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30.05.2005, 12:48
Weiß hier jemand nicht, wo Salzwedel liegt? Er tröste sich, auch ich war mir über die genaue Lage nicht im Klaren, als ich vor ein paar Monaten einer Freundin zusagte, mit ihr eben genau dorthin aufs Keimzeitkonzert zu fahren. Einen Tag vorher schlug ich die Autobahnkarte in meinem Atlas auf und stellte fest, dass es zwischen A24, A2, A7 und Berliner Ring ein riesengroßes Nichts gibt. Mitten in diesem Nichts liegt Salzwedel. Angeblich ist Salzwedel die Stadt Deutschlands, die am weitesten von Autobahnen entfernt liegt. Ob das tatsächlich so ist, weiß ich nicht, aber egal von welcher Autobahn man kommt, bis Salzwedel sind es stets mindestens gute 100 km über Land. Ebenso verhält es sich mit den Entfernungen zu den größeren Städten wie Hamburg, Schwerin, Magdeburg oder Hannover. Das Nichts ist übrigens keine ganz zutreffende Wortwahl. Wenn es im Wendland bzw. in der Altmark eines gibt, dann ist es Landschaft bis zum Horizont. Dem Interessierten sei von Hamburg aus die Fahrt über die Elbuferstraße mit einem Zwischenstopp auf dem Aussichtsturm kurz vor Hitzacker empfohlen, aber das nur nebenbei.
Einmal in Salzwedel angekommen, ergibt sich ein Bild, das so leider auf viele ostdeutsche Städte zutrifft. Einst wohlhabende Hansestadt, kam Salzwedel im WK II zwar mit blauem Auge davon, wie’s scheint, aber 40 Jahre sozialistische Planwirtschaft hätten für die Bausubstanz auch nicht verheerender sein können. Nach der Wende hat sich indes viel getan. Die altertümliche Innenstadt mit ihren restaurierten Gassen wirkt sehr atmosphärisch, doch so manche Seitenstraße gibt noch immer ein erbärmliches Bild ab. In genau einer solchen Seitenstraße liegt das „Hanseat“ und dort sollte das Konzert stattfinden. Ich war mehr als skeptisch. Der Laden wirkte von außen wie eine kleine Kneipe und davor befand sich ein Plakatständer als wohl einziger Konzerthinweis in der gesamten Stadt. Insgeheim befürchtete ich bereits, die Band würde jeden Zuschauer/Zuhörer mit Handschlag begrüßen können. Im Hanseat jedoch eine positive Überraschung. Es tat sich ein wenn auch kleiner, so doch durchaus professioneller Konzertraum mit einem Fassungsvermögen von vielleicht 200 Leuten auf. Die waren dann auch da. Das Bier war bezahlbar (3,50 der halbe Liter vom Fass), die Musiker geisterten vor Konzertbeginn durchs Publikum und irgendwie schien hier jeder jeden zu kennen. Alles sehr familiär und freundlich. Selten wurde ich so oft und in so vertrauter Weise nach Feuer gefragt. Um kurz nach 21 Uhr stand die Band dann auf der Bühne und schaffte das kleine Wunder, den Songs des enttäuschenden aktuellen Albums live gehörig Leben einzuhauchen. Wie bereits auf der letztjährigen Tour begeisterte mich, wie sie die oft so bemühten, aufgesetzt rockigen Songs ihrer Alben nach „Primeln und Elefanten“ live durch mitreißende Jams in Lässigkeit auflösten. Mitunter sah ich mundoffenstaunend zur Bühne und dachte bei Songs wie „Im elektromagnetischen Feld“ mehr als einmal an den damals bitteren Verriss des gleichnamigen Albums im RS. Zwischendurch unterhielt sich ein bestens gelaunter Sänger mit dem Publikum und gab so manche Anekdote von sich. Höhepunkte waren wie immer „Natalie“ – Keimzeits deutschsprachiges Cover des bekannten französischen Songs, der seinen Weg nie auf ein Album fand, aber auf jedem Konzert einfach dazu gehört – und Singapur: nur Piano und Stimme, im Publikum kein Laut und ein Kellner, der hinterm Tresen ergriffen mitsang. Nach einem Ausflug durch Songs von fast allen Alben – nur „Smart und gelassen warten“ blieb aus unerfindlichen Gründen komplett außen vor, dafür hatten sie „Bunte Scherben“ aus der Versenkung geholt – war das Konzert nach 2 ½ Stunden zu Ende. Mir stand noch der Ritt über Land nach Hause bevor. Ich hätte mal ein Hotel nehmen sollen. Sicher gab’s am Tresen noch das ein- oder andere Glas Rotwein mit den Herren Leisegang und Co.
Einmal in Salzwedel angekommen, ergibt sich ein Bild, das so leider auf viele ostdeutsche Städte zutrifft. Einst wohlhabende Hansestadt, kam Salzwedel im WK II zwar mit blauem Auge davon, wie’s scheint, aber 40 Jahre sozialistische Planwirtschaft hätten für die Bausubstanz auch nicht verheerender sein können. Nach der Wende hat sich indes viel getan. Die altertümliche Innenstadt mit ihren restaurierten Gassen wirkt sehr atmosphärisch, doch so manche Seitenstraße gibt noch immer ein erbärmliches Bild ab. In genau einer solchen Seitenstraße liegt das „Hanseat“ und dort sollte das Konzert stattfinden. Ich war mehr als skeptisch. Der Laden wirkte von außen wie eine kleine Kneipe und davor befand sich ein Plakatständer als wohl einziger Konzerthinweis in der gesamten Stadt. Insgeheim befürchtete ich bereits, die Band würde jeden Zuschauer/Zuhörer mit Handschlag begrüßen können. Im Hanseat jedoch eine positive Überraschung. Es tat sich ein wenn auch kleiner, so doch durchaus professioneller Konzertraum mit einem Fassungsvermögen von vielleicht 200 Leuten auf. Die waren dann auch da. Das Bier war bezahlbar (3,50 der halbe Liter vom Fass), die Musiker geisterten vor Konzertbeginn durchs Publikum und irgendwie schien hier jeder jeden zu kennen. Alles sehr familiär und freundlich. Selten wurde ich so oft und in so vertrauter Weise nach Feuer gefragt. Um kurz nach 21 Uhr stand die Band dann auf der Bühne und schaffte das kleine Wunder, den Songs des enttäuschenden aktuellen Albums live gehörig Leben einzuhauchen. Wie bereits auf der letztjährigen Tour begeisterte mich, wie sie die oft so bemühten, aufgesetzt rockigen Songs ihrer Alben nach „Primeln und Elefanten“ live durch mitreißende Jams in Lässigkeit auflösten. Mitunter sah ich mundoffenstaunend zur Bühne und dachte bei Songs wie „Im elektromagnetischen Feld“ mehr als einmal an den damals bitteren Verriss des gleichnamigen Albums im RS. Zwischendurch unterhielt sich ein bestens gelaunter Sänger mit dem Publikum und gab so manche Anekdote von sich. Höhepunkte waren wie immer „Natalie“ – Keimzeits deutschsprachiges Cover des bekannten französischen Songs, der seinen Weg nie auf ein Album fand, aber auf jedem Konzert einfach dazu gehört – und Singapur: nur Piano und Stimme, im Publikum kein Laut und ein Kellner, der hinterm Tresen ergriffen mitsang. Nach einem Ausflug durch Songs von fast allen Alben – nur „Smart und gelassen warten“ blieb aus unerfindlichen Gründen komplett außen vor, dafür hatten sie „Bunte Scherben“ aus der Versenkung geholt – war das Konzert nach 2 ½ Stunden zu Ende. Mir stand noch der Ritt über Land nach Hause bevor. Ich hätte mal ein Hotel nehmen sollen. Sicher gab’s am Tresen noch das ein- oder andere Glas Rotwein mit den Herren Leisegang und Co.