Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pop ist alt oder: Warum die Popmusik keine Ahnung mehr von der Zukunft hat!
Liebe Zielgruppe,
in der Süddeutschen Zeitung gab es heute einen sehr interessanten Artikel über die Zukunft der Popmusik. Wie also könnte die Popmusik in 2010 aussehen?
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/958/56902
Die Argumentation geht in etwa wie folgt: Das Gehirn ist ein zwangsnostalgisches Organ. Da es immer mehr popsozialisierte Alte gibt, nimmt das "Darling, they're playing our tune"-Phänomen zu.
Wir mögen nur, was wir kennen und uns an schöne Momente erinnert. So gibt's auch nur dann eine Gänsehaut, wenn die "Gänsehaut"-Stücke bekannt sind und mit entsprechenden Assoziationen belegt sind.
Damit hat Popmusik ihre Existenzberechtigung verloren. Nicht das Neue, das stets das höchste Gut, das heilige Programm des Pop war, sondern das Alte wird von den Hörern goutiert.
Schaut euch den Artikel einmal an. Was meint ihr?
Werden wir einfach alt?
Herr Rossi
19.07.2005, 14:32
Ich meine, dass auch schon früher ab einem bestimmten Alter das Interesse daran, neue Musik zu entdecken (im Sinne von: weiterer, noch nicht einmal stilistisch völlig anderer Musik), rapide abnahm. Hier im Forum versammeln sich die, bei denen das anders ist, bei den meisten jedenfalls. Ich merke es in meinem Freundes- und Familienkreis, dass es sehr schwer ist, für Musik, Sänger und Bands Interesse zu wecken, die nicht schon seit Urzeiten bekannt sind. Und dabei höre ich ja nicht so besonders "abseitige" Sache. Das Moment der Innovation halte ich eh für völlig überschätzt. Man möchte schon gerne überrascht werden, aber wirklich fremdartige, unverständliche Klänge, damit setzt man sich doch nur gelegentlich auseinander. Der Reiz des Musikhörens liegt ja auch im Repetitiven (siehe auch: "Alben, die wachsen", "Singles, die man immer wieder auflegt").
Der Artikel ist ja ganz nett. Stimmt ja auch zum Teil. Was ich nicht verstehe ist, warum der Autor im zweiten Teil vor allem auf der Techno Musik so rumreitet. Es gibt in allen Bereichen der Popmusik Stillstand, Langeweile, Wiederkäuen bekannter Formen und Strukturen. Und es gibt überall auch Innovation bzw. ein so noch nicht gehörtes Zusammenfügen bekannter und bewährter Bausteine.
Dieses "They're playing our tune" Phänomen ist ja nun wirklich nicht neu. Ich habe ja schon immer die Meinung vertreten, dass man musikalisch in der Pubertät und in den Jahren unmittelbar danach geprägt wird. Was man damals geliebt hat, wird man - wenn auch in veränderter Form - immer toll finden. Bei mir ist das weitgehend so. Und ich kenne eigentlich auch niemanden, der in fortgeschrittenerem Alter noch ganz neue Musikstile und Sounds lieben lernt.
Ich glaube, die Poplandschaft der nahen Zukunft wird von schlechten Pop-Rock-Bands á la Maroon 5 geprägt sein, den Boybands der Zukunft...
Dieses "They're playing our tune" Phänomen ist ja nun wirklich nicht neu. Ich habe ja schon immer die Meinung vertreten, dass man musikalisch in der Pubertät und in den Jahren unmittelbar danach geprägt wird. Was man damals geliebt hat, wird man - wenn auch in veränderter Form - immer toll finden. Bei mir ist das weitgehend so. Und ich kenne eigentlich auch niemanden, der in fortgeschrittenerem Alter noch ganz neue Musikstile und Sounds lieben lernt.
Well ... stimme dir nicht ganz zu. Dann müsste ich ja nach wie vor den ganzen Tag Heavy-Metal-Scheiben hören. Andererseits ... so ein paar krachende Gitarren ab und zu können nicht schaden.
Außerdem würde das ja bedeuten, dass die ganzen Kids, die sich jetzt mit Hiphop zudröhnen, das in 20 Jahren immer noch tun. Andererseits ... warum auch nicht. Deren Problem!
Ich glaube auch nicht, dass es so sehr darum geht, ob sich jetzt neue Stile entwickeln und erfolgreich werden. Vielmehr geht es meines Erachtens eher um die Haltung zur Musik.
Ich denke mal, den meisten hier im Forum bedeutet Musik wirklich etwas. Die Zahl derer, die Musik aber nur zu funktionalen Zwecken verwenden (Partyterror etc. ...), nimmt m.E. deutlich zu. Und die brauchen nun wirklich nichts Neues. Die freuen sich über jeden Mist, den sie wiedererkennen.
Ich habe den Artikel nicht ganz gelesen. Er hakelt an einer entscheidenden Stelle, weshalb ich auch nicht weitergelesen habe: Wenn das ein Naturphänomen sein sollte, warum soll es dann vor Jahren noch anders gewesen sein?
Widerspreche Mikko, was seine Theorie "was man damals geliebt hat, wird man immer toll finden" und Neues käme kaum noch hinzu anbelangt. Das mag da und dort zutreffen aber eben da und dort auch nicht.
Sicher, Otis. Man wird "reifer", "erfahrener", auch abgeklärter und anspruchsvoller. Aber die Grundrichtung ändert sich nach meiner Erfahrung nicht. Neues zu entdecken und zu hören, bedeutet ja nicht zugleich es zu lieben. Sicher haben sich die hier versammelten Forumianer ihr Interesse und auch eine Begeisterung für Neues in der Musik erhalten. Aber es hat doch jede/r bestimmte Vorlieben. Und die ändern sich m.E. nicht mehr grundlegend ab einem Zeitpunkt X, den ich bei mir in die späten Zwanziger lege.
Na, Mikko, jetzt wirst du mit "späte Zwanziger" aber recht spät.
Dass wir in unserem Alter die große Begeisterung für Techno nicht mehr aufbringen können, mag doch erklärlich sein. Aber Hiphop ist mir so fern nicht (auch wenn ich mich da nicht auskenne) und auch Älteres allemal nicht.
Man sollte ja nicht nur Neueres ins Kalkül ziehen in diesem Zusammenhang, sondern auch weniger verdautes Älteres, von Jazz bis Klassik. Nein, unter diesem Gesichtspunkt muss ich dir (und dem Artikel, reines Feuilleton i.ü.) definitiv widersprechen. Nicht etwa wg mir, sondern weil ich es gerade auch bei anderen beobachte.
Ich weiß schon, was und wie Du es meinst. Vielleicht gehe ich da auch wirklich zu sehr von mir selbst aus. Es gibt einfach eine ganze Reihe von Musikstilen, -richtungen, nenne es wie Du willst, mit denen werde ich nicht recht warm. Natürlich kann ich mir ein Otis Taylor Album oder ein Bach Oratorium anhören und das musikalisch einordnen und bewerten (ah - vielleicht nicht mal das), aber ich werde es nie 100% verstehen oder ein Gefühl der Freude oder Zuneigung dabei empfinden. Und so geht es mir mit vieler Musik. Auch mit mancher alten Blues Platte und erst recht mit den meisten Platten von George Jones, sehr zum Verdruss eines uns gut bekannten DJs.
Trotzdem nehme ich für mich in Anspruch, jemand zu sein, der immer ein offenes Ohr für neue und unbekannte Musik hat. Aber in all den Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir in aller Regel nur die Sachen wirklich ans Herz gehen (wie man so sagt, um eine gefühlsmäßige Bindung zu beschreiben), die sich stilistisch in von mir schon immer geschätzten Bahnen bewegen. Wobei meine Zuneigung ja durchaus breit gestreut ist. ;)
Lucy Jordan
19.07.2005, 22:32
Und ich kenne eigentlich auch niemanden, der in fortgeschrittenerem Alter noch ganz neue Musikstile und Sounds lieben lernt.
Da wage ich ganz heftig zu widersprechen! Wenn man Spass an Musik hat - natürlich rede ich da von mir :lol: - kann man auch im "höherem Erwachsenenalter" noch Neues entdecken! Metal und Hardrock höre ich wirklich erst seit gut 10 Jahren, und das mit wachsender Begeisterung.
Mistadobalina
19.07.2005, 22:33
@ Mikko
Wie Recht du hast! Ich interessiere mich auch für alles Mögliche, aber man hört eben auch mit dem Herzen. Hast du wirklich schön und sehr ehrlich erklärt.
Lucy Jordan
19.07.2005, 22:35
...aber man hört eben auch mit dem Herzen.
Ich wage erneut zu widersprechen: Man hört mit dem Bauch! Und dann schaltet sich der Kopf ein.
OK Lucy, ich weiß nicht, was Du vorher so gehört hast. Aber ich behaupte jetzt einfach Mal, dass sich Deine Vorliebe für Metal und Hardrock nicht völlig entgegen Deinen früheren Vorlieben entwickelt hat. Ich meine, Metal und Hardrock sind letztlich auch nur Popmusik, die auf alten R&B Schemata basiert.
Ich wage erneut zu widersprechen: Man hört mit dem Bauch! Und dann schaltet sich der Kopf ein.
Herz und Bauch meinen hier dasselbe, Lucy.
Mistadobalina
19.07.2005, 22:38
Ich wage erneut zu widersprechen: Man hört mit dem Bauch! Und dann schaltet sich der Kopf ein.
Tja, Lucy - kann man sicher auch. Ist bei mir aber sicht so.
:)
Für hat es wirklich mehr mit Liebe zu tun.
Flatted Fifth
19.07.2005, 22:42
Ich halte nichts von solchen "Zukunftsprognosen". Die Frage nach einer Zukunft der Musik ist eine Frage nach der Zukunft der Gesellschaft, denn aus ihr heraus passieren diese musikalischen Veränderungen. Und ich halte es für unmöglich, eine wirklich seriöse Prognose der Gesellschaftsveränderung zu erstellen, zuviele Parameter müssen berücksichtigt werden. Die Aussage, die Erfindung neuer Instrumente sei für "neue Musik" verantwortlich, kann ich auch nicht vollständig unterschreiben. Sicher beeinflussen sie die Entwicklung, aber auch sie sind schlussendlich das Produkt einer Gesellschaftsveränderung.
Und die Aussage, elektronische Musik habe die Zukunft derer selbst so gut wie abgeschafft, ist mehr als fragwürdig. Im Gegenteil, meine Meinung ist, dass genau in diesem Bereich die Musik spielt und spielen wird (im übertragenen wie im geschriebenen Sinn). Man muss sich nur mal in Köln anschauen, was so angesagt ist (wobei ich natürlich fairerweise anmerken muss, dass Köln eine, wenn nicht sogar DIE, Hochburg für elektronische Musik ist).
@ Mikko
Wie Recht du hast! .
Noch mal ein Fragezeichen.
Ich glaube zu verstehen, was ihr meint. Ehrlichkeit ist gut, aber "Recht haben" in diesem Zusammenhang ist sehr subjektiv formuliert. Ich erlebe es bei mir und bei einigen in meinem Umfeld einfach anders. Ich entdecke Bach, der mir eher fremd war früher. Ich beginne Coltrane zu lieben, der mir kalt war. Ich liebe Armstrong, der mir beliebig schien früher. Und vor allem liebe ich seit 10-15 Jahren, also weit jenseits der Dreißiger, die Soul und Country-Musik.
Ich weiß also nicht, ob "ehrlich" hinreichend und "Recht haben" angemessen ist. Man muss und darf sich nicht verbiegen, Mista, wenn das gemeint war, ok. Aber dem anderen abzusprechen, dass er es völlig anders erlebt, sollte ihm unbenommen sein.
Mistadobalina
19.07.2005, 22:49
Noch mal ein Fragezeichen.
Ich glaube zu verstehen, was ihr meint. Ehrlichkeit ist gut, aber "Recht haben" in diesem Zusammenhang ist sehr subjektiv formuliert. Ich erlebe es bei mir und bei einigen in meinem Umfeld einfach anders. Ich entdecke Bach, der mir eher fremd war früher. Ich beginne Coltrane zu lieben, der mir kalt war. Ich liebe Armstrong, der mir beliebig schien früher. Und vor allem liebe ich seit 10-15 Jahren, also weit jenseits der Dreißiger, die Soul und Country-Musik.
Ich weiß also nicht, ob "ehrlich" hinreichend ist und "Recht haben" angemessen ist. man muss und darf sich nicht verbiegen, Mista. Wenn das gemeint war, ok. Aber dem anderen abzusprechen, dass er es völlig anders erlebt, sollte ihm unbenommen sein.
Möglicherweise habe ich das, was ich in so einfachen Worten sagen wollte, falsch ausgedrückt. Ich meinte, dass man bei Mikko rausspürt, wie ehrlich er zu seinem Umgang mit Musik steht und das auch äußern kann. Das hat mir gefallen.
Und "Recht" hat er halt, weil es mir so ähnlich geht.
:)
Dein Umgang mit Musik ist halt anders und hat in allem Umfang meine Anerkennung. Ich spreche immer aus der subjektiven Position, alles andere wäre ja vermessen.
Lucy Jordan
19.07.2005, 22:50
OK Lucy, ich weiß nicht, was Du vorher so gehört hast. Aber ich behaupte jetzt einfach Mal, dass sich Deine Vorliebe für Metal und Hardrock nicht völlig entgegen Deinen früheren Vorlieben entwickelt hat. Ich meine, Metal und Hardrock sind letztlich auch nur Popmusik, die auf alten R&B Schemata basiert.
Okay, da hast Du wohl recht. Ich habe Stones gehört, und dann ab 18 Jazz, Funk, Soul, Fusion - immer auch Folk, aber in den 70ern habe ich Hardrock wirklich nicht verstanden, Prog Rock erst recht nicht, und in den 80ern hat mich Metal aus dem Zimmer getrieben... Und heute gehe ich auf Metal-Konzerte. Schwierig, oder?
Mistadobalina
19.07.2005, 22:55
Okay, da hast Du wohl recht. Ich habe Stones gehört, und dann ab 18 Jazz, Funk, Soul, Fusion - immer auch Folk, aber in den 70ern habe ich Hardrock wirklich nicht verstanden, Prog Rock erst recht nicht, und in den 80ern hat mich Metal aus dem Zimmer getrieben... Und heute gehe ich auf Metal-Konzerte. Schwierig, oder?
Nicht wirklich! Ich bin z.B. eine alte Popmusik-Tante! Und werde es wohl immer bleiben. :lol:
Nö, Lucy. Schon nachvollziehbar.
Und auch Otis' Erfahrungen kann ich natürlich so akzeptieren. Allerdings fällt es mir schwer, sie nachzuemfinden.
Möglicherweise hat das ja auch mit persönlichen Erfahrungen und Lebensumständen zu tun, die direkt gar nichts mit Musik zu tun haben. Aber ich will jetzt nicht wild rumspekulieren. Jeder hat seine Erfahrungen und das ist auch ok so.
Ich beobachte in meinem Bekannten- und Freundeskreis eher die von mir beschriebene Variante.
Popmusik-Tante ist gut und ich bin Popmusik-Onkel. Ich liebe Pop aus ganzem Herzen. Aber es gibt eben neben Pop noch mehr, was zu Herzen gehen kann. Ist das weniger ehrlich?
Mistadobalina
19.07.2005, 23:01
Ich beobachte in meinem Bekannten- und Freundeskreis eher die von mir beschriebene Variante.
Ich auch. Ist wohl auch der übliche Umgang mit diesen Dingen.
Wir hier sind sicherlich nicht die Norm der Musikhörer.
Aber es gibt eben neben Pop noch mehr, was zu Herzen gehen kann. Ist das weniger ehrlich?
Natürlich nicht! - ich glaube, ich weiß jetzt ganz gut was du meinst.
Lucy Jordan
19.07.2005, 23:04
Ich beobachte in meinem Bekannten- und Freundeskreis eher die von mir beschriebene Variante.
Und da gebe ich Dir uneingeschränkt recht. Ansonsten erklärte sich nicht der Erfolg all dieser Oldie-Konzert-Geschichten, wo sich Menschen Bands angedeihen lassen (antun klingt so negativ :) ), die irgendwann in ihrer Jugend einen schicken Titel in den Charts hatten.
Wir hier sind sicherlich nicht die Norm der Musikhörer.
Klar sind wir das nicht. Wer sind denn die Norm? Diejenigen, die morgens Antenne Bayern oder einsLive einschalten oder zu teuren Netrebko-konzerten wallen? Die nenne ich nicht Musikhörer, sondern Radiohörer oder Event-Besucher.
Herr Rossi
19.07.2005, 23:14
Ich bin z.B. eine alte Popmusik-Tante! Und werde es wohl immer bleiben.
:liebe:
Lucy Jordan
19.07.2005, 23:20
Also - morgens höre ich auch 1Live. In der Regel, weil ich zu müde bin, mir noch eine CD aus dem Regal zu grabbeln. Dann gibt's Nachrichten und nette Comedy. Somit ist der Start in den Berufstag halbwegs gesichert. Nur wenn's ganz schlimm kommt, dann muss ich selber tätig werden...
Aber Musikhören ist für mich wie Essen. Und da brauche ich neue Anregungen, weil sonst die Hör- oder Geschmacksnerven verkümmern könnten. Ich kloppe mir nicht jeden Tag westfälische Hausmannskost in den Topf, und ich freue mich auf neue Töne (leider spiele ich kein Instrument, aber kochen kann ich wirklich). Und manchmal überfuttert man sich auch an irgendwas - oder überhört sich... Und dann braucht der Mensch Lucy halt einen neuen Reiz (somit sei auch mein Gemaule über die Stones erklärt :)!
Mistadobalina
19.07.2005, 23:27
Klar sind wir das nicht. Wer sind denn die Norm? Diejenigen, die morgens Antenne Bayern oder einsLive einschalten oder zu teuren Netrebko-konzerten wallen? Die nenne ich nicht Musikhörer, sondern Radiohörer oder Event-Besucher.
Die Norm sind die Menschen, die zu keiner Zeit gewusst haben, was sie hören und die es auch nie wirklich interessiert hat.
Ach komm, Mista, das ist nicht die Norm der Musikhörer. :)
Aber eigentlich wollte ich mit meiner Argumentation zum einen euch (dir und Mikko) den Wind bzgl. "Recht" und "ehrlich" aus den Segeln nehmen und andererseits auf das ncihtssagend Feuilletonistische des Artikels hinweisen. Dummes Zeug steht drin, weil nicht mal Grundlegendes definiert ist.
Herr Rossi
19.07.2005, 23:37
Also - morgens höre ich auch 1Live. In der Regel, weil ich zu müde bin, mir noch eine CD aus dem Regal zu grabbeln. Dann gibt's Nachrichten und nette Comedy. Somit ist der Start in den Berufstag halbwegs gesichert. Nur wenn's ganz schlimm kommt, dann muss ich selber tätig werden...
Ich höre genauso morgens 1Live, der Sender und seine Musikauswahl sind okay. Die Neugier auf neue Musik muss man sich bewusst erhalten. Wer nicht das Radio einschaltet (also die halbwegs brauchbaren Sender) oder Musikzeitschriften liest oder die Möglichkeiten des Internets nutzt, der ist schnell raus. Meine musikalische Spannbreite hat sich in meinen thirty somethings sicher vergrößert, aber es ist mehr eine Ausdifferenzierung schon vorhandener Interessen. Allerdings habe ich mich nie auf einen Stil festgelegt, wie das viele so im Alter zwischen ca. 14 und 20 machen, wo es so beinharte musikalische Glaubensbekenntnisse gibt. Fand ich immer seltsam.
Rossi, gegen die beinharten musikalischen Bekenntnisse der 16-Jährigen ist doch nichts zu sagen, wenn sie sich später wieder öffnen.
In Hornby´s 31 Songs stehen ein paar schöne Sätze diesbezüglich.
Sinngemäß: Ich stand anfangs der 70er auf Rod Stewart mit seinen ganzen Coverversionen. Er hat mir die Tür geöffnet für die Originale. So wie es die Stones in viel größerem Maße in den 60s für die schwarze Musik getan haben. Hätte ich zu jener Zeit Elton John oder (hat er es wirklich gesagt?) Pink Floyd gehört, würde ich heute keine Musik mehr hören.
Da ist in mancher Hinsicht viel Wahres dran.
@otis
Richtig, in den Artikel steht wirklich viel Dummes Zeug. Das hatte ich schon ganz aus den Augen verloren. Dieser Thread ging ja mal ursprünglich von diesem Feuilleton Geschreibsel aus.
@Rossi
So ging es mir damals auch. Ich war vielleicht relativ gesehen ein Spätzünder, der sich erst mit 13 überhaupt für Popmusik interessierte, aber dann sofort mit Haut und Haaren für alles, was in Reichweite der Ohren kam. Das war zugegeben nicht sehr zielgerichtet und oft sprunghaft. Von den Bee Gees bis Zappa habe ich alles Mögliche gehört. Mich auf einen Stil festzulegen, kam mir da nie in den Sinn. Das war erst zehn Jahre später. Als ich Punk und New Wave kennen und lieben lernte habe ich Disco gehasst. Das hat sich inzwischen relativiert.
Als ich Punk und New Wave kennen und lieben lernte habe ich Disco gehasst. Das hat sich inzwischen relativiert.
Na siehst du, es ging doch!
Ich stand anfangs der 70er auf Rod Stewart mit seinen ganzen Coverversionen. Er hat mir die Tür geöffnet für die Originale. So wie es die Stones in viel größerem Maße in den 60s für die schwarze Musik getan haben. Hätte ich zu jener Zeit Elton John oder (hat er es wirklich gesagt?) Pink Floyd gehört, würde ich heute keine Musik mehr hören.
Da ist in mancher Hinsicht viel Wahres dran.
Ich habe zu jener Zeit auch Pink Floyd und Elton John gehört. Und ich höre immer noch Musik. (Wenn auch sehr selten Pink Floyd oder Elton John). ;)
Na siehst du, es ging doch!
Ja doch. Aber deshalb liebe ich doch Disco heute nicht.
Mistadobalina
19.07.2005, 23:58
Ach komm, Mista, das ist nicht die Norm der Musikhörer. :)
Wieso nicht? Das trifft auf die meisten Menschen aus meinem Bekanntenkreis absolut zu. Die meisten wissen nicht, was sie hören, kennen weder Titel noch Interpret. Trotzdem hören sie Musik und zwar ununterbrochen. Z.B. die Hörer von diesen Klassikradios, die wissen überhaupt nicht, was sie hören.
Herr Rossi
19.07.2005, 23:58
Rossi, gegen die beinharten musikalischen Bekenntnisse der 16-Jährigen ist doch nichts zu sagen, wenn sie sich später wieder öffnen.
Wenn sie es tun, klar. Aber häufig geht das beinharte Bekennertum direkt in Nostalgie über. Nebenbei, bei Hornby liest man natürlich viel Substantielleres über das Leben mit Popmusik als in solchen Feuilleton-Traktakten.
Wieso nicht? Das trifft auf die meisten Menschen aus meinem Bekanntenkreis absolut zu. Die meisten wissen nicht, was sie hören, kennen weder Titel noch Interpret. Trotzdem hören sie Musik und zwar ununterbrochen. Z.B. die Hörer von diesen Klassikradios, die wissen überhaupt nicht, was sie hören.
Das sind nach Otis ja auch keine Musikhörer. :rolleyes:
Mistadobalina
20.07.2005, 00:04
Das sind nach Otis ja auch keine Musikhörer. :rolleyes:
Was sind sie dann?
Mistadobalina
20.07.2005, 00:11
Klangtapetenkonsumenten?
Ach was. Ich habe viele von ihnen für Musik begeistern können. Sie haben halt andere Vorlieben und sind nicht so passioniert, aber trotzdem durchaus offene Ohren und freuen sich, wenn sie mal wieder was für sich entdecken.
Ich kann ja auch keine Bundesligafussballspieler runterschnurren.
Ja doch, ich weiß schon was du meinst, Mista.
Ich glaube Otis ist da etwas strenger. Er benutzt den Begriff "Musikhörer" etwas eingeschränkter. Aber soll er doch selbst was dazu sagen. ;)
Ich habe viele von ihnen für Musik begeistern können. Sie haben halt andere Vorlieben und sind nicht so passioniert, aber trotzdem durchaus offene Ohren und freuen sich, wenn sie mal wieder was für sich entdecken.
Das sag ich doch die ganze Zeit, dass das geht!
pink-nice
20.07.2005, 00:34
Sinngemäß: Ich stand anfangs der 70er auf Rod Stewart mit seinen ganzen Coverversionen. Er hat mir die Tür geöffnet für die Originale. So wie es die Stones in viel größerem Maße in den 60s für die schwarze Musik getan haben. Hätte ich zu jener Zeit Elton John oder (hat er es wirklich gesagt?) Pink Floyd gehört, würde ich heute keine Musik mehr hören.
Da ist in mancher Hinsicht viel Wahres dran.
Was ist das für ein Blödsinn ?
Was ist das für ein Blödsinn ?Das ist kein Blödsinn. Bei Stewart oder den Stones besteht die Möglichkeit, dass Du Dich irgenwann für die Originalversionen, bzw. für die Wurzeln dieser Musik inetressierst, da diese ja ganz offensichtlich sind. Bei Pink Floyd oder Elton John ist das nicht gegeben...
Mistadobalina
20.07.2005, 00:55
Na, so einfach wie Hornby es sich macht, ist es nun auch nicht. Jede Musik hat ihre Wurzeln, wenn sie auch nicht immer so offensichtlich sind wie bei den Stones oder Rod Stewart.
Wieso macht Hornby es sich einfach? Er beschreibt seine musikalische Sozialisation und spekuliert über eine mögliche andere.
Aber abgesehen davon:
Vielleicht komme ich mit Mikko überein auf der Basis folgender Aussage: Was in der musikalischen Sozialisation nicht angelegt ist, das führt auch später nicht mehr zu großer Liebe.
Dem würde ich wohl zustimmen können. Und solche Sozialisationen können nun mal sehr unterschiedlich aussehen.
pink-nice
20.07.2005, 09:46
Das ist kein Blödsinn. Bei Stewart oder den Stones besteht die Möglichkeit, dass Du Dich irgenwann für die Originalversionen, bzw. für die Wurzeln dieser Musik inetressierst, da diese ja ganz offensichtlich sind. Bei Pink Floyd oder Elton John ist das nicht gegeben...
Es geht um den Satz.....
Hätte ich zu jener Zeit Elton John oder (hat er es wirklich gesagt?) Pink Floyd gehört, würde ich heute keine Musik mehr hören.
Das meinte ich mit Blödsinn.
dougsahm
20.07.2005, 09:53
Was in der musikalischen Sozialisation nciht angelegt ist, das führt auch später nicht mehr zu großer Liebe.
Kenne genügend Beispiele, die diese These unterstützen.
Kenne genügend Beispiele, die konträr zu dieser These sind.
Kommt mir vor wie die soziologische Diskussion über die Anlage / Umwelt - Thematik. Bei einem ist es die Veranlagung, die ihm was mitgibt, beim anderen die Umwelt, beim Dritten die Kombination. Kann es nicht in hypothetischen Prozenten ausdrücken. Bin mir aber sicher, dass es keine eindimensionale Kausalität gibt.
Nebenbei, bei Hornby liest man natürlich viel Substantielleres über das Leben mit Popmusik als in solchen Feuilleton-Traktakten.
Das ist wohl spätestens seit 'High Fidelity' auch meine Meinung. Der gute Nick hat ja zum Glück sowohl einen emotionalen als auch einen intelektuellen Zugang zur Musik.
Wieso macht Hornby es sich einfach? Er beschreibt seine musikalische Sozialisation und spekuliert über eine mögliche andere.
Aber abgesehen davon:
Vielleicht komme ich mit Mikko überein auf der Basis folgender Aussage: Was in der musikalischen Sozialisation nicht angelegt ist, das führt auch später nicht mehr zu großer Liebe.
Dem würde ich wohl zustimmen können. Und solche Sozialisationen können nun mal sehr unterschiedlich aussehen.
Na also! Geht doch. So meinte ich das imgrunde auch.
Aber abgesehen davon: Vielleicht komme ich mit Mikko überein auf der Basis folgender Aussage: Was in der musikalischen Sozialisation nicht angelegt ist, das führt auch später nicht mehr zu großer Liebe.
Dem würde ich wohl zustimmen können. Und solche Sozialisationen können nun mal sehr unterschiedlich aussehen.
Das wäre ja quasi wie beim Sprachenlernen. Anhänger der 'Universal Grammar' (Chomsky ...) gehen davon aus, dass die Fähigkeit kreativ zu Sprechen inklusive universeller, grammatikalischer Strukturen in jedem angelegt ist. Durch äußere Einflüsse wie das Geplapper der Eltern in der (zugegebenermaßen sehr frühen) Sozialisation entwickelt sich dann automatisch der kreative Umgang mit der Muttersprache.
Und das funktioniert bis zum Alter von ca. 4 - 6 Jahren. Alles, was danach an Sprachkenntnissen erworben wird, eignet man sich nicht automatisch an, sondern muss hart erlernt werden ... wie jedes andere Wissen auch.
Auf die Liebe zur Musik umgedacht bedeutet das, dass alle Musikrichtungen, die wir nicht in unserer Sozialisation kennen- und fühlen gelernt haben, nur durch harte Arbeit (quasi Auswendighören mit akademischem Begleittext) in unser Hirn dringen.
Fragt sich nur, bei welchem Alter hier der Knackpunkt liegt. Die späten 20er war ja schon ein Vorschlag. Ich würde - ausgehend von meiner Erfahrung - eher auf die frühen 20er tippen.
Kenne genügend Beispiele, die diese These unterstützen.
Kenne genügend Beispiele, die konträr zu dieser These sind.
Kommt mir vor wie die soziologische Diskussion über die Anlage / Umwelt - Thematik. Bei einem ist es die Veranlagung, die ihm was mitgibt, beim anderen die Umwelt, beim Dritten die Kombination. Kann es nicht in hypothetischen Prozenten ausdrücken. Bin mir aber sicher, dass es keine eindimensionale Kausalität gibt.
Nee, Doug. Da muss ich Dir widersprechen. Mit Veranlagung oder womöglich Vererbung hat das nun wirklich nichts zu tun. Ich weiß nicht genau, was du mit eindimensionaler Kausalität meinst, aber nach meiner Erfahrung ist die musikalische Sozialisation die Grundlage für den späteren musikalischen Lebenswandel. Wäre ja auch seltsam, wenn es anders wäre.
Und sicher gibt es immer irgendeine Ausnahme, die die Regel bestätigt.
dougsahm
20.07.2005, 11:34
Nee, Doug. Da muss ich Dir widersprechen. Mit Veranlagung oder womöglich Vererbung hat das nun wirklich nichts zu tun. Ich weiß nicht genau, was du mit eindimensionaler Kausalität meinst, aber nach meiner Erfahrung ist die musikalische Sozialisation die Grundlage für den späteren musikalischen Lebenswandel. Wäre ja auch seltsam, wenn es anders wäre.
Und sicher gibt es immer irgendeine Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Mit eindimensionaler Kausalität meine ich, dass aus der Sozialisation kein Automatismus hinsichtlich der Wertschätzung bestimmter Musikrichtungen entsteht.
Klar gibt es das – was Du als eindeutige Tendenz vermutest.. Vielleicht sogar häufiger als dass irgendeine innere Neigung (=Anlage) für die Entwicklung des Musikgeschmacks verantwortlich ist. Ich sagte ja, dass ich keine Prozentangaben nennen kann.
Aber wenn ich in meinen Bekannten-/ Erfahrungskreis rumschaue kann ich diese Monokausalität in keiner Weise stützen. Aber ich glaube es bringt uns nicht richtig weiter, wenn ich individuelle Beispiele nenne, die Deine These unterstützen und im gleichen Atemzug Beispiele nenne, die meine These bekräftigen (ich hätte ganz wunderbare :lol:)
Meine Meinung ist einfach, dass Sozialisation nicht alles ist. Weder bei Interessen, noch bei Fähigkeiten, noch bei Fertigkeiten. Davon dass Adulte sich von Eltern und Peer Groups einfach mit individualistischen Vorstellungen abgrenzen wollen und dann darin verhaftet bleiben – dieser Aspekt würde das Ganze noch komplexer machen (weit ausholend könnte man ja auch begründen, dass das eine Form der Sozialisation ist – wenn auch eine diametrale ...)
Jetzt werde ich aber zunehmend offtopic ....
... vielleicht liegts auch ganz banal daran, dass wir unterschiedliche Leute kennen ...
Lucy Jordan
20.07.2005, 18:17
Sie haben halt andere Vorlieben und sind nicht so passioniert, aber trotzdem durchaus offene Ohren und freuen sich, wenn sie mal wieder was für sich entdecken.
Ich kann ja auch keine Bundesligafussballspieler runterschnurren.
Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Ansatz. Musikhören (und vielleicht auch -machen) ist für uns Hobby, und zwar ein wesentliches. Dafür interessieren uns andere Bereiche eben weniger (Sport ist für mich etwas, was mir schon arg fremd ist). Aber vielleicht liest man demnächst einen Artikel, in dem über die Zukunft des Leistungssport gemutmasst wird, falls irgendwo eine Fernsehquote wegbrechen sollte?
Meine Meinung ist einfach, dass Sozialisation nicht alles ist. Weder bei Interessen, noch bei Fähigkeiten, noch bei Fertigkeiten.
Es wäre ja auch schlimm, wenn es denn so wäre. Dann wäre der Mensch ein nur sehr eingeschränkt entwickeltes Lebewesen, und ein wenig an seine Umwelt angepasstes.
Meine Meinung ist einfach, dass Sozialisation nicht alles ist. Weder bei Interessen, noch bei Fähigkeiten, noch bei Fertigkeiten.
Logisch! Aber interessant ist doch die Frage: Wie eignen wir uns Vorlieben vor, während und nach der Sozialisation an? Oder gibt es dabei keine Unterschiede?
Wenn also die Entwicklung musikalischer Vorlieben im Rahmen der Sozialisation nicht hirngesteuert, sondern rein emotional ... quasi von selbst läuft. Und wenn die Entwicklung musikalischer Vorlieben nach der Sozialisation eher hirngesteuert ist, weil die natürliche Entwicklung praktisch zu Ende ist. Hieße das dann nicht, dass unser Verhältnis zur Musik unserer Sozialisation ein viel tieferes, emotionaleres, bauchigeres ... ist?
Oder ist das nur Psychogeschwafel, und ich sollte lieber eine geile CD einlegen?
Jörg König
20.07.2005, 22:06
Wenn ich davon leben müsste, das Feuilleton mit mir vollzumachen, würde ich auch viele Worte für die schlichten Tatsachen finden, dass verschiedene Leute verschiedene Geschmäcker haben und z. B. junge Bluesfans alte Bluesfans werden, statt an irgendeinem runden Geburtstag zu den Wildecker Herzbuben überzulaufen.
firecracker
27.07.2005, 14:54
Ich halte nichts von solchen "Zukunftsprognosen". Die Frage nach einer Zukunft der Musik ist eine Frage nach der Zukunft der Gesellschaft, denn aus ihr heraus passieren diese musikalischen Veränderungen. Und ich halte es für unmöglich, eine wirklich seriöse Prognose der Gesellschaftsveränderung zu erstellen, zuviele Parameter müssen berücksichtigt werden. Die Aussage, die Erfindung neuer Instrumente sei für "neue Musik" verantwortlich, kann ich auch nicht vollständig unterschreiben. Sicher beeinflussen sie die Entwicklung, aber auch sie sind schlussendlich das Produkt einer Gesellschaftsveränderung.
unterschreib´ ich so.
außerdem wird mir in dem artikel ein bischen zu sehr auf dem sound/musik kreieren mit neuen mitteln (elektro) herum geritten. das wichtigste ist für mich immer noch das songwriting... sound ist zweitrangig. zumindest ist´s mir völlig egal, ob dieser sound "neu" klingt.
firecracker
27.07.2005, 15:54
und was die musikalische sozialisation eines menschen angeht: es gibt studien, die besagen, dass das musikalische konzept eines menschen in der regel mit anfang 20 aufhört, sich zu erneuern; es also unwahrscheinlich ist, dass jemand, der bis zu der zeit nur ndr2 gehört hat (oder ähnliches), plötzlich eine begeisterung für free jazz aufbringen wird. wer als jugendlicher/junger erwachsener viel experimentiert hat und sich für unterschiedliche stilrichtungen interessiert hat, wird das wahrscheinlich auch weiterhin tun. wenn das interesse an neuem auch nachlässt... wir sprechen hier von mittelwerten, natürlich... ausnahmen bestätigen die regel. lol
Lucy Jordan
27.07.2005, 21:59
...es also unwahrscheinlich ist, dass jemand, der bis zu der zeit nur ndr2 gehört hat (oder ähnliches), plötzlich eine begeisterung für free jazz aufbringen wird.
Da habe ich Glück gehabt, dass NDR 2, als ich 20 war, noch Free Jazz gespielt hat :)! Zwar um Mitternacht herum, aber da brauchte ich ja auch nicht mehr um 10 ins Bett. Das Problem ist wahrscheinlich nicht nur ein Problem der Sozialisation, sondern des Angebotes? Radioprogramme für den schnellen Verzehr oder das schnelle Geld? Warum wird sich heute keine Zeit mehr genommen, z.B. mal eine ganze Platte vorzustellen? Warum ist alles auf die Charts ausgerichtet? Verliert man so schnell seine Werbekunden?
firecracker
27.07.2005, 23:22
oh, free jazz auf ndr2? da hab ich wohl meine chance verpasst! :lol:
ja, glaube auch, dass das angebot ´n großes problem ist, denn es nimmt sich ja nicht jeder so viel zeit, wie einige freaks hier, um neue musik kennenzulernen. viele vertrauen einfach auf´s radio und haben gar keine ahnung, was es noch alles so an alternativen gibt. in england gehört ja (gute) musik nicht grundlos/zufällig viel mehr zur alltags-kultur.
radio-stationen gehen lieber auf nummer sicher, glaub ich auch. und bevor gute radio-sendungen gemacht werden können, müssten wohl auch erst mal neue leute eingestellt werden....
Flatted Fifth
27.07.2005, 23:26
Verliert man so schnell seine Werbekunden?
Ja, da mit einem weniger massenkompatiblen Programm die Reichweite und damit auch der Preis pro Werbesekunde sinkt. Money matters...
[...]das wichtigste ist für mich immer noch das songwriting... sound ist zweitrangig. zumindest ist´s mir völlig egal, ob dieser sound "neu" klingt.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe. Du trennst Songwriting von Sound, was durchaus richtig ist. Aber meiner Meinung nach ist es der Sound, der die Musik verändert und nicht das Songwriting - dieses ist eher wie ein Handwerk als traditionell zu betrachten und wird heute nicht viel anders praktiziert, als vor 30,40 Jahren.
firecracker
27.07.2005, 23:50
ja, sound (produktion, studiobedingungen) und songwriting (melodie, rhythmus, harmonie, lyrics) sind für mich unterschiedliche parameter. wichtige rollen spielen natürlich auch arrangement und gesang. damit mir ein song gefällt, muss natürlich alles harmonieren. um, und die frage war? ach ja, veränderung... kann gar nicht sagen, welcher faktor am meisten eine veränderung bewirkt. alle zusammen irgendwie. :o darf sich dabei allerdings nicht um ein einzelphänomen handeln. oder so. :o
firecracker
27.07.2005, 23:56
ich glaube mein problem ist auch, dass der autor so negativ über den rock n roll spricht, auf den man im zweifelsfalle zurückgreift. na und? solange das songwriting originell ist?! wieso muss das als notlösung betrachtet werden?
ich sollte schlafen gehen.
Lucy Jordan
28.07.2005, 00:06
oh, free jazz auf ndr2? da hab ich wohl meine chance verpasst! :lol:...
...radio-stationen gehen lieber auf nummer sicher, glaub ich auch. und bevor gute radio-sendungen gemacht werden können, müssten wohl auch erst mal neue leute eingestellt werden....
Na ja, Du bist ja auch ein kleines Eckchen jünger als ich...:lol:... und NDR 2 war bis in die späten 80er ein durchaus respektabler Sender mit spannendem Musikangebot - selbst im werbelastigen Morgenprogramm. ffn war sogar bis Mitte der 90er gut. Dann kam Antenne, schnappte wohl alle Werbekunden weg, und aus die Maus. Der einzige Sender, den ich kenne, der noch kleine Nischenprogramme pflegt, wenn auch dann, wenn ich wirklich kaum noch Radio höre und es eher zufällig mitbekomme, ist 1Live.
Ja, da mit einem weniger massenkompatiblen Programm die Reichweite und damit auch der Preis pro Werbesekunde sinkt. Money matters...
Das erklärt's denn wohl. Seufz.
Also ich muss sagen, dass ich bereits beim ERSTEN Hören von Maximo Park's "Signal And Sign" Gänsehaut bekommen habe. Also nicht nur bei den vermeintlichen "Klassikern".
firecracker
30.07.2005, 22:50
ich glaub auch, dass die menschen da draußen gar nichts neues wollen. ansonsten würde andrew bird mindestens in hallen wie der großen freiheit 36 und so spielen. und es wär´ wochen vorher ausverkauft. ;)
Na ja, Du bist ja auch ein kleines Eckchen jünger als ich...:lol:... und NDR 2 war bis in die späten 80er ein durchaus respektabler Sender mit spannendem Musikangebot - selbst im werbelastigen Morgenprogramm.
also doch meine chance verpasst! in den 80ern hatte ich ja noch nicht so viele verpflichtungen. hätte morgens durchaus radio hören können. vielleicht wäre meine musikalische sozialisation ganz anders verlaufen. ;)
1Live? ja, den traue ich ein gutes musikprogramm zu. haben fast alle konzerte aufgezeichnet, die ich in berlin gesehen habe. :lol:
edit: nein. radio1 war das natürlich.
die sendung "passion for plastic" (sonntag nachmittag) auf bfbs war gut (um 2002 herum viel gehört). - gibt´s die noch??
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