" finde ich bemerkungswert. An die mußte ich nämlich beim erstemal anhören sofort denken...
Ich bezahlte um die 35€ für sie vor gut einen 1/2 Jahr. Um sie für einen halbwegs erträglichen Preis zu bekommen braucht man schon etwas Geduld...
"Starsailor" ist aber jeden Cent wert. Eine wunderschöne Platte die man zumindest kennen sollte. Im Gegensatz von "Lorca", die mir auch gefällt, ist diese Platte perfekt ausgewogenen und hat keine Leerläufe.
@kramer: Wieder eine sehr schöne Rezension! Besonders die Erwähnung von "Tilt" finde ich bemerkungswert. An die mußte ich nämlich beim erstemal anhören sofort denken...Danke! Ich möchte allerdings betonen, dass ich musikalisch absolut keine Ähnlichkeiten zwischen "Tillt" und "Starsailor" sehe. Es ging nur um meine persönliche Reaktion beim ersten Hören des Albums. Hast Du 35€ für das deutsche oder das US-Original bezahlt?
Hmm... ich muss zugeben, dass ich in bezug auf Tim Buckley ziemlich uninformiert bin. Der Mann ist damals an mir vorbei gegangen. Und bisher hab ich es noch nicht geschafft, nähere Bekanntschaft mit ihm und seiner Musik zu schließen. Sicher, ich kenne das eine oder andere. Aber ich besitze nicht eine seiner LPs. Vielleicht nehme ich Dein Review zum Anlass, da mal was nachzuholen.
@Kramer: Das US - Original, der Zustand war Ex/Ex. Welchen Unterschied gibt es zwischen den 2 Versionen?
Zu "Tilt". Musikalisch sehe ich auch wenig Gemeinsamkeiten, aber von Feeling her gibt es für mich sehr viel Ähnlichkeit. "Tilt" ist meine Lieblingsplatte von Scott Walker. Bei Tim Buckley favoritisiere ich "Happy/sad"
Napoleon Dynamite
16.03.2006, 15:05
Zu "Tilt". Musikalisch sehe ich auch wenig Gemeinsamkeiten, aber von Feeling her gibt es für mich sehr viel Ähnlichkeit. "Starsailor" würde ich jeder Zeit den Vorzug geben. Danke an kramer für das Review.
Da schließe ich mich an, schöne Idee für einen Thread, das Tracklisting finde ich gut.
"Starsailor" würde ich jeder Zeit den Vorzug geben.Ich dachte imme, dass "Tilt" zu Deinen ewigen Favoriten gehört. Ist "Tilt" gesunken, oder "Starsailor" aufgestiegen?
Napoleon Dynamite
16.03.2006, 21:14
Zweiteres. Den Anspruch an sich selbst löst "Starsailor" meiner Meinung nach mehr ein als "Tilt".
Sehr schöner Thread und meine Kaufliste wird größer und größer..
THE DOORS - "Strange Days" (Elektra, 1967)
http://www.yonkitime.de/strange.jpg
A
Strange Days
You're Lost Little Girl
Love Me Two Times
Unhappy Girl
Horse Latitudes
Moonlight Drive
B
People Are Strange
My Eyes Have Seen You
I Can't See Your Face In My Mind
When The Music's Over
"Strange Days", das zweite Album der Doors in weniger als einem Jahr, verschwindet leider fast immer im überlebensgroßen Schatten des Debuts, das in fast allen Listen als das beste Album der Doors geführt wird. Sicher, auf "The Doors" findet sich mit Light My Fire der ultimative Hit der Band, das viel diskutierte ödipale Drama "The End", die erste Single "Break On Through" (die selbst in den USA floppte) und der "Alabama Song", der Elektra Boss Jac Holzman angeblich dazu brachte, die Band überhaupt unter Vertrag zu nehmen. ("Sie waren nicht besonders gut, aber sie hatten etwas, das mich dazu veranlasste, Ihnen eine Chance zu geben", so Holzman in einem Interview), aber "Strange Days" ist geschlossener und funktioniert als Album besser als das Debut, das mit zahlreichen Songs, die im Laufe der Jahre zu den ultimativen Doors-Klassikern wurden, beinahe wie eine Greatest Hits-Sammlung mit großen Songs ohne innere Geschlossenheit anmutet. "Strange Days" vermittelt als einziges Doors-Album den Eindruck einer sowohl musikalisch als auch thematischen Einheit. Das Wort Konzeptalbum ist hier sicherlich fehl am Platze, aber selbst die Covergestaltung spiegelt die Stimmung und Grundlegenden Thematik des Albums perfekt wieder und die Experimentierfreude, gepaart mit den neuen Möglichkeiten der Studiotechnik, machen "Strange Days" zum aufrgendsten Album der Doors, die während der Sessions zu diesem Album offensichtlich noch nicht mit den späteren Komplikationen innerhalb der Band und ihrer Wirkung in der Öffentlichkeit zu kämpfen hatten.
Ein Grund für die Qualität von "Strange Days" mag auch die Tatsache sein, dass die Doors hier letzmalig ausschließlich auf bereits existierendes und erprobtes Songmaterial zurückgreifen konnten und man nicht in die Bedrängnis kam, Songs im Studio schreiben zu müssen, was bei späteren Alben zu deutlichen Schwachpunkten und im Falle von "Waiting For The Sun" zu zermürbend langen Aufnahmesessions führte. Fast alle Songs auf Strange Days stammen aus den Jahren 1965 bis 1966, mit der Ausnahme von "Horse Latitudes", das Jim Morrison angeblich bereits 1959 oder 1960 verfasste und "When The Music´s Over", dessen Grunstruktur zwar bereits 1965 entstand, aber erst in langen Clubnächten während Engagements im "London Fog" und im "Whiskey A Go Go" ausgearbeitet wurde. Der gelegentliche Vorwurf, dass die Doors hier bewusst einfach die Erfolgsformel von "The End" kopiert hätten, ist also unbegründet.
Wenn Oasis meine zweite "persönliche musikalische Revolution" darstellten, so waren die Doors die Erste. Ich lernte die Band erst 1991 kennen, als Oliver Stones unsägliche Filmbiographie "The Doors" in die Kinos kam. Zu diesem Zeotpunkt kannte ich weder "Light My Fire", noch hatte ich jemals zuvor von diesem angeblich so legendären Jim Morrison gehört. Ich kann also behaupten, dass ich nicht durch den nervigen Morrison-Kult und irgendwelchen Lizard King-Quatsch beeinflusst wurde, als mir eine sehr geschätzte Klassenkameradin ein Tape mit Doors Songs aufnahm. Ich weiss noch genau, dass die ersten Songs des Tapes "Riders On The Storm", "Light My Fire" und "Break On Through" waren und was ich da vernahm, liess meine pubertierende Kinnlade herunterklappen und nach Luft schnappen. Ich bin noch immer davon überzeugt, dass man in keinem anderen Alter so empfänglich für die Doors und Morrison ist, wie in der Pubertät. So etwas düsteres, beeindruckendes und bisweilen schräges (diese Jahrmarktsorgel!) hatte ich zuvor noch nie gehört. Vieles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt kennengelernt hatte, erschien mir plötzlich wie triviale Kindermusik. Innerhalb kürzester Zeit fing ich an, mir jede erhältliche Doors-Aufnahme zu kaufen. Doch damit nicht genug! Originalpressungen aus so vielen Ländern wie möglich mussten her! Auch hier war der positive Nebeneffekt, dass ich einige andere zeitgenössiche L.A.-Bands und Labelmates durch die Doors kennenlernte: Tim Buckley, Love, The Stooges, Clear Light, The Buffalo Springfield, The Byrds, etc. Heute spielen die Doors für mich keine so wichtige Rolle mehr wie sie es damals taten und ich habe den größten Teil meine zeitweise beträchtlichen Sammlung wieder verkauft, aber 2-3 mal im Jahr lege ich "Strange Days" noch immer auf.
Noch ein Wort zu den verschiedenen deutschen Pressungen dieses Albums, die immer wieder Verwirrung hervorrufen: "Strange Days" war das erste Doors-Album, das zusammen mit den ersten drei Singles in Deutschland auf dem Label Hit-Ton erschien. Erst als der Vertrieb 1968 zu Metronome wechselte, wurde das Debut veröffentlicht und "Strange Days" zeitgleich auf dem allseits bekannten goldenen Elektra-Label nachgepresst. Ebenso übrigens die Single "Light My Fire, die nochmals mit anderem Cover auf Metronome erschien. Die Hit-Ton Pressung von "Strange Days" ist inzwischen äusserst selten, da sie weniger als ein Jahr auf dem Markt war.
Mein bisheriges Ranking:
01. Neil Young - On The Beach
02. Tim Buckley - Starsailor
03. The Doors - Strange Days
[...] Ich bin noch immer davon überzeugt, dass man in keinem anderen Alter so empfänglich für die Doors und Morrison ist, wie in der Pubertät. [...]
Zustimmung! Schöner Text, kann ich voll unterschreiben, auch wenn meine Doors-Pubertät etwa 8 Jahre vorher stattfand. Im Nachhinein ist mir L.A. Woman heute die liebste (von den Doors), aber was Du über die Einheitlichkeit des Albums schreibst, sehe ich auch so.
Schön beschrieben, kramer. Das mit der Pubertät kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Auch wenn die Doors und Jim Morrison damals für mich nicht diese zentrale Rolle spielten, beeindruckt war ich schon. Strange Days und das Debüt kaufte ich in etwa zeitgleich - aber auch erst in den frühen Siebzigern. Allerdings kannte ich ein Großteil der Tracks schon da schon von Tapes und aus dem Radio. Mein Album Favorit bei den Doors war und bleibt die erste LP. Aber Strange Days folgt relativ dicht auf, weit vor Waiting For The Sun, L.A. Woman und Morrison Hotel.
Sehr schöne Rezension. Für mich waren die doors einmal sehr wichtig. Mit der Zeit verloren sie etwas von ihren Glanz. Trotzdem höre ich sie immer noch gerne. "Strange days" ist für mich ihre 2. beste Scheibe.
Meine Rangliste würde so aussehen:
1. Starsailor *****
2. On the beach ****1/2
3. Strange days ****172
Prodigal Son
10.04.2006, 14:39
Habe die Doors wahrscheinlich auch während der Pubertät das erste Mal wahrgenommen und sofort konsequent verweigert. Gleichaltrige Damen machten mir das mit ihrem Jim Morrison Kult auch nicht gerade schwer.
Habe Deine Beschreibung aber sehr gern gelesen und bin immer noch bereit, "Break On Through" als einen gelungenen Song zu betrachten. Ansonsten hoffe ich, daß die Doors die Schlußlichter Deiner Tabelle bleiben ;-)
Dick Laurent
10.04.2006, 14:43
Habe die Doors wahrscheinlich auch während der Pubertät das erste Mal wahrgenommen und sofort konsequent verweigert. Gleichaltrige Damen machten mir das mit ihrem Jim Morrison Kult auch nicht gerade schwer.
Habe Deine Beschreibung aber sehr gern gelesen und bin immer noch bereit, "Break On Through" als einen gelungenen Song zu betrachten. Ansonsten hoffe ich, daß die Doors die Schlußlichter Deiner Tabelle bleiben ;-)
du bist ich??
Prodigal Son
10.04.2006, 14:46
du bist ich??
Bei den Doors sehr wahrscheinlich!!
Ich bin froh ja froh, daß ich auf die Doors nicht über Oliver Stones Film gekommen bin, sondern ähnlich wie Latho 7-8 Jahre vorher über einen Klassenkameraden, der mir eine Best of auslieh. Mich hat diese Fremdartigkeit in der Musik damals auch umgehauen. "Break on through" verleiht mir immer noch eine Gänsehaut.
Jim Morrison als Figur hat mich total fasziniert. Seine Ausstrahlung, selbst als bärtiger übergewichtiger Säufer, war schon unglaublich.
Gibt es hier eigentlich jemanden, der das Doors Konzert 1968 direkt vor dem Frankfurter Römer miterlebt hat?
Gibt es hier eigentlich jemanden, der das Doors Konzert 1968 direkt vor dem Frankfurter Römer miterlebt hat?Das war ja kein Konzert, sondern nur eine Playback Aufnahme für "4-3-2-1 Hot And Sweet" mit Ilja Richter.
Ansonsten hoffe ich, daß die Doors die Schlußlichter Deiner Tabelle bleiben ;-)Wenn Du Dir meine Top 100 anschaust, kannst Du Dir ja in etwa denken, wo sie auch hier rangieren werden.
Wischmop
10.04.2006, 15:34
Halte "Strange Days" (****) für eine leicht schwächere Kopie des Debütalbums (****1/2), trotzdem mit Abstand meine zweitliebste Doors-Platte. Hat für mich ausserdem einen leichten Durchhänger zwischen Unhappy Girl und Moonlight Drive (3 eher mittelmäßige Songs hintereinander), den "The Doors" nicht hat, das Cover ist dagegen einmalig und großartig.
Das war ja kein Konzert, sondern nur eine Playback Aufnahme für "4-3-2-1 Hot And Sweet" mit Ilja Richter.
Echt? Das wußte ich nicht. Deshalb stehen da auch nur ein paar Männchen als Zuschauer rum. Obwohl damals hätte die wahrscheinlich auch so keiner erkannt. Ich schreite ja öfter über den Römerberg und denke ab und zu dabei: Wow! Hier stand schon Jim Morrison. :lol:
uncle meat
10.04.2006, 16:14
@Kramer
Sehr schöne Plattenbesprechung , das lesen hat wirklich Spass gemacht.
Auch deine Bemerkung zur Pubertät könnte was haben , ich hab sie wohl Ende der 60er das erste mal gehört , da hatte ich meine Pubertät bereits überwunden und ich kann mich noch genau erinnern , dass mein erster Eindruck eher "peinlich theatralisch" war, diese Vorurteil hat sich bei mir bis heute gehalten.
Da ich eher LPs und weniger Singles höre und kenne, zieht mich dieser Thread mehr an. Deine Beschreibungen zu den Doors kann ich sehr gut nachvollziehen, auch mich hatte Jim Morrison in jungen Jahren sehr beeindruckt. Sein Brechen von Tabus, das Ausloten und Überschreiten von Grenzen fasziniert Jugendliche fast logischerweise. Das Debuetalbum der Doors halte ich für ihr Bestes. Prima Arbeit!
THE SMITHS - "The Queen Is Dead" (Rough Trade, 1986)
http://www.yonkitime.de/smiths.jpeg
The Queen Is Dead
Frankly, Mr. Shankly
I Know It's Over
Never Had No One Ever
Cemetry Gates
Bigmouth Strikes Again
The Boy With The Thorn In His Side
Vicar In A Tutu
There Is A Light That Never Goes Out
Some Girks Are Bigger Than Others
Wie schon an anderer Stelle erwähnt: die Tatsache, dass ich die Smiths überhaupt kennengelernt habe, verdanke ich Oasis, beziehungsweise Noel Gallagher, der Morrissey einst als "the best fuckin' lyricist in the world" bezeichnete. So, oder so ähnlich zumindest. Für mich damals Grund genug, sich einmal mit dieser Band und diesem merkwürdigen Morrissey zu beschäftigen. Die unsägliche "The Smiths - Best... 1" Compilation hatte mich schnell in den Bann dieser Band gezogen und mit "The Queen Is Dead" hatten sie mich schliesslich restlos überzeugt. Damals war ich noch überzeugter Doors-Fan und 60s-Snob, aber die Smiths eröffneten mir ganz andere Dimensionen - hier erschien mir alles viel ernsthafter, komischer, tragischer, intelligenter und wichtiger. Viele der Lyrics verstand ich zwar nicht einmal ansatzweise, aber ich wusste instinktiv, dass so unsterbliche Zeilen wie "Punctured bicycle / On a hillside desolate / Will nature make a man of me yet?" weltbewegende Botschaften vermittelten. Ich fühlte mich plötzlich nicht mehr als follower, als Anhänger einer Band, sondern als unmittelbar beteiligt, involviert und animiert, den zahlreichen Anspielungen auf Bücher, Personen und Filmen in Morrisseys Lyrics auf den Grund zu gehen.
"The Queen Is Dead", benannt nach einer Passage aus "Last Exit Brooklyn" (der Titel wurde hier allerdings in einen anderen Kontext gesetzt), offeriert eine ganze Reihe neuer Blickwinkel auf das Smiths-Universum und präsentiert die Band in einer bis zu jenem Zeitpunkt nicht gekannten Vielseitigkeit. Von Morrisseys "Take Me Back To Dear Old Blighty"-Adaption im Titeltrack über Marrs offensichtliche MC5 und Velvet Underground-Inspirationen, der Komik von "Frankly Mr. Shankly" (ein deutlicher Angriff auf Rough Trade-Supremo Geoff Travis), über den, in Sprache und Stil bewusst überkandidelt und antiquiert anmutenden Text von "There Is A Light That Never Goes Out", bis zur Absurdität von "Some Girls Are Bigger Than Others" (einem Song, der entgegen zahlreicher Behauptungen, nicht auf einem Film der "Carry On"-Reihe basiert). Auch der Umgang mit der ungeliebten Queen und der Monarchie im Allgemeinen fällt (für Morrissey-Verhältnisse) überraschend zahm und komisch aus: Die Queen, die Morrissey bei seinem Einbruch in den Palast aufgrund seines Gesanges kritisiert und ihm gar die selbstkritischen Zeilen "that's nothing - you should hear me play piano" entlockt und Charles, der in der Daily Mail mit dem Brautschleier seiner Mutter erscheint. Fast zahme Zeilen, erst recht, wenn man an spätere, viel diskutierte und missverstandene Songs wie "The National Front Disco", "Bengali In Platforms", Sorrow Will Come In The End" oder gar "Margaret On The Guillotine" denkt (übrigens auch der Arbeitstitel für "The Queen Is Dead"). Ein Song, der Morrissey eine Menge Ärger und eine Hausdurchsuchung einbrachte. Trotz allem Witz liegt natürlichen vielen komisch erscheinenden Lyrics oft eine zutiefst ernste Ideen oder Begebenheite zugrunde, die in den verschiedensten Facetten thematisiert wird.
"The Queen Is Dead" ist für mich ohne jeden Zweifel das vielseitigste und zugleich stimmigste Smiths-Album. Das Debut ist zwar auch hervorragend, leidet, trotz umwerfender Songs, aber ein wenig unter der recht einseitigen Produktion.
01. Neil Young - On The Beach *****
02. The Smiths - The Queen Is Dead *****
03. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
04. The Doors - Strange Days ****
.... Die unsägliche "The Smiths - Best... 1" Compilation hatte mich schnell in den Bann dieser Band gezogen und mit "The Queen Is Dead" hatten sie mich schliesslich restlos überzeugt. ....
Schöne Kritik von Dir, aber so unsäglich kann die Best...1 nicht gewesen sein. ;-)
Was heißt eigentlich unsäglich? :-)
Schöne Kritik von Dir, aber so unsäglich kann die Best...1 nicht gewesen sein. ;-)
Was heißt eigentlich unsäglich? :-)Unsäglich, weil die Zusammenstellung komisch ist und ich glaube, Morrissey war auch nicht von dem Cover begeistert, das den alten Smiths-Stil kopiert. (Übrigens ein Dennis Hopper Foto).
Unsäglich, weil die Zusammenstellung komisch ist und ich glaube, Morrissey war auch nicht von dem Cover begeistert, das den alten Smiths-Stil kopiert. (Übrigens ein Dennis Hopper Foto).
OK, für Morrissey unsäglich, für Dich ja wohl weniger damals.
The Smiths sind für mich immer noch eine Singles Band. Will sagen, ich besitze nur Singles von ihnen. Das kann - das wird sich womöglich bald ändern. Jedenfalls nehme ich Deine Ausführungen zu "The Queen Is Dead" interessiert und zunächst relativ verständnislos (weil uneingeweiht) zur Kenntnis.
Jedenfalls nehme ich Deine Ausführungen zu "The Queen Is Dead" interessiert und zunächst relativ verständnislos (weil uneingeweiht) zur Kenntnis.So habe ich das noch nicht gesehen, aber Du hast Recht - Wer das Album nicht kennt, kann mit dem Text wahrscheinlich nicht so viel anfangen. Eigentlich nicht der Sinn dieses Threads...
Schöne Kritik und die erste Platte aus deiner Reihe, die ich bereits kenne. (Die Neil Young Platte habe ich jetzt allerdings nachgekauft.) Ich finde deine Besprechungen auch bei den anderen Platten, die ich nicht kenne, spannend und aussagekräftig.
Dass die tote Queen besser ist als das Debüt, stimmt sicherlich, wenn auch knapp und da das Debüt meine erste Smiths Platte war, fällt es mir etwas schwer, das zuzugeben..
DONALD FAGEN - "The Nightfly" (Warner Bros., 1982)
http://www.yonkitime.de/fagen.jpg
I.G.Y.
Green Flower Street
Ruby Baby
Maxine
New Frontier
The Nightfly
The Goodbye Look
Walk Between Raindrops
Ein Album, zu dem ich eigentlich aus reinem Zufall schon in sehr jungen Jahren kam. Ich war etwa 12 Jahre alt, als ich mir ein musikjournalistisches Meisterwerk mit dem Titel "Die besten LP's aller Zeiten" zulegte. Wie gesagt, ich war noch sehr jung und so wusste ich mit dem Namen des Herausgebers, Frank Laufenberg, nicht viel anzufangen. Ich erinnerte mich lediglich daran, dass ich ihn bereits früher als Moderator des WWF-Clubs im WDR erlebt hatte. (Der Mann hat in besagtem Werk übrigens tatsächlich Elvis Presley - "Golden Records Vol. 1-4" in seinen Top 10. Pah!). Erst später sollte ich mich über eine ganze Reihe seiner Bücher noch maßlos ärgern. In diesem Buch jedenfalls, wurden von Laufenberg und einer Jury bestehend aus Musikjournalisten, Radiomoderatoren, etc. eine Liste der "15 Super-Langspielplatten" erstellt, in der sich neben den Beatles, Stevie Wonder, Dire Straits, Billy Joel, Pink Floyd, The Rolling Stones und den Eagles eben auch Donald Fagen wiederfand. Nicht nur, dass mir der Name Donald Fagen absolut gar nichts sagte - ich konnte auch mit dem Namen Steely Dan nicht wirklich etwas anfangen. Mein Interesse war dennoch, oder gerade deswgen geweckt - besonders durch die Abbildung des Covers. Dem Foto nach zu urteilen musste Donald Fagen der coolste Typ des Planeten sein. Keine ganz falschen Rückschlüsse meinerseits im Hinblick auf die Person also. Wohl aber was die Musik betraf, denn hier klärte mich der begleitende Text nur ungenügend auf, da lediglich Vergleiche mit Steely Dan angestellt wurden, die mir natürlich nicht weiterhalfen. Bei dem Cover aber dachte ich an die 50er Jahre und war mir sicher, dass dieser Typ irgendwas in Richtung Rock'n'Roll machen musste. Ganz klare Sache: Ich musste diese Platte von Donald Fagen haben!
Mein erster Eindruck beim Hören des Albums war zwiespältig: zum einen verabscheute ich die klinische, fast kalte Produktion, zum anderen faszinierte mich die Perfektion der Musik. Die Thematik des Albums, die ja auch das von mir vollkommen falsch gedeutete Cover erklärt, habe ich damals natürlich nicht einmal ansatzweise erfasst. Auch wenn ich "The Nightfly" damals sicher nicht verstanden habe, so merkte ich instinktiv, dass es sich hierbei um ein besonderes Werk handelt. In der Tat begleitet mich die Platte seit fast 18 Jahren und ich entdecke sie immer wieder aufs neue und habe das Gefühl, dass sie weiterhin wächst. Ähnlich geht es mir, wenn auch auf eine andere Art und Weise bei Alben wie "Tonight's The Night", "Marquee Moon" oder "Tilt". Noch heute fasziniert es mich, wie Fagen es mit den Mitteln der 80er schafft, ein teilweise sentimentales Bild der 50er zu zeichnen, ohne dass die Produktion der Platte heute veraltet oder unpassend wirkt.
[...] Wie gesagt, ich war noch sehr jung und so wusste ich mit dem Namen des Herausgebers, Frank Laufenberg, nicht viel anzufangen und erinnerte mich lediglich daran, dass ich ihn bereits früher als Moderator des WWF-Clubs im WDR erlebt hatte. [...]
http://lth.gmxhome.de/Smilies/Smile.gif
Ich war nicht mehr jung, es erging mir ähnlich.
Mein bisheriges Ranking:
01. Neil Young - On The Beach
02. Tim Buckley - Starsailor
03. Donald Fagen - The Nightfly
04. The Doors - Strange Days
Laufenberg ist einer der großen Dumpfbacken des dt. Musikjournalismus. Darf man das ungestraft sagen? Aber er ist auch nur Spiegel der unsäglich würdelosen dt. Pop-Rezeption/Kritik gewesen. Zumindest jener vor mehr als 30 Jahren. Dass er danach nicht den Mund gehalten hat, dafür hat er die Dumpfbacke verdient.
Danke für deinen Text, kramer.
Laufenberg ist einer der großen Dumpfbacken des dt. Musikjournalismus. Darf man das ungestraft sagen? Aber er ist auch nur Spiegel der unsäglich würdelosen dt. Pop-Rezeption/Kritik gewesen.
Darf man, aber der nächste Satz stimmt doch schon nicht mehr. Vor 30 Jahren gab es bereits Sounds mit sehr guten Schreibern.
Laufenberg ist einer der großen Dumpfbacken des dt. Musikjournalismus. Darf man das ungestraft sagen? Aber er ist auch nur Spiegel der unsäglich würdelosen dt. Pop-Rezeption/Kritik gewesen. Zumindest jener vor mehr als 30 Jahren. Dass er danach nicht den Mund gehalten hat, dafür hat er die Dumpfbacke verdient.Darn right, otis. Danke für diesen treffenden Kommentar. Erschreckend, dass er auch heute noch seine Nase als angeblicher Musikexperte in die Kamera halten darf.
Darf man, aber der nächste Satz stimmt doch schon nicht mehr. Vor 30 Jahren gab es bereits Sounds mit sehr guten Schreibern.
Da waren zu der Zeit auch einige verdammt lausige BOFs darunter. Und Laufenberg hatte ich großzügig noch einige Jahre Lernzeit zugestanden.
Laufenberg wurde nur übertroffen von Sexauer und Heck!
Habe die Sterne ganz vergessen:
01. Neil Young - On The Beach *****
02. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
03. Donald Fagen - The Nightfly ****
04. The Doors - Strange Days ****
Mistadobalina
08.07.2006, 00:11
Da waren zu der Zeit auch einige verdammt lausige BOFs darunter. Und Laufenberg hatte ich großzügig noch einige Jahre Lernzeit zugestanden.
Laufenberg wurde nur übertroffen von Sexauer und Heck!
Na ja, die BOFs haben aber schon ihren Stellenwert. Gerade in der Abgrenzung zu Laufenberg-Typen.
Mistadobalina
08.07.2006, 00:12
Wollte jetzt aber nicht OT werden: Wieder ein sehr schöner Text, Kramer!
Da waren zu der Zeit auch einige verdammt lausige BOFs darunter. Und Laufenberg hatte ich großzügig noch einige Jahre Lernzeit zugestanden.
Laufenberg wurde nur übertroffen von Sexauer und Heck!
Uff, in eine Reihe gestellt mit den absoluten Feindbildern. Für die Dumpfbacke hast Du von mir auf jeden Fall grünes Licht. Laufernberg ist ja auch als Autor , soll ich sagen: schuldig geworden? Ich hatte mal sein Rock- und Poplexikon, das fand ich schon vor Jahrzehnten (also ohne größere Ahnung) gnadenlos schlecht. Jetzt beschränkt er sich drauf Ansagen zu "Ohne Filter".
@kramer:
Schöner Text. Könntest Du kurz etwas zur musikalischen Abgrenzung (wenn vorhanden) zu Steely Dan (die ich im Gegensatz zu Fagans Solo-Werk kenne) sagen?
Wischmop
08.07.2006, 09:34
Habe die Sterne ganz vergessen:
01. Neil Young - On The Beach *****
02. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
03. Donald Fagen - The Nightfly ****
04. The Doors - Strange Days ****Hast Du vielleicht auch "The Queen Is Dead" vergessen? Oder warum ist die Platte hier und aus deinem letzten Ranking wieder verschwunden?
Hast Du vielleicht auch "The Queen Is Dead" vergessen? Oder warum ist die Platte hier und aus deinem letzten Ranking wieder verschwunden?Ja, habe ich vergessen:
01. Neil Young - On The Beach *****
02. The Smiths - The Queen Is Dead *****
03. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
04. Donald Fagen - The Nightfly ****
05. The Doors - Strange Days ****
Schöner Text kramer. Besonders dein letzter Satz
Noch heute fasziniert es mich, wie Fagen es mit den Mitteln der 80er schafft, ein teilweise sentimentales Bild der 50er zu zeichnen, ohne dass die Produktion der Platte heute veraltet oder unpassend wirkt. beschreibt die Wirkung, welche die Platte auch auf mich hat.
Zu Laufenberg & Co. ist alles gesagt, ganz in meinem Sinne.
Dein Text zu The Nightfly hat mich neugierig gemacht, kramer. Werde die Platte daraufhin mal anhören. Alles was ich bislang aus dieser Ecke kenne, hat mich nicht so sehr angesprochen. Ich kenne aber auch relativ wenig. Eigentlich nur einige Steely Dan Platten. Und die finde ich zwar ganz ok, aber sie begeistern mich nicht.
TELEVISION - "Marquee Moon" (Elektra, 1977)
http://www.yonkitime.de/marquee.jpg
See No Evil
Venus
Friction
Marquee Moon
Elevation
Guiding Light
Prove It
Torn Curtain
"I concur thus.
Sometimes it takes but one record - one cocksure magical statement - to cold cock all the crapola and all-purpose wheatchaff mix'n'match, to set the whole schmear straight and get the current state of play down, down, down, to stand or fall in one dignified granite-hard focus."
Nick Kent, New Musical Express 1977
"Marquee Moon" ist für mich das größte Album aller Zeiten, das beste seit der Entdeckung des Feuers und der Erfindung des Milchpulvers. Mindestens. Es gibt kein anderes Album, das mich bei jedem weiteren Hören auch nur ansatzweise so fasziniert und berührt wie "Marquee Moon" - und es gibt immer wieder Tage, an denen ich stundenlang nur diese eine Platte höre.
Mein Weg zu Verlaine & Co. war allerdings steinig und lang. Ein Freund, der mich damals auch mit "Horses" von Patti Smith bekannt machte, stellte mir auch Television und eben "Marquee Moon" vor. Ich war weder begeistert noch beeindruckt und empfand die Platte höchstens als brauchbar. Netter Gitarrenrock mit Hang zum Pathos, so urteilte ich vorschnell und vollkommen ahnungslos. Was Leute wie Nick Kent bei Erscheinen der Platte zu derartigen Begeisterungsstürmen, wie dem oben zitierten verführt hatte, blieb mir zunächst völlig verborgen. Ich vergaß Television zunächst wieder und entdeckte sie erst wieder, als ich mich Jahre später intensiver mit der New Yorker Szene der späten Siebziger Jahre beschäftigte. Auf einmal kam ich über die Ramones, Blondie, Talking Heads und die New York Dolls zwangsläufig wieder auf Television zurück und hatte das, was man als ein Damaskus-Erlebnis bezeichnen könnte: Ich begriff plötzlich die Genialität dieser Musik und entdeckte in ihr eine unglaubliche Emotionalität, die mir vorher verborgen geblieben war. Alles an "Marquee Moon" erscheint mir inzwischen merkwürdig vertraut und doch nicht greifbar, das Album erzeugt vertraute Bilder und Emotionen, die unabhängig von Ort und Zeit sind.
Punk oder nicht Punk? Prog oder Rock? Wenn es um Marquee Moon geht, dann ist es an der Zeit sich vom klassichen Schubladendenken zu verabschieden. Dieses Album führt alle Spekulationen ad absurdum und erscheint bisweilen wie ein einziger, großartiger Widerspruch. "To call it Punk is rather like describing Dostojewski as a short story writer", so Nick Kent in seinem NME Review zum Erscheinen des Albums. Natürlich hat er zumindest zum Teil Recht - "Marquee Moon" ist weder minimalistisch noch naiv oder unkontrolliert, aber unvorhersehbar, fremdartig, kompromißlos und radikal. In Sachen Einstellung und Herangehensweise also ganz sicher Punk im besten Sinne. Selbst der gerne zitierte Velvet Underground-Vergleich hinkt, denn im Vergleich zu den Velvets bilden Verlaine, Lloyd, Smith und Ficca eine leidenschaftliche Einheit, die die Musikalischen Fähigkeiten und Meriten der Velvet Underground schnell verblassen lassen. Die Musik ist also alles andere als Punk (was auch immer das sein mag), denn sie führt in keine musikalische Sackgasse, sondern kombiniert das Beste aus den über die Jahre sorgsam angelegten Stilschubladen. Die Energie, Konsequenz und Direktheit des Punk gepaart mit Intelligenz und wahrer musikalischer Finesse ohne die übelriechende Attitüde und Selbstverliebtheit von Bands wie Led Zeppelin oder Emerson, Lake and Palmer. Auch wenn Verlaine und Lloyd auf dem Sleeve sorgsam auflisten, wer für welches Solo verantwortlich ist, so ist die Band von jeglichem Rockstar-Gepose weit entfernt. Hier geht es nicht darum, sich als Gitarrenheld in den Vordergrund zu spielen, denn die Soli dienen auf diesem Album einzig und allein den Songs und nicht dem Ego ihres jeweilgen Schöpfers. Perfekt auch der Zeitpunkt der Aufnahmsessions, denn bei den Songs auf "Marquee Moon" handelt es sich ausnahmslos um Stücke, die die Band in zahlreichen Nächten im New Yorker CBGBs gespielt und perfektioniert hatte, so dass man bedenklos die energiegeladenen first-takes in Vinyl pressen konnte. Ein Album, das jeden begeistern kann - unabhängig von musikalischen Vorlieben oder Interessen. "Marquee Moon ist die Essenz von allem, was geniale Musik ausmacht. Label wie Punk, Prog oder Avantgarde sind da völlig bedeutungslos und armselig. The best record ever.
Toller Text über eine tolle Platte!
Napoleon Dynamite
15.07.2006, 21:27
Das ging ja schnell. Kaum, daß die Tür zufiel, an die Schreibmaschine gesetzt? Definitely cool. Großartiger Text in wahren, deutlichen Worten!
Toller Text über eine tolle Platte!Danke!
Überraschenderweise gibt es eine neue Nummer eins:
01. Television - Marquee Moon *****
02. Neil Young - On The Beach *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
05. Donald Fagen - The Nightfly ****
06. The Doors - Strange Days ****
Das ging ja schnell. Kaum, daß die Tür zufiel, an die Schreibmaschine gesetzt?Genau. Der nervöse Drang schnellstens etwas zu dieser Platte zu schreiben war mir doch sicherlich schon anzumerken, oder?
Hat and beard
15.07.2006, 21:50
Klasse, kramer. Dass "Marquee Moon" die Velvets in den Schatten stellt, halte ich allerdings für ein Gerücht.
Habe die Platte eben mal wieder in den "Hören!"-Stapel gestellt, dürfte also Ende kommender Woche dran sein.
Wann wirst Du hier die ersten Jazz-LPs würdigen?
Wann wirst Du hier die ersten Jazz-LPs würdigen?Erstmal nicht. Vielleicht nie, denn das können Leute wie atom oder Du viel besser.
Was die Behauptung im Bezug auf die Velvets betrifft, so bin ich jederzeit zu einer Diskussion bereit!
Was die Behauptung im Bezug auf die Velvets betrifft, so bin ich jederzeit zu einer Diskussion bereit!
Ich gebe Dir recht, vergleichen kann man beide Platten (ich meine erste VU) nicht - sie sind jeweils ihrer Zeit voraus, das haben sie gemeinsam.
... ohne die übelriechende Attitüde und Selbstverliebtheit von Arschgeigen wie Led Zeppelin oder Emerson, Lake and Palmer.
Stimmt, es ist nicht diese Attitüde, sondern eine andere. Es ist die coole Anti-Attitüde des Punk (oder der VU), gepaart mit einem gerüttelt Maß an Kunstbeflissenheit. Mir zwar auch sympathischer als LZ oder ELP, aber es bleibt eine Attitüde. Pop geht nicht ohne Posen. Und gerade Marquee Moon stellt eine Pose zur Schau, nämlich die (scheinbare) Verweigerung der Pose.
Napoleon Dynamite
15.07.2006, 22:42
@Ah Um:
Finde "Marquee Moon" hochgradig attitüden- und prätentionslos. Es gibt wenige Platten, die so sehr in sich versunken sind.
keksofen
15.07.2006, 23:01
Ich gebe Dir recht, vergleichen kann man beide Platten (ich meine erste VU) nicht - sie sind jeweils ihrer Zeit voraus, das haben sie gemeinsam.
Das trifft auf Marquee Moon meiner Meinung nach gar nicht zu.
Die passt genau in Ihre Zeit, spricht ja auch nicht gegen die Platte.
...Es ist die coole Anti-Attitüde des Punk (oder der VU), gepaart mit einem gerüttelt Maß an Kunstbeflissenheit. Und gerade Marquee Moon stellt eine Pose zur Schau, nämlich die (scheinbare) Verweigerung der Pose.Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Nichts an Marquee Moon ist Anti-Attitüde. Dieses Album reduziert lediglich alles, was vorher durch Pomp und Show erdrückt wurde auf die Essenz.
Danke!
Überraschenderweise gibt es eine neue Nummer eins:
01. Television - Marquee Moon *****
02. Neil Young - On The Beach *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
05. Donald Fagen - The Nightfly ****
06. The Doors - Strange Days ****
Nicht, dass mir Sterne sonderlich viel bdeuten würden, aber heißt das, es gibt nur 3 Fünf-Sterne-Platten für Dich? Oder rutschen die Plätze 4 bis 6 noch ziemlich ab?
Guter Text zu Marquee Moon.
@Napoleon Dynamite
Hattest Du mittlerweile auch Dein Damaskus-Erlebnis oder ist das nur eine wertneutrale Beschreibung?
Nicht, dass mir Sterne sonderlich viel bdeuten würden, aber heißt das, es gibt nur 3 Fünf-Sterne-Platten für Dich? Oder rutschen die Plätze 4 bis 6 noch ziemlich ab?Die Plätze 4 bis 6 werden noch deutlich abrutschen.
Ich bin gespannt auf ein erneutes Hören.
Der Vergleich mag albern klingen, aber möglicherweise passt er. In der Klassik habe ich ein gespanntes Verhältnis zu Brahms. Seine unglaubliche emotionale Tiefe und Spannung halte ich ungern aus, so intensiv ist das alles bei ihm, so vollkommen scheint es umgesetzt. Vielleicht ging es mir bei Television bislang ähnlich.
Wie gesagt, bin gespannt auf ein Wiederhören.
Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Nichts an Marquee Moon ist Anti-Attitüde. Dieses Album reduziert lediglich alles, was vorher durch Pomp und Show erdrückt wurde auf die Essenz.
Wenn ich die rohe Essenz suche, dann greife ich eher zu den Ramones oder zu John Lee Hooker. Bei Marquee Moon dagegen habe ich ständig irgendwie das Gefühl, das jemand ein Schild mit der Aufschrift "Achtung, Kunst!" hochhält.
Zum Beispiel: Ich habe heute meinen Avatar abgeschafft. Aus ganz ähnlichen Überlegungen: keine Selbstdarstellung, nichts soll ablenken usw. Aber das ist natürlich Unsinn. Es ist letztlich auch bloß eine Pose, vielleicht sogar eine besonders prätentiöse. Man entkommt den Posen einfach nicht.
Wenn man Posen sehen will, dann sieht man sie auch. Schon die Mona Lisa war eine Poserin vor dem Herrn. Ganz übles Hintergründigkeits-Posen, dass es einem schlecht wird. Und Leo ist auch noch drauf reingefallen.
Wenn ich die rohe Essenz suche, dann greife ich eher zu den Ramones oder zu John Lee Hooker. Bei Marquee Moon dagegen habe ich ständig irgendwie das Gefühl, das jemand ein Schild mit der Aufschrift "Achtung, Kunst!" hochhält.
Mit der reinen Essenz meinte ich nicht das Ursprüngliche, was Du hier, so vermute ich, mit John Lee Hooker meinst. Falls Du das so meinst, dann würde ich auch die Ramones nicht gelten lassen. Ich meinte vielmehr, dass es bei "Marquee Moon" eben keine Posen, keine Selbstdarstellung und kein Rockstargehabe gibt. Auch wenn die Musik verspielt und/oder komplex sein mag, so geht es hier nur um Musik in reinster Form. Alles was auf dieser Platte passiert, geschieht im Dienste der Songs. Das meinte ich mit reiner Essenz.
Zum Beispiel: Ich habe heute meinen Avatar abgeschafft. Aus ganz ähnlichen Überlegungen: keine Selbstdarstellung, nichts soll ablenken usw. Aber das ist natürlich Unsinn. Es ist letztlich auch bloß eine Pose, vielleicht sogar eine besonders prätentiöse. Man entkommt den Posen einfach nicht.Der Vergleich hinkt ein wenig, aber der Verdacht ist bei "Marquee Moon" sowieso unbegründet. Nochmal: Es gibt auf "Marquee Moon" keine Selbstarstellung und keine Posen. Das gibt es bei Led Zeppelin.
Mit der reinen Essenz meinte ich nicht das Ursprüngliche, was Du hier, so vermute ich, mit John Lee Hooker meinst. Falls Du das so meinst, dann würde ich auch die Ramones nicht gelten lassen. Ich meinte vielmehr, dass es bei "Marquee Moon" eben keine Posen, keine Selbstdarstellung und kein Rockstargehabe gibt. Auch wenn die Musik verspielt und/oder komplex sein mag, so geht es hier nur um Musik in reinster Form. Alles was auf dieser Platte passiert, geschieht im Dienste der Songs. Das meinte ich mit reiner Essenz.
Ja, so in die Richtung habe ich das schon verstanden. So wie Napo oben sagte: Die Platte sei in sich selbst versunken, ergo unprätentiös etc.
Ich kann das für einige der Gitarren-Parts nachvollziehen, aber keinesfalls für den Gesang.
Überhaupt: wenn man Musik sucht, die möglichst attitüdefrei ist und nur um ihrer selbst willen gemacht wird, sucht man bei Rockmusik im Allgemeinen recht vergeblich. Und das gilt auch und gerade für Punk/Wave. Das Marquee Moon da eine Ausnahme machen würde, kann ich so nicht empfinden. Ich würde da eher Jazz empfehlen.
Das trifft auf Marquee Moon meiner Meinung nach gar nicht zu.
Die passt genau in Ihre Zeit, spricht ja auch nicht gegen die Platte.
Ich muss mir beim Hören immer sagen, dass die Platte von 1977 ist. Sicherlich, im Nachhinein kann man verstehen, wie und warum die Platte zu ihrer Zeit und an ihrem Ort entstanden ist, für sich selber klingt sie - auch bewußt - weitab vom Mainstream, hat soviele neue Ideen. und eine ernsthafte Intensität, die ihresgleichen sucht.
Ansonsten: Posen vielleicht nicht, aber Attitüde sicherlich. Ohne die wäre doch der New Yorker Punk nicht möglich gewesen.
Wenn man Posen sehen will, dann sieht man sie auch. Schon die Mona Lisa war eine Poserin vor dem Herrn. Ganz übles Hintergründigkeits-Posen, dass es einem schlecht wird. Und Leo ist auch noch drauf reingefallen.
:sonne:
Ja, Mann, diese Posen verfolgen mich. Sie sind überall. Sie springen mich an aus meinem Kleiderschrank, meinem Nachttisch und aus meinem Backofen.;-)
und eine ernsthafte Intensität, die ihresgleichen sucht.
Ansonsten: Posen vielleicht nicht, aber Attitüde sicherlich. Ohne die wäre doch der New Yorker Punk nicht möglich gewesen.
Jawoll! (Vielleicht muss man tatsächlich zwischen Posen und Attitüde differenzieren.)
Und "Ernsthaftigkeit" halte ich auch für ein gutes Wort, um die Platte zu breschreiben.
Mistadobalina
16.07.2006, 01:26
Wobei mir noch nicht so klar ist, was Musik ohne Posen dieselbe um so viel besser macht. Und überhaupt: wie hört man Posen?
keksofen
16.07.2006, 01:41
Wobei mir noch nicht so klar ist, was Musik ohne Posen dieselbe um so viel besser macht. Und überhaupt: wie hört man Posen?
Rock'n Roll und Posen gehören doch zusammen, oder ?
Marc Bolan
David Bowie
Ramones
Sex Pistols
Motorhead
Elvis Presley
Kann man eine Endlosliste raus machen.
Langsam wird's off topic...
dagobert
16.07.2006, 03:51
...wenn auch kein uninteressanter. wie glaubwürdig muss eine band sein und wodurch wird sie es? aber, wie dem auch sei, der text zu "marquee moon" ist einer der besten, den ich hier gelesen habe. kompliment und danke, kramer. (habe sie mir gerade aufgelegt)
Hat and beard
16.07.2006, 09:44
Erstmal nicht. Vielleicht nie, denn das können Leute wie atom oder Du viel besser.
Oh, come on. Natürlich kannst Du das. Und bestimmt nicht schlechter als ich. Außerdem würde Deiner Liste ohne "My Favorite Things" etc. etwas fehlen.
Brillianter Text, kramer! Sehr interessante Diskussion, zu der ich im Moment nichts beitragen kann aus Zeitgründen. Muss auch die LP erstmal wieder hören.
Klasse Text zu "Marquee Moon", kramer. Aber was deine Aussage über Jazz LPs betrifft,
Erstmal nicht. Vielleicht nie, denn das können Leute wie atom oder Du viel besser.
würde ich mich sehr darüber freuen, auch über deine Jazz Faves zu lesen. Es geht ja schließlich um deine persönliche Sicht auf gewisse Platten.
"Writing about music is like dancing about architecture - it's a really stupid thing to want to do." (Elvis Costello)
So geht es mir im Bezug auf Jazz in der Tat. Natürlich werde ich mich nicht davor drücken, eines Tages auch meine Jazz-Faves zu besprechen, aber dazu brauche ich noch Zeit und viele Hördurchgänge. Es sollte ja auch Hand und Fuss haben, oder?
Stimmt, gerade im Jazz ist es häufig schwieriger eine ausgewogene Balance zwischen Facts und persönlichem Empfinden zu halten und dies zu verschriftlichen.
Schöne Texte und interessante Platten, aber manchmal vermisse ich hier etwas die Non-Klassiker. Alles ist so relevant.
Prodigal Son
16.07.2006, 12:15
Meine erste Berührung mit „Marquee Moon“ Mitte der 90er Jahre war diese: Eine Freundin gab mir das Album mit der Begründung: „Du hörst doch die Violent Femmes recht gern. Dann gefällt Dir das hier bestimmt auch“. Was sie damit meinte verstehe ich zwar bis heute nicht so ganz. Das ist aber egal, denn ich kam, wenn auch auf eigentümlichem Wege dazu, mir das Album anzuhören.
Es zog mich nicht sofort in den Bann, beim Titeltrack war ich beinahe froh, als er vorbei war. Auch die von mir innig geliebten Songs der zweiten Seite ließen mich zunächst relativ kalt. Bis auf „Torn Curtain“. Den Song fand ich auf Anhieb so großartig, daß ich ihn mehrere Male hintereinander laufen ließ. Und so tastete ich mich weiter vor. „Guiding Light“ wußte ebenfalls recht bald zu gefallen, die übrigen 6 Stücke erschlossen sich dann in kürzester Zeit.
Ich kann diese Platte nicht überschätzen – das kann wohl niemand. Daß sie damals zum richtigen Zeitpunkt erschien, ist kein Geheimnis, ihr Einfluß ist unbestritten. Die größte Magie liegt für mich ebenfalls darin, daß ich alle Songs mehrfach hören kann, ohne mich auch nur eine Sekunde zu langweilen. Ein musikalisches Zuhause.
Wobei mir noch nicht so klar ist, was Musik ohne Posen dieselbe um so viel besser macht. Und überhaupt: wie hört man Posen?
Es gibt auch akustische Posen, wenn du so willst. Vordergründige Mätzchen, die nur der Selbstdarstellung und nicht der Musik dienen. Zu hören zB typischerweise bei 80er-Jahre Gitarren-Helden, und zwar unabhängig von der Frisur.
Attitüde ist dagegen wohl schon etwas mehr als nur die Gesamtheit der Posen; eine "Haltung" eben. Aber auch die kann schon stören.
observer
16.07.2006, 12:39
Es zog mich nicht sofort in den Bann, beim Titeltrack war ich beinahe froh, als er vorbei war.
Ich war anfangs nur vom Titeltrack begeistert (den ich noch immer als das Herzstück des Albums sehe) und konnte mit dem Rest nichts anfangen. Das kam dann erst viel später.
Sehr schöner, beherzter Text, kramer.
Hat and beard
16.07.2006, 14:03
@ atom
Ich finde das Besprechen von Non-Jazz nicht unbedingt leichter.
@ kramer
Stammt der Satz nicht ursprünglich von Monk? Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich ihn das mal in einer Dokumentation sagen hören.
@ atom
Ich finde das Besprechen von Non-Jazz nicht unbedingt leichter.
In den meisten Fällen fällt es mir leichter über Non-Jazz auf einer persönlichen, Non-Faktischen Ebene zu schreiben
@ kramer
Stammt der Satz nicht ursprünglich von Monk? Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich ihn das mal in einer Dokumentation sagen hören.
Es gibt bestimmt ein Dutzend Künstler, denen dieser Satz zugesprochen wurde (John Cage, Frank Zappa, Burroughs, Elvis Costello, David Byrne, etc.)
Schöne Texte und interessante Platten, aber manchmal vermisse ich hier etwas die Non-Klassiker. Alles ist so relevant.Diese Art von Kritik irritiert mich ein wenig... Ich würde mich aber über einen weiteren LP-Thread sehr freuen - warum startest Du keinen mit den sogenannten Non-Klassikern? (Welche Platten z.B. meinst Du damit? Mich würden ein paar Titel interessieren). Natürlich bespreche ich nur Platten, die, in erster Linie für mich, relevant sind. Alles andere wäre ja schlimm.
Hast du eigentlich deine persönliche Top-50 Liste hier im Forum mal gepostet? Falls ja, wäre nett wenn du mir das mal verlinken könntest, interessiert mich. Grosses Lob übrigens für den 'Marquee Moon'-Text. Dieses Werk hat es verdient, dass sich Leute hinsetzen und genau überlegen wie diesem brillianten und nahezu unangreifbarem Tonträger mit entsprechenden Worten beizukommen ist.
Hier (http://www.rollingstone.de/forum/showpost.php?p=716457&postcount=1084) ist der Link. Hat sich inzwischen allerdings ein wenig geändert. Update folgt demnächst.
@kramer:
Mir ging es mit "Marquee Moon" beim ersten Hören ein wenig anders als dir. Ich habe die Platte aufgrund einer Rezension in der Sounds bei einem Freund gehört und war vom ersten Moment an so angetan, daß wir an diesem Abend keine andere Platte gehört haben. Direkt am nächsten Morgen bin ich in den nächsten Plattenladen, um mir die LP zu kaufen. Meine Faszination hat über die Jahre danach etwas abgenommen, bis ich sie mit dem Kauf der 4Men Ausgabe neu entfachen konnte.
@kramer: Alles klar, Danke! Liest sich ja ziemlich delikat die Liste. 'Ne Menge Jazz bei. Die 3. Oasis ist eine interessante Wahl, muss ich nochmal hören. Und auf deine Nr. 1 bin ich richtig neidisch, bei mir 'nur' Platz 3.
Diese Art von Kritik irritiert mich ein wenig... Ich würde mich aber über einen weiteren LP-Thread sehr freuen - warum startest Du keinen mit den sogenannten Non-Klassikern? (Welche Platten z.B. meinst Du damit? Mich würden ein paar Titel interessieren). Natürlich bespreche ich nur Platten, die, in erster Linie für mich, relevant sind. Alles andere wäre ja schlimm.
Wirkliche Kritik lag mir fern. Ich finde diese Threads generell begrüßenswert. Es gibt in letzter Zeit so selten detailierte Statements zu lesen, da stürze ich mich gerne hier und in die Replays anderer hinein. Alben zu benennen wäre sinnlos, denn persönlich wichtig und kein Klassikerstatus, dafür kämen ja bei jedem andere Platten in Frage. Vielleicht mache ich auch einmal einen eigenen Thread, allerdings habt ihr die Latte hier und in den Replays doch ziemlich hoch gehängt.. mal sehen. Also bitte nicht überbewerten.
BLONDIE - Blondie (Private Stock, 1977)
http://www.yonkitime.de/blondie.jpghttp://img9.imageshack.us/img9/2492/893me.jpg
X Offender
Little Girl Lies
In The Flesh
Look Good In Blue
In The Sun
A Shark In Jets Clothing
Man Overboard
Rip Her To Shreds
Rifle Range
Kung Fu Girls
The Attack Of The Giant Ants
"Blondie in the old days had been considered passable eye-candy, but as far as music was concerned, they were non-starters."
(Gary Valentine in "New York Rocker")
Es mag im Nachhinein, verwundern, aber als Blondie ca. 1974 die New Yorker Szene rund um das CBGBs betraten, galten sie als personae non gratae - zu viel Pop, zu wenig musikalisches Können und eine Sängerin die einfach ein wenig zu schön war. Oder wie David Byrne es durch die Blume sagte: "You could tell they had a voracious appetite for pop music - all different genres, and at the beginning they didn´t have the chops to pull it off". Debbie Harry, die vorher schon bei den "Stilettos", eine Band, an die sich niemand erinnert und bei "The Wind In The Willows", eine Band, deren einziges Album sich ausschliesslich wegen Debbie Harry noch ab und zu verkauft, ihr Glück versucht hatte und eine düster-verzweifelte Phase mit Alkohol und Heroin hinter sich hatte, hielt sich mit diversen Jobs über Wasser, die sie schliesslich als Kellnerin im Max´s Kansas City auch in die frühen Punk-Kreise von New York einführte. Die Anfangstage der Band müssen in der Tat deprimierend gewesen sein. Debbie Harry und Chris Stein (der übrigens auch bei einer Audition für Television vorgespielt hatte) verloren alle Gründungsmitglieder der Band innerhalb kürzester Zeit: Ihr ursprünglicher Drummer entschloss sich Medizin zu studieren, Ivan Kral lief zur Patti Smith Group über und Fred Smith, zu jener Zeit der versierteste Musiker der Band, wanderte zu Television ab. Erst als Jimmy Destri, Clem Burke und Gary Valentine bei Blondie einstiegen, schien sich das Blatt zum besseren zu wenden und diverse Photos von Debbie Harry in "Creem" und "Punk" schürten das Interesse an der "pop band with punk roots". Blondie bekamen schliesslich ihren ersten Plattenvertrag bei Private Stock - zunächst für zwei Singles und schliesslich für ein Album, das von Richard Gottehrer produziert wurde, der u.a. auch schon den Girl Group-Klassiker "My Boyfriend's Back" von den Angels produziert hatte.
Das selbstbetitelte Blondie-Debut erschien im Januar 1977 und verdient das oft falsch verstandene und missverständlich gebrauchte Label Punk anscheined in keinster Weise, denn die klassichen Pop-, Surf- und Girl Group-Roots sind in fast jedem Song deutlich präsent. Aber auch hier gilt es, die Musik im Zusammenhang ihrer Zeit zu sehen: Im Kreise von Bands wie den Talking Heads, Ramones, der Patti Smith Group oder Television galten Blondie logischerweise als uncool und als "the band least likely to make it". Wenn sich eine Band jedoch gegen Anfeindungen (speziell von Patti Smiths Seite, die Debbie Harry als "Rock'n'Roll wannabe" bezeichnete) und Rückschläge aller Art durchsetzt, mal eben die längst verlorengeglaubte Essenz des klassichen Pop auf genial ironisch-aggrssive Weise reanimiert und zu der erfolgreichsten Band einer Szene wird, die zunächst nur ein müdes Lächeln für ihre musikalischen Wurzeln übrig hatte, dann verdient sie alleine für diese Errungenschaften größten Respekt und ist sicherlich ebenso Punk wie Joey, Johnny, Tommy und Dee Dee. Wenn dabei aber auch noch spectoreske Kleinode wie "X-Offender", "Look Good In Blue", "Man Overboard" oder "Rifle Range" herauskommen, kann man ohne Angst vor dem inflationären Gebrauch des Wortes "Genie" von eben selbigem sprechen. Selbst Zeilen, die auf Papier lächerlich oder unoriginell herüberkommen, wirken aus Debbie Harrys Mund wie nobelpreisverdächtige Erkenntnisse: "I saw you standing on the corner, you looked so big and fine / I really wanted to go out with you, so when you smiled / I laid my heart on the line."
Blondie waren der einzige musikalische Einfluss meiner Eltern. Bei uns gab es keine Beatles, keine Stones und keinen Elvis. Nur eine ganze Reihe von Schallplatten, auf die ich hier ganz bestimmt nicht eingehen möchte. Nur soviel sei gesagt: Zwischen Frank Duval, Peter Cornelius und Bonnie Tyler mussten Blondie hervorstechen und zwangsläufig meine Aufmerksamkeit wecken. Leider konnte ich mich mit der Band zunächst überhaupt nicht anfreunden. Nicht nur, dass eine Band, die meine Eltern schätzten für mich ohnenhin verdächtig war und mit grösstem Misstrauen bedacht wurde, leider war auch noch "Heart Of Glass" der erste Blondie-Song, den ich jemals zu Ohren bekam. Es sollte für lange Zeit der Letzte sein, denn dieses Stück schätze ich bis heute nicht sonderlich. Erst 1999, als Blondie ihr Comeback-Album "No Exit" veröffentlichten, kümmerte ich mich erneut um die Band und lernte sie schätzen.
Catchy, streetwise, yothful, sharp and cool.
Sehr schön, das Debut einer meiner Lieblingsgruppen (und das seit ca 1978)!
Interessante Informationen (hat jemand Wind in the Willows mal gehört? Sieht vom Cover sehr Hippie aus - mit einer brünetten Harry) - im übrigen: kann jemand ein Buch empfehlen?
Interessant auch Deine Theorie von "Punk by proxy" :sonne:. Wobei ich einige Punk-Einflüsse schon heraushöre (wobei Punk fast das falsche Wort ist - "New York Club Music" vielleicht etwas besser).
Sehr schön, kramer. Großartige Band, tolle Platte.
So spät erst zu Blondie? Interessant.
Latho, von WITW kenne ich ein wenig (nicht die ganze LP), keineswegs so schlecht wie es oben rüberkommen mag. Sehr schöne "Hippie"-Musik. Folkig, luftig, leicht.
Sehr schön, das Debut einer meiner Lieblingsgruppen (und das seit ca 1978)!
Interessante Informationen (hat jemand Wind in the Willows mal gehört? Sieht vom Cover sehr Hippie aus - mit einer brünetten Harry) - im übrigen: kann jemand ein Buch empfehlen?
Interessant auch Deine Theorie von "Punk by proxy" :sonne:. Wobei ich einige Punk-Einflüsse schon heraushöre (wobei Punk fast das falsche Wort ist - "New York Club Music" vielleicht etwas besser).
Die WITW LP ist nett, mehr aber auch nicht. Es gibt wohl auch deutsche Singles (mit Sleeve) der Band, die sehr gesucht sind.
Brauchbare Bücher über Blondie sind:
Chris Stein, Debbie Harry, Victor Bockris - Making Tracks (Exzellente Photos!)
Gary Valentine - New York Rocker (Buch vom früheren Blondie Bassisten)
Cathay Che - Platinum Blonde (In erster Linie eine Debbie Harry Biographie)
Mit Vorsicht zu geniessen:
Lester Bangs - Blondie
Allan Metzt u.a. - Blondie, From Punk To The Present
[...]
Latho, von WITW kenne ich ein wenig (nicht die ganze LP), keineswegs so schlecht wie es oben rüberkommen mag. Sehr schöne "Hippie"-Musik. Folkig, luftig, leicht.
Danke. Die Platte scheint schwer zu bekommen zu sein (bei gemm, musicstack und ebay nichts gesehen).
Ich hatet neulich mal eine Discographie von Harry gesehen und dort zum ersten Mal von WITW gelesen. Die Platte ist von '68, zumindest Harry war kein Neuling in der Musik.
Otis, hast Du eine Empfehlung zur Blondie-Lektüre?
Meines Wissens gibt es eine dt. Single. Mir ist sie letztens durch die Lappen gegangen, obwohl günstig. Hatte das Auktionsende verschlafen.
Kramer, klar ist sie nur "nett", aber denke an M&P! ;-)
Latho, Blondie-Lektüre kann ich keine empfehlen mangels Kenntnis.
@latho
Blondie-Lektüre? Habe ich doch eben gelistet!
@otis
Jaja, die Mamas & Papas und Heman's Hermits. Ich fürchte, das wird nichts mehr...
H&H kann ich ja ansatzweise verstehen. M&P nicht.
Latho, was Musikliteratur anbelangt sind kramer und WD hier im Forum die idealen Adressaten. Mit Abstand.
@latho
Blondie-Lektüre? Habe ich doch eben gelistet!
[...]
Sorry, Forums-Timelag. :sonne: Danke für die Bücher, sind notiert.
Die neue Liste:
01. Television - Marquee Moon *****
02. Neil Young - On The Beach *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
05. Blondie - Blondie **** 1/2
06. Donald Fagen - The Nightfly ****
07. The Doors - Strange Days ****
Wischmop
31.07.2006, 23:43
Kenne das Blondie-Debüt leider immer noch nicht (bis auf die Singles), schätzt ihr die Platte tatsächlich höher ein als das makellose Parallel Lines?
Kenne das Blondie-Debüt leider immer noch nicht (bis auf die Singles), schätzt ihr die Platte tatsächlich höher ein als das makellose Parallel Lines?
Ja.
Kenne das Blondie-Debüt leider immer noch nicht (bis auf die Singles), schätzt ihr die Platte tatsächlich höher ein als das makellose Parallel Lines?
In etwa gleich. PLs Perfektion habe ich inzwischen manchmal etwas über. Am liebsten mag ich Plastic Letters ...
Ganz groß, kramer! Die Blondie Debüt LP ist natürlich klasse! Sehr schön beschrieben auch die Wurzeln der Band und die Anfeindungen in der Szene damals.
Zu Wind In The Willows hat otis das Treffende gesagt. Es gab sogar eine deutsche Single von ihnen: Moments Spent/bw The Friendly Lion, die hatte ich mal. Sehr teuer dürfte weder die Single noch das Album sein. Sie tauchen halt selten auf. Debbie Harry singt da allerdings nur Backing Vocals und spielt bei der Band keine große Rolle.
Kenne das Blondie-Debüt leider immer noch nicht (bis auf die Singles), schätzt ihr die Platte tatsächlich höher ein als das makellose Parallel Lines?
Parallel Lines war auch lange mein Favorit, aber inzwischen bevorzuge ich das Debut.
Wischmop
01.08.2006, 00:33
Ok, dann komm ich am Kauf des Debuts wirklich nicht mehr vorbei, irgendwas kam da in den letzten Jahren immer wieder dazwischen.
@latho: Plastic Letters ist die andere, mir bekannte Studioplatte von Blondie, kann aber m.E. mit der durchgehend erstklassigen Parallel Lines nicht ganz mithalten (obwohl "Denis" immer mein liebster Blondie-Somg bleiben wird).
Mistadobalina
01.08.2006, 00:49
(obwohl "Denis" immer mein liebster Blondie-Somg bleiben wird).
Ich finde das Original um Klassen besser.
Ansonsten: ein sehr feiner Text über das Album.
Wischmop
01.08.2006, 00:54
Ich finde das Original um Klassen besser.Das macht mich neugierig, vom wem ist das? Kann mir das kaum vorstellen ... wenn ich einen perfekten 2 min. Song nennen müßte, würde meine Wahl sofort auf "Denis" (den Blondie-Track) fallen ;-)
Das macht mich neugierig, vom wem ist das? Kann mir das kaum vorstellen ... wenn ich einen perfekten 2 min. Song nennen müßte, würde meine Wahl sofort auf "Denis" (den Blondie-Track) fallen ;-)
Randy & The Rainbows.
Kenn das Original auch noch nicht so lange. Find es zwar auch wunderschön, aber mir ist die Version von Blondie viel zu sehr ans Herz gewachsen und ich lieb die Blondie Version seit es sie gibt, und deshalb kommt zumindest für mich das Original nicht ran.
Schöner Text, kramer. Ist auch mein Blondie-Lieblingsalbum
Mistadobalina
01.08.2006, 01:00
Randy & The Rainbows.
Kenn das Original auch noch nicht so lange. Find es zwar auch wunderschön, aber mir ist die Version von Blondie viel zu sehr ans Herz gewachsen und ich lieb die Blondie Version seit es sie gibt, und deshalb kommt zumindest für mich das Original nicht ran.
Genau, da heißt es "Denise". Bei mir war es andersrum. Ich möchte "Denis" überhaupt nicht und habe den Song erst durch das Original schätzen gelernt.
Wischmop
01.08.2006, 01:11
Ein astreiner Doo-Wop Song, sehr interessant und sehr gut, ziehe dann aber wie Zappa doch eindeutig Blondies Version vor.
Herr Rossi
01.08.2006, 01:12
Klasse, Kramer! Das Album brauch ich unbedingt noch.
Zu Denis(e): Das Original ist ganz wunderbar, aber ich finde Blondie haben es schlüssig in den Sound ihrer Zeit überführt, ohne den Charme des Originals zu verraten.
Sehr schöner Text! Auch ich habe die Blondie Platte noch nicht (bisher die erste..). Werde mich auf jeden Fall mal umsehen. Deine Rezension hat mir große Lust darauf gemacht.
Der Text zu Blondie ist eine der besten Rezensionen, die ich hier im Forum gelesen habe.
Zu Denis: Unter uns, das wirklich Coole und ist doch dieses "baise-moi". Kann mir nicht vorstellen, dass das im Original so vorkommt. Und schon isses "Punk".
Der Text zu Blondie ist eine der besten Rezensionen, die ich hier im Forum gelesen habe.
Danke für die Blumen. Es macht mir mit jedem weiteren Album mehr Spass!
RICHARD HELL & THE VOIDOIDS - Blank Generation (Sire, 1977)
http://www.yonkitime.de/hell.jpg
Love Comes In Spurts
Liars Beware
New Pleasure
Betrayal Takes Two
Down At The Rock'n'Roll Club
Who Says?
Blank Generation
Walking On The Water
The Plan
Another World
"There was just so much more excitement in rock & roll than sitting at home writing poetry. The possibilities were endless. I mean i could deal with the same matters that I'd be sweating over alone in my room, to put out little mimeograph magazines that five people would ever see. And we definitely thought we were as cool as the next people, so why not get out there and sell it?"
(Richard Hell in "Please Kill Me")
Richard Hell (Richard Meyers) floh 1967, gefolgt von seinem Schulfreund Tom Verlaine (Tom Miller) nach New York. Angelockt von urban-poetischen Träumen begann das schräge Duo Gedichte zu schreiben und in diversen Buchläden zu jobben (darunter die "Cinamabilia" von Terry Ork, der später die erste Television Single, "Little Johnny Jewel" auf seinem Label veröffentlichte). Zunächst aber musste Hell seinen Mitstreiter, der mit seiner Gitarre Eigenkompositionen in kleinen Cafes vortrug, davon überzeugen, seine halbherzigen Solo-Gitarrenversuche ad acta zu legen und mit ihm und dem zukünftigen Television-Schlagzeuger Billy Ficca eine kurzlebige Band namens The Neon Boys zu gründen, aus der später Television hervorging. (Demoaufnahmen der Neon Boys wurden übrigens später als 7" veröffentlicht).
Schon früh kristallisierte sich also Hells Bedeutung als Katalysator und Initialzünder der New Yorker Szene und des Punk im Allgemeinen ab. Hell war nie der Macher und große Organisator, sondern eher der Ideenlieferant, dessen Einfluss auf andere Bands und Künstler grösser war als seine eigenen musikalischen Leistungen. Immerhin war er für die Gründung von drei einflussreichen Bands verantwortlich. So gehörte Hell auch zum ersten Lineup von Television, schmiss die Brocken aber hin, nachdem Tom Verlaine nach und nach sämtliche Hell-Songs aus dem Repertoire gestrichen hatte (zuletzt den zukünftigen Klassiker "Blank Generation") und auch ansonsten deutlich durchblicken liess, dass weder Hells beschränkten musikalischen Fähigkeiten noch seine selbstverliebte Punk-Attitüde in Zukunft einen Platz bei Television haben würden. Obwohl Hell heute zu den "first of the real Punks" gezählt wird und Macolm McLaren nicht nur von Haarschnitt und Attitüde des New Yorkers angetan war, so sind Hells Einflüsse und Intentionen doch völlig andere als die allgemein mit Punk in Verbindung gebrachten und gründen eher auf Einflüssen, die bei französischen Dichtern des 19. Jahrhunderts und The Velvet Underground zu finden sind, als auf sozialer Unzufriedenheit und Hass auf das Establishment. Auch wenn Hell alles und jeden zu verdammen scheint und einen Blueprint für spätere "No Future"-Nachfolger legt, so tut er das mit weniger Agression und mehr lyrischer Finesse als viele seiner Nachfolger und sitzt vielleicht gerade deshalb zwischen allen Stühlen. Ihm fehlen nicht unbedingt die Ideen, aber mit Sicherheit die lyrische Feinsinnigkeit einer Patti Smith und die musikalische Brillianz von Verlaine und Lloyd. Hell erscheint bisweilen wie der ewige Loser, sowohl Television als auch die später mit Johnny Thunders und Jerry Nolan gegründeten Heartbreakers verliess er, bevor die Bands etwas veröffentlicht hatten, Hell fungierte, ohne jemals Nutzen daraus ziehen zu können, als Ideenlieferant für Malcolm McLaren, der ihn gar für die Gründung einer Band gewinnen wollte, zu der, je nachdem, wem man glaubt, entweder John Lydon oder, nach Angaben von Mick Jones, Joe Strummer gehören sollte und beschränkte sich nach dem Ende der Voidoids auf schräge Poesie, Zeichnungen, Cameo-Auftritte in Filmen (u.a in "Desperately seeking Susan") und gelgentliche musikalische Aktivitäten mit Thurston Moore von Sonic Youth. Chancen ohne Ende - allesamt vegeigt und verpennt. The Donald Duck of Punk?
Ich hörte von Richard Hell zum ersten mal durch Ivan Krals Film "Blank Generation", der frühe Auftritte von Bands wie den Ramones, Blondie, den Talking Heads, Television und den Heratbreakers dokumentiert. Leider ohne Originalton, so dass die Bilder später mit Liveaufnahmen oder Demos unterlegt wurden. So sah und hörte ich zum ersten mal Richard Hell und die Heartbreakers mit einer frühen Version von Blank Generation - zahmer und verhaltener als die später erschienene Single, aber dennoch so großartig, dass ich mir umgehend das Album besorgte, das die Qualität der Single zwar nicht gänzlich halten konnte, mich aber mit großartigen Songs wie "New Pleasure" ("Your mind's a wreck but that's fine / it corresponds to mine") "Love Comes In Spurts" (I was a child / who wanted love that was wild / though tight as slow motion / but crazed with devotion) und "Another World" überzeugte.
Chancen ohne Ende - allesamt vegeigt und verpennt. The Donald Duck of Punk?
Natürlich nicht. Wer ein Album wie "Blank Generation" zustande bringt, ist kein Loser, egal was davor und danach in die Hose ging. Ein sehr fein ziseliertes Album ohne Haudrauf-Punk. Dilettantismus höre ich da auch nicht raus.
Dilettantismus höre ich da auch nicht raus.Natürlich nicht! Würde ich niemals behaupten!
Natürlich nicht! Würde ich niemals behaupten!
War auch kein Vorwurf gegen Dich, aber wenn ich Begriffe wie geniale Dilettanten lese, mit denen Leute wie Richard Hell oder auch Jonathan Richman belegt werden, überkommt mich immer so ein Gefühl wie dem Jugendlichen, der gestern nacht alle Mülltonnen in unsere Straße umgetreten hat.
Schöner Text, kramer. Ich glaube, ich sollte mir die LP vielleicht doch noch besorgen.
War auch kein Vorwurf gegen Dich, aber wenn ich Begriffe wie geniale Dilettanten lese, mit denen Leute wie Richard Hell oder auch Jonathan Richman belegt werden, überkommt mich immer so ein Gefühl wie dem Jugendlichen, der gestern nacht alle Mülltonnen in unsere Straße umgetreten hat.Kann ich verstehen. Käme mir auch nicht in den Sinn. Schon gar nicht bei Jonathan Richman.
Abgelesen und Angelernt, wie ziemlich Alles, was von kramer kommt.
Das aber gut!
[...]The Donald Duck of Punk?
[...]
Sehr catchy! Ich überlege gerade, auf wen das im Pop zutrifft...
@Franz
Klar, aber anders geht's ja auch nicht. Sonst ist es so vor sich hingemeint.
weilstein
15.11.2006, 08:12
Fein Kramer! Weißt Du wo die LP momentan preislich liegt?
@Franz
Neidisch, daß es Menschen gibt die auch nach zehn zusammenhängenden Sätzen nicht über ihrer Tastatur zusammenbrechen?
@weilstein:
Dürfte nicht so teuer sein. Ich denke ca. 20 USD. Ich habe für meine deutsche Pressung jedenfalls nicht mehr bezahlt.
@Zappa1:
Geh spielen.
@kramer: Schöner Text! Muss mir die Platte wieder mal anhören. So richtig gepackt hat sie mich bis jetzt nämlich noch nicht....
Fein, kramer! Verstehe nun besser, was Dich damals zum Einspruch gegen meine NYC-Punk-Top10 veranlaßte. Würde "Blank Generation", so gut (von Dir charakterisiert) die LP auch ist, noch immer nicht über "Rocket To Russia" heben. War, glaube ich, seinerzeit Dein Vorschlag (?). Was in Deiner Evaluation der Rolle Hells zu kurz kommt bzw. gar keine Erwähnung findet, ist die reichlich selbstgefällige PR-Arbeit in eigener Sache, die Hell post festum betreibt, Tenor: den Punk habe ich erfunden, ich ganz allein. Habe ihn und McLaren mal bei einer Podiumsdiskussion in NY erlebt zu besagtem Thema: es war so amüsant wie gockelhaft-peinlich. McLaren: "We sold safety pin-assecories on King's Road as early as April'76". Hell: "I was wearing safety pins in 1975 and I can prove it". Was haben wir gelacht. PS: Deine Reihenfolge wäre interessant...
Sonic Juice
15.11.2006, 11:21
Ein Album, das ich sehr schätze und öfter aus dem Regal ziehe als viele andere Punk-Scheiben. Wa hatte es mir vor ca. einem Jahr dankenswerterweise empfohlen.
Bei Deiner Tracklist fällt mir auf, dass ggü. meiner CD-Ausgabe 11. "I'm Your Man" und 12. "All the Way" fehlen, die für mich neben "Spurts" und dem Titeltrack sogar zu den Höhepunkten zählen. Die Tracks sind, wenn ich mich recht erinnere (habs grad nicht zur Hand) nicht mal als Boni gekennzeichnet. Gab es auch verschiedene Vinyl-Ausgaben?
Für mich klingt es nach wie vor erstaunlich frisch, schräg und unkonventionell - was wohl gleichermaßen an den fahrigen Grooves, den hingesprenkelten Gitarren und dem exaltierten Gesang liegt, und hat damit gegenüber den New York Dolls, den Dead Boys, den Ramones oder Johnny Thunders - mindestens - einen Originalitätsbonus. Wie Du schreibst, vermittelt es auch keine Agression, sondern - ja, was eigentlich?
Deine Wertung liest sich hingegen eher verhalten, auch wenn Du auf einzelne großartige Songs hinweist und Du es ja zu Deinen "Faves" zählst. Ein Eindruck, der vielleicht auch dadurch entsteht, dass Du hauptsächlich über die Biographie von Hell und kaum etwas über das Album selbst schreibst. Was man da wohl zu hören bekommt - auch in Abgrenzung zu anderen Punk-Meilensteinen der Gründerzeit- erschließt sich aus dem Text eigentlich nicht. Vielleicht zielt Zappa´s Bermekung ja auch darauf?
Fein, kramer! Verstehe nun besser, was Dich damals zum Einspruch gegen meine NYC-Punk-Top10 veranlaßte. Würde "Blank Generation", so gut (von Dir charakterisiert) die LP auch ist, noch immer nicht über "Rocket To Russia" heben. War, glaube ich, seinerzeit Dein Vorschlag (?). Was in Deiner Evaluation der Rolle Hells zu kurz kommt bzw. gar keine Erwähnung findet, ist die reichlich selbstgefällige PR-Arbeit in eigener Sache, die Hell post festum betreibt, Tenor: den Punk habe ich erfunden, ich ganz allein. Habe ihn und McLaren mal bei einer Podiumsdiskussion in NY erlebt zu besagtem Thema: es war so amüsant wie gockelhaft-peinlich. McLaren: "We sold safety pin-assecories on King's Road as early as April'76". Hell: "I was wearing safety pins in 1975 and I can prove it". Was haben wir gelacht. PS: Deine Reihenfolge wäre interessant...Ich erinnere mich dunkel an die Diskussion damals. Ich glaube, es ging mir darum, dass das Album in Deiner Top 10 gar nicht vorkam und Du mich dann fragtest, wer denn dafür rausfliegen sollte. Falls ich tatsächlich "Rocket To Russia" genannt habe, so kann ich das aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehen. Ich dachte, ich hätte die Talking Heads geopfert (was ich heute auch nicht mehr so leichtfertig tun würde).
Hells Legendenvermarktung wirft kein gutes Licht auf ihn und der Streit über die Erfindung des Punk, bzw. London vs. New York scheint ja auch schon seit Ewigkeiten zu bestehen. (Sehr lustig sind dazu die Lyrics von New York (Sex Pistols) und London Boys (Johnny Thunders).
Ranking folgt in Kürze. Die unteren Plätze sind gerade Schauplatz erbitterter Kämpfe.
dagobert
15.11.2006, 12:11
Bei Deiner Tracklist fällt mir auf, dass ggü. meiner CD-Ausgabe 11. "I'm Your Man" und 12. "All the Way" fehlen, die für mich neben "Spurts" und dem Titeltrack sogar zu den Höhepunkten zählen.
dem muss ich nickend zustimmen.
"I'm Your Man" und "All The Way" sind Outtakes aus den Albumsessions. Ich vermisse sie jedenfalls nicht auf dem Album und "Another World" ist doch der perfekte Schluß dieses Albums.
Bei Deiner Tracklist fällt mir auf, dass ggü. meiner CD-Ausgabe 11. "I'm Your Man" und 12. "All the Way" fehlen, die für mich neben "Spurts" und dem Titeltrack sogar zu den Höhepunkten zählen. Die Tracks sind, wenn ich mich recht erinnere (habs grad nicht zur Hand) nicht mal als Boni gekennzeichnet. Gab es auch verschiedene Vinyl-Ausgaben?Dazu kann ich Dir leider nichts sagen. Die von dir genannten Tracks sind auf dem Original-Album jedenfalls nicht vertreten. War "I'm Your Man" nicht ursprünglich die B-Seite der "The Kid With The Replaceable Head" 7"?
Deine Wertung liest sich hingegen eher verhalten, auch wenn Du auf einzelne großartige Songs hinweist und Du es ja zu Deinen "Faves" zählst. Ein Eindruck, der vielleicht auch dadurch entsteht, dass Du hauptsächlich über die Biographie von Hell und kaum etwas über das Album selbst schreibst. Was man da wohl zu hören bekommt - auch in Abgrenzung zu anderen Punk-Meilensteinen der Gründerzeit- erschließt sich aus dem Text eigentlich nicht. Vielleicht zielt Zappa´s Bermekung ja auch darauf?Richtig, ich gehe die hier vorgestellten Platten bewusst unterschiedlich an. Über "Starsailor" von Tim Buckley zum Beispiel habe ich ausführlicher geschrieben als über "Blank Generation", weil ich denke, dass der Zugang zu "Starsailor" einzig und allein durch die Musik funktioniert, während ich bei einem Album wie "Blank Generation" wiederum denke, dass biographische Fakten interessant sind und vielleicht auch ein wenig mein recht hohes Ranking für eine sehr gute aber eben nicht überragende Platte erklären.
P.S.: Alle Kommentare von Zappa1 zu meinen Beiträgen und meiner Person kommen augfrund einer persönlichen Abneigung und beleidigtem Stolz zustande. Juckt mich schon lange nicht mehr.
01. Television - Marquee Moon *****
02. Neil Young - On The Beach *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
05. Blondie - Blondie **** 1/2
06. Donald Fagen - The Nightfly ****
07. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
08. The Doors - Strange Days ****
[...]Über "Starsailor" von Tim Buckley zum Beispiel habe ich ausführlicher geschrieben als über "Blank Generation", weil ich denke, dass der Zugang zu "Starsailor" einzig und allein durch die Musik funktioniert, während ich bei einem Album wie "Blank Generation" wiederum denke, dass biographische Fakten interessant sind und vielleicht auch ein wenig mein recht hohes Ranking für eine sehr gute aber eben nicht überragende Platte erklären.
[...]
Genau richtig, das ist auf jeden Fall eine Herangehensweise, die Du beibehalten solltest. Ich kenne von Hell nichts, aber der Typ scheint interessant zu sein (ganz wertfrei gemeint) - von daher interessieren mich jetzt auch die Platten.
keksofen
20.11.2006, 15:20
Für mich klingt es nach wie vor erstaunlich frisch, schräg und unkonventionell - was wohl gleichermaßen an den fahrigen Grooves, den hingesprenkelten Gitarren und dem exaltierten Gesang liegt
Sehe ich ähnlich.
Richard Hells Platten leben auch deutlich von den erstklassigen Musikern, z.B.von den Gitarrensoli vom leider schon verstorbenen Robert Quine.
KATE BUSH - Hounds Of Love (EMI, 1985)
http://www.yonkitime.de/hounds.jpg
HOUNDS OF LOVE
Running up that Hill (A Deal With God)
Hounds of Love
The Big Sky
Mother Stands for Comfort
Cloudbusting
THE NINTH WAVE
And Dream of Sheep
Under Ice
Waking the Witch
Watching you Without Me
Jig of Life
Hello Earth
The Morning Fog
"There were so many times I thought, "I'll have the album finished this year, definitely, we'll get it out this year." Then there were a couple of years where I thought, "I'm never gonna do this." If I could make albums quicker, I'd be on a roll wouldn't I? Everything just seems to take so much time. I don't know why. Time... evaporates."
Kate Bush, Mojo Magazine (2005)
Ich kann mich nicht mehr an meine erste Begegnung mit Kate Bushs Musik erinnern. So wie einige andere Künstler (The Beatles, Elvis Presley) scheint sie schon immer da gewesen zu sein, ohne dass ich mich an eine erste Begegnung erinnern könnte. Ein für mich merkwürdiger Zustand, da ich mich ansonsten fast immer relativ genau daran erinnern kann, wann oder zumindest wie ich zum ersten mal auf einen Künstler, oder eine Band aufmerksam wurde. Ich hörte mit 12 oder 13 zum ersten mal bewusst "The Kick Inside" und ich schätzte das Album sehr, ohne mich aber weitgehender mit Kate Bush zu beschäftigen, zumal ich irgendwann das Gefühl hatte, dieser Musik entwachsen zu sein. Weiss der Teufel, was mich damals geritten hat. Erst 1993, als ihr (enttäuschendes) Album "The Red Shoes" erschien, wurde ich wieder auf Kate Bush aufmerksam und kaufte mir zum Glück auch "Hounds Of Love", denn hätte ich es bei "The Red Shoes" belassen, so hätte ich sie wahrscheinlich für lange Zeit komplett abgehakt. Nicht, dass ich sofort einen Zugang zu "Hounds Of Love" gefunden hätte, aber die darauf enthaltenen großartigen und leicht zugänglichen Singles "Running Up That Hill", "Cloudbusting" und "Big Sky" verführten mich dazu, die Platte immer wieder aufzulegen, so dass ich das Album für Stück für mich entdeckte und lieben lernte. (Ähnlich ging es mir später mit "Climate Of Hunter" und "Tilt" von Scott Walker, wenn auch auf einem anderen Level). "The Kick Inside" schätze ich ebenfalls sehr, allerdings gefällt mir Bushs Gesang auf "Hounds Of Love" sehr viel besser, denn er erscheint mir ausgewogener und weniger affektiert als auf dem Debut-Album oder dem zweiten Album "Lionheart".
Als Kate Bush 1984 mit der Arbeit an ihrem fünften Album "The Hounds Of Love" begann, waren die Umstände völlig andere als bei den vorhergehenden Alben. Zum einen nahm sie erstmals in ihrem privaten Studio auf, das sie in einer Scheune unweit ihres Elternhauses eingerichtet hatte. Nur auf diese Weise konnte sie ohne Zeit- und vor allem Kostendruck abeiten und experimentieren. Zum anderen hatte das "ewige Talent" und die erfolgsverwöhnte Künstlerin mit dem Vorgängeralbum "The Dreaming", welches Bush selbst später als ihr "she's gone mad"-Album bezeichnete, zum ersten mal so etwas wie einen Misserfolg oder zumindest eine große Zahl kritischer Stimmen eingefahren. Die Didgeridoos und Tierstimmen auf "The Dreaming", das auch ansonsten ein radikaler Schritt im Vergleich zu "The Kick Inside" oder "Lionheart" war, schienen zumindest ihr nicht gerade kleines Mainstreampublikum irritiert, ja sogar verscheucht zu haben und auch die Kritiken waren gespalten. Zwar wurde ihre Experimentierfreudigkeit durchaus anerkannt und wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber es häuften sich auch die Stimmen, die ihr vorwarfen, dass sie bei diesem Album über das Ziel hinausgeschossen war. "Reputedly two years in the making, the first album produced by Kate herself, no expense or musical craving spared...the result is mind-boggling. Even by the mannered, eccentric standards she's set herself, this is still an odd one; you may have thought "Babooshka" and "The Wedding List" on NEVER FOR EVER a little weird, then "Get Out Of My House" and "Houdini" here are positively manic."(Colin Irwin, Melody Maker 1982). Bei "Hounds Of Love" ging es also um viel - musikalische Credibility, anspruchsvolle, ja sogar experimentelle Musik so zu präsentieren, dass auch das Radio und die Charts weitherhin offenstanden und natürlich darum, nicht kommerziellen Schiffbruch zu erleiden, denn die Kosten für das Studio scheinen wirklich enorm gewesen zu sein.
Hounds of Love ist wohl das, was man allgemein als Konzeptalbum bezeichnet, dabei handelt es sich auf der ersten Seite um ein eher loses Konzept, denn alle Songs drehen sich mehr oder weniger um das Thema Beziehungen aller Art und die Komplexität der Liebe, wie zum Beispiel in dem Song "Running Up That Hill", der ursprünglich "Deal With God" heissen sollte, aus Angst vor einem Radio-Boykott in Ländern wie Spanien, Italien oder den USA aber umbenannt wurde. Hier geht es um fundamentale Missverständnisse zwischen Mann und Frau, die durch einen Handel mit Gott beigelegt werden könnten - jeder schlüpft, zum besseren gegenseitigen Verständnis, für eine Gewisse Zeit in die Haut des anderen: "And if i only could/I'd make a deal with god/And i'd get him to swap our places". Die musikalische Umsetzung ist großartig, denn hier werden Synthesizer geschmackvoll und im Sinne des Songs eingesetzt ohne ihn mit einem Klangteppich a la Duran Duran zu überfrachten. "Running Up That Hill" scheint nicht nur der zugänglichste Song des Albums zu sein, sondern auch der mit den verständlichsten Lyrics, denn die Bedeutung vieler anderer Songs liegt im Dunklen oder lässt zumindest höchst unterschiedliche und bisweilen gar gegensätzliche Interpretationen offen. I love that! Der oft zitierte, frappante Unterschied in Sachen Kommerzialität, Single-Tauglichkeite und Experiment zwischen Seite A und B des Albums ist mir indes nie bewusst aufgefallen, bis ich mehrfach darüber gelesen habe.
Über die Herkunft des Untertitels "The Ninth Wave" für die zweite Seite des Albums und die Bedeutung der einzelenen Songs existieren zahllose Spekulationen. Die einen sehen die Quelle im "Ulysses" von James Joyce, die andere führen das Gemälde der "Ophelia" von John Everett Millais, mit dem Kate Bush laut Aussagen in Interviews definitiv vertraut war, als Inspirationsquelle an. (Hier (http://www.uni-bielefeld.de/lili/personen/fleischmann/d_archsuse05/212_millais_ophelia.jpg) ein Link ). Dies ist allerdings nur eines von zahlreichen Rätseln, die die musikalisch und textlich geschlossene zweite Seite aufwirft. Bilder und Metaphern von Tod und (Wieder)geburt, Verderben und Erlösung wechseln einander ab. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass es sich um die Gedanken und Gefühle einer gerade ertrinkenden Frau handelt, die sich an der Schwelle zwischen Leben und Tod befindet.
Eine recht interssante Rückverfolgung der Inspirationen und Quellen für "The Ninth Wave" wurde vor Jahren in einer Kate Bush-Mailinglist gepostet:
"The whole conceit of the heroine drifting in water refers to far more than just the explicit, immediate context of The Ninth Wave. In fact, the implicit references are so deliberate that they may arguably be more important than the explicit subject-matter. Actually, at least three earlier such subjects loom in the collective English consciousness. All of them have important positions in British cultural history.
Of these the best known outside England is the story of Ophelia in Hamlet. The allusion to Ophelia's insane self-immersion is plain to see in the photo for The Ninth Wave: the flowers. These were explained away almost flippantly by John Carder Bush as being intended to show the chaos and damage on board the ship during its sinking (or whatever ultimately forced the heroine into the ocean). The idea was supposed to be that commercially cultivated flowers, perhaps in the hands of the heroine at the time of the disaster, perhaps thrown by happenstance into the water from a dining table flower arrangement during the commotion and sinking, have happened to end up floating in the very same waves in which the heroine finds herself engulfed.
This explanation has always struck me as suspiciously superficial -- not to mention implausible. The image of a beautiful young Englishwoman floating on her back in a cold, deathly state, dressed in a white lace nightie and set adrift amid exotic and colourful flowers has, since the seventeenth-century premiere of Hamlet, been inextricably connected with the fate of Ophelia.
In fact, the image of Ophelia in the water is a relatively modern variant on the Arthurian images of both Elaine and the Lady of Shalott. These two earlier legends feature their heroines floating downstream in open boats (in which they eventually are found dead). This image, in fact, was reproduced precisely by Kate herself in what was virtually her debut on video, the so-called Eftelink films, specifically the last of the six, a setting of "The Kick Inside". The reader will begin to see the extent of the convolutions involved; see, in fact, a multitude of wheels within wheels, and all of impeccably, classically English origin."
Musikalisch ist dieses Album ebenso beständig wie abwechslungsreich. Ein Widerspruch, aber als solcher erscheint mir das komplette Album, das zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Problem und Lösung balanciert, mit traditionellen, experimentellen und collagenartigen Sounds joingliert und trotz allem wie aus einem Guss erscheint und eine geschlossene, unheilvolle (?) Stimmung transportiert. Man muss sich nicht mit den Texten auseinandersetzten (auch wenn das durchaus lohnend ist) um "Hounds Of Love" zu verstehen, denn die Musik transportiert die Stimmung der oft assoziativen, chiffrierten Texte perfekt.
Bauer Ewald
21.11.2006, 17:22
Bei seinem Erscheinen überzeugte mich "Hounds of Love" nicht rundherum. Es hatte eine eigentümliche Künstlichkeit und Kälte, die mich trotz einiger herausragender Songs davon abhielt es zu lieben. Richtig eingeschlagen hat bei mir dann erst das ein Jahr später erschienene "So" von Peter Gabriel, mit dem Kate Bush ja musikalisch zu der Zeit einiges gemeinsam hatte (und auf dessen Album sie bei einem Track beteiligt ist).
Im Rückblick ist "Hounds of Love" wahrscheinlich ihr bestes Album. Wobei ich mich mit dem letztjährigen "Aerial" noch zu wenig beschäftigt habe (hauptsächlich aus Ärger über die vermasselte Vinyl-Ausgabe).
Jedenfalls eine interessante und lesenswerte Review, kramer! Ich werde mir zu diesem Anlaß das Album mal wieder anhören.
Ich habe es bis heute nicht geschafft, die Songs auf "Hounds of Love" durchgängig zu mögen, obwohl ich es möchte. Meistens bleibe ich bei den genialen Songs hängen, die ich zum besten zähle, was ich mir unter Pop vorstelle: "running up that hill", das mich schon immer faszinierte, sowie "cloudbusting", bei dem ich meistens an dieses wunderbare Video mit dem Regenmacher denke.
Schön geschrieben, Kramer. Auch für mich eine Veranlassung, mir "Hounds of Love" mal wieder aufzulegen. Thanks.
Sehr informativ und schön zu lesen, kramer. Ich habe mich mit Kate Bush eigentlich nie eingehender beschäftigt. Ihre Hits waren mir immer gegenwärtig, und ich mochte viele davon auch, ohne dass ich auf die Idee gekommen wäre, mir die Singles zu kaufen. Nach dem letztjährigen Kate Bush Special im RS habe ich mir ein paar LPs second hand gekauft, u.a. auch Hounds Of Love. Aber ich habe die Platte immer noch nicht richtig aufmerksam und zusammenhängend angehört. Vielleicht komme ich ja demnächst doch mal dazu.
Mir geht es ähnlich wie Ewald, Amadeus und Mikko und wohl - bis vor einiger Zeit - auch Dir. Ich kenne die Platte, aber habe mich mit ihr noch nicht richtig auseinandergesetzt. Den Vorwurf der Exaltiertheit kann man Vorgängern wie The Kick .. sicherlich machen, bei Hounds hat mich immer etwas die künstliche Klangfärbung gestört. Aber ich muss sie mal wieder anhören.
Was die Bezüge zu den Prä-Raffaeliten angeht (und Millais war ja neben Waterhouse der Profilierteste), bin ich nicht so sicher, ob man das auf ein einzelnes Gemälde reduzieren kann - die Prä-Raffaeliten an sich passen aber gut auf Bush.
Gut, Kramer. "Hounds" ist sicher Kates beste LP, vor "Kick" und "Lionheart", ein wenig überambitioniert wohl, was ihrem bei Joni geklauten Credo "I'm an artist, I don't look back" geschuldet ist, aber auch mit einigen beachtlichen Tracks. Die Kälte der Produktion fällt nicht maßgeblich ins Gewicht, weil ihre Stimme zu emotionalem Ausdruck fähig ist. Anders übrigens als der oben genannte Peter Gabriel, dessen Stimmbänder völlig gefühlsabweisend zu sein scheinen. Mal abgesehen davon, daß er musikalisch nicht in derselben Klasse spielt wie La Bush.
weilstein
21.11.2006, 23:51
Das ging ja schnell, kramer. Wie Du ja weißt schätze ich das Album auch sehr (vor allem die B-Seite). Weitermachen.
Die Kälte der Produktion fällt nicht maßgeblich ins Gewicht, weil ihre Stimme zu emotionalem Ausdruck fähig ist. Anders übrigens als der oben genannte Peter Gabriel, dessen Stimmbänder völlig gefühlsabweisend zu sein scheinen.Ich habe die Produktion nie als kalt empfunden. Nicht einmal ansatzweise. Vielleicht aus dem von Dir genannten Grund. Wie schätzt Du die Singles des Albums ein? Wenn ich mich richtig erinnere, dann hast Du das Album ja mit **** bewertet.
Mir geht es ähnlich wie Ewald, Amadeus und Mikko und wohl - bis vor einiger Zeit - auch Dir. Ich kenne die Platte, aber habe mich mit ihr noch nicht richtig auseinandergesetzt. Den Vorwurf der Exaltiertheit kann man Vorgängern wie The Kick .. sicherlich machen, bei Hounds hat mich immer etwas die künstliche Klangfärbung gestört. Aber ich muss sie mal wieder anhören.
Was die Bezüge zu den Prä-Raffaeliten angeht (und Millais war ja neben Waterhouse der Profilierteste), bin ich nicht so sicher, ob man das auf ein einzelnes Gemälde reduzieren kann - die Prä-Raffaeliten an sich passen aber gut auf Bush.Eine eingehende Beschäftigung mit diesem Album ist auf jeden Fall lohnenswert. Gestern habe ich mindestens 6 Stunden am Stück "Hounds Of Love" gehört, um diese Besprechung zu schreiben und speziell die zweite Seite begeistert mich immer mehr und gibt mir ständig neue Rätsel auf. Auf die Bezüge zu Millais, Joyce (auch da habe ich ein Zitat gefunden, dass ich aber nicht einbringen wollte, um das Ganze nicht zu überfrachten) bin ich bewusst nicht weiter eingegangen, weil mir da die nötige Kenntnis fehlt. Interessant finde ich das Thema aber auf jeden Fall, auch wenn ich nicht dafür bin alles bis ins letzte Detail aufzuschlüsseln und zu interpretieren.
"Running Up That Hill" * * * * 1/2
"Cloudbusting" * * * * 1/2
"The Big Sky" * * * 1/2
"The Ninth Wave" begeisterte mich weniger, habe die Seite aber lange nicht gehört. Ad Klangbild: als störend empfinde ich bisweilen diese Fairlight-Flächen, die zu oft Lücken schließen.
Wie hörst Du die anderen Bush-LPs?
"Running Up That Hill" * * * * 1/2
"Cloudbusting" * * * * 1/2
"The Big Sky" * * * 1/2
"The Ninth Wave" begeisterte mich weniger, habe die Seite aber lange nicht gehört. Ad Klangbild: als störend empfinde ich bisweilen diese Fairlight-Flächen, die zu oft Lücken schließen.
Wie hörst Du die anderen Bush-LPs?Ich beschränkte mich auf die Platten, die ich jüngst nochmal gehört habe. (Aus der Erinnerung möchte ich nicht bewerten).
The Kick Inside ****
Lionheart *** 1/2
The Dreaming ** 1/2
Hounds Of Love **** 1/2
The Red Shoes **
Aerial *** 1/2
Höre ich in Relation ähnlich, wenngleich auf etwas niedrigerem Niveau:
The Kick Inside * * * 1/2
Lionheart * * *
Never For Ever * *
The Dreaming * * 1/2
Hounds Of Love * * * *
The Sensual Woman * *
The Red Shoes * *
Aerial * * *
Schöner Text zu einer hervorragenden Platte!
Die gewisse Kühle und Künstlichkeit empfinde ich als sehr effektvoll eingesetztes Stilmittel. Der bereits angesprochene ausdrucksstarke Gesang kontrastiert damit aufs Schönste.
Insgesamt halte ich Seite 1 für so außergewöhnlich stimmig, dass ich dafür die ***** ziehen würde. Auf Seite 2 führt die Kunstfertigkeit dann stellenweise in die Nähe esoterischer Gefilde, wohin ich nicht mehr ganz folgen kann oder will.
Ein Update mit leichten Verschiebungen zugunsten des Blondie-Debuts, das inzwischen verdammt nah an der Höchstwertung liegt.
01. Television - Marquee Moon *****
02. Neil Young - On The Beach *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Blondie - Blondie **** 1/2
05. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
06. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
07. Donald Fagen - The Nightfly ****
08. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
09. The Doors - Strange Days ****
@tops:
Was führte zu Deiner Abwertung auf *** 1/2 für "The Kick Inside"? Der Gesang? Die Songs? Die Produktion?
tina toledo
24.11.2006, 00:28
Kate Bush ist zwar nicht wirklich meine Baustelle, trotzdem wollte ich an dieser Stelle kurz (und reichlich spät, ich weiß) ein Dankeschön für deinen schönen und informativen "The Queen Is Dead"-Text loswerden. Ich muss gestehen, erst vor relativ kurzer Zeit größere Sympathien für die Smiths (resp. Morrissey generell) entwickelt zu haben, obwohl ich - ähnlich wie du - bereits vor vielen Jahren (mit 11) über Noel Gallaghers Marr-Lobgesänge auf die Band gestoßen war. Zu mehr als einem "The Queen Is Dead"-Original vom Flohmarkt, das anschließend im Regal verstaubte, reichte meine Interesse damals nicht - nun bin ich allerdings Feuer und Flamme, und momentan fleißig dabei, das Smith´sche Oeuvre (inkl. der Singles) "nachzuarbeiten".
...momentan fleißig dabei, das Smith´sche Oeuvre (inkl. der Singles) "nachzuarbeiten".Sehr schön! Diese monumentalen 7"-Wunderwerke werden Dich nie wieder loslassen. Satisfaction guaranteed.
Sweetheart
24.11.2006, 00:51
...momentan fleißig dabei, das Smith´sche Oeuvre (inkl. der Singles) "nachzuarbeiten"Seit wann kaufst Du denn 7"-Singles? Ich würde es natürlich begrüßen, gerade bei The Smiths wäre es ungemein lohnenswert.
tina toledo
24.11.2006, 02:25
Sehr schön! Diese monumentalen 7"-Wunderwerke werden Dich nie wieder loslassen. Satisfaction guaranteed.
Alright, I`ll get back to you on that.;-)
Seit wann kaufst Du denn 7"-Singles? Ich würde es natürlich begrüßen, gerade bei The Smiths wäre es ungemein lohnenswert.
Im Prinzip bin ich definitiv eher Album-Hörer, ja, aber beim Erschließen des Gesamtwerks vieler Künstler/Bands sind Singles eben essentiell - und, yep, dazu zählen die Smiths ganz sicher. Meine 7"-Sammlung ist bisher freilich noch klein (ein paar Bowie- und Stones-, eine Menge Beatles- und Lennon-Singles, und ein paar Dutzend diverse), wächst aber zurzeit stetig.
@ kramer
Eine Mischung aus 1. leichter Enttäuschung der Hörerwartung nach längerer Zeit des Nichthörens und 2. zunehmend strengeren Bewertungsmaßstäben. Da rutscht manche Platte einen halben, sehr selten einen ganzen Stern tiefer.
@ kramer
Eine Mischung aus 1. leichter Enttäuschung der Hörerwartung nach längerer Zeit des Nichthörens und 2. zunehmend strengeren Bewertungsmaßstäben. Da rutscht manche Platte einen halben, sehr selten einen ganzen Stern tiefer.
Whatever happened to Altersmilde?
Allerdings sehe ich die Platte inzwischen auch so.
Sonic Juice
04.12.2006, 14:08
Bin am Samstag zufällig in einem ziemlich versifften Plattenladen (Yorck Records) auf ein Exemplar von "Hounds Of Love" gestoßen und habe sie für ein paar Euro mitgenommen, weil ich mich an hiesige Rezension erinnerte. Habe bislang nur kurz reinhören können, mal schauen, wie sie sich macht. Kannte bislang nur "Running Up That Hill" und auch das nur aus dem Radio von vor 20 Jahren...
Einer meiner Lieblingsläden, Sonic Juice. Vom versifftten Ambiente darf man sich nicht abschrecken lassen. Kaufe regelmäßig dort. Sehr moderate Preise, und neue Platten kann Günther (so heißt der langhaarige Besitzer) fast immer besorgen.
Sonic Juice
04.12.2006, 14:22
@Mikko: ok, ist vermerkt! Da der Laden direkt in meiner Nachbarschaft liegt, werde ich dort sicherlich noch öfter vorbeischauen.
Das Problem ist eher, dass manche Platten eben schon seit Jahren dort stehen und immer wieder hin und her geräumt wurden. Davon wurden sie auch nicht besser. Beim Ankauf wird eigentlich schon auf den Zustand geachtet. Aber ich fürchte, der gute Günther hat z.T. etwas den Überblick über seinen Bestand verloren.
Jetzt aber Schluss mit "off topic".
MichaelCorleone
10.12.2006, 15:48
Argh, hab erst jetzt deinen tollen Text über die "Hounds Of Love" bemerkt.
Wundert mich aber schon das du die "Dreaming" mit so einer niedrigen Bewertung abwatscht.
Argh, hab erst jetzt deinen tollen Text über die "Hounds Of Love" bemerkt.
Wundert mich aber schon das du die "Dreaming" mit so einer niedrigen Bewertung abwatscht.Auf "The Dreaming" finden sich für meinen Geschmack zu viele überambitionierte Klangexperimente unter denen in fast allen Fällen die Songs leiden, ja sogar begraben werden. Einige Tracks wiederum sind einfach schwach. ("Houidini" zum Beispiel). Der einzige, wirklich ansprechende Track ist für mich "There Goes A Tenner".
Wie bereits angekündigt versuche ich mich in diesem Review erstmals an einem Jazz-Album, was mir noch immer ein wenig schwer fällt. Ergänzungen und Korrekturen sind von daher mehr als willkommen!
JOHN COLTRANE - My Favorite Things (Atlantic, 1960)
http://www.yonkitime.de/myfavorite.jpg
Date:
21 October 1960, Atlantic Studios, New York, NY
Tracks:
My Favorite Things (Rodgers, Hammerstein)
Everytime We Say Goodbye (Porter)
Summertime (Heyward, Gershwin)
But Not For Me (Gershwin, Gershwin)
Personnel:
John Coltrane - Soprano sax & tenor sax
McCoy Tyner - Piano
Steve Davis - Bass
Elvin Jones - Drums
“I never even thought about whether or not they understand what I'm doing . . . the emotional reaction is all that matters as long as there's some feeling of communication, it isn't necessary that it be understood.”
- John Coltrane
Ich hatte lange Zeit Probleme mit Jazz und konnte keinen rechten Zugang zu dieser Musik finden, was durch einige von mir ziel- und ahnungslos zusammengekaufte Jazz-Alben nicht gerade gefördert wurde. (Darunter einige grausame Fusion-Werke und vermeintliche Jazz-Bearbeitungen von Beach Boys-Songs. Grausam!) Bisweilen erschien mir die Jazz-Welt wie ein Buch mit sieben Siegeln, eine Sprache die ich nie begreifen und nie entschlüsseln würde. Zum Glück stolperte ich eines Tages über "My Favorite Things" und zum ersten mal verspürte ich Neugierde, Aufregung und den Drang mehr von dieser Musik zu hören, mehr über John Coltrane zu erfahren, mich kurzum intensiv mit der Musik und ihrem Hintergrund zu beschäftigen. Der Grundstein für meine heutige Jazz-Begeisterung war gelegt und ich erkannte, dass einem die großartigsten Dinge oft nicht direkt ins Auge springen und dass es Dinge gibt, die man sich hart erarbeiten muss, bevor man sie schätzen und verstehen kann. Es gibt unendlich viele Jazz-Aufnahmen, die ich (noch) nicht verstehe, manchmal höre ich Stücke, die mich ungemein begeistern ohne dass ich diese Begeisterung in Worte ausdrücken kann. Nicht selten fühle ich mich im riesigen Jazz-Universum verloren und hilflos - es gibt so viel zu entdecken, doch wo soll man anfangen? Chronologisch? Nach favorisierten Instrumenten? Eine der zahllosen, wenig aussagekräftigen "Top 100 Jazz Albums of all time"-Listen konsultieren, wo Parker neben Jarrett steht? Es gibt wohl leider kein Patentrezept... Es gibt jedenfals Wochen, in denen ich nichts anderes als Jazz höre und dann wieder Wochen in denen es mir nicht in den Sinn kommt, ein Jazz-Album aufzulegen. Eine mystetriöse, verdammt spannende Angelegenheit, die ich nicht mehr missen möchte!
"My Favorite Things" war nicht mein erstes Coltrane-Album (das war "A Love Supreme"), aber der Titelsong war meine erste (bewusste) Begegnung mit Coltrane und für mich wahrscheinlich auch der perfekte Einstieg in das Coltrane-Universum, denn anhand von populären Material wird hier ein perfekter, vielschichtiger Einblick in Coltranes Arbeit vermittelt, ohne dass mein, damals für Jazz noch nicht sonderlich empfängliches Ohr, verschreckt wurde. Ich weiss jedenfalls noch, dass ich "My Favorite Things" damals als ungehörig wagemutig und experimentell empfand. Which goes to show how little i knew... Hier herrscht eine perfekte Waage zwischen wohlbekannten, eingängigen und sich immer wieder, leicht variiert wiederholenden Songstrukturen und Improvisation. "My Favorite Things" klingt fast wie ein kurzer, verhaltener Vorspann auf das, was noch möglich ist und in der kurzen Zeit von nur sieben voll ausgeschöpften Jahren der musikalischen Orientierung und Suche folgen sollte. Verglichen mit den zahleichen bekannten Live-Aufnahmen von "My Favorite Things" (u.a. zu hören auf "Live At The Village Vanguard Again" oder "One Down, One Up - Live At The Half Note") klingt der Album-Track fast wie ein Grundgerüst, eine Blaupause für später Konzert-Exkurse und Exzesse.
Coltranes drittes Album für Atlantic (und sein erstes unter Verwendung des seinerzeit wenig populären Sopran-Saxophons) bestand ausschliesslich aus bekannten und beliebten Standards, sicherlich kein Zufall und marketingtechnisch nicht unklug, denn zumindest der Opener und Titeltrack "My Favorite Things" aus dem enorm erfolgreichen 1959 am Broadway gestarteten Musical "The Sound Of Music" von Rodgers und Hammerstein wurde ein gefragter, fester Bestandteil in Coltranes ansonsten viel variienrenden Live-Repetoire, der bisweilen auf eine Länge von knapp einer Stunde ausgedehnt wurde. (Herzallerliebst übrigens der Text zu dem ursprünglichen Song, der u.a. folgendermaßen geht: "Cream colored ponies and crisp apple streudels / Doorbells and sleigh bells and schnitzel with noodles / Wild geese that fly with the moon on their wings / These are a few of my favorite things") Davon abgesehen markiert das Album eine wichtige Phase des Umbruchs in Coltranes Karriere, der zu diesem Zeitpunkt gerade sein klassiches Quartett zusammenstellte, von dem auf "My Favorite Things" bereits McCoy Tyner und Elvin Jones zu hören sind. Für mich gehört "My Favorite Things" zu Coltranes besten und stimmigsten Einspielungen. Auch, weil das Quartett es hier schafft, altbekannte Stücke wie zum Beispiel "Summertime" in etwas eigenwilliges, aufregend neues zu verwandeln ohne dabei verbissen oder gequält zu agieren. A must-have!
Mistadobalina
28.01.2007, 00:49
Ganz toll, Kramer. Und was du über den Umgang mit Jazz beschreibst, kenne ich sehr gut von mir selbst.
Napoleon Dynamite
28.01.2007, 10:43
Ich weiss jedenfalls noch, dass ich "My Favorite Things" damals als ungehörig wagemutig und experimentell empfand.Das ist die Platte auch! Schöner Text, kramer-ino.
Hat and beard
28.01.2007, 13:53
Dein toller Text zu dieser wunderbaren Platte steht in starkem Widerspruch zu Deiner aktuellen Signatur, kramer. Gut so, weiter so!
Sehr schöner und persönlicher Text zu einer meiner liebsten Alben, kramer! Ich freue mich auf weitere Texte.
Sehr schön @Kramer! "My favorite things" ist meine Lieblingsplatte von Coltrane und dass sagt bei der Qualität der anderen Werke recht viel aus..
Bauer Ewald
29.01.2007, 10:04
@kramer: Ein schöner Text, der auf das Album neugierig macht. Werde es mir bei nächster Gelegenheit zulegen.
Lese ich das richtig heraus, daß Dich "A Love Supreme" im Gegensatz zu "My Favorite Things" noch nicht so gepackt hatte? Erstere wird ja von vielen als Jazz-Einstiegsalbum genannt.
TheMagneticField
29.01.2007, 10:09
@kramer: Ein schöner Text, der auf das Album neugierig macht. Werde es mir bei nächster Gelegenheit zulegen.
.
Ich auch.
Kenne nur "Soultrane", aber das gefällt mir sehr sehr gut, dann mach ich mal mit diesem Album weiter (nähere mich ja auch gerade erst langsam dem Jazz an)
Sonic Juice
29.01.2007, 10:15
Hatte bislang noch nicht den Ehrgeiz, mich mit Coltrane als Bandleader ausgiebig zu befassen, die paar mir bekannten Alben (zB auch "A Love Supreme") haben mich noch nicht so richtig gepackt. Dass ich irgendwann mal damit anfange, ist mir aber schon klar.
Über bekannte Standards dürfte der Einstieg leichter fallen, da man nachvollziehen kann, was Coltrane an Eigenem der Komposition hinzufügt und auch den Abstrahierungsgrad der Interpretation einschätzen kann. Was er zB mit "My Favorite Things" anstellt, interessiert mich nach Deiner Besprechung schon sehr. Danke für den Tipp!
Könntest Du (oder Atom oder...) noch etwas zu empfehlenswerten Vinyl-Ausgaben und Preisen sagen?
Prodigal Son
29.01.2007, 10:18
Bei Dead And Free oder Unter den Gleisen bekommst Du ein vernünftiges Reissue für etwa 13€. Gilt für viele weitere Atlantic Veröffentlichungen.
@kramer: Ein schöner Text, der auf das Album neugierig macht. Werde es mir bei nächster Gelegenheit zulegen.
Lese ich das richtig heraus, daß Dich "A Love Supreme" im Gegensatz zu "My Favorite Things" noch nicht so gepackt hatte? Erstere wird ja von vielen als Jazz-Einstiegsalbum genannt.Doch, ich schätze "A Love Supreme" sehr! (****1/2) Als Coltrane-Einstiegsalbum vielleicht dennoch nicht die erste Wahl. Es gibt wenige Coltrane-Alben, die mich überhaupt nicht gepackt haben. Dazu gehören "OM" und "The Avant-Garde" oder "Coltranetime".
Die von Sebastian Frank erwähnte, gegenwärtig erhältliche Reissue ist zwar okay, aber zumindest ein Teil der Auflage hat einen Pressfehler, der sich durch leichte Kratzgeräusche bemerkbar macht. Auch hier ist meiner Meinung nach die Mono-Ausgabe vorzuziehen, die deutlich günstiger zu bekommen ist als eine "Giant Steps" Mono-Pressung.
Kramer, ich habe eine Atlantic-RI-Pressung und sie gestern infolge deines prima Textes wieder einmal angehört. Dabei fiel mir die geringe Durchsichtigkeit des Klangbildes, vor allem was Bass und Drums anbelangt, auf. Liegt das an meiner Pressung oder ist das so aufgenommen worden?
Apropos war Anfang der 70er My Favorite Things (als Track auf einer schönen Best of mit Giant Steps...) auch mein Einstieg ins JC-Universum.
dagobert
29.01.2007, 11:28
(Herzallerliebst übrigens der Text zu dem ursprünglichen Song, der u.a. folgendermaßen geht: "Cream colored ponies and crisp apple streudels / Doorbells and sleigh bells and schnitzel with noodles / Wild geese that fly with the moon on their wings / These are a few of my favorite things")
:bier:
Bei den meisten Re-Issues, die sich zur Zeit im Umlauf befinden handelt es sich um Counterfeits. Man kann sie am blassen Label und am schlechten Cover-Repro erkennen.
Das habe ich mir schon gedacht. Aber klingen diese sehr viel schlechter?
Kramer, ich habe eine Atlantic-RI-Pressung und sie gestern infolge deines prima Textes wieder einmal angehört. Dabei fiel mir die geringe Durchsichtigkeit des Klangbildes, vor allem was Bass und Drums anbelangt, auf. Liegt das an meiner Pressung oder ist das so aufgenommen worden?Ich glaube, ich weiss was Du meinst und ich fürchte, dass das an der Aufnahme liegt. Besonders auffällig ist es für mich immer während des Intros von "My Favorite Things", ich gewöhne mich dann aber immer relativ schnell an dieses eigenwillige "Klangbild".
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
03. Neil Young - On The Beach *****
04. The Smiths - The Queen Is Dead *****
05. Blondie - Blondie **** 1/2
06. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
07. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
08. Donald Fagen - The Nightfly ****
09. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
10. The Doors - Strange Days ****
Napoleon Dynamite
29.01.2007, 21:05
Generell ist Elvin Jones' Schlagzeugspiel eh bei den Atlantic Aufnahmen etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt, oder? Verwundert besonders beim Hörvergleich mit den direkt anschließenden Aufnahmen auf Impulse, aber auch schon beim Hören von '59er Konzertbootlegs .
Genau das meinte ich. Wenn es so sein soll, stört es mich natürlich nicht. Es entwertet aber etwas die Kunst des Mannes.
Generell ist Elvin Jones' Schlagzeugspiel eh bei den Atlantic Aufnahmen etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt, oder? Verwundert besonders beim Hörvergleich mit den direkt anschließenden Aufnahmen auf Impulse, aber auch schon beim Hören von '59er Konzertbootlegs .Bei Atlantic arbeitete man im Gegensatz zu Impulse!, Prestige und natürlich Blue Note auch nicht mit Rudy Van Gelder, oder?
Napoleon Dynamite
29.01.2007, 21:18
Bei Atlantic arbeitete man im Gegensatz zu Impulse! und Prestige auch nicht mit Rudy Van Gelder, oder?Ja, verwunderlich ist es trotzdem. Richmonds kraftvolles Spiel bei Mingus ist zB. klanglich auf dessen Atlantic-LPs vollkommen intakt.
Ja, verwunderlich ist es trotzdem. Richmonds kraftvolles Spiel bei Mingus ist zB. klanglich auf dessen Atlantic-LPs vollkommen intakt.Du hast Recht, eine sinnvolle Erklärung ist das natürlich nicht.
Ich musste einige Relationen korrigieren:
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Blondie - Blondie **** 1/2
05. Neil Young - On The Beach **** 1/2
06. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
07. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
08. Donald Fagen - The Nightfly ****
09. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
10. The Doors - Strange Days ****
nikodemus
03.02.2007, 11:17
On The Beach verliert einen halben Stern? War das Album nicht mal unter deinen Top 5? Wie kam es denn dazu?
Sonic Juice
03.03.2007, 17:04
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
06. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
08. Donald Fagen - The Nightfly ****
Ich weiß nicht mal recht, woran es genau liegt, dass ich ständig LPs kaufe, die hier besprochen werden (selbst wenn Du nicht neben mir stehst und mir die LP sozusagen in den Einkaufswagen legst).
Jedenfalls mündet das mindestens im Lob, dass Deine Kritiken prägnant, einprägsam und, tja, glaubhaft sind, so dass sie mir in dem Moment ins Gedächtnis kommen, wenn ich gerade mal irgendwelche LP-Stapel im Laden durchwühle.
"Marquee Moon" sehe ich auch ohne Zweifel als *****er, tatsächlich aber erst seit ich die 4MWB-Edition habe.
Bush und Fagen sträuben sich meinem uneingeschränkten Wohlgefallen noch etwas durch ihre Produktion und ihren demonstrativen Anspruch, aber die Qualität der Musik erschließt sich mir gleichwohl.
Coltrane läuft gerade und das wird, soweit ich das jetzt schon beurteilen kann, sicherlich auch eine meiner Jazz-Favoriten werden. Was ich mich allerdings frage, ist weshalb es wohl damals im Jazz aufrichtiger Usus war, Standards/Klassiker-Bearbeitungen als solche auszuweisen. Ist es wegen einem erhofften Promotion-Effekt im Sinne von "aha, mal sehen, was er aus my favorite things macht"? Oder einfach aus Anstand und Respekt?
Ich jedenfalls wäre ohne den Titel erstmal nicht darauf gekommen, dass der Track auf dieser Komposition beruht, da er soviel eigenes aufweist und somit auch als Coltrane-Original durchgegangen wäre. ("Summertime" ist natürlich leichter dingfest zu machen.)
Jedenfalls scheint mir die Nutzbarmachung von Fremdakkorden und -melodien als Grundlage für eigene Songs im Pop (aber auch schon im frühen Folk/County/Blues) weitaus skrupelloser zu erfolgen.
PS: Bei Richard Hell, Neil Young und The Smiths konntest Du nur deshalb keine Marketing-Erfolge verbuchen, weil ich die LPs schon vorher kannte und schätzte.;-)
Ich weiß nicht mal recht, woran es genau liegt, dass ich ständig LPs kaufe, die hier besprochen werden (selbst wenn Du nicht neben mir stehst und mir die LP sozusagen in den Einkaufswagen legst).
Jedenfalls mündet das mindestens im Lob, dass Deine Kritiken prägnant, einprägsam und, tja, glaubhaft sind, so dass sie mir in dem Moment ins Gedächtnis kommen, wenn ich gerade mal irgendwelche LP-Stapel im Laden durchwühle.
"Marquee Moon" sehe ich auch ohne Zweifel als *****er, tatsächlich aber erst seit ich die 4MWB-Edition habe.
Bush und Fagen sträuben sich meinem uneingeschränkten Wohlgefallen noch etwas durch ihre Produktion und ihren demonstrativen Anspruch, aber die Qualität der Musik erschließt sich mir gleichwohl.
Coltrane läuft gerade und das wird, soweit ich das jetzt schon beurteilen kann, sicherlich auch eine meiner Jazz-Favoriten werden. Was ich mich allerdings frage, ist weshalb es wohl damals im Jazz aufrichtiger Usus war, Standards/Klassiker-Bearbeitungen als solche auszuweisen. Ist es wegen einem erhofften Promotion-Effekt im Sinne von "aha, mal sehen, was er aus my favorite things macht"? Oder einfach aus Anstand und Respekt?
Ich jedenfalls wäre ohne den Titel erstmal nicht darauf gekommen, dass der Track auf dieser Komposition beruht, da er soviel eigenes aufweist und somit auch als Coltrane-Original durchgegangen wäre. ("Summertime" ist natürlich leichter dingfest zu machen.)
Jedenfalls scheint mir die Nutzbarmachung von Fremdakkorden und -melodien als Grundlage für eigene Songs im Pop (aber auch schon im frühen Folk/County/Blues) weitaus skrupelloser zu erfolgen.
PS: Bei Richard Hell, Neil Young und The Smiths konntest Du nur deshalb keine Marketing-Erfolge verbuchen, weil ich die LPs schon vorher kannte und schätzte.;-)Gerade erst gesehen - freut mich natürlich, dass auch Dir einige meiner Faves zusagen. Zu Coltrane möchte ich momentan nichts schreiben - das Thema können wir ja bei unserem nächsten Treffen nochmal anschneiden. Thanks again!
TOM VERLAINE - "Tom Verlaine" (Elektra, 1979)
http://www.yonkitime.de/verlaine.jpg
The Grip Of Love
Souvenir from A Dream
Kingdom Come
Mr. Bingo
Yonki Time
Flash Lightning
Red Leaves
Last Night
Breakin' My Heart
"I don't like dumb lyrics. By that I mean lyrics where you can't feel that there's a real person behind it- unthoughtful, sentimental, conditioning type stuff. And people use the excuse 'well this is rock and roll' so they turn out the same songs that everybody's heard for 20 years."
(Tom Verlaine, 1979)
Nur ein Jahr nach dem für lange Zeit letzten Television-Album "Adventure" erschien bereits Tom Verlaines erstes Solo-Album, das zwar deutlich an "Adventure" erinnert, aber direkter, persönlicher und weniger verträumt erscheint, als vieles was Television auf "Marquee Moon" oder "Adventure" veröffentlicht haben. Der Ansatz dieses Albums mag klarer und direkter sein, dennoch entwickelt Verlaine bereits auf seinem Solo-Debut einen deutlichen Hang zum Experiment. Das Cover mag ein nettes, leicht zugängliches Album suggerieren, doch bereits der leicht absurde, spiralenförmig-zerrissene Opener "The Grip Of Love" schmälert den Verdacht auf ein radiotaugliches Album und der viel diskutierte und, je nachdem mit wem man spricht, geniale oder hochgradig unsinnige Track "Yonki Time" führt ihn schliesslich ad absurdum. Vollkommen klar, dass Verlaine sich nie mit Clapton-Klischees aus dem Gitarrenhandbuch zufrieden geben würde. Zu vielschichtig sind seine Einflüsse und Interessen - von den Stones über The Velvet Underground bis zu John Coltrane und Roland Kirk. In einem Interview erzählt Verlaine, dass er sich von seinen Eltern zu Weihnachten einst nichts anderes als 10 Avantgarde-Alben auf ESP Records wünschte. "I like weird sounds, you know." Von literarischen und künstlerischen Heroen und Ingredienzen ganz zu schweigen. Ich gehöre übrigens zur zweiten angeführten Kategorie der "Yonki Time"-Hörer, denn der Hintergrund dieses bizarren Songs, der auf der einen Seite einsilbig und monoton, auf der anderen Seite schräg und experimentell erscheint, hat sich mir nie offenbart. Für mich bleibt "Yonki Time" ein quälender Fremdkörper auf diesem ansonsten sehr stimmigen Album:
"So nice to meet you isn't it? / Maybe I better take the garbage out / Well why not / What time is it anyway? / What time did you say it was? / It's Yonki Time / It's Yonki Time"
Macht sich Verlaine etwa über seine Hörer lustig? Oder verhöhnt er sich selbst? Nicht alleine wegen Lyrics wie diesen erscheint mir Tom Verlaine bisweilen wie jemand, der die Welt mit anderen Augen sieht und seine eigene Sprache gefunden hat, die sich für den Hörer nur in Fragmenten oder bestenfalls Bildern und Eindrücken offenbart.
So eigenwillig und offensichtlich unkommerziell Verlaine auch sein mag - sein Debut ist sicherlich sein zugänglichstes Album, was zum einen an der hervorragenden Produktion liegt, die auf späteren Alben wie "The Wonder" oder "Flash Light" nicht selten kritische Stimmen hervorruft - zu steril und künstlich sei die Produktion auf späteren Einspielungen, bemängeln nicht wenige. Zum anderen liefert Verlaine hier einige seiner besten Melodien ab - mal abgesehen von Verlaines Stimme, die er in einige Fällen, ähnlich wie Tim Buckley, wie ein Instrumen einzusetzen scheint, fällt mir kein Grund ein, warum Songs wie "Souvenir From A Dream" (einer meiner liebsten Verlaine-Songs mit einem einprägsamen, wunderschönen Piano-Motiv) "Flash Lightning", "Red Leaves" oder "Breakin' My Heart" keine auch im Radio erfolgreichen Singles hätten sein können. Vielleicht liegt das aber auch einfach an der mir eigenen Schwäche für Verlaines Werk, den ich nicht nur aufgrund seiner Kompromisslosigkeit und Unbeirrbarkeit schätze und respektiere. Manchmal erscheint es mir sogar so, als ob Verlaine seine höchst durchdachte und nie zurücklehnend unterhaltende Musik ausschliesslich für sich selbst macht - wenn sie dann noch ein paar Käufer findet, dann ist das für ihn wahrscheinlich nur ein netter Bonus, aber nichts von Bedeutung...
Eine geplante Zusammenarbeit mit David Bowie an dessen "Scary Monsters"-Album kam leider nie Zustande, so dass Bowie sich auf eine Coverversion von "Kingdom Come" beschränkte, die sich relativ dicht an Verlaines Original orientiert. Zumindest finanziell war dies sicherlich ein glücklicher Umstand für Verlaine, der nie sonderlich viele Platten verkaufte, bei zahlreichen Labels unter Vertrag war und zwischenzeitlich ganz ohne Plattenvertrag dastand.
2006 hatte ich das Glück Tom Verlaine (zusammen mit Jimmy Ripp) bei einem seiner raren Solo-Auftritte in Deutschland zu erleben. Ein einzigartiges Erlebnis, zumal ich noch ein paar Worte mit Verlaine wechseln konnte, der sich genau so verhielt, wie ich es erwartete hatte - freundlich aber ein wenig strange und unnahbar. Eine Husky Stash single nennt er jetzt übrigens auch sein eigen. Gibt es bessere Werbung für ein junges Label? "Man, even Tom Verlaine has one!" Vielleicht spielt er sie ja Patti vor...
Wie fast alle Tom Verlaine-Alben ist sein Debut recht einfach und günstig zu bekommen. Eine Investition, die sich definitiv lohnt, wenn man bereit ist, sich intensiver mit Verlaines Musik zu beschäftigen.
Sehr schöner Text, kramer!
Ja, ein sehr guter Artikel. Ich muss zugeben, ich habe diese LP irgendwann verkauft, weil ich sie nie hörte und auch nie ein Bedürfnis hatte, das zu tun. War vielleicht ein Fehler. - Andererseits, wenn ich Deinen Text lese, kramer, dann weiß ich wieder, warum ich diese Platte nie auflegen mochte. Neben den beiden Television LPs habe ich nur noch "Call Mr. Lee". Das allerdings ist großartig!
Neben den beiden Television LPs habe ich nur noch "Call Mr. Lee". Das allerdings ist großartig!Irre ich mich, oder ist "Call Mr. Lee" nie als 7" erschienen? Es gibt doch nur Testpressungen, da der Plan einer Veröffentlichung aufgrund miserabler Verkaufszahlen des Albums verworfen wurde, oder?
Es gibt wohl nur eine 12". Aber Wolfgang sollte das genauer wissen.
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Blondie - Blondie **** 1/2
05. Neil Young - On The Beach **** 1/2
06. Tom Verlaine - Tom Verlaine **** 1/2
07. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
08. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
09. Donald Fagen - The Nightfly ****
10. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
11. The Doors - Strange Days ****
Mistadobalina
18.03.2007, 21:17
Sehr schöne Besprechung des Albums, das ich auch sehr schätze. "Souvenir From A Dream", "Flash Lightning", "Red Leaves" und "Breakin' My Heart" sind alles Lieblings-Songs von mir. Zumindest "Souvenir" wär eine großartige Single gewesen, "Last Night" ist eine wunderbare Ballade mit herzzerreißenden Gitarren.
Das Cover hat mir allerdings immer ein bisschen Angst gemacht - ich habe aber noch nirgendwo eine Erklärung für Toms schwarze rechte Hand auf dem Foto gefunden. Weiß jemand, warum sie so ist?
Das Cover hat mir allerdings immer ein bisschen Angst gemacht - ich habe aber noch nirgendwo eine Erklärung für Toms schwarze rechte Hand auf dem Foto gefunden. Weiß jemand, warum sie so ist?Das nennt man Schatten...
Mistadobalina
18.03.2007, 21:37
Das nennt man Schatten...
... aber nur mit viel gutem Willen. Ich finde, es sieht gruselig aus. :-)
... aber nur mit viel gutem Willen. Ich finde, es sieht gruselig aus. :-)Ich finde das "Marquee Moon" Cover viel gruseliger...
Fein, kramer. Vor allem der Umstand, daß Du nun doch zügig weitermachst.
Zur LP: für mich seine beste Solo-Platte. Fave Track: Red Leaves.
Zu "Call Mr.Lee": Die UK-12" war promo only. Offiziell wurde die Single m.W. nur in Australien und Neuseeland veröffentlicht, angeblich als 7". Habe allerdings nie eine gesehen. Sobald mir ein Exemplar über den Weg läuft wird sich das in meinen All-Time-Faves niederschlagen. Und zwar kräftig.
@tops:
Mich würde bei Gelegenheit Deine Reihenfolge der von mir bisher vorgestellten LPs interessieren. Gerne mit Sternen.
Gern...
1. TELEVISION - Marquee Moon * * * * *
2. THE SMITHS - The Queen Is Dead * * * * *
3. JOHN COLTRANE - My Favorite Things * * * * *
4. NEIL YOUNG - On The Beach * * * * 1/2
5. BLONDIE - Blondie * * * * 1/2
6. DONALD FAGEN - The Nightfly * * * *
7. KATE BUSH - Hounds Of Love * * * *
8. TOM VERLAINE - Tom Verlaine * * * *
9. TIM BUCKLEY - Starsailor * * * *
10. THE DOORS - Strange Days * * * *
11. RICHARD HELL - Blank Generation * * * *
Gern...
1. TELEVISION - Marquee Moon * * * * *
2. THE SMITHS - The Queen Is Dead * * * * *
3. JOHN COLTRANE - My Favorite Things * * * * *
4. NEIL YOUNG - On The Beach * * * * 1/2
5. BLONDIE - Blondie * * * * 1/2
6. DONALD FAGEN - The Nightfly * * * *
7. KATE BUSH - Hounds Of Love * * * *
8. TOM VERLAINE - Tom Verlaine * * * *
9. TIM BUCKLEY - Starsailor * * * *
10. THE DOORS - Strange Days * * * *
11. RICHARD HELL - Blank Generation * * * *Überrascht bin ich eigentlich nur über die **** für Strange Days. Ich hatte von Deiner Seite weniger erwartet. Siehst Du das Debut auch bei **** oder dann bei **** 1/2?
@kramer: Sehr schöner Text! "Tom Verlaine - Tom Verlaine" kenne ich leider noch nicht, aber dein Text macht mir auf jeden Fall Lust diesen Zustand zu ändern....
Prodigal Son
19.03.2007, 09:58
Danke für die Besprechung, kramer. Besonderer Dank deshalb, weil ich, wie Du weißt, mit Verlaines Soloalben meine Schwierigkeiten habe. Die erste gehörte Platte war seinerzeit "Flashlight", und ich war beinahe entsetzt. Das Debüt gefiel mir im Vergleich schon besser, überzeugt hat es mich dennoch nicht. Ich werde mir die Zeit nehmen, die Platte nochmal in Ruhe zu hören, das scheint wohl geboten.
keksofen
19.03.2007, 11:16
Danke Kramer, hast mir ein schönes und lange nicht mehr gespieltes Album wieder auf den Plattenspieler bugsiert.
Lieblingstrack "Breakin' In My Heart".
Napoleon Dynamite
19.03.2007, 11:19
Danke Kramer, hast mir ein schönes und lange nicht mehr gespieltes Album wieder auf den Plattenspieler bugsiert.
dito.
@ kramer
Auch bei * * * *, wiewohl besser. Wäre in obiger Liste auf #7 gelandet.
ALBERT AYLER TRIO - Spiritual Unity (ESP, 1964)
http://www.yonkitime.de/ayler.jpghttp://img691.imageshack.us/img691/9918/17775.jpg
Date:
10 July 1964, Variety Arts Recording Studio, New York, NY
Tracks:
Ghosts: First Variation (Ayler)
The Wizard (Ayler)
Ghosts (Ayler)
Ghosts: Second Variation (Ayler)
Personnel:
Albert Ayler - Tenor sax
Gary Peacock - Bass
Sunny Murray - Drums
"You have to really play your instrument to escape from notes to sounds"
(Albert Ayler)
Free- und Avantgarde-Jazz ist nicht ohne Grund der Nährboden für ewige Diskussionen, die schon seit 50 Jahren geführt werden und wahrscheinlich noch bis zum jüngsten Tag geführt werden ohne dass dabei eine Annäherung der verhärteten Fronten zustande käme. Interessanterweise ist Free-Jazz aber auch eine Musik, die viele Zuhörer in Konzerten spontan begeistert, bewegt und mitreisst, auf Platte hingegen befremdet, überfordert oder gar an den Nerven zerrt.
Ein kaum zu überschätzender Einfluss auf die sogenannte zweite Generation der Avantagarde im Jazz hatte der Musiker Albert Ayler, in dessen Werk das Album "Spiritual Unity", häufig als sein bestes und wichtigstes Album bezeichnet, eine besondere Stellung einnimmt, da Ayler hier erstmals mit zwei Musikern zu hören ist, die eindeutig auf Aylers Wellenlänge sind und seine musikalische Sprache sprechen. Aufgenommen in einer spannungsgeladenen Session in einem billigen New Yorker Studio und nur in Mono aufgenommen, weil der Engineer die Sessions für Proben hielt und der ebenfalls anwesende ESP-Chef Bernard Stollman nur noch Augen und Ohren für Ayler und seine Mistreiter Gary Peacock (Bass) und Sunny Murray (Drums) hatte. Stollman war zwar nie für die korrekte Bezahlung der bei ihm unter Vertrag stehenden Musiker bekannt, bot aber vielen Musikern des "New Thing" Aufnahmemöglichkeiten und veröffentlichte Platten, die bei anderen Labels nicht einmal den Hauch einer Chance gehabt hätten.
Das Trio um Ayler deckt auf "Spiritual Unity" die komplette Palette der Emotionen ab - vom expressiven Schrei bis zum zurückhaltenden Gurren. Dabei gründet hier vieles auf wohlbekanntes und vertrautes, ja fast primitives Material, das eine fast vertraute Stimmung erzeugt, zumal Ayler in vielen verschachtelten Verweisen immer wieder bekannte Themen zitiert und bearbeitet. Erinnerungen an kinderliederhafte singalongs, marching bands aus New Orleans und alte Spirituals werden wach. Wie viele Platten des Avantgarde-Jazz gibt es schon, die es vermögen, den Hörer mit einem Ohrwurm zurückzulassen und ihn mit dieser unheimlichen, unerklärlichen Schönheit gefangen nehmen? Aylers Spiel auf Spiritual Unity ist hoch emotional und ist zumindest im Ansatz näher an John Coltrane als dem intellektuellen, manchmal etwas kopflastigen Spiel eines Cecil Taylor, mit dem Ayler auch zusammen arbeitete. Ayler entzieht sich fast jeglicher Kritik, indem er sich kaum um Regeln und Vorgaben schert und das durch seine Aussage, dass seine Musik von Gefühlen, nicht Noten handelt untermauert. Obwohl der Einfluss Aylers nicht zu bestreiten ist, so erfährt er auch heute noch nicht die längst überfällige, verdiente Anerkennung. Selbst frühere Bewunderer wie etwa der Autor Stanley Crouch, der einst begeisterte Reviews verfasste, oder der Kritiker Amiri Baraka sind inzwischen zurückgerudert und bezeichnen Ayler als schädlich für den Jazz und seinen eingeschlagenen Weg als Sackgasse. John Coltrane hingegen hatte weniger Berührungsängste und Zweifel, was dazu führte, dass Albert Ayler und Ornette Coleman 1967 auf seiner Beerdigung spielten.
Obwohl ich dem Free- und Avatgarde-Jazz heute distanzierter und kritischer gegenüberstehe als noch vor wenigen Jahren, so gehört "Spiritual Unity" zu den wenigen Platten, die mich heute noch ebenso faszinieren wie beim ersten Höen. Das mag an Aylers ebenso sensiblen wie unversöhnlich brachialen, stets aufrechten Herangehensweise an Musik liegen. Ayler scheint das Vertrauen des Hörers zu verdienen, ein Vertrauen, dass viel zu oft von Scharlatanen ausgenutzt wurde.
Hat and beard
22.03.2007, 08:07
Sehr, sehr schöner Text, kramer!
Wirklich sehr schön auf den Punkt gebracht, kramer. Ich schätze "Spiritual Unity" ebenfalls sehr.
Dein Tom Verlaine Text hat mich neugierig gemacht, so dass nun neben der dritten Television auch sein Solodebüt auf meinem imaginären Wunschzettel steht.
Napoleon Dynamite
22.03.2007, 09:54
Jawohl, exakt auf den Punkt gebracht, kramerino! Ich schätze Alyers rauhen, beseelten Ton, insbesondere auf dieser Platte, auch sehr. Gerade Alyers marching band approach in Verbindung mit Sunny Murrays (überhaupt ein fabelhafter Schlagzeuger!) minimalem, hartem Spiel machen "Spiritual Unity" seh spannnend und großartig. Ebenfalls weit oben rangieren bei mir "Witches And Devils" und "Spirits Rejoice". Wie hörst du denn seine späteren Soul-Jazz Exkursionen auf Impulse? Mich hat er leider damit komplett verloren.
Was die Trane-Connection betrifft: Es gibt wohl sogar ein Live-Bootleg, auf dem Alyer mit ihm "My Favorite Things" spielt!
Wie hörst du denn seine späteren Soul-Jazz Exkursionen auf Impulse? Mich hat er leider damit komplett verloren.Ich habe zwei dieser Alben einmal vor knapp 2 Jahren gehört und als dermaßen uninteressant empfunden, dass ich mich nicht weiter damit beschäftigt habe.
dagobert
22.03.2007, 11:00
die passage mit Aylers "ebenso sensiblen wie unversöhnlich brachialen, stets aufrechten Herangehensweise an Musik" hat mir am besten gefallen. wirklich schön umschrieben. ich werde mir das album kaufen.
Natürlich wieder ein sehr schöner Text! "Spiritual unity" gehört sicher zu den besten Platten in diesen Genre. Gerade im "Free jazz" herrscht höchst unterschiedlichstes Niveau. In keiner anderen Spielart des Jazzes gibt es für mich so eine Achterbahnfahrt der Qualität.
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Blondie - Blondie **** 1/2
05. Neil Young - On The Beach **** 1/2
06. Albert Ayler Trio - Spiritual Unity **** 1/2
07. Tom Verlaine - Tom Verlaine **** 1/2
08. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
09. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
10. Donald Fagen - The Nightfly ****
11. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
12. The Doors - Strange Days ****
Wie steht es mit der Verfügbarkeit? Wie, wo bekommt man die Platte? Das, was ich kenne, mag ich von Ayler sehr.
Prima Text, kramer. Obwohl dies keine Platte ist, die mich packte, vor etlichen Jahren, als ich versuchte, dem Free Jazz auf die Spuren zu kommen. Ohne besonderen Erfolg. Der von Dir als "hochemotional" gekennzeichnete Expressionismus braucht beim Hörer vermutlich mehr als die Bereitschaft, eine Musiksprache zu lernen. "Im Ansatz näher" an Coltrane, schreibst Du, als an Cecil Taylor. Richtig, aber eben näher am späten Coltrane, der ja nicht im luftleeren Raum wirkte, aus sich selbst heraus, sondern etwa auf "Free Jazz" (Colemans LP) bewußt reagierte (s. u.a. Val Wilmer), mit "Ascension" nämlich. Mit dem ich auch nie warm wurde. Überdies störte mich bei "Spiritual Unity" bisweilen Murrays Beckenlastigkeit enorm, dieses fast flächige Sausen und Brausen, durchaus kongenial Aylers "seelenvolles" Spiel untermalend, mir aber in der Summe zu "bewegt". Napos Charakterisierung von Murrays Drums als "minimal" und "hart" widersprechen diesem Eindruck allerdings diametral. Sollte mich die Erinnerung derart trügen? Ein Grund mehr, die Platte nochmal zu beschaffen und das zu überprüfen. Thanks, kramer.
Wie steht es mit der Verfügbarkeit? Wie, wo bekommt man die Platte? Das, was ich kenne, mag ich von Ayler sehr.Es gibt diverse Reissues auf Get Back (Eine 180 Gramm Version, eine "Lo-Cost" Variante auf rotem Vinyl und eine Picture Disc) und diverse ESP-Reissues. Dürfte leicht und günstig zu finden sein.
Napoleon Dynamite
22.03.2007, 12:59
eine Picture DiscHängt übrigens bei mir an der Wand.
Und ich sehe gerade anhand der Tracks, dass ich die LP auf einer italienischen Billigpressung mit anderem Cover möglicherweise sogar habe. Bin gespannt heute Abend.
Und ich sehe gerade anhand der Tracks, dass ich die LP auf einer italienischen Billigpressung mit anderem Cover möglicherweise sogar habe. Bin gespannt heute Abend.Vorsicht! Es ist bei Ayler durchaus schon vorgekommen, dass unterschiedliche Tracks mit identischen Titeln versehen wurden...
Napoleon Dynamite
23.03.2007, 01:01
Vorsicht! Es ist bei Ayler durchaus schon vorgekommen, dass unterschiedliche Tracks mit identischen Titeln versehen wurden...Beziehungsweise: Einige Stücke ("Ghosts", "Bells" etc.) nahm er in verschiedenen Sessions über die Jahre immer wieder auf.
kramer, schätzt du "New York Eye And Ear Control"?
Ich weiß, Ghosts gibt es wohl sehr oft. Wizzard jedenfall ist nicht drauf, also ist sie es nicht. Werde mich um obige bemühen.
kramer, schätzt du "New York Eye And Ear Control"?Ich habe die Platte mehrfach in der Hand gehalten, konnte mich aber nie zum Kauf motivieren. Brauche ich sie? Was ist mit dem dazugehörigen Film?
@ kramer
Da ich die Platte nicht zur Hand habe und mich da wohl auch noch ein paar Wochen gedulden muß: was ist denn nun mit Murrays Spiel? Ist es hart-minimalistisch, wie Napo schrieb? Liege ich also mit meiner etwas diffusen Erinnerung eines bisweilen rauschenden Becken-Teppichs (mal überpointiert formuliert) schief?
@ kramer
Da ich die Platte nicht zur Hand habe und mich da wohl auch noch ein paar Wochen gedulden muß: was ist denn nun mit Murrays Spiel? Ist es hart-minimalistisch, wie Napo schrieb? Liege ich also mit meiner etwas diffusen Erinnerung eines bisweilen rauschenden Becken-Teppichs (mal überpointiert formuliert) schief?Nein, Deine Erinnerung täuscht Dich absolut nicht, Murrays Spiel ist extrem beckenlastig und auch die Bezeichnung "Becken-Teppich" halte ich für durchaus zutreffend. Als hart empfinde ich sein Spiel nicht - eher als minimalistisch (wie Napo schrieb) oft sogar zurückhaltend und fast monoton.
Danke. Nun muß ich nur noch lernen, "minimalistisch" und "Becken-Teppich" zusammenzudenken. Gar nicht so leicht.
Danke. Nun muß ich nur noch lernen, "minimalistisch" und "Becken-Teppich" zusammenzudenken. Gar nicht so leicht.Warum? Trotz des fast konstant vorhandenen "Becken-Teppichs" ist Murrays Spiel sparsam und unaufdringlich. Darum habe ich es als minimalistisch bezeichnet. Ist das so widersprüchlich?
Schon. Eine Definitionsfrage wohl. "Becken-Teppich" insinuiert "dicht", "minimalistisch" meint spieltechnisch eigentlich Reduktion auf das Wenige. Ich will nicht darauf herumreiten, blieb halt hängen in einem lange nicht aktivierten Gedächtniswinkel. "Unaufdringlich" fand ich Murrays Schlagzeug nicht, eher überpräsent. Freue mich darauf, das demnächst nachhören zu können (und mich womöglich revidieren zu müssen). Darum geht's doch.
Eine Definitionsfrage wohl. "Becken-Teppich" insinuiert "dicht", "minimalistisch" meint spieltechnisch eigentlich Reduktion auf das Wenige.Okay. So gesehen macht "minimalistisch" natürlich keinen Sinn. Berichtest Du bitte unbedingt nochmal, wenn Du das Album erneut hören konntest? Vielleicht können Napo, atom, Hat & Co. ja auch noch etwas dazu schreiben.
Überdies störte mich bei "Spiritual Unity" bisweilen Murrays Beckenlastigkeit enorm, dieses fast flächige Sausen und Brausen, durchaus kongenial Aylers "seelenvolles" Spiel untermalend, mir aber in der Summe zu "bewegt". Napos Charakterisierung von Murrays Drums als "minimal" und "hart" widersprechen diesem Eindruck allerdings diametral. Sollte mich die Erinnerung derart trügen?
Ich würde Murrays Spiel auch als sehr beckenlastig bezeichnen, was mich aber zu keinem Zeitpunkt stört. Irgendwie fügt sich Murray wunderbar an den Leader an und unterstützt diese brennenden und lodernden Ausbrüche von Ayler.
Mein Ranking deiner mir bekannten Faves:
1. JOHN COLTRANE - My Favorite Things * * * * *
2. TELEVISION - Marquee Moon * * * * *
3. THE SMITHS - The Queen Is Dead * * * * *
4. TIM BUCKLEY - Starsailor * * * * 1/2
5. NEIL YOUNG - On The Beach * * * * 1/2
6. ALBERT AYLER - Spiritual Unity * * * * 1/2
7. BLONDIE - Blondie * * * * 1/2
8. DONALD FAGEN - The Nightfly * * * *
9. KATE BUSH - Hounds Of Love * * * *
10. RICHARD HELL & THE VOIDOIDS - Blank Generation * * * *
11.THE DOORS - Strange Days * * * *
Irgendwie fügt sich Murray wunderbar an den Leader an und unterstützt diese brennenden und lodernden Ausbrüche von Ayler.
Ich habe mit der Platte schon immer gewisse Schwierigkeiten. Die Attraktion ist ganz klar Ayler. Sein erdiger und robuster Ton, sein furchtloser Umgang mit der Konvention, seine Liebe zur Tradition und der Melodie.
Die Interaktion zwischen den Musikern, eigentlich eine der speziellen Freuden des Free Jazz, empfinde ich jedoch als nicht besonders gut entwickelt. Murray bereitet dem Leader den schon erwähnten Becken-Teppich, gibt aber wenig Impulse und bleibt wie Peacock doch eindeutig in der Rolle des Begleiters anstatt zum gleichberechtigten Partner zu werden.
Eine gute Platte allemal, auch wenn ich sie nicht ganz so gut sehe, und wieder eine schöne Besprechung.
R.E.M. - Chronic Town (IRS, 1982)
http://www.yonkitime.de/chronic.jpg
Wolves, Lower
Gardening at Night
Carnival of Sorts (Boxcars)
1,000,000
Stumble
"The voice tells of knowledge but doesn't give too much away. The songs have mystery but are in o way fuzzy"
(Richard Grabel, NME 1982)
Alles was R.E.M. zumindest bis in die Mitte er 80er Jahre ausmachen sollte ist hier bereits in voller Perfektion entwickelt: die wunderbaren Pop-Songs mit deutlichem Byrds-Einfluss und klaren Garagen-Wurzeln, Stipes nahezu unverständliches Genuschel, dass die ohnehin kryptischen Songs zu einem kompletten Mysterium werden lässt und allem den Charme verleiht, den R.E.M. irgendwo im Niemandsland zwischen "Pop Song 89" und "Shiny Happy People" weitgehend verloren haben.
Die frühen R.E.M. schienen immer wie ein paar störrische aber gutmütige Aussenseiter, die Musik für ihresgleichen machten. Wer sich einmal Live-Aufnahmen aus den frühen Jahre der Band anhört, als sie in ihrem kleinen Van durch die halben Vereinigten Staaten tourten und selbst in den kleinsten Pizza-Restaurants spielten, wird schnell erkennen, dass die heutigen R.E.M. und speziell ihre Live-Shows nichts mehr mit der Band von damals zu tun hat, die im Grunde noch eine Garagen-Band ohne großartige spielerische Fähigkeiten war. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wann und vor allem wie diese Transformation von der recht rauen Live-Band zu den deutlich pop-orientierten Platten von R.E.M. stattgefunden hat.
Chronic Town, der erste R.E.M.-Release auf IRS (nicht wie ursprünglich geplant auf dem Dasht Hopes Label) erschien 1982. Sowohl das Label als auch die Band waren zu diesem Zeitpunkt der Überzeugung, dass es noch zu früh für ein komplettes Album war und so einigte man sich auf den Release einer EP, die zahlreiche Fragen aufwarf und reichlich düster und kryptisch daherkam - vom dunkelbkau eingefärbten Gargoyle-Cover über die spöttisch-geheimnisvollen Abbildungen der Bandmitglieder, den als "Chronic Town" bzw. "Poster Torn" betitelten Plattenseiten und natürlich den bewusst unspezifischen Lyrics und Songtiteln - laut Aussage von Peter Buck wollten R.E.M. nie eine Band sein, die Geschichten erzählt, sondern Bilder und Stimmungen erzeugt. Das erklärt dann auch, warum Stipe hier nie aus seiner Sicht oder aus der Perspektive einer anderen Person singt. Eine für meinen Geschmack logische und funktionierende Herangehensweise, zumal der inhaltlich komplett unverständliche Song "Wolves, Lower" bis heute zu meinen R.E.M.-Favoriten gehört:
"Suspicion yourself, suspicion yourself, don't get caught
Suspicion yourself, suspicion yourself, let others out
Wilder lower wolves. Here's a house to put wolves out the door
In a corner garden, wilder lower wolves
House in order, house in order, house in order, house in order
Down there they're rounding a posse to ride."
Es ist erstaunlich, wie frisch und direkt die Band trotz all der düsteren und geheimnisvolle Elemente klingt - nichts wirkt pathetisch, gequält oder gar aufgesetzt, keine Peinlichkeiten, keine Pennälerlyrik und die Produktion von Mitch Easter ist vorbildlich, denn sie setzt bei jedem Song die richtigen Akzente und setzt sie so, trotz eines einheitlichen, stimmigen Klangbildes, voneinander ab und sichert ihre individuelle Stimmung, die von treffend eingesetzten Effekten unterstützt wird (am besten und deutlichsten wahrscheinlich auf "Stumble"). Ein enormer Fortschritt im Vergleich zu der verunglückten Produktion der zuvor auf Hib-Tone erschienenen und später in einem anderen Mix auf IRS wiederveöffentlichten Single "Radio Free Europe". Nicht auszudenken, was aus R.E.M. geworden wäre, hätte tatsächlich Stephen Hague, mit dem die Band eine Version von "Catapult" für einen möglichen Vertrag bei RCA aufnahm, den Platz hinter den Reglern eingenommen. Hague wurde später u.a. durch seine Tätigkeiten für die Pet Shop Boys, New Order oder Erasure bekannt...
Natürlich haben R.E.M. nach Chronic Town noch zahlreiche gute Songs veröffentlicht und betörende Alben eingespielt, allerdings sind fast alle guten R.E.M.-Songs eine leichte Variation dessen, was sie bereits auf Chronic Town gemacht haben. Diese EP (oder Mini LP) ist für mich das ultimative R.E.M.-Grundgerüst, die Basis auf der alle guten Platten bis 1987 entstanden und wuchsen.
Originale und Reissues von "Chronic Town" sind übrigens recht leicht zu unterscheiden: Das Original hat ein Gargolye-Label, Reissues haben schlichte, silberne IRS Labels.
01. Television - Marquee Moon *****
02. John Coltrane - My Favorite Things *****
03. The Smiths - The Queen Is Dead *****
04. Blondie - Blondie **** 1/2
05. Neil Young - On The Beach **** 1/2
06. Albert Ayler Trio - Spiritual Unity **** 1/2
07. Tom Verlaine - Tom Verlaine **** 1/2
08. Kate Bush - Hounds Of Love **** 1/2
09. Tim Buckley - Starsailor **** 1/2
10. R.E.M. - Chronic Town **** 1/2
11. Donald Fagen - The Nightfly ****
12. Richard Hell & The Voidoids - Blank Generation ****
13. The Doors - Strange Days ****
Die frühen R.E.M. kenne ich gar nicht, vor daher sehr interessant!
Ich muss gestehen, dass ich dieses Mini-Album auch nicht kenne. Obwohl mir das Cover andererseits bekannt vorkommt. Aber die Tracks sagen mir nichts.
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